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Gießen

Gießen

Die Universitätsstadt Gießen ist das administrative, ein funktionales und Verkehrszentrum Mittelhessens. Der Regierungsbezirk Gießen und der Landkreis Gießen haben dort ihren Verwaltungssitz. Gießen ist die achtgrößte Stadt Hessens. __toc__ Hessen

Geographie

Hessen Hessen

Geografische Lage

Gießen liegt an der Lahn, genau dort, wo diese ihren Lauf von südlicher in westliche Fließrichtung ändert, in einer der seltenen Aufweitungen des Lahntals. Nördlich der Stadt setzt sich das Lahntal in Richtung Marburg fort. Im Westen liegt der Westerwald, im Süden die Wetterau und in weiterer Entfernung der Taunus. Im Osten geht das Gießener Land in den Vogelsberg über. Nachbarstädte Gießens sind Wetzlar (15 km westlich) und Marburg (30 km nördlich), die beide ebenfalls an der Lahn liegen, sowie Fulda (80 km östlich), Friedberg (30 km südlich) sowie Frankfurt am Main (70 km südlich).

Nachbargemeinden und -kreise

Die Stadtgrenzen Gießens sind sehr eng gezogen, die Stadt leidet unter der Abwanderung sowohl der Wohnbevölkerung als auch von Gewerbebetrieben in die Vorortgemeinden. Diese sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen):
- Heuchelheim
- Wettenberg
- Lollar
- Staufenberg
- Buseck
- Fernwald
- Pohlheim
- Linden
- Hüttenberg (Lahn-Dill-Kreis)
- Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis).

Stadtgliederung

Außer der alten Kernstadt Gießen gehören sechs weitere Stadtteile zum Stadtgebiet:
- Allendorf/Lahn (seit 1971), im Südwesten
- Kleinlinden (seit 1939), im Südwesten
- Lützellinden (seit 1979), im Südwesten
- Rödgen (seit 1971), im Osten
- Wieseck (seit 1939), im Nordosten
- Petersweiher, im Süden am Fuße des Schiffenbergs in unmittelbarer Nachbarschaft zu Watzenborn-Steinberg Die unbewohnte Gemarkung Schiffenberg im Süden der Stadt wurde 1939 angegliedert. Von 1977 bis 1979 war Gießen Teil der rund doppelt so großen Stadt Lahn, die außer den genannten 17 weitere Stadtteile zählte.

Verkehr

Gießen ist ein Verkehrsknotenpunkt Mittelhessens. Das Lahntal bündelt die Verkehrsströme aus Norden (Marburg, Kassel) und Westen (Wetzlar, Koblenz), die Wetterau schafft die Verbindung nach Süden (Frankfurt). Nur nach Osten verhindert der Vogelsberg einen einfachen Weg, deshalb sind die Verkehrsbeziehungen in diese Richtung am schwächsten ausgeprägt.

Straßenverkehr

Neben den überregional und international bedeutenden Autobahnen A 5 (Frankfurt–Kassel) und A 45 (Hanau-Wetzlar-Dortmund) bestehen die regionalen Strecken A 480 (zum Reiskirchener Dreieck) und die autobahnähnlich ausgebaute B 49 (Trier-Wetzlar-Alsfeld) in Ost-West-Richtung und die A 485 (Ostumgehung) und B 429 (Westtangente) in Nord-Süd-Richtung. Die A485 ersetzt im Gießener Raum die Bundesstraße 3, die früher mitten durch Gießen verlief. In südöstliche Richtung (Lich, Hungen) verläuft außerdem die Bundesstraße 457. Das Stadtgebiet wurde nach den schweren Kriegszerstörungen autogerecht wiederaufgebaut, breite Einfallstraßen führen zu einer Ringstraße im Verlauf der ehemaligen Wallanlagen. Der Stadtkern innerhalb der ehemaligen Wallanlagen ist seit den 80er Jahren für den Autoverkehr weitgehend gesperrt.

Schienenverkehr

Wallanlagen Gießen ist bis heute ein bedeutender Knotenpunkt im Bahnverkehr. Der Bau der ICE-Schnellfahrstrecke Würzburg/Frankfurt–Hannover in den 80er Jahren, die den Fernverkehr zwischen Frankfurt und Kassel heute statt über Gießen nun über Fulda leitet, verschob die Bedeutung im Bahnnetz zugunsten der osthessischen Stadt. Die wichtigste Bahnstrecke in Gießen ist die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Main-Weser-Bahn von Frankfurt nach Kassel. Die Köln-Gießener Eisenbahn über Wetzlar und Siegen verbindet Mittelhessen mit dem Rheinland und dem Ruhrgebiet. Die Lahntalbahn folgt dem Fluss über Wetzlar bis zu seiner Mündung nahe Koblenz. Die Vogelsbergbahn nach Alsfeld und Fulda umgeht das Gebirge wie die Autobahn A5 an seiner Nordseite. Die Lahn-Kinzig-Bahn führt von Gießen nach Südosten (Hungen, Nidda, Gelnhausen). Die genannten Strecken gehören zum größten Teil seit 1995 zum Rhein-Main-Verkehrsverbund. Gießen besitzt einen Bahnhof und folgende Haltepunkte:
- Licher Straße (Haltepunkt an der Vogelsbergbahn)
- Erdkauter Weg (Haltepunkt an der Lahn-Kinzig-Bahn)
- Watzenborn-Steinberg/Petersweiher (an der Lahn-Kinzig-Bahn)
- Oswaldsgarten (Haltepunkt an der Main-Weser-Bahn für Regionalzüge von und nach Marburg; Eröffnung 2004) Hinzu kommen der Güterbahnhof sowie der im Stadtteil Klein-Linden gelegene Abzweigbahnhof Gießen-Bergwald, der eine direkte Verbindung der Strecken von/nach Frankfurt bzw. Wetzlar unter Umgehung des Bahnhofs Gießen ermöglicht. Außerdem gab es in Gießen bis 2003 ein Bahnbetriebswerk. Den Nahverkehr in Gießen bestreiten heute die Stadtwerke Gießen mit elf Omnibuslinien. Gießen besaß von 1909 bis 1953 eine Straßenbahn und von 1941 bis 1968 Oberleitungsbusse.

Geschichte

Siehe auch Geschichte Gießens Geschichte Gießens

Erste Siedlung

Die
Burg Gleiberg (im Bild rechts, rechts im Hintergrund, ca. 5 km nordwestlich vor der heutigen Stadt), welche etwa im 10. Jahrhundert von den Konradinern errichtet wurde stellt den Beginn der Besiedlung von Gießen dar. Ende des 10. Jahrhunderts ging sie an die Luxemburger und damit an die Grafschaft an der mittleren Lahn. Durch Erbteilungen wurde diese Grafschaft geteilt und so erhielt über einige Etappen Wilhelm von Gleiberg nur einen Teil der Grafschaft. Dieser gründete 1152 die Wasserburg Gießen und verlegte damit seinen Sitz von der Burg Gleiberg.

Auf dem Weg zur Stadt

Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt stammt dagegen aus dem Jahr 1197. 1248 wurde Gießen erstmals als Stadt bezeugt. 1264 kommt Gießen an die Landgrafschaft Hessen, die um 1300 das heutige
Alte Schloss anlegen lässt. Um 1325 wurde die Neustadt gegründet. Ab etwa 1370 gab es Bürgermeister in Gießen, die den landesherrlichen Burgmannen gleichgestellt waren, sowie einen Rat als Vertretung der Bürgerschaft. Das (1944 zerstörte) Alte Rathaus am Marktplatz als Symbol bürgerlicher Macht entstand um 1450, die Stadtkirche bis 1484.

Gründung der Universität

Gegen 1535 ließ Landgraf Philipp der Großmütige die Stadt befestigen. Im selben Jahrzehnt entstanden der
Alte Friedhof und das Neue Schloss. Am 27. Mai 1560 vernichtete ein Großbrand den nördlichen Teil der Stadt um das Walltor. Bei der Teilung der Landgrafschaft 1567 gelangte Gießen zu Hessen-Marburg, 1604 zu Hessen-Darmstadt. 1605 wurde in Gießen das Gymnasium Ludovicianum durch Landgraf Ludwig als Lateinschule gegründet. Am 19. Mai 1607 ermöglichte ein Privileg Kaiser Rudolfs II. die Gründung der Universität. Zwei Jahre später eröffnete der Botanische Garten, der älteste in Deutschland. 1634/35 dezimierte eine schwere Pestepidemie die Bevölkerung der Stadt. Im 18. Jahrhundert wurde die Region mehrfach durch Kriege heimgesucht und die Stadt von fremden Truppen besetzt.

19. Jahrhundert

1803 wurde Gießen Hauptstadt der neuen Provinz Oberhessen im Großherzogtum Hessen. In den folgenden Jahren wurde die Stadtbefestigung geschleift und an ihrer Stelle die
Wallanlagen angelegt. 1824 bis 1852 lehrte Justus von Liebig an der Universität Gießen. Im Revolutionsjahr 1848 kam es auch in Gießen zu Unruhen, ein Student wurde getötet. Ein Jahr später wurde die Stadt mit Eröffnung der Main-Weser-Bahn Frankfurt-Kassel) an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen, 1862 folgte die Eisenbahnstrecke nach Köln, 1864 die Lahntalbahn nach Koblenz. Ab etwa 1860 wuchs die Stadt über die Wallanlagen hinaus. Ab 1867 war Gießen als Garnisonsstadt ein wichtiger Militärstandort. 1870 eröffnete die Vogelsbergbahn nach Fulda, 1872 die Lahn-Kinzig-Bahn nach Gelnhausen. 1879 bis 1888 lehrte Wilhelm Conrad Röntgen an der Universität Gießen. 1893 wurde die heute größte Kirche der Stadt, die evangelische Johanneskirche an der Südanlage, eingeweiht. 1907 eröffnete das Stadttheater. Ab 1894 gab es in Gießen öffentlichen Nahverkehr, zunächst mit Pferdeomnibussen, seit 1909 mit einer elektrischen Straßenbahn.

20. Jahrhundert

Im Jahr 1925 eröffneten die
Volkshalle an der heutigen Grünberger Straße und der Gießener Flughafen, das spätere US-Depot. Durch Eingemeindung von Wieseck, Klein-Linden und Schiffenberg stieg die Einwohnerzahl 1939 auf 42.000, Gießen wurde Kreisfreie Stadt. Die über 1.000 Gießener Juden wurden bis Ende 1942 in die Vernichtungslager der Nazis deportiert.

Luftangriffe im 2. Weltkrieg

Durch zwei verheerende Luftangriffe der englischen Luftwaffe am 2. und (vor allem) 6. Dezember 1944 wurde nahezu der gesamte alte Stadtkern Gießens vernichtet, hunderte Zivilisten fanden den Tod. Die "kriegswichtigen" Bahnanlagen und die zahlreichen Militäreinrichtungen blieben dagegen weitgehend intakt. In den folgenden Monaten starben viele weitere Menschen durch Tieffliegerangriffe. Am 27. März 1945 beendete der Einzug der amerikanischen Armee den Krieg für die zerstörte Stadt und befreite die Gießener von Schreckensherrschaft und Bombenterror. Die Stadt war zu 67% zerstört, die Innenstadt zu 90%.

Notaufnahmelager nach 1946

Die Militärregierung der USA informierte Ende Oktober 1945 die Landesregierung Großhessens, dass das Land 1946 600.000 Vertriebene und Flüchtlinge aufnehmen muß. Anfang Februar 1946 erreichten die ersten 1.200 Menschen die Stadt mit Güterwagen. Das, vorerst provisorische, Durchgangslager befand sich unweit des Bahnhofs. Da Gießen ein wichtiger Schienenknotenpunkt war, wurde es am 7. Mai 1947 vom
Staatskommissar für das Flüchtlingswesen zum Regierungsdurchgangslager für alle Flüchtlinge Großhessens. Der Oberbürgermeister Otto-Heinz Egler ersuchte 1948 das Regierungspräsidium in Darmstadt um Verlegung des Lagers auf Grund der hohen Belastung des Sozialetas der Stadt durch die Flüchtlinge. Später erreichte der Bürgermeister Dr. Hugo Lotz einen finanziellen Ausgleich für die Stadt durch das Land. Am 1. September 1950 wurde das Lager in Notaufnahmelager Gießen umbenannt und erhielt bundesweite Kompetenz. Der Anteil der Heimatvertriebenen betrug zu dieser Zeit bereits 20% der Gesamtbevölkerung Gießens. Das Gießener Notaufnahmelagelager war auch Durchgangslager für Flüchtlinge aus der Ostzone, die in der amerikanischen Besatzungszone bleiben wollten. Seit den 1960er Jahren war es die erste Station für zahlreiche ausgereiste DDR-Bürger und erlebte 1989 zunächst den Ansturm der über Ungarn geflüchteten Ostdeutschen und im Herbst den der legal über die nun offene Grenze gekommenen. Später wurde es in Bundesaufnahmestelle umbenannt.

Wiederaufbau

BundesaufnahmestelleDer Wiederaufbau im fortschrittlich gesinnten Gießen orientierte sich an den Lehren des Modernen Städtebaus: Altstadtgrundstücke wurden zu großen Einheiten zusammengefasst, Straßen- und Platzräume aufgeweitet und der öffentliche Raum weitgehend den Interessen des Autoverkehrs angepasst. 1953 wurde die letzte (zuvor aufwendig wiederaufgebaute) Linie der Gießener Straßenbahn stillgelegt, statt dessen fuhren Oberleitungsbusse (bis 1968). Die wenigen von den Bombenangriffen verschont gebliebenen Straßenzüge des Stadtkerns wurden niedergerissen, ebenso teilweise erhalten gebliebene Ruinen wie die des 500 Jahre alten Rathauses. Neubauten im Stil der 50er Jahre entstanden, unter anderem das (bereits wieder abgerissene)
Behördenhochhaus am Berliner Platz oder die Kongresshalle. Die Ausfallstraßen, die Wallanlagen und die wichtigsten Achsen der Innenstadt wurden zu mehrspurigen Verkehrsstraßen ausgebaut. Bis 1975 entstanden rund um Gießen zahlreiche Autobahnteilstücke, darunter der Gießener Ring (teilweise Autobahn).

Neugliederung

1971 stieg die Einwohnerzahl durch Eingemeindung von Allendorf und Rödgen auf 78.000. 1977 entstand aus Gießen, Wetzlar und 14 Umlandgemeinden die Stadt Lahn mit 156.000 Einwohnern als Oberzentrum Mittelhessens.
Lahn-Gießen bildete den größeren der beiden Stadtkerne. Die Lahnstadt wurde nach nur 31 Monaten Existenz 1979 wieder aufgelöst. Während dem wiederentstandenen Wetzlar acht Stadtteile der Lahnstadt dem eigenen Stadtgebiet zugeschrieben wurden, erhielt Gießen nur einen neuen Ortsteil, Lützellinden.

Wappen

Blasonierung: Das Wappen stellt in Silber einen rechtsgewendeten, schwarz beflügelten und blau bewehrten roten Löwen dar. Es wurde der Stadt am 29. April 1916 von Großherzog Ernst Ludwig verliehen.

Politik

Seit den Kommunalwahlen 2001 wird die Stadt aus einer Koalition von CDU (23 Sitze), FDP (3 Sitze) und Freier Wählergemeinschaft (FWG, 4 Sitze) regiert, die die Rot-Grüne Stadtregierung nach 16 Jahren ablöste. Neben den drei Regierungsparteien sind noch die SPD (20 Sitze), Bündnis 90/Die Grünen (6 Sitze), die PDS (2 Sitze) und die Bürgerliste Gießen (1 Sitz) in der 59-köpfigen Stadtverordnetenversammlung vertreten. Zum neuen Oberbürgermeister wurde im 2. Wahlgang der Direktwahl am 28. September 2003 der bisherige Bürgermeister Heinz-Peter Haumann (CDU) gewählt, der sich mit 158 Stimmen Vorsprung gegenüber seinem SPD-Kontrahenten Gerhard Merz durchsetzte. Die Wahlbeteiligung lag bei 30,8 %. Politisch aktiv und umstritten ist in Gießen auch der aus Reiskirchen stammende Öko-Aktivist Jörg Bergstedt, der mit zahlreichen Aktionen in die Gießener Kommunalpolitik eingreift.

Bildung

Jörg Bergstedt Die wichtigste und bekannteste Bildungseinrichtung der Stadt ist die Justus-Liebig-Universität (JLU). Sie wurde bereits 1607 von Landgraf Ludwig V. gegründet und hieß nach ihm bis 1945
Ludwigsuniversität oder Ludoviciana. Dem Landgrafen ist die Universität dennoch bis heute verbunden: das Hauptgebäude der JLU steht in der Ludwigstraße in der südlichen Innenstadt. 2004 waren 22.400 Studierende an der JLU immatrikuliert. Der Schwerpunkt der Lehre liegt auf den naturwissenschaftlichen und medizinischen Fächern, in der Agrarwissenschaft und der Veterinärmedizin gehört Gießen zu den bedeutendsten Hochschulen in Deutschland. Neben den Gebäuden an der Ludwigstraße sind die Institute der Universität in zwei großen Bereichen konzentriert, dem Philosophikum I und II im Osten der Stadt sowie den medizinischen Insituten im Süden von Gießen. Die zweite Hochschule in Gießen ist die 1971 gegründete Fachhochschule Gießen-Friedberg mit ca. 5.500 Studenten im Bereich Gießen. Gießen hat die höchste Studentendichte in Deutschland. Auf 72.500 Einwohner kommen insgesamt rund 26.500 Studenten. Zwei Jahre vor der Gründung der Universität wurde das Landgraf-Ludwig-Gymnasium als Lateinschule gegründet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Aufgrund der verheerenden Zerstörungen durch die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs und die Stadtplanung der Nachkriegszeit gibt es im eigentlichen Zentrum kaum noch Bauwerke der vorindustriellen Epoche. In den Stadtvierteln außerhalb der Wallanlagen finden sich jedoch zahlreiche, teilweise recht sehenswerte architektonische Zeugnisse aus den beiden großen Wachstumsphasen der Stadt, der Gründerzeit und den 50er Jahren.

Bauwerke

Lateinschule Lateinschule Lateinschule Zu den Sehenswürdigkeiten in Gießen gehören einige wieder aufgebaute Fachwerkhäuser, so das Gasthaus "Zum Löwen", wo Goethe einst übernachtete, das Alte Schloss und das Neue Schloss der Landgrafen von Hessen sowie das Burgmannenhaus (am Kirchplatz). Die gotische Stadtkirche wurde bei den Luftangriffen 1944 zerstört, nur der Westturm wurde restauriert und dient als Mahnmal gegen den Krieg. Aus den Trümmern der zerstörten Stadtkirche entstand auf der gegenüberliegenden Seite der
Georg-Schlosser-Straße die Pankratiuskapelle. Der nahegelegene Botanische Gartens ist der älteste universitäre Pflanzengarten in Deutschland, seine Gründung geht auf Elisabeth von Thüringen zurück. Als überregional bekanntes Monument menschenverachtender Stadtplanung gilt die Fußgängerüberführung am Selterstor, an der Kreuzung der Fußgängerzone Seltersweg mit dem Anlagenring. Eine riesige Betonplatte überspannt den gesamten Kreuzungsbereich, an den Zugängen führen Rolltreppen auf die Plattform. Aufgrund der drei großen, achteckigen Öffnungen in der Betonplatte erhielt das Bauwerk den Ehrennamen Elefantenklo. An der Südanlage stehen zwei markante Bauwerke der Gründerzeit, das Stadttheater und die evangelische Johanneskirche. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs, südlich der Innenstadt, wurde 1904-06 von Ludwig Hoffmann in der Tradition des Darmstädter Jugendstils errichtet; dabei wurden Teile des Vorgängerbaus der Main-Weser-Bahn von 1854 beibehalten.

Kultur

Das Stadttheater Gießen geht auf eine Bürgerinitiative zurück, die anlässlich der 300-Jahrfeier der Universität eine "feste Theaterspielstätte" forderte. Konsequenterweise brachte sie zwei Drittel der Bausumme auf und ließ an der Frontseite den Spruch "Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns" anbringen. Im Jugendstil erbaut und erhalten, wurde es 1907 eröffnet und bietet mit eigenem Ensemble und Gastspielen 600 Zuschauern/-hörern Platz bei Theater, Oper, Operette, Musical, Tanz und Konzert. Kulturelles Leben zeigt sich in einer Studentenstadt auch durch die obligatorische Kneipenmeile, hier der
Ludwigstraße, in der sich auch das Uni-Hauptgebäude befindet. Das Mathematikum im ehemaligen Hauptzollamt, erstes und bislang einziges Museum dieser Art, bietet dem Besucher die Möglichkeit, sich spielerisch mit der Mathematik zu beschäftigen. Direkt neben dem Mathematikum ist das Liebigmuseum gelegen, das dem Chemiker Justus Liebig gewidmet ist.

Ausflugsziel Schiffenberg

Ein beliebtes Ausflugsziel ist der rd. 5 km entfernte Gießener "Hausberg" Schiffenberg (281 m). Er wurde 1972 vom Land Hessen käuflich erworben und der Stadt einverleibt. In den Gebäuden einer ehemaligen Klosteranlage (Augustiner-Chorherrenstift) wird heute ein Ausflugslokal bewirtschaftet. Die romanische Substanz der doppelchörigen Pfeilerbasilika mit Querhaus und achtseitigem Vierungsturm rührt z. T. noch aus dem 2. Viertel des 12. Jahrhunderts her. Die westliche mit Lisenen gegliederte Apsis und zwei begleitende Rundtürme (fast komplett zerstört) wurden im Verlauf des 12. Jahrhunderts angebaut. Das südliche Seitenschiff ist verloren. Der Bau verzichtet fast gänzlich auf Bauschmuck. 1323 wurde die Anlage vom Deutschen Orden übernommen; der Deutsche Orden errichtete u. a. an der Südseite die ehemalige Komturei und an der Westseite das Gebäude der ehemaligen Propstei. 1809 wurde der Orden aufgehoben. Von der Ausstattung ist u. a. ein frühgotischer Taufstein (13. Jahrhundert) aus Basalt im Chorraum erhalten. Im Rahmen der seit 1975 auf dem Schiffenberg stattfindenden Veranstaltungsreihe "Musikalischer Sommer" finden in den Sommermonaten zahlreiche Konzerte unter freiem Himmel statt. Von Volksmusik und Bands, die in regionaler Mundart spielen, über Jazz, Pop, Schlager bis hin zu Chorkonzerten und Theateraufführungen finden Kulturfreunde hier ein breit gefächertes Angebot. Auch jenseits der Stadtgrenzen bekannte Künstler gaben hier schon Gastspiele, so zum Beispiel im Jahr 2002 die Kölner Band BAP sowie im Jahr 2003 Götz Alsmann.

Sport

Gießen ist eine Sport-Hochburg. Hier ist z. B. die dienstälteste Mannschaft der Herren-Basketball-Bundesliga (früher MTV 1846 Gießen, Avitos Gießen, jetzt Gießen 46ers) zu Hause. In der Vergangenheit gelangten die Bundesliga-Volleyballer des USC Gießen, die Handballfrauen des TV Lützellinden oder auch die Tischtennis- Spieler und -Spielerinnen des Gießener SV (GSV) zu überregionalen Titelehren. Die Handballerinnen des TV Lützellinden, eine der erfolgreichsten deutschen Mannschaften der 90er Jahre, erhielten 2004 keine Lizenz mehr für die 1. Bundesliga und wurden 2005 endgültig vom Spielbetrieb abgemeldet. Der Rudersport ist mit drei Vereinen (WSV Hellas Gießen, RC Hassia Gießen, Gießener Rudergesellschaft) vertreten. Der erfolgreichste und zugleich älteste unter ihnen ist die Gießener Rudergesellschaft 1877 e. V., die schon mehrere Weltmeister und Juniorenweltmeister(innen) in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Alljährlich an Pfingsten veranstalten die drei Vereine die Internationale Gießener Pfingstregatta, eine der größten und ältesten Ruderregatten in Deutschland (die erste Regatta fand 1892 in Gießen statt). Außerdem ist Deutschlands älteste Tanzschule - gegründet 1787 - in Gießen, die Tanzschule Bäulke (seit 6 Generationen).

Gießener Besonderheiten

Fünfziger-Vereinigungen

Außergewönlich im deutschen Sprachraum sind die Gießener "Fünfziger-Vereinigungen". Seit 1868 gründen jährlich die männlichen Bürger aller Berufs- und Gesellschaftsschichten der Stadt, die 50 Jahre alt werden, einen "Verein der Fünfziger" mit Unterhaltungs-, Bildungs- und humanitären Programmen. Seit der Jahrhundertwende 1899/1900 gibt es auch entsprechende Damen-Vereinigungen, die sich aber erst seit 1966 ebenfalls regelmäßig gründen.

US-Depot

Ruderregatten Das US-Depot am Ortsrand von Gießen ist das zentrale Warenverteilzentrum der amerikanischen Streitkräfte in Europa. Von hier aus werden vor allem Zivilgüter wie Nahrung, Kleidung, Möbel, Hi-Fi Geräte usw. für die Angehörigen der amerikanischen Stationierungsstreitkräfte in die "PX" (PostExchange) Läden der US Armee und Air Force in Westeuropa und in Krisengebiete verschickt. Sowohl im Bosnien Konflikt als auch in den beiden Golfkriegen kam dem US-Depot eine bedeutende strategische Rolle in der Versorgung der Soldaten und deren Angehöriger zu. Die Betreibergesellschaft ist der staatliche "Army and Air Force Exchange Service" (AAFES) mit Hauptquartier in Dallas, Texas. Das US-Depot ist mit seinen über 500 Beschäftigten einer der wichtigsten Arbeitgeber im Niedriglohnsektor im Landkreis Gießen. Andererseits hat die US-Präsenz in Gießen auch durchaus erhebliche Nachteile gezeitigt - auch und vor allem in dem größtenteils als Naturschutzgebiet deklarierten Gebiet "Hohe Warte" unmittelbar bei Gießen. Dort werden zurzeit (Oktober 2005) für ca. 4,2 Millionen Euro Sanierungsarbeiten durchgeführt, zu denen sich die US-Army seinerzeit verpflichtet hatte, die jetzt jedoch die Bundesrepublik Deutschland komplett übernehmen muss, da sich die USA entgegen ursprünglicher Zusagen und Verpflichtungen weigert, diese Kosten zu tragen. Es handelt sich hierbei um umfangreiche Arbeiten (über ca. 1,5 Jahre), um die durch eine amerikanische Mülldeponie verursachten akuten Grundwasser -und Umweltgefährdungen zumindest jetzt noch zu beseitigen bzw. abzumildern.

Manische Sprache

Eine weitere Besonderheit in Gießen ist die Manische Sprache. Sie wird von sozialen Randgruppen als Geheimsprache verwendet. Gesprochen wurde und wird sie in Gießen auf der "Gummiinsel", einer kleinen Backsteinhaussiedlung (ehemalige Arbeitersiedlung einer Gummifabrik, daher der Name) in der Weststadt Gießens, welche um die Jahrhundertwende angelegt und gebaut wurde und im benachbarten Wetzlarer "Finsterloh".

Persönlichkeiten

Berühmte Persönlichkeiten sind unter anderem Justus Liebig, nach dem die Gießener Universität benannt wurde, Wilhelm Conrad Röntgen, der erste Nobelpreisträger für Physik (1901), der hier lehrte und begraben ist, Wilhelm Liebknecht, in Gießen geborener Mitbegründer der SPD oder der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter, u. a. Mitbegründer der Internationalen Vereinigung der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW), die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Georg Büchner studierte in Gießen, gründete 1834 die "Gesellschaft für Menschenrechte" und veröffentlichte den "Hessischen Landboten". Johann Wolfgang von Goethe, der sich als Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar (ca. 15 km westlich von Gießen) aufhielt, war in dieser Zeit auch einige Male kurz im Gasthaus "Zum Löwen" (Neuenweg) anzutreffen.

Söhne und Töchter der Stadt


- 1688, Heinrich Bernhard Rupp, 1719 in Jena, Botaniker
- 1826, 29. März, Wilhelm Liebknecht, † 7. August 1900 in Berlin, Mitbegründer der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)
- 1827,17. Februar, Georg von Liebig, † 31. Dezember 1903 in München, Mediziner und Klimatologe
- 1884, 19. Juni, Agnes von Zahn-Harnack, † 22. Mai 1950 in Berlin, Lehrerin, Schriftstellerin und bürgerliche Frauenrechtlerin
- 1896, 3. Dezember, Martin Wagenschein, † 3. April 1988 in Trautheim zu Mühltal (Hessen), Pädagoge und Fachdidaktiker der Mathematik und Naturwissenschaften
- 1951, 18. Dezember, Volker Bouffier, Politiker (CDU), Hessischer Minister des Innern und für Sport
- 1957, 20. November, Stefan Bellof, † 1. September 1985 in Spa-Francorchamps / Belgien, Automobil-Rennfahrer siehe auch: Liste der Söhne und Töchter der Stadt Gießen

Wirkungskreis in Gießen


- August Friedrich Wilhelm Crome (
- 8. Juni 1753 in Sengwarden; † 11. Juni 1833 in Rödelheim), Kameralwissenschaftler und Statistiker an der Universität Gießen (1787 bis 1830)
- Johann Christian Hundeshagen (
- 10. August 1783 in Hanau; † 10. Februar 1834 in Gießen), Forstwissenschaftler.
- Carl Justus Heyer (
- 9. April 1797 bei Darmstadt; 24. August 1856 in Gießen), Forstwissenschaftler
- Justus von Liebig (
- 12. Mai 1803 in Darmstadt; † 18. April 1873 in München) Chemiker, Namensgeber der Universität Gießen
- Heinrich Buff (
- 23. Mai 1805 in Rödelheim bei Frankfurt am Main; † 24. Dezember 1878 in Gießen), Physiker und Chemiker an der Universität Gießen
- Georg Büchner
- Wilhelm Conrad Röntgen
- Horst-Eberhard Richter ----
Siehe auch: Gießener Anzeiger, Gießener Allgemeine

Literatur


- Dehio:
Hessen, München 1982, S.334ff.

Weblinks


- [http://www.giessen.de Offizielle Homepage der Stadt Gießen]
- [http://www.giessen-tourist.de Touristinformation der Stadt Gießen]
- [http://www.globalsecurity.org/military/facility/giessen.htm Geschichte des US Militärstandort Gießen]
- [http://www.flickr.com/groups/giessen Fotos aus Gießen] Kategorie:Ort in Hessen ! ja:ギーセン

Mittelhessen

Die Region Mittelhessen ist (neben Nord- und Südhessen) eine von drei Planungsregionen Hessens. Sie umfasst die Landkreise Gießen, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Marburg-Biedenkopf und Vogelsberg. Ihr Gebiet ist identisch mit dem des Regierungsbezirks Gießen und deckt die zentral gelegene Region Hessens mit dem Einzugsgebiet der Lahn und dem nördlichen Vogelsberg ab. Mittelhessen ist ein eigenständiger Wirtschaftsraum, der eine Entlastungsfunktion für das Rhein-Main-Gebiet und eine Brückenfunktion zwischen den Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Ruhr ausfüllt. Die Oberzentren der Planungsregion sind Marburg, zugleich größte Stadt der Region, sowie Wetzlar und Gießen, die den wirtschaftlichen Kernraum Mittelhessens bilden. Weitere wichtige Städte sind Dillenburg und Limburg. Die Regionalversammlung Mittelhessen beschließt über die Aufstellung des Regionalplans. Sie besteht derzeit aus 31 Mitgliedern, die durch die Landkreise sowie die drei Sonderstatus-Städte Gießen, Marburg und Wetzlar bestimmt werden. Die wichtigsten Straßenverkehrsachsen Mittelhessens sind die Autobahnen A5 (Frankfurt-Gießen-Alsfeld-Kassel), A45 (Dortmund-Siegen-Dillenburg-Wetzlar-Hanau) und A3 (Köln-Limburg-Frankfurt) sowie die Bundesstraßen B3 und B 49, die Gießen mit Marburg bzw. Wetzlar und Limburg verbinden. Als bedeutende Schienenverbindungen durchqueren die Strecken Kassel-Marburg-Gießen-Frankfurt und Köln-Siegen-Wetzlar-Gießen die Region.

Literatur


- Regierungspräsidium Gießen in Verbindung mit der Historischen Kommission für Hessen (Hrsg.): Mittelhessen: aus Vergangenheit und Gegenwart Hitzeroth, Marburg 1991, ISBN 3-89398-066-0

Weblinks


- [http://www.mittehessen.de/ MitteHessen e.V. Regionalmanagement für Mittelhessen]
- http://www.mittelhessen.de/ die regionale Tageszeitungsgruppe mit zahlreichen Lokalredaktionen
- [http://www.webring.de/navigation/frame.php?ring=7760 Webring Mittelhessen ] Kategorie:Geographie (Hessen) Es fehlen Abschnitte zu Geographie, Geschichte, Wirtschaft und Kultur.


Regierungsbezirk Gießen

Der Regierungsbezirk Gießen ist einer von drei Regierungsbezirken in Hessen. Er liegt in der Mitte des Landes. Flächenmäßig ist er der kleinste hessische Bezirk.

Verwaltungsgliederung

Geschichte

Der Regierungsbezirk Gießen wurde am 1. Januar 1981 als 3. Regierungsbezirk in Hessen (neben Darmstadt und Kassel) errichtet. Von 1945 bis 1968 gab es in Hessen schon einmal 3 Regierungsbezirke (Darmstadt, Kassel und Wiesbaden). 1968 wurde der Regierungsbezirk Wiesbaden jedoch aufgelöst und sein Gebiet dem Regierungsbezirk Darmstadt zugeordnet. Im Zuge der Kreisreform, die 1979 abgeschlossen werden konnte, wurde auch die Struktur der staatlichen Mittelbehörden neu organisiert und so entstand 1981 der Regierungsbezirk Gießen. Ihm wurden die Landkreise Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Limburg-Weilburg und Vogelsbergkreis sowie Marburg-Biedenkopf zugeordnet, die zuvor zum Regierungsbezirk Darmstadt gehörten, mit Ausnahme des Landkreises Marburg-Biedenkopf, der zum Regierungsbezirk Kassel gehörte. Giessen Giessen Kategorie:Gießen

Hessen

Hessen ist ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Die Landeshauptstadt ist Wiesbaden.

Geografie

Nachbarländer

In der Mitte Deutschlands liegend grenzt Hessen an die Länder Nordrhein-Westfalen (Grenzlänge: 269 330 m), Niedersachsen (167 013 m), Thüringen (269 647 m), Bayern (261 881 m), Baden-Württemberg (176 540 m) und Rheinland-Pfalz (266 325 m). Daraus ergibt sich eine Gesamtgrenzlänge von 1410,736 km.

Städte

Die größten hessischen Städte sind (geordnet nach Einwohnerzahl) Frankfurt am Main, Wiesbaden, Kassel, Darmstadt, Offenbach am Main, Hanau, Marburg an der Lahn, Gießen, Fulda, Rüsselsheim, Wetzlar und Bad Homburg v. d. Höhe - siehe auch: Liste der Orte in Hessen.

Mittelgebirge & Berge

Hessens Landschaft besteht aus zahlreichen Mittelgebirgen; nach deren jeweils höchsten (hessischen) Bergen sortiert sind dies: Rhön, Taunus, Upland, Vogelsberg, Hoher Meißner, Kellerwald, Westerwald, Kaufunger Wald, Knüllgebirge, Habichtswald, Odenwald, Stölzinger Gebirge, Spessart, Schlierbachswald, Seulingswald und Reinhardswald. Die höchste Stelle des Landes befindet sich auf der Wasserkuppe (950 m ü. NN) in der Rhön (zu den hessischen Mittelgebirgen und weiteren Bergen: Liste der Berge in Hessen).

Gewässer

Flüsse

Unter anderen durchfließen die nachfolgend genannten Flüsse das Bundesland Hessen ganz oder nur teilweise. Während der Strom Rhein im Südwesten des Landes die Grenze zu Rheinland-Pfalz bildet, ist der Neckar auf kleiner Strecke südlicher Grenzfluss zu Baden-Württemberg und die Werra bzw. die Fulda bilden im Osten bzw. in Nordhessen teilweise die Grenze zu Thüringen und Niedersachsen oder kreuzen diese politischen Grenzen; die längsten bzw. bekanntesten Fließgewässer (mit jeweiliger Gesamtlänge) in Hessen sind:

Seen

In Hessen liegen keine sehr großen natürlichen Seen. Der größte hessische Stausee ist der nordhessische Edersee.

Becken & Niederungen

Die größten Ebenen sind das Rhein-Main-Gebiet, die Oberrheinische Tiefebene und die Wetterau. Nach Norden schließen sich die so genannten "Hessischen Beckenlandschaften" an: Amöneburger Becken, Fritzlar-Waberner Becken und Kasseler Becken. Diese Becken sind jedoch im geomorpholgischen Sinn eigentlich keine Becken sondern teils weiträumige Niederungen, die von Flüssen durchflossen werden. Die niedrigste Stelle von Hessen befindet sich bei Lorch am Rhein (81 m ü. NN) im Rheingau-Taunus-Kreis.

Staatsaufbau

Allgemein

Hessen ist laut seiner Verfassung Glied der deutschen Republik. Die Staatsform ist eine demokratische und parlamentarische Republik. Außerdem bekennt sich Hessen zu Frieden, Freiheit und Völkerverständigung. Der Krieg ist geächtet.

Legislative

Die Legislative wird vom Landtag ausgeübt, soweit sie nicht dem Volke durch Volksentscheid zugedacht ist. Der Landtag besteht aus den vom Volke gewählten Abgeordneten. Das passive Wahlrecht haben alle Stimmberechtigten, die das einundzwanzigste Lebensjahr vollendet haben. Alle Parteien mit mehr als 5 Prozent der Stimmen sind im Landtag vertreten.

Exekutive

Die Exekutive ist die Hessische Landesregierung und die ihr unterstellte Landesverwaltung. Die Landesregierung setzt sich aus dem Ministerpräsidenten und den Ministern zusammen. Der Ministerpräsident bestimmt die Richtlinien der Regierungspolitik und ist dafür dem Landtag verantwortlich. Innerhalb dieser Richtlinien leitet jeder Minister den ihm anvertrauten Geschäftszweig selbständig und unter eigener Verantwortung gegenüber dem Landtage. Der Ministerpräsident vertritt das Land Hessen nach außen. Der Landtag wählt ohne Aussprache den Ministerpräsidenten mit mehr als der Hälfte der gesetzlichen Zahl seiner Mitglieder. Der Ministerpräsident ernennt daraufhin die Minister. Eine Besonderheit ist, dass Angehörige der Häuser, die bis 1918 in Deutschland oder einem anderen Land regiert haben oder in einem anderen Land regieren, nicht Mitglieder der Landesregierung werden können.

Judikative

Die Judikative wird vom Hessischen Staatsgerichtshof und den weiteren Gerichten des Landes ausgeübt. Der Staatsgerichtshof besteht aus elf Mitgliedern, und zwar fünf Richtern und sechs vom Landtag nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählten Mitgliedern, die nicht dem Landtag angehören dürfen. Der Staatsgerichtshof entscheidet über die Verfassungsmäßigkeit der Gesetze, die Verletzung der Grundrechte, bei Anfechtung des Ergebnisses einer Volksabstimmung, über Verfassungstreitigkeiten sowie in den in der Verfassung und den Gesetzen vorgesehenen Fällen.

Politik

Bei der Landtagswahl am 2. Februar 2003 erhielt die CDU zum ersten Mal in Hessen die absolute Mehrheit im Parlament (56 Sitze). Die nächste Landtagswahl wird voraussichtlich im Frühjahr 2008 stattfinden. Siehe auch:Ergebnisse der Landtagswahlen in Hessen. Eine Besonderheit der hessischen Verfassung ist die noch immer existente Todesstrafe. Sie ist in Artikel 21 Absatz 1 Satz 2 festgelegt. Da das Grundgesetz jedoch die Abschaffung der Todesstrafe bestimmt und in der Normenhierarchie über Landesverfassungen steht, wird sie nicht vollstreckt. Der entsprechende Artikel in der hessischen Verfassung soll bei einer zukünftigen Reform der Verfassung wohl geändert werden. Bemerkenswert ist jedoch, dass er trotz mehrerer Änderungen der Verfassung seit Inkrafttreten, die letzte Änderung war 2002, immer noch in dieser Form besteht. Da Verfassungsänderungen in Hessen jedoch neben der Zustimmung des Parlaments einer Volksabstimmung bedürfen, wird möglicherweise eine Zustimmung der hessischen Bevölkerung als nicht sicher angesehen. Im Januar 1970 stellte die Fraktion FDP einen Antrag zur Änderung der hessischen Verfassung, der als ersten Punkt die Streichung von Artikel 21 Absatz 1 Satz 2 vorsah - dieser Antrag wurde jedoch nach knapp zwei Monaten zurückgezogen.

Die Ministerpräsidenten seit 1945


- 16. Oktober 1945 - 1946: Karl Geiler (Groß-Hessen)
- 20. Dezember 1946 - 1950: Christian Stock, SPD
- 14. Dezember 1950 - 1969: Georg August Zinn, SPD
- 3. Oktober 1969 - 1976: Albert Osswald, SPD
- 12. Oktober 1976 - 1987: Holger Börner, SPD
- 23. April 1987 - 1991: Walter Wallmann, CDU
- 5. April 1991 - 1999: Hans Eichel, SPD
- 7. April 1999 - : Roland Koch, CDU Mitglieder der Hessischen Landesregierung.

Wappen und Flagge

Das Wappen zeigt auf blauem Grund einen steigenden Löwen, der neunmal silbern und rot geteilt ist. Der Löwe wurde ursrpünglich vom Landgrafen von Thüringen benutzt und wird heute in Hessens Wappen verwendet, da das Gebiet des heutigen Hessens bis 1247 zu deren Herschaftsgebiet gehörte. Die Landesflagge ist rot-weiß; die Landesdienstflagge trägt zusätzlich das Landeswappen.

Bevölkerung

Der größte Teil der hessischen Bevölkerung lebt im südlichen Landesteil entlang der Gebiete um die Flüsse Rhein und Main (siehe auch Rhein-Main-Gebiet). Ein weiterer Ballungsraum ist die Gegend um das nordhessische Kassel. Die hessische Mundart, das fränkische Hessisch-Nassauisch, gehört zum Westmitteldeutschen innerhalb der deutschen Sprache an. Etwa 43 Prozent der Bevölkerung gehören den evangelischen Landeskirchen von Hessen und Nassau, von Kurhessen-Waldeck sowie des Rheinlandes an. Etwa 26 Prozent sind römisch-katholischen Bekenntnisses; das Landesgebiet gehört zu den Diözesen Fulda, Limburg und Mainz.

Verwaltungsgliederung

Regierungsbezirke

Hessen ist seit 1981 verwaltungsmäßig unterteilt in die drei Regierungsbezirke Darmstadt, Gießen und Kassel, diese wiederum in 5 kreisfreie Städte und 21 Landkreise mit 426 Gemeinden.

Landkreise

Gemeinde

Kreisfreie Städte


- Darmstadt (DA) (Reg.-Bez. Darmstadt)
- Frankfurt am Main (F) (Reg.-Bez. Darmstadt)
- Kassel (KS) (Reg.-Bez. Kassel)
- Offenbach am Main (OF) (Reg.-Bez. Darmstadt)
- Wiesbaden (WI) (Reg.-Bez. Darmstadt)

Städte und Gemeinden

Mit Frankfurt am Main liegt eine der wichtigsten deutschen Städte im Bundesland Hessen. Die eigentliche Stadt hat 655.000 Einwohner, mit dem engeren Umland sind es knapp 2 Millionen. Im ganzen Ballungsraum Rhein-Main lebt über die Hälfte der hessischen Bevölkerung, auch die meisten anderen großen Städte befinden sich hier: Wiesbaden (272.000 Einwohner), Darmstadt (140.000), Offenbach am Main (119.000), Hanau (89.000), Rüsselsheim (60.000) und Bad Homburg vor der Höhe (52.000). Die größte Stadt der übrigen Landesteile ist Kassel, die historische Hauptstadt Nordhessens, mit 199.000 Einwohnern heute die drittgrößte Stadt des Landes. Marburg (79.000 Einwohner), Gießen (73.000) und Wetzlar (53.000) liegen in Mittelhessen, Fulda (63.000) in Osthessen. In Frankfurter Umland liegen neun weitere Städte mit mehr als 30.000 Einwohnern (Rodgau, Oberursel, Dreieich, Maintal, Hofheim am Taunus, Neu-Isenburg, Langen, Dietzenbach und Mörfelden-Walldorf). An der südhessischen Bergstraße liegen drei weitere Städte dieser Größenordnung (Bensheim, Viernheim und Lampertheim). Trotz der geringen Einwohnerzahl von nur 33.000 hat Limburg an der Lahn eine gewisse Zentrumsfunktion für den dünn besiedelten Westen des Landes.

Größte Städte

Eine Auflistung aller Städte und Gemeinden des Landes finden Sie in der Liste der Orte in Hessen.

Regionen

Wirtschaft

Das Rhein-Main-Gebiet in Südhessen besitzt nach dem Ruhrgebiet die größte Industriedichte in Deutschland. Hier sind chemisch-pharmazeutische Industrie, Maschinen- und Fahrzeugbau und, vor allem in Frankfurt am Main, Dienstleistungsunternehmen ansässig. Offenbach ist bekannt für seine Lederindustrie, Hanau als Standort der Materialforschung und -verarbeitung, Rüsselsheim als Standort der Automobilindustrie und Wetzlar mit dem Zentrum der optischen- und feinmechanischen Industrie sowie der Schwerindustrie. Etwa 1/3 der hessischen Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Im hessischen Biblis befindet sich eines der deutschen Atomkraftwerke. Ende Januar 2005 zählte Hessen 278.508 Erwerbslose, somit beträgt die Arbeitslosenquote 9,3 % (8,4 % im Vorjahrsmonat). Mit 7,2 % hat der Arbeitsamtbezirk Frankfurt die niedrigste Quote, während der Arbeitsamtbezirk Kassel mit 13,3 % die höchste Quote landesweit aufweist.

Die größten Arbeitgeber in Hessen

# Sparkasse # Deutsche Lufthansa # REWE # Deutsche Bahn # Adam Opel # Deutsche Bank # Siemens AG und Siemens VDO Automotive # Volkswagen # Fraport # Dresdner Bank # Buderus # Philips

Geschichte

Antike

Der Name Hessen geht auf den germanischen Stamm der Chatten, der im historischen Kernraum um die Flüsse Fulda und Eder und zwischen den Oberläufen der Flüsse Lahn und Werra, also im Raum Niederhessen bzw. Nordhessen und Oberhessen bzw. Mittelhessen siedelten, zurück, und bezeichnet ursprünglich die hier ansässigen Nachkommen der germanischen Chatten. Die Chatti (lat., sprich [xatən] mit ch wie in ach) sind die Stammväter der Hessen, ihr Versammlungsort war das Thingfeld zwischen Fritzlar und Gudensberg, südlich von Kassel. Chatten (Chatti--> Hatti--> Hassi (um 700)--> Hessi (738)--> Hessen) und Friesen sind übrigens die einzigen germanischen Stämme, die sowohl ihren Namen als auch ihr Siedlungsgebiet bis in die Gegenwart beibehalten haben. In einigen Teilen des modernen Hessens siedelten ursprünglich Kelten. Im Jahr 6. v.Chr. fand eine Schlacht um das Oppidum am Dünsberg statt, welche von den Römern gewonnen wurde. Nach der Schlacht erfolgte die Zerstörung des Oppdiums durch Römische Truppen und der Einfluss der Kelten in der Region ging zurück. Um die Zeitenwende zogen viele Kelten fort und die zurückgebliebenen Kelten vermischten sich mit den zuziehenden Germanen. Bis zum Ende des 1. Jahrhunderts wurde das spätere Südhessen dann römisch, während der Norden (Nieder- und Oberhessen) im Einflussbereich der Chatten verblieb. Durch das spätere Hessen verlief der Obergermanische Limes, von dem vor allem im Taunus noch zahlreiche Reste zu sehen sind (Saalburg).

Mittelalter

Im 6. Jahrhundert geriet Hessen unter fränkischen Einfluss. Bonifatius, der "Apostel der Deutschen", missionierte dort und in Thüringen etwa ab 720. 723 fällte er die Donareiche bei Fritzlar und leitete damit die Christianisierung der Chatten und benachbarten Stämme ein. 724 gründete er das Kloster Fritzlar und das benachbarte Bistum Büraburg, 744 das Kloster Fulda. Seit dem 8. Jahrhundert entwickelte sich im späteren südöstlichen Landesteil die Via Regia, die das fränkische Stammesherzogtum um Mainz mit der Königspfalz Frankfurt, den Abteien Fulda und Hersfeld sowie dem Handels- und Missionsstützpunkt Erfurt verband. Durch König Konrad II. erhält eine Grafenfamilie Werner von Grüningen aus Schwaben Einfluss im Reich. Ab 1027 sind sie Inhaber der hessischen Grafschaft Maden und gewinnen andere Grafschaften an der Lahn dazu. Graf Werner I. fällt 1040 in Böhmen; Werner II. 1053 in Civitate im der Normannenschlacht; in den Annalen Lamperts von Hersfeld heißt es, Werner III. sei mit Erzbischof Adalbert von Bremen mächtiger als Heinrich IV. gewesen. Außerdem erhalten sie die Klöster Hasungen und Kaufungen sowie das von Werner IV. 1113 gegründete Kloster Breitenau, welcher 1121 stirbt. Damit waren sie teilweise fast so mächtig wie die Konradiner in Hessen. Durch Erbschaft und Heirat fielen die hessischen Grafschaften im Fulda-Eder-Raum von 1122-1247 unter die Herrschaft der Ludowinger, die ab 1130 auch Landgrafen von Thüringen waren. Nach dem Aussterben der Ludowinger erstritt im hessisch-thüringischen Erbfolgekrieg (1247-1264) die Landgrafentochter Sophie, verheiratete Herzogin von Brabant, für ihren Sohn Heinrich I. von Hessen, auch Heinrich das Kind genannt, wieder die Unabhängigkeit Hessens vom thüringischen Erbe der Ludowinger, welches an die sächsischen Wettiner fiel. 1292 wird die neue Landgrafschaft Hessen, Hauptstadt Kassel, vom Kaiser als Reichsfürstentum bestätigt. Im HRR zählten ab den Spätmittelalter Herzöge, Land-, Mark- und Pfalzgrafen zum Fürstenstand und waren damit den Herzögen gleichgestellt. Das Haus Hessen regiert in Hessen bis 1866 (Hessen-Kassel) b.z.w. 1918 (Hessen-Darmstadt).

Renaissance

Philipp der Großmütige machte Hessen in der Reformationszeit zu einer die deutsche Geschichte wesentlich beeinflussenden Macht. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Territorium Hessen bereits durch Erbschaft, vor allem der Grafschaft Katzenelnbogen, nennenswerte Erweiterungen im Rhein-Main-Raum erfahren. Nach dem Tod von Philipp I., dem Großmütigen wurde Hessen 1567 nach altertümlichen Erbregeln im so genannten Vierbrüdervergleich in vier Staaten geteilt: Wilhelm IV. erhielt mit Hessen-Kassel die Hälfte des Landes, Ludwig IV. erhielt Hessen-Marburg, Philipp II. Hessen-Rheinfels und Georg I. Hessen-Darmstadt. Hessen-Rheinfels ging 1583 im Erbgang in den Besitz von Hessen Kassel und Hessen-Darmstadt über, Hessen-Marburg fiel 1604 auf gleichem Wege an Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. Später spaltete sich zeitweise die Landgrafschaft Hessen-Rotenburg von Hessen-Kassel, Hessen-Homburg von Hessen-Darmstadt ab.

19. Jahrhundert

1803 erfuhr die Landgrafschaft Hessen-Kassel durch den Reichsdeputationshauptschluss die Aufwertung zum Kurfürstentum Hessen (Kurhessen), Kassel war weiterhin Residenz- und Hauptstadt. 1816 geht das vormalige Fürstbistum Fulda als Großherzogtum Fulda in den kurhessischen Staat ein. Die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde 1806 zum Großherzogtum Hessen erhoben. Im Deutsch-Österreichischen Krieg von 1866 stand der hessische Kurfürst auf der Seite von Österreich. Nach dem Sieg Preußens wurde der Kurfürst verbannt, und Preußen verleibte sich das Kurfürstentum ein. Ähnlich erging es Nassau; der letzte nassauische Herzog Adolf wurde 1890 Großherzog von Luxemburg. Enge Verbindungen zum russischen Zarenhaus bewahrten den gleichfalls mit Österreich verbündeten Darmstädter Großherzog und sein Land vor einem gleichen Schicksal - Preußen wollte keine Konfrontation mit Russland herausfordern. Doch musste auch das Großherzogtum Hessen-Darmstadt einige (relativ moderate) Gebietseinbußen zu Gunsten Preußens hinnehmen und in ein enges Bündnis mit Preußen eintreten. 1868 entstand aus dem besetzten Kurfürstentum Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, dem Herzogtum Nassau, der Freien Stadt Frankfurt am Main, einigen Landstrichen des Großherzogtums Hessen-Darmstadt (sog. "Hinterland" mit Biedenkopf, Vöhl an der Eder) und zwei kleinen bayerischen Grenzgebieten die preußische Provinz Hessen-Nassau.

20. Jahrhundert

Auch in der Weimarer Republik existierten weiterhin Hessen-Nassau als preußische Provinz und Hessen(-Darmstadt) als Volksstaat Hessen. 1929 wurden der Freistaat Waldeck und 1932 der Kreis Wetzlar aus der Rheinprovinz in die Provinz Hessen-Nassau eingegliedert. 1944 wurde die Provinz Hessen-Nassau in Anlehnung an die Reichsverteidigungsbezirke in die Provinzen Kurhessen und Nassau aufgeteilt. Die Provinz Nassau umfaßte nun aber auch das einst kurhessische Main-Kinzig-Gebiet (Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land Hessen auf dem Gebiet der amerikanischen Besatzungszone hergestellt. Die amerikanische Militärregierung vereinigte am 19. September 1945 durch die Proklamation Nr. 2 die ehemaligen preußischen Provinzen Kurhessen und Nassau und den Volksstaat Hessen zum Land "Großhessen". Nicht einbezogen wurden allerdings jene Gebiete, die Teil der französische Besatzungszone geworden waren. Dies waren die nassauischen Kreise Sankt Goarshausen, Unterlahn, Ober- und Unterwesterwald und die linksrheinischen Teile des ehemaligen Volksstaates Hessen (die einstige Provinz Rheinhessen, von der nur einige rechtsrheinische Mainzer Vororte hessisch blieben). Diese französisch besetzten Gebiete fielen 1946 als Regierungsbezirke Montabaur (ehemals nassauische Kreise) und Rheinhessen an Rheinland-Pfalz. Die Hessische Verfassung wurde von der Verfassungsberatenden Landesversammlung in Wiesbaden am 29. Oktober 1946 beschlossen, trat am 1. Dezember 1946 durch Volksabstimmung in Kraft und war damit die erste Nachkriegsverfassung Deutschlands. Damit wurde auch der Name des Landes von "Großhessen" in "Hessen" geändert. Hauptstadt ist die vormalige nassauische Residenz Wiesbaden. Das Land Hessen galt lange Jahre als besonders fortschrittlich und wegweisend ("Hessen vorn").

Dialekt

Das Hessische (das heißt die nördlichen Dialekte des Rheinfränkischen) gehört zu der mitteldeutschen Dialektgruppe und weist in den verschiedenen Landesteilen starke Unterschiede auf. Dieses wird nördlich der Linie Wiesbaden-Aschaffenburg gesprochen und reicht bis einschließlich Siegen und Kassel im Norden. Südlich davon werden die südlichen Dialekte des Rheinfränkischen (Rheinfränkisch i.e.S.) gesprochen. In den Ballungsgebieten allerdings sind Dialekte sehr selten zu hören, es herrscht das Hochdeutsche vor. Das in Rundfunk und Fernsehen häufiger gebrauchte und irreführend als Hessisch bezeichnete Rhein-Main-Deutsch unterscheidet sich grundsätzlich von den Dialekten des historischen hessischen Kernbereiches, wie sie heute zum Teil noch in Nieder-, Ober- oder Osthessen vorkommen. Auch der südhessische Dialekt weist deutlich Unterschiede von der in Radio und Fernsehen propagierten Mundart auf und wird wie alle hessischen Dialekte heute stark bedrängt.

Literatur

Allgemeine Literatur zu Hessen


- Eckhart G. Franz: Die Chronik Hessens. Chronik-Verlag, Dortmund 1991, ISBN 3-611-00192-9

Literatur zur Kunstgeschichte von Hessen


- Renate Liebenwein, Stefan Rothe: Die Blauen Bücher, Kaiserpfalz und Wolkenkratzer. Kunst in Hessen. Langewiesche Verlag, Königstein im Taunus 2000, ISBN 3-7845-4612-9

Literatur zur Natur in Hessen


- Hans Joachim Fröhlich: Wege zu alten Bäumen. Band 1 - Hessen. WDV Wirtschaftsdienst, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-926181-06-0
- Hermann-Josef Rapp (Hrsg.): Reinhardswald. Eine Kulturgeschichte. Euregio, Kassel 2002, ISBN 13-933617-12-X

Siehe auch


- Portal:Hessen
- Dialekte in Hessen

Weblinks


- [http://www.hessen.de www.hessen.de]
- [http://www.hessischer-landtag.de www.hessischer-landtag.de]
- [http://atlas.umwelt.hessen.de/ Umweltatlas Hessen], offizielles Informationsangebot mit zahlreichen Karten und Daten zu naturräumlichen und geografischen Grundlagen (Geologie, Landschaft, Wasser, Verkehr, Bevölkerung, Flächennutzung, Planung ...)
- [http://www.stadtplandienst.de/hessen.asp Hessen im Deutschen Stadtplandienst]
-
als:Hessen ja:ヘッセン州 ko:헤센 주

Westerwald

Der Westerwald ist ein deutsches Mittelgebirge im Bundesland Rheinland-Pfalz mit kleineren Anteilen in Hessen bzw. Nordrhein-Westfalen. Das bis zu 657 m hohe, geologisch alte Rumpfgebirge überdeckt ein Gebiet von etwa 50 x 70 km und hat im flacheren Westteil (Vorderer oder Unterer Westerwald) den Charakter eines Hügellandes. Typisch für die Wirtschaft der des zu etwa 40% bewaldeten "Oberen Westerwaldes" ist der traditionelle Abbau von Schiefer, Ton und Basalt, die Töpferei und die Eisenindustrie. Der Hauptort des Westerwaldkreises ist Montabaur; in 10-20 km Entfernung liegen die Städte Bonn, Koblenz, Siegen und Wetzlar. Bonn

Geografie

Morphologisch gehört der Westerwald zum Rheinischen Schiefergebirge und bildet den Großteil von dessen östlicher, rechtsrheinischer Hälfte. Er wird im Uhrzeigersinn durch folgende Flüsse bzw. Flussläufe begrenzt:
das untere Mittel-Rheintal zwischen Koblenz und Linz, die gesamte Sieg, den Oberlauf der Dill und ab deren Mündung bei Wetzlar den Unterlauf der Lahn. Geomorphologisch gehört allerdings auch das östlich der Dill gelegene Gladenbacher Bergland zum Westerwald, während die bis 680 m hohen Berge beim Haiger Sattel und östlich von Siegen schon zum Rothaargebirg gezählt werden. Der Westerwald hat trotz seiner relativ geringen Höhe ein eher rauhes Klima. Flächenmäßig gehört er mit etwa 3000 km² zu den größeren Gebirgen Deutschlands, und wirtschaftlich-kulturell auch zu den bekanntesten. Seine Bergwelt geht in Richtung Norden nahtlos in das Rothaargebirge und nach Nordosten in das Lahn-Dill-Bergland über. Höhenmäßig gliedert er sich in 3-4 Regionen:
- Unterer Westerwald: der an den Rhein grenzende West- und Südwestteil, zertaltes Hügelland in Höhenlagen von 100-400m.
- Zu ihm werden meist auch das Siebengebirge bei Bonn (bis 464m) und der Montabaurer Westerwald (bis 545m) gezählt.
- Oberer Westerwald: teils bewaldetes Hochland, etwa 350 bis 500m über dem Meer.
- Hoher Westerwald: kahle, wellige Basaltfläche mit rauhem Klima, Gipfelflur rund 500 bis 657m. Kreisstädte im Westerwald sind: Altenkirchen (AK), Montabaur (WW) und Neuwied (NR). Darüber hinaus haben der Lahn-Dill-Kreis (LDK), der Landkreis Mayen-Koblenz (MYK), der Rhein-Lahn-Kreis (EMS) und der Landkreis Limburg-Weilburg (LM) geringere Anteile am Westerwald. Nimmt man die Sieg als nördliche geografische Begrenzung des Westerwaldes an, so gehört ebenfalls der rechtsrheinische Rhein-Sieg-Kreis (SU, NRW) zu Teilen (z.B. das Siebengebirge) dazu.

Namensherkunft und Geschichte (...)

Der Name des Westerwaldes leitet sich von der aus dem Mittelalter stammenden Eingrenzung des Gebietes als Wald westlich von Herborn ab. Er ist aber erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts allgemein gebräuchlich. Bekannt wurde er durch das Volkslied [http://www.mightymueller.de/wald/westerwaldlied.html "Oh, du schöner Westerwald / über deine Höhen pfeift der Wind so kalt"].

Geologie

Geologisch ist der Westerwald Teil des Rheinischen Schiefergebirges und stellt wie dieses einen stark erodierten Rest des großen variszischen Gebirgssystems dar, welches in der Erdmittelalter große Teile Europas prägte. Das devonische Grundgebirge wird von alten vulkanischen Massen überlagert, insbesondere Basalten und Tuffen. Wirtschaftlich bedeutend war/ist neben der Gewinnung von Schiefer, Kalk und Ton auch das Eisen und seine verarbeitende Industrie zwischen Rheintal (Unkel, Linz) und unterer Wied, der Bimskies im Neuwieder Becken, verschiedene Mineralquellen und früher der Abbau von Braunkohle. Die höchste Erhebung des Westerwalds ist die östlich liegende Fuchskaute die sich mit 657 m um etwa 400 m über das Siegener Tal erhebt. Noch einige weitere der Dutzenden Gipfel übersteigen die 600m-Grenze. Das ganze Gebiet lag im Erdaltertum (vor 600 bis 270 Mill. Jahren) unter einem tropisch warmen Meeresarm. Dieses Meer lagerte viele Kilometer dicke Sedimente in die variszische Geosynklinale ab, die bei der folgenden Gebirgsbildung stark gefaltet wurden. Die am Nord- und Westrand des Westerwalds gelegenen Städte Siegen und Koblenz gaben auch zwei Schichten des Unter-Devon mit ihren bunten Schiefern ihre Namen. In einigen Gebieten baut man seit langem Schiefer und Tonminerale ab, die im so genannten Kannenbäckerland, aber auch an einigen anderen Orten in Töpfereien weiter verarbeitet werden. Auch der Export, insbesondere nach Italien ist bedeutend (über eine Million Tonnen pro Jahr). Im östlichsten Westerwald (hessischer Teil) finden sich interessante Kalksteinvorkommen aus unterschiedlichsten geologischen Zeiträumen. Der Erdbacher Kalk aus dem Unterkarbon gab einer kleinen Zeitstufe den Namen "Erdbachium". Bei Breitscheid finden sich Reste eines Atolls (ringförmiges Riff) aus dem subtropischen Devonmeer vor 380 Millionen Jahren. Teile dieser Kalkformation werden im Tagebau gewonnen; bei Homberg wurde ein Fossilien-Schutzgebiet eingerichtet, in dem Institute mehrerer Hochschulen Forschungen und Exkursionen betreiben.
Einige Karsthöhlen sind Forschungsthemen der Speläologie und bewirken das zeitweilige Verschwinden und Wiederauftauchen des Erdbaches.

Berge


- Fuchskaute (657 m; Aussichtsturm), Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
- Stegskopf (654 m; früher Aussichtsturm, Quelle der Daade), Landkreis Altenkirchen, Rheinland-Pfalz
- Höllberg (643 m; Fernsehturm), Lahn-Dill-Kreis, Hessen
- Auf der Baar (618 m), Lahn-Dill-Kreis, Hessen
- Nenkersberg (610 m), Kreis Siegen-Wittgenstein, Nordrhein-Westfalen.
- Knoten (605 m), Landkreis Limburg-Weilburg, Hessen
- Großer Weißenstein (516 m), Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
- Montabaurer Höhe (545 m; Fernsehturm), Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
- Köppel (540 m; Aussichtsturm), Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
- Watzenhahn (475 m), Girkenroth/Weltersburg, Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz
- Beulskopf (388 m; Aussichtsturm), Landkreis Altenkirchen, Rheinland-Pfalz

Flüsse und Bäche

Flüsse, die das Gebirge begrenzen (im Uhrzeigersinn):
- Rhein - südwestliche Begrenzung des Westerwalds
- Sieg - nördliche Begrenzung
- Dill - östliche Begrenzung, Nebenfluß der Lahn
- Lahn - südöstliche Begrenzung. Kleinere Flüsse im Innern des Gebirges:
- Sayn - im südlichen ("Unteren") Westerwald, fließt nach Westen zum Rhein
- Wied (zwischen Sieg und Sayn) - nach Westen zum Rhein
- Nister (im Nordosten, Grenze zum Ober-Westerwald) - nach Nordwesten zur Sieg
- Elbbach (nach Süden zur Lahn). Größere Bäche:
- Brexbach, Dietzhölze, Erdbach, Gelbach, Hellerbach, Holzbach, Kerkerbach, Masselbach, Saynbach, Ulmbach.

Persönlichkeiten


- Annegret Held (Schriftstellerin)
- Johannes Kalpers (Sänger)
- Freiherr vom Stein (Preußischer Politiker)
- Friedrich Wilhelm Raiffeisen (Begründer des Genossenschaftswesens in Mitteleuropa)
- August Sander (Fotograf)
- Rudolf Scharping (deutscher Politiker, SPD)
- Martin Stadtfeld (Pianist)

Weblinks


- http://www.ge-li.de/broschre2.htm (Erdgeschichte und Karstlehrpfad)
- http://www.westerwald-links.com/wester/geo/geo1.shtml (Geschichte, Amtliches)
- http://www.mightymueller.de/wald/westerwald.html (Älteste Westerwaldseite, satirische Darstellung der Westerwälder)
- http://www.raimund-schaefer.de/westerwald.htm (Geschichte des Westerwaldes) Kategorie:Deutsches Mittelgebirge Kategorie:Rheinland-Pfalz Kategorie:Rheinland Kategorie:Geographie (Hessen) Kategorie:Geographie (Nordrhein-Westfalen) Kategorie:Geographie (Rheinland-Pfalz) Kategorie:Gebirge Kategorie:Historische Geologie Kategorie:Historische Landschaft Kategorie:Waldgebiet

Taunus

Der Taunus ist als ein deutsches Mittelgebirge Teil des Rheinischen Schiefergebirges, der linksrheinisch, getrennt durch das Mittelrheintal, in den Hunsrück und im Osten in die Wetterau übergeht. Im Norden bildet das Tal der Lahn mit dem Limburger Becken, im Süden das Main-Taunusvorland seine natürliche Grenze.

Geographie

Limburger Becken Der Taunus erstreckt sich im Wesentlichen über die Landkreise Hochtaunuskreis, Limburg-Weilburg, Lahn-Dill-Kreis, Main-Taunus-Kreis, Rheingau-Taunus-Kreis und Rhein-Lahn-Kreis. In seinem Zentrum liegt der Naturpark Hochtaunus. Naturräumlich wird der Taunus in unterschiedliche Teillandschaften gegliedert. Im Süden liegen die stärker bewaldeten und höher gelegenen Teile mit dem Vortaunus und dem Hohen Taunus (Taunushauptkamm). Den westlichen Teil des Hauptkammes bildet das Rheingaugebirge. Insgesamt fällt der Taunus nach Norden zur Lahn hin ab. Das Gebirge kann dabei als Scholle betrachtet werden (ähnlich wie eine Eisscholle im Wasser), die im Süden stärker gehoben und nach Norden gekippt ist. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Pultscholle. Diese nördlichen Teile des Taunus sind insgesamt nicht mehr so hoch und hügelig wie die südlicheren Teile, es finden sich auch ausgeprägte Hochflächen (Verebnungen), die sich durch stärkere landwirtschaftliche Nutzung auszeichnen. Die Rumpffläche des Hintertaunus ist aber dennoch weniger einheitlich gebaut als z.B. die sonst ähnliche Hunsrück-Hochfläche. Mehrere von NNW nach SSO verlaufende tektonische Störungen zergliedern den Hintertaunus in Hochschollen und Senkungszonen, welche vom Niveau der Rumpffläche (350-400 m) abweichen. Am markantesten ist der im Bereich Idstein – Bad Camberg ausgebildete Grabenbruch der Idsteiner Senke, welche nach Nordwesten in das Limburger Becken übergeht und den Taunus nördlich des Hohen Taunus in den Westlichen und Östlichen Hintertaunus teilt. Östlich der Idsteiner Senke steigt die Landschaft in zwei Stufen zum Pferdskopf-Bergland auf, das als markante Hochscholle sogar das Rheingaugebirge an Höhe noch übertrifft. Der übrige Östliche Hintertaunus zeigt weniger Reliefenergie und flacht nach NO zur Lahn und nördlichen Wetterau merklich ab. Einen eigenständigen Senkungsraum bildet im Südteil vor dem Taunuskamm das Usinger Becken. Der nordwestliche Teil (Langhecker Lahntaunus), der zum Weilburger Lahntalgebiet überleitet, gehört zur geologischen Lahnmulde und ist reich an Bodenschätzen aus dem Mitteldevon (Eisen- und Silbererz, Dachschiefer, Diabas). Der Westliche Hintertaunus ist nach Norden zur Lahn hin von deren Zuflüssen Aar, Dörsbach und Mühlbach tief zertalt (inverses Relief). Noch ausgeprägter und weiter entwickelt ist das Talsystem der Wisper welche die südlichen Teile des Westlichen Hintertaunus nach Westen zum Rhein hin entwäsert.

Der Taunus in der Geschichte

Vom 1. bis 3. Jahrhundert verlief der heute stellenweise noch sichtbare Obergermanisch-Raetische Limes, der 2005 von der UNESCO als Bodendenkmal in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, auf dem Taunuskamm. Römische Quellen berichten vom Volksstamm der Chatten in dieser Region. Auf dem Altkönig sind noch heute Überreste von keltischen Befestigungsanlagen sichtbar. Der Name des Höhenzuges war bis in das 18. Jahrhundert schlicht "die Höh", er hat sich in den Ortsnamen Bad Homburg vor der Höhe und Rosbach vor der Höhe erhalten. Das lateinische "Taunus" rührt von Tacitus her, der in den Annalen von einem "castellum in monte tauno" schreibt, das vermutlich das heutige Friedberg bezeichnet.

Sehenswürdigkeiten

FriedbergDie Naturlandschaft im Taunus ist so vielfältig, dass auf seinem Gebiet zwei Naturparks liegen.
- Der Naturpark Hochtaunus, erstreckt sich über den Taunushauptkamm bis hin zur Lahn. Vom Großen Feldberg genießt man einen besonderen Blick in das Rhein-Main-Gebiet und das gesamte Umland. Nördlich von Eschbach bei Usingen sind die Eschbacher Klippen zu bestaunen, bis zu 12 Meter hohe bizarre, steil aufsteigende Felsen aus Quarzgestein.
- Der Naturpark Rhein-Taunus im Westen. In der Kulturlandschaft Taunus haben viele Epochen ihr geschichtliches und kulturelles Erbe hinterlassen, das auch heute noch häufig erhalten und sehenswert ist:
- Der Limes ist an vielen Stellen noch sichtbar. Entlang des Limes wurden einige Türme in neuerer Zeit rekonstruiert. Nordwestlich von Bad Homburg befindet sich die Saalburg, ein Ende des 19. Jahrhunderts durch Kaiser Wilhelm II. wiederaufgebautes Römerkastell.
- Die Städte des Taunus haben größtenteils eine gut erhaltene Stadtmitte mit Fachwerkhäusern und gut erhaltenen Kirchen, insbesondere Idstein, Eppstein, Königstein, Kronberg, Bad Homburg, Weilburg und Braunfels.
- Zahlreiche Burgen, Burgruinen und Schlösser sind zu sehenswert:
  - Das Schloß Braunfels, ein hessisches Märchenschloß.
  - Die Burg Altweilnau in der Großgemeinde Weilrod, die um 1200 errichtet wurde, bietet ein herrlichen Rundblick über das Weiltal.
  - Die Burg Eppstein in der gleichnamigen Stadt wurde wahrscheinlich 926 erbaut und beherbergt heute ein Museum.
  - Die Burgruine Freienfels wurde 1327 erstmals urkundlich erwähnt.
  - Die Burgruine Königstein, Wahrzeichen der gleichnamigen Stadt aus dem 15. Jahrhundert.
  - Die Burg Kronberg in Kronberg mit einem interessanten Burgmuseum.
  - Das Schloss Neuweilnau in der Großgemeinde Weilrod ist heute Sitz des Forstamts und nicht öffentlich zugänglich.
- Nahe der Ortschaft Neu-Anspach entsteht seit 1974 der Hessenpark, ein Museumsdorf, das sich dem ländlichen Hessen widmet. Wohn- und Wirtschaftsgebäude, die an ihren ursprünglichen Standorten nicht erhalten werden konnten, wurden hier wieder aufgebaut.
- In Hasselbach (zu Weilrod) liegt die "Vogelburg". Ein sehr schöner Vogelpark mit Papageien, Eulen,... der wegen seines Aussehens so getauft wurde.

Berge


- Großer Feldberg (880 m), Hochtaunuskreis
- Kleiner Feldberg (825 m), Hochtaunuskreis
- Altkönig (798 m), Hochtaunuskreis
- Weilsberg (701 m), Hochtaunuskreis
- Glaskopf (685 m), Hochtaunuskreis
- Pferdskopf (663 m), Hochtaunuskreis
- Kalte Herberge (619 m), Rheingau-Taunus-Kreis
- Hohe Wurzel (618 m; Fernmeldeanlage), Rheingau-Taunus-Kreis
- Hohe Kanzel (592 m), Rheingau-Taunus-Kreis
- Erbacher Kopf (580 m), Rheingau-Taunus-Kreis
- Kuhbett (526 m), Kreis Limburg-Weilburg (Bad Camberg) bei Weilrod-Hasselbach
- Steinkopf (518 m), Hochtaunuskreis

Literatur


- Stefan Etzel: Wandern im Taunus. Dumont, Köln 2002, ISBN 3-7701-5248-4
- Hermin Herr: Lexikon vom Hohen Taunus. Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-7829-0437-0

Weblinks


- http://taunus.info -- Fremdenverkehrsinformationen
- http://www.naturpark-hochtaunus.de -- Naturpark Hochtaunus
- http://www.feldbergkastell.de -- Darstellung des Info Weges an einem Kastell
- http://www.geocortex.de/taunus.html -- Landschaften des Rhein-Main-Gebietes
- http://www.regioausflug.de/taunus/ -- Wandertourenplaner für den Taunus
- http://www.xn--lahnhhenweg-vfb.de/ -- Lahnhöhenweg und Limesweg im Taunus Kategorie:Deutsches Mittelgebirge !

Wetzlar

Wetzlar, ehemalige Freie Reichsstadt und Sitz des Reichskammergerichts, ist das industrielle, ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum in Mittelhessen. Sie ist Kreisstadt des Lahn-Dill-Kreises in Hessen. Das Stadtgebiet liegt in Höhe der Mündung der Dill in die Lahn beiderseits dieser Flüsse. Gemeinsam mit der unmittelbar östlich angrenzenden Universitätsstadt Gießen und dem gemeinsamen Umland bildet Wetzlar einen kleinen Ballungsraum im Zentrum Mittelhessens. Auch zum nahen Rhein-Main-Gebiet bestehen enge Verflechtungen; Frankfurt am Main liegt nur 60 km südlich von Wetzlar.

Überblick

Frankfurt am Main Die Stadt ist Oberzentrum und Sitz der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreises und wichtiges Industrie- und Handelszentrum. Wie sechs weitere größere Mittelstädte in Hessen ist Wetzlar eine Stadt mit Sonderstatus, d. h. sie übernimmt Aufgaben des Landkreises und gleicht damit in vielen Dingen einer kreisfreien Stadt. Wetzlar liegt in meist hügeligem Terrain im Lahntal und erstreckt sich bis auf die Anhöhen beiderseits des Tals. Auf einem höhergelegenen Plateau im Zentrum steht der romanische Dom mit einem Hauptturm aus rotem Sandstein. Die historische Altstadt, jetzt Fußgängerzone, mit ihren behutsam restaurierten Fachwerkhäusern, zieht sich mit Gassen und kleinen Plätzen terrassenförmig zur Lahn und zur alten Lahnbrücke hinab. Stellenweise ist noch eine gut erhaltene Stadtmauer zu sehen, deren Verlauf z.T. von breiten Grüngürteln und zahlreichen Parkanlagen gesäumt wird. Die Straßenzüge außerhalb des historischen Kerns haben teilweise mittelalterlichen Vorstadtcharakter. Diese historischen Stadtteile sind vorwiegend von kleinteiligem Einzelhandel geprägt. Der neuere Teil Wetzlars, geprägt durch Anlagen des produzierenden Gewerbes, brachte auch im Wohnungsbau eine Reihe gutbürgerlicher Wohnhäuser und Villen hervor vor allem während der Blütezeit Wetzlars als Leica-Stadt (Villen von Leitz, Kellner, Barnack) und als Buderus-Standort (Weiße Villa, u.a.); sowie eine Reihe für die damalige Zeit moderner Meisterhäuser und Arbeitersiedlungen. Buderus Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die historische Altstadt, der Dom, die 750 Jahre alte Lahnbrücke, die Reichsburgruine Kalsmunt, das Lottehaus sowie die Burgruine Hermannstein. Es gibt eine reiche Auswahl an bedeutenden Museen. Zu den interessantesten Kirchenbauten neben dem Dom zählen die Hospitalkirche, die Franziskanerkirche, die Michaeliskapelle, das Kloster Altenberg und die Überreste der Theutbirg-Basilika. Als kulturelle Höhepunkte sind zu nennen: die Wetzlarer Festspiele, die Stadthallen mit Theater, die Mittelhessen-Arena mit Konzerten, Sportveranstaltungen und Show-Business, die Phantastische Bibliothek oder die Phantastiktage. Der Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar ist ein Literaturpreis, der seit 1983 jährlich vergeben wird. Daß in der Stadt gut und gerne gefeiert wird, ist seit dem Jahr 1318 bezeugt. König Ludwig verlieh der Stadt das Recht, am Tag des heiligen Gallus, also alljährlich am 16. Oktober, einen Jahrmarkt abzuhalten. Wetzlar ist auch als Sportstadt mit vielen Sportstätten und -vereinen bekannt (darunter einige Bundesliga-Mannschaften).

Wappen

Der schwarze Reichsadler auf rotem Grund mit goldener Krone steht für die Reichsunmittelbarkeit als ehemalige Reichsstadt. Vor dem in der Ansicht nach links gewendeten Adlerkopf befindet sich in Schnabelhöhe ein silbernes Tatzenkreuz, es steht für das ehemalige Münzrecht der Reichsstadt. Das Wappen blieb seit dem 13. Jahrhundert nahezu unverändert.

Geographie

Reichsadler Wetzlar liegt in Mittelhessen an der Lahn, kurz nach ihrer Richtungsänderung von Süd nach West in Höhe der Dillmündung. Die Stadt liegt im Trennungspunkt hessischer Mittelgebirge: südlich der Lahn liegt der Taunus; nördlich der Lahn und westlich der Dill beginnt der Westerwald; nördlich der Lahn, aber östlich der Dill beginnt das Rothaargebirge. Nachbarstädte Wetzlars sind Gießen (lahnaufwärts, von Zentrum zu Zentrum etwa 12 km), Koblenz 80 km lahnabwärts, Limburg an der Lahn 40 km westlich, Siegen 50 km nordwestlich, Dillenburg 30 km nördlich, Marburg 30 km nordöstlich sowie Frankfurt am Main 60 km südlich. Wetzlar und Gießen sind die beiden Kerne des kleinen (etwa 200.000 Einwohner) mittelhessischen Ballungsgebiets, in den Tälern von Lahn (Osten und Westen) und Dill (Norden) grenzen dichtbebaute Nachbargemeinden an, deren Bebauung teilweise unmittelbar in die Wetzlars übergeht. Die Wetzlar im Nordwesten, Nordosten und Süden umgebenden Mittelgebirge sind dagegen waldreich und sehr dünn besiedelt. An das Wetzlarer Stadtgebiet grenzen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten:) Gießen, Langgöns, Hüttenberg, Schöffengrund, Solms, Aßlar und Lahnau.

Geschichte

Vor- und Frühgeschichte

Bereits in der Altsteinzeit war die Wetzlarer Region besiedelt. Durch die vom Klima begünstigte Lage blieben dort die Menschen auch in der Würmeiszeit vor rd. 50.000 Jahren. Man findet hier alte Gräberfelder. In der Bronzezeit dominierten Hügelgräber, wie man sie beispielsweise im Finsterloher Wald antrifft. Auf der Gemarkung Wetzlars bestanden drei keltische Siedlungen. Der in der Nähe liegende