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Geschichte der Niederlande Vorgeschichte
Das Gebiet der heutigen Niederlande, das niedere Land, der westlichste Teil der norddeutschen Tiefebene, ist schon seit der Eiszeit bewohnt. Die bekanntesten Überreste beziehungsweise Funde aus dieser frühen Zeit sind die hunebedden (hochdeutsch für Hünenbetten beziehungsweise Hünengräber), große Grabmonumente aus Stein aus der Jungsteinzeit, in der Provinz Drenthe.
Römische Zeit
Im ersten Jahrhundert vor Christus fielen die Römer in das niedere Land ein (Raum der südlichen Niederlande), nahmen es in Besitz und gründeteten hier die ersten Städte (unter anderem Utrecht, Nimwegen und Maastricht); das Gebiet wurde Teil der römischen Provinz Germania Inferior.
Der Rhein bildete die natürliche Grenze zum übrigen Germanien. Der nördliche Raum der heutigen Niederlande, das Land der Friesen, blieb daher außerhalb des römischen Reichsgebietes.
Ab etwa 290 n. Chr. drangen die germanischen Franken aus dem Südosten kommend in das Gebiet südlich des Rheins ein, insbesondere in das Scheldegebiet. Nach mehreren vergeblichen Versuchen sie wieder zu vertreiben, gestand ihnen Julianus, der spätere Kaiser Julian Apostata, schließlich 355 das Gebiet südlich des Rheins zu (der niederfränkische Raum der heutigen Niederlande, Flandern und der Bundesrepublik) unter der Voraussetzung, sich mit ihm in einer Förderation (Foederati) zu verbünden.
Die Franken
Nach dem Untergang des Römischen Reiches folgte eine Periode voller Unruhen. Die Friesen lebten an der Küste, die Sachsen im Osten und die Franken im Süden.
486 n. Chr. besiegten die Franken ihre römischen Nachbarn unter Syagrius und dehnten unter Chlodwig ihr Reich nach Süden bis zur Loire aus. Das Hauptgebiet des Frankenreichs lag im heutigen Belgien und in Nordfrankreich; die spätere Hauptpfalz (Hauptstadt) war Aachen. Danach, um etwa 700, unterwarfen die Franken auch ihre friesischen Nachbarn und fingen an sie zu christianisieren. In der Zeit um 800 besiegte Kaiser Karl der Große die germanischen Sachsen (im Nordosten der heutigen Niederlande und im Nordwesten der heutigen Bundesrepublik), ließ ihre heidnischen Heiligtümer zerstören, ließ ihre Anführer ermorden und zwang sie so zum Christentum.
Heiliges Römisches Reich (Römisch-Deutsches Kaiserreich)
Das fränkische Reich wurde nach dem Tod Ludwig des Frommen, des Sohnes Karls des Großen, unter seinen Söhnen geteilt. Im Vertrag von Verdun 843 erhielt Lothar I. das Mittelreich. Nach der Prümer Teilung des Mittelreiches 855 unter Lothar II., 870 im Vertrag von Meerssen und 880 im Vertrag von Ribemont kam das Hztm. Lotharingien zum östlichen Teil des Frankenreiches, dem späteren Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (HRR). (s. auch Straßburger Eide).
Das östliche Frankenreich, das Land der teutonica Lingua (Land der teutschen Sprache), blieb allerdings keine politische Einheit. Örtliche Vasallen, Herrscher von Grafschaften und Herzogtümer, verstärkten ihre Machtstellungen gegenüber dem Kaiser. Das Gebiet der heutigen Niederlande war auf verschiedene adlige Besitztümer verteilt, dem Grafen von Holland, dem Herzog von Geldern und dem Herzog von Brabant, sowie dem Bischof von Utrecht. In Friesland und Groningen im Norden regierte dagegen der niedere Adel.
Der größte Teil der heutigen Niederlande und Belgiens wurden unter dem Herzog von Burgund vereinigt. Dies waren die niederen Lande des Hauses Burgund (Siehe Burgundische Niederlande). Auf dem Höhepunkt der Hausmacht erstreckte sich das Herzogtum von der Schweiz bis nach Holland und spielte eine wichtige Rolle im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich, da es an Frankreich grenzte.
Nachdem mit Hilfe von Johanna von Orléans die Engländer aus Frankreich vertrieben worden waren und der letzte Herzog Karl der Kühne auf dem Schlachtfeld am 5. Januar 1477 bei Nancy von den Franzosen getötet worden war, verlor seine Tochter Maria das Kerngebiet Burgund an Frankreich. Es blieben ihr die niederen Lande, die sie zusammen mit ihrem Gatten Maximilian von Habsburg von Brüssel aus regierte. Die wichtigste Stadt in den niederen Landen im 14. Jahrhundert war Dordrecht.
Kampf um die Unabhängigkeit und das Goldene Zeitalter
Im späten 15. Jahrhundert kam das Gebiet durch Erbschaft in den Besitz der Habsburger Dynastie unter Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Das Zeitalter der durch Martin Luther hervorgebrachten Reformation war angebrochen und auch in den niederen Landen konvertierten Teile der Bevölkerung zum Protestantismus. Karl V. und sein Sohn und Nachfolger Philipp II. von Spanien, beide strenggläubige Katholiken, ließen die Protestanten verfolgen und versuchten sie zum Katholizismus zurückzubringen. Seine Bemühungen, eine zentrale Verwaltung einzuführen und einheitliche Steuern und Gesetze zu erlassen, führten schließlich zum Aufstand der Provinzen. Sieben niederländische Provinzen schlossen sich 1579 zur Utrechter Union zusammen und gründeten die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande. Wilhelm von Oranien, eigentlich Statthalter des Königs, übernahm die Führung der Aufständischen im sogenannten Achtzigjährigen Krieg (1568-1648). Am 15. Mai 1648 kam es zur eigentlichen Geburtsstunde und damit Unabhängigkeit der Vereinigten Provinzen der Niederlande durch den Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück.
Während des achtzigjährigen Krieges begannen die Niederlande auch mit einem groß angelegten Überseehandel – sie jagten Wale nahe Svalbard, betrieben Gewürzhandel mit Indien und Indonesien, gründeten Kolonien in Brasilien, Nordamerika (Nieuw Nederland), Südafrika und in der Karibik (vergleiche auch Die große Tulpenmanie). Der Reichtum, den sie aus diesem Handel anhäuften, führte im 17. Jahrhundert zum sogenannten Goldenen Zeitalter (de gouden eeuw) der Niederlande. Die Republik wurde von einem Patriziat aus wohlhabenden Bürgern (Regenten) regiert und nicht von einem König oder Edelleuten. Im Prinzip hatte jede Stadt und jede Provinz ihre eigene Regierung und eigene Gesetze. Die Städte und Distrikte waren ziemlich unabhängig, obwohl ein Teil des Landes, der zur Republik gehörte, unter einer Zentralgewalt stand, wie Brabant und Limburg.
Mit der Unabhängigkeit der Niederlande ging eine Abnahme des Reichtums der Niederländer einher. 1650 starb der Statthalter Wilhelm II. von Oranien und hinterließ die Nation ohne einen mächtigen Herrscher. Im folgenden Jahr verhängte England die Navigationsakte von 1651, die vielen niederländischen Handelsinteressen schadete. Der Kampf um die Akte endete im Ersten Englisch-Niederländischen Krieg, der von 1652 bis 1654 dauerte und im Frieden von Westminster endete, worin die Navigationsakte anerkannt werden musste.
1665 erklärten die Engländer den Niederländern wieder den Krieg. Der Zweite Englisch-Niederländische Krieg begann. Aber auch schon vorher hatten sie niederländische Siedlungen in Nieuw Nederland angegriffen. Mit Unterstützung der Franzosen (die in der Zwischenzeit in die Spanischen Niederlande – heute Belgien – einmarschiert waren) bekamen die Niederländer die Überhand. Engländer und Niederländer unterzeichneten 1667 einen Friedensvertrag, den Friede von Breda, nachdem der niederländische Admiral Michiel de Ruyter einen großen Teil der englischen Flotte auf der Themse zerstört hatte. Es wurde vereinbart, dass die Engländer die niederländischen Besitzungen in Nordamerika (das Gebiet um das heutige New York City) behalten durften, während die Niederländer Suriname von den Engländern erhielten. Auch die Navigationsakte wurde zu Gunsten der Niederlande modifiziert.
1672 ist in den Niederlanden als das Rampjaar, Jahr des Desasters, bekannt. England erklärte der Republik den Krieg (Dritter Englisch-Niederländischer Krieg, gefolgt von Frankreich, Münster und Köln, die alle eine Allianz gegen die Niederlande bildeten. Frankreich, Köln und Münster marschierten in die Republik ein, während die Landung der Engländer an der Küste nur knapp verhindert werden konnte. In der Zwischenzeit wurde Wilhelm III. zum Statthalter ernannt. Zwei bekannte Politiker in der statthalterfreien Zeit, Johan und Cornelis de Witt wurden später brutal in Den Haag ermordet. Mit der Hilfe anderer deutscher Staaten konnten die Niederländer die Invasoren zurücktreiben, worauf mit Köln und Münster 1674 Friede geschlossen wurde, nachdem England im Zweiten Frieden von Westminster ebenfalls in den Friedensschluss einwilligte.
1678 wurde auch Frieden mit Frankreich geschlossen, obgleich die spanischen und deutschen Verbündeten sich durch den in Nimwegen unterzeichneten Frieden betrogen fühlten. Als der englische König Jakob II. entthront worden war, wurde 1689 Wilhelm III. der Thron von England angeboten, der diesen annahm.
Zwischen 1714 und 1795 gehörte das Gebiet, welches in etwa dem des heutigen Belgiens und Luxemburg entspricht, zur Habsburger-Monarchie, und trug den Namen „Österreichische Niederlande“.
Französische Herrschaft
Ende des 18. Jahrhundert wuchs die Unruhe in den Niederlanden. Zwischen den Oraniern, die Wilhelm V. von Oranien mehr Macht verleihen wollten, und den Patrioten, die unter dem Einfluss der Amerikanischen und Französischen Revolution eine demokratischere Regierung forderten, entstanden Kämpfe. Die Niederlande waren das erste Land, welches die Vereinigten Staaten von Amerika anerkannte. Großbritannien erklärte den Krieg, bevor das Land sich der Gruppe der Neutralen anschließen konnte, die sich gegenseitige Unterstützung schworen. Der Vierte Englisch-Niederländische Krieg (1780-1784) war wieder ein Desaster für die Niederlande, besonders ökonomisch. 1785 entfachte eine demokratische ('patriotische') Revolte, aber das Haus von Oranien holten ihre preußischen Verwandten zu Hilfe, um die Revolte niederzuschlagen. Viele Patrioten flohen aus dem Land nach Frankreich.
Nach der Französischen Revolution marschierte die französische Armee in die Niederlande ein und verhalf der Batavischen Republik (1795-1806) zu ihrem kurzen Dasein. Der französische Einfluss war stark, und nachdem Napoleon an die Macht gekommen war, vereinigte er die Niederlande und einen kleinen Teil Deutschlands unter dem Königreich Holland, welches er von seinem Bruder Ludwig Bonaparte als König (Konijn van Olland) regieren ließ. Auch dieses Königreich währte nicht lange, da Napoleon bemängelte, dass sein Bruder die niederländischen Interessen vor die französischen stellte, woraufhin er die Niederlande 1810 dem französischen Reich einverleibte.
Das Haus Oranien schloss im Jahre 1796 einen Vertrag mit Großbritannien, in dem es diesem seine Kolonien in 'Sicherheitsverwahrung' überantwortete und den Gouverneuren der Kolonien Anweisung gab, sich der Herrschaft der Engländer zu beugen. Damit verloren die Niederlande einen großen Teil ihres Kolonialreiches: Guyana und Ceylon gingen nicht mehr an die Niederlande zurück, die Kapkolonie wurde zwar auf dem Papier zurückgegeben, dann aber 1806 erneut, nun endgültig, von den Briten übernommen. Die übrigen Kolonien, einschließlich Indonesien, kamen nach dem Englisch-Niederländischen Vertrag von 1814 an die Niederlande zurück.
Monarchie
Nach der napoleonischen Zeit kamen die Niederlande wieder als ein Staat auf die Karte Europas zurück. Das Land hat schon immer eine Rolle als Puffer gespielt, um dem französischen Expansionsdrang Einhalt zu gebieten. Insbesondere der russische Zar wollte, dass diese Rolle von den Niederlanden wieder aufgenommen werden sollte, und auch, dass die Kolonien wieder zurückgegeben werden sollten. Ein Kompromiss wurde mit den Briten auf dem Wiener Kongress geschlossen, wonach nur Indonesien wiedergegeben wurde, dafür aber der Norden und Süden der Niederlande wiedervereinigt werden sollte. Im Land wurde eine Monarchie eingesetzt. König wurde Wilhelm I., Sohn des letzten Statthalters Wilhelm V. Sein Vereinigtes Königreich der Niederlande bestand ursprünglich aus den Ländern, die heute die Niederlande, Belgien und Luxemburg bilden, aber die Belgier merkten bald, dass sie nur Bürger zweiter Klasse waren. Hauptsächliche Faktoren für dieses Gefühl waren religiöser (der vorherrschend katholische Süden gegen den mehrheitlich protestantischen Norden), ökonomischer (der Süden war industriell fortschrittlicher, der Norden traditionell eine Handelsnation) und sprachlicher (nicht nur Wallonien war französischsprachig, auch im flämischen Norden sprach die Bourgeoisie französisch, während die übrige flämische Bevölkerung niederfränkisch sprach) Art.
1830 eskalierte die Situation; die Belgier erhoben sich und erklärten sich vom Norden unabhängig. König Wilhelm entsandte eine Armee, die sich allerdings nach nur wenigen Tagen zurückziehen mußte, nachdem Frankreich sein Heer mobilisiert hatte. Allerdings erkannte er Belgien bis 1839 nicht an. Im Jahr 1848 brachen in ganz Europa Unruhen aus, wovon den Niederlanden allerdings ein Großteil erspart blieb. Das Ergebnis allerdings war bedeutend. Der liberale Johan Rudolf Thorbecke wurde vom König beauftragt, eine neue Verfassung zu schreiben, welche die Niederlande faktisch zur Demokratie machte. Das neue Dokument wurde am 3. November des selben Jahres verkündet.
Am Ende des 19. Jahrhundert, als viele Staaten Kolonien für sich beanspruchten, erweiterten die Niederlande ihre Besitzungen in Indonesien. Max Havelaar von Eduard Douwes Dekker, eines der berühmtesten Bücher in der niederländischen Literaturgeschichte, berichtet über die Ausbeutung des Landes und seiner Bewohner durch die Niederländer.
Die Kolonialzeit der Niederlanden ist vor allem auch durch Verbrechen gegen die einheimische Bevölkerung gekennzeichnet. Nicht nur, dass fremdes Land überfallen, annektiert und die Bevölkerung unter fremde Herrschaft gezwungen wurde, auch Hinrichtungen und Massenmorde wurden von Niederländern verübt - wie dies bei jeder Kolonialherrschaft bzw. unerwünschten Fremdherrschaft geschieht.
Siehe auch: Liste der Königinnen und Könige der Niederlande
Als der Erste Weltkrieg im August 1914 ausbrach blieben die Niederlande neutral und konnten sich erfolgreich aus dem Krieg halten, aber die Armee wurde mobilisiert. Die Invasion des Deutsches Reiches in Belgien im selben Jahr führte zu einer großen Flüchtlingswelle von über einer Million Menschen.
Die Niederlande waren von kriegführenden Ländern umschlossen und durch die, vor allem für die zivile Seefahrt, unsichere Nordsee wurde die Nahrung knapp; Lebensmittel wurden nun über Lebensmittelkarten ausgegeben. Ein Fehler in der Lebensmittelzuteilung verursachte den so genannten Aardappeloproer (Kartoffelaufruhr) in Amsterdam im Jahr 1917, als Zivilisten Nahrungsmitteltransporte für Soldaten plünderten.
Im November 1918 rief der Führer der Sociaal-Democratische Arbeiders Partij (SDAP, Sozialdemokratische Arbeiterpartei), Jelles Troelstra eine sozialistische Revolution unter den Arbeitern aus, aber sein Plan ging fehl.
Zweiter Weltkrieg
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 versuchten die Niederlande wieder ihre Neutralität zu wahren, aber da sie wie Belgien im Spannungsfeld zwischen Frankreich, England und dem Deutschen Reich lagen, wurden sie am 10. Mai 1940 von der reichsdeutschen Wehrmacht angegriffen und besetzt. Der Großteil des Landes wurde in kürzester Zeit überrannt, und Widerstand wurde nur von einer spärlich ausgerüsteten niederländischen Armee geleistet. Am 14. Mai waren nur noch wenige Kampfschauplätze übrig, unter anderem bei Rotterdam. Da die Niederländer die Stadt nicht sofort übergeben wollten, wurde die Stadt bombardiert. 800 Menschen kamen ums Leben; große Teile der Stadt wurden zerstört, und 78.000 Einwohner wurden obdachlos. Danach kapitulierten die Niederlande. Die königliche Familie war zu diesem Zeitpunkt schon nach England geflohen.
Nach der Invasion kam es sofort - wie im Deutschen Reich - zur Judenverfolgung. Zu Beginn des Krieges lebten 160.000 jüdische Niederländer im Land, einschließlich 20.000 jüdischer Flüchtlinge. 1942 wurde ein Transitlager in der Nähe von Westerbork errichtet. Konzentrationslager wurden nahe Vught und Amersfoort gebaut. Am Ende des Krieges lebten nur noch etwa 30.000 der niederländischen Juden. Unter den Ermordeten befand sich auch das deutsch-jüdische Flüchtlingsmädchen Anne Frank; ihr Tagebuch wurde weltweit bekannt.
Am 22. und 23. Februar 1941 gab es die erste groß angelegte Razzia, mehr als 400 jüdische Männer wurden ins KZ Mauthausen verschleppt. Die niederländischen Kommunisten riefen daraufhin einen Generalstreik aus, der als »Februarstreik« in die holländischen Geschichtsbücher einging und von vielen Niederländern befolgt wurde. Die Besatzungstruppen schlugen den Streik, der nicht nur in Amsterdam, sondern in ganz Nordholland durchgeführt wurde, blutig nieder. Die Anführer des Streiks wurden erschossen (siehe auch Mössinger Generalstreik)
Nach dem Verbot aller Parteien im Verlauf des Jahres 1941 stieg der Einfluss der Nationaal-Socialistischen Beweging (NSB) unter Anton Adriaan Mussert an. Letztendlich erlangte sie aber nie einen relevanten Einfluss in der Bevölkerung oder im Besatzungsapparat.
Nachdem die Alliierten im Juni 1944 in der Normandie gelandet waren, stießen sie sehr schnell in Richtung der niederländischen Grenze vor. Am 5. September desselben Jahres wurde eine gewagte Operation gestartet (Operation Market Garden), die einen schnellen Einfall in die südlichen Niederlande vorsah, um Brücken über die drei Hauptflüsse zu erobern. Die Brücke von Arnheim über den Rhein konnte allerdings nicht erobert werden. Die Niederländer, die dachten, dass die Befreiung schon begonnen habe - der Tag, an dem die Operation startete, ist bekannt als der Dolle Dinsdag (tolle Dienstag) -, mussten noch bis 1945 warten, obwohl der südliche Teil der Flüsse zu diesem Zeitpunkt schon befreit war.
Im Winter 1944-1945 mußten viele Niederländer hungern, daher wurde er auch Hongerwinter (Hungerwinter) genannt. Am 5. Mai 1945 kapitulierten die deutschen Soldaten bei Wageningen, kurz darauf folgte auch das Kriegsende in Europa.
Am 11. Januar 1942 begann die japanische Invasion von Niederländisch Ostindien. Die Niederländer kapitulierten am 1. März, als Truppen auf Java landeten. Niederländische Einwohner wurden gefangen genommen und in Arbeitslager gebracht. Mit der japanischen Kapitulation am 15. August 1945 endete auch hier der Krieg.
Sofort nach der Befreiung Niederländisch Ostindiens am 17. August 1945 erklärte die ehemals niederländische Kolonie ihre Unabhängigkeit von den Besatzern und nannte sich fortan Indonesien. Die Niederlande bekämpften die indonesischen Freiheitskämpfer (Indonesische Nationale Revolution) und gaben erst durch internationalen Druck der Vereinten Nationen und der Vereinigten Staaten von Amerika, die damit drohten, den Marshall-Plan für die Niederlande zu stoppen, außerdem durch den indonesischen Widerstandswillen, ihre Kriegshandlungen in Indonesien auf. Das von den niederländischen Besatzern befreite Land wurde formal am 27. Dezember 1949 unabhängig. Die westliche Hälfte von Neuguinea wurde allerdings erst 1961 unabhängig und dann von Indonesien annektiert.
1949 kam die westdeutsche Stadt Elten (bei Kleve) mit Umgebung bis 1963 unter niederländische Verwaltung. Die dortigen Bewohner blieben zwar formal deutsche Staatsbürger, erhielten jedoch niederländische Pässe und wurden niederländischen Bürgern rechtlich gleichgestellt. Eine in den Niederlanden erhobene Forderung nach Angliederung von Teilen des Münsterlandes und des grenznahen Rheinlandes hatte sich nicht durchsetzen können.
Obwohl ursprünglich erwartet wurde, dass der Verlust von Indonesien zum ökonomischen Untergang führen würde, trat das Gegenteil ein, und in den 1950ern wuchs der Reichtum der Niederlande schnell an. 1952 gründeten die Niederlande mit Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland, Italien, Belgien und Luxemburg die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Die EGKS (oder Montanunion) war einer der Grundpfeiler für die spätere Europäische Union.
1953 kam es durch eine schwere Flutkatastrophe zu vielen Toten in Zeeland und Südholland. Um solch einem Unglück in Zukunft zuvorzukommen, wurde der Deltaplan aufgestellt, der Deicherhöhungen und den Verschluss von Meerarmen vorsah. Die Verwirklichung des ehrgeizigen Plans nahm mehrere Jahrzehnte in Anspruch.
Am 30. April 1980 kam es zu einem Wechsel an der Spitze der Monarchie. Königin Beatrix von Oranien-Nassau wurde Königin und folgte damit Königin Juliana von Oranien-Nassau nach, die im Alter von 71 Jahren abdankte.
Die Niederlande sind nicht nur ein industrialisiertes Land, sondern auch ein großer Exporteur landwirtschaftlicher Produkte. Das Land ist eines der Gründungsmitglieder der NATO und der Europäischen Union und nahm an der Einführung des Euro 1999 teil.
Ehen von homosexuellen Partnern (homohuwelijk) sind seit dem 1. April 2001 erlaubt und sind rechtlich mit heterosexuellen Ehen gleichgestellt. Der Drogenkonsum ist in den Niederlande teilweise legalisiert (Coffeeshop).
Am 6. Mai 2002 wurden die Niederlande durch ein Verbrechen erschüttert. Der umstrittene rechts-konservative Politiker und Populist Pim Fortuyn, der viel Sympathie in Teilen der niederländischen Bevölkerung, insbesondere in seiner Hochburg Rotterdam genoß, wurde von einem jugendlichen Linksextremisten ermordet.
Sprache der Niederländer
In den Niederlanden werden zwei niederdeutsche Mundarten (Niederfränkisch, Niedersächsisch) und Friesisch gesprochen. Im Mittelalter wurden diese Sprachformen als dietsch, duitsch oder duytsch (vergleiche engl. dutch) benannt. Die niederländische Hochsprache hat sich aus der niederfränkischen Mundart entwickelt und ist die Amts- und Schulsprache im gesamten Land.
Weblinks
- [http://www.uni-muenster.de/HausDerNiederlande/Zentrum/Projekte/Schulprojekt/Lernen/Kolonialzeit/zeitleiste.html Die niederländische Kolonialzeit]
- [http://gutenberg.spiegel.de/schiller/niederld/niederld.htm Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung] von Friedrich Schiller, Volltext bei Projekt Gutenberg-DE
Geschichte
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ja:オランダの歴史
Niederlande
Die Niederlande (niederländisch Nederland) sind Teil des Königreichs der Niederlande in Westeuropa. Sie sind einer der am dichtesten besiedelten Staaten der Welt. Rund ein Viertel des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels und ist mit rund 3.000 km Deichen geschützt.
Im deutsch- und englischsprachigen Raum wie auch in den Niederlanden selbst wird anstelle der offiziellen und korrekten Bezeichnung Niederlande umgangssprachlich häufig der Name Holland für das gesamte Staatsgebiet verwendet. Diese Bezeichnung stammt von der alten Grafschaft Holland her und bezieht sich eigentlich nur auf die heutigen Provinzen Nord- und Südholland. - Siehe dazu auch die Rubrik "Die Niederlande im deutschen Sprachgebrauch" am Seitenende.
Geografie
Räumliche Lage
Das ganze Landes liegt weniger als einen Meter über, einige Gebiete sogar unterhalb des Meeresspiegels.
Der höchste Punkt des Landes, der Vaalserberg im Südosten, befindet sich 322 m über dem Amsterdamer Pegel, dort liegt auch gleichzeitig das Dreiländereck zu Deutschland und Belgien. Die flachen Gebiete werden in der Regel durch Deiche vor Sturmfluten geschützt.
Teile der Niederlande, wie zum Beispiel fast die gesamte Provinz Flevoland, wurden durch Landgewinnung dem Meer abgewonnen. Sie werden als Polder bezeichnet.
Ungefähr ein Fünftel (18,41 %) der Landesfläche ist mit Wasser bedeckt, wovon den größten Teil das IJsselmeer ausmacht, eine ehemalige Nordsee-Bucht, die 1932 durch einen 29 km langen Abschlussdeich eingepoldert wurde.
Die wichtigsten Flüsse in den Niederlanden sind der Rhein, die Waal und die Maas.
Maas
Die Hauptwindrichtung in den Niederlanden ist Südwest, daraus resultiert ein gemäßigtes maritimes Klima mit kühlen Sommern und milden Wintern.
Siehe auch: Niederländische Inseln, Westfriesische Inseln
Nachbarländer
Die Niederlande grenzen im Westen und Norden an die Nordsee, im Osten an Deutschland und im Süden an Belgien.
Siehe auch: Städte in den Niederlanden
Bevölkerung
Die Niederlande sind mit etwa 480 Einwohnern pro Quadratkilometer Landfläche eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt (zum Vergleich: Deutschland 236, Monaco 16.435, Namibia 2).
Niederländisch ist die Amtssprache im gesamten Staat; daneben werden niederdeutsche Mundarten gesprochen. Das Friesische ist Amtssprache in der Provinsje Fryslân und dort auch Rundfunk- und Verwaltungssprache. Im Nordosten werden niedersächsische Dialekte gesprochen, im Südosten hochdeutsche Mundarten.
In den Niederlanden wohnen Einwanderer aus der ganzen Welt: Indonesien, Karibik, Südamerika, Afrika, Türkei, Polen etc.
Die wichtigsten Religionen (Stand: 2002) sind der Katholizismus (31 %), der Protestantismus (21 %) und der Islam (5,5 %). Die meisten Protestanten gehören einer calvinistischen Kirche an.
40 % der Niederländer fühlen sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig.
Die katholische Bevölkerung lebt vor allem im Süden, die protestantische vor allem im Norden des Landes.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte der Niederlande
Nach der Aufteilung des Frankenreiches gehörten die niederen Lande zum ostfränkischen Königreich (Regnum Teutonicae) und danach zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Unter Kaiser Karl V., der zugleich spanischer König war, war das Land in siebzehn Provinzen aufgeteilt und umfasste auch den Großteil des heutigen Belgiens. Nach der Unabhängigkeitserklärung der sieben nördlichen Provinzen (Allianz von Utrecht) vom 23. Januar 1579 und dem folgenden Achtzigjährigen Krieg gegen die spanischen Habsburger wurde die formelle Unabhängigkeit von Spanien im Westfälischen Frieden am 15. Mai 1648 besiegelt, der, gleichzeitig mit der Schweiz, zur Trennung vom mittelalterlichen deutschen Reich führte. Dieses Datum gilt als Geburtstag der heutigen Niederlande.
In der Folge wuchsen die Niederlande (de nederen duitsche landen) als Republik der Vereinigten Niederlande, zu einer der größten See- und Wirtschaftsmächte des 17. Jahrhunderts. Während dieser Zeit wurden Kolonien und Handelsposten auf der ganzen Welt errichtet. Bekannt ist die Gründung von Nieuw Amsterdam, welches später in New York umbenannt wurde. In Asien schufen die Niederländer ihr Kolonialreich 'Nederlands-Indie', das heutige Indonesien, welches erst 1946 unabhängig wurde. Auch im nordöstlichen Südamerika (Surinam) und der Karibik entstanden Niederländische Kolonien (Aruba, Curaçao), (Bonaire), (Saba), (St. Eustatius) und (St. Maarten); diese Inseln sind heute stiller Teil der niederländischen Monarchie (Königreich).
1796 wurde mit französischer Unterstützung die Batavische Republik gegründet (benannt nach dem germanischen Stamm, der das Gebiet zwischen Rhein und Maas zuerst besiedelt hatte, den Batavern); 1806 machte Napoleon daraus das Königreich Holland.
Nach der Einverleibung durch Frankreich unter Napoleon I. wurde 1815 das Königreich der Niederlande gegründet, das auch das heutige Belgien umfasste. Erster König wurde Wilhelm I. aus dem Haus Oranien-Nassau. Belgien und damit das die niederfränkischen Flandern erlangte nach der belgischen Revolution von 1830 seine Unabhängigkeit, die allerdings erst 1839 von Wilhelm I. anerkannt wurde.
Der niederländische König war gleichzeitig Großherzog von Luxemburg, wo das Salische Gesetz kein weibliches Staatsoberhaupt zuließ. Als Wilhelm III. bei seinem Tod 1890 nur eine Tochter (Königin Wilhelmina) hinterließ, ging der Luxemburger Thron auf eine andere Erbfolgelinie im Haus Nassau über und Wilhelms Vetter Adolf von Nassau übernahm dort die Regierung.
Die Niederlande blieben im Ersten Weltkrieg offiziell neutral und konnten sich auch erfolgreich aus dem Krieg halten. Sie hielten ihre Truppen aber dennoch bis zum Kriegsende mobilisiert und hatten überdies mit einer großen Flüchtlingswelle zu tun.
Auch im Zweiten Weltkrieg versuchte die niederländische Regierung zunächst, sich aus dem Krieg herauszuhalten. Anderslautenden Warnungen glaubte sie nicht. Hitler jedoch befahl die Okkupation der Niederlande um so Frankreich unter Umgehung der "Maginot Linie" von Norden her einnehmen zu können. Nach dreitägigem Kampf zwangen die deutschen Truppen am Abend des 14.Mai 1940 die Niederlande mit dem Bombardement von Rotterdam zur Aufgabe. Die Innenstadt wurde durch Bomben und durch die anschließenden Brände weitgehend zerstört. Es war das erste Flächenbombardement im zweiten Weltkrieg. Die Niederlande waren von Mai 1940 bis Mai 1945 besetzt. Viele Niederländer arrangierten sich mit dem Regime und viele Mitläufer verinnerlichten auch die Ideologie eines großdeutschen bzw. großgermanischen Reiches. Die Judenverfolgung schlug in den Niederlanden besonders heftig zu: aus keinem anderen europäischen Land wurde ein so großer Bevölkerungsanteil abtransportiert. Noch immer ist die Rolle niederländischer Verwaltungsstellen und etwa der Niederländischen Eisenbahn beim Abstransport der Juden nicht restlos geklärt. Die Bevölkerung hatte aber mehrheitlich unter der Besatzung zu leiden und auch unter der Judenverfolgung (Anne Frank). Der südliche Teil der Niederlande wurde in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 von den Alliierten befreit, der Norden des Landes erst durch das Kriegsende. 1949 kam die westdeutsche Stadt Elten (bei Kleve) mit Umgebung bis 1963 unter niederländische Verwaltung. Deren Bewohner blieben formal bundesdeutsche Staatsbürger, erhielten allerdings niederländische Pässe und wurden auch niederländischen Staatsbürgern rechtlich gleichgestellt. Forderungen nach Angliederung von Teilen des Münsterlandes und des grenznahen Rheinlandes an die Niederlande, deren Bürger niedersächsische und niederfränkische Dialekte - ebenso wie in den Niederlanden - sprachen, konnte sich in den Niederlanden letztlich jedoch nicht durchsetzen.
Im Februar 1953 verheerte eine Sturmflut den Südwesten der Niederlande und forderte 1800 Tote.
Die Niederlande sind Gründungsmitglied der Benelux-Wirtschaftsunion (seit 1944 geplant, am 3. Februar 1958 festgelegt und am 1. November 1960 in Kraft getreten). Sie waren ebenfalls Mitbegründer der NATO und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (und damit der Europäischen Union).
In der jüngsten Vergangenheit stand das multikulturelle politische Toleranzmodell der Niederlande auf dem Prüfstand. Ihre liberale Politik machte den Weg auch für eingewanderte radikale Islamisten und so genannte Hassprediger frei: Am 2. November 2004 kam es zum Mord an dem Regisseur Theo van Gogh. Die Folge des Mordes waren Anschläge auf Moscheen und Hassbekundungen gegen muslimische Bürger. Große Bevölkerungsteile fordern seither eine rigorose Politik gegen gewalttätige Einwanderer und eine Änderung der zu liberalen Einwanderungspolitik. Zahlreiche Politiker können seither nur noch unter Polizeischutz arbeiten und werden weiterhin von Islamisten bedroht.
Politik
Seit dem Ende der französischen Revolution im Jahre 1815 sind die Niederlande eine konstitutionelle Monarchie mit dem Königshaus Oranien-Nassau an der Spitze. Es herrscht allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahren.
Staatsoberhaupt
Staatsoberhaupt seit 1980 ist Königin Beatrix von Oranien-Nassau.
Gemäß der Verfassung ist sie Mitglied der Regierung und ernennt die Minister. In der Praxis lässt sie nach Wahlen einen informateur (meist ein hoher Beamter) die Parlamentsfraktionen befragen. Nach dessen Berichterstattung bestellt die Königin einen formateur, der das Kabinett zusammenstellt. Dabei kann es sich bereits um den künftigen Ministerpräsidenten handeln.
Parlament
Das Parlament (Staten-Generaal, Generalstände) besteht aus zwei Kammern.
Die Wahl der 150 Mitglieder der Zweiten Kammer (Tweede Kamer) findet im Normalfall alle vier Jahre statt. Diese Kammer ist das Parlament im eigentlichen Sinne, als Volksvertretung und Kontrolle der Regierung.
Die Erste Kammer (Eerste Kamer), inoffiziell auch Senat genannt, setzt sich aus 75 Vertretern der Provinzparlamente zusammen, die ebenfalls alle vier Jahre gewählt werden. Die Arbeit der Ersten Kammer besteht vor allem in der Begutachtung von Gesetzen, die die Zweite Kammer erarbeitet hat; unter Umständen kann die Erste Kammer ein Gesetz durch ein Veto blockieren.
Der heutige Ministerpräsident Jan Peter Balkenende von den Christdemokraten ist seit 2002 im Amt.
Parteien
- Christlich-Demokratischer Apell/CDA (christlich-konservativ)
- Partei der Arbeit/PvdA (sozialdemokratisch)
- Volkspartei für Freiheit und Demokratie/VVD (liberal-konservativ)
- Sozialistische Partei/SP (links)
- Liste Pim Fortuyn/LPF (rechtspopulistisch)
- Grüne Linke/GL (ökologisch und sozialistisch)
- Democraten 66/D66 (sozial-liberal)
- Christen Union/CU (extrem christlich-konservativ)
- Staatskundig Reformierte Partei/SGP (extrem christlich-konservativ)
- Neue Kommunistische Partei der Niederlanden/NCPN (kommunistisch)
Siehe auch: Liste der niederländischen Ministerpräsidenten
Gesellschaftspolitik
In den letzten Jahrzehnten wurden die Niederlande unter anderem für ihre liberale gesetzliche Reglementierung weicher Drogen (siehe Coffee Shop), der Prostitution (sie ist ein gesetzlich anerkanntes Gewerbe und Prostituierte sind daher sozialversichert), von Abtreibung und Sterbehilfe bekannt. Die Niederlande gehörten auch zu den ersten Staaten, die die Ehe für Homosexuelle ermöglichten.
Mit Ausnahme der so genannten Randstad (Amsterdam, Rotterdam und Den Haag) hinken Offenheit und Toleranz in der Bevölkerung der eigenen liberalen Gesetzgebung jedoch noch Jahrzehnte hinterher und die Intoleranz wird hinter der vor allem in den Medien und der Politik demonstrativ vorgetragenen Political Correctness versteckt. So ist es in einigen Teilen des Landes um die Akzeptanz offen gelebter Homosexualität weit schlechter bestellt als in den meisten Teilen Deutschlands und oftmals finden verbale oder gar gewalttätige Übergriffe gegenüber Homosexuellen statt.
Am 2. November 2004 wurde der islamkritische Filmregisseur Theo van Gogh in Amsterdam ermordet. In Folge kam es zu Brandanschlägen auf Moscheen und zu moslemischen Übergriffen auf Kirchen. Die Vorfälle lösten heftige Diskussionen über die Integration von Ausländern und über das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen aus.
Militär
Es besteht keine allgemeine Wehrpflicht. Die Streitkräfte umfassen insgesamt 53.130 Personen, davon entfallen auf das Heer 23.150, auf die Luftwaffe 11.050 und auf die Marine 12.130 Soldaten. Die Militärausgaben betragen 1,6 % des BIP (zum Vergleich, Deutschland: 1,5 %, USA: 3,4 %). Die Führung des niederländischen Heeres ("Koninklijke Landmacht") ist durch das 1. D/NL-Korps eng mit der Deutschen Bundeswehr verzahnt.
Provinzen
1579 mit sieben Provinzen begonnen, kamen später die sogenannten Generalitätslande (NL: generaliteitslanden) als Provinzen Nord-Brabant und Limburg hinzu. Drenthe wurde ebenfalls eine eigene Provinz, und die dominierende Provinz Holland wurde 1840 aufgespalten in Nord-Holland und Süd-Holland. Die jüngste Provinz ist Flevoland, das erst 1986 als Provinz gegründet wurde. Seit dem 1. Januar 1986 gliedern sich die Niederlande in 12 Provinzen (NL: provincies).
Die Provinzen wiederum gliedern sich in 483 Gemeinden (gemeenten).
Wirtschaft
Hauptartikel: Wirtschaft der Niederlande
Die Niederlande haben ein gut funktionierendes, offenes Wirtschaftssystem.
Seit den 1980er Jahren hat die Regierung ihre ökonomischen Eingriffe weitgehend zurückgenommen.
Beim produzierenden Gewerbe dominieren Nahrungsmittel- und chemische Industrie, Erdölraffinerien und die Herstellung von Elektrogeräten.
Lange vor seinen europäischen Nachbarn sorgte das Land für einen ausgewogenen Staatshaushalt und bekämpfte erfolgreich die Stagnation im Arbeitsmarkt.
Die moderne und hoch technologisierte Landwirtschaft ist außerordentlich produktiv: neben Getreide-, Gemüse-, Früchte- und Schnittblumenanbau - die Tulpenzüchtung beeinflusste sogar die Geschichte des Landes - gibt es noch Milchviehhaltung in großem Maßstab. Letztere liefert die Grundlage für den Holländer Käse als wichtiges Exportprodukt.
Die niederländische Landwirtschaft beschäftigt knapp unter 4 % der Arbeitnehmer, trägt jedoch erheblich zum Export bei. Die Niederlande sind nach den USA und Frankreich der weltweit drittgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse.
Als Mitbegründer der Euro-Zone wurde in den Niederlanden für Bankgeschäfte am 1. Januar 1999 die vorherige Währung, der Gulden, durch den Euro ergänzt.
Drei Jahre später, am 1. Januar 2002, ersetzen die Euromünzen und -banknoten für die Konsumenten den Gulden als Zahlungsmittel.
Naturressourcen
Die Niederlande verfügen über Erdgaslager, aus denen nahe Groningen sowie in der südlichen Nordsee in großem Maßstab gefördert wird. 1996 wurden 75,8 Mrd. m³ (nach BP) gefördert. Damit stehen die Niederlande im Ländervergleich bei der Erdgasförderung auf Platz fünf, nach Russland (561,1 Mrd. m³), USA (546,9 Mrd. m³), Kanada (153,0 Mrd. m³) und Großbritannien (84,6 Mrd. m³). Weiterhin gibt es an der emsländischen Grenze kleinere Erdölreserven und größere Salzlagerstätten bei Delfzijl und Hengelo. Abgesehen von Torf (u. a. im Bourtanger Moor) verfügen die Niederlande über keine weiteren nennenswerten Bodenschätze.
Kultur
Feiertage
Malerei
Viele weltberühmte Maler waren Niederländer.
Die Blütezeit der Republik im 17. Jahrhundert, das sogenannte Goldene Zeitalter brachte große Künstler wie Rembrandt van Rijn, Johannes Vermeer, Frans Hals, Carel Fabritius, Gerard Dou, Paulus Potter oder Jan Steen hervor.
Berühmte Maler späterer Epochen waren Vincent van Gogh und Piet Mondriaan. M. C. Escher ist ein bekannter Grafiker.
Architektur
Niederländische Architekten gaben wichtige Impulse für die Architektur des 20. Jahrhunderts. Hervorzuheben sind vor allem Hendrik Petrus Berlage und die Architekten der De Stijl-Gruppe (Robert van't Hoff, J.J.P. Oud, Gerrit Rietveld). Johannes Duiker war ein Vertreter des Neuen Bauens. Die sogenannte Amsterdamer Schule (Michel de Klerk) leistete einen bemerkenswerten Beitrag zur expressionistischen Architektur.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg traten innovative niederländische Architekten hervor. Aldo van Eyck und Herman Hertzberger prägten die Architekturströmung Strukturalismus. Piet Blom wurde durch seine eigenwilligen Baumhäuser bekannt.
Wissenschaft
Aus den Niederlanden stammten Erasmus von Rotterdam, Baruch Spinoza und Christiaan Huygens. René Descartes verbrachte den Großteil seiner Schaffenszeit in den Niederlanden. Überhaupt fanden seit der frühen Neuzeit zahlreiche verfolgte Wissenschaftler in den Niederlanden Asyl und Wirkungsmöglichkeiten.
Die moderne Soziologie verdankt ihrem niederländischen Begründer S. Rudolf Steinmetz bedeutende Anregungen.
Literatur
Im "Goldenen Zeitalter" (De Gouden Eeuw) der Niederlande blühte neben der Malerei auch die Literatur, als bekannteste Vertreter wären Joost van den Vondel und P. C. Hooft zu nennen.
Wichtige Autoren im 20. Jahrhundert waren Harry Mulisch, Jan Wolkers und Simon Vestdijk.
Und während der deutschen Besatzung verfasste Anne Frank in Amsterdam ihr weltbekanntes Tagebuch.
Musik
Das niederländische Musikleben war im Bereich der klassischen Musik lange Zeit nicht auf dem Niveau anderer europäischer Staaten organisiert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts fand eine Professionalisierung statt und es bildeten sich zahlreiche Orchester und Kammerensembles. Wichtige Komponisten im 20. Jahrhundert sind Julius Röntgen, Willem Pijper, Mathijs Vermeulen, Louis Andriessen, Otto Ketting, Ton de Leeuw, Theo Loevendie, Misha Mengelberg, Tristan Keuris und Klaas de Vries (Liste niederländischer und flämischer Komponisten). Die wohl bekannteste niederländische Rockband Golden Earring hatte in den 1970er Jahren ihren größten Hit mit "Radar Love".
Die Niederlande haben eine sehr lebendige Musik-Szene auf hohem Niveau. Es gibt zahlreiche Veranstaltungslokale und in den Medien wird den Künstlern viel Raum gegeben. Seit einigen Jahren ist "nederlandstalige muziek", Musik in der Landessprache sehr erfolgreich. Die berühmtesten Pop/Rockbands sind Blof, die meistgespielte Band im niederländischen Radio der vergangenen Jahre, und [http://www.acdaendemunnik.nl/ Acda en de Munnik], ein Duo, das mit Kleinkunstprogrammen bekannt geworden ist. Noch höhere Plattenverkaufszahlen erzielen Schlagerkünstler, wie Marco Borsato und [http://www.fransbauer.nl/ Frans Bauer]. Bekannte niederländische Rapper sind Ali B und Lange Frans & Baas B.
Natursehenswürdigkeiten
- De Hollandse Biesbosch, eine Fluss- und Sumpflandschaft
- Keukenhof
- die Nationalparks De Hoge Veluwe und Veluwezoon in der Veluwe
- die Naturschutzgebiete auf Texel
- Reeuwijkse Plassen bei Gouda
- Schiermonnikoog
- Die Deltawerke Schutzwehre gegen Sturmfluten. Gebaut nach der Sturmflut von 1953
Landesübliche Küche
Das inoffizielle Nationalgericht Stamppot ist zumeist eine passierte Mischung aus Kartoffeln und Gemüse. Häufig wird dabei Grünkohl (niederl. Boerenkool) verwendet. Teilweise werden auch angebratene Zwiebeln mit Schinkenspeck untergemengt.
Eine regelrechte Snackbarkultur ist in den letzten Jahrzehnten entstanden. In diesen Fastfoodrestaurants erhält man Pommes Frites (niederl. Patat) mit Mayonnaise, Ketchup (auch gemischt mit Zwiebeln = special) oder Erdnusssoße (niederl. Pindasaus).
Letztere hat sich durch die Einflüsse der Kolonialzeit etabliert. Überhaupt sind indonesische Einflüsse in der niederländischen Küche kaum zu übersehen, auch wenn die meisten Gerichte dem holländischen Geschmacksempfinden angepasst wurden.
Neben den Pommes Frites werden in den Snackbars auch fritierte Fleisch- und Käsegerichte angeboten.
Eine wirkliche Einzigartigkeit stellt der "Hollandse Nieuwe" dar. Dabei handelt es sich um rohe Heringsfilets, die am Schwanz gehalten über Kopf verzehrt werden, und über viele wertgebende Inhaltsstoffe verfügen sollen.
International bekannt ist der niederländische Käse (niederl. Kaas), der sowohl als Brotbelag als auch in Stücke geschnitten verzehrt wird. Am weitesten verbreitet ist der Gouda, der seinen Ursprung in der gleichnamigen Stadt hat. Er ist in unterschiedliche Reifegrade eingeteilt. Jonger Kaas ist am kürzesten gelagert und schmeckt sahnig mild. Belegen ist die nächste Stufe mit einem würzigem Geschmack und einer festen Konsistenz. Oude Kaas ist die teuerste und aromatischste Lagerstufe. Besonders bekannt ist der "Oud Amsterdam".
Das niederländische Frühstück ist eher spärlich und besteht meist aus einem Brot und einer Tasse Kaffee. Mittags gibt es ebenfalls belegte Brote dazu Milch oder Buttermilch.
Die Hauptmahlzeit stellt das Abendbrot dar, welches aus warmen Speisen besteht und gegen fünf Uhr nachmittags eingenommen wird.
Die Niederlande im deutschen Sprachgebrauch
Der grammatikalisch richtige Gebrauch des Namens Niederlande ist vielen Sprechern nicht geläufig, was zu der fälschlichen Verwendung des Namens Holland beiträgt. Niederlande stellt eine Pluralform dar; vergleichbar mit den USA (die USA). Den Ländernamen gibt es im Singular nicht.
Die Deklinationstabelle lautet wie folgt:
- Nominativ Plural: die Niederlande
- Genitiv Plural: der Niederlande
- Dativ Plural: den Niederlanden
- Akkusativ Plural: die Niederlande
Beispielsätze
- Nominativ: Die Niederlande sind Mitglied der EU.
- Genitiv: Das Bruttosozialprodukt der Niederlande beträgt x Euro.
- Dativ: Deutschland hat den Niederlanden Hilfe versprochen.
- Akkusativ: Viele deutsche Touristen besuchen die Niederlande.
Bei Satzkonstruktionen mit in ist zu beachten, dass in sowohl mit richtungsanzeigendem Akkusativ als auch mit ortsanzeigendem Dativ gebraucht werden kann:
- Ich fahre in die Niederlande. (richtungsanzeigender Akkusativ)
- Ich bin in den Niederlanden. (ortsanzeigender Dativ)
Weitere Themen
- Tourismus in den Niederlanden
- Nationalparks in den Niederlanden
- Liste der Bahnhöfe in den Niederlanden
- Niederländische Kolonien
- Niederländisch-Indien
- Liste der Königinnen und Könige der Niederlande
- Liste bekannter Niederländer
- Portal:Niederlande
- Portal:Benelux
- Niederlandistik Über Niederländische Sprache und Kultur
Weblinks
- [http://www.government.nl Offizielle Netzpräsenz der Regierung der Niederlande (englisch)]
- [http://www.koninklijkhuis.nl/ Offizielle Netzpräsenz des niederländischen Königshauses]
- [http://www.niederlandenet.de NiederlandeNet.de: Größtes Informationsportal über die Niederlande und die deutsch-niederländischen Beziehungen in deutscher Sprache]
- [http://www.niederlandeweb.de Offizielle Netzpräsenz der niederländischen Botschaft und Generalkonsulate in Deutschland]
- [http://www.netherlands-embassy.at Offizielle Netzpräsenz der niederländischen Botschaft in Wien]
- [http://www.niederlande-im-unterricht.de Deutsches Unterrichtsmaterial über die Niederlande für diverse Fächer, ausgerichtet auf die Lehrpläne Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=123 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes - [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-karten/karten.cgi?action=detail&templ=01_01_karten_detail&id=29 Karte: Die Niederlande um 1620 : Historische Karten (Haus der Bayerischen Geschichte)]
Kategorie:Staat
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Kategorie:Monarchie
Kategorie:Land in der EU
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Jungsteinzeit
Die Jungsteinzeit oder das Neolithikum (vom griech. νεο „neu, jung“ und λιθος „Stein“) ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte. Ihr Beginn wird heute allgemein mit dem Übergang einiger Jäger- und Sammlerkulturen zu Hirten oder Ackerbauern festgesetzt, ihr Ende mit der lokalen Verwendung von Kupfer oder Zinnbronze durch die neolithischen Kulturen. Voraus ging die Mittelsteinzeit bzw. Altsteinzeit, es folgt die Bronzezeit.
Die Umstellung der Nahrungsbeschaffung vom Sammeln, Jagen und Fischen auf Viehhaltung und Pflanzenanbau markiert einen der fundamentalen Umbrüche in der Geschichte der Menschheit; ein Prozess, der von manchen Forschern „Neolithische Revolution“ genannt wird. Durch die Produktion von Nahrung schuf der Mensch die Voraussetzung für ein stetiges Bevölkerungswachstum. Statt umherzuziehen, schlossen sich die Menschen zu Dorfgemeinschaften zusammen. Statt kurzlebiger Behausungen konnte dazu übergegangen werden, solide Bauwerke aus Stein bis hin zu Monumentalbauten wie dem Tempel auf dem Göbekli Tepe zu errichten. Letztenendes ermöglichte der Ackerbau Anfänge einer arbeitsteiligen Gesellschaft, in der Spezialisten in der Lage waren, u. a. die Metallurgie zu entwickeln.
Definition
Der britische Anthropologe Sir John Lubbock definierte 1865 den Übergang in die Jungsteinzeit mit dem Auftreten von geschliffenen Steinartefakten (Axt, Beil). Später wurde das Auftreten von Keramik benannt. Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts erkannte man aber regional auch das keramiklose Neolithikum. Heutzutage wird der Beginn der Jungsteinzeit, Vere Gordon Childe folgend, mit dem Beginn von Viehhaltung und Ackerbau gleichgesetzt (dem Übergang von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaftsweise), auch wenn die Domestikationen nicht gleichzeitig erfolgten.
Wandel der Wirtschaftsweise
Vor der eigentlichen Revolution, dem Übergang zur produzierenden Wirtschaftsweise, war eine Reihe von Entwicklungen nötig, die als proto-neolithisch bezeichnet werden. So entstanden einige dauerhafte Siedlungen bereits vor Entwicklung der Landwirtschaft, etwa in Palästina und Japan. Die unmittelbare Umgebung dieser Siedlungen bot den Bewohnern aber zeitweise nur ungenügende Ressourcen (ob nun Fisch, Fleisch oder Pflanzen). Der Kultivierung und dem gezielten Anbau von Getreide ging eine jahrtausendelange Nutzung entsprechender Wildvorkommen voraus; in der Levante ist diese bis 21.000 v. Chr. nachweisbar. Ebenso ging der Züchtung von Nutztieren das Halten von deren wilden Vorfahren voraus; in der Levante die Herdenhaltung von Gazellen, später (nach deren Verschwinden) von Wildziegen und -schafen.
Entstehung der Landwirtschaft
Der Übergang zu einer bäuerlichen Lebensweise, also Wandlung vom Jagen und Sammeln wilder Tiere und Pflanzen hin zur Kultivierung dafür geeigneter Arten, vollzog sich in der Menschheitsgeschichte an mindestens drei, wahrscheinlich aber sogar fünf oder mehr Orten unabhängig voneinander.
- definitiv (und am frühesten): im Nahen Osten, in Südchina und in Mittelamerika
- wahrscheinlich: in Südamerika und in Westafrika
- möglicherweise: in Äthiopien, im Osten der heutigen USA und auf Neuguinea
Die Entstehung der Landwirtschaft fällt für die drei erstgenannten Gebiete in den gleichen Zeitraum, etwa 8000 bis 11000 v. Chr., was nicht zufällig mit dem Ende der letzten Eiszeit (Übergang Pleistozän/Holozän, etwa 11000 bis 8300 v. Chr.) übereinstimmt. Während der Eiszeit war das Klima für eine Jahrhunderte in Anspruch nehmende Entwicklung von Landwirtschaft zu großen Schwankungen unterworfen. Erst vor 11000 Jahren stabilisierte sich in dem Areal des Wildgetreides das Klima so weit, dass der Anbau in Flusstälern möglich wurde.
Dennoch war die Entstehung der Landwirtschaft zumindest in der Levante weniger eine „freiwillige“ Entwicklung als vielmehr eine aus der Veränderung der Umwelt resultierende Notwendigkeit zum Überleben. Die Großtierfauna (insbesondere die Gazelle) hatte diese Region schon sehr früh verlassen, weshalb in der Region zwischen Euphrat und Mittelmeer vermehrt wildes Getreide auf Reibsteinen (Handmühlen) verarbeitet wurde. Die bislang ältesten Spuren von möglicherweise domestiziertem Getreide (in diesem Fall Roggen) fand man in Abu Hureira am syrischen Euphrat; sie werden auf ein Alter von 13.000 Jahren geschätzt. In dieser Zeit, dem jüngeren Dryas-Stadial, ließ eine langanhaltende Dürre einen Großteil der wilden Getreidearten verschwinden, weshalb die Menschen gezielt die dürreresistentesten züchteten.
In den trockeneren Gebieten südlich davon (Judäa, Sinai) ging man nach dem Verschwinden der Gazellen dazu über, Wildziegen und -Schafe in Herden zu halten. Die Domestikation dieser Tiere lässt sich in Beidha bereits 11.000 v. Chr. ableiten und ab 8300 v. Chr. belegen, da zu diesem Zeitpunkt Caproviden und Boviden nach Zypern gelangten. Sie muss aber weitaus früher erfolgt sein. Anfangs wurden Schafe und Ziegen ausschließlich als Fleisch- und Felllieferanten gehalten; erst um 3500 v. Chr. lässt sich die Nutzung von Sekundärprodukten, in erster Linie Milch und Wolle archäologisch belegen. Genetisch (Untersuchung Peltonen) weist der Beginn des Abbaus der Laktoseintoleranz, die bei allen Menschen zunächst bei 100 % lag, auf einen viel früheren Genuss von Tiermilch. Der Einsatz von Rindern als Zugtier vor dem Pflug ermöglichte den Übergang vom jungsteinzeitlichen Hackbau zu einer höheren Ackerbaukultur. Siehe dazu auch Geschichte des Transportwesens im Altertum.
In China, im Seengebiet am Mittellauf des Jangtse, wurde in etwa zur gleichen Zeit wie in der Levante dazu übergegangen, den ursprünglich ausschließlich gesammelten wilden Reis nach und nach zu kultivieren. Weiter flussabwärts des Jangtse wird in einem Gebiet mit damals feuchtwarmem subtropischem Klima von der chinesischen Forschung das Zentrum der Nassreis-Kultivierung gesehen. Im deutlich kühleren und trockeneren Norden Chinas, nördlich und südlich des Huáng Hé, wurde einige Jahrtausende später (wahrscheinlich zwischen 5500 und 5300 v. Chr.) erstmals Hirse, vermutlich Kolbenhirse domestiziert.
Zur Fleischgewinnung wurden in China Schweine, Hunde und Bankivahühner domestiziert. Wo der Wasserbüffel ursprünglich domestiziert wurde ist unklar. Vermutlich fand dies aber ebenfalls in Süd-China um 4000 v. Chr. statt. Ebenso wie der Auerochse im Nahen Osten sollte er besonders als Zugtier von Bedeutung sein.
4000 v. Chr.
Der Beginn der Landwirtschaft in Mittelamerika hatte (anders als in der Levante und in China) praktische Gründe. So züchteten die Bewohner des Oaxacatals im Süden Mexikos bereits um 8000 v. Chr. Gartenkürbisse, um darin Wasser von den Flussläufen zu ihren bewohnten Höhlen in den Bergen zu transportieren. Ihre Nahrung dagegen beschafften sie sich weiterhin als Jäger und Sammler. Erst um 5100 v. Chr. begann im nahegelegenen Grijalvadelta die Kultivierung einer als Nahrungsmittel bestimmten Nutzpflanze: die Teosinte, die wilde Form des Mais. Knapp tausend Jahre später, 4200 v. Chr., wurde die kultivierte Teosinte auch im Oaxacatal angebaut. Im Laufe der Zeit kamen Paprika, Sonnenblumen und Gartenbohnen zu den Anbaupflanzen hinzu.
Da es in der amerikanische Fauna an entsprechenden Wildtieren fehlte, die eine biologische Disposition zur Domestikation hatten, wurden außer dem Lama, dem Hund und dem Truthahn keinerlei Tiere als Fleischlieferanten oder Arbeitstiere domestiziert.
Verbreitung der Landwirtschaft
Abgesehen von den wenigen Gebieten, die ebenfalls als deren Geburtsstätten in Frage kommen, wurde die Landwirtschaft nirgend sonst auf der Welt eigenständig entwickelt, sondern aus einer der Ursprungsregionen übernommen. In erster Linie liegt das am Fehlen geeigneter wilder Pflanzen- und Tierarten in den anderen Regionen. So kamen die Wildformen von heute weltweit verbreiteten Nutzpflanzen wie Weizen und Gerste ursprünglich nur in Anatolien und Syrien vor, weshalb sie nur dort domestiziert und erst anschließend verbreitet wurden.
Die Ackerbauern der Levante hatten sich um 8000 v. Chr. etwa im Gebiet des südlichen Anatoliens (inklusive Zyperns) bis zur persischen Golfküste ausgebreitet. Es begann eine konzentrische Expansion der Landwirtschaft, und zwar in erster Linie durch eine Migration der Bauern mit den von ihnen domestizierten Pflanzen und Tieren aus der Levante sowie dem Wissen um deren Pflege, Aufzucht und Vermehrung im Gepäck. So bewiesen Vergleiche der mitochondrialen DNA, dass die ersten indischen Bauern näher mit den Bauern der Levante verwandt waren als mit den Jägern und Sammlern in ihrer Nachbarschaft. Ähnliches gilt für Europa, welches die Ackerbauern vor etwa 9.000 Jahren über die noch existierende Landbrücke am Bosporus kultivierten. Von Südosteuropa verbreiteten sie sich zunächst entlang der Mittelmeerküste sowie entlang der großen Flussläufe nach Ost- und Mitteleuropa. In Ägypten ergänzten dagegen die örtlichen Jäger und Sammler ihren Speiseplan mit importierten Kulturpflanzen aus der Levante. Über den Nil flussaufwärts erreichten die gleichen Pflanzen das Hochland von Äthiopien.
Ebenso könnten die domestizierten Pflanzen und Tiere aus dem Nahen Osten die Initialzündung für die Landwirtschaft im tropischen Westafrika gegeben haben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass in dieser Region etwa um 5000 v. Chr. eigenständig Sorghum, Perlhirse und Afrikanischer Reis sowie Perlhühner kultiviert wurden. Nichtsdestotrotz scheint eine Verbindung zwischen dieser und den anderen Ackerbau-Regionen in Eurasien bestanden zu haben, da bspw. Sorghum schon ab etwa 2000 v. Chr. auch in Indien angebaut wurde. Umgekehrt fanden Rinder und Ziegen den Weg nach Westafrika, von wo aus sie schließlich durch die Wanderung der Bantu ab 3000 v. Chr. den Weg ins südliche Afrika fanden.
In Äthiopien wurden nach (möglicherweise sogar vor) dem Eintreffen der vorderasiatischen Kulturpflanzen Teff und Kaffee domestiziert. Auf Zypern machte man Katzen und in Sumer und Ägypten Esel zu Haustieren und fügte die Erdmandel und die Maulbeerfeige zu den Anbaupflanzen hinzu. Die Bewohner des Industals domestizierten Sesam, die Osteuropäer dagegen Hafer und die Westeuropäer Mohn. Auf der arabischen Halbinsel wurde das Dromedar und in der heutigen Ukraine oder in Kasachstan das Pferd domestiziert.
Mit der um ebenfalls 3000 v. Chr. einsetzenden austronesischen Expansion verbreitete sich die Landwirtschaft mit den in Südchina kultivieren Pflanzen in Südostasien und dem Pazifischen Raum. Da ein weiteres Domestikationszentrum zwischen Indien und Südchina von der Forschung als unwahrscheinlich erachtet wird, ist China demnach auch Ursprungsort des indischen Reis. In Neuguinea dagegen waren unter Umständen bereits vor dem Eintreffen der südchinesischen Kulturpflanzen die einheimischen Jäger und Sammler dazu übergegangen, Bananen und Zuckerrohr zu nutzen. Von Nordchina aus, wo Reis ab 3000 v. Chr. angebaut wurde, verbreitete sich die Landwirtschaft binnen tausend Jahren nach Korea und schließlich sehr spät nach Japan.
Der mesoamerikanische Ackerbau breitete sich nordwärts aus, wo er jedoch in den Wüstengebieten des heutigen Texas ein Hindernis fand. Womöglich fand die Domestizierung von Sonnenblumen, Gänsefuß, Maygrass und Erdbirne im Osten der heutigen USA daher unbeeinflusst statt. Der Kürbis, so bewiesen Gentests, wurde in insgesamt sechs verschiedenen Regionen domestiziert. Ebenso wurden zahlreiche andere Pflanzenarten mehrfach in unterschiedlichen Regionen kultiviert. In den peruanischen Anden und dem angrenzenden Amazonas-Tiefland wurden daher vermutlich eigenständig Maniok und Kartoffeln domestiziert und erst später durch Mais ergänzt.
Ebenso wie in Mittelamerika mangelte es in Südamerika an geeigneten großen Säugetieren zur Domestikation. Einzig das Lama wurde für den Lastentransport genutzt. Zur Fleischversorgung diente Charque, getrocknetes, in Streifen geschnittenes Lamafleisch und es wurden Meerschweinchen gehalten.
In einigen Regionen der Erde hielt die Landwirtschaft – und damit die Jungsteinzeit – nie (d. h. mindestens bis zur europäischen Kolonialzeit) Einzug. Zum einen sind dies Wüsten- und Polar-Regionen, die sich grundsätzlich nicht zur landwirtschaftlichen Nutzung eignen. Zum anderen sind es Regionen, die erstens keine zur Domestikation geeigneten Arten in ihrer Flora und Fauna boten sowie zweitens durch Wüsten oder ähnliche unwegsame Gebiete von den Entwicklungszentren der Landwirtschaft getrennt waren und daher nicht in Besitz geeigneter kultivierter Pflanzen und Tiere kamen (wie Australien). Heute sind nur noch wenige Naturvölker auf einer Entwicklungsstufe vor der Jungsteinzeit.
Archäologische Kulturen
Innerhalb der Jungsteinzeit lassen sich (deutlicher als in der Altsteinzeit) „typische“ Kulturen erkennen, die jeweils nach mehrhundertjähriger Dauer abgelöst wurden, bzw. in eine neue Phase eintraten. Die archäologischen Funde und Fundsituationen weisen innerhalb von zeitlich und regional bestimmbaren Regionen Ähnlichkeiten auf und deuten die Grenzen der einheitlichen Kulturräume an.
Mitteleuropa
Die früheste gut erforschte neolithische Kultur Mitteleuropas ist die bandkeramische Kultur (vor 7.500 Jahren. Am Ende verbreitet von Moldawien bis in das Pariser Becken, im Norden bis zum Nordrand der Mittelgebirge). Parallel zu dieser vorwiegend die Löss-Landschaften besetzenden Kultur dürften sich in Enklaven, besonders aber an der Peripherie mesolithische Jäger- und Sammler gehalten haben. Die Bandkeramik wurde im Gebiet des heutigen Deutschland im westlichen Verbreitungsgebiet von der Rössener Kultur abgelöst, im Osten von der Stichbandkeramik, der Oberlauterbacher Gruppe und der Münchshöfener Kultur.
Weitere: La-Hoguette-Gruppe Trichterbecherkultur Michelsberger Kultur
Danubischer Raum, Südosteuropa
Im mittleren Donauraum setzte das Neolithikum mit dem Starcevo-Körös-Cris Komplex ein, in Griechenland mit der Sesklo-Kultur. Das Mittelneolithikum prägten auch die Alföld-Linearkeramik bzw. die Bükk-Kultur in Nordungarn und der Slowakei. Das Endneolithikum war in Serbien und im Banat durch die Vinča-Kultur, in Ungarn durch die Theiß-Kultur (Tisza-Kultur) bestimmt. Am Übergang zum Mittelneolithikum bricht auf dem Balkan und im danubischen Raum die Kontinuität der Tell-Siedlungen ab.
China
- Cishan-Peiligang-Kultur
- Hemudu-Kultur
Mittelamerika
- Olmeken
- Zapotec
Südamerika
- Valdivia-Kultur
- Aspero-Kultur
- Chinchoros-Kultur
- Chorrera-Kultur
- El Paraiso-Kultur
Varia
Der einzige bekannte Mensch aus der Endphase der Jungsteinzeit ist der Ötzi, der vor über 5.000 Jahren lebte. Seine Leiche blieb als gefriergetrocknete Mumie erhalten. Er hatte typische Gerätschaften der Jungsteinzeit wie Pfeil und Bogen bei sich und trug bereits ein Kupferbeil.
Wichtige archäologische Stätten der Mittel- und Endphase der Jungsteinzeit (vor 6.500 bis 4.800 Jahren) und Nachfolger der Tempel auf dem Göbekli Tepe (Türkei) vor 11.000 Jahren sind die Megalithanlagen und Menhire in Carnac (Frankreich), in Skara Brae (Schottland), sowie Maltas Tempel und Newgrange und Knowth in Irland.
Technologie und Entwicklung
Die meisten Werkzeuge aus Holz, Tierknochen oder Feuerstein waren denen aus der Alt- und Mittelsteinzeit sehr ähnlich. Neu waren Beile und Äxte, die durch Sägen und Schleifen geschärft und zur Schäftung durchbohrt wurden. Ebenfalls neu war das Auftreten gebrannter Tongefäße. In den meisten Regionen traten diese meist zur Bevorratung gebrauchten Gefäße mit oder unmittelbar nach dem Entwicklung des Ackerbaus auf, in Japan dagegen aber schon weit vorher.
Feuerstein
Mit der beginnenden Sesshaftigkeit entwickelte sich auch der Hausbau weiter. Im Gebiet der Alpen baute man Hütten auf meterhohen Stützen („Pfahlbauten“) an den Ufergebieten der Seen; eine Bauweise, die den periodischen Überflutungen der Seeufer angepasst war. Um die Dörfer baute man riesengroße Zäune (Palisaden)zum Schutz vor Wölfen oder anderen Feinden.Auch im Seengebiet des Jangtse und am Jangtse-Delta wurde auf diese Weise gebaut.
In Çatal Hüyük wurden meist rechteckige Häuser, aus Lehmziegeln und einem Holzgerippe, gebaut. Für eine sesshafte Kultur war Grundbesitz und dessen Verteidigung von großer Bedeutung; Oasenstädte wie Jericho wurden von meterhohen Mauern umgeben.
Die Entwicklung der Landwirtschaft und die daraus resultierende bessere Versorgungslage führte zu einem Anstieg der Bevölkerungszahl. Gleichzeitig spezialisierten sich Teile der Gruppe auf bestimmte Tätigkeiten. Es bildete sich eine geistige und politische Führungsschicht (Priester, Stammesoberhäupter, Fürsten).
Metalle
Während der Jungsteinzeit wurde auch die Metallbearbeitung entwickelt. Sie beschränkte sich aber auf gediegene (elementar vorkommende) Metalle wie Gold, Silber und Kupfer. Die ältesten Kupferfunde stammen aus Anatolien und dem Iran und sind über 9.000 Jahre alt. Aufgrund der Metallverarbeitung wird der letzte Abschnitt der Jungsteinzeit regional begrenzt als Kupfersteinzeit bezeichnet.
Religion und Kunst
Kupfersteinzeit
Durch die Entwicklung von Pflanzenbau und Tierzucht kam der Idee der Fruchtbarkeit in der Vorstellung des Menschen eine größere Bedeutung zu. Analog zum Vorgang Säen–Reifen–Ernten wurde die Abfolge Geburt–Leben–Tod in die Glaubenswelt übernommen. Die Bedeutung der Frau als „Lebensspenderin“ stieg, ebenso die Rolle weiblicher Fruchtbarkeitsgottheiten in der Religion. Das Matriarchat wurde vorherrschende Gesellschaftsordnung. Erst mit der Entstehung erster staatlich organisierter Gesellschaften (den ersten Stadtstaaten in Mesopotamien) wird es vom Patriarchat abgelöst, eine Entwicklung, die bspw. im Etana-Mythos ihre religiös-mythische Begründung erhält.
Wie noch heute in einigen Naturreligionen wurden heilige Kräfte in der umgebenden Tier- und Pflanzenwelt vermutet. Menschen-, tier- oder mischgestaltige Fabelwesen wurden Objekt der Verehrung, ebenso die Sonne als höchstes Wesen oder Lichtgottheit. In Ägypten entstand die Idee der Sonnenbarke. Die Tradition (aus der Mittelsteinzeit) der Wandmalerei in Höhlen wurde in einigen Regionen fortgesetzt (Skandinavien, Ostspanien), während im Nahen Osten nun die Wände von Kultgebäuden verziert wurden.
Die Beisetzungen der Toten erfolgte in der Regel außerhalb der Siedlungen in Flachgräbern. In Mitteleuropa wurden bedeutende Herrscher in Hügel- oder Großsteingräbern (Megalithgräbern) beerdigt, ebenso scheint ein Toten- und Ahnenkult betrieben worden zu sein. In Ägypten begann im 4. Jahrtausend v. Chr. die Tradition unterirdischer Grabanlagen, die im Alten Reich mit den monumentalen Pyramidenbauten ihren Höhepunkt fand.
Die vielfältige und abwechslungsreiche Formung und Ornamentierung von Töpferware (Keramik) lässt Archäologen einzelne Gefäße (und damit Fundplätze) einer bestimmten Kulturgruppe zuordnen. Die Art und Weise der Keramikbearbeitung wird nun auch maßgebend für die Namensgebung (durch Archäologen) für die einzelnen Kulturen (bspw. Bandkeramiker) und löst damit die Steinwerkzeuge in dieser Hinsicht ab.
Literatur
Bücher
- John Lubbock: Die vorgeschichtliche Zeit erläutert durch die Überreste des Alterthums und die Sitten und Gebräuche der jetzigen Wilden, Costenoble, Jena 1874.
- Vere Gordon Childe: Der Mensch schafft sich selbst, Verlag der Kunst, Dresden 1959.
- Jared Diamond: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften, Fischer TB, Frankfurt/Main 1998. ISBN 3-596-14967-3
- Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit. Jäger, Fischer und Bauern zwischen Nordseeküste und Alpenraum, Bertelsmann, München 1991. ISBN 3-570-02669-8
- J. Müller: Die Impresso-Kultur und die Neolithisierung des Adriaraumes, Spiess Wissenschaftsverlag, Berlin 1994.
- Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit (in: Beitraege zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, Bd. 36), Beier und Beran, Langenweissbach 2003. ISBN 3-930036-70-3
- Jeanette Werning: Früheste Scherben, frühester Reis, früheste Hirse. Zur Neolithisierung in China, in: Jörg Eckert (Hg.): Archäologische Perspektiven. Analysen und Interpretationen im Wandel, Leidorf, Rahden/Westfalen 2003, S. 103–129. ISBN 3-89646-400-0
- Daniel Zohary und Maria Hopf: Domestication of plants in the old world. The origin and spread of cultivated plants in West Asia, Europe and the Nile Valley, Oxford University Press, Oxford 32000. ISBN 0-19-850357-1
Artikel in Fachzeitschriften
- Bruce F. Benz: Archaeological evidence of teosinte domestication from Guilá Naquitz, Oaxaca, in: PNAS 98 (Februar 2001), S. 2104–2106. [http://www.pnas.org/cgi/content/abstract/98/4/2104 online]
- Daniel G. Bradley: Genetic evidence for Near-Eastern origins of European cattle, in: Nature 410 (April 2001), S. 1088–1091.
- Lounès Chikhi: Y genetic data support the Neolithic demic diffusion model, in: PNAS 99 (August 2002), S. 11008-11013. [http://www.pnas.org/cgi/content/full/99/17/11008 online]
- Richard Cordaux: Genetic Evidence for the Demic Diffusion of Agriculture to India, in: Science 304 (Mai 2004) S. 1125.
- Gordon Hillmann: New evidence of Lateglacial cereal cultivation at Abu Hureyra on the Euphrates, in: The Holocene 11/4 (Juli 2001), S. 383–393.
- Simcha Lev-Yadun: The Cradle of Agriculture, in: Science 288 (Juni 2000), S. 1602–1603
- Dani Nadel: Processing of wild cereal grains in the Upper Palaeolithic revealed by starch grain analysis, in: Nature 430 (August 2004), S. 670–673.
- Katharina Neumann: New Guinea. A Cradle of Agriculture, in: Science 301 (Juli 2003), S. 180–181.
- Dolores R. Piperno: Phylogenetic relationships among domesticated and wild species of Cucurbita (Cucurbitaceae) inferred from a mitochondrial gene, in: PNAS 99 (Januar 2002), S. 535–540. [http://www.pnas.org/cgi/content/full/99/1/535 online]
- Kevin O. Pope: Origin and Environmental Setting of Ancient Agriculture in the Lowlands of Mesoamerica, in: Science 292 (Mai 2001), S. 1370–1373.
- Bruce D. Smith: The Initial Domestication of Cucurbita pepo in the Americas 10,000 Years Ago, in: Science 276 (Mai 1997), S. 932–934.
- Melinda A. Zeder und Brian Hesse: The Initial Domestication of Goats (Capra hircus) in the Zagros Mountains 10,000 Years Ago, in: Science 287 (März 2000), S. 2254–2257.
Weblinks
- [http://www.kulturendersteinzeit.de.vu/ Kulturen der Steinzeit]
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Neolithikum.htm Zur Jungsteinzeit in Oberfranken (Landschaftsmuseum Obermain Kulmbach)]
- [http://www.rserv.de/ Bilder von Großsteingräbern und Menhiren in Deutschland]
Siehe auch
- Portal:Vor- und Frühgeschichte – Neolithische Revolution, Baalberger Kultur, Stonehenge, Woodhenge, Silbury Hill
Kategorie:Zeitalter
Kategorie:Steinzeit
ko:신석기 시대
Drenthe
Drenthe ist eine niederländische Provinz, gelegen im Nordosten des Landes. Die Hauptstadt ist Assen. Andere wichtige Orte sind Emmen und Hoogeveen. Sie grenzt im Süden an die Provinz Overijssel, im Westen an Friesland, im Norden an Groningen und im Osten an Deutschland. Die Provinz ist ländlich geprägt und wird am Ostrand von Moorgebieten beherrscht.
Geologie
Grob betrachte weist die Provinz die Form eines umgedrehten Tellers auf. Die Ränder liegen tief und die übrigen Teil der Provinz befinden sich auf einem Plateau. Diese besteht zu weiten Teilen aus Kies- und Sandablagerungen, welche fast überall mit sandigen Böden überdeckt ist. Die Höhe dieses Plateaus bewegt sich zwischen 10 und 20 müNN. Einschnitte werden einzig durch Seen und Flüsse hervorgerufen. Erhebungen stammen meist von Streifendünen und Aufschüttungen in Baugebieten. Zwischen den Städten Emmen im Südosten und Groningen im Norden verläuft der niederländische Hunsrück, der Hondsrug (Hunderücken), eine leichte Erhebung aus eiszeitlichen Sanden und Ablagerungen. Dort liegt mit 32 m auch der höchste natürliche Punkt der Provinz. In dem Dorf Wijster in der Gemeinde Midden-Drenthe befindet sich die höchste Stelle der Provinz, die Spitze einer Mülldeponie. Die tiefsten Punkte der der Provinz liegen im Nord- und Südwesten der Provinz unterhalb des Meeresspiegels.
In dem Dorf Schoonebeek in der Gemeinde Emmen wurden vor kurzen Erdölvorkommen entdeckt. Man vermuten zudem Erdgasvorkommen.
Landschaft
In der Provinz lassen sich drei Landschaftstypen unterscheiden. Die Heide, die Moorgebiete und die Kanallandschaften.
Heide
Die Mitte der Provinz, auch als alt Drenthe bezeichnt, weist hauptsächlich Sandboden auf. Dieser Bereich wurde durch Heidegebiete mit Weiden und Ackerbau geprägt, welche von Grünlandstreifen entlang der Flüsse und Bäche unterbrochen wurde. In der Landwirtschaft herschte früher vielfach die Schafzucht vor, wobei die Schafe den Sommer in der Heide verbrachten. Durch den Einsatz von Kunstdünger ab dem 19. Jahrhundert verlor die Schafzucht an Bedeutung und weite Teile der Heide wurden in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt. Andere Teile der Heide wurden durch die staatliche Fortsverwaltung aufgeforstet um den steigenden Holzbedarf zu decken. Das Grünland entlang der Flüsse wurde hauptsächlich als Weideland genutz, wobei entliche Auengebiete trockgelegt wurden. Das Aussehen der Ackerflächen hat sich zudem durch Flurbereinigungen geändert.
Somit ist von der ursprünglichen Heidelandschaft nicht mehr viel übrig geblieben. Größere Flächen findet man nur noch im Nationalpark Drentschen Aa nordöstlich von Assen.
Moorlandschaft
Der östliche Bereich der Provinz wird von zahlreichen Moor geprägt. Hier findet schon seit langer Zeit ein intensiver Torfabbau statt. Weite Teile werden von Entwässerungskanälen durchzogen um diesen Abbau zu ermöglichen. In den Gebieten in denen die Torfvorkommen erschöpt sind, hat sich Landwirtschaft angesiedelt. Von den Mooren sind heute nur noch zwei größere erhalten, das Bargerveen im äußersten Südosten der Provinz und das Fochteloërveen im Nordwesten an der Grenze zu Friesland.
Kanallandschaften
Da die meisten Flüsse in der Provinz für die Schifffahrt zu klein waren, wurden zahlreiche Kanäle angelagt. Die bedeutendsten sind der Drentsche Hoofdvaart, der Noord-Willems-Kanaal, der Hoogeveense Vaart und der Oranjekanaal. Durch den zunehmenden Verkehr auf den Straßen haben die Kanäle vielfach stark an Bedeutung verloren.
Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnug von Drenthe geht auf das Jahr 820 zurück. Dort wird von der sogenannten Pago Treanth, was für Landschaft Drenthe steht, gesprochen. In den Jahren 1024 und 1025 wird die Grafschaft Drenthe erwäht. 1046 wird diese Grafschaft durch Kaiser Hendrick III. dem Bischof Bernoldus von Utrecht geschecnkt. Als sich die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande für unabhängig erklären wird die Provinz Drenthe ein Teil des Landes, wird aber nicht als eigenständige Provinz anerkannt. Erst als sich 1839 die Niederlande in der heutigen Form bilden, wird Drenthe eine eigenständige Provinz.
51 der 53 in den Niederlanden beheimateten und erhaltenen Hünengräber liegen in Drenthe, die beiden anderen liegen in der Provinz Groningen.
Sprache
Die ursprünglichen Dialekte sind niedersächsischer Herkunft.
Gliederung
In der Provinz Drenthe existieren zwölf Gemeinden:
- Aa en Hunze
- Assen
- Borger-Odoorn
- Coevorden
- Emmen
- Hoogeveen
- Meppel
- Midden-Drenthe
- Noordenveld
- Tynaarlo
- Westerveld
- De Wolden
Kategorie:Niederländische Provinz
ja:ドレンテ州
Utrecht
Die niederländische Gemeinde Utrecht // ist die Hauptstadt der Provinz Utrecht. Am 1. Juni 2005 betrug die Einwohnerzahl 277.426. Die Stadt ist sehr zentral in den Niederlanden gelegen, deswegen kommt auch ihrem Bahnhof eine besondere Bedeutung für Fernverbindungen zu. Utrecht verfügt über eine Universität (Universiteit), eine Musikhochschule (Conservatorium) und eine Fachhochschule (Hogeschool). Die Stadt ist Sitz sowohl eines römisch-katholischen als auch eines altkatholischen Erzbischofs.
Sehenswürdigkeiten
- Utrechter Dom, eine der bedeutendsten Kirchen und die einzige Domkirche der Niederlande, deren Mittelschiff 1674 durch einen Orkan einstürzte; der seither freistehende Kirchturm ist mit 112,5 Meter der höchste des Landes; er hat ein Hemony-Glockenspiel aus dem 17. Jahrhundert
- weitere alte Kirchen, unter anderem die Jans-, St. Petri-, Nikolai-, Jacobi-, Geerte = Gertrudiskirche
- einige alte Häuser und Stadtschlösser, vor allem Paushuize (1517) wo der Papst Hadrian VI. gelebt hat, und Haus Oudaen (um 1300)
- Universitätsmuseum
- Niederländisches Eisenbahnmuseum (Spoorwegmuseum)
- Catharijneconvent, bedeutendes Museum für Religionsgeschichte; es befindet sich im ehemaligen Katharinenkloster
- Museum Van Speelklok tot Pierement (Spieluhren)
- Zentralmuseum (alte und moderne Kunst, 2002 erneuert)
- die Stadt hat, als Universitätsstadt, viele Kneipen und Restaurants
- das Musikzentrum Vredenburg
Geschichte
Im Jahre 48 n. Chr. gab es in dieser Lage, die sehr günstig ist, weil hier einige kleine Flüsse zusammenkommen, bereits eine römische Siedlung, die möglicherweise Traiectum („Flussübergang“) hieß. Um 690 errichtete der heilige Willibrord hier eine Mission. Für die Gebäude wurden die römischen Ruinen wiederverwendet.
Der Ort bekam den Namen: Ultra Traiectum, uut Trecht („außerhalb Trajectums“), vergleiche niederländisch uit („aus“).
Im 12. Jahrhundert wurde Utrecht eine ummauerte Stadt. Als Bischofssitz war sie von größter Bedeutung und die Stadt ist daher reich an mittelalterlichen Kirchen. In 1559 wurde Utrecht Sitz eines Erzbistums. Im Jahre 1576 kam die Stadt in Aufstand (siehe: Achtzigjähriger Krieg) gegen die Spanier, und die Zitadelle Vredenburg wurde eingenommen (später geschleift; die Trümmer wurden für andere Bauten wiederverwendet). Im Jahre 1579 musste der katholische Erzbischof die nach der Utrechter Union protestantisch gewordene Stadt verlassen; erst 1853 wurde Utrecht wieder Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs, nachdem Utrecht bis dahin allein einen alt-katholischen Erzbischof aufwies. Im Jahre 1636 wurde die Universität gegründet. Die Stadt verlor dann vorübergehend an Bedeutung, wuchs aber wieder stark nachdem sie im 19. Jahrhundert Eisenbahnanschlüsse erhielt. Utrecht ist heute die viertgrößte Stadt der Niederlande. Im Westen ist, rings um das ehemalig selbständige Dorf Vleuten, ein großes Neubauviertel, Leidsche Rijn, im Bau.
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