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Deschka
Neißeaue ist eine nördlich von Görlitz gelegene Gemeinde in der Oberlausitz. Der Ortsteil Deschka ist der östlichste Ort Deutschlands.
Ortspartnerschaften
- Partnergemeinde Pieńsk, Polen
Ortsgliederung
Ortsteile sind Deschka (sorbisch: Deško), Emmerichswalde, Groß Krauscha, Kaltwasser, Klein Krauscha (Krušowk), Neu Krauscha und Zodel.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
- Kulturinsel Einsiedel
- Vogelpark in Deschka
Kategorie:Ort in Sachsen
Kategorie:Ort in der Lausitz
Görlitz
Görlitz (polnisch Zgorzelec [], sorbisch Zhorjelc) ist die östlichste Stadt Deutschlands. Sie liegt in der Oberlausitz. Nach Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Plauen ist Görlitz die sechstgrößte Stadt des Freistaates Sachsen. Der östliche, wesentlich kleinere Teil der Stadt wurde durch die Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg abgetrennt und ist nun das eigenständige, polnische Zgorzelec. Görlitz hat derzeit noch den Status einer kreisfreien Stadt.
Nach dem Wiener Kongress 1815 kam sie zu Preußen und wurde Teil von Niederschlesien. Heute bildet sie ein Oberzentrum der Oberlausitz in Funktionsergänzung zusammen mit den Städten Hoyerswerda und Bautzen. Die Grenzstadt zu Polen diesseits der Neiße ist Sitz des katholischen Bistums Görlitz. Bis zum Jahre 2004 und der Fusion der EKsOL war sie auch evangelischer Bischofssitz. Glücklicherweise wurde die „Perle der Oberlausitz“ im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen verschont, weswegen die Stadt heute zu den schönsten Deutschlands zählt und knapp über 4.000 sehr gut restaurierte Baudenkmäler verfügt. Görlitz ist Mitglied der Euroregion Neiße und seit 1999 im Zipfelbund.
Geografie
Zipfelbund
Görlitz liegt in der Oberlausitz am westlichen Ufer der Neiße, die hier den Ostrand der Lausitzer Platte durchbricht, am Durchbruch des Flusses durch die Ausläufer des böhmisch-lausitzischen Grenzgebirges. Die ehemaligen Stadtteile am rechten Flussufer bilden seit der Grenzziehung zwischen der Sowjetischen Besatzungszone und Polen 1945 beziehungsweise seit der endgültigen Festlegung der Staatsgrenze 1990 die polnische Stadt Zgorzelec. Görlitz und Zgorzelec, die polnische Schwesterstadt verstehen sich als eine Europastadt.
Die höchste Erhebung des Görlitzer Stadtgebiets, die Landeskrone, liegt 420 m NN, die niedrigste Stelle der Stadt befindet sich an der Neiße bei 185 m NN.
Im Winter gehen die Görlitzer Uhren astronomisch richtig, denn der 15. Meridian östlicher Länge, an dem sich die MEZ orientiert, durchquert die Stadt. (siehe dazu speziell: Sommerzeit, Ortszeit, Meridian, Mitteleuropäische Zeit, Zeitzone)
Siehe dazu auch: Liste der Landschaften in Sachsen, Liste der Gewässer in Sachsen
Die nächstgrößeren Städte sind Cottbus, etwa 80 km nordwestlich, Dresden, etwa 90 km westlich, und Liegnitz (poln. Legnica), etwa 80 km östlich von Görlitz. Die Einwohnerzahl der Stadt Görlitz überschritt v. a. durch die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten 1949 die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Kurz danach sank die Einwohnerzahl jedoch wieder stark ab und liegt heute bei etwa 60.000.
Nachbargemeinden
Die nachfolgenden Gemeinden grenzen an die Stadt Görlitz. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt:
Zgorzelec in Polen (jenseits der Neiße), Ostritz und Schönau-Berzdorf auf dem Eigen (beide Landkreis Löbau-Zittau), Markersdorf, Schöpstal und Neißeaue (alle Niederschlesischer Oberlausitzkreis)
Stadtgliederung
Das Stadtgebiet von Görlitz ist in 10 Stadtteile und 8 Ortsteile gegliedert. Bei den Stadtteilen handelt es sich um die im Laufe der Entwicklung der Stadt entstandenen Gebiete beziehungsweise die bis 1952 eingegliederten ehemaligen Gemeinden oder Gemarkungen. Bei den 8 Ortsteilen handelt es sich um die erst bei der jüngsten Gemeindereform der 1990er Jahre eingegliederten Gemeinden, die räumlich vom eigentlichen Stadtgebiet getrennt sind.
Stadtteile: Altstadt, Biesnitz, Innenstadt, Klingewalde, Königshufen, Nikolaivorstadt, Rauschwalde, Landskronsiedlung, Südstadt und Weinhübel (bis 1937: Leschwitz)
Ortsteile: Hagenwerder (bis 1936: Nikrisch), Tauchritz, Schlauroth, Kunnerwitz, Klein Neundorf, Ludwigsdorf, Deutsch Ossig und Ober-Neundorf
Geschichte
Ludwigsdorf
Görlitz liegt an der Hohen Straße oder Via Regia, einem alten Handels- und Jakobsweg.
Görlitz wurde 1071 erstmals als Ort erwähnt. König Johann von Luxemburg und Kaiser Karl IV. statteten die Stadt mit zahlreichen Rechten aus (Münzrecht, Straßenrecht, Brau-, Salzgerechtigkeit etc.). Görlitz gehörte dem Markgraftum Oberlausitz und darin dem Oberlausitzer Sechsstädtebund an. Ab 1520 wurde schrittweise die Reformation eingeführt. 1547 war die Stadt vom Oberlausitzer Pönfall betroffen. Die Stadt litt im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg. 1635 kam die Stadt zu Sachsen.
Im 18. Jahrhundert wurde hier die „Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften“ gegründet (später die größte bürgerliche Gesellschaft ihrer Art in Deutschland); ihre erlesenen Bestände sind erhalten und nach 1945 in die dafür neu gegründete „Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften“ übertragen worden. Am 1. Juni 1816 kam Görlitz zur preußischen Provinz Schlesien. Hier wurde sie Sitz des gleichnamigen Kreises innerhalb des Regierungsbezirks Liegnitz. Am 31. Dezember 1867 wurde die Eisenbahn nach Berlin (zum dortigen Görlitzer Bahnhof) eröffnet. Am 1. Juli 1873 wurde Görlitz ein eigener Stadtkreis, blieb aber weiterhin Sitz des Landkreises Görlitz.
Im Jahre 1944 wurde in Görlitz ein Nebenlager des KZ Groß-Rosen durch die Waggon- und Maschinenbau AG errichtet. Im Februar 1945 evakuierte man die ca. 1.400 Häftlinge für drei Wochen ins 35 km entfernte Rennersdorf, von wo aus sie im März des selben Jahres wieder nach Görlitz abkommandiert wurden, um Panzersperren zu errichten und Schützengräben auszuheben. Nachweislich kamen im Nebenlager Görlitz über 400 jüdische Häftlinge aus Ungarn, Polen, Tschechien und Russland ums Leben.
Im Zuge der europäischen Neuordnung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Görlitz geteilt (Oder-Neiße-Grenze). Der östlich der Neiße gelegene Teil der Stadt ist seitdem polnisches Staatsgebiet und heißt Zgorzelec. Die bei Deutschland verbliebene Stadt wurde dem Land Sachsen zugeordnet, das jedoch 1952 aufgelöst wurde. Danach gehörte die Stadt zum Bezirk Dresden. Nach der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten 1990 wurde der Freistaat Sachsen wieder errichtet und Görlitz eine kreisfreie Stadt im neu gebildeten Regierungsbezirk Dresden. Im Zuge der Kreisreform 1994 ging der Landkreis Görlitz im neuen Niederschlesischen Oberlausitzkreis auf. Görlitz selbst wurde zunächst Kreissitz, nach einer Landesverfassungsklage, die sich gegen den gleichzeitigen Status als kreisfreie und Kreisstadt richtete, verlor sie den Kreissitz an Niesky.
Nach der Wiedervereinigung stürzten sich zahlreiche Investoren auf die schönste Stadt Deutschlands, die im zweiten Weltkrieg von Zerstörungen verschont geblieben war. Nirgendwo anders in Deutschland gibt es eine solche Dichte von gut erhaltenen Baudenkmälern verschiedenster Epochen. Der Boom nach der Wiedervereinigung hatte Züge einer ungehemmten Goldgräberstimmung, von der das Stadtbild von Görlitz jedoch nur profitieren konnte. Allerdings machte sich ein starker Bevölkerungsschwund alsbald aufgrund eines Abbaus der Industrie bemerkbar. Heute stehen fast 48 % der wunderschönen Gebäude in der Innenstadt leer. Scheinen die Straßenzüge von Görlitz zuweilen wie ausgestorben, boomt das Leben in Zgorzelec.
Religionen
Die Reformation fasste um 1525 Fuß. Seit dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts war Görlitz eine rein protestantische Stadt. Wie alle Lausitzer Protestanten gehörten die Görlitzer keiner Landeskirche an, sondern die Stadt verwaltete ihre Kirchenangelegenheiten selbst. Die evangelische Frömmigkeit in Görlitz wurde Ende des 17. Jahrhunderts stark vom Pietismus beeinflusst. Ab 1815 gehörte die Stadt zu Preußen und ihr Kirchenwesen wurde in die unierte evangelische Kirche Preußens eingeordnet. Die Stadt war Teil der schlesischen Provinzialkirche, deren Sitz sich seinerzeit in Breslau befand. Infolge der Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg („Oder-Neiße-Grenze“) verblieb nur noch ein kleiner Teil des Gebiets der schlesischen Provinzialkirche bei Deutschland und kam zur Sowjetische Besatzungszone.
Die Kirchenleitung musste 1946 Breslau verlassen und siedelte nach Görlitz um. So wurde Görlitz 1947 Sitz einer Landeskirche, die zunächst den Namen „Evangelische Kirche von Schlesien“ behielt, 1968 jedoch ihren Namen in „Evangelische Kirche des Görlitzer Kirchengebiets“ ändern musste und 1992 ihren zuletzt bekannten Namen Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz erhielt. Zum 1. Januar 2004 ging diese Landeskirche in der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz auf. Seither ist Görlitz Sitz des (vierten) Sprengels dieser neuen Landeskirche. Innerhalb dieses Sprengels gehören die Kirchengemeinden der Stadt Görlitz zum gleichnamigen Kirchenkreis.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zogen vermehrt wieder Katholiken in die Stadt und gründeten ab 1853 wieder eigene Pfarrgemeinden. Sie gehörten zum Erzbistum Breslau. Als dessen Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg infolge der Grenzziehung geteilt wurde, bildete der westlich der Neiße bei Deutschland verbliebene Teil des Bistums Breslau zunächst das „Erzbischöfliche Amt Görlitz“. Hieraus entstand über die 1972 gebildete „Apostolische Administratur Görlitz“ zum 8. Juli 1994 das heutige Bistum Görlitz innerhalb der neu errichteten Kirchenprovinz Berlin, dessen Kathedrale die 1898 erbaute St. Jakobuskirche wurde. Innerhalb des Bistums Görlitz gehören die Pfarrgemeinden der Stadt Görlitz zum gleichnamigen Dekanat.
Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Görlitz auch noch Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Baptisten, der Siebenten-Tags-Adventisten, der Pfingstler, der Methodisten, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage („Mormonen“), der Zeugen Jehovas und der Neuapostolischen Kirche.
Auch findet man in Görlitz eine Gemeinde des "Apostelamt Jesu-Christi KöR"[http://www.kirche-ajc.de/].
Seit einigen Monaten erst gibt es in Görlitz eine jüdische Gemeinde die, noch in den Kinderschuhen steckend, sieben Mitglieder zählt. Die Gemeinde ist bereits vom Zentralrat der Juden in Deutschland und dem sächsischen Landesrabbiner Dr. Almekias-Siegl anerkannt worden. In nächster Zeit wird die noch kleine Gemeinde bestimmt größer werden.
Eingemeindungen
Folgende Gemeinden und Gemarkungen wurden nach Görlitz eingemeindet:
- 1925: Rauschwalde
- 1929: Moys (polnisch: Zgorzelec-Ujazd)
- 1949: Weinhübel und Klingewalde
- 1952: Biesnitz
- 1994: (1. Januar) Deutsch Ossig
- 1994: (1. März) Hagenwerder/Tauchritz und Schlauroth
- 1999: (1. Januar) Kunnerwitz mit Klein Neundorf, Ludwigsdorf mit Ober-Neundorf sowie Gebietsteile der Gemeinde Schöpstal (Girbigsdorf)
Einwohner
Die folgende Tabelle zeigt die wohnberechtigte Bevölkerung nach den Ergebnissen der amtlichen Fortschreibung der Stadtverwaltung.
- kursive Daten stammen noch aus 09/2004
Eine weitere detaillierte Aufstellung befindet sich unter Bevölkerungsentwicklung in Görlitz. Dort sind auch die Einwohner nach Stadt- und Ortsteilen aufgeschlüsselt.
Politik
An der Spitze der Stadt ist seit 1282 ein Bürgermeister bezeugt. Später gab es auch einen Rat. Der Bürgermeister wechselte jährlich. Nach dem Übergang an Preußen wurde die preußische Städteordnung eingeführt. Neben dem Rat gab es weiterhin einen Bürgermeister, der ab 1873 den Titel Oberbürgermeister erhielt.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg bildete die sowjetische Besatzungszone den „Rat der Stadt“ beziehungsweise die Stadtverordnetenversammlung, die ebenfalls vom Volk „gewählt“ wurde.
Nach dem Beitritt der DDR zur BRD 1990 wurde das zunächst als Stadtverordnetenversammlung, nunmehr als Stadtrat bezeichnete Gremium wieder frei gewählt. Vorsitzender dieses Gremiums war zunächst ein besonderer Vorsitzender. Heute ist der Oberbürgermeister Vorsitzender des Stadtrats. Der Stadtrat wählte anfangs auch den Oberbürgermeister. Seit 1994 wird der Oberbürgermeister jedoch direkt vom Volk gewählt.
Stadtrat
Im Stadtrat sind zur Zeit folgende Fraktionen/Parteien vertreten:
- Bürger für Görlitz - 12 Sitze, Fraktionsvorsitz Dr. Rolf Weidle
- CDU - 10 Sitze, Fraktionsvorsitz Michael Hannich
- Die Linke.PDS - 8 Sitze, Fraktionsvorsitz Thorsten Ahrens
- SPD - 3 Sitze
- FDP - 2 Sitze
- DSU - 2 Sitze
- Bündnis 90/Die Grünen - 1 Sitz
Liste der Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister von Görlitz
Bürgermeister beziehungsweise Oberbürgermeister von Görlitz mit Lücken. Ab 1844 fortlaufend:
- 1474: Georg Emmerich, sechsmal in Folge
- 1592: Bartholomäus Scultetus, sechsmal in Folge
- 1844 - 1846: Gottlob Ludwig Demiani
- 1847 - 1856: Gottlob Jochmann
- 1857 - 1866: Hugo Leopold Wilhelm Sattig
- 1866 - 1871: Karl Eduard Maximilian Richtsteig
- 1871 - 1881: Friedrich Carl Johannes Gobbin
- 1881 - 1893: Clemens Theodor Reichert
- 1894 - 1906: Paul Büchtemann
- 1907 - 1927: Georg Snay
- 1928 - 1931: Dr. Georg Wiesner
- 1931 - 1934: Wilhelm Duhmer
- 1934 - 1938: Konrad Jenzen
- 1938 - 1941: Dr. Georg Hans Damrau
- 1941 - 1944: Ernst Leichtenstern
- 1944 - 1945: Dr. Hans Meinshausen
- 1945: Alfred Fehler
- 1945: Walter Oehme
- 1946 - 1950: Kurt Prenzel
- 1950 - 1954: Willi Ehrlich - Oberbürgermeister
- 1950 - 1952: Wilhelm Senftleben - Bürgermeister
- 1954 - 1960: Bruno Gleißberg
- 1960 - 1962: Charlotte Umlauf
- 1962 - 1964: Gerhard Simon
- 1964 - 1979: Werner Dietrich
- 1979 - 1989: Kurt Butziger
- 1989 - 1990: Gerhard Eichberg
- 1990 - 1998: Matthias Lechner (CDU, abgewählt)
- 1998: Ulf Großmann (CDU), nach der Abwahl Lechners im Februar bis Juli amtierender Oberbürgermeister
- 1998 - 2005: Prof. Dr. Rolf Karbaum (parteilos)
- 2005: Joachim Paulick (CDU)
Wappen
Das Wappen der Stadt Görlitz zeigt in von Gold und Rot gespaltenem Schild, vorn ein doppelköpfiger schwarzer Adler, hinten auf silbernem Schildfuß stehend ein doppelschwänziger silberner Löwe mit goldener Krone, der Löwe mit der rechten Vorderpranke, der linksgewendete Kopf des Adlers mit dem Schnabel eine goldene Kaiserkrone, halb im goldenen, halb im roten Feld haltend. Die Stadtflagge ist weiß-rot mit aufgelegtem Wappen.
Das Wappen wurde 1433 von Kaiser Sigismund der Stadt Görlitz verliehen. Damit erhielt die Stadt eine besondere Auszeichnung, weil die Verleihung eines Wappens seinerzeit mit ungewöhnlichen Kosten verbunden war. Der Adler steht für Brandenburg, der Löwe für Böhmen. Beides waren ehemalige Landesherren der Stadt, bevor Görlitz im 17. Jahrhundert zu Sachsen und 1815 zu Preußen kam.
Städtepartnerschaften
Görlitz unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:
- Wiesbaden, Hessen, seit 1990
- Amiens, Frankreich, seit 1971
- Molfetta, Italien, seit 1971
- Nový Jičín (Neutitschein), Tschechien, seit 1981
- Zgorzelec, Polen, seit 1980
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Görlitz gehört neben Essen zu den beiden Kandidaten um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2010.
Görlitz und Zgorzelec, die polnische Schwesterstadt, verstehen sich als eine Europastadt. Für das Jahr 2010 bewerben sie sich gemeinsam als Europäische Kulturhauptstadt. Dazu ist eines der Schwerpunktprojekte in der Bewerbungsschrift die Entwicklung eines neuen Zentrums, dem sogenannten „Brückenpark“.
Entlang der Neiße werden beiderseits Objekte wie z. B. die Stadthalle, die Synagoge, die Hochschule und auf dem östlichen Neißeufer die Oberlausitzer Ruhmeshalle architektonisch zusammen mit weiteren Ideen zu einem Gesamtentwurf entwickelt. In mehreren Sommerprojekten haben sich bereits Studierende aus beiden Ländern Gedanken dazu gemacht.
Es soll eine Art „Laboratorium“ entstehen, in dem europäisches Denken und Handeln erprobt werden kann.
Der Studiengang Kultur und Management an der Hochschule Zittau/Görlitz (FH)] sowie viele engagierte Bürger und Unternehmen der Region unterstützen die verbindende Idee der Kulturhauptstadt 2010 Bewerbung von Görlitz. Ein sichtbares Zeichen dieser Unterstützung sind die fünf Flaggen, die auf der Landeskrone wehen.
Theater
Das Theater Görlitz wurde 1851 erbaut und 1927 erweitert. Gerhard Hauptmann (1862-1946), der Literaturnobelpreisträger, war häufiger Gast in Görlitz und bis 1988 Namenspatron des Theaters.
2002 wurde der Zuschauerraum rekonstruiert und mit einer modernen Technik ausgestattet, die auch simultane Übersetzungen zuläßt. Seit September 2002 ist auch die ursprünglich der Altstadt zugewandten Nordfassade wieder hergestellt.
Das Theater ist immer wieder Ausstragungsort von Uraufführungen, die eigens dafür geschrieben wurden.
Gemeinsam mit der Neuen Lausitzer Philharmonie werden Werke aller Genres (Oper, Operette, Musical, Ballett, Schauspiel) aufgeführt.
Das Görlitzer Theater tauscht seine Inszenierungen mit denen der Schauspielbühnen in Bautzen und Zittau aus, so dass in allen drei Städten neben den Philharmonischen Konzerten auch ein komplettes Dreispartenprogramm mit Musiktheater, Ballett und Schauspiel angeboten wird.
Neben diesem großen Haus, das auch „Kleine Semperoper“ genannt wird, bespielt das Theater seit 1999 eine kleinere Studiobühne, das Apollo. Diese Spielstätte wird seit Januar 2005 auch im Rahmen der Veranstaltungsreihe Synagoge im Apollo vom Förderkreis Görlitzer Synagoge e. V. genutzt.
Eine weitere Besonderheit bietet das Theater in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec an: in Kooperation mit dem Theater Jelena Góra (Teatr Jeleniogórski) gibt es eine polnischsprachige Abonnementsreihe sowie mit dem „Görlitzer Mittwoch“ ein Forum im Apollo, das die deutsch-polnische Annäherung und den Gedankenaustausch fördert.
Museen
- Städtische Sammlung für Geschichte und Kultur bestehend aus:
- Oberlausitzsche Bibliothek der Wissenschaften
- Ratsarchiv
- Kulturhistorisches Museum. Seit 1998 ist es Teil der Städtischen Sammlungen für Geschichte und Kultur Görlitz. Das Kulturhistorische Museum besteht aus den drei Gebäuden
- Barockhaus Neißstr. 30 mit den ständige Ausstellungen:
- Kunst und Kunsthandwerk des 16. bis 20. Jahrhunderts
- Jakob Böhme, ein Görlitzer Bürger und Mystiker (1575-1624)
- Aus dem Wirken der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften
- Physikalisches Kabinett
- Grafisches Kabinett
- Leben und Werk Johannes Wüstens (1896-1943),
- der Kaisertrutz mit den ständigen Ausstellungen:
- Stadtgeschichte vom 13. bis 19. Jahrhundert
- Gemäldegalerie mit Werken deutscher Malerei vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart und
- dem Reichenbacher Turm, der 1953 übernommen wurde,
- mit ständigen Ausstellungen und Informationen über mittelalterliche Stadtverteidigungsanlagen und Waffen, über die Bebauung des Obermarktes und Görlitzer Sagen in sieben Geschossen,
- Staatliches Museum für Naturkunde Görlitz
- Schlesisches Museum zu Görlitz
- Museum der Fotografie Görlitz
- Spielzeugmuseum Görlitz
- Rübezahl-Museum Görlitz
Musik
- Kirchenmusik:
Zusammen mit der Hochschule für Kirchenmusik finden in der schlesischen Oberlausitz Orgelkonzerte statt. So sind u. a. auch die Görlitzer Kirchen besondere Aufführungsorte, an denen die restaurierten Orgeln zum Einsatz kommen.
Mit dem „Bach-Chor“ werden bemerkenswerte chorsinfonische Konzerte aufgeführt.
- Neue Lausitzer Philharmonie:
Das Orchester ist eines der bedeutendsten Einrichtungen der Region Oberlausitz/Niederschlesien. Sie geben Kammer- und Sinfoniekonzerte und sind bei allen Inszenierungen des Theaters Görlitz.
Ein besonderer Schwerpunkt bildet die Musik der Sorben.
Bauwerke
Sorben
Görlitz überstand den Zweiten Weltkrieg fast ohne Zerstörungen und besitzt eine sehr sehenswerte Altstadt mit zahlreichen historischen Bauwerken. Görlitz trägt deshalb auch den inoffiziellen Beinamen „Stadt der Türme“. Die Altstadt unterteilt sich in die mittelalterliche Stadt mit fast komplett erhaltener Mittelalter- und Renaissance-Bebauung und die sich anschließenden Gründerzeitviertel mit vollständig geschlossenen Gründerzeit- und Jugendstil-Straßenzügen. Görlitz ist die Stadt mit den meisten freistehenden Denkmälern in Deutschland. Hinzuweisen ist auf die Peterskirche, den Marktplatz (Ober- und Untermarkt) und die Bauten beziehungsweise Bauteile aus der Renaissance. So befindet sich in Görlitz der Schönhof, erbaut 1526 durch Wendel Roskopf d. Ä., das älteste deutsche Bürgerhaus und erste Renaissance-Bauwerk in Görlitz.
Wendel Roskopf
Weitere interessante Bauwerke:
- Biblisches Haus in der Neißstraße, die Fassade aus Sandstein ist mit Szenen aus dem Alten und neuen Testament versehen
- Lange Lauben mit Hallenhäusern
- Reichenbacher Turm, der ehemalige Görlitzer Wehrturm mit vierkantigem Unterbau mit zwölf Wappen, u. a. die der Mitglieder des Sechsstädtebundes, bis 1904 bewohnt
- Kaisertrutz, Teil der Stadtbefestigung – 1490 zum Schutz des westlichen Stadtzuganges erbaut
- Ochsenbastei, Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung, Grünanlage ist im barocken Stil mit Wasserspielen und Ornamentbeeten bebaut
- Die „Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften“ in der Neißstraße
- Waid- und Renthaus, der Aufbewahrungsort und Stapelplatz für die Tuchfärberpflanze Waid aus dem 14. Jahrhundert, heute Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege e. V.
- Stadthalle (seit 1. Januar 2005 geschlossen)
- Altstadtbrücke (am 20. Oktober 2004 wiedereröffnet)
- Neißeviadukt
- Nikolaiturm
- Dicker Turm/Frauenturm
- Blockhaus
- Ratsapotheke mit Sonnenuhr von Scultetus
- Rathaus mit Verkündigungskanzel und Gerechtigkeit|Justitia-Standbild
- Stadtbibliothek Görlitz im Jugendstil
Sakralbauten
Die Kirchen (Sakralbauten) bestimmen besonders das Stadtbild von Görlitz. Neben der Peterskirche, die mit ihren beiden Türmen die Silhouette dominiert, sind es auch die vielen weiteren interessanten Bauten, die zu einem „Kirchgang“ animieren. Nicht nur im Altstadtbereich sind die Kirchen in Görlitz zu besichtigen auch die Stadtteile haben so manches Kleinod zu bieten. Einer der bedeutendsten Sakralbauten, die Synagoge in Görlitz, ist die einzige in Sachsen, die die Pogromnacht 1938 unzerstört überstanden hat.
Eine Übersicht über die Gotteshäuser bietet die Seite „Kirchen in Görlitz“ an. Darüberhinaus sind Informationen zum Heiligen Grab und zu Besonderheiten der Ausstattung der Kirchen zu finden.
Weitere Sehenswürdigkeiten
- Scultetus-Sternwarte Görlitz
- Stadtbibliothek Görlitz
- technisches Denkmal
- Schaufelradbagger Nr.1452, ein Tagebau-Bagger und
- ständige Ausstellung im Bahnhof Hagenwerder zur Geschichte des Braunkohlen-Abbaues im Tagebau Berzdorf von 1835 bis 2000.
Parks
- Naturschutz-Tierpark in einem anspruchsvoll gestalteten, naturnahen Gehege leben über 500 Tiere.
- Parkeisenbahn (früher Pioniereisenbahn) dem ersten dt. Eisenbahnzug nachempfunden.
- Kulturinsel Einsiedel ist eine gelungene Verbindung von Kunst, Kultur und Natur
Naturdenkmäler
- Die Landeskrone, das Wahrzeichen von Görlitz, ist ein 420 m hoher Basaltkegel. Von der Landeskrone hat man einen weiten Blick über das Lausitzer Bergland bis hin zum Zittauer Gebirge und bei guter Sicht bis zum Riesengebirge mit der Schneekoppe. Auf dem Südgipfel steht die 13 m hohe Bismarcksäule, zu Ehren von Fürst Otto von Bismarck, der Ehrenbürger der Stadt Görlitz ist, und am Aussichtsturm wehen fünf Flaggen als Gruß zur Unterstützung der Bewerbung von Görlitz/Zgorzelec zur Kulturhauptstadt Europas 2010.
Sport
2005 fand bereits zum zweiten Mal der Europamarathon statt.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Februar
- Filmtage
- Opernball
Kulturhauptstadt Europas 2010
- März
- Musiknacht
- Frühlingsfest des Naturschutz-Tierparks mit traditionellem Mistkarrenrennen
- April
- 19. April Internationaler Denkmaltag
- Mai
- Jazztage
- Muschelminna-Fest
- Storchenfest im Naturschutz-Tierpark
- Görlitzer Orgelnacht
- Juni
- Campus Open Air
- 21. Juni Fête de la musique
- Tag der offenen Sanierungstür (3. Sonntag im Juni)
- Brauereifest der Landskronbrauerei
- Schlesische Musikfeste, alle 2 Jahre
- Internationales Spielleutetreffen, alle 2 Jahre
- Collegium PONTES Görlitz-Zgorzelec-Zhorelec 2005
- Erlebnistag Berzdorfer See
- Juli
- Sommertheater - findet jährlich auf dem Görlitzer Untermarkt als historische Kulisse statt.
- 2006: „Die Pulververschwörung und das Heilige Grab zu Görlitz“. Dieses Historienspiel von Hermann Rueth verarbeitet die Legende um den Förderer des Heiligen Grabes, Georg Emmerich.
- 2005: „Die Pulververschwörung und das Heilige Grab zu Görlitz“ (Uraufführung)
- 2004: Historienspiel „Der verräterischen Rotte Tor“
- Schlesischer Tippelmarkt
- Sommer
- Oldtimer-Eisenbahn
- August
- „ViaThea“ Internationales Straßentheaterfestival (4. - 6. August 2005)
- Altstadtfest (26. - 28. August 2005)
- September
- Niederschlesische Kulturtage
- Tag des offenen Denkmals
- Lange Nacht der Museen
- III. Internationale Sommerschule der Künste (11. - 25. September 2005)
- November
- Görlitzer Rocknacht
- Verleihung des Internationalen Brückepreises
- Dezember
- Görlitzer Christkindelmarkt (9. - 18. Dezember 2005)
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Durch das nördliche Stadtgebiet von Görlitz führt die A 4 Erfurt - Dresden - Görlitz, die jenseits der Neiße nach wenigen Kilometern in Polen endet und ab 2007 bis Breslau reichen soll. Ferner führen die B 6 und die B 99 durch das Stadtgebiet.
Görlitz ist auch ein wichtiger Eisenbahnknoten. Die Stadt liegt an der Kreuzung der Bahnlinien Dresden - Breslau und Berlin - Cottbus - Görlitz - Zittau - Liberec (Reichenberg). Auf der Strecke Berlin - Görlitz verkehren Züge seit 1867 auf der Görlitzer Bahn. Der Streckenabschnitt Görlitz - Zittau wurde 1875 eröffnet und trägt auch den Namen Neißetalbahn.
Flugplätze:
- Der Flugplatz Görlitz wurde 1925 eröffnet. Er befindet sich am nordwestlichen Stadtrand unmittelbar an der neu gebauten Ortsumgehung der B 115. Er verfügt über eine 750m lange Graspiste. Dieser Platz wird vom ortsansässigen Segelflugverein genutzt. Mit angebotenen Rundflügen kann man die Stadt Görlitz, das Zittauer Gebirge und das Lausitzer Bergland aus der Luft betrachten.
- Der Flugplatz Rothenburg befindet sich ungefäht 2 km nördlich der Stadt Rothenburg/Oberlausitz und damit ca. 30 km nördlich von Görlitz. Er soll künftig große Bedeutung als Fracht- und Kurierflughafen gewinnen. Mit einer Rollbahnlänge von 2.500 m kann er für Flugzeuge mit einem Start- und Landegewicht bis zu 14 t. genutzt werden. Die Nutzung des Görlitzer Flugplatzes ist für Flugzeuge bis 5,7 t und Hubschrauber möglich.
Seit dem Schuljahr 1999/2000 gibt es für Schüler des städtischen Gymnasiums die Möglichkeit, parallel zum Abitur eine Pilotenausbildung zu absolvieren. Ergänzt wird das Angebot durch Rundflüge mit Motor-, Segel- und Ultarleichtflugzeuge.
Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen mehrere Straßenbahn- und Buslinien der Verkehrsgesellschaft Görlitz GmbH.
- 2 Straßenbahnlinien mit einer Streckenlänge von 16,1 km
- 8 Stadtbuslinien mit einer Streckenlänge von 52,4 km
- darunter eine Linie im grenzüberschreitenden Verkehr mit einer Gesamtlänge von 4,8 km.
Ansässige Unternehmen
- a+b Ladenbau GmbH (individueller Ladenbau)
- A-Qua-Be GmbH (überbetriebliche Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung)
- AQUAMED GmbH Görlitz (Medizintechnik)
- Augustadruck (Grafik + Druck + Werbung)
- BMS GmbH - KEMA Görlitz (Keramikmaschinen)
- Bombardier Transportation Germany GmbH & Co. KG (Waggonbau)
- Brandschutztechnik Görlitz GmbH (Hersteller von Feuerwehrautos)
- Bufori Motors Europe AG (Hersteller von Luxus-Sportwagen)
- Electronic-Bauteile Görlitz GmbH (Kondensatorenbau)
- Euro Digital Disc Manufacturing GmbH (CD-Presswerk)
- F.v. Müller Dachziegelwerke GmbH & Co. KG
- Görlitzer Fleece GmbH (Textilhersteller) (bis 2005)
- Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei
- Landskronbrauerei GmbH
- Verkehrsgesellschaft Görlitz GmbH]
- Lausitzbahn GmbH
- Maxroi Graphics GmbH (Druckhaus)
- Papierverarbeitung Görlitz GmbH (Hersteller von Staubsauger-Beuteln)
- Siemens AG Geschäftsbereich Power Generation (Turbinenbau)
- studio-kremser.com (Die Leuchtenmanufaktur des Künstlers Bernhard Kremser)
- Süßwarenfabrik Rudolf Hoinkis GmbH (Erfinder der Liebesperlen)
- Yeti-Exner design Vertriebs-GmbH (Outdoor-Ausrüster)
- Haustechnik Schöpstal GmbH (Sanitär, Heizung, Schwimmbadtechnik)
Medien
Ein lokales Fernsehprogramm sendet „Euroregional TV“. Mit Studios sind die Hörfunksender „Lausitz 107Punkt6“ und „MDR1 Radio Sachsen“ vertreten.
In Görlitz erschien als Tageszeitung ab 3. Mai 2004 die „Görlitzer Allgemeine“ (GA). Bereits am 16. Juni musste die Ausgabe wieder eingestellt werden. Damit bleibt die „Sächsische Zeitung“ (SZ) die einzige Tageszeitung in der Stadt. Die SZ unterhält eine Lokalredaktion in Görlitz. Als Anzeigenblätter erscheinen der „Wochenkurier“ und der „Niederschlesische Kurier“.
Bis Juni 2004 erschien im Neisse Verlag „Soda - Das Kulturjournal im Länderdreieck“. Im gleichen Verlag erscheint seit 2004 die deutsch/polnische Zweimonatszeitschrift „SILESIA NOVA“.
Journalisten aus der Region gründeten im Oktober 2003 den deutsch-polnischen „Presseclub Görlitz/Zgorzelec“.
Bildung
- Hochschulen:
Am 13. Juli 1992 wurde Görlitz mit Gründung der Hochschule Zittau/Görlitz (FH), auch University Of Applied Sciences, Hochschulstadt. Es haben sich internationale Netzwerke gebildet, womit Görlitz als internationaler Bildungsstandort weit über seine Grenzen hinaus wirkt.
Ferner gibt es in Görlitz eine „Hochschule für Kirchenmusik“, die 1927 in Breslau und 1947 in Görlitz als Evangelische Kirchenmusikschule neu gegründet wurde. Sie befand sich bislang in Trägerschaft der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz und wurde durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst staatlich anerkannt. Die Schließung der Kirchenmusikschule im Jahre 2008 zugunsten der Berliner Kirchenmusikschule ist beschlossen.
Das Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen mit Sitz in Haus Klingewalde ist Träger des Collegium PONTES Görlitz-Zgorzelec-Zhorelec, eines trinationalen Wissenschaftskollegs zur Erforschung aktueller Probleme der EU-Integration, und der Internationalen Sommerschule der Künste Görlitz-Zgorzelec-Zhorelec.
- andere Bildungseinrichtungen:
Der Berufsschulkomplex Ossietzkystraße ist eines der modernsten Zentren der beruflichen Bildung in Sachsen und kann bis zu 3.000 Schüler aufnehmen. Daneben gibt es in Görlitz das Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege und die private Bildungseinrichtung MultiMediaPark, die im November 2001 mit Unterstützung des Arbeitsamts gegründet wurde und Angebote zum Umgang mit Neuen Medien macht.
Außerdem gibt es in Görlitz alle üblichen Arten von allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, darunter zwei Gymnasien und zwei berufliche Schulzentren.
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Siehe dazu: Liste der Ehrenbürger von Görlitz
Geehrte Persönlichkeiten
Die Europastadt Görlitz/Zgorzelec verleiht jährlich den mit 2.500 Euro dotierten Internationalen Brückepreis. Sie ehrt damit seit 1993 Persönlichkeiten, die sich mit ihrem Lebenswerk Verdienste bei der Völkerverständigung in Europa erworben haben. Bisherige Preisträger sind auf der Seite mit dem Stichwort Internationaler Brückepreis verzeichnet.
Söhne und Töchter der Stadt
Folgende Persönlichkeiten sind in Görlitz geboren. Ob sie später ihren Wirkungskreis in Görlitz hatten oder nicht ist dabei unerheblich.
- 1480, Wendel Roskopf, † 25. Juni 1549, Ratsbaumeister
- 1540, Bartholomäus Scultetus, † 21. Juni 1614, Bürgermeister, Astronom
- 1651, 10. April, Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, † 11. Oktober 1708, Mathematiker, Kursächsischer Rat, Erfinder des Porzellans
- 1703, Johann Gottlob Harrer, † 9. Juli 1755, Komponist und Thomaskantor
- 1798, 23. November, Robert Oettel, † 14. März 1884, Kaufmann, Hühnerologe
- 1805, 18. Juni, David Richter, † 7. Mai 1876, Tischler, Forscher, berühmter Erbauer zahlreicher astronomischer Modelle und Apparaturen
- 1863, 21. Mai, Hugo Meyer, † 1. März 1905, Begründer der „Hugo Meyer Optik“
- 1871, 21. Februar, Paul Cassirer, † 7. Januar 1926 in Berlin, Kunsthändler und Verleger (veröffentlichte zahlreiche unbekannte und zum Teil auch verbotene Werke und förderte zeitgenössische Künstler)
- 1883, 30. Januar, Hildegard Burjan, † 11. Juni 1933 in Wien, Ordensgründerin, Politikerin
- 1898, 19. Juli, Benno von Arent, † 14. Oktober 1956 in Bonn, Bühnenbildner, Gründer des „Bundes nationalsozialistischer Bühnen- und Filmkünstler“, „Reichsbühnenbildner“ und „Reichsbeauftragter für die Mode“
- 1902, 2. Mai, Werner Finck, † 31. Juli 1978 in München, Schauspieler, Kabarettist, Autor
- 1905, 7. August, Karl Würzburg, † 8. Oktober 1982, Ehrenbürger, Widerstandskämpfer
- 1907, 7. Februar, Willy Gumprecht, † 16. Februar 1996, Photograph
- 1913, 17. September, Mira Lobe, † 6. Februar 1995, Kinderbuchautorin
- 1923, 2. Juni, Peter Hirche, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und Hörspielautor, gewann unter anderem den „Prix Italia“ (1955) und den „Hörspielpreis der Kriegsblinden“ (1967)
- 1927, 8. Juli, Alexander May, Schauspieler, spielte in zahlreichen Fernseh- und Kinofilmen
- 1922, 9. September, Hans Georg Dehmelt, Physiker (Nobelpreis 1989 für Hochpräzissionsmessungen, diese waren unter anderem für den Bau von Atomuhren erforderlich)
- 1930, 15. Februar, Georg Zur, Dr. iur. can. (Doktor im Kirchenrecht), Apostolischer Nuntius in Österreich
- 1951, 14. Oktober, Udo Nagel, Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg
- 1967, 25. Januar, Stephan Winkler, Komponist
- 1974, Sachsen, in Polen und zu einem kleinen Teil auch im Land Brandenburg. In Sachsen umfasst die Oberlausitz in etwa die Landkreise Kamenz, Bautzen, Löbau-Zittau und den Niederschlesischen Oberlausitzkreis, sowie die beiden kreisfreien Städte Görlitz und Hoyerswerda. In Brandenburg gehört der südliche Teil des Landkreises Oberspreewald-Lausitz zur Oberlausitz (früher Kreis Senftenberg), der Städte wie Ruhland und Ortrand umfasst. Der seit 1945 polnische Teil der Oberlausitz zwischen den Flüssen Neiße und Queis gehört administrativ zur Woiwodschaft Niederschlesien (poln. Dolnośląskie).
Die alte Hauptstadt der Oberlausitz war Bautzen. Größte Stadt des Landes ist das zwischen Deutschland und Polen geteilte Görlitz-Zgorzelec. Ihren Namen hat die Oberlausitz Ende des 15. Jahrhunderts von ihrem nördlichen Nachbarland Niederlausitz bekommen. Ursprünglich wurde nur dieses Lausitz genannt, was sich vom dort lebenden sorbischen Volksstamm der Lusici ableitete. Später wurde der Name auch für das so genannte Land Budissin übernommen. Von da an unterschied man zwischen Ober- und Niederlausitz. Deshalb werden beide Länder zusammen im Plural als die Lausitzen bezeichnet.
Geographie und Natur
Lausitz
Der Norden das Landes wird von der flachen Oberlausitzer Teich- und Heidelandschaft eingenommen. Der mittlere Teil ist hügelig, während der Süden vom Lausitzer Bergland geprägt ist. Die höchsten Erhebungen der Oberlausitz befinden sich im Zittauer Gebirge, einem Teil des Lausitzer Gebirges, welches sich jedoch größtenteils in Tschechien befindet. Die wichtigsten Erhebungen und Berge der Oberlausitz sind: Lausche (793 m), Hochwald (749m), Landeskrone (420 m), Löbauer Berg (448m), Kottmar (583m), Czorneboh (561m), Bieleboh (499m), Valtenberg (587 m) und Mönchswalder Berg (447m).
Mönchswalder Berg
Alle größeren Flüsse der Oberlausitz fließen von Süden nach Norden. Im Westen bildete die Pulsnitz früher die Landesgrenze zu Sachsen. Die Spree nimmt ihren Ausgang ganz im Süden des Landes und fließt durch Bautzen. Die Lausitzer Neiße (poln. Nysa Łużycka) bildet heute die deutsch-polnische Grenze. Sie entspringt im böhmischen Isergebirge, tritt nahe Zittau auf Oberlausitzer Gebiet, durchfließt Görlitz und verlässt das Land bei Bad Muskau in Richtung Niederlausitz. Bad Muskau Die Ostgrenze der alten Oberlausitz wurde vom Queis markiert, der auch an Lauban vorbeiströmt und weiter nördlich auf schlesischem Gebiet in den Bober mündet. Besonders das mittlere offene Hügel- und Gefildeland zwischen Kamenz und Löbau, mit Bautzen im Zentrum war gut für die Landwirtschaft geeignet und ist auch heute noch sehr ertragreich.
Im 19. Jahrhundert wurde in der nördlichen Oberlausitz und im Osten zu beiden Seiten der Neiße und um Hoyerswerda herum Braunkohle gefunden. Besonders der Abbau im Tagebau hat große Teile der alten Kulturlandschaft zerstört. Derzeit wird noch im Tagebau Nochten südlich von Weißwasser und im polnischen Teil bei Turów Kohle gefördert. Viele der alten Braunkohletagebaue wurden seit den 1970er Jahren rekultiviert, wobei besonders nach 1990 besonders viel Wert auf die Neugestaltung der Altindustrielandschaft gelegt wird. Die neuentstandenen und entstehenden Seen werden bereits als "Lausitzer Seenplatte" bezeichnet.
Einwohner
In der Oberlausitz leben heute etwa 800.000 Menschen, 160.000 davon im polnischen Teil östlich der Neiße. Ein Teil des Landes gehört zum Siedlungsgebiet der Sorben. Zwischen Kamenz, Bautzen und Hoyerswerda sprechen etwa 20.000 Menschen Sorbisch. Aber auch die deutsche Bevölkerung vor Ort ist kulturell nicht homogen, die kulturellen Grenzen lassen sich recht gut an den unterschiedlichen Dialektregionen ausmachen. Während im Bautzener Becken ein recht gutes Hochdeutsch gesprochen wird spricht der Süden die Oberlausitzer Mundart, einen alten fränkischen Dialekt, der Osten hingegen kann seine preußische Tradition nicht verleugnen, hier wird teilweise noch Schlesisch gesprochen. Die größte Verdichtung der Bevölkerung weist die deutsch-polnische Doppelstadt Görlitz-Zgorzelec auf. Hier leben zur Zeit 97.000 Einwohner, davon 36.000 im polnischen Teil.
Im deutschen Teil der Oberlausitz nimmt die Bevölkerungszahl seit mehr als zehn Jahren ab. Junge Leute verlassen die Region, weil die Arbeitslosigkeit in Ostsachsen besonders hoch ist. Neben der sich verstärkenden Überalterung der Bevölkerung ist auch die Geburtenrate, wie in ganz Ostdeutschland, sehr niedrig. In Ermangelung von Arbeitsplätzen gibt es in den Oberlausitzer Gemeinden kaum Zuzug von Ausländern.
Auch die polnische Oberlausitz ist abgesehen von Zgorzelec (Görlitz-Ost), Luban (Lauban) und Bogatynia (Reichenau) dünn besiedelt. Das Gebiet gehört zu den strukturschwachen Regionen Polens. Nur das Kohlekraftwerk Turów bietet in größerem Umfang Industriearbeitsplätze.
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Nach dem gegenwärtigen Stand der ur- und frühgeschichtlichen Forschung lag das Gebiet der Oberlausitz jahrtausendelang abseits der Siedlungsgebiete. Die Jäger der Mittelsteinzeit (bis etwa 8000 v. Chr.) haben das Gebiet nur gestreift. Auch die Kulturen der ältesten Ackerbauern (4500 v. Chr. bis 3300 v. Chr.) haben hier nur geringe Spuren hinterlassen.
In der jüngeren Bronzezeit (11. Jahrhundert v. Chr. bis 9. Jahrhundert v. Chr.) drangen die Träger der Lausitzer Kultur vom Neißetal und von Böhmen her in die bis dahin unbesiedelte Region vor. Funde lassen einen Weg erkennen, der die Siedlungsgebiete um Bautzen und Zittau verbindet. An diesem Weg hat die befestigte Höhensiedlung auf dem Schafberg bei Löbau im 10. Jahrhundert v. Chr. eine besondere Rolle gespielt. Eine weitere bedeutende Höhensiedlung entstand auf dem Felsen über der Spree, wo im weiteren Verlauf der Geschichte die Ortenburg als Herrschafts- und Verwaltungszentrum der Region um Bautzen errichtet wurde.
Mit dem Ausklingen der Lausitzer Kultur endet eine erste große Siedlungsphase. Über mehrere hundert Jahre existierte in der Region wahrscheinlich nur eine geringe Restbevölkerung bis zur Einwanderung slawischer Stämme.
Die Landnahme durch die Slawen setzte seit dem 7. Jahrhundert in den Altsiedellandschaften ein. Im Gebiet zwischen den heutigen Städten Kamenz und Löbau ließ sich der Stamm der Milzener nieder. Ihr Zentrum war die Burgsiedlung an der Stelle der heutigen Ortenburg in Bautzen. Auch im Neißetal hat es schon früh eine slawische Besiedlung gegeben. Die bäuerliche sorbische Bevölkerung errichtete zahlreiche Burgwallanlagen, die einerseits Stammesmittelpunkte und Fluchtburgen, andererseits aber bereits die Wohnsitze des slawischen Adels waren, was auf frühfeudale Entwicklungsansätze hindeutet.
Mittelalter
Die selbständige Entwicklung der Milzener wurde im 10. Jahrhundert durch die Ostexpansion des frühfeudalen deutschen Staates unterbrochen. König Heinrich I. leitete mit seinen Kriegszügen von 921/922 und 928/929 die Periode der militärischen Unterwerfung der Sorben ein. Die Milzener wurden 932 zu Tributzahlungen gezwungen. Nach 936 konnten sie infolge der nach Heinrichs Tod ausbrechenden Spannungen die Fremdherrschaft wieder abschütteln. Erst 939 gelang es König Otto I. die Milzener erneut zu besiegen. Er besetzte alle wichtigen Burgwälle in den Grenzgebieten, ließ sie ausbauen und als Ausgangspunkt für weitere Eroberungen vorbereiten. An die Stelle der Milzenerburgen traten deutsche Burgwarde (1006 erstmals erwähnt) wie zum Beispiel die Ortenburg in Bautzen, oder die Burgen in Doberschau und Göda. Im Jahre 1002 erwähnte Thietmar von Merseburg erstmals die Stadt Bautzen.
Bis in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts dauerten die Kämpfe fort, erst um 990 konnte Markgraf Ekkehard I. von Meißen die Milzener endgültig unterwerfen. Kirchlich war die Oberlausitz dem 968 gegründeten Bistum Meißen zugeordnet worden. Im Jahr 1007 erhielt das Bistum die erste Schenkung im Milzenerland, die drei Burgen Ostrusna (Ostritz?), Trebista (vermutlich bei Dolgowitz) und Godobi (Göda). Für 1091 ist eine weitere Schenkung an die Meißener Kirche bezeugt. Kaiser Heinrich IV. übereignete ihr fünf weitere Dörfer im Gau Milsca, vier davon südlich von Göda.
Bald wurde die deutsche Feudalherrschaft vom erstarkenden polnischen Feudalstaat bedroht, der sein Expansionsstreben nach Westen richtete. 1002 erzwang Herzog Boleslaw I. Chrobry vom deutschen König Heinrich II. die Belehnung mit dem Gau Milsca. Im Frieden von Bautzen, der am 30. Januar 1018 zwischen den beiden Herrschern nach mehreren wechselhaften und erbitterten Kriegszügen abgeschlossen wurde, verblieben das Milzenerland und die Lausitz (die heutige Niederlausitz) zunächst bei Polen, wenn auch als deutsches Lehen. Erst 1031 kam es nach dem Sieg König Konrads II. über den polnischen Herzog Mieszko II. erneut unter die Herrschaft der Meißener Markgrafen.
1076 übertrug König Heinrich IV. das Bautzner Land Herzog Vratislav II. von Böhmen als Reichslehen, nachdem es wegen seiner Reichsgutpolitik mit dem sächsisch-thüringischen Regionaladel, darunter auch mit dem Meißener Markgrafen, Auseinandersetzungen gegeben hatte. Der Schwiegersohn des böhmischen Herzogs Graf Wiprecht I. von Groitzsch führte von 1084 bis 1108 die Regierung über das Milzenerland selbständig von der Ortenburg aus. Für das Jahr 1144 ist belegt, dass die provincia Zagost, das südöstlich von Görlitz gelegene Gebiet um Seidenberg, Teil des Landes Bautzen war. Auch in dieser Region war das Bistum Meißen mit Besitz ausgestattet worden. Damit hatte das später Oberlausitz genannte Land seine größte Ausdehnung nach Osten schon im 12. Jahrhundert erreicht und der Queis blieb auf die Dauer die Grenze zu Schlesien.
1156 ging Kaiser Friedrich I. Barbarossa ein Bündnis mit dem böhmischen Herzog Vladislav II. ein. Dafür versprach er ihm neben der Königskrone auch die Belehnung mit der Burg und dem Land Budissin; beides wurde zwei Jahre später in die Tat umgesetzt. Damit begann die erste dauerhafte böhmische Periode in der Geschichte der Oberlausitz, die sich für die Entwicklung des Landes als folgenreich erweisen sollte.
Im ersten Jahrhundert der böhmischen Herrschaft entstanden – abgesehen vom älteren Bautzen – alle bedeutenden Städte der Oberlausitz, und auch alle bedeutenden kirchlichen Institutionen des Landes wurden in dieser Zeit gegründet. Bischof Bruno II. richtete zwischen 1213 und 1218 das Kollegiatstift St. Peter in Bautzen ein, das auch von König Přemysl Ottokar I. und seinen Nachfolgern reich dotiert wurde; Königin Kunigunde stiftete 1234 das Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal, das 1244 der Diözese Prag unterstellt wurde und Bernhard von Kamenz gründete 1248 das zweite Zisterzienserinnenkloster St. Marienstern.
Durch Rodungen hatten seit etwa 1100 vor allem sorbische Bauern das Kulturland erweitert. In dieser Zeit entstanden neue Orte im Gebiet um Hoyerswerda. Unter den böhmischen Königen intensivierte sich Mitte des 12. Jahrhunderts der Landesausbau in der Oberlausitz, der von den Königen und den Meißener Bischöfen quasi im Wettbewerb betrieben wurde. Deutsche Bauern wurden ins Land geholt; diese rodeten große Waldgebiete und legten zahlreiche neue Dörfer an. Nicht selten wurden auch sorbische Weiler durch deutsche Siedler erweitert. Die neu angesiedelten Bauern waren rechtlich besser gestellt als die alteingesessene Bevölkerung. (Die Masse der sorbischen Bauern waren Hörige und Leibeigene, die Fronarbeit verrichten mussten. So blieb es im Altsiedelland auch nach der deutschen Eroberung). Weil durch Rodung die Herrschaftsgebiete der Adligen erst einen Wert bekamen, erhielten die Kolonisten ihre Bauerngüter als Erbe. Sie mussten nur geringe Zinsen an die Grundherren zahlen und wenige Dienste für sie verrichten. Auch hatten sie mehr Boden zur Verfügung als die Bauern im sorbischen Altsiedelgebiet. Die neuen (meist deutschen) Dorfgemeinden konnten ihre Angelegenheiten außerdem relativ autonom regeln. Insofern sorbische Bauern beim Landesausbau beteiligt waren, genossen sie die selben Rechte wie die deutschen Kolonisten.
Durch Einwanderung aus den westlich der Elbe gelegenen Regionen war mit der Zeit ein eigener oberlausitzer Adel entstanden. Dieser hielt das Land für den König oder den Markgrafen unter Kontrolle und bekam als Gegenleistung Lehen zugewiesen. Der Adel bestand nur aus solchen Lehensleuten, denn nach der Eroberung gehörte das ganze Land dem König. Freie Landherren mit Allodialbesitz, die in Böhmen den größten Teil des Adels ausmachten, gab es im Land Bautzen nicht. Die Entstehung eines Ministerialadels war in der Oberlausitz unmöglich, da es hier zu keiner Zeit eine Hofhaltung des Landesherren und damit auch keine Dienstmannen gegeben hat.
Zwischen 1253 und 1262 waren die Askanier in den Besitz des Landes Bautzen gelangt. Weder der genaue Zeitpunkt der Erwerbung noch die Rechtsform des Besitzes – Lehen, Heiratsgut oder Pfandherrschaft - lassen sich mit Sicherheit feststellen. Mit der Einsetzung von Landvögten als Stellvertreter des Landesherren schufen die Askanier das bedeutendste landesherrliche Amt in der Oberlausitz. Im Prinzip wurden die Befugnisse der Burggrafen und Landrichter aus der böhmischen Zeit in einer Hand vereinigt und sogar noch erweitert. Der Landvogt war als Stellvertreter des Landesherrn der höchste Beamte, er entschied in Lehenssachen, stand dem obersten Gericht vor und war militärischer Oberbefehlshaber. Im Großen und Ganzen blieben die grundlegenden Befugnisse der Landvögte bis nach dem Dreißigjährigen Krieg erhalten, wobei sich in dieser langen Zeit die Verwaltungspraxis öfters änderte.
Während der Herrschaft der Askanier war die von Markgraf Otto IV. 1268 vorgenommene Teilung der Oberlausitz in die Länder Bautzen (Land Budissin) und Görlitz das bedeutendste Ereignis. Die nur bis 1329 reichende Selbständigkeit, die in Gestalt des Herzogtums Görlitz zwischen 1377 und 1396 noch einmal auflebte, hatte dauerhaft zur Zweiteilung der adligen Landesgemeinde und der Verwaltung geführt. Im Land Görlitz wurden fortan eigene Zusammenkünfte des Adels abgehalten und dies blieb auch nach der Wiedervereinigung beider Länder so. Görlitz gewann als Mittelpunkt des östlichen Landesteils rasch an Bedeutung und entwickelte sich zur wirtschaftlich stärksten Stadt der gesamten Oberlausitz.
Nach dem Aussterben der brandenburgischen Askanier 1319 beanspruchten die Fürsten der benachbarten Territorien, darunter auch der böhmische König Johann, die Oberlausitz für sich. Nach der den Oberlausitzer Ständen nahe stehenden historiographischen Tradition haben diese sich „um Schutzes willen, freywillig und ungezwungen König Johanni Lucemburgico ergeben“, was sich aber nicht sicher nachweisen lässt. Jedenfalls wurde der böhmische König 1319 von Kaiser Ludwig IV. mit dem Land Bautzen belehnt, die östliche Landeshälfte fiel dagegen als Heiratsgut an den schlesischen Herzog Heinrich von Jauer, der das Land Görlitz (mit Ausnahme der Gegend um Lauban) 1329 an den böhmischen König abtrat. Im selben Jahr inkorporierte Johann terra et civitas goerlic der Krone Böhmen. Das heißt die Oberlausitz wurde staatsrechtlich eng und dauerhaft mit dem Königreich Böhmen verbunden, ohne dass seine innere Ordnung angetastet worden wäre.
1346 gründeten die fünf königlichen Städte der Oberlausitz und das damals noch böhmische Zittau den Sechsstädtebund. Die vereinigten Kräfte der Städte sollten den Landfrieden sichern und gegen das adlige Raubrittertum vorgehen. Dies war auch im Sinne des Landesherren, Kaiser Karl IV., der die Städte mit zahlreichen Privilegien unterstützte. Die sechs Kommunen konnten sich in der Folgezeit erfolgreich gegen den Adel durchsetzen. Mit ihrer wirtschaftlichen Prosperität stieg auch ihr politischer Einfluss. Sie konnten durch den Ankauf zahlreicher Dörfer in den folgenden 200 Jahren einen bedeutenden Anteil des flachen Landes unter die direkte Herrschaft der Stadträte bringen. Außerdem setzten sie im Rahmen der so genannten Weichbildverfassung ihre Gerichtshoheit auch über große Teile der Ritterschaft und deren Besitzungen durch.
Als in Böhmen Anfang des 15. Jahrhunderts die hussitische Revolution ausbrach, stellte sich die Oberlausitz gegen die tschechische Reformation. Im Bündnis mit Kaiser Sigismund und den Niederlausitzern führte man Krieg gegen die Heere der Hussiten. Kamenz, Löbau, Zittau und Lauban wurden von den Hussiten erobert und verwüstet. Nur die beiden größten Städte Bautzen und Görlitz konnten der Belagerung standhalten. Durch den Krieg lockerten sich die Bindungen der Oberlausitz an die Böhmische Krone und aufgrund der Schwäche des Königtums konnten die Stände des Markgraftums ihre inneren Angelegenheiten weitgehend ohne königliche Eingriffe regeln. In dieser Zeit entwickelte sich der Oberlausitzer Landtag als wichtigstes Instrument ständischer Freiheit.
1469 sagten sich die Oberlausitzer Stände vom böhmischen König Georg von Podiebrad los, weil dieser dem utraquistischen Bekenntnis anhing, das der Papst auch in seiner gemäßigten Form als ketzerisch verurteilt hatte. Die Oberlausitzer erkannten den Gegenkönig Matthias Corvinus von Ungarn an, der alle böhmischen Nebenländer (Mähren, Schlesien und die Lausitzen) unter seine Herrschaft bringen, Böhmen selbst aber nie erobern konnte. Bis zum Frieden von Olmütz (1479) nahmen auch die Oberlausitzer an dem Krieg um die Böhmische Krone teil. Matthias versuchte die Verwaltung seiner Länder effizienter zu gestalten. In Schlesien setzte er deshalb einen Oberlandeshauptmann ein, dem auch die beiden Lausitzen unterstellt wurden. Die Oberlausitzer Stände sahen in dieser Maßnahme eine Gefährdung ihrer Autonomie.
Mit dem Tod von Matthias Corvinus wurde die Oberlausitz 1490 auch real wieder ein Bestandteil des böhmischen Königreiches. Der im Land verhasste Landvogt Georg von Stein, wurde sofort nach dem Tod seines Herren von der Bautzener Ortenburg vertrieben.
Ende des 15. Jahrhunderts hatte sich das politische System des Markgraftums weitgehend gefestigt. Stellvertreter des abwesenden Landesherren war der Landvogt, welcher traditionell aus dem Adel eines der böhmischen Kronländer berufen wurde. Vor 1620 ist lediglich einmal ein Oberlausitzer Landvogt geworden. In Bautzen und Görlitz gab es noch je einen Amtshauptmann. Diese drei Beamten bildeten mit ein paar Sekretären die gesamte königliche Verwaltung.
Machtzentrum des Landes war der ständische Landtag. Schon seit dem 15. Jahrhundert konnten sich Prälaten, Adel und Städte ohne Einwilligung des Königs versammeln und selbstständig Beschlüsse fassen. Damit waren sie (neben dem König) mehr oder weniger Gesetzgeber in der Oberlausitz. Die Macht der Städte hatte bewirkt, dass es nur zwei stimmberechtigte Stände gab: die Städte eben und das Land (bestehend aus Prälaten, Herren und Rittern).
Die Städte hatten weitgehende Gerichtsbefugnisse auch über die Untertanen vieler Ritter und über die Adligen selbst. Höchstes Gericht war das Gericht von Land und Städten, das von beiden Ständen gemeinsam gebildet wurde. Eine dort gefällte Entscheidung war endgültig. An die Gerichte des Königs in Prag durfte nicht appelliert werden.
Zwischen Adel und Städten gab es ständig Konflikte, die im Prinzip drei Themen betrafen: 1. wollte der Adel die Obergerichtsbarkeit der Städte loswerden, 2. stritten beide Stände über die Anteile, die sie jeweils von den landesherrlichen Steuern aufzubringen hatten. 3. wollte der Adel die Aufteilung des Landstands in Herren, Ritter und Prälaten mit jeweils einer separaten Stimme durchsetzen. Bis zum Jahr 1547 konnten die Städte in allen drei Fragen die Oberhand behalten, die böhmischen Könige hatten alle Vorstöße des Adels gegen die Städte zurückgewiesen.
Reformation
Nur wenige Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg (1517) breitete sich das reformatorische Gedankengut auch in die Oberlausitz aus. In Görlitz, Zittau und Bautzen wurden die ersten evangelischen Predigten 1520 beziehungsweise 1521 gehalten. Der Adel und die Stadträte hatten für die neue kirchliche Bewegung allerdings wenig übrig und versuchten ihre Ausbreitung zu verhindern. Auch der König wandte sich mit scharfen Mandaten gegen die reformatorischen Bestrebungen in den Lausitzen. In Görlitz und Bautzen gaben die städtischen Obrigkeiten aber bald dem Druck der Bevölkerung nach und führten die Reformation in den Jahren 1523 und 1524 offiziell ein. Die Veränderungen hin zum neuen Kirchenwesen wurden aber nur in kleinen vorsichtigen Schritten vollzogen. Insbesondere das Bautzener Kollegiatstift widersetzte sich erfolgreich und blieb auf Dauer katholisch. Insgesamt dauerte es Jahrzehnte, bis sich die lutherische Lehre in den meisten Pfarreien des Landes endgültig durchgesetzt hatte. Das lag daran, dass in der Oberlausitz nicht der Landesfürst die Reformation einführte, sondern alle Ortsobrigkeiten (die Räte der Städte und die adligen Grundherren) für die unter ihrem Patronat stehenden Kirchen die neue Konfession anordneten und somit selbständig über die Hinwendung zum Protestantismus entschieden.
Die Zeit der Habsburgerherrschaft (1526-1635)
Nach dem Tod des böhmischen und ungarischen Königs Ludwig II. in der Schlacht von Mohács wählten die böhmischen Stände Ferdinand I. zum König, der damit auch Landesherr der Oberlausitz wurde. Allerdings hatten die Stände ihn schon vorher als ihren Erbherren anerkannt, weil er der Schwager Ludwigs II. war. Zum Landvogt setzte der neue König Zdislav Berka von Duba ein, der am Prager Hof auch das Amt des Landhofmeisters verwaltete. Zunächst änderten sich die inneren Verhältnisse der Oberlausitz unter neuen Herrschaft nur geringfügig. Nach wie vor bestimmte der Streit zwischen dem Landadel und den Sechs Städten das politische Leben. Die Auseinandersetzungen wurden dabei mit allen Mitteln der Diplomatie geführt. Beide Seiten versuchten den König auf ihre Seite zu ziehen. Ferdinand fällte jedoch widersprüchliche Entscheidungen. So kamen auf Vermittlung der königlichen Beamten 1530 und 1534 in Prag zwei Verträge zustande. Einmal wurden die Städte begünstigt und einmal der Adel. Auf diese Weise konnte kein dauerhafter Ausgleich gefunden werden.
Ferdinands inkonsequente Oberlausitz-Politik war der schwierigen Gesamtsituation geschuldet, in der sich der österreichische Habsburger befand. Einerseits hatte er Konflikte mit den mächtigen utraquistischen Ständen in Böhmen zu bestehen, andererseits brauchte er die Hilfe der Stände aller seiner Länder, um den Türkenkrieg finanzieren zu können. So stiegen auch die königlichen Steuerforderungen stetig, die Ferdinands Kommissare nun beinahe jährlich auf den Oberlausitzer Landtagen vorbrachten. Der König konnte es sich deshalb nicht leisten, die Stände dauerhaft zu verärgern. An einen Ausbau der landesherrlichen Gewalt war unter diesen Umständen nicht zu denken. Auch gegen den immer weiter um sich greifenden Protestantismus konnte der katholische König nicht aktiv eingreifen.
1537 besuchte Ferdinand I. das einzige Mal in seiner langen Regierung die Oberlausitz. Er hielt sich kurz in Bautzen und Görlitz auf und nahm auf der Ortenburg die Landeshuldigung entgegen. Bei dieser Gelegenheit bekamen Land und Städte ihre alten Privilegien bestätigt, so dass die wenige Jahre zuvor ausgehandelten Prager Verträge obsolet wurden.
1546 wurde die Oberlausitz in den Schmalkaldischen Krieg hineingezogen, an dem König Ferdinand auf Seiten seines Bruders Karl V. teilnahm. Während die utraquistischen Stände Böhmens dem König offen den Gehorsam verweigerten und nicht gegen die Protestanten des Schmalkaldischen Bundes ins Feld zogen, verhielten sich Land und Städte der Oberlausitz abwartend. Die mehrheitlich evangelischen Stände sahen sich dann 1547 aber doch genötigt, Ferdinand Geld und Truppen zur Verfügung zu stellen, obwohl der Wittenberger Theologe Johannes Bugenhagen alle Protestanten der böhmischen Länder in seiner "Christlichen Vermahnung" eindringlich aufgefordert hatte, nicht gegen ihre Glaubensgenossen zu kämpfen.
Durch einen Zufall zogen sich die Oberlausitzer Sechs Städte den Zorn König Ferdinands zu. Sie hatten ihre Truppen nur für zwei Monate bewilligt und diese zogen als die Zeit um war aus dem Heerlager an der Elbe ab. Das war nun gerade am Vorabend der Entscheidungsschlacht bei Mühlberg. Der Befehl die Söldner weiter bereitzuhalten hatte die Städte nicht rechtzeitig erreicht.
Als der Krieg gegen die Fürsten des Schmalkaldischen Bundes gewonnen war, lud Ferdinand I. die Vertreter der Sechs Städte nach Prag vor, wo sie sich vor ihm zu verantworten hatten. In einer Art Schauprozess wurden die Städte verurteilt und verloren all ihre Privilegien sowie ihren gesamten Landbesitz. Überdies mussten sie die enorme Summe von 100.000 Gulden Strafe an den König zahlen. Dieses Ereignis ging als der Oberlausitzer Pönfall in die Geschichte ein. Die große Macht der Städte war gebrochen, von nun an hatten sie kein Übergewicht über den Landstand mehr. Die folgenden Jahre waren von den Anstrengungen der Städte gekennzeichnet, alte Positionen zurückzugewinnen. So wurden zahlreiche Landgüter, die man im Pönfall an den König abgetreten hatte, zurückgekauft und zahlreiche alte Privilegien bei der Prager Hofkanzlei erneut erworben. Seit 1560 konnten alle sechs Städte ihre Räte und Richter wieder selbst einsetzen. Im selben Jahr einigten sich die Stände mit dem König auf die so genannte Abhandlung. In diesem Dokument wurden die umfangreichen Rechte der Stände festgeschrieben und von Ferdinand I. offiziell anerkannt.
Im Jahr 1562 erteilte Ferdinand I. den Ständen die so genannte Obergerichtsgnade. Seitdem hatte der gesamte Adel und auch wieder die Städte die vollständige Gerichtsgewalt über ihre Untertanen. Damit kamen die von Ferdinand vorgenommenen Änderungen an der Oberlausitzer Landesverfassung zum Abschluss. Der um die Mitte des 16. Jahrhunderts geschaffene Zustand blieb im Großen und Ganzen unverändert bis 1815 in Kraft und bestimmte das Verhältnis der Stände untereinander und auch zu ihrem Landesherren. Bereits 1544 hatte der Kaiser in der nach ihm benannten Decisio Ferdinandea dem Adel das Privileg des Vorritts zugestanden und die Rechte der großen Oberlausitzer Herrschaften Muskau, Seidenberg und Hoyerswerda definiert. 1548 wurde das neu geschaffene Prager Appellationsgericht als letzte Berufungsinstanz für die Oberlausitzer Gerichtsbarkeit festgeschrieben und ein Jahr später wurde mit der Landeshauptmannschaft ein wichtiges neues Amt geschaffen. Der Landeshauptmann sollte die königlichen Rechte - vor allem in Bezug auf die Steuern und Abgaben - durchsetzen. Er wurde immer aus dem einheimischen Adel berufen und unterstand der Böhmischen Kammer in Prag.
1549 wurde mit Christoph von Dohna zum ersten Mal ein einheimischer protestantischer Adliger zum Landvogt berufen. Der Besitzer der Herrschaft Königsbrück machte sich aber in kurzer Zeit beim Adel und den Städten unbeliebt, weil er korrupt war und die Gerichte nicht ordnungsgemäß verwaltete. Die Stände verklagten Dohna deshalb beim König in Prag (die Klageschrift umfasste über 100 Punkte), aber noch vor dem Ende des Prozesses starb der Landvogt (1560) und bis zum Dreißigjährigen Krieg wurden nach alter Tradition nur noch böhmische oder schlesische Adlige zu Landvögten in Bautzen berufen.
Seit den fünfziger Jahren kam es zu einer Stabilisierung der im Lande übrig gebliebenen katholischen Institutionen. Dies war im wesentlichen der Politik des 1559 ins Amt gekommenen Bautzener Domdekans, Johann Leisentrit zu verdanken. Kaiser Ferdinand hatte ihn zum Kommissar für Religionssachen in den beiden Lausitzen ernannt. Leisentrit war damit nominell die kirchliche Obrigkeit für Katholiken und Protestanten. Er nutzte diese Stellung, um die noch vorhandenen katholischen Pfarreien für seine Konfession zu erhalten, verhielt sich aber sonst den Evangelischen gegenüber tolerant. Als Kaiser Maximilian II. 1564 auch in der Oberlausitz die Nachfolge seines Vaters antrat, gestattete er den Ständen erstmals offiziell die Confessio Augustana. Diese Zusicherung wurde auch von seinen Nachfolgern bei den Landeshuldigungen immer wieder neu gegeben.
Bildung und Kultur nahmen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einen Aufschwung. In den Städten Görlitz, Zittau und Bautzen wurden Gymnasien gegründet, die nicht nur von Bürgersöhnen sondern auch von den Söhnen des Oberlausitzer und zunehmend auch des böhmischen und niederschlesischen Adels besucht wurden. Auch in den anderen Städten Löbau, Kamenz, Lauban und selbst in kleineren Landstädten wurden die Schulen ausgebaut. Bautzen wiederum erhielt als Druckort zumindest regionale Bedeutung. Der Görlitzer Bürgermeister Bartholomäus Scultetus erstellte Ende des 16. Jahrhunderts die erste Landkarte der Oberlausitz.
Ende des 16. Jahrhunderts verschärften sich in Europa und nicht zuletzt auch in Böhmen die konfessionellen Konflikte. In den Ländern der böhmischen Krone war dies einmal den Fortschritten der Gegenreformation geschuldet, die der päpstliche Nuntius in Prag, der dortige Erzbischof und der Bischof von Olmütz, besonders aber die Jesuiten langsam erzielten. Der andere Grund bestand im Erstarken des nicht in den Augsburger Religionsfrieden einbezogenen Calvinismus. In den böhmischen und österreichischen Ländern war der religiöse Konflikt zusätzlich von der Auseinandersetzung um die Macht im Staat überlagert. Sollte diese vornehmlich bei den mehrheitlich protestantischen Ständen oder aber ganz in der Hand des Kaisers liegen? Obwohl in der Oberlausitz die Stände das politische Übergewicht hatten und die Religionsfrage im Großen und Ganzen geklärt schien, wurde auch das kleine Markgraftum von den politischen Unruhen im benachbarten Böhmen angesteckt. Die protestantische Mehrheit war besorgt, dass die Gegenreformation auch auf die Oberlausitz übergreifen könnte und die katholischen Domherren in Bautzen waren längst nicht mehr so kompromissbereit und entgegenkommend wie zur Ära Leisentrit.
Anfang des 17. Jahrhunderts verschlechterten sich die Beziehungen der Stände zum damaligen Landesherren Rudolf II.. Man war unzufrieden wegen der stetig steigenden Steuerforderungen wegen der Türkenkriege, denn der Kaiser konnte dabei keine greifbaren Erfolge erzielen. Schon die Schaffung des Amts eines Kammerprokuratoren (dieser sollte die finanziellen Ansprüche des Landesherrn besser durchsetzen) im Jahr 1595 hatte das Missfallen der Stände erregt. Gemeinsam mit den Schlesiern beschwerte man sich außerdem über die Böhmische Hofkanzlei und verlangte die Einrichtung einer eigenen Kanzlei für die deutschsprachigen Nebenländer der Krone Böhmen.
Nachdem die Protestanten Schlesiens und Böhmens dem durch den habsburgischen Bruderzwist geschwächten Kaiser 1609 Majestätsbriefe abgetrotzt hatten und damit landesrechtlich anerkannt waren, wollten auch die Oberlausitzer solch eine Urkunde erlangen. Ihre Bemühungen blieben aber erfolglos. Auch Kaiser Matthias, der Rudolf II. 1611 auf dem böhmischen Thron nachfolgte, verweigerte den protestantischen Oberlausitzern den Majestätsbrief. Dies war einer der wichtigsten Gründe, dass sich die Oberlausitz 1618/19 nach dem Prager Fenstersturz dem böhmischen Ständeaufstand anschloss.
Als die Unruhen in Böhmen begannen, verhielten sich die Oberlausitzer Stände zunächst passiv. Sie ignorierten die dringenden Aufforderungen der Böhmen, sie im Krieg gegen die Habsburger zu unterstützen. Erst nach dem Tod Kaiser Matthias im März 1619 änderten sie ihre Politik. Sie traten der Böhmischen Konföderation bei und waren an der Absetzung Ferdinands II. und der Wahl Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen beteiligt. Ziel der protestantischen Stände des Markgraftums war es, die Oberlausitz zu einem vollständig protestantischen Land zu machen. Sie wollten das katholische Bautzener Domstift beseitigen, in den wenigen noch katholischen Orten protestantische Pfarrer einführen und endlich eine eigene Landeskirche gründen. Das militärische Risiko und die damit verbundenen Kosten für die Aufstellung von Truppen für den durch die katholische Liga bedrängten Winterkönig trugen sie allerdings nur ungern und als der Krieg auf die Oberlausitz übergriff, waren sie nicht in der Lage, wirksamen Widerstand zu leisten. Ohne größere Kampfhandlungen konnte der mit Ferdinand II. verbündete Kurfürst Johann Georg von Sachsen zwischen September 1619 und Januar 1620 die Oberlausitz besetzten.
Für seine militärische Hilfe gegen die aufständischen böhmischen Länder war dem sächsischen Kurfürsten vom Kaiser finanzielle Entschädigung zugesagt worden. Wenn nicht bezahlt wurde, sollten die Lausitzen als Pfand an den Wettiner übergeben werden. Ferdinand II. konnte nicht zahlen und musste 1623 die Pfandschaft über beide Markgraftümer einräumen. Die Übergabe wurde im so genannten Immissionrezess geregelt. Dadurch entging die Oberlausitz der kaiserlichen Gegenreformation, die in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts in Böhmen und Mähren zum Verbot der protestantischen Bekenntnisse und Kirchen führte. In der Folgezeit kamen viele Glaubensflüchtlinge aus Böhmen in die Oberlausitz. Sie siedelten sich vor allem in Zittau und den benachbarten Weberdörfern im Lausitzer Bergland an und sorgten dort durch ihren Gewerbefleiß für einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Die Landesherren der Oberlausitz 1526-1635
Die Oberlausitz bis zur Teilung 1815
In der Schlacht bei Bautzen am 20./21. Mai 1813 konnte Napoleon seinen letzten größeren Sieg erringen.
Sächsische und preußische Oberlausitz (1815-1945)
Auf dem Wiener Kongress (1815) musste das Königreich Sachsen große Gebietsverluste zu Gunsten Preußens hinnehmen. Unter anderem musste auch die Hälfte der Oberlausitz mit Görlitz abgetreten werden. Die Oberlausitzer Stände hatten bis zu letzt versucht, die Teilung des Landes zu verhindern. Unter anderem hatten sie sich mit einer Bittschrift an den österreichischen Kanzler Metternich gewandt. Jedoch blieb diese Initiative ohne Erfolg. Die neue Grenze durchschnitt das Land von Nordwesten nach Südosten. Sie verlief südlich von Ruhland und Wittichenau in Richtung Reichenbach (Oberlausitz), traf südlich von Görlitz auf die Neiße und verlief entlang der Wittig bis zur böhmischen Grenze. (Alle hier genannten Orte fielen an Preußen.) Die willkürlich gezogene Grenze zerschnitt eine in 800 Jahren gewachsene politische, wirtschaftliche, kulturelle und kirchliche Einheit: Von den Sechs Städten gehörten nunmehr zwei (Görlitz und Lauban) zum preußischen Staat. Die Wirksamkeit der alten Oberlausitzer Ständeversammlung blieb auf das sächsische Restgebiet beschränkt. Das Siedlungsgebiet der Obersorben war nun auf zwei Staaten aufgeteilt. Die kirchliche Autonomie der Protestanten fand in der Oberlausitz ihr Ende und sie wurden in die Kirche der preußischen Union, Kirchenprovinz Schlesien eingegliedert. Die wenigen Katholiken der Lausitzer Administratur wurden ebenfalls geteilt. Die Dörfer der beiden Klöster Marienstern und Marienthal lagen nun beiderseits der Grenze. Die katholischen Pfarreien der preußischen Oberlausitz wurden schließlich 1821 dem Fürstbistum Breslau unterstellt. Die preußische Regierung begann nach 1815 in ihrem Teil der Oberlausitz sofort mit der dringend notwendigen Modernisierung der Verwaltung. Nach einigen Experimenten wurden in den zwanziger Jahren vier Landkreise gebildet, die alle in die Provinz Schlesien integriert wurden. Erst seit diesem verhältnismäßig späten Zeitpunkt dehnte sich das schlesische Gebiet über den Queis nach Westen aus. Vorher hatte die Oberlausitz nie zu Schlesien gehört, wenngleich beide Länder vom 13. - 17. Jahrhundert zumeist von einem gemeinsamen Landesherren, dem böhmischen König, regiert worden waren.
In der südlichen Oberlausitz konnte man nach 1815 erfolgreich an alte Traditionen vor allem bei der Herstellung von Textilien aber auch in vielen anderen Gewerben anknüpfen. Die Region gehörte zu den frühen Industriegebieten Deutschlands. Bereits seit 1836 fanden sich Geschäftsleute aus Sachsen und Preußen zusammen, um die Eisenbahnstrecke Dresden - Breslau quer durch die Oberlausitz zu planen und zu bauen. Baubeginn war 1844, zwei Jahre später war der Oberlausitzer Anteil der Strecke bis Löbau fertiggestellt und im September 1847 verkehrten die Züge durchgehend von Dresden nach Breslau.
Durch die sächsische Verfassung von 1831 wurde die rechtliche Sonderstellung der Oberlausitz beseitigt. Das traditionelle ständische Herrschaftssystem wurde in den folgenden Jahren schrittweise durch die Institutionen des modernen Staats ersetzt. Bis in die fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts dauerte die Ablösung der bäuerlichen Bevölkerung aus der Erbuntertänigkeit.
In der preußischen Oberlausitz profitierte vor allem Görlitz von der Integration in den größten deutschen Teilstaat. Eine breite Palette von Industriebetrieben siedelte sich an. Zu den größten Absatzmärkten Berlin und Breslau bestanden gute Bahnverbindungen.
Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 waren die Sorben ständig steigender Repressionen ausgesetzt. Als Instrument der Unterdrückung konnten die neuen Machthaber auf die schon länger bei der Amtshauptmannschaft Bautzen bestehende Wendenabteilung zurückgreifen. Bis 1937 wurden nach und nach all ihre Vereine und die gesamte sorbische Presse verboten. Auch der Unterricht in der Muttersprache und ebenso sorbischsprachiger Religionsunterricht waren nicht mehr gestattet. 1940 wurden alle sorbischen katholischen Priester aus der Oberlausitz ausgewiesen. Die Nazis mit ihrer menschenverachtenden Rassenpolitik verfolgten gegenüber den Sorben keine einheitliche Linie. Neben Demütigung und Unterdrückung stand bis in den Zweiten Weltkrieg hinein der Versuch, die Wenden in die "germanische Herrenrasse" zu integrieren. Deshalb wurden sie als wendische Deutsche bezeichnet, um sie von den anderen Slawen zu separieren. Die totale physische Vernichtung der Sorben analog zu den Juden ist nie geplant worden. Allerdings gab es Überlegungen, das kleine slawische Volk zur Gänze auf den besetzten Balkan zu deportieren.
Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Oberlausitz von Luftangriffen weitgehend verschont. 1945 wurde sie allerdings Kampfgebiet. Zunächst betraf das die Stadt Lauban, die im Februar bereits von der Roten Armee eingenommen worden war, von den Deutschen aber noch einmal zurückerobert wurde. Deshalb inszenierte der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in Lauban seinen letzten Wochenschauauftritt mit den üblichen Durchhalteparolen. Im April 1945 fanden die letzten Kampfhandlungen in der Nähe von Bautzen und Kamenz statt. Sie standen im Zusammenhang mit Aktionen der Roten Armee, die einerseits auf die Einnahme Berlins andererseits auf die Besetzung Dresdens und den Vorstoß nach Böhmen abzielten. Hoyerswerda wurde durch einen Irrtum, es handele sich um das Alu-Werk Lauta, durch die britische Luftwaffe bombardiert. Während es in Bautzen noch zu kriegsbedingten Zerstörungen kam, konnten diese in Kamenz verhindert werden, denn einige Bürger setzten sich über die Befehle der Nazibehörden hinweg und übergaben die Stadt ohne Widerstand an die Russen. Anders als viele Deutsche empfanden die Sorben die Ankunft der Roten Armee durchweg als Befreiung, denn nun war ihre ethnische Diskriminierung und die Gefahr der Deportation vorbei.
Neueste Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der östlich der Neiße gelegene Teil der Oberlausitz zu Polen geschlagen. Die deutsche Bevölkerung wurde - soweit sie nicht schon in den letzten Kriegswochen geflohen war - bis zum Ende des Sommers 1945 vertrieben. Bald darauf wurden Polen (vor allem Menschen, die aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten vertrieben worden waren) angesiedelt. Im Ostteil der nunmehr geteilten Stadt Görlitz wurden in den ersten Nachkriegsjahren auch tausende Flüchtlinge aus dem griechischen Bürgerkrieg untergebracht. In den ersten Nachkriegskonferenzen vertrat die UdSSR die Forderung, die Oberlausitz der Tschechoslowakei zuzuschlagen, gab diese Position aber bald auf.
Der sorbische Dachverband Domowina gehörte zu den ersten demokratischen Vereinigungen, die von den sowjetischen Besatzungsbehörden wieder zugelassen wurden.
Die Oberlausitz westlich der Neiße wurde von der sowjetischen Besatzungsmacht dem Land Sachsen zugeteilt. Als die DDR-Regierung 1952 die Länder auflöste wurde der größte Teil des Landes dem Bezirk Dresden zugewiesen. Die Kreise Hoyerswerda und Weißwasser im Norden (mit mehreren Braunkohlegruben) wurde dem "Energiebezirk" Cottbus zugeschlagen.
Obwohl der deutsche Teil der Oberlausitz seit 1990 wieder größtenteils zu Sachsen gehört, hat die vor knapp 200 Jahren erfolgte Teilung des Landes tiefe Spuren hinterlassen. Besonders im Osten des Landes gibt es heute Streitigkeiten um die historische Identität. Eine Fraktion (verstärkt durch die 1945 ins Land gekommenen Vertriebenen und ihre Nachfahren) betont das Erbe aus der preußisch-schlesischen Zeit und will sich bewusst von der sächsischen Oberlausitz absetzen, die andere Seite verweist eher auf die Jahrhunderte langen Gemeinsamkeiten und sieht in der Teilung von 1815 einen preußischen Willkürakt.
Als 1990 die sächsische Verfassung ausgearbeitet wurde und die Neugliederung der Kommunalverwaltung erfolgte, konnte sich die schlesische Fraktion durchsetzen. Deshalb erwähnt die Präambel der sächsischen Verfassung die niederschlesischen Gebiete ausdrücklich als einen Landesteil mit besonderen historischen Traditionen und der an der Neiße neu gebildete Landkreis bekam den Namen Niederschlesischer Oberlausitzkreis. Ein eigenständiger Regierungsbezirk "Niederschlesien" bzw. "Oberlausitz" mit Sitz in Görlitz, wie von einigen gefordert, wurde jedoch nicht gebildet.
Literatur
- Quellen
- Collection derer dem statum des Marggrafthums Oberlausitz in Justiz-Polizey und anderen Sachen betreffenden Privilegien. 6 Bde. u. Register. Budissin 1770-1827.
- Tino Fröde: Collectanea Lusatica. Sammlung Lausitzer Schriften und Akten. Findbuch, Olbersdorf, 1997
- Darstellungen
- Joachim Bahlcke (Hg.): Geschichte der Oberlausitz. Herrschaft, Gesellschaft und Kultur vom Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, Leipzig 2001.
- Frank Nürnberger (Hg.): Oberlausitz - Schöne Heimat, Oberlausitzer Verlag, Spitzkunnersdorf, 2004, ISBN 3-933827-42-6
- Karlheinz Blaschke: Beiträge zur Geschichte der Oberlausitz (Gesammelte Aufsätze), 2000 ISBN 3-932693-59-0
Siehe auch
- Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften
- Fürst-Pückler-Park
- Liste der Landschaften in Sachsen
Weblinks
- [http://www.oberlausitz.de/ Oberlausitz]
- [http://www.oberlausitz.com/ Informationen zu Tourismus und Wirtschaft in der Oberlausitz]
- [http://www.oberlausitz-web.de/ Oberlausitz-Web]
- [http://www.oberlausitz-info.de/ Oberlausitz-Info]
- [http://www.lausitzerseenland.de/index_willkommen.php Wassersportregion Lausitzer Seenland]
- [http://www.lausitzerleben.de/ Lausitz-Wiki und Reiseportal für die Niederlausitz, Oberlausitz, polnische Lausitz - LausitzerLeben]
- [http://www.lausitzfoto.de/index2.shtml Bilder aus der Oberlausitz]
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