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Geschmack

Geschmack

Geschmack (v. mittelhochdeutsch: gesmac das Vermögen zu Schmecken) bezeichnet
- in der Sinnesphysiologie den Geschmackssinn im engeren Sinn
  - den Sinneseindruck, der sich aus gustatorischen (Geschmackssinn), olfaktorischen (Geruchssinn), haptischen (Tastsinn) und auch optischen Eindrücken (das Auge ißt mit) zusammensetzt (süßer, heißer, kräftiger Geschmack). Diese Faktoren bestimmen auch den kulinarischen Genuss. Siehe Geschmack (Sinneseindruck)
- die Fähigkeit ästhetischer, modischer oder kulinarischer Urteilsbildung (erlesener Geschmack), Geschmack (kulturell)
- einen einheitlichen ästhetischen Wertmaßstab einer bestimmten Zeit oder Epoche (Geschmack des Jugendstil)
- ein subjektives Werturteil über etwas, was jemandem gefällt, wofür er eine Vorliebe entwickelt (das Geschenk trifft genau meinen Geschmack) Siehe auch: Sinne Gefühl

Mittelhochdeutsch

Mittelhochdeutsch (Mhd.) ist die Bezeichnung für eine ältere Phase der deutschen Sprache etwa zwischen 1050 und 1350. Dem Mittelhochdeutschen geht voran das Althochdeutsche (Ahd.) (etwa 750 bis 1050), von etwa 1350 bis 1650 spricht man von Frühneuhochdeutsch (Frnhd.). Mittelhochdeutsch ist vor allem als Sprache der Literatur überliefert; der alltägliche Sprachgebrauch schlug sich noch kaum in Schriftzeugnissen nieder. Zu den bekanntesten mittelhochdeutschen Dichtungen gehören das Nibelungenlied, der "Parzival" Wolframs von Eschenbach, der "Tristan" Gottfrieds von Straßburg, die Gedichte Walthers von der Vogelweide sowie der Minnesang. Das Mittelhochdeutsche unterscheidet sich vom Althochdeutschen insbesondere durch die Neben- bzw. Endsilbenabschwächung. Vom Neuhochdeutschen ist das Mittelhochdeutsche vor allem durch den Vokalismus der Stammsilben unterschieden; anders als das Neuhochdeutsche weist das Mittelhochdeutsche Kurzvokale in offener Tonsilbe auf, die zum Neuhochdeutschen hin durch die Dehnung in offener Tonsilbe beseitigt worden sind. Mittelhochdeutsch bezeichnet keine Hochsprache (im Gegensatz zur Umgangssprache), sondern ist als Gegenbegriff zum Mittelniederdeutschen zu verstehen und umfasst demnach die Sprache aller mitteldeutschen (thüringisch, hessisch, rheinfränkisch) und oberdeutschen Regionen (alemannisch, bairisch). Das Mittelhochdeutsche war keine überregional einheitliche Sprache wie das Schrift-Neuhochdeutsche, sondern war ebenso wie das heute gesprochene Deutsch gekennzeichnet durch starke regionale bzw. dialektale Unterschiede. Auch eine einheitliche Orthographie gab es im Mittelalter noch nicht. Für die Textausgaben der wichtigen mittelhochdeutschen Dichtungen, für Wörterbücher und Grammatiken wird das im Wesentlichen auf Karl Lachmann zurückgehende "normalisierte Mittelhochdeutsch" oder "Normalmittelhochdeutsch" verwendet, eine Idealform des Mittelhochdeutschen, das nur einen kleinen Ausschnitt der damaligen sprachlichen Realität wiedergibt. Die folgende Übersicht zeigt das Vokalsystem des (Normal-)Mittelhochdeutschen: :Kurzvokale: a, e, i, o, u, ä, ö, ü :Langvokale: â, ê, î, ô, û, æ, œ, iu (langes ü) :Diphthonge: ei, ie, ou, öu, uo, üe Es ist zu beachten, dass ei als e+i (nicht ai wie im Neuhochdeutschen, sondern wie "ei" oder "ij" im Niederländischen) zu sprechen ist; ie ist nicht lang-i, sondern i+e. Die wichtigsten Veränderungen vom Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen betreffen den Vokalismus:
- Die mittelhochdeutschen Langvokale /î, iu, û/ werden zu den Diphthongen nhd. /ei, eu/äu, au/ ("nhd. Diphthongierung") - Beispiele: mîn > mein, vriunt > Freund, hûs > Haus
- Die mittelhochdeutschen Diphthonge /ie, üe, uo/ werden zu den Langvokalen /i, ü, u/ ("nhd. Monophthongierung") - Beispiele: liep > lieb, müede > müde, bruoder > Bruder
- Die mittelhochdeutschen Diphthonge /ei, öu, ou/ werden geöffnet zu /ei, eu/äu, au/ ("nhd. Diphthongwandel") - Beispiele: bein > Bein, böume > Bäume, boum > Baum
- Sämtliche mittelhochdeutsche Kurzvokale /a, e, i, o, u, ä, ö, ü/ werden in offener Silbe zu den entsprechenden Langvokalen gedehnt ("Dehnung in offener Tonsilbe") weitere Veränderungen:
- Großschreibung von Substantiven im Neuhochdeutschen (im Mittelhochdeutschen wurden nur Namen großgeschrieben)
- Auslautverhärtung wird im Neuhochdeutschen nur noch phonologisch wiedergegeben, jedoch nicht graphisch gekennzeichnet (bspw. mhd. tac = nhd. Tag [gesprochen wird am Ende "k"])
- Palatalisierung = "s" vor Konsonant im Wortanfang wird zu "sch". Dies ist orthographisch immer gekennzeichnet (bspw. slichen =nhd. schleichen) außer bei "s" vor "t" bzw. "p".

Siehe auch

Deutsche Sprachgeschichte

Weblinks


- [http://www.mwv.uni-trier.de/ www.mwv.uni-trier.de] mittelhochdeutsche Wörterbücher im Verbund
- [http://www.mediaevum.de/ www.mediaevum.de] Das altgermanistische Internetportal: Mittelalterliche Literatur u.v.m. im Internet
- [http://www.uni-salzburg.at/mhdbdb/ www.uni-salzburg.at/mhdbdb] Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank Kategorie:Deutsche Sprache Kategorie:Sprachstufe

Sinnesphysiologie

Die Sinnesphysiologie untersucht Fragestellungen am Schnittpunkt zwischen Neurowissenschaften und Physiologie. Sie beschäftigt sich mit: # dem visuellen System (Sehen) # dem auditiven System (Hören) # dem taktilen System (Taktile Wahrnehmung) # dem vestibulären System (Vestibuläre Wahrnehmung) # dem kinästhetischen System (Kinästhetische Wahrnehmung)

Literatur


- Schmidt, Robert F.; Schaible, Hans-Georg (Hrsg.): Neuro- und Sinnesphysiologie. Berlin: Springer, 2006 (5. Aufl.) ISBN 3-540-25700-4

Siehe auch


- Wahrnehmung
- Sinneswahrnehmung
- Wahrnehmungspsychologie
- Wahrnehmungsphysiologie
- Objektive Sinnesphysiologie von Verhaltensreaktionen Kategorie:Physiologie Kategorie:Wahrnehmung

Geschmackssinn

Unter dem Geschmackssinn (auch Gustatorik, Schmecken oder gustatorische Wahrnehmung) versteht man die chemischen Sinnesreize, durch die ein großer Teil des Sinneseindrucks Geschmack vermittelt wird. Die Rezeptoren für die Geschmacksqualitäten sind beim Menschen auf den so genannten Geschmackspapillen angesiedelt, welche annähernd gleichmäßig über die Oberseite der Zunge verteilt sind. Nach ihrer Form unterscheidet man zwischen Wallpapillen, Blätterpapillen, Faden- und Pilzpapillen, wobei Fadenpapillen keine Geschmacksknospen enthalten. Sie dienen der Beurteilung mechanischer Eigenschaften der aufgenommenen Lebensmittel. Der Mensch verfügt über etwa 2.000 Papillen, die jeweils fünf bis zehn Geschmacksknospen tragen. Diese wiederum enthalten 40-60 Sinneszellen. Auch der weiche Gaumen, Bereiche der hinteren Gaumenwand sowie Teile des Kehlkopfs besitzen bei ihm eine gewisse Geschmacksempfindlichkeit. Säuglinge und Kleinkinder haben außerdem noch Sinneszellen auf dem harten Gaumen, in der Zungenmitte sowie in der Lippen- und Wangenschleimhaut. Im Alter sinkt die Zahl der Geschmacksknospen auf bis zu 700. Traditionell wird davon ausgegangen, dass der Mensch vier (mit umami fünf) Geschmacksrichtungen unterscheiden kann. Neuere Forschungsergebnisse lassen auf einen sechsten Sinn für Fett schließen. Der zuständige Rezeptor reagiert auf Fettsäuren. Der Mensch unterscheidet die fünf Grundqualitäten: # süß, ausgelöst durch Kohlenhydrate oder Süßstoffe # salzig, ausgelöst durch mineralische Verbindungen, wie Speisesalz # sauer, ausgelöst durch niedrige pH-Werte, wie Säuren # bitter ausgelöst durch Bitterstoffe # umami ausgelöst durch Glutaminsäure Der letzte Geschmack (umami) wurde in der westlichen Kultur erst Anfang des 20. Jahrhunderts identifiziert und soll besonders eiweißreiche Nahrungsmittel anzeigen (Aminosäuren). Der Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat (E 621) vermittelt den umami Geschmack sehr konzentriert. Ein Team aus französischen und US-amerikanischen Wissenschaftlern entdeckte Ende 2005 einen weiteren Geschmackssensor für Fett: es handelt sich um das Glycoprotein CD36, das auf der Zunge in unmittelbarer Nähe der Geschmacksknospen lokalisiert ist. Bisher war es strittig, ob es eine sechste Grundqualität, ausgelöst durch Speisefett gibt. Allgemein wurde angenommen, dass die Vorliebe für fetthaltige Speisen allein von deren Geruch und Konsistenz herrührt. Um die Frage nach einem möglichen weiteren Grundgeschmack für Fett zu klären, führten die Forscher Experimente mit normale Mäusen (= Wildtyp) und mit gentechnisch veränderten Mäusen ohne den CD36-Rezeptor durch. Den Mäusen wurde die Wahl zwischen zwei Futterangeboten gelassen, von denen eines Fett enthielt und das andere lediglich eine Substanz, die die Konsistenz des Fetts nachahmte. Es zeigte sich, dass die normalen Mäuse mit CD36, eine starke Vorliebe für das fettige Futter hatten, nicht aber die genetisch veränderten Mäuse ohne CD36. Darüberhinaus reagierten nur die gewöhnlichen Mäuse auf fetthaltige Nahrung mit der Produktion von fettspezifischen Verdauungssäften. Aus letzterem läßt sich schließen, dass der CD36-Rezeptor auch eine Rolle bei der Vorbereitung der Verdauung von Fetten spielt. Daneben werden immer wieder neue Geschmacksqualitäten diskutiert, wie alkalisch, metallisch und wasserartig. Eine wesentliche Rolle für komplexe Geschmackseindrücke besitzt der Geruchssinn, der für alle anderen "Geschmackseindrücke" (außer umami) verantwortlich ist. Deutlich wird dies bei schweren Erkältungen, wenn man mit verstopfter Nase keine Geschmackseindrücke jenseits der Grundkategorien mehr wahrnimmt. Auch gibt es bei vielen Tierarten keine Trennung zwischen Geschmacks- und Geruchswahrnehmung. "Scharf" wird zwar als Geschmacksempfindung qualifiziert, ist aber genau genommen ein Schmerzsignal der Zungennerven bei Speisen, die beispielsweise mit Chili gewürzt sind, hervorgerufen durch das Alkaloid Capsaicin.

Sensorische Verarbeitung

Die Annahme, dass einzelne Rezeptorzellen für einzelne Geschmacksrichtungen zuständig sind, gilt heute als überholt. Auch die oft noch anzutreffende Kartierung der Zunge in unterschiedliche Bereiche für süß, bitter etc. ist so nicht mehr haltbar. Stattdessen wird heute eher von einem Geschmackskontinuum ausgegangen. Dabei stützen sich die Befürworter auf die Erkenntnis, das die bisher gefundenen Rezeptorzellen stets für mehr als nur eine Geschmacksrichtung zuständig sind. Auch eine kulturell unterschiedliche Herausbildung des Geschmacks wird diskutiert. Gustatorische Sinneszellen sprechen nicht ausschließlich auf eine Grundgeschmacksart an, sondern in der Regel auf mehrere, jedoch in unterschiedlicher Intensität. Von Zelle zu Zelle ergeben sich unterschiedliche Reaktionsspektren. Die gustatorischen Signale werden im Thalamus vorverarbeitet und in Integration mit taktilen, thermischen und olfaktorischen Informationen in einer relativ unspezifischen Kortexregion verarbeitet. Die Komplexität der gustatorischen Wahrnehmung wird durch ein kombinatorisches System von Repräsentationen im Gehirn erreicht, das eine detaillierte Analyse der Feinheiten eines Sinneseindrucks erlaubt. Dieses System unseres Nervensystems, die Vektorcodierung kann als Darstellung in einem Merkmalsraum (bei vier Grundgeschmacksarten ein vierdimensionaler Raum) begriffen werden. Ein bestimmter Geschmack wird in diesem Raum durch ein Aktivierungsmuster aller vier Rezeptortypen repräsentiert. Könnte die Zunge pro Grundgeschmack nur 10 Intensitätsstufen unterscheiden, so betrüge die Gesamtzahl an unterscheidbaren Aktivierungsmustern doch 10.000. Mit nur vier verschiedenen Rezeptortypen könnte man also 10.000 unterschiedliche Geschmacksrichtungen differenzieren. Aus einfachen Grundlagen erwächst so eine gigantische Vielzahl an Unterscheidungs- und Wahrnehmungsmöglichkeiten.

Siehe auch


- Geschmack (Sinneseindruck)
- Kauen, Fletschern, Speichel,
- Sensorik und sensorische Integration
- Wahrnehmung
- Ageusie
- Elektronische Zunge

Weblinks


- [http://molgen.dife.de/Forschthema3.html Molekulare Klonierung von Geschmacksrezeptoren]
- http://www.uniklinik-saarland.de/med_fak/physiol1/LDM/chemotopic_2.htm - Zur chemotopischen Karte der Zunge: Süß ist nicht nur vorne! Kategorie:Wahrnehmung

Gustatorik

Unter dem Geschmackssinn (auch Gustatorik, Schmecken oder gustatorische Wahrnehmung) versteht man die chemischen Sinnesreize, durch die ein großer Teil des Sinneseindrucks Geschmack vermittelt wird. Die Rezeptoren für die Geschmacksqualitäten sind beim Menschen auf den so genannten Geschmackspapillen angesiedelt, welche annähernd gleichmäßig über die Oberseite der Zunge verteilt sind. Nach ihrer Form unterscheidet man zwischen Wallpapillen, Blätterpapillen, Faden- und Pilzpapillen, wobei Fadenpapillen keine Geschmacksknospen enthalten. Sie dienen der Beurteilung mechanischer Eigenschaften der aufgenommenen Lebensmittel. Der Mensch verfügt über etwa 2.000 Papillen, die jeweils fünf bis zehn Geschmacksknospen tragen. Diese wiederum enthalten 40-60 Sinneszellen. Auch der weiche Gaumen, Bereiche der hinteren Gaumenwand sowie Teile des Kehlkopfs besitzen bei ihm eine gewisse Geschmacksempfindlichkeit. Säuglinge und Kleinkinder haben außerdem noch Sinneszellen auf dem harten Gaumen, in der Zungenmitte sowie in der Lippen- und Wangenschleimhaut. Im Alter sinkt die Zahl der Geschmacksknospen auf bis zu 700. Traditionell wird davon ausgegangen, dass der Mensch vier (mit umami fünf) Geschmacksrichtungen unterscheiden kann. Neuere Forschungsergebnisse lassen auf einen sechsten Sinn für Fett schließen. Der zuständige Rezeptor reagiert auf Fettsäuren. Der Mensch unterscheidet die fünf Grundqualitäten: # süß, ausgelöst durch Kohlenhydrate oder Süßstoffe # salzig, ausgelöst durch mineralische Verbindungen, wie Speisesalz # sauer, ausgelöst durch niedrige pH-Werte, wie Säuren # bitter ausgelöst durch Bitterstoffe # umami ausgelöst durch Glutaminsäure Der letzte Geschmack (umami) wurde in der westlichen Kultur erst Anfang des 20. Jahrhunderts identifiziert und soll besonders eiweißreiche Nahrungsmittel anzeigen (Aminosäuren). Der Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat (E 621) vermittelt den umami Geschmack sehr konzentriert. Ein Team aus französischen und US-amerikanischen Wissenschaftlern entdeckte Ende 2005 einen weiteren Geschmackssensor für Fett: es handelt sich um das Glycoprotein CD36, das auf der Zunge in unmittelbarer Nähe der Geschmacksknospen lokalisiert ist. Bisher war es strittig, ob es eine sechste Grundqualität, ausgelöst durch Speisefett gibt. Allgemein wurde angenommen, dass die Vorliebe für fetthaltige Speisen allein von deren Geruch und Konsistenz herrührt. Um die Frage nach einem möglichen weiteren Grundgeschmack für Fett zu klären, führten die Forscher Experimente mit normale Mäusen (= Wildtyp) und mit gentechnisch veränderten Mäusen ohne den CD36-Rezeptor durch. Den Mäusen wurde die Wahl zwischen zwei Futterangeboten gelassen, von denen eines Fett enthielt und das andere lediglich eine Substanz, die die Konsistenz des Fetts nachahmte. Es zeigte sich, dass die normalen Mäuse mit CD36, eine starke Vorliebe für das fettige Futter hatten, nicht aber die genetisch veränderten Mäuse ohne CD36. Darüberhinaus reagierten nur die gewöhnlichen Mäuse auf fetthaltige Nahrung mit der Produktion von fettspezifischen Verdauungssäften. Aus letzterem läßt sich schließen, dass der CD36-Rezeptor auch eine Rolle bei der Vorbereitung der Verdauung von Fetten spielt. Daneben werden immer wieder neue Geschmacksqualitäten diskutiert, wie alkalisch, metallisch und wasserartig. Eine wesentliche Rolle für komplexe Geschmackseindrücke besitzt der Geruchssinn, der für alle anderen "Geschmackseindrücke" (außer umami) verantwortlich ist. Deutlich wird dies bei schweren Erkältungen, wenn man mit verstopfter Nase keine Geschmackseindrücke jenseits der Grundkategorien mehr wahrnimmt. Auch gibt es bei vielen Tierarten keine Trennung zwischen Geschmacks- und Geruchswahrnehmung. "Scharf" wird zwar als Geschmacksempfindung qualifiziert, ist aber genau genommen ein Schmerzsignal der Zungennerven bei Speisen, die beispielsweise mit Chili gewürzt sind, hervorgerufen durch das Alkaloid Capsaicin.

Sensorische Verarbeitung

Die Annahme, dass einzelne Rezeptorzellen für einzelne Geschmacksrichtungen zuständig sind, gilt heute als überholt. Auch die oft noch anzutreffende Kartierung der Zunge in unterschiedliche Bereiche für süß, bitter etc. ist so nicht mehr haltbar. Stattdessen wird heute eher von einem Geschmackskontinuum ausgegangen. Dabei stützen sich die Befürworter auf die Erkenntnis, das die bisher gefundenen Rezeptorzellen stets für mehr als nur eine Geschmacksrichtung zuständig sind. Auch eine kulturell unterschiedliche Herausbildung des Geschmacks wird diskutiert. Gustatorische Sinneszellen sprechen nicht ausschließlich auf eine Grundgeschmacksart an, sondern in der Regel auf mehrere, jedoch in unterschiedlicher Intensität. Von Zelle zu Zelle ergeben sich unterschiedliche Reaktionsspektren. Die gustatorischen Signale werden im Thalamus vorverarbeitet und in Integration mit taktilen, thermischen und olfaktorischen Informationen in einer relativ unspezifischen Kortexregion verarbeitet. Die Komplexität der gustatorischen Wahrnehmung wird durch ein kombinatorisches System von Repräsentationen im Gehirn erreicht, das eine detaillierte Analyse der Feinheiten eines Sinneseindrucks erlaubt. Dieses System unseres Nervensystems, die Vektorcodierung kann als Darstellung in einem Merkmalsraum (bei vier Grundgeschmacksarten ein vierdimensionaler Raum) begriffen werden. Ein bestimmter Geschmack wird in diesem Raum durch ein Aktivierungsmuster aller vier Rezeptortypen repräsentiert. Könnte die Zunge pro Grundgeschmack nur 10 Intensitätsstufen unterscheiden, so betrüge die Gesamtzahl an unterscheidbaren Aktivierungsmustern doch 10.000. Mit nur vier verschiedenen Rezeptortypen könnte man also 10.000 unterschiedliche Geschmacksrichtungen differenzieren. Aus einfachen Grundlagen erwächst so eine gigantische Vielzahl an Unterscheidungs- und Wahrnehmungsmöglichkeiten.

Siehe auch


- Geschmack (Sinneseindruck)
- Kauen, Fletschern, Speichel,
- Sensorik und sensorische Integration
- Wahrnehmung
- Ageusie
- Elektronische Zunge

Weblinks


- [http://molgen.dife.de/Forschthema3.html Molekulare Klonierung von Geschmacksrezeptoren]
- http://www.uniklinik-saarland.de/med_fak/physiol1/LDM/chemotopic_2.htm - Zur chemotopischen Karte der Zunge: Süß ist nicht nur vorne! Kategorie:Wahrnehmung

Olfaktorik

An der Riechwahrnehmung (griech.: ozein = riechen, auch Geruchssinn, olfaktorischer Sinn oder olfaktorische Wahrnehmung) also der Wahrnehmung von Geruch, sind zwei sensorische Systeme beteiligt: das olfaktorische und das nasal-trigeminale System. Geruch und Geschmack interagieren und beeinflussen sich gegenseitig. Der Geruchssinn ist der komplexeste chemische Sinn. Die Geruchsrezeptoren der Wirbeltiere sind in der Regel in der Nase lokalisiert.

Säugetiere

Nase Die Rezeptionszone des olfaktorischen Systems befindet sich in der inneren Nase. In jeder Nasenhöhle befinden sich 3 von den Nasenaußenwänden nach innen ragende, wulstartige Gebilde, die Nasenmuscheln (Conchae nasales), die den Luftstrom lenken. Das olfaktorische Gebiet ist auf die Riechschleimhaut (Regio olfactoria) oberhalb der oberen Nasenmuschel beschränkt. Dieses Gebiet wird auch als Geruchsorgan (Organum olfactus) bezeichnet. Dieser Bereich, der sich durch eine gelbe bis braune Farbe auszeichnet und beim Menschen nur etwa 2 x 5 cm² groß ist (beim Hund 2 x 25 cm²!), enthält die auf die Wahrnehmung von Duftmolekülen spezialisierten Sinneszellen. Die einzelnen Sinneszellen sprechen jeweils auf einen einzigen Duftstoff an, es gibt 347 unterschiedliche Zellen beim Menschen (bei Hunden oder Ratten sind es über 1200 verschiedene). Während der Nervus trigeminus die ganze Schleimhaut des Naseninneren sensibel innerviert, ist für die sensorische Innervation der Regio olfactoria der 1. Hirnnerv, der Riechnerv (Nervi olfactorii) zuständig ist. Da normalerweise nur geringe Mengen Teilluft zur Regio olfactoria gelangen, wird der Luftstrom bei der sensorischen Analyse mittels Schnüffeln (die Luft wird in kurzen Stößen durch die Nase gesogen) intensiviert. Über Rezeptorproteine der Zilien und darauffolgende Aktivierung der Adenylatzyklase wird ein Rezeptorpotential aufgebaut und durch das Siebbein hindurch über die Axone des Riechnerven an die im Gehirn liegenden Bulbi olfactorii geleitet, wo die zentralnervöse Verarbeitung der Duftinformation beginnt. In den beiden Bulbi werden die Reizmuster verarbeitet und analysiert. Der Bulbus olfactorius ist nervös mit dem Hypothalamus verknüpft, der unter anderem wesentlich an der Steuerung der Nahrungsaufnahme und des Sexualverhaltens beteiligt ist. Aus dem Riechhirn der niederen Wirbeltiere soll sich der Cortex cerebri der Säugetiere entwickelt haben. Die eigentliche Riechempfindung, die mit Emotionen, Erinnerungen und hedonischen Urteilen stark verbunden sein kann, entsteht dann in eher unspezifischen, evolutionsgeschichtlich alten kortikalen Hirnzentren (Sprachferne der Riechempfindungen?). In diesem Bereich wird sowohl die chemosensorische Analyse der Atemluft als auch die retronasale Analyse von Speisearomen durchgeführt. Daneben gibt es noch ein hämatogenes Riechen, worunter man das Wahrnehmen von Riechstoffen versteht, welche ins Blut injiziert worden sind. Geruchsaktive Substanzen müssen flüchtig sein. Die Zusammenhänge zwischen den chemisch-physikalischen Eigenschaften der Riechstoffe und den resultierenden Riechempfindungen sind noch schlecht erforscht. Die meisten riechenden Stoffe sind Kohlenstoffverbindungen, von den chemischen Elementen lösen nur Fluor, Brom, Chlor und Iod Riechempfindungen aus. Die Duftwahrnehmung ist stark beeinflusst vom Hormonstatus und der Motivation. Beispielsweise führt Hypogonadismus häufig zu weitgehender Anosmie, ein hoher Östrogenspiegel zu erhöhter Geruchssensibilität oder Sättigung mit Nahrung zu einer Änderung der hedonischen Bewertung von Gerüchen. Die hedonische Bewertung von Riechstoffen im Gegensatz zu den Geschmackstoffen wird beim Menschen weitgehend in den ersten 5-10 Lebensjahren erlernt. Während Neugeborene durch mimische Reaktion deutliche Lust- beziehungsweise Unlustreaktionen auf Reize durch Saccharose (süß) beziehungsweise Koffein (bitter) zeigen, sind die Reaktionen bei Gerüchen häufig indifferent. Fäkalien- Frucht- oder Schweißgeruch werden hedonisch wenig differenziert. Bei der olfaktorischen Wahrnehmung erfolgt wie bei der gustatorischen eine Vektorkodierung der Eindrücke. Diese Kodierung erklärt die außerordentliche Vielfalt an olfaktorischen Eindrücken und auch, wie stark sich die Wahrnehmungswelt eines Lebewesens sofort drastisch vergrößert, wenn nur eine Rezeptorart mehr (7 statt 6) und eine höhere Auflösung (30 statt 10 differenzierbare Stufen) angenommen werden. Während der Wahrnehmungsraum des Menschen einem Schuhkarton gleichkommt, ist derjenige des Hundes so groß wie eine Scheune. Auch zwischen Menschen wirken sich kleine Unterschiede in der Auflösung der Rezeptoren dermaßen stark aus.

Leistungen

Die Leistung des menschlichen Geruchssinnes wird in Schwellen angegeben; dabei wird unterschieden zwischen der Wahrnehmungs- oder Absolutschwelle und der Erkennungsschwelle.
- Wahrnehmungsschwelle:
  - Nur vier Milligramm des in Knoblauch enthaltenen Methylmercaptans in 108 m³ Luft (das sind 100 Hallen zu jeweils 500x10x20 Meter) genügen, um die Empfindung "Es riecht nach etwas" hervorzurufen.
  - Ein Milligramm Vanille pro 1000 m3 Luft genügt, um einen Riecheindruck hervorzurufen.
  - Im Rahmen der "Unterschwelligen Werbung" (die die Aufmerksamkeitsschwelle nicht überschreitet) sind gelegentlich Versuche mit olfaktorischen Reizen erfolgreich gewesen.
- Erkennungsschwelle:
  - Um den Geruch zu erkennen, muss die Konzentration etwa 50-fach höher sein. Eine erheblich – bei einem Schäferhund beispielsweise um den Faktor 1000 – feinere olfaktorische Wahrnehmung haben viele andere Säugetiere.

Geruchsempfindungen

Nach der stereochemischen Geruchstheorie von Amoore kann der Mensch nur sieben Einzelgerüche wahrnehmen: # stechend, beißend (beispielsweise Essig, Ameisensäure) # faulig (beispielsweise faulende Eier, H2S) # ätherisch (beispielsweise Fleckputzmittel) # kampferartig (beispielsweise Mottenkugeln) # moschusartig (beispielsweise Engelswurz) # minzig (beispielsweise Pfefferminze) # blumig (beispielsweise Rosen) Nach Zwaardemaker können folgende Formen der Geruchsempfindungen unterschieden werden: # ätherische Gerüche (beispielsweise Apfel) # aromatische Gerüche (beispielsweise Anis) # balsamische Gerüche (beispielsweise Jasmin) # moschusartige Gerüche (beispielsweise Patschuli) # lauchartige Gerüche (beispielsweise Zwiebel) # brenzlige Gerüche (beispielsweise Tabak) # Kaprylgerüche (beispielsweise Käse) # betäubende Gerüche (beispielsweise Opium) # gestankähnliche Gerüche (beispielsweise Fäulnis) Henning unterscheidet dagegen nur sechs Grundqualitäten: # würzig, # blumig, # fruchtig, # harzig, # brenzlig und # faulig. Nur sieben der chemischen Elemente besitzen einen Geruch, der vom Menschen wahrgenommen werden kann: Arsen, Brom, Chlor, Fluor, Iod, Phosphor und Sauerstoff als Ozon.

Siehe auch


- Geruch, Jacobson-Organ
- Sensorik und sensorische Integration Andere Sinneswahrnehmungen:
- # Haptische Wahrnehmung,
- # Visuelle Wahrnehmung,
- ## Gestaltwahrnehmung,
- ## Farbwahrnehmung,
- # Auditive Wahrnehmung,
- # Trigeminale Wahrnehmung,
- # Gustatorische Wahrnehmung,
- # Vestibuläre Wahrnehmung,
- # Kinästhetische Wahrnehmung,
- # Propriozeptive Wahrnehmung,
- # Somatische Wahrnehmung,
- # Vibratorische Wahrnehmung Andere Wahrnehmungen:
- # Zeitwahrnehmung;

Nobelpreis für Medizin

Für die Erforschung der Riechrezeptoren und der Organisation des olfaktorischen Systems erhielten die Wissenschaftler Richard Axel (US) und Linda B. Buck (US) im Jahre 2004 den Nobelpreis für Medizin.

Literatur


- Karl Isak: Duftstoffe als moderne Manipulatoren. Die psychologischen Aspekte des Einsatzes von Duftstoffen im (wirtschaftlichen) Alltag mit Schwerpunkt auf die schriftliche Kommunikation und die Auswirkungen auf Wahrnehmung und Responseverhalten. Universitaet Klagenfurt; Fakultät für Kulturwissenschaften; Institut für Psychologie. Dissertation 2001 Belletristik:
- Patrick Süskind:
Das Parfüm
- Tom Robbins:
Pan Aroma

Weblinks


- http://derstandard.at/?id=1338136 - Warum fehlen uns beim Riechen die Worte? (derStandard.at)
- http://www.zum.de/neurogenetik/4_2_8.html - Drosophila-Genetik zeigt überlappende Elemente zwischen visueller und olfaktorischer Signaltransduktion
- [http://www.nobel.se/medicine/laureates/2004/press.html Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2004]
- [http://www.quarks.de/duefte/02.htm Wie wir riechen]
- http://www.depression-therapie-forschung.de/0603geruch.html - Depressive können schwache Gerüche nicht wahrnehmen Kategorie:Neurophysiologie Kategorie:Wahrnehmung Kategorie:Sinnesorgan Kategorie:Riechen ja:嗅覚


Kulinarisch

Kulinarisch (Lehnwort aus dem lateinischen von gleichbedeutend lat. culinarius, abgeleitet von lat. culina, "Küche") ist ein Adjektiv mit der Bedeutung "auf die (feine) Küche" bzw. "die Kochkunst bezüglich". Somit sind kulinarische Spezialitäten die besonders herausragenden Gerichte einer Region. Kulinarische Genüsse werden von Feinschmeckern (Gourmets) geschätzt und verfolgt. Kategorie:Essen & Trinken

Geschmack (Sinneseindruck)

Der Geschmack ist ein komplexer Sinneseindruck, welcher sich aus gustatorischen (Geschmackssinn), olfaktorischen (Geruchssinn), haptischen (Tastsinn) und auch optischen Eindrücken ("Das Auge isst mit") zusammensetzt (süßer, heißer, kräftiger Geschmack). Für physiologische Details siehe Einzelartikel. Dass die Einzeleindrücke nicht ohne Verlust voneinander getrennt werden können, weiß jeder, der schon einmal versucht hat, ein gutes Essen mit durch Schnupfen verstopfter Nase oder nach Zahnarztbehandlung betäubter Zunge zu geniessen. Die über die Zunge vermitteln physiologischen Eindrücke von süß, salzig, bitter, sauer und umami haben einen wichtigen Anteil am Gesamteindruck. Wichtiger und gleichzeitig subtiler in seiner Wirkung für das gesamte Geschmacksbild ist das über die Nase wirkende Aromenbündel. Bei einer Erkältung schmeckt jede Speise fade.

Kulinarischer Geschmack

Für den Geschmack im kulinarischen Sinne ist nicht nur die Gesamtheit aller oben genannten Sinneseindrücke die beim Verzehr einer sorgfältig zubereiteten Mahlzeit wichtig, sondern auch die angenehme Atmosphäre, das heißt das allgemeine Wohlbefinden. Die Sinneseindrücke über die Nase sind nach denen des Auges die ersten Eindrücke, noch bevor eine Speise sich auf der Zunge entfalten kann. Der optische Eindruck sollte nicht unterschätzt werden, in völliger Dunkelheit kann mancher Rotwein nicht zweifelsfrei von einem Weißwein unterschieden werden. Das Auge identifiziert in der Regel die Speisen, die es jetzt zu bewältigen gilt, der Körper kann sich darauf einstellen und hoffentlich läuft das Wasser im Munde zusammen. Das Ambiente aus Tischwäsche, Kristall der Gläser, Geschirr und Besteck tut das seine, den Genuss vorzubereiten. Ein zuvor genossener Aperitif hat den Magen vorbereitet. Die Aromen der ersten Speise wirken schon vom Teller aus auf den Gourmet. Er versucht schon vor dem ersten Bissen die Hauptbestandteile und Gewürze der aufgetragenen Speise zu identifizieren, der Genuss kann beginnen. Mit dem ersten Bissen von Gabel oder Löffel wird die Nase eingestimmt, die Zunge kann darauf vorbereitet werden, was jetzt auf sie zukommt. Die Konsistenz des ersten Bissens wird mit Zunge und Gaumen überprüft. Zwischen den Gängen wird zur Beruhigung des Gaumens und Neutralisierung der Zunge gelegentlich ein Sorbet gereicht. Der passende Wein wird serviert. Geschirr und Besteck werden gewechselt, eine neue Umgebung wird geschaffen. Der nächste Gang wird aufgetragen, das Ganze beginnt auf ein Neues. Ein meist süßes Dessert ist der Kontrapunkt und bildet den vorläufigen Abschluss einer Mahlzeit. Ein Digestif, Kräutertee oder Espresso setzt dann den Schlusspunkt, der durchaus noch einen geschmacklichen Kick bringen kann.

Literatur

Anthelm Brillat-Savarin: Physiologie des Geschmacks, ISBN 3453420160 Kategorie:Wahrnehmung

Ästhetik

Im traditionell-klassischen Kunstbegriff bis zum 19. Jahrhundert wird Ästhetik (gr. aísthesis: Wahrnehmung) häufig mit der Lehre von der Schönheit (Kallistik) gleichgesetzt. Moderne Philosophen dagegen definieren Ästhetik als die Theorie und Philosophie der sinnlichen Wahrnehmung in Kunst, Design, Philosophie und Wissenschaft. Demnach entscheiden über den ästhetischen Wert eines Objekts nicht die Begriffe "schön" und "hässlich", sondern die Art und Weise der Sinnlichkeit und/oder Sinnhaftigkeit in Verbindung mit dem Zeichensystem des Objekts. Jüngere philosophische Strömungen versuchen, beide Auffassungen zusammenzuführen. Sie interpretieren u. a. die sogenannte "Ästhetik des Hässlichen" als eine höhere Form von Schönheit. Wenn man freilich "ästhetisch" klassisch mit "dem Auge wohlgefällig" übersetzt, entfallen die meisten anderen und jüngeren philosophischen Lehrgebäude hierzu.

Wandlung des Begriffs/Begriffsgenese

Mit seinen Meditationes (1735) begründete Alexander Gottlieb Baumgarten die Ästhetik in Deutschland als eigenständige philosophische Disziplin. Die traditionelle Ästhetik nimmt an, dass universelle und zeitlose Kriterien für die geschmackliche Bewertung von Kunstwerken existieren. Die metaphysische Ästhetik der deutschen Idealismen (Romantik, Genie-Begriff) wurde kritisiert als eine verordnete Ästhetik, die der Zeit nicht mehr gerecht wird. Aus dieser kritischen Grundhaltung entwickelten sich zwei Strömungen: die psychologische Ästhetik und die Kunstwissenschaft Fiedlers. Ästhetische (sinnliche) Erkenntnis wurde auch lange Zeit als Gegensatz gesehen zu rationaler Erkenntnis. Diese Auffassung ist durch die moderne Hirnforschung überholt, die gezeigt hat, dass diese Gegenüberstellung falsch ist und rationale Erkenntnisse ohne sinnlich-emotionale Prozesse nicht denkbar sind. Auch messerscharfe Logik kann höchst ästhetisch sein. Der Mediziner Gustav Theodor Fechner unterschied im 19. Jahrhundert zwischen einer Ästhetik von unten und einer Ästhetik von oben. Die Ästhetik von oben ist die „schöngeistige“ Ästhetik der traditionellen Philosophie und Literaturwissenschaft, die Ästhetik fast ausschließlich im Zusammenhang mit Kunst betrachtet. Die Schönheit von Landschaften, Gebrauchsgegenständen oder wissenschaftlichen Theorien wurde ausgeklammert oder bestenfalls als Randaspekt abgetan. Die Ästhetik von unten bemüht sich demgegenüber um eine empirische Grundlage. Sie reduzierte Ästhetik nicht auf die Kunst, sondern betrachtete Schönheitserleben als ein alltägliches psychologisches Phänomen, das man in Experimenten untersuchen kann (weitere Infos und eine Zusammenfassung der Fechnerschen Prinzipien siehe hier).

Ästhetik seit dem 20. Jahrhundert

Seit dem 20. Jahrhundert gibt es verschiedene Versuche, Schönheit und Ästhetik mit naturwissenschaftlichen Methoden zu ergründen. Dazu gehört die Informationsästhetik, die vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Rolle spielte und die sich schließlich zur kognitiven Ästhetik weiter entwickelte. Wissenschaftler dieser Richtung halten die Informations-Verarbeitung in unserem Gehirn für den entscheidenden Faktor, der die Schönheit eines Objekts ausmacht. Schön sind demnach Objekte mit einer gewissen - aber nicht zu großen - Komplexität; die unser Gehirn stimulieren und zur Musterbildung anregen, es aber nicht überfordern. Überhaupt weckte die moderne Hirnforschung die Hoffnung, ästhetische Phänomene neuropsychologisch beschreiben und erklären zu können. Doch auch Schlagworte und Buchtitel wie "Neuronale Ästhetik", "Beauty and the brain" oder "neuroesthetics" ändern nichts daran, dass die neuronale Grundlage ästhetischer Prozess bisher nur rudimentär verstanden ist. Die evolutionäre Ästhetik wiederum versucht, unsere Vorlieben für bestimmte Farben, Formen, Landschaften oder Gesichter evolutionspsychologisch zu erklären. Was gut für unsere Vorfahren war, so die Annahme, habe sich als Vorliebe in unser Erbgut programmiert. Auch die Sozialwissenschaften haben die Ästhetik längst als Thema entdeckt. Sie beschreiben die Ästhetisierung der Alltagswelt (Design, Architektur) sowie die durch die Postmoderne entstandenen Probleme und Phänomene der Kunst (Reproduzierbarkeit der Kunstwerke, Verwischen der Grenzen zwischen Populär- und Hochkultur). Während Natur- und Sozialwissenschaften versuchten, die Ästhetik vom schöngeistigen Sockel herunter zu holen und empirischer Forschung zugänglich zu machen und somit zu "profanisieren", beschäftigte sich die Sozialphilosophie mit ihrer gesellschaftlichen Funktion. Hier geht es dann kaum noch um die ursprüngliche Frage nach der Schönheit, sondern eher um die soziale Rolle von Kunst und Stil. Insbesondere die Kritische Theorie befasste sich u.a. mit dem revolutionären Potential der Ästhetik. Marcuse und Adorno widmeten dem Thema zentrale Werke, Adorno sogar sein letztes und wahrscheinlich schwierigstes Buch "Ästhetische Theorie". Die Erkenntnisästhetik schließlich erhebt den Anspruch, die bisherigen und zum Teil einander widersprechenden Ansätze zu einem Gesamtkonzept zu verbinden. Demnach besitzen alle kognitiven Leistungen â€“ nicht nur die Kunst â€“ ein ästhetisches Potential. Im großen Unterschied zur kognitiven Ästhetik und anderen Theorien „von unten“ nimmt die Erkenntnisästhetik nicht nur Bezug auf die formalen informationellen Eigenschaften von ästhetischen Objekten, sondern auch auf ihre Bedeutung für den jeweiligen Rezipienten. Die Erkenntnisästhetik geht außerdem davon aus, dass es verschiedene Ebenen ästhetischen Erlebens gibt, so dass sich auf diese Weise auch die Ästhetik des Hässlichen erklären lässt. Auch bietet die Erkenntnisästhetik ein Modell für die Ästhetik des Lernens. So gewinnt die Ästhetik auch in den Schulen, nicht nur als Gegenstand von Unterricht, sondern auch als Zugangsweise für Allgemeinbildung an Bedeutung. Schomaker entwickelt aus den klassischen Ästhetiktheorien von Baumgarten, Schiller und Kant moderne Kategorien einer ästhetischer Zugangsweisen für allgemeine Lernprozesse...

Literatur


- Schomaker, Claudia: "Mit allen Sinnen, oder?" Über die Relevanz ästhetischer Zugangsweisen im Sachunterricht; in: A. Kaiser u. D. Pech, Integrative Dimensionen für den Sachunterricht. Neuere Zugangsweisen; Baltmannsweiler 2004, 49-58
- Paál, Gábor: Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis; Würzburg 2003. ISBN 3826024257.
- Paál, Gábor: [http://www.swr.de/swr2/sendungen/wissen-aula/archiv/2005/10/31/index.html Woher kommt der Sinn fürs Schöne? Gehirn und Ästhetik.] SWR 2005
- Changeux, Jean-Pierre (1994): Art and Neuroscience. In: Leonardo 27,3 : 189-201.
- Adorno, Theodor W.: Ästhetische Theorie. Frankfurt 1970.
- Hegel, G. W. F.: Vorlesungen über Ästhetik. [1835]
- Kant, Immanuel: Kritik der Urteilskraft. 1790
- Schiller, Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen. In einer Reihe von Briefen an Goethe, Hrsg.: Berghahn, Klaus L. Reclam ISBN 3-15-018062-7
- Schneider, Norbert: Geschichte der Ästhetik von der Aufklärung bis zur Postmoderne, III. Auflage 2002, (Stuttgart: Reclam 1996).
- Gethmann-Siefert, Annemarie: Einführung in die Ästhetik, UTB für Wissenschaft, (München: Fink 1995).
- Liessmann, Konrad Paul:Philosophie der modernen Kunst.Eine Einführung. UTB für Wissenschaft, (Wien: WUV-Univ.-Verl. 1999) 11-79.

Weblinks


- [http://www.neuroesthetics.org Institute of Neuroesthetics, London]
- [http://www.mapology.org Einführung in Neuro-Esthetics (Seminarunterlagen im PDF-Format)]

Siehe auch

Perzeption der Ästhetik, Ästhetizismus, Formalismus, Kunstbegriff, Friedrich Nietzsche, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Kindchenschema, Kritik der Urteilskraft, Kunsttheorie, Neurobiologie, Strukturalismus, Symmetrie, Erkenntnisästhetik, Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, das Naturschöne, Goldener Schnitt, Sublim, Das Erhabene, Wissenschaftstheorie, Waldästhetik Kategorie:Ästhetik ja:美学

Kulinarisch

Kulinarisch (Lehnwort aus dem lateinischen von gleichbedeutend lat. culinarius, abgeleitet von lat. culina, "Küche") ist ein Adjektiv mit der Bedeutung "auf die (feine) Küche" bzw. "die Kochkunst bezüglich". Somit sind kulinarische Spezialitäten die besonders herausragenden Gerichte einer Region. Kulinarische Genüsse werden von Feinschmeckern (Gourmets) geschätzt und verfolgt. Kategorie:Essen & Trinken

Ästhetisch

Im traditionell-klassischen Kunstbegriff bis zum 19. Jahrhundert wird Ästhetik (gr. aísthesis: Wahrnehmung) häufig mit der Lehre von der Schönheit (Kallistik) gleichgesetzt. Moderne Philosophen dagegen definieren Ästhetik als die Theorie und Philosophie der sinnlichen Wahrnehmung in Kunst, Design, Philosophie und Wissenschaft. Demnach entscheiden über den ästhetischen Wert eines Objekts nicht die Begriffe "schön" und "hässlich", sondern die Art und Weise der Sinnlichkeit und/oder Sinnhaftigkeit in Verbindung mit dem Zeichensystem des Objekts. Jüngere philosophische Strömungen versuchen, beide Auffassungen zusammenzuführen. Sie interpretieren u. a. die sogenannte "Ästhetik des Hässlichen" als eine höhere Form von Schönheit. Wenn man freilich "ästhetisch" klassisch mit "dem Auge wohlgefällig" übersetzt, entfallen die meisten anderen und jüngeren philosophischen Lehrgebäude hierzu.

Wandlung des Begriffs/Begriffsgenese

Mit seinen Meditationes (1735) begründete Alexander Gottlieb Baumgarten die Ästhetik in Deutschland als eigenständige philosophische Disziplin. Die traditionelle Ästhetik nimmt an, dass universelle und zeitlose Kriterien für die geschmackliche Bewertung von Kunstwerken existieren. Die metaphysische Ästhetik der deutschen Idealismen (Romantik, Genie-Begriff) wurde kritisiert als eine verordnete Ästhetik, die der Zeit nicht mehr gerecht wird. Aus dieser kritischen Grundhaltung entwickelten sich zwei Strömungen: die psychologische Ästhetik und die Kunstwissenschaft Fiedlers. Ästhetische (sinnliche) Erkenntnis wurde auch lange Zeit als Gegensatz gesehen zu rationaler Erkenntnis. Diese Auffassung ist durch die moderne Hirnforschung überholt, die gezeigt hat, dass diese Gegenüberstellung falsch ist und rationale Erkenntnisse ohne sinnlich-emotionale Prozesse nicht denkbar sind. Auch messerscharfe Logik kann höchst ästhetisch sein. Der Mediziner Gustav Theodor Fechner unterschied im 19. Jahrhundert zwischen einer Ästhetik von unten und einer Ästhetik von oben. Die Ästhetik von oben ist die „schöngeistige“ Ästhetik der traditionellen Philosophie und Literaturwissenschaft, die Ästhetik fast ausschließlich im Zusammenhang mit Kunst betrachtet. Die Schönheit von Landschaften, Gebrauchsgegenständen oder wissenschaftlichen Theorien wurde ausgeklammert oder bestenfalls als Randaspekt abgetan. Die Ästhetik von unten bemüht sich demgegenüber um eine empirische Grundlage. Sie reduzierte Ästhetik nicht auf die Kunst, sondern betrachtete Schönheitserleben als ein alltägliches psychologisches Phänomen, das man in Experimenten untersuchen kann (weitere Infos und eine Zusammenfassung der Fechnerschen Prinzipien siehe hier).

Ästhetik seit dem 20. Jahrhundert

Seit dem 20. Jahrhundert gibt es verschiedene Versuche, Schönheit und Ästhetik mit naturwissenschaftlichen Methoden zu ergründen. Dazu gehört die Informationsästhetik, die vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Rolle spielte und die sich schließlich zur kognitiven Ästhetik weiter entwickelte. Wissenschaftler dieser Richtung halten die Informations-Verarbeitung in unserem Gehirn für den entscheidenden Faktor, der die Schönheit eines Objekts ausmacht. Schön sind demnach Objekte mit einer gewissen - aber nicht zu großen - Komplexität; die unser Gehirn stimulieren und zur Musterbildung anregen, es aber nicht überfordern. Überhaupt weckte die moderne Hirnforschung die Hoffnung, ästhetische Phänomene neuropsychologisch beschreiben und erklären zu können. Doch auch Schlagworte und Buchtitel wie "Neuronale Ästhetik", "Beauty and the brain" oder "neuroesthetics" ändern nichts daran, dass die neuronale Grundlage ästhetischer Prozess bisher nur rudimentär verstanden ist. Die evolutionäre Ästhetik wiederum versucht, unsere Vorlieben für bestimmte Farben, Formen, Landschaften oder Gesichter evolutionspsychologisch zu erklären. Was gut für unsere Vorfahren war, so die Annahme, habe sich als Vorliebe in unser Erbgut programmiert. Auch die Sozialwissenschaften haben die Ästhetik längst als Thema entdeckt. Sie beschreiben die Ästhetisierung der Alltagswelt (Design, Architektur) sowie die durch die Postmoderne entstandenen Probleme und Phänomene der Kunst (Reproduzierbarkeit der Kunstwerke, Verwischen der Grenzen zwischen Populär- und Hochkultur). Während Natur- und Sozialwissenschaften versuchten, die Ästhetik vom schöngeistigen Sockel herunter zu holen und empirischer Forschung zugänglich zu machen und somit zu "profanisieren", beschäftigte sich die Sozialphilosophie mit ihrer gesellschaftlichen Funktion. Hier geht es dann kaum noch um die ursprüngliche Frage nach der Schönheit, sondern eher um die soziale Rolle von Kunst und Stil. Insbesondere die Kritische Theorie befasste sich u.a. mit dem revolutionären Potential der Ästhetik. Marcuse und Adorno widmeten dem Thema zentrale Werke, Adorno sogar sein letztes und wahrscheinlich schwierigstes Buch "Ästhetische Theorie". Die Erkenntnisästhetik schließlich erhebt den Anspruch, die bisherigen und zum Teil einander widersprechenden Ansätze zu einem Gesamtkonzept zu verbinden. Demnach besitzen alle kognitiven Leistungen â€“ nicht nur die Kunst â€“ ein ästhetisches Potential. Im großen Unterschied zur kognitiven Ästhetik und anderen Theorien „von unten“ nimmt die Erkenntnisästhetik nicht nur Bezug auf die formalen informationellen Eigenschaften von ästhetischen Objekten, sondern auch auf ihre Bedeutung für den jeweiligen Rezipienten. Die Erkenntnisästhetik geht außerdem davon aus, dass es verschiedene Ebenen ästhetischen Erlebens gibt, so dass sich auf diese Weise auch die Ästhetik des Hässlichen erklären lässt. Auch bietet die Erkenntnisästhetik ein Modell für die Ästhetik des Lernens. So gewinnt die Ästhetik auch in den Schulen, nicht nur als Gegenstand von Unterricht, sondern auch als Zugangsweise für Allgemeinbildung an Bedeutung. Schomaker entwickelt aus den klassischen Ästhetiktheorien von Baumgarten, Schiller und Kant moderne Kategorien einer ästhetischer Zugangsweisen für allgemeine Lernprozesse...

Literatur


- Schomaker, Claudia: "Mit allen Sinnen, oder?" Über die Relevanz ästhetischer Zugangsweisen im Sachunterricht; in: A. Kaiser u. D. Pech, Integrative Dimensionen für den Sachunterricht. Neuere Zugangsweisen; Baltmannsweiler 2004, 49-58
- Paál, Gábor: Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis; Würzburg 2003. ISBN 3826024257.
- Paál, Gábor: [http://www.swr.de/swr2/sendungen/wissen-aula/archiv/2005/10/31/index.html Woher kommt der Sinn fürs Schöne? Gehirn und Ästhetik.] SWR 2005
- Changeux, Jean-Pierre (1994): Art and Neuroscience. In: Leonardo 27,3 : 189-201.
- Adorno, Theodor W.: Ästhetische Theorie. Frankfurt 1970.
- Hegel, G. W. F.: Vorlesungen über Ästhetik. [1835]
- Kant, Immanuel: Kritik der Urteilskraft. 1790
- Schiller, Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen. In einer Reihe von Briefen an Goethe, Hrsg.: Berghahn, Klaus L. Reclam ISBN 3-15-018062-7
- Schneider, Norbert: Geschichte der Ästhetik von der Aufklärung bis zur Postmoderne, III. Auflage 2002, (Stuttgart: Reclam 1996).
- Gethmann-Siefert, Annemarie: Einführung in die Ästhetik, UTB für Wissenschaft, (München: Fink 1995).
- Liessmann, Konrad Paul:Philosophie der modernen Kunst.Eine Einführung. UTB für Wissenschaft, (Wien: WUV-Univ.-Verl. 1999) 11-79.

Weblinks


- [http://www.neuroesthetics.org Institute of Neuroesthetics, London]
- [http://www.mapology.org Einführung in Neuro-Esthetics (Seminarunterlagen im PDF-Format)]

Siehe auch

Perzeption der Ästhetik, Ästhetizismus, Formalismus, Kunstbegriff, Friedrich Nietzsche, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Kindchenschema, Kritik der Urteilskraft, Kunsttheorie, Neurobiologie, Strukturalismus, Symmetrie, Erkenntnisästhetik, Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, das Naturschöne, Goldener Schnitt, Sublim, Das Erhabene, Wissenschaftstheorie, Waldästhetik Kategorie:Ästhetik ja:美学

Wert

Unter dem Wert einer Sache, einer Dienstleistung oder einer Information versteht man die Bedeutung oder Wichtigkeit oder den Nutzen, welche(r) der Sache, Dienstleistung oder der Information für einen Betrachter oder Besitzer anhaftet. Meistens wird der Begriff im Sinne einer menschlichen Bewertung gebraucht, und ist nicht so allgemein gehalten, wie der Begriff Bedeutung.

Objektiv - Subjektiv

Zu unterscheiden ist vor allem zwischen einem subjektivem und objektivem Wert. Subjektive Werte sind nicht messbar, sie unterliegen dem menschlichen Gefühl, Geschmack, der menschlichen Psychologie. Welchen Wert man etwas zumisst, kann sich so sehr unterscheiden, ein fremdes Familienfoto mag einem Aussenstehenden nahezu wertlos erscheinen, für Angehörige hat es aber einen hohen Wert.

Wert und Wissenschaft

Wert und Messwert in der Naturwissenschaft

Objektive Messwerte müssen messbar sein (Naturwissenschaft): Physikalische Phänomene wie Höhe eines Berges, die Länge einer Strecke, die Helligkeit einer Lampe, die Temperatur (siehe Zahlenwert und Maßstab im Artikel Physikalische Größe). Komplexe Phänomene wie etwa Kreativität, Intelligenz oder Schönheit sind schwer messbar. Auch die Kunst entzieht sich der Messbarkeit. Zur einheitlichen Messung dienen wohldefinierte und durch Konsens anerkannte Maßeinheiten: Gleichbleibende Vergleichswerte einer bestimmten Größe. Wie diese selber festgelegt sind, ist allerdings rein willkührlich, so bezog man sich etwa meist wie beim Längenmass Elle auf menschliche Proportionen oder dem Menschen anschauliche Grössen. Mit den so gemessenen Werten kann in Mathematik, Physik oder Chemie gerechnet werden. Es können so auch vereinfachte Modelle erstellt werden (Kybernetik), die reale Phänomene simulieren können.

Werte in der Informatik

Computer verfügen über einen Speicher, in dem Daten gespeichert werden. Der Speicher ist in einzelne Teile unterteilt, die Daten in einem dieser Segmente heißen Wert dieses Speicherabschnittes. Zum Beispiel kann ein Speicherabschnitt von 1 Byte Größe etwa einen Wert zwischen 0 und 255 in ganzen Zahlen speichern.
In der Programmierung werden zur Vereinfachung der Programmerstellung bestimmte Speicherabschnitte mit Namen belegt, denen wie den Speicherwerten bestimmte Daten zugewiesen werden können. Diese Daten heißen Wert der Variable, z.B. kann eine Variable vom Typ "Integer" (engl. für Ganzzahl) mit einem ganzzahligen Wert zwischen 0 und 65536 belegt werden.

Der Wert in der Ökonomie

Wert als Äquivalenz

Verschiedene Wertbegriffe gibt es in der Ökonomie (Siehe Liste unten). Auf diesen Wertbegriff bezieht sich, anders als etwa beim naturwissenschaftlichen Längenmass, das Adjektiv wertvoll. Den Wert seines Anlagevermögens und Umlaufvermögens ermittelt ein Unternehmen mittels Inventur: Durch Messen, Zählen und Wiegen. Gold oder Platin sind Beispiele von eher raren Materialien, denen ein hoher Wert zuerkannt wird. In der Ökonomie drückt sich der Wert durch Beträge von Geld aus. Der Wert von Dingen oder Arbeit kann dabei aber immer nur relativ zu anderen festgelegt werden (Tausch, z. B. eine Jeans = ca. 100 Tafeln Schokolade = ca. 4 Stunden Arbeit o.ä.), welchen absoluten, tatsächlichen Wert ein Ding oder sonst ein Phänomen aus sich selbst heraus, unabhängig von anderen hat, ist somit unmöglich auszudrücken oder zu bemessen (Zirkelschluss).

Wert und Preis

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird unter dem Wert auch der Geldbetrag verstanden, den man beim Verkauf einer Sache erzielen kann. (Wert eines Autos, einer Briefmarke, eines PC usw.). Nicht zu verwechseln ist der Wert mit dem Preis. Wert und Preis können sehr verschieden sein. siehe:Markt, Angebot und Nachfrage, klassisches Wertparadox

Wert und Werte

In der neueren, wirtschaftsphilosophisch fundierten Managementdiskussion wird zunehmend der Zusammenhang zwischen materieller Wert-Schöpfung und immaterieller Werte-Entwicklung in einer wissensbasierten Ökonomie (Wissensgesellschaft) thematisiert: Wie können Wert und Werte in einer „Wertebalancierten Unternehmensführung“ (Bernhard von Mutius) in eine neue, ausgewogene Beziehung gebracht werden? Wie lässt sich das Verhältnis von Sach- und Finanzkapital auf der einen Seite sowie dem intellektuellen und Sozial-Kapital auf der anderen Seite angemessen bestimmen und bewerten?

Marxismus

Bei Karl Marx (Das Kapital) spielt der Wertbegriff und das Zustandekommen von ökonomischem Wert eine zentrale Rolle. Marx unterscheidet zwischen Tauschwert und Gebrauchswert (siehe auch Wertkritik). Der Tauschwert der Waren (Ware X tauscht sich in soundsoviel Ware Y) wird dabei durch ihren Wert im Sinne der Arbeitswertlehre bestimmt, der Wert erscheint als Tauschwert. Der Tauschwert einer Ware in Geld ausgedrückt (Ware X tauscht sich in soundsoviel Geldmünzen) ist der Preis. Im Produktionsprozess entsteht ein Neuwert m+v (Wertschöpfung). Zieht man davon das variable Kapital v, der Teil des Kapitals, der aus Sicht der Kapitalisten für den Kauf von Arbeitskraft investiert wird, der also bei den Lohnarbeitern als Lohn als Einkommen erscheint, verbleibt der Mehrwert m, das Ziel der kapitalistischen Produktion. Die Behauptung, dass der Wert einer Ware durch die an ihr verrichtete menschliche Arbeit entsteht, wird oft Marx zugeschrieben. Dieser hatte diese Definition der Wert-Entstehung jedoch von David Ricardo übernommen.

Werte und Ethik

siehe hierzu auch: Werturteilsstreit, Wertvorstellung Die Mehrzahl des Wortes Wert, nämlich die Werte, hat im allgemeinen Sprachgebrauch ebenfalls eine spezielle Bedeutung: Man versteht darunter die Grundsätze, nach denen eine Gesellschaft oder eine Gruppe von Menschen ihr Zusammenleben richtet oder richten will (Ethik). Der Begriff drückt auch hier aus, dass die entsprechenden Vorstellungen und Ideen vom Zusammenleben als richtig, und daher wertvoll angesehen werden. In der Philosophie gibt es besondere Wert-Fragen, die gleichzeitig von Bedeutung sind in der Psychologie und Soziologie

Naturwissenschaftliche Wertbegriffe


- K-Wert = Wärmedämmwert
- CW-Wert = Strömungswiderstand
- pH-Wert = Säuregrad
- p-Wert = Überschreitungswahrscheinlichkeit bzw. statistische Signifikanz]
- Heizwert
- Grenzwert
- Funktionswert
- Mittelwert
- Zahlenwert (zu ergänzen)

Soziologische Wertbegriffe


- Brauch
- Sitte
- ethische Imperative (zu ergänzen)

Ökonomische Wertbegriffe


- Geldwert
- Tauschwert
- Gebrauchswert
- Produktionswert
- Mehrwert
- Wertverlust
- Kaufwert
- Einheitswert
- Verkehrswert
- Arbeitswert
- Barwert
- Zeitwert
- Informationswert
- Nutzwert (zu ergänzen) google.de

Philosophische Wertbegriffe


- Werte
- Axiologie
- Ethik
- Ethos
- Moral
- Tradition
- Menschenrechte
- Verfassung
- Schönheit
- Idyll
- Muße (zu ergänzen)

Weblinks


- http://www.kulturkritik.net/Oekonomie/Politoekon/index.html
  - aus Kulturkritik: Zur Kritik der politischen Ökonomie: Was ist Wert, Wertsubstanz, Wertgröße und Wertmasse?
- http://www.phillex.de/wert.htm
  - Der Wert aus philosophischer Sicht
- http://www.iaf.ac.at - Institut für Axiologische Forschungen
- http://www.evaluieren.de/evaluat.ion/definiti.htm
- http://www.saw-leipzig.de/sawakade/10internet/sprachwi/kreiser1.html
- http://www.wertekommission.de
  - Gemeinnütziger Verein 25-45jähriger Fach- und Führungskräfte, der zum Thema Werte arbeitet
- http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/Projekte/plex/PLex/Lemmata/W-Lemma/Wert.htm
  - Was sind Werte in einer Gesellschaft ?
- http://studie.respectresearchgroup.org
  - Studie zu Werten in Organisationen !Wert Kategorie:Motivation Kategorie:Marxismus simple:Value

Sinne

Projekt zur Überarbeitung des Themengebiets Wahrnehmung gestartet. Siehe Wikipedia:WikiProjekt Wahrnehmung.
Mit den Sinnen bezeichnet man üblicherweise die schon von Aristoteles erkannten fünf Sinneskanäle des Menschen, also Gehörsinn, Geruchssinn, Geschmackssinn, Gesichtssinn, und Tastsinn. Die moderne Physiologie kennt für den Menschen noch vier weitere Sinne, die Thermozeption (Temperatursinn), Nozizeption (Schmerzempfindung), den Gleichgewichtssinn und die Propriozeption (Körperempfindung oder Tiefensensibiliät), bei Tieren kommen weitere Sinne (beispielsweise für die Polarisierung von Licht oder das Magnetfeld der Erde) hinzu. Die Sinne haben unterschiedliche Aufnahmekapazitäten. So werden über den Gesichtssinn pro Sekunde etwa 10 Millionen Bit aufgenommen, über den Tastsinn etwa 1 Million Bit, über den Gehörsinn etwa 100 000 Bit, über den Geruchssinn etwa 100 000 Bit und über den Geschmackssinn etwa 1000 Bit. Bei "Synästhetikern" gibt es ein "Übersprechen" zwischen Sinneskanälen oder deren Verarbeitungszentren, so dass z.B. Klänge als farbige Muster wahrgenommen werden.

Unterteilung in Nah- und Fernsinne

Die Sinneskanäle des Menschen können in Fernsinne (Gehörsinn und Gesichtssinn) und Nahsinne (alle übrigen Sinne) unterschieden werden. Bei einer Schädigung der Fernsinne spricht man von Sinnesbehinderung, da diese Sinne die wichtigsten Informationsträger des Menschen sind gibt es für diese Personengruppe spezielle Sonderschulen.

Der "6. Sinn" und der "7. Sinn"

Mit "6. Sinn" wurde vielfach die Fähigkeit bezeichnet, Dinge wahrzunehmen, die anscheinend nicht mit den Sinnesorganen aufgenommen wurden, vor allem die so genannten Psi-Fähigkeiten (Telepathie, Hellsehen, Präkognition). Biologen benutzen diesen Begriff allerdings zunehmend, um damit elektrische und magnetische Sinne von Tieren zu beschreiben: Zitteraale erkennen im Dunkeln ihre Gegner durch die Wahrnehmung von Änderungen elektrischer Felder, die sie selbst aussenden; Zitterrochen nehmen die Körperelektrizität ihrer Beute wahr; Klapperschlangen haben einen Wärmesinn; Webspinnen erkennen durch einen Schwingungssinn die kleinsten Bewegungen in ihren Netzen; an Rotkehlchen, Tauben und diversen anderen Vögeln wurde ein Magnetsinn experimentell nachgewiesen (erstmals 1967 von Wolfgang Wiltschko in Frankfurt am Main). Alle diese Sinne, die inzwischen genauer erforscht werden, haben eine Verankerung im Biologischen und sind nichts Übernatürliches (mehr). So konnten Wissenschaftler von der Washington Universität in St. Louis (USA) mittels kernspintomographischen Untersuchungen nachweisen, dass eine bestimmte Hirnregion, der Anterior Cingulate Cortex (ACC), ein Frühwarnsystem darstellt, dass bei drohender Gefahr einer Fehlentscheidung aktiv wird. Offensichtlich empfängt diese in der Nähe der vorderen Stirnhirnlappen liegende Hirnregion Umgebungssignale, die dann unverzüglich auf potentielle Gefahren hin analysiert werden. Sollte eine Situation als "gefährlich" interpretiert werden, schlägt es sofort Alarm, so dass das Individuum die Möglichkeit hat, eine Änderung seines momentanen Verhaltens einzuleiten. Menschen, die auf diese Weise rechtzeitig einer Gefahrensituation entronnen sind, führen dies dann gerne auf ihren "6. Sinn" zurück. Ursprünglich wird dem Anterior Cingulate Cortex auch eine wichtige Funktion bei der Verarbeitung von Konflikten zugeschrieben. Darum erscheint es naheliegend, für die paranormalen Wahrnehmungen (oder Pseudowahrnehmungen) den Ausdruck "7. Sinn" zu verwenden. Damit kommt zum Ausdruck, dass hiermit weder die fünf normalen Sinne noch die verschiedenen, ebenfalls auf physikalischen Wahrnehmungen beruhenden sechsten Sinne gemeint sind. "Der siebte Sinn" ist darum seit langem der Name einer Informationssendung im deutschen Fernsehen (ARD), die über das korrekte Verhalten im Straßenverkehr informieren will.

Siehe auch:

Sinnesorgan, Wahrnehmung, Sinneswahrnehmung, Sinnesphysiologie, Psychophysik, Deprivation, Sensorische Deprivation

Weblinks


- [http://news-info.wustl.edu/news/page/normal/4767.html "Offizieller" Artikel der Washington Univeristy St. Louis zum erbrachten Beweis des 6. Sinns" (englisch)]
- [http://iac1.wustl.edu/~ccpweb/pdfs/05ScienceBrownBraver.pdf Originalartikel "Learned Predictions of Error Likelihood in the Anterior Cingulate Cortex"]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/249337.html wissenschaft.de: "Wo der sechste sinn wohnt"]
- [http://www.nachrichten.at/leben/335894?PHPSESSID=6e8c411bf761f552dc00bec2e5f1065a nachrichten.at: "Sechster Sinn" gilt jetzt als erwiesen] Kategorie:Physiologie Kategorie:Wahrnehmung ja:五感 simple:Sense

Gefühl

Der Begriff Gefühl kann in der Psychologie bedeuten:
- In der Emotionspsychologie das subjektive Erleben einer Emotion.
- In der Wahrnehmungspsychologie eine Sinneswahrnehmung, siehe haptische Wahrnehmung.
- In der phänomenologischen Psychologie ist Gefühl ein Moment des Erlebens und Erkennens, siehe Wahrnehmungspsychologie.

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