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| Gesellschaft |
GesellschaftGrundsätzlich muss unterschieden werden zwischen einem Alltagsverständnis von Gesellschaft (beispielsweise 'eine Menge von Personen', oder spezieller: "in guter Gesellschaft sein", "gesellschaftlichen Anschluss suchen", "das ist mir eine feine Gesellschaft") und der Verwendung des Begriffs in der Soziologie bzw. den Sozialwissenschaften überhaupt und im Privatrecht. Biosoziologisch gesehen ist der Mensch 'von Natur in Gesellschaft', mit (bereits) Aristoteles' Worten also ein ζώον πολιτικόν (zóon politikón), ein auf 'Staaten-(Gemeinden-, Poleis-)Bildung angelegtes Wesen'.
Die Herkunft des Begriffes "Gesellschaft" ist aus altertümlich gewordenen Worten wie "Geselle" erkennbar (vgl. Gleich und gleich gesellt sich gern). Eine oft implizite Bedeutung des Begriffs "Gesellschaft" ist, dass seine Mitglieder ein gegenseitiges Interesse oder ein Interesse an einer allgemeinen Zielsetzung teilen.
Gesellschaft (Soziologie)
Zum Begriff
In der Soziologie wird unter Gesellschaft allgemein das Zusammenleben von Menschen verstanden. Der Begriff wird auch für Gruppen von Menschen verwandt, beispielsweise für ein Volk, oder für einen strukturierten, räumlich abgegrenzten Zusammenhang zwischen Menschen (z.B. ("die schwedische Gesellschaft") oder für ein durch die Dichte und Multiplexität sozialer "Interaktionen" abgegrenztes Knäuel im Netzwerk der Menschheit.
Die Bezeichnung "Gesellschaft" ist als zentraler Grundbegriff der Soziologie nicht unumstritten. Analytisch eingeführt wurde der Terminus durch den Soziologen Ferdinand Tönnies 1887 in seinem Werk "Gemeinschaft und Gesellschaft". Tönnies stellt dem Begriff Gemeinschaft, welche sich durch gegenseitiges Vertrauen, emotionale Anbindung und Homogenität auszeichnet, den Begriff Gesellschaft gegenüber, derer sich die Akteure mit jeweils individuellen Zielen bedienen. Dies führt zu einer nur losen Verknüpfung der Individuen in der Gesellschaft. Beide, Gemeinschaft und Gesellschaft, sind für ihn Gegenstände der Soziologie.
Max Weber knüpfte mit dem Begriff Vergesellschaftung daran an.
Konkrete Anwendung des Begriffs
Für konkrete Anwendungen des Begriffs wird die Grenze der Gesellschaft wegen allzu schlecht bestimmbarer Allgemeinbegriffe meist da angesetzt, wo (vermeintlich) die Gemeinsamkeit endet, die mit der Verwendung des Begriffs angedeutet werden soll. Diese Gemeinsamkeiten werden nach verschiedenen Kriterien abgegrenzt. So werden einzelne Länder (Abgrenzungskriterium: Landesgrenzen) als Gesellschaften bezeichnet, ebenso wie Kulturen (Abgrenzungskriterium: Kulturgrenzen) und soziale Systeme.
Wer Soziologie betreibt, wird immer fragen, wer erfolgreich eine "Gesellschaft" definiere. Dies ist schwieriger als beim Staat (auch der Nation) zu ermitteln, der durch völkerrechtlichen Vertrag oder erfolgreiche Proklamation entsteht, oder selbst beim Volk, das sich im Selbstverständnis durch symbolische, miteinander eng vernetzte Medien (Sprache, Liedgut, Abstammungs- und andere Mythen usw. als solches versteht, oft mit dichterischer Nachhilfe - vgl. Homer, Dante, Luther; Nationaldichter). Wer aber definiert z.B. die "polnische Gesellschaft", d.h. grenzt das oben angesprochene "Knäuel" im sozialen Netzwerk Ostmitteleuropa als das "polnische" ab? Vermutlich Soziolog/inn/en.
Den politischen Eliten kann das kaum Recht sein. Die neoliberale Politikerin Margaret Thatcher stellte die Existenz von "Gesellschaft" überhaupt in Abrede.
Soziologische Schulen und ihr Zugriff zur "Gesellschaft"
Im (z.B.) Strukturfunktionalismus bildet sich aus Akteuren dann eine "Gesellschaft", wenn sie in der Lage ist, mittels bestimmter sozialer Funktionen die menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen (vgl. Talcott Parsons, aber auch: den Funktionalismus). Funktional darauf ausgerichtet bilden sich "Institutionen"; und ohne die Herausbildung von entsprechenden "Strukturen" ist eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung nicht möglich.
Auch ein Robinson Crusoe überlebt nur, weil er die Methoden zur Bewältigung der Welt (Normen, Werte, Fähigkeiten) verinnerlicht hat, weil er die Gesellschaft in sich trägt - z.B., wenn er auf seiner einsamen Insel 'fromm' wird. Akteur (oder, strittig, Individuum) und Gesellschaft stehen in einem wechselseitigem Abhängigkeitsverhältnis. Langfristig stabilisieren sich Gesellschaften nur, wenn sie sich über Sozialisation Strukturen und Wertvorstellungen reproduzieren. Ursprüngliche Instanz ist hier durch biologische Determination die Kernfamilie (sogar dies ist umstritten).
"Gesellschaft" in systemtheoretischen Begriffen ist, mit Luhmann ausgedrückt, das umfassendste soziale System, die Einheit, die keine soziale Umwelt mehr hat und alle (anderen) sozialen Systeme, Verhältnisse und Tatbestände umfasst. Anders ausgedrückt ist Gesellschaft alles, was durch Kommunikation füreinander erreichbar ist.
Für den 2002 verstorbenen französischen Soziologen Pierre Bourdieu ist "Gesellschaft" nicht völlig erklärbar. Es gebe aber zwei zu unterscheidende Ebenen: die Ebene der sozialen Praxis, in der sich das Leben nach Regelmäßigkeiten abspiele, deren Ablauf die Akteure zum großen Teil unbewusst inkorporiert haben, und die Ebene der "Theorie der Praxis", wo untersucht werden müsse, die unbewussten, in ihrer Gesamtheit kaum wahrgenommenen Machtverhältnisse der sozialen Praxis aufzudecken, und zwar dort, wo sie weitest gehend mit den Gewohnheiten des Handelns, des Wahrnehmens und Beurteilens bricht. Bourdieus sehr einflussreiches Werk enthält damit eine gesellschaftskritische Komponente.
Auch in der heutigen (2005) Soziologie ist die Verwendung des Begriffes "Gesellschaft" nicht unumstritten. So fordert z.B. der britische Soziologie John Urry für eine Soziologie des 21. Jahrhunderts die Abkehr von der Analyse von "Gesellschaften" (Sociology Beyond Societies, London 2000).
"Weltgesellschaft"
Tönnies' und Luhmanns Ansätze erlauben - wie die vieler anderer soziologischer Makrotheoretiker - auch die Konzeption einer "Weltgesellschaft" (bei Karl Marx durch den durchdringenden Ausbeutungsmechanismus im Kapitalismus; bei Ludwig Gumplovicz durch den Krieg zwischen Gruppen; bei Ferdinand Tönnies durch den Fernhandel; bei Niklas Luhmann durch Anschluss von Kommunikationmedien wie etwa durch "Zahlungen" von "Geld"; usw.).
Die Gesellschaft wird hier nach dem geschichtlichen Entwicklungsstand der Produktionsverhältnisse beschrieben:
- Urgesellschaft
- Sklavenhaltergesellschaft
- Feudalismus
- Asiatische Produktionsweise
- Kapitalismus
- Sozialismus
- Kommunismus
Rechtsform
Das Wort Gesellschaft wird im juristischen Sprachgebrauch für Zusammenschlüsse natürlicher oder juristischer Personen gebraucht, siehe Rechtsform.
Verwandte Themen
- Gesellschaftsordnung, Sozialstruktur, Gemeinwesen, Unterscheidung von Staat und Gesellschaft, Gesellschaftsmodell, Nivellierte Mittelstandsgesellschaft
- Industriegesellschaft, Konsumgesellschaft, Dienstleistungsgesellschaft, Informationsgesellschaft, Erlebnisgesellschaft, Netzwerkgesellschaft, Risikogesellschaft
ja:社会
ko:사회
nb:Samfunn
simple:Society
zh-min-nan:Siā-hōe
Kategorie:Soziologie
Kategorie:Gesellschaftsrecht
Kategorie:Wortexport
SoziologieDie Soziologie beschreibt und untersucht die Struktur-, Funktions- und Entwicklungszusammenhänge der Gesellschaft. Sie ist eine Sozialwissenschaft, die sich nicht auf spezifische Themengebiete (wie etwa die Politikwissenschaft oder die Wirtschaftswissenschaften) festgelegt hat, sondern den Anspruch erhebt, mit einer Reihe von soziologischen Methoden das soziale Zusammenleben in Gemeinschaften und Gesellschaften zu erforschen. Dazu fragt die Soziologie nach dem Sinn und den Strukturen des sozialen Handelns sowie nach den damit verbundenen Normen und untersucht einerseits die Gesellschaft als Ganzes, aber auch ihre Teilbereiche, beispielsweise einzelne soziale Gebilde (bzw. Systeme, Institutionen, Gruppen und Organisationen). Zugleich wirft sie ihren Blick auf den sozialen Wandel, dem diese unterliegen.
sozialen Wandel]
Der Anspruch der Soziologie kommt in Max Webers Definition einer verstehenden und zugleich erklärenden Soziologie (§ 1, Wirtschaft und Gesellschaft) zum Ausdruck. Demnach ist Soziologie "eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will". Eine hochkomplexe Aufgabe - man verstehe und erkläre nur einmal die abgebildete Wiedergabe sozialer Handlungen auf dem Gemälde Renoirs (rechts) - ganz abgesehen von den Fragen, was über das soziale Zusammenleben die Tatsache verrät, dass es gemalt, ausgestellt und bewundert wurde.
Konkrete Themen, mit denen sich die Soziologie beschäftigt, sind beispielsweise Sozialstruktur, Arbeit, Migration, Geschlecht, soziale Netzwerke, Sexualität, Alltag und Lebenswelt. Für viele dieser Themen haben sich spezielle Soziologien etabliert (s.u.), andere -- wie etwa die allgemeine Frage nach den Wechselwirkungen von Handeln und Struktur -- sind Thema der allgemeinen Soziologie. Auch überschneiden sich die soziologischen Fragestellungen hier oft mit denen der Sozialpsychologie und mit anderen Sozialwissenschaften.
Geschichte der Soziologie
Für eine ausführlichere Darstellung siehe Geschichte der Soziologie.
Als eine eigenständige Wissenschaft gibt es die "Soziologie" erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Entstehungsgeschichte ist eng mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft im Europa des 19. Jahrhunderts sowie mit der fortschreitenden Industrialisierung verbunden.
Als Begründer der Soziologie als eigenständige Wissenschaft gilt Auguste Comte. Die Soziologie im heutigen Sinne wird jedoch insbesondere auf Max Weber und Émile Durkheim zurück geführt.
Vorläufer der Soziologie sind in der Geschichtswissenschaft, der Nationalökonomie, aber auch im Journalismus und in den Policeywissenschaften zu sehen. Unmittelbare Vorläufer der Soziologie wie Karl Marx werden heute ebenfalls als soziologische Klassiker verstanden.
Doch hatten auch schon ältere Autoren Werke stark soziologischen Charakters geschrieben, etwa Xenophón, Polýbios, Ibn Khaldun, Giambattista Vico und Adolph Freiherr Knigge.
Gliederungen der Soziologie
Soziologische Theorien
Soziologie war nie eine Wissenschaft mit nur einem Paradigma. So lassen sich in der heutigen deutschsprachigen Soziologie mindestens vier große Ansätze unterscheiden.
- Der Rational Choice-Ansatz (bekannter Vertreter dieser Richtung: Hartmut Esser), auch als methodologischer Individualismus bezeichnet, führt Aggregatphänomene auf die Entscheidungen und das dementsprechende Handeln einzelner Individuen zurück und geht davon aus, dass hier rationale Wahlen auffindbar sind. Zwischen RC-Ansatz, quantitativer Methodologie und ökonomischer Theorie herrschen gewisse Affinitäten vor.
- Weiterhin einflussreich ist die Kritische Theorie, die inzwischen durch eine Nähe zum (französischen) Poststrukturalismus gekennzeichnet ist.
- Als eine dritte große und insbesondere im deutschsprachigen Raum einflussreiche Schule lässt sich die soziologische Systemtheorie im Gefolge von Talcott Parsons (vgl. zu ihm Strukturfunktionalismus) und Niklas Luhmann nennen. Soziologie moderner Gesellschaften wird hier nicht als eine Wissenschaft verstanden, die individuelles Handeln betrachtet. Gesellschaft wird vielmehr auf Kommunikationen und Nicht-Kommunikationen in sozialen Teilsystemen zugeschnitten.
- Zu nennen ist schließlich eine Vielzahl von Arbeiten, die sich grob einem interpretativen und qualitativ-rekonstruktiven Paradigma zuordnen lassen. Ausgehend von Phänomenologie und Pragmatismus stehen hierbei subjektive Sinnqualitäten und die Rekonstruktion der Entstehungsbedingungen, Verläufe und Konsequenzen sozialer Praktiken im Vordergrund.
Gliederung nach der Ebene sozialer Phänomene
Eine häufig vorzufindende Unterteilung der Soziologie unterscheidet zwischen dem Blick auf Gesellschaften (Makrosoziologie) und dem Blick auf das individuelle Handeln (Mikrosoziologie). Daneben wird teilweise eine Mesosoziologie als Soziologie einer intermediären Ebene, in der Handeln und soziale Systeme zusammentreffen, angeführt.
Mikrosoziologie (Individuum, Interaktion, Handeln)
- Methodologischer Individualismus (auch Rational-Choice-Theorie)
- Symbolischer Interaktionismus
- Phänomenologische Soziologie
- Konfliktsoziologie
- Figurationssoziologie
- Ethnomethodologie
- Situationsdynamik: If men define situations as real, they are real in their consequences. (Thomas-Theorem); zumal in der soziologischen Rollentheorie werden auch situative Rollen behandelt.
Mesosoziologie
- Soziologie der Institutionen, Rituale, Organisationen und sozialen Netzwerke.
Makrosoziologie (Kollektiv, Gesellschaft, System, Struktur)
- Funktionalismus
- Strukturalismus
- Strukturfunktionalismus
- Marxistische Soziologie
- Kritische Theorie (auch Frankfurter Schule)
- Systemtheorie
Soziologische Methoden
Um eine der Soziologie angemessene Methodik wurde seit den Anfängen der Disziplin im so genannten Methodenstreit gerungen. Das methodische Instrumentarium der Soziologie lässt sich wie folgt gliedern:
- Empirische Sozialforschung
- Qualitative Methoden
- Biografieforschung
- Grounded Theory
- Objektive Hermeneutik
- Qualitative Inhaltsanalyse
- Historische Soziologie
- Quantitative Methoden
Allgemeine und spezielle Soziologien
Schließlich lassen sich Themenbereiche der Soziologie auch danach unterscheiden, ob sie der allgemeinen Soziologie zuzurechnen sind, also generelle Gültigkeit beanspruchen, oder ob es sich dabei um Themen einer speziellen Soziologie handelt.
Allgemeine Soziologie
Der Allgemeinen Soziologie werden die für das Fach wichtigen theoretischen Ansätze und auch Sachgebiete wie das Verhältnis von Akteur und Gesellschaft bzw. Person und sozialem System, sowie die Struktur und der Wandel von Gesellschaften/sozialen Systemen zugerechnet. Themen der Allgemeinen Soziologie sind u.a. soziales Handeln und soziale Beziehung, soziale Ungleichheit, Gruppen, Sozialisation, sozialer Wandel, Soziale Mobilität, Methoden der empirischen Forschung, soziale Rollen, Tausch, Klasse, Elite, Macht und Herrschaft etc.
Spezielle Soziologien
Spezielle Soziologien - informell auch Bindestrichsoziologien genannt - befassen sich mit den Strukturen und Prozessen gesellschaftlicher Teilsysteme oder institutioneller Bereiche der Gesellschaft. Zu den wichtigisten speziellen Soziologien gehören Arbeitssoziologie, Familiensoziologie, Politische Soziologie. Durch die zunehmende Differenzierung auch der Soziologie selbst bilden sich laufend weitere spezielle Soziologien.
Eine ausführliche Auflistung gibt die Liste spezieller Soziologien.
Angewandte Soziologie
Der Erfolg einer soziologischen Theorierichtung ist nicht nur von ihrer intellektuellen Tüchtigkeit und wissenschaftlichen Bedeutung abhängig, sondern -- wissenschaftssoziologisch gesehen -- durchaus auch von der Nachfrage nach soziologischer Beratung durch den Markt beziehungsweise durch die Politik.
Hier wird in der Soziologie am meisten in den Bereichen der Markt- und Wahlforschung verdient, was die Entwicklung der quantitativen Methoden (Statistik) und der an die Naturwissenschaften angelehnten Theorieansätze relativ begünstigt - die Fragen sind meist eingeschränkt und auf die allernächste Zukunft bezogen. Hier kam es (zuerst in den USA, seit den späten 1940er Jahren auch in Deutschland) zur Gründung von Umfragefirmen und Meinungsforschungsinstituten.
Mit den Auswirkungen gesellschaftlicher Prozesse auf die Raumstruktur befasst sich die Stadtsoziologie (vgl. auch Sozialer Raum). (Dabei wird häufig auch mit Methoden der Geographie gearbeitet.)
Einige spezielle Soziologien (Militär-, Medizin-, Sport- und Katastrophensoziologie) sind einigermaßen auf Beratung eingestellt, nicht aber mehr die Industriesoziologie, seit ab den 1970er Jahren das Fach aus den "Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen" Fakultäten (Fachbereichen) in die Philosophischen hinüber gewandert ist.
Diktaturen haben vor allem vor einer die Mentalität der Bevölkerung berücksichtigenden und darüber Auskunft gebenden Soziologie Angst; bei besonderem (dann oft geheimem) Beratungsbedarf erlauben sie gelegentlich soziologische Fragestellungen (sehr typisch in der DDR im Bereich der Stadt- und Jugendsoziologie).
Einführende Bücher in die Soziologie
- Günter Endruweit / Trommsdorff, Gisela (Hgg.) - Wörterbuch der Soziologie; 2. Aufl., Stuttgart 2002
:Eine kundige und zur Zeit (2004) auch die neueste Übersicht im Handbuchcharakter mit zahlreichen Mitarbeiter/inne/n. Doch bleiben auch die anderen erhältlichen soziologischen Wörterbücher empfehlenswert.
- Wolfgang Eßbach - Studium Soziologie UTB, 1996.
:Überblick über die Entstehungsgeschichte der Soziologie, ihre heutigen Anwendungsfelder, das Soziologiestudium und wichtige Grundbegriffe.
- Anthony Giddens: Soziologie; 2. überarb. Auflage; aus dem englischen (Sociology), 1997 Nausner& Nausner
: "Das Standardwerk im englischsprachigem Raum vom Cambridgeprofessor ISBN 3-901402-22-5
- Dirk Kaesler (Hg.) - Klassiker der Soziologie; München 2000; C.H. Beck Verlag
:Wiederum in zwei Bänden zeigt eine jüngere Generation von Soziologen im Rahmen von jeweils 20 Seiten, wer cum grano salis die Klassiker sind. Einunddreißig von ihnen werden erstens in ihrem Leben und dem zeitgenössischen Kontext, zweitens in ihrem Werk und deren wichtigsten Begriffen und drittens in ihrer Wirkung auf das zeitgenössisches soziologisches Denken und auf die gegenwärtige internationale Soziologie dargestellt. Diese beiden Bände helfen, die Klassiker kurz zu rekapitulieren und in eine Geschichte zu verorten.
- Walter M. Sprondel - Über das Verhältnis der Soziologie zu den Geisteswissenschaften, in: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 ISBN 359337336X
- Annette Treibel - Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart; 6. Aufl. Wiesbaden 2004. VS Verlag
:Teil des Einführungskurses in die Soziologie in vier Bänden. In diesem Band werden die soziologischen Theorien in ihrer Struktur aufgearbeitet und vorgestellt.Gleichzeitig werden Verbindungslinien gezogen um das Geflecht der unterschiedlichen Ansätze transparenter zu machen.
Weblinks
- [http://www.soziologie.uni-freiburg.de/fachschaft/studium/wasistsoz.php Was ist Soziologie ]
- [http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/index.htm Soziologie-Lexikon] mit über 2000 Einträgen
- [http://agso.uni-graz.at/lexikon/ 50 Klassiker der Soziologie]
- [http://www.uni-marburg.de/soziologie/schwerpunkte/nojs.html Universität Marburg], FB Soziologie: Erläuterte Systematik der Forschungsschwerpunkte
- [http://www.soziologie.de DGS - Deutsche Gesellschaft für Soziologie]
- [http://www.bds-soz.de BDS - Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen]
- [http://wwww.gesis.org/ GESIS] Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen e.V.
- [http://www.valt.helsinki.fi/esa/ ESA - European Sociological Association]
- [http://www.ucm.es/info/isa/ ISA - International Sociological Association]
Siehe auch
Portal:Soziologie, Liste soziologischer Artikel, Liste von Soziologinnen und Soziologen, Liste bahnbrechender soziologischer Publikationen
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Kategorie:Sozialwissenschaft
ja:社会学
ko:사회학
ms:Sosiologi
simple:Sociology
th:สังคมวิทยา
PrivatrechtPrivatrecht ist das Recht, das die Beziehungen der einzelnen, gleichberechtigten Mitglieder der Gemeinschaft (natürliche oder juristische Personen) untereinander regelt, zur Abgrenzung vom öffentlichen Recht, das immer dann anzuwenden ist, wenn ein Mitglied mit Hoheitsgewalt (Imperium) in Ausübung dieser Hoheitsgewalt auftritt, auch wenn sich der Hoheitsträger einer privatrechtlichen Organisationsform (beispielsweise GmbH) bedient.
Wichtige Gesetze hierzu sind in Deutschland das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), in Österreich das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB), in der Schweiz das Schweizer Zivilgesetzbuch (ZGB) samt dem Obligationenrecht (OR) und in Frankreich der Code civil.
Diese Kodifikationen haben weltweit starke Aufmerksamkeit gefunden.
Eine Besonderheit im deutschen Zivilrecht ist das Abstraktionsprinzip, also die Unabhängigkeit von kausalem und abstraktem Rechtsgeschäft.
Die weltweit einzigartige Möglichkeit, privatrechtliche Ansprüche aus jedem Land der Welt vor einem US-Gericht einzuklagen, wird durch das US-amerikanische Alien Tort Claims Act Gesetz geregelt.
Kategorie:Privatrecht
ja:民法
ko:민법
Aristoteles
Aristoteles (griechisch Αριστοτέλης Aristotelēs, - 384 v. Chr. in Stageira / Makedonien, † 322 v. Chr. in Chalkis / Euböa) war ein griechischer Philosoph, Naturforscher und einer der einflussreichsten Denker der abendländischen Geistesgeschichte, der zahlreiche Disziplinen entweder selbst begründete oder entscheidend beeinflusste. Nach seiner Herkunft wurde Aristoteles auch Der Stagirit genannt.
Leben
384 v. Chr. wird Aristoteles in Stageira als Sohn des Leibarztes Nikomachos am Hof von König Amyntas von Makedonien geboren. Früh versterben seine Eltern, sodass er bei Pflegeeltern aufwächst. 367 v. Chr., mit 17 Jahren, tritt Aristoteles in Platons Akademie in Athen ein.
347 v. Chr. stirbt Platon, die Leitung der Akademie übernimmt aber nicht der offenbar weitaus begabtere und talentiertere Aristoteles, sondern Speusippos, ein Neffe Platons. Aristoteles geht wohl auch wegen der anti-makedonischen Stimmung in Athen an den Hof des Hermias, des Herrschers von Atarneus in Kleinasien, wo er dessen Adoptivtochter Phytias heiratet. Von 342 v. Chr. bis 336 v. Chr. unterrichtet Aristoteles Alexander den Großen in Philosophie, Kunst und Mathematik.
335 v. Chr. kehrt Aristoteles nach Athen zurück und gründet dort seine eigene Schule, das Lykeion (später auch Peripatos genannt), die bis etwa 40 v. Chr. besteht und aus der die philosophische Richtung der Peripatetiker hervorgeht. 323 v. Chr. verlässt Aristoteles Athen, da - nach Alexanders Tod - dort die antimakedonische Partei die Oberhand gewinnt, und geht nach Chalkis, dem Geburtsort seiner Mutter, wo er im folgenden Jahr stirbt.
Lehre und Schriften
Was ist von Aristoteles überliefert?
Bei den überlieferten Schriften des Aristoteles - dem Corpus Aristotelicum - handelt es sich nicht um die von ihm selbst veröffentlichten so genannten exoterischen Schriften, die vielmehr bis auf (z.T. umfangreiche) Zitate bei späteren Schriftstellern verloren sind. Vollständig erhalten sind hingegen die seit dem 19. Jhd. so genannten esoterischen Schriften oder Pragmatien, die als Notizen, Vorlesungsskripte oder Materialsammlungen zunächst nur zum internen Gebrauch bestimmt waren und erst im ersten Jahrhundert v.Chr. durch die Ausgabe des Andronikos von Rhodos (s.u.) einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurden. Diese Schriften sind daher in Stil und Aufbau oft schwer zugänglich. Von den von Aristoteles' zu Lebzeiten veröffentlichten Werken (den exoterischen Schriften), die z.T. als Dialoge im Stil Platons verfasst waren, ist sehr wenig überliefert. Ein Bild dieser Schriften liefert am ehesten noch der Protreptikos, eine auf Öffentlichkeitswirkung angelegte Werbeschrift für die Philosophie.
Aristoteles' Einteilung von Wissensgebieten
Aristoteles befasste sich mit zahlreichen Wissensgebieten, die allerdings in den meisten Fällen nicht deckungsgleich mit den heutigen Gebieten gleichen Namens sind. Beispielsweise ist Ethik für Aristoteles nicht in erster Linie eine Theorie der Moral und in vielen Punkten auch nicht getrennt von der Politik, die er beide auch unter dem Begriff der politischen Wissenschaften häufig gemeinsam nennt. Am wichtigsten ist die Unterscheidung in drei große Arten von Bereichen des Wissen: den theoretischen, praktischen und poietischen (hervorbringenden).
- (1) Die theoretische Wissenschaft betrachtet das, was unabhängig vom Menschen ist und keinen äußeren Zweck außer der Erkenntnis selbst besitzt. In sie fällt vor allem die Physik und die Metaphysik.
- (2) Die praktische Wissenschaft thematisiert das, was im Bereich der menschlichen Handlungen liegt, was aber nichts außer der Handlung selbst hervorbringt. Hierein fällt vor allem Aristoteles' Ethik und die Politik.
- (3) Die poietische Wissenschaft untersucht das, was im Bereich der menschlichen Tätigkeiten liegt und hierbei ein Objekt hervorbringt. Die Schrift Poetik des Corpus Aristotelicum thematisiert dabei (fast) ausschließlich die Dichtung.
- Ein weiterer wichtiger Teil der überlieferten aristotelischen Schriften sind gewissermaßen Metawissenschaften, die neben dieser Dreiereinteilung der Wissenschaften liegen und vor allem die Logik betreffen.
Zentrale methodologische Elemente der Philosophie Aristoteles'
Im Gegensatz zu Platon - der Philosophie als eine alle Bereiche menschlichen Wissens umfassende Einheitswissenschaft auffasst - geht Aristoteles von einem Konzept von Einzelwissenschaften als eigenständigen Disziplinen aus. Hierbei stützt er sich auch auf empirische Forschung (im weitesten Sinne) und setzt sich in der Ausarbeitung seiner Theorien mit dem gesunden Menschenverstand sowie mit den Lehren seiner Vorgänger und der Meinung der Allgemeinheit (Doxographie) auseinander. Die "Erste Philosophie", d.h. die Metaphysik ist als Grundlagenwissenschaft vom Seienden als Seienden den anderen Wissenschaften jedoch vorgeordnet.
Die Substanzlehre als zentrales Element der Philosophie Aristoteles'
Grundlegend für Aristoteles' Philosophie insgesamt ist die Frage: Worin besteht die Grundlage allen Seins? Hierbei ist der Begriff der ousía (griechisch ουσία) zentral, der in der späteren Tradition mit Substanz übersetzt wurde. Was ist nun die ousía einer Sache? Ousia ist, was diese Sache ihrem Sein nach ist, unabhängig von kurzfristig zukommenden und zufälligen Eigenschaften. Die ousía ist dabei dasjenige, was selbst unabhängig von diesen Eigenschaften ist und wovon diese abhängig sind. Grammatisch oder kategorial ausgedrückt, heißt dies, dass die Substanz dasjenige ist, dem die Eigenschaften zugeschrieben werden oder wovon überhaupt etwas ausgesagt wird; das, was von den Substanzen ausgesagt wird, sind deren Prädikate. Aristoteles' Antwort auf die Frage, was denn nun das bleibende Wesentliche sei, ist schließlich, dass die ousía eine bestimmende Form - das eidos - ist, die Ursache allen Seins ist. So ist z.B. das eidos von Sokrates das, was seine Menschengestalt, sein Menschsein bestimmt; der Grundidee nach kann dieser Hylemorphismus - die Lehre, dass ein Gegenstand aus zu bestimmender Materie (hylê) und bestimmender Form (morphê ist ein anderer Ausdruck für eidos) besteht und die Form das organisierende Prinzip der Materie ist - als allgemeiner Vorläufer der Theorie des genetischen Codes verstanden werden.
Die Theorie der ousía arbeitet Aristoteles in der sog. ersten Philosophie aus, in einigen unter dem Titel Metaphysik überlieferten Abhandlungen. Sie spielt allerdings auch in vielen anderen Bereichen seines Denkens eine ausgezeichnete Rolle, u.a. in De Anima, der Untersuchung dessen, was spezifisch und determinierend für alles Lebendige ist.
Nachwirkung der Philosophie des Aristoteles
Rezeption in der Antike
Im Peripatos wurde nach dem Tod des Aristoteles zunehmend spezielle Forschung im Bereich der Einzelwissenschaften betrieben. Wie sehr Aristoteles' Schriften hier rezipiert wurden, ist unklar. Klar ist, dass eine Ausgabe dieser Schriften erst Jahrhunderte nach seinem Tod von Andronikos von Rhodos angefertigt wurde.
In der Spätantike war Aristoteles nicht ohne Einfluss (siehe Themistios oder den großen Aristoteleskommentar des Simplikios), dennoch ist wenigstens bis ins 5. Jh. eine Präferenz des Neuplatonismus festzustellen, die auch in Byzanz weiter wirkte. [http://12koerbe.de/pan/met12-2.htm Aristoteles' Lehre von der noesis noeseos (dem sich selbst durchdenkenden Denken) und vom unbewegten Bewegenden] wurde dabei in das Prinzip des platonischen [http://12koerbe.de/pan/platon6.htm agathon (d.h. des Guten bzw. Vollkommenen)] so integriert, dass die aristotelische Formursache (to eidos) und die [http://12koerbe.de/pan/met12-2.htm "Seinsheiten" (ousiai, Wesen, Substanzen)] mit den [http://12koerbe.de/pan/platon6.htm vom agathon wie von einer Sonne ausstrahlenden Ideen (s. Sonnengleichnis)] gleichgesetzt werden konnten. Erst im 11. Jh. kam es zu einer Renaissance der aristotelischen Philosophie (Kommentierung mehrerer Schriften des Organon durch Johannes Italos).
Rezeption im Mittelalter
Im islamischen Raum waren die Werke Aristoteles' in Übersetzung größten Teils bekannt (ab 10. Jh.), wobei mehrere bedeutende Kommentare entstanden (siehe Averroes, Avicenna).
Im lateinischen Mittelalter war zunächst bis in 12. Jh. von den Schriften des Aristoteles nur eine Auswahl der logischen Schriften verbreitet. Zudem war Aristoteles in einigen Punkten für die christliche Lehre ein unbequemer Denker, so dass seine Schriften in einigen Universitäten verboten waren. Mit Albertus Magnus und Thomas von Aquin setzte dann eine Aristotelesrenaissance ein. Seit der Mitte des 13. Jhs. war aristotelische Philosophie Pflichtprogramm an den Universitäten. Infolgedessen galt in Form des Thomismus Aristoteles bis über das 15. Jh. hinaus (Ende des Mittelalters) als unumstrittene Autorität. In dieser Tradition wurde Aristoteles oft nur Der Philosoph genannt.
Rezeption in der Neuzeit
Im 19. Jh. gab es in der Nachfolge der deutschen Klassik eine starke Rezeption der antiken Klassiker. Für Hegel war Aristoteles eine der wichtigsten Anregungen. Immanuel Bekker edierte in den 1830er-Jahren die erste moderne, textkritische Gesamtausgabe der aristotelischen Schriften. Zu dieser Zeit begann man, Aristoteles als Denker in seinem eigenen historischen Kontext und unabhängig von der scholastischen Tradition zu interpretieren.
Anfang des 20. Jhs. befreite Werner Jaeger Aristoteles endgültig von den scholastisch geprägten Konnotationen. Für viele andere Philosophen waren und sind Aristoteles' Schriften bis heute eine wichtige Quelle zum eigenen systematischen Philosophieren. Zudem hat die Aristoteles-Forschung seit Anfang des 20. Jhs. große Fortschritte gemacht.
Für den Neuthomismus, den philosophischen Unterbau der heutigen Lehre der katholischen Kirche, ist die Philosophie Aristoteles' der wichtigste Bezugspunkt.
Als Pseudo-Aristoteles werden unbekannte Verfasser bezeichnet, deren Schriften zunächst Aristoteles selbst zugeordnet wurden, dessen Urheberschaft heute aber zweifelhaft ist.
Werke (Auswahl)
- Organon (nacharistotelische Zusammenstellung), bestehend aus:
- Kategorien
- De Interpretatione
- Analytica Priora
- Analytica Posteriora
- Topik
- Sophistische Widerlegungen
- Physik
- De Caelo
- De Anima
- Metaphysik
- Nikomachische Ethik
- Eudemische Ethik
- Politik
- Der Staat der Athener
- Rhetorik
- Poetik – Als Webausgabe frei zugänglich bei [http://www.digbib.org/Aristoteles_384vChr/De_Poetik DigBib.Org]
- Protreptikos
Literatur
Primärtexte
- Übersetzungen:
- Grumach, Ernst (Begr.), Flashar, Hellmut (Hrsg.): Aristoteles. Werke in deutscher Übersetzung, 19 Bde., Akademie Verlag, Berlin 1965 ff. (Mit in der Regel sehr guten Kommentarteilen)
- Barnes, Jonathan (Hrsg.): The Complete Works of Aristotle, 2 Bde., Princeton 1995 (Sammlung der maßgeblichen englischen Übersetzungen)
- Rapp, Christof/ Wagner, Tim: Aristoteles, Topik. Übersetzung, Einleitung und Kommentar, Stuttgart 2004 (Reclam)
- Griechische Textausgaben:
- div. Hgg. in der Reihe: Oxford Classical Texts (OCT) bei Oxford University Press ediert.
- div. Hgg. und Übersetzer in der Reihe: Loeb Classical Texts (LCT) bei Harvard University Press ediert (Griechischer Text mit englischer Übersetzung)
Sekundärliteratur (hervorgehobenes besonders für Einsteiger)
- Einführungen:
- Buchheim, Thomas: Aristoteles, Freiburg i.Br. 1996
- Code, Alan D.: Aristotle, OUP 2005 (Einführung des vermutlich besten Kenners der aristotelischen Metaphysik)
- Detel, Wolfgang: Aristoteles, Leipzig 2005. (Problemorientierte Einführung)
- Höffe, Otfried: Aristoteles, Beck´sche Reihe Denker, 2. überarbeitete Aufl., München 1999. (Hervorragende Einführung, welche die praktische Philosophie des Aristoteles und die Rezeptionsgeschichte näher beleuchtet.)
- Rapp, Christof: Aristoteles zur Einführung, Hamburg 2004 ISBN 3885063980. (die beste deutschsprachige Einführung zu Aristoteles mit sehr guter thematisch gegliederter Bibliografie für Einsteiger)
- Ross, W.D.: Aristotle, Routledge 2004 (Einführung/Darstellung aus der Feder des wichtigsten Aristoteles-Forscher des 20.Jh.)
- thematische Kompendien:
- Barnes, Jonathan (Hg.): The Cambridge Companion to Aristotle CUP 1995 (Sehr gute Einführung zu Aristoteles mit thematisch geordneten Beiträgen einiger der namhaftesten Aristotelesforscher und einer aktuellen, thematisch gegliederten 80 Seiten-Bibliografie.)
- Buchheim, Thomas/Flashar, Hellmut (Hgg.): Kann man heute noch etwas anfangen mit Aristoteles, Hamburg 2003 (Beiträge namhafter Aristotelesforscher in Hinblick auf Aristoteles und moderne Philosophie)
- Philosophiegeschichte & Doxographie:
- Flashar, Hellmut (Hg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike Band 3: Ältere Akademie. Aristoteles. Peripatos 2., durchgesehene und erweiterte Auflage, von Hellmut Flashar, Hans Krämer, †Fritz Wehrli, Georg Wöhrle, Basel 2004. (Die ausführlichste philosophiegeschichtliche Darstellung der Philosophie des Aristoteles und seiner Wirkungsgeschichte.)
- Lexika:
- Höffe, Otfried (Hg.): Aristoteles-Lexikon, Stuttgart 2005 ISBN 3520459019
- Horn, Christoph / Rapp, Christof (Hgg.): Wörterbuch der antiken Philosophie, München 2002 (mit zahlreichen Einträgen zu für Aristoteles zentralen Termini) ISBN 3406476236
- Aufsatzsammlungen:
- Rapp, Christof (Hg.): Aristoteles. Metaphysik. Die Substanzbücher (Ζ, E, Θ), Berlin 1996. (Artikel zu den wichtigsten Textabschnitten zu der aristotelischen Substanzlehre)
- Code, Alan D.: Collected Papers on Aristotle's Metaphysics, Princeton UP 2005
- Weitere Monographien:
- Jaeger, Werner: Aristoteles, Berlin 1923 (wichtig innerhalb der Forschungsgeschichte, aber als Einführung ungeeignet)
- Patzig, Günther: Die aristotelische Syllogistik. Logisch-philologische Untersuchung über das Buch A der "Ersten Analytik", 3. Aufl., Göttingen 1969.
- Richard Sorabji (Hg.): Aristotle Transformed. The Ancient Commentators and Their Influence, Ithaca/New York 1990.
Kunst
Aristoteles in der Kunst
bild:Aristotelesrp.jpg|Aristoteles
Image:Aristotelesarp.jpg|Ausschnittsvergrößerung aus einem Wandgemälde
Image:Aristotle by Raphael.jpg|Aristoteles, seine Ethik haltend. Detail aus dem Fresko Schule von Athen von Raphael im Vatikan.
Siehe auch
- Subjekt
- zentrale Termini wichtiger Philosophen und Epochen
- Akt-Potenz
- Alexander von Aphrodisias
- Apophansis
- Liste der Philosophen
- Philosophie der Antike
- Portal:Philosophie
- Portal:Antike
- Aristotelische Naturphilosophie
- Gesellschaft für antike Philosophie
- Contra principia negantem disputari non potest, Sprichwort, das auf Aristoteles zurückgehen soll
Weblinks
-
- [http://plato.stanford.edu/contents.html#a Einträge] in der Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [http://www.philo.de/Philosophie-Seiten/personen/aristoteles.shtml Aristoteles als Philosoph]
- [http://gutenberg.spiegel.de/autoren/aristote.htm Texte bei Projekt Gutenberg]
- [http://www.litlinks.it/ax/aristoteles.htm Texte und Sekundäres] bei litlinks.it
- [http://www.perseus.tufts.edu/cgi-bin/vor?lookup=aristotle;collection=Perseus%3Acollection%3AGreco-Roman;group=fieldcat;target=en%2C0;alts=1;extern=1;doctype=Text;detail=Creator#Creator Texte (griechisch/englisch)] im Perseus Project
- [http://classics.mit.edu/Browse/browse-Aristotle.html Texte von Aristoteles (englisch)]
Kategorie:Mann
Kategorie:Grieche
Kategorie:Philosoph (Antike)
Kategorie:Moralphilosoph
Erkenntnistheoretiker
Kategorie:Physiker
Kategorie:Logiker
Kategorie:Universalgelehrter
Kategorie:Griechische Philosophie
Kategorie:Geschichte der Naturwissenschaft
Kategorie:4. Jahrhundert v. Chr.
ja:アリストテレス
ko:아리스토텔레스
ms:Aristotle
simple:Aristotle
th:อริสโตเติล
PolisAls die Pólis (Plural: póleis) wird der antike griechische Stadtstaat bzw. auch die Stadt selbst bezeichnet, wie sie über tausend Jahre lang die für die Griechen charakteristische Siedlungsform sowie Staatsform darstellte. Abgegrenzt ist sie von der zweiten griechischen Siedlungsform, dem Éthnos ("Völkerschaft"), der als locker organisierte Wehrgemeinschaft über einen größeren Siedlungsraum erst im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. politische Bedeutung erlangte (Beispiel: Makedonien). Erst um 600 n. Chr. kam es aufgrund unterschiedlichster Faktoren zu einem Verschwinden der póleis.
Entstehung und Charakter der Polis
Polis benannte ursprünglich eine befestigte Höhensiedlung (auch: Akropolis: Burgberg), unter deren Schutz sich im 8. Jahrhundert v.Chr. Siedlungen städtischen, aber auch präurbanen Charakters entwickelten. Hintergrund stellte das im griechischen Raum ab dem 9. Jahrhundert v.Chr. einsetzende Bevölkerungswachstum dar. Mit der griechischen Kolonisation verbreitete sich das Modell über den gesamten Mittelmeerraum.
Ergebnis der Entwicklung waren kleine, unabhängige, sich selbst regierende Gemeinden mit
- einer städtischen oder stadtähnlichen Siedlung als Mitte des Bürgerverbandes (asty)
- den dazugehörigen öffentlichen Gebäuden, einem Versammlungsplatz und Heiligtümern
- den umliegenden Landgebieten (chora) (Beispiel: die zur Polis Athen gehörige Landschaft Attika).
Bedingt auch durch die geographischen Besonderheiten Griechenlands - kleinräumige fruchtbare Ebenen, die vom Gebirge umschlossen und von Flüssen umflossen werden -, definierte sich die kulturell-politische Einheit der Polis zudem durch ein Bewusstsein der Zusammengehörigkeit. Dieses konnte so stark werden, dass sich eine Polis als Ganzes aus ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet "verpflanzen" ließ (Beispiel: Phokaia). Die Einheit bestand gleichfalls weiter, wenn eine Polis unter die Hegemonie einer anderen, militärisch überlegenen fiel. Eine seltene Ausnahme stellt die Eroberung Messeniens durch Sparta dar, der eine Helotisierung folgte.
Insgesamt ist im Mittelmeerraum von schätzungsweise 700 Poleis mit einer Durchschnittsgröße von 50 bis 100 km² auszugehen. Bewohnt wurden sie von meist 2.000 bis 4.000 Menschen. Argos verfügte im Vergleich dazu über etwa 1.400 km². 626 Stadtstaaten sind durch Münzen, literarische Quellen und Tributlisten bekannt. Unser heutiges Bild von einer Polis wird im Gegensatz zur herrschenden Wirklichkeit von einer kleinen Anzahl politisch bedeutsamer Stadtstaaten bestimmt, die - wie Athen und Sparta - allerdings selbst äußerst gegensätzlich in Charakter und politischer Organisationsform sein konnten.
Vergleichbare Stadtgemeinden haben im Mittelmeerraum sowohl Phönizier (z.B. Karthago), Etrusker (z.B. Veii) und Latiner (z.B. Rom) begründet.
Politische und gesellschaftliche Entwicklung der Stadtstaaten
Die politische Entwicklung vieler Poleis scheint nach einem gemeinsamen Muster zu laufen: Ursprünglich wohl monarchisch durch den Basileus regiert, kam es in archaischer Zeit nach inneren Unruhen zur Einzelherrschaft bedeutender adeliger Einzelpersönlichkeiten, die als Tyrannis bezeichnet wurde. Diese hatte nicht unbedingt die negative Bedeutung und Auswirkungen, die wir mit unserem modernen Begriff des Tyrannen umschreiben.
Im griechischen Mutterland, teils auch am Schwarzen Meer, in Unteritalien und Sizilien, wurden die Tyrannenherrschaften später durch Oligarchien, teils auf der Basis einer Timokratie, oder - selten - durch Demokratien ersetzt. Charakteristisch für die Poliswelt ist gerade, dass unterschiedliche Herrschaftsformen nebeneinander existierten.
Die Gesellschaft der meisten Poleis war agrarisch geprägt, die Bürger und Bewohner waren Bauern mit einem Grundbesitz von 5 bis 10 Hektar. Die Machtstellung der Oberschicht beruhte auf einem entsprechend größeren Landbesitz von etwa 15 bis 30 Hektar. Die bäuerlichen Gesellschaften richteten sich auf die Deckung des Eigenbedarfes aus; es herrschte ein eher geringer Handel von Luxuswaren.
Im Gegensatz dazu standen die wenigen großen Poleis (z.B. Athen, Argos, Korinth, Syrakus), die über ein ausgeprägtes Gewerbe und einen ausgeprägten Fernhandel verfügten. In ihnen sind auch stärkere Spannungen zwischen den politisch vollberechtigten Bürgern (Demos) und der Oberschicht feststellbar. Der Kampf um Ämter und Führungspositionen brachte innere Unruhen in diese Gemeinwesen.
Hauptziel der Politik der Poleis waren die eigene Autarkie, Autonomie und - wegen des meist geringen Machtpotenzials - die Vermeidung von Krieg. Unterlaufen werden konnte dies vom Geltungs- und Selbstdarstellungsdrang einzelner Exponenten der Oberschicht, die dann auch gegen die Interessen der Polis handelten. Gefahr drohte zudem von dem Expansionsbedürfnis der großen Stadtstaaten (Athen und der Attisch-Delische Seebund), in deren Visier die kleinen kommen konnten.
Mit Ausbruch des Peloponnesischen Krieges geriet die Welt der griechischen Polis zunehmend in eine existenzielle Krise. Das Hegemoniestreben der größeren Stadtstaaten hatten ein Jahrhundert fast permanenter Kriege zur Folge. Versuche auf der Basis einer koiné eiréne, eines Allgemeinen Friedens zu einer dauerhaften Friedenslösung unter Wahrung der jeweiligen Autonomie zu gelangen, scheiterten in der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. mehrfach. Am Ende mussten sich alle Poleis mit Ausnahme Spartas zunächst der makedonischen, dann der römischen Vorherrschaft beugen.
Gliederung der Polis
Die Poleis waren nach einem bestimmten Grundmuster in Demen-> Phylen-> Phratrien eingeteilt. Die Demen bildeten dabei die Gesamtheit der Bürger in einem Teil der Polis. Innerhalb dieser Demen gab es unterschiedliche Stämme, die Phylen. Ein jeder Bürger war solch einer Phyle zugehörig. Als kleinste Einteilung fand sich die Phratrie (Bruderschaft). An der Spitze der Phratrie stand immer ein bestimmtes Adelsgeschlecht als Schutzherr bzw. Gefolgsherr, von dem die einfachen Leute, die Schutzbefohlenen, abhängig waren (gentilizische Gesellschaftsordnung). Innerhalb dieses Bezugssystems konnte jeder Bürger Schutz, Anerkennung und gesellschaftliche Bindung finden.
Soziale Gruppen
Die Bewohner waren Männer, Frauen, Kinder, Metöken (freie Fremde), Abhängige, Periöken (Umwohnende) und Sklaven. Charakteristikum der Polis stellten aber die vollberechtigten männliche Bürger (Politen) als Herrschaftsträger dar. Zudem lag im Sinne eines patriarchalischen Systems in der griechischen Gesellschaft die Vorherrschaft weitgehend beim Mann.
Die Bürger
Die Vollbürger (Politen) waren oft nur ein kleiner Kreis von vermögenden Männern, wobei das Vermögen auf Grundbesitz beruhte. Daraus konnte sich eine Oligarchie (Herrschaft weniger Vornehmer) mit timokratischen Zügen ergeben.
Nur in wenigen griechischen Poleis kann ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. von einer Demokratie gesprochen werden, falls alle Vollbürger die gleichen politischen Rechte besaßen. Eine singuläre Stellung nimmt hier Athen ein. Selbst dann blieb jedoch der Großteil der Bevölkerung der Polis (Frauen, Metöken, Periöken, Sklaven) von einer politischen Mitsprache ausgeschlossen.
Die Frauen
Frauen hatten in der politischen Öffentlichkeit keinen Platz. Nur Priesterinnen konnten in gewichtige Positionen gelangen. Sonst standen die Frauen ein Leben lang unter der Vormundschaft ihres Mannes oder, falls dieser nicht anwesend oder gestorben war, unter der ihres Vaters bzw. ältesten Bruders. Frauen waren nicht testierfähig und konnten sich auch ihren Ehepartner nicht aussuchen. Eine materielle Abhängigkeit ergab sich daraus, dass Frauen nur sehr selten Eigentum besaßen. Schutz gegen den Mann konnte allenfalls die eigene Familie bieten.
Innerhalb des Oikos, der Verwaltung des Hauswesens, und in der Erziehung der Kinder war die Frau jedoch relativ frei und konnte große Bedeutung und hohes Ansehen genießen. Je nach Persönlichkeit und Stand konnten sie in der Lage sein, sich einen eigenen Lebensbereich zu schaffen.
Gegen Ende des 5. Jahrhunderts v.Chr. begann ein philosophischer Diskurs über die Stellung der Frau, in dessen Folge Platon beispielsweise die grundsätzliche Gleichwertigkeit des weiblichen Geschlechts forderte. Seine Ideen konnten teilweise zu einer Verbesserung der Rechte der Frau führen, ohne dass sich ihre grundsätzliche Stellung aber veränderte.
Die Metöken
Unter ihnen sind Bürger, die sich in einer fremden Polis längerfristig niederlassen, zu verstehen. Diese standen unter dem Rechtsschutz der Gaststadt, politische Rechte besaßen sie jedoch nicht. Sie mussten eine Kopfsteuer zahlen und konnten nur durch besondere Verdienste zu Vollbürgern aufsteigen. Metöken sind allerdings keine Fremden die nur kurzzeitig in der Stadt verweilen.
Sklaven
Die unterste soziale Gruppe bildeten die Sklaven. Ein solcher wurde man meist durch Kriegsgefangenschaft. Sie besaßen keinerlei Rechte, somit waren sie voll und ganz von den Launen ihres Herrn abhängig. Die Unfreien konnten eine zentrale Stütze der Wirtschaft darstellen und zudem erst die zeitaufwändige politische Teilhabe der Vollbürger oder deren Abwesenheit während der Kriegszüge ermöglichen. Berühmt-berüchtigt sind die attischen Staatssklaven in den Silberbergwerken von Laurion, die unter menschenvernichtenden Bedingungen vegetieren mussten und gleichzeitig durch ihre Arbeitsleistung den Aufstieg Athens zur Flottenmacht ermöglichten. Freilassungen aus dem Sklavenstand fanden äußerst selten statt.
Beispiele antiker Poleis
- Argos
- Athen
- Delphi
- Korinth
- Kyrene
- Massilia
- Sikyon
- Sparta
- Syrakus
- Theben
Siehe auch
- Portal: Griechenland
Literatur
- Elisabeth Charlotte Welskopf (Hrg.): Hellenische Poleis, 1973
- Bellen, Heinz: Polis, in: Der kleine Pauly. Lexikon der Antike, Bd. 4, München 1979, Spalte 976-977 (dtv). (Siehe dort auch die Literaturangaben)
- Welwei, Karl-Wilhelm: Die griechische Polis, Stuttgart, 1983
Kategorie:Griechische Geschichte (Antike)
ja:ポリス
GeselleDas Wort Geselle (v. althochdeutsch: gisell(i)o = Saalgenosse, Hausgenosse), im veralteten Umgangssdeutsch jemand, der mit einem zusammen aß ("Tischgesellschaft") oder reiste ("Reisegesellschaft").
Heute meint Geselle einen Handwerker nach erfolgreich bestandener Gesellenprüfung in einem Handwerksberuf. In fast allen Berufszweigen wird außer einer schriftlichen Prüfung ein "Gesellenstück" angefertigt, das vom Gesellenprüfungsausschuss einer Handwerkskammer begutachtet wird.
Dem Gesellen im Handwerk entspricht im industriellen Bereich der Facharbeiter, der seine Prüfung jedoch vor der Industrie- und Handelskammer ablegt.
Siehe auch: Gesellenfreisprechung, Auszubildender, Gesellschaft, Lehre, Lehrling, Meister
Kategorie:Berufliche Funktion
Kategorie:Handwerk
Volk
Der Ausdruck Volk bezeichnet sprachlich als Fügewort eine große Anzahl (schlecht abzählbarer) Individuen, die durch gemeinsame Merkmale verbunden sind. Der deutsche Begriff "Volk" ist nicht identisch mit dem lateinischen Begriff "Nation" im antiken Rom.
Die älteste Bedeutung "viele gleichartige Leute" ist noch in Worten wie "Fußvolk" präsent. Ohne weitere Bestimmung stand "Volk" sodann für ein Siedlungsvolk, in neuerer Zeit eher für Kulturvolk, Stammesvolk oder Staatsvolk verwendet.
Siedlungs-, National- und Kulturvolk
Ein Siedlungsvolk ist in einem Gebiet zusammenlebende große Gruppe von Menschen, dort oft in echter lokaler Gemeinschaft bzw. Verwandtschaft in Stämme bzw. Sippen gegliedert, die durch das Zusammenleben gemeinsame kulturelle Weisen und verwandtschaftliche Netzwerke ausgebildet haben, sich auch gerne von gemeinsamen (fiktiven) Ahnen herleiten. Diese Gemeinsamkeiten werden auf ein konstruiertes Kulturvolk oder Nationalvolk übertragen. Das römische Volk ist so ursprünglich die in Rom lebenden Menschen bezeichnend, zunehmend abstrahierend aber die römischen Staatsbürger und ausgewanderte Sippen mit Traditionen der römischen Kultur.
Der Begriff des Nationalvolks wurde Ende des 19. und Anfang 20. Jahrhundert stark überhöht gebraucht. Er fasste gleichzeitig staatliche, kulturelle und gemeinschaftliche (besonders verwandschaftliche) Eigenabgrenzung nach Aussen zusammen. Diese Sicht wurde später als unhaltbar dekonstruiert und postmoderne Denkrichtungen verweisen bei einer solchen Begriffsbildung auf die problematischen Folgewirkungen in der Gesellschaft.
In der heutigen Zeit spricht man fachlich genauer von Nation (staatlich), Ethnie (kulturell) und Stamm (gemeinschaftlich), die die anteiligen Charakterisierungen von Staatsvolk (staatlich), Kulturvolk (kulturell) und Stammesvolk (gemeinschaftlich) bezeichnen. Der einfache Begriff "Volk" verbleibt so als unscharfes und übertragbares Hilfswort, das in Fügungen vorkommen kann, etwa Bienenvolk, Gottesvolk oder Straßenvolk, wo es die Bedeutung einer unbestimmt hohen Anzahl ausdrückt, die miteinander in Beziehung stehen.
Verständnis
Die situative Verwendung als zuschreibendes Merkmal für Siedlungsvolk in bestimmender Form (jenes Menschen siedelnd in/ kommend aus) wird in der weiteren klassifizierenden Verwendung unscharf. So entstehen durch Wanderungsbewegungen in einem Siedlungsgebiet Mischungen von alteingesessenen und zugewanderten Volksgruppen, die sich zum Teil nur schwer mischen. Dagegen kann über verwandtschaftlichen Austausch hinaus in Grenzgebieten auch ein kultureller Austausch stattfinden, der ethnische Merkmale überträgt.
Die eigentlich zuschreibende Verwendung ging zunehmend in selbstzuschreibende Bezeichnung über. Hier drückt man die eigene Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen aus, aufgrund einer (oft nur angenommen) gemeinsamen Herkunft und Geschichte (Mythos), und verweist auf gemeinsame Traditionen und Bräuche. Häufig verbunden ist dies mit geregelter Heirat untereinander (Endogamie), die eine echte verwandtschaftliche Bedeutung ergibt, bis hin zum Mythos eines gemeinsamen Urahnen (Hellen, Abraham).
Eine besondere Form der Zuschreibung und Selbstzuschreibung ergibt sich bei nomadischen ('schweifenden') Völkern, deren Mitglieder sich mit sesshaften Völkern nicht mischen, jedoch untereinander in verwandtschaftlichem und kulturellen Kontakt bleiben. (Vgl. dazu den Mythos von Kain und Abel.)
In Europa sind die Volksgruppen der Zigeuner lange von der Sesshaftigkeit abgehalten worden, sie haben dann ein Muster für das sog. "Fahrende Volk" überhaupt abgegeben. Auch wo sie zwangsweise (Wohnwagenlager) oder freiwillig (oft in Schlichtbausiedlungen) sesshaft gemacht wurden, halten sie bis heute noch merkliche Distanz zu Anderen.
Die Nichtsesshaften sind dabei nicht selten staatenlos.
Durch die Verschiedenheit von gemeinsamer Sesshaftigkeit und kultureller Identität entstehen Vielvölkerstaaten bzw. multikulturelle Staaten. Wo die kulturellen und verwandtschaftlichen Grenzen nicht zu scharf sind, entstehen auch in der Zuweisung zu Volksgruppen fließende Abgrenzungen der Zusammenfügung als Volksstamm. Durch die kontinuierlichen Austauschprozesse genetischer, sprachlicher, religiöser und kultureller Art entwickelt und verändert sich jedes Volk im Lauf der Zeit sehr stark - aus dieser natürlichen Variabilität heraus gibt es z.B. nur wenig Identität zwischen Germanen und Deutschen.
Bedeutungen
Das Wort Volk (vgl. althochdt. folc "viele") bezeichnete Menschen, die durch ein Merkmal verbunden sind (z. B. "Fußvolk", "fahrendes Volk"), früh aber auch (11. Jahrhundert) eine durch gemeinsame Herrschaftsform, Sprache, Kultur und Geschichte verbundene große Gruppierung von Menschen.
Die Soziologie behandelt den Themenkreis vorzugsweise unter Gesellschaft (auch Gemeinschaft).
Auch die Begriffe der Völkerkunde und Volkskunde ("Europäischen Ethnologie") sind schärfer gefasst ("Volksstamm").
Die Politikwissenschaft behandelt das Thema meist unter Nation. Im Unterschied zum "Volk" schließt eine Nation die Menschen auf Grund politischer Aktionen zusammen. Nationalstaaten, die sich primär als Staat eines Volkes verstehen, also homogene Nationalstaaten sind, tragen ihre inneren Streitigkeiten seltener als ethnische Konflikte aus als inhomogene Vielvölkerstaaten, Beispiel: "Russland". Zur "Volksherrschaft" insgesamt siehe die "Demokratie".
Rechtlich können die Angehörigen eines Volkes Bürger unterschiedlicher Staaten sein (s. Staatsangehörigkeit), z. B. die Dänen, die die dänische, deutsche oder grönländische Staatsangehörigkeit haben mögen.
Der staatsrechtliche Begriff Staatsvolk bezieht sich dagegen nur auf das Volk im (gemeinsamen) Staate. (Beispiel: Türken mit türkischer Staatsangehörigkeit und Türken mit anderen Staatsangehörigkeiten gehören unterschiedlichen Staatsvölkern an, obwohl Letztere sich weiterhin zum türkischen Volk rechnen mögen.) Das Staatsvolk ist jeweils gemeint, wenn - wie in Deutschland - bei jedem Rechtsurteil als Anfangsformel "Im Namen des Volkes!" gesprochen wird.
Postmodern
In neuerer (poststrukturalistischer) Literatur (etwa Hardt/Negri: Empire) findet man den Hinweis darauf, dass "Volk" regelmäßig nur eine Begriffswelt bezeichnete, die die Gemeinschaft von Menschen dahingehend verändern sollte, dass sie – durch welche Prozesse auch immer – aneinander angeglichen werden und nach außen abgegrenzt werden. Als eigentlicher neutraler Begriff für die Ansammlung an Menschen und ihrer Charakteristika wird vorgeschlagen, auf den Grundbegriff der "Menge" (im engl. Original: "Multitude") zurückzugehen.
Literatur
- Henning Eichberg: The People of Democracy, Århus 2004, ISBN 87-7955-292-7 [http://www.klim.dk/bog.asp?TitelID=1312&nav=1,79,77]
- Alfred Schobert, Siegfried Jäger (Hg.) (2004). Mythos Identität. Fiktion mit Folgen. ISBN 3-89771-735-2 (international angelegter Überblick über Nationen- und Identitätenbildung)
- Kien Nghi Ha: Ethnizität und Migration Reloaded. Kulturelle Identität, Differenz und Hybridität im postkolonialen Diskurs. Überarb. und erw. Neuauflage, [Westfälisches Dampfboot/WVB] 1999/2004, ISBN 3-86573-009-4
- Michael Hardt und Antonio Negri (2000), Empire. Die neue Weltordnung, Frankfurt am Main / New York 2002, ISBN 3-593-36994-X (postmoderne Ansichten zum Begriff und Alternativvorschläge)
Siehe auch
- Menge
- Ethnogenese
- Volk (Nation), völkisch
- Einwanderung
- Individualismus
- zahlreiche Zusammensetzungen mit "Volk-", etwa Volksbühne, Volkslied, Volksmund, Volkswagen, Volksrepublik, Volkseigentum, Volksempfänger, Volksvertretung, Völkerball
- Leute
- Zivilisation
- Völkermord
Kategorie:Ethnologie Kategorie:Volkskunde
simple:People
NetzwerkdichteDie lokale Netzwerkdichte ist in der Soziologie eine Messgröße, die beschreibt, wie sich im sozialen Netzwerk eines sozialen Akteurs die tatsächlichen (realen) Kontakte zu allen denkbaren Kontakten seiner Kontaktpersonen untereinander verhalten, unabhängig von der Zahl seiner Eigenkontakte, die das Netzwerk konstituieren (das heisst unabhängig von dessen Größe, zwei Kontaktpersonen genügen).
Die Netzwerkdichte lässt sich als definieren, wobei die Anzahl der Kontakte und die Anzahl der insgesamt möglichen Kontakte ist.
Es wird (seit Elizabeth Bott) unter Anderem angenommen, dass in einem dichteren Netz auch die gegenseitige soziale Kontrolle stärker ist. Bei wäre somit die soziale Kontrolle am stärksten (close-knit network) und bei am schwächsten (loose-knit network). Heiratsschwindler sind also auf ein nahe 0 angewiesen.
Die globale Netzwerkdichte oder Dichte eines Graphen bezieht sich nicht nur auf einen Knoten, sondern auf das gesamte Netzwerk.
Siehe auch Dichte (Begriffsklärung).
Kategorie:Soziologie
InteraktionInteraktion bezeichnet das wechselseitige aufeinander Einwirken von Akteuren oder Systemen. Der Begriff ist eng verknüpft mit dem der Kommunikation, manchmal werden diese beiden Begriffe sogar synonym verwendet.
Interaktionsbegriff in Soziologie und Psychologie
Laut Fremdwörterbuch (Duden Band 5, 4. Auflage 1982, S. 350f.) handelt es sich um einen in Soziologie und Psychologie geläufigen Terminus, mit dem "aufeinander bezogenes Handeln zweier oder mehrerer Personen" oder die "Wechselbeziehung zwischen Handlungspartnern" bezeichnet wird: Siehe Soziale Interaktion.
Der symbolische Interaktionismus ist eine soziologische Theorie, die sich mit der Interaktion zwischen Personen beschäftigt. Sie basiert auf dem Grundgedanken, dass die Bedeutung von sozialen Objekten, Situationen und Beziehungen im symbolisch vermittelten Prozess der Interaktion/Kommunikation hervorgebracht wird.
In der Systemtheorie von Niklas Luhmann wird unter Interaktion Kommunikation unter Anwesenden verstanden (etwa im Gegensatz zur schriftlichen Kommunikation): Siehe Interaktionssystem.
Interaktionsbegriff in der Informatik
In der Informatik ist der Begriff der Interaktion mit dem Begriff der Kommunikation identisch: er befasst sich damit, wie einzelne Komponenten eines Systems sich gegenseitig beeinflussen. Siehe auch: Kommunikation (Kybernetik), Kommunikation (Informationstheorie), Kommunikation (Nachrichtentechnik) und Interaktion (UML).
Eine etwas andere Bedeutung hat der Begriff in Bezug auf die Mensch-Maschine-Interaktion, also der Gestaltung der Benutzerschnittstelle zu Programmen und Hardware: Ergonomische Software bedeutet, dass dem Kommunikations-Design in Bezug auf Orientierung, Navigation, Maskengestaltung, System-Reaktionen, Meldungen usw. hohe Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Es gibt eine Norm (EN ISO 9241), die im Kapitel Gestaltung von Benutzerschnittstellen Näheres regelt.
Im Bereich der Gestaltungsdisziplinen setzt sich seit den 90er Jahren immer mehr der Begriff Interactiondesign durch. In diesem Feld der Gestaltung geht es um die Planung, Entwicklung und Gestaltung interaktiver Benutzerschnittstellen. Benutzerschnittstellen, findet man im Bereich von Hardware und Software.
Siehe auch: [http://interaction.hgkz.ch Interactiondesign an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich]. Eine Übersicht der hier laufenden Projekte findet man in: Buurman, Gerhard M. (Ed.): Total Interaction. Theory and practice of a new paradigm for the design disciplines. Birkhäuser. Basel, Wien, New York, 2005. ISBN 3764370769.
Als erste Hochschule in Deutschland bietet die FH Potsdam seit Oktober 2003 einen BA/MA-Abschluss in [http://interface.fh-potsdam.de Interaction/Interface Design] an. Dieser Studiengang ist im [http://www.design.fh-potsdam.de/ Fachbereich Design] angesiedelt.
Interaktionsbegriff in der Biologie
Funktionsbegriff im Ökosystem. Wirkung der Organismen aufeinander, auch wechselseitige Beziehungen zwischen Organismen und Stoffen, Prozessen oder zwischen diesen unbelebten Bestandteilen und Wirkungen.
siehe auch: Bi-Systeme in einem Ökosystem, Kommunikation (Biologie)
ja:相互作用
Interaktion in der Rechtswissenschaft
Als Interaktion wird in einem Prozess das Zusammenwirken aller Prozessbeteiligten verstanden.
Literatur: Ellen Schlüchter, Das Strafverfahren, 2. Auflage 1983
Kategorie:Kommunikation
KnäuelEin Knäuel ist:
- eine chaotische oder geordnete, kompakte Anordnung eines Stranges aus dem gleichen oder aus verschiedenen Materialien. Beispiel: Wollknäuel.
- in der Chemie: ein Makromolekül
- in der Soziologie: eine relativ dichte Menge von Knoten in einem sozialen Netzwerk (engl.: cluster)
Soziales NetzwerkSoziale Netzwerke sind Netzwerke, die
# in der Soziologie gegebene Interaktionsgeflechte (z. B. Bekanntschafts-Netzwerke) abbilden,
# in (zumeist) der Betriebswirtschaftslehre zielbezogene Organisationen (z. B. informelle Zusammenschlüsse, Verbände) von Menschen umschreiben, die durch das Netzwerk einen Vorteil erfahren oder sich erhoffen;
# in der Systemtheorie werden sie dann oft als Systeme aufgefasst.
(zu berücksichtigen sind noch die psychologischen und pädagogischen Anwendungen bzw. "Schulen",
die sich ebenfalls etabliert haben.)
Unterschiedliche Verwendungen
Deskription sozialer Interaktionen
Der Begriff "soziales Netzwerk" ist im ersten Fall eine Deskription sozialer Interaktionen beliebigen Typs und wurde zuerst in der englischen Social Anthropology (vgl. Ethnosoziologie) von J. Clyde Mitchell, A. L. Epstein, Bruce Kapferer u. a. (von der Manchester School) benutzt, um lose Selbstorganisationen von einzelnen Zuwanderern in kolonialen Industriestädten (z. B. in Sambia) zu ermitteln und zu erklären; der Begriff wurde dann nach Europa übertragen, um z. B. informellen Einflussgrößen für eheliche Arbeitsteilung auf die Spur zu kommen (Elizabeth Bott), und in Deutschland zumal von Franz Urban Pappi, Peter Kappelhoff u. a., um Willensbildungen in der Kommunalpolitik zu erschließen (vgl. Stadtsoziologie). Das Nützliche dieses Ansatzes war, dass "soziale Netzwerke" gerade keine 'Ziele' haben, sondern sehr disparate Ziele einzelner Akteure und Gruppen verknüpfen, und gerade hierfür mangelte vorher ein analytischer Begriff.
Gewollte lose Form der Organisation
Sodann wurde, im zweiten Fall, der Begriff zur Beschreibung einer gewollten losen Form der Organisation übernommen und abgewandelt. Er umfasste zunächst Cliquen u. dergl. Nur in diesem Fall ist ein "Netzwerk" teilweise mit dem Systemgedanken kompatibel, der in Natur und Technik eine große Rolle spielt, sowie im Bereich der gesellschaftlichen und sozialen Prozesse. Er wurde z. T. dann auch beschönigend benutzt (vgl. Ideologie), um (zumal flache) Hierarchien ohne Bezug auf "Herrschaft" zu beschreiben, indem er - gar nicht unrealistisch - Formen der Kooperation betonte. Er verlor aber genau den Charakter, eine ungewollte Strukturierung aufzudecken.
Ein derartiges Netzwerk ist zum Beispiel die Summe von sozialen Kontakten zur Erlangung persönlicher Vorteile, zum Beispiel in der Politik oder im Berufsleben (Karriere-Netzwerk). Der Begriff Netzwerk löst hier sprachlich die eher negativ besetzten Begriffe Seilschaft und Vitamin B ab, mit denen die Beziehungsgeflechte der Anderen, beispielsweise des politischen Gegners, abqualifiziert werden. Die eigenen Verbindungen zwecks Erlangung persönlicher Vorteile werden dagegen heute als Netzwerk schöngeredet.
Die Wahrnehmung der Lebenswelt als eines Netzwerks, das Denken in Netzwerken, ist ein Element (nicht nur) des Systemdenkens, das sich in den letzten Jahrzehnten in allen Bereichen als ein vorrangiges Paradigma modernen Denkens hervorgearbeitet hat. Stand hier zunächst die Komposition des Systems aus seinen Teilen, und die Feststellung der Eigenschaften der Systemteile und des Gesamtsystems im Vordergrund des Interesses, so traten doch bald die Beziehungen der Systemteile zueinander als eigenständige Dimension hervor. Es stellte sich schnell heraus, dass die Summe der Eigenschaften der Teile nicht die Eigenschaften des Ganzen ergibt. Die systemischen Eigenschaften sind nicht bei einem einzelnen Systemteil vorhanden, sondern ergeben sich durch die prozesshaften Beziehungen der Teile. Bei näherer Betrachtung lösen sich diese Teile sogar wiederum in kleinere netzwerkartig organisierte Systeme auf, so dass schließlich die Zusammenhänge, Beziehungen und Prozesse als eigenständige Ebene primär in den Blick geraten.
In der Technik vermag dies sogar eine neuartige Klasse von "Fehlern" (von der Ingenieurwissenschaft her gesehen: von "systemischen Fehlern") vor Augen rücken, die im Extremfall sogar das System (z. B. eine Fabrikanlage) katastrophal gefährden können (Systemzerstörung).
Konkretisiert auf den (zumeist) wirtschaftlichen Bereich bedeutet der systemtheoretische Ansatz eine Abkehr von herkömmlichen, hierarchisch-dirigistisch gesetzten Organisationsstrukturen und eine Hinwendung zu Kooperation und Koordination in Netzwerken in Wirtschaft und Gesellschaft. Die in diesen Netzwerken handelnden Akteure agieren im Rahmen von Organisationen, Unternehmen oder als Einzelpersonen in unterschiedlichen Netzwerken. Unternehmen und Organisationen bilden selber eigene Netzwerke und werden in größere Netzwerkstrukturen eingebunden. Von den damit verbunden diskursiven Prozessen wird (meist in der betriebswirtschaftlichen Organisationslehre) viel erwartet, werden synergetische Effekte postuliert und Innovationen in Aussicht gestellt. Auch wenn gleichzeitig die Schwierigkeiten dieser Entwicklung deutlich werden, so ist (2003) der Trend doch ungebrochen und ein Umdenken in Gang gesetzt.
Nach Weyer (2000) können (systemische) soziale Netzwerke entsprechend den Handlungsbereichen in vier Kategorien eingeteilt werden:
- Strategische Netzwerke - Unternehmensnetzwerke
- Regionale Netzwerke
- Policy-Netzwerke
- Innovationsnetzwerke
Untersuchung Sozialer Netzwerke
Soziale Netzwerke werden unter anderem in der Ethnologie, Soziologie, Sozialpsychologie, Kommunikationswissenschaft, Computerphysik und Spieltheorie erforscht. Dafür existiert eine entfaltete Terminologie ("Multiplexität", "Netzwerkdichte" u.v.a.m.). Die dort entwickelten Verfahren können auch zur webometrischen Untersuchung des Internets eingesetzt werden. Es zeigt sich, dass Soziale Netzwerke von ihrer Struktur oft Small World Netzwerke bilden, in denen die maximale Distanz zwischen einzelnen Einheiten überraschend gering ist.
Einige populäre Berühmtheit erlangte eine frühe Studie, mit der ermitteln werden sollte, wie lange ein Paket von der amerikanischen West- zur Ostküste braucht, wenn es nur zwischen bereits bekannten Personen weitergegeben wird (Studie "Small World" von Stanley Milgram, 1967).
Details zur Simulation sozialer Netzwerke finden sich unter dem Stichwort Small-World-Phänomen.
Siehe auch: Netzwerk, Graphentheorie, Netzwerktheorie, Figuration
Social Software
In den USA ist im Jahr 2003 mit Social Software der Trend entstanden, die Möglichkeiten des Internet für die Bildung virtueller sozialer Netzwerke zu nutzen. Besonderer Vorteil gegenüber realen sozialen Netzwerken ist die Ortsungebundenheit und der geringe Aufwand zur Netzwerkpflege. Speziell auf die Knüpfung von Beziehungsnetzen abgestimmte Software und Techniken sind beispielsweise Handshakes.de und FOAF.
Allgemein lässt sich zwischen privaten und beruflichen Netzwerken unterschieden. Private Netzwerke dienen der Bündelung privater, oft freizeitorientierter Interessen. Berufliche Netzwerke dienen der Generierung von Geschäften durch Empfehlungen.
Siehe auch: Computervermittelte Kommunikation
Literatur
- Waibel, Martin J. (2004): [http://www.fpi-publikationen.de/supervision/Waibel-Netzwerke-Supervision-11-2004.pdf Konzepte des Sozialen Netzwerks, des sozialen Rückhalts sowie des sozioemotionalen Rückhaltes für die Praxis der Integrativen Supervision] In: SUPERVISION: Theorie – Praxis – Forschung. Eine interdisziplinäre Internet-Zeitschrift - 11/2004.
- J. Clyde Mitchell: Social networks in urban situations
- Stanley Wassermann, Katherine Faust: Social Network Analysis: Methods and Applications, Cambridge University Press 1994
- Fritjof Capra: Lebensnetz, Scherz Verlag 2000, ISBN 3502191069
- Niklas Luhmann "Soziale Systeme" Suhrkamp
- Johannes Weyer: Soziale Netzwerke, Oldenbourg Verlag 2000 ISBN 3-486-25257-7
- Albert-Laszlo Barabasi Linked: How Everything Is Connected to Everything Else and What It Means for Business, Science, and Everyday Life ISBN 0452284392
- Torsten Kleinz, Netzbekanntschaften. Neue Internet-Dienste helfen, soziale Netzwerke zu flechten. In: C't 18/2004 S. 84 ISSN 0724-8679
- Wouter de Nooy, Andrej Mrvar, Vladimir Batagelj: Exploratory Social Network Analysis with Pajek, Cambridge University Press 2005
- Otto Speck "System-Heilpädagogik"
- Harvey Mackay "NETWORKING" Das Buch über die Kunst, Beziehungen aufzubauen und zu nutzen ISBN 3-430-16257-2 erschienen im ECON - Verlag
Links
Persönliche Netzwerke:
- Handshakes http://www.handshakes.de/
- OpenBC http://www.openbc.com/
- Unternehmernetzwerk http://www.1xEuropa.net
- Orangenhain | women.business.community http://www.orangenhain.net
- Touristiknetzwerk http://www.1xEuropa.de
- FOAF http://www.foaf-project.org/
- Friendster http://www.friendster.com/
- Orkut http://www.orkut.com
- XFN http://gmpg.org/xfn/
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Kategorie:Soziologie
Kategorie:Netzwerk
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Gemeinschaft und GesellschaftGemeinschaft und Gesellschaft ist ein Werk Ferdinand Tönnies' von 1887. Es ist das erste als solches bezeichnete deutsche soziologische Werk. Während diese Erstauflage nahezu ohne Echo blieb, wurde die 2. Auflage von 1912 ein Erfolg, da sich die nach 'Gemeinschaften' suchende Jugendbewegung dieser Zeit auswirkte und das Werk sprichwörtlich machte. Nach 1933 verringerte sich die Rezeption schlagartig, da Tönnies sich vehement gegen Hitler gewandt hatte. Erst nach 1980 wurde das Werk wieder stärker wahrgenommen.
Theoretische Grundlegung
Tönnies unterscheidet scharf zwischen zwei Normaltypen kollektiver Gruppierungen kraft gegenseitiger „Bejahung“ der sozialen Akteure: zwischen „Gemeinschaft“ und „Gesellschaft“. Beider Unterscheidung basiert auf seiner Annahme, dass es für einen Akteur nur zwei Grundformen willentlicher Bejahung anderer Akteure geben kann. Diese „Bejahung“ ist für Tönnies das Grundproblem und das Thema der „Soziologie“. (Gerade sie ist erklärungsbedürftig, denn die gegenseitige „Verneinung“ – hierin ist er stark von Thomas Hobbes’ „Krieg aller gegen alle“, dem bellum omnium contra omnes, abhängig – kann immer voraus gesetzt werden.) Dieser Wille kann analytisch in zwei Formen erscheinen:
Entweder fühlt sich der Akteur als Teil eines größeren sozialen Ganzen, er versteht sich also – scharf ausformuliert – als dienendes Mittel zu diesem als übergeordnetem Zweck, dann fühlt er sich dem Kollektiv als einer „Gemeinschaft“ zugehörig, und diese (von Kindheit an wie selbstverständliche) Form des Willens heißt bei Tönnies Wesenwille. Beispiele derartiger Gemeinschaften wären eine Familie, eine Schiffsmannschaft oder ein Freundesbund.
Oder der Akteur bedient sich anderer Akteure, sie sind ihm Mittel zu seinen eigenen individuellen Zwecken, dann partizipiert er an einem Kollektiv als an einer „Gesellschaft“. Diese nur über eine Phase der Individualisierung erreichbare Form des Willens heißt bei Tönnies Kürwille. Beispiele wären die Aktiengesellschaft, der neuzeitliche Staat oder die „Gelehrtenrepublik“.
Die „Gemeinschaft“ genügt sich selbst (kann aber durchaus Wachstum anstreben); die „Gesellschaft“ ist ein Instrument (der Akteur kann es weglegen).
Reine und Angewandte Soziologie
Da „Gemeinschaft“ und „Gesellschaft“ in der Welt der Begriffe axiomatisiert und entfaltet werden, die (nach Tönnies’ zusätzlicher Annahme) von der Welt der sozialen Wirklichkeit – zu Erklärungszwecken – strikt zu unterscheiden ist, sind sie begrifflich unvereinbar (im Feld der „Reinen Soziologie“), während man sie in der Wirklichkeit nicht anders als gemischt antrifft (im Feld der „Angewandten Soziologie“).
Die Untertitel
Die erste Auflage führte noch den Untertitel Abhandlung des Communismus und des Socialismus als empirischer Culturformen, aus der der Leser schließen konnte, dass für Tönnies der Kommunismus empirisch nur eine Kulturform der "Gemeinschaft" sein konnte, z.B. als "Familien-" oder "Klosterkommunismus", hingegen der Sozialismus empirisch nur eine Kulturform der "Gesellschaft", z.B. in der Arbeiterbewegung. Tönnies' Wortwahl machte Konservative und Liberale misstrauisch und war für Sozialisten marxistischen Bekenntnisses unannehmbar. Die 2. Auflage von 1912 und alle folgenden waren dann unmissverständlich mit Grundbegriffe der reinen Soziologie untertitelt.
Quellenlage
"Gemeinschaft und Gesellschaft" erschien zuerst 1887, wurde von Tönnies außer der Begriffsänderung von "Willkür" zu "Kürwillen" in der 3. Auflage (1920) inhaltlich kaum mehr geändert, aber bis zur 8. Auflage 1935 mit stets neuen - einschlägige Zeitdiskussionen aufnehmenden - "Vorreden" versehen (1935 aus politischer Vorsicht des erklärten Antinazis und bereits verfolgten Tönnies nur noch mit einem neuen "Vorwort"). Diese Ausgabe wird im Abdruck von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt am Buchmarkt regelmäßig vorgehalten (letzte Auflage 2005). In der kritischen Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe ist GuG mit allen Vorreden als Band 2 vorgesehen. Das kommentierte Vorwort von 1935 findet sich in Band 22 (1998).
Wirkung
Zur Wirkung vgl. den Beitrag Ferdinand Tönnies.
Kategorie:Soziologische Publikation
GemeinschaftUnter Gemeinschaft (herrührend von dem Wort "gemein") versteht man die zu einer Einheit zusammengefassten Individuen (Gruppe), wenn die Gruppe emotionale Bindekräfte aufweist und ein Zusammengehörigkeitsgefühl (Wir-Gefühl) vorhanden ist.
Häufig wird das Wort auch benutzt, wenn die emotionalen Bindekräfte erst entstehen sollen, z.B. Europäische Gemeinschaften. Gelegentlich wird eine programmatische Aussage mit der Benutzung des Wortes getroffen.
Allgemeines
Die kleinste Gemeinschaft ist die Familie ungeachtet ihres rechtlichen Rahmens. An ihr wird bereits deutlich, dass Gemeinschaften aufgrund freier Willensentscheidung entstehen können (Ehepartner). Andererseits kann man ohne freie Willensentscheidung in eine Gemeinschaft hineingeboren werden (Kinder).
Neben den Extremen der freien Willensentscheidung und des hinein geboren Werdens gibt es in der Praxis viele Gemeinschaften, bei denen die freie Willensentscheidung so eingeschränkt ist, dass sie kaum wahrnehmbar ist, ohne dass man hineingeboren wird. Ein Beispiel hierfür ist die Klassengemeinschaft in der Schule. Auch Schicksalsgemeinschaften zählen zu den Gemeinschaften, etwa zunächst wildfremde Menschen, die einander auf Grund eines Unfalls z.B. im Rettungsboot über längere Zeit gegenseitig helfen.
Eine Gemeinschaft entwickelt ein Eigeninteresse, welches sich an den alltäglichen Zielsetzungen der Lebensführung der Mitglieder bemisst und entsprechend auf vielerlei Weise miteinander verflochten ist. Nicht selten fällt deshalb der Austritt aus der Gemeinschaft leichter oder schwerer, wird auch behindert oder moralisch diskreditiert ("Untreue"), denn einen argumentativ vorbringbaren Einzelzweck haben sie gerade nicht. Politische Zwangsverbände werden oft als "Gemeinschaften" deklariert, um ihre Mitglieder moralisch an sie zu binden, am nachhaltigsten in totalitären Diktaturen.
Kriterien für Gemeinschaften sind:
- Klare Festlegung der Zugehörigkeit und damit Abgrenzung zum "Rest der Welt"
- freiwillige Solidarität der Gemeinschaftsangehörigen untereinander (Primat des Gemeinschaftsinteresses vor dem jeweiligen Individualinteresse)
- Emotionale Bindungskräfte (Wir-Gefühl)
- Nicht nur kurzzeitige Existenz der Gemeinschaft
- Vertrautheit der Gemeinschaftsangehörigen (gilt auch für anonyme Großgemeinschaften wie Völker)
Anmerkungen: Die klare Zugehörigkeit muss für Außenstehende nicht zwingend erkennbar sein. Es muss sich auch nicht um objektiv eindeutige Kriterien handeln. Wesentlich ist, dass die Gemeinschaftsmitglieder "wissen" (oftmals mehr spüren), wer dazu gehört und wer nicht. Oft werden Zugehörigkeitsmerkmale bewusst oder unbewusst künstlich geschaffen, etwa in Form von besonderen Kleidungsmerkmalen. Gelegentlich kommt es vor, dass Gemeinschaften Personen vereinnahmen, die gar nicht dazugehören wollen. Zum Beispiel wollen die Südtiroler keine Italiener sein, die Basken keine Spanier. Auch die Dauer einer Gemeinschaft kann strittig sein. Bei Familien kommt es vor, dass ein Teil (häufig die Kinder) die Gemeinschaft noch als existent sehen, während andere (hier die Ehepartner) sie als zerbrochen betrachten.
Grundsätzlich drücken Gemeinschaften mehr Zusammengehörigkeit aus als bloße Gesellschaften, bei denen die gemeinsame Interessensvertretung im Vordergrund steht.
Eine besondere Untersuchung über den grundsätzlichen Unterschied zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft stammt von dem deutschen Soziologen Ferdinand Tönnies (1855-1936) in "Gemeinschaft und | | |