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Geschichte Und Entwicklung Der Fotografie

Geschichte und Entwicklung der Fotografie

Die Geschichte und Entwicklung der Fotografie ist unter dem technischen Aspekt gekennzeichnet durch die (Wieder-) Entdeckung des Prinzips der Camera obscura und der Laterna magica, die Erfindung der Camera lucida, des Physionotrace sowie des Panoramas und des Dioramas. Gesellschaftliche spielt die Prämierung der Naturwissenschaft ab der frühen Neuzeit sowie das Erstarken des Bürgertums im 18. Jahrhundert eine entscheidende Rolle; dies führt zu einem Repräsentationsbedürfnis, das sich in der Zunahme der Porträtmalerei sowie den preiswerteren Formen des Scherenschnitts und der Silhouette ausdrückt. In der bildenden Kunst ist das ausgehende 18. und das frühe 19. Jahrhundert in Europa gekennzeichnet durch die Stilrichtungen des Klassizismus und der Romantik; ab Mitte des 19. Jahrhunderts antwortet die Malerei auf die das Versprechen der "Wirklichkeitsabbildung" der Fotografie mit dem Realismus.

19. Jahrhundert

Übersicht: Die frühen Verfahren und erste Fotografien

Die Anfangsjahre der Fotografie sind – wie die Entstehungszeiten anderer Technologien auch – gekennzeichnet durch
- eine Vielfalt an Methoden und Verfahren,
- eine Fülle von Entdeckungen und Neuentwicklungen,
- einen geringen Grad an Standardisierung,
- eine zunehmende Mechanisierung, aber erst aufkeimende Industrialisierung,
- eine noch relativ geringe Bedeutung von Konzernen sowie
- die Einzelleistungen individualisierbarer Erfinder. Die Entwicklung der Fotografie zu Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgt in den Schritten:
- Entwicklung der fotografischen Verfahren;
- Verbesserung und Rationalisierung der Verfahren;
- Beschleunigung der Verfahren;
- Verkleinerung der Apparaturen;
- Standardisierung und Industrialisierung der Verfahren und Apparaturen;
- Entwicklung eines Massenmarktes.

Ausgangssituation

Um 1800 sind eine Reihe von grundlegenden Erfindungen und Entdeckungen bekannt, welche die Entstehung fotografischer Verfahren ermöglichen:
- Das Prinzip der Camera obscura, das heißt die Funktionsweise einer Lochkamera, ist seit der Antike bekannt und spätestens ab dem 14. Jahrhundert auch im mitteleuropäischen Raum dokumentiert und in Verwendung; die Projektion mittels einer Laterna magica ist seit etwa 1659 in Europa bekannt.
- Eine Reihe von Bildreproduktionstechnologien sind verfügbar: Holzschnitt (spätestens ab dem 12. Jahrhundert), Kupferstich (vor 1500), Kontaktverfahren wie der Naturselbstdruck (vermutlich ab 15. Jahrhundert, spätestens jedoch ab 1700), Radierung (ab 16. Jahrhundert), Physionotrace (1786), Lithografie (seit 1796), Holzstich und Aquatinta (gegen Ende des 18. Jahrhunderts).
- Optische und mechanische Grundlagen, beispielsweise die Linse (um 1550), der Ablenkspiegel (um 1685) und der Achromat (1729).
- Lichtempfindliche Substanzen, so beispielsweise phosphorus (1674) und scotophorus (d.i. Silbernitrat, 1727).
- Der Buchdruck mit beweglichen Lettern ist in Mitteleuropa seit 1440/65 verfügbar und leitet seitdem eine zunehmende Mechanisierung handwerklicher und künstlerischer Tätigkeiten ein (beispielsweise Auflösung der Skriptorien) und bereitet ein frühes marktwirtschaftliches Denken ein (nur geringfügig staatlich kontrolliertes System der Druckereien und des Buchhandels). Der Buchdruck etabliert auch das Papier gegenüber dem Pergament als vergleichsweise preiswertes Medium (vergleiche auch Gutenberg-Galaxis und Aufschreibesystem).
- Die technische Intelligenz, verkörpert durch Künstler-Ingenieure wie Albrecht Dürer und Leonardo Da Vinci sowie diverse Handwerker und Geschäftsleute, hat Konstruktionsprinzipien wie die Zentralperspektive entwickelt und so die Technisierung des künstlerischen Arbeitens eingeleitet.
- Gesellschaftlich entsteht ab etwa 1750 eine bürgerliche Mittelschicht, die wirtschaftlich weitgehend selbständig und intellektuell interessiert ist; es entstehen Universitäten und Salons, es entsteht ein europaweiter reger Gedankenaustausch unter Wissenschaftlern und Schriftstellern. Die Kolonien schaffen ein Interesse für das Exotische, das sich beispielsweise in zahlreichen Bildbänden mit Zeichnungen, Skizzen und Kupferstichen sowie auch in der Entzifferung der Hieroglyphen niederschlägt.
- Die Wissenschaften haben sich mit Beginn der Neuzeit zwar zunehmend ausdifferenziert und spezialisiert, sind jedoch noch für Universalgelehrte in ihrer Gesamtheit überschaubar; dies ermöglicht interdisziplinäres Arbeiten und Entdecken von Idividuen. Um 1800 kann man also ein Bild projizieren, skalieren und kurzzeitig speichern, jedoch noch nicht dauerhaft fixieren. Die Bildreproduktion erfordert noch das manuelle Geschick eines Spezialisten, wird jedoch bereits durch Naturselbstdruck und Physionotrace bereits partiell mechanisiert. Durch den Buchdruck mit beweglichen Lettern ist klar, dass das mechanische Zerlegen von Schrift in diskrete Einheiten massive Rationalisierungsvorteile bewirkt; ein vollwertiges Äquivalent für die Bildreproduktion existiert jedoch nicht. Die Forscher des frühen 19. Jahrhunderts beschäftigen sich jedoch noch nicht mit dem Rekombinieren diskreter Bildeinheiten, sondern versuchen zunächst, das Problem des Fixierens des latenten fotografischen Bildes zu lösen. Das Zerlegen des Bildes in diskrete Einheiten und deren Rekombination wird erst rund ein Jahrhundert später thematisiert im Rahmen der Entwicklung der Bildtelegrafie, der Kinematographie, des Fernsehens und noch einige Jahrzehnte später mit dem Beginn der Digitalisierung.

Frühe Experimente

Digitalisierung Die ersten nachweisbaren Experimente zum Fixieren des fotografischen Bildes stammen aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts von Claude Niepce und Joseph Nicéphore Niepce (um 1798) und Thomas Wedgwood (1799). 1813 entwickelt Joseph Nicéphore Niépce die Heliographie, ein Positiv-Verfahren; 1822 gelingt ihm erstmals das Anfertigen einer lichtbeständigen Kopie auf einer Glasplatte, 1824 auf einer beschichteten Zinkplatte. Das älteste erhaltene Bild dieser Art stammt aus den Jahren zwischen 1826 und 1827; es erforderte eine Belichtungszeit von acht Stunden. Mit der 1825 entdeckten Prismenlinse wurde es möglich, das seitenverkehrte Bild der Camera obscura bereits in der Kamera umzukehren.

Erste praxistaugliche Verfahren

Prismenlinse 1829 schließt sich Niepce, wohl aus Geldmangel, mit Louis Jaques Mande Daguerre zusammen, um die Erfindung weiterzuentwickeln; Niepce stirbt vier Jahre später und Daguerre entdeckt 1837 die Kochsalzlösung zum Fixieren. Er verbessert das Verfahren noch bis 1839 weiter und stellt es schließlich der Öffentlichkeit als Daguerreotypie vor. Niepces und Daguerres Verfahren erfordern noch mehrstündige Belichtungszeiten und produzieren ein Unikat. Seit 1834 arbeitet auch William Henry Fox Talbot an einem fotografischen Versuchen mit lichtempfindlichem Papier; er bezeichnet das Verfahren als photogenische Zeichnung. 1840 stellt er das erste Negativ-Verfahren vor, das er als Kalotypie (auch Talbotypie genannt) bezeichnet. Auch Talbots Verfahren benötigt noch lange Belichtungszeiten, sein Papiernegativ lässt sich jedoch beliebig oft reproduzieren. Aus jenem fiktiven Erfindungsjahr der Fotografie 1839 sind diverse weitere konkurrierende fotografische Verfahren bekannt; so hatte beispielsweise auch Hippolyte Bayard wohl ebenfalls ein Direktpositiv-Verfahren entwickelt, Friedrich Gerber behauptet, er könne bereits seit längerem Bilder der Camera obscura fixieren usw. Die Ausgangssituation der technischen Entdeckungen um 1839 hatte also anscheinend eine Art technologischen Druck erzeugt, der die Entwicklung praxistauglicher Verfahren geradezu erzwingen musste.

Verbesserung der Verfahren

Nach 1839 arbeiten zahllose Forscher an der Verbesserung des fotografischen Verfahrens. Es werden weitere lichtempfindliche Silbersalze entdeckt, die Linsen für die Camera obscura werden verbessert, erste lichtstarke Objektive werden gebaut und vor allem die Belichtungszeiten verkürzt. Zu den Verbesserungen der Verfahren zählen die Verwendung von
- albumisierten Glasplatten (Abel Niépce de St. Victor, 1847; Albumin-Verfahren),
- albuminisiertem Papier (Louis Désiré Blanquard-Evrard, 1850)
- Wachspapier (Gustave Le Gray, 1850) und der
- Kollodium-Nassplatte (Frederick Scott Archer, 1851; engl. wet plate process). Die Belichtungszeiten konnten bereits beim Albuminverfahren auf 20 Minuten reduziert werden, was erstmals die Abbildung von lebenden Objekten ermöglichte (Visitenkartenporträts, insbesondere von Andre Adolphe Eugene Disdéri ab 1854). Die Kollodium-Nassplatte verkürzte die Belichtungszeit weiter auf wenige Sekunden. Diese Verfahren hatten jedoch selbstverständlich auch noch eine Reihe von Nachteilen:
- Die Platten mussten vor Ort vorbereitet und sofort entwickelt werden; dies war sehr aufwändig und schränkte die Mobilität der Fotografie ein; aufgrund des nassen Kollodiumverfahrens musste ein Reisefotograf beispielsweise immer ein Dunkelkammerzelt mit sich führen.
- Die Platten waren unterschiedlich empfindlich für die verschiedenen Anteile des Lichts (überweigend sensibilisiert für Blau), das heißt die Fotografien waren nur begrenzt abbildgetreu und nicht tonwertrichtig.
- Die Arbeit mit großformatigen Fotoplatten verhindert Bildfolgen und Reihenaufnahmen. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden auch diese Probleme sukzessive gelöst:
- Entwicklung verschiedener Trockenplatten (engl. dry plates), die mit Tannin, Albumin oder Gelatine beschichtet waren (ab 1856), insbesondere die Gelatine-Trockenplatte (Richard Leach Maddox, 1871); industrielle Fertigung ab 1879.
- 1861 veröffentlichte James Clerk Maxwell das erste Farbbild als Nachweis für die Theorie der additiven Farbmischung.
- Erste Untersuchungen über ein farbfotografisches Verfahren veröffentlicht Louis Ducos du Hauron 1862; 1868 präsentiert er erste farbige Pigmentdrucke und patentierte verschiedene Farbverfahren;
- Gabriel Lippmann veröffentlicht 1891 seine Methode der Photographie in Farbe mittels Interferenzmethode (Inferenzverfahren).
- A. L. de Poitevin unternimmt erste Versuche mit farbigen Bildern auf Papier.
- orthochromatische Sensibilisierung des Negativmaterials (Hermann Wilhelm Vogel, 1873); hierbei wird das Aufnahmematerial neben Blau auch für die Grün- und Gelbanteile des Lichts sensibilisiert;
- 1869 erfand Edward Muybridge einen der ersten Verschlüsse; dies ermöglichte einige Jahre später die ersten Reihenaufnahmen von beweglichen Motiven (ders., umbenannt in Eadweard Muybridge, 1877); Muybridge setzte dafür bis zu 30 Kameras ein.
- Étienne-Jules Marey konstruiert 1883 das fotografische Gewehr, mit dem er eine ganze Serie von Belichtungen auf einer Platte festhalten konnte; der Chronofotograf mit fester Platte und rotierendem Schlitzverschluss konnte – abhängig von der Belichtungszeit – bis zu hundert Bilder pro Sekunde anfertigen.
- Ottomar Anschütz konstruiert 1888 eine Kamera mit Schlitzverschluss für extrem kurze Belichtungszeiten.
- panchromatische Platten werden ab 1906 verfügbar; hier sind die Fotomaterialien für alle Farben des Lichtspektriums sensibilisert, was die Voraussetzung für eine tonwertrichtige Wiedergabe in Grauwerten und die Farbfotografie ist. Durch die Trockenverfahren und die Verkleinerung der Kameras wird die Fotografie mobil; außerdem wird eine industrielle Fertigung des fotografischen Aufnahmematerials möglich, da nun die Fotoplatten auch gelagert werden können. Um die Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert sind die Voraussetzungen geschaffen für die panchromatische Tonwertwiedergabe und die Farbfotografie (der Begriff der panchromatischen Sensibilisierung bezieht sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch ausschließlich auf schwarzweiße Halbtonvorlagen). Spezielle Aufnahmevorrichtungen ermöglichen Reihenaufnahmen und Bildfolgen (Chronofotografie), entweder mit einer Vielzahl von Kameras oder durch mehrere Belichtungen auf einer Platte; dies schafft die ersten Voraussetzungen für die Kinematographie und spezielle wissenschaftliche Verwendungen der Fotografie.

Frühe fotografische Anwendungen

Die frühsten erhaltenen Fotografien von Niepce, Daguerre, Talbot und Bayard zeigen Stillleben, Straßen- und Alltagsszenen und Ansätze zur Landschaftsfotografie; diese dürften daher wohl auch als älteste fotografische Genres gelten, die jedoch noch sehr gering ausdifferenziert waren. Lebende und sich bewegende Motive konnten in der Frühzeit der Fotografie aufgrund mehrstündiger Belichtungszeiten noch nicht aufgenommen werden.

Porträtfotografie

Die wohl erste kommerzielle Anwendung der Fotografie sind Porträts, die Andre Adolphe Eugene Disdéri ab 1854 erstellte (Visitenkartenporträts, carte-de-visite); in der Folgezeit entstehen zahlreiche Porträtstudios, die besonders vom mittelständischen Bürgertum frequentiert werden. Es setzt eine Verdrängung des Gewerbes der Porträtmaler ein. Die Porträtfotografie hatte auch unabhängig von dem Sonderfall der Visitenkartenporträts eine große Bedeutung für die Fotografie der Frühzeit; das Hauptprogram der langen Belichtungszeiten wurde durch spezielle Fixier- und Haltevorrichtungen wie Saronnys Universal-Kopfhalter und ein Übermaß an Geduld beim Porträtierten gelöst. Zu den Pionieren dieses Genres zählen beispielsweise Franz Hanfstaengl, Nadar, Courbet und Etienne Carjat.

Aktfotografie und erotische Fotografie

Ab etwa 1847 wurde auch der Akt und die erotische Fotografie entdeckt, welche insbesondere durch die Stereofotografie starke Verbreitung fanden und beispielsweise als Stereodaguerreotypien verbreitet wurden. Eugène Delacroix ließ von E. Durieu um 1850 Aktstudien anfertigen, nach denen er später Gemälde anfertigte.

Reise- und Reportagefotografie

Aus der Frühzeit der Fotografie sind auch einige wenige Reisereportagen und bildliche Kriegsberichterstattungen bekannt; so hielt der Engländer Roger Fenton seine Reiseeindrücke aus Kiew, St. Petersburg und Moskau 1852 in den ersten Reisefotografien fest. 1855 fertigte Fenton im Krim-Krieg auch die erste Kriegs-Bildreportage mit 360 Aufnahmen an. Mathew Brady fertigte mit seinem Kamerateam, zu dem u.a. A. Gardner, T. H. O’Sullivan und G. N. Barnard gehörten, in den amerikanischen Sezessionskriegen 7.000 Naßplatten-Negative an, von denen über tausend digitalisiert wurden und über die Website der Library of Congress abrufbar sind ([http://lcweb.loc.gov/rr/print/]). Bisson fotografierte 1860 auf einer Besteigung des Mont Blanc. Die Fotografien dieser Zeit erschienen jedoch noch nicht in Zeitungen, da die dafür erforderlichen Reproduktionsverfahren noch nicht verfügbar waren. Frühe Reisereportagen fertige beispielsweise auch Maxime Du Camp 1850 auf einer Expedition nach Ägypten an.

Aktuelle Bildberichterstattung

Die wohl erste fotografisch umgesetzte aktuelle Bildberichterstattung fertigten H. Biow und C. F: Stelzner 1842 vom großen Brand von Hamburg an. Die aktuelle Bildberichterstattung und Pressefotografie entwickelt sich ab etwa 1880, als die ersten Fotos als Illustrationen in Zeitungen erschienen: Stephen H. Horgan veröffentlicht im New Yorker Daily Graphic ein gerastertes Halbtonfoto. 1883 erscheint das erste Foto in einer deutschen Zeitung: Georg Meisenbach veröffentlicht in der Leipziger Illustrierten Zeitung eine gerasterte Fotografie.

Chronofotografie

Eine weiterer früher Anwendungsbereich war die Chronofotografie, also Reihenaufnahmen und Bildfolgen, die gezielt die Grenzen des menschlichen Wahrnehmungsapparates sprengte. Als Pionier auf diesem Gebiet gilt Eadweard Muybrigde (eigentlich Edward Muggeridge), der 1877 die ersten Reihenaufnahmen von beweglichen Motiven mit bis zu 30 Kameras anfertigte. Die Ergebnisse seiner Arbeiten veröffentlichte er in den 1887 erschienen Bildbänden Animal Locomation und The Human Figure in Motion, die annähernd 800 Lichtbilder enthalten. Verbesserungen dieses Verfahrens führte der Franzose Étienne-Jules Marey ein, der 1883 das fotografische Gewehr konstruierte, mit dem er eine ganze Serie von Belichtungen auf einer Platte festhalten konnte; dies ermöglichte es, die Stadien eines Bewegungsablaufes innerhalb eines einzigen Bildes durch eine Art Mehrfachbelichtung darzustellen. Dieses Zerhacken eines Bewegungsablaufes in diskrete Phasen nimmt sehr konkret die späteren kinematographischen Bildzerlegungen vorweg. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte der deutsche Ottomar Anschütz, der 1888 eine Kamera mit Schlitzverschluss für extrem kurze Belichtungszeiten konstruierte; ihm gelangen Momentaufnahmen fliegender Störche, laufender Pferde und anderer Tiere in Bewegung (Baatz 1997: 64).

Amateurfotografie

Die Zeit der Amateurfotografie setzt um 1870 mit der Entwicklung von leicht beweglichen und/oder tragbaren Handkameras und der damit einhergehenden Vereinfachung des fotografischen Verfahrens ein; recht bekannt ist beispielsweise die Kodak Nr. 1 von George Eastmans Eastman Company aus dem Jahr 1888, die jedoch keineswegs – wie die Kodak-Historiografie immer wieder behauptet – die Amateurfotografie begründete. Knipser beginnen, mit der Kamera ihr Privatleben und ihr Umfeld zu dokumentieren. Diese Aufnahmen haben einen unschätzbaren soziologischen und historiographischen Wert.

Dokumentarfotografie

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginnt auch die Entwicklung der Dokumentarfotografie; so begann beispielsweise Edward S. Curtis 1896 sein zwanzigbändiges fotografisches Werk über die Indianerstämme Nordamerikas, bei dem bis 1930 40.000 Negative entstehen.

Industrialisierung

Die Industrialisierung der Fotografie setzt zumindest ein Minimum an Standardisierung voraus; diese Entwicklung beginnt um 1888 mit der ersten in größerem Maßstab industriell gefertigten Rollfilmkamera, der Kodak Nr. 1. Der Apparat war klein, leicht, mit einem Verkaufspreis von 25 Dollar jedoch vergleichsweise teuer; fotografiert wird zunächst auf dem papierbasierten Stripping Film und später auf dem zelluloidbasierten American Film mit jeweils hundert runden Bildern. Die ersten Handkameras waren nicht nur handlicher und preiswerter als die zuvor eingesetzten klobigen Klapp-, Falt- und Balgenkameras, sondern setzten auch eine Verarbeitungskette voraus. Neben der Durchsetzung des Rollfilms am Markt ist der Entwicklungsdienst die wohl wichtigste Erfindung, die Eastman in die Fotografie einbrachte. Getreu dem Motto "You press the button, we do the rest" musste der Fotograf bei diesem Konzept nichts weiter tun als Motive zu suchen, auf den Auslöser zu drücken und später dann die fertigen Papierbilder zu betrachten: Eastman bot in den USA einen Entwicklungsdienst für 10 Dollar, bei dem man die Kamera samt abgeknipsten Film einschickte; nach Verarbeitung im Labor erhielt man nach etwa einem Monat dann die Kamera mit entwickelten Papierabzügen zurück, in die Kamera war dann bereits vom Labor ein neuer Film eingelegt worden. Die Papierbilder wurden nicht vergrößert, sondern entsprachen in ihren Abmessungen der Negativgröße. Lokale Fotohändler lieferten in Europa einen vergleichbaren oder sogar besseren Service, bei dem die Verarbeitung auch deutlich schneller und teilweise auch preiswerter erfolgte; in Deutschland konnte man um 1880 für den Preis der Kodak Nr. 1 (120 Mark) eine Plattenkamera wie Dr. R. Krügener's Taschenbuchkamera von der Firma Haake & Albers in Frankfurt am Main (60 Mark) und ein einfach ausgestattetes, aber komplettes heimisches Fotolabor (ebenfalls etwa 60 Mark) erwerben. 100 Trockenplatten kosteten etwa 5 Mark. Die Kodak Nr. 1 war also keineswegs die erste Handkamera; bereits 1881 wurde beispielsweise die so genannte Detektivkamara von Thomas Bolas konstruiert und zum Patent angemeldet.

Massenmarkt

Eastman beginnt mit der Kodak Nr. 1 und dem vereinfachten Verarbeitungsfahren, vor allem jedoch durch eine aggressive Vermarktung, der Fotografie einen Massenmarkt zu erschließen. Sein Entwicklungsdienst ist der erste Schritt, die Fotografie für jedermann zu erschließen. Die Meilensteine in diesem Prozess sind:
- Mit der Erfindung des Stripping Film auf Papierbasis (1884) werden fotografische Platten ersetzbar.
- Mit dem Ersetzen des Papiers durch Zelluloid als Trägermaterial (American Film, ab 1888 [?]) wird die Verarbeitung von Film vereinfacht.
- Die Einkapselung des Rollfilms (1891) ermöglichte die Umgehung des Entwicklungsdienstes durch die Möglichkeit der Tageslichtwechselung.
- Ab 1900 stellt die deutsche Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation (kurz AGFA) Rollfilme für die Tageslichtwechslung in industrieller Produktion her.
- Verbesserungen der Schärfe und Verringerung der Körnigkeit der fotografischen Emulsionen ermöglichen die Verkleinerung des Filmformates.
- Thomas Alva Edison führt 1891 [?] die Perforation von 35-mm-Film ein, der fortan als Kinofilm und Kleinbild-Film (135er) in der Fotografie genutzt wird.

20. Jahrhundert

Allgemeine Fototechnik

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts ist eine durchgreifende Verbesserung der Fototechnik zu beobachten, die alle Bereiche des Kamera- und Objektivbaus, der Blitztechnik und der fotografischen Emulsionen umfasst.

Filmempfindlichkeit

Die ersten fotografischen Emulsionen wiesen eine noch recht geringe Lichtempfindlichkeit auf; die Heliographie auf Asphalt aus dem Jahr 1827 erforderte eine Belichtungszeit von sechs bis acht Stunden. Die Daguerreotypie aus dem Jahr 1839 kam unter günstigen Bedingungen schon mit 30 Minuten aus, für die Talbotypie reichten 1841 schon drei Minuten. Mit dem nassen Kollodiumverfahren aus 1850er Jahren wurden bereits Belichtungszeiten von nur zehn Sekunden erreicht; Silberbromid-Kollodium wurde 15 Sekunden lang belichtet und mit der Gelatine-Trockenplatte von 1871 etwa um den Faktor 100 verbessert; der Trockenplattenprozess erreiche eine Empfindlichkeit von etwa 5 ASA; 1878 konnte man mit dem Silberbromid-Gelatineverfahren erstmals Belichtungszeiten zwischen einer und 1/200 Sekunde erreichen. Die Lichtempfindlichkeit wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts als Lichtempfindlichkeit standardisiert, die erste Meßgröße waren die Scheinergrade; danach wurden noch verschiedene weitere Verfahren von General Electric (GE), Weston und GOST entwickelt, heute sind jeodoch nur noch Angaben ASA und DIN sowie seit 1979 ISO gebräuchlich. Die schwarzweißen Rollfilme der 20er Jahre hatten – umgerechnet aus den alten Scheinergraden – eine Empfindlichkeit von etwa ISO 16/13°. Eine Verbesserung brache der Agfa Isochrom, der 1932 ISO 32/16° und 1934 ISO 50/18° erreichte. Noch empfindlicher waren der Kodak Panatomic von 1939 mit ISO 64/19° sowie der Voigtländer Bessapan mit ISO 100/21° sowie schließlich der Gevaert Gevapan von 1952 mit ISO 16/23°. Die ersten Farbfilme wie der Agfacolor-Farbfilm von 1936 wiesen eine Empfindlichkeit von 5° DIN (2,5 ASA) auf; der Kodachrome aus demselben Jahr hatte bereits 10 ASA und war damit – für einen Farbfilm damaliger Verhältnisse – hochempfindlich. Das Kodacolor-Verfahren von 1942 wies mit 20 ASA eine sensationelle Empfindlichkeit auf. In den 50er Jahren hatte das typische schwarzweiße Aufnahmematerial für Boxkameras eine Empfindlichkeit von 17° DIN (also weniger als 50 ASA). Den ersten hoch- beziehungsweise nach damaligen Maßstäben höchstempfindlichen Film stellte 1967 Anso mit dem Ansochrome-Diafilm und einer Filmempfindlichkeit von 500 ASA vor. Weitere hochempfindliche Farbnegativfilme mit ISO 400/27° erschienen 1977 am Markt (Fujicolor II 400, Kodacolor 400); entsprechendes Umkehrmaterial folgte ein Jahr später mit dem Ektachrome 400. 1982 führt Kodak die T-Grain-Technologie auf Basis von Silberhalogenkristallen ein und bringt mit dem Kodacolor VR-1000 den ersten höchstempfindlichen Film nach heutigen Maßtäben auf den Markt. Ende der 80er Jahre erscheinen Diafilme von Agfa mit 1000 ASA, 1993 konfektioniert Fuji den ersten Farbnegativfilm mit ISO 800/20° (Fujicolor Super G. Seit 1983 sind Filme DX-codiert, das heißt auf der Filmpatrone befindet sich ein automatisch auslesbarer Code, der neben anderen Angaben auch die Nennempfindlichkeit des Films enthält.

Farbempfindlichkeit

DX-codiert Die fotografischen Platten aus der Frühzeit der Fotografie, also nach 1839, waren überwiegend für blaue Strahlen empfindlich, für grüne, gelbe und rote dagegen wenig oder gar nicht; dies liegt darin, dass Silberhalogenide ohne weitere Zusätze Licht nur im ultravioletten und blauen Spektralbereich absorbieren. Daher wurden blaue und violette Kleider in frühen Fotografien oft weiß, gelbe und rote dagegen schwarz wiedergegeben. Die Fotografie nach farbigen Gegenständen (Gemälden) begegnete dadurch den allergrößten Schwierigkeiten. Leuchtende Wolken in Sonnenuntergangsbildern erschienen beispielsweise in der Fotografie schwarz, der dunkelblaue Himmel dagegen hell etc., und nur durch Retusche des Negativs konnte man diese Mängel verdecken. Die Ursache dieser Empfindlichkeit photographischer Platten für Blau und Violett wurde darin erkannt, dass die Platten wesentlich nur das blaue und violette Licht absorbieren, und dass nur diese absorbierten Strahlen auf die Platte wirkten, die übrigen nicht. Hermann William Vogel versuchte nun bereits 1873, dem Bromsilber Stoffe beizumischen, welche das grüne, gelbe und rote Licht absorbierten, um die photographische Platte dadurch auch für jene Strahlen empfindlich zu machen. Der Versuch war schließlich 1884 mit der Entdeckung von Eosin von Erfolg gekrönt und wurde die Basis zur Entwickelung der farbenempfindlichen – isochromatischen beziehungsweise orthochromatischen Verfahren. Vogel benutzte als optische Sensibilisatoren, das heißt als Stoffe, welche das Bromsilber gelb-, resp. rotempfindlich machen, im Licht leicht verschiedende organische Farbstoffe wie Fuchsin, Cyanin, Eosin etc.; dadaurch gelang es ihm, die Silberhalogenide auch für langwelligeres grünes und rotes Licht su sensibilisieren. Zuerst versuchte Ducos de Hauron dieses Prinzip praktisch anzuwenden. Die nachteilige Wirkung der Sensibilisatoren auf die fotografischen Chemikalien stellte aber der Praxis Hindernisse in den Weg, die hauptsächlich durch Einführung der Gelatinetrockenplatten durch Richard Leach Maddox um 1871 beseitigt wurden. Attout Tailfer brachte 1883 mit Eosin gefärbte isochromatische Gelatineplatten in den Handel; 1884 entdeckte Vogel die optisch sensibilisierende Kraft des Jacobsenschen Chinolinrots und präparierte mit diesem unter Zusatz von Chinolinblau die farbenempfindlichen Azalinplatten. Alle diese isochromen Platten bedurften aber zur Abschwächung des zu stark wirkenden blauen Lichts noch der Einschaltung einer Gelbscheibe bei der Aufnahme. Diese Mängel überwand Hermann Wilhelm Vogel durch Einführung des Eosinsilbers als optischen Sensibilisators. Durch seine und Obernetters Bemühungen entstanden die Eosinsilberplatten, welche sich von den herkömmlichen farbenempfindlichen Trockenplatten durch bedeutend größere Empfindlichkeit auszeichnen. Nur für Aufnahmen von Gemälden bedürfen dieselben noch zuweilen (bei leuchtend blauen Tönen) einer Gelbscheibe, bei Landschaften, Porträten etc. nicht. Vogels orthochromatische Sensibilisierung wurde 1902 durch Adolf Miethe und Arthur Traube weiter verbessert; mit der so genannten panchromatischen Sensibilisierung wurde erstmals eine vollständige Tonwertrichtigkeit bei der Umsetzung von Farben in Graustufen erzielt. Die panchromatische Sensibilisierung bildet die Grundlage für jede Farbfotografie.

Lichtstärke

Auch die Lichtstärke von Objektiven konnte deutlich gesteigert werden. Während die Boxkameras der 20er und 30er Jahre eine typische größte Blende von 1:11 hatten, verfügten die Modelle aus den 50er Jahren bereits über 1:9 oder sogar 1:8. Vergleichsweise lichtstarke Objektive gab es aber bereits länger; ein Beispiel hierfür ist das Petzvalobjektiv, das gemeinsam von Josef Maximilian Petzval und Peter Wilhelm Friedrich von Voigtländer im Jahre 1840 konstruiert wurde; mit einer Offenblende von 1:3,6 war es im Vergleich zu Daguerres Objektiv von 1839 22-mal lichtstärker, was unter günstigen Bedingungen erstmals Porträts mit Belichtungszeiten von weniger als einer Minute ermöglichte. Das Petzvalobjektiv wurde von Voigtländer produziert und mit großem Erfolg weltweit vertrieben; bis 1862 produzierte er 60.000 Stück. Das derzeit lichtstärkste Objektiv wurde von Carl Zeiss, Oberkochen, entwickelt. Mit dem Planar 1:0,7 (Brennweite 50 mm), konnten Filmaufnahmen von bewegten Szenen bei Kerzenlicht gedreht werden, so etwa in Barry Lyndon von Stanley Kubrick. Weitere hochlichstarke Objektive sind beispielsweise das Canon 1:1,0 (50 mm) und das Leica M 1:1,0 (ebenfalls 50 mm).

Aufnahmeformat

Die Aufnahmeformate verringerten sich dagegen bis zu einem gewissen Grad; die größen Plattengrößen lagen um 1850 bei 165x216 mm (6 1/2x8 1/2 Inch; sog. Ganzplatte), die kleinsten bei 51x64 mm (2x 2 1/2 Inch, sog. Neuntelplatte). Noch Ottomar Anschütz fotografierte mit seinem Electrotachyscop auf Glasplatten im Format 9x13, was dem heutigen Großformat entspricht. Noch um 1890 war das am weitesten verbreitete Negativformat 13x18; das in den 1890er Jahren aufkommende Format 9x12 gilt als "Kleinbild" und technisch minderwertig. Mit der Einführung des Rollfilms um 1880 verringerte sich die typische Negativgröße auf typische Mittelformatgrößen von 9x11 bis 6x6 cm; die berühmte Kodak Nr. 1 aus dem Jahr 1888 zeichnet runde (!) Bilder mit einem Durchmesser von 6,5 cm auf. Derartige Nagtivgrößen waren auch bei Boxkameras bis in die 50er Jahre verbreitet, dabei wurden die Nagtive für Papierabzüge jedoch noch nicht vergrößert. Als "Kleinbild" gilt um 1908 das Format 4,5x6 cm, ein heutiges Mittelformat. Mit der Kleinbildfotografie verringerte sich mit der 1924 von Oscar Barnack bei Ernst Leitz in Wetzlar entwickelten Leica, das typische Negativformat ab 1925 erneut auf 24x36 mm (35-mm-Film). Die Pocket-Kameras der 70er Jahre verwendeten Filmkassetten mit dem Format 13x17 mm (Nr. 110). Noch kleinere Fimformate wie das von Walter Zapp 1938 in Wetzlar entwickelte Minox-Kleinstbildformat 8x11 mm oder weitere Sonderformate konnten sich allerdings nur schlecht am Markt durchsetzen. Der APS-Film des 1996 eingeführten Advanced Photo Systems (APS), die letzte bedeutende fotochemische Neuentwicklung des letzten Jahrzehnts, weist ein Negativformat von 16,7×30,2 mm auf, der APS-Film selbst ist 24 mm breit; dieses Format gewinnt heute eine gewisse Bedeutung als Sensorgröße von professionellen Digitalkameras. Ein Grund für die erstaunliche Dauerhaftigkeit des Kleinbildformats über rund 80 Jahre liegt möglicherweise in einer Erkenntnis, die schon Oskar Barnack bei Ernst Leitz in Wetzlar aus Berechnungen zum Auflösungsvermögen des menschlichen Auges gewonnen hatte: Die optimale Bildgröße für fotografischen Film liegt demnach bei 22x23 mm.

Automatisierung

Bereits in den 30er Jahren wird vereinzelt eine Belichtungsmessung in die Kameras integriert; dadurch wird der externe Handbelichtungsmesser oder das Schätzen der Zeit-Blenden-Kombination überflüssig. Ab den 50er Jahren gelangen elektrische Elemente in die Fotokameras, so stellt beispielsweise Canon 1954 die Canon IV Sb2 mit elektrischer Blitzsynchronisation vor und Agfa bringt 1956 zur Photokina mit der Agfa Automatik die erste vollautomatische Kamera auf den Markt. Die sowjetische Krasnogorsk Mechanical Factory KMZ stellt mit der Kometa im Jahr 1958 die vermutlich welterste Kamera mit automatischem Entfernungsmesser vor. 1959 führt Agfa mit der Optima die erste vollautomatische Kleinbildkamera mit programmgesteuerter Belichtungsautomatik ein. 1960 integrieren die Iloca Camerawerke aus Hamburg in der Iloca Electric erstmals einen Elektromotor zum Filmtransport in das Kameragehäuse; die Krasnogorsk Mechanical Factory KMZ zieht 1963 mit der Zenit 5 nach. Mit dem Eindringen von Kameraherstellern aus Fernost wurden die noch überwiegend mechanisch funktionierenden Apparate zunehmend automatisiert und elektronische Elemente zur Kamerasteuerung integriert. Ab Mitte der 60er Jahre tauchen die ersten Kameras mit einer Belichtungsmessung durch das Objektiv (Through-the-lens, TTL) wie beispielsweise die Canon FX auf. Die ersten Kameras mit elektronisch gesteuertem Zentralverschluß erscheinen (beispielsweise Minolta Electro-Shot, 1965). Die erste SLR-Systemkamera mit Mehrfachbelichtungsautomatik stellt Minolta 1978 mit der XD-7 vor; ein kybernetisches System mit Computerschaltungen aus monolithischen LS-ICs und Hybrid-ICs steuert zahlreiche Kamerafunktionen. Auch das Fokussieren wird automatisiert; 1971 zeigt Nikon den Prototyp eines Wechselobjektivs mit Autofokus; das Nikkor 1:4,5/85 mm gelangt jedoch nie in den Handel. 1977 präsentiert Konica mit der C35-AF die erste Kleinbild-Sucherkamera mit passivem Autofokus. Das erste aktive Autofokus-System auf der Basis einer Infrarot-Entfernungsmessung vermarktet Canon ab 1979 mit der AF35M, die auch als Autoboy bekannt ist. Der zunehmenden Proprietarisierung der Zubehörprodukte versuche das SCA-Adaptersystem von Metz u.a. entgegenzuwirken; es ermöglicht die Verwendung eines SCA-Blitzes mit verschiedenen proprietären Steuerungsinformationen über ein kameraspezifisches Adaptersystem an den Kameras unterschiedlicher Hersteller. 1985 landet Minolta einen Coup ersten Ranges, als mit der Minolta 7000 und 9000 die ersten Kleinbild-Spiegelreflexkameras mit Autofokus präsentiert werden, Jahre bevor die Konkurrenz vergleichbare Systeme marktreif hat; Nikon lizenziert die Autofokus-Technologie und bringt bereits ein Jahr darauf die Nikon F-501 auf den Markt, während Canon auf eine Eigenentwicklung setzt und die ersten AF-Modelle erst 1987 präsentieren kann (Canon EOS 650 und EOS 620). Ein Jahr später folgt mit der Minolta Dynax 7000i bereits die zweite Generation der AF-Kameras von Minolta mit "vorausberechnendem" Autofokus, drei AF-Sensoren und der Fähigkeit zur Bewegungserkennung.

Emergenz der Konkurrenz aus Fernost

In den 1920er Jahren werden in Japan die ersten Kamerahersteller gegründet, so beispielsweise Minolta (1928, damals noch nichidokushashinkishoten, "japanisch-deutsches Kamerageschäft"). Die Hersteller bauen zunächst nur deutsche Markenprodukte nach und fertigen diese zu extrem günstigen Preisen. Dies betrifft zunächst überwiegend die hochpreisigen Mittelformatkameras, bald jedoch auch die hochwertigen Kleinbildkameras. Während die Billigkonkurrenz aus Fernost zunächst nicht ernst genommen wird, steigt die Qualität der Produkte Made in Japan ab den 50er Jahren mit zunehmendem Fertigungs-Know-how und ein Verdrängungswettbewerb setzt ein, in dessen Verlauf viele deutsche Traditionsunternehmen wie Voigtländer in Konkurs gehen.

Boxkameras

Die Amateurfotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch die so genannten Boxkameras. Das Konzept wurde ursprünglich in den USA entwickelt: eine möglichst einfach zu bedienende, preiswert herzustellende Kamera, die mit Rollfilm arbeitete. Zu den frühen Boxkameras zählt beispielsweise die Brownie Nr. 2 der Eastman Company aus dem Jahr 1901; sie nahm Bilder im Format 6x9, also einem klassischen Mittelformat auf. In Deutschland gelang es ab etwa 1915, konkurrenzfähige Rollfilme herzustellen. Ab etwa 1916 tauchen deutsche Box-Vorläufer wie Ernemanns Film K-Modelle auf. Der Siegeszug der Boxkameras setzt in Deutschland etwa zehn Jahre später ein, als Ica 1924 die Onix vorstellte. In den folgenden Jahren kommt eine Flut von Boxkameras auf den Markt; die meisten Hersteller sind heute nur noch in Sammlerkreisen und bei Fotohistorikern bekannt. Ihre Namen: Goerz, ESPI, Balda, Eho, Beier, Die Camera Obscura (lat. Camera - Kammer; obscura - dunkel) oder auch Lochkamera ist eine dunkle Kammer oder Schachtel, in die durch ein kleines Loch Licht hineinfallen kann. Auf der dem Loch gegenüberliegenden Seite entsteht ein spiegelverkehrtes und auf dem Kopf stehendes Abbild. Diese Projektion kann betrachtet oder aufgezeichnet werden.

Funktionsweise

Ähnlich einer optischen Linse erzeugt ein kleines Loch auf einer Projektionsfläche ein Abbild von angestrahlten Gegenständen. Die Schemazeichung rechts zeigt exemplarisch zwei Strahlenbündel, die von zwei Punkten eines Gegenstands in das Loch eintreten. Der kleine Durchmesser der Blende beschränkt die Bündel auf einen kleinen Öffnungswinkel und verhindert die vollständige Überlappung der Lichtstrahlen. Strahlen vom oberen Bereich eines Gegenstands fallen auf den unteren Rand der Projektionsfläche, Strahlen vom unteren Bereich werden nach oben weitergeleitet. Jeder Punkt des Gegenstands wird als Scheibchen auf der Projektionsfläche abgebildet. Die Überlagerung der Scheibchenbilder erzeugt ein verzeichnungsfreies Bild, dessen Schärfe vom Abstand des Gegenstands und der Form der Blende abhängt. Mathematisch ausgedrückt ist das Bild das Ergebnis einer Faltung aus idealer Abbildung des Gegenstands mit der Blendefläche. Das Bild ist sehr lichtschwach und es kann nur bei ausreichender Abdunkelung der Umgebung beobachtet werden. Dies geschieht zum Beispiel durch ein Tuch, das das Umgebungslicht außerhalb der halbtransparenten Rückwand abhält. Oder der Beobachter begibt sich selbst in die Kammer, wobei die Adaption (Auge) des Auges an die Dunkelheit die Beobachtung erleichtert. Der Abstand der Projektionsfläche zur Öffnung bestimmt die Brennweite f. Der Quotient f/D definiert, wie bei einem Objektiv, die Blendenzahl. Je kleiner sie ist, desto lichtstärker ist das Objektiv. Eine Kammer von f=100 mm Größe mit einem D=0.5 mm großen Loch hat folglich eine Blendenzahl von 200. Eine Vergrößerung des Lochs auf 1 mm verringert die Blendenzahl auf 100. Die Belichtungszeit verringert sich um den Faktor 25. Zum Vergleich: ein Kleinbild-Kameraobjektiv besitzt eine Blende von 2-3. Je kleiner der Lochdurchmesser D ist, desto kleiner sind die Strahlenbündel, umso schärfer erscheint die Abbildung. Der Grenzwert für D ist erreicht, wenn das Loch die Größenordnung der Strahlungs-Wellenlänge erreicht (siehe unten). Die Beugungserscheinungen setzen bei Licht bei ca. 0.5\mum ein. Lochblenden werden als abbildende Linsen für Röntgenstrahlung eingesetzt. Denn, anders als für Licht, gibt es für diese kurzwellige Strahlung keine Materialien mit geeignetem Brechungsindex, aus dem sich Linsen herstellen ließen.

Geometrie

Brechungsindex Die Lochgröße bestimmt die Schärfe der Abbildung. Aus der Strahlengeometrie folgt (siehe Skizze): :(1) B(D)= \frac : mit B: Bildgröße eines Objektpunkts; f: Bildweite (Brennweite); g: Gegenstandsweite; D: Lochdurchmesser Beugungserscheinungen an der Lochblende setzen der klassischen Betrachtungsweise Grenzen. Für Lichtbeugung gilt vereinfacht: :(2) B(D) = c \frac : mit c= const = 1 µm Nach der strahlenoptischen Betrachtung nimmt die Bildgröße eines Lichtpunkts linear mit der Blendengröße ab. Die Lichtbeugung zeigt ein umgekehrtes Verhalten. Die Bildgröße verhält sich umgekehrt proportional zum Lochdurchmesser. Der optimale Durchmesser D(f) ist der Wert, für den die Gleichungen (1) und (2) den kleinsten Wert liefern. Die Extremwertsuche liefert: :D = \sqrt :D \approx \sqrt; für g>>f :D \approx \sqrt \mbox für D in Millimeter, wenn f in Meter Der optimale Durchmesser ist ein wenig kleiner als die innere Zone einer Fresnel-Zonenplatte. Beispiele:
- Die Bildweite f sei 10 mm = 0,01 m. Dann beträgt der optimale Lochdurchmesser D ca. 0,1 mm.
- f= 100mm = 0,1m -> D= 0,3 mm.
- f= 1000mm = 1m -> D = 1 mm.
- f= 10m -> D= 3mm

Geschichte

Fresnel-Zonenplatte Pseudo-Aristoteles beschrieb in der apokryphen Schrift Problemata physica zum ersten Mal die Erzeugung eines auf dem Kopf stehenden Bildes, wenn das Licht durch ein kleines Loch in einen dunklen Raum fällt. Vom Ende des 13. Jahrhundert an wurde die Camera Obscura von Astronomen zur Beobachtung von Sonnenflecken und Sonnenfinsternissen benutzt, um nicht mit bloßem Auge in das helle Licht der Sonne blicken zu müssen. Roger Bacon baute für Sonnenbeobachtungen die ersten Apparate in Form einer Camera Obscura. Leonardo da Vinci untersuchte den Strahlengang und stellte fest, dass dieses Prinzip in der Natur beim Auge wieder zu finden ist. Erste Versuche mit einer Lochkamera hat der Araber Alhazen bereits um 980 angestellt. Nachdem es im Mittelalter gelang, Linsen zu schleifen, ersetzte man das kleine Loch durch eine größere Linse. Diese verbesserte Kamera beschrieb 1568 der Venezianer Daniele Barbaro in seinem Werk La pratica della prospeltiva. Ein solches Gerät scheint auch Johannes Kepler bekannt gewesen zu sein. Johannes Kepler] Im Jahre 1686 konstruierte Johannes Zahn eine transportable Camera Obscura. Ein Spiegel, der im Winkel von 45 Grad zur Linse im Inneren der Kamera angebracht war, projizierte das Bild nach oben auf eine Mattscheibe und konnte so bequem abgezeichnet werden. Deshalb wurde die Camera Obscura von Malern vor der Fotografie gern als Zeichenhilfe genutzt. Man konnte in ihr die Landschaft auf Papier abmalen und dabei alle Proportionen richtig wiedergeben. Bekanntestes Beispiel ist der Maler Canaletto mit seinen berühmten Gemälden von Dresden und Warschau. Möglicherweise benutzte bereits der Maler Johannes Vermeer eine Camera Obscura, was den Detailreichtum seiner Werke erklären würde. Der Ausschnitt rechts aus seinem Landschaftsgemälde Ansicht von Delft zeigt entfernte Hausdächer. Deren komplizierte Geometrie konnte der Maler unmöglich dadurch erfassen, dass er näher an die Gebäude herantrat. Wäre er ausschließlich seiner Intuition gefolgt, hätte er wahrscheinlich einen anschaulicheren Bildaufbau gewählt.

Beispiele

Allegorie der Malerei Lochkameras lassen sich aus Getränke- oder Keksdosen bauen, aber auch Wassertonnen oder Baucontainer werden als Kamera verwendet. Das Foto links wurde mit einer Lochkamera gemacht, deren Gehäuse aus Zement bestand. Allegorie der Malerei Auch im Alltag beobachtet man Abbildungen an kleinen Öffnungen. Das Bild rechts zeigt einen Korbstuhl, der seitlich von der Sonne beschienen wird und links an der Wand einen Schatten wirft. Die engen Spalte des Korbgeflechts erzeugen Lichtmuster auf der Wand in Form runder Scheibchen einheitlicher Größe. Hierbei handelt es sich um Abbilder der kreisförmigen Sonne, nicht etwa um Umrisse des Geflechts. Ähnliches beobachtet man im Wald, wenn Zwischenräume in dichtem Blattwerk die Sonne auf dem Boden als verschwommene Kreisscheiben abbilden. (sogenannte Sonnentaler)

Bauanleitung

Sonnentaler mit Lochkamera und Digitalkamera.]] Interessierte ohne fotografisches Vorwissen sei die folgende Gebrauchsanweisung empfohlen: Man nimmt für den Bau einer Camera obscura am besten eine Keksdose, denn diese haben den Vorteil, lichtdicht zu schließen. Die Dose wird innen mit mattem Lack (z.B. Spraylack) schwarz gefärbt, um Lichtreflektionen zu vermeiden. Notfalls kann die Dose auch mit schwarzem Karton innen verkleidet werden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Dose (wie jede andere Kamera auch) innen mattschwarz ist. Um das Loch in dem Dosenboden möglichst ideal zu gestalten, hat sich folgende Technik bewährt: Genau in die Mitte des Bodens schlägt man von innen mit Hammer und Nagel eine kleine, spitze Beule. Die Dose nicht durchschlagen ! Wenn man jetzt die Dose von aussen betrachtet, sieht man die Beule im Blech hervorstehen. Nun wird über diese Stelle gefeilt, bis ein Loch von ca. 1/2 - 1 Millimeter Durchmesser sichtbar wird. Der Lochrand wird auf diese Weise sehr scharf. Die Feilränder werden mit Hilfe eines Filzmarkers ebenfalls schwarz eingefärbt. Als "Verschluss" dient ein Stück schwarzes Isolierband, fertig ist die Camera Obscura. Der Deckel der Keksdose bildet eine gute Halterungsmöglichkeit für das Aufnahmematerial. Aus Kosten- und Verarbeitungsgründen verwendet man keinen Film, sondern normales Fotopapier, welches durchaus brauchbare Negative liefert. Das Papier wird in Größe des Deckels rund geschnitten und in ihm so festgeklebt, dass es nach der Belichtung ohne Schwierigkeiten wieder abgelöst werden kann. Hierfür haben sich die doppelseitigen Klebebänder für den Grafikbedarf bewährt. Beim Kauf des Fotopapiers sollte folgendes beachtet werden: PE - Papiere mit weicher Gradation verwenden, keine sogenannten "Multigrade" Papiere kaufen (sie sind für diesen Zweck nicht so gut geeignet) und darauf achten, daß kein Firmenaufdruck auf der Rückseite des Papiers vorhanden ist. Letzterer Punkt ist auf keinen Fall zu vernachlässigen, denn die Camera obscura Negative werden mittels "Kontaktkopie" weiterverarbeitet. Dies bedeutet, daß die Papiernegative mit Hilfe einer starken Lichtquelle (Schreibtischlampe, Vergrößerer) auf ein darunter liegendes zweites Blatt Fotopapier übertragen werden. Ein Firmenaufdruck auf der Papierrückseite würde zwangsläufig mit auf das positive Bild durchbelichtet werden und erheblich stören. Sicherheitshalber kann die Deckelkante der "geladenen" Keksdose noch mit Isolierband lichtdicht verklebt werden. Die richtige Belichtungszeit kann zuerst nur per Versuch herausgefunden werden. Fotopapier ist relativ schwachempfindlich und das Loch lässt nur äußerst wenig Licht in die Kamera; so kann selbst bei hellem Sonnenlicht die Belichtungszeit 30 Sekunden und länger betragen. Wer einen Handbelichtungsmesser hat, kann seine Testreihen genau analysieren, nach einigen Versuchen gelingt die richtige Belichtungszeitwahl aber auch nach Gefühl. Das Negativ wird im Fotolabor wie ein normales Blatt Fotopapier verarbeitet und getrocknet. Es wird nun, wie oben beschrieben, einfach auf ein zweites Blatt Fotopapier gelegt, mit einer sauberen Glasscheibe beschwert und durchbelichtet. Es ist darauf zu achten, dass die Schicht des Negativs auf der Schichtseite des Fotopapiers liegt und dass es beim Kontaktkopieren fest angedrückt ist, sonst entstehen Unschärfen. Auch hier gilt es, durch Tests die richtige Belichtungszeit zu finden. Das Positiv wird nun fotochemisch genauso verarbeitet wie das Negativ. Die langen Belichtungszeiten erfordern einen festen Stand der Kamera. Sie sollte während der Aufnahme nicht bewegt werden. Bewegte Dinge "verschwinden" dafür auf dem Bild: Fahrende Autos hinterlassen keine sichtbaren Spuren und im Wind wankende Bäume werden völlig unscharf abgebildet. Gerade dies verleiht den Lochkameraaufnahmen ihren besonderen Reiz. Interessant ist ebenfalls, dass die Bilder eine außergewöhnlich hohe Schärfentiefe haben. Das heißt, die abgebildeten Gegenstände haben nahezu dieselbe Schärfe, egal ob sie ganz nah oder weit entfernt von dem aufnehmenden Loch waren. Handelsübliche Apparate mit Blendenzahlen von bis zu 25 sind weit von den Werten 100-200 entfernt, die mit einer Camera obscura möglich sind.

Bekannte Einrichtungen


- Camera Obscura auf dem Berg Oybin bei Zittau, Erbauung 1852, Erneuerung 1980-83, 360° Rundumblick, Besonderheit: Projektionsleinwand ist das Dach eines Trabants.
- Camera Obscura in Hainichen bei Freiberg, Erbauung 1883 Erneuerung 1985
- Camera Obscura in Mülheim an der Ruhr 1992
- Camera Obscura in Edinburgh,Dumfries und Greenwich/London in Großbritannien
- Camera Obscura in San Francisco in den USA
- Camera Obscura in Grahamstown in Südafrika
- Camera Obscura in Eger in Ungarn (Damit wurden bereits 1552 die anstürmenden Türken beobachtet.)
- Camera Obscura in der Budapester Universität
- Camera Obscura in der Moskauer Lomonossow-Universität

Siehe auch


- Camera lucida
- Fotografie
- Perspektive
- Medientheorie

Literatur

Deutschsprachig:
- Reinhard Merz und Dieter Findeisen: Fotografieren mit der selbstgebauten Lochkamera, Augustus Verlag, Augsburg, 1997, ISBN 3-8043-5112-3
- Peter Olpe: Die Lochkamera - Funktion und Selbstbau, Lindemanns Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-928126-62-8
- Thomas Bachler: Arbeiten mit der Camera obscura, Lindemanns 2001, ISBN 3895062227
- Peter Olpe: Lochkamera. Lindemanns 2001. ISBN 3895061727
- Ulrich Clamor Schmidt-Ploch. Die Lochkamera. Abbildungsoptimierung. Physikalische Hintergründe. BoD GmbH, Norderstedt 2001. ISBN 3831112614
- Bodo von Dewitz & Werner Nekes (Hrsg): Ich sehe was, was du nicht siehst - Sehmaschinen und Bilderwelten. Steidl, Göttingen 2002. ISBN 3882438568
- Marcus Kaiser: + z.T. Garten - Die Stadt in der Hütte. Installation auf dem Gelände des Norbahnhofes in Berlin. ISBN 386006228X Englischsprachig:
- Adam Fuss: Pinhole Photographs (Smithsonian Photographers at Work), Smithsonian Institution Press ISBN 1560986220
- Thomas Harding: One Room Schoolhouses of Arkansas as Seen through a Pinhole, University of Arkansas Press ISBN 1557282714 ISBN 1557282722
- Hans Knuchel: Camera Obscura Lars Mueller Edition, Baden 1992, ISBN 3-906700-49-6
- John Warren Oakes: Minimal Aperture Photography Using Pinhole Cameras, ISBN 0819153702 & 0819153699
- Eric Renner, Center For Contemporary Arts Staff (Editor): International Pinhole Photography Exhibition, Center for Contemporary Arts of Santa Fe, ISBN 0929762010
- Eric Renner: Pinhole Photography: Rediscovering a Historic Technique, (Second edition, 1999), Focal Press, Butterworth-Heinemann, Newton, MA, USA ISBN 0-240-80350-7
- Jim Shull: The Hole Thing. A Manual of Pinhole Photography, Morgan & Morgan, Inc., New York 1974, ISBN 0-87100-047-4
- Lauren Smith, Pinhole Vision I, LBS Produc ISBN 0960779604
- Lauren Smith: Pinhole Vision II, LBS Produc ISBN 0-96079612
- Lauren Smith: The Visionary Pinhole, Gibbs M. Smith, Inc., Peregrine Smith Books, Salt Lake City, 1985, ISBN 0-87905-206
- Philip Steadman: Vermeer's Camera, Oxford 2001, ISBN 0192803026

Weblinks


- http://www.sachsen-freizeit.de/CO/camera.html
- http://brightbytes.com/cosite/cohome.html Vieles zur Camera Obscura mit Bildern aus USA und UK (engl.)
- http://www.cameraobscura.ch/ Ein sehenswertes Schweizer Camera Obscura Projekt
- http://www.horizonte-team.de/fortbildungen/obscura/index.htm
- http://bauwagenkamera.de/ Der Fotograf Thorsten Berndt nutzt einen Bauwagen als Camera Obscura
- [http://www.die-lochkamera.de/f_was.htm Dieters Lochkamera Seite] - Umfassende Informationen zu Lochkameras, mit FAQ, Bauanleitung und Mailingliste; von Dieter Bublitz.
- [http://www.gamb.de/photo/loch-k.htm Lochkamera-Bauanleitung] von Manfred Baierl.
- [http://www.bildung-brandenburg.de/bbs/schule/faecher/sek1/kunst/camera/ Camera obscura als Thema im Unterricht/Bildungsserver Brandenburg]
- [http://home.arcor.de/lochkamera/index.htm Die Lochkamera im Sachunterricht der Grundschule] von Frank Große Entrup.
- [http://www.jochen-reincke.de/index.htm Lochkamera - Panorama - Photographie] von Jochen Reincke mit einer Bauanleitung für eine 150-Grad-Panorama-Lochkamera, Belichtung von Photopapier etc.
- http://www.physik.uni-marburg.de/CameraObscura/cameraobscura.html Camera obscura am Marburger Schloss
- http://www.thomasbachler.de (hier auf Camera obscura gehen)
- http://www.boxocam.de Camera Obscura Photographien verschiedener Metropolen von Matthias Hagemann
- http://www.frank-stoelben.com Frank Stölben - Photographie u.a. Camera obscura (Bilder / Pinhole)
- http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/1212 Aktuelle Photos verschiedener Photographen mit der Camera Obscura
- http://www.fotocommunity.de/pc/pc/pcat/67438 Sehr interessante Lochkamera Bilder von Gerhard Switalla
- http://www.wawischguck.net Kategorie:Optisches Instrument Kategorie:Fototechnik th:คาเมร่า ออบสคูร่า

Camera lucida

Als Camera lucida bezeichnet man eine Zeichenkamera mit Prisma, die 1807 von William Hyde Wollaston entwickelt wurde. Die Camera Lucida erfüllte einen ähnlichen Zweck wie die Camera obscura und wurde zum Abzeichen von Landschaften oder Porträts verwendet.

Funktionsweise

Bei der Camera lucida blickt man durch ein Guckloch direkt über die Kantes des Prismas, das die Umrisse des Motivs auf das Zeichenpapier wirft. Der Benutzer kann dadurch gleichzeitig die Umrisse des Motivs und das Papier sehen und kann das Objekt dann einfach abzeichnen. Mit der Camera lucida wird also vor allem das Anfertigen von relativ naturgetreuen Bildern vereinfacht. William Henry Fox Talbot, der mit seiner zeichnerischen Begabung unzufrieden war, hatte nach einem Hilfsmittel gesucht, um 1833 Skizzen am Comer See anzufertigen und daher die auf der Camera obscura basierenden Projektionsvorrichtungen weiterentwickelt, die bereits beispielsweise 1679 von Robert Hooke konstruiert worden waren.

Verwandte Geräte

Die Physionotrace von 1786 ist ein mechanisches Hilfsmittel zur Gravur von Silhouetten.

Literatur


- Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie. 327 Seiten. Schirmer/ Mosel 1998. ISBN 3888143195
- Wilfried Wiegand (Herausgeber): Die Wahrheit der Photographie. Klassische Bekenntnisse zu einer neuen Kunst. 304 Seiten. S. Fischer: Frankfurt am Main 1986. ISBN 3100915046
- Bodo von Dewitz & Werner Nekes (Hrsg): Ich sehe was, was du nicht siehst - Sehmaschinen und Bilderwelten. Steidl, Göttingen 2002. ISBN 3882438568 Kategorie:Fototechnik

Physionotrace

Der Physionotrace ist eine 1786 von dem Kammermusiker und Kupferstecher Gilles-Louis Chrétien erfundene Apparatur, die das Verfahren des Gravierens und insbesondere des Silhouettenzeichnens mechanisierte. Chrétien kombinierte beim Physionotrace zwei Techniken der Porträtdarstellung: die Silhouette und den Kupferstich. Durch ein Gestell (Pantograf, auch als Pantogramm, Storchen- oder Storchschnabel bezeichnet) wurden die Umrisse des Schattenbildes auf eine dahinter gespannte Leinwand verkleinert projiziert; der Künstler musste nun nur noch das Schattenbild nachzeichnen (vgl. Freund, S. 16 f.). Der Physionotrace entwickelte sich zu einem großen Erfolg und begann, das Kunsthandwerk des manuellen Kupferstichs zu verdrängen. Bereits 1797 wurden in einem Pariser Salon 600 Physionotrace-Porträts ausgestellt.

Ähnliche Geräte

Die Camera Lucida von 1807 ist eine rein optische Zeichenhilfe.

Literatur


- Gisèle Freund: Photographie und Gesellschaft. Rowohlt, Reinbek, 1989, ISBN 3-499-17265-8
- Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie. Schirmer/Mosel, München, 1998, ISBN 3-88814-319-5 Kategorie:Kunst

Diorama

Als Diorama (zu altgr. διοράω „hindurchsehen“, „durchschimmern sehen“, „durchschauen“) bezeichnet man:
- eine im 19. Jahrhundert von Daguerre erfundene abgedunkelte Schaubühne mit halbdurchsichtigem, beidseitig unterschiedlich bemaltem Prospekt. Durch wechselnde Beleuchtung von Vorder- und Rückseite können damit zum Beispiel Bewegungen und Tageszeiten effektvoll simuliert werden. Diese mit dem Panorama verwandte Technik wird heute noch auf Theaterbühnen angewendet.
- Ebenfalls als Diorama werden in der Nachfolge von Krippendarstellungen stehende Schaukästen bezeichnet, bei denen mit Modellfiguren und -landschaften vor einem oft halbkreisförmigen, bemalten Hintergrund zum Beispiel historische Szenen oder Tiere in ihrer natürlichen Umgebung dargestellt werden, auch wenn die ursprüngliche Technik des Dioramas dabei selten Anwendung findet. Diese Dioramen sind häufiger in naturkundlichen und technischen Museen zu finden und können sehr kunstvoll sein. Durch die richtige Veränderung des Maßstabs vom Vorder- zum Hintergrund, den scheinbar nahtlosen Übergang von plastischen Landschaftselementen in den gemalten Hintergrund und geschickte Beleuchtung kann eine fast perfekte Illusion von räumlicher Tiefe und Wirklichkeitsnähe erreicht werden – eine Art dreidimensionaler Trompe-l’Œil-Malerei, die den Betrachter einem Riesen gleich auf die Welt blicken lässt. In Naturkundemuseen gibt es lebensgroße Dioramen, bei denen ausgestopfte oder rekonstruierte Tiere in ihrem Biotop nachempfundenen Kulissen präsentiert werden. :In dieser Tradition steht auch die Verwendung des Wortes Diorama im Modelleisenbahnbau. Dort wird nicht die gesamte Anlage so bezeichnet, sondern nur die Teile, die außerhalb des Gleisbereichs für eine landschaftliche Illusion sorgen sollen oder detailreiche Szenen darstellen. Weitere Panoramen sind Georama, Neorama, Myriorama, Kosmorama, Pleorama und Cyklorama.

Weblinks


- [http://www.amnh.org/exhibitions/permanent/ocean/03_oceanlife/index.php Dioramen des American Museum of Natural History, New York]
- [http://www.deutsches-museum.de/mum/dioramen/diorama.htm Dioramen des Deutschen Museums, München]
- [http://www.museum.hu-berlin.de/auss/sehwert/tieralpe.asp Dioramen des Museums für Naturkunde, Berlin]
- [http://www.diorama.ch/ Das Einsiedler-Krippen-Diorama]
- [http://www.diorama-links.de/ Portal mit vielen weiteren Dioramen unterschiedlicher Vorbilder]
- [http://www.niubniubsuniverse.com/home/home_asp/home.asp Star-Wars-Dioramen]
- [http://www.starconstrux.de/ Die deutsche Seite für Star-Wars-Dioramen] Kategorie:Modellbau ja:ジオラマ

Naturwissenschaft

Naturwissenschaften sind Wissenschaften, die sich mit der unbelebten und belebten Natur befassen, diese zu beschreiben und zu erklären versuchen. Die traditionellen Gebiete der Naturwissenschaften – Physik, Chemie und Biologie – prägen auch heute noch nachhaltig das verbreitete Bild der Naturwissenschaften. In der Gegenwart wird der Begriff Naturwissenschaften jedoch deutlich weiter gezogen. Ein Beispiel für eine Erweiterung ist die Astronomie, die sich von ihrer historischen Rolle als Astrologie zu einer modernen Naturwissenschaft entwickelt hat. Eine systematische Zusammenstellung der modernen Auffassung findet sich im Artikel Wissenschaft.

Einordnung als Wissenschaft

Die Naturwissenschaften stehen nach traditioneller Auffassung den Geisteswissenschaften gegenüber. Allerdings ist diese ausschließliche Zweiteilung der Wissenschaften in zwei große Kategorien heute weitgehend nicht mehr begriffliche Grundlage: Als prominentestes Beispiel für eine Wissenschaft, die weder als Natur- noch als Geisteswissenschaft einzuordnen ist, gilt die Mathematik, die den Strukturwissenschaften zugeordnet wird.

Entwicklung

Zu den Naturwissenschaften wurden historisch zunächst nur die Wissenschaften gezählt, die sich mit den materiellen Dingen der unbelebten Natur beschäftigen. Die Ansicht, was materiell (physisch) zu erklären sei, und was metaphysich, also jenseits der materiellen Phänome liegend und damit der materiellen Erklärung nicht zugänglich sei, unterliegt einem beständigen Wandel. Auch die Erweiterung auf neue Wissenschaftsgebiete gehört zu den Aspekten dieser Entwicklung. Ein zentrales Thema für die Naturwissenschaften war und ist die Frage nach der objektiven Erkenntnis, also einer Erkenntnis, deren Gültigkeit über das erkennende Subjekt hinausgeht und Allgemeingültigkeit erlangt.

Prinzipien der Naturwissenschaften

Heute definieren sich die Naturwissenschaften über ihre Methoden und den Wissenschaftsprozess. Es werden Hypothesen gebildet und systematische Experimente durchgeführt, um diese Hypothesen zu überprüfen. Die Hypothesen werden möglichst präzise formuliert, was in der Praxis heißt, dass die Hypothese als mathematisches Modell formuliert wird. "Mathematisches Modell" darf hierbei nicht zu eng verstanden werden, denn neben der klassischen Differentialgleichung, können solche Modelle statistische Natur haben und entsprechend formuliert werden, oder es kann sich um Abläufe handeln, die als Graphen dargestellt werden. Die Hypothese (= Modell) muss kausal und nachprüfbar sein. Die Hypothese sollte bekannte Phänomene erklären und, idealer Weise, neue Phänomene vorhersagen oder mehr Phänomene erklären als die bekannten Modelle. Ist die Hypothese erfolgreich ("sie bewährt sich") wird ihr im Laufe der Zeit immer mehr Vertrauen entgegengebracht. Bewährte Hypothesen werden oft auch als Theorie bezeichnet. Theorien, die lange Zeit und in verschiedenen Gebieten ihre Tests immer wieder bestanden haben, werden auch Naturgesetz genannt. Häufig haben sogenannte Naturgesetze aber weitere Attribute, die wissenschaftstheoretisch nur schwierig exakt zu fassen sind. Zu diesen gehören Einfachheit, großer Geltungsbereich, elegante mathematische Formulierung und hoher Erklärungswert. Erklärungswert heißt, dass die Theorie möglichst wenig freie Parameter enthält, die erst durch Messungen und Experimente bestimmt werden müssen. Als Beispiele für weithin anerkannte Naturgesetze können der Energieerhaltungssatz und die Relativitätstheorie angeführt werden. Dagegen würde man das eigentlich sehr erfolgreiche Standardmodell der Elementarteilchenphysik noch nicht als "Naturgesetz" bezeichnen, denn es mangelt ihm an Erklärungswert, da es mindestens 19 freie Parameter hat, die durch Messung und Experiment bestimmt werden müssen. Der naturwissenschaftliche Prozess benötigt zu seiner Funktion weitere Spielregeln. Dazu gehören Veröffentlichung in etablierten wissenschaftlichen Zeitschriften, Respekt vor dem Wissenschaftler ohne Vorurteile, genaue Dokumentation der Versuchs- und Messbedingungen, sorgfältige Fehleranalyse und Freiheit der Information. Angesehene wissenschaftliche Zeitschriften unterhalten kompetente Stäbe von Gutachtern, die dafür sorgen, dass die Veröffentlichungen bestimmte Qualitätsmerkmale erfüllen (Neuigkeit, Fehlerfreiheit, Sorgfalt, korrekte und vollständige Zitate etc.). Die Gutachter sind selbst aktive Wissenschaftler, was eine selbstregulierende Fairness garantiert. Dieser Teilprozess heißt "Peer Review".

Die drei klassischen Naturwissenschaften Physik – Chemie – Biologie


- Physik: Die Physik (griechisch φυσική, physike „die Natürliche“) ist die am meisten grundlegende der Naturwissenschaften. Sie beschreibt elementare Gebiete der Natur und deren Zusammenhänge, zum Beispiel Kräfte und die Bewegung von Körpern, aber auch komplexe Zusammenhänge wie die Dynamik von Raum und Zeit oder den Atombau.
- Chemie: Die Chemie (von arabisch al-kimiya', dieses von griechisch χημεία, chemeia) ist die Lehre von den Elementen. Sie beschreibt deren Eigenschaften, Verhalten und ihre Veränderung. Zu einer tiefergehenden Erklärung dieser Vorgänge greift sie auf die Physik zurück.
- Biologie: Die Biologie (griech. βίος, bíos Leben und λόγος, lógos Lehre) befasst sich mit lebenden Organismen, angefangen bei den kleinsten Organismen wie Bakterien bis hin zum Menschen. Sie baut dabei einerseits auf Erkenntnisse der Chemie auf und beschreibt und erklärt die stofflichen Vorgänge in lebenden Organismen. Andererseits formuliert sie übergreifende Gesetze über die Entwicklung, die Lebensweise und Fortpflanzung und andere Vorgänge und Erscheinungen.

Heutige Auffassung, exakte Wissenschaften, Science

Der oben beschriebene Prozess wird auch in anderen Wissenschaftsgebieten angewendet, die nicht zu den klassischen Naturwissenschaften zählen oder zu den Naturwissenschaften aus der erweiterten Aufstellung im Artikel Wissenschaft zählen. Diese erhalten im angelsächsischen üblicherweise den Zusatz "Science". Eine Eins-zu-Eins-Übersetzung ins Deutsche ist nicht möglich, nahe kommt vielleicht der Begriff der "Exakten Wissenschaft". Als Beispiel sei "Cognitive Science" genannt, ein Teilgebiet der Psychologie, welches mit naturwissenschaftlichen Methoden arbeitet.

Anmerkungen

Der Zugang zur Information ist heute leichter, aber auch erheblich unübersichtlicher als zu früheren Zeiten. Insbesondere das Internet hat hier zu einem enormen Informationsschub geführt. Freiheit und leichter Zugang zu Information können schnell zu Verwirrung und Desinformation führen. Das Verständnis des naturwissenschaftlichen Prozesses gibt hier eine Hilfestellung, der eine Wertung der präsentierten Information ermöglicht. Sind Erfordernisse des beschriebenen Prozesses verletzt, darf man der präsentierten Information nicht die Qualität einer naturwissenschaftlichen Tatsache oder Theorie zumessen. Um Missverständnissen gleich vorzubeugen, sei gesagt, dass es natürlich viele wertvolle und nützliche Informationen gibt, die nicht naturwissenschaftlich begründet sind. Kritiker des naturwissenschaftlichen Prozesses führen häufig die Machtstrukturen und Interessenkonflikte im realen Leben an, die wesentlichen Einfluss auf den Gang der Wissenschaft nehmen. Die sachfremden Einflüsse führen zu Umwegen und Verzögerungen, die zusammen mit dem sprunghaften und unberechenbaren (kreativen) Prozess der Hypothesenfindung zu einer starken chaotischen Komponente in der Weiterentwicklung des Wissens führen. Dies führt Kuhn zu seiner These eines sprunghaften Fortgangs des Erkenntnisgewinns. Ein solcher Sprung ist jeweils mit einem Paradigmenwechsel verbunden, der die Interpretation großer Teile der Naturwissenschaft verändert.

Zitate

"Der Beginn aller Wissenschaften ist das Erstaunen, dass die Dinge sind, wie sie sind." Aristoteles "Das Ziel der Wissenschaft ist es immer gewesen, die Komplexität der Welt auf simple Regeln zu reduzieren." Benoit Mandelbrot "Die naturwissenschaftliche Frage ist die logische Hypothese, welche von einem bekannten Gesetz durch Analogie und Induction weiterschreitet; die Antwort darauf gibt das Experiment, welches in der Frage selbst vorgeschrieben liegt. ... Die Naturforschung setzt also Kenntnis der Thatsachen, logisches Denken und Material voraus; diese drei, in methodischer Verknüpfung, erzeugen die Naturwissenschaft". Rudolf Virchow "Jeder Fortschritt, den eine Kirche in dem Aufbau ihrer Dogmen macht, führt zu einer ... Bändigung des freien Geistes; jedes neue Dogma ... verengt den Kreis des freien Denkens ... Die Naturwissenschaft umgekehrt befreit mit jedem Schritte ihrer Entwickelung ... Sie gestattet ... dem Einzelnen in vollem Maße wahr zu sein". Rudolf Virchow

Literatur

Monographien:
- Karl Popper: Logik der Forschung, Mohr Siebeck, 2005, ISBN 316148410X
- Karl Popper: Objektive Erkenntnis, Hoffmann und Campe 1998, ISBN 3455103065
- Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Suhrkamp, Frankfurt/M. 2003, (stw; Bd. 25) ISBN 3-518-27625-5 :Kuhns Thema ist der Prozess, in dem wissenschaftliche Erkenntnisse erzielt werden. Fortschritt in der Wissenschaft - das ist seine These - vollzieht sich nicht durch kontinuierliche Veränderung, sondern durch revolutionäre Prozesse. Dabei beschreibt der Begriff der wissenschaftlichen Revolution den Vorgang, bei dem bestehende Erklärungsmodelle, an denen und mit denen die wissenschaftliche Welt bis dahin gearbeitet hat, abgelöst und durch andere ersetzt werden: es findet ein Paradigmenwechsel statt.
- Wolfgang Kullmann: Aristoteles und die moderne Wissenschaft, Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-06620-9
- Peter Mittelstädt u.a. (Hrsg.): Was sind und warum gelten Naturgesetze?, Klostermann, Frankfurt/M. 2000, (Philosophia naturalis; Bd. 37,2) ISBN 3-465-03118-0
- Gregor Markl: Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften - Verbündete, nicht Kontrahenten, in: Florian Keisinger u.a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Campus Verl., Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-593-37336-X
- Erwin Schrödinger: Was ist ein Naturgesetz? Beiträge zum naturwissenschaftlichen Weltbild, Oldenbourg, München 1997, ISBN 3-486-46275-X (Scientia Nova) Zeitschriften:
- Philosophia naturalis. Archiv für Naturphilosophie und die philosophischen Grenzgebiete der exakten Wissenschaften und Wissenschaftsgeschichte, Klostermann, Frankfurt/M. 1. (1950/52) ff.

Siehe auch

In den Wikibooks gibt es ein Buch zum naturwissenschaftlichen Weltbild:
- Wissenschaft
- Wissenschaftssoziologie
- Natur
- Experiment
- Sozialwissenschaften

Weblinks


- [http://www.wissen-news.de Naturwissenschaft-Newsblog (dt.)]
- [http://www.wissenschaft24.info/themen.php4 Naturwissenschafts-Newsticker (dt.)]
- [http://www.lsw.uni-heidelberg.de/users/amueller/wissen.html Private Website zur wissenschaftlichen Methode]
- [http://www.physik-lexikon.de Physikforum] Kategorie:Wissenschaftstheorie ja:自然科学 ko:자연과학 th:วิทยาศาสตร์ธรรมชาติ

Neuzeit

Als Beginn der Neuzeit wurde in der Geschichtswissenschaft lange Zeit die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 und der Beginn der Reformation Luthers im Jahre 1517 angesehen. Weitere damit verbundene Zäsuren sind die Renaissance, der Humanismus und die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Schriftzeichenstempeln.

Periodisierung

Beginn

Die neuere historische Forschung tendiert wieder zu der schon von Philipp Melanchthon vertretenen Datierung und setzt den Fall von Konstantinopel im Jahre 1453 als Beginn der Neuzeit an, der zur Flucht von Gelehrten nach Italien und dort zum Aufblühen des Humanismus führte, dessen Verbreitung durch die Erfindung der Buchdruckerkunst um 1450 wesentlich gefördert wurde und der kulturgeschichtlichen Epoche der Renaissance weitere Impulse gab. Ideengeschichtlich ist der Beginn der Neuzeit von historisch arbeitenden Philosophen wie Wilhelm Kamlah und Jürgen Mittelstraß dagegen sehr viel später auf die Zeit um 1600 verlegt worden. Ausgangspunkt dieser Bestimmung ist die bis dahin erfolgte Ausbildung der neuzeitlichen Wissenschaft im Sinne der modernen, prototypisch in der Physik ausgebildeten wissenschaftlichen Forschung als methodisch durchgeklärte Verbindung von mathematischer Theorie und technischer Empirie (Kamlah), die in der oberitalienischen Werkstättentradition entwickelt und zur Grundlage des modernen Szientismus wurde.

Unterteilung

Die Neuzeit ihrerseits wird von der Geschichtswissenschaft wiederum begrifflich unterteilt in:
- die Frühe Neuzeit von der "Entdeckung Amerikas" bis zur Französischen Revolution 1789 und
- die Moderne (die manchmal auch "Neueste Zeit" genannt wird) für die Zeit danach. Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bzw. seit der russischen Oktoberrevolution spricht man bis dato (noch) von der Zeitgeschichte, die in der historischen Betrachtung natürlich weiterhin Teil der Epoche der Neuzeit ist. Epoche

Bedeutung

Eine wesentliche Rolle dabei spielten die Entdeckung Amerikas, die den praktischen Beweis lieferte, dass die Erde eine Kugel ist. Die Ablösung des geozentrischen (Ptolemäus) durch das heliozentrische Weltbild (Nikolaus Kopernikus) und die mit der Erstürmung Konstantinopels durch das Osmanische Reich verbundene Flucht vieler griechischer Gelehrter und anderer Leistungsträger in den Westen bildeten weitere Markierungspunkte auf unterschiedlichen Ebenen, die den Paradigmenwechsel (vgl. auch Paradigma) einer Zeitenwende begründen. Somit werden der Beginn des überseeischen Kolonialismus (und die beginnende Vorherrschaft Westeuropas) als Übergang zur neuen Zeit angesehen. Gerade die Revolutionierung läutete damit das Ende jenes ideologischen Monopols ein, das die Kirche im Mittelalter innegehabt hatte. Dies wiederum erlaubte den Beginn der Reformation, die ebenfalls die beiden Epochen voneinander abgrenzt.

Soziologie

In der Soziologie wird die Debatte um eine Analyse dieser Prozesse meist nicht mit Hilfe des Begriffes "Neuzeit", sondern mit dem Begriff der "Moderne" (auch der "reflexiven Moderne" usw.) mit oft changierender Bedeutung geführt (selbst z.B. im Werk Max Webers). Ferdinand Tönnies hingegen benutzte "Neuzeit" genau im Sinne seines theoretischen Werks Gemeinschaft und Gesellschaft als exakten Gegenbegriff zum "Mittelalter": In diesem seien die Menschen geneigt gewesen, alle sozialen Kollektive als "Gemeinschaften" zu verstehen, ganz anders als in der Neuzeit, wo sie diese sämtlich eher als "Gesellschaften" wahrnähmen. Im Mittelalter sei also ein großer Fernhandels- und Bankkonzern wie der Templerorden eher als religiöse "Gemeinschaft" aufgefasst worden, in der Neuzeit sogar die Ehe als rein "gesellschaftliches" Geschöpf eines Vertrages.

Literatur


- Ferdinand Tönnies, Geist der Neuzeit, EA 1935, 1998 (in: TG, Bd. 22).
- S. Skalweit, Der Beginn der Neuzeit. Epochengrenze und Epochenbegriff, 1982.
- Wilhelm Kamlah: Der Aufbruch der Neuen Wissenschaft. in: Utopie Eschatologie Geschichtsteleologie. Kritische Untersuchungen zum Ursprung und zum Futurischen Denken der Neuzeit. Bibliographisches Institut, Mannheim 1969 (BI Htb 461) S. 73-88
- Mittelstraß, Jürgen: Neuzeit und Aufklärung. de Gruyter, Berlin 1970 Demnächst erscheint der erste Band der vom J.B. Metzler Verlag verlegten "Enzyklopaedie der Neuzeit", die detailliert auf die wichtigsten Themen einzugehen verspricht.

Siehe auch

Frühe Neuzeit, Moderne, Zeitgeschichte Kategorie:Soziologie ! ja:近代

Bürgertum

Bürgertum ist eine Gesellschaftsschicht, die traditionell gegenüber dem Adel und Klerus einerseits, gegenüber Bauern und später Arbeitern andererseits abgegrenzt wird.

Entstehung und Grundzüge des Bürgertums

Als Wort und Begriff für eine Bevölkerungsgruppe ausgehend von dem mittellateinischen burgus, einer vor den Mauern gelegene Vorburg, in der die Kaufleute wohnten, hat das Bürgertum im Lauf der geschichtlichen Entwicklung einen sozialgeschichtlichen Wandel durchlaufen, insbesondere sehr verschiedene Unterformen des Bürgertums ausgeprägt. Der Begriff des Bürgertums als solcher ist deswegen nur sehr allgemein definierbar. Zudem ist der Begriff des Bürgertums in den verschiedenen Staaten aufgrund teils unterschiedlicher geschichtlicher Entwicklung nicht bedeutungsgleich. Das Bürgertum ist eine ökonomische, eine politische und eine kulturelle Erscheinung. Es prägte in der Zeit des Frühkapitalismus die "bürgerliche Weltanschauung" aus, die eng mit den "bürgerlichen Tugenden" Leistung, Fleiß und Sparsamkeit verbunden ist. In der Zeit des abendländischen Feudalismus erkämpfte sich das Bürgertum in Abgrenzung zu Bauern und Adel seine bürgerlichen Freiheiten. Die in der französischen Revolution von den Bürgern erkämpften Bürgerrechte gelten heute als Menschenrechte.

Kritik und Auflösung des Bürgertums

Das Bürgertum in seinen verschiedenen Ausprägungen ist andererseits selbst Gegenstand lang anhaltender Kritik (gewesen). Während die kommunistische Kritik einerseits die Bourgeoisie als Klassengegner definierte und Abweichler intern als nicht-proletarische "Kleinbürger" ausgrenzte, wurde der Begriff des Bürgers auch in anderem Zusammenhang negativ verwendet, wie die Ausdrücke "Verbürgerlichung" oder "verbürgerlichtes Christentum" deutlich machen. Gleiches gilt für den von der Jugendbewegung schon des 17. Jahrhunderts übernommenen Begriff der "Spießbürgers", ein aus der verächtlichen Rede des Ritterheeres übernommenes Schimpfwort. In den Niedergang des (z.B. "viktorianischen" oder "wilhelminischen") Bürgertums in späten 19. Jahrhundert gehört bereits das sich - teils vom Adel her - verbreitende Ideal, dass die Frau nur noch Repräsentationspflichten besitze und den Haushalt allenfalls noch beaufsichtige. Für die Hausarbeit gab es Personal. So hatte die bürgerliche Frau Zeit, dem Geld verdienenden Mann die bürgerlichen Bildungsanstrengungen abzunehmen, die Geselligkeit in den jeweiligen Verkehrskreisen zu organisieren, ggf. auch wohltätig zu sein. Mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel wird schon seit der Mitte des 20. Jahrhunderts vertreten, dass das Bürgertum insgesamt zu Ende gegangen sei. Hervorgegangen sei eine nachbürgerliche Gesellschaft von Angestellten, Beamten und anderen Gruppierungen, die im wesentlichen in einem neuen Mittelstand verschmolzen seien und sich ungeachtet ihrer Wurzeln im Bürgertum im Stil nicht vom allgemeinen Stil der Industriegesellschaft unterschieden. (Vgl. auch die Nivellierte Mittelstandsgesellschaft.)

Weiterführende Artikel


- Bürger
- Großbürger
- Kleinbürger
- Bildungsbürgertum
- Bourgeoisie
- Citoyen
- Adel
- Soziale Schicht
- Soziologie

Typische Beispiele für verschiedene Bürgergruppen (Deutschland)

Aufgeführt sind - mit Ausnahme der gesondert zu behandelnden Kleinbürger - Familien, die in der Vergangenheit den genannten Bürgergruppen zugehörten. Während die Krupp erloschen sind oder wie die Gründerfamilien Howaldt und Overbeck ihre herausgehobene Stellung verloren haben, behaupten andere Familien auf Grund des in ihren Händen erhaltenen Kapitals wie die Quandt und die Siemens oder auf Grund der Leistungsfähigkeit einzelner Familienmitglieder wie die Weizsäcker oder die Jauch über den erfolgreichen Moderator, Fernsehproduzenten und Mäzen Günther Jauch eine wahrnehmbar über dem Durchschnitt liegende Stellung in der heutigen Gesellschaft. Soweit einzelne Familien oder Familienzweige noch vor Abschaffung des Adels - wie z.B. die v. Siemens 1888 oder die Freiherrn v. Weizsäcker 1916 - nobilitiert wurden, ändert dies nichts an ihrer für die vorliegenden Zwecke zutreffenden soziologischen Einordnung als Bürger.

Bildungsbürger


- Delbrück
- Krummacher
- Mann (Schriftstellerfamilie)
- Overbeck
- Weizsäcker

Großbürger


- Jauch

Industrielle


- Howaldt
- Krupp
- Quandt
- Siemens
- Thyssen

Kleinbürger

Unter den in Wikipedia zu findenden Familien sind, da diese insgesamt oder ihre Mitglieder bessere Chancen haben, in Enzyklopädien zu erscheinen, eher Groß- oder Bildungsbürger. Die von diesen im Lebensstil abgehobenen Kleinbürger sind - relativ zu ihrem zahlenmäßigen Anteil am Bürgertum - unterrepräsentiert oder oft gar nicht als solche gekennzeichnet. Als typisches Beispiel sei Joschka Fischer genannt, dessen Vorfahren über sechs Generationen in Ungarn das Metzgerhandwerk ausübten.

Literatur


- Oskar Köhler, Artikel "Bürger, Bürgertum" in: Staatslexikon Band 1, Spalten 1040ff, Freiburg im Breisgau 1985 ISBN 3-451-19301-9 mit zahlreichen weiter führenden Literaturangaben
- Manfred Hettling, Bernd Ulrich (Hgg.), Bürgertum nach 1945, Hamburg (Hamburger Edition), 2005, ISBN 3-936096-50-3 ja:市民 Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Sozialgeschichte Kategorie:Migration Kategorie:Nationalismus Kategorie:Behörde

18. Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert begann am 1. Januar 1701 und endete am 31. Dezember 1800. Es zählt zur Epoche der Neuzeit, gilt im Rahmen der europäischen Geschichte als eine Krönung der Aufklärung - man spricht auch von der Zeit der Spätaufklärung. Nachdem bereits seit der Renaissance und vermehrt im 17. Jahrhundert Forscher und Denker wie Galilei, Newton und Descartes Grundlagen geschaffen hatten, entwickelte sich die neuzeitliche Wissenschaft weiter, gab der Landwirtschaft und Warenproduktion (Manufaktur/ früher Industrialismus) neue Impulse, Ursprünge moderner Wirtschaftswissenschaft wurden erarbeitet - durch Adam Smith z. B. In Begleitung von Voltaire und Jean-Jacques Rousseau kam es auch zum Aufblühen einer Philosophie der Aufklärung. Neue Projekte wie die Enzyklopädie (Denis Diderot u. a.) bargen neben rein sachlichen Wissenssammlungen auch brisante Inhalte, beeinflussten die späteren politischen Revolutionen des Jahrhunderts. In Deutschland kam ein neues Durchsetzungskraft des Mittelstandes z. B. in den Werken Gotthold Ephraim Lessings zum Ausdruck. Mit der Aufklärung erweiterten auch die Vertreterinnen der Frauenemanzipation ihr Wirkungsfeld (Mary Wollstonecraft u. a.).

Ereignisse/Entwicklungen


- Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika
- Französische Revolution 1789
- Gründung der Zulu-Nation
- Die Aufklärung
- In London entwickelt sich anfangs Jahrhundert eine florierende Wertpapierbörse
- Wissenschaftliche Entdeckungen und Frühphase der Industriellen Revolution.
- Die Kleine Eiszeit (1500-1850) erreicht um 1750 ihren Höhepunkt.
- Die Parlamente von Schottland und England bilden das Verei