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| Geschlecht (Grammatik) |
Geschlecht (Grammatik)In der deutschen Schulgrammatik wird das Genus [] (lat. für Geschlecht; Pl.: Genera []) auch als grammatisches Geschlecht bezeichnet. Geschlecht ist hier nicht als biologisches Geschlecht (Sexus (Sprache)) zu verstehen, sondern als Klassifizierungsbezeichnung. Wenn man also sagt, ein Wort weise ein bestimmtes Genus auf, heißt das, es gehört zu einer bestimmten Klasse von Wörtern, die sich grammatisch gleich verhalten.
Das Genus-System, das vor allem in den indogermanischen (mit ursprünglich drei Genera) und semitischen Sprachen (ursprünglich zwei Genera) vorkommt, ist nur eine spezielle Ausprägung des Nominalklassen-Systems, das sich in anderen Ausprägungen auch noch in vielen anderen Sprachgruppen findet, zum Beispiel findet man bei den Bantusprachen bis zu zehn solcher Klassen. Viele andere Sprachen, z.B. die Turksprachen, kommen jedoch ohne Nominalklassen aus.
Genauere Definition in der Linguistik
In der Linguistik ist das Genus eine morphologische Kategorie vor allem im Bereich der Substantive. In einigen Sprachen sind auch Verben vom Genus abhängig, zum Beispiel im Russischen und Arabischen. Sprachen, die den Zusammenhang von Wörtern dadurch anzeigen, dass diese Wörter formal in Übereinstimmung gebracht werden (Kongruenz), können Substantive in Klassen einteilen, die auch als Genera bezeichnet werden. Wörter, die sich auf das Substantiv beziehen, müssen dann so flektiert werden, dass sie zum Genus des Substantivs passen (Genuskongruenz).
Beispiele
Hier ein Beispiel aus dem Italienischen und aus dem Deutschen (Übersetzung). Beide Sprachen zeigen Genuskongruenz.
Questa è una faccenda seria. 'Das ist eine ernsthafte Angelegenheit.'
Hier kongruieren questa, una und seria mit faccenda im Genus. Im Deutschen hingegen kongruieren nur eine und ernsthafte mit dem Substantiv Angelegenheit. Wird ein anderes Substantiv eingesetzt, das zu einem anderen Genus gehört, müssen die kongruierenden Wörter angepasst werden:
Questo è un problema serio. 'Das ist ein ernsthaftes Problem.'
problema gehört (trotz gleicher Endung wie faccenda) einem anderen Genus an. Genauso verhält es sich mit dem Unterschied zwischen den deutschen Wörtern Angelegenheit und Problem.
Verwechslung von Genus und Sexus
In der europäischen Grammatiktradition werden die verschiedenen Genera irreführenderweise mit Termini wie Maskulinum, Femininum und Neutrum bezeichnet, die einen Zusammenhang zum biologischen Geschlecht (vergleiche Sexus) nahe legen. Ein solcher Zusammenhang ist im Bereich der Wörter, die belebte Wesen bezeichnen, zwar sehr häufig, aber keineswegs zwingend, denn das Mädchen ist weiblich, obwohl es im Neutrum steht (der Artikel bezieht sich hier auf den Diminutiv, welcher immer sächlich ist); ein Kind ist entweder männlich oder weiblich, obwohl es immer im Neutrum steht; ein Gast, eine Geisel oder eine Person können männlich oder weiblich sein, obwohl das Substantiv immer im Maskulinum oder Femininum steht. (Extrem-Beispiel: Der Dienstbote und die Schildwache hatten ein Verhältnis; er wurde schwanger, und sie wurde dem Kind ein guter Vater. – Der Dienstbote war typischerweise eine Frau, und die Wache war früher immer ein Mann. Jedoch ist der zweite Satzteil ungrammatisch, da im Deutschen die Wörter er und sie nur in dem Falle, dass sie sich auf das natürliche Geschlecht beziehen, eine kontrastive (gegenüberstellende) Bedeutung haben.)
Die Feministische Linguistik hat darauf aufmerksam gemacht, dass aufgrund dieser Problematik eine Wahrnehmungsverzerrung stattfindet, die insbesondere immer dann zusätzlich verstärkt wird, wenn das spezifische Maskulinum nicht gekennzeichnet wird.
Genus verbi
In der lateinischen Schulgrammatik wird die Unterscheidung von Aktiv und Passiv traditionell als Genus verbi (also Geschlecht des Verbs) bezeichnet, heute wird diese Kategorie als Diathese bezeichnet.
Kategorie:Grammatik
ja:性 (文法)
Deutsche Sprache
Die deutsche Sprache (Hochdeutsch und Niederdeutsch) zählt zur indoeuropäischen Sprachfamilie (in Deutschland abweichend auch indogermanische Sprachfamilie genannt), spezifisch zu den westgermanischen Sprachen.
Geschichte
Hauptartikel: Deutsche Sprachgeschichte
Als hochdeutsche Sprache bezeichnet man zunächst alle germanischen Dialekte, die im frühen Mittelalter an der zweiten oder althochdeutschen Lautverschiebung beteiligt waren (alemannisch, bairisch, ost-, rhein-, mittelfränkisch, ostmitteldeutsch = ober- und mitteldeutsche Mundarten = hochdeutsche Mundarten). Die germanischen Dialekte, die diese zweite germanische Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht haben, bezeichnet man seit der frühen Neuzeit als niederdeutsche Sprachen (niedersächsisch und niederfränkisch).
Das Wort „teutsch“ (deutsch) bildete sich dabei innerhalb des Lateinischen aus dem germanischen Wort für „Volk“ (thioda, thiodisk) heraus und bezeichnete die Sprache der nicht lateinisch (und nicht romanisch) sprechenden Bevölkerung. Die ältere Bezeichnung „fränkisch“ für die eigene Sprache traf etwa seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr eindeutig zu, nachdem einerseits die westfränkische Oberschicht im späteren Frankreich den romanischen Dialekt der einheimischen Bevölkerung übernommen hatte und andererseits das Ostfrankenreich auch nicht-fränkische Stämme wie die Alemannen, die Bayern, die Thüringer und die (Nieder-)Sachsen umfasste.
Da während des ganzen Mittelalters im Unterschied zu den Nachbarländern in dem Land der Teutschen stark territorial zersplitterte politische Strukturen existierten, entwickelten sich die zum Teil extrem unterschiedlichen deutschen Dialekte (deutsche Mundarten) lange parallel nebeneinander her.
Einen ersten Ansatz zu einem überregionalen Ausgleich der Mundarten hat man teilweise in der mittelhochdeutschen Dichtersprache der höfischen Dichtung um 1200 sehen wollen. In der Tat ist teilweise das Bemühen der Dichter zu erkennen, nur regional verständliches Vokabular und dialektale lautliche Besonderheiten zu vermeiden, um ein überregionales Verständnis ihrer Werke zu ermöglichen; andererseits muss aber die Breitenwirkung der an den Fürstenhöfen tätigen Dichter zu einer Zeit, als nur eine verschwindend geringe Minderheit der Bevölkerung alphabetisiert war und Zugang zu dieser elitären Kunst hatte, als äußerst gering eingeschätzt werden. Der Beginn der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache kann daher erst in überregionalen Ausgleichsprozessen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit gesehen werden.
Während die Standardsprache in den meisten europäischen Ländern aus dem Dialekt der jeweiligen Hauptstadt hervorgegangen ist, stellt die heutige deutsche Hochsprache (Standardsprache) eine Art „Kompromiss“ zwischen den mittel- und oberdeutschen Dialekten südlich der Benrather Linie dar.
Benrather Linie
In Norddeutschland hat sich das Hochdeutsche, vor allem im Gefolge der Reformation als Amts- und Schulsprache gegen das Niederdeutsche (Plattdeutsche/Niedersächsische und Niederfränkische) durchgesetzt. Zur Blütezeit der Hanse fungierte das Niederdeutsche als Verkehrssprache im gesamten Nord- und Ostseeraum. Auch die Niederländische Sprache ist eine niederfränkische und daher niederdeutsche Sprache.
Martin Luther übersetzte 1521 das Neue Testament und 1534 das Alte Testament in die sich damals noch entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache. Die dort verwendete Sprache in einer ostmitteldeutschen Färbung prägte durch die religiöse Bedeutung Luthers ganze Generationen. Es muss aber angemerkt werden, dass Luthers Bedeutung im Hinblick auf die Entstehung der Neuhochdeutschen Schriftsprache lange Zeit überschätzt wurde. Bereits seit dem 14. Jahrhundert bildete sich allmählich eine immer stärker überregional geprägte Schriftsprache heraus, die man auch als Frühneuhochdeutsch bezeichnet. Die Herausbildung der hochdeutschen Schriftsprache war im 17. Jahrhundert zum Großteil abgeschlossen. Durch die Beseitigung der so genannten Letternhäufelung im 18. Jahrhundert wurde das seitdem in Grundzügen kaum veränderte deutsche Schriftbild abgerundet.
Die Geschichte der deutschen Sprache wird häufig in vier Abschnitte (Sprachstufen) unterteilt:
- 750 – 1050: Althochdeutsch
- 1050 – 1350: Mittelhochdeutsch
- 1350 – 1650: Frühneuhochdeutsch
- ab 1650: Neuhochdeutsch
Johann Christoph Adelung veröffentlichte 1781 das erste große Wörterbuch. Jacob und Wilhelm Grimm begannen 1852 mit der Herausgabe des umfassendsten Deutschen Wörterbuchs, das 1961 vollendet wurde, aber seither einer Überarbeitung unterzogen wird.
Die deutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend normiert. Ein Durchbruch zu einer deutschen „Einheitsschreibung“ gelang mit dem „Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibreform von 1901 in leicht veränderter Form zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklärt wurde. Erst 1996 kam es zu einer erneuten Rechtschreibreform. Siehe dazu auch Geschichte der deutschen Rechtschreibung.
In der Bundesrepublik Deutschland ist Hochdeutsch:
- nach § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz (BVwVfG) als Amtssprache,
- nach § 5 Beurkundungsgesetz als Sprache für notarielle Urkunden,
- nach § 184 Gerichtsverfassungsgesetz als Gerichtssprache festgelegt.
Besondere Regelungen gelten für die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein sowie für die Sorben in Brandenburg und Sachsen; mittlerweile aber auch für die niederdeutsche Sprache.
In Österreich ist laut Artikel 8. (1) Bundes-Verfassungsgesetz (BVG) die (hoch-)deutsche Sprache, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.
In Liechtenstein ist Deutsch die alleingültige Amtssprache. Es kennt keine Minderheitensprachen.
Hochdeutsch als Amtssprache (neben anderen Sprachen)
- Belgien (mit Französisch und Niederländisch)
- Luxemburg (mit Luxemburgisch und Französisch)
- Schweiz (63 % deutsch) (auf gesamtstaatlicher Ebene neben Französisch, Italienisch und Rätoromanisch; in 17 von 26 Kantonen alleinige Amtssprache, in 4 weiteren Amtssprache neben anderen Sprachen)
- Italien: nur regional in Südtirol (mit Italienisch und Ladinisch; in anderen Regionen: Aostatal: Französisch; Friaul: Slowenisch jeweils mit Italienisch)
- Dänemark: in Gebieten der deutschen Minderheit (Sønderjylland) (neben Dänisch)
- Namibia (seit Juni 1984 mit Afrikaans und Englisch, seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 nicht mehr Amtssprache)
- Russland: Anerkannte Verkehrssprache der deutschstämmigen Bevölkerung in den beiden westsibirischen Nationalkreisen Asowo (Gebiet Omsk) und Halbstadt (Altai-Region).
Deutsch ist zudem eine Amtssprache der Europäischen Union und eine Arbeitssprache der Vereinten Nationen.
Dass Deutsch beinahe Amtssprache der USA geworden wäre, ist ein Gerücht, das auf eine Fehlinterpretation zurückzuführen ist (Mühlenberg-Legende, siehe auch Deutsche Sprache in den USA).
Als Minderheitensprache
- Argentinien 300.000
- Australien 200.000 oder mehr ( 2 Millionen Deutschstämmige)
- Belgien 112.458
- Brasilien (1.900.000)
- Chile (100.000)
- Dänemark 20.000
- Estland 3.460
- Frankreich: von den 1.200.000 potenziell deutschsprachigen Elsässern und Lothringern spricht nur noch ein kleiner Teil den angestammten Dialekt
- Italien 330.000
- Kanada 500.000 oder mehr (2,8 Millionen Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Kasachstan 358.000
- Kroatien 11.000
- Lettland 3.780
- Litauen 2.060
- Moldawien 7.300
- Namibia 30.000
- Niederlande 47.775
- Paraguay 200.000
- Polen 170.000
- Rumänien (70.000.)
- Russland: europäischer Teil (75.000), Sibirien (767.300)
- Slowakei 12.000
- ((Südafrika)) 300.000-500.000 (100.000 Passdeutsche, 1 Million Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Togo
- Tschechien 50.000
- Ukraine 38.000
- Ungarn 145.000
- Vereinigte Staaten von Amerika 6.100.000 , insbes. Pennsylvaniadeitsch s. Kapitel Pennsylvania Dutch
Siehe auch: Deutschsprachige Minderheiten
Als Fremdsprache
Deutsch (Hochdeutsch) wird in vielen Ländern als Fremdsprache gelehrt; in Europa ist es nach Englisch am weitesten verbreitet. Besonders häufig wird Hochdeutsch als Fremdsprache in den Niederlanden, Skandinavien, Baltikum, Slowenien, Kroatien, Polen, Japan, Bosnien und Herzegowina, der romanischen Schweiz, Serbien, Ungarn, Montenegro, Mazedonien und Bulgarien gewählt. Teilweise gilt Deutsch in diesen Ländern als erste Schulfremdsprache und steht damit noch vor dem Englischen. Auch in Weißrussland wird Deutsch oft an Schulen unterrichtet.
In anderen Ländern, so zum Beispiel in Frankreich und den USA, verliert Deutsch zunehmend an Bedeutung gegenüber Spanisch.
In Ostasien (Japan) wurde im 19. und 20. Jahrhundert Deutsch als Medizinsprache verwendet (an Stelle von Latein).
Nach einer Erhebung der Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache, der u. a. das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut angehören, gab es 2000 die meisten Deutschlerner in:
- Russische Föderation: 4.657.500
- Polen: 2.202.708
- Frankreich: 1.603.813
- Tschechien: 799.071
- Ukraine: 629.742
- Ungarn: 629.472
- Kasachstan: 629.874
- Niederlande: 591.190
- USA: 551.274
Deutsch ist heute die nach Englisch am meisten verwendete Sprache im Internet (gefolgt von Französisch, Japanisch, Spanisch und Chinesisch). Mehr als acht Prozent aller Seiten im Internet sind auf Deutsch.
(Internetseiten auf Englisch:Cirka 50 %)
Im Zuge der Kolonialisierung entstand im heutigen East New Britain das so genannte Unserdeutsch, das weltweit einzige Kreoldeutsch. Diese Sprache ist jedoch mittlerweile fast ausgestorben, da die meisten Sprecher auswanderten.
Außerdem haben sich in Papua-Neuguinea bis zu 150 Wörter deutschen Ursprungs in der Sprache Tok Pisin erhalten.
Aussprache
Siehe Aussprache der deutschen Sprache.
Grammatik
siehe dazu deutsche Grammatik
Rechtschreibung
Siehe dazu deutsche Rechtschreibung.
Textsammlungen
Beim Projekt Gutenberg-DE gibt es Texte von über 1000 Autoren. Wikisource enthält mehr als 2000 deutschsprachige Werke.
Siehe auch: Deutsche Literatur, Sprichwörter,
Deutschsprachige Schriftsteller: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Die Einteilung der deutschen Dialekte beruht auf Untersuchungen des 19. Jahrhunderts. In gleicher Zeit begann die Herausbildung von Umgangssprachen als einer Art Mischform zwischen Standardsprache und Dialekt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängen die Umgangssprachen die alten Dialekte.
- Mitteldeutsch
- Westmitteldeutsch (siehe auch: Fränkische Sprache)
- Mittelfränkisch (Ripuarisch, Moselfränkisch, Luxemburgisch)
- Rheinfränkisch (Pfälzisch, Hessisch)
- Ostmitteldeutsche Sprache
- Thüringisch-Obersächsisch, (Kolonialdialekte)
- Berlin-Brandenburgisch (Mischform mit Ostniederdeutsch)
- Ostmitteldeutsche Dialekte
- Lausitzische Dialekte
- Ermländisch
- Fränkisch im Übergangsbereich zwischen dem Oberdeutschen und Mitteldeutschen (Wird häufig dem Oberdeutschen zugeordnet.)
- Ostfränkisch, umgangssprachlich "Fränkisch"
- Mainfränkisch
- Süd-Rheinfränkisch
- Oberdeutsch
- Alemannisch
- Schwäbisch
- Elsässisch
- Niederalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
- Hochalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
- Höchstalemannisch (schweizerdeutsche Dialekte)
- Bairisch
- Südbairisch
- Mittelbairisch
- Nordbairisch
Niederdeutsche Sprachen
- Niederdeutsch
- Niedersächsisch
- Niederfränkisch
Niederdeutsch bzw. die niederdeutschen Sprachen zeigen bedeutende phonologische, morphologische und lexikal-semantische Unterschiede gegenüber den übrigen deutschen Mundarten. Diese Sprachgruppe hat die zweite hochdeutsche Lautverschiebung nicht mitvollzogen.
Das Niedersächsische, das in Deutschland und in den Niederlanden gesprochen wird und gemeinhin in Norddeutschland als Niederdeutsch oder Plattdeutsch (Plattdüütsch) bezeichnet wird (in den Niederlanden als „nedersaksisch”) wird auch als Teil einer niederdeutschen Sprachgruppe aufgefasst.
Mittlerweile hat das Niedersächsische infolge der Sprachencharta des Europarats einen offiziellen Status als Regionalsprache erhalten, weil die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen Niedersächsisch für einen Schutz gemäß Teil III der Sprachencharta angemeldet haben. Vermutlich kann dennoch sein allmähliches Aussterben nicht aufgehalten werden.
Das Niederfränkische lebt weiter im Niederländischen. Auch die ursprünglichen Dialekte am Niederrhein (Kleve, Wesel, Duisburg, Mülheim an der Ruhr) sowie die alten Mundarten im Ostbergischen gehörten dem niederfränkischen Zweig an. Sie sind seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch im Aussterben.
Die Mundarten des Gebietes zwischen der Uerdinger Linie (Ik-/Ich-Linie) und der Benrather Linie (Maken-/Machen-Linie) (Düsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld, Neuss) weisen sowohl niederfränkische als auch mittelfränkische Züge auf und sind ein mundartliches Übergangsgebiet zwischen den hochdeutschen und den niederfränkischen Mundarten.
Einflüsse anderer Sprachen auf die deutsche Sprache
Durch ihre zentrale Lage in Europa wurde die deutsche Sprache über die Jahrhunderte durch andere Sprachen beeinflusst. Im Mittelalter und der Zeit davor war es vor allem die lateinische Sprache, aus der sich die deutsche Sprache bediente. So sind viele alltägliche Wörter, vor allem aus Architektur, Religion und Kriegswesen (z. B. Fenster, Keller, Karren, dominieren, Kloster), aus dem Lateinischen entlehnt. Auch die griechische Sprache hat das Deutsche in Religion, Wissenschaft und Philosophie stark beeinflusst (z. B. Philosophie, Physik, Demokratie, Krypta).
Später war es dann vor allem die französische Sprache, die großen Einfluss auf das Deutsche ausübte. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg an vielen Höfen französisch gesprochen wurde und selbst preußische Könige diese Sprache besser beherrschten als Deutsch und letzteres, frei nach Voltaire, nur zur Kommunikation mit Soldaten und Pferden gebraucht wurde, kamen vor allem Wörter aus dem vornehmen Bereich in die deutsche Sprache (z. B. Boulevard, Trottoir, Konfitüre).
Auch aus den slawischen Sprachen (z. B. Grenze, Pistole), dem Jiddischen und dem Rotwelsch (z. B. Zoff, meschugge, Mischpoke, Schockse) kamen einige Wörter ins Deutsche, jedoch war der Einfluss dieser Sprachen im Vergleich zu den vorgenannten wesentlich geringer.
In Handel, Botanik und Medizin lassen sich auch einige Einflüsse aus dem Arabischen ausmachen, die verstärkt im Mittelalter beispielsweise durch die Kreuzzüge nach Europa und somit auch nach Deutschland kamen. Aber auch in alltäglichen Begriffen wie Koffer, Benzin oder Limonade lassen sich arabische Einflüsse bzw. Ursprünge nachweisen.
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts nahm in Deutschland das Englische zunehmend Einfluss auf die deutsche Sprache (Anglizismen). Diese Entwicklung wird von einigen skeptisch betrachtet. Kritiker bringen vor, es handle sich oftmals (z. B. bei Handy) um Pseudo-Englisch, für das es genügend deutsche Synonyme gebe.
Auch technische Zwänge bei der Synchronisation englischsprachiger Filme üben mittlerweile einen Einfluss auf das Deutsche aus. Um Lippensynchronizität zu gewährleisten, werden Worte und Redewendungen kreiert, die zuvor im Deutschen nicht üblich waren, sich dann aber später in der Umgangssprache durchsetzen (z.B. "Oh mein Gott" statt "Um Gottes Willen" als Übersetzung für "Oh my God"). "Verdeckte" Anglizismen gibt es mittlerweile auch aus anderen Gründen: So ist der heute sehr gebräuchliche Ausdruck "nicht wirklich" die wortwörtliche Übersetzung von "not really" und bedeutet demzufolge soviel wie "eigentlich nicht" – allerdings hat sich der Ausdruck inzwischen verselbständigt.
Eine Sprachpolitik, wie sie unter anderem in Frankreich und Island betrieben wird, um eine Anreicherung der Sprache mit Anglizismen zu unterbinden, findet in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr statt. Gründe hierfür sind möglicherweise in der Sprachpolitik des Nationalsozialismus zu suchen. Andere verwerfen solche Bemühungen unter Verweis auf Joachim Heinrich Campe als Sprachpurismus.
Literatur zu Kontakten der deutschen Sprache
- Johannes Bechert/Wolfgang Wildgen: Einführung in die Sprachkontaktforschung. Darmstadt, Wiss. Buchgesellschaft, 1991
- Csaba Földes: Kontaktdeutsch. Zur Theorie eines Varietätentyps unter transkulturellen Bedingungen von Mehrsprachigkeit. Tübingen, Verlag Gunter Narr, 2005
- Claudia Maria Riehl: Sprachkontaktforschung. Tübingen, Narr, 2004
Wie das Deutsche in anderen Sprachen heißt
Aufgrund der sehr wechselhaften Geschichte Deutschlands gibt es in den Sprachen der Welt mehr unterschiedliche Formen für den Namen der deutschen Sprache als für die meisten anderen Sprachen der Welt.
Allgemein kann man die Namen der deutschen Sprache aber aufgrund ihrer Herkunft in sechs Gruppen zusammenfassen.
Anmerkung: In der Vergangenheit war im Rumänischen die dem Slawischen entlehnte Form nemţeşte üblich, aber heute wird im Rumänischen vorwiegend das Wort germană benutzt. Das ungarische német ist auch aus dem Slawischen entlehnt, ebenso der Name Österreichs im Arabischen, an-Nimsā (النمسا).
Siehe auch
- Jiddisch
- Rotwelsch
- »BRD-Sprache« und »DDR-Sprache«, Duden als Sprachwächter
- Schweizer Hochdeutsch, Schweizerdeutsch
- Sprachgebrauch in Österreich
- Belgranodeutsch
- Deutschsprachiger Raum
- Institut für Deutsche Sprache
- Gebärdensprache im deutschsprachigen Raum
- Moselromanisch
- Deutsche Sprache in Namibia
- :Kategorie:Deutsche Sprache
- Variantenwörterbuch des Deutschen
- Pennsylvania Dutch, Hutterisch, Texasdeutsch
- Riograndenser Hunsrückisch
- Deutsche Redewendungen
- Studentensprache
- Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen
- Liste der häufigsten Wörter der deutschen Sprache
Weblinks
- [http://www.ids-mannheim.de Institut für deutsche Sprache, Mannheim]
- [http://www.gfds.de/ Gesellschaft für deutsche Sprache, Wiesbaden]
- [http://wortschatz.uni-leipzig.de/index.html Wortschatz der deutschen Sprache]
- [http://www.dwb.uni-trier.de/ Grimm, Deutsches Wörterbuch]
- [news:de.etc.sprache.deutsch Newsgroup zur deutschen Sprache] ([http://groups.google.com/groups?q=de.etc.sprache.deutsch de.etc.sprache.deutsch bei Google], [http://faql.de FAQs zur Newsgroup])
- [http://www.canoo.net/index.html Rechtschreibung mit Online-Prüfung, Grammatik, Morphologie und anderes]
- [http://www.woerterbuch.info/ woerterbuch.info - Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 600.000 Übersetzungen und 125.000 Synonymen]
- [http://www.deutsche-sprachwelt.de Magazin Deutsche Sprachwelt]
Eine Übersicht über die Beiträge in Wikipedia zum Thema Sprache bietet das Portal:Sprache.
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Germanisch
Kategorie:Einzelsprache
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als:Deutsche Sprache
ja:ドイツ語
ko:독일어
ms:Bahasa Jerman
simple:German language
th:ภาษาเยอรมัน
Latein
Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum.
Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.
Entwicklung
romanischen Sprachen
Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein.
Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen.
Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa.
In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.
Antike
Antike Schreibweise
Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen.
Vergleiche folgendes Beispiel:
Alte Schreibweise:
AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO
SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT
POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO
AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT
IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI
NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM
MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS
NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT
NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE
NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI
NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV
MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES
Heutige Schreibweise:
Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,
sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.
poena metusque aberant nec verba minantia fixo
aere legebantur, nec supplex turba timebat
iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti.
nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem,
montibus in liquidas pinus descenderat undas,
nullaque mortales praeter sua litora norant.
nondum praecipites cingebant oppida fossae,
non tuba directi, non aeris cornua flexi,
non galeae, non ensis erant: sine militis usu
mollia securae peragebant otia gentes.
Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter)
Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.
Antike Aussprache
Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.
Literatur
Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.
Gegenwart
Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte.
Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften.
Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare - „gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden.
Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher.
Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.
Modernes Latein
Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr.
Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat.
Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry.
Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein.
In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu „Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen.
Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.
Latein in den Wissenschaften
In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.
Latein in der katholischen Kirche
Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken).
Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen.
Siehe auch: Lateinische Kirche
Referenzlisten
- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter
Siehe auch
- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus
Weblinks
- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de]
Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein
ja:ラテン語
ko:라틴어
simple:Latin language
th:ภาษาละติน
zh-min-nan:Latin-gí
PluralDer Plural (lat. plures = mehrere; Abk.: „Pl.“) bezeichnet in der Grammatik einen Numerus und repräsentiert die Mehrzahl. Alle Mengen, die in einer Sprache nicht durch einen niederwertigeren Numerus abgedeckt werden, fallen hierunter. Das Gegenteil des Plurals ist der Singular, die Einzahl.
Den Plural gibt es bei verschiedenen Wortarten, zum Beispiel beim Verb (Zeitwort), beim Substantiv (Nomen, Namenwort oder Hauptwort), beim Artikel (Geschlechtswort) und beim Pronomen (Fürwort).
Beim Adjektiv (Eigenschaftswort) tritt der Plural in Übereinklang mit dem entsprechenden Substantiv auf und wird entprechend dekliniert:
- Die roten Stühle. (Adjektiv und Substantiv im Nominativ und Akkusativ Plural Neutrum, siehe auch KNG-Kongruenz)
Dabei kann das Substantiv auch ausgelassen werden, wenn es sich aus dem Kontext ergibt:
- Wo sind die Stühle? Die gelben stehen vor der Tür.
Ein Adverb (Umstandswort) hat keinen Plural.
In der deutschen Sprache müssen bestimmte Numerusformen in den entsprechenden grammatischen Einheiten in Übereinstimmung sein.
- Sie fahren. (Subjekt und Prädikat)
- Ich fahre über die großen Seen. (Objekt, zugehörender Artikel)
- Wir fahren durch die Wälder. (Kombination beider Arten)
- Mutti und Vati fahren. (Bei Aufzählungen im Singular steht das Verb im Plural.)
Nicht richtig wäre zum Beispiel:
- Ich fahren über den See. Das Verb steht hier in einem anderen Numerus als das zugehörige Subjekt.
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Pluralbildung bei Substantiven
Grundsätzlich ist zu bemerken, dass die Pluralbildung vom Genus des Wortes abhängig ist. Grimm stellt dar, dass im Allgemeinen:
- Maskulina die Endung -e
- Neutra die Endung -er
- Feminina die Endung (-e)n
erhalten.
Beispiele
- der Hund, die Hunde
- das Kind, die Kinder
- die Tanne, die Tannen
interessant:
- der Band, die Bände
- das Band, die Bänder
- die Bande, die Banden
Endungslos, also formengleich mit dem Singular ist der Plural, wenn im Singular bereits eine der Pluralendungen verwendet wird:
- der Penner, die Penner
- das Laster, die Laster
Häufige Ausnahmen von diesen Regeln existieren:
- die Maus, die Mäuse
- die Lust, die Lüste
Grimm rät bei vielen der Abweichungen auf ein ursprünglich anderes Geschlecht:
- Gott, die Götter weist auf Neutrum
- Wand, die Wände weist auf Maskulinum, vgl. auch die Ableitungen Vorwand, Einwand, die alle männlich sind.
Manchmel existieren verschiedene Pluralformen eines Wortes, zum Beispiel
- das Wort, die Wörter, die Worte.
Dabei gibt es einen Bedeutungsunterschied in der hochdeutschen Sprache. "Die Worte" beziehen sich auf das Wort als Aussage, während "die Wörter" sich eher auf die grammatische Bedeutung von "Wort" beziehen.
Relativ häufig ist die Pluralbildung mit Umlaut:
- die Mutter, die Mütter, der Vater, die Väter
Pluralformen mit s sind historisch eigentlich untypisch für die deutsche Sprache und relativ jung.
Heute stellt die "s"-Endung einen Standardwert zur Plural-Bildung dar. Sie wird immer verwendet, wenn keine andere Möglichkeit vorhanden ist (unter anderem, wenn man das Wort nicht durch Analogie zu anderen Pluralformen einordnen kann), zum Beispiel auch bei Akronymen:
- die PKWs
Oft wird die s-Endung bei Fremdwörtern verwendet:
- die Kids,die Babys
Der s-Plural wird zudem für die Kennzeichnung von Gruppen durch Personennamen verwendet: Vergleiche: Der Müller, die Müller (Beruf), aber:
- die Müllers (mehrere Mitglieder der Familie Müller).
Manche Wörter haben keinen Plural, man spricht hier von Singulariatanta.
- Weltall oder Chaos
Bei manchen nur im Plural vorhandenen Wörtern ist der Singular in der hochdeutschen Sprache verschwunden, kann aber in Dialekten noch vorhanden sein.
- Trümmer (Singular war "Trumm")
Bei einigen Wörtern kommt im Plural eine Bedeutungsverschiebung zum Ausdruck:
- das Wasser (Bezeichnung einer unbestimmten Menge an Wasser), die Wasser (verschiedene Sorten Wasser, Flüsse, Seen, etc.), die Wässer (verschiedene Sorten Trinkwasser)
Früher wurde auch ein so genannter innerer Plural verwendet, eine Wortform, die grammatisch im Singular auftritt, aber eine Mehrzahl meint:
- der Ast, das Geäst
- der Strauch, das Gesträuch
- der Wurm, das Gewürm
Dabei ist meist eine unbestimmte Menge gemeint (Plural der unbestimmten Menge), die keine grammatische Mehrzahl hat.
(Vergleichbare Formen werden aber auch von Verben gebildet: rauschen - Geräusch, brauen - Gebräu).
Ein Substantiv, das nur im Plural gebräuchlich ist (Ferien, Kosten), nennt man Pluraletantum.
- Besonderheit: der Kaufmann - die Kaufleute
Der Plural in anderen Sprachen
Im Französischen wird der Plural durch Vorstellen von "des" vor das Substantiv, an das die Pluralendung s/es gehängt wird:
- des immeubles (Immobilien)
- des voitures (Autos)
- des crayons (Stifte)
Im Englischen bildet man den Plural meist nur durch Anhängen von "s" an das Substantiv.
- houses (Häuser)
- cars (Autos)
- pencils (Stifte)
aber:
- hobbies (Hobbys)
In Esperanto bildet man den Plural nur durch Anhängen eines "j" an das Substantiv.
- domoj (Häuser)
- aŭtoj (Autos)
- krajonoj (Stifte)
- hobioj (Hobbys)
Plural von Personalpronomen
Bei Personalpronomen haben Singular und Plural unterschiedliche Bezeichnungen. Auch die Deklinationsformen sind unregelmäßig.
- ich -> wir
- du -> ihr
- er, sie, es -> sie
Siehe auch
Singular, Pluraletantum, Dual, Trial, Quadral, Paukal.
Weblink
- [http://faql.de/numerus.html Zweifelsfälle zum Plural in der deutschen Sprache]
Kategorie:Grammatik
simple:Plural
Sexus (Sprache)Der Sexus ist eine Kategorie der Sprachwissenschaft. Dabei geht es um sprachliche Ausdrucksmittel, die das biologisch-soziale Geschlecht von Wörtern anzeigen, die sich auf belebte Wesen beziehen. Es kann sich um Ausdrucksmittel handeln, die sexusunmarkierte Wörter in Hinblick auf das biologisch-soziale Geschlecht auszeichnen, oder um Ausdrucksmittel, die geschlechtlich festgelegte Wörter einem anderen Geschlecht zuordnen (Motion).
Beispiele
So sind Hase oder Gans im Deutschen sexusunmarkiert, d.h. wenn jemand von einem Hasen oder einer Gans spricht, ist offen, ob es sich um ein männliches oder ein weibliches Tier handelt; Häsin und Gänserich bzw. Ganter sind hingegen eindeutig sexusmarkiert, und zwar durch die Motionssuffixe -in bzw. -erich oder – im Falle von Ganter – durch die Ersetzung (Suppletion) des Wortes mit einem anderen (wenn auch historisch zu Gans gehörigen). Herr ist ein Wort, das sich semantisch auf Männer bezieht, mit dem Motionssuffix -in kann es Frauen bezogen werden.
Sexus-neutrale Sprache
Von der feministischen Bewegung wird eine sexus-neutrale Behandlung der Wörter zur Bezeichnung von Menschen und deren Berufen in der deutschen Sprache gefordert. Dazu gehört die Verwendung des umstrittenen Binnen-I. Insbesondere wird kritisiert, dass männliche Bezeichnungen sehr oft als die (unmarkierten) Standardbezeichnungen für beide Geschlechter verwendet werden. Anderseits wird von neueren Ansätzen des Feminismus – nämlich von der Queer Theory – die Hervorhebung des Geschlechts bzw. der Zweigeschlechtlichkeit abgelehnt, wie sie im Deutschen zum Beispiel durch spezielle Endungen wie -in oder auch durch das regelwidrige Binnen-I vorgenommen wird.
Kategorie:Sprachwissenschaft
NominalklasseNominalklassen sind durch die Grammatik der jeweiligen Sprache vorgegebene Einteilungen von allen Nomina einer Sprache in eine endliche Zahl von Gruppen, die sich in grammatischer Hinsicht jeweils verschieden verhalten. Die einzelnen Nominalklassen umfassen oft, aber keineswegs immer, Wörter von gleichartiger Bedeutung.
Nominalklassen sind besonders charakteristisch für die Bantusprachen und einige andere Zweige der Niger-Kordofanischen Sprachen in Afrika, beispielsweise Fulfulde. Es gibt sie aber auch in ganz anderen Sprachfamilien, etwa im Dyirbal in Australien und in sino-tibetischen Sprachen - sind also nicht immer auf eine gemeinsame Wurzel im Sinne genetischer Sprachverwandtschaft zurück zu führen.
Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek untersuchte in seiner Doktorarbeit 1851 die Nominalklassen der Bantusprachen. Er führte ein Nummerierungssystem für die Nominalklassen der Bantusprachen ein, das heute noch benutzt wird. Je nach Sprache gibt es über 20 Nominalklassen bei den Bantusprachen. Die Nominal-Klassifikatoren stehen in den Bantusprachen immer vor dem eigentlichen Wortstamm. In den Bantusprachen passen sich Pronomen, Adjektive und Verben der Nominalklasse des Substantivs an, zu dem sie gehören.
Hier ein Beispiel aus dem Swahili:
- Wa-tu wa-refu wa-wili wa-na-ingia nyumba-ni
- Zwei große Menschen gehen ins Haus hinein.
- Wörtlich: 2.Mehrzahlklasse-Mensch 2.Mehrzahlklasse-groß 2.Mehrzahlklasse-zwei 2.Mehrzahlklasse-Gegenwart-hineingehen Haus-in
In den indoeuropäischen und den semitischen Sprachen ähneln die grammatischen Geschlechter ansatzweise Nominalklassen, beispielsweise in dem Phänomen, dass die meisten Blumennamen im Deutschen weiblich sind.
Im Chinesischen gibt es zum Beispiel beim Zählen Nominal-Klassifikatoren (Zähleinheitswörter, ZEW). Sie stehen zwischen Zahlwort und Substantiv:
- sān zhāng zhǐ heißt drei "Blatt" Papier.
- sān wèi rén heißt drei "Person" Mensch.
Hier wird das ZEW zhāng für flache Gegenstände und das höfliche ZEW wèi für Personen verwendet.
Oft wird in der modernen Umgangssprache allgemein das ZEW ge ("Stück") verwendet was aber zu Verwechslungen führen kann:
- yí kuài mǐanbāo heißt ein "Stück" Kuchen.
- yí ge mǐanbāo heißt eigentlich ein "ganzer" Kuchen.
Zudem können die verschiedenen ZEW das Hörverständnis erleichtern:
- yì tiáo yú heißt ein Fisch.
- yí kuài yù heißt ein Stück Jade.
Das Vorhandensein von Nominalklassen wurde im Rahmen der von
Karl Friedrich Lepsius und Carl Meinhof vertretenen Hamitentheorie als Zeichen von kultureller Höherentwicklung bewertet, da sich diese Sprachen vermeintlich an die semitischen Sprachen, und damit an die abendländisch-morgenländischen Zivilisationen anschließen lassen. Aufgrund dieser scheinwissenschaftlichen Ideologie begründeten die deutschen Kolonialmächte in ihren Territorien die Hegemonialansprüche sog. Herrenvölker, was bis in die Neuzeit zu erheblichen Konflikten führt (vgl. z.B. den Konflikt zwischen Hutu und Tutsi in Ruanda der zum Völkermord in Ruanda führte).
Kategorie:Linguistik
Semitische SprachenDie Sprachfamilie der semitischen Sprachen ist Teil der Afro-Asiatischen Sprachen, die sich in Nordostafrika entwickelt haben. Sie werden heute von ca. 280 Millionen Menschen gesprochen.
Den Alphabeten oder Abjaden der semitischen Sprachen (außer den semitischen Sprachen Äthiopiens, dem Mandäischen und dem Maltesischen) ist gemein, dass sie nur Konsonanten benennen, während die Vokale im geschriebenen Text meist nicht bezeichnet werden, des Weiteren in vielen Fällen die Schreibweise von rechts nach links.
Typische Merkmale aller semitischen Sprachen sind:
- in der Phonologie: das Auftreten zahlreicher Kehl- und emphatischer Laute.
- in der Formenlehre:
- die Verwendung einer aus drei Radikalen bzw. Konsonanten bestehenden Wortwurzel zur Bildung von Wörtern (Triradikalität).
- die Verwendung eines bestimmten Artikels vor bzw. nach Substantiven.
- die Verwendung des Status constructus zur Verbindung von zwei oder mehreren Substantiven (siehe hierzu hebräische Sprache).
Substantive in semitischen Sprachen kennen zwei Nominalklassen bzw. Genera, die üblicherweise maskulin und feminin genannt werden. Neben Plural und Singular gibt es in vielen Fällen noch den Dual ("Zweizahl"). Das klassische Arabisch verwendet diese Form in sämtlichen Substantiven und Verben, im Hebräischen hingegen wird sie nur für in der Regel als Paar auftretende Gegenstände verwendet (Augen, Hände etc.).
Verben in semitischen Sprachen unterscheiden ursprünglich nur die Aspekte vollendet (perfekt) oder unvollendet (imperfekt). Dafür drücken verbale Ableitungen semitischer Stammformen verschiedene Modifikationen aus, beispielsweise die Intensivierung (im Deutschen selten: stechen – sticheln, streichen – streicheln), die Veranlassung in kausativen Verben (im Deutschen z. B.: fallen – fällen oder trinken – tränken), oder die rückbezügliche Beziehung in reflexiven Verben. Ansonsten kennen semitische Sprachen Entsprechungen für Aktiv und Passiv, Imperativ, Verbalsubstantiv usw. wie andere Sprachen auch.
Selbständige Personalpronomen kommen selten vor und dienen der Hervorhebung (ich persönlich, du da). Im Unterschied zum Deutschen können die Personalpronomen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen, verschmolzen werden. Dies hat nicht nur orthographische Konsequenzen, da sich das 'Anhängen' auf die gesamte Wortform verändernd auswirkt. (vergleiche biblisches Hebräisch: schamar = behüten, schamreni = behüte mich). Auch Artikel, die Konjunktion und sowie einige Präpositionen sind nicht selbständig, sondern verschmelzen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen.
Einteilung
Die semitischen Sprachen werden gemeinhin in folgende Gruppen eingeteilt:
- Ostsemitisch
- Akkadisch (ausgestorben)
- Babylonisch (ausgestorben)
- Assyrisch (ausgestorben)
- Nordwestsemitisch
- Amoritisch (ausgestorben)
- Eblaitisch (ausgestorben, Zuordnung umstritten)
- Ugaritisch (ausgestorben)
- Kanaanäisch (ausgestorben)
- Phönizisch-Punisch (ausgestorben)
- Moabitisch (ausgestorben)
- Ammonitisch (ausgestorben)
- Hebräisch
- Neuhebräisch (heute wieder gesprochen)
- Aramäisch (Aramäer, auch als Gelehrten-, Handels- und Sakralsprache)
- Westaramäische Dialekte
- Nabatäisch (ausgestorben)
- Palmyrenisch (ausgestorben)
- Jüdisch-Aramäisch (Sprache der Targume, des Palästinischen Talmuds und einiger Midraschim)
- Samaritanisch (ausgestorben)
- Christlich-Palästinisch
- Neuwestaramäisch (in Ma'lula in Syrien heute noch gesprochen)
- Ostaramäische Dialekte
- Syrisch
- Jüdisch-Babylonisch-Aramäisch (Sprache des Babylonischen Talmud)
- Mandäisch
- Neuostaramäisch auch Aramoyo genannt (heute noch gesprochen)
- Südsemitisch
- Äthiopische Sprachen
- Ge'ez (im Alltag ausgestorben – hat noch als Sakralsprache Bedeutung)
- Amharisch
- Tigrinya
- Tigré
- Gurage
- Aderi (die Sprache der Stadt Harar)
- Nordarabische Sprachen
- Klassisches Arabisch (Literatur- und Sakralsprache)
- moderne arabische Dialekte
- Maltesisch (auf Malta gesprochen, mit modernen maghrebinischen Dialekten verwandt)
- Südarabische Sprachen
- Sabäisch (ausgestorben)
- Minäisch (ausgestorben)
- Suqutri (heute auf der Insel Sokotra gesprochen)
- Mehri (heute im Jemen und Oman gesprochen)
- Dschibbali (heute im Oman gesprochen)
!
S
ja:セム語派
NominalklasseNominalklassen sind durch die Grammatik der jeweiligen Sprache vorgegebene Einteilungen von allen Nomina einer Sprache in eine endliche Zahl von Gruppen, die sich in grammatischer Hinsicht jeweils verschieden verhalten. Die einzelnen Nominalklassen umfassen oft, aber keineswegs immer, Wörter von gleichartiger Bedeutung.
Nominalklassen sind besonders charakteristisch für die Bantusprachen und einige andere Zweige der Niger-Kordofanischen Sprachen in Afrika, beispielsweise Fulfulde. Es gibt sie aber auch in ganz anderen Sprachfamilien, etwa im Dyirbal in Australien und in sino-tibetischen Sprachen - sind also nicht immer auf eine gemeinsame Wurzel im Sinne genetischer Sprachverwandtschaft zurück zu führen.
Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek untersuchte in seiner Doktorarbeit 1851 die Nominalklassen der Bantusprachen. Er führte ein Nummerierungssystem für die Nominalklassen der Bantusprachen ein, das heute noch benutzt wird. Je nach Sprache gibt es über 20 Nominalklassen bei den Bantusprachen. Die Nominal-Klassifikatoren stehen in den Bantusprachen immer vor dem eigentlichen Wortstamm. In den Bantusprachen passen sich Pronomen, Adjektive und Verben der Nominalklasse des Substantivs an, zu dem sie gehören.
Hier ein Beispiel aus dem Swahili:
- Wa-tu wa-refu wa-wili wa-na-ingia nyumba-ni
- Zwei große Menschen gehen ins Haus hinein.
- Wörtlich: 2.Mehrzahlklasse-Mensch 2.Mehrzahlklasse-groß 2.Mehrzahlklasse-zwei 2.Mehrzahlklasse-Gegenwart-hineingehen Haus-in
In den indoeuropäischen und den semitischen Sprachen ähneln die grammatischen Geschlechter ansatzweise Nominalklassen, beispielsweise in dem Phänomen, dass die meisten Blumennamen im Deutschen weiblich sind.
Im Chinesischen gibt es zum Beispiel beim Zählen Nominal-Klassifikatoren (Zähleinheitswörter, ZEW). Sie stehen zwischen Zahlwort und Substantiv:
- sān zhāng zhǐ heißt drei "Blatt" Papier.
- sān wèi rén heißt drei "Person" Mensch.
Hier wird das ZEW zhāng für flache Gegenstände und das höfliche ZEW wèi für Personen verwendet.
Oft wird in der modernen Umgangssprache allgemein das ZEW ge ("Stück") verwendet was aber zu Verwechslungen führen kann:
- yí kuài mǐanbāo heißt ein "Stück" Kuchen.
- yí ge mǐanbāo heißt eigentlich ein "ganzer" Kuchen.
Zudem können die verschiedenen ZEW das Hörverständnis erleichtern:
- yì tiáo yú heißt ein Fisch.
- yí kuài yù heißt ein Stück Jade.
Das Vorhandensein von Nominalklassen wurde im Rahmen der von
Karl Friedrich Lepsius und Carl Meinhof vertretenen Hamitentheorie als Zeichen von kultureller Höherentwicklung bewertet, da sich diese Sprachen vermeintlich an die semitischen Sprachen, und damit an die abendländisch-morgenländischen Zivilisationen anschließen lassen. Aufgrund dieser scheinwissenschaftlichen Ideologie begründeten die deutschen Kolonialmächte in ihren Territorien die Hegemonialansprüche sog. Herrenvölker, was bis in die Neuzeit zu erheblichen Konflikten führt (vgl. z.B. den Konflikt zwischen Hutu und Tutsi in Ruanda der zum Völkermord in Ruanda führte).
Kategorie:Linguistik
Turksprachen
Die Turksprachen, in wörtlicher Übersetzung aus der türkischen Turkologie auch „türkische Sprachen“ oder „Türksprachen“ genannt, sind eine eng verwandte Sprachfamilie.
Die Anzahl der Muttersprachler aller turkstämmigen Nationen, Volksgruppen und Minderheiten betrug 1990 laut Vereinten Nationen ca. 165 Millionen. Heute geht man von etwa 180 Millionen Muttersprachlern aus.
Die UNESCO hatte in den 1980er Jahren ermittelt, dass für die Turksprachen eine Sprecherzahl von rund 200 Millionen angenommen werden kann, wenn die Personen hinzugezählt werden, die eine Turksprache als Zweit- oder Drittsprache sprechen. Heute kann aufgrund des Bevölkerungswachstums von einer höheren Zahl ausgegangen werden.
Als Alternativformen sind auch „Turktatarisch“, „Turk-Tatarisch“, „Turkotatarisch“, „Turko-Tatarisch“, „Turkomongolisch“ und „Turko-Mongolisch“ bekannt. In den Sprachen der turksprachigen Staaten, autonomen Republiken und Regionen erfolgt, ähnlich wie auch in anderen Sprachen, keine Unterscheidung zwischen den Wortstämmen „Turk-“ und „Türk-“.
Verbreitungsgebiet der Turksprachen
1980
Die Turksprachen sind in Sibirien und Zentralasien (wohl im Raume des Altai) entstanden und haben sich in großen Teilen Asiens und in Teilen Europas verbreitet.
Sie bilden nach einer verbreiteten Theorie mit dem Mongolischen und dem Tungusischen die Altaisprachen. Die Zugehörigkeit des Koreanischen zu dieser Gruppe ist umstritten, die des Japanischen gilt als widerlegt. Diese Einteilung entstand nur nach dem gemeinsamen Ursprungsraum dieser Völker, dem Altaigebirge. Eine ältere Sprachgruppenbezeichnung lautete Ural-Altaisch, doch auch die damit verbundene Theorie einer Verbindung zu den uralischen Sprachen wird heute als veraltet angesehen.
Die einzelnen Turksprachen und ihre Einteilung
Grundsätzlich ist die Abgrenzung dessen, was eine Sprache ausmacht, häufig eine Frage regionaler historischer Entwicklung, politischer Entscheidungen oder auch wissenschaftlicher Übereinkunft. (Siehe auch Abstandsprache und Ausbausprache.)
Doch gibt es – aufgrund verschiedener Ansätze – in Bezug auf die Turksprachen (im Gegensatz zu anderen Sprachen) keinerlei einheitliche Klassifizierungen. Vielmehr spielen hier subjektive Faktoren eine große Rolle.
Die unten benannten Sprachen sind überwiegend Schriftsprachen oder Sprachen von staatlich anerkannten ethnischen Gruppen. Andere turkologische Ansätze lassen die Zahl der Sprachen deutlich geringer werden oder verweisen auf weitere Sprachen, die in der Liste nicht erwähnt sind.
(Die ältesten Wörter einer Turksprache dürften wohl die turkukischen Wörter sein, die 1766 v. Chr. in China aufgezeichnet wurden.)
Gemäß einer häufigen Einteilung werden folgende Gruppen unterschieden:
- Oghusische Sprachen (Südwest-Gruppe): Türkisch und Aserbaidschanisch, Turkmenisch, Gagausisch und Krimtatarisch
- Gruppe Süd-Türkisch (oghusisch): Chaladschisch, Chorassan-Türkisch, Afscharisch, Kaschgaisch
- Uyghurische (Uigurische) Sprachen (Südost-Gruppe): Usbekisch, Neu-Uigurisch
- Kyptschak-Bulgarische Sprachen (Alte Nordwest-Gruppe): Tschuwaschisch
- Kyptschakische (Kiptschakische) Sprachen (Nordwest-Gruppe): Baschkirisch, Karaimisch, Karakalpakisch, Karatschai-Balkarisch, Kasachisch, Kirgisisch, Kumykisch, Nogaisch, Tatarisch, Meschetisch
- Sibirische Turksprachen (nördliche Turksprachen):
- Nordsibirische Turksprachen (Nordost-Türkisch): Dolganisch, Jakutisch,
- Südsibirische Turksprachen (Südost-Türkisch): Altaisch, Chakassisch, Schorisch, Tofalarisch/Karagassisch, Tuwinisch und Tschulim-Tatarisch.
Eine weitere Einteilung der Turksprachen fußt allein auf der geografischen Verbreitung. Sie teilt die Turksprachen in westliche, östliche, nördliche und südliche Turksprachen ein:
Zu den Turksprachen zählen auch das Salarische und das West-Yugurische in der Volksrepublik China. Krimtschakisch, das auch als Variante des Krimtatarischen betrachtet werden kann, wird entweder der oghusischen oder der kyptschakischen Gruppe zugerechnet. Aber auch die Zuordnung der Dialekte des Altaischen ist noch heute stark umstritten.
Es gibt eine Reihe historischer und ausgestorbener Sprachformen.
Erwähnt werden sollten das einst die Sibirien und Zentralasien gebräuchlichen Sprachen Alttürkisch, Altuigurisch, Karlukisch und Choresmisch; aber auch das spätere Kyptschakische, Tschagataische und das Osmanische. Ferner waren vermutlich Hunnisch und Awarisch überwiegend als Turksprachen anzusehen.
Wichtige und aussterbende Sprachen
Einige der größten Turksprachen, die auch den Status von Amtssprachen von Staaten haben, sind Türkisch, Aserbaidschanisch, Turkmenisch, Usbekisch, Kasachisch und das eng verwandte Kirgisische.
Den Status von regionalen Amtssprachen haben zum Beispiel auch die Sprachen Baschkirisch und Tatarisch.
Aussterbende Turksprachen sind Karaim, Krimtschakisch, Schorisch und Tofalarisch (Karagassisch).
Vergleichende Betrachtung der Turksprachen
Die heutigen Turksprachen haben sich allesamt aus der alttürkischen Sprache entwickelt.
Dabei entwickelten sich im Laufe der Zeit fünf (oder nach anderer Auffassung sechs) große Sprachgruppen.
Diese Gruppen können wieder in zwei große Sprachgebiete zusammengefasst werden: in das ogurische Sprachgebiet, das aus den alten Westdialekten des Göktürkischen gebildet wurde, und in das oghusische Sprachgebiet, dessen Wurzeln in den alten Ostdialekten des Göktürkischen liegen.
Trotz der geographischen Verbreitung ihrer Siedlungsgebiete sind sich die Turksprachen untereinander noch sehr ähnlich. Wird die Schreibweise des modernen Türkischen (Türkeitürkisch) auf diese Sprachen angewendet, so wird diese Verwandtschaft wieder offensichtlich.
Es sollen folgende Turksprachen miteinander verglichen werden: Türkisch, Aserbaidschanisch, Turkmenisch, Tatarisch, Kasachisch, Kirgisisch, Usbekisch und Uigurisch.
Die oben aufgeführten Sprachen haben eines gemeinsam. Sie sind Staats- oder Landessprachen unabhängiger Staaten oder autonomer Gebiete.
Auch die nachfolgenden Sprachen sind Amtssprachen autonomer Republiken in der Russischen Föderation. Innerhalb der Turksprachen gelten sie jedoch als „Exoten“.
Aufgrund der langen Trennung von den anderen Turksprachen haben sie einen „Sonderweg“ eingeschlagen. Diese Sprachen sind Saqa-Jakutisch und Tschuwaschisch.
- Für den oberen Teil des Beins wird auch in der türkischen Sprache das Wort but benutzt. Auch gibt es das Wort ayak für „Bein/Fuß“ im Türkischen.
Das Jakutische weicht vom Grundwortschatz her bereits stark vom eigentlichen Türkischen ab. Unterschiedlich sind ferner Wortstellung und Satzbau. In dieser Hinsicht haben sich die Jakuten mehr den Tungusen und Mongolen angeglichen. Außerdem fehlen alle Fremdwörter persisch-arabischen Ursprungs, die vor allem das Türkei-Türkische auszeichnen.
Die andere Sprache, das Tschuwaschische, hat sich fast gänzlich von der türkischen Wurzel entfernt. Ein türkischer Muttersprachler wird in dieser Sprache kaum noch eine Verwandtschaft feststellen – für einen Laien ist dies gänzlich unmöglich:
Chulcha’ sarsa tike’slnne’ jyvachsem parhatarla’ syvla’mpa cha’va’nna’ hychcha’n cha’ma’pa’n va’shlatsa ireken chilpe sha’la’nsa tasalna’ ta ja’lta’kka eshe’l kyra’nachche’.
Übersetzung:
„Die belaubten Bäume badeten im reinen Morgentau und trockneten im sanften Wind; es war eine wunderschöne Szene.“
Eines der kleineren turkotatarischen Völker sind die Tuwiner.
Genau genommen gibt es sogar zwei „tuwinische Völker“, die aus dem alten uyghur-türkischen Volk der Uriangqai hervorgegangen sind:
Die Tuwa in der Mongolei sind zwar turkstämmiger Herkunft, als Volk aber schon vor 1204 im Mongolentum aufgegangen.
Die Tuwiner sind Turkotataren im russischen Altai und sehen in den Tuwa ihre engeren Verwandten. Beide Völker gehörten bis 1921 einem gemeinsamen Staat an: dem Qaraqorum Arad Ulus – dem „Mongolischen Khanat“.
(Der Mongole Dschingis Khan soll teilweise türkischer Herkunft gewesen sein, seine Stammahnin Alan Ghoa war laut der „Geheimen Geschichte der Mongolen“ eine Uriangqai.)
- Als Gol (neutürk. Kol) wird im Türkischen der Arm bezeichnet.
In der Altairegion lebt noch ein kleines Volk, das auf die alten Kirgisenstämme zurückgeführt werden kann, die Chakassen oder Abakan-Tataren.
Tuwinisch und Chakassisch zeichnen sich dadurch aus, dass vor allem die vielen persisch-arabischen Fremdwörter fehlen, die die südtürkischen Sprachen stark beeinflusst haben.
Vielmehr haben vor allem im Tuwinischen die Einflüsse der Mongolen eine große Rolle gespielt, während im Chakassischen das Uigurische des Mittelalters überdauert zu haben scheint.
Die großen Turksprachen haben, wenn ihre Sprachträger als Eroberer kamen, immer Anteile der Ursprachen oder, wenn sie selbst erobert wurden, Sprachanteile der Sieger in sich aufgenommen.
Am meisten wirken sich diese Vorsprachen in den oghusischen Sprachen aus, wo neben einem enormen Anteil persisch-arabischen Sprachgutes viele Wörter alter nichttürkischer Stammesstaaten überdauert haben. Vor allem hat hier die Sprache der Sumer hier deutlich ihre Spuren hinterlassen.
- Für „Wollweste“ wird in der türkischen Sprache auch das Wort „aba“ verwendet.
- Das chakassische Wort „tüben“ (für zehntausend) findet sich im Türkei-türkischen "tümen" wieder. Tümen = Division = Heereseinheit mit einer stärke von rund 10.000 Mann.
Lautliche und grammatische Merkmale
Turksprachen sind durch eine starre Satzkonstruktion gekennzeichnet, an deren Ende in der Regel ein Verb (Tätigkeitswort) steht.
Nachsilben (Suffixe), identisch wie im finno-ugrischen Sprachzweig, spielen eine zentrale Rolle bei der Bildung grammatischer Formen. Dies wird Agglutination genannt.
In Turksprachen gibt es anders als im Deutschen kein grammatisches Geschlecht. Ein lautliches Merkmal vieler Turksprachen ist die Vokalharmonie.
In zahlreichen Turksprachen kommen in einem einzelnen Wort entweder nur die Vokale (Selbstlaute) a, o, u und ı (phonetisch []) oder ä, ö, ü und i vor.
Auch die von diesen Vokalen eingebundenen Konsonanten (Mitlaute) unterscheiden sich voneinander.
Die meisten Turksprachen sind, wie schon erwähnt, einander so ähnlich, dass sich ihre Sprecher untereinander ohne weiteres verständigen können. Mit Sprechern einer kleineren oder entlegenen Turksprache ist eine mündliche Verständigung ebenfalls – zwar mit großen Schwierigkeiten verbunden, aber dennoch – möglich.
Hierzu trägt natürlicherweise – neben den ererbten Gemeinsamkeiten – auch die lange arabisch-persische Prägung von Wortschatz und Idiomatik bei, die alle Turksprachen außer den nördlichen Turksprachen durch den Islam erfahren haben.
Für die turkotatarischen Sprachen der GUS-Staaten kommt die Schicht aus dem oder über das Russischen übernommenen Lexik hinzu.
Trennend wirkt sich seit den 1930er Jahren die Tendenz aus, Neuwörter ohne Rücksicht auf die übrigen Turksprachen zu bilden.
Schriftdenkmäler und Alphabete
Die ältesten alttürkischen Schriftzeugnisse dürften wohl die türkischen
Runeninschriften des Orchon-Jenisseigebietes sowie die türkischen Turaninschriften bilden. Diese stammen überwiegend aus dem 8. Jahrhundert und weisen diverse Ähnlichkeiten mit den germanischen Runen auf, so dass auch sie als Runen bezeichnet werden. Diese Sprachdenkmäler dürften wohl dem Sprachgebiet der östlichen Turksprachen zuzurechnen sein.
Die eigentliche Schrifttradition der östlichen Turksprachen beginnt im späten 10. und frühen 11. Jahrhundert unter den Karachaniden mit dem Kalukischen. Sie setzt sich im Choresm-Türkisch des 14. Jahrhunderts fort und weist bereits viele Merkmale der westlichen Turksprachen auf.
Im 15. Jahrhundert führt das Tschagataische das Choresmische wieder den Dialekten östlicher Turksprachen zu und endet in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in den modernen Sprachen Usbekisch und Uigurisch.
Schriftzeugnisse der Sprachgruppe der südlichen Turksprachen stammen ebenfalls aus dem 10./11. Jahrhundert, als die seldschukische Sprache und deren Tochtersprachen Alt-Osmanisch und Alt-Aserbaidschanisch entstanden.
Die frühesten Zeugnisse der westlichen Turksprachen stammen aus dem 14. Jahrhundert, als in der kumanischen Sprache der Codex Cumanicus verfasst wurde.
Ferner stammen aus dem 13./16. Jahrhundert viele Glossare, Grammatiken und literarische Werke aus Ägypten und in armenisch-kyptschakischen Denkmälern der Ukraine (16./17. Jahrhundert).
Späte Inschriften des Wolgabulgarischen sind aus dem 13./14. Jahrhundert überliefert, wobei eine genaue Abgrenzung zwischen ihr und den verwandten Sprachen, Kyptschakisch und Kyptschak-Tatarisch, kaum zu treffen ist.
Die Verschriftung der klassischen Literatursprachen Osmanisch, Aserbaidschanisch, Tschagataiisch, Kyptschak-Tatarisch und schließlich Krimtatarisch erfolgte ausschließlich in arabischen Buchstaben.
In der Zeit 1920/30 wurden weitere turksprachige Schriftsprachen geschaffen, die zuerst auf einem lateinisch basierten Alphabet fußten, dem einheitlichen türkischen Alphabet.
Ab 1936/40 begann im russischen Machtbereich der Übergang zur einer angepassten kyrillischen Schriftform. Waren die arabische und die lateinisch-basierte Schriftformen noch auf gegenseitige Verstehbarkeit ausgelegt, so galt bei den kyrillischen genau das Gegenteil – dort wurde aus verschiedenen Dialekten künstlich Sprachen entwickelt und diese so weit wie möglich voneinander entfernt.
1990 wurde von den Turkrepubliken Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisien, Turkmenistan und Usbekistan beschlossen, bis 2005 für ihr Staatsgebiet erneut die lateinische Schrift mit einem Alphabet einzuführen, das eng an das neue türkische Alphabet der Türkei angelehnt sein sollte. Ziel dieses Schrittes ist die Bewahrung des gemeinsamen Kulturerbes der Turkvölker. Beabsichtigt ist ferner, dass die turksprachigen Minderheiten in den übrigen Ländern dieses Alphabet bis 2010 übernehmen, um so die Gemeinschaft der | | |