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Evangelikal

Evangelikal

Evangelikal (v. engl. evangelical) bezeichnet eine konservative Richtung innerhalb des Protestantismus, die sich, unabhängig von ihrer Konfession, auf die Bibel als einzige Glaubensgrundlage berufen. Evangelikale sind der Überzeugung, dass zum Christentum eine klare persönliche Willensentscheidung (Bekehrung) und eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus gehören. Die Evangelikalen reduzieren im Allgemeinen die Transzendenz auf die Bibel, die ihrer Ansicht nach von Menschen geschrieben, aber von Gottes Geist inspiriert wurde. Das im Deutschen relativ neue Wort ist von evangelisch zu unterscheiden.

Der Begriff "evangelikal"

Das relativ junge Wort Evangelikal ist heute ein feststehender Ausdruck für ein in seinem Selbstverständnis auf ausgezeichnete Weise bibeltreues Christentum geworden, das sich von Traditionalismus, Liberalismus, Säkularismus, aber meist auch vom sakralen Ritual der Nichtprotestanten, abgrenzt. Die Bezeichnung Evangelical wurde in den Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert immer mehr verwendet, um Christen zu bezeichnen, die in der Tradition der bibeltreuen Erweckungsbewegungen stehen, aber nur zum Teil den christlichen Fundamentalisten zuzurechnen sind, von deren separatistischen Tendenzen sie sich in der Regel abgrenzen. Im deutschen Sprachraum konnte die wörtliche Rück-Übersetzung evangelisch für den gleichen Begriff nicht verwendet werden, da der Begriff bereits seit der Reformation im 16. Jahrhundert besetzt ist (und beispielsweise in Österreich die Evangelische Kirche beinahe ein Rechtsmonopol auf die Bezeichnung beansprucht). Daher kam es zur Wortschöpfung evangelikal. Dieser Begriff hat sich gegenüber ähnlichen Begriffen wie bibeltreu oder pietistisch durchgesetzt, da er vom Wort her die Verbindung sowohl zum Evangelium als auch zur internationalen Bewegung herstellt. Achtung: Im Englischen/Amerikanischen hat evangelical zwei Bedeutungen: Es wird zum einen mit "evangelikal" übersetzt. Zum anderen wird es (seltener) einfach "evangelisch" übersetzt, wie beispielsweise in der "Evangelical Lutheran Church in America" (ELCA), der evangelisch-lutherischen Kirche der USA, die keineswegs "evangelikal" ist. Zur Beschreibung des deutschen "evangelisch" wird im Englischen eher "protestant" verwendet. Gemäß einer Faustregel tendieren Evangelikale in den USA eher dazu, evangelical mit einem kurzem e auszusprechen, wogegen Nicht-Evangelikale eher ein langgezogenes "eeeevangelical" intonieren.

Verbreitung der Evangelikalen

Deutschland

Evangelikale gibt es in fast allen protestantischen Konfessionen. Freikirchen sind oft stark evangelikal ausgerichtet, z.B. Baptisten, Pfingstbewegung, Methodisten, Mennoniten, Siebenten-Tags-Adventisten. Aber auch in der Landeskirche gibt es einen (geringeren) Anteil an Evangelikalen. Insgesamt gibt es in Deutschland ca. 3% Evangelikale. (Quelle: das evangelikale Statistikwerk "Gebet für die Welt", 1994).

weltweit

Weltweit gehören heute etwa ein Drittel aller Christen zu den Evangelikalen. Insbesondere in Asien, Afrika, Südamerika und den Vereinigten Staaten ist die Bewegung in starkem Wachstum begriffen, teilweise auf Kosten liberaler und traditioneller Kirchen. International haben sich die Evangelikalen in der Evangelischen Allianz zusammengeschlossen. Bei der Evangelischen Allianz können Kirchen, diakonische und missionarische Werke und einzelne Christen Mitglieder sein. In der evangelikalen Theologie sind England und Amerika führend. Bekannte evangelikale Theologen sind John Stott, J.N.D. Kelly, Donald Carson, Bruce Metzger, Norman Geisler, Craig Blomberg, William L. Craig, J.P. Moreland, Gary Habermas. Einige ihrer Werke wurden ins Deutsche übersetzt (siehe unten: Literatur), von den meisten findet man auch Online-Artikel in englischer Sprache.

Gemeinsamkeiten von Evangelikalen


- Die Bibel: Evangelikale sehen die Bibel als Gottes Wort, von Menschen aufgeschrieben, aber von Gottes Geist inspiriert. Über das genaue Verständnis der Inspiration besteht keine Einigkeit. Nicht alle Evangelikalen glauben beispielsweise an die Irrtumslosigkeit der Bibel und die Verbalinspiration. Die Bibel sei der verbindliche Maßstab des Glaubens und der Lebensführung, an dem sich alles andere messen müsse. Evangelikale sind sich bewusst, dass die Bibel ausgelegt werden muss, sind aber der Überzeugung, dass auch Nichttheologen die Bibel richtig verstehen können. Wörterbücher, Konkordanzen und Kommentare werden oft verwendet, und bestimmte Kommentare sind für manche evangelikale Richtungen recht maßgeblich, zum Beispiel der der Scofield-Bibel für den Dispensationalismus. Den Methoden der nicht-evangelikalen Theologie, beispielsweise der historisch-kritischen Exegese stehen sie skeptisch gegenüber.
- Sündhaftigkeit und Schuld setzen den Menschen Gottes Zorn und Verdammnis aus. Die Erlösung hieraus könne nur durch einen Gnadenakt Gottes erfolgen und setze den Glauben an Jesus Christus, seinen stellvertretenden Opfertod und seine Auferstehung und die Bekehrung und Wiedergeburt durch den Heiligen Geist voraus.
- Die persönliche Glaubensentscheidung: Christentum basiert für Evangelikale auf einer persönlichen, bewussten Entscheidung für den christlichen Glauben und einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus, die auch im Alltag Auswirkungen auf das persönliche Handeln haben müsse. Kirchenmitgliedschaft allein genüge nicht, es bedürfe einer persönlichen Abkehr vom alten Leben und einer Hinwendung zu Jesus Christus (Bekehrung). Diese bewusste Entscheidung wird in Form eines persönlichen Gebets vollzogen, das als Lebensübergabe bezeichnet wird. Aufgrund der Vorstellung einer persönlichen Beziehung zu Gott rechnen Evangelikale mit dem direkten Eingreifen Gottes in ihr Leben. Wunder halten sie für möglich oder zumindest nicht ausgeschlossen, entdecken aber Gottes Wirken auch in alltäglichen Begebenheiten.
- Das allgemeine Priestertum der Laien spielt bei den Evangelikalen eine wesentliche Rolle. Jeder einzelne soll persönlich mit der Bibel umgehen, sie privat und in Kleingruppen studieren, auslegen und auf sich wirken lassen. Daher finden sich unter Evangelikalen viele Laien mit beträchtlicher Bibelkenntnis. Für Leitungs- und Schulungsaufgaben ist eine formelle theologische Ausbildung nicht unbedingt erforderlich.
- Kirchen und Konfessionen sind von eher untergeordneter Bedeutung. Die meisten Evangelikale sehen sich als Teil der weltweiten Christenheit und fühlen sich ungeachtet ihrer Kirchenzugehörigkeit mit anderen Evangelikalen verbunden.
- Absolutheitsanspruch: Andere Religionen (worunter manche auch die katholische und die orthodoxe Kirche oder den liberalen Protestantismus zählen) werden als Irrwege abgelehnt, da das Bekenntnis und die Hinwendung zu Christus unbedingte Vorbedingung für eine Erlösung sei. Nicht-evangelikale Christen werden als Namenschristen bezeichnet, die neu evangelisiert werden müssten. Eine zwangsweise Evangelisation kommt für die Evangelikalen nicht in Frage. Die Entscheidung für Jesus Christus sei heilsrelevant, aber freiwillig.
- Mission: Evangelikale sehen es als wichtig an, ihren Glauben gegenüber allen Nicht-Christen in ihrem Sinne zu bezeugen und die evangelikale Erlösungsbotschaft zu verbreiten - das Wie kann Großevangelisationen, Freizeiten, oder persönliche Gespräche einschließen.
- Mit der Bibel als Maßstab für die Lebensführung stehen Evangelikale den als Zeitgeist charakterisierten Lebensauffassungen kritisch gegenüber. Sie schätzen den technischen oder medizinischen Fortschritt, orientieren sich aber an ihrem Bibelverständnis, sofern dabei Konflikte mit modernen Lebensauffassungen auftreten. Viele Evangelikale sehen die Evolutionstheorie oder Relativismus als Widerspruch zur Bibel und betrachten die naturalistische Weltanschauung mit Skepsis. Aktive Sterbehilfe, Abtreibung, praktizierte Homosexualität und sexuelle Freizügigkeit halten sie für mit christlichem Leben nicht vereinbar. Im Unterschied zu Fundamentalisten lehnen es die meisten Evangelikalen ab, Andersdenkenden ihre Lebensweise per Gesetz aufzuzwingen, würden sie jedoch gerne mit Argumenten überzeugen.

Richtungen innerhalb der Evangelikalen in Deutschland

Trotz der vielen Gemeinsamkeiten sind die Evangelikalen nichts weniger als eine homogene Gruppe. Im deutschen Sprachraum lassen sich die Evangelikalen grob in drei theologische Hauptrichtungen einteilen:
- die Bekenntnis-Evangelikalen, denen die Autorität traditioneller kirchlicher Bekenntnisse wichtig sind. Sie finden sich besonders in konservativen lutherischen Freikirchen.
- die charismatischen Evangelikalen, hauptsächlich in charismatischen Kreisen der Landeskirchen und in den Gemeinden der Pfingstbewegung.
- die Evangelikalen in pietistischer Tradition, hauptsächlich im landeskirchlichen Pietismus und in traditionellen Freikirchen. Ebenso unterscheiden sich Evangelikale stark bezüglich ihrer Offenheit gegenüber Andersdenkenden:
- separatistische Evangelikale (Fundamentalisten): biblisch-konservative Kreise, die sich betont gegen alle Gruppierungen abgrenzen, die ihre spezifische Sicht des Christentums nicht teilen. Sie halten streng an der Irrtumslosigkeit der Bibel fest, haben oft gruppenspezifische Auslegungen oder einen gruppenspezifischen Lebensstil. Im deutschen Sprachraum sind das eher kleine Gruppen, beispielsweise der Evangelische Brüderverein, die Freunde konkordanter Wortverkündigung, die Holic-Gruppen, Adullam, oder die Christlichen Versammlungen. Für Deutschland wird die Gesamtzahl der separatistischen Evangelikalen auf etwa 10.000 geschätzt.
- konservative Evangelikale: Sie halten an der Irrtumslosigkeit der Bibel fest, die einige, aber nicht alle, durch die Chicagoer Erklärung definieren, sind aber offen im Kontakt mit Andersdenkenden. Diese Richtung wird beispielsweise von den meisten Bibelschulen, der Freien Theologischen Akademie in Gießen oder auch der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule in Basel (Schweiz) vertreten. Unter den Freikirchen sind die Brüdergemeinden und viele unabhängige freikirchliche Gemeinden hier einzuordnen, Angehörige dieser Gruppe finden sich aber auch in vielen Freikirchen sowohl pietistischer als auch baptistischer und charismatischer Richtung, weniger in den Landeskirchen. Ihre Zahl wird für Deutschland auf 500.000 geschätzt.
- offene Evangelikale oder Neo-Evangelikale: diese Gruppe steht der Bibelkritik auch grundsätzlich distanziert gegenüber, ist aber bereit, bestimmte Ergebnisse zu übernehmen. Diese Richtung ist insbesondere unter den Evangelikalen in den Landeskirchen zu finden, in den Freikirchen insbesondere bei den Methodisten und den Mennoniten und im liberaleren Flügel anderer Freikirchen. Ihre Zahl wird für Deutschland ebenfalls auf 500.000 geschätzt. Siehe auch: Deutsche Evangelische Allianz

Kritik

Da die evangelikale Bewegung ein sehr weites Spektrum umfasst, sind die meisten Kritikpunkte nur für Teile der Bewegung zutreffend.
- Mission: Kritiker werfen manchen evangelischen Gemeinschaften vor, dass sie bei der Mission keine Rücksicht auf die kulturellen Eigenheiten von Völkern und Ländern nähmen. In Israel hätten einige Gruppen durch ihren aggressiven Missionierungsdrang dem Ruf der ganzen Bewegung geschadet. Von verschiedenen Seiten wird ihnen Kritik an anderen Religionen vorgeworfen.
- Politik: Problematisch sei die Gleichsetzung von evangelikaler Glaubenshaltung und rechtsgerichteter Politik, die in den USA weit verbreitet ist. Im Gegensatz zu einem Großteil der amerikanischen Evangelikalen haben europäische Evangelikale politisch keine einheitliche Haltung.
- Überbewerteter Okkultismus: die meisten Evangelikalen bewerten aufgrund des biblischen Weltbilds okkulte Phänomene bis zu einem gewissen Grad als Realität. In einigen Gruppen spielt jedoch der Kampf gegen okkulte Phänomene oder das, was dafür gehalten wird, eine so große Rolle, dass andere Ursachen für Probleme ausgeblendet würden. Außerdem gibt es Gruppen mit einer Neigung zu Verschwörungstheorien (Rom, Ökumene, Illuminaten, Kommunismus).

Evangelikale und Fundamentalisten

Evangelikale werden oft undifferenziert mit sogenannten Fundamentalisten gleichgesetzt. Der Wortgebrauch ist problematisch, da mit Fundamentalisten fälschlicherweise oft gewaltbereite Islamisten gemeint sind. Trotzdem hier eine Tabelle mit den grundsätzlichen Unterschieden zwischen (evangelikalen) Fundamentalisten und nicht-fundamentalistischen Evangelikalen:

Literatur

Geschichte der evangelikalen Bewegung


- Friedhelm Jung: Die deutsche Evangelikale Bewegung. Grundlinien ihrer Geschichte und Theologie. Biblia et Symbiotica 8. Verl. für Kultur und Wissenschaft, Bonn 1994 (Diss. Marburg 1991) ISBN 3-926105-34-8
- Derek J. Tidball: Reizwort Evangelikal. Entwicklung einer Frömmigkeitsbewegung. Ed. Anker, Stuttgart 1999. (engl. 1994) ISBN 3-7675-7058-0. Evangelikaler Theologe aus England beschreibt Geschichte und Lehre der Bewegung detailliert und nicht unkritisch.
- Werner Beyer (Hrsg.): Einheit in der Vielfalt. Aus 150 Jahren Evangelischer Allianz. Brockhaus, Wuppertal; Zürich 1995. ISBN 3-417-24135-9. Knappes Büchlein über die Anfänge der ev. Allianz in Deutschland im 19.Jh. und heutige Initiativen.
- Harold Fuller: People of the Mandate. The story of the World Evangelical Fellowship. Paternoster, Carlisle / Baker, Grand Rapids 1996 ISBN 1-900890-00-3

Bücher von evangelikalen Theologen


- John Stott: Christsein in den Brennpunkten unserer Zeit (Ein führender Theologe in der europäischen evangelikalen Bewegung nimmt Stellung zu Zeitfragen)
- LaSor, William Sanford / Hubbard, David Allan / Bush, Frederic William: Das Alte Testament. Entstehung - Geschichte - Botschaft. 3. Aufl. Brunnen, Gießen; Basel 1992. (engl. 1982) ISBN 3-7655-9344-3 (Evangelikales Standardwerk über das Alte Testament)
- Craig L. Blomberg: Die Gleichnisse Jesu, ihre Interpretation in Theorie und Praxis (Evangelikaler amerikanischer Neutestamentler über Gleichnisforschung)
- Eckhard J. Schnabel: Sind Evangelikale Fundamentalisten?, Brockhaus, Wuppertal; Zürich 1995. ISBN 3-417-29067-8. Evangelikaler Theologe betont einerseits die Notwendigkeit von Glaubensfundamenten, warnt aber auch vor lieblosen Engstirnigkeiten.
- Jahrbuch für Evangelikale Theologie 1ff. (1987ff.), Brockhaus, Wuppertal.
- European Journal of Theology 1ff. (1992ff.), Paternoster, Carlisle.

Weblinks

Evangelikale Dokumente


- [http://www.evangelikal.de/glaubensbasis_ead.html Glaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1846], der Grundkonsens der Evangelikalen
- [http://www.evangelikal.de/lausanne.html Die Lausanner Verpflichtung von 1974] vom Lausanner Kongress für Weltevangelisation
- [http://www.evangelikal.de/manila.html Das Manifest von Manila von 1989] beschreibt die wesentlichen Anliegen der Evangelikalen Bewegung
- [http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/chicagoerklaerung-artikel.htm Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel]
- [http://www.emk-vorpommern.de/texte/grundlagen.rtf John Stott: Evangelikale Grundlagen]

Wissenschaftliche Artikel


- [http://www.efb.ch/Texte/adefusa.htm Evangelikalismus und Fundamentalismus in den USA] Eine Arbeit aus nicht-evangelikaler Sicht
- [http://www.relinfo.ch/evangelikalismus/themen.html RelInfo - Evangelikalismus] Neutrale Beschreibung eines Religionswissenschaftlers
- [http://www.fta.de/download_ext/Holthaus%2520Stephan/Geschichte%2520und%2520Erscheinungsbild%2520des%2520protestantischen%2520Fundamentalismus.pdf Stephan Holthaus, Geschichte und Erscheinungsbild des Protestantischen Fundamentalismus] Sicht der konservativen Evangelikalen

Kritik


- [http://www.evangelischeallianz.at/handrei/ha_evan.html Kritik am Evangelikalismus aus Sicht der österreichischen evangelischen Allianz]
- [http://www.infosekta.ch/is5/themen/evkal_duncker1999.html Evangelikale Christen und das Feindbild Islam]
- [http://www.efb.ch/Texte/adefusa.htm Evangelikalismus und Fundamentalismus in den USA]

Gruppierungen


- [http://www.worldevangelical.org Weltweite Evangelische Allianz]
- [http://www.ead.de/ Deutsche Evangelische Allianz]
- [http://www.each.ch Schweizerische Evangelische Allianz]
- [http://www.evangelischeallianz.at/ Österreichische Evangelische Allianz] ! Kategorie:Evangelikale Theologie Kategorie:Christentum ja:福音派

Englische Sprache

Die englische Sprache (Englisch) ist eine germanische Sprache. Sie gehört, wie auch das Deutsche und das Niederländische, dem westlichen Zweig der germanischen Sprachen an. In einem eigenen Artikel gibt es mehr zur Geschichte der englischen Sprache. Englisch ist heute die am weitesten verbreitete Sprache der Welt, während es sich bei Mandarin-Chinesisch um die meistgesprochene Sprache handelt. Die englische Sprache wird in sehr vielen Ländern als erste Fremdsprache in den Schulen gelehrt (siehe Englisch (Schule)) und ist offizielle Sprache der meisten internationalen Organisationen. Viele dieser Organisationen haben daneben noch andere offizielle Sprachen. Englisch gilt als Weltsprache. Heute wird Englisch weltweit von etwa 340 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, das heißt, etwa 340 Millionen Menschen sind anglophon. Zählt man die Zweitsprachler hinzu, kommt man auf etwa 510 Millionen Sprecher.

Verbreitung

Amtssprache

Englisch ist Amtssprache in den folgenden Staaten, wobei die Zahlen die ungefähre Zahl der Muttersprachler angeben, soweit bekannt: Englisch ist zudem Amtssprache bei der Europäischen Union, bei der Afrikanischen Union, der Organisation Amerikanischer Staaten und bei den Vereinten Nationen.

Sonstige Verwendung

Die englische Sprache dient zudem als Verkehrssprache in folgenden Ländern und Regionen:
- Gibraltar
- Hongkong
- Israel
- Malaysia
- St. Martin
- Somalia
- Zypern

Sprachwissenschaftliche Einordnung

Das Englische gehört zu den indogermanischen Sprachen, die ursprünglich sehr stark flektierende Merkmale aufwiesen. Alle indogermanischen Sprachen weisen diese Charakteristik bis heute mehr oder minder auf. Es besteht jedoch in allen diesen Sprachen eine Tendenz weg von flektierenden und hin zu isolierenden Formen. Im Englischen ist diese Tendenz besonders ausgeprägt gewesen, so dass es sich im Laufe seiner Entwicklung im Wesen stark gewandelt hat. Heute trägt die englische Sprache überwiegend isolierende Züge und ähnelt strukturell teilweise stärker isolierenden Sprachen wie dem Chinesischen als den genetisch eng verwandten Sprachen wie dem Deutschen. Zudem hat sich die Sprache heute durch die weite Verbreitung in viele Dialekte aufgeteilt. Viele europäische Sprachen bilden auch völlig neue Begriffe auf Basis der englischen Sprache (Anglizismen). Auch in einigen Fachsprachen werden die Termini von Anglizismen geprägt, z.B. in den Bereichen Informatik und Wirtschaft. Der Language Code ist en beziehungsweise eng (nach ISO 639); der Code für Altenglisch (etwa 450 bis 1100) ist ang und der Code für Mittelenglisch (etwa 1100 bis 1500) ist enm.

Sprachvarianten der englischen Sprache

Durch die weltweite Verbreitung der englischen Sprache hat diese in verschiedenen Gegenden zahlreiche Varianten entwickelt. Nach der bekanntesten und fremdartigsten Variante des Englischen spricht man oft auch von einer Pidginisierung, wenn eine Sprache sich durch ihre weite Verbreitung in mehrere Sprachen aufzuteilen beginnt, die untereinander kaum noch kompatibel sind. Folgende Sprachvarianten werden unterschieden:
- Siehe auch: Internationale Klassifizierungen (Englische Sprache) Eine Reihe von Pidginsprachen und Kreolsprachen haben sich auf englischem Substrat entwickelt. Das Eindringen von Anglizismen in andere Sprachen wird manchmal mit abwertenden Namen wie "Denglisch" (Deutsch und Englisch) oder "Franglais" (Französisch und Englisch) versehen. Dabei handelt es sich nicht um Varianten des Englischen, sondern um Erscheinungen in anderen Sprachen.
- Siehe auch: Englische Sprache in anderen Sprachen Der scherzhafte Begriff "Engrish" bezeichnet ebenfalls keine Variante der englischen Sprache, sondern bezieht sich auf das unbeholfene Englisch, das gelegentlich in asiatischen Ländern anzutreffen ist, hier insbesondere bei Japanern, die den Lateral "l", der im Japanischen nicht vorkommt, durch "r" ersetzen.

Ähnliche/Verwandte Wörter

Deutsch und Niederländisch

Überraschend sind die sehr zahlreichen englischen Wörter, bei denen die Verwandtschaft mit dem Deutschen und dem Niederländischen durch Bedeutungsverschiebung oder -verengung oft nicht ins Auge fällt.

Dänisch

Französisch

Textsammlungen

Beim Project Gutenberg stehen zahlreiche Texte frei zur Verfügung.

Siehe auch


- Englische Grammatik
- Ghoti
- Liste englischer Redensarten
- Englische Phonetik
- Englische Sprache in der Werbung
- Liste von Sprachen nach der Zahl ihrer Muttersprachler
- Chronologie englischsprachiger Medien

Literatur


- Wolfgang Viereck, Heinrich Ramisch, Karin Viereck: dtv Atlas Englische Sprache. dtv, 2002. ISBN 3423032391
- J. C. Wells: Accents of English. Volume I: An Introduction. Cambridge University Press, 1982. ISBN 0521297192
- J. C. Wells: Accents of English. Volume II: The British Isles. Cambridge University Press, 1982. ISBN 0521285402
- J. C. Wells: Accents of English. Volume III: Beyond the British Isles. Cambridge University Press, 1982. ISBN 0521285410
- Michael McCarthy, Felicity O'Dell: English Vocabulary in Use. upper-intermediate and advanced. Cambridge University Press, 1994
- Raymond Murphy: English Grammar in Use. Cambridge University Press, 1985
- Robert Phillipson: Linguistic Imperialism. Oxford University Press, 2000. ISBN 0194371468

Weblinks


- http://dict.leo.org/ – umfangreiches und ständig erweitertes Deutsch-Englisch und Englisch-Deutsch Online-Wörterbuch
- http://www.odge.de/ - Deutsch-Englisch und Englisch-Deutsch Wörterbuch mit über 420.000 Übersetzungen (auch ungewöhnliches)
- http://www.dict.cc/ – Deutsch-Englisch und Englisch-Deutsch Wörterbuch mit mittlerweile über 400.000 Übersetzungen
- http://www.dict.org/ – greift auf mehrere Wörterbücher zu, die das dict-Protokoll benutzen
- http://www.EnglishTensesWithCartoons.com Englishe Zeiten
- http://www.phon.ucl.ac.uk/home/estuary/index.html - Estuary English
- http://www.wordorigins.org/ – Die Herkunft einiger hundert englischer Wörter
- http://www.etymonline.com/ – Online Etymology Dictionary, Erklärungen zur Herkunft einiger tausend englischer Wörter
- http://www.englisch-hilfen.de/ – kostenlose Nachhilfe mit Erklärungen und Übungen
- http://www.ego4u.de/ – Englische Grammatik Online
- http://www.sprachschule-lbt.de/index.php?sprachschulen=englischkurse-5-spaltensystem&englisch-lernen=lernhilfen – kostenloses Grammatiksystem der englischen Sprache zum Selbstlernen
- http://www.quickdic.de/ – Wörterbuch zum Herunterladen
- http://www.phrasen.com/ – Wörterbuch der englischen Redewendungen
- http://www.urbandictionary.com - Slang Dictionary
- http://www.woerterbuch.info/ – Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 600.000 Übersetzungen und 125.000 Synonymen
- http://www.alt-usage-english.org/audio_archive.shtml - Sprachfiles für Indisch-, Britisch-, Austrailienenglish und noch vieles mehr Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Englische Sprache Kategorie:Anglistik als:Englische Sprache ja:英語 ko:영어 ms:Bahasa Inggeris simple:English language th:ภาษาอังกฤษ zh-min-nan:Eng-gí

Bibel

und Menora.]] Menora, 1550 - die erste dänische Übersetzung - in 3000facher Auflage]] Weiterführende Informationen und Themen rund um die Bibel sind auch im Portal:Bibel zu finden. Die Bibel ist eine in etwa 1.400 Jahren entstandene Sammlung von Schriften, die für das Judentum und das Christentum Gottes Offenbarung enthalten und Urkunden ihres Glaubens sind. Es handelt sich dabei um unterschiedliche redaktionelle Zusammenstellungen von "Büchern" (griechisch: biblia) aus dem Kulturraum Palästinas und des Vorderen Orients, die bis zum 2. Jahrhundert zuerst von Juden, dann auch von Christen als "Heilige Schrift" kanonisiert wurden. Die jüdische, ursprünglich überwiegend in Hebräisch abgefasste Bibel ist der Tanach, bestehend aus drei Hauptteilen: der Tora, den Propheten und den "Schriften" (Ketubim). Diese bilden in anderer Anordnung und geringfügig anderem Umfang als Altes Testament auch den ersten Hauptteil der christlichen Bibel, den hier das zuerst in Griechisch abgefasste Neue Testament ergänzt. In dieser Form ist die Bibel das am weitesten verbreitete und häufigsten publizierte schriftliche Werk der Welt.

Die Begriffe "Bibel" und "Heilige Schrift"

Das Wort "Bibel" stammt vom griechischen Neutrum βιβλíoν, das "Papyrusrolle" bedeutet. Der Wortstamm Biblion ist von bíblos oder býblos abgeleitet und bedeutet "Papyrusstaude" oder "Papyrusbast": So hieß auch die phönizische Hafenstadt Byblos, die in der Antike ein Hauptumschlagplatz für Bast war, dem Rohstoff zur Herstellung der Papierrollen. Der Plural biblia ("Schriftrollen, Bücher") wurde später irrtümlich als Singular eines lateinischen Femininums aufgefasst. Zugleich wurde das Wort synonym mit dem ebenfalls weiblichen Ausdruck "Heilige Schrift" (griech. hagia graphae) verstanden. Insofern trifft die populäre Bezeichnung "Buch der Bücher" zu. Im Judentum wie im Christentum gilt diese Schriftsammlung als Offenbarungszeugnis Gottes und hat daher für die gesamte Religionsausübung normativen Charakter. Dies zeigen die bei ihrer Zusammenstellung wirkenden Redaktionen und späteren Kanonisierungen ebenso wie ihre Bezeichnungen als "Wort Gottes" oder "Heilige Schrift". Von Ausnahmen wie der zeitweise im Katholizismus und lutherischer Orthodoxie gültigen Verbalinspiration abgesehen, wird die Bibel jedoch in den meisten Religionsgemeinschaften, die sich auf sie beziehen, nicht direkt und vollständig als Ergebnis göttlicher Eingebung oder göttlichen Diktats aufgefasst, sondern als menschliches und daher irrtumsfähiges Zeugnis, das Gottes Offenbarungen enthält, reflektiert und weitergibt. Diese schriftliche Überlieferung ist jedoch gegenüber ihrem Inhalt nicht beliebig und wurde daher auf verschiedene Weise vor Verfälschung und Erweiterung zu schützen versucht. Für das Judentum ist primär die Tora, darin vor allem der Bundesschluss am Sinai "Wort Gottes" und damit der "Kanon im Kanon". Für Christen ist die Person Jesus Christus das eigentliche, maßgebende, alle äußeren Worte erhellende Zentrum der ganzen Bibel. Mit der Kanonisierung des Neuen Testaments entschied die Kirche zugleich, grundsätzlich auch die heiligen Schriften des Judentums bleibend als "Wort Gottes" anzuerkennen und aufzunehmen. Die Interpretation beider "Testamente" ist hier wechselseitig aufeinander angewiesen, wobei Tod und Auferstehung Jesu Christi das Hauptkriterium bleiben. Aber auch dessen Verständnis unterscheidet sich zwischen den christlichen Konfessionen. Für Katholiken ist die Überwindung der Erbsünde durch Jesu stellvertretendes Sühneopfer, daraufhin das Zusammenwirken von menschlicher Bemühung und Gottes Gnadenangebot (Synergismus) zentraler Inhalt der biblischen Zeugnisse von Gott. Protestanten finden die "Mitte der Schrift" im Anschluss an Martin Luther dagegen im reinen Gnadengeschenk Jesu Christi ohne jedes eigene Zutun. Für liberale Theologie ist dagegen oft das menschliche Vorbild des historischen Jesus und die eigene religiöse Erfahrung Maßstab der Schriftauslegung. Manche Evangelikalen und Freikirchen vor allem in den USA schreiben der Bibel auch heute noch eine "Irrtumsfreiheit" (Inerrancy) zu und reagieren damit auf die als Angriff auf die Glaubensgrundlagen empfundene historische Bibelkritik seit der Aufklärung. Diese Richtungen werden oft als Biblizismus oder christlicher Fundamentalismus eingeordnet. Dabei besteht z.T. die Gefahr, daß die Bibel selbst gott-ähnlichen oder fetisch-artigen Charakter erhält.

Die jüdische Bibel

Die Bibel des Judentums heißt "Tenakh" oder "Tanach". Sie wurde in hebräischer Sprache, kurze Passagen auch in aramäischer Sprache verfasst und besteht aus den drei Teilen:
- Tora (hebr. "Lehre") oder Pentateuch, die fünf Bücher Mose
- Nebiim (hebr. "Propheten")
- Ketubim (hebr. "Schriften"). Der Begriff Tanach setzt sich aus den hebräischen Anfangsbuchstaben dieser drei Hauptteile zusammen. Ihre Sammlung, schriftliche Fixierung und redaktionelle Überarbeitung verlief über mehr als tausend Jahre bis zum Abschluss des jüdischen Kanons um 135 n. Chr.

Die Tora

Der erste Hauptteil besteht aus den fünf Büchern Moses, die auch Pentateuch ("Fünf Buchrollen") genannt werden. Die Einteilung beruhte darauf, dass der Umfang unmöglich auf einer antiken Buchrolle Platz fand, erfolgte aber auch nach inhaltlichen Gesichtspunkten: Jedes der Bücher hat einen klaren Anfang und eine deutliche Zäsur am Ende. Der Begriff "Tora" bedeutet "Weisung" und bezieht sich nicht nur auf die jüdischen religiösen und profanen Gesetze im engeren Sinn - diese sind Hauptinhalte des 2. und 3. Buchs Mose -, sondern auf die gesamte, seit der Schöpfung geoffenbarte Lebensordnung für das erwählte Volk Gottes. Die Einzelbücher heißen im Hebräischen nach ihren ersten Worten; in der Kirchensprache Latein, die darin der griechischen Bibelübersetzung folgte, bezeichnen sie das Hauptthema des jeweiligen Buchs:
- Bereshit ("Im Anfang") / Genesis ("Schöpfung, Ursprung")
- Schemot ("die Namen") / Exodus ("Auszug")
- Wajikra ("Und Gott rief") / Levitikus ("Priesterschrift")
- Bemidbar ("In der Wüste") / Numeri ("Zahlen")
- Debarim ("die Worte") / Deuteronomium ("zweites Gesetz"). Die Tora umfasst demnach die Geschichte der Welt und des Gottesvolks Israel als Heilsgeschichte, beginnend mit der Schöpfung (Siehe auch:Wiege der Menschheit) und den Geschichten der Erzväter, dem Auszug Israels aus Ägypten, der Gesetzgebung unter Mose und dem Zug ins verheißene Land. Sie wurde wohl schon im 6. vorchristlichen Jahrhundert kanonisiert. Ihre ältesten Stoffe entstanden im Verlauf von Wanderungsbewegungen von Nomaden im Zweistromland und aus Ägypten, die seit etwa 1200 v. Chr. in das Kulturland Kanaan einsickerten und dort sesshaft wurden. Sie wurden über Jahrhunderte zunächst mündlich tradiert; ihre Verschriftung und Zusammenstellung begann erst um 1000 v. Chr., nachdem aus dem losen Stämmebund verschiedener Hebräer ein Staatswesen nach dem Vorbild antiker Monarchien geworden war.

Die Propheten

Als "Propheten" gelten im Judentum die angenommenen Autoren folgender Bücher:
- Josua,
- Richter,
- Samuel (ein Buch),
- Könige (ein Buch),
- Jesaja,
- Jeremia,
- Hesekiel,
- das Zwölfprophetenbuch. Die ersten vier dieser Bücher erzählen die Geschichte Israels vom Tod des Mose, der Landverteilung an die Stämme bis zum Ende der beiden Staaten Israel und Juda und der Zerstörung des 1. Jerusalemer Tempels (586 v. Chr.). Sie werden im Christentum nicht zu den Propheten gezählt, sondern als "Geschichtsbücher" betrachtet. Die folgenden drei "großen" Propheten sind nach Analogie der drei Erzväter jeweils einem Buch zugeteilt; die übrigen "kleinen" Propheten sind als Analogie zu den zwölf Söhnen Jakobs, den angenommenen Stammvätern der Stämme Israels, in zwölf Bücher eingeteilt. Das erste Prophetenbuch betont gleich zu Beginn (Jos 1,5) die Unterordnung des Josua unter die Autorität des Mose; Maleachi schließt als letzter der zwölf kleinen Propheten mit der erneuten Rückbindung an das mosaische Gesetz. Diese Hierarchie gilt also für alle Propheten, die demgemäß erst recht spät kanonisiert wurden: frühestens im 4. Jahrundert v. Chr. nach der Abspaltung der Samaritaner, für die allein die Tora "Wort Gottes" blieb. Andererseits betont die ganze Prophetie die Offenheit der Geschichte Israels für eine ganz neue, noch nicht offenbar gewordene Zukunft. Das Phänomen der prophetischen Zukunftsverheißung, die die ganze Schöpfung in Gottes Geschichte mit dem erwählten Volk einbezieht und ihre radikale Erneuerung thematisiert, ist ein Hauptmerkmal des Judentums im Unterschied zu anderen antiken Religionen. Sie setzte sich in der Zeit Jesu von Nazarets mit dem Auftreten Johannes des Täufers fort.

Die Schriften

Zu den "Schriften" (Ketuvim) des Tanach gehören:
- Psalmen
- Hiob
- Sprüche Salomos
- Ruth
- das Hohe Lied
- Kohelet (Prediger)
- Klagelieder (im christlichen Alten Testament zum Propheten Jeremia gehörig)
- Ester
- Daniel (im AT als eigenes Prophetenbuch)
- Esra
- Nehemia
- Chronik (zwei Bücher). Es handelt sich um Werke, in denen eher die Menschen reden als Gott. Sie sind alle nach dem Exil und später entstanden als die vorherigen "klassischen" Propheten, überwiegend ab 200 v. Chr.. Einige sind vor oder parallel zu den zwölf kleinen Propheten entstanden. Dennoch ist ihre theologische Bedeutung diesen nachgeordnet. Ihre Kanonisierung geschah spät, für das Buch Daniel erst 135 n. Chr. mit dem Abschluss des Tanach. Nur fünf dieser Bücher werden als "Festrollen" im Synagogengottesdienst verlesen und sind wichtigen Festen des Judentums zugeordnet:
- Ruth: Wochenfest
- Hohes Lied: Pessach
- Kohelet: Laubhüttenfest
- Klagelieder: Gedenktag derTempelzerstörung
- Ester: Purimfest. Auch dieser dritte Hauptteil bezieht sich betont am Anfang auf die Tora (Ps 1,1): :Wohl dem, der nicht im Rat der Gottlosen wandelt, ... sondern hat Lust zur Weisung des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht. Das zweite Chronikbuch endet mit dem Ausblick auf den Neubau des Tempels und die Anerkennung JHWHs als Herrn der ganzen Erde: Auch hier ist Israels Zukunftsperspektive untrennbar mit der Weltgeschichte verknüpft.

Die christliche Bibel

Das Alte Testament (AT)

Alle kanonischen Schriften des jüdischen Tanach haben - wenn auch in teilweise anderer Reihenfolge - Eingang in das christliche "Alte Testament" gefunden. Angesichts dieser Gemeinsamkeit mit dem Judentum wird christlicherseits inzwischen statt vom "Alten Testament" auch die Bezeichnung "Erstes Testament" verwendet, um der Vorstellung einer Vorrangstellung des späteren "Neuen Testaments" vor dem "Alten Testament" entgegenzutreten, die in der Geschichte der Judenmission und des christlichen Antijudaismus ("Oremus et pro perfidis Judaeis", "Lasset uns auch beten für die treulosen Juden", Karfreitagsliturgie bis 1970) oft die ideologische Grundlage für Pogrome darstellte. Heute stimmen fast alle christlichen Konfessionen darin überein, dass beide Teile gleichberechtigt zum Bestand der christlichen Bibel gehören. Im Unterschied zum jüdischen Verständnis gesteht die christliche Theologie dem Tanach aber weiterhin keine eigenständige Autorität zu, sondern interpretiert den Pentateuch aus der Perspektive der christlichen Heilsgeschichte, in der der zweite Bund ("Neues Testament") den ersten aufhebe und/oder erfülle.

Das Neue Testament (NT)

Das "Neue Testament" entstand in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. im jüdisch-christlichen Umfeld. Es ist fast durchgängig in griechischer Sprache, genauer: in der so genannten Koine verfasst. Es enthält in den Evangelien einige aramäische Begriffe, Aramäisch war die damalige Umgangssprache in Palästina und zeitweise lingua franca des antiken Nahen Ostens. Das Neue Testament besteht aus:
- erzählenden Schriften
  - vier Evangelien
  - die Apostelgeschichte
- belehrender Briefliteratur
  - Paulusbriefe
  - Brief an die Hebräer
  - Katholische Briefe
- einer prophetischen Vision
  - Offenbarung des Johannes (Apokalypse). Die Zugehörigkeit der vorgenannten Schriften zum "Neuen Testament" ist in allen christlichen Religionsgemeinschaften unumstritten (mit Ausnahme der Syrisch-Orthodoxen, die einige davon nicht anerkennen; die Offenbarung des Johannes wird auch bei den anderen Orthodoxen nicht öffentlich verlesen). Das "Neue Testament" erzählt in den Evangelien von Jesus von Nazaret, der als Christus bezeichnet wird, und in der Apostelgeschichte von den Anfängen der Kirche. Dabei wird der überwiegende Teil des Erzählstoffes unter Aufnahme und in Auseinandersetzung mit den Erfahrungen des Volkes Israel und unter Verwendung alttestamentlicher Themen und Bilder dargestellt. In den Briefen versuchen die Autoren, Antworten auf Glaubensfragen zu geben, das Leben in den neuen Gemeinden zu organisieren und auf anstehende Probleme in den Gemeinden zu reagieren, oder den Christen ihrer Zeit mit mahnenden und tröstenden Worten zur Seite zu stehen.

Das Verhältnis von Altem und Neuen Testament

Das Christentum nennt die bereits lange vor seiner Entstehung vorliegende jüdische Sammlung heiliger Schriften Altes Testament (AT) im Gegenüber zum Neuen Testament, das die um 180 kanonisierten Schriften des Urchristentums umfasst. Der lateinische Begriff testamentum übersetzt den griechischen Ausdruck diatheke, der seinerseits das hebräische berith (Bund, Verfügung) übersetzt. Er meint nicht wie in der antiken Umwelt ein zweiseitiges Vertragsverhältnis, sondern eine einseitige unbedingte Willenserklärung. Dies bezieht sich im Tanach auf Gottes heilsstiftende Taten und Bekundungen in der menschlichen Geschichte, besonders auf den Bundesschluss Gottes mit dem ganzen Volk Israel am Berg Sinai nach der Offenbarung der Gebote (Exodus 24). Ihm gehen Gottes Schöpfungsbund mit Noah (Genesis 9), die Berufung Abrahams zum "Vater vieler Völker" (Genesis 12) und der Bund mit Moses zur Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei voraus (Exodus 3). Zudem wird in der Prophetie des Tanach ein "neuer Bund" verheißen (Jeremia 31), der alle Völker einbeziehen werde (Joel 4). Für Christen hat sich diese Verheißung in Jesus Christus als dem fleischgewordenen Wort Gottes erfüllt. In seinem Tod und seiner Auferstehung wurde für sie Gottes "letzter Wille" offenbar. Damit wurde Gottes Bund mit dem erwählten jüdischen Gottesvolk für die Urchristen aber nicht ersetzt, sondern erfüllt und so endgültig bekräftigt. Beide "Testamente" liegen als Gottes endgültige Offenbarung in verbindlicher Schriftform vor und beanspruchen über Jesu Tod hinaus unbedingte Geltung. Die Gegenüberstellung von "altem" und "neuem" Bund ist besonders auf die Zentraldaten beider Religionen bezogen: den Exodus Israels, die Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Sie werden gemeinsam als jene Taten Gottes aufgefasst, in denen er sein volles Wesen zeigt. Sein letzter Wille widerspricht seinem ersten Willen nicht, sondern bestätigt und erneuert ihn für die ganze Welt. In der Kirchengeschichte wurde der Begriff "Altes Testament" jedoch bis 1945 fast nur als Herabsetzung gedeutet: Das Judentum galt als veraltete, überholte, zum Untergang bestimmte Religion. Die Gesetzesoffenbarung Gottes am Sinai sei vom Selbstopfer Jesu Christi auf dem Hügel Golgota abgelöst worden. Gott habe Israel "enterbt" und den Christen die Verheißungen übergeben, so dass Heil nur noch in der Kirche liege. Wegen der fatalen Folgen dieser antijudaistischen Abwertung des Tanach bis hin zum Holocaust wird der Begriff "Altes Testament" heute von den Großkirchen und vielen Theologen zwar nicht aufgegeben, aber als "Erstes Testament" übersetzt. Um Vorrang und Weitergeltung des lebendigen Bundes Gottes mit seinem Volk Israel zu betonen und die traditionelle Diskriminierung und religiöse Enteignung des Judentums zu überwinden, verwenden viele Christen auch die Bezeichnung "Hebräische" oder "Jüdische Bibel" oder "Hebräisch-Aramäische Schriften". Gleichwohl weicht deren inhaltliche Deutung in beiden Religionen, aber auch zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen voneinander ab. So haben nicht alle Teile der Tora für Christen denselben Rang und die gleiche Gültigkeit wie für Juden, da sie in ihrem Glauben durch Jesus Christus bereits erfüllt, auf die Gottes- und Nächstenliebe konzentriert und so relativiert wurden. Für Christen spielt auch die mündliche Tora-Auslegung (Halacha) keine Rolle, die im Talmud fixiert wurde und im Judentum nahezu gleichrangig mit der Tora tradiert wird. Erst in neuerer Zeit hat die von der Judaistik lernende neutestamentliche Forschung wiederentdeckt, dass Jesu eigene Verkündigung zu weiten Teilen eine Form der Halacha im Dialog mit anderen damaligen jüdischen Gruppen war. Dabei wird die traditionelle Deutung etwa der Bergpredigt als "Aufhebung" der Tora, die jüdische Gebote wie das Ius talionis ("Auge um Auge") außer Kraft setze bzw. auf allgemeingültige Normen hin transzendiere, heute vielfach als von christlichen Vorurteilen bestimmte Fehldeutung angesehen (siehe dazu Feindesliebe).

Entstehung

Textgeschichte

Antike Handschriften waren mit ruß- und harzhaltiger Olivenöl-Tinte auf Papyrus- oder Leder-Rollen notiert. Eine Rolle konnte nur begrenzte Inhalte aufnehmen. Die älteste noch erhaltene Gesamtrolle eines biblischen Buches ist die 7,5 Meter lange Jesajarolle aus Qumran, um 180 v. Chr. entstanden. Von weiteren Büchern des Tanach aus dieser Zeit existieren vielfach nur noch Fragmente. Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand der Pergamentkodex, in dem sich mehrere Buchrollen zusammenfassen ließen. Reste von Papyruskodices mit griechischen alt- und neutestamentlichen Texten stammen aus dem 2. und 3. Jahrhundert: Der älteste existierende Text des NT überhaupt ist der Papyrus P52 mit einem Fragment aus dem Johannesevangelium, entstanden um 120. Der hebräische Tanach war in Teilen bereits seit etwa 250 v. Chr. in Alexandria in die griechische Verkehrssprache, die Koine, übersetzt worden und wurde um 100 n. Chr. abgeschlossen. Die Ausbreitung des Christentums trug entscheidend zur Bewahrung dieser sogenannten Septuaginta bei. Ihre ältesten vollständigen Texte, die zugleich auch das ganze NT enthalten, sind der Codex Sinaiticus und der Codex Vaticanus aus dem 4. Jahrhundert, dicht gefolgt vom Codex Alexandrinus aus dem 5. Jahrhundert. Auf sie geht auch die lateinische Übersetzung des Hieronymus, Grundlage der Vulgata der römisch-katholischen Kirche, zurück. Mit der endgültigen Kanonisierung des Tanach um 135 ergab sich die Notwendigkeit einer einheitlichen Fassung und Vokalisierung des hebräischen Konsonantentextes. Damit begann die 1000jährige Arbeit der Masoreten. Auf ihrer Textvereinheitlichung beruhen die ersten vollständigen hebräischen Bibelhandschriften des Mittelalters, allen voran der Codex Petropolitanus von 1008. Diese hebräische Version des Tanach galt seit der Renaissance als gemeinsame Urform aller späteren Bibelübersetzungen. Sie liegt der Bibelübersetzung des Erasmus von Rotterdam und damit auch dem Alten Testament der Lutherbibel zugrunde. Die Auffindung ausrangierter Bibelfragmente in der Synagoge von Kairo um 1850, vor allem aber der Schriftrollen vom Toten Meer (1947 - 1956 und 1961) brachte die Annahme eines einheitlichen hebräischen "Urtextes" vollends zum Einsturz: Vor und nach seiner Kanonisierung existierten mehrere voneinander abweichende Textvarianten des Tanach parallel zueinander, neben der Septuaginta vor allem der Samaritanische Pentateuch aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.. Die neuen Schriftfunde bestätigten aber auch die große Übereinstimmung der masoretischen Versionen mit den älteren hebräischen Bibeltexten. Diese Disziplin bei der Textüberlieferung geht auf ein Gebot in der Tora selbst zurück: In 5. Mose 4,2 und 12,32 wird streng untersagt, Gottes Wort etwas hinzuzufügen oder wegzunehmen. Die Annahme eines Primärtextes hat historische Textkritik jedoch unwiderruflich widerlegt: Hinter allen bekannten Textfassungen der Bibel und den meisten ihrer Einzelschriften stehen eine Vielzahl von Verfassern und Redaktoren, die an der Überlieferung mitwirkten. Die gemeinsame Version der Masoreten stand erst am Ende, nicht am Anfang dieses Traditionsprozesses. Siehe auch Textgeschichte des Neuen Testaments

Verschiedene Kanonisierungen

Das lateinische Wort "Kanon" bedeutet "Richtschnur" oder "Richtmaß" und meint hier die festgelegte Anzahl der Bücher, die in einer bestimmten religiösen Gemeinschaft als heiliges Wort Gottes gelten. Mit einer gewissen Eigendynamik tendierte die Sammlung von Schriften mit autoritativem theologischen Anspruch zu einem verbindlichen Abschluss ihres Umfangs und ihrer Inhalte. Diesen Prozess nennt man "Kanonisierung". Deren Anfänge lagen in der vorexilischen Königszeit der Reiche Israel und Juda: So berichtet 1. Kön 22 von der Auffindung eines "Gesetzbuchs" im Jerusalemer Tempel, das den judäischen König Josia 621 v. Chr. zu einer jahwistischen Kultreform und Abschaffung des Synkretismus veranlasst haben soll. Gemeint war das Deuteronomium (5. Buch Mose), das seinerseits in vieler Hinsicht die Gebotsoffenbarung am Sinai (2.-3. Buch Mose) aktualisierend wiederholt. Spätestens seit dem Wiederaufbau des Tempels 539 v. Chr. war die Tora als erster und wichtigster Teil des Tanach kanonisch; für die Samaritaner bildete sie bei ihrer Abspaltung im 4. Jahrhundert v. Chr. das einzige, maßgebende Gotteswort. Das Neue Testament setzt bereits den ganzen Tanach als verbindliche Basis des jüdischen Gottesdienstes voraus, etwa bei Jesu Antrittspredigt in Nazaret, die nach Lk 4,14-21 mit einer Lesung der "Schrift" begann. Vom "Gesetz" ist oft im Zusammenhang mit Tora-Auslegungen Jesu die Rede, etwa zu Beginn der Bergpredigt. Dort wird die kanonische Geltung der Tora bis zur Parusie bekräftigt (Mt 5,18): :Wahrlich ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis alles geschieht. Häufig werden "Gesetz und Propheten" als Kürzel für die Gesamtheit der biblischen Überlieferung vom Bundeswillen Gottes genannt. Auch eine dreigliedrige Form des Tanach wird im Mund des Auferstandenen für die Christen verbindlich gemacht (Lk 24,44): :Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Der Tanach wurde nach der zweiten Zerstörung des Jerusalemer Tempels 70 und der Niederlage im letzten jüdischen Krieg gegen die Römer 135 endgültig kanonisiert. Er umfasste laut Flavius Josephus 22 Bücher wie das hebräische Alphabet, laut des außerkanonischen 4. Esrabuchs dagegen 24 Bücher (2 mal 12 wie die Zahl der Stämme Israels). Dabei wurden aber nur dieselben Schriften verschieden zusammengelegt. Der Kanon der Septuaginta enthielt zudem die Bücher Judit, Tobit, Erweiterungen der Bücher Ester und Daniel, die beiden ersten Makkabäerbücher, den Propheten Baruch, die Weisheit Salomos und das Buch Jesus Sirach. Diese zusätzlichen Schriften nennt man heute besonders im evangelischen Raum oft "deuterokanonisch". Sie gelangten nicht in den Kanon des Tanach, wanderten aber durch ihre lateinische Übersetzung in die lateinische Vulgata ein. Der katholische AT-Kanon enthält demnach 46 Bücher, der orthodoxe noch mehr. Sein Umfang ist dennoch zu 90% deckungsgleich mit der Hebräischen Bibel. Das Neue Testament umfasste zur Zeit seiner Kanonisierung (um 180) 27 griechische Einzelschriften, davon 4 Evangelien und 21 Briefe. Alle zusammen erreichen insgesamt nur ein Viertel des Umfangs des Alten Testaments. Martin Luther übernahm mit seiner Übersetzung des Tanach auch dessen Kanon, den er in 39 Bücher einteilte. So erlangte dieser auch im Protestantismus Gültigkeit. Die evangelische Gesamtbibel umfasst also 66 Bücher, wobei sich das evangelische AT nur nach Anordnung und Aufteilung vom Tanach unterscheidet. Zwar übersetzte Luther auch die weiteren Schriften der Septuaginta und hängte sie seiner Bibelübersetzung an, bewertete sie aber als geheime "Apokryphen" und menschliche Bücher: so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind. Den Begriff "Apokryphen" reserviert man heute dagegen meist für die aus dem NT-Kanon ausgegrenzten christlichen, von fast keiner Kirche anerkannten Schriften. Die katholischen, orthodoxen und evangelischen Konfessionen betrachten die ganze Bibel als alleinigen Maßstab ihres Glaubens, als norma normans. Der Theologe Dietrich Kuessner formuliert ([http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu109/Auseinandersetzung.rtf]): :Das Bekenntnis ist im Verhältnis zur Bibel nachgeordnet, eine bereits von der Schrift geprägte Norm (norma normata). Demnach haben sich alle Glaubensäußerungen, Bekenntnisschriften und Dogmen an der Bibel zu messen. In ihnen darf theoretisch nichts geregelt sein, was dem biblischen Zeugnis widerspricht. Dennoch wird das Verhältnis der Bibel zur folgenden kirchlichen Tradition konfessionell verschieden gesehen: In der katholischen Kirche ist das päpstliche Lehramt die maßgebende, letztlich alleinige Autorität zur Auslegung der Schrift. Damit wird aus evangelischer Sicht ein nicht biblisch begründetes Amt der Bibelauslegung übergeordnet. Hier gibt es faktisch keine einheitliche Lehre, da die Schriftauslegung Sache des Einzelgewissens bleibt. In allen auf die Bibel bezogenen jüdischen oder christlichen Konfessionen und Denominationen haben Glaubensbekenntnisse, Liturgie und andere mündliche oder schriftliche Traditionen eine wichtige Bedeutung für ihr Selbstverständnis. In der katholischen Tradition sind etwa die Apostolischen Väter, die bereits im 3. Jahrhundert fast kanonische Bedeutung hatten, neben der Bibel wesentlich. Aber nur einige christliche Sekten wie die Mormonen und Christliche Wissenschaft setzen ihre Bekenntnisse der Bibel gleich. Im Judentum wird das Verhältnis zwischen Tanach und Tradition, vor allem in Gestalt von Mischna und Talmud, ähnlich betrachtet wie im Katholizismus, obwohl es auch hier wie im Protestantismus kein autoritatives Lehramt, sondern faktisch Pluralismus der Bibelauslegung gibt.

Geschichte oder Mythos

In der Diskussion, inwiefern die biblischen Erzählungen als historische Berichte gelten können, treffen verschiedene Auffassungen aufeinander.
- Ein großer Teil der evangelikalen Bewegung begreift die Bibel als Geschichtsbuch und betont, dass "die Bibel absolut irrtumslos und unfehlbar" sei (Johannes Vogel, Breckerfeld; in: idea-Pressedienst 46/004). Dabei gibt es divergierende Positionen: Die "Chicago Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift" von 1978, betont, "daß die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos und damit frei von Fehlern, Fälschungen oder Täuschungen ist" (zitiert nach idea-Pressedienst 25/2003); dies umfasse auch naturwissenschaftliche Aussagen (Biblischer Fundamentalismus). Weitaus verbreiteter ist die Meinung, dass die Bibel als Gottes Wort hinsichtlich ihrer Glaubensaussagen und der Fragen zur Lebensführung unfehlbar sei.
- Die historisch-kritische Exegese geht davon aus, dass die Texte der Bibel nur vor ihrem historischen Hintergrund und unter Berücksichtigung ihrer literarischen Form verständlich sind. Die Bibel erzähle nicht Geschichte, sondern Heilsgeschichte. Der historische Gehalt der biblischen Erzählungen wird in ihren verschiedenen Teilen sehr unterschiedlich beurteilt. Speziell die Methoden der (nichttheologischen) Literar- und Formkritik sowie allgemein die Methoden der historischen Forschung dienen hierzu als Hilfsmittel. Insbesondere wird biblischen Texten, die nicht beanspruchen, historische Tatsachen zu berichten, nicht unterstellt, Geschichte erzählen zu wollen. Anderen Teilen der Bibel wird hingegen relativ hohe geschichtliche Zuverlässigkeit zugeschrieben. Eine Sonderstellung nehmen die Evangelien ein. Sie beanspruchen nicht, Geschichtswerke zu sein oder Fakten aus dem Leben Jesu zusammenzutragen, sondern verstehen sich als Frohe Botschaft. Ihr Ziel ist, den Glauben an den auferstandenen Jesus Christus zu bezeugen. Den Evangelien sei zwar historisch zuverlässiges Material zu entnehmen, wichtiger aber sei es, die Glaubensbotschaft der Evangelien verständlich und lebendig zu machen.
- Nichttheologische Historiker verstehen die Bibel als ein literarisches Werk. Gattungsgeschichtlich gehören die Texte in die literarischen Kategorien des Mythos, der Sagen, Gleichnisse, Parabeln, Gedichte, Briefe und Geschichtsschreibung. Die Texte stellen eine wertvolle Quellensammlung für die Erforschung ihrer jeweiligen Entstehungszeit dar. Die Historizität der Erzählungen selbst wird als relativ gering eingeschätzt.
- Weniger weit verbreitet ist der Glaube, bei der Bibel handele es sich um ein magisches Buch, mit welchem wichtige Ereignisse in der Zukunft vorhergesehen werden könnten. Manche Menschen haben einige Zeit ihres Lebens damit verbracht den vermuteten Bibelcode zu entschlüsseln, um an die geheimen Botschaften zu gelangen. Bislang ist die Existenz eines solchen Codes nicht bewiesen.

Übersetzungen

Während die Orthodoxen Kirchen schon früh Bibeln in der Landessprache verwendeten, war für die katholische Kirche praktisch seit dem Altertum die lateinische Bibelübersetzung des Hieronymus, die so genannte Vulgata maßgebend, auch wenn immer wieder Bibeln in die Volkssprache übersetzt wurden. So übersetzte im 4. Jahrhundert bereits der gotische Bischof Wulfila die Bibel ins Gotische, und erstellte die nach ihm benannte Wulfilabibel. Wulfila war allerdings nicht katholisch. Auch die Vulgata selbst war ursprünglich eine Übersetzung in die Volkssprache, als sie entstand war Latein ja noch Umgangssprache. Die Wandlung des Lateinischen zu den romanischen Sprachen machte die westliche Bibel dann allerdings nicht mehr mit, und auch in den germanischen und keltischen Gebieten Westeuropas wurde die Bibel nur auf Lateinisch gelehrt. Im Spätmittelalter entstand eine Reihe von deutschen Bibelübersetzungen. Besonders die Reformatoren, aber auch schon einige ihrer Vorläufer (Petrus Waldes, John Wycliff) sahen den direkten Zugang zur Bibel in der Landessprache als wesentlich für den christlichen Glauben an. Durch die Übersetzung der Reformatoren Luther und Zwingli in den Jahren 1522-1534 wurde die Bibel zum ersten Mal einer größeren Leserschaft im deutschen Sprachraum zugänglich. Maßgeblichen Beitrag dazu leistete die Erfindung des Buchdrucks. Die Lutherbibel wurde Grundlage einerseits für die weite Verbreitung der Bibel in Deutschland, andererseits für ihre kritische Lektüre vor allem seit der Aufklärung und hatte auch eine große Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Schriftsprache. Gedruckt wurde sie in der Schwabacher Schrift. Heute gibt es eine gute Auswahl an Bibelübersetzungen in deutscher Sprache. Neben der klassischen (inzwischen mehrfach überarbeiteten) Lutherbibel sind erwähnenswert: die sehr wortgetreue Elberfelder Übersetzung, die ebenfalls recht wortgetreue und etwas besser lesbare Zürcher Bibel, die katholische (bzw. für die Psalmen und das Neue Testament katholisch-evangelische) Einheitsübersetzung, die eine verständliche Sprache und gute Brauchbarkeit für liturgische Zwecke aufweist, und die modernen Übersetzungen "Gute Nachricht" und "Hoffnung für Alle", die die alten Texte durch eine freiere Übersetzung in eine zeitgemäße und sehr gut verständliche Sprache übertragen haben. Eine Sonderrolle nimmt die Schlachter-Bibel ein, die Genauigkeit mit einer gut verständlichen Sprache vereint, teilweise aber eine sehr umstrittene Wortwahl bietet. Einzelheiten zu deutschen Bibelübersetzungen sind im Artikel Bibelübersetzung zu finden.

Die Rolle der Bibel im Islam

Auch für den Islam gelten die Bücher der Bibel als von Gott stammende, aber von den Menschen verfälschte Schriften. Da viele Erzählungen und Lehren des Tanach und des NT auch im Koran, der heiligen Schrift des Islam, enthalten sind, sind viele Muslime mit den wichtigsten Inhalten der Bibel vertraut. Die Zentralgestalten der Bibel, vor allem Abraham, Mose, Elia, Jesus sind auch für Muslime Propheten, die den Menschen Gottes Willen offenbaren. Sie sind für sie aber nur Vorläufer des letzten Propheten Mohammed, die bestätigen, dass er als einziger Gottes vollgültiges Wort erhalten habe. So deutet etwa Huseyn al-Dschisri 114 Stellen in der Bibel als Hinweise auf Mohammeds Prophetentum.

Verwendung im jüdischen und christlichen Gottesdienst

Verbreitung

Die hebräische Bibel ist, als Übersetzung im Alten Testament der christlichen Bibel, das meistgedruckte und am weitesten verbreitete Buch der Welt. Es existieren Gesamtübersetzungen in 392 Sprachen und Teilübersetzungen in weiteren 2377 Sprachen. Für die Verbreitung der Bibel setzen sich Bibelgesellschaften weltweit ein. In Deutschland sind dies insbesondere:
- Deutsche Bibelgesellschaft (evangelisch) http://www.dbg.de
- Katholisches Bibelwerk http://www.bibelwerk.de Unabhängig von den traditionellen Bibelgesellschaften engagiert sich die Organisation "Wycliff":
- Wycliff-Projekt http://www.wycliff.de/neu/index.php

Zitate

in der Bibel selbst


- "Denn die ganze Heilige Schrift ist von Gottes Geist eingegeben. Sie lehrt uns, die Wahrheit zu erkennen, unsere Schuld einzusehen, uns von Grund auf zu ändern und so zu leben, dass wir vor Gott bestehen können. Sein Wort zeigt uns, wie wir als veränderte Menschen fähig werden, in jeder Beziehung Gutes zu tun." Paulus in 2. Tim. 3,16-17 (Bibelübersetzung Hoffnung für Alle)
- "Das Wort Gottes ist lebendig, es ist eine wirkende Macht. Es ist schärfer als das schärfste beidseitig geschliffene Schwert. So wie ein Schwert tief einschneidet, die Gelenke durchtrennt und das Mark der Knochen freilegt, so dringt das Wort Gottes ins Innerste von Seele und Geist. Es deckt die geheimen Wünsche und Gedanken des Menschenherzens auf und hält über sie Gericht." (Hebr 4,12 Gute-Nachricht-Bibel; siehe jedoch Wort Gottes)
- "Das bekenne ich aber dir, daß ich nach diesem Wege, den sie eine Sekte heißen, diene also dem Gott meiner Väter, daß ich glaube allem, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten," (Apg 24,14 Lutherbibel)
- "Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?" Jesus in (Joh 3,12 Elberfelderübersetzung)

über die Bibel


- "Sie werden lachen: Die Bibel!" (Bertolt Brecht, deutscher Dramatiker und Lyriker (1898-1956) auf die journalistische Frage nach seiner Lieblingslektüre)
- "Was mich an der Bibel stört, sind nicht die Teile, die ich nicht verstehe, sondern diejenigen, die ich kapiere." (Mark Twain, US-amerikanischer Schriftsteller (1835-1910))
- "Das gefährlichste aller Bücher in weltgeschichtlicher Hinsicht, wenn durchaus einmal von Gefährlichkeit die Rede sein sollte, ist doch wohl unstreitig die Bibel, weil wohl kein anderes Buch so viel Gutes und Böses im Menschengeschlecht zur Entwicklung gebracht hat." (Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter, Naturwissenschaftler und Staatsmann, am 10.11.1810)
- "Die Bibel gleicht einem Acker, der nie abgeerntet werden kann und deshalb nie öde und leer daliegt. Sie gleicht einer Quelle die beständig fließt und um so reichlicher strömt, je mehr man daraus schöpft." (Ephräm der Syrer (306-373), syrischer Kirchenlehrer (Quelle: [http://dreifaltigkeit-altdorf.de/zitate_bibel.htm]))
- "Neben die Bibel gehalten sind alle menschlichen Bücher, auch die besten, doch nur wie Planeten, die alle ihr Licht und ihren Glanz von der Sonne empfangen." (Robert Boyle (1627-1691), britischer Chemiker und Physiker, Quelle: [http://www.die-bibel-lebt.de/ozitat.htm])
- "Ich glaube, dass die Bibel allein die Antwort auf all unsere Fragen ist und dass wir nur anhaltend und demütig zu fragen brauchen, um die Antwort von ihr zu bekommen." (Dietrich Bonhoeffer, evangelischer Theologe)
- "Ein Christ ohne die Bibel ist wie ein Flussbett ohne Wasser." (Ulrich Fick, Quelle: [http://www.die-bibel-lebt.de/ozitat.htm])
- "Die Heilige Schrift kann nie lügen oder irren. Ihre Aussprüche sind absolut und unverletzlich wahr. Sie selbst kann nie irren, nur ihre Ausleger können in verschiedener Weise irren, denn an vielen Stellen ist sie einer vom unmittelbaren Wortsinn verschiedenen Auslegung nicht bloß fähig, sondern auch bedürftig." (Galileo Galilei, Quelle: [http://www.die-bibel-lebt.de/ozitat.htm])
- "Die Aussage, bei der Bibel handele es sich um den Weltbestseller der Buchgeschichte, ist eine Untertreibung." (ZDF-Lieblingsbücher 2004 Quelle: [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,2189666,00.html])
- Mahatma Gandhi sagte einmal: "Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen, dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit so um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur ist - sonst weiter nichts."

Literatur


- Klaus Koch u.a. (Hrsg.): Reclams Bibellexikon. Siebte, überarbeitete und erweiterte Auflage 2004, ISBN 3150105552
- David Gooding: Die Bibel - Wahrheit oder Mythos? Bielefeld, Zweite Auflage 2001, ISBN 3893974687 [http://clv.dyndns.info/pdf/255468.pdf (PDF-Download)]
- John F. MacArthur: Basisinformationen zur Bibel. Bielefeld 2003, ISBN 3893976442 [http://clv.dyndns.info/pdf/255644.pdf (PDF-Download)]
- Annemarie Ohler: dtv-Atlas Bibel, ISBN 3423033266
- Hans-Peter Schmidt: Schicksal Gott Fiktion - Die Bibel als literarisches Meisterwerk. ISBN 3506713922 [http://www.schicksal-gott-fiktion.de (Homepage des Buches)]
- Volker Neuhaus: Schnellkurs Bibel. DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln, September 2005, ISBN 3832176357
- Kamal Salibi: Die Bibel kam aus dem Lande Asir. Reinbek (Hamburg) 1985. ISBN 3498061798

Siehe auch


- Portal:Bibel
- Liste der Bücher der Bibel
- Schreibung biblischer Namen
- Kanon des Alten Testaments
- Kanon des Neuen Testaments
- Textkritik des Neuen Testaments
- Bibelübersetzung
- Kinderbibel
- Apokryphen
- Bibeltelefon
- Biblische Einleitungswissenschaft
- Heilsgeschichte
- Maße und Gewichte in der Bibel
- Bibelkritik
- Gewalt in der Bibel
- The Sword Project, MyBible-Software
- Bibelstudium
- Typologie (Bibel)
- Bibelverfilmungen
- Bibel-Quiz
- Kreationismus (Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube)
- Interpolationstheorie (Religion)

Weblinks


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Inhaltsangaben


- [http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/bibel-inhaltsangabe.pdf Inhaltsangaben zu allen 66 Büchern der Heiligen Schrift] (Freikirchlich, hrsg. von G. Lorenz, PDF)

Sonstiges


- [http://www.dbg.de/ Deutsche Bibelgesellschaft]
- [http://www.bibelkommentare.de Bibelkommentare.de] Sammlung von Auslegungen und Kommentaren zur Bibel (freikirchlich)
- [http://www.die-bibel-lebt.de/ Wissenschaftliches und Spirituelles zur Bibel] (kath.)
- [http://www.ubf-dortmund.de/bibel/index.htm Bibel Online] - Umfangreiche Sammlung von deutschen Links zur Bibel (freikirchlich)
- [http://cgi.godsview.com/cgi-bin/rcdenig/pvseek.pl?search=&word= Bibelkonkordanz] (englisch, freikirchlich)
- [http://www.carlosmime.com/mybible Pantomimenprogramm zum Thema Bibel] (ökumenisch)
- [http://www.welt-der-bibel.de Portal für Bibelauslegung] (ökumenisch)
- [http://www.theologie-systematisch.de/erkenntnislehre/8schrift-tradition.htm Aktuelle Literatur zur Bibelauslegung] (Webseite katholisch, führt Literatur verschiedener Konfessionen auf)
- [http://www.bibelkritik.ch Kritische Analyse biblischer Texte] (Das Buch der Bücher im Licht von Wissenschaft, Vernunft und Moral)
- [http://www.bibel-literatur.de Forum für literarische Bibelinterpretation] (Die Bibel als Meisterwerk der Literatur)
- http://www.people.freenet.de/biblische_lehre : Wesentliche biblische Themen ! Kategorie:Christentum Kategorie:Heilige Schrift (Judentum) Kategorie:Literarisches Werk ja:聖書 ko:성서 simple:Bible zh-min-nan:Sèng-keng

Glauben

Etymologie

Das Wort „glauben“ ist die Übersetzung des griechischen „pisteuein“ mit vergleichbarem Wortsinn. Im Judentum dagegen wird meist die Vokabel „aman“ verwendet: Sich an etwas festmachen. Ursprünglich gemeint war also nicht das unbestimmte „ich weiß nicht“, sondern im Gegenteil: „ich verlasse mich auf, ich binde meine Existenz an“. Es geht also zentral nicht um einen Gegenpol zum Wissen, sondern um Vertrauen, Gehorsam und Lebensübergabe. (Vergleiche: Geloben.) Zur Etymologie des Wortes „Glauben“ sei verwiesen auf: [http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GG17590 Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971, Artikel: "Glauben"] Das lateinische Wort credere (vgl. Credo) ist direkt verwandt mit der altindischen Wurzel śraddhā- „glauben“ und stellt eine sehr alte (indogermanische) Verbalkomposition dar. Die Bestandteile bedeuten: „Herz“ und „setzen, stellen, legen“, zusammen also etwa: „sein Herz (auf etwas) setzen“. Glaube erklärt durch die hebräische Grammatik. Diese Vokabel „aman“ mit der Schreibung „Aleph-Mem-Nun“ wird nur in der Stammesmodifikation des „Hif'il“ (Aussprache „hä'ämin“) im Deutschen mit dem Wort „glauben“ übersetzt. Diese Stammesmodifikation drückt im allgemeinen einen kausativen Aspekt der Grundbedeutung aus. Die Grundbedeutung der Buchstabenfolge (Wurzel) „Aleph-Mem-Nun“, die auch im ursprünglich hebräischen Wort Amen erscheint, ist „fest“ oder „unerschütterlich“, die Bedeutung im Hifil ist also „jemanden fest sein lassen“ oder „jemanden sich als fest und unerschütterlich beweisen lassen“. Und dies ist genau der Glaube, den sowohl das alte als auch das neue Testament meint. Dem Glauben zugrunde liegt eine Anlage des Menschen, sich an etwas festzumachen, an einer Hoffnung, einem (Welt- oder Menschen- oder Gottes-)bild. Ohne diese Grundausrichtung wäre ein Mensch haltlos und nicht überlebensfähig. Unabhängig davon ist, woran speziell sich ein Mensch festmacht. Hier können rein innerweltliche Dinge (z. B. die eigene Kraft, das Volk/eine Gemeinschaft oder Beziehung, die Familie) das Objekt des Glaubens bieten oder auch Lebensstrategien, Weltprinzipien bis hin zum Glauben an über- oder außerweltliche Kräfte und Personen (Götter oder Gott). :... Glauben heißt angeblich nicht wissen, ... doch Wissen ist auch nicht mehr, als das zu glauben, was jemand weiß ... :Auch wer sich tief auf den Zweifel eingelassen und vielleicht sogar die Verzweiflung erfahren hat, findet sich schließlich, wenn er weiterlebt, derselben Welt gegenüber, die ihm als natürlichem Menschen gegeben war. Er wird nun an vielen Stellen Vorsicht und relativen Zweifel gelernt haben, vielleicht ist ihm der schwebende Charakter aller Erkenntnis deutlich geworden, die Möglichkeit, alles anzuzweifeln. Aber indem er lebt, läßt er die Welt gelten. ... Man kann dies kaum deutlicher sagen als Faust in dem Augenblick, in dem er aus der Verzweiflung zurückkehrt: „Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder.“ Die Träne ist das Wirkliche, das er schlicht gelten läßt, und mit ihr die Welt, denn weinen heißt leben. :Wer überhaupt aus der wirklichen Verzweiflung zurückkehrt, wird dabei wohl immer eine Erfahrung des Bereichs gemacht haben, den man den religiösen nennt. Die Möglichkeit des Weiterlebens wird für ihn meist mit dieser Erfahrung zusammenhängen. Sein weiteres Leben wird also ein Verhalten sein, das mit der Wirklichkeit, die sich ihm in dieser Erfahrung gezeigt hat, in der Weise des Glaubens rechnet, auch wenn diese Wirklichkeit sich nicht oder nicht mehr unmittelbar zeigt. Der religiöse Glaube, wo er echt ist, ist also in besonderer Weise nicht ein bloßes Fürwahrhalten, sondern eine Art des Lebens. Es ist aber nicht ein bloßes Geltenlassen eines sich ohnehin Zeigenden, sondern ein aktives ständiges Ansprechen oder Anrufen eines sich nicht ohne weiteres Zeigenden. Carl Friedrich von Weizsäcker, Zeit und Wissen

Bedeutungen im Alltagsgebrauch

Glauben als meinen bzw. für wahr halten

Glaube beschreibt im Alltagssprachgebrauch die im Rahmen von Unsicherheit festgestellte Erwartung bezüglich irgendwelcher Tatsachen oder Zusammenhänge. Etwa: „Ich glaube, dass morgen die Sonne scheinen wird“ oder „Ich glaube, es geht hier entlang und nicht dort.“ In solchem Glauben drückt sich die Meinung aus: „Vielleicht ist es wahr bzw. wird es wahr, vielleicht auch nicht.“ Dann bedeutet glauben „meinen, vermuten“. Der Glaube kann dabei sehr stark und gut begründet sein, zum Beispiel „Ich glaube daran, dass ich kein Gehirn in einem Glas bin und dass die Umwelt, die ich sehe, real ist.“ In aller Regel bedeutet glauben etwas für wahrhalten auf Grund eines glaubwürdigen Zeugen. In diesem Sinn ist der mit Abstand größte Teil unseres Wissens Glaubenswissen.

Glauben als Vertrauen

Glauben findet sich im alltäglichen Sprachgebrauch aber auch in einer ganz anderen Bedeutung als »meinen«, »vermuten«, beispielsweise in folgenden Sätzen: „Ich glaube dir.“, „Ich glaube an die Liebe zwischen uns.“, „Ich glaube an den Erfolg meines Engagements.“ Ein solches Glauben ist nicht so sehr ein Vermuten über Sachverhalte, sondern primär eine personale Beziehung, in der sich eine Person vom Geglaubten her bestimmen lässt. Und dann bedeutet dieses Glauben „vertrauen“. »Glaube« in diesem rein menschlichen Sinn bezeichnet den Bewusstseins-Akt des Vertrauens (Vertrauensglaube) mit dem dazugehörenden vertrauenden Handlungs-Akt (Tatglaube), dass das Geglaubte eine Möglichkeit ist, die Realität werden kann, oder eine noch nicht erfahrbare Realität ist, so dass so gehandelt wird, dass das Geglaubte Realität werden kann oder als ob das Geglaubte schon erfahrbare Realität sei, denn andernfalls wäre der Glaube nur ein Pseudo-Glaube bzw. das Vertrauen nur ein Pseudo-Vertrauen.

Bedeutungen im christlich-religiösen Gebrauch

Religiös christlich unterscheidet man drei Qualitäten des Glaubens:

(Credere deum:) Fürwahrhalten, dass Gott existiert

Dieses Glauben bedeutet die weltanschauliche Annahme, dass es ein höheres Wesen gibt. Dieses Glaubens-Vermuten wirkt sich nicht unbedingt auf das Handlungsbewusstseins des Glaubenden aus.

(Credere deo:) Fürwahrhalten der christlichen Glaubenslehren

Dieses Glauben bedeutet i. a. die sogenannte Sonntagsgläubigkeit, also bloße Lippenbekenntnisse über den christlichen Glauben, ein toter Glaube. Bei diesem Glauben ist nicht erfasst, dass es sich beim christlichen Glauben in erster Linie um ein neues Handlungsbewusstsein handelt, das sich in der Liebe zum Nächsten und zum Feind ausdrückt und ein bedingungsloses Verzeihen und eine grenzenlose Güte beinhaltet, die aus dem Verstehen und dem Sich-In-Gott-Geborgenwissen resultieren.

(Credere in deum:) So vom Geborgensein in Gott her leben, dass Liebe sich ereignet

Dieses Glauben beinhaltet ein neues Selbstverständnis (Handlungsbewusstsein, neues Menschsein), bei dem der Mensch nicht mehr aus Angst um sich selbst handelt, weil er sich absolut in Gott geborgen weiß. Dieser Glaube ist ein von der Liebe durchformter Glaube, also ein Glauben, das sich im Handeln als Liebe ausdrückt, ein lebendiger Glaube. Dieses neue Selbstverständnis beinhaltet eine Abkehr vom personalen Gottesbild und letztlich auch die Verwirklichung eines neuen Bewusstseins, dass nicht auf Trennung (von Gott, der Natur, den Menschen, usw.) basiert. Damit kann man den christlichen Glauben so definieren: »Glaube« im christlichen Sinn bezeichnet das Be­wusstsein, sich so wie Jesus absolut in Gott geborgen zu wissen (mit dem Römerbrief 8. 38 ausgedrückt: weder Tod noch Leben kann uns scheiden von der Liebe Gottes), so dass man nicht mehr aus Angst um sich selbst handeln muss und in Liebe und Gelassenheit leben kann.

Definition "Glauben, christlich"

Glaube=Geloben=Verloben Glaube ist eine Beziehung zwischen Mensch und Gott. Jesus hat durch sein Menschwerden-Leiden und Sterben das menschliche Leiden erfahren und kann sie dadurch verstehen. (Jesu Beziehung zum Vater war vollkommen, vgl. Joh 17, 21: Ich und der Vater sind eins.) Seine Auferstehung und Himmelfahrt bedeutet für einen Christen, dass er selbst teil hat an der Auferstehung. Darum ist es wichtig, mit Gott zu reden und eine innige Beziehung zu haben. Denn Christen sind Gottes Kinder und Gottes Hausgenossen, vgl. Eph. 2. Aus einem Verwandschaftsverhältniss gibt es kein Aussteigen.

Theologische Ausfaltung des christlichen Gläubigseins

Der christliche Glaube besteht nicht aus einer Ansammlung unterschiedlicher einzelner Glaubensinhalte, die nicht weiter zu vereinheitlichen (zu reduzieren) wären, sondern die Glaubensinhalte des christlichen Glaubens (formuliert etwa im frühkirchlichen sogenannten Apostolischen Glaubensbekenntnis als einer Zusammenstellung von biblischen Aussagen) sind eine Ausfaltung der recht einfachen Lehre Jesu, wie sie in den Evangelien weitergegeben wurde. Die Lehre Jesu lässt sich so zusammenfassen:
- Glaubt, dass ihr absolut in Gott geborgen seid. Die letzten Wirklichkeiten über unser Leben sind nicht Tod, Schuld und Ungerechtigkeit sondern die Erlösung davon; bildlich ausgedrückt: tiefer als in die Hand Gottes kann man nicht fallen;
- glaubt, dass das Reich Gottes möglich (bzw. nahe) ist und handelt dementsprechend, und
- ihr müsst euer Tun vor euch verantworten, was bedeutet, dass ihr von anderen und vor allem von mir (Jesus) gefragt werdet, wie ihr denn euer Handeln rechtfertigen wollt, und dem könnt ihr nicht ausweichen. Deswegen lässt sich der Begriff Glaube so definieren: »Glaube« im christlichen Sinn bezeichnet das Bewusstsein, sich so wie Jesus absolut in Gott geborgen zu wissen, so dass man nicht mehr aus Angst um sich selbst handeln muss und in Liebe und Gelassenheit leben kann. Siehe hierzu auch Artikel „Angst“ Dieser Glaube stellt sich theologisch dreifach dar als Glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Denn es geht im christlichen Glauben darum, sich absolut in Gott geborgen zu wissen (Glaube an den Vater), was bedeutet, dass man glaubt, dass Gott einen in sich so aufgenommen hat (in sich hineingeschaffen hat), dass weder Tod noch irgendeine Schuld, einen von der Gemeinschaft mit Gott trennen kann. Sodann geht es darum, sich genau so wie Jesus in Gott geborgen zu wissen, so dass man auch wie Jesus erfüllt sein könnte vom Heiligen Geist. „An den Heiligen Geist glauben“ bedeutet also, sich so wie Jesus in Gott geborgen zu wissen, um so liebend und befreiend wie Jesus handeln zu können. „An Jesus als den (eingeborenen) Sohn glauben“ bedeutet, zu wissen, wem man diesen Glauben verdankt, weil Jesus diesen Glauben unüberbietbar vorgelebt hat. (Näheres unter den Links Dreifaltigkeit, Menschwerdung Gottes und Präexistenz des Sohnes) Im Glaubensbekenntnis wird die Gottessohnschaft Jesu noch durch die Sätze „empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“ ergänzt. Hierzu Näheres unter dem Link Jungfrauengeburt Jesu. Auch wird die Gottessohnschaft Jesu durch einen anderen Glaubenstitel flankiert: Glaube an Jesus Christus. Der Glaube an die Auferstehung Jesu ist identisch mit dem Glauben an die Lehren Jesu, denn auch von Jesus wird geglaubt, dass er völlig in Gott geborgen ist, was eben sein ewiges Leben beinhaltet. Der Glaubensartikel „aufgefahren in den Himmel“ ist ein anderes Bild für das Bildwort „Auferstehung“, das eben den theologischen Sachverhalt ausdrückt, dass Jesus absolut in Gott geborgen ist. (Näheres hierzu unter dem Link Himmelfahrt Jesu.) Der Glaubensartikel „dass Jesus richtet“ meint, dass vor einem selbst und somit vor Gott und den Menschen das Handeln verantwortet werden muss, dass also Menschen nicht auf ewig ihrem Tun ausweichen und ihr Handeln verdrängen können. Die Glaubensartikel „Vergebung der Sünden“, „Auferstehung der Toten“ und „ewiges Leben“ sind eine Entfaltung des Glaubens, absolut in Gott geborgen zu sein (Glaube an den Vater). Der Glaube, dass die Kirche heilig und allgemein (katholisch) ist, ist eine Entfaltung der Lehre Jesu, dass jeder glauben könne und solle, so dass eine Gemeinschaft von Heiligen entsteht, die allgemein möglich ist und es auch gibt, wie verborgen auch immer. Der Glaubensartikel „Gemeinschaft der Heiligen“ spezifiziert, dass man die Kirche als heilig und allgemein glaubt. Die christlichen Glaubensinhalte sind, wie eben gezeigt, eine Ausfaltung des einfachen Glaubens Jesu, in Gott absolut geborgen zu sein, hin auf verschiedene Lebensaspekte und Wirklichkeitsdimensionen. Dabei lässt sich dieser Glaube dreifach darstellen als Glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Das sind aber keine drei verschiedenen Gründe bzw. Wurzeln des Glaubens, sondern ein Grund, der sich dreifach darstellen lässt: ein sich dreifach darstellender Grund, eine sich dreifach darstellende Wurzel als der Glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Bedeutung in der Philosophie

Im philosophischen und speziell erkenntnistheoretischen Sinn bedeutet Glauben ein Fürwahrhalten. Dieses Fürwahrhalten bedarf nicht zwingend objektiver Begründung und kann ganz subjektiv sein.

Glaube und Vernunft

Unter dem Titel „Glaube und Vernunft“ wird in Theologie und Philosophie die Frage behandelt, ob und wie man den Glauben vernünftig rechtfertigen kann. Die Frage ist, ob es vernünftige Gründe gibt, an Gott zu glauben, oder ob die vorgebrachten Gründe doch nicht so stichhaltig sind, dass man sie vernünftig nennen könnte. Das Thema „Glaube und Vernunft“ ist also ein philosophisches Thema, das dementsprechend in der philosophischen Teildisziplin Natürliche Theologie, jedoch auch in der Theologie verhandelt wird, und zwar im Fach „Fundamentaltheologie#Glaube und Vernunft“. Ein wichtiges Kennzeichen für vernünftige Aussagen ist, dass sie von jedem prinzipiell akzeptiert werden können, denn Vernunft besagt in erster Linie Allgemeingültigkeit und die Bereitschaft, das bessere Argument gelten zu lassen. Vernunft ist also möglich, aber aufgrund von Missverständnissen, Wissensmangel oder emotional verursachten Einengungen dann doch oft nicht herstellbar und erreichbar. Wichtig für den Vernunft-Begriff ist auch zu wissen, dass „Vernunft“ nicht mit „Wahrheit“ gleichgesetzt werden darf. Denn vernünftige Aussagen müssen noch längst nicht wahr sein, sie können wahr sein, sie können aber auch falsch sein. Beispiel: Die Aussage „Die Welt hört auf zu existieren, wenn die durch den Urknall ausgelöste Fluchtbewegung der Galaxien durch die Gravitation der Galaxien zum Stehen kommt und sich alles wieder so weit zusammenzieht, wie es kurz nach dem Urknall war“ ist vernünftig, denn sie ist eine theoretische Annahme auf dem Hintergrund bestimmter physikalischer Beobachtungen. Aber diese Aussage ist nicht wahr zu nennen, da es sich auch anders verhalten könnte: Unser Universum könnte sich immer weiter ausdehnen, wenn die Explosionskraft des Urknalls die Gravitationskräfte der Galaxien bei weitem überstiege. Bis heute können die Physiker keine Beobachtung nennen, die die eine Theorie widerlegte und die andere als theoretisch besser einstufte. Aber als wahr könnte dann auch diese Aussage noch nicht gelten, weil keiner wissen kann, ob nicht irgendwann eine Beobachtung gemacht werden wird, die auch diese Aussage widerlegte und zu ganz anderen Annahmen über das Ende der Welt zwänge. Denn es könnte sein, dass ein punktähnliches Ende unseres zusammengezogenen Universums als reines Energiefeld ohne materielle Strukturen nur der Anfang ist eines sich wieder ausdehnenden Universums. Aber vielleicht ist es auch so, dass die Schwarzen Löcher in den Galaxien alles in sich hineinziehen, so dass nur noch Schwarze Löcher übrig blieben. In der Theologie und mehr noch der Philosophie wurden gute Argumente vorgebracht, Gott zu beweisen, trotzdem gelten die Gottesbeweise als umstritten. Viele Theologen halten den Glauben dadurch für vernünftig begründet, dass sie zeigen können, wie der Glaube sehr gut zu einem moralischen krisen- und konfliktlösenden Handeln befähigen kann. Solche Glaubensbegründungen nennt man „postulatorische Glaubensbegründungen“. Zu ihrem wissenschaftsmethodologischen Mangel ebendort. Wichtig für Christen im Hinblick auf das Thema „Glaube und Vernunft“ ist zu wissen, dass
Jesus es für das Christsein nicht vorschrieb, dass jeder kompetent Auskunft geben könne über das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Jesus war kein Theologe im herkömmlichen Sinne, weil er keiner sein wollte. Jesus hielt folgendes jedoch für völlig unverzichtbar für das Christsein: kleide Nackte, besuche Gefangene, gib Hungrigen zu essen, richte keinen, sondern verzeihe vielmehr jedem alles so weit du nur kannst. Andererseits heißt es bei Paulus ganz eindeutig, dass Christen bereit sein sollen, Rechenschaft über ihre (begründete) Hoffnung bzw. ihren Glauben abzulegen. Lange Zeit nahm man an, dass gerechtfertigter wahrer Glaube Wissen sei (GWG-Behauptung). Gettier gab dazu Gegenbeispiele an, die zeigten, dass zum Wissen gerechtfertigter wahrer Glaube nicht ausreicht (Gettier-Problem).

Glaube und Aberglaube

Der Begriff Aberglaube wird meist abwertend für einen Glaubenssatz oder ein Glaubensgebilde gebraucht, das - dem eigenen gegenübergestellt - als irrational, unvernünftig, nutzlos (manchmal auch unmenschlich), und deswegen als unterlegen betrachtet wird.

Implikationen des Glaubens

Kurz gesagt hat der Begriff Glaube nicht nur im religiösen Sinne 3 Eigenschaften: 1. etwas für richtig und wahr halten Carl Friedrich von Weizsäcker meint dazu in „Zeit und Wissen“: :
Glaube ist kein intellektueller Akt, sondern eine Weise zu leben. An etwas glauben heißt, sich in jeder Lage so zu verhalten, wie man sich verhalten muß, wenn es das, woran man glaubt, wirklich gibt. Das Fürwahrhalten ist nur die der Reflexion zugängliche intellektuelle Spitze des glaubenden Verhaltens. Um es in einem Gleichnis auszudrücken: Der Fußballspieler muß den Ball ab und zu einem anderen Spieler seiner Mannschaft zuspielen. Das ist nur sinnvoll, wenn er damit rechnen kann, daß der Partner den Ball übernimmt und gegebenenfalls zurückspielt. Gewißheit hierfür gibt es nicht, denn der andere könnte durch den Gegner gehindert sein oder den Ball verfehlen. Trotzdem muß man ihm zuspielen. Dies mit dem Gegenüber trotz der Ungewißheit rechnende Zuspielen und Zurückerwarten des Balls ist Glauben... :Es wäre wiederum ein aus der Reflexion stammendes Mißverständnis, wenn man versuchen wollte, nun einen „berechtigten Glaubensinhalt“ zu formulieren. Könnte man die „Berechtigung“ eines Glaubensinhaltes erweisen, so würde man wohl besser von Wissen reden. 2. etwas für wertvoll halten :Ich habe versucht, einige Weisen des Glaubens zu beschreiben. Ich habe nicht versucht, über ihren Wert zu argumentieren, denn das kann man nur, indem man selbst glaubt, also nicht von einem Ort jenseits der in jedem bewußten Glauben liegenden Entscheidung. (C.F. von Weizsäcker, Zeit und Wissen) 3. sich jemandem oder einer Lehre anvertrauen Aber: Buddha lehrte: Wenn Deine Einsicht meiner Lehre widerspricht, musst du Deiner Einsicht folgen. Jesus Christus sprach: Wer Gottes Willen tut, wird erfahren, ob meine Lehre von Gott ist (Joh. 7,17)

Zitate


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Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Kor. 13,13 zitiert nach der Lutherbibel 1984. Auf diesem Text basieren verschiedene kirchliche Kunstwerke.)
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Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebräer 11,1 zitiert nach der Bibelübersetzung Martin Luthers, überarbeitet 1984)
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Glaube denen, die die Wahrheit suchen und zweifle an denen, die sie gefunden haben. André Gide
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Wo Glaube ist, ist Hoffnung, und wo Hoffnung ist, geschehen Wunder. (Werbespruch für eine Gesichtscreme gegen Falten)
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Zu Glauben ist schwierig. Nichts zu glauben ist aber unmöglich! (Victor Hugo)
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Der Glaube kann Berge versetzen. (Alte Volksweisheit-biblisches Wort Christi)

Literatur


- Tom Bisset:
Warum? jemand nicht mehr glauben kann, Bielefeld, 2005 (ISBN 3-89397-971-9) ([http://clv.dyndns.info/pdf/255971.pdf PDF-Download])
- Arthur Ernest Wilder-Smith:
Wer denkt, muss glauben, Bielefeld (ISBN 3-89397-798-8)
- Carl Friedrich von Weizsäcker:
Zeit und Wissen, München 1992 (ISBN 3-446-16367-0)

Siehe auch


- Portal:Religion, Portal:Bibel
- Bibelstudium
- Atheismus, Bigotterie, Scheinheiligkeit
- Religionsphilosophie

Weblinks


- [http://www.luckysoul.de Religion, Glauben und Lebenswege - sehr umfangreiche und neutrale Informationsseite]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20746/1.html Warum der Mensch glaubt (Telepolisartikel)]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21126/1.html Sind religiöse Gesellschaften "besser"?] Kategorie:Theologie Kategorie:Religion Kategorie:Esoterik


Christentum

Buchstaben Alpha und Omega ]] Das Christentum (auch Christenheit genannt) ist mit etwa 2,0 Milliarden Anhängern vor dem Islam (ca. 1,2 Milliarden) und dem Hinduismus (ca. 900 Millionen) die größte Religion der Erde und eine der fünf Weltreligionen. Der Begriff Christentum (v. griech. christianismós) wird erstmals in einem Brief des syrischen Bischofs Ignatius von Antiochia erwähnt. Die Anhänger des Christentums nennen sich selbst Christen, nach Jesus Christus. Die Apostelgeschichte erzählt, dass die Nachfolger Christi den Namen Christen zuerst von den Ungläubigen der syrischen Stadt Antiochia erhielten, in welche sie nach den ersten Verfolgungen in Palästina geflohen waren. Das Christentum ist eine monotheistische, gestiftete und missionierende Religion. Ihre Wurzeln liegen im Judentum des zweiten Tempels, in Palästina, zur Zeit der römischen Herrschaft vor circa 2.000 Jahren. Das Christentum geht zurück auf die Anhänger eines jüdischen Wanderpredigers namens Jesus von Nazaret. Jesus wird von den Christen als der Christus (der Gesalbte), also der jüdische Messias, verehrt sowie als der Mensch gewordene Sohn Gottes. Der Kern der christlichen Religion rührt nach ihrem Selbstverständnis aus einer Zuwendung Gottes an den Menschen. In dieser Zuwendung, bei der sich Gott offenbart bzw. sich selbst erschließt, wird die Beziehung Mensch-Welt-Gott geklärt. Wie alle Religionen mit Exklusivitätsanspruch versteht sich das Christentum selbst entweder als der alleinige Ort, an dem sich Gott den Menschen zugewandt hat oder zumindest als der Ort, an dem er dies in angemessenster, geklärtester und unüberholbarer Weise getan hat. Nach der ersten Position werden alle anderen Religionen als unzulässige und unmögliche Versuche des Menschen angesehen, mit seinen Anstrengungen und „Werken“ Gott, oder das, was er dafür hält, zu gefallen und sich ihm zu nahen; die andere sieht diese Versuche als unzureichend geklärte an. Diese Klärung, die in Gottes Offenbarung geschieht, ist jedoch für beide dieser Positionen ein Geschenk (Gnade) Gottes, kein aktives Tun des Menschen. Mehrheitlich herrscht im Christentum der Glaube vor, dass Gott sich in Jesus Christus der sündigen Menschheit zugewandt hat. Der Tod Jesu Christi am Kreuz wird dabei als dienende Erlösertat Gottes angesehen. In Jesus sei somit die Schuld und Sünde der gesamten Menschheit aufgehoben. Als Initialzündung des christlichen Glaubens gilt die Erschließung dieser Gewissheit an Ostern, dem dritten Tag nach Jesu Kreuzigung, an dem Gott an Jesus die Auferstehung bzw. Auferweckung als erstem von allen Menschen gewirkt und somit die Botschaft dieses Jesus von Nazareth bestätigt haben soll. Durch diesen Oster- bzw. Auferstehungsglauben entstand die christliche Gemeinschaft („Kirche“). Ein weiteres Kennzeichen des Christentums ist das Bekennen von Jesus von Nazareth als „Christus“, „Sohn Gottes“ etc. (Hoheitstitel). Diesen Glauben versuchte man, zusammen mit der Erinnerung an Jesus von Nazareth als dem Initiator der Gemeinschaft und dem Glauben an Jesus Christus, als dem Verkünder der Botschaft Gottes, im historisch gewachsenen und in mehreren Konsensbewegungen festgelegten neutestamentlichen Kanon authentisch festzuhalten und zu bewahren (Weiterführendes siehe „Christliche Lehre“). „Christliche Lehre“

Verbreitung

„Christliche Lehre“ Die christliche Religion, alle Glaubensrichtungen zusammengenommen, ist die zahlenmäßig bedeutendste Weltreligion; es wird geschätzt, dass ungefähr ein Drittel aller Menschen auf der Welt einer der christlichen Kirchen angehören. Diese Zahlen beruhen jedoch nur auf Schätzungen, da die Definitionen, wer als Christ mitzuzählen sei und wer nicht, auseinandergehen. Die meisten staatlichen Statistiken werden auf Selbstbezeichnungen der einzelnen Staatsbürger oder Hochrechnungen zurückzuführen sein, manchmal auch auf amtliche Listen. Inwieweit andere Christen aufgrund dieser Merkmale in den dort gezählten Personen Christen sehen, kann auf statistischer Basis nicht geschätzt werden, da es meistens auf sehr individuelle Geisteshaltungen geprägt wird. In vielen Ländern der Erde werden Christen auch heute verfolgt, so dass von dort auch nur sehr ungewisse Zahlen vorliegen.

Christentum weltweit in Zahlen (2000)

Bevölkerungszahlen der UNO von 1998. Zahlen über Religionszugehörigkeit aus Gebet für die Welt, Ausgabe 2003 (siehe unten). Die Daten stammen aus den Jahren 1998-2000. Die Wachstumsraten betreffen das durchschnittliche Wachstum von 1995-2000, beruhen jedoch zum Teil auf einem Wechsel der Datenbasis.

Zusammenhalt, Organisation und Richtungen


- Chronologie der christlichen Kirchen, Konfessionen und Sondergruppen
- Liste der christlichen Konfessionen
- Ekklesiologie Die gesamte Christenheit wird als „die Kirche“ angesehen, als Leib Christi mit Christus als Kirchenoberhaupt und jeder einzelne Christ stellt ein Glied dieses mystischen Leibes dar. Manche christlichen Theologen unterscheiden zwischen der „unsichtbaren Kirche“, die alle gläubigen Christen aller Konfessionen umfasst, und der oder den sichtbaren Kirchen, deren Mitglieder mehr oder weniger gläubig sein können. Alle christlichen Kirchen und Gemeinden fühlen sich dem Leib Christi zugehörig. Die Meinungen darüber, wer außer der spezifischen Kirche auch noch dem Leib Christi zugehört, sind jedoch sehr unterschiedlich: das Spektrum geht von „alle getauften Mitglieder aller christlichen Kirchen“ über „wir wissen es nicht“ bis zu „nur wer so wie wir glaubt und in unserer Gemeinschaft getauft ist“. Viele Kirchen sind in einer mehr oder weniger lockeren Gemeinschaft mit anderen Kirchen, die in beiderseits anerkannten Lehren begründet ist, ohne deshalb ihre spezifischen Lehren und Bräuche aufzugeben. Beispiele für solche Gemeinschaften sind der Ökumenische Rat der Kirchen, die Evangelische Allianz, die Leuenberger Konkordie. Daneben gibt es auch Kirchengemeinschaften, die die vollständige gegenseitige Anerkennung von Sakramenten, Kirchenmitgliedschaft und Ämtern beinhalten. Beispiele für solche Kirchengemeinschaften sind die anglikanische Kommunion oder die östlich-orthodoxen Kirche oder die evangelischen Unierten Kirchen. Innerhalb des Christentums entstanden bald mehrere Gruppierungen bzw. Strömungen, manchmal durch politische Motive oder geografische Gegebenheiten, aber auch durch abweichende Lehrmeinungen. Grob lassen sich diese Richtungen nach ihren Merkmalen in Konfessionen einteilen. Zu einer Konfession gehören eine oder mehrere Kirchen oder Gemeinden. Der einzelne Christ ist Mitglied einer bestimmten Kirche oder Gemeinde. Neben den Konfessionen gibt es heute auch konfessionsübergreifende theologische Richtungen, beispielsweise liberal, evangelikal, oder charismatisch.

Historische Entwicklung

In der antiken Welt gab es fünf christliche Patriarchate, denen jeweils die lokalen Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe unterstellt waren: