:: wikimiki.org ::
| Geschichte Von Wales |
Geschichte von Wales Vorgeschichte
Die frühesten archäologischen Funde aus Wales stammen aus der Altsteinzeit. Der berühmteste wird wohl die "red Lady" aus den Höhlen von Paviland sein. Von dem Entdecker, William Buckland 1823 für eine Frau gehalten, identifiziert man das Skelett heute als einen jungen Mann, der mit der 14C-Methode auf 26.350+-550 (OxA 1815) datiert wird. Der Fund wird von den Knochen kälteliebender Tiere wie Höhlenbär (Ursus arctos), Rentier (Rangifer tarandus) und wolliges Rhinocerus (Coleodonta antiquitatis) begleitet und stammt aus der letzten Eiszeit, der archäologischen Epoche des Aurignacien II. Während des letzten Pleniglazials (Höhepunkt einer Eiszeit), war Wales vermutlich unbesiedelt, man nimmt eine Wiederbesiedlung vom Kontinent aus um 12.000-13.000 BP an. Hoyle's Mouth Cave in Pembrokeshire ist ein Beispiel für die Epi-Paläolitische Besiedlung, bereits mit zahlreichen Rückenmessern.
Funde aus dem Mesolithikum sind zahlreich, besonders an der Küste (z. B. Prestatyn, Nordwales). Ein neueres Forschungsprojekt stellen zum Beispiel die Ausgrabungen von Caldey Island, Pembrokeshire, South Wales dar, wo versucht wird, Verschiebungen in der Ernährung durch die Isotopenanalyse festzustellen. Die letzten mesolithischen Funde menschlicher Überreste stammen jedoch von ca. 5000 v. Chr., die frühesten neolithischen erst von ca. 3150 v. Chr.
Das Neolithikum beginnt in Wales im 4. Jahrtausend v. Chr. Überreste aus dem Frühneolithikum sind spärlich, vor kurzem hat man aber in Gwernvale (Nordwales) unter einem Steingrab die Reste eines Holzhauses entdeckt. Dies zeigt, dass bereits für das frühe Neolithikum mit festen Siedlungen zu rechnen ist, wie sie auch für Irland belegt sind, im englischen Tiefland jedoch zunehmend angezweifelt werden (Julian Thomas).
Besonders eindrucksvolle Hinterlassenschaften der Jungsteinzeit sind die zahlreichen Großsteingräber, besonders auf Anglesey. Die Bronzezeit dauert in Wales ca. 2.500-750 v. Chr., wobei hier die Glockenbecherkultur (2500-1.400 v. Chr.) bereits zur Bronzezeit gerechnet ist, während man sie im kontinentalen Chronologiesystem noch dem Endneolithikum zurechnet.
Kelten und Römer
Ob die Kelten tatsächlich zu Beginn der Eisenzeit (750 v. Chr. - 48 n. Chr.) in mehreren Wellen aus Kontinentaleuropa einwanderten, wie es bis Ende der 1960er anerkannte Lehrmeinung war, wird heute stark bezweifelt.
Münzfunde belegen in Wales während der Eisenzeit mehrere Kleinkönigreiche. Die Deceangli saßen im Nordosten, die Ordovizier im Nordwesten, die Demeter im Südwesten und Silurer im Südosten und die Cornovii im Grenzgebiet zu England. Während der Eisenzeit war Wales fast völlig akeramisch, es gibt aber reiche Funde von Metallgegenständen.
Bis zur und während der römischen Besatzungszeit Britanniens war Wales kein eigenständiges Land, denn alle Einwohner der britischen Inseln sprachen die keltische Sprache und hatten im wesentlichen dieselbe ethnische Abstammung. Die Römer besetzten ganz Wales, wo sie Straßen und Kastelle bauten, Gold abbauten und Handel trieben. Ihr Interesse in Wales jedoch war wegen der schwierigen geographischen Lage und des knappen Ackerlands begrenzt. Die Römer errichteten nur eine Stadt in Wales: Caerwent (Venta Silurum). Die Silurer waren der einflussreichste Stamm im Südosten von Wales. Ihr militärischer Führer Caratacus (Caradoc) schloss sich ihnen von einem besiegten Stamm an. Unter seiner Führung konnten die Silurer den Römern für eine Zeit trotzen, Caratacus wurde jedoch gefangen genommen und nach Rom verschleppt, wo seine würdevolle Haltung so großen Eindruck beim Volk hinterließ, dass sein Leben verschont wurde.
Frühes Mittelalter
In Folge der Völkerwanderung germanischer Stämme nach Westen wurde die Aufrechterhaltung einer römischen Besatzung in Britannien immer schwieriger. Neben einer allgemeinen Schwächung der römischen Macht in Europa bedingte auch die Ankunft der Angeln und Sachsen in Britannien den Rückzug der römischen Legionen im Jahre 410.
Römisch beeinflusste Kleinreiche rangen mit den Angeln und Sachsen um die Vorherrschaft im östlichen Britannien, während Wales sich selbst überlassen blieb. In Folge dessen wurde Wales von seinen keltischen Nachbarn in Schottland und Cornwall abgeschnitten.
Wales blieb christlich und das „Zeitalter der Heiligen“ (etwa 500-700) wurde durch die Errichtung von Klöstern durch Führer wie Illtud und Teilo quer durch das Land begleitet. Wales wurde in eine Vielzahl kleiner Gebiete aufgeteilt und es gab kaum einzelne Herrscher, die das ganze Land in dieser Zeit regieren konnten, der erste war Rhodri Mawr während des 9. Jahrhunderts. Rhodris Enkel Hywel Dda konnte erfolgreich ein Rechtssystem errichten, welches dem Land Frieden gab, jedoch wurde das Land nach seinem Tod erneut geteilt.
Ein großes Problem, nationale Einheit zu erreichen, war das auf keltischen Bräuchen basierende Erbschaftsrecht, welches in Wales angewandt wurde. Alle Söhne erhielten den gleichen Teil der Besitztümer ihres Vaters (auch alle illegitimen Söhne). So liberal wie das System war, die Folge war oft mörderische Gewalt und die erneute Teilung der kleinen Ländereien in immer kleinere.
Englische Eroberung
Während der normannischen Eroberung Englands 1066 wurde Wales wieder aufgeteilt. Die Prinzen von Gwynedd im Norden wurden stetig mächtiger. Owain Gwynedd († 1170) besaß ein mächtiges Fürstentum, jedoch zankten sich seine Söhne um ihr Erbteil und brachten sich gegenseitig um. Aus den folgenden Machtkämpfen erwuchs letztendlich der größte Führer der Waliser, Llywelyn ap Iowerth, auch als Llywelyn Fawr oder Llywelyn der Große bekannt. Nach seinem Tod jedoch brach erneut innerer Unfrieden aus, der darin gipfelte, dass die Macht seines Enkels Llywelyn ap Gruffydd, auch Llywelyn der Letzte, wuchs. Als ein Ergebnis seiner Verwegenheit erregte er die Feindschaft von König Eduard I. von England, der sich die endgültige Eroberung von Wales zum Ziel gesetzt hatte. Nach Llywelyns Tod im Kampf (1282) gab es nur kleine Anzeichen von Widerstand durch die überlebenden Prinzen. Ein von Eduard errichteter, beeindruckender Ring aus Festungen half bei der Beherrschung von Wales, und Eduard krönte seinen Erfolg mit der Ernennung seines Sohnes und Erben zum Prinzen von Wales im Jahr 1301.
Wales wurde so in gewisser Weise ein Teil von England, auch wenn die Bevölkerung ethnisch unterschiedlich war und eine ganz andere Sprache besaß. Die englischen Könige bewahrten ihre Verantwortlichkeit dadurch, dass sie einen Walisischen Rat beriefen, dem manchmal der königliche Erbe vorstand. Der Rat tagte normalerweise in Ludlow, knapp hinter der englischen Grenze. 1400 rebellierte der walisische Adlige Owen Glendower (Owain Glyndwr) gegen König Heinrich IV. von England, fügte ihm einige militärische Niederlagen bei und konnte der Gefangennahme entgehen, hatte jedoch nicht die Stärke, als Führer zu überleben.
Später errang ein Waliser, Heinrich Tudor, den Thron als König Heinrich VII. von England. Unter seinem Sohn Heinrich VIII. wurde der Act of Union von 1536 verabschiedet, der die Beziehungen zwischen den beiden Staaten, England und Wales, formalisierte.
Industrialisierung und Neuzeit
In späteren Jahrhunderten wurden Teile von Wales stark industrialisiert. Wales hatte umfangreiche Rohstoffvorkommen, die Mine von Penrhyn war Ende des 19. Jahrhunderts das größte von Menschenhand erzeugte Loch im Erdboden. Wales wurde eine Hochburg der Gewerkschaften, des Syndikalismus und Sozialismus. Von 1901 bis 1903 wurde die Mine von Penrhyn bestreikt, wobei gelegentliche Auseinandersetzungen nicht ausblieben. Wiederholt wurde in dieser Zeit auch Militär eingesetzt, um Streiks niederzuschlagen. Bei einem Eisenbahnstreik 1911 wurden zwei Arbeiter vom Militär erschossen. Das erste Mitglied der Labourpartei im Parlament, Keir Hardie wurde für den walisischen Wahlkreis von Merthyr im Jahr 1900 gewählt. Religiöser Nonkonformismus prägte die walisische Gesellschaft in dieser Zeit.
Nationalismus wurde ein größere Erscheinung im 20. Jahrhundert mit der politischen Partei Plaid Cymru, die 1966 ihren ersten Parlamentssitz erringen konnte. Größtenteils als Ergebnis dessen wurde Dezentralisierung zu einem Hauptanliegen der Labourpartei, und 1998 wurde schließlich die Nationalversammlung von Wales gebildet, die die Vollmacht über die öffentlichen Ausgaben innerhalb von Wales erhielt.
Weblinks
- http://scarab.newport.ac-uk/pavi/paviland.html (für die Altsteinzeit)
- http://www.bbc.co.uk/history/timelines/wales/neolithic.shtml (Jungsteinzeit)
Literatur
- Frances Lynch, Stephen Aldhouse-Green, Jeffrey L. Davies, Stephen Aldhouse- Green, Prehistoric Wales London, Sutton 2000), ISBN 075092165X
- Rodney Castleden, Neolithic Britain: New Stone Age Sites of England, Scotland, and Wales (London, Routledge 1992), ISBN 0415058457
Kategorie:Wales
Altsteinzeit
Die Altsteinzeit, das Paläolithikum ist die älteste und längste Periode der Vorgeschichte. Sie entspricht dem Zeitraum, der im allgemeinen Sprachgebrauch mit Stein-Zeit assoziiert wird, in dem die Vor-Menschen und frühen Menschen als Jäger und Sammler lebten, Metalle noch nicht in Gebrauch waren und Werkzeuge aus Steinen, Holz und (in den späten Phasen) Knochen von Beutetieren hergestellt wurden.
Die Altsteinzeit beginnt mit den ersten intentionell hergestellten Steinwerkzeugen des Homo habilis und Homo ergaster vor über 2,4 Millionen Jahren. Sie endet etwa 8.000 v.Chr. mit dem Ende der letzten Eiszeit; im Anschluss geht man in der Levante ("Fruchtbarer Halbmond") zum Anbau von Kulturpflanzen und Tierhaltung über, die dort den Übergang in die Jungsteinzeit markieren, in Europa folgt diese Entwicklung wesentlich später, so dass hier auf die Altsteinzeit zunächst die Mittelsteinzeit (Mesolithikum) folgt.
Unterteilung
Die Altsteinzeit wird gewöhnlich in drei Perioden unterteilt, das Altpaläolithikum, das Mittelpaläolithikum und das Jungpaläolithikum. Innerhalb dieser Perioden unterscheidet man weiterhin bestimmte archäologische Kulturen, die primär durch die für die jeweiligen Zeitstufen charakteristischen Werkzeuge abgegrenzt werden und gleichzeitig kulturelle Entwicklungsstufen der Menschheit darstellen. Diese Kulturen sind in geowissenschaftlicher Tradition meist nach den ersten Fundorten des jeweiligen Zeitabschnitts benannt, z. B. Oldowan (s. u.). Die chronologische Ordnung und Abfolge der im folgenden dargestellten Abfolge dieser Kulturen lässt sich nicht
weltweit übertragen. Sie trifft aber auf Mitteleuropa zu, wo die längste Forschungstradition herrscht:
- Altpaläolithikum oder Early Stone Age
- Oldowan, charakterisiert durch Gerölle mit Schneide, ab ca. 2,5 Millionen Jahren
- Acheuléen, charakterisiert durch feiner gearbeitete Faustkeile, zunächst in Afrika, vor ca. 1,5 Mio Jahren, ab etwa 1 Million Jahre auch in Europa. Mit der Herstellung der ersten Steingeräte werden meist frühe Menschenformen wie Homo ergaster, Homo erectus und Homo heidelbergensis in Verbindung gebracht. Aus dieser Zeit stammen die ältestpopofick und soen erhaltenen Holzwaffen (Wurfspeere und Wurfhölzer), z. B. Schöningen.
- Mittelpaläolithikum oder Middle Stone Age Zeit des Neandertalers. Levalloistechnik.
- Moustérien, ca. 200.000 v. Chr. bis 40.000 v. Chr., das durch sehr fein gearbeitete Werkstücke in zahlreichen, auf die Funktion hin gestalteten Formen charakterisiert ist. Typisch sind fein ausgebildete Faustkeile. Um 40.000 erste Funde des anatomisch modernen Menschen Homo sapiens sapiens neben dem Neandertaler (Homo sapiens neanderthalensis).
- Micoquien, ca. 130.000 v. Chr. bis 70.000 v. Chr., Technik mit asymmetrischen Faustkeilen
- Jungpaläolithikum (Europa), mit Klingenindustrien:
- Aurignacien bis ca. 28.000 v. Chr.
- Châtelperronien bis ca. 34.000 v. Chr. (regional eingeschränkt, Frankreich und Nordspanien)
- Gravettien von ca. 28.000 v. Chr. bis ca. 21.000 v.Chr. Erstes Auftreten von Venus-Figuren, u.a. Venus von Willendorf.
- Solutréen von ca. 22.000 v. Chr. bis ca. 18.000 v. Chr.
- Magdalénien von ca. 18.000 v. Chr. bis ca. 12.000 v. Chr. Erste Höhlenmalereien; jungpaläolithische Kleinkunst; Knochenpfeife in Gudenushöhle.
Siehe auch: Portal:Vor- und Frühgeschichte - Urgeschichte - Mensch - Löwenmensch - Venus von Willendorf
Weblinks
- [http://www.landschaftsmuseum.de/seiten/lexikon/altsteinzeit.htm Überblick über die Altsteinzeit (Landschaftsmuseum Obermain Kulmbach)]
- [http://www.kulturverein-nittendorf.de/altsteinzeit/altsteinzeit.htm Altsteinzeit in Nittendorf]
Kategorie:Zeitalter
Kategorie:Steinzeit
ko:구석기 시대
Eiszeit
Als Eiszeit bezeichnet man eine Periode der Erdgeschichte, die durch Vereisung beider Pole gekennzeichnet ist. Gemäß dieser Definition leben wir seit etwa 2,7 Millionen Jahren in einer Eiszeit. Seit dieser Zeit, vor allem aber seit etwa 1 Million Jahren, ist das Klima der Erde kurzfristigeren Schwankungen unterworfen, den Kaltzeiten (Glaziale) und Warmzeiten (Interglaziale).
Oft wird der Begriff Eiszeit auch synonym zu Kaltzeit bzw. Glazial verwendet. Er wurde in diesem Sinn 1837 von Karl Friedrich Schimper eingeführt.
Struktur der Eiszeiten
Eiszeiten sind auf der Erde relativ selten. Die Erde ist generell, betrachtet man ihre gesamte Geschichte, ein völlig eis- und frostfreier Planet, auf dem es jedoch periodisch relativ kurze Kältephasen von ca. 15–20 Millionen Jahren Dauer gibt, in denen eine Eisbedeckung an Polen und in Gebirgen auftritt. Dies sind die Eiszeiten.
Unsere jetzige Eiszeit hat vor etwa 2,7 Millionen Jahren begonnen. Wir sind also vermutlich erst am Anfang einer längeren Eiszeitphase. Innerhalb der Eiszeiten gibt es allerdings relativ warme und extrem kalte Zwischenphasen. Die Kältephasen einer Eiszeit (Kaltzeiten bzw. Glaziale) sind gekennzeichnet durch massive Gletschervorstöße von ca. 20 000 Jahren Dauer. Sie sind in der Regel länger als die Wärmephasen (Warmzeiten bzw. Interglaziale), die nur rund 6 000 Jahren dauern. Warmzeiten beginnen häufig recht abrupt, während die Abkühlung eher schleichend erfolgt. Dabei verläuft die Klimaveränderung selten gleichmäßig, sondern oft stoßweise und dazwischen mit kleineren gegenläufigen Entwicklungen.
Ein gesamter Zyklus dauert häufig um die 41 000 Jahre und wird mit der etwa gleich langen Periode, mit der die Schiefe der Ekliptik (Stellung der Erdachse) schwankt, in Verbindung gebracht. Daneben gibt es aber auch Phasen, in denen die vorherrschende Dauer eines Zyklus etwa 100 000 Jahre beträgt, wie es auch bei den vergangenen acht Zyklen der Fall war.
Unsere heutige Klimaperiode, die seit etwa 11 000 Jahren andauert, ist eine Warmzeit innerhalb einer globalen Eiszeit. In der Wärmephase einer globalen Eiszeit bleibt das Klima im erdgeschichtlichen Vergleich relativ kalt, die Eisbedeckung von Polen und höheren Gebirgen wird durch Dauerfrost erhalten. Gletschervorstöße in mittlere Breiten werden aber zurückgebildet, und es kommt dort zu wesentlich gemäßigterem Klima, insbesondere mit milderen Wintern.
Kaltzeiten der gegenwärtigen Eiszeit
Während der Kaltzeiten breiten sich im Lauf der Zeit die Eismassen von Arktis, Antarktis und den Gebirgen stark aus und bedecken schließlich große Teile Europas, Asiens, Japans und Nordamerikas. Zu den Spuren der Eiszeiten gehören zum Beispiel Trogtäler (bei einigen Gletschern im Gebirge), Moränen, Gletscherschliff, Findlinge und Toteislöcher.
Dass die heutigen Gletscher der Alpen oder Skandinaviens Reste dieser letzten Vereisung sind, wird vielfach angenommen, ist aber falsch. Vielmehr waren Europa und Skandinavien auf dem Wärmehöhepunkt der jetzigen Warmphase vor ungefähr 7 000 Jahren völlig eisfrei. Die jetzigen europäischen Gletscher sind also ziemlich jung und höchstens 6 000 Jahre alt, also keine eiszeitlichen Reste; ihr Umfang schwankte in den letzten Jahrtausenden zudem stark.
Durch die Bildung kontinentaler Eismassen wurde den Meeren massiv Wasser entzogen, wodurch viele Landbrücken entstanden und Meere wie die Nordsee und das Mittelmeer trocken fielen.
Das letzte glaziale Maximum (LGM) war vor etwa 21 000 Jahren; damals gab es bis zu 3 km mächtige Eisschilde, zum Beispiel im heutigen Ostseeraum und beim kanadischen Schild, der Meeresspiegel lag 130 m unter dem heutigen Niveau und die globale Durchschnittstemperatur war 5 bis 6 K niedriger. Aufgrund der Gaseinschlüsse in polarem Eis weiß man, dass die atmosphärische Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid (CO2) nur 70 % und Methan (CH4) nur 50 % des vorindustriellen Wertes betrug (CO2 im LGM: 200 ppmv, vorindustriell: 288 ppmv, heute: 370 ppmv; CH4 im LGM: 350 ppbv, vorindustriell: 750 ppbv, heute: 1750 ppbv).
Heute werden etwa 10 % der Erdoberfläche von Eis bedeckt. Am letzten Höhepunkt der Vereisung waren es 32 %, wobei die Veränderung in der Antarktis im Vergleich zur Arktis nicht so dramatisch ist. Man nimmt an, dass dies vor allem darauf zurückzuführen ist, dass der Eisaufbau auf dem Land und flachen Schelfen der Nordhemisphäre effektiver ist als in zirkumantarktischen Ozeangebieten.
Die letzten Kaltzeiten
In Mitteleuropa werden die Kaltzeiten nach Flüssen benannt, die im Allgemeinen die weiteste Ausdehnung der Eisschilde angeben. In Süddeutschland ging die Vereisung von den Alpengletschern aus, in Norddeutschland kam das Eis aus dem baltischen Raum. Deswegen werden im Alpenraum und Norddeutschland unterschiedliche Flüsse zur Namensgebung synchroner Vereisungen verwendet. Dabei ist der Begriff Eiszeit anstelle des heute bevorzugten Kaltzeit nach wie vor gebräuchlich.
Alle Kaltzeiten hatten erhebliche Auswirkungen auf die Fauna und Flora ihrer Zeit. Charakteristisch waren etwa Tiere wie Mammuts, Mastodonten, Säbelzahnkatzen, Höhlenlöwen, Höhlenbären und weiteren Formen. Auch lebten der Homo heidelbergensis, der Neandertaler und der Homo sapiens in Europa während der Kaltzeiten.
Frühere Eiszeiten
Auch die ältere Erdgeschichte ist durch das Auftreten bedeutender Vereisungsphasen geprägt. Nach der so genannten »Schneeball Erde«-Theorie war die Erde in ihrer Frühzeit vor etwa 700 bis 600 Millionen Jahren mehrmals fast komplett von Eis bedeckt, was die Entstehung des Lebens weit hinauszögerte. Klimamodelle der frühen Erde unterstützen diese Theorie mittlerweile zunehmend. Die Vermutung einer Eiszeit als Ursache für das Artensterben zu Beginn des Mesozoikums wurde dagegen mittlerweile widerlegt.
Ursachen von Kalt- und Warmzeiten
Die Suche nach den Ursachen für die zyklisch auftretenden Kalt- und Warmzeiten gehört auch heute noch zu den spannendsten Herausforderungen für die Paläoklimatologie. Sie ist eng mit den Namen James Croll und Milutin Milanković verbunden. Beide hatten Ideen des Franzosen Joseph Alphonse Adhémar weiterentwickelt, wonach Veränderungen der Erdbahngeometrie für wiederkehrende Kaltzeiten verantwortlich waren.
Erdbahngeometrie
Die Veränderung der Erdbahngeometrie wiederum wird durch wechselseitige Gravitationskräfte im System Sonne, Erde, Mond hervorgerufen; sie ändern die Form der elliptischen Erdumlaufbahn um die Sonne mit einer Periode von etwa 100 000 Jahren (Exzentrizität), die Neigung der Erdachse zur Umlaufbahn mit einer Periode von etwa 40 000 Jahren (Schiefe der Ekliptik), während die Tag-und-Nacht-Gleiche auf der elliptischen Umlaufbahn etwa nach 20 000 Jahren dieselbe Position auf der Ellipse einnimmt (Präzession). Durch diese so genannten Milanković-Zyklen verändert sich die Verteilung der Sonnenenergie auf der Erde.
Angeregt durch den deutschen Meteorologen Wladimir Peter Köppen formulierte Milanković 1941 in seiner Arbeit »Der Kanon der Erdbestrahlung und seine Anwendung auf das Eiszeitproblem« die Hypothese, dass eine Kaltzeit immer dann auftritt, wenn die Sommersonneneinstrahlung in hohen nördlichen Breiten minimal wird. Kühle Sommer sind nach Köppen für den Eisaufbau entscheidender als kalte Winter. Milanković suchte also dort nach den Ursachen für Eiszeiten, wo sie am offensichtlichsten sind, in den hohen nördlichen Breiten.
In jüngster Zeit gerät die Milanković-Theorie immer mehr in die Kritik. Die Vorstellung von einer wichtigen Rolle der Tropen und der Südhemisphäre bei Kaltzeit-Warmzeit-Wechseln gewinnt seit Ende der 1990er-Jahre zunehmend an Bedeutung. Statt eines Antriebs in hohen nördlichen Breiten allein muss nun von Veränderungen des globalen Strahlungshaushalts ausgegangen werden, unter anderem durch Änderungen der Zusammensetzung der Atmosphäre. Komplexe interne Wechselwirkungen durch ozeanische und atmosphärische Zirkulation – vor allem im Zusammenhang mit dem Golfstrom –, die Wirkung der Treibhausgase und andere Prozesse führen zu einem komplizierteren Mechanismus der Steuerung von Kaltzeit-Warmzeit-Wechseln.
Plattentektonik
Antrieb für die Änderungen in der Wechselwirkung der ozeanischen und atmosphärischen Zirkulation sind die Verschiebungen der kontinentalen Platten. Durch das Zusammen- oder Auseinanderdriften der Kontinente werden Meeresströmungen umgeleitet, die Gebirgsbildung verändert groß- und kleinräumig die Luftsrömungen.
So ermöglichte das Wegdriften der Antarktis von Australien im Oligozän die Entwicklung eines Strömungssystems rund um den Südpol, das die ganze Antarktis abkühlte und dadurch die Eisbildung an den Polkappen einleitete. Zuvor war diese Meeresströmung stark zum Äquator hin abgelenkt, so dass sie stärker aufgewärmt wurde, bevor sie wieder zum Pol zurückkam.
Die Bildung einer Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika vor 4,2 bis 2,4 Millionen Jahren sorgte für die Umlenkung warmer Meeresströmungen und die Entstehung des Golfstroms, wie wir ihn heute kennen. Die Zufuhr von warmem Wasser in den hohen Norden konnte erst die notwendige Feuchtigkeit bereitstellen, um Grönland, den Baltischen Schild und das Nordmeer zu vereisen.
Die Entstehung der Faltengebirge, wie z. B. der Alpen, der Rocky Mountains oder des Himalayas, die für die Änderung der Zirkulationsmuster in der Atmosphäre sorgte, brachte ebenfalls die notwendige Feuchtigkeit auf die Kontinente, die zur Vergletscherung weiter Teile beitrug.
Aktivitätszyklen der Sonne
In der letzten Kaltzeit gab es zwei Dutzend krasse Klima-Umschwünge, bei denen innerhalb nur eines Jahrzehnts die Lufttemperatur über dem Nordatlantik um bis zu zwölf Grad Celsius anstieg. Diese [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/437123/ Dansgaard-Oeschger-Ereignisse] traten meist alle 1470 Jahre auf.
Diese Periodizität kann laut mit einer Überlagerung der drei bekannten Aktivitätszyklen der Sonne von elf, 87 und 210 Jahren [http://www.uni-heidelberg.de/presse/news05/2511eisz.html erklärt werden]: Nach 1470 Jahren ist der 210er-Zyklus sieben mal und der 86.5er-Zyklus 17 mal abgelaufen.
In der heutigen Warmzeit traten diese Dansgaard-Oeschger-Ereignisse nicht mehr auf, da die schwachen Sonnenschwankungen die stabilen Atlantikströmungen der letzten 10.000 Jahre nicht mehr stören konnten.
Siehe auch
- Klimageschichte
- Kleine Eiszeit
- Periglazial
- Glaziologie
- Glaziale Serie
- Globales Förderband
- Globale Erwärmung
- Ice Age
Kategorie:Glaziologie
Kategorie:Historische Geologie
Kategorie:Klimatologie
Kategorie:Zeitbegriff
ja:氷河期
ms:Zaman air batu
AurignacienDas Aurignacien war eine jungpaläolithische Industrie und vorgeschichtliche Kulturstufe des frühen Homo sapiens sapiens. Benannt wurde sie nach dem ersten Hauptfundort, der Höhle Aurignac im frz. Departement Haute-Garonne in den Pyrenäen.
Im Aurignacien sind in Mitteleuropa erstmals anatomisch moderne Menschen aufgetaucht, die auch Kontakt mit dem Neandertaler gehabt haben dürften.
Mit dieser Kultur begann in Europa das Jungpaläolithikum (jüngere Altsteinzeit). Die vorhergehende Stufe wird Moustérien genannt. Das Aurignacien beginnt vor ca. 35.000 Jahren und dauerte etwa 10.000 bis 15.000 Jahre. Nachfolgende Stufen waren das Gravettien, das Solutréen und das Magdalénien.
Typische Werkzeuge sind lange, schmale Klingen (bis ca. 26 cm), die mit Meißel-Hammer-Technik gefertigt sind. Wenn sie einen stumpfem Rücken aufweisen, werden sie als Messer bezeichnet. In diesem Zeitabschnitt der Menschheitsgeschichte finden sich bereits häufig Geräte aus Knochen, Hornsubstanz (Geweihspitzen) und Elfenbein.
Im Aurignacien entstanden die ältesten bisher bekannten Kunstwerke: Elfenbeinschnitzereien (Fundstellen: Vogelherdhöhle bei Heidenheim, Geißenklösterle bei Blaubeuren, Hohlenstein-Stadel bei Asselfingen, alle drei: Schwäbische Alb) sowie Musikinstrumente (z. B. Fundstelle: Geißenklösterle). Aus jener Zeit stammen auch frühe Felsmalereien in Frankreich und die Gräber von Cro-Magnon in Les Eyzies. Das Aurignacien ist im gesamten Mitteleuropa sowie in West- und Südeuropa verbreitet.
Literatur
- Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit, München 1991
Weblinks
- http://www.kulturendersteinzeit.de.vu Kulturen der Steinzeit
Kategorie:Archäologische Kultur
Kategorie:Steinzeit
Neolithikum
Die Jungsteinzeit oder das Neolithikum (vom griech. νεο „neu, jung“ und λιθος „Stein“) ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte. Ihr Beginn wird heute allgemein mit dem Übergang einiger Jäger- und Sammlerkulturen zu Hirten oder Ackerbauern festgesetzt, ihr Ende mit der lokalen Verwendung von Kupfer oder Zinnbronze durch die neolithischen Kulturen. Voraus ging die Mittelsteinzeit bzw. Altsteinzeit, es folgt die Bronzezeit.
Die Umstellung der Nahrungsbeschaffung vom Sammeln, Jagen und Fischen auf Viehhaltung und Pflanzenanbau markiert einen der fundamentalen Umbrüche in der Geschichte der Menschheit; ein Prozess, der von manchen Forschern „Neolithische Revolution“ genannt wird. Durch die Produktion von Nahrung schuf der Mensch die Voraussetzung für ein stetiges Bevölkerungswachstum. Statt umherzuziehen, schlossen sich die Menschen zu Dorfgemeinschaften zusammen. Statt kurzlebiger Behausungen konnte dazu übergegangen werden, solide Bauwerke aus Stein bis hin zu Monumentalbauten wie dem Tempel auf dem Göbekli Tepe zu errichten. Letztenendes ermöglichte der Ackerbau Anfänge einer arbeitsteiligen Gesellschaft, in der Spezialisten in der Lage waren, u. a. die Metallurgie zu entwickeln.
Definition
Der britische Anthropologe Sir John Lubbock definierte 1865 den Übergang in die Jungsteinzeit mit dem Auftreten von geschliffenen Steinartefakten (Axt, Beil). Später wurde das Auftreten von Keramik benannt. Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts erkannte man aber regional auch das keramiklose Neolithikum. Heutzutage wird der Beginn der Jungsteinzeit, Vere Gordon Childe folgend, mit dem Beginn von Viehhaltung und Ackerbau gleichgesetzt (dem Übergang von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaftsweise), auch wenn die Domestikationen nicht gleichzeitig erfolgten.
Wandel der Wirtschaftsweise
Vor der eigentlichen Revolution, dem Übergang zur produzierenden Wirtschaftsweise, war eine Reihe von Entwicklungen nötig, die als proto-neolithisch bezeichnet werden. So entstanden einige dauerhafte Siedlungen bereits vor Entwicklung der Landwirtschaft, etwa in Palästina und Japan. Die unmittelbare Umgebung dieser Siedlungen bot den Bewohnern aber zeitweise nur ungenügende Ressourcen (ob nun Fisch, Fleisch oder Pflanzen). Der Kultivierung und dem gezielten Anbau von Getreide ging eine jahrtausendelange Nutzung entsprechender Wildvorkommen voraus; in der Levante ist diese bis 21.000 v. Chr. nachweisbar. Ebenso ging der Züchtung von Nutztieren das Halten von deren wilden Vorfahren voraus; in der Levante die Herdenhaltung von Gazellen, später (nach deren Verschwinden) von Wildziegen und -schafen.
Entstehung der Landwirtschaft
Der Übergang zu einer bäuerlichen Lebensweise, also Wandlung vom Jagen und Sammeln wilder Tiere und Pflanzen hin zur Kultivierung dafür geeigneter Arten, vollzog sich in der Menschheitsgeschichte an mindestens drei, wahrscheinlich aber sogar fünf oder mehr Orten unabhängig voneinander.
- definitiv (und am frühesten): im Nahen Osten, in Südchina und in Mittelamerika
- wahrscheinlich: in Südamerika und in Westafrika
- möglicherweise: in Äthiopien, im Osten der heutigen USA und auf Neuguinea
Die Entstehung der Landwirtschaft fällt für die drei erstgenannten Gebiete in den gleichen Zeitraum, etwa 8000 bis 11000 v. Chr., was nicht zufällig mit dem Ende der letzten Eiszeit (Übergang Pleistozän/Holozän, etwa 11000 bis 8300 v. Chr.) übereinstimmt. Während der Eiszeit war das Klima für eine Jahrhunderte in Anspruch nehmende Entwicklung von Landwirtschaft zu großen Schwankungen unterworfen. Erst vor 11000 Jahren stabilisierte sich in dem Areal des Wildgetreides das Klima so weit, dass der Anbau in Flusstälern möglich wurde.
Dennoch war die Entstehung der Landwirtschaft zumindest in der Levante weniger eine „freiwillige“ Entwicklung als vielmehr eine aus der Veränderung der Umwelt resultierende Notwendigkeit zum Überleben. Die Großtierfauna (insbesondere die Gazelle) hatte diese Region schon sehr früh verlassen, weshalb in der Region zwischen Euphrat und Mittelmeer vermehrt wildes Getreide auf Reibsteinen (Handmühlen) verarbeitet wurde. Die bislang ältesten Spuren von möglicherweise domestiziertem Getreide (in diesem Fall Roggen) fand man in Abu Hureira am syrischen Euphrat; sie werden auf ein Alter von 13.000 Jahren geschätzt. In dieser Zeit, dem jüngeren Dryas-Stadial, ließ eine langanhaltende Dürre einen Großteil der wilden Getreidearten verschwinden, weshalb die Menschen gezielt die dürreresistentesten züchteten.
In den trockeneren Gebieten südlich davon (Judäa, Sinai) ging man nach dem Verschwinden der Gazellen dazu über, Wildziegen und -Schafe in Herden zu halten. Die Domestikation dieser Tiere lässt sich in Beidha bereits 11.000 v. Chr. ableiten und ab 8300 v. Chr. belegen, da zu diesem Zeitpunkt Caproviden und Boviden nach Zypern gelangten. Sie muss aber weitaus früher erfolgt sein. Anfangs wurden Schafe und Ziegen ausschließlich als Fleisch- und Felllieferanten gehalten; erst um 3500 v. Chr. lässt sich die Nutzung von Sekundärprodukten, in erster Linie Milch und Wolle archäologisch belegen. Genetisch (Untersuchung Peltonen) weist der Beginn des Abbaus der Laktoseintoleranz, die bei allen Menschen zunächst bei 100 % lag, auf einen viel früheren Genuss von Tiermilch. Der Einsatz von Rindern als Zugtier vor dem Pflug ermöglichte den Übergang vom jungsteinzeitlichen Hackbau zu einer höheren Ackerbaukultur. Siehe dazu auch Geschichte des Transportwesens im Altertum.
In China, im Seengebiet am Mittellauf des Jangtse, wurde in etwa zur gleichen Zeit wie in der Levante dazu übergegangen, den ursprünglich ausschließlich gesammelten wilden Reis nach und nach zu kultivieren. Weiter flussabwärts des Jangtse wird in einem Gebiet mit damals feuchtwarmem subtropischem Klima von der chinesischen Forschung das Zentrum der Nassreis-Kultivierung gesehen. Im deutlich kühleren und trockeneren Norden Chinas, nördlich und südlich des Huáng Hé, wurde einige Jahrtausende später (wahrscheinlich zwischen 5500 und 5300 v. Chr.) erstmals Hirse, vermutlich Kolbenhirse domestiziert.
Zur Fleischgewinnung wurden in China Schweine, Hunde und Bankivahühner domestiziert. Wo der Wasserbüffel ursprünglich domestiziert wurde ist unklar. Vermutlich fand dies aber ebenfalls in Süd-China um 4000 v. Chr. statt. Ebenso wie der Auerochse im Nahen Osten sollte er besonders als Zugtier von Bedeutung sein.
4000 v. Chr.
Der Beginn der Landwirtschaft in Mittelamerika hatte (anders als in der Levante und in China) praktische Gründe. So züchteten die Bewohner des Oaxacatals im Süden Mexikos bereits um 8000 v. Chr. Gartenkürbisse, um darin Wasser von den Flussläufen zu ihren bewohnten Höhlen in den Bergen zu transportieren. Ihre Nahrung dagegen beschafften sie sich weiterhin als Jäger und Sammler. Erst um 5100 v. Chr. begann im nahegelegenen Grijalvadelta die Kultivierung einer als Nahrungsmittel bestimmten Nutzpflanze: die Teosinte, die wilde Form des Mais. Knapp tausend Jahre später, 4200 v. Chr., wurde die kultivierte Teosinte auch im Oaxacatal angebaut. Im Laufe der Zeit kamen Paprika, Sonnenblumen und Gartenbohnen zu den Anbaupflanzen hinzu.
Da es in der amerikanische Fauna an entsprechenden Wildtieren fehlte, die eine biologische Disposition zur Domestikation hatten, wurden außer dem Lama, dem Hund und dem Truthahn keinerlei Tiere als Fleischlieferanten oder Arbeitstiere domestiziert.
Verbreitung der Landwirtschaft
Abgesehen von den wenigen Gebieten, die ebenfalls als deren Geburtsstätten in Frage kommen, wurde die Landwirtschaft nirgend sonst auf der Welt eigenständig entwickelt, sondern aus einer der Ursprungsregionen übernommen. In erster Linie liegt das am Fehlen geeigneter wilder Pflanzen- und Tierarten in den anderen Regionen. So kamen die Wildformen von heute weltweit verbreiteten Nutzpflanzen wie Weizen und Gerste ursprünglich nur in Anatolien und Syrien vor, weshalb sie nur dort domestiziert und erst anschließend verbreitet wurden.
Die Ackerbauern der Levante hatten sich um 8000 v. Chr. etwa im Gebiet des südlichen Anatoliens (inklusive Zyperns) bis zur persischen Golfküste ausgebreitet. Es begann eine konzentrische Expansion der Landwirtschaft, und zwar in erster Linie durch eine Migration der Bauern mit den von ihnen domestizierten Pflanzen und Tieren aus der Levante sowie dem Wissen um deren Pflege, Aufzucht und Vermehrung im Gepäck. So bewiesen Vergleiche der mitochondrialen DNA, dass die ersten indischen Bauern näher mit den Bauern der Levante verwandt waren als mit den Jägern und Sammlern in ihrer Nachbarschaft. Ähnliches gilt für Europa, welches die Ackerbauern vor etwa 9.000 Jahren über die noch existierende Landbrücke am Bosporus kultivierten. Von Südosteuropa verbreiteten sie sich zunächst entlang der Mittelmeerküste sowie entlang der großen Flussläufe nach Ost- und Mitteleuropa. In Ägypten ergänzten dagegen die örtlichen Jäger und Sammler ihren Speiseplan mit importierten Kulturpflanzen aus der Levante. Über den Nil flussaufwärts erreichten die gleichen Pflanzen das Hochland von Äthiopien.
Ebenso könnten die domestizierten Pflanzen und Tiere aus dem Nahen Osten die Initialzündung für die Landwirtschaft im tropischen Westafrika gegeben haben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass in dieser Region etwa um 5000 v. Chr. eigenständig Sorghum, Perlhirse und Afrikanischer Reis sowie Perlhühner kultiviert wurden. Nichtsdestotrotz scheint eine Verbindung zwischen dieser und den anderen Ackerbau-Regionen in Eurasien bestanden zu haben, da bspw. Sorghum schon ab etwa 2000 v. Chr. auch in Indien angebaut wurde. Umgekehrt fanden Rinder und Ziegen den Weg nach Westafrika, von wo aus sie schließlich durch die Wanderung der Bantu ab 3000 v. Chr. den Weg ins südliche Afrika fanden.
In Äthiopien wurden nach (möglicherweise sogar vor) dem Eintreffen der vorderasiatischen Kulturpflanzen Teff und Kaffee domestiziert. Auf Zypern machte man Katzen und in Sumer und Ägypten Esel zu Haustieren und fügte die Erdmandel und die Maulbeerfeige zu den Anbaupflanzen hinzu. Die Bewohner des Industals domestizierten Sesam, die Osteuropäer dagegen Hafer und die Westeuropäer Mohn. Auf der arabischen Halbinsel wurde das Dromedar und in der heutigen Ukraine oder in Kasachstan das Pferd domestiziert.
Mit der um ebenfalls 3000 v. Chr. einsetzenden austronesischen Expansion verbreitete sich die Landwirtschaft mit den in Südchina kultivieren Pflanzen in Südostasien und dem Pazifischen Raum. Da ein weiteres Domestikationszentrum zwischen Indien und Südchina von der Forschung als unwahrscheinlich erachtet wird, ist China demnach auch Ursprungsort des indischen Reis. In Neuguinea dagegen waren unter Umständen bereits vor dem Eintreffen der südchinesischen Kulturpflanzen die einheimischen Jäger und Sammler dazu übergegangen, Bananen und Zuckerrohr zu nutzen. Von Nordchina aus, wo Reis ab 3000 v. Chr. angebaut wurde, verbreitete sich die Landwirtschaft binnen tausend Jahren nach Korea und schließlich sehr spät nach Japan.
Der mesoamerikanische Ackerbau breitete sich nordwärts aus, wo er jedoch in den Wüstengebieten des heutigen Texas ein Hindernis fand. Womöglich fand die Domestizierung von Sonnenblumen, Gänsefuß, Maygrass und Erdbirne im Osten der heutigen USA daher unbeeinflusst statt. Der Kürbis, so bewiesen Gentests, wurde in insgesamt sechs verschiedenen Regionen domestiziert. Ebenso wurden zahlreiche andere Pflanzenarten mehrfach in unterschiedlichen Regionen kultiviert. In den peruanischen Anden und dem angrenzenden Amazonas-Tiefland wurden daher vermutlich eigenständig Maniok und Kartoffeln domestiziert und erst später durch Mais ergänzt.
Ebenso wie in Mittelamerika mangelte es in Südamerika an geeigneten großen Säugetieren zur Domestikation. Einzig das Lama wurde für den Lastentransport genutzt. Zur Fleischversorgung diente Charque, getrocknetes, in Streifen geschnittenes Lamafleisch und es wurden Meerschweinchen gehalten.
In einigen Regionen der Erde hielt die Landwirtschaft – und damit die Jungsteinzeit – nie (d. h. mindestens bis zur europäischen Kolonialzeit) Einzug. Zum einen sind dies Wüsten- und Polar-Regionen, die sich grundsätzlich nicht zur landwirtschaftlichen Nutzung eignen. Zum anderen sind es Regionen, die erstens keine zur Domestikation geeigneten Arten in ihrer Flora und Fauna boten sowie zweitens durch Wüsten oder ähnliche unwegsame Gebiete von den Entwicklungszentren der Landwirtschaft getrennt waren und daher nicht in Besitz geeigneter kultivierter Pflanzen und Tiere kamen (wie Australien). Heute sind nur noch wenige Naturvölker auf einer Entwicklungsstufe vor der Jungsteinzeit.
Archäologische Kulturen
Innerhalb der Jungsteinzeit lassen sich (deutlicher als in der Altsteinzeit) „typische“ Kulturen erkennen, die jeweils nach mehrhundertjähriger Dauer abgelöst wurden, bzw. in eine neue Phase eintraten. Die archäologischen Funde und Fundsituationen weisen innerhalb von zeitlich und regional bestimmbaren Regionen Ähnlichkeiten auf und deuten die Grenzen der einheitlichen Kulturräume an.
Mitteleuropa
Die früheste gut erforschte neolithische Kultur Mitteleuropas ist die bandkeramische Kultur (vor 7.500 Jahren. Am Ende verbreitet von Moldawien bis in das Pariser Becken, im Norden bis zum Nordrand der Mittelgebirge). Parallel zu dieser vorwiegend die Löss-Landschaften besetzenden Kultur dürften sich in Enklaven, besonders aber an der Peripherie mesolithische Jäger- und Sammler gehalten haben. Die Bandkeramik wurde im Gebiet des heutigen Deutschland im westlichen Verbreitungsgebiet von der Rössener Kultur abgelöst, im Osten von der Stichbandkeramik, der Oberlauterbacher Gruppe und der Münchshöfener Kultur.
Weitere: La-Hoguette-Gruppe Trichterbecherkultur Michelsberger Kultur
Danubischer Raum, Südosteuropa
Im mittleren Donauraum setzte das Neolithikum mit dem Starcevo-Körös-Cris Komplex ein, in Griechenland mit der Sesklo-Kultur. Das Mittelneolithikum prägten auch die Alföld-Linearkeramik bzw. die Bükk-Kultur in Nordungarn und der Slowakei. Das Endneolithikum war in Serbien und im Banat durch die Vinča-Kultur, in Ungarn durch die Theiß-Kultur (Tisza-Kultur) bestimmt. Am Übergang zum Mittelneolithikum bricht auf dem Balkan und im danubischen Raum die Kontinuität der Tell-Siedlungen ab.
China
- Cishan-Peiligang-Kultur
- Hemudu-Kultur
Mittelamerika
- Olmeken
- Zapotec
Südamerika
- Valdivia-Kultur
- Aspero-Kultur
- Chinchoros-Kultur
- Chorrera-Kultur
- El Paraiso-Kultur
Varia
Der einzige bekannte Mensch aus der Endphase der Jungsteinzeit ist der Ötzi, der vor über 5.000 Jahren lebte. Seine Leiche blieb als gefriergetrocknete Mumie erhalten. Er hatte typische Gerätschaften der Jungsteinzeit wie Pfeil und Bogen bei sich und trug bereits ein Kupferbeil.
Wichtige archäologische Stätten der Mittel- und Endphase der Jungsteinzeit (vor 6.500 bis 4.800 Jahren) und Nachfolger der Tempel auf dem Göbekli Tepe (Türkei) vor 11.000 Jahren sind die Megalithanlagen und Menhire in Carnac (Frankreich), in Skara Brae (Schottland), sowie Maltas Tempel und Newgrange und Knowth in Irland.
Technologie und Entwicklung
Die meisten Werkzeuge aus Holz, Tierknochen oder Feuerstein waren denen aus der Alt- und Mittelsteinzeit sehr ähnlich. Neu waren Beile und Äxte, die durch Sägen und Schleifen geschärft und zur Schäftung durchbohrt wurden. Ebenfalls neu war das Auftreten gebrannter Tongefäße. In den meisten Regionen traten diese meist zur Bevorratung gebrauchten Gefäße mit oder unmittelbar nach dem Entwicklung des Ackerbaus auf, in Japan dagegen aber schon weit vorher.
Feuerstein
Mit der beginnenden Sesshaftigkeit entwickelte sich auch der Hausbau weiter. Im Gebiet der Alpen baute man Hütten auf meterhohen Stützen („Pfahlbauten“) an den Ufergebieten der Seen; eine Bauweise, die den periodischen Überflutungen der Seeufer angepasst war. Um die Dörfer baute man riesengroße Zäune (Palisaden)zum Schutz vor Wölfen oder anderen Feinden.Auch im Seengebiet des Jangtse und am Jangtse-Delta wurde auf diese Weise gebaut.
In Çatal Hüyük wurden meist rechteckige Häuser, aus Lehmziegeln und einem Holzgerippe, gebaut. Für eine sesshafte Kultur war Grundbesitz und dessen Verteidigung von großer Bedeutung; Oasenstädte wie Jericho wurden von meterhohen Mauern umgeben.
Die Entwicklung der Landwirtschaft und die daraus resultierende bessere Versorgungslage führte zu einem Anstieg der Bevölkerungszahl. Gleichzeitig spezialisierten sich Teile der Gruppe auf bestimmte Tätigkeiten. Es bildete sich eine geistige und politische Führungsschicht (Priester, Stammesoberhäupter, Fürsten).
Metalle
Während der Jungsteinzeit wurde auch die Metallbearbeitung entwickelt. Sie beschränkte sich aber auf gediegene (elementar vorkommende) Metalle wie Gold, Silber und Kupfer. Die ältesten Kupferfunde stammen aus Anatolien und dem Iran und sind über 9.000 Jahre alt. Aufgrund der Metallverarbeitung wird der letzte Abschnitt der Jungsteinzeit regional begrenzt als Kupfersteinzeit bezeichnet.
Religion und Kunst
Kupfersteinzeit
Durch die Entwicklung von Pflanzenbau und Tierzucht kam der Idee der Fruchtbarkeit in der Vorstellung des Menschen eine größere Bedeutung zu. Analog zum Vorgang Säen–Reifen–Ernten wurde die Abfolge Geburt–Leben–Tod in die Glaubenswelt übernommen. Die Bedeutung der Frau als „Lebensspenderin“ stieg, ebenso die Rolle weiblicher Fruchtbarkeitsgottheiten in der Religion. Das Matriarchat wurde vorherrschende Gesellschaftsordnung. Erst mit der Entstehung erster staatlich organisierter Gesellschaften (den ersten Stadtstaaten in Mesopotamien) wird es vom Patriarchat abgelöst, eine Entwicklung, die bspw. im Etana-Mythos ihre religiös-mythische Begründung erhält.
Wie noch heute in einigen Naturreligionen wurden heilige Kräfte in der umgebenden Tier- und Pflanzenwelt vermutet. Menschen-, tier- oder mischgestaltige Fabelwesen wurden Objekt der Verehrung, ebenso die Sonne als höchstes Wesen oder Lichtgottheit. In Ägypten entstand die Idee der Sonnenbarke. Die Tradition (aus der Mittelsteinzeit) der Wandmalerei in Höhlen wurde in einigen Regionen fortgesetzt (Skandinavien, Ostspanien), während im Nahen Osten nun die Wände von Kultgebäuden verziert wurden.
Die Beisetzungen der Toten erfolgte in der Regel außerhalb der Siedlungen in Flachgräbern. In Mitteleuropa wurden bedeutende Herrscher in Hügel- oder Großsteingräbern (Megalithgräbern) beerdigt, ebenso scheint ein Toten- und Ahnenkult betrieben worden zu sein. In Ägypten begann im 4. Jahrtausend v. Chr. die Tradition unterirdischer Grabanlagen, die im Alten Reich mit den monumentalen Pyramidenbauten ihren Höhepunkt fand.
Die vielfältige und abwechslungsreiche Formung und Ornamentierung von Töpferware (Keramik) lässt Archäologen einzelne Gefäße (und damit Fundplätze) einer bestimmten Kulturgruppe zuordnen. Die Art und Weise der Keramikbearbeitung wird nun auch maßgebend für die Namensgebung (durch Archäologen) für die einzelnen Kulturen (bspw. Bandkeramiker) und löst damit die Steinwerkzeuge in dieser Hinsicht ab.
Literatur
Bücher
- John Lubbock: Die vorgeschichtliche Zeit erläutert durch die Überreste des Alterthums und die Sitten und Gebräuche der jetzigen Wilden, Costenoble, Jena 1874.
- Vere Gordon Childe: Der Mensch schafft sich selbst, Verlag der Kunst, Dresden 1959.
- Jared Diamond: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften, Fischer TB, Frankfurt/Main 1998. ISBN 3-596-14967-3
- Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit. Jäger, Fischer und Bauern zwischen Nordseeküste und Alpenraum, Bertelsmann, München 1991. ISBN 3-570-02669-8
- J. Müller: Die Impresso-Kultur und die Neolithisierung des Adriaraumes, Spiess Wissenschaftsverlag, Berlin 1994.
- Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit (in: Beitraege zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, Bd. 36), Beier und Beran, Langenweissbach 2003. ISBN 3-930036-70-3
- Jeanette Werning: Früheste Scherben, frühester Reis, früheste Hirse. Zur Neolithisierung in China, in: Jörg Eckert (Hg.): Archäologische Perspektiven. Analysen und Interpretationen im Wandel, Leidorf, Rahden/Westfalen 2003, S. 103–129. ISBN 3-89646-400-0
- Daniel Zohary und Maria Hopf: Domestication of plants in the old world. The origin and spread of cultivated plants in West Asia, Europe and the Nile Valley, Oxford University Press, Oxford 32000. ISBN 0-19-850357-1
Artikel in Fachzeitschriften
- Bruce F. Benz: Archaeological evidence of teosinte domestication from Guilá Naquitz, Oaxaca, in: PNAS 98 (Februar 2001), S. 2104–2106. [http://www.pnas.org/cgi/content/abstract/98/4/2104 online]
- Daniel G. Bradley: Genetic evidence for Near-Eastern origins of European cattle, in: Nature 410 (April 2001), S. 1088–1091.
- Lounès Chikhi: Y genetic data support the Neolithic demic diffusion model, in: PNAS 99 (August 2002), S. 11008-11013. [http://www.pnas.org/cgi/content/full/99/17/11008 online]
- Richard Cordaux: Genetic Evidence for the Demic Diffusion of Agriculture to India, in: Science 304 (Mai 2004) S. 1125.
- Gordon Hillmann: New evidence of Lateglacial cereal cultivation at Abu Hureyra on the Euphrates, in: The Holocene 11/4 (Juli 2001), S. 383–393.
- Simcha Lev-Yadun: The Cradle of Agriculture, in: Science 288 (Juni 2000), S. 1602–1603
- Dani Nadel: Processing of wild cereal grains in the Upper Palaeolithic revealed by starch grain analysis, in: Nature 430 (August 2004), S. 670–673.
- Katharina Neumann: New Guinea. A Cradle of Agriculture, in: Science 301 (Juli 2003), S. 180–181.
- Dolores R. Piperno: Phylogenetic relationships among domesticated and wild species of Cucurbita (Cucurbitaceae) inferred from a mitochondrial gene, in: PNAS 99 (Januar 2002), S. 535–540. [http://www.pnas.org/cgi/content/full/99/1/535 online]
- Kevin O. Pope: Origin and Environmental Setting of Ancient Agriculture in the Lowlands of Mesoamerica, in: Science 292 (Mai 2001), S. 1370–1373.
- Bruce D. Smith: The Initial Domestication of Cucurbita pepo in the Americas 10,000 Years Ago, in: Science 276 (Mai 1997), S. 932–934.
- Melinda A. Zeder und Brian Hesse: The Initial Domestication of Goats (Capra hircus) in the Zagros Mountains 10,000 Years Ago, in: Science 287 (März 2000), S. 2254–2257.
Weblinks
- [http://www.kulturendersteinzeit.de.vu/ Kulturen der Steinzeit]
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Neolithikum.htm Zur Jungsteinzeit in Oberfranken (Landschaftsmuseum Obermain Kulmbach)]
- [http://www.rserv.de/ Bilder von Großsteingräbern und Menhiren in Deutschland]
Siehe auch
- Portal:Vor- und Frühgeschichte – Neolithische Revolution, Baalberger Kultur, Stonehenge, Woodhenge, Silbury Hill
Kategorie:Zeitalter
Kategorie:Steinzeit
ko:신석기 시대
Anglesey
Anglesey (englisch für Insel der Angeln, walisisch Ynys Môn; auch Anglesea) ist eine britische Insel vor der Nordwest-Küste von Wales in der Irischen See und eine gleichnamige Grafschaft.
- Fläche: 712 km²
- Einwohner: 68.500
- Hauptstadt: Llangefni
Die Mehrheit der Einwohner spricht die Walisische Sprache.
Die Landschaft ist von Hügeln geprägt. Vorwiegend werden Rinder und Schweine gezüchtet. Über die Menaistraße führen zwei Brücken, welche die Insel mit Großbritannien verbinden. Eine Straße führt auch zum Hafen Holyhead, von dort verkehrt eine Fähre nach Dublin und Dun Laoghaire (gespr. dun Liery) in Irland.
Früher war Anglesey ein wichtiger Anzugspunkt für Druiden, weshalb sie auch "Insel der Druiden" genannt wurde. Um 60 zerstörten die Römer unter Gaius Suetonius Paulinus das dortige Heiligtum, um so den anhaltenden und durch die Priesterschaft geförderten Widerstand der keltischen Bevölkerung zu brechen. Sie nannten die Insel Mona, wie sie auch früher genannt wurde. Die Engländer fügten Anglesey im 13. Jahrhundert zu ihrem Königreich hinzu.
Anglesey ist ein beliebtes Touristenziel. Auf der Insel befindet sich mit Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch außerdem der Ort mit dem längsten Ortsnamen Europas.
Kategorie:Waliser Grafschaft
Kategorie:Unitary Authority (Wales)
Kategorie:Insel (Großbritannien)
Bronzezeit
Die Bronzezeit ist die Periode in der Geschichte der Menschheit, in der Werkzeuge aus Bronze hergestellt wurden.
Im Allgemeinen geht die Jungsteinzeit bzw. die Kupferzeit der Bronzezeit voran. (Siehe auch Dreiperiodensystem)
Die Bronzezeit wird zur Urgeschichte oder Frühgeschichte gezählt. Insbesondere aus Europa, dem westlichen Asien und Ägypten sind Bronzezeitkulturen bekannt (z. B. Troja).
Geschichte
Vor der Bronze als erste Legierung verwendeten die Menschen der Jungsteinzeit bereits gediegene Metalle wie Gold und Kupfer, die hauptsächlich aus Erzen gewonnen wurden.
Auf die damit verbundenen Metallverarbeitungstechniken konnte bei der Entdeckung der Legierungstechnologie zurückgegriffen werden. Bronze besteht aus 90 % Kupfer und 10 % Zinn und ist weitaus härter als Kupfer selbst, weswegen es rasche Verbreitung fand.
Erstes bearbeitetes reines Kupfer wurde in Anatolien bei Konya sowie in Ägypten gefunden. Kupfererz wurde schon vor 6000 v. Chr. verhüttet. In Europa ist die Verarbeitung von Kupfererz seit etwa 3000 v. Chr. bekannt.
Die Bronzeherstellung ist in Ägypten zuerst nachgewiesen (ca. 3500 v. Chr.). In China begann die Bronzezeit im 3. Jahrtausend v. Chr., spätestens während der Xia-Dynastie.
Mit der Verwendung der Bronze gingen mehrere Technologien einher: So wurde der Bergbau für Kupfererz und Zinnerze vervollkommnet. Zur Metallgewinnung waren Verhüttungstechniken nötig, da weder Kupfer noch Zinn in größeren Mengen gediegen vorkommen.
Mussten Kupferwerkzeuge nach dem Guss noch durch Schmieden in Form gebracht und gehärtet werden, machte der Bronzeguss die Serienfertigung von nahezu fertigen Werkstücken möglich.
Der Fernhandel entwickelte sich weiter, Schiffbau und Seefahrt mussten betrieben werden, um die Erze von ihren Gewinnungsstätten (insbesondere Zypern (Kupfer) und Britannien (Zinn) zum Festland zu transportieren. Bronzebarren eigneten sich als wertvolles Handelsgut (Zahlungsmittel), nicht dagegen Bronzegegenstände.
Die bronzezeitlichen Kulturen sind landwirtschaftlich geprägt, und leiten gebietsweise die Urbanisierung (Stadtgründungen) ein.
Die ersten staatlichen Gebilde entstanden und führten zu Hochkulturen, meist als Stadtstaaten, teilweise (wie in Ägypten und China) auch als Großreiche.
China
In dieser Zeit wurden in mehreren Kulturen der Handel und mit ihm Schriften entwickelt, beispielsweise in China, Ägypten, Palästina (Phönizien) oder Mesopotamien.
Je nachdem, ob bereits eine Schrift entwickelt wurde und historisch verwertbare Aufzeichnungen angefertigt wurden, fällt der Anfang der Zinn- und Kupferverhüttung sowie der Bronzeherstellung und -bearbeitung regional in die Vorgeschichte (z. B. Mittel- und Nordeuropa), Frühgeschichte, (östlicher Mittelmeerraum, vorderer Orient) oder in die Geschichte (China).
Auch in Südamerika wurde bereits in präkolumbischer Zeit Bronze hergestellt. Die ältesten Funde stammen aus Argentinien. Südamerikanische Kulturen hatten bereits vor Christi Geburt einen Fundus an metallurgischen Techniken entwickelt, so auch die Legierung von Kupfer mit Gold und Zinn.
Abgelöst wurde die Bronzezeit durch die Eisenzeit, in der Bronze zwar weiterhin für Kult- und Alltagsgegenstände verwendet, in der Technik und Waffenherstellung aber vom Eisen verdrängt wurde.
Anhand der Bestattungsformen werden in Mitteleuropa nach der durch einfache Flachgräber dominierten Frühbronzezeit die mittelbronzezeitliche Hügelgräberkultur und ab etwa 1350 v. Chr. die spätbronzezeitliche Urnenfelderkultur unterschieden.
Aus der Frühzeit der Bronzeverarbeitung lässt sich evtl. die Entstehung des Zwergenmythos erklären.
Mitteleuropa
Die Bronzezeit unterteilt sich im westlichen Teil Mitteleuropas in drei Epochen:
- Frühbronzezeit (ca. 2150-1550 v. Chr.)¹
- Mittelbronzezeit (ca. 1550-1350 v. Chr.)
- Spätbronzezeit (ca. 1350-800 v. Chr.)
¹ In Troja, d. h. dem westlichen Teil Vorderasiens, wird der Beginn der Frühbronzezeit auf Grundlage der 14C-Datierung der Phase Troja I um 2800 v. Chr. angesetzt. Etwa zeitgleich begann mit dem Frühhelladikum die Bronzezeit auf dem griechischen Festland. Auch in Südosteuropa und im Karpatenbecken begann die Frühbronzezeit z. T. bereits um die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr.
Siehe auch:
- Portal:Vor- und Frühgeschichte
Literatur
- Anthony F. Harding, European Societies in the Bronze Age (Cambridge 2000).
- Albrecht Jockenhövel / Wolf Kubach (Hrsg.), Bronzezeit in Deutschland (Hamburg 1994).
- Hermann Müller-Karpe, Handbuch der Vorgeschichte, Bd. 4: Bronzezeit (München 1980).
- Ernst Probst, Deutschland in der Bronzezeit (München 1996).
Weblinks
- [http://www.archaeologie-online.de/links/154/156/index.php Weblinks zur Bronzezeit] bei http://www.archaeologie-online.de
- [http://www.geocities.com/Athens/Crete/4162/bronze_d.htm Bronze- und Urnenfelderzeit in Europa]. Kommentierter Index zur Bronzezeit und Urnenfelderzeit, geographisch gegliedert.
- [http://www.kulturenderbronzezeit.de.vu Kulturen der Bronzezeit].
- [http://www.bronzezeit-pioniere.de.vu Pioniere der Bronzezeitforschung].
- [http://www.uni-muenster.de/UrFruehGeschichte/pbfmain.htm Prähistorische Bronzefunde]. Wissenschaftliches Editionsunternehmen zu den prähistorischen Bronzefunden der Alten Welt.
- [http://www.porta-praehistorica.de Porta praehistorica et antiqua]. In diesem Diskussionsforum werden in erster Linie Fragen zur Lebensweise, Kleidung, Ernährung und Kultur der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte und der Antike behandelt, wobei natürlich auch die Bronzezeit eine Rolle spielt.
-
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Bronzezeit.htm Archäologisches Lexikon im Landschaftsmuseum Obermain: Kurzer Überblick über die Bronzezeit in Oberfranken].
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Goldkegel.htm Archäologisches Lexikon im Landschaftsmuseum Obermain: Goldene Hüte und Zeremonialgewänder].
Kategorie:Zeitalter
!Bronzezeit
ja:青銅器時代
ko:청동기 시대
simple:Bronze Age
KeltenMit Kelten (lat. celtae, galli, griech. keltoi, galatai – die Tapferen, die Edlen) bezeichnete man schon in der Antike eine Gruppe von Völkern und Stämmen in Europa und Kleinasien, die sich durch kulturelle Gemeinsamkeiten und verwandte Sprachen auszeichneten. Auch die heutige Wissenschaft sieht in den keltischen Sprachen eine eigene indogermanische Sprachgruppe, während die Archäologie in den keltischen Stämmen in Mitteleuropa (vom Norden Spaniens bis nach Böhmen) kulturelle Gemeinsamkeiten während der jüngeren Eisenzeit (ca. 500 v. Chr.) sieht. Sie setzt im allgemeinen die Gruppe der antiken keltischen Stämme, sogenannte Zeit der „klassischen Kelten“, mit der La-Tène-Kultur gleich, die im 5.–1. Jahrhundert v. Chr. weite Teile Mitteleuropas prägte. Der Name La Tène bezieht sich auf einen Fundort in der Nähe des Neuenburgersees (Westschweiz), wo in der Mitte des 19. Jahrhunderts reiche Funde gemacht wurden. Die La-Tène-zeitliche Kultur umfasst aber nicht das gesamte Ausbreitungsgebiet keltischer Gruppen und Sprachen nach der Überlieferung der Antike.
Die Kelten haben wahrscheinlich die Seife erfunden und führten auch die exzessive Badekultur, die die Römer später pflegten, in Italien ein.
In ihrer weitesten Ausprägung reichte die keltische Kultur von Irland, Südostengland, Nordspanien und Frankreich im Westen bis Westungarn im Osten, von Oberitalien im Süden bis zum nördlichen Rand der Mittelgebirge. Außerdem gab es das Siedlungsgebiet der Galater in Anatolien (heutige Türkei). In Galatien lassen sich zwar einzelne Latène-Fibeln nachweisen, doch kann dort nicht von einer keltischen Kultur im Sinne der Latène-Kultur die Rede sein; ausschlaggebend ist hier vielmehr ein spätantiker Beleg, wonach dort ein Dialekt ähnlich wie in der Gegend um Trier gesprochen wurde und die von der Antike bezeugte Einwanderung keltischer und thrakischer Stämme nach Anatolien. Es manifestierte sich auch in der Gleichsetzung der Bezeichnung für die Gallier in Frankreich und die Galater in Kleinasien. Irland erreichte nur sprachliche Einflüsse des Keltischen in der Spätantike, bzw. in frühchristlicher Zeit.
Im Süden des keltisch geprägten Gebietes Mitteleuropas grenzte anfangs noch der etruskische, später der griechisch-römische Kulturkreis an, nördlich des keltischen Einflussgebietes waren germanische Stämme ansässig.
germanische/450 v. Chr.)
Orange: weiteste Ausbreitung La-Tène-Kultur bzw. der keltischen Sprache (3. Jh. v. Chr.)]]
Geschichte
3. Jh. v. Chr.
3. Jh. v. Chr.
Der Begriff Kelten geht auf griechische Überlieferungen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. zurück, die die Keltoi zum einen an den Quellen der Donau und zum anderen im Hinterland von Massilia (Marseille) identifizierten. Ihr Auftreten fällt mit der eisenzeitlichen Späthallstattkultur in Mitteleuropa zusammen. Diese Kultur hatte sich seit etwa 750 v. Chr. in einer Region zwischen Ostfrankreich und der Schweiz über Süddeutschland und Österreich bis Slowenien aus den ansässigen spätbronzezeitlichen Kulturen entwickelt, wobei teilweise Kontakte zur südeuropäischen Antike nachgewiesen wurden. Sie ist berühmt für ihre reich ausgestatteten Fürstengräber aus Süddeutschland und der Bourgogne (z. B. in Hochdorf an der Enz und Vix). In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts gerieten die Gesellschaften am nördlichen und westlichen Rand der Hallstattkultur zunehmend unter ihren Einfluss, übernahmen einen Teil ihrer Sitten und wurden ins hallstättische Beziehungsnetz eingebunden, wobei die Hunsrück-Eifel- und die Champagne-Marne-Region im Westen sowie die Gegend um den Dürrnberg in Österreich bei dieser Entwicklung eine besondere Rolle einnahmen.
Der Hallstattkultur folgt die als keltisch zu bezeichnende La-Tène-Kultur (ab ca. 480 v. Chr. bis 40/0 v. Chr., je nach Region), deren Kunststile durch mediterrane Vorbilder geprägt sind. Die La-Tène-Zeit stellt die Blüteperiode keltischer Kultur dar.
Erste Aufenthalte von Kelten im damals v. a. etruskisch geprägten Oberitalien sind ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar. Während der ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. einsetzenden Wanderungswellen wird die keltische Kultur in Nordspanien und Portugal fassbar, wobei hier kein Verdrängen ortsansässiger Kulturen nachgewiesen werden kann. Ein allmähliches Annehmen mitteleuropäischer Kulturelemente durch die ansässige Gesellschaft ist weit wahrscheinlicher. Die in Nordspanien und Portugal lebenden Menschen der späten Eisenzeit werden deshalb auch als Keltiberer bezeichnet. Keltische Gruppen ließen sich in Oberitalien und der Poebene nieder, von wo aus sie zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. u. a. Rom angriffen. Die Belagerung Roms unter dem keltischen Heerführer Brennus (wahrscheinlich 387/386 v. Chr.) hinterließ bei der späteren Weltmacht ein lang anhaltendes Trauma.
Andere Stämme drangen über Südosteuropa und den Balkan nach Griechenland und Kleinasien vor, begegneten Alexander dem Großen und plünderten Delphi. Ein Stammesteil ließ sich schließlich in Zentralanatolien nieder und wurde als Galater noch Jahrhunderte später im Neuen Testament erwähnt.
Ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurden vom Osten ausgehend Oppida, d. h. Städte gegründet. Die keltische Oppidakultur erlebt ab Ende des 2. bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. ihre Blüte, wobei sie aufgrund ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Differenzierung, hochentwickelter Handwerks- und Kunstfertigkeit sowie Fernhandel die Stufe zur Hochkultur erreichte. Lediglich das Fehlen einer allgemeinen Schriftlichkeit steht dieser Bezeichnung entgegen. Man darf aber von einer exakten Weitergabe mündlichen Wissens im Bereich der keltischen Stämme ausgehen.
Die größte Ausbreitung erreichten die Kelten um 200 v. Chr.. Im Osten ihrer Siedlungsgebiete, d. h. im weitesten Sinn „rechtsrheinisch“, verschwand die keltische Kultur in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. weitgehend, was vielleicht mit dem Vorrücken germanischer Stämme nach Süden zusammenhängen könnte. Dagegen überlebte die keltische Lebensart in Gallien und südlich der Donau in Rätien – sowie u. a. auch im heutigen Rheinland-Pfalz, Saarland und Bayern – nach Eroberung durch die Römer unter Caesar noch einige Jahrzehnte und ging mit zunehmender Romanisierung etwa seit der Zeitenwende in der relativ eigenständigen gallo-römischen Kultur auf.
Der Ursprung der Kelten auf den britischen Inseln ist umstritten. Spuren einer Einwanderung sind für den Großteil der Inseln unbekannt und bis auf den Südosten Englands auch wenig wahrscheinlich; eventuell waren die britischen Inseln jedoch darüber hinaus sprachlich mit dem keltischen Festland verbunden. Dennoch besteht auf den britischen Inseln eine keltisch geprägte Kultur, wobei die Zuordnung hier insbesondere aufgrund linguistischer Annahmen erfolgt. Nur in Südost-England sind für das 1. Jahrhundert v. Chr. auch archäologische Zeugnisse der „klassischen“ kontinentalen keltischen Kultur nachzuweisen. Dieses Inselkeltentum blieb in den Randzonen Wales und Cornwall noch bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. eigenständig und wandelte sich erst im Zuge der folgenden Christianisierung. Die frühe Christianisierung erfolgte aber vorwiegend durch keltisch geprägte Mönche, die keltische Sprache und kulturelle Einflüsse auch nach Irland trugen.
Wissenschaftliche Kontroverse
Je nach Fachgebiet oder Sichtweise werden mit dem Begriff Kelten entweder Stämme mit einer ähnlichen materiellen Kultur (archäologische Definition) oder eine mittel- und westeuropäische Sprachengemeinschaft der Eisenzeit (sprachwissenschaftliche Definition) bezeichnet.
In der Forschungspraxis werden die beiden Definitionen häufig nicht deutlich genug geschieden. Grundsätzlich ist es fraglich, ob die Kelten eine Ethnie, d. h. ein geschlossenes Volk bildeten. (s. a. Volk, Ethnie, Ethnogenese).
Iren, Schotten, Waliser und Bretonen definieren sich in neuerer Zeit vor allem aus einer Abgrenzung gegen Engländer oder Franzosen als Kelten. Dabei diente die frühe sprachwissenschaftliche Definition des 18. Jahrhunderts als Legitimation: Der Kelten-Begriff hat sich hier auf eine völlig andere Region und Bevölkerung verschoben, deren Gemeinsamkeit mit den Festlandkelten der vorrömischen Eisenzeit vor allem darin besteht, dass die frühe Sprachwissenschaft sie einer gemeinsamen Gruppe zugewiesen hat, deren Bezeichnung als "keltisch" aber relativ willkürlich ist.
Dieser Artikel geht vor allem von den Erkenntnissen der archäologischen Wissenschaft aus, die auf die Ausbreitung und Ausprägung der La-Tène-Kultur fokussiert.
Ein besonderes Kapitel ist das nachantike und frühmittelalterliche keltische Selbstverständnis verschiedener Randgruppen und Nachbarn des zerfallenden Römischen Reiches. Die Erinnerung an gemeinsame Kämpfe gegen das Römische Reich sowie verbindende geschichtliche Ereignisse, überliefert in Mythen und Sagen, werden in der mittelalterlichen Literatur und Kunst tradiert und romantisch verklärt.
Allgemeines
Die Kelten vermieden es vermutlich bewusst, gesellschaftliche, religiöse oder ihre Tradition betreffende Inhalte schriftlich festzuhalten – wie beispielsweise Caesar berichtet. Es gibt aber sowohl eine Reihe Inschriften in griechischer Schrift als auch archäologische Nachweise von Schreibgerät aus den spätkeltischen Oppida, die Schriftlichkeit – besonders in wirtschaftlichen Belangen – und eventuelle Fremdsprachenkenntnisse, zumindest der Oberschicht, nahe legen.
Trotzdem beruhen die Kenntnisse über die Kelten auf der Geschichtsschreibung ihrer mediterranen Nachbarn (antikes Griechenland, Römisches Reich) sowie auf archäologischen Funden.
Die spätantike/frühmittelalterliche Ogham-Schrift, die z. B. von irischen Grab- und Grenzsteinen des 4.-7. Jahrhunderts n. Chr. bekannt ist, scheint nur wenigen Eingeweihten bekannt gewesen zu sein und nur begrenzte Aussagemöglichkeiten gehabt zu haben.
Wirtschaft
Die keltische Wirtschaft basierte auf Ackerbau und Viehzucht. Auf kleinen, umzäunten Äckern wurden Getreide (Emmer, Dinkel, Gerste, Hirse) und Leguminosen (Saubohnen, Erbsen, Linsen) angebaut. Bekannt waren u. a. Löwenzahn, Brennnessel, Rübe, Rettich, Sellerie, Zwiebel und Kohl. Aus archäologischen Funden (Speiseresten) in Hallstatt lässt sich etwa ablesen, dass die Kelten ein noch heute in Österreich übliches Gericht gegessen haben, „Ritschert“, einen Eintopf aus Rollgerste und Bohnen.
Da das lateinische Wort für Bier (cervisia) ein keltisches Lehnwort ist, wird vermutet, dass die Kelten das Brauen beherrschten. Römische Autoren beschreiben das Getränk allerdings mit deutlichem Abscheu. In Hochdorf und dem Glauberg ist Met archäologisch nachgewiesen (Pollenfunde).
Wichtigstes Haustier war das Rind, welches neben der Lieferung von Fleisch, Milch (Käse) und Leder auch unabdingbar bei der Ackerbestellung war. Daneben wurden Schafe (Wolle) und Schweine gehalten; Hunde kannte man ebenfalls als Nutztiere (Hütehunde und Jagdhunde). Pferde waren ein Statussymbol und bei Kriegszügen wichtig und wurden wahrscheinlich von einigen Stämmen intensiver gezüchtet.
Von Bedeutung für die keltische Wirtschaft war auch der Bergbau. Bergbau auf Salz ist eindeutig nachgewiesen. Eisengewinnung und -verhüttung ist zu vermuten. Es fehlen hier aber aus den Mittelgebirgen meist die letzten Beweise eines eisenzeitlichen Eisenerzabbaus.
Aufgrund der reich ausgestatteten Hügelgräber der späten Hallstattzeit („Fürstengräber“) kann vermutet werden, dass die Gesellschaft auf lokaler Ebene einem „Fürsten“ unterstand. In der späten La-Tène-Zeit hatten sich weiträumige politische Strukturen entwickelt.
Die keltischen Stämme auf dem Kontinent übernahmen das Geldwesen von Griechen und Römern, prägten aber eigene Münzen lediglich zum Informationsaustausch, wie heute vermutet wird. Grabfunde zeugen noch heute von dem ausgedehnten Handel der Kelten mit allen Völkern des antiken Europa. Exportiert wurden u. a. Eisen, Zinn, Salz, Holz, Flachs, Wolle, Waffen, Werkzeuge, Prunkwagen, Textilien, Schuhe. Importiert wurden vor allem Glas, Wein und andere Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum.
Entlang der wichtigsten Handelsstraßen entstanden keltische Oppida; das sind befestigte städtische Siedlungen. Durch jahrzehntelange Ausgrabungen in mehreren Ländern sind einige Oppida heute besser bekannt. Einige guterforschte Oppida von Ost nach West:
- Tschechien: Stradonice, Zavist;
- Österreich: Magdalensberg;
- Deutschland: Manching, Martberg, Wallendorf, Heuneburg
- Schweiz: Bern-Enge, Basel-Münsterhügel
- Luxemburg: Titelberg;
- Frankreich: Bibracte, Alesia.
In einigen dieser Oppida dauern die Ausgrabungen weiterhin an. Aus zahlreichen weiteren Oppida liegen Ergebnisse aus kleineren Grabungskampagnen vor. Das populäre Bild eines keltischen Oppidums wird jedoch im Wesentlichen durch die Ergebnisse in Tschechien, Manching und Bibracte geprägt.
Gesellschaft
Die Einblicke historischer Schreiber in den Aufbau der keltischen Gesellschaft sind gering.
Gaius Iulius Caesar gibt im „Gallischen Krieg“ (De bello Gallico) einen Einblick in die Gesellschaft der Kelten.
Demnach gab es die Oberschicht der Fürsten, mit einer politischen und militärischen Führungsrolle.
Aus den oberen Gesellschaftsschichten stammten wahrscheinlich auch die Druiden, mit Verantwortung des Kultus, der keltischen Religion. Den Druiden oblag zudem die Rolle des Lehrers, Mediziners, Richters und Naturforschers. Sie bildeten gleichsam die intellektuelle Schicht des keltischen Gesellschaftssytems. Von den antiken Quellen und überlieferten Mythen keltischen Ursprungs wissen wir über deren Vormachtstellung auch gegenüber der Oberschicht der Fürsten.
Viele wichtige Ämter wurden zum Beispiel bei den Aeduern (Haeduern) gewählt, weswegen man sagen dann das es auch in der Keltischen Tradition Züge von Demokratie beziehungsweise Republik gibt.
Obwohl Frauen in hohem Ansehen standen und alle hohen Ränge einnehmen konnten, war die keltische Gesellschaft insgesamt patriarchal organisiert. Die bekannteste keltische Kriegerin war Boudicca, Anführerin der Icener (Britannien), die im Aufstand gegen die römische Besatzung im Jahre 61 n. Chr., sowie Cartismandua, Königin der Briganten, die 77 n. Chr. von Agricola besiegt wurde.
So genannte Fürstengräber zeigen in den Grabstätten männlicher Toter meist reichere Grabbeigaben, wobei allerdings in den letzten bekannten – ausgesprochen reichen – "Fürsten"gräbern des 4. Jahrhundert ausschließlich Frauen bestattet wurden.
Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in einfacheren Gräbern geringer; die Annahme ist, dass Frauen im Allgemeinen keine Waffen mit ins Grab bekamen.
Siehe auch:
- Keltenfürst vom Glauberg und Fürstengräber
- Hügelgrab bei Thomm (Fürstengrab)
Religion
Thomm]
Über die Religion der Kelten ist nur sehr wenig bekannt. Hauptgründe dafür sind die geringe Verbreitung bzw. Nutzung von Schrift sowie die Tradition der mündlichen Überlieferung des Druidentums, welches bei den Kelten einen hohen Stellenwert einnahm.
Zentral in der keltischen Religion und Mythologie waren – nach Caesar – die Druiden, der keltische Priesterstand. Um das Druidentum ohne moderne (verstellende) Esoterik zu beschreiben, soll hier der Originaltext verwendet werden. Caesar schreibt u. a.: „Den Druiden obliegen die Angelegenheiten des Kultus, sie richten die öffentlichen und privaten Opfer aus und interpretieren die religiösen Vorschriften. Eine große Zahl von jungen Männern sammelt sich bei ihnen zum Unterricht, und sie stehen bei den Galliern in großen Ehren.“ (Caesar: De bello gallico, VI, 13). Überhaupt bescheinigte Caesar den Kelten eine tiefe Religiosität (Caesar, De bello gallico, VI, 16)).
Nach der üblichen Interpretatio Romana glichen die Römer die keltischen Götter und Kulte den eigenen an. Das heißt, dass den keltischen Göttern, je nach ihrer „Zuständigkeit“ römische Interpretationen und Götternamen gleichgeordnet wurden. Teutates (u.a.) wurde z. B. Merkur, Cernunnos Iupiter, Grannus dem Apollo und Lenus dem Mars gleich geordnet, usw. Durch die unterschiedlichen religiösen Vorstellungen konnten diese Interpretationen zuweilen von den römischen "Patengöttern" abweichen, wodurch dieselben römischen Götter in unterschiedlichen Regionen mit verschiedenen keltischen Beinamen erscheinen.
Die Ausbildung zum Druiden dauerte lange, nach Caesar gelegentlich bis zu zwanzig Jahre: „Die Druiden nehmen in der Regel nicht am Krieg teil und zahlen auch nicht wie die Übrigen Steuern. [...] Diese großen Vergünstigungen veranlassen viele, sich aus freien Stücken in ihre Lehre einweihen zu lassen, oder ihre Eltern und Verwandte schicken sie zu den Druiden. Wie es heißt, lernen sie dort eine große Zahl von Versen auswendig. Daher bleiben einige 20 Jahre lang im Unterricht.“ (Caesar, De bello gallico, VI, 14)
Neben ihren priesterlichen Funktionen hatten die Druiden aber auch durchaus weltliche Pflichten und Privilegien. Die Druiden legten auch die Strafen fest, laut Caesar (VII 33,3) war die Exkommunikation (d. h. der Ausschluss von den Opferbräuchen) die schwerste der denkbaren Strafen.
Die Druiden wären für ihre Gerechtigkeit bekannt, rühmte Strabon (IV, 4,4).
In Wales, welches jedoch nur eingeschränkt als "keltisch" bezeichnet werden kann, soll es auch weibliche Druiden gegeben haben. Diese Angaben stammen aber aus wesentlich jüngeren Quellen. (Solin)
Anmerkung: Bei Fragen der „keltischen Religion“ ist bei modernen Veröffentlichungen (wenn sie nicht archäologisch ausgerichtet sind) große Vorsicht geboten, da moderne esoterische Bewegungen sich allzu gern mit dem Prädikat „keltisch“ schmücken, ohne dass irgendwelche tatsächlichen „keltischen“ Bezüge bestehen. Eine Religion ohne schriftliche Tradition ist gut auszunutzen. Man kann quasi „alles“ hinein interpretieren, was leider auch allzu oft getan wird.
Siehe auch: Keltische Kirche
Kunst und Kultur
Sprache
Die keltischen Sprachen werden von der Sprachwissenschaft der westlichen Gruppe der indogermanischen Sprachen zugerechnet. Keltische Sprachen werden heute noch in Wales (walisisch) sowie in Resten in Irland (irisch; dort ist es seit 1922 offiziell erste Amtssprache, neben dem Englischen), in Schottland (schottisch-gälisch in den Highlands) und in der Bretagne (bretonisch; wurde von Auswanderern von den britischen Inseln im 5. Jahrhundert auf den Kontinent gebracht) gesprochen. Das Manx auf der Isle of Man starb in den 70er Jahren aus, das Kornische in Cornwall bereits im 18. Jahrhundert. Es gibt aber in jüngster Zeit Bestrebungen, Manx und das Kornische wieder zu einer lebendigen Umgangssprache zu machen.
Auf der Iberischen Halbinsel wurde Keltiberisch gesprochen, was bei der Romanisierung unterging.
Darstellende Kunst
Als uneingeschränkt "keltisch", d. h. auf die historisch belegten Kelten zurückzuführen, sind die Kunststile der La-Tène-Zeit, deren Erforschung besonders mit den Namen der beiden Archäologen Paul Jacobsthal und Otto-Herman Frey verbunden ist. Sie entwickelten sich ab Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. aus mediterranen Vorbildern, die von den keltischen Kunstschaffenden relativ frei interpretiert, zerlegt und zu einem ganz eigenen Form- und Kunstausdruck synthetisiert wurden. Ein gewisser Einfluss der Kimmerer und Skythen könnte bestanden haben, wobei die deutlichsten Vorbilder aber in der orientalisierenden Kunst der Griechen und Etrusker zu finden sind, die ihrerseits Vorbilder im Orient, z. B. dem Iran gehabt zu haben scheinen.
Siehe auch: Keltische Kunst, Keltische Muster
Literatur
Die Literatur und Mythologie der eisenzeitlichen Kelten ist unbekannt. Es wird gelegentlich – nur selten von archäologischer Seite – die These vertreten, dass Reste festlandkeltischer Überlieferungen in die britischen Erzählungen des frühen und hohen Mittelalters eingegangen sein könnten, darunter vielleicht auch Teile der Artussage, die aber vermutlich ihren Kern erst in spätkeltischer, frühchristlicher Zeit hat, als die Randzonen des Römischen Reiches in Bewegung gerieten.
Von den Inselkelten sind Mythen in verschieden Zyklen überliefert, dem Fionn- Zyklus (handelt von dem irischen Helden Finn), dem Ulster- Zyklus (in erster Linie von der Geschichte zwei kämpfender Stiere), den vier Zweigen des Mabinogi (von Pwylls Lebensgeschichte) und der mythologische Zyklus.
Musik
Keltische Musik ist zwar durch Texte griechischer Schriftsteller belegt, ihre Art, Harmonie und Klang usw. ist jedoch verloren gegangen. Von archäologischen Funden und von Darstellungen auf römischen Reliefs kennt man das Aussehen der "Carnyx", einer Art Trompete. Verschiedene keltische Münzen zeigen Darstellungen von Saiteninstrumenten, die den antiken griechischen Instrumenten "Lyra" und "Kythara" ähneln. Die Statue eines Mannes mit einem derartigen Saiteninstrument in den Händen wurde 1988 bei archäologischen Grabungen in der keltischen Festung von Paule-Saint-Symphorien in der Bretagne gefunden.
Die heute als "keltisch" bezeichnete Musik wurde erst ab dem 17. Jahrhundert niedergeschrieben und bezeichnete die traditionelle Musik Irlands, Schottlands und der Bretagne.
Die gallischen Stämme, zusammenfassend unter Gallier geführt, besiedelten das heutige Frankreich, Teile der Schweiz, Luxemburg, das südöstliche Belgien, das Saarland und Teile des linksrheinischen Rheinland-Pfalz sowie Teile Hessens.
Dabei werden die nördlichen Stämme bei Caesar als Belger bezeichnet, wobei insbesondere Gebiete im heutigen Belgien sowie in der Eifel hier in Frage kommen.
Im heutigen Frankreich und in den angrenzenden Gebieten Belgiens und Deutschlands waren es insbesondere die Allobroger (Savoyen und Dauphiné), die Ambianer (bei Amiens), die Arverner (Auvergne), die Bituriger (bei Bourges), die Cenomanen (Seine-Loire-Gebiet, sowie teilweise in Norditalien), die Eburonen (Eifel, Ardennen), die Häduer (Bourgogne, um Autun und Mont Beuvray (Bibracte)), die Mediomatriker (Region um Metz, Teile des Saarlandes), die Menapier, die Moriner, die Parisier (Zentralbritannien und Gallien/Paris?), die Senonen (bei Sens, sowie in Norditalien), die Sequaner, die Remer, die Treverer (im Moselraum, ab der Maas über Trier bis zum Rhein), die Veneter (an der Loire-Mündung), die Viromanduer (bei Vermandois) und eine Reihe anderer Stämme, die bei Caesar genannt wurden.
In Bayern, Baden-Württemberg und der heutigen Schweiz fand sich die Gruppe der Helvetier, u. a. mit den Gauen der Tiguriner und Toygener, außerdem der Stamm der Vindeliker im heutigen Oberbayern und Bayrisch Schwaben (Augsburg = Augusta Vindelicorum als römische Stadt: Hauptort der Vindeliker) und um Manching sowie die Boier in Ober- und Niederbayern. Die Noriker in Oberbayern, südlich des Inns, und in Österreich, die Likater um den Lech in Oberbayern und Schwaben.
Im Süden des gallischen Gebietes, in Norditalien, saßen die Insubrer; im Norden die Nervier und Belger, die teilweise auch bis Britannien vorzufinden waren.
In Nordspanien die Gallicier und die A | | |