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Gestade

Gestade

]] Dies ist die Beschreibung von Ufer als eine bestimmte Art von Landfläche: Als Ufer wird der Streifen Land zwischen einem stehenden oder fließenden Gewässer (Seen und Flüsse) und dem eigentlichen Festland bezeichnet. Blickt man von der Quelle zur Mündung, dann kann man das rechte und linke Ufer als orografisch rechtes oder linkes Ufer eindeutig festlegen. Es gibt unterschiedliche Erscheinungsformen für ein Ufer:
- einen Strand aus Sand oder Kies
- eine Böschung (ein mehr oder weniger steiles, meist bewachsenes Ufer)
- eine Wiese oder Salzwiese
- eine Uferwand aus Stahl (Spundwand), Beton oder Holz bei Kanälen, Häfen oder Anlegestellen Siehe auch: Küste Redensarten, in denen das Wort Ufer vorkommt:
- "Auf zu neuen Ufern!" ist eine redensartliche Aufforderung, im übertragenen Sinn ein neues Ziel anzusteuern - im Privatleben, im Beruf, in der Wirtschaft, der Forschung oder auch der Politik.
- "Vom anderen Ufer sein" ist eine redensartliche Umschreibung für Homosexualität, vgl. "Von der anderen Fakultät sein" oder "Anders herum (gestrickt) sein". Weitere Begriffe in Verbindung mit Ufer:
- Das Hohe Ufer ist eine Straße in Hannover
- Das Paul-Lincke-Ufer ist eine Straße in Berlin-Kreuzberg
- Das Tonhallen-Ufer ist eine Straße in Düsseldorf
- Das Kaiser-Friedrich-Ufer ist eine Straße in Hamburg-Eimsbüttel
- Das Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer ist eine Schule daselbst
- Das Diakoniewerk Neues Ufer ist eine soziale Einrichtung in und bei Schwerin Folgende Personen tragen den Familiennamen Ufer:
- Steffen Ufer, Rechtsanwalt, Dozent und Buchautor in München

Weblinks


- http://www.neues-ufer.de
- [http://www.taz.de/pt/2002/05/28/a0191.nf/text.home Land unter am anderen Ufer]
- [http://www.duesseldorf.de/stadtpanoramen/panoramen/index15.shtml Virtueller Spaziergang entlang des Tonhallen-Ufers] Kategorie:Geographie

Landfläche

In der Geografie ist die Landfläche oder Landmasse ist derjenige Teil der Erdoberfläche, der sich über den Meeresspiegel erhebt und nicht von Wasser bedeckt ist. Kleinere und verstreute Landflächen innerhalb von Gewässern werden Inseln beziehungsweise früher auch Eilande genannt. Kontinentale Landmassen bezeichnet man als Festland, wobei dieses kleiner als die zugehörigen kontinentalen Lithosphärenplatten und somit auch der Kontinente ist, da zu diesen auch die Schelfgebiete gehören. Landflächen, die direkt an das Meer grenzen, heißen Küsten bzw. früher auch Gestade. Dazu steht im Gegensatz das Binnenland, eine nach allen Seiten weit von einem Meer entfernte Landfläche. Löst sich eine Landfläche und treibt auf dem Gewässer, so entsteht eine Schwimmende Insel. Landflächen reagieren im Gegensatz zu Wasserflächen sehr schnell und stark auf eine variierende Sonneneinstrahlung, weshalb sich diese auch beispielsweise über Nacht schneller abkühlen bzw. am Tag schneller erwärmen und somit im Tagesgang teils erhebliche Temperaturunterschiede aufweisen. Gleiches gilt jedoch auch für den Jahresgang im Verlauf der Jahreszeiten. Je größer die Landmasse dabei ist, desto deutlicher zeigt sich dieser Effekt, welcher daher auch typisch für ein kontinentales Klima ist. Siehe auch: Land, Kontinent, Erde Kategorie:Geomorphologie

See (Gewässer)

] Ein See (nicht zu verwechseln mit Binnensee) ist ein Stillgewässer mit oder ohne Zu- und Abfluss durch Fließgewässer, das vollständig von einer Landfläche umgeben ist. Er stellt ein weitgehend geschlossenes Ökosystem dar - siehe: Ökosystem See.

Definition

Ein See ist ein Binnengewässer, das eine (größere) Ansammlung von Wasser in einer Bodenvertiefung einer Landfläche darstellt und im Gegensatz zum Binnensee auf der 0-Meter-Höhenlinie keine direkte Verbindung zum Weltmeer hat. Damit weist er keinen durch Meeresströmungen bedingten Zu- und/oder Abfluss auf. Allerdings kann ein über NN liegender See insbesondere in niederschlagsreichen Regionen über einen Bach, Fluss bzw. Strom - also ein Fließgewässer bzw. Gewässersystem mit Gefälle - mit dem Weltmeer verbunden sein. Zu- und Abfluss-Menge sind in der Regel gegenüber der Gesamtwassermenge eines Sees gering. Im Gegensatz zu einem Fließgewässer weist ein See kein Gefälle auf. Ein See im Sinn der limnologischen Definition ist in der Regel wesentlich tiefer als ein Teich, Tümpel oder Weiher, so dass sich eine über Tage bis Monate stabile Temperaturschichtung ausbilden kann. Die Frequenz ihrer Durchmischung wird zu einer Einteilung der Seen benutzt, da sie auch weitreichende ökologische Folgen hat (siehe Ökosystem See). Deshalb gelten auch Flachseen wie der Neusiedler See oder der Plattensee nicht als "echte" Seen. Allerdings ist die genaue Abgrenzung zwischen Seen und Tümpeln/Weihern etc. unscharf und immer subjektiv. Deshalb sehen einige Limnologen (Seenkundler) jede mit Wasser gefüllte Senke als See an. Es ist dabei unerheblich, ob ein See ständig, periodisch oder nur episodisch mit Wasser gefüllt ist. Ein See enthält meistens Süßwasser, es gibt aber auch große salzhaltige Seen, wie z.B. das Kaspische Meer, den Aralsee und das Tote Meer oder sodahaltige Seen wie die des Great Rift Valley in Afrika oder einige der "Lacken" um den Neusiedler See.

Seearten

Limnologisch unterscheidet man folgende Seearten:
- Auf natürliche Weise entstandene Gewässer dieser Art bezeichnet man als See.
- Künstliche angelegte Gewässer bezeichnet man - je nach der Art ihrer Anlage - als Baggersee oder Stausee. Natürlich entstandene Seen kann man nach der Art ihrer Entstehung weiter untergliedern:
- Glazialseen entstanden durch die abtragende bzw. aufschüttende Wirkung von Gletschern bzw. von Gletscherschmelzwasser. Das ist weltweit der häufigste Seentyp (z.B. die Großen Seen in Nordamerika oder die Seen in Norddeutschland).
- Tektonische Seen entstanden durch Bewegungen der Erdkruste; oft innerhalb von Grabenbrüchen. Es gibt relativ wenige, meist aber große Seen wie z.B. der Baikalsee. Zu den tektonischen Seen zählen auch die meisten abflusslosen Endseen in Trockengebieten, da sie für gewöhnlich innerhalb von Senkungsgebieten liegen.
- Adämmungsseen entstehen durch Bergstürze im Gebirge bzw. an Küsten durch Abschnürung von Meeresbuchten.
- Karstseen entstehen durch Karbonat- und Salzlösung (Subrosion) im Untergrund und Nachsacken der Erdoberfläche wie z.B. der Arendsee und der Süße See in Sachsen-Anhalt.
- Seen, die durch vulkanische Aktivitäten entstanden sind. Beispiele in Deutschland sind die Maare in der Eifel, inklusive Laacher See.
- Seen innerhalb von Meteoritenkratern wie z.B. der Elgygytgyn.
- Altwasserseen entstehen durch natürliche Verlagerung von Flussläufen. Das alte Flussbett bleibt dann als langgestreckter See zurück (z.B. Kamernscher See bei Havelberg).
- Thermokarstseen entstehen in Gebieten mit Dauerfrostboden, z.B. in Alaska oder Nordsibirien.
- Seen mit einer komplexen Entstehungsgeschichte. So liegt der Vätternsee in Schweden z.B. innerhalb eines Grabenbruches, das Becken wurde aber vor allem von Gletschern ausgeschürft.

Nutzung

Natürliche und künstlich angelegte Seen bieten neben ihrer Bedeutung für die Natur auch einige Nutzungsmöglichkeiten für den Menschen. Viele Seen werden wegen ihres Fischreichtums zum Angeln genutzt. Daneben können Seen auch als Badesee für Freizeit- und Erholungszwecke (Schwimmen, Baden, Sonnenbaden) genutzt werden. Größere Seen bieten weitere Nutzungsmöglichkeiten, zum Beispiel zum Wasserskifahren, Windsurfen und Segeln, und werden zum Teil auch in der Binnenschifffahrt genutzt.

Die Seen der Erde

Binnenschifffahrt

Flächenmäßig größte Stillgewässer

See

Binnenschifffahrt]

Stausee

Hier befindet sich eine Liste der größten Stauseen der Erde.

Höchstgelegener See

Der Tilicho Lake im Annapurna-Gebirge (Nepal) liegt 4.920 m hoch.

Tiefste Seen

Tiefstgelegener See

Das Tote Meer liegt rund 400 m unter dem Meeresspiegel (unter NN).

Siehe auch


- Binnensee
- Eutrophierung
- Gewässer
  - Fließgewässer
  - Stillgewässer
- Hypsografische Kurve
- Liste der Seen
- Ökosystem See
- Stausee
- Trinkwasser
- Wasser Kategorie:Limnologie Kategorie:Physische Geographie Kategorie:Ökosystem Kategorie:Biotop ja:湖 ko:호수 simple:Lake

Fluss (Gewässer)

Ein Fluss (althochdeutsch.: fluz zu fliozan «fließen») ist ein größerer natürlicher Wasserlauf, ein Fließgewässer. Im Alpenraum werden Flüsse oft auch als Achen (zu althochdeutsch aha [st. f.], «Fluss») bezeichnet. __TOC__ Ein Fluss wird aus Niederschlägen gespeist und entwickelt sich aus dem Zufluss mehrerer Bäche oder anderer Flüsse. Ein Fluss hat mindestens zwei Ufer. Die meisten Flüsse haben eine Quelle und eine Mündung. An flachen Wasserscheiden können Gabelungen, so genannte Bifurkationen gebildet werden. Große Flüsse, die nicht Nebenfluss eines größeren Flusses sind, sondern im offenen Meer münden, werden auch als Strom bezeichnet. Sie bilden als Mündung entweder einen Ästuar oder ein Flussdelta. Manche Flüsse versickern auch in der Wüste oder in anderen porösen Gesteinsschichten. Andere gehen nach der Mündung unter dem Meer noch als Flussrinne (bekannteste Kongo-Rinne) weiter. Bisweilen bilden Flüsse Staatsgrenzen. Oftmals durchfließen Flüsse mehrere Staaten. Man unterscheidet hinsichtlich des zeitlichen Bestehens perennierende (beständige, ausdauernde), episodische (manchmal, in unregelmäßigen Abständen) und periodische (manchmal, in regelmäßigen Abständen) Flüsse. Stürzt ein Fluss über eine Felskante hinab, so bildet sich dabei ein Wasserfall oder eine Kaskade. Ein Fluss wird in vier Regionen aufgeteilt (siehe Flussregionen).

Flora, Fauna und menschliche Nutzung

Die meisten Flüsse führen Süßwasser und sind somit der Lebensraum einer besonderen Süßwasserflora und -fauna. Wirtschaftlich werden Flüsse vor allem für den Transport (siehe auch: Transportweg), zur Trinkwassergewinnung, zur Elektrizitätserzeugung in Laufkraftwerken und zur Kühlung von konventionellen und nuklearen Elektrizitätswerken genutzt. Oft werden sie als Abwasserkanal missbraucht.

Die 10 längsten Flüsse der Erde

# 7.250 km - Amazonas: Apurimac-Ene-Tambo-Ucayali-Amazonas - (Südamerika). Länge seit Bestätigung des Río Apurímac als Quellfluss (2001). # 6.671 km - Nil: Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Kagera-Weißer Nil-Nil - (Afrika) # 6.300 km - Cháng Jiāng - (Asien) # 6.051 km - Mississippi-Missouri - (Nordamerika) # 5.940 km - Jenissei-Angara-Selenga-Ider - (Asien) # 5.410 km - Ob-Irtysch - (Asien) # 5.052 km - Amur-Argun-Kerulen - (Asien). Der Amur-Argun-Kerulen entsteht nur in niederschlagsreichen Jahren. # 4.845 km - Huáng Hé (Gelber Fluss) - (Asien) # 4.500 km - Mekong - (Asien) # 4.374 km - Kongo - (Afrika) Weitere "Längste Flüsse" siehe: Die längsten Flüsse der Erde

Die 10 längsten Flüsse, die durch Deutschland fließen

# 2.852 km - Donau # 1.320 km - Rhein # 1.165 km - Elbe # 866 km - Oder # 545 km - Mosel # 524 km - Main # 510 km - Inn # 433 km - Weser # 413 km - Saale # 343 km - Spree Weitere "Deutsche Flüsse" siehe: Liste der Flüsse in Deutschland

Die 5 längsten Flüsse, die durch die Schweiz fließen

# 1.320 km - Rhein (davon 375 km in der Schweiz) - mündet in die Nordsee # 812 km - Rhône (davon 264 km in der Schweiz) - mündet ins Mittelmeer # 510 km - Inn (davon 104 km in der Schweiz) - mündet in die Donau # 291 km - Aare - mündet in den Rhein # 248 km - Ticino - mündet in den Po Weitere Schweizer Flüsse siehe: Liste der Flüsse in der Schweiz, :Kategorie:Fluss in der Schweiz

Orografie

Blickt man von der Quelle zur Mündung, dann kann man das rechte und linke Ufer als orografisch rechtes oder linkes Ufer eindeutig festlegen.

Siehe auch


- Die längsten Flüsse der Erde
- Flussbegradigung
- Hydrologie, Limnologie
- Liste der Flüsse (weltweit), Liste der Flüsse in Deutschland, Liste der Flüsse in der Schweiz, Liste europäischer Flüsse
- Wadi
- Flussordnungszahl
- Fluss des Jahres Kategorie:Hydrologie Kategorie:Limnologie Kategorie:Physische Geographie Kategorie:Geomorphologie Kategorie:Biotop Kategorie:Fluss ja:川 ko:강 ms:Sungai simple:River th:แม่น้ำ zh-min-nan:Hô

Orografie

Die Orografie ist ein Spezialgebiet verschiedener Geowissenschaften und beschäftigt sich mit Höhenstrukturen auf der natürlichen Erdoberfläche. Hauptthema ist der Verlauf und die Anordnung von Gebirgen und die Fließverhältnisse von Gewässern. Das zugehörige Adjektiv orografisch bezeichnet Erscheinungen, Eigenschaften und Zusammenhänge, die von Hangneigungen und -Richtungen (Exposition) der Geländeoberfläche und ihren fließenden Gewässern geprägt werden. Der Name "Orografie" kommt vom griech. ορος "Berg" und γραφειν "(be)schreiben". In die Alltagssprache ist er vor allem durch die Uferbezeichnung von Flüssen eingegangen:

Die orografisch linke Seite

eines Fließgewässers ist jene Seite, die sich in Fließrichtung - also von der Quelle zur Mündung gesehen - links befindet. Die gegenüberliegende Seite heißt (orografisch) "rechts". Auch die Nebenflüsse eines Stromes werden in diesem Sinn benannt - also mit Blickrichtung zur Mündung. Zum Beispiel ist der Main ein "orografisch rechter" Nebenfluss des Rhein, und die Flüsse Inn und Theiss sind jeweils der wasserreichste "rechte" (Inn) und "linke" (Theiss) Nebenfluss der Donau. Im Rheintal werden die Städte danach unterschieden, ob sie rechts- bzw. linksrheinisch liegen. Gefördert wurde diese Sprachregelung durch die politische Gliederung und die nahe Grenze zu Frankreich.

Fachliche Analysen

Von Fachleuten werden orografische Methoden hauptsächlich bei geowissenschaftlichen Analysen von Gebirgsketten und von Flusssystemen verwendet. So spricht man von "orographisch stark gegliedertem" Gebiet, wenn die Gebirgszüge relativ unregelmäßig oder die Täler tief eingeschnitten sind. "Orografisch regelmäßig" ist hingegen die Gliederung der meisten jungen Faltengebirge, und orografisch gleichförmig sind etwa die Hochflächen vieler geologisch alter Rumpfgebirge. Hingegen kann ein Hügelland eine Mischform dieser Typisierungen sein. Als "orografisch kompakt" wird z.B. das Isergebirge beschrieben. Über langen Berghängen kann man oft spezielle Wolkenbildungen beobachten. Sie werden meist durch die solare Thermik bzw. die Aufwinde "orografisch angeregt" - und im Drachen- oder Segelflug energetisch ausgenützt. Detailliert können solche Vorgänge durch Digitale Geländemodelle und Berechnung der Einstrahlung untersucht werden, wie etwa bei einem Projekt im Schwarzwald, siehe [http://www.imk.uni-karlsruhe.de/seite_836.php "Vertikator", Uni Karlsruhe] In der Geologie bzw. der Geophysik gibt es starke Zusammenhänge zwischen den orografischen Vorzugsrichtungen von Gebirgszügen bzw. Tälern, von geologischen Störungen und von der Ausrichtung der vorherrschenden Kluftsysteme in den Gesteinen.

Siehe auch


- Geografie, Geophysik, Geotechnik, Hydrologie, Wirtschaftsgeografie
- Fluss (Gewässer), Ufer, Exposition, Hangneigung, Erosion, Störungslinie, Topographie Kategorie:Geowissenschaft Kategorie:Physische Geographie Kategorie:Meteorologie

Strand

Ein Strand ist ein flacher Küstenstreifen aus Sand oder Geröll. Sand Sand] Sand Ein Strand aus grobkörnigen bis feinem Sand in unterschiedlichen Farben wird als Sandstrand bezeichnet. Meist sind die Strände bräunlich, weiße Sandstrände sind besonders gefragt. Daneben gibt es auch Strände aus schwarzem (auf Vulkan-Inseln) und (sehr selten) rosa Sand. Am Sandstrand findet das Leben der Sommerurlauber des Massentourismus statt. Sehr populär sind weiche weiße Sandstrände. Sie bieten vielfältige Möglichkeiten zur Entspannung und für Sport. Schwimmen, Sonnenbaden und Strandsport wie Beachvolleyball und Beachsoccer seien als Beispiel genannt. Das Barfußlaufen am Sandstrand fördert das Wohlbefinden und trägt dem Stressabbau bei. Eine der vielen Attraktionen, besonders für Kinder, ist der Bau von Sandburgen und anderer Konstrukte. Im deutschen Küstenort Timmendorfer Strand finden regelmäßig Wettmeisterschaften im Sandburgenbau statt. Im Unterschied zu Stränden aus Kies oder Geröll (Steinstrand) gelten Sandstrände als wichtiges Merkmal für Urlaubsorte und Ferienhotels. In Reisekatalogen werden als Qualitätskriterium meist die Länge und Breite, so wie die Entfernung zum Hotel angegeben. "Naturbelassener Strand" bedeutet zum Beispiel, dass dort der Sand nicht gesäubert wird. Der Sandstrand ist ein wichtiges Ansichtskarten- und Fotomotiv, besonders in der Werbung oft als Kulisse genutzt. Oft finden sich an Sandstränden auch Sanddünen. An der deutschen Nord- und Ostseeküste findet man die typischen Strandkörbe. Der Sandstrand an der Sylter Westküste ist mit fast 40 km der längste Strand an der deutschen Nordseeküste.

Formation von Stränden

Nordsee Strände liegen meist an einer Küste zum Meer oder bilden das Ufer eines Flusses und sind daher dem Einfluss der Wasserströmung unterworfen. So kann Sand oder Gestein an Strände angespült oder vom Land abgetragen werden. Strände, an denen Sand angespült wird, besitzen meist breite Sandbänke. Im Abbaubereich der Meeresströmung zeichnen sich Strände durch einen leichten Steigungs-Abfall zum Meer aus. An der deutschen Nordseeküste liegt der Sandstrand von Amrum im Anspülbereich. Er ist mit einer Breite von nahezu zwei Kilometern einer der breitesten Sandstrände Europas. Der Strand der Nachbarinsel Sylt wird abgebaut und weist jährlich einen beachtlichen Landverlust auf. Diesen Prozess begegent man durch Sandvorspülungen, indem Sand vom Meeresboden mit Baggerschiffen abgesaugt und an den Strand über Rohrleitungen zurückgespült wird. Auch viele Sandstrände am Mittelmeer leiden an Flächenschwund. Bedingt ist die Dezimierung zum einen dadurch, dass der Mensch - in der Absicht mehr Strandfläche zu schaffen -, die pflanzenbewachsene Dünenlandschaften zu vegetationslosem Flachstrand planiert und in Folge dessen Erosion eingesetzt hat. Die zweite Ursache für den Strandschwund ist die globale Erderwärmung, die den Meeresspiegel ansteigen lässt, was wiederum allmählich den Sandbestand abträgt. Ein Beispiel ist der "Schickeria-Strand" Macchiatonda beim toskanischen Capalbio, der vor 30 Jahren noch etwa 50 Meter breit war und heute - auf Grund der zwei angeführten Faktoren - auf magere 10 Meter Breite dezimiert ist.

Sicherheitshinweise

Wasserwellen brechen sich am Strand bei einer mittleren Wassertiefe, die ungefähr der Wellenhöhe entspricht. Die Wellen spülen Sand fort, so dass oft zwischen dem Bereich brechender Wellen und Ufer eine Rille ausgespült wird. Man muss vom Strand aus zunächst einen tieferen Bereich durchschreiten, um zu den Wellen zu gelangen. Das Wasser der Wellen, die auf dem Strand auflaufen, fließt meist nicht gleichmäßig ab. Es konzentriert sich in kleinen Bereichen und strömt von dort senkrecht vom Strand ins Meer. Bei hohem Wellengang ist es für Schwimmer schwierig, innerhalb einer solchen Zone an den Strand zu gelangen. In diesem Fall sollte man parallel zum Strand schwimmen, um es an anderen Stellen erneut zu versuchen.

Bekannte Sandstrände

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Kies

Der Begriff Kies (von mittelhochdeutsch kis = grobkörniger steiniger Sand) bezeichnet: #eine Ansammlung von in Flüssen und Bächen rundgeschliffenen kleinen Steinen, den Kieselsteinen. Größere Steine werden Gerölle genannt. Da Kies im Gegensatz zum Humus keine für Pflanzen nahrhaften Stoffe enthält und Wasser durch ihn hindurch gut abläuft, wird er nur spärlich bewachsen. Aufgrund der letzten Eigenschaft wird Kies häufig für die Drainage von feuchtem Untergrund verwendet. Die wichtigste wirtschaftliche Nutzung von Kies ist aber die in der Bauwirtschaft, z.B. als Füllmaterial für Dämme, auf denen Eisenbahnen oder Straßen verlaufen, oder als Rohstoff für die Herstellung von Beton. #in der Fachsprache schwefel- und arsenhaltiges hartes und schwer zu spaltendes Erz in hellen Farben mit starkem Metallglanz; z.B. Kupfer- und Schwefelkies #in der Umgangssprache Geld Geld Kies wird in Geologie und Geotechnik nach Größenklassen bzw. Korngrößen unterschieden und vor Verwendung im Bauwesen meist auch danach sortiert (Wasch- und Aufbereitungsanlagen von Schottergruben), wie es in dieser [http://berufenet.arbeitsamt.de/bnet2/A/B0910103aufgaben_t.html Beschreibung des Aufgabenbereichs eines Aufbereitungsmechanikers] beschrieben wird. Die Namen der Korngröße gehen nach halben Zehnerschritten: Fein- bis Grobkies, 2 mm - 6 mm - 2 cm - 63 mm - 20 cm, doch für Spezialzwecke erfolgt das Sieben auch genauer. Unter 2 mm spricht man von Sand verschiedener Feinheit. Die Förderung des Baustoffes Kies geschieht im Tagebau (Kiesgrube). Nach der Förderung verbleiben große Löcher im Erdreich, die gelegentlich mit Wasser geflutet werden und als künstliche Seen (Baggerseen) genutzt werden. siehe: Kiesgewinnung und -aufbereitung Kategorie:Geologie Kategorie:Bodenkunde Kategorie:Baustoff ja:礫

Wiese (Grünfläche)

Bei der Wiese handelt es sich im Gegensatz zur Weide um landwirtschaftliches Grünland, das nicht durch das Grasen von Tieren, sondern durch Mähen erhalten wird. Bei der regelmäßigen Mahd wird die Verbuschung und anschließende Waldentstehung verhindert. Wiesen sind wie die Weiden ein Lebensraum, der seit einigen Jahrtausenden durch den Menschen geschaffen und erhalten wird. Man spricht daher von einer Halbkulturformation. Natürlich würden Wiesen unter heutigen Verhältnissen in Mitteleuropa nicht mehr entstehen und erhalten bleiben. Sie weisen dennoch Ähnlichkeiten mit Steppen und Waldsteppen, zu alpine Matten und Rasen sowie zu Magerwiesen bzw. Trockenrasen auf, die im Volksmund manchmal auch als Wiesen bezeichnet werden, da sie vornehmlich aus krautigen Pflanzen wie Süßgräsern bestehen. Durch den Selektionsdruck der Mahd werden Pflanzen begünstigt, die mit dem häufigen Schnitt und der hohen Lichteinstrahlung gut zurecht kommen, unter anderem viele Gräser. Aufgrund der regelmäßigen Mahd werden ausdauernde Pflanzen (perennierend, Stauden) gegenüber einjährigen Kräutern bevorzugt. Sie überdauern die Winter und vermehren sich vegetativ. Ihre Samen sind in der Regel Lichtkeimer. Bestimmte Pflanzen, wie zum Beispiel die Disteln, fehlen den Wiesen gegenüber den Weiden, wo sie vom Vieh gemieden werden und nicht vom Schnitt beeinträchtigt werden. Eine Sonderformen ist die Streuobstwiese, die traditionelle Obstbauform, bei der verschiedene Obstbaumsorten in Hochstammform unregelmäßig ("gestreut") auf einer Wiese stehen.

Siehe auch:


- Salzwiese, Blumenwiese, Streuwiese Kategorie:Biotop Kategorie:Gras

Spundwand

Eine Spundwand ist ein Bauteil zur Sicherung eines Geländesprungs oder einer Baugrube oder eine Abdichtung z.B. gegen Wasser oder kontaminierte Böden. Eine Spundwand ist ein Profil, das in den Boden gerammt wird. Die Spundwand besteht aus einzelnen Bohlen (Spundbohlen), die miteinander durch ineinander greifende Schlösser verbunden sind, so dass eine längere Wand entsteht. Beim Rammen wird jede Bohle durch das Schloss der Nachbarbohle seitlich geführt und mit ihr verbunden. Es gibt speziell dafür konstruierte Baumaschinen, die Spundwände einrammen oder einrütteln oder wieder ziehen. Eine Spundwand ist meistens aus Stahl, kann in Ausnahmefällen aber auch aus Stahlbeton, Kunststoff oder Holz sein. Die Tragwirkung entspricht der eines Kragarms. Ab einer gewissen Tiefe kann eine zusätzliche Abstützung erforderlich werden. Dies kann durch innenliegende Steifen oder erdseitige Verankerungen geschehen. Wobei die Lösung mit Steifen bis zu einer bestimmten Baugrubengröße die kostengünstigere ist. Sonst kommt eine Lösung z.B. durch Injektionsanker zum Einsatz, die den Vorteil eines freien Arbeitsraumes bietet. Eine Spundwand aus Stahl ist nahezu wasserdicht. Man kann damit Baugruben so abdichten, dass man auch im drückenden Grundwasser bauen kann. Oft werden die Ufer von Kanälen mit Spundwänden befestigt. Sie werden allgemein oft im Wasserbau verwendet.

Weblinks


- [http://www.baumarkt.de/lexikon/Spundwand.htm Baulexikon Baumarkt.de]
- [http://www.bauwerk-verlag.de/baulexikon/index.shtml?SPUNDWAND.HTM Baulexikon online]
- [http://www.anker.de/new/oxid.php/sid/6c53c139eaf0b65756f8de7c731893b1/cl/alist/cnid/a9940b45613c6bfd0.92672355/ Spundwandverankerungen] [http://www.spundwand.de] Kategorie: Bauingenieurwesen

Küste

] Mit Küste bezeichnet man die Zone, die sich see- und landwärts entlang der Berührungslinie (Küstenlinie) von Land und Wasser eines Meeres oder Ozeans erstreckt. Der landwärtige Teil der Küste heißt Ufer, ist er flach, spricht man von einem Strand. Bei Flüssen und Seen wird die Kontaktzone von Wasser und Land als Ufer bezeichnet. Der Küstenverlauf ändert sich durch die Wirkung der Tide, globale (eustatische) Meeresspiegelschwankungen, Mündungsdeltas der Flüsse, durch die erosive Kraft der Meeresbrandung, der Gletscher und des Windes und nicht zuletzt durch tektonische Prozesse (Landhebung und -senkung). Man unterscheidet die Küstenform an hervorstechenden Merkmalen, wie zum Beispiel Flach- und Steilküste (je nach Querprofil), Hebungs- und Senkungsküsten (je nach Schwankung des Meeresspiegels), Längs- und Querküsten (je nach geologischer Struktur) oder glatte und gebuchtete Küsten (je nach Verlauf). Die Entstehung des jeweiligen Landschaftsraumes führt zu spezifischen Küstentypen, die sich aus den genannten Hauptgruppen ableiten lassen: Ausgleichsküsten, Boddenküsten, Schärenküsten und Fjordküsten. Die Küsten sind geologisch gesehen nur Momentaufnahmen. Durch die Schwankungen des Meeresspiegels sind sie ständig im Wandel. Küsten werden anthropogen beeinflusst durch Häfen, Seeverkehr sowie die wirtschaftliche Nutzung der Küsteregion für Fischfang und Fremdenverkehr. Die Küste lässt sich entsprechend ihrer Nutzung in eine küstenferne und in eine küstennahe Zone sowie das küstenferne Festland gliedern. Entfernt von der Küste im Schelf findet Bergbau, Ölförderung, Fischfang, Sandgewinnung, Entsorgung von Abwasser statt, an Korallenriffen wird Kalk abgebaut, Fischfang betrieben und Tourismus findet statt. Zudem wird die küstenferne Zone durch Bebauung zum Schutz der Küste verwendet. Die küstennahen Zonen, in denen Sand- oder Kiesstrände anzutreffen sind, werden zur Erholung, zum Sand- und Kiesabbau genutz, meist ist eine Infrastruktur für den Tourismus vorhanden, Strandsiedlugen und Küstenschutz. In Watt- und Marschgebieten sind Aquakulturen und Naturschutzgebiete zu finden. In den Dünen findet Erholung, Camping, Sport (Golfplätze) statt. Es sind Gebäude, Naturreservate, Manövergebiete und Anlagen zur Wassergewinnung vorhanden. Im küstenferneren Festland befinden sich Häfen, Industrieanlagen, Wohnsiedlungen, Tourismusgebiete, Agrarland. Folgende verschiedene Küstentypen werden unterschieden:
- aus Sand, siehe: Strand
- aus Felsen, siehe: Klippe, Felsenküste
- aus Wiesen und flachen Landschaften, siehe: Küstenebene

Küstenformen der Ostsee

Die Küstenformen der Ostsee sind ein Resultat eiszeitlicher Gletscherbewegungen und nach-eiszeitlicher Geländehebung im nördlichen und -absenkung im südlichen Bereich der Ostsee, die bis heute fortdauern. Des Weiteren werden die Küsten durch die Lage in der Westwindzone beeinflusst, wodurch von Westen her beständig Sedimente angeschwemmt werden. Folgende Erscheinungsformen werden unterschieden:

Fjordküste

Auch an der Ostsee finden sich Fjorde: Sie kommen vor allem an den Küsten des Kattegats, das heißt in Dänemark und Südwestschweden vor. Im Unterschied zu den norwegischen Fjorden sind sie weniger tief eingegraben, da die Eisdecke hier nicht so mächtig war.

Schärenküste

Die schwedische und finnische Küste in der zentralen, nördlichen und östlichen Ostsee ist fast ausschließlich eine Schärenküste; ab und zu findet man noch vereinzelte Fjorde (Fjord-Schären-Küste). Schären sind der Küste vorgelagerte, kleine und kleinste felsige Inseln, die durch den Abschleifeffekt der Gletscher eine charakteristische Kuppenform aufweisen. Da die Ostsee nur sehr geringe Gezeiten aufweist, sind sie über die letzten Jahrtausende praktisch unverändert geblieben. Das flach abfallende Gelände wurde beim Abschmelzen des Eispanzers überflutet und die Kuppen ragten fortan als Inseln heraus; durch die Geländehebung sind mit der Zeit weitere, vorgelagerte Schären entstanden.

Kliffküste

In einigen Fällen, zum Beispiel auf Gotland oder Bornholm, haben sich Kliffküsten gebildet. Diese ragen als Steilküsten schroff hervor und markieren Geländebrüche im geologischen Untergrund. Kliffkanten finden sich auch unterhalb des Meeresspiegels. Auch die Nordküste Estlands zum Finnischen Meerbusen hin ist durch solch eine Bruchlinie geprägt. Von West nach Ost rückt dieses Kliff immer näher an die aktuelle Küstenlinie heran und erreicht bei Sillamäe immerhin knapp 60 Meter.

Fördenküste

In Schleswig-Holstein, etwa von Flensburg bis Lübeck, ist der Küstenabschnitt durch Förden gekennzeichnet.Förden sind die Flensburger Förde, die Schlei, die Eckernförder Bucht und die Kieler Förde. Diese sind bei der Entstehung der Ostsee durch den Anstieg des Meeresspiegels "vollgelaufene" ehemalige Gletschertäler. Der Unterschied zu Fjorden besteht darin, dass die Gletscher sich nicht vom Land zur See bewegten, sondern umgekehrt der Eispanzer über der heutigen Ostsee Gletscher vorantrieb, die nach dem Abschmelzen eine Rinne übrig ließen, die sich mit Seewasser füllte.Die Schleswig-Holsteinischen Förden werden von den Landschaften Angeln, Schwansen und Dänischer Wohld getrennt. Zwischen der Kieler Förde und der ihr vorgelagerten Kieler Bucht einerseits und der Lübecker Bucht als Teil der Mecklenburger Bucht andererseits liegt die Probstei und die Halbinsel Wagrien mit der Insel Fehmarn. Der Hemmelsdorfer See bei Timmendorfer Strand ist ebenfalls eine alte Förde. Er ist wesentlich tiefer als die durch eine eiszeitliche Landbarriere abgeschnittene, davorliegende "Lübecker Bucht".

Boddenküste

Die vorpommersche Küste ist durch Boddenlandschaften geprägt. Bodden sind dadurch entstanden, dass vormalige Inseln durch stetige Zuführung von Material, hauptsächlich Sand, durch schmale Brücken miteinander verbunden worden sind. Die rückwärtigen Gewässer, die Bodden, sind dadurch größtenteils von der Ostsee abgetrennt worden und mit ihr nur noch durch Rinnen verbunden.

Ausgleichsküste

Diese Küstenform bestimmt die Küstenlinie Polens von Stettin bis kurz vor Danzig und die lettische Küste. Hier sind die typischen reich gegliederten glazialen Küstenformen durch die Anströmung und den Sedimenttransport von Westen her ausgeglichen worden, so dass der Verlauf fast gerade ist. Dies ist möglich geworden, weil die von der Nordsee hereinströmenden Wassermassen auf eine Küstenlinie treffen, die von Südwest nach Nordost verläuft und dadurch alles Transportmaterial anlagert.

Haffküste

Die Haff- oder Nehrungsküste ist im Küstenabschnitt zwischen Danzig und Klaipėda entstanden. Außerdem wird das Stettiner Haff ebenfalls hinzu gezählt. Haffs entstehen vor Flussmündungen als Brackwasserreservoire, die durch schmale Landzungen, die Nehrungen, von der übrigen Ostsee größtenteils abgetrennt wurden. Durch die ständige Zufuhr von Flusswasser schließen sich die Nehrungen nicht, sondern bleiben als langgestreckte Halbinseln bestehen, die eine Rinne zum Meer offen lassen. Bekannteste Haffe sind das Kurische und das Frische Haff. Eine (unvollständige) Nehrung bildet auch der Haken von Hela bei Zoppot.

Vergleiche


- Küstengewässer
- Riviera
- Ostseeküste
- Nordseeküste
- Elfenbeinküste Kategorie:Ökosystem Kategorie:Geographischer Begriff Kategorie:Geologie Kategorie:Ozeanologie ja:海岸

Redensart

Redensarten sind Verbindungen einiger Wörter in einem Satz, die nicht alleine stehen können und nur symbolisch gemeint sind. Im Gegensatz zu den Redewendungen besitzen sie keine feste Reihenfolge und bestehen meist aus nicht mehr als zwei bis drei Satzglieder (Subjekt, Prädikat und Objekt), dennoch überschneiden sich oft beide.

Beispiele

Redensart - - - Zusammenhang = = = Bedeutung
- Schwein haben - - - "Du hast vielleicht ein Schwein!" = = = Glück haben.
- Die Hand aufs Herz legen - - - "Hand aufs Herz!" = = = Ehrlich sein
- Etwas ausgefressen haben, "Hat er schon wieder etwas ausgefressen?" = Etwas Verbrochen haben
- Farbe bekennen - - - "Es ist an der Zeit, Farbe zu bekennen!" = = = Es ist an der Zeit, zu zeigen, auf welcher Seite man steht!

siehe auch


- Liste der Redensarten
- Sprichwort
- Gemeinplatz (abwertender Begriff für unnötige, nichtssagende Redensart)

Weblinks


- http://www.redensarten-index.de/
-


Beruf

Unter dem Beruf versteht man diejenige institutionalisierte Tätigkeit, die ein Mensch für (a) finanzielle oder (b) herkömmliche Gegenleistungen oder (c) im Dienste Dritter regelmäßig erbringt, bzw. für die er ausgebildet, erzogen oder berufen ist. Im Allgemeinen dient die Ausübung eines Berufes der Sicherung des Lebensunterhaltes. Die erwirtschafteten Geld-, Sach- oder Tauschleistungen dienen der Stillung der persönlichen Bedürfnisse oder denen der sozialen Gemeinschaft (z.B. der Familie), der der Ausübende angehört. Dazu gehören in erster Linie die Ernährung, die Bekleidung, der (häusliche) Schutz vor Gefahr und Krankheit und die Vorratsbildung. Darüber hinaus üben viele Menschen berufsähnliche Tätigkeiten, die nicht oder nur indirekt entlohnt werden (durch soziale Anerkennung oder persönliche Befriedigung). Ehrenämter, amateurhaft ausgeübte Tätigkeiten (z.B. Kunst oder Sport) und intensiv betriebene Hobbys bilden daher Schnittmengen zum "Beruf".

Sozialgeschichtliches

Die Fähigkeiten und Kenntnisse, die in einem Beruf benötigt werden, werden also durch Ausbildung, durch Praxis oder Selbststudium oder durch Zuschreibung (adscription) (etwa bei Erbfolge Bauer, zünftiger Handwerker, Reichs-Kämmerer] oder durch Gelöbnisse Beamte oder durch Weihe Priester) erworben. Die meisten Berufe sind das Ergebnis fortschreitender Differenzierung der Arbeit. Sie verfügen also über Jahrhunderte lange Traditionen, da viele von der Gesellschaft gewünschten Leistungen im Wesentlichen konstant sind. Daher rührt auch die soziale Erscheinung auffälliger Berufsvererbung. Zu den ältesten, frühgeschichtlichen Berufen gehören Schmiede, Zimmerleute, Heiler, Priester, Wandererzähler und -sänger oder auch Prostituierte. Seit dem Mittelalter fanden sich die Berufsgruppen in Zünften und Gilden zusammen, welche auch die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses übernahmen. Doch gliederten sich auch "Unehrliche" Berufe aus. In einigen Berufen wird auf die "Berufung" des/der Einzelnen von 'oben' oder von 'innen' besonderen Wert gelegt (zum Beispiel Pfarrer/in, Priester/in, aber auch Arzt/Ärztin, Lehrer/in, Apotheker/in, Richter/in). Diese Berufe sind eine so genannte Profession (siehe hierzu: Freier Beruf). In diesen ist die tatsächliche Arbeitszeit nicht geregelt, ihr Auftrag ist die Erfüllung der anfallenden Aufgaben (häufig territorial und/oder inhaltlich begrenzt) in eigener Zeit und Verantwortung. Der fortschreitende, mit der Industrialisierung einhergehende soziale und technische Wandel ließ neue Berufe entstehen und alte, zumeist handwerklicher Berufe aussterben. Mit der durchdringenden Verbreitung der Informationstechnologie in allen gesellschaftlichen Bereichen setzt sich dieser Trend fort. Zu unterscheiden ist der ausgeübte vom nicht ausgeübten Beruf.

Reglementierung der Berufsausübung

Heute wird die Berufsausbildung (Inhalte, Dauer) in den meisten europäischen Ländern staatlich festgelegt. Die staatliche Reglementierung der Berufswahl findet aber in Deutschland wie auch in den meisten anderen Ländern seine Grenzen in dem Grundrecht der Berufsfreiheit. Wer welchen Beruf ausüben darf, wurde und wird kulturell unterschiedlich gehandhabt. In Europa gilt prinzipiell das Recht der freien Berufsausübung, das jedoch einigen Einschränkungen unterliegt. So ist für die Ausübung bestimmter Berufe eine entsprechende Ausbildung erforderlich: Als Arzt oder Rechtsanwalt darf beispielsweise nur tätig sein, wer ein medizinisches bzw. juristisches Hochschulstudium erfolgreich abgeschlossen und entsprechende Praxiserfahrung (Referendariat) nachweisen kann. Ebenfalls unterliegt die Ausübung handwerklicher Berufe bestimmten Einschränkungen: So ist zur selbstständigen Ausübung eines Handwerks in Deutschland beispielsweise der Meister-Brief erforderlich. In anderen Ländern, beispielsweise den USA, kennt man diese Einschränkung nicht. Alle erfolgreich sozial heraus gebildeten Berufe entwickeln eine (mehr oder minder ausgeprägte) Berufsethik.

Gefahrgeneigte Berufe

Die britische Versicherung Churchill Insurance hat im Jahr 2004 eine Liste der zehn risikoreichsten Berufe veröffentlicht. Bei Ausübung seiner Tätigkeit verunglückt danach (in absteigender Reihe) tödlich am häufigsten, wer tätig ist als
- Fensterputzer
- Soldat
- Feuerwehrmann
- Hochseefischer
- Pilot
- Polizeibeamter
- Dachdecker
- Gerüstarbeiter
- Zirkusartist.

Siehe auch


- Arbeit (Tätigkeit), Berufsbezeichnung, Berufsberatung
- Berufsethik, Arbeitsethik
- Berufssoziologie, Arbeit (Soziologie)
- Profi, Freier Beruf, Unehrlicher Beruf, Verdienst, Zunft
- Liste von Berufen, Berufswissenschaft
- Sozialstruktur
- Ausbildungsinitiationsriten: Derbe Späße, die die Unerfahrenheit von Berufsanfängern ausnutzen.
- Berufsbeschreibung

Weblinks


- [http://www.berufsberatung.ch/dyn/1203.asp Ausbildungsberufe in der Schweiz]
- [http://www.bibb.de/ Bundesinstitut für Berufsbildung]
- [http://www.c6-magazin.de/monatsthema/2005/11-berufe-arbeit-ausbildung/ Dossier zum Thema Berufe] ! ! Kategorie:Berufsrecht Kategorie:Personalwesen ja:職業

Forschung

Als Forschung wird die systematische, oft auch die zufällige Suche nach neuen Erkenntnissen bezeichnet. Forschung wird in der Regel in wissenschaftlichen Disziplinen betrieben. Die Forschung trägt zur Erweiterung unseres Wissens bei und stützt sich dabei auf Altbekanntes oder versucht, die bisherigen Systeme, Regeln, Theorien zu widerlegen und ein neues Verständnis von den Phänomenen in unserer Umwelt zu erlangen. Ein bekanntes Beispiel ist die Relativitätstheorie von Einstein, die die bisherige Erklärung der Gravitation erweiterte. Die bisherige Erklärung F = m \cdot a beschreibt nur einen Extremfall in der speziellen Relativitätstheorie, nämlich wenn man Beschleunigungen weit unterhalb der Lichtgeschwindigkeit betrachtet. Ebenso hat schon die Newtonsche Gravitationslehre die bisherige Erklärung von Aristoteles, wonach alle Körper sich bewegen, weil sie durch jemanden angestoßen wurden, erweitert und nicht völlig widerlegt. Forschung wird im Allgemeinen unterschieden in:
- Grundlagenforschung ("reine" Forschung), die - ggf. vorgeblich - ohne einen bestimmten Zwang und Zweck forscht, meist nur an Universitäten, in Deutschland darüber hinaus insbesondere die gemeinnützige Forschungsorganisation Max-Planck-Gesellschaft e.V. (MPG) sowie die Institute der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF).
- Angewandte Forschung (auch Zweckforschung), die ein bestimmtes, oft technisches Problem lösen will. Sie hat häufig eine wirtschaftliche Anwendung im Auge und findet sowohl an Universitäten als auch in der freien Wirtschaft, in Deutschland darüber hinaus insbesondere an den Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft, statt. Im engeren Sinne werden hierbei noch Verfahrens- und Erzeugnisforschung getrennt betrachtet.

Siehe auch


- Liste der Fachgebiete, Wissenschaft, Wissenschaftler
- Forscher, Nachwuchsforscher, Forschungsfreiheit
- Wissenschaftssoziologie, Open Access
- Wissenschaftsforschung, Ressortforschung, Forschungsinstitute in Deutschland
- Objektivität der Forschung, Konjunkturforschung

Weblinks


- http://bdw.wissenschaft.de/ - Bild der Wissenschaft
- http://www.spektrum.de/ - Spektrum der Wissenschaft
- http://forschungsportal.net/ - Forschungsportal - Suchmaschine zu wissenschaftlichen Inhalten des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung
- http://www.produktionsforschung.de/ - Produktionsforschung
- http://www.sciencemag.org/ - Science Magazine (englisch) Kategorie:Wissenschaftspraxis ja:研究

Redensart

Redensarten sind Verbindungen einiger Wörter in einem Satz, die nicht alleine stehen können und nur symbolisch gemeint sind. Im Gegensatz zu den Redewendungen besitzen sie keine feste Reihenfolge und bestehen meist aus nicht mehr als zwei bis drei Satzglieder (Subjekt, Prädikat und Objekt), dennoch überschneiden sich oft beide.

Beispiele

Redensart - - - Zusammenhang = = = Bedeutung
- Schwein haben - - - "Du hast vielleicht ein Schwein!" = = = Glück haben.
- Die Hand aufs Herz legen - - - "Hand aufs Herz!" = = = Ehrlich sein
- Etwas ausgefressen haben, "Hat er schon wieder etwas ausgefressen?" = Etwas Verbrochen haben
- Farbe bekennen - - - "Es ist an der Zeit, Farbe zu bekennen!" = = = Es ist an der Zeit, zu zeigen, auf welcher Seite man steht!

siehe auch


- Liste der Redensarten
- Sprichwort
- Gemeinplatz (abwertender Begriff für unnötige, nichtssagende Redensart)

Weblinks


- http://www.redensarten-index.de/
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Homosexualität

Homosexualität (bzw. Homophilie) bezeichnet eine sexuelle Orientierung, bei der Liebe und sexuelles Begehren ausschließlich oder vorwiegend gegenüber Personen gleichen Geschlechts empfunden werden. Homosexuelle Frauen werden auch Lesben oder Lesbierinnen genannt, homosexuelle Männer auch Schwule. Schwul (ca. 490480 v. Chr.)]]

Zum Begriff Homosexualität

480 v. Chr. Der Begriff Homosexualität ist eine hybride Wortneubildung aus dem 19. Jahrhundert, geprägt von dem Schriftsteller Karl Maria Kertbeny aus griech. homo- = gleich, gleichartig + lat. sexus = das männliche und das weibliche Geschlecht.

Deutschsprachige Begriffe

Homosexuelle Männer werden im deutschsprachigen Raum auch als schwul (von schwül »drückend heiß« - in dieser Bedeutung seit dem 18. Jahrhundert schwül als Parallelbildung zu kühl - oder von Schwulität »Schwierigkeit, Bedrängnis, peinliche Lage«), Frauen als lesbisch (nach der griechischen Insel Lesbos, Heimat der Frauen liebenden Dichterin Sappho) bezeichnet. Ursprünglich abwertend gebraucht, wurde die Bezeichnung schwul später im Rahmen der Emanzipationsbewegung von der Schwulenszene selbst – auch als politischer Kampfbegriff – übernommen und damit die abwertende Bedeutung so weit zurückgedrängt, dass der Begriff heute sogar im Sprachgebrauch der Gesetzgebung auftaucht. In der Jugendsprache findet sich das Wort schwul dagegen immer noch beziehungsweise wieder als Schimpfwort, das als Synonym für langweilig, weichlich beziehungsweise enervierend benutzt wird. Synonym Weitere Begriffe reduzieren die Homosexualität, meist die der Männer, auf Sexualpraktiken. So gibt es Schimpfworte wie Hinterlader, Backenspalter, Rosettenkavalier, "Analpriester" , Nougatstecher, Darmstädter, Arschritter, Hecktriebler, Spinatstecher und Arschficker. Ein anderer Kreis von Begriffen bezieht sich auf das mitunter vorkommende feminine Verhalten bei Männern, z.B. Tunten und Schwuchteln. Bei maskuliner Prägung von Frauen sind es unter anderem die allseits bekannten Begriffe kesser Vater (mittlerweile veraltet, heute eher Butch), Kampflesbe und Amazone. Karl Heinrich Ulrichs prägte im 19. Jahrhundert als erster die Eigenbezeichnungen Urning und Urninde.

Englischsprachige Begriffe

Im englischsprachigen Raum hat die Lesben- und Schwulenbewegung dagegen das Wort Gay (vormals in der Bedeutung von fröhlich und bunt) als Selbstbezeichnung durchgesetzt, um sich von dem abwertenden Ausdruck Queer (»seltsam, komisch«) zu distanzieren. Zunehmend wird in der Community aber das Wort "Queer" als Selbstbezeichnung benutzt, weil "gay" oft als auf Männer allein bezogen verstanden wird, also nicht geschlechtergerecht ist. Ursprünglich eine geschlechtsneutrale Bezeichnung, hat sich der Begriff – ähnlich wie das deutsche Wort schwul – in den 70er Jahren auf Männer verengt, während sich gleichgeschlechtlich liebende Frauen im Zuge des lesbisch-feministischen Separatismus zunehmend als lesbians und dykes bezeichneten. Der Begriff Gay hat sich auch in anderen Sprachen wie dem Französischen (Gai) eingebürgert und findet als Lehnwort auch in Deutschland neuerdings wieder zunehmend Verwendung. Anfang der 90er Jahre kam es innerhalb radikalerer politischer Kreise zu einer Wiederaneignung des Wortes Queer als Überbegriff für Lesben und Schwule, was dann meist Transgender mit einschließt. Dieser Begriff hat die Wörter Gay und Lesbian jedoch nicht verdrängen, sondern nur partiell ersetzen können. Durch Queer Theory erfuhr er eine ähnliche Internationalisierung wie vordem der Begriff Gay. Chichi man oder Battyman sind Begriffe, die aus dem Jamaika-Kreolischen kommen.

Chinesischsprachige Begriffe / Homosexualität in China

Homosexualität in China In der Volksrepublik China hat die Sexualmedizin zunächst die Begriffe tongxing'ai ("Homoerotik") und tongxinglian ("Homosexualität") durchsetzen können. Es handelte sich um Lehnübersetzungen aus dem Japanischen, wo das entsprechende Wort douseiai kurz zuvor in Anlehnung an das Deutsche geprägt worden war. Traditionelle Ausdrücke wie fentao ("den Pfirsich teilen") und duanxiu ("den Ärmel abschneiden"), die anekdotisch auf Geschichten gleichgeschlechtlicher Liebe unter den chinesischen Kaisern anspielten, gingen in den urbanen Regionen aus der Sprache verloren. Als Verben hatten sie eine Beziehung oder einen Akt, aber keine Persönlichkeitseigenschaft bezeichnet. In den 90er Jahren ersetzten homosexuelle Aktivisten tongxinglian ausgehend von Hongkong und Taiwan zunehmend durch den Terminus tongzhi ("Genosse", "Kamerad"). Nicht nur, weil das Wort die Silbe tong ("gleich") enthielt, sondern auch weil es als Anspielung auf ein bekanntes Zitat von Sun Yat-sen verstanden werden konnte: "Die Revolution hat noch nicht gesiegt, Genossen, lasst uns zusammen kämpfen". Tongzhi ist bis heute zugleich die offizielle Anredeform innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas, was zu einer Reihe von Konflikten beim Import der neuen Bedeutung auf das Festland führte. In Taiwan hat sich während der zweiten Hälfte der 90er Jahre in intellektuellen Kreisen unterdessen auch der Terminus ku'er als lautmalerische Anlehnung an das englische queer verbreiten können. Genau wie in den USA stellt er aber lediglich eine Ergänzung zum dominierenden Begriff – in diesem Fall tongzhi – dar.

Fehlende Begriffe und andere Konzepte

Kommunistischen Partei Chinas Da es sich bei der Idee, gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität seien an einen bestimmten Personentypus gekoppelt oder auf diesen beschränkt, um eine moderne, westlich geprägte Vorstellung handelt, fehlen in fast allen Sprachen indigene Ausdrücke für homosexuelle Personen. So gibt es beispielsweise im Arabischen bis heute keinen feststehenden Begriff für Lesben und Schwule. Der religiöse Begriff luti (لوطي, abgeleitet von der biblischen Figur Lots) entspricht etwa dem christlichen Terminus Sodomit und bezeichnet jemanden, der die vom Islam verbotene Handlung des Analverkehrs praktiziert. Er wird jedoch nicht im westlichen Sinn als Name für eine identitär fixierte Minderheit gebraucht. In Ägypten werden Beteiligte der in den 90er Jahren entstandenen Homosexuellenszene von den Medien stattdessen als shadh (شاذ, wörtlich "anormal", "unregelmäßig" oder "unnatürlich"; auch shadh dschinsiyan شاذ جنسيا, "sexuell abnorm") bezeichnet und diffamiert. Es gibt jedoch auch wertfreie Begriffe, die sich vom arabischen Wort mithl مثل ("gleich") ableiten - mithli متلي für Schwule und mithliya مثلية für Lesben -, wobei مثلية auch "Homosexualität" an sich bedeutet. Diese Begriffe werden auch in der arabischen Wikipedia verwendet. In Ungarn setzt sich zurzeit das Fluchwort buzi als Selbstbenennung von Angehörigen der schwulen Szene durch, obwohl es an sich gar keine Bedeutung hat. Es wird überall dort gebraucht, wo man seinen Ärger darüber Luft machen möchte, dass etwas schief gelaufen ist. Aufgrund seiner spielerischen Konnotationen wird es analog zum englischen Begriff queer verwandt. In Simbabwe benutzt die 1990 gegründete Organisation GALZ (Gays and Lesbians of Zimbabwe) englische Termini, da die Differenz zwischen einem afrikanischen Konzept gleichgeschlechtlicher Beziehungen und einer westlichen Identität als Lesbe oder Schwuler von den damaligen Gründern, die mehrheitlich weiß und wenig politisiert waren, nicht verstanden wurde und die einzige Alternative in der Landessprache Shona der beleidigende Ausdruck ngochani gewesen wäre. Der Name blieb jedoch auch später erhalten, da internationale Menschenrechte auf der Basis einer sexuellen Identität leichter einzuklagen schienen. In der afroamerikanischen Bevölkerung der USA hat sich während der 90er Jahre in Abgrenzung von einer weißen Gay-Identität der Begriff Down-Low oder DL herausgebildet. Er leitet sich von der Wendung to be on the down low ("es nicht an die große Glocke hängen") ab. Um auch gleichgeschlechtlich liebende Männer ohne schwule Identität durch HIV-Präventionskampagnen zu erreichen, benutzen Aids-Organisation mittlerweile den neutralen Terminus "Men who have Sex with Men" (MSM). Diese kultur- und kontextsensitive Strategie hat sich mittlerweile auch auf internationalen Konferenzen durchgesetzt.

Zitat

Tatsächlich wirft die Bekanntschaft mit der Literatur der Antike ein äußerst verblüffendes Problem für den Geisteswissenschaftler auf, das den meisten Personen, die unvertraut mit den Klassikern sind, nicht in den Sinn käme: ob die Dichotomie, die durch die Termini »homosexuell« und »heterosexuell« unterstellt wird, überhaupt mit irgendeiner Realität korrespondiert. [...] Das Bewusstsein über Gründe der Unterscheidung folgt auf das Verlangen zu unterscheiden. Die Frage, wer »schwarz«, »farbig« oder »Mulatte« ist, beunruhigt nur Gesellschaften, die von rassistischen Vorurteilen beeinträchtigt sind [...]. In der antiken Welt kümmerten sich so wenige Menschen darum, ihre Zeitgenossen auf der Basis des Geschlechts zu kategorisieren, zu dem sie sich erotisch hingezogen fühlten, dass keine Dichotomie gebräuchlich war, um diese Unterscheidung auszudrücken. (John Boswell: Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality. Chicago; London 1980. S. 58 f.)

Homosexualität und Gesellschaft

Häufigkeit von Homosexualität

Hauptartikel: Prävalenz von Homosexualität Schätzungen über die Häufigkeit von Homosexualität variieren beträchtlich und werden durch unterschiedliche, voneinander abweichende Definitionen des Gegenstands kompliziert. Im Allgemeinen identifizieren Bevölkerungsumfragen zwischen einem und zehn Prozent der Bevölkerung als lesbisch oder schwul. Allerdings ist anzunehmen, dass Umfragen durch die soziale Stigmatisierung der Homosexualität und die damit einhergehende Tendenz zum Verschweigen eher nach unten als nach oben verfälscht sind. Der Kinsey-Report stufte 1948 zwischen 90 und 95 Prozent der Bevölkerung als "bis zu einem gewissen Grad bisexuell" ein. Die tatsächliche Häufigkeit von homosexuellem Verhalten hängt aber in hohem Maß von gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen ab. So gab in einer Studie zur Jugendsexualität, die 1970 vom Hamburger Institut für Sexualforschung durchgeführt wurde, beinahe jeder fünfte der befragten 16- und 17-jährigen Jungen an, gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben. Zwanzig Jahre später waren es dagegen nur noch zwei Prozent. Dass solche Studien jedoch nur geringen Aussagewert haben, zeigt eine repräsentative BRAVO-Umfrage aus Heft 14/97, die ergeben hat, dass 25 Prozent aller Jungs zwischen 14 und 17 schwule Erfahrungen gemacht haben. Zwei Prozent gaben an, sie seien schwul, 68 Prozent hätten nichts gegen Schwule.

Schattierungen zwischen homo und hetero

1970 Während in Teilen der europäischen Kultur Homosexualität erst in den letzten Jahrzehnten ihre Position als Tabuthema verloren hat und zugleich in manchen Ländern dieses Tabu noch immer sehr stark ist, ist die Frage nach Hetero- beziehungsweise Homosexualität in anderen Kulturen fast unbekannt. Dort wird weniger streng zwischen homo und hetero unterschieden, was der Charakteristik der menschlichen Sexualität eher gerecht werden dürfte als eine schroffe Polarisierung. Die heute unstrittige Tatsache, dass es verschiedene Grade zwischen Homo- und Heterosexualität gibt, hat man Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Begriff der Bisexualität zu fassen versucht. Viele Sexologen vertreten die Ansicht, dass fast jeder Mensch bisexuelle Anteile besitzt, die manchmal mehr, manchmal weniger stark ausgeprägt sind. Sigmund Freud sprach in diesem Zusammenhang von der "angeborenen Bisexualität" des Menschen, während er die ausschließliche Fixierung auf ein Geschlecht als Folge einer Einschränkung der Objektwahl betrachtete. Entsprechend habe die Psychoanalyse aufdecken können, dass alle so genannten Normalen neben ihrer manifesten Heterosexualität ein sehr erhebliches Ausmaß von latenter oder unbewusster Homosexualität erkennen ließen.

Coming-out

Hauptartikel: Coming-out Bei vielen Menschen, die sich eher zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, kommt es im Laufe ihres Lebens zum so genannten Coming-out. Mittlerweile wird das Coming-out in zwei Phasen beschrieben. Die erste Phase ist die Phase des "Sich-bewusst-Werdens" oder "Sich-Selbst-Eingestehen", stellt also die Erkenntnis oder aber auch die Entscheidung dar, dass man für die gleichgeschlechtliche Liebe offen ist. Sie wird auch als inneres Coming-out bezeichnet. Die zweite Phase bezeichnet das "Sich-Erklären", also den Schritt nach außen, das Coming-out bei Familie, Freunden und / oder Kollegen. Bei manchen geschieht dieser Prozess schon im Alter von 11 Jahren, andere sind sich erst mit 40 oder mehr Jahren über ihre sexuelle Orientierung im Klaren. Die meisten haben ihr Coming-out mittlerweile im Schulalter, also etwa zum Zeitpunkt der Pubertät. In diesem Alter trauen sich viele nicht, Hilfe von anderen zu erbitten, besonders dann, wenn sie bemerken, dass ihre Neigung gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. Selbst die eigenen Eltern werden manchmal nicht darüber informiert. Das Coming-out kann manchmal in eine Lebenskrise führen, die sich bis hin zu Selbsttötungsabsichten oder realisierter Selbsttötung steigern kann. Beratungsstellen in den größeren Städten und Info-Seiten im Internet versuchen diesen Menschen zu helfen, ihre Homosexualität anzunehmen. Tatsächlich ist die Selbsttötungsrate bei pubertierenden Homosexuellen deutlich höher als bei gleichaltrigen Heterosexuellen.

Rechtliche Gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Ehe

Pubertät Auch wenn innerhalb der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung umstritten ist, ob man sich der Norm einer Zweierbeziehung als Kopie der bürgerlichen Ehe annähern soll, wird die weitgehende rechtliche Gleichstellung mit Heterosexuellen von Lesben und Schwulen überwiegend begrüßt. Gesetzliche Regelungen für eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft gibt es bereits in einer Reihe von europäischen Ländern; in Belgien, den Niederlanden, Spanien, Kanada sowie Massachusetts (USA) wurde die Ehe für Homosexuelle ganz geöffnet; in Skandinavien und anderen europäischen Ländern ist diese Öffnung in der Diskussion. In Deutschland gibt es seit dem 1. August 2001 die so genannte Eingetragene Lebenspartnerschaft. Nach ihrer Verabschiedung durch den Bundestag meldeten einige Politiker Zweifel daran an; die unionsregierten Länder Bayern, Sachsen und Thüringen bemühten sich sogar um eine völlige Aufhebung des Gesetzes vor dem Bundesverfassungsgericht. Dieses stellte jedoch klar, dass einer vollständigen Gleichstellung mit der Ehe nichts im Wege stünde, da die Lebenspartnerschaft mit der Ehe schon allein deshalb nicht konkurriere, weil sie einen anderen Personenkreis betreffe. Eine völlige Gleichstellung steht zurzeit noch im Bereich der Steuern, der Hinterbliebenenversorgung und der Möglichkeit der gemeinsamen Adoption von Kindern aus. Am 29. Oktober 2004 wurde einige Änderungen diesbezüglich realisiert: So werden Lebenspartner - wie Ehegatten - im Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, wenn sie nichts anderes vereinbaren. Gleichbehandlung erfolgt nach der Trennung nun auch beim Unterhaltsrecht. Zudem wird ein Verlöbnis eingeführt – Lebenspartner werden sich in Zukunft wie Ehegatten mit Rechtswirkung verloben können. Ferner regelt das Gesetz, dass Homosexuelle das leibliche Kind ihres Lebenspartners adoptieren können. Und schließlich werden nun auch die Regelungen der Hinterbliebenenversorgung in der gesetzlichen Rentenversicherung auf Lebenspartner ausgedehnt. Radikalere Teile der Lesben- und Schwulenbewegung lehnen die Lebenspartnerschaft – als Ehe light verpönt – und die damit verbundene notwendige Sondergesetzgebung für Homosexuelle ab. Stattdessen fordern sie die Abschaffung der Ehe und plädieren für so genannte "Wahlverwandtschaften" auf Zeit. Bundesverfassungsgericht In der Schweiz wurde zuerst im Kanton Genf am 1. Mai 2001 eine PaCS eingeführt, welches die Eintragung von homosexuellen, wie auch heterosexuellen Partnerschaften ermöglichte. Am 22. September 2002 wurde in Zürich eine eingetragene Partnerschaft vom Stimmvolk mit 62.7% JA-Anteil genehmigt. Diese Regelung ging einiges weiter als die Genfer Lösung und stellte eingetragene Lebenspartnerschaften Ehepaaren gleich, so weit dies in der Kompetenz des Kantons lag. Nach Genf und Zürich führte auch der Kanton Neuenburg die registrierte Partnerschaft für unverheiratete Paare ein. Das Kantonsparlament hat am 27. Januar 2004 zugestimmt. Am 5. Juni 2005 hat das gesamte Schweizer Stimmvolk über das Partnerschaftsgesetz (PartG) zur eingetragenen Partnerschaft abgestimmt. Es ist das erste nationale Referendum über diese Frage weltweit. Es haben 58% der Stimmberechtigten zugestimmt. Mehrheiten gab es vor allem im Mittelland von St.Gallen bis Genf. Es war dort eine ziemlich homogene Verteilung der JA-Anteile. Nicht nur Städte haben zugestimmt, sondern auch ländlichere Gebiete. Ablehnend waren vor allem ländlichbäuerliche, katholische Kantone. Zugestimmt haben insgesamt 16.5 von 23 Kantonen. Die eingetragene Partnerschaft in der Schweiz schafft eine Gleichstellung mit der Ehe in Steuerfragen, Sozialleistungen, Erbrecht, Besuchsrecht, Zeugnisverweigerungsrecht, etc. Es unterbindet aber ausdrücklich den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin und die Adoption. Die eingetragene Partnerschaft in der Schweiz hat Auswirkungen auf den Zivilstand. Der Zivilstand ist nicht mehr "ledig", sondern "eingetragen". Das Gesetz tritt voraussichtlich am 1. Januar 2007 in Kraft.

Regenbogenfamilien

Homosexuelle Partner können miteinander keine Nachkommen zeugen. Dennoch wachsen Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften auf. Die Wissenschaft diskutiert dieses Phänomen zunehmend unter dem Begriff Regenbogenfamilien.

Homosexualität und Beruf

Ein besonders Problem ergibt sich für Homosexuelle, die zum Beispiel öffentlich angestellt sind (Lehrer, Politiker), in der Jugendarbeit tätig sind, oder einer Beschäftigung im christlich-religiösen Leben nachgehen (Priester). Schwule Lehrer und Jugendleiter werden wegen unterstellter Beeinflussung der Kinder oft mit erheblichem Druck abgelehnt. Politiker, die offen zu ihrer Homosexualität stehen, konnten sich erst in jüngerer Zeit profilieren. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, dessen öffentliches Outing in die Sprachkultur einging: Ich bin schwul, und das ist auch gut so. Schwule oder lesbische leitende Angestellte (auch Manager) werden häufig als kompromittierbar (erpressbar) angesehen. Dass sie daher häufig in (Schein-)Eheverhältnissen leben, wird zwar immer wieder in der Literatur erwähnt. Dies ist aber empirisch so nicht nachweisbar. Die Entwicklung innerhalb der Wirtschaft geht dagegen eher in die Richtung, dass Unternehmen gezielt Homosexuelle als Mitarbeiter fördern und unterstützen, um auch in der Belegschaft die Gesellschaft widerzuspiegeln (Diversity-Management). Katholische Geistliche mit homosexueller Veranlagung werden zunehmend wahrgenommen, wobei ein homosexueller Lebensstil jedoch meist als nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar angesehen wird.

Bundeswehr

In der Bundeswehr stoßen Homosexuelle noch immer auf Zurückhaltung. Insgesamt hat, nicht zuletzt durch den zunehmenden Anteil von Soldatinnen, die Bundeswehr ihr Bewusstsein für Sexualität weiterentwickeln müssen. Mit dem "Sexualerlass" zur Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 14/3 ist eine Diskriminierung verboten worden. Mit der letzten Änderung im Juli 2004 ist nach jahrzehntelanger Ächtung homosexueller Vorgesetzter, die unter Billigung höchstrichterlicher Rechtsprechung mit Versetzungen und sogar Entlassungen rechnen mussten, ein liberalerer Umgang mit der Sexualität gewählt worden. Künftig sind grundsätzlich alle Beziehungsformen in den Privatbereich verwiesen. Homosexuelle Beziehungen können außer Dienst auch innerhalb militärischer Anlagen gepflegt werden, auch spielt der Dienstgrad der Beziehungspartner keine Rolle mehr. Die Besonderheiten des Lebens in einer Gemeinschaftsunterkunft - verbunden mit einer Einschränkung der Privatsphäre - aber vor allem in Auslandseinsätzen werden sich jedoch auch zukünftig als Herausforderung darstellen. Inwieweit sich neue Fragen ergeben, muss sich erst in der Praxis erweisen.

Ethische Bewertungen der Homosexualität

Die ethische Bewertung von Homosexualität führt zu unterschiedlichen und sogar zu konträren Ergebnissen der Stellungnahme, unter anderem je nachdem, welche anthropologischen Voraussetzungen und Deutungen der Homosexualität zugrunde gelegt werden. Auch ist die ethische Bewertung nicht selten von einer bestimmten religiösen Sichtweise abhängig oder mit ihr verbunden (siehe dazu den eigenen Artikel Homosexualität und Religion). Dort, wo man die homosexuelle Orientierung der Person entweder als natürliche Gegebenheit oder als Ergebnis einer positiv zu wertenden freien Entscheidung ansieht, wird auch das dieser Orientierung entsprechende homosexuelle Verhalten als sittlich gut angesehen, wenn dabei die allgemein akzeptierten Grundpostulate mitmenschlichen Zusammenlebens geachtet werden. Wenn hingegen die homosexuelle Neigung als solche bereits als Unordnung oder anthropologischer "Defekt" angesehen wird, wird eine darauf aufbauende ethische Bewertung zwar noch nicht diese Neigung als sittlich negativ qualifizieren müssen (soweit und insofern hier das Moment der Freiheit fehlt), wohl aber das freie und damit verantwortliche homosexuelle Verhalten. Aber auch in diesem Fall sind verschiedene Abstufungen der sittlichen Disqualifizierung homosexueller Akte möglich: Von der noch möglichen Toleranz sittlich negativ bewerteter homosexueller Verhaltensweisen bis hin zur Forderung ihrer absoluten Unterlassung und gesellschaftlichen Ächtung oder gar bis zur Forderung nach rechtlicher Verfolgung (im Extremfall mit Todesstrafe) ergibt sich eine große Bandbreite an ethischen Stellungnahmen und Beurteilungen.

Literatur zum Thema


- B. R. Burg (Hrsg.): Gay Warriors : A Documentary History from the Ancient World to the Present. New York 2002. ISBN 0814798861.
- Martin Dannecker; Reimut Reiche: Der gewöhnliche Homosexuelle : eine soziologische Untersuchung über männliche Homosexuelle in der Bundesrepublik. Frankfurt a. M. 1974. ISBN 3100148010.
- Sigmund Freud: Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität (1920). In: Sigmund Freud: Studienausgabe. Band VII. Frankfurt a. M. 2000. ISBN 3108227270.
- Stephen O. Murray: Homosexualities. Chicago; London 2000. ISBN 0226551954. (Sozioethnologischer Überblick über verschiedene Kulturen)
- Norbert Zillich: Homosexuelle Männer im Arbeitsleben. Frankfurt a.M.: Campus-Verlag 1988. ISBN 3593339927

Europäische Ethnologie

Homosexualität und Religion Homosexualität und Religion Eine jüngere Generation von lesbisch-schwulen Soziologen, Philosophen und Historikern wie Mary McIntosh (The Homosexual Role, 1968), Michel Foucault (La Volonté de savoir, 1976), Alan Bray (Homosexuality in Renaissance England, 1982) oder gegenwärtig insbesondere David Halperin (How to do the History of Homosexuality, 2002) betrachtet "Homosexualität" nicht mehr als eine überzeitliche Essenz, sondern als eine Erfindung der europäischen Neuzeit. Damit ist nicht gemeint, dass Frauen und Männer an anderen Orten und zu anderen Zeiten keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt hätten. Vielmehr unterstellen die genannten AutorInnen, dass unsere heutige Auffassung von Homosexualität als "Seinsweise", die eine Minderheit von einer Mehrheit unterscheidet, eine verhältnismäßig junge Konstruktion sei.

Die sodomitische Sünde

Das theologische Modell der Sodomie, das dem modernen Begriff der Homosexualität vorausging, steht zu diesem in einem deutlichen Gegensatz. Sodomie – als "widernatürlicher" (Platon) Verkehr zwischen Männern, aber auch zwischen einem Mann und einer Frau – wurde als ein allgemeinmenschliches Laster angesehen und nicht einer bestimmten Kategorie von Personen zugeordnet. Foucault spitzte diesen Unterschied zu, indem er in einer berühmt gewordenen Sentenz behauptete: "Der Sodomit war ein Gestrauchelter, der Homosexuelle ist eine Spezies." (Siehe auch: Sodomiterverfolgung) Neben dem Diskurs der Sodomie, der sich im Mittelalter vor allem auf den Akt des Analverkehrs bezog, gab es jedoch auch Begriffe, die eine positive Sichtweise ausdrückten, wie etwa den der Freundschaft.

Freundschaft als Lebensweise

"Freundschaft" konnte fast zu allen Zeiten auch eine romantische Beziehung zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts bezeichnen. Küssen, Umarmen und Händchenhalten, das gemeinsame Schlafen in einem Bett (daher der altertümliche Begriff des "Bettgenossen") ebenso wie leidenschaftliche Liebesbekundungen und Treueschwüre wurden unter Männern bis weit in die frühe Neuzeit und oft sogar noch am Beginn des 20. Jahrhunderts als völlig normal wahrgenommen. Unter Frauen ist das – seit Ende des 19. Jahrhunderts allerdings mit immer größeren Einschränkungen – teilweise auch heute noch der Fall. Die Semantiken (Bedeutungsinhalte) von Freundschaft und Liebe waren deshalb kaum voneinander zu unterscheiden. Das griechische Wort philos etwa kann sowohl "Freund" als auch "Geliebter" bedeuten. Im Christentum wurden solche Beziehungen nur selten mit der "monströsen" Figur des Sodomiten in Verbindung gebracht, und wenn, dann meist im Rahmen einer politischen Intrige (wie im Fall von Eduard II. oder dem mittelalterlichen Templerorden).

Christliche Bruderschaften

Die christliche Mystik lud, beeinflusst vom islamischen Sufismus, die Liebe zwischen Freunden sogar mit einer religiösen Bedeutung auf. Ebenso adaptierte das Christentum den sowohl im Gilgamesch-Epos wie in der jüdischen Bibel, aber auch im Satyricon für eine Liebesbeziehung zwischen zwei Männern verwendeten Begriff des 'Bruders' (Schwurbruderschaft). Zu deren Vereinigung hatte die orthodoxe Kirche den Ritus des "Brüdermachens" (Adelphopoiesis) ausgearbeitet, der den beiden Freunden für ihre Liebe, die bis in den Tod anhalten sollte, zahlreiche Heiligenpaare als Vorbilder nannte. Dies schloss die parallele Eheschließung mit einer Frau jedoch nicht aus. Im lateinischen Westen, wo bis weit in die Neuzeit weder Eheleute noch geschworene Brüder (fratres iurati) der Segnung eines Priesters bedurften, sind zumindest eine Reihe von Grabmälern erhalten, in denen Männer- und später auch Frauenpaare miteinander bestattet wurden. Die Gravuren enthalten oft Symbole unsterblicher Liebe wie beispielsweise die Darstellung eines Kusses oder die Inschrift "Im Leben vereint, im Tode nicht getrennt".

Die Erfindung des Homosexuellen

Von der Institution der geschworenen Bruderschaft (s.o.) ist heute nur noch der Begriff des warmen Bruders als Synonym für einen "Schwulen" übrig geblieben. In diesem Begriffswandel offenbart sich der geschichtliche Bruch, der durch das moderne Konzept der Homosexualität verursacht wurde: Gesten der Zuneigung, die früher einfach als Zeichen einer Freundschaft verstanden worden wären, identifiziert man heute als "homosexuell" und stellt sie damit als Abweichung von der gesellschaftlichen Norm unter Verdacht. Die Konsequenz ist ein vor allem unter männlichen Jugendlichen belegbarer drastischer Rückgang gleichgeschlechtlicher Sexualerfahrungen von 18 auf zwei Prozent allein zwischen 1970 und 1990. Diese Entwicklung geht mit wachsender Homophobie einher, weil viele junge Menschen aus Angst, womöglich als "Schwuler" beziehungsweise als "Lesbe" zu gelten, sich von allem Homosexuellen demonstrativ (und teilweise sogar gewaltsam) abgrenzen. Unter jungen Männern ist diese Tendenz zur Abgrenzung im Allgemeinen nochmals deutlich stärker ausgeprägt als unter jungen Frauen. Es ist diese tätige Abwehr, durch die sich das stigmatisierende Etikett der Homosexualität wie von selbst reproduziert.

Globalisierung einer Denkform

Die binäre Kategorisierung von Personen als hetero und homo beziehungsweise "normal" und "andersartig" ist mittlerweile fast weltweit zu einer scheinbar unumstößlichen Realität geworden. Dieser Prozess, der sich in manchen Metropolen Europas wie London, Paris und Amsterdam bereits um 1700 ereignet hat, erreichte Regionen wie China und die dagegen erst Anfang beziehungsweise Mitte des 20. Jahrhunderts. Einige postkoloniale AutorInnen wie der Hongkonger Soziologieprofessor Zhou Huashan kritisieren die Homophobie in ihren Ländern daher als eine Folge des europäischen Imperialismus.

Literatur zum Thema


- Alan Bray: Homosexuality in Renaissance England. New York 1982. ISBN 0231102895.
- Kenneth J. Dover: Homosexualität in der griechischen Antike, übersetzt v. Susan Worcester. München: C. H. Beck Verlag 1983. ISBN 3406073743 (erstmals engl.: 1978)
- Lilian Faderman: Surpassing the Love of Men : Romantic Friendship and Love Between Women from the Renaissance to the Present. New York 1998. ISBN 0688133304.
- Michel Foucault: Der Wille zum Wissen : Sexualität und Wahrheit ; Bd. 1. Frankfurt a. M. 1993. [Frz. Orig. La Volonté de savoir, 1976]. ISBN 3518283162.
- John C. Hawley (Hrsg.): Post-colonial, Queer : Theoretical Intersections. Albany, NY 2001. ISBN 0791450929.
- Jonathan Ned Katz: Love Stories : Sex between Men before Homosexuality. Chicago; London 2001. ISBN 0226426157.
- Mary McIntosh: The Homosexual Role [1968]. In: Steven Seidman (Hrsg.): Queer Theory/Sociology. Cambridge, Mass.; Oxford 1996. ISBN 1557867402.
- Michael Rocke: Forbidden Friendships : Homosexuality and Male Culture in Renaissance Florence. New York; Oxford 1996. ISBN 0195122925.
- Andrew Calimach: Lovers' Legends. The Gay Greek Myths. New Rochelle: Haiduk Press 2002. ISBN 0971468605.

Geschichte und Homosexualität: Soziale Bewegung und Emanzipation

Schwulenverfolgung

Imperialismus Bis zum Hochmittelalter galt der Analverkehr im christlichen Bereich als Sünde, aber noch nicht als Verbrechen; folglich drohte maximal eine Kirchenbuße und ein zeitweiser Ausschluss von der Eucharistie, aber noch keine weltliche Strafe. Vom 13. Jahrhundert bis zur Aufklärung wurde Analverkehr zwischen Männern dann in fast ganz Europa unter der Bezeichnung "Sodomie" durch weltliche Gesetze mit dem Scheiterhaufen bedroht, hier wird noch von der Sodomiterverfolgung gesprochen. Tatsächliche Urteile waren jedoch äußerst selten. Zu größeren Verfolgungen und jeweils Hunderten von Hinrichtungen kam es allerdings während des Spätmittelalters in Norditalien und Spanien sowie während des gesamten 18. Jahrhunderts auch in England, Frankreich und den Niederlanden. Die Ideen der Französischen Revolution führten in zahlreichen Staaten, die sich am französischen Code Napoléon orientierten, um 1800 herum zur Abschaffung aller Gesetze gegen die "widernatürliche Unzucht" (so etwa in den Niederlanden, im Rheinland und in Bayern, Gesetze gegen die Homosexualität). Preußen wandelte 1794 mit der Einführung des Allgemeinen Landrechts die Todesstrafe in eine Zuchthausstrafe um. 1871 wurde der preußische Paragraph in das Strafgesetzbuch des Deutschen Reichs aufgenommen und als Paragraph 175 in der folgenden Zeit immer häufiger angewandt. Bis zur Reform des Paragraphen 175 im Jahr 1969 arbeitete die Polizei dabei mit Spitzeln in der schwulen Subkultur und geheimen Rosa Listen, auf denen zahlreiche Namen von homosexuellen Männern verzeichnet waren. Da Homosexualität strafbar war und bis in die 70er Jahre als psychische Erkrankung diagnostiziert wurde, konnten Homosexuelle auch auf unbestimmte Zeit freiheitsentziehend in einer forensischen Psychiatrie untergebracht werden. Ein Beispiel ist die "Behandlung" des britischen Mathematikers Alan Turing im Jahr 1952. Alan Turing Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden ca. 10.000 Schwule in Konzentrationslager verschleppt, wo sie den rosa Winkel tragen mussten (Schwule während des Nationalsozialismus). Nur etwa 40 Prozent von ihnen überlebten. Obwohl es kein Gesetz gegen die lesbische Liebe gab, verhaftete die Gestapo auch eine unbekannte Zahl von Frauen wegen ihrer Homosexualität und kennzeichnete sie in den Konzentrationslagern als "Asoziale" mit dem schwarzen Winkel. In der Bundesrepublik Deutschland bestand der Paragraph 175 bis 1969 in der von den Nazis verschärften Fassung weiter, was vom Bundesverfassungsgericht 1957 als rechtmäßig anerkannt wurde. Erst 1994 fiel er im Zuge der Rechtsangleichung mit der DDR weg. In vielen Staaten werden Homosexuelle auch heute noch beziehungsweise wieder verfolgt und mit dem Tode bedroht, so etwa in Jamaika, Simbabwe, Namibia, Nepal, Nigeria und zahlreichen islamischen Staaten. Aber auch im Osten Europas, zum Beispiel in Serbien, Rumänien, Albanien und sogar in manchen der neuen EU-Länder ist die Lage der Menschenrechte zurzeit bedenklich: So werden in Polen und Lettland Demonstrationen für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben von offiziellen Stellen verboten oder teilweise mit massiver Gewalt konfrontiert, die von den Kirchen und rechtsradikalen Nationalisten geschürt wird. In Polen sind in letzter Forderungen einiger führender Politiker laut geworden, Homosexuelle in Lager zu stecken bzw. aus Polen zu eliminieren. In der UNO versuchen der Vatikan und die islamischen Staaten gemeinsam, schon die Diskussion über die Menschenrechtslage für Schwule und Lesben zu verhindern. In der Geschichte und in der Gegenwart waren auch Homosexuelle selbst oft große Feinde und Verfolger anderer Homosexueller. So ist bekannt, dass es oft latent Homosexuelle sind, die aus Angst vor dem Bekanntwerden der eigenen Neigung, alle anderen, vor allem sich offen bekennende, Homosexuelle bekämpften und bekämpfen.

Emanzipationsbewegungen

islam Hauptartikel: Lesben- und Schwulenbewegung Erste Forderungen nach urnischen Ehe wurden von Karl Heinrich Ulrichs 1867 auf dem deutschen Juristentag in München vor 500 Mitgliedern erhoben. Auch wenn sein Vortrag mit Spott und Ablehnung aufgenommen wurde, beginnt an diesem Tag die Geschichte der Homosexuellen-Emanzipation. Der Beginn der organisierten homosexuellen Emanzipationsbewegung wird im Allgemeinen mit der Gründung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK) durch den Berliner Arzt Magnus Hirschfeld im Jahr 1897 angesetzt. Es handelte sich dabei jedoch um eine Honoratiorenvereinigung, die nur ca. 500 Mitglieder umfasste und nach außen hin nicht als homosexuelle Bewegung in Erscheinung trat. Stattdessen warb sie ausschließlich mit wissenschaftlichen Argumenten für eine Streichung des Paragraphen 175. Zahlenmäßig weit bedeutsamer waren die nach 1919 gegründeten Freundschaftsbünde. Als Dachgruppen konkurrierte der im August 1920 gegründete Deutsche Freundschafts-Verband (DFB) mit dem im Mai 1922 entstandenen Bund für Menschenrechte (BfM). Letzterer erwies sich in seiner Größenentwicklung als das bei weitem erfolgreichere Modell. Bereits 1924 zählte er über 12.000, 1929, gegen Ende der Weimarer Republik, sogar mehr als 48.000 Mitglieder. Ausländische angegliederte Gruppen soll es laut Angaben des Vereins in der Schweiz, in Österreich, in der Tschechoslowakei, in New York City, Argentinien und Brasilien gegeben haben. Allerdings ist kaum etwas über diese Gruppen bekannt. Der Schwerpunkt der Freundschaftsbünde lag in der Planung von Geselligkeitsveranstaltungen, umfasste jedoch auch politische und publizistische Aktivitäten sowie die Gewährleistung von Rechtsschutz für jene Mitglieder, die vom Paragraphen 175 betroffen waren. Nach der Zerschlagung dieser ersten Emanzipationsbestrebungen durch die Nazis wanderte der Schwerpunkt der Homosexuellenbewegung in die Vereinigten Staaten. Im Frühjahr 1951 gründete Harry Hay, Mitglied der CPUSA, zusammen mit Bob Hull, Chuck Rowland, Dale Jennings und Rudi Gernreich die Mattachine Society. 1955 entstand unter Führung von Del Martin und Phyllis Lyon die Lesbenorganisation Daughters of Bilitis. Beide Gruppen bezeichneten sich als homophil, um sich der Reduzierung von Homosexualität auf den Akt des Beischlafs zu entziehen. Unter dem Druck der McCarthy-Ära entpolitisierten sich diese Organisationen und wurden zu Debattierclubs, die in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung traten. Erst Mitte der 60er Jahren fand mit Dick Leitsch (New York) und Frank Kameny (Washington) eine Neuorientierung an den Protestformen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung statt. Am 28. Juni 1969 kam es anlässlich einer Polizeirazzia in der New Yorker Schwulenbar Stonewall zu einem Aufstand in der Christopher Street, der drei Tage andauerte. Dieses Ereignis führte zu einer Radikalisierung zahlreicher Lesben und Schwuler. In Anlehnung an linke Bewegungen der damaligen Zeit gründeten sich gemischte Gruppen wie die Gay Liberation Front und die Gay Activists Alliance. Am 1. Mai 1970 machte schließlich die Gruppe Radicalesbians auf sich aufmerksam, indem sie in New York den Zweiten Jahreskongress zur Vereinigung der Frauen mit einem geplanten Happening unterbrach. Das dort verteilte Manifest der frauenidentifizierten Frau begründete das sich für die Frauenbewegung als einflussreich erweisende Konzept des politischen Lesbianismus: Lesbischsein wurde nicht als