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Euböa

Euböa

Euböa (neugr. Εύβοια, Evia, altgr. Εúβοια, Eúboia, ital. Negroponte) ist mit einer Fläche von 3657 km² und einer Bevölkerung von (1981) ca. 186.000 Einwohnern die nach Kreta zweitgrößte griechische Insel. Die Hauptstadt ist Chalkis, daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Kleinstädte: Karistos, Kymi, Aliveri, Aidipsos und Limni. Mit dem Festland, von dem die Insel an einer Stelle nur 37 m entfernt ist, wird sie über zwei Brücken verbunden. Ihre Einwohner wurden in der Antike Abanten genannt. Euböa ist eine langgestreckte Insel, etwa 175 km lang und 6 bis 45 km breit. Über ihre gesamte Länge wird die Insel von einem Gebirgszug durchzogen, der sich im Osten an Thessalien anschließt und sich nach Süden über die Inseln Andros, Tenos und Mykonos fortsetzt.

Geographie

Es wird angenommen, dass Euböa ursprünglich Teil des griechischen Festlandes gewesen ist und von diesem durch ein Erdbeben getrennt wurde. Da die Insel in der Nähe einer Verwerfungslinie liegt, und außerdem sowohl bei Thukydides und Strabon von Erschütterungen des Nordteils der Insel berichtet wird, ist ein solches Szenario durchaus vorstellbar. Die nördlichen Ausläufer der Insel werden von der Küste Thessaliens durch eine Meerenge getrennt, die an ihrer engsten Stelle nur 2,4 km breit ist. Die Meerenge zwischen Euböa und dem griechischen Festland wird bei Chalkis, wo sie am engsten ist, Euripus genannt. Die ungewöhnlich stark ausgeprägten Gezeitenwechsel an dieser Stelle erregen bereits seit der Antike ein großes Interesse. Dabei wechselt die Strömung häufig und sehr plötzlich ihre Richtung bei gleichbleibender Stärke. Die erste Brücke wurde an dieser 410 v.Chr., im 21. Jahr des Peloponnesischen Krieges errichtet. Im Mittelalter wurde der Name Euripus zu Evripo und Egripo verschliffen und in dieser Form später auf die gesamte Insel übetragen. Als die Venetianer das Gebiet besetzten, änderten sie in Anlehnung an die Brücke den Namen in Negroponte. Wie die meisten griechischen Inseln war Euböa früher unter anderen Namen bekannt, beispielsweise als Macris and Doliche, die sich auf die Form der Insel beziehen, oder als Ellopia und Abantis (Άβαντες) nach den sie bewohnenden Stämmen. Die größten Berge der Insel sind Dirphys (1.745 m), Pyxaria (1.341 m) im Nordosten und Ochi (1.394 m).

Geschichte

Der größte Teil der Geschichte Euböas ist die Geschichte der beiden größten Städte, Chalkis und Eretria. Beide sind von Attika gegründete ionische Siedlungen. Ihre geschichtliche Bedeutung zeigt sich in der großen Zahl ihrer Kolonien in Magna Graecia und Sizilien, wie z.B. Cumae, Rhegium und Naxos. Dadurch eröffneten diese Städte den Griechen neue Handelsrouten und verbreiterten das Einflussgebiet der westlichen Zivilisation. Euböa war ein bedeutendes Handelszentrum, wie z.B. daran ersichtlich ist, dass die euböischen Gewichts- und Maßeinheiten im gesamten ionischen Gebiet und bis in die Zeit Solons auch in Athen gebräuchlich waren. Chalkis und Eretria waren rivalisierende Städte. Eine der frühestens überlieferten Seeschlachten Griechenlands fand zwischen diesen beiden Städten statt und viele andere griechische Stadtstaaten sollen sich daran beteiligt haben. 490 v.Chr. wurde Eretria dem Erdboden gleichgemacht und die Bewohner der Stadt wurden ins Perserreich verschleppt. Nach der Schlacht bei Marathon wurde Eretria ein wenig entfernt von seiner ursprünglichen Lage wieder aufgebaut, aber obgleich sie ihren Rang als zweitbedeutendste Stadt der Insel behaupten konnte, fand sie nie wieder zu alter Stärke und Größe zurück. Seit dieser Zeit hatte Chalkis unangefochten die Vorrangstellung inne. Allerdings litt auch diese Stadt unter der wachsenden Macht Atherns. Im Jahr 506 v.Chr. wurden Chalkis von den Athenern vollständig besiegt, die daraufhin 4000 attische Siedler auf chalkischem Gebiet ansiedelten und die gesamte Insel scheinbar zu einem abhängigen Gebiet machten. 446 v.Chr. versuchte Euböa, sich von der Unterjochung durch Athen zu befreien, wurde aber von Perikles geschlagen. Im Norden der Insel wurden die Bewohner der Stadt Histiaea vertrieben, um weiteren attischen Siedlern Platz zu machen, da Athen sich der Bedeutung der Insel bewusst war. Euböa versorgte die Athener mit Getreide und Vieh, sicherte den Handel und war ein Schutz gegen Piraten. Außerdem war Euböa aufgrund der Nähe zum attischen Festland von großer strategischer Bedeutung und hätte in fremden Händen zu einer echten Bedrohung für Athen werden können. Aber 410 v.Chr. gelang es Euböa, wieder unabhängig zu werden. Danach ging die Insel wechselnde Bündnisse mit den führenden griechischen Stadtstaaten ein, bis sie nach der Schlacht von Chaironeia an Philip II. von Makedonien fiel. Euböa blieb unter makedonischer Herrschaft bis die Insel schließlich Teil des römischen Reiches wurde. In der jüngeren Geschichte gewann Euböa erst im Vierten Kreuzzug wieder an Bedeutung. Als das Byzantinische Reich infolge der Errichtung des Lateinischen Kaiserreiches neu aufgeteilt wurde, übernahm die Venetianische Republik de facto die Herrschaft über Insel, da sich die drei Lehen, in die Euböa aufgeteilt wurde, sich unter deren Schutz stellten. Im Jahre 1470 gelang es dem osmanischen Sultan Mehmed II., die schwer befestigte Stadt Histiaea nach schweren Kämpfen zu erobern und die Insel den Venetianern zu entreißen. Nach Ende des Griechischen Unabhängigkeitskrieges 1830 wurde Euböa Teil des neu errichteten griechischen Staates.

Bevölkerungsentwicklung

Wirtschaft

In der Gegend von Mantoudi und Limni wird Magnesit abgebaut, in Aliveri Lignit sowie Eisen und Nickel um Diprhys. Etwa drei Kilometer nördlich von Eretria wird Asbest und Marmor abgebaut, darunter auch Marmera Caristoy in Karistos. Darüber hinaus haben Walnüsse noch eine wirtschaftliche Bedeutung. Kategorie:Insel (Griechenland) Kategorie:Historische Landschaft

Neugriechisch

Neugriechisch bezieht sich
- auf die Griechische Sprache und kennzeichnet das heute von den Griechen gesprochene Idiom im Gegensatz zum Altgriechisch ihrer antiken Vorfahren
- auf die heutigen Griechen selbst, die sich laut Jakob Philipp Fallmerayer auch ethnisch von den Altgriechen unterscheiden, siehe Neugriechen

Altgriechisch

Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen. Siehe: Griko in Italien Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden. Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis 1453) grc.

Geschichte

1453 Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist. Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert. Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden. Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt. Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus). Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt. Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.

Grammatik

Altgriechisch

Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie. Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen. Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.

Nominale Wörter

Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Genera

- (allgemeine) Regeln:
  - Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
  - Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
  - Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache. Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
  - echter Akkusativ (direktes Objekt)
  - adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
  - echter Genitiv (Bereich)
  - Separativ (Herkunft)
- Dativ
  - echter Dativ (indirektes Objekt)
  - Soziativ (Gemeinschaft)
  - Instrumental (Mittel)
  - Lokativ (Ort, Zeit)

Verben

Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm. Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt. Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen) Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung. Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens) Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt. Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten). Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.) Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung. Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden. Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck. Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint. In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt. Der Imperativ drückt einen Befehl aus. Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt). Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung. Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus. Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn: Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.) Beispiele: Aktiv: er löst (etwas) transitives Medium: er löst (etwas) für sich intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Personen
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural). Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.

Neugriechisch (Dimotiki)

Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation. Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache: Vokale geschlossen halbgeschlossen offen Alle Vokale werden kurz ausgesprochen. laut IPA Konsonanten p t k b d g v δ z γ f θ s χ m n l r

Siehe auch


- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen

Literatur


- Geschichte:
  - Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
  - Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
  - Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
  - Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
  - Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
  - Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
  - Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
  - Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
  - Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
  - Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992

Weblinks


- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Einzelsprache als:Griechische Sprache ja:ギリシア語 ko:그리스어 ms:Bahasa Greek simple:Greek language th:ภาษากรีก

Kreta

Kreta (griechisch Κρήτη, Kriti) ist die größte griechische Insel und mit 8.331,231 km² Fläche sowie 1.040 km Küstenlinie die fünftgrößte Insel im Mittelmeer. Sie hat eine Länge von 260 km und ist 12 bis 60 km breit. Die vor der kretischen Südwestküste liegende Insel Gavdos, auf der nur wenige Bewohner leben, markiert den südlichsten bewohnten Punkt Europas.

Geographie

Die Insel wird von zahlreichen Gebirgsmassiven durchzogen, die zur Südküste hin steil, zum Norden flach abfallen. Im Osten, der trockener und steiniger ist als der übrige Teil der Insel, liegen die etwas niedrigeren Gebirge, wie die maximal 1.500 m hohen Thripti-Berge. Die die Insel der Länge nach durchziehende Bergkette teilt sich in drei Gebirge. Im Westen finden sich die Weißen Berge, griechisch Lefka Ori oder Madáres, die mit einer Vielzahl von Gipfeln über 2.000 Metern das größte Gebirge der Insel darstellen. In ihm ist der höchste Gipfel der Páchnes mit 2.453 m. Es folgen das Ida-Gebirge und das Psiloritis-Massiv mit dem mit 2.456 m höchsten Berg der Insel, dem Timeos Stavros. Im Osten mit dem Dikti-Massiv und der Hochebene von Lassithi ist der Dikti-Berg mit 2.148 m die höchste Erhebung. Abgeschlossen werden die Gebirgszüge im Osten durch die maximal 1.500 m hohen Thripti-Berge. Südlich des Psiloritis befindet sich die Messara-Ebene, mit etwa 140 km² die größte und fruchtbarste Ebene der Insel, die intensiv landwirtschaftlich genutzt wird.

Klima

Auf der Insel herrscht ein gleichmässiges Mittelmeerklima. Kreta ist mit seinen ca. 300 Tagen Sonnenschein pro Jahr zusammen mit Zypern die sonnigste Insel im Mittelmeerraum. Der Sommer ist heiß und trocken, wobei insbesondere an der Südküste sehr hohe Temperaturen gemessen werden. Der Winter ist regenreich und mild, die Hochlagen der Gebirgszüge sind schneereich. Kreta ist durch mehrere Klimazonen geprägt. Vom trocken-heißen Zonen bis zu feucht-alpinen reicht die Spanne. Die Durchschnittswerte aus Heraklion:

Flora

Auf Kreta gedeihen etwa 140 endemische Arten. Der Westen und die Mitte der Insel sind mit Aleppo-Kiefern, Restbeständen von Zedern und Steineichen teilbewaldet, der Osten hingegen zählt zu den trockensten Regionen Europas. Dort wächst neben Ölbäumen nur noch buschartige Phrygana. Endemisch ist die kretische Dattelpalme (lat. Phoenix Theophrastii), die an zwei Standorten der Südküste und im äußersten Osten (Palmenstrand von Vai) vorkommt. Typisch für die Insel ist das Vorkommen zahlreicher Kräuter wie Oregano, Thymian oder Diktam, deren Verbreitung bis in die Hochlagen der Gebirgszüge reicht.

Fauna

Die kretische Fauna ist sehr artenarm. Die sehr seltene endemische Kretische Bergziege Kri-Kri kommt nur noch an zwei natürlichen Standorten vor. Typische Vertreter der Mittelmeerfauna sind Grillen, Zikaden, Salamander, Eidechsen, Geckos und die Kreta-Stachelmaus. Die auf der Insel anzutreffenden Schlangenarten sind ungiftig. Zahlreiche Vogelarten sind auf Kreta heimisch, die Insel dient zudem vielen europäischen Zugvögeln als Zwischenquartier. In abgeschiedenen Bergregionen und Schluchten brüten wenige noch erhalteten Paare des Lämmergeier, eine auf Kreta anzuzutreffende Unterart. Ziegen, Schafe, Hunde, Katzen, Esel und Maultiere werden als Haustiere gehalten. Haustiere Sehr wohl gibt es 2 Schlangenarten auf Kreta, die giftig sind. Die eine ist die Katzennatter, für Menschen ungefährlich, weil die Giftzähne der Katzennatter so tief im Rachen liegen, dass sie nur für ihre Jagdbeute eingesetzt werden können. Die zweite Giftschlange ist die Kreuzotter, die es nachweislich auf der Insel gibt. Greifvögel gibt es außer den Lämmergeiern noch mehr oder weniger zahlreich wie die Bartgeier im Lefta Ori, die Gänsegeier in der Gegend von Malia und Agios Nikolaos sowie Fischadler an der Südkueste um Lentas.

Bevölkerung

Kreta hat insgesamt 600.159 Einwohner (Stand 2001).

Sprache

Die Landessprache ist griechisch. Es gibt keine einheitliche Schreibweise mit lateinischen Buchstaben für griechische Wörter. Daher existieren unterschiedlichste Schreibweisen des jeweils gleichen Namens. Viele vor allem ältere Leute sprechen noch den kretischen Dialekt.

Städte

griechisch Hauptstadt und größte Stadt Kretas ist Iráklion (Heráklion) mit 126.907 Einwohnern (Stand: 1991). Weitere wichtige Städte sind:
- Ágios Nikólaos (18.000 Einwohner; Stand 2002)
- Archánes (4000 Einwohner; Stand 2002)
- Chaniá (72.092 Einwohner; Stand: 1991)
- Ierápetra (11.450 Einwohner; Stand 1999)
- Réthymnon (23.355 Einwohner; Stand: 1991)
- Sitía (9.102 Einwohner; Stand 1999)

Politische Gliederung

Die Verwaltungsregion Kreta ist in vier Präfekturen (nomi, Sg. nomos) aufgeteilt, die wiederum in insgesamt 20 Eparchien (Landkreise, eparchies, Sg. eparchia) gegliedert sind.

Wirtschaft und Infrastruktur

Hauptwirtschaftszweig ist der Fremdenverkehr. Landwirtschaftlich wird die Insel vor allem für Wein-, Oliven- und Obstanbau genutzt. Ein großer Teil des kretischen Weinbaus dient der Produktion von Rosinen. Die wenigen Ebenen Kretas im Südosten, die Lassithi-Hochebene sowie der Messara sind von zahlreichen Treibhauskulturen geprägt, in denen Gemüse und Salate sowohl für den Eigenbedarf als auch für den Export angebaut werden. Die Insel gehört zu den größten Olivenölexporteuren der Europäischen Union, Ende der 1990er Jahre wuchsen auf 44 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche rund 16 Millionen Ölbäume. Bei Kavousi in Nordostkreta steht einer der ältesten Olivenbäume der Welt. Aus seinen Ästen wurden die Olivenzweige geschnitten, die während der Olympischen Spiele 2004 in Athen den Sportlern aufgesetzt wurden. Kreta besitzt drei Flughäfen in den Städten Heraklion, Chania und Sitia. Fährverbindungen gibt es vor allem nach Piräus (Athen), ganzjährig auch nach Thessaloniki, Santorin, Rhodos oder z. B. von Gythion auf dem Peloponnes nach Kissamos. Wichtigstes Verkehrsmittel der Insel ist der Busverkehr der staatlichen Gesellschaft KTEL. Das Straßennetz ist besonders seit dem EU-Beitritt Griechenlands stark ausgebaut worden.

Geschichte

Siehe: Geschichte Kretas, Kreta-Namenforschung

Bedeutende Personen


- El Greco, eigentlich Domenikos Theotokopoulos, Maler
- Epimenides, griechischer Logiker
- Nikos Kazantzakis, Schriftsteller
- Minos, mythischer König Kretas
- Elefterios Venizelos, Politiker

Sehenswürdigkeiten

Archäologische Stätten

Elefterios Venizelos
- Agía Photia (minoischer Landsitz)
- Agía Triáda
- Górtys (spät. römische Stadtsiedlung)
- Gournia (spätminoische Stadt)
- Heraklion (archäologisches Museum)
- Itanos (minoisch/dorische Hafenstadt)
- Káto Zákros (minoischer Palast)
- Kloster Árkadi
- Kloster Préveli
- Kloster Tóplou
- Knossós (minoischer Palast)
- Lato (dorische Siedlung)
- Mália (minoischer Palast)
- Palékastro (minoische Stadt)
- Phaistós (minoischer Palast)
- Phourni (Nekropole bei Archanes)
- Tylisos (minoischer Landsitz)
- Vathypetro (minoischer Landsitz)

Touristische Zentren

Vathypetro
- Agía Galíni (Südküste)
- Balí (Nordküste)
- Chóra Sfákion (Südküste)
- Elounda (Nordküste)
- Georgioúpolis (Nordküste)
- Límin Chersonísou (Nordküste)
- Mália (Nordküste)
- Mátala (Südküste)
- Paleochora (auch:Palaiochóra) (Südwestküste)
- Plakias (Südküste)

Orte


- Kastélli Kísamos
- Krassounas
- Lendas
- Margarites
- Maroulas
- Melidoni
- Panormos
- Perama
- Spíli

Museen


- Archäologisches Museum Iráklion
- Historisches Museum Iráklion
- Ikonenmuseum Iráklion

Naturschauplätze

Ikonenmuseum Iráklion
- Imbros-Schlucht
- Kournas See
- Lassithi-Hochebene
- Palmenstrand Preveli
- Palmenstrand von Vai
- Samaria-Schlucht

sonstige Sehenswürdigkeiten


- Spinalonga

Siehe auch


- Atlantis
- Diskos von Phaistos
- Ephyra-Schale
- Linearschrift A
- Minos und Minotauros
- Zeus

Literatur


- Detorakis, Theocharis E.: Geschichte von Kreta. Heraklion 1997 [Umfangreiche historische Darstellung bis zum Ende der kretischen Autonomie. Ein kleines Schlusskapitel reicht bis zur deutschen Besatzung.]
- Gallas, Klaus: Kreta: Von den Anfängen Europas bis zur kreto-venezianischen Kunst. Köln (DuMont) 1995, 8. Aufl.
- Fitton, J. Lesley: Die Minoer. Fasst den aktuellen Wissensstand zu Alltag, Landwirtschaft, Architektur, Religion, Wirtschaft und Gesellschaft auf Kreta von ca. 3000 v. Chr. bis um 1200 v. Chr. zusammen. Stuttgart (Theiss) 2004, 1. Auflage

Weblinks


- [http://www.west-crete.com/ger/ Westkreta]
- [http://www.ostkreta.de/ Ostkreta]
- [http://www.kreta-ratgeber.de/ Der andere Kreta Ratgeber]
- [http://www.dietermueller-online.de/ Kreta - love it or leave it]
- [http://www.online-guide-kreta.de/ Online-Guide Kreta]
- [http://wikitravel.org/de/Kreta Wikitravel-Eintrag zu Kreta]
- [http://www.kreta-reise.info Online-Reiseführer über Kreta] Kategorie:Insel (Griechenland) Kategorie:Mittelmeer ja:クレタ島

Chalkis

Chalkis (Griechisch: Χαλκίδα, Katharevousa: Χαλκίς) ist der Hauptort auf der griechischen Insel Euböa. Chalkis liegt in der Mitte der Westküste an der schmalen Meeresstraße Euripus, über die seit 411 v. Chr. eine Brücke führte, die Chalkis mit dem Festland verband. Chalkis war ursprünglich wohl eine Ansiedlung phönizischer Purpurfischer. Schon früh blühte hier der Handel und man kolonisierte unter anderem die Halbinsel Chalkidiki, die von Chalkis ihren Namen herleitet. Aber auch bis Unteritalien und nach Sizilien reichten die Kolonisationsbestrebungen. Im 7. Jahrhundert v. Chr. führte Chalkis einen langwierigen und schließlich siegreichen Kampf gegen die Nachbarstadt Eretria um die Vorherrschaft auf Euböa. 506 v. Chr. wurde Chalkis dann von den Athenern unterworfen, die die Ländereien des Adels der Insel unter den 4.000 Familien verteilten. Perikles vereitelte einen Versuch, die Herrschaft Athens abzuschütteln, erst 411 v. Chr. konnte sich Chalkis freimachen. Man trat aber bereits 378 v. Chr. erneut in den zweiten Athener Seebund ein, bis die Makedonier 338 v. Chr. die ganze Insel unter ihre Herrschaft brachten. Chalcis in Graecia ist ein Titularbistum der katholischen Kirche. Als Festung und Handelsstadt blieb Chalkis während des Altertums und über das ganze Mittelalter von Bedeutung. Seit 1899 ist Chalkis Hauptort des Nomos Euböa. Der Dramatiker und Vorsokratiker Lykophron aus Chalkis (um 290/250 v. Chr.), der zu der Gruppe Sophisten zählte, stammt wahrscheinlich aus der Stadt. 1904 wurde in Chalkis der Komponist Nikos Skalkottas geboren.

Einwohner

Verkehr

1992 wurde die große Hängebrücke eröffnet. Sie trägt zur wesentlichen Verbesserung der Infrastruktur bei. Bevor sie fertiggestellt wurde, gab es nur eine kleine Brücke am Euripus, in der Stadt gelegen. Sie verbindet genauso wie die "neue" Brücke die Insel Euböa mit dem Festland Attikas.
- Bundesstraße 44
- Bundesstraße 77
- Bundesstraße 1/E75. Kategorie:Ort in Griechenland

Abanten

Abanten (griech. Αβαντες, ábantes) ist der alte, schon bei Homer belegte Name der Bewohner der griechischen Insel Euböa (vgl. den homerischen 'Schiffskatalog': Ilias II 536 ff.), später eingeschränkt auf die Bewohner der Hauptstadt Chalkis. Auch die Insel wurde gelegentlich Abantis genannt (vgl. Pausanias V 22, 3). Kategorie:Geographie (Griechenland) Kategorie:Griechische Geschichte (Antike)

Andros

Andros ist
- eine griechische Insel, siehe Ándros;
- die größte Insel der Bahamas in Westindien, siehe Andros (Bahamas)
- ein französischer Kompott- und Konfitüren-Hersteller der mit der so genannten Trophée Andros jährlich eine Meisterschaftsserie von Eisrennen für Autos in Frankreich sponsert.

Mykonos

Der Begriff Mykonos bezeichnet #eine Insel der Kykladen, siehe Mýkonos #ein Lokal in Berlin, das 1992 Ziel eines Anschlages wurde, siehe Mykonos-Anschlag

Thukydides

Thukydides (
- um 460 v. Chr.; † wohl zwischen 399 v. Chr. und 396 v. Chr.) war ein aus Athen stammender General und Historiker. Gesichert zugeschrieben wird ihm nur Der Peloponnesische Krieg (der Originaltitel ist nicht überliefert). Dieses Werk, mit dem er die wissenschaftliche Geschichtsschreibung begründete, machte ihn zum bedeutendsten Historiker der Antike.

Leben

Es ist wenig über das Leben des Thukydides bekannt. Er stammte aus einer vornehmen Familie aus Athen und war entfernt mit Kimon und Miltiades verwandt. Sein Vater war Oloros, ein Athener aus dem Demos Halimus (wie auch Thukydides selbst); die Familie unterhielt auch verwandtschaftliche Beziehungen nach Thrakien. Politisch stammte er aus eher konservativen Kreisen, die der Politik des Reformers/Demokraten Perikles eher misstrauisch gegenüberstanden. Über sein Leben vor 431 v. Chr. kann man nur wenig sagen. Es ist jedoch anzunehmen, dass er eine Erziehung genoss wie die meisten vornehmen Athener zu jener Zeit. Der Name seines Vaters deutet sowohl auf eine thrakische wie auch auf eine königliche Herkunft (Herodot 6,39), was zumindest ungewöhnlich für athenische Verhältnisse war. In Thrakien verfügte die Familie wahrscheinlich über ererbte Bergwerkskonzessionen (Goldbergwerke). Auch seine Beschreibungen der thrakische Wildheit, Wirtschaft und Mythologie in seinem Werk muten sehr sachverständig an. In diesem Licht erscheint es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet Thukydides 424 v. Chr. als einer der beiden athenischen Strategen in Thrakien eingesetzt wurde. Bei Ausbruch des Peloponnesischen Krieges 431 v. Chr. war Thukydides ca. 30 Jahre alt. Da er dessen Bedeutung schon früh erkannte, begann er, Aufzeichnungen darüber anzufertigen. Als im Jahr 430 v. Chr. die „Pest“ in Athen ausbrach, erkrankte Thukydides an dieser Krankheit, deren Verlauf er ausführlich in seinem Werk schildert. Seine anscheuliche und sachverständige Darstellung der Krankheit ist heute eine wichtige Quelle für Medizinhistoriker. Interessant ist nicht nur Thukydides' Wissen um die Krankheit, sondern auch um die gewonnene Immunität nach überstandener Krankheit. Im Jahre 424 v. Chr. bekleidete er das Amt eines Strategos in der Nord-Ägäis und war in Thrakien stationiert. Den Verlust der strategisch wichtigen Stadt Amphipolis an die völlig überraschend unter ihrem General Brasidas angreifenden Spartaner konnte er nicht verhindern – er kam mit seiner Flotte wenige Stunden zu spät. Er wurde für diese Niederlage, obwohl unverschuldet, abgesetzt und auf Vorschlag Kleons von der Volksversammlung aus Athen verbannt. Es ist nicht gesichert, ob er wirklich die Verurteilung abwartete (häufig wurden Strategen auch mit dem Tod bestraft), oder ob er sich der Verurteilung nicht schon durch Flucht entzogen hatte. In seinem Geschichtswerk versuchte er sich nicht zu entlasten oder die Schuld seinem Mitstrategen Eukles anzulasten. Das Exil verbrachte er vor allem auf den Besitzungen seiner Familie in Thrakien. Dort schrieb er auch sein berühmtes Werk nieder. Mit den Aufzeichnungen begann er zwar schon bei Kriegsbeginn, jedoch deuten Bemerkungen über das Kriegsende im Werk darauf hin, dass die eigentliche Niederschrift erst nach Kriegsende 404 v. Chr. erfolgte. Nach seinem Ausscheiden als aktiver Kriegsteilnehmer nutzte er die Zeit, um zu reisen und Informationen zu sammeln. Die teilweise recht detaillierten Ortsbeschreibungen lassen die Vermutung zu, dass er einige Schauplätze des Krieges zu Recherchezwecken selbst bereiste, zum Beispiel Sizilien. Auch in Sparta hat er sich zeitweise aufgehalten. Nach neueren Forschungen ist es möglich, dass Thukydides zumindest längere Zeit in Korinth gelebt hatte, was seine besonders detaillierten Kenntnisse und Beschreibungen der Stadt nahelegen. 420 v. Chr. scheint er die Olympischen Spiele besucht zu haben. Das genaue Datum seines Todes ist nicht bekannt, genauso wenig wie die Todesursache. Allerdings kann man einige Hinweise in seinem Werk finden, wann er noch gelebt hatte. Seine Beschreibung des makedonischen Königs Archelaos klingt wie ein Nachruf. Da dieser 399 v. Chr. verstarb kann man annehmen, dass Thukydides zu diesem Zeitpunkt noch lebte. Sollte eine Inschrift, die man in Thasos fand (die in das Jahr 397 v. Chr. datiert wird) und die einen gewissen Lichas noch als lebend nennt, denselben Lischas betreffen, von dessen Tod Thukydides berichtet (8,84,5), schrieb er mindestens noch 397 v. Chr. an seinem Werk.

Werk

Aufbau

Thukydides bezog in seine Darstellung zahlreiche Quellen ein, zu denen er Zugang hatte, wobei freilich die Gefahr besteht, dass die mündlichen Berichte eine teils verzerrte Sichtweise wiedergeben. Das Werk läßt sich in fünf Teile gliedern (insgesamt 8 Bücher/Kapitel; die Einteilung stammt jedoch nicht von Thukydides selbst, sondern wurde nachträglich vorgenommen): # Einleitung (Vorgeschichte, Methodologie, Ursachen des Krieges): Buch I. # archidamischer Krieg (431–421 v. Chr): Buch II-V. # der faule Frieden (Nikiasfrieden, 421–416 v. Chr.): Buch V, VI. # Sizilische Expedition (415–413 v. Chr.): Buch VI, VII. # der dekeleisch-ionische Krieg (414/13–411 v. Chr. Ende des Werkes; der Krieg selbst dauerte noch bis 404 v. Chr. an): Buch VIII. Das VIII. Buch bricht abrupt im Jahre 411 v. Chr. ab, der Historiker Xenophon setzte es in seiner Hellenika fort, der damit eine antike historiographische Tradition begründete. Auch wirken Teile des Werkes unfertig, sodass davon auszugehen ist, dass der Tod Thukydides von einer gründlichen Überarbeitung des letzten Teils abgehalten hat. Die so genannte Thukydideische Frage, nämlich ob das Werk in Etappen oder als Ganzes entstanden ist, ist in der Forschung bis heute umstritten.

Stil und Darstellung

In klarer Abgrenzung zu Herodot, der nicht strikt zwischen Mythen und Realem unterschied, wollte Thukydides nur das berichten, was auch wirklich vorgefallen ist. Sein Ziel ist Klarheit und Gegenwartsbezug. Thukydides schrieb, modern ausgedrückt, Zeitgeschichte, was sehr ungewöhnlich war. Der wissenschaftliche Bezug des Werkes wird vor allem in der Einleitung deutlich, wo er seine wissenschaftliche Methodik erläutert. Großen Einfluss auf die Geschicke der Menschen wies Thukydides der Tyché, dem Zufall zu (wobei er jedoch menschliches Versagen nie auf das Wirken der Götter zurückführte); die Pest und das Fiasko der Sizilienexpedition können hierfür als Beispiele dienen. Bei der Auswahl des Quellenmaterials ging Thukydides nach eigenen Aussagen systematisch und nach dem Grundsatz der Genauigkeit vor (Thuk. I. 22,2 f.). Das Werk selbst ist klar strukturiert, in einem nüchternen, knappen Stil verfasst, wobei sich in den (stilisierten) Reden der Einfluss der sophistischen Rhetorik bemerkbar macht. Die Reden stellen ohnehin ein Herzstück des Werkes dar, wobei diese Art der Darstellung sich teilweise an die Tragödiendichtung anlehnt. Die geschichtsphilosophischen Erwägungen heben das Geschichtswerk deutlich von Herodots Werk ab: Thuykdides analysiert sowohl innenpolitische Konflikte (wie die stasis in Kerkyra) als auch die Verzahnung der Innen- mit der Außenpolitik (exemplarisch kann dafür das Wirken des Alkibiades angeführt werden). Allerdings ist seine Darstellung der griechischen Frühgeschichte (Archailogia) weitgehend wertlos, und auch die Darstellung der Pentekontaetaia weist schmerzhafte Lücken auf, wohingegen die Schilderung des Krieges mit großer Ausfühlichkeit erfolgt – freilich nicht ohne Selektion und immer auch mit der Intention verbunden, uns die Sicht der Dinge so nahezubringen, wie sie Thukydides verstand. Dies ist denn auch das große Problem bei der Beschäftigung mit seinem Werk. Thukydides wollte nicht nur den gewaltigen Krieg zwischen den Bündnissystemen Athens und Spartas beschreiben, er suchte auch nach den anthropologischen Ursachen und ging der Frage nach, wie eine Hegemonialmacht zu Grunde gehen kann. Sein Hauptaugenmerk galt dabei der Macht, die er als Triebfeder des Politischen erkannte. Nirgends wird dies deutlicher als im berühmten Melierdialog (Thuk V. 85 ff.). Dieser gipfelt in der zynischen Feststellung der Athener, dass Recht und Gerechtigkeit nur zwischen Gleichstarken gelten könnten, und dass moralische Entrüstung über die Unterwerfung der Schwachen (hier also der Insel Melos) durch die Starken (Athen) unangebracht sei. Dabei weist Thukydides auch auf die Verrohung der Sitten hin, zu die der Krieg geführt habe, ähnlich wie bei der Beschreibung des Bürgerkriegs in Kerkyra. Thukydides trennte vorgeschobene Anlässe von den (seiner Meinung nach) wahren Ursachen des Konflikts, der die Geschichte des klassischen Griechenlands nachhaltig verändern sollte. Die wahre Ursache für den Ausbruch des Krieges sah Thukydides im Großmachtstreben Athens, dem sich die alte Hegemonialmacht Sparta widersetzte. Für Thukydides ist dabei der Athener Perikles der Prototyp eines großen Staatsmannes, auch wenn er Athen in den Krieg steuerte; allerdings scheint Thukydides die Meinung vertreten zu haben, dass die Strategie des Perikles die erfolgversprechendste für einen Sieg Athens gewesen wäre. Bei der Darstellung der Kriegsereignisse verfährt Thukydides nach dem chronologischen Muster von Jahreszeiten – eine Neuerung für die Griechen, die eine einheitliche Jahreszählung noch nicht kannten. Dabei werden manche Ereignisse recht knapp, andere hingegen sehr ausführlich behandelt, wobei gerade in den Reden teilweise eine beeindruckende Argumentationskette aufgebaut wird. Die wissenschaftliche Haltung eint Thukyidides mit seinem Zeitgenossen Hippokrates, der die empirische und vernunftbasierte Herangehensweise in die Medizin einführte. Dies wird vor allem in seiner Analyse der Pestepidemie deutlich. Gerade die rationale und kühle Analyse der Politik – sein Werk sollte schließlich, in didaktischer Absicht, ein „Besitz für alle Zeit“ (ktéma eis aeí) sein und den Zynismus der Handelnden aufdecken – macht dieses Werk so bedeutend, trotz vieler Kritikpunkte. Dabei stellt Thukydides außerdem fest, dass sich das Wesen der Menschen nicht grundlegend ändere. Das Werk geht in seiner das geschichtliche Wirken tief durchdringenden Weise weit über eine bloß aufzählende Kriegs-Chronik hinaus.

Problematik

Thukydides baute zahlreiche Reden in sein Werk ein (ca. ein Viertel des Gesamtwerks), die aber – wie er selbst betont – nicht den genauen Wortlaut wiedergeben, denn: : „Die wörtliche Genauigkeit wiederzugeben war schwierig sowohl für mich, wo ich selber zuhörte, wie auch für meine Gewährsleute von anderwärts. Wie meiner Meinung nach ein jeder in seiner Lage sprechen musste, so stehen die Reden da – in möglichst engem Anschluss an den Gesamtsinn des in Wirklichkeit Gesagten.“ (Thuk I. 22, übersetzt von G.P. Landmann) Durch solcherlei Abstraktion ist es schwierig, die Intention des Thukydides vom eigentlichen Zeitgeschehen zu trennen, vor allem, wenn manchem Redner die Meinung des Thukydides in den Mund gelegt wird (wie die berühmte Grabrede des Perikles [II. 34 ff.], die wohl so nie gehalten wurde), auch wenn sich die Reden so nah wie möglich am tatsächlich Gesagten orientieren. Zudem arrangierte Thukydides sein Werk derart, dass vor allem seine Betrachtungsweise der Realpolitik deutlich wurde – was ihn freilich dazu verleiten konnte, manche Ereignisse stilisiert wiederzugeben oder manche überhaupt nicht anzusprechen, wie etwa den so genannten Kalliasfrieden: Thukydides erwähnt den Frieden nicht, obwohl es ihn wahrscheinlich gegeben hat (zu diesem Punkt siehe Forschungsproblematik des Kalliasfriedens). Thukydides tritt nicht vollständig hinter die Handlung zurück, er orientiert sich jedoch weitgehend am Grundsatz der größtmöglichen Objektivität. Daran besteht auch in der modernen Forschung wenig Zweifel: zwar lassen sich nicht alle Angaben des Thukydides verifizieren, aber doch ein guter Teil (wie Vergleiche mit Inschriften oder die Methodik der Prosopographie belegen). Dass uns allein Thukydides als Hauptquelle für einen wichtigen Zeitabschnitt der antiken Geschichte zur Verfügung steht und wir seine persönlichen Auswahlkriterien nicht immer kennen, muss in diesem Kontext stets mitbedacht werden.

Nachwirkung und Bedeutung

So zu schreiben wie Thukydides, mit scharfer Urteilskraft und (freilich nicht völlig uneingeschränkter) Objektivität, war das Ziel vieler antiker Autoren – wenn sie sich denn für politische Geschichte interessierten (teils Xenophon und Polybios, teils spätere Autoren der römischen Kaiserzeit). In Byzanz blieb er oft Vorbild (siehe Prokopios von Caesarea). Dennoch war Thukydides, der in seinem Werk Themen wie Frauen und Kulte etc. weitgehend aussparte, in der Antike nicht so beliebt wie Herodot. Im Westen kannte man Thukydides während des Mittelalters nur in Auszügen und in indirekter Überlieferung aus Byzanz, während er in der Renaissance wieder Verbreitung fand. In der Moderne wurde er als 'Vater der politischen Geschichtsschreibung' gefeiert und seine Objektivität gerühmt. Macchiavelli, Thomas Hobbes (stark von ihm beeinflusst), David Hume, Immanuel Kant, Hegel und Nietzsche (um nur einige Beispiele zu nennen) priesen ihn, ebenso wie viele Historiker der Neuzeit. Die Geschichte des Thukydides ist das Werk eines großen und scharfsinnigen Geistes. Vielleicht ist es sogar das größte und bedeutendste Geschichtswerk, welches jemals geschrieben wurde. Es entwickelte (trotz seiner Komplexität, die es nicht gerade leicht machte, das Werk zu erfassen) eine ungeheure Breitenwirkung bis in unsere heutige Zeit hinein (siehe den berühmten Melierdialog; Thukydides Worte über die Demokratie standen – vor ihrer Streichung – als Motto des Textentwurfs zur EU-Verfassung; siehe die politische Geschichtsschreibung als solche). Am Naval War College in Newport, USA, – ebenso wie an anderen Militärakademien – ist das Werk beispielsweise Pflichtlektüre. Trotzdem muss gesagt werden, dass gerade die Wirkungsmächtigkeit seines Werkes die modernen Historiker dazu verleiten kann, seine Darstellung unreflektiert zu übernehmen. Thukydides verfährt in Teilen recht selektiv, von der Problematik der Reden ganz zu schweigen (siehe oben). Und dennoch ist sein Geschichtsverständnis einmalig gewesen, denn er unterschied streng zwischen Ursache und Anlass, womit er den Schritt zur wissenschaftlichen Beurteilung eines Geschehens machte. So kritisch man im Einzelnen verfahren kann, so bleibt doch der Gesamteindruck eines intelligenten und scharfsinnigen Autors bestehen, der mit seiner Monographie über den Peloponnesischen Krieg ein einmaliges Werk geschaffen hat.

Zitate zu Thukydides


- Von der jämmerlichen Schönfärberei der Griechen in's Ideal, die der „klassisch gebildete“ Jüngling als Lohn für seine Gymnasial-Dressur in's Leben davonträgt, kurirt Nichts so gründlich als Thukydides. Man muss ihn Zeile für Zeile umwenden und seine Hintergedanken so deutlich ablesen wie seine Worte: es giebt wenige so hintergedankenreiche Denker. (Friedrich Nietzsche, „Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt“, 1888)
- ... the first page of Thucydides is, in my opinion, the commencement of real history. All preceding narrations are so intermixed with fable, that philosophers ought to abandon them, to the embellishments of poets and orators. (David Hume, „Of the Populousness of Ancient Nations“)

Literatur

Übersetzungen


- Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Hrsg. von H. Vrestka und W. Rinner. Reclam, Stuttgart 2000. (Dort auch weiterführende Literatur und Angaben zu anderen Ausgaben des Werks. Diese Ausgabe ist näher am Text als Landmanns Übersetzung.) ISBN 3-150-01808-0
- Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges. gr.-dt. von Georg Peter Landmann. Bücherei Tusculum, Darmstadt 1993. (2 Bde)
- Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Übersetzt von G. P. Landmann. (=Bibliothek der alten Welt). Düsseldorf 2002, ISBN 3-7608-4103-1

Sekundärliteratur


- Simon Hornblower: A Commentary on Thucydides. Oxford 1991 ff, ISBN 0198150997 (Bd. 1) Der beste Kommentar zum Werk des Thukydides.
- Ders.: Thukydides aus Athen. I. Herkunft und Leben. II. Werk. A. Inhalt. B. Methode. C. Probleme der Forschung. III. Würdigung. in: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, hrsg. von Hubert Cancik und Helmuth Schneider, Bd. 12 (2002), S. 506–511. Knappe Diskussion des Forschungsstandes und Angaben zur neueren Literatur.
- Hartmut Leppin: Thukydides und die Verfassung der Polis. Ein Beitrag zur politischen Ideengeschichte des fünften Jahrhunderts vor Christus. Berlin 1999. ISBN 3050034580 Ideengeschichtliche Abhandlung, die Thukydides im Zusammenhang mit seiner Zeit betrachtet.
- Wolfgang Schadewaldt: Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen. Bd. 2, 3. Aufl., Frankfurt a. M. 1990, ISBN 3-518-27989-0 Zur Einführung.
- Holger Sonnabend: Thukydides (Studienbücher Antike 13). Hildesheim 2004. ISBN 3-487-12787-3 Hervorragende Gesamtdarstellung.
- Thukydides, hrsg. von H. Herter, Wege der Forschung Bd. 98, Darmstadt 1968. Sammlung von teils älteren Spezialaufsätzen zum Thema; dort findet sich auch eine Auflistung eines Großteils der älteren Literatur.
- Wolfgang Will: Thukydides und Perikles. Der Historiker und sein Held (= Antiquitas. Abhandlungen zur Alten Geschichte, Bd. 51). Bonn 2003, ISBN 3-7749-3149-6 Intelligente Abhandlung über das Geschichtsbild des Thukydides; das Buch ist dabei fast schon eine Doppelbiographie der beiden berühmten Athener.

Weblinks


- [http://www.perseus.tufts.edu/cgi-bin/ptext?doc=Perseus%3Aabo%3Atlg%2C0003%2C001&query=1%3A1%3A1 Thukydides in englischer Übersetzung.]
- [http://www.gnomon.ku-eichstaett.de/LAG/thukydides.html Thukydides Weg zur Geschichtsschreibung, verfasst von Prof. J. Malitz, zuerst erschienen in Historia 31 (1981)]
- [http://www.livius.org/th/thucydides/thucydides00.html Artikel bei Livius.org (englisch)]
- [http://www.perseus.tufts.edu/Thucydides/ Thukydides im Perseus Projekt (englisch)]
- [http://www.fordham.edu/halsall/ancient/eb11-thucydides.html Veralteter, aber lesenswerter Artikel aus der Encyclopaedia Britannica, 1911] Thukydides Thukydides Thukydides Thukydides ja:トゥキディデス ko:투퀴디데스

Thessalien

Die Region (gr. "Diamerisma") Thessalien (griech. Θεσσαλία Thessalía) liegt in Mittelgriechenland südlich der Region Makedonien und nördlich von der Region Sterea Ellada. Im Westen grenzt sie an der Region Epirus (bzw. Ipiros). Sie hat eine Fläche von 14.036 km² und eine Bevölkerung von 734.846 Einwohnern (im Jahr 1991). Die Hauptflüsse durch die thessalische Ebene sind der Titaresios und der Peneios. Hauptstadt dieser Region ist Larissa (128.758 Einwohner im Jahr 2004). Die Region besteht flächen- und verwaltungsmäßig aus vier Präfekturen (gr. "Nomoi"): #Präfektur von Larissa (Hauptstadt Larissa ; weitere Städte Elassona, Tyrnavos) #Präfektur von Magnissia (Hauptstadt Volos 84.425 Einw.(2004);weit. Stadt Almyros) #Präfektur von Trikala (Hauptstadt Trikala 44.232 Einw.(1991))
#Präfektur von Karditsa (Hauptstadt Karditsa 30.067 Einw.(1991))
Kategorie:Region Kategorie:Geographie (Griechenland) Kategorie:Historische Landschaft ja:テッサリア

Peloponnesischer Krieg

Der Peloponnesische Krieg zwischen dem von Athen geführten Attischen Seebund und dem Peloponnesischen Bund unter seiner Führungsmacht Sparta, dauerte, unterbrochen von einigen Waffenstillständen, von 431 v. Chr. bis 404 v. Chr. und endete mit dem Sieg der Spartaner. Der Krieg beendete das klassische Zeitalter Athens und der attischen Demokratie und erschütterte die griechische Staatenwelt nachhaltig. Fast alle griechischen Stadtstaaten, Poleis, nahmen an ihm teil, und seine Kampfhandlungen umfassten nahezu die gesamte griechischsprachige Welt. In der modernen Forschung wird er daher oft als antiker Weltkrieg bezeichnet. Ebenso bedeutend wie für den Verlauf der Geschichte des antiken Griechenland war der Krieg aber auch für die Geschichtsschreibung selbst. Denn er war das erste Ereignis, das Gegenstand einer wissenschaftlichen, historischen Darstellung wurde: Der griechische Historiker Thukydides lieferte in seiner "Geschichte des Peloponnesischen Kriegs" eine ausführliche zeitgenössische Darstellung bis zum Winter des Jahres 411 v. Chr. (von der wir in großen Teilen abhängig sind), in der er die Ursachen und Hintergründe des Krieges in einer Weise analysierte, die für die europäische Geschichtsschreibung vorbildlich wurde. Für die Zeit nach 411 setzte später Xenophon mit seinem Werk Hellenika Thukydides' unvollendete Arbeit fort. Die Bezeichnung Peloponnesischer Krieg ist allerdings nicht zeitgenössisch, sondern kam erst später auf. Thukydides selbst sprach vom "Krieg zwischen den Peloponnesiern und den Athenern": :Thukydides von Athen hat den Krieg der Peloponnesier und Athener, den sie gegeneinander führten, aufgezeichnet. Er begann damit gleich beim Ausbruch, in der Erwartung, der Krieg werde bedeutend werden und denkwürdiger als alle früheren; das erschloß er daraus, daß beide auf der vollen Höhe ihrer Machtmittel in den Kampf eintraten und daß er das ganze übrige Hellenentum Partei ergreifen sah, teils sofort, teils nach einigem Zögern. Es war bei weitem die gewaltigste Erschütterung für die Hellenen und einen Teil der Barbaren, ja sozusagen unter den Menschen überhaupt. (Thuk. I 1,1, übers. von G.P. Landmann). Barbaren

Ursachen und Anlass des Krieges

Ausgangslage

Barbaren Der Attische Seebund, nach den Perserkriegen 50 Jahre zuvor noch ein freiwilliges Verteidigungsbündnis freier griechischer Städte, war inzwischen zu einem reinen Macht- und Zwangsinstrument Athens geworden und diente nun dem Ausbau und der Sicherung der Hegemonie Athens im Raum des Ägäischen Meers. In Athen wurden zudem die so genannten "Langen Mauern" gebaut, die die Stadt mit ihrem Hafen Piräus verbanden und so gegen Bedrohungen vom Festland immun machten. Der Peloponnesische Bund unter Führung Spartas stellte jedoch ein effektives Gegengewicht zu den Bestrebungen Athens dar, den Herrschaftsbereich des Seebundes auszuweiten. Der Konflikt zwischen Athen und Sparta in den Jahren 460 bis 446 v. Chr., der sich unter anderem aus dem Übertritt Megaras zu Athen ergab, wird oft als Vorstufe zum "großen Krieg" gesehen. Dieser so genannte erste Peloponnesische Krieg endete 446 v. Chr. mit einem Patt, wobei Megara wieder zu Sparta überwechselte. Es schien ein Gleichgewicht erreicht, da im Friedensvertrag vereinbart wurde, dass man das jeweilige Bündnissystem achten und bei Konflikten ein Schiedsgericht anrufen werde. Bewusst wurde das Verhältnis zu den "neutralen" Poleis ausgeklammert, was sich als folgenschwerer Fehler erweisen sollte. Denn in den dreißiger Jahren des 5. Jahrhunderts v. Chr. flackerte am äußersten Rand der griechischen Welt ein Brandherd auf, der eine Entwicklung in Gang setzte, die schließlich zum Krieg führen sollte.

Militärische Kräfteverhältnisse

Poleis So unterschiedlich wie die geografischen Gegebenheiten der Kriegsparteien waren auch ihre Fähigkeiten zur Kriegsführung. Die von Athen geführte Allianz bestand vor allem aus den ägäischen Inseln sowie Hafenstädten, deren Stärke folgerichtig auf dem Gebiet der Seekriegsführung lag. Der Status von Athen als größter Seemacht hing dabei von seiner starken Flotte ebenso ab wie vom Seebund. Dies erklärt sich aus der Bauweise der griechischen Trieren sowie der Geografie der Ägäis. Die Trieren hatten eine sehr leichte Bauweise und waren keineswegs hochseetauglich; beim ersten Anzeichen eines Unwetters musste ein Ankerplatz aufgesucht werden (siehe Vernichtung der Flotte des Dareios 492 v. Chr.). Zum Ankern reichte zwar für die leichten Trieren ein Strand aus, die Küsten der Ägäis sind jedoch mehr von Felsen und Klippen geprägt als von Stränden; geeignete Ankerplätze waren selten und meist besiedelt. Daher war die Verfügung darüber so wichtig für Athen - sowohl für den Handel wie den Seekrieg. Die spartanische Allianz hingegen bestand vor allem aus den Städten des Peloponnes und Zentralgriechenlands (mit der Ausnahme der Hafenstadt Korinth), d.h. Landmächten, deren Vorteile auf dem Gebiet des Hoplitenkampfes lagen. Einen indirekten militärischen Vorteil hatte Athen gegenüber Sparta, da es durch die Einnahmen aus dem Seebund über große Finanzreserven verfügte.

Kulturelle und ideologische Charakteristika der Kriegsparteien

Athen, zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner kulturellen Blüte ("Perikleisches, goldenes Zeitalter", Bau des Parthenon, der Propyläen), war eine Demokratie, auch wenn darunter nicht Demokratie im heutigen Sinne verstanden werden darf. Spartas Herrschaftsform dagegen war eine Mischverfassung, wobei die Spartaner außenpolitisch aber traditionell Oligarchien bevorzugten. Dieser Gegensatz bestand auch bei den jeweiligen Verbündeten. Wie wichtig dieser ideologische Gegensatz war, zeigt sich in der Tatsache, dass Sparta nach Kriegsende im besiegten Athen sofort eine Oligarchie einführte. Es gab eine aus heutiger Sicht paradox anmutende Situation: das "demokratische" Athen stand für Unterdrückung der nach Unabhängigkeit strebenden Poleis, während Sparta, eine Militärgesellschaft, die die Demokratie ablehnte, die Rolle des Verteidigers der Freiheit Griechenlands spielte und gleichzeitig einen Großteil der eigenen Bevölkerung, die Heloten, brutal unterdrückte.

Der Weg in den Krieg

Eine Schlüsselrolle in der Entstehungsphase des Konflikts kam dem spartanischen Bündner Korinth zu, das unabhängig von den großen Bündnissystemen seine Hegemonie im Golf von Ambrakia zu erhalten suchte. Als bei einem Bürgerkrieg in Epidamnos (um 436 v. Chr.) die "demokratische" Partei Korinth, die Adelspartei hingegen Korinths ehemalige Kolonie Kerkyra um Hilfe bat, entstand zwischen diesen beiden Poleis ein Konflikt um die Vorherrschaft im ionischen Meer. Nach ersten Niederlagen gegen Kerkyra rüstete Korinth eine derart große Flotte auf, dass Athen um seinen Status als größte Seemacht fürchtete und deshalb im Sommer 433 v. Chr. ein Defensivbündnis (Epimachia) mit Kerkyra einging, welches über die zweitgrößten Flotte Griechenlands verfügte. Korinth sah damit jedoch eine Verletzung des Friedens von 446 v. Chr. gegeben und wandte sich schließlich an Sparta. Infolge eines weiteren Konflikts verhängte Athen (wohl noch im Jahr 433 v. Chr.) per Volksbeschluss (megarisches Psephisma; wobei es umstritten ist, ob es ein oder mehrere Beschlüsse waren) ein Handelsverbot gegen die Polis Megara, mit der Athen seit dem Ende des ersten Peloponnesischen Krieges verfeindet war. Megara, ebenso wie Korinth Mitglied des Peloponnesischen Bundes, setzte nun alles daran, Sparta zum Handeln zu zwingen. Allgemein wird vor allem dieser Beschluss als letztendlich entscheidender Kriegsgrund angesehen, da Sparta unter Zugzwang geriet. Diese Einschätzung wurde schon von Zeitgenossen geteilt, so von Aristophanes, der meinte, Perikles wollte dadurch von inneren Schwierigkeiten ablenken: :„Die Quelle des Unheils war der Skandal um Phidias/ :daraufhin steckte Perikles, weil er fürchtete, ihn träfe das gleiche Unheil/ :weil er sich vor eurem Zorn fürchtete, eurem bissigen Charakter/ :nur um sich abzusichern, unsere Stadt in Brand/ :warf hinein den kleinen Funken, das megarische Edikt“ :(Aristophanes, Eirene, Verse 605 ff.; aufgeführt im Jahre 421 v. Chr.) Ein dritter Konflikt entwickelte sich schließlich in der Stadt Potideia auf der Chalkidike, einem Mitglied des attischen Seebundes, das ebenfalls gute Beziehungen zur Mutterstadt Korinth pflegte. Als Athen von Potideia verlangte, korinthische Beamte auszuweisen und die Seemauern niederzureißen, trat dieses aus dem Seebund aus. Trotz der Unterstützung durch Korinth konnten die Athener Potideia allerdings schnell einschließen. Diese Konflikte waren jedoch nur Auslöser, und nicht Ursache des Krieges - ein Unterschied, den bereits Thukydides betonte. Den wahren Grund für den Krieg sah er in der Furcht der Spartaner vor der wachsenden Macht Athens (Thuk. I 23,6). Nach seiner Meinung war der Konflikt letztendlich unvermeidbar, was in der modernen Forschung so jedoch nur bedingt geteilt wird. Im Sommer 432 v. Chr. forderten die unzufriedenen peloponnesischen Bundesgenossen Sparta auf, endlich einzugreifen. In Sparta war es vor allem König Archidamos II., der zur Vernunft riet. Er konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Zunächst wurde aber nur festgestellt, dass Athen den dreißigjährigen Frieden von 446 v. Chr. gebrochen hatte. Die auch weiterhin fortgesetzten Verhandlungen mit Athen brachten jedoch keine Lösung: in Athen war es vor allem Perikles, der es nun auf einen Krieg ankommen ließ (was Karl Julius Beloch in seiner "Griechischen Geschichte" besonders hervorgehoben hat). Letztendlich waren die Risikobereitschaft des Perikles und die spartanische Furcht vor einem Austreten eines oder mehrerer Bündner aus dem Peloponnesischen Bund (womit Spartas Sicherheitsinteressen tangiert waren, siehe die permanente Helotengefahr) die Hauptgründe für den Krieg. Perikles Absicht war es, Sparta zur Akzeptierung des Dualismus und damit des Seebundes zu zwingen, Sparta musste den Interessen seiner Bündner Rechnung tragen. Ob die Kriegsschuld für den Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs nun bei Athen (wegen der Konfrontationspolitik des Perikles) oder bei Sparta lag (wegen des kalkulierten Risikos eines Krieges, um so Athen zu bezwingen) ist in der Forschung umstritten. Sicher ist, dass aufgrund einer Atmosphäre politischer Verunsicherung, aggressiver Machtpolitik und übersteigerten Prestigedenkens von allen Seiten eine mehr oder weniger große Bereitschaft zum Krieg vorhanden war. Thukydides brachte die Stimmung auf den Punkt: :Kleinliche Pläne gab es weder hüben noch drüben, alle wollten für den Krieg ihr Bestes geben - begreiflich: Am Anfang packt jeder schärfer zu, und damals war viel Jugend im Peloponnes, viel in Athen, die nicht ungern, da sie ihn nicht kannte, den Krieg aufnahm. Das ganze übrige Hellas war in Spannung bei diesem Waffengang der ersten Städte; [...] Mit dem Herzen standen weitaus die meisten Menschen auf seiten der Spartaner, zumal sie auch auftraten als Befreier von Hellas. [...] Solchen Haß hatten die meisten auf Athen, die einen im Wunsch, das Joch abzuschütteln, die anderen in Furcht vor der Unterjochung. (Thuk. II 8, Übers. von G.P. Landmann) Die eigentlichen Kampfhandlungen begannen jedoch erst mit dem Überfall der mit Sparta verbündeten Thebaner auf Platää im Frühjahr des Jahres 431 v. Chr. 431 v. Chr.

Kriegsverlauf

Allgemein wird der Peloponnesische Krieg in drei Phasen unterteilt: # Der Archidamische Krieg (benannt nach dem spartanischen König und Feldherrn Archidamos II.), der von 431 v. Chr. bis 421 v. Chr. andauerte. # Die Zeit des Nikiasfriedens (fauler Frieden), die von 421 bis etwa 413 v. Chr. andauerte. # Der Dekeleisch-ionische Krieg, da sich die Kampfhandlungen weiter auf Attika ausbreiteten (wo die Spartaner von Dekeleia aus operierten) und auf die Ostküste der Ägäis (Ionien). Diese Phase dauerte von 414/413 bis zur Niederlage Athens 404 v. Chr. an.

Der archidamische Krieg

Die ersten Jahre

Athen besaß gegenüber Sparta ein schwaches Landheer, aber eine starke Flotte. Die von Perikles erdachte Strategie war demnach, einerseits sich nicht auf eine Auseinandersetzung zu Lande einzulassen und die Bevölkerung Attikas hinter den "Langen Mauern" zu schützen, andererseits aber mit der starken Flotte die Küstenstädte der Peloponnes anzugreifen und mit einer Blockierung der Seewege Sparta langsam zu zermürben (wobei diese Strategie wenig originell war; bereits im ersten Peloponnesischen Krieg wurde sie in ähnlicher Weise von dem athenischen Strategen Tolmides ausgeführt). Allerdings fanden auch Feldzüge in die Megaris statt, doch hatten diese letztendlich wenig Erfolg: Zwar fiel einer der beiden Häfen Megaras, Nisaia, 424 v. Chr. endlich den Athener in die Hände, doch ging dieser in den letzten Kriegsjahren wieder verloren. 424 v. Chr.] Sparta dagegen fiel mit seinem starken Landheer in Attika ein und verwüstete das Umland von Athen, mit der Absicht, die Athener so zu einer offenen Feldschlacht zu zwingen. Die Athener ließen sich darauf jedoch wegen der Überlegenheit der Spartaner Phalanx nicht ein. Da es angesichts der starken Befestigung und des damaligen Stands der Belagerungstechnik unmöglich war, Athen einzunehmen, verfolgte auch Sparta eine Zermürbungsstrategie: der sommerliche Einfall in Attika wiederholte sich, bis auf die Jahre 429 v. Chr. (aufgrund der Pest) und 426 v. Chr. (aufgrund eines Erdbebens), Jahr für Jahr. Die Spartaner verwüsteten das Land und zogen nach einigen Wochen wieder ab. Athen hingegen kostete der Unterhalt der Flotte und die Belagerung Potideias Unsummen, was zu schweren Vorwürfen gegenüber Perikles führte, der vorübergehend als Strategos abgesetzt wurde. In Athen brach 430 v. Chr. eine Seuche aus, der etwa ein Viertel der Bevölkerung zum Opfer fiel, darunter auch Perikles im Jahr 429 v. Chr.. Es handelte sich dabei möglicherweise um eine Form der Pest, auch Ebola und Typhus kommen in Betracht.

Vom Tod des Perikles bis zur Schlacht von Sphakteria

Der Tod des Perikles brachte eine neue Generation von Politikern ans Ruder: Männer wie Kleon (dem Führer der "Radikaldemokraten" und Befürworter einer aggressiveren Politik) und Nikias (der zu einem Ausgleich mit Sparta riet und die Interessen der Besitzenden vertrat) stammten nicht aus den alten Adelsgeschlechtern und nutzten als Forum noch stärker die Volksversammlung. Dass nun jedoch auch weitere Alimentierungsmaßnahmen von den Radikaldemokraten durchgesetzt wurden, war eine Folge des Umstands, dass der Großteil der Bevölkerung Attikas erstmals längere Zeit an einem Ort versammelt war, eben innerhalb der Befestigungsanlagen Athens. Allerdings sollten diese Versorgungszahlungen an die ärmeren Bevölkerungsschichten die finanziellen Ressourcen Athens in späterer Zeit stark belasten (siehe auch unten, "Oligarchischer Umsturz"). In den folgenden Jahren kam es zu keiner Entscheidung. Den Athenern gelang es jedoch, den korinthischen Golf zu blockieren und somit große Teile der peloponnesischen Flotte lahmzulegen. 428 v. Chr. fiel Mytilene auf Lesbos vom Seebund ab, wurde jedoch bald darauf wieder in das Bündnis gezwungen. 427 v. Chr. kam es schließlich zur so genannten ersten sizilischen Expedition Athens unter Führung des Laches, die jedoch für den Kriegsverlauf keine Bedeutung hatte. 425 v. Chr. schien Athen im Vorteil zu sein: Eine athenische Truppe unter dem Strategen Demosthenes war bei Pylos an der Westküste der Peloponnes gelandet. Eine spartanische Belagerung misslang, wobei im Verlauf der Schlacht von Sphakteria 120 Spartiaten - die Elite Spartas - in Gefangenschaft gerieten. Der Ruhm fiel Kleon zu, der zu einer militärischen Entscheidung gegen die Spartaner bei Pylos gedrängt hatte. Sparta, in Sorge um die gefangenen Spartiaten, zeigte sich schließlich friedenswillig. Athen jedoch ging darauf nicht ein, vor allem unter dem Einfluss des Kleon. Dieser stellte vielmehr unannehmbare Gebietsforderungen, die Sparta ablehnte.

Kriegsgreuel und Thukydides' Beobachtung vom Verfall der Sitten

Während des Krieges kam es auf Seiten der Athener zu zahlreichen Greueltaten: an abtrünnigen Verbündeten (wie beispielsweise an Mytilene auf Lesbos 427 v. Chr.), aber auch neutralen Poleis (wie 416 v. Chr. auf Melos, siehe den berühmten Melierdialog). Dabei muss die unrühmliche Rolle der athenischen Volksversammlung betont werden, die sich leicht zu unklugen Handlungen hinreissen ließ (siehe attische Demokratie). Auch wurden auf Antrag der Volksversammlung die Abgaben der Bündnisgenossen erhöht und effizienter organisiert. Allerdings lässt sich generell feststellen, dass der Krieg Greueltaten auf beiden Seiten verursachte; auch Sparta war nicht davor gefeit, wie die Belagerung von Plataeae zeigt. Insgesamt beobachtete Thukydides einen Verfall der Sitten, was er exemplarisch am Beispiel Kerkyras festmachte, wo es bald zu einem blutigen Bürgerkrieg kam. Die Greueltaten nahmen im Verlauf des Krieges sogar noch zu. Ein besonders erschütterndes Ereignis sei als Beispiel genannt: Im Sommer 413 v. Chr. überfielen thrakische Söldner im Dienste Athens das Dorf Mykalessos in Böotien und töteten alle, die sie finden konnten - Männer, Frauen und Kinder wurden regelrecht niedergemetzelt, wobei die Thraker auch in eine Schule eindrangen und alle dort versammelten Jungen ermordeten (Thuk. VII. 29).

Der Brasidasfeldzug und das Ende des archidamischen Krieges

413 v. Chr. Für Sparta waren aus Sorge um die gefangenen Spartiaten weitere Einfälle in Attika ausgeschlossen. Auch der Aufbau einer eigenen Flotte hatte mehr Rückschläge als Erfolge gebracht. Daher verlegte man sich auf eine neue Strategie: Athen an der Peripherie zu attackieren. 424 v. Chr. begann der talentierte spartanische General Brasidas mit seinen Operationen in Thrakien, wobei er auf seinem Feldzug auch Heloten einsetzte, denen die Freiheit versprochen wurde. Brasidas, der unter dem Motto Freiheit und Autonomie gegen Athens Seebund ins Feld zog, knüpfte Kontakte zu Perdikkas II., dem König von Makedonien, der während des Krieges zwischen Athen und Sparta manövrierte, und schloß ein Bündnis mit ihm. Den Spartanern gelang denn auch die Einnahme des wichtigsten athenischen Stützpunktes in dieser Region, Amphipolis. Hinzu kam im selben Jahr eine schwere Niederlage der Athener beim böotischen Delion, wo sie in offener Feldschlacht den Thebanern unterlagen. Mit den Operationen des Brasidas wurde der Lebensnerv Athens getroffen, denn in jener Region verlief die Getreideroute aus der heutigen Ukraine, die Athens Überleben sicherstellte. Außerdem erhielt Athen aus dieser Region Geld und Holz für den Bau seiner Flotte. Der ehrgeizige Kleon hielt jedoch weiter an seinem harten Kurs gegenüber Sparta fest, während sein politischer Gegner Nikias zu einer Verständigung mit Sparta riet. Zwar kam es zu einem vorübergehenden Waffenstillstand, der jedoch nicht eingehalten wurde, sodass die Kämpfe schon bald wieder aufflackerten. Mit dem Tod des Kleon und des Brasidas im Jahre 422 v. Chr. bei Amphipolis, wo die Spartaner eine glänzenden Sieg errangen, der aber durch den Verlust ihres besten Generals getrübt wurde, fielen die beiden Hauptgegner einer Verständigung aus. Somit war der Weg frei für einen Friedensvertrag, den Nikias aushandelte und der auch seinen Namen trug: der Nikiasfrieden.

Der Nikiasfrieden - eine trügerische Sicherheit

Der 421 v. Chr. geschlossene so genannte Nikiasfrieden orientierte sich weitgehend am Status quo ante: Sparta sollte seine Gefangenen zurück erhalten und die thrakischen Stützpunkte räumen, wofür Athen im Gegenzug die peloponnesischen Stützpunkte aufgeben sollte, aber einen der beiden Häfen Megaras behalten durfte. Allerdings kam es bald zu Missstimmungen auf beiden Seiten, da nicht alle Vertragspunkte erfüllt wurden. So blieben spartanische Truppen weiterhin in Amphipolis stationiert und dachten gar nicht daran, es den Athenern zu übergeben. Währenddessen räumten die Athener nicht ihren peloponnesischen Stützpunkt Pylos. Aber auch Spartas Verbündete, vor allem Korinth und Theben, waren unzufrieden: Ihre Interessen war im Vertrag nicht berücksichtigt worden. Dies führte zu erheblichen Spannungen im Peloponnesischen Bund, woraufhin Sparta, unter Vermittlung des Nikias, ein Bündnis mit Athen schloß, welches aber keinen reellen Wert besaß. Denn Argos, selbst eine Demokratie und Spartas Erzrivalin, arbeitete an einem anti-spartanischen Bündnis, wozu es schließlich auch einen Pakt mit Athen einging, wo der ehrgeizige und aus ältestem Adel stammende Alkibiades auf einen neuen Krieg mit Sparta hinarbeitete und die Ausgleichspolitik des Nikias unterminierte. Sparta wiederum bekräftigte daraufhin seine Bande mit Theben und mit Korinth, die sich beide nicht dem argivischen Bündnis anschlossen. Sparta hatte dadurch die Hände gegenüber Argos frei, während Athen nach Luft schnappen und sich um seine Probleme in Thrakien kümmern konnte. Argos konnte schließlich keinen Nutzen aus der zeitweisen Schwäche Spartas ziehen, denn 418 v. Chr. wurden seine Streitkräfte von Spartas Aufgebot in der Schlacht von Mantineia geschlagen, während Athen seine Herrschaft über den Seebund konsolidierte (siehe Melierdialog 416 v. Chr.).

Alkibiades und die Sizilienexpedition

Alkibiades gewann in der Erholungszeit nach den Auseinandersetzungen mit Sparta immer mehr Einfluss auf die Volksversammlung und begeisterte die Athener für einen gefährlichen Plan: den Sizilienfeldzug. Ziel war sowohl das Getreide der Insel als auch Pläne für eine Ausdehnung des athenischen Einflussgebiets. Vorgeschobener Grund war ein Hilferuf aus Segesta, das sich so wie einige andere örtlicher Poleis im Konflikt mit Syrakus befand, dem mächtigsten sizilischen Stadtstaat. Alkibiades setzte gegen die Empfehlungen des Nikias, der zur Vernunft riet und den ganzen Plan für zu gewagt hielt, die Expedition durch. Überschattet wurde das Unternehmen bereits vor dessen Beginn, da es in der Stadt zum so genannten Hermenfrevel kam: Unbekannte hatten die Hermesstatuen in der Stadt verstümmelt, was auch als ein Angriff auf die attische Demokratie gedeutet wurde. Alkibiades geriet in Verdacht, doch war dieser wohl unbegründet - was hätte er davon in dieser Situation gewonnen? Man beschloss, vorerst keinen Prozess gegen Alkibiades anzustrengen, doch der Zwischenfall sollte trotz dieses Aufschubs nicht ohne Folgen bleiben, denn die Verdächtigungen gegen Alkibiades blieben bestehen. attische Demokratie Schließlich zog unter dem Kommando des Alkibiades, des Nikias und des Lamachos eine gewaltige Flotte von 134 Trieren und etwa 5.000 Hopliten (die Streitmacht wurde später noch verstärkt) im Jahre 415 v. Chr. nach Sizilien. Die Gesamtstärke der Expedition betrug insgesamt rund 32.000 Mann (6.400 Mann Landungstruppen + über 25.000 Ruderer). Allein das Athener Kontingent (100 Trieren, 1.500 Hopliten) war die bei weitem größte Expeditionsflotte, die je eine einzelne Polis ausgerüstet hatte – noch dazu fern der Heimat. Nach ersten, hart erkämpften Erfolgen wurde Alkibiades jedoch nach Athen zurückberufen, wo er sich einem Prozess stellen sollte: wegen des Hermenfrevels und aufgrund der Anschuldigung, einen Religionsfrevel verübt zu haben (er soll die Mysterien von Eleusis verspottet haben). Er ging daraufhin zum Gegner Sparta über, was der Anfang der Katastrophe für Athen war. Die Athener unter Nikias belagerten zunächst Syrakus, konnten die Belagerung aber nicht lückenlos durchführen. Von Seiten Spartas erhielt Syrakus nur geringe Unterstützung, doch sollte sich die Entsendung des Strategen Gylippos im Nachhinein als ein Glücksgriff herausstellen. Nikias musste einige Rückschläge einstecken, wagte aber aus Furcht vor dem Zorn der Volksversammlung nicht den Rückzug und erhielt Ende 414 v. Chr. noch einmal Verstärkung unter dem Kommando des Demosthenes, der sich bereits im archidamischen Krieg hervorgetan hatte. Schließlich gerieten die Athener im Sommer 413 v. Chr. in Gefahr, vollständig abgeschnitten zu werden. Sie waren nun auch ihrer Flotte beraubt, die im Hafen von Syrakus im Gefecht vernichtet worden war. Somit war die Belagerung von Syrakus endgültig gescheitert und die Athener mussten doch noch den Rückzug antreten - viel zu spät, wie sich schon bald herausstellte. Der Großteil der Truppen geriet auf dem Rückzug in Gefangenschaft, in der die meisten von ihnen starben, während Nikias und Demosthenes hingerichtet wurden. Die so genannte sizilische Expedition hatte in einer Katastrophe für Athen geendet, die dessen Kräfte bei weitem überspannt hatte.

Der dekeleisch-ionische Krieg

Sparta und Persien verständigen sich

sizilische Expedition Von der Katastrophe des Sizilienfeldzugs sollte sich Athen nie wieder wirklich erholen. Sparta erklärte aufgrund athenischer Übergriffe 414 v. Chr. den Nikiasfrieden für gebrochen. Es ging bald darauf in die Offensive und setzte sich 413 v. Chr. auf Rat des Alkibiades im kleinen Ort Dekeleia in Attika fest, von wo aus spartanische Truppen Raubzüge in das attische Territorium unternahmen. Damit befand sich Athen im Zustand einer permanenten Belagerung: mehrere tausend Sklaven liefen über. Viel gravierender war jedoch, dass die Versorgung Athens von Euböa aus, wo ein Großteil des athenischen Viehs lagerte, nur noch über den Seeweg möglich war, und Tag und Nacht die Mauern besetzt sein mussten, was zusätzliche Kräfte band und psychologisch belastend wirkte. Zudem hatte Athen 414 v. Chr. in Kleinasien einen lokalen Rebellen unterstützt, sodass es sich auch mit dem Perserreich überwarf, was schwerwiegende Folgen haben sollte, denn Persien nahm nun Kontakt zu Sparta auf. In Verhandlungen mit dem persischen Satrapen in Sardes, Tissaphernes, wurden insgesamt drei Vertragsentwürfe ausgehandelt. 412 v. Chr. verpflichtete sich Sparta schließlich, Kleinasien an Persien abzutreten, wofür es im Gegenzug regelmäßige, aber keineswegs besonders umfangreiche Geldzahlungen erhielt. Diese für Athen prekäre Situation nutzten mehrere Mitglieder des Seebundes und fielen 412 v. Chr. und in den folgenden Jahren von Athen ab, während die spartanische Flotte, gebaut mit persischem Gold, recht erfolgreich in der Ägäis operierte, wobei es aber nicht gelang, die athenische Flotte zu schlagen. Allerdings betrieb Tissaphernes auch nach Abschluß des Vertrags mit Sparta eine wankelmütige Politik, um so den Zermürbungskrieg zwischen Athen und Sparta zum Vorteil Persiens in die Länge zu ziehen, wozu er angeblich von Alkibiades ermutigt worden war, der schon längst nicht mehr in der Gunst Spartas stand (angeblich hatte er die Frau von König Agis II. verführt).

Oligarchischer Umsturz in Athen

In Athen war währenddessen die Atmosphäre stark angespannt. Militärisch war die Lage ernst, standen doch nun spartanische Truppen sogar in Kleinasien, und auch in finanzieller Hinsicht ergaben sich Probleme. Man