:: wikimiki.org ::
| Geschichte Der Englischen Sprache |
Geschichte der englischen SpracheDie Geschichte der englischen Sprache wird in vier Phasen unterteilt,
die sich wie folgt zeitlich einordnen lassen.
Ursprünglich ist die englische Sprache nach der 1. Lautverschiebung der westgermanischen Sprachen zusammen mit der Niederdeutschen Sprache entstanden. Die Niederdeutsche Sprache gliedert sich wiederum in die drei Gruppen der Niederfränkischen Sprache (später Niederländisch), der Niedersächsischen Sprache und der Ostniederdeutschen Sprache.
Altenglisch
Hauptartikel: Altenglische Sprache
Geschichte
Die Geschichte der englischen Sprache beginnt im Jahre
449, als die germanischen Volksstämme der Jüten, Angeln und Sachsen England erobern. Die Angeln lat. Angli) gaben dem Land den Namen; allerdings wurde zuerst die Bezeichnung Englisch geprägt und davon der Name England abgeleitet. Nach der Eroberung entstanden die sieben Königreiche Northumbria, Mercia, East Anglia, Kent, Essex, Sussex und Wessex, die zusammen die sogenannte angelsächsische Heptarchie bildeten. Die altenglische Sprache wird in vier Dialekte unterteilt:
- Anglisch mit den Unterdialekten
- Northumbrisch nördlich des Flusses Humber, bis nach Edinburgh (Schottland). Dieser Dialekt führt kulturell und in der Literatur bis zur Invasion der Wikinger im 8. Jahrhundert (s.u.).
- Southumbrisch/Mercisch (südlich des Flusses Humber, östlich von Wales)
- Sächsisch mit der Ausprägung West-Sächsisch an der Südküste Englands, bis nach Cornwall. Das Westsächsische übernahm später die kulturelle Führungsrolle („Standard Old English“). Die meisten erhaltenen Texte sind in diesem Dialekt abgefasst.
- Jütisch in seiner Ausprägung Kentisch um Canterbury, südlich von London und um die Isle of Wight
Alphabet
Das Alphabet weist einige besondere Buchstaben auf, die im modernen Englischen nicht mehr verwendet werden. Dazu zählen Þ (thorn), ð (eth) und die Ligatur æ (ash). Die Kombination sc wird wie das moderne sh ausgesprochen (z.B. AE scip - ModE ship). Außerdem gibt es Unterschiede bei den Vokalen (AE stān - ModE stone).
Grammatik
Die Grammatik ist dem heutigen Deutschen in
vielfacher Hinsicht ähnlicher als dem modernen Englisch. Im Laufe der
Geschichte lässt sich ein stetiger Rückgang der Flexion feststellen. Das Altenglische ist eine synthetische Sprache. Das Substantiv hat vier Fälle, während es im modernen Englisch nur einen Unterschied beim Genitiv gibt. Man unterscheidet zwischen einer starken (konsonantischen) und einer schwachen (vokalischen) Deklination. Auch beim Artikel wird entsprechend differenziert, während es heute nur noch eine Form gibt (the). Beim Personalpronomen blieben die meisten Endungen erhalten. Die Zahl der schwachen Verben war zu jeder Zeit höher als die der starken Verben, aber die zweite Gruppe war im Altenglischen deutlich umfangreicher als heute. Die starken Verben werden in sieben Klassen unterteilt.
Vokabular
Der Wortschatz des Altenglischen ist zum größten Teil germanisch. Durch fremde Einflüsse starben jedoch im weiteren Verlauf der Geschichte rund 85% des Wortschatzes aus, nur grundlegende Elemente überlebten. Das Altenglische zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Synonymen aus, z.B. bei der Beschreibung von Kriegern und Helden.
Im Gegensatz zu späteren Perioden werden neue Wörter vielfach aus eigenem
Material gebildet. Neue Verwendungen alter Wörter sind ebenso üblich wie die
Derivation mit Affixen (z.B. mōd, mōdig, mōdcræftig). Die gleiche Wurzel kann mit vielen verschiedenen Affixen kombiniert werden.
Das Altenglische wurde von drei anderen Sprachen beeinflusst.
Als die Germanen nach England kamen, trafen sie auf die einheimischen Kelten. Deren Sprache überlebte v.a. in Ortsnamen und geographischen Bezeichnungen (z.B. Themse). Ansonsten gibt es nur geringe Spuren, weil die Kelten das unterlegene Volk waren und sich der Kultur der Eroberer anpassen mussten.
Deutlich umfangreicher war der Einfluss des Lateinischen, da die römische Zivilisation ein hohes Ansehen genoß. Kaiser Claudius eroberte im Jahre 43 n.Chr. England, nachdem Caesar 55 v. Chr. einen entsprechenden Plan verworfen hatte. Die ersten Spuren waren Inschriften. Vom europäischen Festland wurden Begriffe aus den Bereichen Krieg, Handel und Alltagsleben auf die Insel gebracht. Einige Entlehnungen erfolgten indirekt durch das Keltische. Dazu zählt das vom lateinischen castra (Lager) abgeleitete Wort ceaster, das in Städtenamen wie Manchester überlebt hat. Der lateinische Anteil am Vokabular wurde erhöht, als Augustinus mit seinen Mönchen nach England kam, um dem heidnischen Volk den christlichen Glauben zu bringen. Die Christianisierung veränderte auch die Sprache. In erster Linie wurden natürlich Begriffe entlehnt, die im Zusammenhang mit der neuen Religion und ihrer kirchlichen Organisation stehen. Nach der Einführung der benediktinischen Regel im 10. Jahrhundert wurden auch viele Wörter aus dem Reich der Bildung übernommen. Der Zeitpunkt einer Entlehnung lässt sich durch die Verwendung in Texten und die phonetische Form des Worts bestimmen.
Aber das Altenglische beschrieb viele neue Konzepte auch mit einheimischem Vokabular. Wörter wie God (Gott) und heaven (Himmel) blieben erhalten. Die heilige Schrift wurde als gewritu (das Geschriebene) bezeichnet und für den heiligen Geist benutzte man den Ausdruck Hālig Gāst statt des lateinischen Spiritus Sanctus.
Der zweite fremdsprachliche Einfluss kam aus dem Norden. Zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert fielen die Wikinger in England ein. Die Invasion begann 793 mit dem Überfall auf Lindisfarne. Nach mehreren Plünderungen wurde im Jahre 886 der Vertrag von Wedmore geschlossen. Den Skandinaviern wurde ein Gebiet namens Danelaw zugeteilt. Die Räuber wurden zu friedlichen Siedlern und die beiden Völker vermischten sich. Die Menschen brachten ihre Sprache mit in die neue Heimat.
Durch die enge Verwandtschaft der germanischen Sprachen gestaltete sich die
Entlehnung einfach. Die Einheimischen und die neuen Einwohner konnten sich
gegenständig relativ problemlos verständigen. Angesichts der Ähnlichkeit ist es in vielen Fällen schwierig zu entscheiden, ob ein Wort aus dem Altenglischen oder den skandinavischen Sprachen stammt. Einen Hinweis bietet die lautliche Form. So beginnen englische Wörter z.B. mit sh- (ship) und skandinavische mit sk- (sky). Da die beiden Völker eng zusammenlebten, gab es in allen Lebensbereichen Entlehnung aus der fremden Sprache. Der Einfluss zeigt sich auch bei Namen. In England gab es jetzt auch Nachnamen, die nach skandinavischem Vorbild auf -son enden (Jackson = Jacks Sohn). Viele altenglische wurden durch die entlehnten Wörter ersetzt, z.B. niman durch take, weorpan durch cast und snīðan durch cut. In anderen Fällen kam es zu einer Differenzierung bezüglich des Bedeutung, z.B. bei sick und ill. Der skandinavische Einfluss reichte sogar bis in die Grammatik. Funktionswörter, die eigentlich besonders resistent gegen Veränderungen sind, wurden auch ersetzt, so z.B. die Pronomen hīe / hiera / him durch they / their / them. Die Form syndon (deutsch: sind) wurde durch are ersetzt, das durch Analogie auf andere Personen ausgedehnt wurde.
Mittelenglisch
Hauptartikel: Mittelenglische Sprache
Französischer Einfluss
Diese Periode ist von einem enormen Einfluss der französischen Sprache geprägt. Die Geschichte beginnt mit der normannischen Eroberung (Norman Conquest) unter der Führung von Wilhelm dem Eroberer. Nach dem Tod von König Eduard dem Bekenner wurde Harald II. zu dessen Nachfolger gewählt, obwohl Wilhelm der Thron versprochen worden war. Der Eroberer fiel daraufhin in England ein und gewann nach der erfolgreichen Schlacht bei Hastings im Jahre 1066 die Macht. Da anschließend der englische Adel komplett durch Franzosen ersetzt wurde, entstand eine bilinguale Situation. Die Angehörigen der Oberschicht sprachen französisch, während das Englische nur noch geringes Prestige besaß und als unkultiviert galt. Die Kenntnis der englischen Sprache war nur für diejenigen nötig, die mit Angehörigen der unteren Schicht kommunizieren mussten, z.B. Kaufleute. Das Französische hatte nicht nur in England ein besonders hohes Ansehen. Frankreich galt als Vorbild der höfischen Gesellschaft.
Vokabular
Der französische Einfluss zeigte sich auch beim Vokabular. Zahlreiche Wörter
wurden aus der Sprache der Herrscher übernommen. Alle Bereiche des Lebens waren davon betroffen: Regierung, Kirche, Recht, Mode, Küche etc. In den letztgenannten Bereichen genießt Frankreich heute noch großes Ansehen. Wenn
englische und französische Wörter aufeinandertrafen, gab es ähnliche Konsequenzen wie beim skandinavischen Einfluss. Entweder wurde das
altenglische Wort ersetzt, z.B. æÞele durch noble oder ēam durch uncle, oder es kam es zu einer Bedeutungsdifferenzierung. Ein
interessantes Beispiel bieten die Begriffspaare ox - beef (Rind),
sheep - mutton (Schaf), swine - pork (Schwein) und calf
- veal (Kalb). Das erste Wort ist englischen Ursprungs und bezeichnet das Tier, das zweite Wort ist entlehnt und bezeichnet das Fleisch. Viele Wörter wurden in die Sprache integriert und mit einheimischen Elementen zu neuen Begriffen verbunden, z.B. gentleman. Im Vergleich mit dem heutigen Französischen lassen sich einige Unterschiede feststellen, da die moderne
Sprache auf dem Pariser Dialekt basiert, der höheres Prestige als die
normannische Variante besaß.
Patriotismus und Standardsprache
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts kam es zu einer bedeutenden Veränderung, die
auch Einfluss auf die Sprache hatte. Die Adligen verloren ihre Besitztümer in Frankreich und mussten sich ab sofort auf England konzentrieren. Durch diese Entwicklung gewann die englische Sprache wieder an Prestige. Außerdem wurde die englischsprechende Mittelschicht wirtschaftlich bedeutend, als die Pest zahlreiche arme Menschen tötete. Immer mehr Autoren schrieben in englischer Sprache. Außerdem wurde Englisch zur Sprache bei Gericht und in den Schulen unterrichtet.
Die Rückkehr der einheimischen Sprache wurde von der Entstehung eines englischen Patriotismus begleitet. Die Menschen betrachten Englisch nun als angemessene Sprache und widersetzten sich dem französischen Einfluss. Die Kenntnis der fremden Sprache nahm immer mehr ab. Die feindliche Einstellung gegenüber dem Französischen gipfelte schließlich im Hundertjährigen Krieg. Als die Franzosen König Eduard III. bei seinem Angriff auf Schottland störten, brach der Konflikt aus.
Der Aufstieg des Englischen wurde durch die Etablierung eines Standards ab Ende des 14. Jahrhunderts begünstigt. Bisher gab es vier Dialekte: Northern, East Midland, West Midland und Southern. Die neue Hochsprache basierte auf dem Dialekt, der in der Hauptstadt London gesprochen war und bildete somit einen Kompromiss zwischen dem konservativen Süden und dem radikalen Norden. Weitere wichtige Faktoren waren die große Bevölkerung, die Universitäten von Oxford und Cambridge sowie der Einfluss des Schriftstellers Geoffrey Chaucer.
Grammatik
In grammatischer Hinsicht ist die Periode vom Verfall der Flexion geprägt. Durch Analogie wurden Formen angeglichen. Viele starke Verben gingen verloren oder wurden zu schwachen Verben. Außerdem wurde das grammatische Geschlecht abgeschafft; entscheidend war nur das natürliche Geschlecht. Durch die fehlende Flexion konnte es zu Missverständnissen kommen. Um das zu verhindern, wurde eine strikte Wortstellung eingeführt. Seitdem steht das Subjekt vor und das Objekt hinter dem Verb (SVO).
Frühneuenglisch
Hauptartikel: Frühneuenglisch
Diese Zeit, die nicht in allen Darstellungen als eigene Periode aufgeführt wird, ist von veränderten äußeren Bedingungen geprägt. Der Buchdruck unterstützte die Entwicklung der Standardsprache. Die Alphabetisierung ermöglichte mehr Menschen den Zugang zum schriftlich fixierten Wissen, das durch die verbesserten Möglichkeiten der Kommunikation leichter vermittelt werden konnte. Außerdem beschäftigten die Menschen sich jetzt bewusst mit dem Phänomen Sprache.
Vokabular
Da der Zugang zum Wissen während der Renaissance zu einem wichtigen Allgemeingut wurde, wurden zahlreiche Wörter entlehnt und neu geschaffen, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Als wichtigste Quelle diente die lateinische Sprache. Manche Wörter wurde unverändert übernommen (climax), bei anderen wurde die lateinische Endung entfernt (consult-are) oder verändert (-tas wird zu -ty). In vielen Fällen wurde der lateinische Begriff indirekt über das Französische in die englische Sprache übernommen. Oft kann man den Weg der Entlehnung nicht nachvollziehen. Während fact vom lateinischen factum und nicht vom französischen fait abstammt, können consist und explore aus beiden Sprachen kommen.
Die Anzahl der neuen Wörter stieg immer mehr an. Shakespeare gilt als der Autor mit dem größten Vokabular. Da viele der neuen Begriffe als überflüssig angesehen wurden, entwickelte sich ein Streit. Die Puristen wehrten sich gegen die sogenannten inkhorn terms, die für die meisten Menschen ohne Lateinkenntnisse unverständlich seien.
Vereinheitlichung
Mit der Entwicklung der Standardsprache entstand auch der Wunsch nach einer Vereinheitlichung der Sprache. Bisher gab es kein allgemein akzeptiertes System. Außerdem war es durch die fremden Einflüsse zu einer deutlichen Diskrepanz zwischen Laut und Symbol gekommen. Die Wörter wurden nicht mehr so geschrieben, wie sie ausgesprochen wurden. George Bernard Shaw präsentierte deshalb sarkastisch ghoti als denkbare Schreibweise für das Wort fish: gh wie in cough (husten), o wie in women (Plural) und ti wie in nation). Tatsächlich wird z. B. der Laut [f] in der englischen Orthografie durch vier verschiedene Schreibweisen (f, ff, gh, ph) repräsentiert. Alle Bemühungen um eine durchgreifende Orthographie-Reform scheiterten jedoch
Der im 18. Jahrhundert entstehende wissenschaftliche Rationalismus verlangte eine geregelte Sprache. Vermeintliche Fehler sollten verbessert werden. Die bereinigte Sprache sollte in einer permanenten Form festgehalten werden, die immun gegen Veränderungen ist. Dass die menschliche Sprache ein lebendiges Phänomen ist, ignorierten die Menschen damals. Nach dem Vorbild der Académie française und der italienischen Accademia della Crusca sollte auch in England eine Institution für die Pflege der Sprache geschaffen werden. Die Pläne scheiterten jedoch. Dennoch betrachten sich die Grammatiker des 18. Jahrhunderts als entscheidende Instanzen, die Urteile über den „korrekten“ Gebrauch der Sprache fällen konnten. Samuel Johnson veröffentlichte 1755 ein Wörterbuch, das jedoch aus heutiger Sicht mangelhaft ist.
Grammatik
Die wichtigste Entwicklung vollzog sich in der Phonologie. Beim sogenannten Great Vowel Shift veränderte sich die Aussprache der Vokale. Die langen Vokale wurden angehoben und die höchsten zu Diphthongen. Außerdem wurden unbetonte Vokale zu einem ∂(Schwa) abgeschwächt.
Modernes Englisch
Hauptartikel: Englische Sprache
In der Neuzeit wurden die Möglichkeiten für die Reise und Kommunikation weiter verbessert. Die historische Entwicklung, v.a. die beiden Weltkriege und ihre Folgen, sorgte für viele neue Wörter. Durch den wissenschaftlichen Fortschritt besteht immer wieder Bedarf nach neuen Begriffen. Auch Laien kommen in Kontakt mit technischen Begriffen, z.B. in der Medizin oder bei der Computertechnik. In der Wissenschaft werden neue Begriffe häufig mit lateinischen oder griechischen Elementen gebildet, z.B. tele. Alte Ausdrücke erhalten eine neue Bedeutung (z.B. stand by). Durch intensive Benutzung verlieren Wörter ihre spezielle Bedeutung, z.B. drücken nice oder great nur noch allgemeine positive Einschätzungen aus. Es kommt auch zu Bedeutungsverengungen. So wurde doctor vom wissenschaftlichen Titel zur Bezeichnung für den Arzt. Ein typisches Phänomen der Neuzeit ist die Ableitung neuer Wörter von Eigennamen, z.B. Sandwich, Colt, Boycott oder Lynch.
Das wichtigste Werk der englischen Sprachgeschichte entstand vom Ende des 19. Jahrhunderts. Das Oxford English Dictionary (OED) sollte die unbrauchbaren Wörterbücher ablösen. Um ihrem Anspruch, jedes englische Wort mit seiner Geschichte zu dokumentieren, gerecht zu werden, sammelten die Verfasser enorme Textmengen. Das Werk umfasste schließlich rund 240.000 Einträge.
Wichtige grammatische Entwicklungen sind die Konversion, d.h. der Übergang von einer Wortart in die andere ohne formale Änderung, und die zahlreichen Wortverbindungen in festen Fügungen, die als „idioms“ bzw. „phrasal verbs“ von Nicht-Muttersprachlern gelernt werden müssen.
Englisch weltweit
Durch die Kolonialisierung und die Ausdehnung des Empire verbreitete sich die englische Sprache weltweit, u.a. in Indien, Australien, Afrika und Südostasien. Nach der Besiedlung Amerikas entstand in den USA eine eigene Variante der englischen Sprache, die sich bewusst vom Britischen Englisch absetzte. Auch in den anderen Regionen entwickelten sich eigene Dialekte. 28% der 125 Pidgin- und Kreolsprachen basieren auf der englischen Sprache.
Umgekehrt übernimmt das Englische auch Begriffe aus mehr als 50 Sprachen, darunter aus anderen europäische Sprachen wie Italienisch (volcano, violin), Spanisch (alligator, sombrero), Portugiesisch (fetish, tank), Deutsch (kindergarten, zeitgeist), Schweizerdeutsch (putsch, muesli), Russisch (samovar, troika), aber auch aus dem Arabischen (magazine, coffee), Persischen (naphtha, chess), Hindi (guru, chutney), dem Japanischen (sake, soy), Chinesischen (sampan, ginseng), aus Indianersprachen (coyote, wigwam) und australischen Sprachen (kangaroo, boomerang).
Grammatik
thou und ye
Die Grammatik der modernen englischen Sprache unterscheidet sich von der des Frühneuenglischen kaum noch, bis auf die Tatsache, dass das Pronomen you (ursprünglich "euch") die Pronomen thou ("du", heute nur noch poetisch und in Dialekten als "tha" genutzt), thee ("dich") und ye ("ihr") verdrängte. Der Grund für dieses Phänomen ist der, dass ye nach der normannischen Eroberung nach dem Vorbild von franz. vous auch für einzelne Personen verwendet wurde, um Respekt zu bekunden. Ab dem 15. Jahrhundert empfand man thou plötzlich als unangebracht intim und verwendete es nur noch in sehr engen Freundschaften und wenn man z.B. mit Kindern redete. Ein Ehemann redete Frau und Kinder demzufolge mit thou an, während sie mit ye antworteten. So engte sich der Gebrauch von thou immer mehr ein, bis es im 17. Jahrhundert nur noch als Beleidigung gesehen wurde und schließlich ausstarb.
Veränderungen in der Konjugation der Verben
In der 2. und 3. Person Singular gab es ein paar Veränderungen:
Literatur
- Albert C. Baugh & Thomas Cable, A History of the English Language, Prentice Hall, 2001, 5. Auflage, ISBN 0130151661
- Richard M. Hogg (Hg.), Cambridge History of the English Language (6 Bände), Cambridge (MA) Cambridge University Press, 1992-2001, ISBN 052126474X / ISBN 0521264758 / ISBN 0521264766 / ISBN 0521264774 / ISBN 0521264782 / ISBN 0521264790
- Manfred Scheler, Der englische Wortschatz, Berlin Schmidt, 1977
Kategorie:Historische Linguistik
Kategorie:Englische Sprache
ja:英語史
LautverschiebungMit Lautverschiebung werden bestimmte Lautwandel-Phänomene bezeichnet, welche im Laufe der Entwicklung einer Sprache auftreten können. Dabei wandeln sich nach gewissen Regeln Konsonanten und/oder Vokale regelhaft in andere um (zum Beispiel niederdeutsch (platt) bzw. englisch water in deutsch Wasser, niederdeutsch eten = hochdeutsch essen).
Lautverschiebungen treten offenbar schubweise auf, während der erreichte Zustand dann jahrhundertelang unverändert Bestand haben kann. Die Auslöser für so tiefgreifende Verschiebungen im Lautsystem einer Sprache sind noch nicht bekannt.
Der Begriff »Lautverschiebung« wird in erster Linie für zwei ähnlich gelagerte Konsonantenverschiebungen benutzt, die vom Urindogermanischen zum Hochdeutschen geführt haben.
Bei beiden Lautverschiebungen kann man nach dem Artikulationsort drei Gruppen von Konsonanten bilden, die sich jeweils innerhalb der Gruppe zu einem anderen Konsonanten gewandelt haben:
- Dentale ('Zahnlaute') (s, sch, sk, z, t, th, d usw.)
- Labiale ('Lippenlaute') (p, b, f, v, w, pf usw.)
- Velare ('Kehllaute') (g, k, c, ck, ch usw.)
Historisch unterscheidet man die folgenden Lautverschiebungen:
Erste Lautverschiebung
Die Änderungen durch die Erste Lautverschiebung werden durch das Grimm'sche Gesetz beschrieben, benannt nach Jacob Grimm. Einige Ausnahmen, die sich durch sich anschließende Änderungen ergaben, erklärt das vernersche Gesetz.
Germanische Lautverschiebung oder Erste (deutsche) Lautverschiebung (ca. 500 v. Chr.).
:Aus einem indogermanischen Dialekt wurde die germanische Ursprache.
Anmerkung: Bei den folgenden Beispielen zeigen die zuerst genannten indogermanischen Sprachen den ursprünglichen Lautstand eines indogermanischen Wortes!
1. Tenues-Spiranten-Wandel
Die indogermanischen Tenues (stimmlose Verschlusslaute) wurden in einer Zwischenstufe zunächst aspiriert und dann im Germanischen zusammen mit den wenigen schon von vornherein aspirierten Tenues zu stimmlosen Spiranten (Reibelauten) verschoben:
Indogermanisch - /p/, - /t/, - /k/ (> - /ph/, - /th/, - /kh/) > germanisch /f/, /þ/, /h/
Beispiele:
2. Mediae-Tenues-Wandel
Indogermanisch - /b/, - /d/, - /g/ > germanisch /p/, /t/, /k/
Beispiele:
3. Mediae-aspiratae-Spiranten-Wandel
Die indogermanischen "Mediae aspiratae" (behauchten stimmhaften Verschlusslaute) wurden im Germanischen zu stimmhaften Spiranten verschoben, die sich dann aber - teilweise noch im Germanischen - zu Mediae weiterentwickelten:
Indogermanisch - /bh/, - /dh/, - /gh/ > germanisch /b/, /d/, /g/
Beispiele:
Zweite Lautverschiebung
Deutsche Lautverschiebung
oder Zweite (deutsche) Lautverschiebung (auch: hochdeutsche Lautverschiebung). (ca. 500 n. Chr.)
Aus den südlichen westgermanischen Dialekten wurde die althochdeutsche Sprache. Die Grenze der Lautverschiebung verläuft von West nach Ost, mehr oder weniger am Mittelgebirgsrand; sie wird als Benrather Linie bezeichnet.
Konsonanten:
Als Beispiel für die Auswirkungen der Lautverschiebung kann folgender Vergleich der mittelniederdeutschen Sprache und der mittelhochdeutschen Sprache anhand zweier juristischer Bücher dienen, des Sachsenspiegels (1220) und des Deutschenspiegels (1274):
Die hochdeutschen Dialekte haben die 2. Lautverschiebung komplett oder zum größeren Teil mitgemacht, die niederdeutschen Sprachen (Plattdeutsch und Niederländisch) nicht oder nur zum kleineren Teil. Im Zuge der 2. Lautverschiebung traten auch grammatikalische Unterschiede auf, zum Beispiel der vermehrte Gebrauch des Präfixes ge-, unter anderem für die Bildung des Partizips Perfekt, während im nordniedersächsischen Sprachraum das ge- im Mittelalter gebräuchlich war, dann aber wieder weitgehend entfiel.
:pd. slaapt, englisch slept -> geschlafen
:pd. Slecht, Slechtbook -> Geschlecht, Geschlechterbuch
Im oberdeutschen Sprachraum wurde der Anlaut k teilweise zu ch verschoben, insbesondere in den alemannischen Dialekten und im Mittelhochdeutschen, später fand eine Rückverschiebung zum hochdeutschen Lautstand statt, die die alemannischen Dialekte nur teilweise mitmachten:
:k -> ch kind -> chind, Konig -> chuni(n)g
:ch -> k (chuni(n)g = König, Chur = Kur,
Die mitteldeutschen Dialekte haben die 2. Lautverschiebung nicht vollständig durchgeführt, werden aber zum Hochdeutschen gerechnet.
Die 2. Lautverschiebung ist nicht der einzige große Unterschied zwischen dem Niederdeutschen und dem Hochdeutschen; es gab auch eine nordseegermanische Lautverschiebung; einige mitteldeutsche Dialekte, vor allem im rheinischen Fächer, haben einige Merkmale dieser Lautverschiebung übernommen.
Siehe auch
- Grammatischer Wechsel
2. Lautverschiebung, auch genannt althochdeutsche Lautverschiebung..(siehe Schmidt)
Kategorie:Phonologie
Kategorie:Historische Linguistik
Niederdeutsche Sprache
Die niederdeutschen Sprachen (Eigenbezeichung: Nederdüütsch) gehören zu den westgermanischen Sprachen, aus denen sich eine Gruppe von germanischen Sprachen durch die zweite oder hochdeutsche Lautverschiebung (mittel- und oberdeutsche Mundarten des Hochdeutschen) geschieden hat (südlich der Benrather Linie). Sie weisen unter anderem Ähnlichkeiten mit der hochdeutschen, der englischen Sprache und der friesischen Sprache auf. Die niederdeutsche Sprache wurde in der Frühzeit der Germanistik in die zwei Gruppen geteilt: die niederfränkische Sprache und die niedersächsische Sprache, welche umgangssprachlich als Plattdeutsch (plattdüütsch) bezeichnet wird.
Die Niederländische Sprache, „die deutsche Hochsprache der niederen Lande”, zu der auch die flämischen Dialekte der Nordhälfte Belgiens gehören, hat sich wie das Niedersächsische aus einem Zweig des Niederdeutschen (Niederfränkisch) entwickelt. Die altsächsische Sprache geht wie die sächsischen Anteile der angelsächsischen Sprache auf den Stamm der Sachsen zurück, wie er vor der Völkerwanderung an der Elbmündung sesshaft war.
Durch die Völkerwanderung breitete sich der Sachsenstamm, und damit auch seine Sprache, nach England und andererseits nach Süden und Südwesten aus. Die auf dem Kontinent verbliebenen Sachsen wurden von Beda Venerabilis als Altsachsen bezeichnet, daher der Name Altsächsisch für die älteste Stufe der niederdeutschen Sprache. Durch die Völkerwanderung breitete sich die altsächsische Sprache über ein Gebiet aus, das die heutigen Regionen Holstein (ohne Ostholstein), Stormarn, Niedersachsen, Westfalen und die östlichen Niederlande umfasste. Im Wendland (Wenden wurden die Slawen von den Sachsen genannt) gab es noch jahrhundertelang ein slawisch-sächsisches Mischgebiet.
Erst durch die Ostsiedlung (Ostkolonisation) breitete sich die altsächsische bzw. altniederdeutsche, dann seit etwa 1225 mittelniederdeutsche Sprache, weiter nach Osten aus. Neue große Sprachlandschaften entstanden: Mecklenburgisch, Pommersch, Südmärkisch (Brandenburgisch), Niederpreußisch (nicht zu verwechseln mit der baltischen altpreußischen Sprache) und das Niederdeutsche in den Städten und auf den Gutshöfen im Baltikum und in Skandinavien. Außerdem verzeichnete das Mittelniederdeutsche Gebietsgewinne in Schleswig und in Ostfriesland. All diese neuen Sprachgebiete des Niederdeutschen sind sogenannte Kolonisationsschreibsprachen oder Kolonisationsmundarten, die einige Besonderheiten in der Grammatik und im Wortschatz aufwiesen. So lautet der Einheitskasus der Verben noch heute in den Dialekten des Altlandes (bereits in altsächsischer Zeit niederdeutsches Sprachgebiet) lautgesetzmäßig -(e)t, also anstelle des hochdeutschen wir mach-en, ihr mach-t, sie mach-en im Westniederdeutschen: wi maak-t, ji maak-t, se maak-t. Im Ostniederdeutschen, im Schleswiger Platt und im ostfriesischen Platt lautet er hingegen -en, also wi mak-en, ji mak-en, se mak-en.
altpreußischen Sprache
Während das Niederfränkische in den Niederlanden und Belgien – bedingt durch die Eigenstaatlichkeit nach dem westfälischen Frieden – deutsche Schrift- und Kultursprache wurde (duitsche taal der neederen Landen)bzw. blieb, sind die niederdeutschen Mundarten (in Deutschland und in den Niederlanden) gegenüber der hochdeutschen Sprachform bzw. der hochniederländischen Sprachform auf dem Rückzug. Historische Gründe in Deutschland dafür sind die jahrhundertelange kulturelle Überlegenheit des oberdeutschen Raumes, die Vorbildfunktion des Kaiserhofes, der seit der Zeit der Salier Hausmacht und Schwerpunkt im Süden hatte, und die Bibelübersetzung Martin Luthers.
In einem langen Prozess wurde das Niederdeutsche aus Kirche, Schule, Politik, Literatur und Wissenschaft, ab dem 20. Jahrhundert auch aus den meisten Familien, verdrängt. Aber auch massive Zuwanderungen von Menschen aus anderen Dialekträumen nach dem II. Weltkrieg haben zur Erosion der Sprache in den vergangenen 50 Jahren beigetragen. Regionale Wiederbelebungsversuche können diesen von den Massenmedien zusätzlich beschleunigten Vorgang nicht aufhalten.
Das Niederdeutsche war einst eine bedeutende Schriftsprache. Es war die Verkehrssprache der Hanse und lange Zeit die lingua franca des Nord- und Ostseeraumes. Unter Sprachforschern bezeichnet man sie generell als »Mittelniederdeutsch«, obwohl der Begriff eigentlich für eine sprachgeschichtliche Entwicklungsperiode steht (ungefähr 1200–1600). Unter »Mittelniederdeutsch« versteht man also nicht nur die Schriftsprache, sondern auch die vielfältigen Dialekte der damaligen Zeit (die sich heute jedoch nur schwer rekonstruieren lassen). In der mittelniederdeutschen Schriftsprache hingegen liegen zahllose, bis in die Neuzeit hinein verfasste schriftliche Dokumente, Bücher und Urkunden vor. Sprachzentrum der damaligen Zeit war die Hansemetropole Lübeck; nach dem Zusammenbruch des Städtebundes wurde das Niederdeutsche auf regionaler Ebene lange weiterverwendet, auch in Amsterdam, Brügge und Utrecht, wo es zur Grundlage der niederländischen Standardsprache wurde. Die Niederländer haben nämlich nach dem Westfälischen Frieden den kulturellen Anschluss ans deutsche Reich verloren und die niederdeutsche Schriftsprache weiterentwickelt (bzw. die Sprache hat sich weiterentwickelt, vor allem vereinfacht). Wogegen die in den Niederlanden gesprochenen niederdeutschen (niederfränkischen)
Dialekte so verschieden sind, wie vergl. die hochdeutschen (alemannischen) Dialekte in der Schweiz.
In Norddeutschland hingegen wurde das Niederdeutsche als Schriftsprache immer mehr vom Hochdeutschen verdrängt und sank auf Dialektniveau herab. In Hamburg und Bremen gab es bis in die letzten Jahrzehnte eine »vornehme« plattdeutsche Umgangssprache, die sich von den ländlichen Mundarten deutlich abhob. Sie ist das letzte Relikt der gehobenen Schriftsprache früherer Zeiten.
Stammbaum
Niederdeutsch, Nederdüütsch, Nederduytsch, Nederduitsch, Nederduits, "Dietsch"
- Niederfränkisch, besser bekannt als Standardniederländisch (Niederlande, Belgien und Frankreich - in der äußersten Nordostecke bei Dünkirchen, also im historischen Flandern; Deutschland - die niederfränkischen Dialekte am Niederrhein)
- Afrikaans (Südafrika, Namibia)
- Niedersächsisch, in Norddeutschland besser bekannt als Plattdeutsch (Plattdüütsch)
- Westniedersächsische Mundarten, auch Westnedersäksisch oder Westnedersässisch (Norddeutschland, Niederlande)
- Ostniederdeutsch (Deutschland, z.B. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg und aussterbend in Polen und in Litauen im Memelgebiet sowie in Russland im Gebiet Kaliningrad/Königsberg)
- Plautdietsch oder auch niederpreußische Sprache (entstanden an der Weichselmündung bei Danzig, durch mennonitische Auswanderer weit verbreitet, so heute insbesondere in Nordamerika)
In Deutschland wird der Begriff Niederdeutsch häufig als Synonym für die Niedersächsische Sprache ("die sächsische Sprache des niederen Landes") benutzt.
Die Niederdeutsche Sprache im Sinne des sprachwissenschaftlichen Terminus Niedersächsische Sprache ist seit 1998 als Regionalsprache anerkannt und durch die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen geschützt. In der Wissenschaft hat sich eine Niederdeutsche Philologie bereits in den Anfängen von der übrigen Deutschen Philologie verselbständigt. Die Mehrzahl der Sprecher des Niederdeutschen waren immer von der Eigensprachlichkeit des Niederdeutschen überzeugt. Das Niederdeutsche (Niedersächsische) teilt noch heute beinahe den gesamten Wortschatz mit dem modernen Niederländischen (mit Ausnahme weniger Entlehnungen und Weiterbildungen). Auch die Formenlehre/ Grammatik stimmt in beiden Varianten überein. Elementare Unterschiede bestehen in der Aussprache (das gilt nicht für das Niederfränkische am deutschen Niederrhein, das oft dem Niederländischen zugerechnet wird).
Merkmale
Lautstand
Die niederdeutschen Sprachen haben - wie auch die weiteren westgermanischen Sprachen: das Niederländische, das Friesische und das Englische - die zweite germanische oder hochdeutsche Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht. Daher sind viele Worte der niederdeutschen Sprachen ähnlich den entsprechenden englischen, dänischen, schwedischen, norwegischen und isländischen Worten, z.B.
- nd. Water; engl. water; dän. vand (Wasser)
- nd. Vader, Vadder; engl. Father; dän. far (Vater)
- nd. Pann, Panne ; engl. pan (Pfanne)
- nd. Salt; engl. salt; dän. salt (Salz)
- nd. Melk; engl. milk; dän. mælk (Milch)
- nd. Köppen; engl. cup (Tasse)
In der niederländischen Sprache, sowie in einigen westniedersächsischen Dialekten wird das g als hartes ch gesprochen (für das weiche ch wird ǧ geschrieben), im Westfälischen als weiches ch.
Grammatik
- Artikel haben (anders als im Hochdeutschen) nur zwei Geschlechter: geschlechtlich und sächlich
- de Mann / de Man (der Mann)
- de Fru / de vrouw (die Frau)
- dat Kind / het Kind (das Kind)
- Die Personalpronomina sind einander ähnlich, insbesondere hat die dritte Person Singular eine andere Wurzel als im Hochdeutschen (he statt er)
- Singular: Ik, du/je, he/hij, se/ze, dat/et,het (ich, du, er, sie, es)
- Plural: Wi/wij, ji/jullie, se/ze (wir, ihr, sie)
- Possesivpronomina
- Singular: mien/mijn, dien/dijn, sien, hör/ehr/har (mein, dein, sein, ihr)
- Plural: uns/onz, jo, hör
- Demonstrativpronomina haben (anders als im Deutschen) nur zwei Genera: geschlechtlich und sächlich
- Singular: disse, dit(dieser/diese, dieses, jener/jene, jenes)
- Plural: disse/düsse/dese/deze, de/die (diese, jene)
Das Präfix ge- für die Charakterisierung des Partizips Perfekt und davon abgeleiteter Substantive ist - ähnlich, wie in der hochdeutschen Sprachentwicklung - zunächst in die Schriftsprache (mittelniederdeutsch und mittelniederländisch) integriert worden, im nordniedersächsischen und ostniederdeutschen Raum (Nordniedersächsisch und Mecklenburgisch) jedoch nicht vollständig. Dort ist dieses Sprachmerkmal, vermutlich auch unter Einfluss der schwedischen und dänischen Regentschaft in Teilen Norddeutschlands sowie der Beziehungen zu Skandinavien in der gesprochenen, später auch der geschriebenen Sprache nicht mehr aufzufinden. Dementsprechend findet man dieses Präfix im Niederländischen, Westfälischen und Ostfälischen, aber nicht im Ostfriesischen, Nordniedersächsischen und Mecklenburgischen.
Im Weserplatt findet sich das Präfix abgeschwächt wieder, obwohl es dem Nordniedersächsischen zugerechnet wird.
- ndl. gekocht, westf. gekoopt, weserpl. 'ekofft, nnds. kööpt, dän. købt (gekauft)
- ndl. geslapen, nnds. slapen, weserpl. 'eslapen, engl. slept (geschlafen)
Das Perfekt und Plusquamperfekt wird - ähnlich wie im Deutschen - mit dem Hilfsverb hebben gebildet.
Das Futur wird - anders als im Deutschen und ähnlich wie im Englischen mit dem Hilfsverb sallen/schallen/zullen (verwandt, aber nicht bedeutungsidentisch mit dem Deutschen sollen gebildet
:Ik schall na School gahn kann sowohl Ich werde zur Schule gehen als auch Ich soll zur Schule gehen bedeuten. Tatsächlich bevorzugt das Niederdeutsche aber - wie auch das gesprochene Hochdeutsche, reines Präsens zur Bezeichnung des Futurs ("Ik gah mörgen na School to.")
Das Kasussystem ist - parallel zum Englischen und den skandinavischen Sprachen auf drei Fälle - vereinfacht, Akkusativ und Dativ sind zum Objektiv vereinigt:
:Ik kiek den Mann an (Ich sehe den Mann an, Akkusativ)
:Ik geev den Mann Geld (Ich gebe dem Mann Geld, Dativ)
Diese Entwicklung setzte zunächst im Norden des niederdeutschen Sprachgebiets ein, setzte sich dann aber nach Süden (Niederländisch, Westfälisch) weiter durch. Im Ostfriesischen sind bei den Substantiven auch Subjektfall und Objektfall zusammengefallen.
Siehe auch
Altniederdeutsch und Mittelniederdeutsche Sprache; Volkssprache
Weblinks
- [http://www.ins-bremen.de/ INS Bremen: Niederdeutsch in der Europäischen Charta]
- [http://www.niederdeutsch.com Niederdeutsche Sprache und Autoren, v.a. aus Mecklenburg und Vorpommern]
- [http://www.plattmaster.de/gramm1.htm Niederdeutsche Grammatik]
- [http://www.plautdietsch-freunde.de Plautdietsch-Freunde e.V.]
- [http://www.ruemenapf.de/hans/niederdeutsch.html Der Brautsuppenstreit von 1666 (aus der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel)]
Kategorie:Sprachgruppe
Kategorie:Sprache
Kategorie:Dialekt
Kategorie:Norddeutschland
Niederfränkische Sprache
Niederfränkisch ist der westliche Zweig der niederdeutschen Sprachen, der sich in den "niederen Landen des Frankenreichs" -nordwestlich der Benrather Linie - entwickelte.
Das Niederfränkische bildet die Grundlage des Niederländischen, aus der in jüngerer Vergangenheit auch das Afrikaans entstanden ist. Das Niederländische ist allerdings keine deutsche Mundart, sondern ist aus sprachwissenschaftlicher Sicht heute als eine eigenständige Sprache („düütsche taal der neederen landen”) mit einer langen Tradition als Schriftsprache (siehe: Ausbausprache) zu betrachten.
Dieses Niederfränkische beziehungsweise Niederländisch wird heute vorwiegend in den Regionen westlich von Rhein und IJssel in den Niederlanden und im flämischen Teil Belgiens gesprochen. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es die Dialekte der niedersächsischen Sprache zwischen Rhein und IJssel und an der Grenze zu Deutschland zum Teil verdrängt.
Niederfränkisch in Deutschland
Ebenfalls als dem Niederfränkischen zugehörig bezeichnet man in Deutschland die ursprünglichen Mundarten beiderseits des unteren Niederrheins westlich der niedersächsisch-niederfränkischen Dialektscheide (einer Linie, die etwa westlich von Bocholt- Essen - Wuppertal-Barmen- Wipperfürth verläuft) und nördlich der sogenannten Uerdinger Linie (Ik-/Ich-Linie), die bei Krefeld-Uerdingen den Rhein überschreitet, sowie die ost-bergischen Dialekte (Velbert, Wuppertal-Elberfeld, Gummersbach).
Die letzteren liegen in einem schmalen Streifen östlich dieser Ik-/ich-Linie, die, nachdem sie den südlichsten Stadtbezirk Duisburgs durchschreitet, in süd-östlicher Richtung weiter verläuft, und in der Nähe von Wipperfürth auf die sogenannte Benrather Linie (Maken-/Machen-Linie) trifft und zusammen mit dieser in ihrem weiteren Verlauf Richtung Osten die Grenze zwischen den niederdeutschen und hochdeutschen Mundarten markiert. Als Sprachgrenze zum Westfälisch gilt die Einheitsplurallinie, der nördlichsten Linie des Rheinischen Fächers.
Der so abgegrenzte niederrheinische und ostbergische Bereich wird in der jüngeren Dialektgeografie zuweilen auch mit dem Namen Kleverländisch bezeichnet.
Zwischen Uerdinger und Benrather Linie liegt ein Übergangsgebiet, das sowohl mittelfränkische als auch niederfränkische Eigenheiten aufweist:
- Limburgisch-Bergisch
- Ostlimburgisch (Krefeld, Mönchengladbach, Viersen, Heinsberg sowie im nördlichen Kreis Neuss)
- (West-)Bergisch (Düsseldorf, Solingen, Remscheid, Mettmann)
- Ostbergisch Mülheim an der Ruhr (Mölmsch), Essen-Werden, Langenberg
Ob es sich hier um niederfränkische oder mittelfränkische Mundarten handelt, ist umstritten.
Siehe auch: Rheinischer Fächer, Fränkische Sprache, Dialekte in Nordrhein-Westfalen
Kategorie:Dialekt
Einordnung des Niederfränkischen
Streng genommen handelt es sich beim Niederfränkischen um eine Familie westgermanischer Dialekte, welche gemeinsam mit dem Altsächsichschen (heute Niedersächsisch, "Plattdeutsch") die westliche Gruppe der niederdeutschen Mundarten (Westniederdeutsch) bildet.
Zu dieser alten Gruppe gesellten sich im Laufe der letzten tausend Jahre die durch die deutsche Ostsiedlung entstandenen ostniederdeutschen Dialekte (in Ostdeutschland, im ehemaligen Pommern und in Ostpreußen). Sie bilden Mischformen der von den Neusiedlern mitgebrachten, überwiegend westniederdeutschen Dialekte und zeigen in einigen Regionen auch Einflüsse hochdeutscher Mundarten. Das niederfränkische Element dringt vor allem im Märkisch-Brandenburgischen stärker durch, weil viele Altsiedler aus Flandern kamen.
Sprachhistorisch betrachtet gehen die niederfränkischen Mundarten auf die alten salfränkischen Dialekte zurück, die während des Mittelalters in unterschiedlichem Maße von der fortschreitenden hochdeutschen Lautverschiebung beeinflusst und ausdifferenziert wurden. Somit gliederte sich das ehedem einheitliche Sprachgebiet in Niederfränkisch, Ripuarisch ("Kölsch") und Moselfränkisch. Die weiter südlich gelegenen rheinfränkischen und süd-/ostfränkischen Mundarten wurden stark vom Alemannischen beziehungsweise Bairischen beeinflusst und haben ihren Charakter wesentlich verändert.
Die niederfränkischen Dialekte sind im Gegensatz zum Ripuarischen um Köln/Bonn/Aachen nicht von der hochdeutschen Lautverschiebung erfasst worden, weshalb sie heute denselben Lautstand aufweisen wie das "Plattdeutsche" und dem Niederdeutschen zuzuordnen sind.
Niederfränkische Dialekte spricht man neben den Niederlanden auch in Deutschland (siehe oben). Das "Düsseldorfer Platt" zeigt neben einigen angrenzenden (süd)niederfränkischen Dialektvarianten geringfügige hochdeutsche Einflüsse ("t" am Wortanfang wird zu "z" verschoben ; z.B.: "zwei" statt üblicherweise "twee"; "p" und "t" im Wortinneren bleiben hingegen genauso unverschoben wie "k"; z.B.: "lope"=laufen, "lote"=lassen, "make"=machen.). Somit unterscheiden sich die von der Struktur her doch so ähnlichen rheinischen Dialekte um Köln und Düsseldorf erheblich im Lautstand.
Das Kleverländische, das Mölmsch (Ostbergisch), so wie das Südgelderschen und die überigen niederfränkischen Mundarten der Niederlande werden von der Sprachwissenschaft auch oft als "niederländische Mundarten " bezeichnet. Tatsächlich fällt es schwer die Begriffe "Niederfränkisch" und "Niederländisch" deutlich voneinander abzugrenzen.
Niederfränkisch sind heute die meisten in den Niederlanden gesprochenen Dialekte, aber lange nicht alle. Außerdem spricht man auch in Deutschland immer noch niederfränkische Idiome.
Das niederfränkische Sprachgebiet betrachtet man als Dialektlandschaft, durch die die entstehende niederländische Schriftsprache nach und nach geprägt wurde. Somit ist der holländische Dialekt zweifellos niederfränkisch, die niederländische Standardsprache („düütsche taal der nederen landen”) aber bestenfalls niederfränkisch beeinflusst. Das hängt mit der Tatsache zusammen, dass die Schöpfer des modernen Niederländischen, die damals in gebildeten Kreisen und im Geschäftsleben gebräuchliche Niederdeutsche Schriftsprache des norddeutschen Raumes grammatikalisch, lexikalisch und orthographisch neu erfassten und kodifizierten.
Die niederländische Einheitssprache, die sich entgegen fälschlicher Behauptungen nicht aus regionalen Dialekten entwickelte, wurde jedoch nach und nach erheblich mit Mundartvokabular und bodenständigen Redewendungen durchsetzt und damit "niederfränkisch beeinflusst". Die ursprünglichen niederfränkischen (und niedersächsischen) Dialekte sind in den Niederlanden überall auf dem Rückzug und werden von "regionalen Varianten" der Standardsprache verdrängt ("streektalen"). In Belgien ist der flämisch-brabantische Dialekt noch überaus beliebt. Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Sprecher ab. Wegen des großen Unterschieds zwischen hochdeutscher Schriftsprache und "fränkischem Platt" (und niedersächsischem Platt) ist die Gefahr der "Verfälschung" oder "Verwässerung" der Dialekte jedoch, anders als in den Niederlanden, kaum gegeben.
Weblinks
Niedersächsische Sprache
Das Niedersächsische (eigentlich: Sächsisch) ist Teil der niederdeutschen Sprachgemeinschaft und wird umgangssprachlich in Norddeutschland auch als Plattdeutsch (Nedderdüütsch, Plattdüütsch) bzw. im Nordosten der Niederland als Needersässisch bezeichnet. Der ISO-Code nach ISO 639-2 ist nds.
Abgrenzung
Zu der Gruppe des Niedersächsischen (Sächsischen) zählen das Westfälische (Westfalen bis an die Weser), das Ostfälische (östlich der Weser) und das Nordniedersächsische (nördliches Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein). Durch die Isoglosse zwischen dem westlichen Plural Präsens auf -(e)t und dem östlichen auf -e(n) (mak(e)t versus make(n)) von diesem getrennt, schließt sich im Osten das Ostniederdeutsche an, das sich seinerseits aus dem Mecklenburg-Vorpommerschen, dem Märkischen (Mark Brandenburg), dem Mittelpommerschen (ein schmaler Streifen an der Oder) und historisch auch aus dem Ostpommerschen (in Hinterpommern) und dem Niederpreußischen (in Ost- und Westpreußen) zusammensetzt.
Im Süden ist das niederdeutsche Sprachgebiet durch die Benrather Linie vom Hochdeutschen getrennt, so dass z.B. das Westfälische bis nach Nordhessen und ins Ruhrgebiet hineinreicht.
Im Westen grenzt das Niedersächsische an das Niederfränkische, das ebenfalls Niederdeutsch ist, aber historisch zu den fränkischen Dialekten gehört und z.B. in Duisburg, Oberhausen, Wesel, Kleve und einem großen Teil der Niederlande gesprochen wird.
Im Norden bildet die Eider die historische Grenze zum Dänischen, heute eher die deutsch-dänische Landesgrenze.
Niedersächsisch (Sächsisch) und Niederfränkisch in den Niederlanden
Die Sprachgrenze zwischen dem Niedersächsischen und dem Niederfränkischen verläuft historisch auch durch die Niederlande. Die heutige niederländische Schriftsprache ist aus dem Niederfränkischen um Amsterdam in der dominierenden Provinz Holland (deshalb auch "Holländisch") hervorgegangen. Das heutige Niederländisch ist also sprachgeschichtlich verwandt mit der Mundart der (Nieder)Rheinländer. Im Nordosten der Niederlande, der historisch zum Niedersächsischen Sprachraum zählt, wird bis heute noch umgangssprachlich Niedersächsisch ("Nedersaksisch") - vor allem von der ländlichen Bevölkerung - gesprochen. Spricht man in einem Kaufhaus einen Niederländer auf Niedersächsisch an, bekommt man aber oft als Antwort, dass er kein Nedersaksich spricht, da er aus einem anderen Teil der Niederlande stammt - während die Einheimischen diese Sprache sehr wohl gut verstehen. Dies gilt für die Provinzen Gelderland, Overijssel, Drenthe und Groningen. Diese niedersächsischen Mundarten werden aber heute - obwohl sie mit den Mundarten auf der deutschen Seite weitestgehend identisch sind - zumeist als niederländische Mundarten bezeichnet - nur der Fachmann weiß es genauer. Die umgangssprachliche Zuordnung richtet sich heute nach der Bezeichnung der überdachenden Standardsprache.
Geschichte und offizieller Status
Im Mittelalter diente das Lübecker Mittelniederdeutsch ("Lübsch") als Lingua Franca der Hanse und erreichte so eine große Bedeutung im Ostseeraum und Skandinavien. Im Hanseraum war das stark standardisierte Mittelniederdeutsch die bevorzugte Schriftsprache auch für diplomatische und juristische Dokumente.
Das Niedersächsische (Plattdüütsch) und Niederfränkische konnten sich bis nach dem Zweiten Weltkrieg als vorrangige Umgangssprache im niederdeutschen Sprachraum halten, sind aber durch das Hochdeutsche inzwischen stark in ihren Existenzen gefährdet. In Deutschland existiert kein einziges Radio-Vollprogramm in Plattdeutsch.
Seit 1994 ist das Sächsische (Niedersächsische) als eigene Sprache durch die Europäische Union anerkannt und geschützt. In einigen bundesdeutschen Ländern gibt es Regelungen gegen die Diskriminierung des Niedersächsischen. So sind in Schleswig-Holstein die Behörden verpflichtet, Anfragen und Anträge auf „Plattdeutsch” nicht nur zu bearbeiten, sondern auch auf „Plattdeutsch” zu beantworten. Der Bundesgerichtshof hat festgestellt, dass auch Patentanträge beim Bundespatentamt in München auf Plattdeutsch gestellt werden können. In den Niederlanden ist das Niedersächsische (Saksisch oder Nedersaksisch) als weitere Amtssprache offiziell anerkannt.
Heutige Verbreitung
Das Niederdeutsche und damit das Niedersächsische verliert bei der jüngeren Bevölkerung in Deutschland und in den Niederlanden
durch die hochdeutsche bzw. hochniederländische Amts- und Schulsprache zunehmend an Sprechern. Überwiegend die ältere einheimische Generation verwendet ihre jeweilige Mundart noch im Gespräch miteinander. Der Dialekt wird aber auch von der mittleren Generation noch sehr gut verstanden, teilweise benutzt oder auch mit dem Hochdeutschen vermischt (Missingsch). In manchen Teilen Norddeutschlands und der östlichen Niederlande werden die Mundarten intensiver gesprochen als in anderen Landesteilen. Im Oldenburger Land, in Ostfriesland, in der Lüneburger Heide, in Verden (Aller), in der Wümmeniederung, in Teilen Schleswig-Holsteins und regional in Hamburg, Bremen und Westfalen hat die Sprache noch sehr viele Sprecher, in Hannover und anderen Großstädten ist es fast ausgestorben.
In Schleswig-Holstein versucht die Landesregierung, mit Förderprogrammen und Wettbewerben das Plattdeutsche wieder in die Schulen zu bringen. Auf Eigeninitiative von Lehrkräften gibt es vereinzelt auch wöchentlichen „Fremdsprachenunterricht“. Landtagssitzungen auf Platt werden zwar regelmäßig gehalten, haben aber eher darstellenden Charakter, da für echte Diskussionen den meisten Abgeordneten das Sprachwissen fehlt.
Niedersächsisch ist keine Sprache wie das Standarddeutsche, sondern eine Dialektgruppe, weil ihm eine Standardversion fehlt. Die relativ geringe räumliche Mobilität bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat dazu geführt, dass sich Aussprache und Wortschatz teilweise stark voneinander (selbst von Ort zu Ort, vergl. den vielen alemannischen Dialekten in der Schweiz) unterscheiden. (Dat gifft 'n Hümpel Grootdialekten un soveel Dörpsdialekten as Fleigen op de Mess. Jau)
Auch in einigen Regionen Nord- und Südamerikas wird von Nachfahren niederdeutscher (norddeutscher und ostniederländischer) Auswanderer noch heute niedersächsische (sächsische) Dialekte gesprochen.
Grammatikalische Besonderheiten
Das Niederdeutsche (Nieder-Sächsische) unterscheidet sich vom Hochdeutschen insbesondere dadurch, dass es - ebenso wie das Englische, das Niederländische und das Friesische - die zweite germanische Lautverschiebung nicht mitgemacht hat. Dies haben alle diese Sprachen mit den skandinavischen Sprachen (Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Isländisch) gemein.
Auch das Vokabular und die Grammatik unterscheiden sich deutlich vom Hochdeutschen. So gibt es im Niedersächsischen nur zwei Fälle (Nominativ und Objektfall). Akkusativ und Dativ sind wie im Englischen zum Objektfall verschmolzen; der (Genitiv) wird mit Hilfe einer Präposition gebildet.
Typisch für die nördlichen Dialekte der niedersächsischen Sprache ist auch, dass das Perfekt-Partizip stets ohne die Vorsilbe ge gebildet wird. So heißt es
:Ik hebb köfft für Ich habe gekauft,
:He is lopen für Er ist gelaufen oder
:Sett di neet/nich up de anstreken Stohl für Setze dich nicht auf den angestrichenen Stuhl.
Gliederung
- Westniedersächsisch oder Westniederdeutsch
- Westfälisch (in Westfalen und in der Südhälfte des Osnabrücker Landes)
- Münsterländisch
- Emsländisch oder Emsländer Platt
- Ostfälisch (im südlichen Niedersachsen: Hildesheim, Göttingen, Hannover und Braunschweiger Land, z.T. auch in Teilen der Magdeburger Börde)
- Nordniedersächsisch oder Nordsächsisch (im restlichen Niedersachsen, Bremen (Land), Hamburg und Schleswig-Holstein)
- Hamburgisch (mindestens drei Mundarten in Hamburg)
- Holsteinisch (etliche Mundarten in Holstein)
- Schleswigsch (etliche Mundarten in Schleswig)
- Ostfriesisches Platt
- Ostniedersächsisch oder Ostniederdeutsch (im gesamten östlichen Raum Norddeutschlands bis an die polnische Grenze, vor dem Zweiten Weltkrieg bis nach Königsberg/Kaliningrad und in den Baltikum)
- Mecklenburgisch-Vorpommersch (etwa von Travemünde an der Ostseeküste entlang bis fast an die polnische Grenze)
- Ostpommersch oder Westpreußisch (vom deutsch-polnischen Grenzgebiet bis etwas östlich von Danzig/Gdańsk; hat das Kaschubische stark beeinflusst; heutzutage weitgehend ausgestorben, im jetzt weltweit verbreiteten Plautdietsch der Mennoniten jedoch noch ziemlich lebendig)
- Ostpreußisch oder Niederpreußisch (in Königsberg/Kaliningrad und angrenzenden Gebieten Polens; jetzt zumeist ausgestorben; mit dem Ostpreußischen (Hoch-)Deutsch nicht zu verwechseln)
- Brandenburgisch (südlich von den oben genannten Mundarten, auch bis an die polnische Grenze und früher noch weiter östlich; in Berlin schon lange ausgestorben, jedoch mit verbleibenden Substraten in den deutschen Mundarten Berlins, also Arten von Missingsch, obwohl das Berlinerische normalerweise nicht so bezeichnet wird)
- Uckermärkisch in der Uckermark
- Kollumerlands
- Gronings
- Noord-Gronings
- Stadsgronings
- Westerwolds
- Stellingwerfs
- Veenkoloniaals
- Drents
- Noord-Drents
- Midden-Drents
- Zuid-Drents
- Twents
- Twents-Graafschaps
- Gelders-Overijssels
- Achterhoeks
- Sallands
- Urks
- Veluws
- Noord-Veluws
- Oost-Veluws
in anderen Ländern
- Plautdietsch (in Kanada, USA, Südamerika, Mittelamerika, Russland, Zentralasien; die Sprecher sind v.a. Mennoniten, deren Vorfahren von der Weichselmündung bei Danzig/Gdańsk ausgewandert sind; dank der Rückwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion momentan mit der größten Sprecherzahl in Deutschland)
- Nicht-mennonitische Dialekte aus verschiedenen Gebieten Norddeutschlands und der östlichen Niederlande (besonders in Kanada, USA und Brasilien; darunter im 19. Jahrhundert von Schleswig-Holstein und Pommern aus in den Mittleren Westen der USA und von Pommern aus ins südliche Brasilien (Pomerano) verpflanzte und dort weiterentwickelte spezifisch amerikanische Mundarten des Niedersächsischen)
Bedeutende „niedersächsisch-plattdüütsche” Dichter und Schriftsteller
- Oswald Andrae
- John Brinckman
- Helmut Debus - Sänger
- Georg Droste
- Gorch Fock (Johann Wilhelm Kinau)
- Klaus Groth
- August Hinrichs
- Rudolf Kinau
- Fritz Reuter
- Wolfgang Sieg
- Julius Stinde
Wikipedia op Plattdüütsch (neddersassisch un ostnedderdüütsch)
Hoofdsiet
Siehe auch: Saxonismus
Weblinks
- http://www.radiobremen.de/bremeneins/platt/news/index.php3
- http://www.plattmaster.de
- http://www.sassisch.net
- http://plattnet.de Wegweiser
- http://www.zfn-ratzeburg.de Zentrum für Niederdeutsch
- http://www.plautdietsch-freunde.de Verein für Plautdietsch
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Dialekt
Ostniederdeutsche SpracheDie Ostniederdeutsche Sprache (zusammen mit der Niedersächsischen Sprache umgangssprachlich häufig als "Plattdeutsch" bezeichnet) umfasst hauptsächlich die niederdeutschen Dialekte, die östlich der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und im Norden Sachsen-Anhalts in der Altmark gesprochen werden bzw. wurden.
Sprache
Im Vergleich mit dem Niedersächsischen weist das Ostniederdeutsche im Übergangsbereich zur ostmitteldeutschen Sprache eine größere Nähe zum Hochdeutschen auf. Durch mittelalterliche Siedlungsbewegungen finden sich viele Worte und Wendungen des westfälischen Dialektes in der Ostniederdeutschen Sprache. Ferner finden sich einige Wörter westslawischen und französischen Ursprungs.
Dialekte
Zum Ostniederdeutschen werden folgende Dialektgruppen gezählt:
# Mecklenburgisch-Pommersch (Mecklenburg und Vorpommern)
# Mark-Brandenburgisch (Brandenburg, südl. Vorpommern und Sachsen-Anhalt)
# Westpreußisch (fast ausgestorben; bis 1945 im heutigen Polen)
# Ostpreußisch (fast ausgestorben; bis 1945 im heutigen Polen und Russland in der Gegend um Königsberg)
Eine Sonderentwicklung nahmen die Berlin-Brandenburgischen Dialekte. Früher gehörten sie zum Ostniederdeutschen, da sie ihre Wurzeln im Mark-Brandenburgischen haben. Infolge Sprachvermischung werden sie heute jedoch dem Ostmitteldeutschen zugeordnet. Die Gebiete in Sachsen-Anhalt, in denen ursprünglich ostniederdeutsche Dialekte gesprochen wurden, tendieren mittlerweile zunehmend zum ostmitteldeutschen Sprachraum (siehe auch Dialekte in Sachsen-Anhalt).
Der Wortschatz der ostniederdeutschen Dialekte wird erfasst und beschrieben im Mecklenburgischen Wörterbuch (Dialekte in Mecklenburg), im Pommerschen Wörterbuch (Dialekte in Vor- und Hinterpommern), im Brandenburg-Berlinischen Wörterbuch (Mark-Brandenburgische Dialekte) und im Preußischen Wörterbuch (Dialekte in West- und Ostpreußen).
Links
Schriftsteller
- Fritz Reuter
- Rudolf Tarnow
- John Brinckman
- Max Lindow
Siehe auch
- Niederfränkische Sprache
- Niedersächsische Sprache
- [http://nds.wikipedia.org Wikipedia op Plattdüütsch (ostniederdeutsch und niedersächsisch)]
Weblinks
- http://www.ex.ac.uk/~pjoyce/dialects/ond.html (englisch)
- http://kaszuby.bytow.pl/radde/Mundarten.html (Karte)
Kategorie:Einzelsprache
Englische Sprache
Die englische Sprache (Englisch) ist eine germanische Sprache. Sie gehört, wie auch das Deutsche und das Niederländische, dem westlichen Zweig der germanischen Sprachen an.
In einem eigenen Artikel gibt es mehr zur Geschichte der englischen Sprache.
Englisch ist heute die am weitesten verbreitete Sprache der Welt, während es sich bei Mandarin-Chinesisch um die meistgesprochene Sprache handelt.
Die englische Sprache wird in sehr vielen Ländern als erste Fremdsprache in den Schulen gelehrt (siehe Englisch (Schule)) und ist offizielle Sprache der meisten internationalen Organisationen. Viele dieser Organisationen haben daneben noch andere offizielle Sprachen. Englisch gilt als Weltsprache.
Heute wird Englisch weltweit von etwa 340 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, das heißt, etwa 340 Millionen Menschen sind anglophon. Zählt man die Zweitsprachler hinzu, kommt man auf etwa 510 Millionen Sprecher.
Verbreitung
Amtssprache
Englisch ist Amtssprache in den folgenden Staaten, wobei die Zahlen die ungefähre Zahl der Muttersprachler angeben, soweit bekannt:
Englisch ist zudem Amtssprache bei der Europäischen Union, bei der Afrikanischen Union, der Organisation Amerikanischer Staaten und bei den Vereinten Nationen.
Sonstige Verwendung
Die englische Sprache dient zudem als Verkehrssprache in folgenden Ländern und Regionen:
- Gibraltar
- Hongkong
- Israel
- Malaysia
- St. Martin
- Somalia
- Zypern
Sprachwissenschaftliche Einordnung
Das Englische gehört zu den indogermanischen Sprachen, die ursprünglich sehr stark flektierende Merkmale aufwiesen.
Alle indogermanischen Sprachen weisen diese Charakteristik bis heute mehr oder minder auf.
Es besteht jedoch in allen diesen Sprachen eine Tendenz weg von flektierenden und hin zu isolierenden Formen.
Im Englischen ist diese Tendenz besonders ausgeprägt gewesen, so dass es sich im Laufe seiner Entwicklung im Wesen stark gewandelt hat.
Heute trägt die englische Sprache überwiegend isolierende Züge und ähnelt strukturell teilweise stärker isolierenden Sprachen wie dem Chinesischen als den genetisch eng verwandten Sprachen wie dem Deutschen.
Zudem hat sich die Sprache heute durch die weite Verbreitung in viele Dialekte aufgeteilt. Viele europäische Sprachen bilden auch völlig neue Begriffe auf Basis der englischen Sprache (Anglizismen). Auch in einigen Fachsprachen werden die Termini von Anglizismen geprägt, z.B. in den Bereichen Informatik und Wirtschaft.
Der Language Code ist en beziehungsweise eng (nach
ISO 639);
der Code für Altenglisch (etwa 450 bis 1100) ist ang
und der Code für Mittelenglisch (etwa 1100 bis 1500) ist enm.
Sprachvarianten der englischen Sprache
Durch die weltweite Verbreitung der englischen Sprache hat diese in verschiedenen Gegenden zahlreiche Varianten entwickelt.
Nach der bekanntesten und fremdartigsten Variante des Englischen spricht man oft auch von einer Pidginisierung, wenn eine Sprache sich durch ihre weite Verbreitung in mehrere Sprachen aufzuteilen beginnt, die untereinander kaum noch kompatibel sind.
Folgende Sprachvarianten werden unterschieden:
- Siehe auch: Internationale Klassifizierungen (Englische Sprache)
Eine Reihe von Pidginsprachen und Kreolsprachen haben sich auf englischem Substrat entwickelt.
Das Eindringen von Anglizismen in andere Sprachen wird manchmal mit abwertenden Namen wie "Denglisch" (Deutsch und Englisch) oder "Franglais" (Französisch und Englisch) versehen. Dabei handelt es sich nicht um Varianten des Englischen, sondern um Erscheinungen in anderen Sprachen.
- Siehe auch: Englische Sprache in anderen Sprachen
Der scherzhafte Begriff "Engrish" bezeichnet ebenfalls keine Variante der englischen Sprache, sondern bezieht sich auf das unbeholfene Englisch, das gelegentlich in asiatischen Ländern anzutreffen ist, hier insbesondere bei Japanern, die den Lateral "l", der im Japanischen nicht vorkommt, durch "r" ersetzen.
Ähnliche/Verwandte Wörter
Deutsch und Niederländisch
Überraschend sind die sehr zahlreichen englischen Wörter, bei denen die Verwandtschaft mit dem Deutschen und dem Niederländischen durch Bedeutungsverschiebung oder -verengung oft nicht ins Auge fällt.
Dänisch
Französisch
Textsammlungen
Beim Project Gutenberg stehen zahlreiche Texte frei zur Verfügung.
Siehe auch
- Englische Grammatik
- Ghoti
- Liste englischer Redensarten
- Englische Phonetik
- Englische Sprache in der Werbung
- Liste von Sprachen nach der Zahl ihrer Muttersprachler
- Chronologie englischsprachiger Medien
Literatur
- Wolfgang Viereck, Heinrich Ramisch, Karin Viereck: dtv Atlas Englische Sprache. dtv, 2002. ISBN 3423032391
- J. C. Wells: Accents of English. Volume I: An Introduction. Cambridge University Press, 1982. ISBN 0521297192
- J. C. Wells: Accents of English. Volume II: The British Isles. Cambridge University Press, 1982. ISBN 0521285402
- J. C. Wells: Accents of English. Volume III: Beyond the British Isles. Cambridge University Press, 1982. ISBN 0521285410
- Michael McCarthy, Felicity O'Dell: English Vocabulary in Use. upper-intermediate and advanced. Cambridge University Press, 1994
- Raymond Murphy: English Grammar in Use. Cambridge University Press, 1985
- Robert Phillipson: Linguistic Imperialism. Oxford University Press, 2000. ISBN 0194371468
Weblinks
- http://dict.leo.org/ – umfangreiches und ständig erweitertes Deutsch-Englisch und Englisch-Deutsch Online-Wörterbuch
- http://www.odge.de/ - Deutsch-Englisch und Englisch-Deutsch Wörterbuch mit über 420.000 Übersetzungen (auch ungewöhnliches)
- http://www.dict.cc/ – Deutsch-Englisch und Englisch-Deutsch Wörterbuch mit mittlerweile über 400.000 Übersetzungen
- http://www.dict.org/ – greift auf mehrere Wörterbücher zu, die das dict-Protokoll benutzen
- http://www.EnglishTensesWithCartoons.com Englishe Zeiten
- http://www.phon.ucl.ac.uk/home/estuary/index.html - Estuary English
- http://www.wordorigins.org/ – Die Herkunft einiger hundert englischer Wörter
- http://www.etymonline.com/ – Online Etymology Dictionary, Erklärungen zur Herkunft einiger tausend englischer Wörter
- http://www.englisch-hilfen.de/ – kostenlose Nachhilfe mit Erklärungen und Übungen
- http://www.ego4u.de/ – Englische Grammatik Online
- http://www.sprachschule-lbt.de/index.php?sprachschulen=englischkurse-5-spaltensystem&englisch-lernen=lernhilfen – kostenloses Grammatiksystem der englischen Sprache zum Selbstlernen
- http://www.quickdic.de/ – Wörterbuch zum Herunterladen
- http://www.phrasen.com/ – Wörterbuch der englischen Redewendungen
- http://www.urbandictionary.com - Slang Dictionary
- http://www.woerterbuch.info/ – Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 600.000 Übersetzungen und 125.000 Synonymen
- http://www.alt-usage-english.org/audio_archive.shtml - Sprachfiles für Indisch-, Britisch-, Austrailienenglish und noch vieles mehr
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Englische Sprache
Kategorie:Anglistik
als:Englische Sprache
ja:英語
ko:영어
ms:Bahasa Inggeris
simple:English language
th:ภาษาอังกฤษ
zh-min-nan:Eng-gí
449
Politik und Weltgeschehen
- 3. August - Eröffnung der von Leo I. als "Räubersynode" (latrocinium) bezeichneten Kirchenversammlung in Ephesos: Zweites Konzil von Ephesos. Dem römischen Vertreter Leos wurde der Vorsitz verweigert. Die Patriarchen von Konstantinopel und Antiochia, Flavian und Domnus II., werden vom Leiter des Konzils, Patriarch Dioskur von Alexandria, für abgesetzt erklärt, der mit Hilfe von bewaffneten Kämpfern die monophysitische Lehrmeinung des Eutyches durchsetzen will.
- Oktober - Eine römische Synode erklärt die erzwungenen Beschlüsse der "Räubersynode" für nichtig.
- Der Überlieferung nach schließt der britische Herrscher Vortigern ein Bündnis mit den angelsächsischen Heerführern Hengest und Horsa.
- 448 oder 449 - Gesandtschaftsreise des oströmischen Diplomaten Priscus an den Hof des Hunnenkönigs Attila.
- Ninken, 24. Kaiser von Japan († 498)
- Kavadh I., persischer Großkönig († 531)
- 11. August - Flavian, Patriarch von Konstantinopel
- Hilarius, Bischof von Arles
Staatsoberhäupter
Europa
- Byzantinisches Reich - Theodosius II., byzantinischer Kaiser (408 - 450)
- Wandalen - Geiserich, König der Wandalen und Alanen (428 - 477)
- Westgotisches Reich - Theoderich I., König der Westgoten (418 - 451)
- Weströmisches Reich - Valentinian III., römischer Kaiser (424 - 455)
ko:449년
Germanen
Als Germanen werden eine Anzahl von Völkern mit ähnlicher Sprache, Kultur, Abstammung und Lebensgewohnheiten bezeichnet, die seit dem 2. Jahrtausend vor Christus bis bald nach der Zeitenwende in Nord- und Mitteleuropa lebten. Die germanischen Völker selbst bezeichneten sich zunächst nicht als Germanen und hatten wahrscheinlich im dünn besiedelten Mitteleuropa während der längsten Zeit ihrer Geschichte auch kein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl. Von den Römern wurden sie oft als große Menschen mit blondem oder rotem Haar bezeichnet.
Ursprünge
Mitteleuropa
Die historischen Überlieferungen über die Germanen beginnen mit den Berichten antiker Schriftsteller im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus.
Schrift und Sprache
:Hauptartikel: Germanische Sprachen
Erste eigene schriftliche Überlieferungen der Germanen setzen um 200 nach Christus mit den ältesten urnordischen Runeninschriften ein. Für die Zeit davor geben nur Archäologie und die vergleichende Sprachwissenschaft, Auskunft über die germanischen Völker.
Die Sprachwissenschaft konnte durch sorgfältigen Vergleich der germanischen Einzelsprachen untereinander (vor allem Gotisch, Althochdeutsch, Altenglisch und Altnordisch) und deren Vergleich mit anderen indoeuropäischen Sprachen die germanische Sprache (auch "Protogermanisch" oder "Gemeingermanisch") weitgehend rekonstruieren. Zu den wichtigsten Ergebnissen dieses doppelten Vergleichs gehört:
- In früheren Ansätzen der Sprachforschung wurde zwischen westlich-indoeuropäischen Kentum-Sprachen und östlich-indoeuropäischen Satem-Sprachen unterschieden. Im Rahmen dieser Unterscheidung wurde das Germanische mit dem Keltischen und dem Italischen zur Gruppe der Kentum-Sprachen geschlagen. Doch erwies sich der Ansatz einer älteren Sprachgemeinschaft (also einer gemeinsamen "Alteuropäischen Sprache") als nicht haltbar.
- Inzwischen werden Verzweigungsmodelle verwendet, die auch Einflüsse berücksichtigen, die sich durch räumliche Nähe und folgendem Kontakt von Sprechern minder verwandter Sprachen ergeben. Hierbei bildet das Protogermanische mit den Vorläufern der baltischen und slawischen Sprachen eine Dialektgruppe innerhalb der indoeuropäischen Sprachen.
- Das Protogermanische löst sich dann aus dieser Gruppe, wobei sich vermutlich starke Einflüsse einer uralischen Sprache - unter anderem gerundete Vokale (ä, ö, ü) - abzeichnen. Zudem weist das Protogermanische eine auffallend eigenwillige Verwendung (Slang) von Worten indoeuropäischen Ursprungs auf (Beispiel: sehen = [mit den Augen] folgen, vgl. Lateinisch sequi).
- Der protogermanische Wortschatz enthält viele Lehnworte nicht-indoeuropäischen Ursprungs, obwohl Schätzungen dieses Anteils von ehemals ein Drittel nach unten korrigiert wurden. Häufungen von Lehnworten gibt es besonders in den Bereichen sozialer Organisation sowie Navigation und Schifffahrt. Dies kann eine Entstehung als Substrat oder Einwanderersprache nahelegen.
- Nach der Herausbildung der protogermanischen Sprache bestanden Beziehungen insbesondere mit den keltischen Sprachen, was Lehnworte belegen. Auch das Finnische hat bereits früh mehrere germanische Worte entlehnt und in nahezu unveränderter Form bis heute bewahrt, so die Worte kuningas (König) - Germanisch: kuningaz - und rengas (Ring) - Germanisch: hrengaz; in beiden Worten steht z für stimmhaftes s.
Begriffsbildung
Finnische
Die Verwendung des Begriffs "Germanen" ist erstmals vom griechischen Geschichtsschreiber Poseidonios um das Jahr 80 v. Chr. überliefert. Bedeutung und Herkunft des Wortes "Germane(n)" sind immer noch umstritten. Es bieten sich folgende Interpretationen an:
- Es handelt sich ursprünglich um den Namen eines einzelnen, nicht näher bekannten Stammes. So könnte der Name eines kleinen Volksstammes letztlich auf eine ganze Völkerfamilie übertragen worden sein.
- Historisch gesichert ist, dass Gaius Julius Caesar in seinem Buch De bello gallico („Der Gallische Krieg“, 51 v. Chr.) den Namen dokumentarisch festgeschrieben und damit auch weiter verbreitet hat. Damit wurde der Begriff auf alle rechtsrheinischen Völker angewendet. Bis dahin wurden die in Mitteleuropa ansässigen Völker durch die Griechen in Kelten (Westeuropa), und Skythen (Osteuropa) eingeteilt. Erst mit Caesar erkannten auch die Römer, dass es sich bei den Germanen nicht um einen Teil der Kelten handelte, sondern um eine eigene Völkerfamilie.
- Die Etymologie ger-mann - zu ger "Wurfspieß, Speer" - ist weit verbreitet, aber nicht haltbar.
- Eine mögliche gemeingermanische Wortbedeutung von "Ger" ist bisher weder überliefert noch erschlossen. Somit wäre unwahrscheinlich, dass der Begriff aus einer (germanischen) Selbstbezeichnung abgeleitet wurde. Der römischen Historiker Tacitus schreibt dagegen in seinem Buch De origine et situ Germanorum („Über den Ursprung und den Lebensraum der Germanen“, Jahr ca. 98; 2. Kapitel), dass der Name „Germanen“ noch relativ neu sei. Man habe den Namen zunächst für die Tungrer benutzt und anschließend auf alle germanischen Stämme übertragen; Tacitus zufolge seien alle rechtsrheinischen Stämme zuerst von den Galliern als Germanen im umfassenden Sinn bezeichnet worden, was auf eine keltische Herkunft des Wortes hindeutet. Diesen Namen hätten die Volksstämme später auch für sich selber verwendet. In seinem Buch findet sich auch die einzige detaillierte Beschreibung des Germaniens jener Zeit, wo die einzelnen Stämme und Völker zwischen Rhein und Weichsel sowie Donau und Nord- bzw. Ostsee aufgeführt sind.
Gallier
Neueste Theorien vermuten aufgrund der Namensgebung von Flüssen und Ortschaften, dass der Entstehungsort der germanischen Kultur im Raum nördlich der deutschen Mittelgebirge gelegen haben könnte. Die Mehrheit der Wissenschaftler teilt diese Theorie jedoch nicht.
Von Germanen kann im archäologischen Sinne erst zu der Zeit ganz sicher gesprochen werden, in denen sie in den schriftlichen Quellen erscheinen. Ein "Rückrechnen" und die Suche nach sogenannten "Ur-Germanen" der Stein- und Bronzezeit war in der archäologischen Forschung früher lange Zeit üblich. Diese mit dem Namen von Gustaf Kossinna verbundene Methode wurde nach dem Zweiten Weltkrieg völlig verworfen.
Germanische Lautverschiebung
Gustaf Kossinna
Jahrzehntelang wurde angenommen, die gemeinsame germanische Sprache (Urgermanisch, Protogermanisch), aus der später die einzelnen germanischen Sprachen entstanden, habe sich um 500 v. Chr. durch die germanische Lautverschiebung aus einem west-indogermanischen Dialekt gebildet. In dieser Lautverschiebung wandelte sich beispielsweise anlautendes k über ch (wie im Wort ach) zu h, ebenso p zu f und t zu th (gesprochen wie im Englischen). Ein anderes Merkmal, das alle germanischen Sprachen verbindet und sie von den italischen und keltischen Sprachen unterscheidet, ist die Veränderung des häufigen Kurzvokals o zu a und des Langvokals ā zu ō. Diese Veränderungen können nur stattgefunden haben, solange alle späteren Einzelstämme der Germanen noch in engem Austausch standen.
In der neueren und neuesten Forschung wird diese Lautverschiebung jedoch deutlich später angesetzt, nämlich im ersten Jahrhundert vor Christus. Hauptbeleg dafür ist der Stammesname der Kimbern, die im späten 2. Jahrhundert zusammen mit den Teutonen das Römische Reich von Norden her bedrohten (siehe unten). Beide Völker stammen aus dem Gebiet des heutigen Dänemark. Da der Name Kimbern in lateinischen Texten durchgehend cimbri geschrieben wird, nie chimbri oder gar himbri, während in späteren lateinischen Texten sonst ebenso konsequent beispielsweise chatti (Chatten, daraus Hessen), chauci, cherusci usw. geschrieben wird, wird heute mehrheitlich angenommen, dass die germanische ("erste") Lautverschiebung im späten 2. Jahrhundert vor Christus noch nicht stattgefunden hat, zumindest aber noch nicht abgeschlossen war. Dieser Befund wird durch einige früh überlieferte Ortsnamen gestützt.
Diese Einschätzung hat für die Historische Linguistik recht weitreichende Folgen, etwa für die Datierung des Vernerschen Gesetzes. Die bislang in der Literatur als "Germanisch" bzw. "Gemeingermanisch" bezeichnete Sprache (mit bereits durchgeführter erster Lautverschiebung) bezeichnet demnach nur den - in zügigem Umbruch befindlichen - Sprachzustand kurz vor dem Ende der germanischen Spracheinheit um bzw. kurz vor der Zeitenwende. In den Jahrhunderten davor wurde von den früheren Germanen dagegen ein dem Indoeuropäischen weit ähnlicheres Idiom gesprochen, das nicht überliefert ist, aber in seinen Grundzügen ebenfalls erschlossen werden kann.
Geschichte
Älteste historische Berichte über die Germanen stammen von Begegnungen mit den Griechen und dem Römischen Reich.
Bereits der griechische Reisende Pytheas aus Marseille berichtete um 330 v. Chr. über die Länder um die Nordsee und die dort lebenden Völker.
Die ostgermanischen Bastarnen drangen ab ca. 200 v. Chr. nach Südosten in das heutige Ostrumänien vor und wurden ab 179 v. Chr. in Kämpfe der Makedonen und anderer Völker auf dem Balkan verwickelt.
Der Marsch der Kimbern, Teutonen und Ambronen
Um 120 v. Chr. brachen Kimbern, Teutonen und Ambronen in Richtung Süden auf. Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt: Die historischen Quellen berichten von einer Sturmflut in Jütland, aufgrund derer die Einwohner ihre Heimat verließen. Allerdings vermutet man heute, dass vielmehr Hungersnöte aufgrund klimatischer Veränderungen dafür verantwortlich waren.
Um 113 v. Chr. trafen die Germanenstämme auf die Römer. Bei der folgenden Schlacht (auch als Schlacht von Noreia bezeichnet) entgingen die Römer der völligen Vernichtung ihrer Truppen nur durch ein plötzlich einsetzendes Gewitter, welches die Germanen als ein warnendes Omen (Grollen) ihres Wettergottes Donar interpretierten.
Um 109 v. Chr., 107 v. Chr. und 105 v. Chr. kam es noch weitere Male zu Kämpfen zwischen den Römern und den Germanen, bei denen die Römer jedes Mal eine Niederlage erlitten. Erst nachdem sich die germanischen Stämme in zwei Gruppen aufgeteilt hatten, gelang es den Römern 102 v. Chr., die Teutonen und Ambronen zu besiegen, 101 v. Chr. die Kimbern.
Ausführlicher Beschreibung siehe auch Artikel Kimbern
Kimbern
Ariovist und Caesar
Der Durchbruch der Kimbern und Teutonen durch das damals noch keltische Mittelgebirge führte zur Erschütterung der keltischen Macht in Mittel- und Süddeutschland, so dass später auch andere Germanen, insbesondere Suebische Stämme, in Hessen und das Maingebiet eindringen konnten. Unter ihrem Führer Ariovist drangen sie u.a. in Gallien ein, wurden jedoch durch Gaius Julius Caesar 58 v. Chr. geschlagen und hinter den Rhein zurückgeworfen.
Im 1. vorchristlichen Jahrhundert machte die römische Eroberung Galliens durch Caesar die Germanen zu direkten Nachbarn des Römischen Reiches. Dieser Kontakt führte in der darauffolgenden Zeit zu ständigen Konflikten: Immer wieder kam es zu Übergriffen der Germanen auf die Römer. Im Gegenzug führte Caesar in den Jahren 55 und 53 v. Chr. Strafexpeditionen gegen die Germanen durch. Allerdings erkannte Caesar den Rhein als Grenzlinie zwischen Germanen und Römern an.
Vorstoß des Augustus bis zur Elbe
Auch in der Folgezeit kam die Rheingrenze nicht zur Ruhe. Der römische Kaiser Augustus beschloß deshalb die Verlagerung von Truppen an den Rhein, die bisher in Gallien stationiert waren.
Die Rheingrenze blieb dennoch unsicher, woraufhin Augustus seine Taktik änderte: Er beabsichtigte, das Römische Reich bis an die Elbe auszudehnen. Zwischen 12 und 9 v. Chr. führte Drusus, Stiefsohn von Augustus, mehrere Feldzüge gegen die Germanen durch und unterwarf die Friesen, Chauken, Brukterer, Marsen und Chatten. Trotz der Feldzüge des Drusus gerieten aber die wenigsten Germanenstämme wirklich in dauerhafte römische Abhängigkeit. Nachdem Drusus beim Rückzug bei einem Sturz von seinem Pferd gestorben war, setzte sein Bruder Tiberius 8 v. Chr. die Feldzüge fort. Im Jahre 4 n. Chr. gelang es ihm, die bis dahin aufständischen Cherusker zu unterwerfen. Nun galt Germanien bis zur Elbe als unterworfen, es wurden repräsentative römische Städte östlich des späteren Limes gegründet, beispielsweise im heutigen Waldgirmes in Hessen. Der lateinische Name dieser Siedlung ist sowenig bekannt wie etwa die lateinischen Namen der Kastelle in Haltern, Anreppen oder Marktbreit am Main.
Ein letzter großer Feldzug im Jahre 6 n. Chr. sollte das Reich des Markomannenkönigs Marbod in Böhmen zerschlagen. Er war kein Gegner Roms, legte jedoch Wert auf seine Unabhängigkeit. Eine Zerschlagung seines Reiches wäre wahrscheinlich der Schlussstein der römischen Unterwerfung der Germanen gewesen. Von Mainz mainaufwärts und dem Raum Wien Richtung Nordwesten bewegten sich zwei große römische Marschsäulen. Doch die Operation musste wegen eines überraschenden, großen Aufstandes in Pannonien, dem heutigen Ungarn, abgebrochen werden. Dennoch galt Germanien bis zur Elbe weiterhin als römische Provinz.
Die Varusschlacht
Pannonien
Nachdem der Widerstand der Germanen gebrochen schien, wurde Publius Quinctilius Varus damit beauftragt, in den Gebieten rechts des Rheins römisches Recht einzuführen und Steuern zu erheben. Als Statthalter war er gleichzeitig Oberbefehlshaber über die rheinischen Legionen. Varus, der sich zuvor in der römischen Provinz Syrien den Ruf eines brutalen und ko | | |