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Gespenst

Gespenst

Als Gespenst oder Geist bezeichnet der Volksglaube ein meist unkörperliches, häufig mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattetes, aber zugleich mit menschlichen Eigenschaften versehenes Wesen. Es gilt als Phänomen des Spuks oder ruft diesen hervor. Sein zeitweiliges Erscheinen fällt regelmäßig in die sog. Geisterstunde um Mitternacht und vollzieht sich häufig in nebelhaft durchsichtiger, angedeutet menschlicher Gestalt oder in einer weißen, zuweilen an Bettlaken erinnernden Gewandung. Gespenster gibt es in der Vorstellungswelt verschiedener Kulturen. Im engeren Sinne des Wortes sind Gespenster nur die Totengeister.

Einteilung

Einteilungen der Gespensterwelt sind fragwürdig, soweit sie sich auf angenomme tatsächliche Phänomene beziehen wollen. So unterscheiden manche zwischen sog. Dämonen, Elementalen, Engeln und Familiaren. Nach George Tyrell (s. "Literatur") und anderen gibt es vier oder fünf Hauptkategorien von Geistern oder Gespenstern: #Experimentiergeister, bei denen die Geister lebender Menschen durch geheimnisvolle Kräfte dazu veranlasst werden, anderen an unterschiedlichen Orten zu erscheinen. #Krisengeister, die Verwandten erscheinen, wenn den Angehörigen, zu denen sie gehören, ein furchtbares Schicksal mit Todesfolge zu ereilen droht. #"Post-mortem"-Geister, die erst nach dem Tod eines Menschen in Erscheinung treten, aber dem Verstorbenen so sehr ähneln, dass sie bei der Person, der sie erscheinen, meist einen tiefen Schock auslösen. #"Echte" Geister, die am häufigsten auftauchen und von Menschen gesehen werden, die überhaupt keine Verbindung zu ihnen haben. Sie können Jahrhunderte nach dem Todesfall erscheinen, sind aber im allgemeinen an eine bestimmte Umgebung, etwa ein altes Spukschloss, gebunden. #"Astralgeister" (Stern- oder Luftgeister), in den altorientalischen Religionen waren sie die Geister der als beseelt gedachten Gestirne. In der Dämonologie des Mittelalters sind Astralgeister sowohl gefallene Engel und auch Seelen von Verstorbenen, als auch aus Feuer entstandene Geister, die, zwischen Erde, Himmel und Hölle schwebend, keinem dieser drei Reiche angehören. Poltergeister erzeugen bei ihrem nächtlichen Auftritt klopfende oder andere Geräusche. Im weiteren Sinne sind auch Vampire zu den Gespenstern zu zählen, dagegen wohl nicht auch Werwölfe oder Untote. Wissenschaftlich sinnvoll kann dagegen nur eine Gliederung auf der Basis vorgefundener subjektiver oder kollektiver Vorstellungswelten sein.

Eigenart

Der Spiritismus geht davon aus, dass die Seelen der Verstorbenen zu Geistern werden, im Jenseits existieren und in der diesseitigen Welt in Erscheinung treten können. Solche Totengeister treten nicht nur zufällig und unvorhersehbar auf, etwa um Menschen zu erschrecken oder ihnen Botschaften zu übermitteln, sie können angeblich auch von so genannten Medien durch Materialisation heraufbeschworen werden und verfügen dann in der Erwartung ihrer Zuhörer über überlegenes Wissen zu vergangenen oder zukünftigen Ereignissen. Lokale Gespenstererscheinungen werden häufig durch die Bindung einer "unerlösten" Seele an einen bestimmten Ort gedeutet, etwa den Schauplatz eines verübten oder erlittenen Verbrechens. Die Aufklärung der Tat kann zur Erlösung des Gespenstes führen. Auch eine rituell nicht korrekt vollzogene Bestattung kann zu Erscheinungen eines Totengeistes führen. Zu den angenommenen Fähigkeiten von Gespenstern gehören das schwerelose Schweben und das Durchdringen von Wänden oder Personen. Manche Gespenster können Geräusche erzeugen, sich sprachlich verständigen, sichtbar oder unsichtbar machen oder verschiedene äußere Gestalten annehmen. Ihre Erscheinung löst häufig starke Kälteempfindung (Grabeskälte) aus. Im Ganzen ist die Begegnung mit Gespenstern unheimlich und angsteinflössend, wobei unklar bleiben kann, worin genau die konkrete Gefahr bestehen soll.

Erklärung

Einführung

Einen naturwissenschaftlich-empirischen Beweis für die Existenz von Gespenstern gibt es nicht. Aus naturwissenschaftlicher Sicht wird die Existenz derartiger Phänomene daher nicht anerkannt. Ihre ist allerdings auch nicht Thema der Naturwissenschaften. Aus historischer Sicht werden behauptete Geistererscheinungen häufig als subjektive Deutung noch nicht verstandener Naturphänomene erklärt. Aus psychologischer Sicht werden Gespenster als Phänomene gedeutet, die in der "Einbildung" der sie Wahrnehmenden vorhanden sind. Bei diesem Deutungsmuster bleibt allerdings die gleichgerichtete Wahrnehmung durch verschiedene Personen zu verschiedenen Zeiten unerklärlich. Aus medizinischer Sicht können Gespenstersichtungen die Folge falscher Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn oder Halluzinationen sein. Auch bei diesem Deutungsmuster ist aber die behauptete Regelmäßigkeit verschiedenen Personen unerklärlich. Die Vorstellung der Existenz einer Geisterwelt darf als prähistorisch angesehen werden. Frühe naturreligiöse Deutungsmuster und Mythologien setzen sie voraus. Zu dieser Welt der Naturgeister treten im weiteren Sinn dann auch Vorstellungen von Totengeistern oder anderen Gespenstern hinzu. Der Gespensterglaube im engeren Sinne ist als Folge einer Unterscheidung der Götter von den Geistern häufig nicht mehr dem Bereich der Religion zuzuordnen. Aus aufklärerischer oder einer aufgeklärten christlichen Sicht handelt es sich, in negativer Wertung, schlicht um Aberglauben.

Täuschung

Bei vielen angeblichen Geistererscheinungen handelt es sich um absichtliche Betrügereien und Täuschungen. Ein solcher Fake war der 1982 in einer Neutraublinger Zahnarztpraxis aufgetretene "Chopper".

Beispiele

Zahlreiche angebliche Gespenstererscheinungen beruhen auf einer Sinnestäuschung. Kaum wahrnehmbare physikalische Effekte haben auf viele Menschen reproduzierbare Wirkungen: ein plötzlicher Temperaturabfall innerhalb von Gebäuden wird von vielen Menschen wie ein Berührungsreiz wahrgenommen. Ein Beispiel für physikalische Ursachen von Gespenstersichtungen ist das Brockengespenst. Durch geschickte Anordnung eines Magnetfeldes kann man das Gehirn eines Menschen derart täuschen, dass sich Chimären bilden. So bildet sich die Person dann ein, es würde einen Geist sehen, oder ein Atmen hören. Neuere Forschungen ergaben auch ein Zusammenspiel verschiedener physikalischer Phänomene, etwa der Luftschwingungen tiefer Frequenzen (Wind gegen stärkere Burgmauern) und den Eigenresonanzen des Augapfels (Sehen von weißen Flecken).

Literarische und filmische Verarbeitung

Schilderungen von Geistern finden sich zahlreich in Volkssagen, mythologischen Texten oder Märchen, etwa auch den Dschinn aus 1001 Nacht. Ebenso erscheinen sie in der klassischen und romantischen Literatur (Shakespeares Hamlet; Goethes Braut von Korinth) oder in trivialen Gespenstergeschichten, Spukromanen und Gespensterkrimis (z.B. Geisterjäger John Sinclair). Friedrich Schillers Romanfragment "Der Geisterseher" thematisiert den Betrug durch ein angebliches spiritistisches Medium. Satirisch greift Oscar Wildes Gespenst von Canterville das Thema auf. Für Kinder erzählt Otfried Preußler vom Kleinen Gespenst. Die Filmindustrie findet im Gespensterglauben einen reichen Vorrat an Stoffen, bereichert aber ihrerseits auch die Vorstellungswelt ihrer Konsumenten. Eine humoristische Darstellung des Themas boten die Ghostbusters-Kinofilme, in denen Parawissenschaftler in New York verschiedene Geister mit Protonenstrahlern und Geisterfallen einfingen. Das Gespenst ist der Titel eines 1982 gedrehten, tragikomischen Films von Herbert Achternbusch, bei dem es eine lebensgroße Christusfigur nicht mehr am Kreuz aushält, sondern als lebendig gewordener "Ober" ins Bett einer Oberin oder als Kellner in eine Klosterschenke zieht, wobei sein Treiben allerhand Ärger mit der Polizei, mit dem Bischof und Münchner Passantinnen hervorruft. Der Film wirft die Frage auf, wie Jesus behandelt würde, wenn er heute in Bayern auftauchte, und rief wegen zahlreicher Geschmacklosigkeiten heftige Proteste seitens der deutschen Bischöfe hervor, so dass sich die Staatsanwaltschaft mit ihm beschäftigen musste. Mit Totengeistern bekommt es Bruce Willis in "The Sixth Sense" zu tun.

Im übertragenen Sinn

Volksglaube, Volksmund und Künste haben sich des "Gespenstes" immer wieder angenommen. Das vermutlich berühmteste einschlägige Zitat eröffnet das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels: "Ein Gespenst geht um in Europa ..." und meint den Kommunismus.

Siehe auch

Spuk, Leben nach dem Tod, Heiliger Geist, Okkultismus, Untote, Buu Huu, Hui-Buh, Fliegender Holländer (Sage), Hausgeist, Kaubuk, Naturgeist, Hirngespinst, Weiße Frau

Weblinks


- [http://www.pfeufer.net/files/lexikon.htm Das Große Gespensterlexikon von Peter Haining]
- [http://www.lichtkugel.de Die Seite für Lichtphänomene]
- [http://www.gespensterweb.de Gespensterweb]
- [http://www.einsamer-schuetze.com/index.html "Der Einsame Schütze" - Fachmagazin für Grenzwissenschaften]

Literatur


- Eberhard Bauer, Michael Schetsche (Hrsg.): Alltägliche Wunder : Erfahrungen mit dem Übersinnlichen – wissenschaftliche Befunde. - Würzburg : Ergon-Verl., 2003. - ISBN 3-89913-311-0
- Michael Schneider: Rätselhafte Welt - Mysterien und Rätsel unserer Zeit. - Norderstedt : Books on Demand, 2004. - ISBN 3-83342-058-8
- George Tyrell: Erscheinungen und Visionen im PSI-Feld. - Olten : Walter, 1979 Kategorie:Fabelwesen Kategorie:Dämonologie Kategorie:Literarische Figur Kategorie:Dämonologie ja:亡霊 ms:Hantu simple:Ghost

Volksglaube

Volksglaube bezeichnet einen allgemein oder lokal verbreiteten Glauben. ---- Für die religiöse Bedeutung des Wortes Volksglaube siehe Volksfrömmigkeit. ---- Oft ist es mit Sagen und Legenden verbunden. z.B. bei Landschafts- und Ortsbezeichnungen. (Teufelsfelsen, Hexenberg) Für Volkskundler stellt ein tradtionsreicher Volksglaube eine Quelle dar. Gelegentlich lassen sich durch Erzählungen aus dem Volksglauben auf die kulturelle Herkunft und Einflüsse einer Region schließen. Für den Tourismus sind Volksglaube, Volksfrömmgikeit und lokale Erzählungen oft eine Bereicherung, die eine Gegend interessanter machen. In diesem Sinn wird der Volksglaube als Teil der Folklore gesehen. Die Benutzung des Wortes drückt oft aus, dass man selber nicht dieser Meinung sei, oder nicht daran glaube.

Siehe auch


- Bauernregeln, Aberglaube, Aufklärung

Literatur

Martin Scharfe: Über die Religion. Glaube und Zweifel in der Volkskultur. Böhlau Verlag Köln, Weimar 2004, ISBN 3-412-07504-3 Kategorie:Ethnologie !

Mensch

Der moderne Mensch (Homo sapiens) ist ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae). Früher wurden Mensch (Hominidae) und Menschenaffen (Pongidae) insbesondere aufgrund der besonderen geistigen Entwicklung des Menschen als zwei getrennte Familien betrachtet, jüngere Untersuchungen sehen zwischen beiden Gruppen ein engeres Verwandtschaftsverhältnis und stellen sie daher in eine gemeinsame Familie. Der moderne Mensch ist die einzige bis heute überlebende Art der Gattung Homo. Manchmal wird für den modernen Menschen auch die wissenschaftliche Bezeichnung Homo sapiens sapiens gebraucht, die zum Ausdruck bringen soll, dass der Neanderthaler (dann Homo sapiens neanderthalensis) zur selben Art gehörte wie der moderne Mensch. Diese Ansicht gilt heute aber als sehr zweifelhaft, weswegen die moderne Bezeichnung schlicht Homo sapiens ist. Sie leitet sich aus dem Lateinischen von homo:„Mensch“ und sapiens:„weise“ ab.

Die einzigartige Stellung des Menschen im Tierreich

Wie manche andere Tiere, weist der Mensch einige hoch spezialisierte Merkmale auf. In vermutlich zwei Eigenschaften, sicher aber hinsichtlich eines Kriteriums unterscheidet er sich deutlich von den heute bekannten übrigen Tierarten: Mit Bestimmtheit lässt sich sagen, dass beim Menschen die biologische zu Gunsten einer "kulturellen" Evolution in den Hintergrund getreten ist. Aufgrund seiner intellektuellen oder auch kulturellen "Fähigkeiten" ist er in der Lage, sich veränderten Umweltbedingungen sehr viel besser und schneller anzupassen als jedes andere Tier. Die Evolution hat sich beim Menschen auf die Verbesserung seiner Kulturfähigkeiten (Schrift, gedankliche Konstrukte wie Mathematik, Religion oder Recht, Ausdruck von Gefühlen und Gedanken durch Kunst) ausgeweitet; diese Kulturtechniken durchlaufen nunmehr selbst einen Evolutionsprozess. Andere Tierarten dagegen durchlaufen nach heutigem Wissen mitsamt ihrer Kultur die Evolution. Kunst]] In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass andere Tiere nicht im selben Maße wie der Mensch die Fähigkeit besitzen, ihre im Phänotyp entwickelten Fähigkeiten, ihr erlerntes Wissen, auf die nachfolgenden Generationen zu übertragen. Der Mensch besitzt ein historisches Bewusstsein: Er steht nicht in der Notwendigkeit, Informationen entweder durch die genetische Vererbung zu erhalten oder Erfahrungen genauso wie seine Vorgänger immer aufs Neue selbst machen zu müssen, sondern er kann auf Handlungen und Informationen zurückgreifen, die viele Generationen vor ihm geschaffen haben (wobei es aber auch bei zahlreichen sonstigen Tierarten zur Traditionsbildung kommt, beispielsweise bei Menschenaffen). Der Mensch ist vermutlich viel stärker als jedes andere Tier in der Lage, in seinem zeitlichen Bewusstsein Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft in kausale Zusammenhänge zu bringen. Somit kann er seine Handlungen vergleichen, um "viele Ecken herum" planen (Kreativität) und somit teilweise eine Zukunft entwerfen, die er durch seine absichtlichen Handlungen schaffen sollte. Der Mensch ist in der Lage, die Lebensbedingungen seiner Art durch Arbeit bewusst zu gestalten, solange er sich seine Arbeit aussuchen kann und ihn keine sonstigen Hindernisse daran hindern. Zum zweiten sind sich menschliche Individuen – vermutlich als einzige Lebewesen auf der Erde – sich selbst und ihrer eigenen Sterblichkeit bewusst. Durch das absehbare Sterben ergibt sich nur für den Menschen die Frage nach dem Sinn des Lebens und dem Leben nach dem Tod. Diese Fragen sind in der Philosophie und der Religion zentralständige Themen. Nicht allein typisch für den Menschen, jedoch bei ihm besonders stark ausgeprägt, ist seine Eigenschaft, sich hochorganisiert in größeren Gruppen zusammenzuschließen, was man in einer sehr abgeschwächteren Form auch bei anderen Tieren wie zum Beispiel Wölfen oder Affen beobachten kann. Dies wird begünstigt durch die im Vergleich zu anderen Tieren komplexe Sprache des Menschen, die eine fortschreitende Arbeitsteilung ermöglicht. Auf der anderen Seite steht zu vermuten, dass die Entwicklung der Zivilisation auch die Entwicklung der Sprache in enger Wechselwirkung förderte und beides letztlich zu den hoch entwickelten Kulturen führte, die die Menschheit heute besitzt.

Entwicklung

Mit der Entwicklungsgeschichte der Menschheit von ihren Anfängen bis zum heutigen Jetzt-Menschen beschäftigt sich die Paläanthropologie, deren wichtigste Datenquellen die Archäologie liefert. Noch immer sind die Vorgänge der Menschwerdung aus affenartigen Vorfahren, vermutlich im Osten Afrikas, nicht endgültig aufgeklärt. Der gegenwärtige Stand der Erkenntnisse wird im Artikel Hominisation aufgezeigt. Neben der biologischen Entwicklung ist für den Menschen jedoch auch seine kulturelle Entwicklung maßgeblich, welche auf die Entwicklung der Sprache zurückzuführen ist, mit der es dem Menschen erst möglich wurde Ideen auszutauschen. Der kulturelle Entwicklungsstand des Menschen war zunächst über Jahrhunderttausende hinweg nahezu konstant. Mit der Entstehung des modernen Menschen und seiner nachfolgenden Auswanderung aus Afrika beschleunigte sich jedoch die kulturelle Innovation, bis seit Ende der letzten Eiszeit mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht der Mensch erstmals großräumig gestaltend in seine Umgebung eingriff. Seit dieser Zeit besitzt der Mensch eine über weitaus mehr als ein paar Generationen zurückreichende Geschichte, auf deren Grundlage die Individuen agieren müssen. Typische Merkmale des modernen Menschen im Vergleich:
- Das Gehirnvolumen von Homo sapiens ist etwas kleiner als das des Neandertalers.
- Die Stirn ist am steilsten von allen Hominiden ausgeprägt
- Ober- und Unterkiefer sind leicht reduziert Als Vorfahren des Homo sapiens kommen insbesondere die afrikanischen Populationen von Homo ergaster und Homo erectus in Frage. Die Zuordnung der Fossilfunde zu einzelnen Arten ist allerdings umstritten. Der wissenschaftliche Begriff Homo sapiens wird nicht selten in leicht humoristischer Anspielung als Vorlage für die Kreation neuer Begriffe benutzt, die Eigenschaften des Homo sapiens darstellen, beispielsweise
- Homo oeconomicus
- Homo reziprocans
- Homo faber (Roman von Max Frisch)
- Homo ludens
- Homo sociologicus
- Homo ötzi Die Entwicklung des Menschen muss auch deutlich im Zusammenhang mit der Entwicklung unseres Planeten, der Erde, gesehen werden. So zwangen die vielen Eiszeiten den Menschen, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Der Mensch war also in der Lage, sich immer wieder anzupassen und er kam und kommt mit den verschiedensten Lebensbedingungen zurecht. Im Gegensatz dazu sind die meisten Tiere auf einen Lebensraum beschränkt.

Verbreitung des modernen Menschen über den Globus

Alle heute lebenden Menschen sind sehr nahe miteinander verwandt, wie molekularbiologische Untersuchungen an der ribosomalen RNA und mitochondrialen DNA gezeigt haben. Die größten Unterschiede finden sich innerhalb der afrikanischen Populationen. Die Populationen außerhalb Afrikas sind – mit Ausnahme einiger später aus Afrika ausgewanderter Gruppen – genetisch sehr uniform. Moderne Funde unterstützen die „Out of Africa“-These, also die Ausbreitung des modernen Menschen vom afrikanischen Kontinent aus. Fossilien, die dem biologisch modernen Menschen zugerechnet werden, gibt es seit etwa 160.000 Jahren, verstärkt seit ca. 100.000 Jahren. Lange Zeit lebte die Art in Afrika zeitparallel zum primär europäischen Neandertaler, der besonders an das Leben im eiszeitlichen Klima angepasst war. Im Nahen Osten, später auch in Europa, kamen beide gleichzeitig gemeinsam vor. Es ist unklar, ob sich beide Arten vermischt haben, die Mehrzahl der Fossilien weist deutlich erkennbare morphologische Unterschiede auf. Molekulargenetische DNA-Analysen sprechen gegen eine Vermischung beider Arten. Die Menschheit kann auf genetischer Basis in zahlreiche Gruppen unterteilt werden. Diese konnten entstehen, da es früher aufgrund von geographischen Distanzen und kultureller Differenzen keinen kontinuierlichen Genfluss aller Populationen gab. So können die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den menschlichen Populationen relativ genau ermittelt werden. Das Genographic Project untersucht mit Hilfe moderner Methoden, wie sich die Menschheit als sie von Afrika den Rest der Welt besiedelte in immer mehr Gruppen aufspaltete. Dabei kann jeder an dem Projekt teilnehmen, indem er seine DNA Probe untersuchen lässt. Auf diese Weise kann man herausfinden, woher die eigenen Vorfahren stammen. Zuerst teilten sich die Menschen vor etwa 65.000 Jahren in die folgenden drei heute noch lebenden Gruppen auf: #Nicht-Afrikaner #Afrikaner außer San #San und Khoi Khoi Die beiden Gruppen der Afrikaner blieben auf ihrem Heimatkontinent während die Nichtafrikaner nach Asien auswanderten. Die San und Khoi Khoi leben heute im südlichen Afrika, sie unterscheiden sich von allen anderen Afrikanern genetisch und durch ihre Sprache (Klicklaute). Auch die Nichtafrikaner teilten sich nicht lange nach ihrer Auswanderung vor etwa 55.000 Jahren wieder in eine nördliche und eine südliche Gruppe auf. Die südliche Gruppe spaltete sich wenige Jahrtausende später weiter in Australier (heutige Aborigines, Tasmanier und Papuas), Negritos (heute Andamaner, Aeta, Semang, Senoi) und Südasiaten (heute: Südchinesen, Thai, Khmer, Indonesier, Philipinos, Polynesier und andere Bewohner Ozeaniens) auf. Die nördliche Gruppe teilte sich vor etwa 45.000 Jahren in "Weiße" (dunkelhäutige Inder, südwestasiatische Völker, Araber, Nordafrikaner, hellhäutige Menschen europäischer Abstammung) und Nordasiaten (heute: Mongolen, Tibetaner, Sibirische Bevölkerung, Nordchinesen, Japaner, Ainu, Koreaner, Inuit) auf. Von den Nordasiaten trennten sich zwischen 30.000 und 14.000 Jahren dann die Indianer (Nord- und Südamerika) ab. In prähistorischen Zeiten haben sich die unterschiedlichen Populationen der Menschheit an den regionalen Grenzen ihres Verbreitungsgebietes immer wieder vermischt, wobei dieser Effekt lange Zeit nur gering war. Heute ist der Mensch mit über 6 Milliarden Individuen bis auf einige Wüsten- und Bergregionen, einige Inseln und die Antarktis auf dem ganzen Globus anzutreffen. Durch die zunehmende Mobilität vermischen sich die unterschiedlichen genetischen Gruppen immer mehr, nachdem sie früher durch geographische Distanz oder kulturelle Unterschiede genetisch voneinander getrennt blieben. So bilden sich immer mehr neue Ethnien (z.B. Farbige in den USA). Andere Gruppen wie z.B. die San und Khoi Khoi sind dagegen dabei ganz zu verschwinden, da ihre Kultur immer mehr zerstört wird und sie in Städte wandern und sich dort vermischen.

Biologie

Anatomie

Der menschliche Körper ist ein kompliziertes Gebilde, das zu 60 bis 70% aus Wasser, etwa 20% Proteinen, 15% Fetten und 5% Mineralen und anorganischen Stoffen besteht. Ein erwachsener Mensch hat eine typische Körpergröße zwischen 150 cm und 200 cm. Die Anatomie des Körpers ist im Artikel Anatomie des Menschen detailliert beschrieben: Wie bei anderen Wirbeltieren auch, lässt sich der Körper strukturieren in einen Stütz- und Bewegungsapparat, die inneren Organe, das Nervensystem und die Sinnesorgane. Doch greift die Reduktion auf eine rein funktionale Betrachtung des Körpers zu kurz, der Körper des Menschen stellt als Grundbedingung für die Existenz des Menschen einen unabdingbaren Rahmen für seinen Geist und sein Erleben der Welt dar.

Genetische Verwandtschaft

Das menschliche Genom enthält sowohl kodierende als auch nicht-kodierende DNA-Sequenzen, die denjenigen anderer Lebewesen erkennbar homolog sind und mit DNA-Sequenzen sehr nahe verwandter Arten wie der anderer Menschenaffen sogar völlig übereinstimmen. Anhand quantitativer Messungen der Ähnlichkeit dieser Basenpaarketten kann man umgekehrt auf die Verwandtschaftsverhältnisse zurückschließen. Dies bestätigt Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans in dieser Reihenfolge als nächste menschliche Verwandte.

Soziologie

Die Soziologie beschäftigt sich nahezu ausschließlich mit dem Menschen, obwohl es in den 1920er Jahren Versuche gab, eine "Tiersoziologie", sogar eine "Pflanzensoziologie" zu etablieren. Warum das biologisch erschlossene Tier "Mensch" besondere Eigenarten hat, untersuchen beziehungsweise beantworten i. w. S. die Anthropologie, sodann die Soziobiologie und die Biosoziologie. Daher nimmt dann die Soziologie ihre Axiome, wenn nicht Soziologen selber soweit ausgreifen. Der Versuch, schon einmal eine Soziologie für extraterrestrischer Lebewesen mit menschenähnlicher geistiger Entwicklung zu entwerfen, wie beispielsweise die 'Exosoziologie', sind so lange rein spekulativ, bis sie empirisch geprüft werden können.

Recht

Rechtlich gesehen ist der Mensch zumeist eine ("natürliche") Person, deren Status je nach Staat unterschiedlich festgelegt ist, jedenfalls ist er rechtsfähig. Im "Bürgerlichen Gesetzbuch" der Bundesrepublik Deutschland heißt es dementsprechend in § 1: Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung seiner Geburt. Es gibt Gesellschaften, in denen das nicht jeder Mensch ist: In Stammesgesellschaften beispielsweise kann ein Neugeborenes bis zur Anerkennung durch den Vater ohne Rechtsfähigkeit sein; in Staaten mit Sklaverei gelten Sklaven zuweilen als "Sachen" u. a. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen soll in jedem Staat einen Grundstatus vorgeben. Gemäß diesem Menschenbild besitzt jeder einzelne Mensch von Geburt an eine besondere, unantastbare und unveräußerliche Würde. Aus diesem Grund hat jeder Einzelne bestimmte Rechte, zum Beispiel das Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit, auf Religionsfreiheit und auf Meinungsfreiheit sowie auf einen angemessenen Arbeitslohn. Dieses Ideal ist aber nicht überall verwirklicht, denn in vielen Staaten werden Leute ohne Gerichtsverfahren eingesperrt, Gefangene gefoltert, Frauen und Kinder unterdrückt und Menschen leben in Armut. Ferner wird das Grundrecht auf Leben, obgleich mit dem Begriff der Würde eng verknüpft, in keinem Land als unantastbar angesehen, da eine solche Unantastbarkeit mit jeglicher Bewaffnung (Armee, Polizei usw.) im Widerspruch stünde. Manche Kulturkreise und Religionen kennen keine allgemein gültigen Menschenrechte. Insbesondere der Islam, die indische und die chinesische Kultur machen einen Unterschied zwischen "Gläubigen" und "Ungläubigen" oder zwischen den Rechten des Mannes und denen der Frau.

Religion

Der Mensch handelt selbst sowohl als glaubendes, betendes, Riten ausübendes Subjekt, als auch als Objekt religiöser Riten und Anbetungen. Nicht in allen Religionen gilt er als direkte Schöpfung eines oder mehrerer Götter. Religionen und religiöse Motive haben nahezu die gesamte bekannte Geschichte des Menschen begleitet, zuerst als Verehrung von Naturkräften, dann als Anbetung mehrerer Götter und schließlich als Monotheismus. Dies führte zu der philosophischen Frage, in wieweit die Religion zu den spezifischen Merkmalen des Menschen gehöre. Das Christentum, das Judentum und der Islam betrachten die Entwicklung des Menschen, wie auch die gesamte Schöpfung als Werk Gottes. Für die großen christlichen Religionsgemeinschaften bestehen dabei keine Widersprüche zwischen dem wissenschaftlich Bewiesenem und dem christlichen Glauben, weil nach ihrer Auffassung Theologie und Wissenschaft unterschiedliche Fragestellungen behandeln. Aus Sicht christlicher Kreationisten, die vor allem in den USA ein umfangreiches Unterstützerfeld haben, wird die Vorstellung, der Mensch habe sich über Jahrmillionen aus tierischen Vorfahren entwickelt, in wörtlicher Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte entschieden abgelehnt.

Verwandte Themen


- Anatomie des Menschen
- Anthropologie
- Menschheitsgeschichte
- Hominisation
- Humanismus
- Körpergröße
- Daten des menschlichen Körpers
- Kreativität
- Menschenbild
- Menschenrechte
- Philosophische Anthropologie
- Psychologie
- Schwanzmensch
- Soziologie
- Weltbevölkerung

Literatur


- Friedemann Schrenk, Timothy G. Bromage, Henrik Kaessmann: Die Frühzeit des Menschen: Zurück zu den Wurzeln. Biologie in unserer Zeit 32(6), S. 352 - 359 (2002),
- Walfried Linden, Alfred Fleissner: Geist, Seele und Gehirn. Entwurf eines gemeinsamen Menschenbildes von Neurobiologen und Geisteswissenschaftlern, LIT-Verlag Münster 2004, ISBN 3825879739

Weblinks


- [http://www-users.med.cornell.edu/%7Espon/picu/calc/bsacalc.htm Body Surface Area Calculator] - Tool zur Berechnung der Körperoberfläche eines Menschen (engl.)
- [http://www.med-rz.uni-sb.de/med_fak/anatomie/bock/3dstart.htm 3D Anatomie]
- [http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/~stueber/darwin/werke05/index.html Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen] (in der ersten deutschen Übersetzung (1875) des englischen Originaltextes)
- [http://www.tgs-chemie.de/evolution_des_menschen.htm Vergleich von Menschenaffen und Menschen]
- [http://clv.dyndns.info/pdf/255649.pdf Faszination Mensch - Buch im PDF-Format] (stark religiös motiviert) Kategorie:Primaten Kategorie:Anthropologie Kategorie:Menschenrechte ko:사람 ms:Manusia ja:人間 nb:Menneske simple:Human zh-min-nan:Lâng

Engel

Der Engel (vom griechischen άγγελος, ángelos - Bote, Botschafter über lateinisch angelus als Übersetzung des hebräischen mal'ach ( מלאך ) - Bote) ist in vielen Religionen ein Wesen, das Gott oder den Göttern zur Seite steht, aber von ihnen unterschieden wird. Gott

Engel in der Bibel

Die Bibel kennt in weiten Teilen Engel als eigene Wesen, die Gottes Bereich angehören. Von Engeln ist in beiden Schöpfungserzählungen (Gen 1 und 2) keine Rede, es wird aber in der ganzen Bibel darauf hingewiesen, dass Engel vor der Entstehung der Welt existierten und Gott dienen. Es wird schon früh von Engeln berichtet, welche auch im Paradies als Wächter mit dem Flammenschwert (1. Mose 3, 24) zu beobachten sind. Bezeichnend ist aber auch hier, dass Engel letztlich den Menschen unterstellt sind und Menschen später über Engel richten werden (1.Kor 6, 3). Satan ist ein gefallener Engel, was bedeutet, das er ein Diener Gottes war, der sich von Gott gelöst hat und ein eigenes Kontingent an Engeln unter sich hat. Engel, so lesen wir in der Bibel, sind hierarchisch strukturiert, und es gibt verschiedene Arten von Engeln. "Der Engel des Herrn", Cherubim (Pl. von Cherub), Seraphim (Pl. von Seraph). In Gen. 6, 2-4 tauchen dann so genannte "Gottessöhne" auf, die mit sterblichen Frauen verkehrten und dadurch "Riesen" hervorbrachten. Während die antike Mythologie hierbei an "gefallene Engel" dachte, wird das Motiv durch den Kontext, in den es gestellt wurde, entmythisiert: Gemeint sind hier die "Helden der Vorzeit", die ersten 10 Generationen Menschen von Adam bis Noach, die zwar besonders lange lebten, gleichwohl aber sterblich waren. "Gottessöhne" sind für die Bibel zunächst alle Menschen, die ihre Gottebenbildlichkeit auch nach dem Sündenfall behalten (Gen. 1, 27). Der Ausdruck "Mal'ach" für Engel wird erstmals in Kapitel 19 von Genesis verwendet, in der Erzählung der Flucht Lots aus Sodom. Im Buch Ijob (um 250-200 v. Chr.) tauchen die "Gottessöhne" dann wieder auf: Hier erscheint Satan nicht als widergöttliche Macht, sondern als einer von ihnen (Hi. 1, 6) und schließt mit Gott die "satanische Wette" um Ijobs Sündlosigkeit (v. 11f). Später erwähnt Gott die Gottessöhne nochmals als die ersten, die ihn mit den Sternen lobten - offenbar noch vor der Schöpfung der Menschen (Hi. 38, 7). Hier werden Vorstellungen einer Engelwelt sichtbar, die der Schaffung der Menschenwelt vorausgeht und die Geschicke der Menschen mitbestimmt. In der späten Vision vom Endgericht (Dan. 7, 1-14, um 170 v. Chr.) dagegen bleiben die Throne, die um Gottes Thron aufgestellt werden, leer. Von Engeln ist hier erst nach dem Erwachen des Sehers Daniel die Rede: Sie deuten ihm das Gesicht, ohne dass sie selbst darin eine Rolle spielen. Die Menge ohne Zahl, die vor Gottes Thron versammelt ist (v. 10), sind keine Engel, sondern die, die im Endgericht bestehen und Gott anbeten. Die Bibel geht zwar mit der Umwelt davon aus, dass es Engel - himmlische, mit Verstand und Willen begabte Geistwesen - gibt; aber sie verzichtet weitestgehend auf ein Ausmalen dieser Himmelswelt, die in anderen Religionen damals verbreitet war. Viel wichtiger ist ihr die Funktion der Engel: den Menschen Gottes Wort, Gegenwart, Absicht und vollgültigen Willen mitzuteilen. Darum erscheinen Engel in der Bibel oft einfach als "Boten Gottes" in menschlicher Gestalt. Sie sind ohne Zweifel souverän, wie Gott den Menschen weit überlegen und nicht an die Schranken und Bedingungen der menschlichen Sinnenwelt gebunden: aber diese Fähigkeiten treten meist hinter ihrer Botschaft zurück. Die Bibel erwähnt verschiedene Arten von Engeln, ohne sie in eine klar gegliederte Engelshierarchie einzuordnen: Seraphim, Cherubim, Erzengel, Thronoi, Herrschaften, Fürstentümer und Gewalten (siehe unter anderem: 1. Samuel 4,4; Jesaja 6,2; Epheserbrief 1,21; Kolosserbrief 1,16). JHWH, der Gott Israels erscheint hin und wieder bestimmten Menschen (zum Beispiel Abraham im Hain Mamre und Mose im brennenden Dornenbusch) in Engelsgestalt. Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang der sogenannte "Engel des Bundes", der Hagar, Abraham, Jakob, Moses, Gideon und Elija erscheint. Daneben gibt es auch den Racheengel, in dem der Zorn Gottes Gestalt gewinnt. Vor allem aber bilden die Engel den "Hofstaat" Gottes und seine "Heeresmacht", mit der Gott Zebaot, der "Herr der Heerscharen", für und manchmal auch gegen Menschen streitet. Eine besondere Bedeutung haben Engel auch als Überbringer von Heils- oder Gerichtsbotschaften Gottes (etwa im Alten Testament bei der Zerstörung Sodoms, oder im Neuen Testament bei der Geburt Jesu und bei Jesu Auferstehung am Ostermorgen). Weitere Aufgaben der Engel sind nach biblischer Darstellung der Bibel Schutz- und Hilfsdienste für bestimmte Menschen und Menschengruppen (Psalm 91; Daniel 6,22; Matthäus (Evangelium) 18,10; Lukas (Evangelium) 16,22; Apostelgeschichte 12,7). Anbetung kommt nach Aussagen der Bibel den Engeln jedoch nicht zu (Kolosser 2,18; Offenbarung 19,10; 22,9), sondern es wird gelehrt, dass die Heiligen (alle Gläubigen) die Engel richten werden (1 Kor 6:3). Jesus lehrt, dass in der Auferstehung die Menschen bezüglich Heirat und Unsterblichkeit wie die Engel sein werden (z.B. Lukas 20:35-36). Paulus lehrt ausdrücklich den Übergang des irdischen in den unsterblichen Leib (1Kor 15:51). Flavius Josephus (Hades, VI) lehrt von auferstandenen Männern und Frauen. Während Sacharja 5,9 dahin gehend interpretiert werden könnte, dass es auch weibliche Engel gibt, könnte 1. Kor 11,10 den Schluss zulassen, dass die männlichen Engel auch anfällig für die weiblichen Reize der irdischen Frauen im Gottesdienst seien. Das biblische Engelbild hat mit dem der Kunst und Volksfrömmigkeit vielfach nur wenig gemein. Die verniedlichenden Darstellungen der Engel als Putten widersprechen der biblischen Darstellung. Als Wesen, die grundsätzlich der "unsichtbaren Welt" (Nicäno-Konstantinopolitanum) angehören, entziehen sie sich der Objektivierung. Dennoch kann die Sprache des Gebets (vgl. Martin Luthers Morgen- und Abendsegen), der Liturgie und der Poesie nicht auf sie verzichten.

Jüdisch-christliche Tradition

Viele Engellehren finden sich außerhalb der kanonischen Bibelschriften. Ein typischer Vertreter dieser im strengen Sinne nichtbiblischen Schriften sind die Chroniken des Henoch, die vermutlich im 3. Jahrhundert vor Christus entstanden sind, sich jedoch aus älteren Quellen speisen. In diesen Chroniken wird ausführlich über Engel, ihre Namen, ihre Aufgaben und ihre charakteristischen Eigenschaften berichtet. Henoch beschreibt in seinen Chroniken seine Reise in die zehn Himmel, wo er das Wirken der Engel sah und dokumentierte. Die Chroniken von Henoch wurden vom Kirchenvater Hieronymus im 4. Jahrhundert nach Christus zu Apokryphen erklärt und ihnen damit der Rang einer Heiligen Schrift aberkannt. Neueste Studien haben ergeben, dass viele Inhalte der Henoch-Texte sich im Neuen Testament wiederfinden. Das Judentum kennt neben den in der Bibel genannten Erzengeln (Gabriel und Michael) auch noch Uriel, Raphael, Sariel und Jerahmeel, die sehr spät in der Entwicklung des Judentums auftreten. Im Mittelalter sah Maimonides Engel in einem rationalistischen Weltbild als eine biblische Umschreibung der Naturkräfte, die Gott einsetze, um seinen Willen in der Welt umzusetzen.

Systematik und Hierarchie der Engel nach Dionysius Areopagita

1. Triade:
- Seraphim sind vier bzw. sechsflügelige Symbole des Lichts, der Glut des göttlichen Feuers (Ez. 1,5 f; Jes 6,1 ff) und stehen Gott am Nächsten.
- Cherubim sind Verbreiter der Erkenntnis, Ergießer der Weisheit, Beschützer des Garten Edens (Gen 3,24), werden beim Bau der Stiftshütte (Ex 25,18 ff) sowie beim Bau des Tempels Salomo (1Kön 6,23 ff) u.a. erwähnt.
- Thronoi (griechisch in etwa: "erhabene Gestalten") sind die unterste Stufe der 1. Triade und bezeichnen das Erhabene. Die Septuaginta gebraucht den Begriff auch für die Seraphim, Paulus spricht im Kolosserbrief von Thronen (Kol 1,16). 2. Triade: (Kol 1,16 sowie Eph 1,23)
- Herrschaften(Dominationes) sind Beherrscher der Engel.
- Mächte(Principatus) vollziehen unerschütterlich den Willen Gottes.
- Gewalten(Potestates) verkörpern die unzerstörbare Harmonie. 3. Triade:
- Fürstentümer(Virtutes) verkörpern den himmlischen Führungscharakter.
- Erzengel (göttliche Kohorte) fungieren vor allem als Verkünder göttlicher Offenbarung. Neben Gabriel, Michael und Raphael taucht Uriel nur in der Mosesapokalypse auf. Jakob kämpft mit Penuël (Gottesgesicht) in Gen 32,31. :Der Talmud kennt noch Samael, Sedekiel (verhindert die Opferung Isaaks), Anael (Barakiel) und Sabbataios (Schepteel). Damit ergibt sich mit Gabriel, Michael und Raphael eine Siebenereinheit wie bei Zarathustra, die sich leicht mit den Gestirnen identifizieren lassen.
- Engel (Schutzengel) stehen auf der untersten Kategorie und stehen den Menschen am Nächsten. Sie haben unterschiedliche Bezeichnungen wie Scharen (Ijob 19,12 und Ps 103,21), Erscheinung (Dan 10,7) oder Geister (Offb 1,4). Dieser Form der Hierarchienlehre wurden im Lauf der Zeit immer wieder einzelne Elemente zugefügt. Beherrscht werden die Hierarchien in den verschiedenen Religionen vom jeweiligen Schöpfergott, so im Islam von Allah und im Christentum von der Trinität (Dreifaltigkeit). Eine tiefergreifende Änderung erfuhr die Hierarchienlehre durch die Theosophie, die den jüdischen Schöpfergott JHWH in die 2. Triade stellte und als sogenannte 4. Triade die Reihenfolge Mensch, Tier, Pflanze, Stein angab.

Die Engellehre in der Anthroposophie

Lt. der mittelalterlichen Lehre an welche die Anthroposophie anknüpft, gibt es neun Hierarchien. Der Mensch soll einmal zur 10. Hierarchie werden, so jedenfalls Rudolf Steiner. Es ergibt sich folgendes Schema: Dreifaltigkeit Gott-Vater, Sohn und Heiliger Geist 1. dem Vater zugeordnet: :1.1. Seraphim :1.2. Cherubim :1.3. Throne 2. dem Sohne zugeordnet: :2.1. Kyriotetes (Weltenlenker) :2.2. Dynameis (Weltenkräfte) :2.3. Exusiai (Offenbarer) = hebräisch ELOHIM 3. dem Heiligen Geist zugeordnet: :3.1. Archai (Zeitgeister) :3.2. Archangeloi (Erzengel) :3.3. Angeloi (Engel, auch Schutzengel) So jedenfalls stellt es Hans-Werner Schroeder in seinem Werk Mensch und Engel auf S. 151 (Fischer-Taschenbuchausgabe), dar.

Zuordnung der Engelhierarchien im Lebensbaum der Kabbala

I - Kether - Krone = Seraphim II - Chokmah – Weisheit = Cherubim III - Binah - Intelligenz = Throne IV - Chesed - Liebe = Kyriotetes V - Geburah - Strenge = Dynameis VI - Tiphereth – Schönheit = Exusiai VII - Nezach - Sieg = Archai VIII - Hod - Glanz = Erzengel IX - Jesod – Fundament = Engel X - Malkuth – Königreich = Mensch

Engel aus der Sicht der Mormonen

In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen") wird mit Engel ein von Gott gesandter Bote gemeint. Dies kann nach der Lehre der Kirche auch ein bereits auferstandener Mensch sein. Eine besondere Rolle in ihrem Glauben spielt der anderweitig nicht bekannte Engel Moroni, durch den ihr Stifter Joseph Smith das Buch Mormon empfangen haben soll.

Engel im Islam

Die Engel, arabisch al-Mala'ika الملائكة (einschließlich der Erzengel) sind nach islamischer Lehre keine verniedlichten Wesen, wie man sie aus europäischen Darstellungen kennt, sondern - ähnlich der biblischen Darstellung - gewaltige und mächtige unsichtbare Licht-Gestalten von teils gigantischen Ausmaßen, die ihre jeweiligen Aufgaben haben. Die Engel sind im Islam die Boten, die den Propheten die Offenbarungen Allahs übermitteln. So ist beispielsweise dem Propheten Muhammad der Erzengel Gabriel erschienen und hat ihm den Koran übermittelt. Der Hadith sagt, dass Gott jeweils am 120. Tage nach der Zeugung einen Engel sendet, der dem ungeborenen Menschen den Odem Gottes einhaucht.

New Age und Engel

Einige moderne spirituelle Bewegungen bezeichnen in ihren Glaubenssystemen auftretende Wesen oftmals auch als Engel, entwickeln allerdings ein von der traditionellen Bedeutung abweichendes Konzept. So wird von Esoterikern (und auch einigen Romanautoren) angegeben: Engel sind Lebewesen, die grundsätzlich von Menschen verschieden sind, da sie aus einem anderen Teil Gottes heraus geschaffen sind. Dadurch sind sie nicht in der Lage zu lügen, haben sich auch nicht so weit von der Liebe Gottes entfernt und stehen deshalb Gott näher als die meisten Menschen. In Demut und Freude vollziehen sie seinen Willen, können aber durch Gebete oder Gedanken um Hilfe gebeten werden.

Kontakt zu Engeln

Auch in der Gegenwart berichten Menschen von Engelsbegegnungen. Einige erzählen sogar von Dauerkontakten zu bestimmten "Geistwesen", die sie in allen Lebenslagen beschützen, begleiten und beraten. Von protestantischer Seite werden solche Berichte eher kritisch betrachtet - insbesondere dann, wenn in solchen Erfahrungsberichten Engel die Funktion einnehmen, die nach der Bibel alleine Gott zukommt. Andere kirchliche Stellungnahmen - vor allem solche aus dem evangelikalen Lager - weisen daraufhin, dass auch dämonische Mächte zuweilen als Engelwesen auftreten. Demgegenüber stehen im Allgemeinen römisch-katholische Christen und noch stärker die orthodoxen Christen solchen Berichten eher positiv gegenüber. So wird z.B. die Homepage des Vatikan www.vatican.va 'Gabriel' genannt, wie der Erzengel der Verkündigung. Die Firewall zum Schutz vor Computer-Viren heißt 'Michael', wie der Wächter-Engel. Und das Intranet, das nur für die Angestellten zugänglich ist, trägt den Namen 'Raphael', der stets im Geheimen arbeitet. "Wir brauchen den Extra-Schutz der Erzengel einfach", so Schwester Judith Zoebelein, Leiterin der Vatikan-Homepage. (siehe [ 5 ])

Literatur


- Peter L. Berger: Auf den Spuren der Engel. Die moderne Gesellschaft und die Wiederentdeckung der Transzendenz. Herder Freiburg 2001 ISBN 3451051931
- Malcolm Godwin: Engel - Eine bedrohte Art, Droemer Verlag München 1995 ISBN 3861501015
- Dorothea Dieckmann: Wie Engel erscheinen, Rotbuch Verlag, ISBN 3880228094
- Alexa Kriele: Wie im Himmel so auf Erden. Christliche Engelkunde. Vier Bände. Christa Falk Verlag, Seeon. :Bd. 1: 2004 ISBN 3548741010, Bd. 2: 2005 ISBN 3895680605, Bd.3: 2000 ISBN 3895680788, Bd.4: 2001 ISBN 3895681016
- Dorothy MacLean: Du kannst mit Engeln sprechen. Heyne München 1999 ISBN 3453144775 (Die Erfahrungen der Mitbegründerin der Findhorngemeinschaft)
- Hans-Werner Schroeder: Mensch und Engel. Die Wirklichkeit der Hierarchien,Fischer-TB.-Vlg.,Ffm 1990,ISBN 3596255228
- H.Vorgrimler/U.Bernauer/Th.Sternberg: Engel. Erfahrungen göttlicher Nähe. Herder Freiburg 2000, ISBN 3451277344 (enthält viele Bilder)

Siehe auch


- Portal:Bibel, Bibelstudium
- Erzengel, Schutzengel, Todesengel
- Cherubim, Seraphim
- Angeloi
- Engel (Rollenspiel)
- Kabbala
- Dakini
- Henochische Sprache
- Jahresendflügelfigur

Weblinks


- [http://www.himmelsboten.de/Engel/Bibel/Bibel.htm Biblische Engellehre]
- [http://www.karl-leisner-jugend.de/Engel.htm Die Engellehre der katholischen Kirche]
- [http://www.isidore-of-seville.com/angels/ Angels on the Web (English)]
- [http://www.zdf.de/ZDFmt/mediathek/ZDFmt_video_cont/0,3498,MT-2222833--MD-2095427-hi--3,00.html ZDF-Video: Alexa Kriele bei Johannes B. Kerner: Thema "Tod und Sterben"]
- [http://www.heise.de/newsticker/meldung/54211 5: Vatikan im Web: Erzengel, E-Mails und eine Nonne als PC-Expertin]
- [http://www.stud.uni-potsdam.de/~werner/art.htm Über Hierarchien und Legenden der Engel]
- [http://tanz-der-sterne.de/engel/index.htm Die neun Engelhierarchien]
- [http://www.exorzismus.net/engel.htm Papst Johannes Paul II. u.a. über die Engel] Kategorie:Religion Kategorie:Esoterik Kategorie:Christentum Kategorie:Judentum Kategorie:Islam Kategorie:Angelologie ja:天使 ms:Malaikat simple:Angel

Poltergeist

Poltergeist bezeichnet in den Parawissenschaften das Auftreten von Klopfgeräuschen, elektrischen Störungen, Bewegung von Gegenständen und Ähnlichem, die im deutschen Sprachgebrauch als – relativ harmloser – Spuk, übernatürliche Erscheinungen oder okkulte Phänomene gedeutet werden, weil zunächst keine physikalische Ursache erkennbar ist. Viele Poltergeist-Erscheinungen stellen sich bei genauer Untersuchung als Schabernack heraus oder lassen sich auf Naturphänomene (Wind- und Wettereinfluss etc.) zurückführen. Der Begriff ist hauptsächlich im anglo-amerikanischen Sprachbereich üblich. Insbesondere dem englischen Adel dienen Poltergeister als Touristenattraktion für die oft vom Verfall bedrohten Schlösser. Daneben soll es jedoch auch parapsychologisch relevante Poltergeistphänomene mit Klopfgeräuschen und Objektbewegungen geben, die angeblich nicht durch unmittelbare physikalische Einwirkung verursacht werden. Sie sollen bevorzugt in Gegenwart pubertierender oder medial veranlagter Personen auftreten. Daher erklärten die amerikanischen Parapsychologen J. Gaither Pratt und William G. Roll Poltergeistphänomene 1958 als wiederkehrende spontane Psychokinese (RSPK, recurrent spontaneous psychokinesis). Danach ist der Poltergeist kein intelligentes, unabhängiges Phantom, also kein realer Geist, sondern eine mentale Projektion bzw. eine unterbewusste Persönlichkeitsabspaltung insbesondere seelisch angespannter Pubertierender, die sich in psychokinetischen Effekten „entladen“ kann. Auch der Freiburger Parapsychologieprofessor Hans Bender hatte vorgeblich in den 1960er und 1970er Jahren mit mehreren solcher durch Jugendliche unterbewusst verursachter Poltergeistphänomene zu tun. Siehe auch : Gespenst, Geist

Weitere Definitionen

Poltergeister und Poltergeistphänomene werden auch „Naturgeistern“ zugeschrieben, welche sich an noch lebenden Menschen rächen wollen. Weiterhin sind Poltergeister unter den Begriffen Neckgeist, Störgeist und Dunkler Begleiter bekannt. In vielen Teilen der Welt wird der Begriff Poltergeist mit den fürchterlichsten paranormalen Ereignissen gleichgesetzt.

Literatur


- Michael Schneider: Rätselhafte Welt – Mysterien und Rätsel unserer Zeit. BOD, Norderstedt 2004, ISBN 3833420588 Kategorie:Parawissenschaft Kategorie:Wortexport ja:ポルターガイスト現象

Werwolf

Ein Werwolf (von Germanisch: wer „Mann“), althochdeutsch auch Mannwolf genannt, ist in Mythologie, Sage und Dichtung ein blutdürstiger Mensch, der sich in einen Wolf verwandeln kann (Lykanthrop).

Kurze Zusammenfassung

Der Begriff Werwolf bezeichnet das Mysterium, dass sich ein Mensch unter besonderen Umständen nachts in ein Tier verwandeln kann und bei Tagesanbruch wieder seine menschliche Gestalt annimmt. Die meisten Sagen berichten von Männern, die aufgrund ihres familiären Erbgutes oder infolge einer Verletzung, die sie durch eine solche Kreatur erhalten haben, in bestimmten Nächten zu einem Tier (meist zu einem Wolf) mutieren. Das Wesen, in welches sie übergehen wird als unheilvoll und raubtierhaft beschrieben. Sogar Familienmitglieder werden von ihm angegriffen, da das Wesen offenbar keine Erinnerung an seine jeweils andere Existenz besitzt. So kann sich der Betroffene, sobald er seine menschliche Gestalt wieder besitzt, nicht mehr an seine nächtliche Jagd erinnern. Die Erinnerung kann in Form von Traumbildern zurückkehren, das scheint aber eher selten der Fall zu sein. Je länger der Mensch von diesem Phänomen befallen ist, desto geringer werden die Abstände zwischen den Gestaltwandlungen, bis er schließlich ganz von der Gestalt des Tieres übernommen wird.

Ursprung

Verwandlungen zwischen Mensch und Tier sind in der Geschichte sehr weit zurückzuverfolgen. Bereits Zwitterwesen aus Höhlenmalereien lassen sich entsprechend interpretieren. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse sind das Gilgamesch-Epos, in dem die Göttin Ishtar einen Schäfer in einen Wolf verwandelt (Tafel 6 Vers 58–61). Aus der griechischen Literatur kennen wir beispielsweise Lykaon, der von Zeus in einen Wolf verwandelt wurde. Der Ursprung der Werwolf-Sagen ist in kultischen Festen der Skythen zu suchen, bei deren Feierlichkeiten man sich mit einem wolfsgestaltigen Gott vereinte, indem man sich mit einem Wolfsfell bekleidete. Herodot berichtet (IV, 105), dass : … die Skythen und die im Skythenland wohnenden Hellenen behaupten, jährlich einmal verwandle sich jeder der Neuren für wenige Tage in einen Wolf und trete dann wieder in den menschlichen Zustand zurück. Von den Skythen gelangte dieser Kult zu den germanischen Völkern, später, als der Ursprung vergessen wurde, nur als Sage in Verbreitung. Eine weitere Ursprungstheorie besagt, dass der Begriff Menschen beschrieb, die an einer extremen Form des Systemischen Lupus Erythematodes (SLE) litten, der so genannten Wolfskrankheit. Die aufgrund eines genetischen Defekts Erkrankten wurden vor allem im frühen Mittelalter vom abergläubischen Volk gefürchtet. Ebenso wurden Tollwutkranke für Werwölfe gehalten, da hier die Erkrankung durch den Biss eines Tieres erfolgt. Die Symptome dieser Krankheit passen zur Beschreibung von Werwölfen: Anfälle, bei denen der Erkrankte wild um sich zu beißen beginnt; Angst vor Wasser, aber gleichzeitig starker Durst, was zu spastischen Schluckkrämpfen führt etc. Die Menschen im Mittelalter sahen darin eine Verwandlung des Gebissenen in eben jenes Tier, von dem er gebissen wurde.

Moderne Werwolfdarstellungen

Das heutige Bild des Werwolfes wurde vor allem durch Filme geprägt. So führte Drehbuchautor Curt Siodmak erst in 1941 in dem Film 'The Wolf Man' die Idee ein, dass Menschen, die von einem Wolf gebissen werden, bei Vollmond zu einem Werwolf mutieren und das Silber das einzige Mittel ist einen Werwolf zu töten. Andere Versionen sagen hingegen, dass bei einer Mondfinsternis alle Werwölfe sterben, die sie sehen. Auch wird Werwölfen oft die Fähigkeit zugesprochen, sich sehr schnell von Verletzungen erholen zu können. Nach einigen Romanen und Filmen sind Werwölfe die erklärten Erzfeinde von Vampiren. In neuen Werken wird das Thema oft ironisch behandelt, z.B. bei Christian Morgenstern, der ihn lyrisch in seinen "Galgenliedern" dekliniert ("des Weswolfs" usw.) und bei Terry Pratchett, bei dem die Werwölfin Angua als Vertreterin einer ethnischen Minderheit in die "Wache" (The Watch) aufgenommen wird. In dem Rollenspiel Werwolf: Die Apokalypse von White Wolf spielen Werwölfe die Rolle tragischer Helden, die halb Mensch, halb Wolf für die Rettung der Welt kämpfen. Eine neuartige Behandlung erfährt das Thema in J.K. Rowlings Harry Potter Serie mit dem Lehrer Remus Lupin. Dieser Werwolf ist ein Sympathieträger, der sich durch seine Lykanthropie unberechtigten Ängsten und Vorurteilen ausgesetzt sieht. Das mythische Phänomen Werwolf wird so zur modernen Metapher für chronische Krankheiten und Behinderungen in der nichtmagischen Welt.

Siehe auch


- Bestie von Gévaudan
- Charles De Coster (in dessen Ulenspiegel)
- Fabelwesen
- Wrukolakas (Griechenland)
- Hypertrichose
- Der Werwolf von Washington

Weblinks


- [http://www.elmar-lorey.de/Prozesse.htm Chronologische Übersicht über die Werwolfprozesse in der Frühen Neuzeit; mit ausführlicher Bibliographie]
- [http://www.elmar-lorey.de/werwolf/genesetext.htm Aufsatz von Elmar M. Lorey: Wie der Werwolf unter die Hexen kam. Zur Genese des Werwolfpozesses]
- [http://www.transformationlist.com/ Englischsprachige Webseite mit ausführlicher Listung und teilweiser Bewertung unzähliger Bücher und Romane zum Thema] Kategorie:Fabelwesen Kategorie:Stoffe und Motive ja:狼男

Untote

Als Untote bezeichnet man, vor allem in der Horrorliteratur, mythische Kreaturen, die in einem körperlichen Zustand zwischen Leben und Tod existieren. „Untote“ ist ein Sammelbegriff sowohl für Wesen aus Mythologie und Folklore als auch für solche, die ihren Ursprung in der Literatur haben. Der Begriff des Untoten ist zu differenzieren vom Gespenst oder Geist, da diese Wesenheiten körperlich tot und nur noch geistig aktiv sind. Untote stellen das genaue Gegenteil dazu dar, denn sie werden meist als geistig oder seelisch tot und nur noch körperlich existent dargestellt. In der Fantasy-Literatur sind es oft Schwarzmagier oder Nekromanten, die Untote erschaffen oder beschwören. Ein anderes weitverbreitetes Bild von Untoten ist der Vampir. In den Yoruba-Religionen, wie zum Beispiel dem Voodoo, spielt der Glaube an von Hexern beherrschte Zombies eine große Rolle. In anderen Mythologien treiben die Untoten dagegen meist „auf eigene Faust“ ihr Unwesen.

Siehe auch


- Wiedergänger
- Draugr
- Liste von Fabelwesen Kategorie:Dämonologie

Spiritismus

Spiritismus oder spiritistische Lehre ist die allgemeine Bezeichnung für die Lehre, die behauptet, dass Verstorbene sich mit Hilfe eines Mediums mitteilen oder sich als Phantome bzw. Materialisationen zeigen können. Der Spiritismus ist eine auf Grundlage des Okkultismus entstandene Erklärungshypothese, die einen Teil der angeblich okkulten Phänomene auf "Einwirkungen der Geisterwelt" auf die Welt der Lebenden zurückführen will. Der moderne Spiritismus als Massenbewegung nahm 1848 in den USA seinen Ausgang (Klopfgeistphänomene im Haus des Methodisten Fox in Hydeswill. N.Y.) und verbreitete sich mit dem Tischerücken als Wegbereiter sehr schnell. In Frankreich wurden "Geisterkundgebungen" im Kreis der Mesmeristen von Léon-Hippolithe-Denizart Rivail (Pseudonym Allan Kardec) im "Buch der Geister" gesammelt. Dieser formte daraus eine synkretistische Offenbarungsreligion, den Spiritismus im engeren Sinne, der in Brasilien, wo er eine anerkannte Religion darstellt, 4,6 Mio. Anhänger hat. Noch verbreiteter ist dort Umbanda, eine Religion die den Kardecianistischen Spiritismus mit Vorstellungen afrikanischer Herkunft verbindet. Starken Auftrieb erhielt der Spiritismus durch die Darbietungen des Mediums D. D. Home. Infolge dessen entstanden zahlreiche private Zirkel, Gesellschaften und Zeitschriften. 1882 vereinigte die "Society for Psychical Research" Spiritisten, Animisten und Skeptiker zu gemeinsamer Forschung, woraus die moderne Parapsychologie entstand. siehe auch: Spiritualismus

Kardecianismus

Der Spiritismus beruft sich auf die von Allan Kardec gesammelten Prinzipien und Gesetze, die von den höheren Geistern offenbart worden sein sollen. Diese Werke bilden spiritistische Bibel. die sogenannte "Spiritistische Kodifikation": "Das Buch der Geister", "Das Buch der Medien", "Das Evangelium nach dem Spiritismus", "Der Himmel und die Hölle" und "Die Genesis". Das Universum ist von Gott, dem höchsten Geist, geschaffen. Es besteht aus den materiellen Dingen und den spirituellen Wesen. Diese, die Geister sind die intelligenten Wesen der Schöpfung. Sie bilden die geistige Welt, die vor allem physischen Sein gewesen ist und alles Materielle überdauern wird. Die Geister wurden einfach und unwissend erschaffen. Sie entwickeln sich intellektuell und moralisch, indem sie von einer niederen zu einer höheren Ebene aufsteigen, bis sie die Vollkommenheit erreicht haben, wo sie eine unveränderliche Freude geniessen. Um sich zu entwickeln bedürfen die Geister mehrfacher Inkarnationen, während der sie ihre Individualität ebenso wie im nichtmateriellen Zustand behalten, jedoch treten im inkarnierten Zustand, den Menschen, die Erinnerungen an vorherige Inkarnationen und den nichtinkarnierten Zustand zurück. Die geistige Entwicklung kann zwar stagnieren, geht jedoch stets zum Höheren. Die Geister werden verschiedenen Klassen zugeordnet, je nach der Vollkommenheitsebene, die sie erreichen konnten: reine Geister, die schon die höchste Vollkommenheitsebene erreichten; gute Geister, in denen der Wunsch nach dem Guten überwiegt; unvollkommene Geister, die sich durch die Unwissenheit, den Wunsch nach dem Bösen und die niederen Leidenschaften auszeichnen. Jesus ist im Spiritismus ein reiner Geist, der den Weg, den alle Geister (= Menschen) gehen, vorangegangen ist. Die christliche Ethik ist in den Spiritismus integriert, ebenso gehöre das Gebet zu den spiritistischen Pflichten. Die höheren Geister helfen den niederen auf dem Weg zur Vervollkommnung. Hierzu sollen die spiritistischen Seancen dienen, blosse Wahrsagerei wird abgelehnt. Die Fähigkeit, Medium zu sein, wird als natürliche Gabe betrachtet, die nicht erworben oder erlernt werden kann. Priestertum sowie priesterliche Rituale werden ebenso abgelehnt, wie Wahrsagetechniken wie Kartenlegen, Pyramiden, Kristalle oder Horoskope oder der kommerzielle Spiritismus.

Weblinks


- http://www.spiritist.org/deusth/deusth.html
- http://www.spiritismus.org/index.html Kategorie:Esoterik

Jenseits

Mit dem Begriff des Jenseits bezeichnet die Sprache den anderen Bereich, den Bereich des „Übernatürlichen“. Dieser Bereich, der sich einerseits einem unmittelbaren Zugang sinnlicher Rezeption wie andererseits einem unmittelbaren Zugriff durch aktive Einflussnahme entzieht, begleitet gleichwohl die Geschichte der menschlichen Kultur als ihr Geheimnis.

Allgemein

Der Bereich des Jenseits wird örtlich unterschiedlich lokalisiert. Das kann für bestimmte, schwer zugängliche Orte (Berge, Höhlen, Wälder) oder andere Tabu-Bezirke und Heiligtümer gelten. Man kann ihn sich unter der Erde in einer Unterwelt oder über der Erde im Himmel vorstellen. Schließlich sprechen Einige von nur einem feineren Empfinden zugänglichen Lokalisierungen im menschlichen „Herzen“ (mit „Herz“ bezeichnet übertragener Wortgebrauch das seelisch-geistige Innenleben eines Menschen) oder im zwischenmenschlichen Bereich. Ebenso wird dem Jenseitsbereich ein zeitlicher Raum jenseits des irdischen Lebens zugeordnet (zum Beispiel als Totenreich oder Himmelreich). Am augenfälligsten dokumentieren sich die Jenseitsvorstellungen in der menschlichen Bestattungskultur. Schon die Beigaben der ältesten Grabfunde (Waffen, Speise, Trank, Schmuck etc.) belegen, dass das irdische Leben als Teil eines größeren Ganzen angesehen wurde. Dieses Ganze - das belegen zahlreiche Monumentalfunde - hatte in der Regel seine wesentliche Bedeutung in der jenseitigen Welt; die ihrerseits das Diesseits in den Schatten stellte. Beschreibungen des Jenseits entstammen den Berichten schamanischer Himmelsreisender (siehe Ekstase) und werden zum anderen in den Mythen und heiligen Schriften der Völker und Religion überliefert.

Hinduismus, Buddhismus

Der Hinduismus entfaltet ein hochkomplexes Jenseitsbild. Die vedische Religion hatte ein Paradies bereit, das allen Opfernden bereit stand. Später setzte man neben die Götterwelt der Unsterblichen eine dem Kreislauf der Reinkarnationen unterworfene Väterwelt der Unsterblichen. Zahlreiche Höllen lösten einander ab, die das wahre Jenseits zum fernen Endziel (Nirvana) machten.

Judentum

Das Judentum entwickelte nie eine eindeutige Vorstellung über das Geschehen im Jenseits, nach dem Tode. Es haben sich vielmehr wesentlich zwei Lehrmeinungen herausgebildet, die sich auf eine unbestimmte Menge von Hinweisen im Tanach beziehen. #Die eine Lehrmeinung nimmt die Auferstehung der Toten an, d. h. die Menschen sterben mit Leib und Seele, aber werden in der messianischen Zeit wiederbelebt und leiblich auferstehen (Daniel 12,2; Sanhedrin 10,1). Die Auffassung von einer Auferstehung der Toten entwickelte sich im nachexilischen Judentum (Diaspora, Babylonische Gefangenschaft). In der jüdischen Apokalyptik wurde diese Vorstellung weiter ausgebaut zu einer Auferstehung in Verbindung mit einem Gericht Gottes über die Welt. Mit dieser Auferstehung war nach jüdischen Begriffen eine körperliche Auferstehung gemeint - entweder die körperliche Auferstehung aller Menschen oder die körperliche Auferstehung der Menschen, die im Bund Israels mit Gott eingeschlossen sind. Das Schicksal des einzelnen Menschen trat in dieser kollektiven Sicht zurück, war aber darin eingeschlossen. Das Pharisäertum zur Zeit Jesu bejahte den Glauben an eine Auferstehung; das herrschende Priestertum (vorwiegend aus der Gruppe der Sadduzäer, die mit der römischen Besatzungsmacht kollaborierte) lehnte sie ab. #Die andere jüdische Lehrmeinung nimmt an, dass die reine Seele, unbefleckt durch Geburt, Leben und Tod, wieder rein zu Gott zurückkehrt. Sie geht von der Unsterblichkeit der Seele aus und davon, dass diese nach dem Tod unabhängig vom Körper weiterlebt (Schabbat 152b, Proverbien 12,28). Das herrschende Priestertum (vorwiegend aus der Gruppe der Sadduzäer), kollaborierend mit der römischen Besatzung, zur Zeit Jesu, lehnte die fleischliche Auferstehung ab. #Weiterhin gab es eine Vermengung dieser beiden Lehrmeinungen zur folgenden, dass nämlich die Seele den Tod des Menschen überlebe und bis zur messianischen Zeit weiterlebe und sich schließlich mit dem Körper neu vereinige und leibhaftig auferstehe.

Christentum

Besatzung Das Christentum stellt das Jenseits als endzeitlich hereinbrechendes vor, an dessen Ende die volle Gemeinschaft mit Christus steht. (siehe Eschatologie). Das Neue Testament beschreibt es jedoch eher zurückhaltend gleichnishaft und hält sich bei Details zurück. Das Christentum glaubt an die Auferstehung von den Toten. Die Seele wandert aus dem irdischen, verweslichen Körper in einen himmlischen, unverweslichen Körper (siehe z.B. Matthäus 22, 1 Korinther 15). Es betont das Gericht, dem eine Scheidung in Himmel und Hölle entspricht. Der Begriff der Hölle ist im Christentum sehr umstritten (siehe Hölle). Vermittler in Gestalt von Engeln und Dämonen können zum Jenseits Kontakt herstellen. Eine besondere Bedeutung erlangte das Fegefeuer (siehe: Dante, Göttliche Komödie). Nach dem neuen Testament ist es nicht einfach, in das Himmelreich zu kommen. Im Gleichnis spricht Jesus davon, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr schlüpfen kann, als das ein Reicher in das Himmelreich kommt ([Nachzulesen unter Markus 10,17-27) Die offizielle Lehre der römisch-katholischen Kirche vom Jenseits ist im Katechismus der Katholischen Kirche niedergelegt. Darüber hinaus sind in der Volksfrömmigkeit verschiedene bildhafte Vorstellungen vom Jenseits entstanden. Das Jenseits beschreibt darin den Ort, welchen die Seele nach Eintreten des körperlichen Todes erreicht. Das Diesseits, in dem der menschliche Körper mit der Seele lebt, ist demnach nur einer von drei Bereichen (Diesseits, Jenseits oder Himmelreich), in die der Mensch gelangen kann. ;Apokryphe Vorstellungen Nach manchen Vorstellungen wird das Jenseits in zehn Sphären eingeteilt, welchen der Mensch je nach dem Reifegrad seiner Seele (in zehn Stufen von gut - schlechter bis am schlechtesten) von Engeln zugeteilt wird. Im Jenseits wartet demnach die Seele darauf, in einem auf sie zugeschnittenen Körper, als Baby wiedergeboren zu werden -- sofern sie nicht so gut war bzw. zu Lebzeiten soviel Reife erreicht hatte, dass sie in das Himmelreich eingehen durfte. Wer in das Himmelreich eingehen darf, ist gerettet. Er war zu Lebzeiten so gläubig, dass er es geschafft hat, seine Seele mit Gott zu vereinigen. Solche Ansichten lehnen sich an den Buddhismus an und werden nur sehr vereinzelt von Menschen mit christlichem Hintergrund geteilt.

Islam

Nach dem Tod folgt für die Muslime die Grabesstrafe, nach einem Verhör durch Engel wird das Grab erweitert, resp. verengt. Erst mit dem Jüngsten Gericht erfolgt die Zuweisung in das Paradies al-ganna bzw. die Gehenna. Freuden und Qualen werden in Sure 56 detailliert beschrieben. Die Erlösten sitzen zum Beispiel "auf kostbaren Teppichen", erhalten leckere Speisen, verkehren "mit schönen Jungfrauen" und bekommen "jeden Wunsch erfüllt". Klare Wasserbäche fließen durch das Paradies, in dem sich üppige Gärten befinden. Die Verdammten dagegen erleiden schreckliche Qualen. Die Hölle "bäumt sich auf vor Wut" über die "Ungläubigen". Die Verworfenen werden "von Skorpionen gestochen, deren Stich noch vierzig Jahre lang spürbar ist". Als Nahrung erhalten sie bittere Kräuter und "Disteln, die den Hunger nicht stillen" und "ihr Getränk ist trübes Wasser". Es ertönt ein ohrenbetäubendes Geschrei "wie das eines Kamels aus Baktrien". Die besonders schmerzempfindliche Stelle zwischen dem Ohrläppchen und der Schulter wird "groß wie ein Berg", damit sie den Qualen mehr Angriffsfläche bietet. Der Koran macht aber auch deutlich, dass die Höllenstrafen nicht ewig andauern werden. "Es wird eine Zeit kommen, da werden die Tore der Hölle im Wind klappern und es wird niemand mehr darinnen sein."

Literatur


- Bernhard Lang, Colleen McDannell: Der Himmel. Eine Kulturgeschichte des ewigen Lebens. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1990, ISBN 3-518-11586-3. - Eine Geschichte der menschlichen Vorstellungen über das Jenseits.
- Bô Yin Râ (Joseph Anton Schneiderfranken): Das Buch vom Jenseits. 7. Aufl. Kobersche Verlagsbuchhandlung, Bern 1990, ISBN 3-85767-099-1, ISBN 3-85767-077-0 Kategorie:Metaphysik Kategorie:Religion Kategorie:Religionsphilosophie

Medium (Person)

Medium bezeichnet ein Individuum, daß nach der Auffassung verschiedener religiös-mystischer Traditionen und verschiedener Spiritisten, die Fähigkeit besitzen soll, Nachrichten von nichtverkörperten Wesen, z.B. von Geistern und Verstorbenen wahrzunehmen oder solche Wesenheiten zu "channeln" (= sprechen, schreiben der Botschaft des Wesens durch die eigene Stimme bzw. den eigenen Körper). Die tatsächliche Existenz von "Medien" ist umstritten und wissenschaftlich nicht belegbar. Dies gilt auch für die Existenz von "Geistern und anderen körperlosen Wesen".

mediale Trance

Medien sollen sich während der Phasen ihrer außergewöhnlichen Wahrnehnumgen in einem veränderten Bewusstseinszustand befinden, der von einer leichten Trance bis zu völliger Bewusstlosigkeit reichen kann. Sie sollen in ihrer Sprechweise, Gestik und Mimik Eigenschaften des Geistwesens, mit dem sie Kontakt haben, annehmen. Nach dem Abklingen dieses Ergriffenseins sollen Medien keine Erinnerung an das Geschehene haben.

Kulturelle Verbreitung

Medien treten traditionell in zahlreichen Kulturen Eurasiens, Afrikas und auf den pazifischen Inseln auf, vornehmlich in Agrar- und Viehzüchtergesellschaften. Unter dem Einfluss des von dem französischen Schriftsteller Allan Kardec (1804-1869) begründeten Spiritismus treten Medien auch in Industriegesellschaften auf, wo sie bei Séancen besonders mit "Totengeistern" in Verbindung treten und den Zuhörern deren Botschaften übermitteln sollen.

Medien in der Kultur Tibets

Aus der tibetischen Bön-Religion und auch aus einigen Schulen des tibetischen tibetischen Buddhismus ist das Wirken von Medien bekannt. Eines der bekanntesten Medien Tibets, das Mönchsmedium der Gottheit Pekar, ist auch als Nechung-Orakel bekannt. Es soll die tibetische Regierung und den Dalai Lama seit ungefähr vier Jahrhunderten in wichtigen Zukunftsfragen beraten und ist auch heute noch als Medium der tibetischen Exilregierung im Dienst. Der als Medium dienende Mönch hat höchstes Ansehen innerhalb der buddhistischen Gelug-Schule, aufgrund sehr kräftezehrender Orakel-Trancen aber nur ein kurzes Leben.

Medien im Westen

Während viele Menschen der Meinung sind, dass angebliche Medien sich entweder selbst täuschen (z.B. Persönlichkeitsstörung) oder schlichtweg Scharlatane sind, besitzen populäre Medien viele Anhänger, die fest an deren behauptete Fähigkeiten glauben. Beispiele populärer Medien in der Jetzt-Zeit sind Sylvia Browne, John Edward, Paul Meek, James van Praagh.

Medien in Großbritannien

Traditionsbedingt ist insbesondere in England der Spiritualismus weit verbreitet. Allein in London gibt es mehrere hundert spiritualistische Kirchen, in denen Medien regelmäßig Vorträge halten und Botschaften aus dem Jenseits übermitteln. Diese unspektakulären Gottesdienste sind für jedermann frei zugänglich und kosten nichts. Spirituelle Medien in Großbritannien haben sich zur [http://www.snu.org.uk/ SNU] zusammengeschlossen. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland Menschen, die regelmäßig Medien aus England nach Deutschland holen und zum Teil [http://www.towol-aschau.de/cgi-bin/towol.exe/demoabend.html kostenlose Demo-Veranstaltungen] durchführen. Kategorie:Parawissenschaft Kategorie:Esoterik

Materialisation

Materialisation ist ein Begriff aus der Parapsychologie. Darunter versteht man das Erscheinen von menschlichen Gestalten durch Ektoplasma, das aus einem unter Trance stehendem Medium austreten soll. Es soll dabei auch nur die Form von Körperteilen, wie z.B. Hand oder Fuß annehmen, aber auch von vollständigen Materialisationen wurde berichtet. Durch die Materialisation soll der Geist in 'unserer Welt' Gestalt annehmen und für uns sichtbar gemacht werden.

Literatur

Albert Freiherr von Schrenck Notzing: Materialisationsphänomene, Erstausgabe 1913 (2. Auflage 1924) Kategorie:Parawissenschaft

Erlösung

Muss noch konfessionell aussortiert werden. ---- Erlösung ist die Befreiung von Bedrohungen und Übeln aller Art. Erlösen bedeutet "losmachen von einer unfreiwilligen Bindung". Der Begriff wird fast ausschließlich im religiösen Zusammenhang benutzt. Im älteren Sprachgebrauch entspricht das Wort dem modernen auslösen und impliziert eine bewirkende Leistung, ein "Lösegeld". Dahinter steckt das in der Antike jedermann vertraute Konzept des Freikaufens eines Sklaven von seinem Herrn, also des Kaufens und anschließenden Freilassens.

Religionswissenschaft

Religionswissenschaftlich versteht man unter Erlösung allgemein die umfassende und ganzheitliche Herausnahme des Menschen aus einem Zustand der Entfremdung, Bedrohung und Unfreiheit sowie das Hineingenommenwerden in einen Status des endgültigen Befreit- und Angenommenseins. Die Erlösung kann als Selbsterlösung konzipiert sein (z.B. durch Gnosis) oder als Tat eines anderen (Gottes, der Engel oder anderer Kräfte) interpretiert werden.

Erlösung im christlichen Verständnis

Im christlichen Verständnis ist der Mensch aufgrund der Erbsünde und der persönlichen Sünden sowie des leidvoll-bedrohten Zustandes der Welt angewiesen auf die Erlösung durch Gott. Diese wird bewirkt durch die Erlösungstat Jesu Christi, der am Kreuz das Versöhnungs- und Erlösungsopfer für die ganze Menschheit dargebracht hat. In Jesus Christus ist das Reich Gottes bereits angebrochen; seine Vollendung findet es, wenn Jesus als Herr und König wiederkommt, um über die Lebenden und die Toten zu richten. Von der objektiven Erlösung, die für alle Menschen gilt (siehe jedoch Calvinismus), ist die subjektive Erlösung zu unterscheiden: Diese verlangt die persönliche Annahme der Erlösungstat Jesu Christi durch Glaube und Taufe in der Zugehörigkeit zur Kirche Christi. Im Christentum sind Buße, Umkehr und die Annahme der Erlösung durch Jesus Christus die Voraussetzung in das Paradies einzukehren, da die Menschen mit der Erbsünde behaftet sind. Gewissermaßen befreit sich der Mensch mit der leiblichen Auferstehung und dem Gelangen ins Paradies -- was jedoch nicht unbedingt gleichgesetzt werden kann -- von allen auf Erden erworbenen Sünden (Gegs.: Erbsünde). Nach einer verbreiteten Volksvorstellung, die so aber von keiner der drei großen Konfessionen gelehrt wird, wird damit ein Leben nach (streng?) religiösen Gesetzen bzw. Geboten belohnt. Andere Strömungen des Christentums interpretieren den Paradiesbegriff anders. Für sie ist das Paradies schon durch den Glauben an Jesus sicher, alle Sünden sind vergeben. Ethisches Verhalten auf Erden ist gemäß dem Vorbild von Jesu Leben geboten, nicht um Belohnung zu erhalten. Manche liberale Christen gehen noch weiter und gestehen auch Andersgläubigen das Leben im Paradies zu, wenn sie den Willen Gottes tun und Barmherzigkeit üben. Allem steht jedoch das Konzept der Erbsünde gegenüber, das bedeutet, dass es aus Sicht des Christentums nur eine Wahl für Menschen gebe, in das Paradies, wieder in die Nähe Gottes, zu gelangen: der Glaube an Jesus als den Messias (Christus) und sein Selbstopfer am Kreuz, zur Vergebung der Sünden, und seine leibliche Auferstehung an Ostern (wörtlich genommen: er sitzt zur rechten Gottes).

Siehe auch


- Portal:Bibel
- Portal:Religion

Weblinks


- [http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/encyclicals/documents/hf_jp-ii_enc_04031979_redemptor-hominis_ge.html Enzyklika "Redemptor hominis" über Jesus Christus, den Erlöser der Menschen], von Papst Johannes Paul II.
- [http://www.theologie-systematisch.de/christologie/13erloesung.htm Aktuelle Literatur zur Erlösung durch Jesus Christus]
- [http://www.karl-leisner-jugend.de/Erlösung.htm Erlösung aus Sicht der katholischen Kirche] Eine Katechese der Karl-Leisner-Jugend Kategorie:Religion

Naturwissenschaften

Naturwissenschaften sind Wissenschaften, die sich mit der unbelebten und belebten Natur befassen, diese zu beschreiben und zu erklären versuchen. Die traditionellen Gebiete der Naturwissenschaften – Physik, Chemie und Biologie – prägen auch heute noch nachhaltig das verbreitete Bild der Naturwissenschaften. In der Gegenwart wird der Begriff Naturwissenschaften jedoch deutlich weiter gezogen. Ein Beispiel für eine Erweiterung ist die Astronomie, die sich von ihrer historischen Rolle als Astrologie zu einer modernen Naturwissenschaft entwickelt hat. Eine systematische Zusammenstellung der modernen Auffassung findet sich im Artikel Wissenschaft.

Einordnung als Wissenschaft

Die Naturwissenschaften stehen nach traditioneller Auffassung den Geisteswissenschaften gegenüber. Allerdings ist diese ausschließliche Zweiteilung der Wissenschaften in zwei große Kategorien heute weitgehend nicht mehr begriffliche Grundlage: Als prominentestes Beispiel für eine Wissenschaft, die weder als Natur- noch als Geisteswissenschaft einzuordnen ist, gilt die Mathematik, die den Strukturwissenschaften zugeordnet wird.

Entwicklung

Zu den Naturwissenschaften wurden historisch zunächst nur die Wissenschaften gezählt, die sich mit den materiellen Dingen der unbelebten Natur beschäftigen. Die Ansicht, was materiell (physisch) zu erklären sei, und was metaphysich, also jenseits der materiellen Phänome liegend und damit der materiellen Erklärung nicht zugänglich sei, unterliegt einem beständigen Wandel. Auch die Erweiterung auf neue Wissenschaftsgebiete gehört zu den Aspekten dieser Entwicklung. Ein zentrales Thema für die Naturwissenschaften war und ist die Frage nach der objektiven Erkenntnis, also einer Erkenntnis, deren Gültigkeit über das erkennende Subjekt hinausgeht und Allgemeingültigkeit erlangt.

Prinzipien der Naturwissenschaften

Heute definieren sich die Naturwissenschaften über ihre Methoden und den Wissenschaftsprozess. Es werden Hypothesen gebildet und systematische Experimente durchgeführt, um diese Hypothesen zu überprüfen. Die Hypothesen werden möglichst präzise formuliert, was in der Praxis heißt, dass die Hypothese als mathematisches Modell formuliert wird. "Mathematisches Modell" darf hierbei nicht zu eng verstanden werden, denn neben der klassischen Differentialgleichung, können solche Modelle statistische Natur haben und entsprechend formuliert werden, oder es kann sich um Abläufe handeln, die als Graphen dargestellt werden. Die Hypothese (= Modell) muss kausal und nachprüfbar sein. Die Hypothese sollte bekannte Phänomene erklären und, idealer Weise, neue Phänomene vorhersagen oder mehr Phänomene erklären als die bekannten Modelle. Ist die Hypothese erfolgreich ("sie bewährt sich") wird ihr im Laufe der Zeit immer mehr Vertrauen entgegengebracht. Bewährte Hypothesen werden oft auch als Theorie bezeichnet. Theorien, die lange Zeit und in verschiedenen Gebieten ihre Tests immer wieder bestanden haben, werden auch Naturgesetz genannt. Häufig haben sogenannte Naturgesetze aber weitere Attribute, die wissenschaftstheoretisch nur schwierig exakt zu fassen sind. Zu diesen gehören Einfachheit, großer Geltungsbereich, elegante mathematische Formulierung und hoher Erklärungswert. Erklärungswert heißt, dass die Theorie möglichst wenig freie Parameter enthält, die erst durch Messungen und Experimente bestimmt werden müssen. Als Beispiele für weithin anerkannte Naturgesetze können der Energieerhaltungssatz und die Relativitätstheorie angeführt werden. Dagegen würde man das eigentlich sehr erfolgreiche Standardmodell der Elementarteilchenphysik noch nicht als "Naturgesetz" bezeichnen, denn es mangelt ihm an Erklärungswert, da es mindestens 19 freie Parameter hat, die durch Messung und Experiment bestimmt werden müssen. Der naturwissenschaftliche Prozess benötigt zu seiner Funktion weitere Spielregeln. Dazu gehören Veröffentlichung in etablierten wissenschaftlichen Zeitschriften, Respekt vor dem Wissenschaftler ohne Vorurteile, genaue Dokumentation der Versuchs- und Messbedingungen, sorgfältige Fehleranalyse und Freiheit der Information. Angesehene wissenschaftliche Zeitschriften unterhalten kompetente Stäbe von Gutachtern, die dafür sorgen, dass die Veröffentlichungen bestimmte Qualitätsmerkmale erfüllen (Neuigkeit, Fehlerfreiheit, Sorgfalt, korrekte und vollständige Zitate etc.). Die Gutachter sind selbst aktive Wissenschaftler, was eine selbstregulierende Fairness garantiert. Dieser Teilprozess heißt "Peer Review".

Die drei klassischen Naturwissenschaften Physik – Chemie – Biologie


- Physik: Die Physik (griechisch φυσική, physike „die Natürliche“) ist die am meisten grundlegende der Naturwissenschaften. Sie beschreibt elementare Gebiete der Natur und deren Zusammenhänge, zum Beispiel Kräfte und die Bewegung von Körpern, aber auch komplexe Zusammenhänge wie die Dynamik von Raum und Zeit oder den Atombau.
- Chemie: Die Chemie (von arabisch al-kimiya', dieses von griechisch χημεία, chemeia) ist die Lehre von den Elementen. Sie beschreibt deren Eigenschaften, Verhalten und ihre Veränderung. Zu einer tiefergehenden Erklärung dieser Vorgänge greift sie auf die Physik zurück.
- Biologie: Die Biologie (griech. βίος, bíos Leben und λόγος, lógos Lehre) befasst sich mit lebenden Organismen, angefangen bei den kleinsten Organismen wie Bakterien bis hin zum Menschen. Sie baut dabei einerseits auf Erkenntnisse der Chemie auf und beschreibt und erklärt die stofflichen Vorgänge in lebenden Organismen. Andererseits formuliert sie übergreifende Gesetze über die Entwicklung, die Lebensweise und Fortpflanzung und andere Vorgänge und Erscheinungen.

Heutige Auffassung, exakte Wissenschaften, Science

Der oben beschriebene Prozess wird auch in anderen Wissenschaftsgebieten angewendet, die nicht zu den klassischen Naturwissenschaften zählen oder zu den Naturwissenschaften aus der erweiterten Aufstellung im Artikel Wissenschaft zählen. Diese erhalten im angelsächsischen üblicherweise den Zusatz "Science". Eine Eins-zu-Eins-Übersetzung ins Deutsche ist nicht möglich, nahe kommt vielleicht der Begriff der "Exakten Wissenschaft". Als Beispiel sei "Cognitive Science" genannt, ein Teilgebiet der Psychologie, welches mit naturwissenschaftlichen Methoden arbeitet.

Anmerkungen

Der Zugang zur Information ist heute leichter, aber auch erheblich unübersichtlicher als zu früheren Zeiten. Insbesondere das Internet hat hier zu einem enormen Informationsschub geführt. Freiheit und leichter Zugang zu Information können schnell zu Verwirrung und Desinformation führen. Das Verständnis des naturwissenschaftlichen Prozesses gibt hier eine Hilfestellung, der eine Wertung der präsentierten Information ermöglicht. Sind Erfordernisse des beschriebenen Prozesses verletzt, darf man der präsentierten Information nicht die Qualität einer naturwissenschaftlichen Tatsache oder Theorie zumessen. Um Missverständnissen gleich vorzubeugen, sei gesagt, dass es natürlich viele wertvolle und nützliche Informationen gibt, die nicht naturwissenschaftlich begründet sind. Kritiker des naturwissenschaftlichen Prozesses führen häufig die Machtstrukturen und Interessenkonflikte im realen Leben an, die wesentlichen Einfluss auf den Gang der Wissenschaft nehmen. Die sachfremden Einflüsse führen zu Umwegen und Verzögerungen, die zusammen mit dem sprunghaften und unberechenbaren (kreativen) Prozess der Hypothesenfindung zu einer starken chaotischen Komponente in der Weiterentwicklung des Wissens führen. Dies führt Kuhn zu seiner These eines sprunghaften Fortgangs des Erkenntnisgewinns. Ein solcher Sprung ist jeweils mit einem Paradigmenwechsel verbunden, der die Interpretation großer Teile der Naturwissenschaft verändert.

Zitate

"Der Beginn aller Wissenschaften ist das Erstaunen, dass die Dinge sind, wie sie sind." Aristoteles "Das Ziel der Wissenschaft ist es immer gewesen, die Komplexität der Welt auf simple Regeln zu reduzieren." Benoit Mandelbrot "Die naturwissenschaftliche Frage ist die logische Hypothese, welche von einem bekannten Gesetz durch Analogie und Induction weiterschreitet; die Antwort darauf gibt das Experiment, welches in der Frage selbst vorgeschrieben liegt. ... Die Naturforschung setzt also Kenntnis der Thatsachen, logisches Denken und Material voraus; diese drei, in methodischer Verknüpfung, erzeugen die Naturwissenschaft". Rudolf Virchow "Jeder Fortschritt, den eine Kirche in dem Aufbau ihrer Dogmen macht, führt zu einer ... Bändigung des freien Geistes; jedes neue Dogma ... verengt den Kreis des freien Denkens ... Die Naturwissenschaft umgekehrt befreit mit jedem Schritte ihrer Entwickelung ... Sie gestattet ... dem Einzelnen in vollem Maße wahr zu sein". Rudolf Virchow

Literatur

Monographien:
- Karl Popper: Logik der Forschung, Mohr Siebeck, 2005, ISBN 316148410X
- Karl Popper: Objektive Erkenntnis, Hoffmann und Campe 1998, ISBN 3455103065
- Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Suhrkamp, Frankfurt/M. 2003, (stw; Bd. 25) ISBN 3-518-27625-5 :Kuhns Thema ist der Prozess, in dem wissenschaftliche Erkenntnisse erzielt werden. Fortschritt in der Wissenschaft - das ist seine These - vollzieht sich nicht durch kontinuierliche Veränderung, sondern durch revolutionäre Prozesse. Dabei beschreibt der Begriff der wissenschaftlichen Revolution den Vorgang, bei dem bestehende Erklärungsmodelle, an denen und mit denen die wissenschaftliche Welt bis dahin gearbeitet hat, abgelöst und durch andere ersetzt werden: es findet ein Paradigmenwechsel statt.
- Wolfgang Kullmann: Aristoteles und die moderne Wissenschaft, Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-06620-9
- Peter Mittelstädt u.a. (Hrsg.): Was sind und warum gelten Naturgesetze?, Klostermann, Frankfurt/M. 2000, (Philosophia naturalis; Bd. 37,2) ISBN 3-465-03118-0
- Gregor Markl: Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften - Verbündete, nicht Kontrahenten, in: Florian Keisinger u.a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Campus Verl., Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-593-37336-X
- Erwin Schrödinger: Was ist ein Naturgesetz? Beiträge zum naturwissenschaftlichen Weltbild, Oldenbourg, München 1997, ISBN 3-486-46275-X (Scientia Nova) Zeitschriften:
- Philosophia naturalis. Archiv für Naturphilosophie und die philosophischen Grenzgebiete der exakten Wissenschaften und Wissenschaftsgeschichte, Klostermann, Frankfurt/M. 1. (1950/52) ff.

Siehe auch

In den Wikibooks gibt es ein Buch zum naturwissenschaftlichen Weltbild:
- Wissenschaft
- Wissenschaftssoziologie
- Natur
- Experiment
- Sozialwissenschaften

Weblinks


- [http://www.wissen-news.de Naturwissenschaft-Newsblog (dt.)]
- [http://www.wissenschaft24.info/themen.php4 Naturwissenschafts-Newsticker (dt.)]
- [http://www.lsw.uni-heidelberg.de/users/amueller/wissen.html Private Website zur wissenschaftlichen Methode]
- [http://www.physik-lexikon.de Physikforum] Kategorie:Wissenschaftstheorie ja:自然科学 ko:자연과학 th:วิทยาศาสตร์ธรรมชาติ

Einbildung

Die Einbildung bezeichnet eine auf die Verwendung und Umgestaltung vorhandener Wahrnehmungen und Erfahrung beruhende psychische Tätigkeit des Menschen, die neue Vorstellungen, Bilder und Gedanken-Kombinationen schafft. Gestützt auf Bilder des Gedächtnisses, auf früher eingeprägte wahrgenommene Objekte, Erscheinungen und Ereignisse und auch auf im Prozess der sinnlichen Erfahrung neu erhaltene Wahrnehmungen, schafft der Mensch ein ideales Bild, in dem die objektive Wirklichkeit in einer gewünschten Form vorliegt. Der Erfolg einer Einbildung hängt vom Grad der Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung des interessierenden Objektes ab. Ferner vom Vermögen, die Entwicklungsrichtung dieses Objektes zu fassen und davon, wie klar das Ziel der Untersuchung erkannt ist, denn bekanntlich ist die richtige Formulierung einer Aufgabe bereits der erste Schritt zu einer gewollten Lösung. Diese Fähigkeit wird durch die Bedürfnisse der Tätigkeit des Menschen hervorgerufen, da jeder Prozess der Tätigkeit mit einer ideellen Vorstellung vom Ziel der Tätigkeit beginnt. Da die Einbildung eine Verarbeitung früherer Wahrnehmungen ist, eine Abstraktion oder ein Abweichen der Gedanken von bereits vorhandenen Bildern, umfasst sie die Möglichkeit, ein entstelltes Bild zu schaffen. Zu diesem Bereich niedergelegter Bilder und Vorstellungen können auch religiöse Mythen, Märchen und Legenden zählen. Im eher technischen Sinn kann Einbildung auf falscher Interpretation des Sinneseindrucks beruhen. Bekannte Phänomene sind z.B.
- eine optische Täuschung durch Fehldeutung der Perspektive, - Schwindelgefühl oder falsche Beurteilung der Raumlage durch Widersprüche zwischen Gesichts- und Gleichgewichtssinn. Siehe auch:
- Bild, Einbildungskraft, Phantasie, Vorstellung, Weltbild
- Deutung, Sinneswahrnehmung, Umdeutung Kategorie: Psychologie

Sinne

Projekt zur Überarbeitung des Themengebiets Wahrnehmung gestartet. Siehe Wikipedia:WikiProjekt Wahrnehmung.
Mit den Sinnen bezeichnet man üblicherweise die schon von Aristoteles erkannten fünf Sinneskanäle des Menschen, also Gehörsinn, Geruchssinn, Geschmackssinn, Gesichtssinn, und Tastsinn. Die moderne Physiologie kennt für den Menschen noch vier weitere Sinne, die