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Geschichte Des Islam

Geschichte des Islam

Dieser Artikel schildert die politische, kulturelle und soziale Geschichte des Islam. Zur religiösen Entwicklung siehe Islam, Koran, Sunna, Fiqh, Schari'a, Schia, Sufismus. Sufismus

Arabien vor dem Islam

Moslems bezeichnen die Zeit vor dem Islam als dschahiliyya, als Epoche der "Unwissenheit". Der Islam hat seinen Ursprung auf der Arabischen Halbinsel (arab. dschasirat al-`arab "Insel der Araber"), einem hauptsächlich von Beduinen bewohnten Steppen- und Wüstengebiet. Arabien war zur damaligen Zeit kein vereinigtes Reich, sondern lag am Rande des Einflussgebiets des Byzantinischen Reichs auf der einen und des Perserreichs auf der anderen Seite, sowie deren Vasallenstaaten, der den Byzantinern angeschlossenen Ghassaniden und der den Persern verbündeten Lachmiden. Arabien bildete in dieser Zeit eine reine Stammesgesellschaft, die von dem Gegensatz zwischen Sesshaften (hadar) und Nomaden (badu) geprägt war. Neben den Beduinen, die ihren Lebensunterhalt mit Viehzucht und Beutezügen (arab. gazw oder gazu) untereinander bestritten, lebten dort sesshafte Bauern, die in den Oasen Landwirtschaft betrieben. Mekka, die Heimat Mohammeds, hatte sich aufgrund seiner günstigen Lage an der "Weihrauchstraße", die von Südarabien nach Syrien verlief, zu einer blühenden Handelsmetropole entwickelt, die von den Koreischiten, einer Sippe von Kaufleuten dominiert wurde. Obwohl auch zahlreiche Juden (vor allem in Mekka, Yathrib (Medina), Wadi l-Qura, Chaibar, Fadak, Taima und dem nahe bei Mekka gelegenen at-Ta'if) und Christen auf der arabischen Halbinsel lebten, bekannte sich nach islamischer Überlieferung die Mehrheit der Bewohner zu einer Vielzahl heidnischer Stammesgötter, wie z.B. den drei Göttinnen al-Lat, Manat und al-Uzza bzw. der insbesondere in Mekka verehrten Lokalgottheit Hubal. Die Kaaba - arab. auch baytu'llah, d.h. "Haus Gottes" - in Mekka war bereits in vorislamischer Zeit ein bedeutender Wallfahrtsort und stellte eine wichtige Quelle wirtschaftlichen, religiösen und politischen Einflusses für die Koreischiten dar.

Mohammed und die Entstehung des Islam

Um das Jahr 570 wurde Mohammed in Mekka geboren. Über die Frühzeit seines Lebens ist wenig bekannt. Wir wissen von einer Handelsreise nach Syrien, die der fünfundzwanzigjährige Mohammed im Auftrag von Chadidscha unternahm, einer reichen Kaufmannswitwe, die er später heiratete. Im Alter von vierzig Jahren, einer traditionell symbolbehafteten Zahl, hatte Mohammed schließlich Visionen, die er als Wort Allahs zunächst nur seinem unmittelbaren Umfeld verkündete; später bildeten diese Eingebungen, in Suren gestaltet, den Koran. Als die Anhänger der neuen Religion die alten Götter zu bekämpfen begannen, kam es zum Bruch zwischen Mohammed und den Koreischiten. Mohammed unterstellte sich 620 mit seinen Anhängern dem Schutz der beiden medinensischen Stämme der Aus und Hasradsch (Chazradsch), die einen Schlichter (arab. hakam) für ihre Zwistigkeiten suchten. Ibn Ishaq, einer der wichtigsten Biographen Mohammeds, berichtet von mehreren Treffen auf dem 'Aqaba, einem Hügel in der Nähe Mekkas, auf denen Mohammed mit den Medinensern (die daraufhin Ansar "Helfer" genannt wurden) ein Bündnis schließt. Im September 622 zieht Mohammed mit seinen Anhängern von Mekka nach Yathrib (Medina), ein Ereignis, das als Hedschra den Beginn der islamischen Zeitrechnung markiert. Die Übersiedlung nach Medina markiert zugleich auch den Beginn der politischen Tätigkeit Mohammeds. Mohammed hatte in der medinensischen Gesellschaft die angesehene Stellung eines Schlichters und wurde zugleich als Oberhaupt der islamischen Gemeinde, der umma angesehen. Der Islam erfuhr in Medina seine gesellschaftliche Ausformung. Die medinensischen Suren des Korans nehmen immer stärker Bezug auf konkrete Regelungen des Lebens und der Organisation der islamischen Gemeinschaft; die Unterschiede zu den Juden und Christen werden betont und von den Un- und Nichtgläubigen geschieht eine stärkere Abgrenzung. Gleichzeitig kommt es zur militärischen Konfrontation mit Mekka, in der Mohammed als militärischer Führer der Moslems auftritt. Mohammed führt seit 623 mehrere Feldzüge (majazi) gegen Mekka (Sieg der Moslems in der Schlacht von Badr (624), die Schlacht am Berge Ubud (625) und die Grabenschlacht (627)) bis im März 628 ein Waffenstillstand geschlossen wurde. 629 traten die Moslems zum ersten Mal die Pilgerreise nach Mekka an, 630 übergaben die Führer von Mekka die Stadt an Mohammed, nachdem ihnen versichert worden war, dass die Stadt ihren Charakter als Wallfahrtsstätte behalten werde. In den Jahren vor dem Tode Mohammeds weitete sich der Einfluss des Islams auf die ganze arabische Halbinsel aus. Mit den Stammesführern wurden Verträge geschlossen, die teils eine Tributpflicht, teils die Anerkennung Mohammeds als Propheten enthielten. Einer der Hauptursachen für die rasend schnelle Ausbreitung des Islams lag in der inneren Struktur der Gesellschaftsordnung. Die von Ibn Hisham überlieferte "Verfassung von Medina" legte eine Beistandspflicht der Moslems untereinander sowie das Verbot, andere Moslems anzugreifen fest. Die in der vorislamischen Zeit so beliebten Beutezüge der Stämme richten sich nun ausschließlich gegen Nicht-Moslems, da nur gegen diese Krieg geführt werden durfte, während der Islam das "Haus des Friedens" war.

Die Ära der rechtgeleiteten Kalifen

Der Begriff "Rechtgeleitete Kalifen" bezieht sich ausschließlich auf die ersten 4 Kalifen, namentlich
- 632 - 634 Abdallah Abu Bakr
- 634 - 644 Omar ibn al-Chattab
- 644 - 656 Osman ibn Affan
- 656 - 661 Ali ibn Abi Talib und bezeichnet jene Kalifen, welche die Umma, die Gemeinschaft der Gläubigen, noch ungespalten führten. Kalif hieß zwar, der Nachfolger des Propheten zu sein, aber die frühen Kalifen waren keine Alleinherrscher. Ihre Herrschaft war noch stark geprägt von der vorislamischen Stammesgesellschaft. Sie genossen vor allem religiöse Autorität, amtierten als Leiter des Gebets und als Schiedsrichter.

erster Kalif: Abdallah Abu Bakr

Als Mohammed 632 starb, stellte sich für die Moslems die Frage seines Nachfolgers. Schon damals trat der Gegensatz zwischen den einzelnen Gruppen, den frühesten Gefährten Mohammeds, den zum Islam konvertierten Medinensern und den erst vor kurzem konvertierten einflussreichen Mekkanern zu Tage. Man einigte sich schließlich auf Abdallah Abu Bakr, einen Mann der ersten Stunde, dessen Tochter Aischa Mohammeds Frau gewesen war und der auch schon zu Lebzeiten Mohammed als Leiter des öffentlichen Gebets vertreten hatte. Seine kurze Herrschaft zeichnete sich im wesentlichen durch eine Konsolidierung des jungen Islam aus. Viele der Stämme der arabischen Halbinsel wollten eine Nachfolge für den Propheten nicht akzeptieren und erhoben sich, Abu Bakr unterwarf sie jedoch und band sie so dauerhaft. 634 starb er.

zweiter Kalif: Omar ibn al-Chattab

Ihm folgte dann Omar ibn al-Chattab. Es sollte an ihm sein, den Islam mit militärischen Mitteln weiterzutragen. 634 fielen fast zeitgleich arabische Armeen sowohl in das byzantinische Palästina und Syrien als auch in das sassanidische Mesopotamien ein, die beide noch von den langen, gegeneinander geführten Kriegen erschöpft waren. Nach einigen kleineren Gefechten entschied sich das Schicksal des christlichen Vorderen Orients in der Schlacht von Yarmuk im heutigen Jordanien. Die Truppen des Kaisers Herakleios wurden geschlagen und die Byzantiner räumten Syrien. Statt dessen konzentrierten sie ihre Kräfte auf die Verteidigung Ägyptens, welches jedoch 639/40 ebenfalls überrannt wurde. 642 fällt Alexandria und in den 70er Jahren wird die nordafrikanische Küste erobert, wobei sich Karthago allerdings bis 697/98 halten kann. Damit ist Byzanz auf Kleinasien, die Stadt Konstantinopel und einige Inseln und Küstenbereiche in Griechenland beschränkt. Noch schlimmer erging es jedoch den Sassaniden. Im Südirak kam es (wahrscheinlich 636) bei Kadesia zur Schlacht. Nach der dortigen Niederlage ziehen sich die sassanidischen Truppen ins persische Herzland zurück. Sogar die Hauptstadt Ktesiphon wird aufgegeben. Doch ist der persische Widerstand damit noch nicht gebrochen. 642 kommt es bei Nihawend zum "Sieg aller Siege": das persische Heer wird vernichtet und nun hält die Araber nichts mehr auf. Der letzte sassanidische Großkönig Yazdegerd III. wird 651 in Merw ermordet. Persien wird Stück für Stück erobert, auch wenn sich die Bevölkerung dem mit unterschiedlicher Heftigkeit und Stärke widersetzt. Hier gibt es spürbaren Widerstand, im Gegensatz zu Syrien, wo die Araber von den Monophysiten und der Assyrischen Kirche des Ostens teilweise begeistert empfangen wurden. Erst nach und nach erlischt dieser und damit ist das Ende der letzten altorientalischen Staatsgründung besiegelt. Zu Details und Literatur siehe den Artikel Islamische Expansion. Omar setzte auch Amr ibn al-As als seinen Statthalter für Palästina und Ägypten ein, der die Herrschaft in der Region langfristig zuverlässig aufrecht erhielt und noch mehrfach wertvolle Unterstützung für die späteren Schlachten der Kalifen und speziell für Ali leisten sollte. Im Jahre 644 wird Omar von einem persischen Sklaven ermordet.

dritter Kalif: Osman ibn Affan

Mit der Herrschaft von Osman ibn Affan begann eine Zeit innerer Auseinandersetzungen im Islam, die letzten Endes zur Spaltung der Gemeinde führen sollte. Seine bedeutendste Tat ist die abschließende und bis heute maßgebliche Redaktion des Koran. Nepotismus und Misstrauen gegenüber den weitgehend unabhängig agierenden Statthaltern führten zu deren Ersetzung durch enge Verwandte, der Wichtigste unter ihnen war Mu'awiya in Syrien (später Muawiya I.). 656 wird Osman im Gebet ermordet. Ob der gedemütigte 'Amr ibn al-'As hinter dem Anschlag stand, Osmans Nachfolger auf dem Kalifenthron Ali ibn Abi Talib oder gar A'ischa, die Witwe des Propheten, bleibt im Dunkeln.

vierter Kalif: Ali ibn Abi Talib

Die folgende Einsetzung Alis als Kalif, Vetter und Schwiegersohn des Propheten, empfanden nicht alle Seiten als akzeptabel. 'A'ischa, Mohammeds Witwe, hasste Ali und Mu'awiya suchte nach Rache für die Ermordung Osmans. 656 kam es so zur Kamelschlacht zwischen Ali und Mu'awiya. Technisch gesehen gewann zwar Ali den Kampf, aber eine Entscheidung war diese Schlacht noch nicht. 657 kommt es dann zu einer zweiten Schlacht, der Schlacht von Siffin am mittleren Euphrat, ein Schiedsgericht im Anschluss daran sollte die Frage, wem das Kalifat nun zustehe, endgültig beantworten. Nachdem Ali sich dazu bereit erklärte, kündigte ihm ein Teil seiner Anhänger, die so genannten Charidschiten, die Gefolgschaft. Das Urteil klärte die Situation nicht eindeutig, was Alis Position weiter schwächte.

Aufspaltung in Sunni und Schia

660 errichtet Mu'awiya in Damaskus ein Gegen-Kalifat. Die als Besudelung des Islams empfundene Auseinandersetzung zwischen den beiden führt zu einer Verschwörung von Charidschiten, die sich in Mekka gesammelt hatten, 661 finden gleichzeitig Anschläge auf Ali und Mu'awiya statt, nur Mu'awiya überlebt. Damit wird dieser Kalif. Aber die Parteigänger Alis akzeptieren ihn nicht als Kalifen. So kommt es zum Schisma zwischen den Sunniten und der Schi'at 'Ali. Die Partei Alis zieht sich zurück in den Süden des Iraks, und es beginnt die Dynastie der Umayaden. Siehe auch: Liste der Kalifen, Kalifat, Islamische Expansion

Die Dynastie der Omajaden

(661-750) :Schlacht von Kerbela :Gründung von Bagdad :Weitere Eroberungen Siehe auch: Omajaden

Das Kalifat der Abbasiden

(749 bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts) Siehe auch: Abbasiden

Die Zeit der Seldschuken

Siehe auch: Seldschuken, Kreuzzüge

Die Fatimiden in Ägypten

Siehe auch: Fatimiden

Die Dynastien der Almoraviden und Almohaden in Nordafrika und Spanien

Siehe auch: Almoraviden und Almohaden

Die Zeit der Mongolen

Siehe auch: Mongolen, Ejubiden

Die Mamluken in Ägypten

Siehe auch: Mameluken

Die Zeit der Osmanen

Das Osmanische Reich

Siehe auch: Osmanisches Reich, Osmanisches Kalifat

Die Entstehung der Nationalstaaten

Die Islamische Welt in der Moderne

Siehe auch: Geschichte Algeriens, Geschichte des Iraks, Arabische Liga, Nahostkonflikt

Literatur


- Dashti, Ali: 23 Jahre - Die Karriere des Propheten Muhammad. Alibri Verlag, Aschaffenburg 2003, ISBN 3-932710-80-0
- Endreß, Gerhard: Der Islam - Eine Einführung in seine Geschichte. C. H. Beck Verlag, München 1997, ISBN 3-406428-84-3
- Haarmann, Ulrich: Geschichte der arabischen Welt. C. H. Beck Verlag, Oktober 2004, ISBN 3-406474-86-1
- Hourani, Albert: Die Geschichte der arabischen Völker. Fischer Verlag, Frankfurt 1997, ISBN 3-596150-85-X
- Jäger, Wolfgang: Die islamische Welt. Cornelsen Verlag, März 2002, ISBN 3-464642-88-7
- Lewis, Bernard: Die Araber. Dtv, Dezember 2002, ISBN 3-423308-66-4
- Miquel, André: Der Islam. Von Mohammed bis Nasser. Zürich 1970, ISBN 3463136767
- Noth, Albrecht: Der islamische Orient, Grundzüge seiner Geschichte. Ergon Verlag, März 1998, ISBN 3-932004-56-6
- Krämer, Gudrun: Geschichte des Islam. C. H. Beck Verlag, Oktober 2005, ISBN 3-406-53516-X ! ja:イスラム帝国 ms:Sejarah Islam

Islam

Der Islam ( islām Hingabe an Gott; al-islām der Islam) ist mit ca. 1,2 Milliarden Anhängern nach dem Christentum (ca. 2,0 Milliarden Anhänger) die zweitgrößte Religion der Welt. Seine Anhänger werden als Muslime oder (deutlich seltener und veraltet) als Mohammedaner bezeichnet; letzteres stößt indes als Fremdbezeichnung unter den meisten Muslimen auf Ablehnung, da die Muslime nicht - wie das Wort suggeriert - Mohammed, sondern einzig den einen Gott anbeten. Vor allem in älterer Literatur werden Muslime häufig mit der persischen Variante des arabischen Wortes als Moslems bezeichnet. Der Islam ist eine monotheistische Religion, die sich streng vom Polytheismus und auch von der christlichen Vorstellung von Inkarnation und Trinität abgrenzt. Er gründet sich auf den Koran, der für Muslime das unverfälschte Wort Gottes ist. Zweite Erkenntnisquelle sind die Worte und Handlungen (Sunna) des Propheten Mohammed.

Die Entstehung des Islam

Mohammed]] Der Religionsstifter Mohammed (: der Vielgelobte) wurde um 570 als Sohn eines Händlers in Mekka im heutigen Saudi-Arabien geboren. Nach der Überlieferung soll ihm 610 der Erzengel Gabriel erschienen sein, und ihm die ersten Verse (Ayāt) des Korans übermittelt haben. Im Verlauf der folgenden 23 Jahre soll ihm dann Vers für Vers davon offenbart worden sein. Der Islam begreift sich als Fortsetzung göttlicher Offenbarung. Deshalb sehen sich Muslime in der Kontinuität von Judentum und dem Christentum. Mohammed wird deshalb auch als das „Siegel der Propheten“ bezeichnet. In diesem Sinne werden im Islam auch alle vorher von Gott gesandten Propheten, die in der Bibel genannt werden, als eigene Propheten verstanden. Es gibt aber Abweichungen: So ist nach islamischem Glauben Jesus ein Prophet, der jedoch weder am Kreuz starb noch auferstand. Einige Personen, die im Juden- bzw. Christentum nicht als Propheten gesehen werden, werden im Islam als solche verehrt, zum Beispiel Adam.

Grundlagen des Islam

Die fünf Säulen

Die Grundsätze des Islam, die fünf Säulen, die zu erfüllen jeder Muslim verpflichtet ist, sind:
- Das Glaubensbekenntnis Schahada (): Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer (dem einzigen) Gott und Mohammed ist der Gesandte Gottes. (s.o.) Die Schiiten fügen in der Regel noch den Satz hinzu: und Ali ist der Freund Gottes. Gemeint ist hier Ali ibn Abi Talib. Im Sufismus (islamische Mystik) wird der erste Teil der Schahada auch interpretiert mit: Ich bekenne, dass es nichts außer Gott gibt bzw. Es gibt nichts. Es gibt nur den Einen (die Einheit). Das Aussprechen der Schahada in ehrlicher Absicht (niya) reicht aus, um Muslim zu werden. Sie ist auch das erste, was einem Neugeborenem ins Ohr geflüstert wird, und der letzte Gruß an einen Sterbenden. In der heutigen islamischen Kultur, verliert ein Moslem, der den Islam verläßt, häufig seine familiären und gesellschaftlichen Bindungen, seine Rechte und Erbansprüche. In der Rechtstheorie, in einigen Ländern auch in der Rechtspraxis, wird das Abfallen vom Islam mit dem Tode bestraft.(Siehe: ridda)
- Das Gebet Salat () ist religiöse Pflicht. Es wird zu festgelegten Zeiten verrichtet, zu denen der Muezzin ruft: in der Morgendämmerung, mittags, nachmittags, abends und nach Einbruch der Nacht. Zuvor erfolgt die rituelle Reinigung (arabisch: "wudu'" ;persisch: "âbdast") mit reinem Wasser. Sollte dieses nicht in ausreichender Menge zu Verfügung stehen oder als Trinkreserve benötigt werden, wird symbolisch Sand oder Staub verwendet (tayammum). Das Zusammenlegen oder Nachholen von Gebeten ist unter bestimmten Bedingungen gestattet, z. B. auf Reisen. Am Freitag muss das Mittagsgebet (Freitagsgebet) in der Gemeinschaft (das Gebet in der Moschee ist nicht Pflicht, zwingend ist für das Freitagsgebet die Gemeinschaft) stattfinden, dann (oder davor) wird auch gepredigt (Khutba). Viele Muslime beten aber auch sonst möglichst in der Moschee. Die Teilnahme am Freitagsgebet ist Pflicht für alle männlichen erwachsenen Muslime.
- Die Almosensteuer Zakat (). Die Erträge werden für Bedürftige, Kranke, Befreiung Gefangener, den Dschihad oder zum Aufbau religiöser Schulen verwendet. Die Höhe variiert je nach Einkunftsart (Handel, Viehzucht, Anbau) zwischen 2,5-10% ebenso wie die Besteuerungsgrundlage (Einkommen oder Gesamtvermögen). Zakat stellt eine der drei nach islamischem Recht erlaubten Steuerformen dar; die anderen beiden sind die Grundsteuer (Charadsch) und die Kopfsteuer (Dschizya), die von Nichtmuslimen in islamischen Gesellschaften als Gegenleistung für ihre Duldung (siehe: Dhimmi) verlangt wird. Die Zakat ist eine fromme Handlung und religiöse Pflicht des Muslims und kann somit nur Muslimen zu Gute kommen.
- Das Fasten Saum (). Im Monat Ramadan, der sich jedes Jahr um 10 Tage verschiebt, wird von Beginn der Morgendämmerung - wenn man einen „weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden“ kann (Koran 2:187) - bis zum vollendeten Sonnenuntergang gefastet, nichts gegessen, nichts getrunken, nicht geraucht, kein ehelicher Verkehr und manche andere Enthaltsamkeit im Verhalten geübt. Das Fasten wird nicht aus gesundheitlichen Gründen befolgt, sondern um Gottes Befehl während des Tages zu genügen. Insofern ist das oft praktizierte ausgiebige Fastenbrechen bei Nacht zwar nicht unbedingt ideal, verletzt jedoch auch nicht die religiöse Pflicht. Oft bricht man das Fasten mit einer Dattel und einem Glas Milch, nach Vorbild des Propheten. Der Fastenmonat wird mit dem Fest des Fastenbrechens ('Īd al-fitr) beendet.
- Die Pilgerfahrt Haddsch (). Einmal in seinem Leben soll der Muslim die Pilgerfahrt nach Mekka antreten. Sie findet im letzten Mondmonat statt, und wird dann zur Pflicht für ihn, wenn er dazu in der Lage ist. Entscheidend dafür ob die Pilgerfahrt zur Pflicht wird, sind unter anderem seine finanziellen und gesundheitlichen Lebensumstände.Die Einschränkung der ritualrechtlichten Pflicht der Pilgerfahrt ist in Sure 3, Vers 97 begründet: :::"...und die Menschen sind Gott gegenüber verpflichtet, die Wallfahrt nach dem Haus (d.i. die Kaaba von Mekka) zu machen - soweit sie dazu eine Möglichkeit finden ". Die Interpretation des hier verwendeten Ausdruckes "Möglichkeit finden" erfolgt in einem Prophetenspruch (Hadith), dessen Isnad allerdings als "schwach" eingestuft ist. Demnach ist der Besitz von Reiseproviant und Reittier (arabisch: al-zâd wa-'l-râhila) die Grundvoraussetzung für die Erfüllung dieser rituellen Pflicht. Die Pilger müssen nach ihrer Ankunft in Mekka u.a. die Kaaba sieben Mal umkreisen, auf dem Hügel Arafat verweilen, zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa laufen - damit vollziehen sie den Durst von Hagar und Ismael auf der Suche nach Wasser in der Wüste nach (vgl. 1. Mose 21, 9-21) -, Opferschafe schlachten und den Satan rituell steinigen.

Glaubensgrundsätze

Im Islam gibt es sechs Glaubensartikel, nämlich den Glauben an:
- Gott (Allah)
- seine Engel
- seine Offenbarung (heilige Bücher: Tora, die Evangelien, den Koran etc.)
- seine Gesandten, die Propheten Gottes: darunter Adam, Abraham, Moses, Jesus und zuletzt Mohammed
- den Tag des jüngsten Gerichts und das Leben nach dem Tod: Der Mensch werde eines Tages für seine Taten zur Verantwortung gezogen und mit dem Höllenfeuer bestraft bzw. mit dem Paradies belohnt
- die göttliche Vorsehung. Erwähnt werden diese Glaubensartikel sowohl im Koran (z.B. in an-Nisā'(4):136: :::Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und seinen Gesandten und die Schrift, die er auf seinen Gesandten herabgeschickt hat, und an die Schrift, die er schon (früher) herabgeschickt hat! Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht glaubt, ist (damit vom rechten Weg) weit abgeirrt. Auch in Hadithen wie folgendem Ausspruch des Mohammed heißt es: :::Der Glaube besteht darin, dass du an Gott glaubst und an seine Engel, an seine Bücher, an seine Propheten und an den Jüngsten Tag, sowie an die göttliche Vorsehung des Guten und des Bösen. Die genaue Liste der Glaubensartikel varriiert leicht zwischen den Rechtsschulen und gelegentlich sogar zwischen einzelnen Gelehrten. Das Glaubenskonzept der Schia ist praktisch identisch und wird nur durch einige Punkte erweitert, die z.B. die Verehrung der Imame betreffen. Lediglich die Ismaeliten weichen durch ihre monistischen Vorstellungen vom Wesen der Engel und des Prophetentums deutlicher davon ab. Nach muslimischem Verständnis sandte Allah den Koran durch den Erzengel Gabriel als „göttliches Zeichen“ an Mohammed, zur Verkündigung an die Menschen. Die „göttlichen Zeichen“ seien für jeden Menschen erkennbar, sofern er „vernünftig“ überlege. Um den Koran zu verstehen, müsse der Mensch sich von seinen „schlechten Eigenschaften“ und seinen „falschen Ideen“ befreien, damit sein Geist sich durchsetze. Dies erreiche man durch ständige Selbstüberwindung und den Kampf gegen die Ungerechtigkeit in der Welt. Die Menschen sollten „Stellvertreter Allahs auf Erden“ sein, indem sie verantwortlich handelten und für Gerechtigkeit einträten. Der Islam ist eine ausgeprägt monotheistische Religion. Die christliche Vorstellung der Dreifaltigkeit wird missverstanden und daher ausdrücklich als im Ansatz polytheistisch abgelehnt, ebenso jede Personifizierung oder gar bildliche Darstellung Gottes. Gott wird durch seine 99 wundervollen Namen beschrieben, die nur ihm alleine zustehen. Die Menschen können über Gott nur wissen, was er ihnen selbst in seiner Gnade offenbart hat, da es die menschliche Vorstellungskraft weit überschreitet, sich direkt ein Bild von Gott zu machen. Anders als Jesus Christus im Christentum ist Mohammed ein sterblicher Mensch, der jedoch von Gott als ein Prophet auserwählt wurde, um den Menschen die Wahrheit zu verkünden. Schon vor ihm habe eine Vielzahl anderer Propheten der Menschheit die göttliche Botschaft überbracht, jedoch sei diese immer wieder verfälscht worden, so dass der Koran die einzige wirklich verlässliche Quelle sei. Unter diesen Propheten finden sich sämtliche Propheten, die in der Bibel genannt werden, einschließlich Jesus (arabisch Isa). Außer ihm werden auch Abraham (Ibrahim), Moses (Musa) und Josef (Yusuf) im Koran erwähnt. Der Mensch ist im Islam nicht an die Vermittlung durch eine Institution gebunden, sondern jedes Individuum kann sich durch seine guten Taten und seine "Gottesfurcht" direkt einen Platz im Himmel verdienen – allerdings nur für sich selbst, nicht für andere. Somit wird die Eigenverantwortung jedes Einzelnen betont. Im Volksislam wird dieses Prinzip durch die Heiligenverehrung etwas aufgeweicht. Neben der Eigenverantwortung steht die Verantwortung für andere: Jeder Muslim ist verpflichtet, zu „gebieten, was recht ist“ und zu „verbieten, was verwerflich ist“ (amr bi-l-ma'rūf wa nahy ani l-munkar ) (mehrfach im Koran, z. B. in Sure 7, Vers 157). Dieser Grundsatz hat, durch den resultierenden Gruppendruck gegen „verwerfliches“ Verhalten, in der islamischen Geschichte zum einen die Gemeinschaft gestärkt, aber auch dafür gesorgt, dass der berühmte Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ in der Praxis nie wirklich relevant wurde. Siehe hierzu auch Hisba. Wer im Islam ehrliche Reue zeigt, kann immer zu Gott zurückfinden. Andererseits strebt der Islam auch auf Erden einen "Idealzustand" an. Dabei sollte man vielleicht eher von einem Zustand sprechen, der unter Berücksichtigung der Mängel und Unvollständigkeiten der Menschen möglichst nahe an den Idealzustand herankommt. Nach der Überlieferung war die frühislamische Gesellschaft ein solcher „Idealzustand“. Der wesentliche Unterschied zwischen „Fundamentalisten“ und „gemäßigten Muslimen“ besteht darin, dass erstere den damaligen Zustand als für alle Zeiten vorbildhaft betrachten. Gemäßigte Muslime glauben zwar auch, dass es die unter den damaligen Umständen in einer Gesellschaft von Wüstenomaden bestmögliche Annäherung war, betonen aber, dass die zu Grunde liegenden Ziele unter geänderten Bedingungen auch auf veränderte Weise angestrebt werden sollen.

Der Dschihad

Der Dschihad (arab. »sich bemühen, sich anstrengen, kämpfen«) ist ein wichtiges Glaubensprinzip. Seine Bedeutung im Islam ist so groß, dass zeitweise diskutiert wurde, ob der Dschihad als sechste „Säule des Islam“ gerechnet werden sollte. Das „Bemühen auf dem Wege Gottes“ umfasst die eigene spirituelle und moralische Verbesserung, die Verbesserung des Gemeinwesens bzw. seiner Mitbrüder, und auch die Verteidigung des Glaubens mit der Waffe. Manche Muslime deuten Dschihad als Feldzug gegen ‚Ungläubige‘, also Nichtmuslime. In der Praxis sind damit oft die westlichen Industrieländer gemeint. Diese Interpretation wird zum Beispiel von Al-Qaida unter Osama bin Laden vertreten, jedoch von den einschlägigen Gelehrten des Islams und der breiten Basis abgelehnt.

Die Scharia

Unter Scharia (arab. »der Weg zur Wasserstelle«) versteht man das islamische Recht, d.h. die Gesamtheit von religiösen Regeln und Pflichten der Muslime (Gebet, Reinigung, Fasten, etc.) zum einen, und die Regelungen zwischenmenschlicher Beziehungen (Ehe- Kauf- Vertragsrecht usw.), ferner das Strafrecht (hudùd / 'uqùbât), aber auch das Kriegsrecht (siyar), d.h. die Regelung der Beziehungen zu der nichtmuslimischen Welt zum anderen. Im Sufismus (islamische Mystik) hat die Scharia den Stellenwert der Basis für den Weg des Gottessuchenden. Weitere Stationen sind in der Reihenfolge: Tariqa (der mystische Weg), Haqiqa (Wahrheit) und Ma'rifa (Erkenntnis).

Richtungen

Sunniten

Der Islam ist in mehrere Richtungen gespalten. Die Sunniten bilden mit etwa 90% die zahlenmäßig größte Gruppierung. Sie unterteilen sich wiederum in die sunnitischen Rechtsschulen der Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten und Schafiiten.

Wahhabiten

Der Wahhabismus ist eine äußerst strenge Auslegung der hanbalitischen Rechtsschule der Sunniten, zum Zeitpunkt seiner Entstehung auch eine politische Strömung.

Schiiten

Die Schiiten sind die zweite große Richtung. Deren Hauptrichtung sind die so genannten Imamiten oder Zwölferschia, die vor allem im Iran, Irak, Aserbaidschan, Bahrain und dem Libanon weit verbreitet sind. Weiter gibt es die Anhänger der Siebenerschia (Ismailiten), die vorwiegend auf dem indischen Subkontinent (Mumbai, Karatschi und Nordpakistan) sowie in Afghanistan und Tadschikistan leben. Die Zaiditen oder Fünferschia finden sich heute nur noch im Jemen.

Charidschiten

Die Charidschiten sind heute die kleinste Richtung des Islams, die heute noch bestehde Untergruppierung heißt Ibaditen. Sie leben vor allem in Südalgerien (Mzab), auf der tunesischen Insel Djerba und in Oman.

Sufismus

Wie fast alle Religionen bzw. religiöse Richtungen besitzt auch der Islam einen inneren (esoterischen) und einen äußeren (exoterischen) Aspekt. Die mystische innere Dimension des Islam ist der Sufismus (arabisch tasawwuf ). Der innere Aspekt wird auch Tariqa, der äußere Schari'a genannt. Nach Auffassung der Sufis gehören diese beiden Aspekte untrennbar zusammen, als Beispiel dient das Symbol einer Öllampe: Die Flamme der Lampe steht für Tariqa, also für die Essenz der Religion, die ohne das schützende Glas beim ersten Windhauch erlöschen würde. Das Glas, also die Hülle, steht für Schari'a, aber ohne eine Flamme hätte das Glas alleine als Lampe keinen Sinn. Von puritanischen Gruppen wie den Wahhabiten werden die Sufis oft als Ketzer bezeichnet und deswegen abgelehnt.

Weitere Gruppen

Weitere Gruppen sind die Aleviten und die Ahmadiyya. Aus dem schiitischen Islam haben sich auch die eigenständigen Religionen der Drusen, der Jesiden, des Babismus und die Religion der Baha'i entwickelt.

Geschichte

Die politische Geschichte des Islam und des Kalifats wird in eigenen Artikeln behandelt. Eine Herrscherliste bietet die Liste der Kalifen.

Gegenwart

Liste der Kalifen]] Heute ist der Islam in vielen Ländern des Nahen Ostens, Nordafrikas, Zentral- und Südostasiens verbreitet. Hauptverbreitungsgebiet ist dabei der Trockengürtel, der sich von der Sahara im Westen über den Nahen Osten und den Kaukasus bis nach Zentralasien im Osten zieht. Das bevölkerungsreichste muslimische Land ist Indonesien. Muslimisch geprägte Länder in Europa sind Bosnien und Herzegowina, der europäische Teil der Türkei und Albanien. Viele weitere Länder haben muslimische Minderheiten. Die Anhängerzahl des Islam wird auf zwischen 900 Millionen und 1,4 Milliarden geschätzt.

Islamische Konferenz

Die islamischen Länder sind in der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) organisiert, der auch einige Staaten mit größeren muslimischen Minderheiten angehören.

Umsetzung der Scharia

Seit der Kairiner Deklaration 1990 soll die Scharia wieder Basis der Gesetzgebung in allen islamischen Ländern sein. Die praktische Umsetzung ist jedoch sehr unterschiedlich. in Tunesien beschränkt sich die Umsetzung nur auf das Zivilrecht, in Saudi-Arabien und Sudan hingegen kommt sie vollständig zur Geltung. In der Türkei wird die Scharia in der Rechtssprechung überhaupt nicht praktiziert. Allerdings sieht die soziale Realität in Teilen der Gesellschaft anders aus. So existiert z.B. die offiziell nicht anerkannte islamische Ehe. Zuweilen gilt die Scharia nur in islamisch dominierten Landesteilen (Nigeria). Besonders drakonische Strafen (Amputation, Steinigung), die oft international kritisiert werden, finden in relativ wenigen islamischen Ländern Anwendung und werden auch innerhalb des Islams teilweise kritisiert, weil dabei meist die in der Scharia vorgeschriebenen strengen Schutzbedingungen für Angeklagte außer Acht gelassen werden, so zum Beispiel die Pflicht, mindestens vier erwachsene männliche Muslime als Zeugen vorzuführen, welche die Tat selbst mit eigenen Augen gesehen haben. Es gibt allerdings hier eine Grauzone, z. B. bei sogenannten «Ehrendelikten» (beispielsweise Tötungen wegen Ehebruchs). Selbst in der laizistischen Türkei konnte bis vor kurzem noch bei solchen Delikten mit mildernden Umständen gerechnet werden. Erst 2004 wurde ein Gesetz durch das Parlament beschlossen, das so genannte „Ehrenmorde“ an Mädchen und Frauen wie vorsätzlichen Mord mit lebenslanger Haftstrafe ahndet. Ein Bereich der Scharia, der wohl nur noch im Sudan und in Mauretanien existiert, ist die Sklaverei.

Wirtschaftliche und soziale Situation

Alle islamischen Staaten gehören zu den Schwellenländern oder Entwicklungsländern. Keines der Länder hat den Sprung zu einem Industrieland geschafft, was manche Forscher in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Normen der entsprechenden Länder bringen. Die arabischen Länder, wo der Islam seinen Ursprung hat, bestehen zudem im Wesentlichen aus Wüsten mit verhältnsmäßig wenigen fruchtbaren und bewohnbaren Flächen. Der Wassermangel behinderte, und erschwert auch heute, eine etwa mit Europa vergleichbare wirtschaftliche Entwicklung. Im Wirtschaftsleben besteht durch das Verbot Zinsen zu nehmen ein grundlegender Unterschied zum Kapitalismus westlicher Prägung. Nicht zuletzt waren die meisten muslimischen Länder Afrikas und Asiens bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts von europäischen Kolonialmächten besetzt. Aber das derzeit mit Abstand größte hinderniss für einen wirtschaftlichen Aufstieg dieser kernregion des Islam ist der Analphabetismus: Laut dem Arab Human Development Report (AHDR) der UNO sind die Hälfte aller Frauen und ein Drittel aller Männer in der Arabischen Welt Analphabeten. 32 Millionen Menschen leiden an Unterernährung. Das Bruttosozialprodukt aller 22 Länder der Arabischen Liga (300 Millionen Einwohner) lag 1999 mit 531,2 Milliarden Dollar noch unter dem des christlichen Spanien (40 Millionen Einwohner) mit 595,5 Milliarden Dollar. Zehn Millionen Kinder unter 15 Jahren besuchen keine Schule. Fast 40 Prozent der 15- bis 24-Jährigen in Algerien sind arbeitslos, in Marokko und Ägypten jeweils 35 Prozent. In den meisten Staaten mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung sind autokratische Regierungen an der Macht. Die Reaktion auf diese Lage ist in manchen Ländern eine verstärkte Zuwendung der Bevölkerung zu islamistischen Gruppierungen, zumal diese sich stark im sozialen Bereich einsetzen. Der militante Islam (der Islamismus) spiegelt nach dem früheren deutschen Außenminister Klaus Kinkel, "die wirtschaftliche, politische und kulturelle Enttäuschung" der Muslime wider.

Die Heiligen Städte des Islam

Im Islam gilt eine Vielzahl von Städten als heilig, wobei dreien eine besondere Bedeutung zukommt: Zuerst natürlich Mekka als Geburtsort Mohammeds mit der Kaaba als zentralem Heiligtum des Islam, das die Gebetsrichtung (Qibla) bestimmt. Darauf folgt mit Medina, nördlich von Mekka gelegen, der Ort, an dem der Islam erste politische Wirkungskraft entfaltete, und schließlich Jerusalem, das nach muslimischer Überlieferung die erste Qibla-Richtung vorgab und der Ort ist, den die Muslime als geographische Position der im Koran (Sure 17, „Die nächtliche Reise“) erwähnten al-Aqsa-Moschee definiert haben. Daneben gibt es eine große Zahl an Wallfahrtsorten unterschiedlicher Bedeutung. Meist handelt es sich dabei um Grabstätten, etwa von Gefährten Mohammeds, der Imame der Schia oder von Sufi-Scheichs. Führend in der Zahl heiliger Orte ist vermutlich der nordafrikanische Volksislam mit unzähligen Grabstätten von Marabuts. Abgesehen von den ersten drei heiligen Stätten ist der Status der «heiligen» Städte - wie die Heiligenverehrung selbst - im Islam ein äußerst kontroverses Thema. Marabut]] Jerusalem stellt in der Liste der heiligen Städte insofern einen Sonderfall dar, als sich der aus dem Koran hergeleitete Anspruch historisch nicht belegen lässt. Trotzdem ist er für Muslime einhellig eine Glaubenswahrheit, was ihn in der praktischen Auswirkung einer „historischen Wahrheit“ gleichstellt.

Der Islam und andere Religionen

Der Islam unterscheidet bei seiner Betrachtung Andersgläubiger zwischen monotheistischen und polytheistischen Religionen. Juden, Christen und Johanneschristen haben eine Sonderstellung als "Leute der Schrift", wie sie im Koran genannt werden. Im islamischen Staat haben sie die Stellung der sogenannten "Dhimmi", die eine Schutzsteuer entrichten müssen, dafür weder die gesetzliche Armensteuer zahlen müssen, noch in der Armee dienen müssen. Ihnen muss vom Staat gewährleistet werden, dass ihnen Gotteshäuser zur Verfügung gestellt werden und sie ihre Religion frei ausüben können. Trotz der Aussage "kein Zwang im Glauben" [Koran: Sure 2 Vers 256] werden nach der Scharia Polytheisten nicht geduldet, siehe dazu auch Glaubensfreiheit im Islam. Der Islam teilt die Welt in zwei Gebiete, zum einen das "Gebiet des Islam" (Dar al-Islam) in dem der Islam schon herrscht und das "Gebiet des Krieges" (Dar al-Harb), die übrige Welt dessen Bewohner noch mittels oft kriegerischer Mittel, von den Vorzügen des Islams "überzeugt" werden müssen.

Siehe auch


- Euroislam
- Liste islamischer Begriffe auf Arabisch
- Islamische Organisationen in Deutschland
- Islamische Organisationen in Österreich
- Islamische Organisationen in der Schweiz
- Kein Zwang im Glauben - zur Religionsfreiheit im Islam
- Islamischer Kalender
- Berühmte Muslime
- Islamismus
- Fiqh

Literatur

Übersetzungen und Literatur zum Koran und den Hadithen finden sich in den entsprechenden Artikeln und werden deshalb hier nicht aufgeführt.

Grundwissen


- Ralf Elger (Hrsg.): Kleines Islam-Lexikon. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47556-6
- Ralf Elger: Islam. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2002, ISBN 3-596-15368-9
- Gerhard Endreß: Der Islam. Eine Einführung in seine Geschichte. München 1997 (C.H. Beck Studium), ISBN 3-406-42884-3
- John L. Esposito: Von Kopftuch bis Scharia. Was man über den Islam wissen sollte. Leipzig 2004 (Reclam Leipzig), ISBN 3-379-20105-7
- Richard Hartmann: Die Religion des Islam. Berlin 1944 - Nachdruck Wiss. Buchgesellschaft 1992, ISBN 3-534-80132-6
- Malise Ruthven: Der Islam. Eine kurze Einführung. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-018057-0
- Udo Schaefer: Glaubenswelt Islam. Eine Einführung. Religionswissenschaftliche Texte und Studien, Band 7. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2002, ISBN 3-48710-159-9
- Annemarie Schimmel: Die Religion des Islam. Eine Einführung. Reclam, Stuttgart 1990, ISBN 3-15-008639-6
- Montgomery W. Watt: Der Islam. 3 Bände. Kohlhammer, Stuttgart 1980-1990 (Band 2: ISBN 3-17-005707-3)
- Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.): Was jeder vom Islam wissen muss. Gütersloher Verlagshaus, GTB 786, 5. Auflage 1996, ISBN 3579007866

Geschichte


- Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert der Hidschra. Springer, Berlin 1991-1995 (sechs Bände)
- Ulrich Haarmann (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1
- Heinz Halm: Der Islam. Geschichte und Gegenwart. C.H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-519172
- Günter Kettermann: Atlas zur Geschichte des Islam. Darmstadt 2001, ISBN 3-534-14118-0
- Marcel Rebiai: Islam, Israel und die Gemeinde Schleife 2004, ISBN 3-907-82742-2
- Hans Küng: Der Islam. Geschichte, Gegenwart, Zukunft. München/Zürich 2004, ISBN 3-492-04647-9
- Tilman Nagel: Geschichte der islamischen Theologie. Beck, München 1994, ISBN 3-406-37981-8
- Albrecht Noth, Jürgen Paul (Hrsg.): Der islamische Orient. Grundzüge seiner Geschichte. Ergon, Würzburg 1998, ISBN 3-932004-56-6

Verhältnis zum Westen und aktuelle Probleme


- Adel Theodor Khoury: Der Islam und die westliche Welt. Primus Verlag, ISBN 3-89678-437-4
- Samuel P. Huntington: Kampf der Kulturen. Goldmann-Verlag, 2002, ISBN 3-442-15190-2
- Mark A. Gabriel: Islam und Terrorismus. Resch, Lake Mary/Florida 2004, ISBN 3-935197-39-X
- Bat Ye'or: Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam. Resch-Verlag, Gräfelfing 2002, ISBN 3-935-19719-5

Weblinks


- [http://www.islam.de/72.php Darstellung des Islam durch den Zentralrat der Muslime in Deutschland]
- [http://www.bpb.de/publikationen/5IY8HR,0,0,Der_Islam.html „Der Islam“ von der Bundeszentrale für politische Bildung]
- [http://wwwuser.gwdg.de/~mriexin/euroislam.html Der Islam in Westeuropa-Linkliste] ja:イスラム教 ko:이슬람교 ms:Islam simple:Islam th:ศาสนาอิสลาม

Koran

Der Koran ( ) ist eine arabische Parallelbildung zu dem syrischen qeryânâ für "Perikopenlesung". Er ist die heilige Schrift des Islam, die gemäß dem Glauben der Muslime Gottes wörtliche Offenbarung an Muhammad, vermittelt durch den Erzengel Gabriel, enthält. Der Koran besteht aus 114 mit Namen versehenen Suren, von denen 113 mit der Basmala (bi-smi llāhi r-rahmâni r-rahīm Im Namen Gottes des Gnädigen, des Barmherzigen) anfangen. Der Koran entstand in einem Zeitraum von etwas mehr als zwei Jahrzehnten. Nach dem Ort der Offenbarung wird zwischen mekkanischen und medinischen Suren unterschieden. Die Suren bestehen aus einer unterschiedlichen Anzahl an Versen wobei die Suren - bis auf die erste - fast durchgehend immer kürzer werden. Der Koran ist die Hauptquelle des islamischen Gesetzes, der Schari'a, weitere Quelle ist die Sunna.

Entstehungsgeschichte des Textes

Die Entstehung des Korans wird in der islamischen Tradition folgendermaßen geschildert: Der Koran wurde von den Anhängern Mohammads von Anfang an schriftlich festgehalten, zunächst als Sammlungen von losen Blättern. Zusätzlich gab es immer eine ganze Reihe von Muslimen, die den bis dahin vorhandenen Text komplett auswendig beherrschten. Sobald Mohammad ein weiterer Text offenbart wurde, war dies in der damaligen Gemeinschaft der Muslime Gegenstand höchster Aufmerksamkeit - wegen der zum Teil unmittelbaren Auswirkungen auf den Alltag, beispielsweise beim Alkoholverbot. Mohammad trug jede Erweiterung zunächst den Männern der Gemeinde vor und danach einer Versammlung der muslimischen Frauen. Vor dem Tod des Propheten war die Schriftsammlung abgeschlossen, und nach Abstimmung mit allen, die den Koran sowohl mündlich (Hifz) als auch schriftlich bewahrt hatten, entstand auf Anordnung des dritten Kalifen Uthman ibn Affan (644-656) der erste offizielle, gebundene Koran ( mushaf). Damals hatte die arabische Schrift noch keine Vokalzeichen und keine Punkte, durch die in der heutigen arabischen Schrift einige ansonsten gleich aussehende Konsonanten unterschieden werden; deshalb war das mündliche Beherrschen des Textes wichtig, und die Schriftform diente vor allem als Gedächtnishilfe. Mindestens fünf Abschriften wurden versandt, und zwar nach Medina, nach Mekka, nach Kufa, nach Basra und nach Damaskus. Gleichzeitig erging die Anordnung, alle privaten Koranaufzeichnungen zu verbrennen. Man nahm früher an, dass die Abschrift, die nach Medina gesandt wurde, sich heute in Taschkent befindet und ein zweites Exemplar im Topkapi Museum in İstanbul verwahrt wird. Beide Exemplare sind aber in kufischer Schrift, die sich in das 9. Jahrhundert n.Chr. datieren lässt, aufgeschrieben worden und somit wohl 150 bis 200 Jahre nach ihrem Original entstanden. Siehe auch: Geschichte des Korantexts

Wirkung

Der Koran bildete die Grundlage für zahlreiche Zweige der arabischen Wissenschaft. Seine Sprache beeinflusste stark die Entwicklung der arabischen Grammatik – neben den erhaltenen Fragmenten der vorislamischen Dichter galt und gilt das koranische Arabisch als Richtschnur für die Korrektheit sprachlicher Ausdrücke. Aus dem Bedürfnis nach Auslegung (Exegese) des Offenbarungsinhalts entwickelte sich die ilm at-tafsir, die Wissenschaft der (Koran)-Interpretation. Ausführliche, oft Dutzende Bände füllende Kommentarwerke sind vom 2. muslimischen Jahrhundert an entstanden; zu den berühmtesten zählen die von 'Abd al-Razzâq al-San'ânî, al-Baghawî, Ibn Abî Hâtim, Tabari, Qurtubi, Risale-i Nur, Ibn Kathir und andere. Auch westliche Kommentatoren liefern immer wieder Beiträge zum Versuch, den Koran zu deuten und zu verstehen. Ungewöhnliche, aber auch sehr umstrittene Interpretationsansätze liegen zum Beispiel von dem deutschen Philologen Christoph Luxenberg vor, der u.a. eine neue Interpretation der Jenseitsbeschreibungen im Koran vorstellt. Es handelt sich bei den Ausführungen von Luxenberg um eine einzelne, sehr spezielle, und in der Fachwelt äußerst umstrittene Position.

Anordnung der Suren

Name, Anzahl der Verse und Offenbarungsort -- Mekka oder Medina -- werden gewöhnlich im Titel der Suren gedruckt. Danach folgt (außer in Sure 9) jeweils die Eröffnungsformel "Bismillahi 'r-Rahmani 'r-Rahim" (anhören): Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Erbarmers, die so genannte Basmala. Diese wird - außer bei der ersten Sure (die Eröffnungssure ) - nicht als Vers mitgezählt. Lediglich bei der Ahmadiyya-Ausgabe wird die Eröffnungsformel als erster Vers mitgezählt, wodurch sich die Zählung der folgenden Verse jeweils um einen Vers verschiebt. Die im Arabischen übliche Zitierweise des Korans ist "<Name der Sure>, <Versnummer>"; im Westen ist dagegen "Koran, Sure <Surennummer>:<Versnummer>" üblich. Diese Zitierweise ist auch in Studien in arabischer Sprache nunmehr verbreitet. Die heutige Anordnung der Suren in der Druckausgabe von al-Azhar von 1923-1924 geht der traditionellen, jedoch wissenschaftlich nicht gesicherten Auffassung nach auf die Redaktion des dritten Kalifen Uthmân ibn Affân zurück. Allerdings verzeichnet die arabisch-islamische bibliographische Literatur noch im späten 10. Jahrhundert unterschiedliche Surenanordnungen der Kodices, ein Umstand, der eine einheitliche, auf den Propheten Mohammed zurückgehende Surenabfolge mehr als fraglich erscheinen läßt. Die Handschriftenfunde in der Großen Moschee von San'a bestätigen, daß Korankodices aus dem ersten muslimischen Jahrhundert erhebliche Unterschiede in der Orthographie, in den Lesarten und Surenanordnungen aufweisen. Siehe auch: Liste der Koransuren

Rolle des Korans im islamischen Leben

Der Koran wird schon heranwachsenden Kindern beigebracht. Der Koran erfährt von Muslimen höchste Wertschätzung. So werden Koranausgaben zum Beispiel von vielen Muslimen nur berührt, wenn sie sich im Zustand der rituellen Reinheit (Tahāra) befinden. Auch wird man in den Wohnungen vieler Muslime kein Buch finden, das im Raum an einer höheren Stelle untergebracht ist, als der Koran. Der Text wird oft bis in die kleinste Einzelheit studiert, wobei für Muslime jedes Detail, jeder Buchstabe und jeder Punkt als von Allah unmittelbar so geoffenbart verstanden wird und deshalb als unendlich wichtig verstanden wird. In den regelmäßigen Gebeten ist die erste Sure Al-Fatiha fester Bestandteil, andere Suren oder Teile davon werden den ersten beiden Gebetseinheiten hinzugefügt. Darüber hinaus wird der Koran auch privat studiert, rezitiert, und live oder von Kassetten oder CDs angehört. Kassetten von einigen bekannten Rezitatoren sind in der ganzen islamischen Welt erhältlich. Es gab schon zu Zeiten des Propheten Muhammad bis heute immer eine grosse Zahl von Muslimen, die den Koran komplett und wortwörtlich auswendig konnten (genannt Hafiz), viele weitere beherrschen ihn zumindest teilweise. In der Wertschätzung gläubiger Muslime steht ein solcher auswendiger Vortrag an höchster Stelle.

Hürden bei der ersten Annäherung an den Koran

Nicht-Muslimen erscheint der Koran auf den ersten Blick oft sperrig. Während viele Muslime nicht verstehen, dass der westliche Leser bei seiner Lektüre nicht sofort vollauf begeistert ist, gerät dieser, wenn er zum ersten Mal den Koran in die Hand nimmt und "vorne" anfängt zu lesen, häufig sofort in eine erste Schwierigkeit. Da am Anfang vor allem längere Suren stehen, stößt der Leser zu Anfang auf die längeren medinischen Suren, die später entstanden sind. In ihnen werden eher Fragen des Zusammenlebens wie zum Beispiel Erbschaftsangelegenheiten oder das Verhalten bei Geschäften untereinander geregelt. Die früheren, mekkanischen Suren, in denen in bildgewaltiger, poetischer Sprache gesprochen wird und die oft nur wenige Zeilen umfassen, stehen am Ende des Koran. Deswegen empfielt es sich für eine erste Annäherung durchaus, nach westlichem Verständnis "von hinten" bei der 114. Sure "An Nas" anzufangen und sich dann nach vorne durchzuarbeiten. Für Johann Wolfgang von Goethe war der Koran ein Buch, "das uns, so oft wir auch daran gehen, immer von neuem anwidert, dann aber anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung abnötigt." Was ihm nicht gefiel: Die nachgeordnete Stellung der Frau, das Weinverbot und die Anfeindung der Poesie (Katharina Mommsen: Goethe und der Islam; Insel Verlag, Frankfurt am Main 2001).

Koranübersetzungen

Siehe auch: Koranübersetzung Eine wirkliche Übersetzung des Korans gilt in der traditionellen islamischen Theologie als unmöglich, da jede Übersetzung zugleich eine Interpretation beinhaltet. Daher wird das Studium des Korans im arabischen Originaltext empfohlen. Einige Sufis zum Beispiel glauben, es sei segensreicher, sich die arabischen Buchstaben eines Korantextes anzuschauen, auch wenn man kein arabisch versteht, als eine schlechte Übersetzung zu lesen. Der Orientalist Friedrich Rückert hat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weite Teile des Koran in gebundener Sprache ins Deutsche übertragen. Rückerts Übersetzung ist für ihre sprachliche Ausdrucksstärke berühmt, die so viel wie möglich vom Klang des koranischen Arabisch ins Deutsche hinüberzuretten versucht. Als Manko dieser Übersetzung wird von vielen Lesern allerdings empfunden, dass Rückert nach eigenem Ermessen Textstellen einfach ausgelassen hat, so dass auf der Grundlage dieser Übersetzung kein vollständiges Bild vom Koran gewonnen werden kann. Tilman Nagel setzt demgegenüber bei verschiedenerlei zu verstehenden Passagen die zusätzlichen Übersetzungsmöglichkeiten in Klammern dahinter. Trockener und schwerer lesbar, dafür vollständig und auch näher am Text bleibt die moderne wissenschaftliche Übersetzung von Rudi Paret, die in Fachkreisen als die philologisch zuverlässigste gilt. Daneben existieren die Ahmadiyya-Übersetzungen (zweisprachige Ausgaben mit dem arabischen Originaltext auf jeder geraden Buchseite in über 50 Sprachen), sowie Übersetzungen des arabisch-christlichen Theologieprofessors Adel Khoury (traditionsgebunden, vom Islamischen Weltkongress unterstützt), von Lazarus Goldschmidt, von Ahmad von Denffer und von Max Henning (Reclam). Der Umgang mit dem Ahmadiyya-Koran und der Goldschmidt-Übersetzung ist nicht unumstritten. Bei den Ahmadiyya handelt es sich um eine von anderen muslimischen Gruppen nicht als muslimisch anerkannte Gruppe, deren Glaubensvorstellungen angeblich den Islam mit Elementen des Buddhismus und Hinduismus vermischen. Goldschmidt wiederum wird von arabischen Moslems mangelnde Neutralität vorgeworfen, weil er Jude ist. Die Henning-Ausgabe ist aktuell von Murad Wilfried Hofmann überarbeitet und behutsam und zurückhaltend mit Anmerkungen versehen worden. Eine zeitgenössische Übersetzung, die auch den arabischen Text und gleichzeitig zu jedem Vers eine Auswahl aus wichtigen, ins Deutsche übersetzten Kommentaren bringt, wurde von einer Gruppe deutschsprachiger Musliminnen unter Leitung von Fatima Grimm unter dem Titel Die Bedeutung des Koran herausgegeben. Eine weitere Übersetzung hat Muhammad Rassoul unter dem Titel "Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur'an Al-Karim" bei der Islamischen Bibliothek veröffentlicht.
- Der Koran. Übersetzung von Adel Khoury. Gütersloh 1987 (2001, 3. Auflage).
- Der Koran. Übersetzung von Rudi Paret. Stuttgart 1966 (2004, 9. Auflage).
- Hartmut Bobzin (Hg.): Der Koran in der Übersetzung von Friedrich Rückert, 4. Aufl., Würzburg 2001.
- Die Bedeutung des Koran. SKD Bavaria Verlag, München, 2.Aufl. 1998 (5 Bände). ISBN 3-926575-40-9.
- Der Koran. Übersetzung von Max Henning. Stuttgart 1960. Überarbeitet und leicht kommentiert von Murad Wilfried Hofmann, Diederichs 3.Aufl. 2001.

Literatur


- Bobzin, Hartmut (2004). Der Koran: Eine Einführung (5. Aufl.). München: Beck. ISBN 3-406-43309-X
- Cook, Michael (2002). Der Koran: Eine kurze Einführung. Stuttgart: Reclam. (Orig. ersch. 2000)
- Hoffmann, Murad (2002). Koran. München: Diederichs. ISBN 3-7205-2316-0
- Luxenberg, Christoph (2000). Die syro-aramäische Lesart des Koran. Berlin: Verlag Das Arabische Buch. ISBN 3-89930-028-9
- Nagel, Tilman (1983). Der Koran: Einführung - Texte - Erläuterungen. München. ISBN 3-406-43886-5
- Nöldeke, Theodor: Geschichte des Qorans.
- —— (1909). Über den Ursprung des Qorans. Leipzig.
- —— (1919). Die Sammlung des Qorans. Leipzig.
- —— (1938). Die Geschichte des Qorantextes. Leipzig.
- Watt, William Montgomery (1967). Companion to the Qur'an, based on the Arberry translation. London.

Siehe auch


- Portal:Religion
- Portal:Islam

Weblinks

Der Koran Online


- [http://gutenberg.spiegel.de/anonymus/koran/inhalt.htm Projekt Gutenberg: Der heilige Koran]
- [http://www.islam-basis.de/index.php?option=com_quran&Itemid=119 Koranmodul mit Suchfunktion in deutscher und arabischer Sprache]

Links zum Thema Koran


- http://www.tafsir.com Der Tafsir gemäß der im Artikel erwähnten Tafsir-Wissenschaften unter anderem von Ibn Kathir; englisch
- [http://www.wiko-berlin.de/kolleg/projekte/AKMI/hermeneutik/korangenese?hpl=1 Wissenschaftskolleg Berlin: Symposiumsbericht] u.a. zu Luxenbergs Thesen Kategorie:Islam ! Kategorie:Literarisches Werk ja:クルアーン ko:코란 ms:Al-Quran simple:Qur'an th:อัลกุรอาน

Fiqh

Fiqh () ist die islamische Jurisprudenz. Sein Gegenstand ist das religiös legitimierte Gesetz, die Schari'a.

Geschichte

Das, was heute als islamisches Recht bekannt ist, existierte zur Zeit Mohammeds noch nicht. In der präislamischen Stammeskultur wandte man sich zur Schlichtung von Rechtsstreitigkeiten an einen so genannten hakam, der für besondere Weisheit bekannt war. Dieser besaß keinerlei Exekutivgewalt, um ein Urteil zu vollstrecken, daher forderte er von den Kontrahenten meist vorab, dass sie einen Eid schworen, und als Sicherheit einige Kamele einem neutralen Dritten übertrugen. Nach der Hidschra Mohammeds und seiner Anhänger nach Medina übernahm Mohammed die Rolle eines solchen hakam für die Muslime. Auch die ersten, so genannten "rechtgeleiteten" Kalifen (Raschidun) amtierten als Schiedsrichter für die muslimische Gemeinde. Erst die Umayyaden-Kalifen setzten Richter (sogenannte qadi) ein, die in ihren Entscheidungen relativ frei waren, das heißt sie fällten ihre Urteile nach ra'y ("Gutdünken", "Meinung"), wobei sie Rekurs auf den Koran, die Tradition und örtliches Gewohnheitsrecht (`urf) nahmen. Die wichtigsten ältesten Rechtsschulen (Madhhab) im Islam waren die Schulen von Kufa und Basra im Irak und die von Medina und Mekka, die sich hauptsächlich nach lokalem Gewohnheitsrecht unterschieden. Im 8. Jahrhundert entstand eine Bewegung von Menschen, die wieder verstärkt auf die eigentlichen Quellen des Islam zurückgehen wollten und die auf den Vorrang der Sunna des Propheten über die an altarabischen Stammestradition orientierte Rechtsprechung der älteren Rechtsschulen pochte. Die Abbasiden, die 750 die umayadische Dynastie ablösten, kamen eigentlich durch diese revolutionäre Bewegung an die Macht. Sie errichteten formelle Gerichtshöfe und etablierten ein System von Berufungsgerichten. Die Richter waren theoretisch unabhängig von der Regierung und entschieden allein nach dem islamischen Recht.

Rechtsschulen

Infolge dieser Ereignisse etablierten sich in der abbasidischen Frühzeit die vier, auf den unten genannten Prinzipien beruhenden sunnitischen Rechtsschulen (madhahib).
- die Hanafiten nach Abu Hanifa (699-767)
- die Malikiten nach ihrem Gründer Malik Ibn Anas (gest. 795)
- die Schafiiten nach Muhammad ibn Idris al-Schafii (767-820)
- die Hanbaliten nach Ibn Hanbal (780-855) Darüber hinaus gibt es eigene Rechtsschulen der Schiiten und der Kharidjiten.

Prinzipien und Anwendung

Das kanonische Gesetz des Islam (scharî'a) umfaßt alle Bereiche des religiösen sowie des bürgerlichen Lebens und ist konstituierender Bestandteil des islamischen Staatswesens. Die Wissenschaft, die sich mit dem islamischen Gesetz systematisch beschäftigt ist Fiqh, d.h. Kenntnis und Verständnis des Rechts. Die Scharî'a regelt das rituelle Verhalten des Einzelnen, d.h. die äußeren Beziehungen des Menschen zu Gott und verlangt, daß die im Gesetz vorgeschriebenen Pflichten vom Menschen erfüllt werden. Um Glaubensfragen kümmert sich die Scharî'a nicht. Neben der kanonischen Regelung und Erfüllung der rituellen Pflichten (ibâdât) ist die Scharî'a auch in der Regulierung der zwischenmenschlichen Beziehungen (mu'âmalât) grundlegend. Das kanonische Gesetz wertet somit alle Handlungen nach religiösen Maßstäben; eine Trennung zwischen weltlichem und religiösem Bereich kennt die Scharî'a nicht. Somit versteht sich der Islam als eine Einheit zwischen Religion und Recht und von Religion und Staat. Die Grundlagen der Rechtswissenschaft (usul al-fiqh), d.h. die Hauptquellen des kanonischen Gesetzes sind: # Koran # Hadith (Berichte, mündliche Überlieferungen der Sunna (Gebräuche) des Propheten) # Qiyas (Analogieschluss) # Idschma (Konsens der Rechtsgelehrten) Menschliche Handlungen werden in fünf Kategorien eingeteilt: pflichtgemäß (wâdschib, fard, ): die Verrichtung einer pflichtgemäßen Handlung wird belohnt, ihre Unterlassung bestraft; empfehlenswert, wünschenswert (mandub, mustahabb, ): den Unterlasser einer solchen Tat trifft keine Strafe, ihre Verrichtung wird aber belohnt; erlaubt, indifferent (mubâh, ):bei der Verrichtung einer solchen Tat sieht das Gesetz weder Belohnung noch Bestrafung vor; missbilligt, verwerflich (makruh, ):eine verwerfliche Handlung wird zwar nicht bestraft, ihre Unterlassung wird aber belohnt; verboten (harâm, ); der Täter wird bestraft, der Unterlasser der Handlung wird gelobt. Allerdings gibt es keine festgelegte Norm, nach der die Einstufung menschlicher Handlungen einstimmig geregelt werden können. Die dadurch hervorgerufene Rechtsunsicherheit und Meinungsverschiedenheit der Gelehrten ( ichtilâf al-fuqahâ) ist ein Charakteristikum des islamischen Rechts. Die praktischen Anwendungen des islamischen Rechts nennt man furu' al-fiqh ("Die Zweige des Rechts"), die auf Sammlungen von Fällen und Entscheidungen beruhen. Jeder Rechtsgelehrte ('alim) kann in Zweifelsfällen Rechtsgutachten, eine so genannte fatwa erstellen. Zur Entscheidungsfindung betreibt er dabei idschtihad ("Anstrengung"), das heißt er versucht in der Anfangszeit durch selbstständige Interpretation der Rechtsquellen und anhand der zulässigen Methoden herauszufinden, wie ein bisher noch nie dagewesener Fall zu entscheiden sei. Derjenige, der die Fatwa beantragt hat, ist dann an sie gebunden, das islamische Recht schließt jedoch den Fall nicht aus, dass zwei Rechtsgelehrte zu unterschiedlichen oder auch völlig gegensätzlichen Entscheidungen gelangen. Mit dem Todesurteil des iranischen Politikers Ayatollah Khomeini gegen den Schriftsteller Salman Rushdie ist das Wort Fatwa im Abendland in Verruf geraten. Obwohl sich auch zahlreiche moderne Fatwas mit Fragen der Politik auseinandersetzen, enthält die Mehrzahl praktische Handlungsanweisungen für den Alltag der Muslime. Fatwas beantworten beispielsweise knifflige Fragen wie "Wann darf ich in Zonen, wo die Sonne nicht untergeht, im Ramadan das Fasten brechen?" und nehmen Stellung zu Problemen der Sexualität ("Ist Cunnilingus erlaubt?") oder der Abtreibung. Immer gab es die Möglichkeit durch "Rechtskniffe" bestimmte Vorschriften zu umgehen, wie man das auch in der jüdischen Halacha schon lange praktiziert. So kann beispielsweise das Zinsverbot umgangen werden, indem derjenige, der Kapital bei einer Bank einzahlt, keine Zinsen bekommt, sondern Anteile erwirbt und dann sozusagen Dividenden bekommt, also Teile am gemeinsam erwirtschafteten Gewinn, was erlaubt ist. So entstand ein eigenes islamisches Bankensystem, das auf diesem Wege nicht gegen die Scharî'a verstößt.

Tore des Idschtihad

Irgendwann im elften oder zwölften Jahrhundert christlicher Zeitrechnung, beziehungsweise im vierten oder fünften Jahrhundert islamischer Zeitrechnung erklärten immer mehr islamische Rechtsgelehrte die "Tore des Idschtihad" für geschlossen, was dann auch zum allgemeinen Konsens wurde und unangefochten bis ins 19. Jahrhundert so blieb. Grund für die "Schließung der Tore des Idschtihad" (, insidad bab al-Idschtihad) war die Tatsache, dass eigentlich jeder gewöhnliche Muslim prinzipiell eine Fatwa ausstellen kann, was in der Praxis zu ständiger Unsicherheit über Rechtsfragen führen kann, da es im sunnitischen Islam nicht so etwas wie einen fest abgegrenzten Klerus gibt, der das alleinige Recht zur Ausstellung einer Fatwa hat, sondern nur die relativ unklar abgegrenzte Gruppe der Rechtsgelehrten (Ulama). Einige Gelehrte der damaligen Zeit ( Al-Ghazali, Al-Amidi) kämpften, vielleicht in weiser Voraussicht, vehement gegen diese Erstarrung, unterlagen aber letztendlich doch. Seitdem gab und gibt es immer wieder Versuche Einzelner oder bestimmter Gruppen, die "Tore des Idschtihad" wieder zu öffnen, oder sie wurden sogar tatsächlich von einigen in der Praxis geöffnet, was aber weder der fundamentalistische noch der konservative Islam bisher anerkannt haben. In allerneuester Zeit, vor allem seit sich die westliche Welt intensiver mit dem Islam und der Scharî'a befasst, wird sogar behauptet die "Tore des Idschtihad" seien nie geschlossen gewesen und dieses sei ein Mythos um den Islam als rückständig zu diffamieren. Studiert man ältere Schriften, so wird das "Schließen der Tore des Idschtihad" zwar oft kontrovers diskutiert und oft eine Wiedereröffnung vorgeschlagen oder gar praktiziert, das Faktum, das die "Tore des Idschtihad" aber mindestens 600 wenn nicht gar 800 Jahre geschlossen waren, wird in diesen Schriften jedoch nie bestritten.

Schiitische Sicht

All das oben Gesagte gilt eigentlich nur für den
sunnitischen Islam. Der schiitische Islam kennt einen Klerus (Ayatollahs und andere) und hat auch nie die "Tore des Idschtihad" prinzipiell geschlossen. Deshalb ist eine Fatwa von Ayatollah Khomeini gewichtiger als die eines nicht in ein hierarchische System eingebundenen sunnitischen Muftis, gerade weil er vom Staat eingesetzt und entlohnt wird. Deshalb hatte die Fatwa von Ayatollah Khomeinei, obwohl sie eigentlich nicht für Sunniten gilt, doch eine große Autorität. Für das sich davon teilweise unterscheidende schiitische Recht, das nicht die oben beschriebene Erstarrungsphase kannte, siehe: Dschafariten. Für die Charidschiten, beziehungsweise die aus ihnen hervorgegangenen recht andersgearteten Ibaditen mit ihren eigenen Rechtstraditionen siehe unter den gleichnamigen Artikel: Ibaditen

Bedeutende Rechtsgelehrte


- Al-Ghazali
- Abu Bakr Mohammad Ibn Zakariya al-Razi
- Al-Amidi
- Al-Dschuwaini

Literatur


- G. Bergstässer:
Grundzüge des islamischen Rechts. Berlin 1935
- J. Schacht:
The Origines of Muhammadan Jurisprudence. Oxford 1950
- A. A. Fyzee:
Outlines of Muhammadan Law. London 1955
- J. Schacht:
An Introduction to Islamic Law. Oxford 1964
- O. Spies, E. Pritsch:
Klassisches islamisches Recht. In: Handbuch der Orientalistik. 1. Abt., Erg.Bd. 3: Orientalisches Recht. Leiden/Köln 1964, S. 237-343
- Yasin Dutton:
The Origins of Islamic Law. The Qur'an, the Muwatta' and Madinan 'Amal 2. Auflage. Curzon, Richmond 2002, ISBN 0-7007-1669-6 Kategorie:Islamisches Recht

Schia

Die Schia (von Schi'at Ali = "die Partei Alis") ist eine der drei ursprünglichen Glaubensrichtungen im Islam. Ihre Anhänger, die Schiiten, betrachten Ali ibn Abi Talib (), den Schwiegersohn des Propheten, als dessen rechtmäßigen Nachfolger (Kalifen). (siehe auch Sunniten und Kharidjiten) Heute stellen die Schiiten neben den Sunniten eine der beiden Hauptgruppen des Islam dar. Sie machen etwa 15 Prozent aller Muslime aus. Die Schiiten als eine große Richtung des Islam unterteilen sich in die so genannten
- Imamiten oder Zwölfer-Schiiten, als die bei weitem größte Gruppe der Schiiten, die heute hauptsächlich im Iran, Irak, Afghanistan, Aserbaidschan, Bahrain, Pakistan und im Libanon leben.
- Ismailiten oder Siebener-Schiiten, die heute vor allem in Syrien, Afghanistan, Pakistan und Indien leben.
- Zaiditen oder Fünfer-Schiiten, die fast ausschließlich im Nord-Jemen leben. Die Gruppen unterscheiden sich unter anderem in der Anzahl der anerkannten Imame. Schiitische Staaten in der Geschichte
- Bujiden-Reich im westlichen Iran und Baghdad
- Fatimiden
  - Kalifat der Fatimiden in Kairo (909-1117)
- (Ismailiten)
  - Bahrain und Oman im 9. Jahrhundert.
- Persien bzw. heutiger Iran (Staatsreligion seit 1501)

Ursprung und Entstehung

Die Schiiten haben ihren Ursprung in der Auseinandersetzung innerhalb des Islam bezüglich der Frage, wer nach dem Tod Mohammeds im Jahr 632 n. Chr. sein legitimer Nachfolger sein sollte. Während sich die Mehrheit der Muslime darauf einigte, einen Kalifen (arabisch khalifa: Nachfolger) zu benennen, der die religiöse und politische Führung der Muslime übernehmen, jedoch keine göttlich autorisierte Legitimität beanspruchen sollte, lehnte eine Minderheit der Muslime diese Entscheidung ab, in der Überzeugung, Gott selbst würde den rechtmäßigen Nachfolger auswählen. Mit Bezug auf den Koranvers „Von seiner Partei ist auch Abraham” (Sure 37, 83) waren sie der Ansicht, der Nachfolger Mohammeds müsse aus dessen Familie stammen, und glaubten, in Ali ibn Abi Talib, dem Vetter und Schwiegersohn des Propheten, den rechtmäßigen und von Gott erwählten Kalifen gefunden zu haben. Aus diesem Grund bezeichneten sich die Schiiten als Schi’at Ali. Nachfolger Muhammads wurde jedoch nicht Ali, sondern Abu Bakr. Der Nachfolgestreit verschärfte sich, als nach Abu Bakrs zweijähriger Amtszeit Ali erneut nicht gewählt wurde. Erst nachdem drei andere Kalifen vor ihm regiert hatten, wurde Ali 656 in der Moschee von Medina zum Kalifen proklamiert. Nach schiitischer Auffassung kam mit ihm der einzig legitime Nachfolger Mohammeds an die Macht. Ali wurde jedoch nicht allgemein anerkannt. Er musste sich aus Medina in den Irak zurückziehen, wo die Stadt Kufa seine Residenz wurde und wo er 661 ermordet wurde. Seither wird er von den Schiiten als geistiger Ahnherr und erster Märtyrer verehrt. Muawiya, der Begründer der Umayyaden-Dynastie, wurde der nächste Kalif. Hassan ibn Ali, einer von Alis Söhnen, der von den Schiiten als der zweite Imam angesehen wird, verzichtete auf eine Konfrontation mit Muawija und zog sich aus der Politik zurück. Als Muawiya 680 starb und seinen Sohn Yazid als Nachfolger einsetzte, stieß dieser Schritt auf Ablehnung unter einigen Muslimen. So führte Alis zweiter Sohn, Husain, im Jahr 680 seine Familie und seine Anhänger gegen die Armee des Kalifen Yazid, nachdem er von den in Kufa lebenden Muslimen zu einem solchen Aufstand gedrängt wurde. Husain wurde, nachdem ihn seine kufistischen Verbündete verraten hatten, bei Kerbela in der irakischen Wüste von Soldaten im Auftrag des omaijadischen Gouverneurs im Irak gestellt und am 10. Oktober 680 (10. Muharram 61 islamischer Zeitrechnung) ermordet. Die Schi’at Ali war politisch gescheitert.

Literatur


- Heinz Halm: Die Schia. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-03136-9
- Heinz Halm: Der schiitische Islam. Verlag C.H.Beck, München 1994, ISBN 3-406-37437-9

Weblinks


- [http://www.al-shia.de/ Shia Islamportal]
- [http://www.izhamburg.de/ Islamisches (Schiitisches) Zentrum Hamburg] Kategorie:Islam ja:シーア派 ko:시아파 ms:Syiah th:ชีอะหฺ

Sufismus

Der Sufismus (arabisch tasawwuf تصوف), veraltet auch Sufitum oder Sufik, ist die islamische Mystik.

Etymologische Herkunft

Etymologisch ist unklar, ob das Wort von arabisch suf صوف – „Schurwolle“, das auf die wollenen Gewänder der Sufis hinweist, oder von safa صفا – „rein“ stammt. Eine andere Erklärung bietet auch der Begriff ahl as-suffa, was „Leute der Veranda“ bedeutet. Dies bezieht sich auf die Gruppe von Personen, die sich zu Lebzeiten Muhammads um den Propheten scharten und wahrscheinlich in Armut lebten. Es wird außerdem behauptet, dass das Wort Sufismus auf die Leute der ersten (Gebets-)Reihe (saff-i awwal) hindeuten kann. Andere, vor allem westliche Vertreter eines "universellen Sufismus", bringen es wiederum mit dem griechischen Wort sophia („Weisheit“) in Verbindung.

Einführung

Die meisten Sufis glauben, dass in allen Religionen eine grundlegende Wahrheit zu finden ist und dass die großen Religionen von ihrem Wesen/Geist her dasselbe sind. Manche Sufis gehen deswegen sogar so weit, dass sie den Sufismus nicht innerhalb des Islam (also einer Religion) angesiedelt sehen, sondern dass die Mystik über der Religion steht, ja diese sogar bedingt. Die ersten Sufis lebten vermutlich schon zu Lebzeiten des Propheten Muhammad im 7. Jahrhundert. Sie waren oft einzelne Asketen und erst ab dem 12. Jahrhundert entwickelten sich die Ordensgemeinschaften (Tariqas), die teilweise noch heute existieren. Die Zentren bzw. Versammlungsorte der Orden nennt man Khanqah (persisch خانگاه chānegāh und خانقاه chāneghāh), Dergah (persisch درگاه dargāh Türschwelle, Palast; osmanisch dergâh auch Derwischkonvent), Tekke (osmanisch تكيه tekke, tekye) oder Zawiya (arabisch زاوية zāwiya pl. زوايا zawāyā). Manchmal ist auch von Konventen oder Klöstern die Rede, man kann aber eine Tekke nicht mit der christlichen Vorstellung eines Klosters vergleichen. Obwohl manche Orden als sunnitisch oder schiitisch (oder sogar beides) klassifiziert werden können, gibt es ein paar, die ganz klar keiner der genannten Glaubensrichtungen zugeordnet werden können und so eigentlich einen separaten Bereich des muslimischen Glaubens darstellen. Im allgemeinen folgt ihr Weg vier Stufen, die stark an eine Prägung durch den indischen Raum erinnern. Bis heute sind sich die Experten jedoch größtenteils noch unschlüssig darüber, wer hier wen und zu welcher Zeit beeinflusst hat: #Auslöschen der sinnlichen Wahrnehmung #Aufgabe des Verhaftetseins an individuelle Eigenschaften #Sterben des Ego #Auflösung in das göttliche Prinzip Das oberste Ziel der Sufis ist also das, Gott so nahe zu kommen wie möglich und dabei zwangsläufig die eigenen Wünsche zurückzulassen. Dies spiegelt sich klar in dem Prinzip zu sterben bevor man stirbt wieder, das überall im Sufismus verfolgt wird. Hierzu versuchen die Sufis, die Triebe der niederen Seele bzw. des tyrannischen Ego (an-nafs al-ammara) so zu bekämpfen, dass sie in positive Eigenschaften umgeformt werden. Auf diese Weise kann man einzelne Stationen durchlaufen, deren höchste die reine Seele (an-nafs al-safiya) ist. Diese letzte Stufe bleibt jedoch ausschließlich den Propheten und den vollkommensten Heiligen vorbehalten. Dazu ein Zitat von Abu Nasr as-Sarradsch, einem Zeitgenossen des bekannten islamischen Mystikers Dschunaid: Sufismus bedeutet, nichts zu besitzen und von nichts besessen zu werden. Oder eine etwas ausführlichere Beschreibung von Abu Said: Sufismus ist Ruhm im Elend, Reichtum in der Armut, Herrschaft in Dienstbarkeit, Sättigung im Hunger, Leben im Tode und Süße in der Bitterkeit... Der Sufi ist der, der mit allem zufrieden ist, was Gott tut, so dass Gott mit allem zufrieden ist, was er tut.

Der Weg des Derwisch

Der Begriff Derwisch leitet sich her von dar (Tor, Tür), ein Sinnbild dafür, dass der Bettler von Tür(schwelle) zu Tür(schwelle) wandert. In der sufischen Symbolik bedeutet dies auch die Schwelle zwischen dem Erkennen der diesseitigen irdischen (materiellen, siehe auch dunya) und der jenseitigen göttlichen Welt. Eine andere Bezeichnung für Sufi ist Derwisch (persisch درويش darwīsch Bettler). Dabei ist es aber nicht unbedingt wörtlich zu verstehen, dass jeder Sufi ein Bettler ist; sondern dieser Begriff dient auch als Symbol dafür, dass derjenige, der sich auf dem Weg des Sufismus befindet, seine eigene Armut gegenüber Gottes Reichtum erkennt. Auf dem Weg eines Derwisch gibt es folgende Stationen, die er zu meistern versucht: #Schari'a (islamisches Gesetz) #Tariqa (der mystische Weg) #Haqiqa (Wahrheit) #Ma'rifa (Erkenntnis) (In der Alevi-Bektaschi-Glaubenslehre kommt Ma'rifa vor Haqiqa.) Die Sufis sehen diese Stationen auch als Türen auf dem Weg zu Gott, die sich aber nicht neben-, sondern hinter-, oder besser noch ineinander befinden. Man muss also erst eine Tür durchschritten haben, bevor man daran arbeiten kann, die nächste in Angriff zu nehmen. Ibn Arabi beschreibt die vier Stationen folgendermaßen: Auf dem Niveau von Schari'a gibt es „dein und mein“. Das heißt, dass das religiöse Gesetz individuelle Rechte und ethische Beziehungen zwischen den Menschen regelt. Auf dem Niveau von Tariqa „ist meins deins und deins ist meins“. Von den Derwischen wird erwartet, dass sie sich gegenseitig als Brüder und Schwestern behandeln, den jeweils anderen an seinen Freuden, seiner Liebe und seinem Eigentum teilhaben lassen. Auf dem Niveau der Wahrheit (Haqiqa) gibt es “weder meins noch deins“. Fortgeschrittene Sufis erkennen, dass alle Dinge von Gott kommen, dass sie selbst nur die Verwalter sind und in Wirklichkeit nichts besitzen. Diejenigen, die die Wahrheit erkennen, interessieren sich nicht für Besitz und Äußerlichkeiten im Allgemeinen, Bekanntheit und gesellschaftlichen Stand inbegriffen. Auf dem Niveau der Erkenntnis (Ma'rifa) gibt es „kein ich und kein du“. Der einzelne erkennt, dass nichts und niemand von Gott getrennt ist. Dies ist das oberste Ziel des Sufismus.

Der Sheikh

In der sufischen Tradition ist es wichtig, dass das Wissen durch eine „lebendige Linie“ übertragen wird. Deswegen ist es für einen Derwisch unerlässlich, sich der geistigen Führung eines Lehrers (Sheikh) anzuvertrauen, der durch eine Überlieferungskette (Silsila) bis über den Propheten Muhammad mit der göttlichen Wissensquelle verbunden ist. Der Sheikh leitet in gemeinsamen Zusammenkünften mit seinen Derwischen nicht nur den Dhikr, sondern er gibt jedem seiner Schüler meist auch individuelle spirituelle Übungen, die dem Stand des einzelnen Derwisch entsprechen.

Der Weg

Im Sufismus wird oft das Symbol der Rose gebraucht. Diese stellt die oben genannten Stufen auf dem Weg eines Derwisch folgenderweise dar: Die Dornen stehen für die Schari'a, das islamische Gesetz, der Stängel ist Tariqa, der Weg. Die Blüte gilt als Symbol für Haqiqa, der Wahrheit, die schließlich den Duft, Ma'rifa, die Erkenntnis, in sich trägt. Hierbei lässt sich folgende Sichtweise der Sufis erkennen: Die Dornen schützen den Stängel, ohne sie könnte die Rose leicht von Tieren angegriffen werden. Ohne den Stängel haben die Dornen alleine aber auch keinerlei Bedeutung; man sieht hier also deutlich, dass die Sufis Schari'a und Tariqa unbedingt als zusammengehörig betrachten. Der Stängel ohne Blüte wäre nutzlos, und auch eine Blüte ohne Duft hätte keinen Zweck. Der Duft alleine ohne die Rose hätte aber ebenfalls keine Möglichkeit zu existieren.

Die Liebe

Der Mittelpunkt der sufischen Lehre ist die Liebe (arabisch hubb, 'ischq, mahabba), die immer im Sinne von Hinwendung (zu Gott) zu verstehen ist. Die Sufis glauben, dass sich die Liebe in der Projektion der göttlichen Essenz auf das Universum ausdrückt. Dies lässt sich oftmals in den „berauschten“ Gedichten vieler islamischer Mystiker erkennen, die die Einheit mit Gott und die Gottesliebe besingen. Da diese poetischen Werke meist mit Metaphern durchsetzt sind, wurden sie in der Geschichte oft von islamischen Rechtsgelehrten argwöhnisch betrachtet. In ihren Augen haben sie ketzerische Aussagen, wenn beispielsweise der Suchende vom „Wein“ berauscht ist; wobei in der Symbolik des Sufismus der Wein für die Liebe Gottes steht, der Sheikh für den Mundschenk und der Derwisch für das Glas, das mit der Liebe gefüllt wird, um zu den Menschen getragen zu werden. Al-Ghazali bezeichnet die Liebe zu Gott als die höchste der Stationen und sogar als das eigentliche Endziel der Stationen auf dem Weg zu Gott. Er sagt, dass nur Gott allein der Liebe würdig ist; die Liebe zu Muhammad nennt er jedoch als lobenswert, weil sie nichts anderes ist, als die Liebe zu Gott. Die Liebe zu den Gottesgelehrten und Frommen erwähnt er ebenfalls als lobenswert, denn „man liebt die jenigen, die den Geliebten lieben“.

Dhikr

Die Sufis suchen durch Askese und tägliche regelmäßige Meditation (Dhikr, das bedeutet Gedenken, also Gedenken an Gott, bzw. Dhikrullah) Gott nahe zu kommen oder mit Gott schon im irdischen Leben eins zu werden. Letzteres wird vom orthodoxen Islam und der ihr eigenen islamischen Rechtspechung (Fiqh) zumindest kritisch betrachtet, wenn nicht gar als Gotteslästerung verdammt. Die Sufis sind aber auch andererseits oft dieser konservativen, manchmal verknöcherten, islamischen Rechtswissenschaft gegenüber kritisch eingestellt. Al-Hallaj, der mit Gott so eins geworden zu sein glaubte, dass er sagte: „Ana al-Haqq“ („Ich bin die Wahrheit“), wurde von der Orthodoxie als Ketzer verdammt und öffentlich gekreuzigt. Kommen Sufis einem solchen Zustand nahe, geraten sie oft in Trance, wobei dies lediglich ein Nebeneffekt ist und nicht wie manchmal angenommen das Ziel des Dhikr. Einige wenige Sufigemeinschaften vollziehen in Trance verletzende Handlungen, wie etwa das Durchstechen der Wangen bei den Rifai-Derwischen, womit das vollkommene Vertrauen in Gott demonstriert wird. Ein weiteres bekanntes Beispiel für Trancezustände bei Sufis sind die so genannten drehenden Derwische der Mevlevi-Tariqa aus Konya in der heutigen Türkei, die sich während ihres Dhikr solange um die eigene Achse drehen, bis sie in Trance geraten. Der Sufismus bietet also dem Suchenden nicht zuletzt durch den Dhikr eine Möglichkeit, das Göttliche in sich zu finden, bzw. wiederzuentdecken. Die Sufis glauben, dass Gott in jeden Menschen einen göttlichen Funken gelegt hat, der im tiefsten Herzen verborgen ist. Gleichzeitig wird dieser Funke auch durch die Liebe zu allem, was nicht Gott ist, verschleiert, genauso wie durch die Aufmerksamkeit gegenüber den Banalitäten der (materiellen) Welt, sowie durch Achtlosigkeit und Vergesslichkeit. Laut dem Propheten Muhammad sagt Gott zu den Menschen: „Es gibt siebzigtausend Schleier zwischen euch und Mir, aber keinen zwischen Mir und euch.“ Während des Dhikr rezitieren die Sufis bestimmte Stellen aus dem Koran und wiederholen eine bestimmte Anzahl der göttlichen Attribute (im Islam neunundneunzig). Ein Dhikr, das bei allen Sufis angewandt wird, ist das Wiederholen des ersten Teils der Schahada (Glaubensbekenntnis) La ilaha il-Allah, zu Deutsch Es existiert kein Gott außer Gott. Darüber hinaus kennen die meisten Orden ein wöchentliches Zusammentreffen, bei dem neben der Pflege der Gemeinschaft und dem gemeinsamen Gebet ebenfalls ein Dhikr ausgeführt wird. Je nach Orden kann dieser Dhikr auch Musik, bestimmte Körperbewegungen und Atmungsübungen beinhalten.

Sufi-Geschichten

Ein wichtiger Bestandteil des Sufismus sind die Lehrgeschichten, die die Sheikhs immer und immer wieder ihren Derwischen erzählen. Dabei kann man sie in drei verschiedene Kategorien unterscheiden: # Geschichten, die sich mit dem Verhältnis des einzelnen zu sich selbst und seiner individuellen Entwicklung befassen. # Geschichten, die das Verhältnis zur Gesellschaft und zu anderen Menschen behandeln. # Geschichten, die sich mit der Beziehung zu Gott befassen. Es handelt sich hier oft um scheinbar einfache Geschichten, deren tiefere Bedeutung aber für den Derwisch sehr fein und tiefgründig sein kann. Die im Westen bekanntesten Lehrgeschichten sind beispielsweise die von Nasruddin Hodscha (auch Mullah Nasruddin), die meistens als Anekdoten oder einfache Witze missverstanden werden. Ein Beispiel zu 2.: Nasruddin setzt einen Gelehrten über ein stürmisches Wasser über. Als er etwas sagt, das grammatisch nicht ganz richtig ist, fragt ihn der Gelehrte: „Haben Sie denn nie Grammatik studiert?“ – „Nein.“ – „Dann war ja die Hälfte Ihres Lebens verschwendet!“ Kurz darauf dreht sich Nasruddin zu seinem Passagier um: „Haben Sie jemals schwimmen gelernt?“ – „Nein. Warum?“ – „Dann war Ihr ganzes Leben verschwendet – wir sinken nämlich!“ Anhand dieser Geschichte kann man erkennen, dass der Sufismus kein theoretisches Studium ist, sondern ausschließlich durch praktisches Handeln gelebt werden kann. Analog dazu sagen die Sufis, dass es zwar viele Bücher über den Sufismus gibt; den Sufismus in den Büchern zu finden sei aber unmöglich. Analog dazu betrachten die Sufis einen Religionsgelehrten, der sein Wissen nicht praktiziert, als einen Esel, der eine schwere Last an Büchern trägt, die ihm aber nichts nützen, weil er schließlich nichts damit anfangen kann. Ein Beispiel zu 3.: Man sah Rabi'a in den Strassen von Basra, mit einem Eimer in der einen Hand und einer Fackel in der anderen. Gefragt, was das bedeute, antwortete sie: “Ich will Wasser in die Hölle giessen und Feuer ans Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden. Und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in Hoffnung aufs Paradies anbete. Sondern nur noch um seiner ewigen Schönheit willen.“

Sufi-Musik

In vielen Tariqas ist auch die Praxis der Musik üblich, die oft nur aus Gesängen besteht, in anderen Tariqas aber auch instrumental begleitet wird. Die Musik ist ein Bestandteil des Dhikr, denn in den Liedern werden entweder die Namen Gottes rezitiert, oder die Liebe zu Gott beziehungsweise zum Propheten Muhammad besungen. Teilweise wurden später die lyrischen Werke bekannter Sufidichter (zum Beispiel Rumi oder Yunus Emre) als Liedtexte genommen. In heutiger Zeit wurde ein bestimmtes Genre der Sufimusik, das Qawwali, durch den pakistanischen Musiker Nusrat Fateh Ali Khan im Westen bekannt. Siehe auch: Ilahi, Staatsensemble für klassische türkische Musik, Ömer Faruk Tekbilek

Einfluss auf den Westen

Die Auswirkungen des Sufismus blieben nicht nur auf die muslimische Welt beschränkt. Einflüsse hatte er unter anderem auf die Weltliteratur, die Musik und auf viele Kulturen Süd- und Osteuropas. So wurden beispielsweise Konzepte wie das der romantischen Liebe und der Ritterlichkeit vom Westen übernommen, als Europa mit den Sufis in Kontakt kam. Deshalb basieren viele Werke der westlichen Literatur auf Sufi-Geschichten, wie zum Beispiel die schweizerische Legende des Wilhelm Tell, die auf die Vogelgespräche von Fariduddin Attar zurückgeht. Auch Cervantes bestätigte selbst, dass sein Don Quijote sufische Wurzeln hat. Für die Beliebtheit sufischen Gedankengutes, welches für die Bedürfnisse der westlichen Suchenden umgedeutet und angepasst wurde, lässt sich die Arbeit des indischen Musikers und Religionsgelehrten Hazrat Inayat Khan nennen, der 1917 die Internationale Sufi-Bewegung gründete. Auch bildeten sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts im Westen Orden nach sufischem Vorbild oder Ableger traditioneller Sufiorden, die teilweise auch nicht-muslimische Mitglieder akzeptieren. Manche vertreten sogar einen Sufismus ohne jeglichen Bezug zum Islam, was man am ehesten als einen universellen Sufismus bezeichnen kann. Dies führte dazu, dass sich immer mehr westliche Suchende der islamischen Mystik öffnen konnten, ohne zum Islam konvertieren zu müssen, obwohl nach den schon weiter oben erwähnten Grundsätzen aller traditioneller Orden und deren Sheikhs die Tariqa unbedingt auf den Grundlagen der Schari'a fußt. Nach Meinung der Anhänger des univrsellen Sufismus existiert diese Form der Mystik aber schon seit Bestehen der Menschheit, also auch schon länger als der geschichtliche Islam, weswegen sie den Sufismus nicht unbedingt allzu eng verknüpft mit dieser Religion sehen. Ein prominenter Vertreter des universellen Sufismus ist beispielsweise Reshad Feild, der durch seine Erlebnisberichte viele westliche Leser mit dem Sufismus bekanntmachte. Siehe auch:
- Georg Iwanowitsch Gurdjieff
- Lex Hixon
- Mercan Dede Ensemble
- Pete Townshend
- Peter Gabriel
- Peter Murphy
- Reshad Feild

Bedeutende Sufis


- Abd al-Qadir al-Dschilani (10881166)
- Abdul Karim Dschili (zwischen 1408 und 1417)
- Abdur Rahman Dschami (14391492)
- Abu Bakr al-Kalabadhi (990, 994 oder 995)
- Abu al-Kasim al-Kuschairi (9861072)
- Abu Hamid Al-Ghazali (10581111)
- Abu Nasr as-Sarradsch
- Amadou Bamba (18501927)
- Ahmed al-Badawi
- Ahmed Ghazali (1126)
- Ahmed Rifai (1118-1181)
- Ahmed Yesevi (1165)
- Ainul Qudat Hamadhani (1131)
- al-Halladsch (858922)
- al-Sulami (9361021)
- al-Quschayri
- Bahauddin Naqschband (13181388)
- Bayazid Bistami (874)
- Dhu'n-Nun (859)
- Dschalal ad-Din Rumi (12071273)
- Dschunaid (910)
- Fariduddin Attar (ca. 1136 bis ca. 1220)
- Haci Bektaş Veli (1270)
- Hasan al-Basri (642728)
- Hazrat Inayat Khan (18821927)
- Hudschwiri (ca. 1071)
- Ibn al-Farid (1235)
- Ibn Arabi, „der größte Meister“ (1240)
- Ibn Masarra (931)
- Ibn Rushd (Averroes) (11261198)
- Ibn Tufail (11101185)
- Ibrahim ibn Adham (776 oder 790)
- Kabir (14401518)
- Merkez Efendi (16. Jahrhundert)
- Mir Dard (17191785)
- Muhammad Nurbakhsh
- Muhammad Ahmad „al-Mahdi“ (