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| Gesundheit |
GesundheitGesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert diese als Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens (engl.: "well-being" = "Wohl-sein").
Einerseits hat diese Definition gewisse Vorteile, insbesondere die Betonung der seelischen und sozialen Komponenten der Gesundheit.
Andererseits wird Gesundheit durch den Hinweis auf einen "vollkommenen Zustand" zu einem kaum erreichbaren Idealzustand, da davon auszugehen ist, dass in diesem Sinne kein Mensch Gesundheit besitzt und dadurch das extreme Ziel der WHO ("Gesundheit für alle") als illusorisch anzusehen ist.
Der Wert von Gesundheit
Gesundheit ist ein wichtiger persönlicher und gesellschaftlicher Wert. Ihre Bedeutung wird oft erst bei Krankheit oder mit zunehmendem Alter erkannt. Welche Einschränkungen mit dem Verlust von Gesundheit verbunden sind, wird meist erst dem alternden Menschen bewusst - durch eigene durchgestandene Krankheiten, gesundheitliche Probleme im Umfeld und das sich nähernde Lebensende. Jüngere Menschen leben unbeschwerter und risikofreudiger. Vorsorgeprogramme für jüngere Altersgruppen werden propagiert, laufen aber oft ins Leere.
Im Allgemeinen sind Frauen gesundheitsbewusster als Männer. Dies kann man beispielsweise an der Beteiligung zur Darmkrebsvorsorge erkennen (Männer ca. 10 - 15 %, Frauen ca. 30 % Beteiligung).
Die Förderung und Erhaltung der Gesundheit erfordert geringe finanzielle Mittel. Teuer ist dagegen der Versuch, Gesundheit wiederherzustellen, die sog. kurative Medizin.
Das Gesundheitssystem ist neben der Renten- und Arbeitslosenversicherung eine der drei Säulen des Sozialsystems.
Faktoren für ein gesundes Leben
- gesunde Nahrung: Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Eier, Milch, Kartoffeln, Brot oder andere Getreideprodukte, Hülsenfrüchte etc.
- gesunde natürliche Umwelt: Luft, Wasser, Boden, Licht etc.
- gesicherte geschaffene Umwelt: Kleidung, Unterkunft, Wärme, Schutz vor Gefahren
- ausreichende körperliche Betätigung an frischer Luft (Sport, Spiel, Arbeit), keine extremen Überanstrengungen
- genug Schlaf, Zeiten der Ruhe, keine Hetze
- Entspannung und emotionale Ausgeglichenheit (siehe auch unten)
- ein erfüllendes Sexualleben, oder dessen gelungene Sublimation
- intakte soziale Beziehungen z. B. ein Freundeskreis und gute Beziehungen zu Arbeitskollegen
- der Gesundheit förderliche Arbeitsbedingungen, keine dauernde Überforderung.
Seelisch-geistige Faktoren der Gesundheit
- Geliebt sein und selbst Lieben können:
- Lebenspartner, Kinder, Familie, Mitmenschen
- Freundlichkeit, Kontaktfähigkeit, soziale Kompetenz
- sich wertvoll empfinden; Selbstachtung, Selbstvertrauen
- Erfolg und Anerkennung: Bestätigung, Arbeitsklima, Kritik und Lob (Feedback).
- Sicherheit: Gefühl der Geborgenheit, Religion bzw. Lebenssinn
- Mindest-Sicherheit betr. Nahrung, Kleidung, Wohnen
- Sicherheit der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse
- doch gewisse Spannung ist notwendig, sonst versinkt man in Lethargie.
- Freiheit:
- Gestaltungsmöglichkeiten, auch für das eigene Leben; lohnende Ziele
- Möglichkeit zur Artikulation, Gedankenfreiheit, Redefreiheit
- Berufs- und Partnerwahl
- Kreativität: schöpferische Betätigung und Spiel.
- Verbundenheit:
- zum Partner, zu Freunden und/oder zu anderen
- Konfliktfähigkeit und Bereitschaft zur Versöhnung
- Erlebnisse mit Erinnerungswert.
Zitate
- Es gibt Menschen, die auf alles Essbare, Trinkbare, Rauchbare verzichten, das ein irgend schlechtes Ansehen bekommen hat. Sie machen dieses Opfer für die Gesundheit. Und alles, was sie davon haben, ist Gesundheit. Wie merkwürdig. Es ist, wie wenn man ein Vermögen bezahlte für eine Kuh, die keine Milch mehr gibt. (Mark Twain)
- Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen. (Friedrich Nietzsche)
- Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können. (Sigmund Freud)
- Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. Der Besitz des bestmöglichen Gesundheitszustandes bildet eines der Grundrechte jedes menschlichen Wesens, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Anschauung und der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung. Die Gesundheit aller Völker ist eine Grundbedingung für den Weltfrieden und die Sicherheit; sie hängt von der engsten Zusammenarbeit der Einzelnen und der Staaten ab. Die von jedem einzelnen Staate in der Verbesserung und dem Schutz der Gesundheit erzielten Ergebnisse sind wertvoll für alle. Ungleichheit zwischen den verschiedenen Ländern in der Verbesserung der Gesundheit und der Bekämpfung der Krankheiten, insbesondere der übertragbaren Krankheiten, bildet eine gemeinsame Gefahr für alle. Die gesunde Entwicklung des Kindes ist von grundlegender Bedeutung; die Fähigkeit, harmonisch in einer in voller Umwandlung begriffenen Umgebung zu leben, ist für diese Entwicklung besonders wichtig. Für die Erreichung des besten Gesundheitszustandes ist es von besonderer Bedeutung, dass die Erkenntnisse der medizinischen, psychologischen und verwandten Wissenschaften allen Völkern zugänglich sind. Eine aufgeklärte öffentliche Meinung und eine tätige Mitarbeit der Bevölkerung sind für die Verbesserung der Gesundheit der Menschen von höchster Wichtigkeit. Die Regierungen tragen die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Völker; sie können diese nur auf sich nehmen, wenn sie die geeigneten hygienischen und sozialen Vorkehrungen treffen. (WHO)
- Was bringt den Doktor um sein Brot? a) die Gesundheit, b) der Tod. Drum hält der Arzt, auf daß er lebe, uns zwischen beiden in der Schwebe. (Dr. med. Eugen Roth)
Literatur
- Antonovsky, A. (1997). Salutogenese: zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: DGVT-Verlag.
- Becker, P. (1982). Psychologie der seelischen Gesundheit. Göttingen: Hogrefe.
- Bengel, J., Strittmatter, R., & Willmann, H. (2001). Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese - Diskussionsstand und Stellenwert ; eine Expertise. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
- Blech, J. (2003). Die Abschaffung der Gesundheit. Der Spiegel, 33, 116-126.
- Bertelsmann Verlag. (2000). Gesundheit und Krankheit zwischen Magie und Vernunft. In Bertelsmann Verlag (Ed.), Meilensteine des Lebens 1.
- Brundtland, G. H. (Ed.). (2000). Grundrecht Gesundheit. Vision: Mehr Lebensqualität für alle. Frankfurt: Campus.
- Lampert, T./Ziese, T. (2005): Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit. Expertise des Robert Koch-Instituts zum 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Schriftenreihe Lebenslagen in Deutschland. Bonn: BMGS. [http://www.bmgs.bund.de/download/broschueren/A349.pdf Download]
- Lemke, T. (2003). Gesunde Körper - kranke Gesellschaft? Medizin im Zeitalter der Biopolitik. Zeitschrift für Biopolitik, 2(2), 67-71.
- Lippke, S. (2002). Wellness. In R. Schwarzer, M. Jerusalem & H. Weber (Eds.), Gesundheitspsychologie von A bis Z (pp. 630-633). Göttingen: Hogrefe.
- Lutz, R., & Mark, N. (Eds.). (1995). Wie gesund sind Kranke? Zur seelischen Gesundheit psychisch Kranker. Göttingen: Hogrefe.
- Schiefenhövel, W., & Schiefenhövel-Barthel, S. (1999). Gesundheit und Krankheit. In D. Geiß & J. Weiß (Eds.), Der Mensch (Vol. 2, pp. 68-75). Leipzig: Brockhaus.
- van Spijk, P. (1991). Definitionen und Beschreibung der Gesundheit - ein medizinhistorischer Überblick. Zürich: Schweiz. Gesellschaft für Gesundheitspolitik SGGP.
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Siehe auch: Krankheit, Medizin, Gesundheitserziehung, Gesundheitssystem, Heilverfahren, Massage, Wellness, Fitness, Lebensqualität, Behinderung, Healthism, Selbsthilfegruppe, Gesundheitsamt, Gesundheitshaus, Public health, Volksgesundheit
Weblinks
- [http://www.gbe-bund.de Informationssystem für Gesundheitsberichterstattung des Bundes] (Statistiken usw.)
- [http://www.dgfnr.com/Rehabilitation/ICF_deutscher_Entwurf.pdf Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO)] (PDF-Datei)
- [http://www.dimdi.de/de/klassi/ICF/ Offizielle ICF - Klassifikation der Bundesrepublik Deutschland - Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)]
- [http://www.novo-magazin.de/64/novo6428.htm Schlechte Angewohnheiten, sie leben hoch!] - Kommentar über „den Irrglauben, Gesundheit sei ein Lebenszweck“
- [http://www.dgk.de Deutsches Grünes Kreuz für Gesundheit e.V.]
- [http://web4health.info/de Gesundheitsportal zur psychischen Gesundheit]
- [http://www.lifeline.de lifeline.de] - Gesundheitsportal für Patienten und Angehörige
- [http://www.g-netz.de/Gesundheit_aktuell/gesundheit_aktuell.shtml G-Netz.de] - Portal zum Thema Gesundheit
- [http://www.medsana.ch MEDSANA] - Das Schweizer Gesundheitsportal
- [http://www.medhost.de Gesundheit - Krankheit] - Infoportal zu diesen Themen
- [http://www.info-gesundheit.de Info-Gesundheit.de] - Linkportal und Suchmaschine für Gesundheit und Medizin
- [http://www.scoop4life.de Scoop4life.de] - Das Jugendmagazin mit dem Themenschwerpunkt Gesundheit
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Kategorie:Wortexport
KrankheitEine Krankheit ist eine Störung der körperlichen, kognitiven und/oder seelischen Funktionen, die die Leistungsfähigkeit oder das Wohlbefinden eines Lebewesens subjektiv oder intersubjektiv deutlich wahrnehmbar negativ beeinflusst oder eine solche Beeinflussung erwarten lässt.
Sozialversicherungsrechtlich ist unter Krankheit ein regelwidriger, vom Leitbild des gesunden Menschen abweichender Körper- oder Geisteszustand zu verstehen, der ärztlicher Behandlung bedarf. Auf die Tatbestandsvoraussetzungen einer Arbeitsunfähigkeit kann nicht zurückgegriffen werden; ist jedoch Arbeitsunfähigkeit gegeben, liegt ohne Weiteres auch Krankheit vor.
Abwesenheit von Krankheit ist eine notwendige, aber laut WHO nicht hinreichende Voraussetzung für Gesundheit.
Synonyma und Ableitungen
Erkrankung, Morbus, Nosos
Systematik
Systematische Einteilungen der Krankheiten waren in der Vergangenheit ständigem Wandel unterworfen (vgl. Liste historischer Krankheitsbezeichnungen). Die moderne Einteilung der Krankheiten kann grob organbezogen nach den Hauptdiagnosegruppen (MDC, Major Diagnostic Categories) erfolgen.
Eine genauere Einteilung erlaubt die Internationale Klassifikation der Krankheiten ICD-10, bzw. für den onkologischen Bereich entsprechend der ICD-O.
Ursache von Krankheiten
Die Krankheitsursachen sind mannigfaltig. Bei vielen Krankheiten kann man keine einzelne Ursache dingfest machen, sondern nur Risikofaktoren herausarbeiten (siehe z.B. Herzinfarkt oder ungelöster, länger andauernder, schwächender Konflikt, vgl. Prof. Dr. med. Alexander Mitscherlich: "Krankheit als Konflikt" Suhrkamp 1966 und andere Autoren).
Krankheitsbegünstigend bzw. -verursachend ist oft auch ein Konflikt, aus dem sich der Patient, ohne es zu wissen, in einen Krankheitsgewinn flüchtet, von dem er bis zur Genesung profitiert, während der Konflikt an Wichtigkeit verliert und vom Patienten aus neuen Blickwinkeln mit Lösung gesehen werden kann. Liegt ein objektiv feststellbares, ärztlich behandelbares Symptom vor, muss die Krankheit auf herkömmliche, anerkannte Weise behandelt werden. Ein Ansprechen des Konflikts mit dem Patienten empfiehlt sich nicht, weil er davon noch kränker werden kann, nur um den Zusammenhang zwischen Konflikt und Symptom verdrängen zu können.
Typen von Krankheiten
Krankheiten können grob nach Typen eingeteilt werden:
- Erbkrankheiten (durch Vererbung verursacht)
- Infektionskrankheiten (durch Infektionen verursacht)
- Kinderkrankheiten
- Unfälle und Verletzungen (durch Außeneinwirkung verursacht)
- degenerative Erkrankungen (durch Entartung von Organen oder Gliedern, meist über Generationen, verursacht)
- Autoimmunkrankheiten (das Immunsystem bekämpft gesunde Zellen)
- Tumorkrankheiten (Zellen entarten und wachsen unkontrolliert)
- Iatrogene Erkrankungen (durch Behandlung verursacht)
- Zivilisationskrankheiten (falsche Ernährung, Bewegungsmangel u.a.)
- Mangelkrankheiten
- Wohlstandskrankheiten
Mit der gesellschaftlichen Bedingtheit von Erkrankung und Krankheitsverläufen sowie der staatlichen Steuerung des Gesundheitswesens beschäftigt sich die Medizinsoziologie.
Die gesellschaftliche Diskussion um die Abgrenzung von Krankheit zur Gesundheit wird in der Fachwelt mit Begriffen wie Healthism, Disease Mongering und Medikalisierung geführt.
Mit einer seelisch-körperlichen Betrachtungs- und Heilweise, unter Berücksichtigung der emotionalen und sozialen Ursachen sowie der Persönlichkeit und des Lebensschicksals des Patienten befasst sich die Psychosomatische Medizin.
Krankheitsverlauf
Der Krankheit selbst geht das Krankheitsvorfeld voraus, das durch die Anamnese ermittelt wird. Krankheit führt - behandelt oder unbehandelt - zu Heilung, Remission, einem Rezidiv (oder mehreren Rezidiven), Leiden oder Tod.
Häufig verwendete Begriffe, die den zeitlichen Verlauf beschreiben:
- akut = plötzlicher Beginn (z. B. grippaler Infekt)
- subakut = allmählicher Beginn (z. B. Hepatitis B)
- chronisch = längerer Verlauf (z. B. Multiple Sklerose)
- chronisch rezidivierend = immer wieder auftretend (z. B. "chronische" Bronchitis)
- foudroyant (oder: fulminant) = "blitzartig" einsetzend und verlaufend (z. B. Apoplexie)
Siehe auch
- Liste der Krankheiten, Krankheitserreger, Gesundheit, Prävalenz, Krankheitsgewinn, Krankheit als Metapher
Weblinks
- [http://www.sgipt.org/medppp/krank/iwk1.htm Zum Begriff 'krank' in der Medizin mit Blick auf Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie]
- http://www.hilfsorganisationen.de/MENUE/Krankheiten/ - Unterkategorie des Portals
- [http://www.akweb.de/fantomas/fant_s/fant007/07.htm Identitätspolitik in der Peripherie. Über Kranke und "Riskante" in der Normalisierungsgesellschaft, aus Fantômas 7/2005]
http://www.onmeda.de/krankheiten/index.html - Krankheiten auf onmeda.de
als:Krankheit
ja:病気
ms:Penyakit
simple:Disease
zh-min-nan:Pīⁿ
Körper (Biologie)Der Körper (von lateinisch|lat. "corpus") ist im biologischen Sinne der Leib, das optisch in Erscheinung tretende Material (menschlicher Körper, Tierkörper, Pflanzenkörper, Pilzkörper) oder deren Teile (Blütenkörper), unabhängig davon, ob es lebt oder nicht. Bei einem belebten Körper kann dieser zu nicht materiellen Teilen eines Individuums wie Bewusstsein und Verhalten in Gegensatz gesetzt werden. Das Zellmaterial von Einzellern wird gewöhnlich nicht als Körper bezeichnet.
Mit dem Aufbau von Körpern beschäftigt sich die Anatomie, mit den Stoffwechselprozessen innerhalb eines Körpers die Physiologie.
Tote Körper werden beim Menschen auch als Korpus, bei Tieren als Kadaver bezeichnet.
Kategorie:Morphologie
ja:死体
ko:몸
simple:Body
Seele
Etymologisches
Das Wort Seele (griech.: psychä, pneuma, lat.: anima, altnordisch: sál, litauisch:siela ) stammt vom althochdeutschen se(u)la ab, was "die zum See Gehörende" bedeutet. Nach germanischer Vorstellung waren die Seelen der Ungeborenen und der Verstorbenen Teil eines Mediums ähnlich dem Wasser (Duden-Universalwörterbuch, Mannheim, 2003).
Im übertragenen Sinne wird mit Seele auch ein wichtiges Element eines Gegenstands, eines ideellen Objektes oder mehrerer Menschen bezeichnet.
Der englische Begriff soul deckt sich nicht völlig mit dem deutschen Begriff Seele. Der Begriff soul versteht sich praktisch nur als religiöse Vorstellung einer von Gott geschenkten und nach dem Tod weiterlebenden Seele. Im Deutschen hat der Begriff Seele ebenfalls einen religiösen Hintergrund und wird häufig auch durch den Begriff Psyche (aus dem Griechischen) oder Geist ersetzt.
Begriff - Systematisches
Der Begriff wird in unterschiedlichen Zusammenhängen mit verschiedenen Bedeutungen benutzt. Diese Bedeutung wird vor allem in der Philosophie, in der Religion und in der Psychologie verwendet.
Seelen-Begriffe in der Philosophie
Die klassischen Philosophen (insbesondere Platon, Descartes sowie Thomas von Aquin) lehren die Unsterblichkeit der Seele. Diese folgt aus der Tatsache, dass die Seele eine immaterielle, einfache, d. h. nicht zusammengesetzte Substanz ist. Weil sie nicht aus Teilen besteht, kann sie auch nicht zerstört werden bzw. vergehen. Die Gegenthese besagt, dass das Wesen der Seele der eines Computerprogrammes gleicht. Schaltet man den Computer aus, "verschwindet" das Programm und bleibt nicht erhalten (ist also nicht "unsterblich").
Seele bei Platon
Seele bei Platon wird in drei Teile geteilt:
- in die Vernunftseele (logistikon), das Denken und das Teilhaben durch Erkenntnis an den "Ideen": modern gesprochen an den "Naturgesetzen": den Strukturen (Logos), die die kosmische Welt, die soziale Welt und die psychische Welt aufbauen;
- in die Affektseele (thymoeides) [wie Vertrauen, Zuneigung, Liebe, Angst, Hass, Neid...]
- und die Triebseele (epithymätikon) [wie Nahrungs-, Sex-, Schlaftrieb.]
Für Platon ist nur der Vernunftseelen-Anteil der Seele (Psyche) unsterblich.
Seele bei Aristoteles
Für Aristoteles bedeutet Psychologie die Untersuchung der Seele. Seinem Grundsatz treu bleibend, dass Form und Stoff immer als Einheit existieren, definierte Aristoteles die Seele als "Funktionsweise eines Körpers, die so organisiert ist, dass sie Träger vitaler Funktionen sein kann". In seiner Annahme von der essenziellen Verbindung von Seele und Körper widerlegte er die Pythagoreische Lehre von der Seele als einer spirituellen, im Körper gefangenen Einheit. Aristoteles' Lehre ist eine Synthese der früheren Vorstellung, dass die Seele nicht unabhängig vom Körper existieren kann, und der platonischen Idee von der Seele als einer gesonderten, nichtkörperlichen Ganzheit. Aufgrund der Funktionsweise der Seele werden die moralischen und intelektuellen Seiten der Menschheit entwickelt. Nach Aristoteles ist das menschliche Denken in seiner höchsten Form (griechisch: nous poetickos, "aktives Denken") nicht auf einen bloßen mechanisch- physischen Vorgang reduzierbar. Jedoch setzt ein solches Denken auch ein individuelles "passives Denken" voraus, welches über die physische Natur der Dinge nicht hinausgehen kann. Somit hat Aristoteles die Beziehung Zwischen dem menschlichen Verständnis und den Sinnen, entsprechend der späteren empirischen Auffassung, dass sich Wissen auf Sinneserfahrung stützt, klar dargelegt. Er schrieb:" Nichts existiert im Denken, was nicht schon vorher in den Sinnen existiert hätte" Empirismus
...
Seele bei Descartes
...
Seele bei Kant
Kant unterscheidet drei Wirklichkeitsbereiche: empirische, transzendentallogische und postulatorische Wirklichkeitsbereiche. „Seele“ gehört nach Kant dem postulatorischen Wirklichkeitsbereich an. Das sei erläutert.
Nach Kant hat jedes Erkennen nur mit Erscheinungen zu tun, nie aber mit den Dingen an sich: so wie sie unabhängig vom begrifflich wahrnehmenden Bewusstsein (= unabhängig von den wahrnehmenden menschlichen Verstandes- und Vernunftstrukturen) sind. Dennoch gibt es nach Kant objektive Welterkenntnis, insofern die Erkenntnisorgane bei allen Menschen gleich sind und so ein gleiches zwischenmenschlich feststellbares Wissen (objektives Wissen) möglich ist.
Kant nennt „Realität“ nicht nur die Wirklichkeiten der empirischen Welt, sondern auch die Wirklichkeiten der intelligiblen Welt. Zur intelligiblen Welt gehören nach Kant zunächst einmal die wahrnehmenden menschlichen Verstandes- und Vernunftstrukturen, deren Wirklichsein sich dem zeigten, der nach der Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt fragte: „Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl (nur) mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen überhaupt beschäftigt, so fern diese vor aller Erfahrung möglich sein soll.“ (Kant, Reine Vernunft B, Seite 43 (=B 25) Diese Erkenntnisstrukturen werden von Kant beschrieben in der „Kritik der reinen Vernunft“, in der „Kritik der praktischen Vernunft“ und in der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“. Kant nennt solche Verstandes- und Vernunftstrukturen-Wirklichkeiten (Realitäten) auch „Apriori-Wirklichkeiten“, weil sie nicht abstrahierend gewonnen würden nach irgendwelchen Erfahrungen (a posteriori), sondern weil diese unabhängig von irgendwelchen Erfahrungen vor aller Erfahrung (a priori) im Welt-Ganzen vorlägen: im Verstandes-Bereich von erkennenden Lebewesen als für sich existierende Bewusstseins-Erkenntnis-Strukturen, die man nicht auflösen könne als bzw. reduzieren könne auf „gewonnen aus der Erfahrung durch Abstraktion“, wie die Empiristen glauben.
Aber Kant kennt noch eine dritte Art von Realität: die Postulaten-Realitäten der moralischen (praktischen) Vernunft: „unsterbliche Seele“ und „Gott“. >Postulat< bezeichnet eine notwendige Annahme, um einen Sachverhalt sinnvoll bestehen lassen zu können. Wer den Vernunft-Begriff anwende auf Handlungen, wie sie moralisch sein sollen, müsse denkerisch zwingend die Existenz einer unsterbliche Seele und die Existenz Gottes annehmen, weil die moralische Vernunft Handlungen verlange, die zu einem Widerspruch führten zwischen dem Glückseligkeitsverlangen und dem Moralischsein. Kant selbst erläutert diesen Widerspruch nicht, er ist für ihn wohl zu offensichtlich und aufgrund seines individualistischen Personwürde-Begriffs nicht ausformuliert. Man kann diesen Widerspruch so erläutern: Menschen leben als einzelne nicht vereinzelt, sondern als Teil einer Gemeinschaft, eines Ganzen. Als Individuen hängen sie in ihrer Existenz immer von den Existenzbedingungen des Ganzen ab, von dem sie ein Teil sind. Wer die Existenzbedingungen eines Ganzen verbessern will, erleidet oft existenzielle Nachteile: man wird angefeindet, verfolgt, eingekerkert oder umgebracht. Was also rational für die Lebensentfaltung eines Ganzen ist, nämlich dass sich einzelne selbstlos für es einsetzen, bedeutet oft Irrationalität für die Lebensentfaltung von einzelnen, die sich für dieses Ganze einsetzen. Dieser Widerspruch lasse sich nur unter der Annahmen auflösen, dass es Gott und eine unsterbliche Seele gäbe. Selbstverständlich kann man sich moralisch für andere einsetzen und dabei erhebliche Selbstopfer in Kauf nehmen, wenn man rein emotional handelt oder aufgrund von metaphysischen Irrtümern (z. B. Belohnung im Jenseits aufgrund moralischen Gutseins). Nur wären das rein emotionale Handlungsmuster oder Irrtümer und keine vernunft-kritischen Gründe.
Dabei ist es für Kant wichtig festzustellen, dass dieser reine Vernunftbegriff von "unsterblicher Seele" kein Beweis für das Existieren einer unsterblichen Seele ist, sondern – so könnte man formulieren – die eine "unsterbliche Seele" wird transzendentallogisch als wahr erkannt, was etwas anderes ist als ontisch (realitätshaft an-sich) wahr. „Transzendentallogisch wahr“ bedeutet für Kant: wahr für das erkennende Bewusstsein in dem Sinne, dass dem Bewusstsein die "unsterbliche Seele" als wahr erscheint als eine unleugbare Bewusstseins-Wirklichkeit. Aber nach Kant wäre es „transzendentaler Schein“, wollte man transzendentallogische Realitäten (Bewusstseins-Wahrheiten, Bewusstseins-Realitäten) als reine Vernunftbegriffe schon für ontische Realitäten (ontische Wahrheiten) halten: der „reine Vernunftbegriff, d.i. eine bloße Idee, deren objektive Realität dadurch, dass die Vernunft ihrer bedarf, noch lange nicht bewiesen ist" (KANT, B 620). Kant will damit sagen, dass wir zu leichtfertig denken, wenn wir die Realität eines Dinges nur deshalb annehmen, weil sein Begriff uns etwas Erfahrbares erklärt. Notwendige Erklärungsbegriffe schon für Realitäten zu halten, ist für Kant transzendentaler Schein: Richtig zu denken sei aber, dass die Existenz von reinen Erklärungsannahmen rein von der Vernunft aus nicht zu beweisen sind – aber auch nicht zu widerlegen, vielmehr sei der ontologische Status (ob real oder nicht) von Erklärungsannahmen rein von der Vernunft her unentscheidbar! Dennoch seien reine Vernunftbegriffe Entitäten (Realitäten), auf die ein Lebewesen mit Verstand nicht verzichten könne: sie seien ihm als Lebewesen mit Verstand einfachhin gegeben, also eine Verstandesrealität, die man durch transzendentallogische Reflexion (durch die Weise von Kant reflexiv zu erkennen) entdecken können.
Seelen-Begriffe in den Religionen
Seelen-Begriff im Judentum
Laut der Bibel ist die Seele entstanden, nachdem Gott Lebensodem (Geist) in den Körper, der aus Erdreich geformt war, gehaucht hat (1. Mose 2,7). Daher ist die Seele nach dem Tod nicht mehr vorhanden, da der Geist zu Gott zurück (Pred. 12,7) und der Körper zurück ins Erdreich (1. Mose 3,19; Pred. 12,9) geht und keine Empfindung mehr möglich ist. Sie ist nicht mehr wahrnehmbar, im "Unwahrnehmbaren" (so die wörtliche Übertragung des griechischen "Hades" bzw. des hebräischen "Scheol", oft mit "Totenreich" übersetzt).
"Der HERR tötet und macht lebendig; er führt in den Scheol hinab und führt herauf" (1. Samuel 2:6). In den Hades gehen die Seelen aller Menschen, ob gläubig oder nicht (Joh. 5:28-29; Hiob 3:11-19, 14:13; Hes. 32:18-32; Ps. 31:17; Dan. 12:2).
Als Redefigur (Synekdoche) beschreibt es ein Wesen vom Blickpunkt seiner Empfindungen aus. Sie bezeichnet die Genüsse, sowohl die geringeren, die der Mensch abgibt, als auch die besseren, die er dafür erhält (Seele verlieren und erhalten). Es gibt zahlreiche Schriftstellen, welche die Beziehung zwischen der Seele und den Sinnen erläutern (5. Mose 12,20; 23,25; Psalm 107,18; Jesaja 32,6 u. a.). Die Seele ist also auch die Empfindung, die erst durch die Verbindung eines organischen Körpers mit Odem oder Geist (Lebenskraft) entsteht.
Seelen-Begriff im Christentum
Die Vorstellung einer "unsterblichen Seele" als eigentlicher Identitätsträger des Menschen gegenüber einer sekundären Leiblichkeit (wie im Platonismus) ist den biblischen Texten fremd. Das semitische Menschenbild, wie es sich auch in den alttestamentlichen Texten widerspiegelt, ist nicht analytisch (wie das platonische), sondern synthetisch: Die Wirklichkeit ist komponiert aus verschiedenen Aspekten. "Fleisch" ist der Organismus des Menschen im Blick auf seine Sterblichkeit, "Seele" ist zunächst die "Kehle", der "Atem", der einen lebendigen Organismus von einem toten unterscheidet. Das "Herz" ist nicht - wie bei uns - Sitz der Gefühle, sondern der Gedanken und Entscheidungen. Sitz der Gefühle sind die Eingeweide: die "Nieren", vor allem aber die "Gebärmutter" - im Blick auf das Gefühlsleben ist dann auch vom Mutterschoßgefühl von Männern die Rede! Was den Menschen besonders belebt, ist der "Geist", wörtlich der "Windhauch", der von außen kommt und dem Menschen eingeblasen wird - entweder als göttliche Inspiration oder als dämonische Besessenheit. So kann Paulus im Neuen Testament davon sprechen, dass wir jetzt einen "Seelen-Leib" haben, in der Totenauferweckung aber einen "Geist-Leib" erhalten werden. Erst die Rezeption des Platonismus, zunächst durch das hellenistische Judentum (mit seinem Zentrum im ägyptischen Alexandria, dem Harvard-Yale-Princeton der antiken Welt), dann im Christentum macht die Idee einer unsterblichen Seele als nachtodlichem Identitätsträger in den biblischen Religionen heimisch. In den mystischen Strömungen des Judentums wurde diese Seelelehre weiter entfaltet, im orthodoxen und katholischen Chrisentum ist sie Teil der traditionellen Lehre, im zeitgenössischen Protestantismus wurde sie zum Teil aufgegeben zugunsten einer Ganztod-Hypothese (der ganze Mensch, Leib und Seele, stirbt im Tod; der ganze Mensch wird von Gott aus Gnade vollendet.)
Seelen-Begriff im Islam
(notwendige, noch auszufüllende Leerstelle)
Seelen-Begriff im Hinduismus
Alle mehr oder weniger bewusstseinsfähigen Lebewesen bestehen nach hinduistischer Auffassung aus drei unterschiedlichen Wirklichkeiten: aus einem sterblichen Körper, einem sterblichen Bewusstsein und einer unsterblichen, von Lebewesen zu Lebewesen wandernden Atman-Seele. Die Atman-Seele ist nichts rein Geistiges, Imaterielles wie das denkende und empfindende Bewusstsein, sondern sie ist eine sehr feinstoffliche Substanz, vergleichbar dem Licht, sie ist eine fein- und lichtstoffliche Wirklichkeit. Wenn der Mensch aus mehreren Wirklichkeiten besteht, dann ist die Atman-Seele die tiefste Wirklichkeit im Menschen, das tiefste Selbst. Aber diese tiefste Wirklichkeit ist nicht mit der menschlichen Person identisch, die wir mit „ich“ bezeichnen, sondern die Atman-Seele reicht über das Ich hinaus und wird in anderen Lebewesen wiedergeboren.
Die Reinkarnations-Lehre bedeutet deshalb nicht, dass jemand als Person wiedergeboren wird. Die Person des Menschen besteht nämlich aus einem individuellen Körper (z.B. männlich, schlank, klein, krankheitsanfällig) und einem individuellen Bewusstsein (z.B. Charakter, Zielvorstellungen). Beides aber vergeht im Tod. Nur der überpersonale Teile von einem bleibt erhalten, nämlich die Atman-Seele.
Dass nach hinduistischer Auffassung nicht ein personal-unsterbliches Selbst der tiefste Kern der Person, sondern die überpersonale Atman-Seele, ist nicht leicht vorstellbar, weil man sich durch das denkende Bewusstsein ständig als Ich-Persönlichkeit erfährt, die empfindet, nachdenkt, sich Ziele setzt... Ein Hindu könnte zum Verständnis darauf vergleichend hinweisen, dass man als 10-Jähriger eine andere Persönlichkeit hatte als mit 35 oder mit 60 Jahren. Und so wie man im Laufe des Lebens zu einer anderen Persönlichkeit werden kann, so kann auch die Atman-Seele im Laufe ihrer Wiedergeburten zu anderen Personen werden.
Die Hindus lehren, dass man erfahren könne, mit dem göttlichen Brahman eins zu sein. Diese Erfahrung ist in Worten kaum wiederzugeben, weil alle Begriffe ihr gegenüber viel mehr falsch als richtig sind. In dieser Wirklichkeitserfahrung weitet sich das Bewusstsein ins Unendliche, es ist ohne Grenzen, und man erfährt sich aufgehoben in einer Wirklichkeit unaussprechlichen Lichts und unaussprechlicher Einheit, die Brahman genannt wird. Aufgrund dieser Einheitserfahrung lehren die Hindus, dass die eigene tiefste Wirklichkeit, der Atman, eins ist mit dem göttlichen Brahman.
Wer erfahren hat und deshalb zutiefst weiß, dass alles Viele eigentlich mit Brahman eins ist, ist nicht mehr ängstlich an das Viele (weltliche Wirklichkeiten) gebunden, er sammelt dadurch kein neues Karma mehr an, er wird so nicht mehr wiedergeboren und geht damit im Tod ganz ins Brahman ein. Karma bezeichnet das Geprägtsein der Atman-Seele durch gutes und schlechtes Denken und Handeln, und das Karma bestimmt die Art der Wiedergeburt. Und zwar hinterlassen die Sinneswahrnehmungen, das Denken und Handeln in der Atman-Seele Eindrücke. Und diese Eindrücke verändern den Grad der Feinheit und Lichtheit des Atman-Seelenstoffes. Gutes Denken und Handeln machen die Atman-Seele feinstofflicher und lichter, schlechtes Denken und Handeln machen die Seele gröber und dunkler.
Manche Hindus verstehen das Einssein des Atman mit dem Brahman pantheistisch: So wie ein Salzklumpen sich im Wasser auflöst, so geht der Atman im göttlichen Brahman auf; so wie die Flüsse ins Meer eingehen, so gehen die Atmans ins das göttliche Eine ein. Das Atman ist identisch mit dem Brahman.
Und manche Hindus verstehen das Einssein des Atman mit dem Brahman panentheistisch: beim Eingehen der Atman-Seelen in das Brahman lösen die Atmans sich nicht im göttlichen Brahman auf, sondern behalten einen Eigenstand. Das Atman ist mit dem Brahman unauflöslich verbunden.
Es ist nicht einfach, die Einheit des tiefsten Selbst (Atman) mit dem Brahman zu erfahren. So wie man normalerweise wahrnimmt, kann man zwar das Viele erkennen, aber nicht das göttliche Eine, das in allem bzw. bei allem Vielen gegenwärtig ist. Um das göttliche Eine erfahren zu können, muss man seine Wahrnehmungs-Art ändern. Die Konzentrationstechniken des Yoga und die Askese (Enthaltung, Verzicht) wollen helfen, die Wahrnehmungs-Art so zu ändern, dass man das göttliche Eine wahrnehmen kann.
Die Askese dient dazu, dass das Bewusstsein mehr Freiheit erlangt gegenüber den weltlichen Bedürfnissen. Die Askese kann sich auf das Essen und Trinken durch Maßhalten und Fasten beziehen, auf die Sexualität durch sexuelle Enthaltsamkeit (Keuschheit), auf Herrschaft und Macht durch Gehorsam gegenüber Vorgesetzten oder auf Besitz durch Armut.
Das Yoga dient dazu, dass das Bewusstsein sich konzentrieren lernt und sich selbst in seinen vielen unbewussten Teilen kennenlernt. Nach jahrelanger Übung kann das Bewusstsein vielleicht dann auch die Erfahrung machen, dass seine tiefste Wirklichkeit, der Atman, eins ist mit dem göttlichen Brahman.- Weisheitslehrer wie Krishnamurti u.a. haben allerdings auch immer wieder betont, daß Menschen die Einheit mit dem Brahman sehr spontan erfahren können.
Seelen-Begriff im Buddhismus
Im Gegensatz zu hinduistischen Anschauungen kennt der Buddhismus, basierend auf den überlieferten Lehrreden des Siddhartha Gautama, des historischen Buddha, keinen unwandelbaren und unsterblichen überpersonalen Wesenskern. Ausdrücklich im Kontrast zum hinduistischen Atman, prägt er den Begriff des Anatman, des „Nicht-Selbst“.
Die Vorstellung es gäbe ein Ich, eine abgegrenzte Person oder ein Selbst ist demnach bereits eine grundlegende Täuschung über das Wesen der Wirklichkeit. Was Menschen als ihr „Selbst“ bezeichnen ist vielmehr ein ständig im Wandel begriffenes Zusammenspiel der fünf Daseins- oder Aneignungsgruppen (Sanskrit: Skandhas): des materiellen Körpers mit seinen Sinnesorganen, der Empfindungen, der Wahrnehmung der Welt, der Geistesformationen (Interessen, Willensregungen, Sehnsüchte und Tatabsichten) und letztlich des Bewußtseins. Wie ein Wagen eine zusammengesetzte Wirklichkeit, bestehend aus seinen Einzelteilen, ist, entsteht die Vorstellung eines Selbst aus dem Zusammenwirken dieser Daseins- oder Aneignungsgruppen.
Wie soll es aber eine Wiedergeburt geben können, ohne dass man an eine Anatman-Seele glaubt? Nach Buddha wird der Kreislauf der Geburten dadurch aufrechterhalten, dass ein karmisch geprägtes Seelen-Bewusstsein im Augenblick der Zeugung eine neue Person mit verursache: Ein aus guten Tatabsichten erwachsenes Bewusstsein suche sich nach dem Tod seines bisherigen Besitzers einen ihm entsprechenden guten Mutterschoß mit günstigen Erbanlagen und veranlasse die Entwicklung eines neuen Wesens, ohne selbst in dieses überzugehen. Das neue Wesen entspreche in der Qualität seiner Existenzform genau der Qualität der Tatabsichten des ihr voraufgehenden Seelenbewusstseins. Das neu entstandene Wesen sei aber keine völlig andere Person als die ihr voraufgehende, weil jede Existenzform von ihrer voraufgehenden geprägt sei und aus ihr hervorgehe wie eine Flamme, die an einer anderen entzündet wird. Das Seelen-Bewusstsein ist also wie eine Billardkugel, die eine andere Billardkugel in der Bewegung verursacht, oder wie ein Katalysator, der einen chemischen Prozess auslöst und im Produkt dieses Prozesses nicht mehr enthalten ist. Trotz des Fehlens einer Substanz zwischen den Existenzformen einer Wiedergeburtenkette gilt es als möglich, sich der vielen Existenzen zu erinnern, die eine Kreislaufgeburtenkette ausmache.
Seelen-Begriff der Psychoanalyse
Nach Ansicht der von Sigmund Freud geprägten Psychoanalyse liegen sämtlichen Handlungen des Menschen Motive aus unserer Seele (Psyche) zu Grunde. Als Motiv werden in diesem Zusammenhang Antriebsgründe und Beweggründe bezeichnet, die den Handlungen psychisch letztlich zugrunde liegen.
Als Psyche wird hier das System bezeichnet, welches Wahrnehmen und Denken begründet und die affektiven und rationalen Motive unserer Handlungen begründet. Das System des Organismus bezeichnet hierbei ein Gebilde, dessen wesentliche Elemente (Teile) so aufeinander bezogen sind, dass sie eine Einheit (ein Ganzes) bilden. Systeme organisieren und erhalten sich demnach durch Strukturen.
Als Struktur wird das Muster (die Form) der Systemelemente und ihrer Beziehungsgeflechte bezeichnet, durch die ein System funktioniert (entsteht und sich erhält). Die Motive unserer Handlungen werden nach Freud hierbei in drei prinzipiell unterscheidbaren Strukturen gegliedert: das Ich, das Es und das Über-Ich (siehe Sigmund Freud).
Zum frühen Ich zählte Freud auch den sozialisationsgebildeten Charakter eines Menschen: die bewusstseinsfähigen Emotionen und Bedürfnisse, die in Art und Intensität aus den Grundtrieben des Es durch den Sozialisationsprozess geformt worden sind. Dabei bezeichnete Freud die sozialisationsgeformten Emotionen und Bedürfnisse als >Triebabkömmlinge des Es im Ich<. Das Es mit seinen angeborenen Triebimpulsen wird hier mit einem Baumstamm verglichen, aus dem das frühe Ich als Krone herauswächst. Deswegen nennt Freud diesen Teil des Ichs ein Produkt des Es: er ist aus dem Material des Es (Grundtrieben) entwickelt worden. Man sollte die Emotionen und Bedürfnisse aber unter das Es subsumieren, weil dies begrifflich klarer und weniger verwirrend ist. Man ist vielleicht verführt, die Emotionen und Bedürfnisse zum Ich zu zählen, weil man alles Bewusste mit dem Ich gleichsetzen möchte und die Emotionen und Bedürfnisse ja bewusst werden können. Aber nicht alles Bewusste gehört zum Ich, denn Überichinhalte können bewusst werden. Und nicht alles Unbewusste gehört zum Es, wie die Überichinhalte zeigen. Bei allen drei psychischen Strukturen gibt es Bewusstes, Unbewusstes und Vorbewusstes ( = was bewusst gelernt wurde, aber zu einem unbewussten Habitus wurde wie Autofahren, Fremdsprache...). Zum Beispiel kann ein durch Ich-Einsatz bewusst eingeübtes Handeln automatisiert werden und damit vorbewusst sein. Und was man bewusst erlebt hat, kann im Gedächtnis versinken, es kann vergessen werden und damit unbewusst sein, aber auch wiedererinnert werden.
Zu den Elementen des Ichs zählt man zuallererst die Bewusstseinsleistungen des Wahrnehmens, des Denkens und des Gedächtnisses, weil sie dem Ich helfen, seiner spezifischen Aufgabe gerecht zu werden, nämlich realitätsgerecht (konfliktauflösend) zwischen den Ansprüchen aus dem Es, dem Überich und dem Sozial-Außen zu vermitteln – also um psychische und soziale Konflikte konstruktiv zu lösen. Ein Kriterium dafür, ob das Ich realitätsdicht oder realitätsfern an der Entfaltung des Lebens orientiert ist, ist das Freisein von destruktiven Sozial- und Individualkonflikten über längere Zeit und die Fähigkeit des Ich, Konflikte konstruktiv lösen zu können. Weil nur das Ich realitätsgerechtes Handeln zu sichern vermag, heißt das, dass nur das Ich ein wahrhaft menschliches Handeln zu sichern vermag. Diese Teile der Psyche sind keine Produkte des Es wie die Emotionen und Bedürfnisse, weil diese nicht aus dem Es hervorgehen durch den (An)Passungskonflikt zwischen Trieben und sozialisierender Umwelt, sondern weil sie ihre eigene, davon abgehobene spezifische Entwicklung durchlaufen.
Mensch - Tier
In vielen Kulturkreisen wie auch in der Antike wurden sowohl die physische Ähnlichkeit zwischen Menschen und Tieren, gleichzeitig aber auch die Unterschiede (Sprech- und Denkfähigkeit, Werkzeuggebrauch) erkannt.
Schöpfungsmythen beantworten diesen Unterschied durch eine dem Menschen innewohnende Seele, die Tieren nicht gegeben ist.
Der Ursprung dieser Seele liegt in dieser Sichtweise generell im Bereich des übernatürlichen (Religion).
- Sie wird oft mit der Fähigkeit des Menschen, moralisch zu urteilen und zu handeln, verknüpft.
- Tieren wird dagegen selten die Fähigkeit zugesprochen, zwischen "Gut" und "Böse" zu unterscheiden.
Die geistige Seele gibt dem Menschen die Fähigkeit, über seine Handlungen zu reflektieren, und damit auch die Verantwortung für sein Handeln. Insbesondere das Reflexionsvermögen und das Verantwortungsvermögen hängen eng mit der Einmaligkeit des Individuums und seiner Persönlichkeit zusammen (siehe Selbstbewusstsein).
Die genaue Beschaffenheit der Seele, ihre Funktion und Bedeutung sowie ihr Ursprung wird in den Religionen und in den Wissenschaften unterschiedlich verstanden.
Wissenschaftlicher Diskurs
Der Begriff Seele ist identisch mit dem aus dem Griechischen abgeleiteten Wort Psyche. Im Wissenschaftsbetrieb wird allerdings heute kaum je von Seele, sondern fast ausschließlich von Psyche gesprochen. Die Seele ist nach vorherrschender wissenschaftlicher Auffassung an ein funktionierendes Nervensystem gebunden. Sie sterbe zusammen mit dem Körper oder - beim Hirntod - auch schon vor dem Körper.
Mit der Seele befassen sich folgende Wissenschaften:
Die Psychologie, die Psychoanalyse, die Verhaltensforschung, die Kognitionswissenschaft, die Neurowissenschaften, die Anthropologie und die Endokrinologie. Sofern man die Philosophie zu den Wissenschaften zählt, so befasst auch sie sich mit der Seele (Leib-Seele-Problem).
Die Forschungen zum Nahtodeserlebnis (engl. near-death experience, NDE) oder die Reinkarnationsforschung werden oft als Pseudowissenschaften abgelehnt.
Wissenschaftler bewerten Erkenntnisse zur Seele (wie alle Menschen) unter der Sichtweise ihrer Weltanschauung.
- Rein materialistische oder reduktionalistische Wissenschaftler spekulieren, dass die psychologisch betrachteten Vorgänge sich letztendlich auf das komplexe Zusammenspiel biochemischer, elektrischer Prozesse und die Eigenschaften komplexer Systeme des Menschen zurückführen lassen könnten.
- Die Seele ist demnach identisch mit elektrischen bzw. biochemischen Vorgängen im Gehirn, die zwar noch zu einem guten Teil unbekannt, aber grundsätzlich mit den Naturgesetzen vereinbar sind.
Siehe auch: Materialität der Seele
Zitate
- Der Körper ist ein Mietwagen, den man irgendwann abgeben muss. Nichts spricht dagegen, dass der Fahrer bleibt. Aber es spricht auch nichts dafür. (Peter Ustinov)
- Und im Wissen, dass die Seele den Körper überlebt, brennt er nicht ungeduldig darauf, den Sieg der Wahrheit im gegenwärtigen Körper zu erleben. (Mahatma Gandhi [sanskrit: Große Seele])
- Seele lebt, weil Gott sie liebt (Harold Klemp, derzeitiger spiritueller Führer von Eckankar, einer kleinen religiösen Gemeinschaft, welche die Seelenreise als zentralen Glaubenssatz vermittelt)
- Wisse wahrlich, daß die Seele ein Zeichen Gottes ist, ein himmlischer Edelstein, dessen Wirklichkeit die gelehrtesten Menschen nicht zu begreifen vermögen, und dessen Geheimnis kein noch so scharfer Verstand je zu enträtseln hoffen kann. Sie ist von allen erschaffenen Dingen das erste, das die Vollkommenheit des Schöpfers verkündet, Seine Herrlichkeit anerkennt, sich an Seine Wahrheit hält und sich in Anbetung vor Ihm niederbeugt. (Baha'u'llah)
- Das Denken ist das Selbstgespräch der Seele. (Plato, griechischer Philosoph, Begründer der abendländischen Philosophie)
- Verzichten wir auf die Illusion, in der Seele eine immaterielle 'Substanz' zu sehen, dann leugnen wir nicht deren Existenz, sondern wir beginnen im Gegenteil, die Komplexität (...) zu erkennen, die zusammen das Wesen ausmachen, das sich in uns einmalig und unwiderleglich selber bezeugt. (Jacques Monod, Zufall und Notwendigkeit, Philosophische Fragen der modernen Biologie)
- Die große Frage, die ich trotz meines dreißigjährigen Studiums der weiblichen Seele nicht zu beantworten vermag, lautet: Was will eine Frau? (Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse)
- "Der Begriff "Seele", "Geist", zuletzt gar noch "unsterbliche Seele", erfunden, um den Leib zu verachten ..." (Friedrich Nietzsche)
Literatur
Bücher
- Appiah, Kwame Anthony: Thinking it Through - An Introduction to Contemporary Philosophy. 2003, ISBN 0195134583
- Norbert Bischof: Das Kraftfeld der Mythen. 1998, ISBN 3492226558
- Reinhard Breuer: Das Rätsel von Leib und Seele; über das Verhältnis von Geist und Körper. Aus der Reihe »Bild der Wissenschaft«
- Christian Geyer(Hrsg.): Hirnforschung und Willensfreiheit. 2004, ISBN 3518123874
- Hasselmann/Schmolke: Welten der Seele, Archetypen der Seele, Weisheit der Seele, Wege der Seele. Goldmann Verlag
- Gerd Jüttemann: Die Seele - Ihre Geschichte im Abendland.
- Hans-Jörg Ronsdorf: Und die Toten leben doch - Die Unsterblichkeit der Seele. 1992, ISBN 3-89397-227-7 [http://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=7303&title=&biblevers=&searchstring=&author=0&language=0&category=0&play=0&tm=2 PDF Online]
- Russel, Bertrand: The Analysis of Mind. 1921, ISBN 1588277097
- Steven Schwartz: Wie Pawlow auf den Hund kam.
- Josef Seifert: Das Leib-Seele-Problem und die gegenwärtige philosophische Diskussion, eine systematisch-kritische Analyse. Zweite, korrigierte und erweiterte Auflage. Darmstadt 1989, ISBN 3534-07713-X
- Terrill Willson; Wie ich Seelenreisen lernte.
- P.G. Zimbardo: Psychologie. Springer Verlag, Ein Lehrbuch der Psychologie
- Dieter E. Zimmer: Die Vernunft der Gefühle.
Aufsätze
- Hermann Levinson, Anna Levinson: Vögel und Schmetterlinge als Erscheinungsform der menschlichen Seele. Naturwissenschaftliche Rundschau 58(10), S. 531-536, 2005,
Film
- Ghost - Nachricht von Sam ("Ghost") (USA, 1990) mit Whoopi Goldberg, Patrick Swayze, Demi Moore /
- Hinter dem Horizont
- Im Zeichen der Libelle
Siehe auch
Seelsorge, Internetseelsorge, Telefonseelsorge, Seelenwanderung, Außerkörperliche Erfahrung, Leib-Seele Problem, Anam Cara
Weblinks
- [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2004/102/ Philosophische Dissertation, die u.a. ausführlich auf die Leib/Seele/Geist-Problematik eingeht]
- [http://www.firmenseele.de •Betrachtung einer Firmenseele in einem Unternehmen]
- [http://omnibus.uni-freiburg.de/~manfrin/lsp.html Ausführliche private wissenschaftlich Betrachtung]
- [http://www.hans-hass.de/Energon/427_431_Ueber_das_Wort_Seele.html Philosophische Betrachtung von Prof. Dr. Hans Hass, Wien]
- [http://www.zdf.de/ZDFmt/mediathek/ZDFmt_video_cont/0,3498,MT-2222833--MD-2095427-hi--3,00.html ZDF-Video: Johannes B. Kerner: Thema "Tod und Sterben"]
- [http://www.theologie-systematisch.de/anthropologie/1grundbegriffe.htm Aktuelle Literatur zum Leib-Seele-Verständnis des Menschen]
- [http://www.lucretius.de Lukrez: Die Sterblichkeit der Seele in 'de rerum natura']
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ja:霊魂
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Seelisch
Etymologisches
Das Wort Seele (griech.: psychä, pneuma, lat.: anima, altnordisch: sál, litauisch:siela ) stammt vom althochdeutschen se(u)la ab, was "die zum See Gehörende" bedeutet. Nach germanischer Vorstellung waren die Seelen der Ungeborenen und der Verstorbenen Teil eines Mediums ähnlich dem Wasser (Duden-Universalwörterbuch, Mannheim, 2003).
Im übertragenen Sinne wird mit Seele auch ein wichtiges Element eines Gegenstands, eines ideellen Objektes oder mehrerer Menschen bezeichnet.
Der englische Begriff soul deckt sich nicht völlig mit dem deutschen Begriff Seele. Der Begriff soul versteht sich praktisch nur als religiöse Vorstellung einer von Gott geschenkten und nach dem Tod weiterlebenden Seele. Im Deutschen hat der Begriff Seele ebenfalls einen religiösen Hintergrund und wird häufig auch durch den Begriff Psyche (aus dem Griechischen) oder Geist ersetzt.
Begriff - Systematisches
Der Begriff wird in unterschiedlichen Zusammenhängen mit verschiedenen Bedeutungen benutzt. Diese Bedeutung wird vor allem in der Philosophie, in der Religion und in der Psychologie verwendet.
Seelen-Begriffe in der Philosophie
Die klassischen Philosophen (insbesondere Platon, Descartes sowie Thomas von Aquin) lehren die Unsterblichkeit der Seele. Diese folgt aus der Tatsache, dass die Seele eine immaterielle, einfache, d. h. nicht zusammengesetzte Substanz ist. Weil sie nicht aus Teilen besteht, kann sie auch nicht zerstört werden bzw. vergehen. Die Gegenthese besagt, dass das Wesen der Seele der eines Computerprogrammes gleicht. Schaltet man den Computer aus, "verschwindet" das Programm und bleibt nicht erhalten (ist also nicht "unsterblich").
Seele bei Platon
Seele bei Platon wird in drei Teile geteilt:
- in die Vernunftseele (logistikon), das Denken und das Teilhaben durch Erkenntnis an den "Ideen": modern gesprochen an den "Naturgesetzen": den Strukturen (Logos), die die kosmische Welt, die soziale Welt und die psychische Welt aufbauen;
- in die Affektseele (thymoeides) [wie Vertrauen, Zuneigung, Liebe, Angst, Hass, Neid...]
- und die Triebseele (epithymätikon) [wie Nahrungs-, Sex-, Schlaftrieb.]
Für Platon ist nur der Vernunftseelen-Anteil der Seele (Psyche) unsterblich.
Seele bei Aristoteles
Für Aristoteles bedeutet Psychologie die Untersuchung der Seele. Seinem Grundsatz treu bleibend, dass Form und Stoff immer als Einheit existieren, definierte Aristoteles die Seele als "Funktionsweise eines Körpers, die so organisiert ist, dass sie Träger vitaler Funktionen sein kann". In seiner Annahme von der essenziellen Verbindung von Seele und Körper widerlegte er die Pythagoreische Lehre von der Seele als einer spirituellen, im Körper gefangenen Einheit. Aristoteles' Lehre ist eine Synthese der früheren Vorstellung, dass die Seele nicht unabhängig vom Körper existieren kann, und der platonischen Idee von der Seele als einer gesonderten, nichtkörperlichen Ganzheit. Aufgrund der Funktionsweise der Seele werden die moralischen und intelektuellen Seiten der Menschheit entwickelt. Nach Aristoteles ist das menschliche Denken in seiner höchsten Form (griechisch: nous poetickos, "aktives Denken") nicht auf einen bloßen mechanisch- physischen Vorgang reduzierbar. Jedoch setzt ein solches Denken auch ein individuelles "passives Denken" voraus, welches über die physische Natur der Dinge nicht hinausgehen kann. Somit hat Aristoteles die Beziehung Zwischen dem menschlichen Verständnis und den Sinnen, entsprechend der späteren empirischen Auffassung, dass sich Wissen auf Sinneserfahrung stützt, klar dargelegt. Er schrieb:" Nichts existiert im Denken, was nicht schon vorher in den Sinnen existiert hätte" Empirismus
...
Seele bei Descartes
...
Seele bei Kant
Kant unterscheidet drei Wirklichkeitsbereiche: empirische, transzendentallogische und postulatorische Wirklichkeitsbereiche. „Seele“ gehört nach Kant dem postulatorischen Wirklichkeitsbereich an. Das sei erläutert.
Nach Kant hat jedes Erkennen nur mit Erscheinungen zu tun, nie aber mit den Dingen an sich: so wie sie unabhängig vom begrifflich wahrnehmenden Bewusstsein (= unabhängig von den wahrnehmenden menschlichen Verstandes- und Vernunftstrukturen) sind. Dennoch gibt es nach Kant objektive Welterkenntnis, insofern die Erkenntnisorgane bei allen Menschen gleich sind und so ein gleiches zwischenmenschlich feststellbares Wissen (objektives Wissen) möglich ist.
Kant nennt „Realität“ nicht nur die Wirklichkeiten der empirischen Welt, sondern auch die Wirklichkeiten der intelligiblen Welt. Zur intelligiblen Welt gehören nach Kant zunächst einmal die wahrnehmenden menschlichen Verstandes- und Vernunftstrukturen, deren Wirklichsein sich dem zeigten, der nach der Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt fragte: „Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl (nur) mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen überhaupt beschäftigt, so fern diese vor aller Erfahrung möglich sein soll.“ (Kant, Reine Vernunft B, Seite 43 (=B 25) Diese Erkenntnisstrukturen werden von Kant beschrieben in der „Kritik der reinen Vernunft“, in der „Kritik der praktischen Vernunft“ und in der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“. Kant nennt solche Verstandes- und Vernunftstrukturen-Wirklichkeiten (Realitäten) auch „Apriori-Wirklichkeiten“, weil sie nicht abstrahierend gewonnen würden nach irgendwelchen Erfahrungen (a posteriori), sondern weil diese unabhängig von irgendwelchen Erfahrungen vor aller Erfahrung (a priori) im Welt-Ganzen vorlägen: im Verstandes-Bereich von erkennenden Lebewesen als für sich existierende Bewusstseins-Erkenntnis-Strukturen, die man nicht auflösen könne als bzw. reduzieren könne auf „gewonnen aus der Erfahrung durch Abstraktion“, wie die Empiristen glauben.
Aber Kant kennt noch eine dritte Art von Realität: die Postulaten-Realitäten der moralischen (praktischen) Vernunft: „unsterbliche Seele“ und „Gott“. >Postulat< bezeichnet eine notwendige Annahme, um einen Sachverhalt sinnvoll bestehen lassen zu können. Wer den Vernunft-Begriff anwende auf Handlungen, wie sie moralisch sein sollen, müsse denkerisch zwingend die Existenz einer unsterbliche Seele und die Existenz Gottes annehmen, weil die moralische Vernunft Handlungen verlange, die zu einem Widerspruch führten zwischen dem Glückseligkeitsverlangen und dem Moralischsein. Kant selbst erläutert diesen Widerspruch nicht, er ist für ihn wohl zu offensichtlich und aufgrund seines individualistischen Personwürde-Begriffs nicht ausformuliert. Man kann diesen Widerspruch so erläutern: Menschen leben als einzelne nicht vereinzelt, sondern als Teil einer Gemeinschaft, eines Ganzen. Als Individuen hängen sie in ihrer Existenz immer von den Existenzbedingungen des Ganzen ab, von dem sie ein Teil sind. Wer die Existenzbedingungen eines Ganzen verbessern will, erleidet oft existenzielle Nachteile: man wird angefeindet, verfolgt, eingekerkert oder umgebracht. Was also rational für die Lebensentfaltung eines Ganzen ist, nämlich dass sich einzelne selbstlos für es einsetzen, bedeutet oft Irrationalität für die Lebensentfaltung von einzelnen, die sich für dieses Ganze einsetzen. Dieser Widerspruch lasse sich nur unter der Annahmen auflösen, dass es Gott und eine unsterbliche Seele gäbe. Selbstverständlich kann man sich moralisch für andere einsetzen und dabei erhebliche Selbstopfer in Kauf nehmen, wenn man rein emotional handelt oder aufgrund von metaphysischen Irrtümern (z. B. Belohnung im Jenseits aufgrund moralischen Gutseins). Nur wären das rein emotionale Handlungsmuster oder Irrtümer und keine vernunft-kritischen Gründe.
Dabei ist es für Kant wichtig festzustellen, dass dieser reine Vernunftbegriff von "unsterblicher Seele" kein Beweis für das Existieren einer unsterblichen Seele ist, sondern – so könnte man formulieren – die eine "unsterbliche Seele" wird transzendentallogisch als wahr erkannt, was etwas anderes ist als ontisch (realitätshaft an-sich) wahr. „Transzendentallogisch wahr“ bedeutet für Kant: wahr für das erkennende Bewusstsein in dem Sinne, dass dem Bewusstsein die "unsterbliche Seele" als wahr erscheint als eine unleugbare Bewusstseins-Wirklichkeit. Aber nach Kant wäre es „transzendentaler Schein“, wollte man transzendentallogische Realitäten (Bewusstseins-Wahrheiten, Bewusstseins-Realitäten) als reine Vernunftbegriffe schon für ontische Realitäten (ontische Wahrheiten) halten: der „reine Vernunftbegriff, d.i. eine bloße Idee, deren objektive Realität dadurch, dass die Vernunft ihrer bedarf, noch lange nicht bewiesen ist" (KANT, B 620). Kant will damit sagen, dass wir zu leichtfertig denken, wenn wir die Realität eines Dinges nur deshalb annehmen, weil sein Begriff uns etwas Erfahrbares erklärt. Notwendige Erklärungsbegriffe schon für Realitäten zu halten, ist für Kant transzendentaler Schein: Richtig zu denken sei aber, dass die Existenz von reinen Erklärungsannahmen rein von der Vernunft aus nicht zu beweisen sind – aber auch nicht zu widerlegen, vielmehr sei der ontologische Status (ob real oder nicht) von Erklärungsannahmen rein von der Vernunft her unentscheidbar! Dennoch seien reine Vernunftbegriffe Entitäten (Realitäten), auf die ein Lebewesen mit Verstand nicht verzichten könne: sie seien ihm als Lebewesen mit Verstand einfachhin gegeben, also eine Verstandesrealität, die man durch transzendentallogische Reflexion (durch die Weise von Kant reflexiv zu erkennen) entdecken können.
Seelen-Begriffe in den Religionen
Seelen-Begriff im Judentum
Laut der Bibel ist die Seele entstanden, nachdem Gott Lebensodem (Geist) in den Körper, der aus Erdreich geformt war, gehaucht hat (1. Mose 2,7). Daher ist die Seele nach dem Tod nicht mehr vorhanden, da der Geist zu Gott zurück (Pred. 12,7) und der Körper zurück ins Erdreich (1. Mose 3,19; Pred. 12,9) geht und keine Empfindung mehr möglich ist. Sie ist nicht mehr wahrnehmbar, im "Unwahrnehmbaren" (so die wörtliche Übertragung des griechischen "Hades" bzw. des hebräischen "Scheol", oft mit "Totenreich" übersetzt).
"Der HERR tötet und macht lebendig; er führt in den Scheol hinab und führt herauf" (1. Samuel 2:6). In den Hades gehen die Seelen aller Menschen, ob gläubig oder nicht (Joh. 5:28-29; Hiob 3:11-19, 14:13; Hes. 32:18-32; Ps. 31:17; Dan. 12:2).
Als Redefigur (Synekdoche) beschreibt es ein Wesen vom Blickpunkt seiner Empfindungen aus. Sie bezeichnet die Genüsse, sowohl die geringeren, die der Mensch abgibt, als auch die besseren, die er dafür erhält (Seele verlieren und erhalten). Es gibt zahlreiche Schriftstellen, welche die Beziehung zwischen der Seele und den Sinnen erläutern (5. Mose 12,20; 23,25; Psalm 107,18; Jesaja 32,6 u. a.). Die Seele ist also auch die Empfindung, die erst durch die Verbindung eines organischen Körpers mit Odem oder Geist (Lebenskraft) entsteht.
Seelen-Begriff im Christentum
Die Vorstellung einer "unsterblichen Seele" als eigentlicher Identitätsträger des Menschen gegenüber einer sekundären Leiblichkeit (wie im Platonismus) ist den biblischen Texten fremd. Das semitische Menschenbild, wie es sich auch in den alttestamentlichen Texten widerspiegelt, ist nicht analytisch (wie das platonische), sondern synthetisch: Die Wirklichkeit ist komponiert aus verschiedenen Aspekten. "Fleisch" ist der Organismus des Menschen im Blick auf seine Sterblichkeit, "Seele" ist zunächst die "Kehle", der "Atem", der einen lebendigen Organismus von einem toten unterscheidet. Das "Herz" ist nicht - wie bei uns - Sitz der Gefühle, sondern der Gedanken und Entscheidungen. Sitz der Gefühle sind die Eingeweide: die "Nieren", vor allem aber die "Gebärmutter" - im Blick auf das Gefühlsleben ist dann auch vom Mutterschoßgefühl von Männern die Rede! Was den Menschen besonders belebt, ist der "Geist", wörtlich der "Windhauch", der von außen kommt und dem Menschen eingeblasen wird - entweder als göttliche Inspiration oder als dämonische Besessenheit. So kann Paulus im Neuen Testament davon sprechen, dass wir jetzt einen "Seelen-Leib" haben, in der Totenauferweckung aber einen "Geist-Leib" erhalten werden. Erst die Rezeption des Platonismus, zunächst durch das hellenistische Judentum (mit seinem Zentrum im ägyptischen Alexandria, dem Harvard-Yale-Princeton der antiken Welt), dann im Christentum macht die Idee einer unsterblichen Seele als nachtodlichem Identitätsträger in den biblischen Religionen heimisch. In den mystischen Strömungen des Judentums wurde diese Seelelehre weiter entfaltet, im orthodoxen und katholischen Chrisentum ist sie Teil der traditionellen Lehre, im zeitgenössischen Protestantismus wurde sie zum Teil aufgegeben zugunsten einer Ganztod-Hypothese (der ganze Mensch, Leib und Seele, stirbt im Tod; der ganze Mensch wird von Gott aus Gnade vollendet.)
Seelen-Begriff im Islam
(notwendige, noch auszufüllende Leerstelle)
Seelen-Begriff im Hinduismus
Alle mehr oder weniger bewusstseinsfähigen Lebewesen bestehen nach hinduistischer Auffassung aus drei unterschiedlichen Wirklichkeiten: aus einem sterblichen Körper, einem sterblichen Bewusstsein und einer unsterblichen, von Lebewesen zu Lebewesen wandernden Atman-Seele. Die Atman-Seele ist nichts rein Geistiges, Imaterielles wie das denkende und empfindende Bewusstsein, sondern sie ist eine sehr feinstoffliche Substanz, vergleichbar dem Licht, sie ist eine fein- und lichtstoffliche Wirklichkeit. Wenn der Mensch aus mehreren Wirklichkeiten besteht, dann ist die Atman-Seele die tiefste Wirklichkeit im Menschen, das tiefste Selbst. Aber diese tiefste Wirklichkeit ist nicht mit der menschlichen Person identisch, die wir mit „ich“ bezeichnen, sondern die Atman-Seele reicht über das Ich hinaus und wird in anderen Lebewesen wiedergeboren.
Die Reinkarnations-Lehre bedeutet deshalb nicht, dass jemand als Person wiedergeboren wird. Die Person des Menschen besteht nämlich aus einem individuellen Körper (z.B. männlich, schlank, klein, krankheitsanfällig) und einem individuellen Bewusstsein (z.B. Charakter, Zielvorstellungen). Beides aber vergeht im Tod. Nur der überpersonale Teile von einem bleibt erhalten, nämlich die Atman-Seele.
Dass nach hinduistischer Auffassung nicht ein personal-unsterbliches Selbst der tiefste Kern der Person, sondern die überpersonale Atman-Seele, ist nicht leicht vorstellbar, weil man sich durch das denkende Bewusstsein ständig als Ich-Persönlichkeit erfährt, die empfindet, nachdenkt, sich Ziele setzt... Ein Hindu könnte zum Verständnis darauf vergleichend hinweisen, dass man als 10-Jähriger eine andere Persönlichkeit hatte als mit 35 oder mit 60 Jahren. Und so wie man im Laufe des Lebens zu einer anderen Persönlichkeit werden kann, so kann auch die Atman-Seele im Laufe ihrer Wiedergeburten zu anderen Personen werden.
Die Hindus lehren, dass man erfahren könne, mit dem göttlichen Brahman eins zu sein. Diese Erfahrung ist in Worten kaum wiederzugeben, weil alle Begriffe ihr gegenüber viel mehr falsch als richtig sind. In dieser Wirklichkeitserfahrung weitet sich das Bewusstsein ins Unendliche, es ist ohne Grenzen, und man erfährt sich aufgehoben in einer Wirklichkeit unaussprechlichen Lichts und unaussprechlicher Einheit, die Brahman genannt wird. Aufgrund dieser Einheitserfahrung lehren die Hindus, dass die eigene tiefste Wirklichkeit, der Atman, eins ist mit dem göttlichen Brahman.
Wer erfahren hat und deshalb zutiefst weiß, dass alles Viele eigentlich mit Brahman eins ist, ist nicht mehr ängstlich an das Viele (weltliche Wirklichkeiten) gebunden, er sammelt dadurch kein neues Karma mehr an, er wird so nicht mehr wiedergeboren und geht damit im Tod ganz ins Brahman ein. Karma bezeichnet das Geprägtsein der Atman-Seele durch gutes und schlechtes Denken und Handeln, und das Karma bestimmt die Art der Wiedergeburt. Und zwar hinterlassen die Sinneswahrnehmungen, das Denken und Handeln in der Atman-Seele Eindrücke. Und diese Eindrücke verändern den Grad der Feinheit und Lichtheit des Atman-Seelenstoffes. Gutes Denken und Handeln machen die Atman-Seele feinstofflicher und lichter, schlechtes Denken und Handeln machen die Seele gröber und dunkler.
Manche Hindus verstehen das Einssein des Atman mit dem Brahman pantheistisch: So wie ein Salzklumpen sich im Wasser auflöst, so geht der Atman im göttlichen Brahman auf; so wie die Flüsse ins Meer eingehen, so gehen die Atmans ins das göttliche Eine ein. Das Atman ist identisch mit dem Brahman.
Und manche Hindus verstehen das Einssein des Atman mit dem Brahman panentheistisch: beim Eingehen der Atman-Seelen in das Brahman lösen die Atmans sich nicht im göttlichen Brahman auf, sondern behalten einen Eigenstand. Das Atman ist mit dem Brahman unauflöslich verbunden.
Es ist nicht einfach, die Einheit des tiefsten Selbst (Atman) mit dem Brahman zu erfahren. So wie man normalerweise wahrnimmt, kann man zwar das Viele erkennen, aber nicht das göttliche Eine, das in allem bzw. bei allem Vielen gegenwärtig ist. Um das göttliche Eine erfahren zu können, muss man seine Wahrnehmungs-Art ändern. Die Konzentrationstechniken des Yoga und die Askese (Enthaltung, Verzicht) wollen helfen, die Wahrnehmungs-Art so zu ändern, dass man das göttliche Eine wahrnehmen kann.
Die Askese dient dazu, dass das Bewusstsein mehr Freiheit erlangt gegenüber den weltlichen Bedürfnissen. Die Askese kann sich auf das Essen und Trinken durch Maßhalten und Fasten beziehen, auf die Sexualität durch sexuelle Enthaltsamkeit (Keuschheit), auf Herrschaft und Macht durch Gehorsam gegenüber Vorgesetzten oder auf Besitz durch Armut.
Das Yoga dient dazu, dass das Bewusstsein sich konzentrieren lernt und sich selbst in seinen vielen unbewussten Teilen kennenlernt. Nach jahrelanger Übung kann das Bewusstsein vielleicht dann auch die Erfahrung machen, dass seine tiefste Wirklichkeit, der Atman, eins ist mit dem göttlichen Brahman.- Weisheitslehrer wie Krishnamurti u.a. haben allerdings auch immer wieder betont, daß Menschen die Einheit mit dem Brahman sehr spontan erfahren können.
Seelen-Begriff im Buddhismus
Im Gegensatz zu hinduistischen Anschauungen kennt der Buddhismus, basierend auf den überlieferten Lehrreden des Siddhartha Gautama, des historischen Buddha, keinen unwandelbaren und unsterblichen überpersonalen Wesenskern. Ausdrücklich im Kontrast zum hinduistischen Atman, prägt er den Begriff des Anatman, des „Nicht-Selbst“.
Die Vorstellung es gäbe ein Ich, eine abgegrenzte Person oder ein Selbst ist demnach bereits eine grundlegende Täuschung über das Wesen der Wirklichkeit. Was Menschen als ihr „Selbst“ bezeichnen ist vielmehr ein ständig im Wandel begriffenes Zusammenspiel der fünf Daseins- oder Aneignungsgruppen (Sanskrit: Skandhas): des materiellen Körpers mit seinen Sinnesorganen, der Empfindungen, der Wahrnehmung der Welt, der Geistesformationen (Interessen, Willensregungen, Sehnsüchte und Tatabsichten) und letztlich des Bewußtseins. Wie ein Wagen eine zusammengesetzte Wirklichkeit, bestehend aus seinen Einzelteilen, ist, entsteht die Vorstellung eines Selbst aus dem Zusammenwirken dieser Daseins- oder Aneignungsgruppen.
Wie soll es aber eine Wiedergeburt geben können, ohne dass man an eine Anatman-Seele glaubt? Nach Buddha wird der Kreislauf der Geburten dadurch aufrechterhalten, dass ein karmisch geprägtes Seelen-Bewusstsein im Augenblick der Zeugung eine neue Person mit verursache: Ein aus guten Tatabsichten erwachsenes Bewusstsein suche sich nach dem Tod seines bisherigen Besitzers einen ihm entsprechenden guten Mutterschoß mit günstigen Erbanlagen und veranlasse die Entwicklung eines neuen Wesens, ohne selbst in dieses überzugehen. Das neue Wesen entspreche in der Qualität seiner Existenzform genau der Qualität der Tatabsichten des ihr voraufgehenden Seelenbewusstseins. Das neu entstandene Wesen sei aber keine völlig andere Person als die ihr voraufgehende, weil jede Existenzform von ihrer voraufgehenden geprägt sei und aus ihr hervorgehe wie eine Flamme, die an einer anderen entzündet wird. Das Seelen-Bewusstsein ist also wie eine Billardkugel, die eine andere Billardkugel in der Bewegung verursacht, oder wie ein Katalysator, der einen chemischen Prozess auslöst und im Produkt dieses Prozesses nicht mehr enthalten ist. Trotz des Fehlens einer Substanz zwischen den Existenzformen einer Wiedergeburtenkette gilt es als möglich, sich der vielen Existenzen zu erinnern, die eine Kreislaufgeburtenkette ausmache.
Seelen-Begriff der Psychoanalyse
Nach Ansicht der von Sigmund Freud geprägten Psychoanalyse liegen sämtlichen Handlungen des Menschen Motive aus unserer Seele (Psyche) zu Grunde. Als Motiv werden in diesem Zusammenhang Antriebsgründe und Beweggründe bezeichnet, die den Handlungen psychisch letztlich zugrunde liegen.
Als Psyche wird hier das System bezeichnet, welches Wahrnehmen und Denken begründet und die affektiven und rationalen Motive unserer Handlungen begründet. Das System des Organismus bezeichnet hierbei ein Gebilde, dessen wesentliche Elemente (Teile) so aufeinander bezogen sind, dass sie eine Einheit (ein Ganzes) bilden. Systeme organisieren und erhalten sich demnach durch Strukturen.
Als Struktur wird das Muster (die Form) der Systemelemente und ihrer Beziehungsgeflechte bezeichnet, durch die ein System funktioniert (entsteht und sich erhält). Die Motive unserer Handlungen werden nach Freud hierbei in drei prinzipiell unterscheidbaren Strukturen gegliedert: das Ich, das Es und das Über-Ich (siehe Sigmund Freud).
Zum frühen Ich zählte Freud auch den sozialisationsgebildeten Charakter eines Menschen: die bewusstseinsfähigen Emotionen und Bedürfnisse, die in Art und Intensität aus den Grundtrieben des Es durch den Sozialisationsprozess geformt worden sind. Dabei bezeichnete Freud die sozialisationsgeformten Emotionen und Bedürfnisse als >Triebabkömmlinge des Es im Ich<. Das Es mit seinen angeborenen Triebimpulsen wird hier mit einem Baumstamm verglichen, aus dem das frühe Ich als Krone herauswächst. Deswegen nennt Freud diesen Teil des Ichs ein Produkt des Es: er ist aus dem Material des Es (Grundtrieben) entwickelt worden. Man sollte die Emotionen und Bedürfnisse aber unter das Es subsumieren, weil dies begrifflich klarer und weniger verwirrend ist. Man ist vielleicht verführt, die Emotionen und Bedürfnisse zum Ich zu zählen, weil man alles Bewusste mit dem Ich gleichsetzen möchte und die Emotionen und Bedürfnisse ja bewusst werden können. Aber nicht alles Bewusste gehört zum Ich, denn Überichinhalte können bewusst werden. Und nicht alles Unbewusste gehört zum Es, wie die Überichinhalte zeigen. Bei allen drei psychischen Strukturen gibt es Bewusstes, Unbewusstes und Vorbewusstes ( = was bewusst gelernt wurde, aber zu einem unbewussten Habitus wurde wie Autofahren, Fremdsprache...). Zum Beispiel kann ein durch Ich-Einsatz bewusst eingeübtes Handeln automatisiert werden und damit vorbewusst sein. Und was man bewusst erlebt hat, kann im Gedächtnis versinken, es kann vergessen werden und damit unbewusst sein, aber auch wiedererinnert werden.
Zu den Elementen des Ichs zählt man zuallererst die Bewusstseinsleistungen des Wahrnehmens, des Denkens und des Gedächtnisses, weil sie dem Ich helfen, seiner spezifischen Aufgabe gerecht zu werden, nämlich realitätsgerecht (konfliktauflösend) zwischen den Ansprüchen aus dem Es, dem Überich und dem Sozial-Außen zu vermitteln – also um psychische und soziale Konflikte konstruktiv zu lösen. Ein Kriterium dafür, ob das Ich realitätsdicht oder realitätsfern an der Entfaltung des Lebens orientiert ist, ist das Freisein von destruktiven Sozial- und Individualkonflikten über längere Zeit und die Fähigkeit des Ich, Konflikte konstruktiv lösen zu können. Weil nur das Ich realitätsgerechtes Handeln zu sichern vermag, heißt das, dass nur das Ich ein wahrhaft menschliches Handeln zu sichern vermag. Diese Teile der Psyche sind keine Produkte des Es wie die Emotionen und Bedürfnisse, weil diese nicht aus dem Es hervorgehen durch den (An)Passungskonflikt zwischen Trieben und sozialisierender Umwelt, sondern weil sie ihre eigene, davon abgehobene spezifische Entwicklung durchlaufen.
Mensch - Tier
In vielen Kulturkreisen wie auch in der Antike wurden sowohl die physische Ähnlichkeit zwischen Menschen und Tieren, gleichzeitig aber auch die Unterschiede (Sprech- und Denkfähigkeit, Werkzeuggebrauch) erkannt.
Schöpfungsmythen beantworten diesen Unterschied durch eine dem Menschen innewohnende Seele, die Tieren nicht gegeben ist.
Der Ursprung dieser Seele liegt in dieser Sichtweise generell im Bereich des übernatürlichen (Religion).
- Sie wird oft mit der Fähigkeit des Menschen, moralisch zu urteilen und zu handeln, verknüpft.
- Tieren wird dagegen selten die Fähigkeit zugesprochen, zwischen "Gut" und "Böse" zu unterscheiden.
Die geistige Seele gibt dem Menschen die Fähigkeit, über seine Handlungen zu reflektieren, und damit auch die Verantwortung für sein Handeln. Insbesondere das Reflexionsvermögen und das Verantwortungsvermögen hängen eng mit der Einmaligkeit des Individuums und seiner Persönlichkeit zusammen (siehe Selbstbewusstsein).
Die genaue Beschaffenheit der Seele, ihre Funktion und Bedeutung sowie ihr Ursprung wird in den Religionen und in den Wissenschaften unterschiedlich verstanden.
Wissenschaftlicher Diskurs
Der Begriff Seele ist identisch mit dem aus dem Griechischen abgeleiteten Wort Psyche. Im Wissenschaftsbetrieb wird allerdings heute kaum je von Seele, sondern fast ausschließlich von Psyche gesprochen. Die Seele ist nach vorherrschender wissenschaftlicher Auffassung an ein funktionierendes Nervensystem gebunden. Sie sterbe zusammen mit dem Körper oder - beim Hirntod - auch schon vor dem Körper.
Mit der Seele befassen sich folgende Wissenschaften:
Die Psychologie, die Psychoanalyse, die Verhaltensforschung, die Kognitionswissenschaft, die Neurowissenschaften, die Anthropologie und die Endokrinologie. Sofern man die Philosophie zu den Wissenschaften zählt, so befasst auch sie sich mit der Seele (Leib-Seele-Problem).
Die Forschungen zum Nahtodeserlebnis (engl. near-death experience, NDE) oder die Reinkarnationsforschung werden oft als Pseudowissenschaften abgelehnt.
Wissenschaftler bewerten Erkenntnisse zur Seele (wie alle Menschen) unter der Sichtweise ihrer Weltanschauung.
- Rein materialistische oder reduktionalistische Wissenschaftler spekulieren, dass die psychologisch betrachteten Vorgänge sich letztendlich auf das komplexe Zusammenspiel biochemischer, elektrischer Prozesse und die Eigenschaften komplexer Systeme des Menschen zurückführen lassen könnten.
- Die Seele ist demnach identisch mit elektrischen bzw. biochemischen Vorgängen im Gehirn, die zwar noch zu einem guten Teil unbekannt, aber grundsätzlich mit den Naturgesetzen vereinbar sind.
Siehe auch: Materialität der Seele
Zitate
- Der Körper ist ein Mietwagen, den man irgendwann abgeben muss. Nichts spricht dagegen, dass der Fahrer bleibt. Aber es spricht auch nichts dafür. (Peter Ustinov)
- Und im Wissen, dass die Seele den Körper überlebt, brennt er nicht ungeduldig darauf, den Sieg der Wahrheit im gegenwärtigen Körper zu erleben. (Mahatma Gandhi [sanskrit: Große Seele])
- Seele lebt, weil Gott sie liebt (Harold Klemp, derzeitiger spiritueller Führer von Eckankar, einer kleinen religiösen Gemeinschaft, welche die Seelenreise als zentralen Glaubenssatz vermittelt)
- Wisse wahrlich, daß die Seele ein Zeichen Gottes ist, ein himmlischer Edelstein, dessen Wirklichkeit die gelehrtesten Menschen nicht zu begreifen vermögen, und dessen Geheimnis kein noch so scharfer Verstand je zu enträtseln hoffen kann. Sie ist von allen erschaffenen Dingen das erste, das die Vollkommenheit des Schöpfers verkündet, Seine Herrlichkeit anerkennt, sich an Seine Wahrheit hält und sich in Anbetung vor Ihm niederbeugt. (Baha'u'llah)
- Das Denken ist das Selbstgespräch der Seele. (Plato, griechischer Philosoph, Begründer der abendländischen Philosophie)
- Verzichten wir auf die Illusion, in der Seele eine immaterielle 'Substanz' zu sehen, dann leugnen wir nicht deren Existenz, sondern wir beginnen im Gegenteil, die Komplexität (...) zu erkennen, die zusammen das Wesen ausmachen, das sich in uns einmalig und unwiderleglich selber bezeugt. (Jacques Monod, Zufall und Notwendigkeit, Philosophische Fragen der modernen Biologie)
- Die große Frage, die ich trotz meines dreißigjährigen Studiums der weiblichen Seele nicht zu beantworten vermag, lautet: Was will eine Frau? (Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse)
- "Der Begriff "Seele", "Geist", zuletzt gar noch "unsterbliche Seele", erfunden, um den Leib zu verachten ..." (Friedrich Nietzsche)
Literatur
Bücher
- Appiah, Kwame Anthony: Thinking it Through - An Introduction to Contemporary Philosophy. 2003, ISBN 0195134583
- Norbert Bischof: Das Kraftfeld der Mythen. 1998, ISBN 3492226558
- Reinhard Breuer: Das Rätsel von Leib und Seele; über das Verhältnis von Geist und Körper. Aus der Reihe »Bild der Wissenschaft«
- Christian Geyer(Hrsg.): Hirnforschung und Willensfreiheit. 2004, ISBN 3518123874
- Hasselmann/Schmolke: Welten der Seele, Archetypen der Seele, Weisheit der Seele, Wege der Seele. Goldmann Verlag
- Gerd Jüttemann: Die Seele - Ihre Geschichte im Abendland.
- Hans-Jörg Ronsdorf: Und die Toten leben doch - Die Unsterblichkeit der Seele. 1992, ISBN 3-89397-227-7 [http://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=7303&title=&biblevers=&searchstring=&author=0&language=0&category=0&play=0&tm=2 PDF Online]
- Russel, Bertrand: The Analysis of Mind. 1921, ISBN 1588277097
- Steven Schwartz: Wie Pawlow auf den Hund kam.
- Josef Seifert: Das Leib-Seele-Problem und die gegenwärtige philosophische Diskussion, eine systematisch-kritische Analyse. Zweite, korrigierte und erweiterte Auflage. Darmstadt 1989, ISBN 3534-07713-X
- Terrill Willson; Wie ich Seelenreisen lernte.
- P.G. Zimbardo: Psychologie. Springer Verlag, Ein Lehrbuch der Psychologie
- Dieter E. Zimmer: Die Vernunft der Gefühle.
Aufsätze
- Hermann Levinson, Anna Levinson: Vögel und Schmetterlinge als Erscheinungsform der menschlichen Seele. Naturwissenschaftliche Rundschau 58(10), S. 531-536, 2005,
Film
- Ghost - Nachricht von Sam ("Ghost") (USA, 1990) mit Whoopi Goldberg, Patrick Swayze, Demi Moore /
- Hinter dem Horizont
- Im Zeichen der Libelle
Siehe auch
Seelsorge, Internetseelsorge, Telefonseelsorge, Seelenwanderung, Außerkörperliche Erfahrung, Leib-Seele Problem, Anam Cara
Weblinks
- [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2004/102/ Philosophische Dissertation, die u.a. ausführlich auf die Leib/Seele/Geist-Problematik eingeht]
- [http://www.firmenseele.de •Betrachtung einer Firmenseele in einem Unternehmen]
- [http://omnibus.uni-freiburg.de/~manfrin/lsp.html Ausführliche private wissenschaftlich Betrachtung]
- [http://www.hans-hass.de/Energon/427_431_Ueber_das_Wort_Seele.html Philosophische Betrachtung von Prof. Dr. Hans Hass, Wien]
- [http://www.zdf.de/ZDFmt/mediathek/ZDFmt_video_cont/0,3498,MT-2222833--MD-2095427-hi--3,00.html ZDF-Video: Johannes B. Kerner: Thema "Tod und Sterben"]
- [http://www.theologie-systematisch.de/anthropologie/1grundbegriffe.htm Aktuelle Literatur zum Leib-Seele-Verständnis des Menschen]
- [http://www.lucretius.de Lukrez: Die Sterblichkeit der Seele in 'de rerum natura']
Kategorie:Philosophie des Geistes
Kategorie:Metaphysik
Kategorie:Ontologie
Kategorie:Psychologie
Kategorie:Philosophische Anthropologie
Kategorie:Theologie
Kategorie:Religion
Kategorie:Spiritualität
Kategorie:Esoterik
ja:霊魂
simple:Soul
IdealDas Ideal (lateinisch idealis; zu griechisch / lateinisch ιδέα / idea - die Idee) bezeichnet (auch als Adjektiv bzw. Adverb ideal
- ein als höchsten Wert erkanntes Ziel, eine angestrebte Idee der Vollkommenheit, siehe Ideal (Philosophie).
- in der Mathematik eine Unterguppe eines Ringes, siehe Ideal (Ringtheorie).
- eine Musikband aus der Ära der Neuen Deutschen Welle, siehe Ideal (Band).
Siehe auch: Ideales Objekt
KrankheitEine Krankheit ist eine Störung der körperlichen, kognitiven und/oder seelischen Funktionen, die die Leistungsfähigkeit oder das Wohlbefinden eines Lebewesens subjektiv oder intersubjektiv deutlich wahrnehmbar negativ beeinflusst oder eine solche Beeinflussung erwarten lässt.
Sozialversicherungsrechtlich ist unter Krankheit ein regelwidriger, vom Leitbild des gesunden Menschen abweichender Körper- oder Geisteszustand zu verstehen, der ärztlicher Behandlung bedarf. Auf die Tatbestandsvoraussetzungen einer Arbeitsunfähigkeit kann nicht zurückgegriffen werden; ist jedoch Arbeitsunfähigkeit gegeben, liegt ohne Weiteres auch Krankheit vor.
Abwesenheit von Krankheit ist eine notwendige, aber laut WHO nicht hinreichende Voraussetzung für Gesundheit.
Synonyma und Ableitungen
Erkrankung, Morbus, Nosos
Systematik
Systematische Einteilungen der Krankheiten waren in der Vergangenheit ständigem Wandel unterworfen (vgl. Liste historischer Krankheitsbezeichnungen). Die moderne Einteilung der Krankheiten kann grob organbezogen nach den Hauptdiagnosegruppen (MDC, Major Diagnostic Categories) erfolgen.
Eine genauere Einteilung erlaubt die Internationale Klassifikation der Krankheiten ICD-10, bzw. für den onkologischen Bereich entsprechend der ICD-O.
Ursache von Krankheiten
Die Krankheitsursachen sind mannigfaltig. Bei vielen Krankheiten kann man keine einzelne Ursache dingfest machen, sondern nur Risikofaktoren herausarbeiten (siehe z.B. Herzinfarkt oder ungelöster, länger andauernder, schwächender Konflikt, vgl. Prof. Dr. med. Alexander Mitscherlich: "Krankheit als Konflikt" Suhrkamp 1966 und andere Autoren).
Krankheitsbegünstigend bzw. -verursachend ist oft auch ein Konflikt, aus dem sich der Patient, ohne es zu wissen, in einen Krankheitsgewinn flüchtet, von dem er bis zur Genesung profitiert, während der Konflikt an Wichtigkeit verliert und vom Patienten aus neuen Blickwinkeln mit Lösung gesehen werden kann. Liegt ein objektiv feststellbares, ärztlich behandelbares Symptom vor, muss die Krankheit auf herkömmliche, anerkannte Weise behandelt werden. Ein Ansprechen des Konflikts mit dem Patienten empfiehlt sich nicht, weil er davon noch kränker werden kann, nur um den Zusammenhang zwischen Konflikt und Symptom verdrängen zu können.
Typen von Krankheiten
Krankheiten können grob nach Typen eingeteilt werden:
- Erbkrankheiten (durch Vererbung verursacht)
- Infektionskrankheiten (durch Infektionen verursacht)
- Kinderkrankheiten
- Unfälle und Verletzungen (durch Außeneinwirkung verursacht)
- degenerative Erkrankungen (durch Entartung von Organen oder Gliedern, meist über Generationen, verursacht)
- Autoimmunkrankheiten (das Immunsystem bekämpft gesunde Zellen)
- Tumorkrankheiten (Zellen entarten und wachsen unkontrolliert)
- Iatrogene Erkrankungen (durch Behandlung verursacht)
- Zivilisationskrankheiten (falsche Ernährung, Bewegungsmangel u.a.)
- Mangelkrankheiten
- Wohlstandskrankheiten
Mit der gesellschaftlichen Bedingtheit von Erkrankung und Krankheitsverläufen sowie der staatlichen Steuerung des Gesundheitswesens beschäftigt sich die Medizinsoziologie.
Die gesellschaftliche Diskussion um die Abgrenzung von Krankheit zur Gesundheit wird in der Fachwelt mit Begriffen wie Healthism, Disease Mongering und Medikalisierung geführt.
Mit einer seelisch-körperlichen Betrachtungs- und Heilweise, unter Berücksichtigung der emotionalen und sozialen Ursachen sowie der Persönlichkeit und des Lebensschicksals des Patienten befasst sich die Psychosomatische Medizin.
Krankheitsverlauf
Der Krankheit selbst geht das Krankheitsvorfeld voraus, das durch die Anamnese ermittelt wird. Krankheit führt - behandelt oder unbehandelt - zu Heilung, Remission, einem Rezidiv (oder mehreren Rezidiven), Leiden oder Tod.
Häufig verwendete Begriffe, die den zeitlichen Verlauf beschreiben:
- akut = plötzlicher Beginn (z. B. grippaler Infekt)
- subakut = allmählicher Beginn (z. B. Hepatitis B)
- chronisch = längerer Verlauf (z. B. Multiple Sklerose)
- chronisch rezidivierend = immer wieder auftretend (z. B. "chronische" Bronchitis)
- foudroyant (oder: fulminant) = "blitzartig" einsetzend und verlaufend (z. B. Apoplexie)
Siehe auch
- Liste der Krankheiten, Krankheitserreger, Gesundheit, Prävalenz, Krankheitsgewinn, Krankheit als Metapher
Weblinks
- [http://www.sgipt.org/medppp/krank/iwk1.htm Zum Begriff 'krank' in der Medizin mit Blick auf Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie]
- http://www.hilfsorganisationen.de/MENUE/Krankheiten/ - Unterkategorie des Portals
- [http://www.akweb.de/fantomas/fant_s/fant007/07.htm Identitätspolitik in der Peripherie. Über Kranke und "Riskante" in der Normalisierungsgesellschaft, aus Fantômas 7/2005]
http://www.onmeda.de/krankheiten/index.html - Krankheiten auf onmeda.de
als:Krankheit
ja:病気
ms:Penyakit
simple:Disease
zh-min-nan:Pīⁿ
Alter
Der Begriff Alter hat mehrere Bedeutungen, meint jedoch im allgemeinen die seit einem definierten Startpunkt für ein Objekt oder ein Lebewesen vergangene Zeit.
# Die Anzahl der seit der Geburt eines Lebewesens verstrichenen Jahre: Lebensalter
# Mit dem Alter als späten Abschnitt im Leben eines Menschen beschäftigt sich als Wissenschaft die Gerontologie
# Zur Feststellung des Alters von Bäumen, Tieren, Gesteinen, Fossilien oder archäologischen Funden siehe Datierung und Altersbestimmung
# Jiddisch für erster, siehe Alter Rebbe
# Ein Slangwort, ähnlich "Hey Man!".
Siehe auch: Alt, Alte, Altern, Altersdiskriminierung
SterbenSterben ist die Zeit am Ende eines Lebens, die den Übergang zum Tod darstellt.
Es ist schwierig, eine Linie zwischen Sterben und Tod zu ziehen.
Biologie
Biologisch gesehen läuft das natürliche Sterben eines Menschen in folgenden Phasen ab:
# Einschränkung der Wahrnehmung durch verringerte Hirnaktivität.
# Die Atmung wird flacher.
# Das Sehvermögen wird schlechter.
# Das Hörvermögen funktioniert nur noch partiell.
# Das Augenlicht erlischt völlig.
# Herzstillstand, unmittelbar gefolgt vom
# Gehirntod.
An den Herzstillstand anschließend beginnt die Zersetzung des Körpers. Den Anfang macht dabei das Gehirn.
Ein „Todeskampf“ (auch „Agonie“) ist eine Metapher für „das Ringen eines Lebewesens mit dem Tod“.
Psychologie
Die Sterbeforschung geht - in der Nachfolge von Kübler-Ross - davon aus, dass viele Menschen beim Sterben alle oder einen Teil der folgenden aufeinanderfolgenden psychologischen Stadien durchleben:
# Nicht-Wahrhaben-Wollen (Leugnung)
# Zorn
# „Verhandeln“
# Depression
# Zustimmung
# Hoffnung
Soziokulturelle Aspekte
Während der eingetretene Tod des Menschen heute aus medizinischer Sicht relativ klar definierbar ist (z.B. als Hirntod und unumkehrbares Erlöschen des Lebens im biologischen Sinne), werden unter dem Vorgang des Sterbens - je nach Kulturkreis und Weltanschauung - verschiedene Zeitrahmen und Zustände verstanden, oder vielfach verdrängt. Daher ist auch der Umgang mit dem Thema und mit Sterbenden äußerst verschieden.
Umgang
Wenn jemand „im Sterben liegt“, kann das in einigen Fällen die Beziehung zum Betroffenen intensivieren, in anderen Fällen aber auch zu einem Ausweichen und zur Vermeidung des Kontakts führen. Wenn der Tod eingetreten ist, stehen stärker konventionalisierte Verhaltensregeln und Rituale zur Verfügung, so daß diese Verhaltensunterschiede abnehmen, aber bei dennoch in der Art des Begräbnisses oder der Form der Trauer deutlich sicht- und spürbar.
In der westlichen Kultur hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte der Umgang mit dem Thema Sterben in Wort, Denken, sozialem Verhalten und auch in der Kunst stark verändert. Was früher - auch durch den stärkeren Einfluss der Kirchen bedingt - Anlass zum Nachdenken war - aber auch manchmal zur persönlichen „Umkehr“ oder zu Fatalismus - ist heute vornehmlich ein Thema der Medizin.
Während die Menschen früher beim Sterben von ihren engsten Vertrauten (Verwandten oder Freunden) begleitet wurden, ist das Sterben heute oftmals in Kliniken oder Hospize „abgedrängt“. Kaum ein Mensch möchte sich der Erfahrung des Sterbens aussetzen, weil Sterben und Tod heute so sehr tabuisiert sind. Das Aufkommen und Erstarken der Hospiz-Bewegung, bzw. die vielfältige Diskussion zur Ethik der Euthanasie macht bestehende Defizite deutlich.
Dass Sterben und Tod unmittelbar zum Leben gehören, ist vielen erst wieder durch die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross bewusst geworden. Die Interviews mit Sterbenden wurden quasi zur „Gründungsurkunde“ der weltweiten Hospizbewegung, die ein „menschlicheres“ Sterben als üblich ermöglichen will. Dabei spielt nicht nur die angenehme Gestaltung der Umgebung und die emotionale Anteilnahme anderer eine Rolle, sondern auch die Ermöglichung von Gesprächen lange Zeit vor dem Sterben sowie die (Sterbe-)Begleitung und Körperkontakt bis zuletzt. Einen sterbenden Menschen in den Tod zu umarmen, wird von vielen als eine seltene und wertvolle Erfahrung empfunden.
Für den Umgang mit dem Sterben sind auch einige Erkenntnisse der Medizin über unsichere Todeszeichen hilfreich - fehlinterpretiert werden hier z.B. das Fehlen der Atmung, des Puls oder des Herzschlags, die Lähmungen aller Muskeln und die Bewußtlosigkeit („Scheintod“). Dass Sterbende in bestimmten Fällen dennoch ihre Umgebung wahrnehmen, Hören und Fühlen können, ist inzwischen allgemein anerkannt.
Die sogenannten Nahtod-Erlebnisse geben, so ergreifend ihre Schilderungen sein können, zwar kaum neue Erkenntnisse über den Tod, haben aber der Bewusstseinsbildung zum Thema Sterben starken Auftrieb gegeben.
Siehe auch
- Thanatologie. Leben nach dem Tod, Seele, Sterbehilfe, Suizid
Literatur
- Philippe Ariès: Geschichte des Todes. 11. Aufl. Dtv, München 2005, ISBN 3-423-30169-4
- Jacques Laager: Ars moriendi. Die Kunst, gut zu leben und gut zu sterben. Texte von Cicero bis Luther. Manesse, Zürich 1996, ISBN 3-7175-1884-4, ISBN 3-7175-1885-2
- Arthur E. Imhof: Die Kunst des Sterbens. Wie unsere Vorfahren sterben lernten. Impulse für heute. Hirzel, Stuttgart 1998, ISBN 3-7776-0687-1
- Norbert Elias: Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-58351-4 (Ein leicht zu lesendes und lesenswertes Buch über das Sterben und den Tod.)
- Walter Beltz (Hrsg.): Lexikon der letzten Dinge. Pattloch, Augsburg u.a. 1993, ISBN 3-629-00671-X
- Glennys Howarth, Oliver Leaman: Encyclopedia of death and dying. Routledge, London u.a. 2001, ISBN 0-415-18825-3
Weblinks
- [http://www.erz.uni-hannover.de/~feldmann/sterben_und_tod.htm Soziologische Betrachtungen zu Sterben und Tod von Prof. Klaus Feldmann]
- [http://www.quarks.de/sterben/ „Wie wir sterben“ - Materialien zur Sendung Quarks & Co des WDR]
- [http://www.altenpflege-tod-und-sterben.de/tod_und_sterben.htm Gesammeltes zu Tod und Sterben]
- [http://www.zdf.de/ZDFmt/mediathek/ZDFmt_video_cont/0,3498,MT-2222833--MD-2095427-hi--3,00.html ZDF-Video: Johannes B. Kerner, Thema „Tod und Sterben“]
- [http://www.webhistoriker.de/scripts/reisen.html www.webhistoriker.de] Todesvorstellungen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit
Kategorie:Sterben
Kategorie:Pathologie
Kategorie:Rechtsmedizin
Kategorie:Religionsphilosophie
Kategorie:Philosophische Anthropologie
Kategorie:Religion
Kategorie:Soziologie
VorsorgeprogrammUnter dem Vorsorgeprogramm versteht man die von der gesetzlichen Krankenversicherung vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten. Es werden Vorsorgeprogramme für Neugeborene und Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer unterschieden.
Ähnliche Regelungen gelten bei den privaten Krankenversicherungen (PKV).
Diese Untersuchungen sind darauf ausgerichtet, häufige in der Bevölkerung auftretende und volkswirtschaftlich relevante Krankheiten frühzeitig aufzudecken, um durch rechtzeitige Behandlung eine Heilung zu erreichen (z.B. Darmkrebs) bzw. die Folgeschäden zu lindern (z.B. Zuckerkrankheit, Bluthochdruck). Dadurch sollen den Krankenkassen die Kosten für die Behandlung der Folgeschäden erspart werden. Bei der Erstellung von Vorsorgeprogrammen wird nicht das medizinisch Machbare, sondern eben (auch ökonomische) Abwägung des Nutzens und des Schadens eines sinnvollen Screenings zugrunde gelegt.
Beispiel: Die Kosten für die einzige sinnvolle Darmkrebsvorsorge mittels Darmspiegelung (Vorsorgekoloskopie) werden erst ab 55 Jahren übernommen, weil erst ab diesem Alter der Nutzen die Kosten überwiegt. Die Darmkrebsfälle bis zu diesem Alter fallen aus diesem Raster heraus.
Basisprogramm
Auch wenn viele Krankenkassen mit diesen Vorsorgeprogrammen um die Gunst ihrer Versicherten werben, sollte man beachten, dass diese Vorsorgeuntersuchungen aus medizinischer Sicht nur ein grobes Basisprogramm für die häufigen Volkskrankheiten darstellen. Nicht alle Krankheiten und Krebse werden erfasst. Es handelt sich also keineswegs um eine lückenlose Vorsorge. Nicht durch das Basisprogramm der gesetzlichen Krankenkassen abgedeckte Vorsorgeuntersuchungen werden in der IGeL-Liste verbindlich erfasst und bei Durchführung dem Patienten als IGeL-Leistung in Rechnung gestellt. Bei neu aufgetretenen Krankheitszeichen sollte deshalb immer ein Arzt bzw. eine Ärztin konsultiert werden, auch wenn man vor Kurzem zur Vorsorge war.
Weblinks
- [http://www.die-gesundheitsreform.de/reform/zuzahlung/frueherkennung_vorsorge/index.html Früherkennung - Vorsorge: Welche Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen werden in Deutschland empfohlen und werden von den gesetzlichen Kassen getragen]
Kategorie:Gesundheit
Mann
Als Mann bezeichnet man im Deutschen einen erwachsenen Menschen männlichen Geschlechts. Das geschlechtliche Gegenstück ist die Frau. Der Begriff "Mann" ist jedoch aufgrund der fundamentalen Einflüsse der Geschlechtlichkeit auf die menschliche Gesellschaft mit sehr vielen weiteren assoziativen und teilweise sehr emotionalen Bedeutungen beladen, die hier lediglich skizzenhaft und unvollständig dargestellt werden können (s. auch Männlichkeit). Das Symbol für einen Mann ist ♂, das Marssymbol. ♂ Das Marssymbol steht in der Alchemie treffenderweise auch für Eisen und war zusammengesetzt aus dem Kreuz, das Materie bedeutete, die über dem Geist, verbildlicht durch den Kreis steht. Der Planet Mars hat die rote Farbe wegen rostigen Eisen das ihn bedeckt. Das Marssymbol steht auch für den griechischen Kriegsgott Ares und den entsprechenden römischen Gott Mars.
Biologische und medizinische Bedeutung
Aus molekularbiologischer Sicht unterscheidet sich der Mann von der menschlichen Frau durch die Paarung XY in den Geschlechtschromosomen (statt XX bei der Frau). Dies führt zur Entwicklung diverser anatomischer Merkmale des Mannes:
- Das Vorhandensein männlicher Gonaden, der Hoden, in denen die männlichen Gameten, die Spermien produziert werden.
- die Entwicklung der primären Geschlechtsmerkmale Penis und Skrotum beim menschlichen Embryo
- die Entwicklung von sekundären Geschlechtsmerkmalen während der Pubertät, wie Bartwuchs, tieferer Stimme als die Frau, breiteren Schultern, einem schmaleren Becken, einem geringeren Körperfett- und höherem Muskelanteil am Gesamtgewicht, einem höheren Wuchs sowie generell stärkerer Körperbehaarung, allesamt Folge eines höheren Spiegels des männlichen Geschlechtshormons Testosteron im Blut.
Zu fehlenden Geschlechtsmerkmalen und Mehrgeschlechtlichkeit siehe | | |