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Giftgas

Giftgas

Chemische Waffen sind (meist künstlich hergestellte) Giftstoffe, die gezielt als Kriegswaffen entwickelt und hergestellt werden. Sie gehören zu den ABC-Waffen. Offiziell werden chemische Waffen als chemische Kampfmittel bezeichnet. In der Anfangszeit sind Gase wie Chlor, Phosgen, Blausäure oder Arsin als chemische Waffen eingesetzt worden. Diese hatten jedoch zwei große Nachteile: Erstens waren sie durch wechselnde Windrichtungen unberechenbar (so konnte eine Gaswolke auf die eigene Stellung zurückgeweht werden), und andererseits verflüchtigte sich das Gas relativ schnell. Die meisten chemischen Kampfstoffe sind Flüssigkeiten, die als Aerosole versprüht werden. Das hat zur Folge, dass die Substanzen an Boden, Kleidung, Haut und Gasmasken kleben bleiben, und in die Filter eindringen können. So ist die Verweildauer viel länger als bei Gas, und die in die Filter eingedrungenen Tröpfchen verdunsten mit der Zeit, so das die Träger der kontaminierten Gasmasken eine kontinuierliche Menge an Kampfstoffen einatmen. Das Hauptziel der neueren Kampfstoffe ist aber nicht allein die Lunge, sondern die Haut.

Chemische Kampfmittel

Chemische Kampfmittel werden in folgende Kategorien unterteilt:
- Chemische Kampfstoffe: Lungenkampfstoff, Blutkampfstoff, Hautkampfstoff, Nervenkampfstoff, Psychokampfstoff.
- Reizstoffe: Reizen die Augen oder die Atemwege. Ein Beispiel ist das CS-Gas, das von der Polizei und zur Selbstverteidigung eingesetzt wird. Diese unterscheiden sich von anderen Hautkampfstoffen vor allem durch ihre weniger starke Wirkung. In sehr hohen Dosen oder bei empfindlichen Personen (z.B. Asthmapatienten) können die so genannten „Tränengase“ aber ebenfalls zu Hautreizungen, Atemnot oder Augen- und Lungenschäden führen und in ausreichender Konzentration auch tödlich sein.
- Brandstoffe: Leicht entflammbare oder in Sauerstoffumgebung selbst entzündliche Stoffe, die Brände verursachen. Am bekanntesten dürften Phosphor und Napalm sein, welche im 2. Weltkrieg und im Vietnamkrieg von den USA eingesetzt wurden.
- Nebelstoffe: Diese sollen die Sicht verschlechtern. In diese Kategorie fallen z. B. Nebelkerzen und Rauchbomben.
- Pflanzenschädigende chemische Stoffe: Hier soll die Vegetation vernichtet werden, um Kampfhandlungen auf dem Gebiet zu vereinfachen. Diese so genannten Herbizide, sind aber oft nicht nur pflanzenschädigend, sondern auch giftig für Mensch und Tier. Auch diese Art des Kampfmittels ist durch die USA im Vietnamkrieg allgemein bekannt geworden. Dort wurde Agent Orange zur Entlaubung von Wäldern eingesetzt, Restfolgen, sogenannte "Kollateralschäden", sind an nachgeborenen Vietnamesen heute noch akut und kaum behandelbar.

Chemische Kampfstoffe

Die chemischen Kampfstoffe werden noch einmal in verschiedene Kategorien unterteilt. Die Kategorisierung erfolgt nach dem Wirkungsort des Kampfstoffes:
- Lungenkampfstoffe: Greifen direkt die Lunge an. Dadurch wird die Sauerstoffzufuhr des Körpers unterbrochen, was zum Tode führt. Darunter fallen u. a. Phosgen, Diphosgen (Perstoff) und Chlorpikrin.
- Blutkampfstoff: Auch hier wird die Sauerstoffzufuhr des Körpers blockiert. Allerdings wird bei diesen Kampfstoffen das Blut angegriffen, das den Sauerstoff zu den einzelnen Organen transportiert. Darunter fallen u. a. Cyanwasserstoff, Arsenwasserstoff und Chlorcyan.
- Hautkampfstoff: Hier wird die Haut des Körpers angegriffen. Dies kann tödlich sein, wenn die angegriffene Hautfläche groß genug ist. Hautkampfstoffe werden aber eher dazu eingesetzt, den Gegner kampfunfähig zu machen und ihn dabei nicht unbedingt zu töten. Darunter fallen u. a. Stickstofflost, Schwefellost (Senfgas), Lewisit und Phosgenoxim (siehe auch Lost (Kampfstoff)).
- Nervenkampfstoffe: Wohl der gefürchtetste chemische Kampfstoff. Hier wird ein Enzym des Nervensystems des Menschen blockiert (ChE-Hemmer), so dass wichtige Teile des Körpers (z.B. Zwerchfell) durch Dauerkontraktion gelähmt werden. Ausserdem werden starke Muskelkrämpfe ausgelöst. Darunter fallen u. a. VX, Sarin (GB), Tabun (GA),Soman (GD)sowie Cyclosarin und CVX.
- Psychokampfstoff: Hier wird die Psyche des Menschen angegriffen, um ihn vorübergehend kampfunfähig zu machen. Darunter fallen u. a. Lysergsäurediäthylamid (LSD) und Benzilsäureester (BZ).

Einsatzgeschichte

Der Einsatz von chemischen Waffen ist schon im Altertum bekannt, Verwendung von Brandstoffen wie Pech, Öle, Griechisches Feuer oder das Salzen von Ackerland als Herbizid oder später im kleinen Umfang die Verwendung chemischer Gifte wie Arsen.

Erster Weltkrieg

Arsen Arsen Arsen Im Ersten Weltkrieg fand der erste Einsatz von chemischen Kampfstoffen im August 1914 durch französische Truppen statt, die Xylylbromid, ein Tränengas, entwickelt von der Pariser Polizei, gegen deutsche Truppen anwandten. Erste Versuche beider Seiten mit Stoffen wie Bromessigsäureethylester (Frankreich März 1915) und o-Dianisidinchlorsulfonat, einem feinkristallinen Pulver, das Schleimhäute der Augen und Nase reizte, (Deutschland 27. Oktober 1914 bei Neuve-Chapelle) verliefen unzufriedenstellend, da die Stoffe sich beim Abschuss durch die entstehende Hitze zersetzten. Zum ersten mal gelingt der Einsatz von chemischen Waffen am 22. April 1915 in der Zweiten Flandernschlacht bei Ypern, als deutsche Truppen 150 Tonnen Chlorgas aus Flaschen nach dem so genannten Haberschen Blasverfahren entweichen ließen. Da Chlor schwerer ist als Luft, sank es nach unten in die französischen Schützengräben und forderte dort rund 5.000 Tote und 10.000 Verletzte. Bald darauf wurden chemische Kampfstoffe auch von der Gegenseite eingesetzt. So setzte Frankreich als erste der kriegführenden Nationen an der Somme am 22. Februar 1916 Phosgen (Cl2CO) in Reinform ein, nachdem Deutschland es bereits am 31. Mai 1915 als 5%ige Beimengung zum Chlorgas verwendet hatte. Dieses Gas wird für den größten Anteil an allen Gasverletzten verantwortlich gemacht. Später wurden die Kampfstoffe durch Giftgasgranaten verschossen, bei denen durch farbige Kreuze (Blaukreuz, Gelbkreuz, Grünkreuz) erkennbar war, welche Art von Kampfstoff sie enthielten. An der Westfront wurde verstärkt "Gelbkreuz" eingesetzt, das für Hautkampfstoffe stand. Es wurde von Soldaten erzählt, die sich selbst erschossen, als sie von einer gelbgrünen Wolke umschlossen wurden.

Buntschießen

Bestimmte - nicht tödliche, aber stark reizend wirkende - Kampfstoffe (Blaukreuz) durchdrangen die Filter der Gasmasken. Die Reizstoffe zwangen den Gegner, die Gasmaske abzunehmen. Gleichzeitig oder kurz nach diesen "Maskenbrechern" wurden lungenschädigende - oftmals tödliche - Kampfstoffe (Grünkreuz) eingesetzt. Diese Kombination von "Maskenbrechern" und Lungengiften wurde verharmlosend Buntschießen genannt. Chemische Waffen verursachten im ersten Weltkrieg insgesamt etwa 100.000 Tote und 1,2 Millionen Verwundete auf beiden Seiten.

Bewertung von chemischen Kampfstoffen als Kriegswaffe

Chemische Kampfstoffe werden heute allgemein als die schrecklichsten Waffen des 1. Weltkrieges angesehen. Dies beruht allerdings vor allem auf ihrer psychologischen Wirkung. Fuller sagt beispielsweise: "Entgegen der allgemeinen Ansicht erwies sich Gas als die humanste Waffe, die im Krieg angewandt wurde, zugleich aber die wirksamste." (J. F. C. Fuller: Die entartete Kunst Krieg zu führen, Köln 1964, S. 192) Chemische Kampfstoffe verursachten sehr hohe Verlustraten (d. h. kampfunfähige Soldaten), im Vergleich zu anderen Waffen aber sehr geringe Todesraten. Dies setzt natürlich voraus, dass man das dauerhafte Verstümmeln von Menschen als "human" bezeichnen will. Tatsächlich wird es von Militärs als vorteilhaft angesehen, gegnerische Soldaten nicht zu töten, sondern sie so schwer zu verletzen und zu verstümmeln, dass diese dauerhafter Pflege bedürfen. Damit sollen gegnerische Ressourcen gebunden werden, welche nicht mehr für die Kriegsführung zur Verfügung stehen. Da chemische Kampfstoffe eine der billigsten Methoden war, den Gegener kampfunfähig zu machen, erfreuten sie sich bei den Militärs hoher Beliebheit. Allerdings wurde schon im Laufe des ersten Weltkriegs klar, dass sich der Einsatz chemischer Kampfstoffe von einer billigen und vergleichsweise humanen Waffe zu einem Waffensystem entwickelt, welches derartig grausame und unkalkulierbare Wirkungen zeigt, sodass es als "rationale" Waffe nicht einsetzbar ist.

Zwischen den Weltkriegen

Ein weiteres Mal wurde Giftgas im Krieg zwischen Italien und Äthiopien verwendet, der von 1935-1936 geführt wurde. Dabei setzten die italienischen Truppen Senfgas ein. Ab 1919 wurde das Konzept der kolonialen Kontrolle aus der Luft von Winston Churchill erstmalig umgesetzt. Die Royal Air Force sollte die Kontrolle der Kolonien im Nahen Osten übernehmen. Neben konventionellen Waffen wurden dabei auch Giftgaseinsätze aus der Luft erwogen und von Churchill gefordert. Wegen ungelöster technischer Probleme wurde Giftgas dann aber nur mit den bereits im Ersten Weltkrieg erprobten Methoden gegen die irakische Bevölkerung angewandt. Vorbehalte britischer Militärs wies Churchill zurück: "Ich verstehe den Widerstand gegen den Einsatz von Gas nicht. Ich bin sehr dafür, Giftgas gegen unzivilisierte Stämme einzusetzen", ließ er verlauten. Das eingesetzte Gas müsse ja nicht tödlich sein, sondern nur "große Schmerzen hervorrufen und einen umfassenden Terror verbreiten".

Genfer Protokoll

Die Verwendung von vergiftenden Waffen war schon vor dem Ersten Weltkrieg durch die Haager Landkriegsordnung geächtet. Angesichts der Gräuel des ersten Weltkrieges wurde 1925 im Genfer Protokoll betreffend das Verbot der Anwendung von Giftgasen und bakteriologischen Mitteln der Einsatz von Giftgasen ausdrücklich verboten. Die USA treten diesem Vertrag erst 1974 bei.

Zweiter Weltkrieg

Das Verbot der Anwendung von vergiftenden, chemischen und biologischen Waffen wurde im Zweiten Weltkrieg zumindest auf dem europäischen Kriegsschauplatz weitgehend beachtet, obwohl nicht alle beteiligten Länder dem Protokoll beigetreten waren. Vermutlich aufgrund der Entscheidung eines einzelnen Offiziers verwendeten polnische Truppen Senfgasbomben zur Sprengung einer Brücke und zur Verminung einer Straßensperre in der Nähe von Jaslo. Dabei wurden am 8. September 1939 2 deutsche Soldaten getötet und 12 verwundet. Am 2. Dezember 1943 bombardierte die deutsche Luftwaffe den italienischen Hafen von Bari. Dabei wurde der unter anderem mit 100 t Stickstoff-Lost beladene US-Frachter John Harvey getroffen und versenkt. Ein Teil der Ladung lief ins Wasser, ein anderer Teil wurde durch die Explosionen und die Brände in der Luft verteilt. Da auf Grund der Geheimhaltung nur wenige Personen in Bari von der Existenz dieser Ladung wussten und diese allesamt umkamen, konnten die Verwundeten zunächst nicht richtig behandelt werden. Genaue Zahlen über die Opfer existieren nicht; es wird geschätzt, dass über 600 Soldaten und Angehörige der Handelsmarine verätzt wurden, wovon etwa 100 starben. Die Zahl der getöteten Zivilisten dürfte um die 1000 betragen. Dieser Vorfall hätte beinahe eine Eskalation des Krieges ausgelöst. Eine im Hafenbecken gefundene Gasbombe wurde aber noch rechtzeitig als amerikanisches Modell identifiziert. In Asien setzte Japan chemische Waffen (Senfgas und Arsenverbindungen) gegen Truppen der Republik China ein. Zugleich wurden auch biologische Kampfstoffe (Erreger von Cholera, Typhus, Anthrax und weitere) eingesetzt. In Europa setzten die Westalliierten, insbesondere Großbritannien, im großen Stil, zum systematischen Abbrennen von deutschen Städten im Rahmen der Moral Bombing Strategie, Brandbomben ein. Diese wurden zumeist auf dicht mit mittelalterlichen Holzbauten (Fachwerkhäusern) bebaute Innenstädte fächerförmig abgeworfen mit dem Ziel der Entfachung eines sogenannten Feuersturms. Der Vorteil dieser Waffe liegt darin das sich diese nur durch vollständigen Sauerstoffentzug löschen läßt und somit herkömmliche Löschmaßnahmen (Wasser) nahezu wirkungslos sind. Beim direkten Kontakt des Phosphors mit der menschlichen Haut führt dieser zu sehr tiefen meist bis auf die Knochen reichenden Brandverletzungen. Durch die Kontamination der Wundstelle mit dem Phosphor treten schon nach kurzer Zeit zumeist schwere Vergiftungserscheinungen auf, die häufig zum Tode des Betroffenen führen. Im „Dritten Reich“ Adolf Hitlers wurden bei IG Farben, ab Mitte der dreißiger Jahre, im Werk Dyherrnfurth in Schlesien die Nervengifte Sarin, Tabun und Soman entwickelt. Jedoch wurden diese, wohl auch wegen Bedenken eines dadurch zu erwartenden Gegenschlages, nicht eingesetzt. Abseits der Kriegsschauplätze wurde in den Gaskammern der deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, Belzec, Sobibor, Mauthausen, Treblinka und Lublin-Majdanek etwa 6 Millionen Menschen mit dem blausäurehaltigen Desinfektionsgas Zyklon B und Dieselmotorabgasen (Kohlenmonoxid) ermordet.

Nach 1945

Auch nach dem zweiten Weltkrieg wurden noch chemische Waffen eingesetzt. So gilt als sicher, dass z. B. Ägypten solche im Jemen eingesetzt hat. Die Technologie dazu stammte aus der Sowjetunion, welche diese auch an andere mit ihr im Nahen-Osten verbündeten Staaten, wie Irak weitergegeben hat. Irak] Im Vietnamkrieg wurde zum erstenmal seit dem ersten Weltkrieg in großen Umfang chemische Waffen eingesetzt. Während anfangs von Frankreich und den USA noch konventionelle Brandbomben, Napalm gegen die Nordvietnamesen verwandt wurden, startete die Regierung Kennedy 1961 die systematische chemische Kriegsführung gegen Nordvietnam (Operation Ranch Hand) mit dem hochgiftigen Herbizid Agent Orange, welches nicht nur dem Gegner die Deckung durch die Vegetation nehmen sollte, sondern auch die Nahrungsbasis Reis der Bevölkerung zerstören sollte. Es wurden auch Haut und Lungen schädigende Stoffe wie CS gegen nordvietnamesische Bunker und Tunnel eingesetzt. Der angebliche Einsatz von Sarin gegen eigene Kräfte (Deserteure) in der "Operation Tailwind" in Laos stellte sich als eine Falschmeldung des Senders CNN heraus. Im Krieg zwischen Irak und Iran kam es 1984 zum zweitenmal nach dem ersten Weltkrieg zum Einsatz von chemischen Waffen im großen Maßstab. Iran Am 16. März 1988 soll der Irak Nervenkampfstoffe gegen die aufständischen Bewohner der kurdischen Stadt Halabdscha eingesetzt haben. Es wurde von etwa 5.000 Getöteten berichtet. Ein späterer amerikanischer Untersuchungsbericht schloss nicht aus, dass die Stadt versehentlich von iranischen Flugzeugen angegriffen wurde. Im Rahmen der Vorbereitung auf den ersten und zweiten Irakkrieg kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den USA und Deutschland über die Herkunft der irakischen Chemiewaffentechnologie. Die US-Streitkräfte setzten im Kampf um die Stadt Falludscha im Herbst 2004 (Irak-Krieg) weißen Phosphor gegen Menschen ein.

Internationale Ächtung

Seit 1997 sind chemische Waffen durch die Chemiewaffenkonvention international offiziell geächtet; auch die Entwicklung, Herstellung und Lagerung sind verboten.

Literatur


- Jochen Gartz: Chemische Kampfstoffe Löhrbach 2003, ISBN 3922708285
- Olaf Groehler: Der lautlose Tod. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag 1990, ISBN 3-499-18738-8
- Ludwig F. Haber: The Poisonous Cloud. Chemical Warfare in the First World War. Oxford University Press 1986, ISBN 0-19-858142-4

Siehe auch


- ABC-Waffen - Binär-Waffen - Zyklon B - Tränengas

Weblinks


- [http://www.opcw.org Organization for the Prohibition of Chemical Weapons]
- [http://www.kdp.pp.se/chemical.html Informationsseite der irakisch-kurdischen KDP zum Angriff auf Halabdscha] (Vorsicht: enthält drastische Bilder!)
- [http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/kampfst/kampfst.htm Über die Leichtigkeit, Spreng- und Kampfstoffe herzustellen] ! ja:化学兵器 simple:Chemical warfare

Gift

Als das Gift (althochdeutsch Gabe) oder das Toxin (griechisch τοξίνη, toxíne - die giftige [Substanz]) bezeichnet man einen Stoff, der Lebewesen über ihre Stoffwechselvorgänge Schaden zufügen kann. Stoffwechsel Insbesondere von anderen Lebewesen ausgeschiedene Schadstoffe oder Abfallprodukte werden als Toxine bezeichnet. Die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Erforschung von Giften, ihrer Wirkung und deren Behandlung beschäftigt, ist die Toxikologie. Die Toxikologie befasst sich mit giftigen Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen. Der durch ein Gift angerichtete Schaden kann in vorübergehender Beeinträchtigung, dauerhafter Beeinträchtigung oder Tod bestehen. Nicht als Gifte werden Viren und Bakterien angesehen, die als Krankheitserreger bezeichnet werden. Ebenso gelten Substanzen oder Gegenstände, die ein Lebewesen ausschließlich mechanisch oder über Strahlung schädigen, nicht als Gift. In Landwirtschaft und Industrie werden Gifte als Pestizide zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt, insbesondere pflanzenschädigende Substanzen als Herbizide, auch Pflanzengifte genannt, sowie Fungizide gegen Pilze.

Giftigkeit

Grundsätzlich können alle dem Organismus zugeführten Stoffe oberhalb einer gewissen Dosis Schaden anrichten. Dies gilt sogar für unverzichtbare Substanzen wie Vitamine, Nährstoffe und Wasser. Paracelsus prägte den Satz „Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist." Die Toxizität, also das Ausmaß der Giftwirkung in Abhängigkeit von der Dosis, wird von vielen Faktoren bestimmt. Dazu gehören
- die Galenik ("Zubereitung") des Toxins, eventuell die Mischung mit anderen Toxinen
- die Form der Verabreichung
- die Löslichkeit in Körperflüssigkeiten (insbesondere bei oraler Aufnahme)
- der zeitliche Verlauf der Aufnahme (akut, subakut, chronisch)
- Eigenschaften des Probanden, wie
  - der Gesundheitszustand, insbesondere der Zustand des Immunsystems
  - Geschlecht
  - Alter
  - Körpergewicht
  - eine mögliche Toleranz durch frühere Gaben des Toxins
- die Umgebungstemperatur
- die Absicht hinter der Zufuhr der Substanz Beispiele:
- Gift-"Cocktails", wie sie manchmal mit Mord- oder Suizidabsicht zusammengestellt werden, sind meist "giftiger" als die Summe der Einzelsubstanzen.
- Metallisches Quecksilber ist beim Verschlucken weniger giftig als bei der Inhalation der Dämpfe.
- Eine Dosis Ethanol, die im Laufe eines Abends (also subakut) in Form von Bier eingenommen und vertragen wird, kann bei akuter Zufuhr als Schnaps zu ausgeprägteren und eventuell gefährlichen Vergiftungserscheinungen führen. So kann die einzeitige Einnahme von 1 Liter Schnaps einen Erwachsenen töten. (Beispiel: tödliche Wetten Schnapsflaschen auf einmal leeren zu können in Kneipen kurz nach der Wende: Wettbetrag 100 DM)
- Die Einnahme von 10 Litern Wasser auf einmal (destilliert oder nicht) ist für einen Erwachsenen tödlich.
- Reine Sauerstoffatmosphäre kann für Neugeborene tödlich sein.
- Ein zum Beispiel durch Krankheit vorgeschädigter Organismus reagiert empfindlicher als der eines Gesunden.
- Eine Dosis Digitoxin, die bei einem Erwachsenen therapeutisch wirkt, kann für ein Kind oder einen älteren Menschen tödlich sein.
- Wiederholte Giftzufuhr führt bei vielen Substanzen zur Toleranzentwicklung. So gab es früher "Arsenesser", die zum Teil das Mehrfache einer gewöhnlich akut tödlichen Dosis von Arsenik (As2O3) ohne (akute) Beeinträchtigung zu sich nahmen. Ein näherliegendes Beispiel ist Heroin (ein Opioid), gegen das der Mensch ausgeprägt Toleranz entwickelt.
- Vergiftungen mit Schlafmitteln führen zum Teil über Störungen der Temperaturregulation mit Auskühlen des Organismus zum Tod. Wenn der Auskühlung entgegengewirkt wird (Bettdecke, Heizung), wird eine Überdosis unter Umständen vertragen, die im Freien tödlich gewesen wäre.
- Bei ansonsten gleichen Bedingungen wird eine Giftdosis, die in Suizidabsicht eingenommen wurde, eher zum Tod führen, als eine, die versehentlich oder in Mordabsicht zugeführt wird. Um dennoch die Giftigkeit (Toxizität) von Toxinen miteinander vergleichen zu können, müssen Tierversuche herangezogen werden. Die häufig angegebene LD50 zum Beispiel gibt an, welche Stoffmenge, bezogen auf das Körpergewicht, bei der Hälfte einer Versuchstierpopulation zum Tod führt. Dabei steht LD für letale Dosis. Das tödlichste bekannte Gift ist das Botulinumtoxin, welches unter anderem in verdorbenen Fleisch- und Wurstkonserven vorkommen kann.

Arten der Vergiftung

Je nach der Absicht der Giftzufuhr spricht man von akzidentellen (versehentlichen), suizidalen (Selbsttötung), homizidalen (Mord) und iatrogenen (im Rahmen einer Therapie mit Medikamenten aufgetretenen) Vergiftungen.

Giftwirkung

Gifte greifen an unterschiedlichen Rezeptoren im Organismus an. Häufig betroffene Organe bei akuten Vergiftungen sind die Leber (Hepatotoxine, zum Beispiel durch Paracetamol), die Niere (Nephrotoxine) und Gehirn und Nerven (Neurotoxine, zum Beispiel Senfgas und andere Kampfstoffe (VX, Sarin, Agent Red). Viele Gifte greifen in die innere Atmung ein, so zum Beispiel Nitrate und Kohlenstoffmonoxid, die das Hämoglobin blockieren, oder Kaliumcyanid (Cyankali), das die Sauerstoffabgabe im Gewebe behindert. Siehe auch: Antidot, Vergiftung

Einteilung von Giften

#Medikamente ##Psychopharmaka ##Hypnotika ## Analgetika/Schmerzmittel #Chemikalien ##Lösungsmittel/Flüssigkeitsgifte ##Säuren, Laugen ##Mineralölprodukte ##Blutgifte #Publikumsprodukte ##Insektizide ##Reinigungsmittel ##Kosmetika #Gase ##Kohlenmonoxid ##Kohlendioxid ##Reizgase #Drogen ##Alkohol ##Nikotin ##Koffein ##Opiate, Heroin ##Kokain ##Amphetamine #Nahrungsmittel ##Bakterien ##Giftpflanzen ##Giftpilze #Atemgifte

Einzelne Gifte


- Pflanzliche Gifte
  - Alkaloid Lycorin und Ambellin aus Belladonnalilie und Rittersterne Amaryllis
  - Nikotin aus der Tabakpflanze
  - Taxole von der Eibe
  - Digitoxin aus dem Fingerhut (Pflanze)
  - Strychnin aus dem Brechnußbaum
  - Coniin aus dem Schierling
  - Aconitin aus dem Eisenhut
  - Tropan-Alkaloide aus der Tollkirsche, dem Stechapfel, der Engelstrompete oder dem Bilsenkraut
  - Rizin aus Rizinus
  - Curare
  - Colchicin aus Herbstzeitlosen
- Pilz- und Bakteriengifte
  - Acromelalga
  - Amatoxine aus dem Knollenblätterpilz
  - Botulinustoxin (Clostridium botulinum)
  - Exotoxin A (Pseudomonas aeruginosa)
  - Shiga-Toxin (Shigella dysenteriae)
  - Vero-Toxin (Escherichia coli)
  - Mykotoxine aus Schimmelpilzen
- Tierische Gifte
  - Schlangengift
  - Bienengift etc.
  - Skorpionsgifte
  - Spinnengifte
  - Fischgift
  - Gift wirbelloser Meerestiere, etwa der Seewespe oder des Blaugeringelten Kraken
  - Froschgift
  - Amphibiengifte
  - Gift der männlichen Schnabeltiere.
- Chemische Gifte
  - Alkohol
  - Ammoniak
  - Beryllium
  - Cyanwasserstoff
  - DDT
  - E 605
  - Kaliumcyanid (Cyankali)
  - Kohlenstoffmonoxid
  - Schwefelwasserstoff
  - die meisten Schwermetalle, z.B. Arsen oder Plutonium
  - Phosphin
  - Alle Phenole
  - Methanol

Juristische Definition

Das Beibringen von Gift wird nach § 224 Abs. 1 Nr. 1 Alt. 1 StGB als gefährliche Körperverletzung bestraft. Nach herrschender Ansicht ist ein Gift jeder organische oder anorganische Stoff, der nach seiner Art, der beigebrachten Menge, der Form der Beibringung und der Körperbeschaffenheit des Opfers durch chemische oder chemisch-physikalische Wirkung die Gesundheit zu beschädigen geeignet ist. Beigebracht ist ein Gift dann, wenn eine Körper-Stoff-Beziehung hergestellt wurde.

Berühmte Vergiftungsfälle


- Sokrates starb durch einen Becher Schierlingskraut.
- Kleopatra ließ sich zwecks Selbsttötung von einer Kobra beißen, um der Gefangennahme durch Octavian zu entgehen.
- Der bulgarische Journalist und Dissident Georgi Markov wurde 1978 in London vermutlich von Geheimdienstagenten auf offener Straße mit einem Regenschirm angegriffen und in den Oberschenkel gestochen. Durch die Spitze des Schirms wurde eine Platin/Iridium-Kugel (Durchmesser 2mm), die mit Rizin präpariert worden war, durch einen Federmechanismus in den Oberschenkel "geschossen". Markov starb einige Tage später im Krankenhaus an den Folgen des Giftes.
- Wie mehrere Medien (u.a. Bayern 5 Radio) berichteten, konnte mittlerweile nachgewiesen werden, dass Wiktor Juschtschenko, der seit September 2004 an einer lebensgefährlichen Krankheit leidet, mit einem Dioxin vergiftet wurde.

Siehe auch


- Drogen
- Rauschgift
- Pilzvergiftung

Literatur


- Weilemann / Kelbel / Reinecke / Ritter-Weilemann: Giftberatung Pflanzen. 2000 ISBN 3-7741-0812-9
- Oliver Sauer, Sacha Weilemann: Drogen – Eigenschaften, Wirkungen, Intoxikationen. ISBN 3-87706-601-1
- L.S. Weilemann, H.J. Reinecke: Notfallmanual Vergiftungen. 1996 ISBN 3-13-102591-3
- Thomas Börner: Die Toxine der Cyanobakterien: Neue bioaktive Verbindungen. Biologie in unserer Zeit 31(2), S. 108 - 115 (2001), ISSN 0045-205X

Weblinks


- [http://www.giftpflanzen.com/gifte.html Über Gifte]
- [http://ralf.rebmann.bei.t-online.de/giftinfo.htm Giftnotrufzentralen in Deutschland] und weitere Informationen zu giftigen Pflanzen
- [http://www.giftinfo.de/ Giftinfo.de, Beratungsstelle bei Vergiftungen]
- [http://www.wikiservice.at/wikimed/wiki.cgi?chemische__und__biologische__Kampfstoffe Chemische und biologische Kampfstoffe]
- [http://www.onmeda.de/pharmakologie/giftstoffe/index.html "Giftstoffe" auf Onmeda.de]
- [http://mic-ro.com/plants/index_de.html Kontaktgiftige Pflanzen der Welt]
- [http://www.giftpflanzen.com Giftpflanzen-Kompendium]
- [http://www.boga.ruhr-uni-bochum.de/Giftpflanzen.html Giftpflanzen] ! Kategorie:Chemikaliengruppe Kategorie:Klinische Toxikologie ja:毒 simple:Poison

ABC-Waffen

Zu den Massenvernichtungswaffen zählen heute atomare, biologische und chemische Waffen (ABC-Waffen, neuerdings auf EU-Ebene auch CBRN-Waffen genannt), mit denen der Feind effektiv geschädigt werden soll. In der Regel entstehen bei ihrem Einsatz - manchmal vom Anwender bewusst gewollte - Kollateralschäden. Allerdings ist die Eingrenzung des Begriffs Massenvernichtungswaffe auf ABC-Waffen nicht sinnvoll, da die Zerstörungen durch konventionelle Waffen durchaus die Wirkung der ABC-Waffen übersteigen können, beispielsweise im Zweiten Weltkrieg. Die Proliferation (Verbreitung) von Massenvernichtungswaffen ist eine große Gefahr für die weltweite Sicherheit. Der Zweite Weltkrieg ist der einzige Krieg, in dem alle ABC-Waffen, atomare (USA in Japan), biologische (Japan in China) und chemische (Japan in China), eingesetzt wurden.

Waffentypen

Atomare Waffen

Während des Zweiten Weltkrieges entwickelten die USA die Atombombe und setzten sie am 6. August 1945 über der japanischen Stadt Hiroshima und am 9. August 1945 über Nagasaki ein. Die Bombe über Hiroshima hat mindestens 90.000 Menschen das Leben gekostet, als Folgen der Strahlung sind jedoch viel mehr gestorben. Allerdings sind nicht grundsätzlich alle Nuklearwaffen als Massenvernichtungswaffen anzusehen. In bestimmten Fällen dienen sie einem rein militärischen Zweck wie der Flugabwehr, gegen Schiffsziele in der Marine und für besondere Einsatzgebiete wie die Satellitenzerstörung, bei der im Extremfall keine Menschen zu Schaden kommen.

Biologische Waffen

Biologische Waffen richten sich grundsätzlich gegen Menschen und ihre Wirkung kann zumeist nicht eingegrenzt werden. Aufgrund der Infektions- und Seuchengefahr richten sich diese Waffen insbesondere gegen weiche zivile Ziele. Militärische Organisationen verfügen dagegen im Allgemeinen über geeignete Abwehrmittel (Schutzanzüge, Desinfektionsmittel und Schutzimpfungen zur Verhinderung einer Infektion und im Fall einer Infektion schnelle Diagnose, hochwirksame Antibiotika in ausreichender Menge und das nötige Know-How) und sind deshalb mit biologischen Waffen kaum zu treffen. Da biologische Waffen anders als atomare und chemische nicht über einen kurzen Zeitraum wirksam sind, sondern ihre (Infektions-)Wirkung über eine längere Zeit beibehalten, können sie wirksam gegen passive Verteidigungsmaßnahmen wie Bunker eingesetzt werden. Ein Beispiel ist etwa der Milzbrand, der zur Zeit von den USA weiterentwickelt wird. Es genügen hiervon schon wenige Gramm, um großflächige Gebiete zu verseuchen. Des Weiteren besitzen die USA und Russland Stämme ausgerotteter Krankheiten wie Pocken, die aufgrund schwindender Resistenzen in Zukunft immer verheerender eingesetzt werden könnten. Besonders gefährlich ist das sogenannte "dreckige Dutzend", dabei handelt es sich um Bakterien, die sich äußerst leicht züchten lassen oder um sehr stabile Sporen: Entero-Toxin B, Pferde-Enzephalitis, Botulismus, Q-Fieber, Ebola, Lassa-Fieber, Hasenpest, Brucellose, Pest, Rotz (Malleus), Ricin, Pocken

Chemische Waffen

C-Waffen wurden erstmals im Ersten Weltkrieg am 22. April 1915 von deutschen Truppen gegen die Franzosen eingesetzt, wobei es sich um das von Fritz Haber entwickelte Chlorgas handelte. Die Herstellung von chemischen Waffen ist relativ einfach und billig. Da sich militärisches Personal sehr einfach und effizient gegen chemische Waffen schützen kann, sind chemische Waffen lediglich gegen Zivilisten effektiv (Zusatz eines ABC-Abwehr Soldaten: Die Standardausrüstung eines Heeressoldaten (Poncho mit abc-Schutzmaske) ist zwar besser als nichts, es besteht aber trotzdem noch Bedarf geeigneterer Ausrüstung, um sich wirklich effektiv gegen C-Waffen zu schützen). Beispiel: Ein Tropfen Lewisit auf den Rücken--> Eine Blase mit r=30cm --> man "Verdurstet"(Flüssigkeitsmangel). Angesichts der Gräuel des ersten Weltkriegs wurde 1925 im Genfer Protokoll betreffend das Verbot der Anwendung von chemischen Waffen und bakteriologischen Mitteln der Einsatz von chemischen Waffen verboten. Das Verbot wurde im Zweiten Weltkrieg beachtet, obwohl nicht alle beteiligten Länder dem Protokoll beigetreten waren.

Konventionelle Waffen

Aufgrund industrieller Fertigungskapazitäten können konventionelle Waffen heute in großer Zahl hergestellt werden und gelten in bestimmten Fällen auch als Massenvernichtungswaffen. Insbesondere die Methode des Flächenbombardements, die von deutschen Bombern der Legion Condor im spanischen Bürgerkrieg am 26. April 1937 erstmal eingesetzt wurde, und in den Bombardierungen von Coventry (Großbritannien) und Hamar (Norwegen), sowie den Städtebombardements über zahlreichen deutschen Städten und Ballungsgebieten während des 2. Weltkriegs sein Fortsetzung fand, kann hierzu gezählt werden. Auch der Einsatz von Minen, z. B. durch den Abwurf aus der Luft, hat einen vergleichbaren Charakter, wobei hier vor allem die Krisenregionen Afrikas, aber auch Ex-Jugoslawien oder die Länder Südostasiens betroffen sind. Im Vietnamkrieg, Ersten Irakkrieg, Zweiten Irakkrieg, Sowjetischen Afghanistankrieg, US-amerikanischen Afghanistankrieg und ähnlichen Konflikten wurden hunderttausende Menschen durch konventionelle Waffen getötet - weit mehr als durch ABC-Waffen im selben Zeitraum. Zum Einsatz kamen dabei zahlreiche konventionelle Techniken, wie etwa der Abwurf von Napalm in Vietnam, aber auch die sogenannten Daisy Cutter US-amerikanischen Bomben in Afghanistan. Vor allem in Vietnam ist das von den USA eingesetzte Entlaubungsmittel Agent Orange durch seine bekannten giftigen und krebserregenden Nebenwirkungen erwähnenswert. Streng genommen handelt es sich dabei aber um eine C-Waffe, zumal der hohe Dioxin-Gehalt von Agent Orange und seine direkten und indirekten Folgen den verantwortlichen Militärs bekannt gewesen ist.

Ethische Bewertung

In der ethischen Bewertung eines so vielschichtigen Themas wird im Allgemeinen unterschieden, wie die Waffen eingesetzt werden, von wem und gegen wen und in welchem Kontext. Beispielsweise kann eine Atomwaffe gegen rein militärische Ziele eingesetzt werden wie gegen einen (zivile Städte angreifenden) Flugzeugträger oder - im Extremfall - gegen unbemannte Satelliten eines angreifenden Staates. Im anderen Extremfall können Massenvernichtungswaffen in militärisch sinnlosen Angriffen gegen zivile Städte eingesetzt werden. Abhängig von derartigen Begleitumständen werden verschiedene Argumentationen vorgetragen. Die Grundproblematik bei den ethisch zweifelhaften oder gar verwerflichen Waffen ist die flächenhafte Anwendung, bei der es für die Partei, welche die Waffe einsetzt weitgehend unkontrollierbar wird wer von den Folgen betroffen sein wird. Das bedeutet, dass Menschen - ohne Unterscheidung zwischen Freund und Feind, aber auch ohne Unterscheidung zwischen Soldaten und Zivilisten -, Tiere und Pflanzen gleichermaßen Opfer sein können. Insbesondere bei den weitgehend geächteten Landminen, aber auch bei Seeminen ist es oftmals nicht möglich, nicht absolut sicherstellbar oder wird aus diversen Gründen versäumt die zeitliche Begrenzheit für die Dauer eines absehbaren Krieges sicher zu stellen. Ähnliches gilt auch für Bomben; Blindgänger werden selbst 70 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg immer noch in den bombardierten Städten gefunden werden und unter größten Gefahren geräumt. Inwiefern es sittlich legitim sein kann, in extremen Verhältnissen gegenüber einem erklärten Gegner bzw. einem Angreifer mit dem Einsatz von Massenvernichtungsmitteln zu drohen, ist umstritten. Zu bedenken ist, dass jede Drohung nur dann wirkt, wenn sie auch ernst genommen wird. Somit bietet bereits der Besitz von Massenvernichtungsmitteln zwar eine Schutzfunktion, birgt aber zugleich auch ein jederzeit umsetzbares Potential der Zerstörung in sich. Daher scheint es im Sinn des internationalen Rechts und auch der ethischen Grundsätze für geboten, alles mögliche zu tun, um in Zukunft sowohl den Besitz als auch den Einsatz von Massenvernichtungsmitteln auszuschließen.

Literatur


- Katrin Krömer: Massenvernichtungswaffen und die NATO; Nomos Universitätsschriften; 2003; ISBN 3832903658

Siehe auch


- Genfer Konvention
- Wettrüsten
- Chemische Waffe, Chemiewaffenkonvention
- Fritz Haber
- Atombombe, Atomwaffensperrvertrag
- Halabdscha
- Geschichte des Irak
- UNO Kategorie:Militärtechnik Kategorie:Waffe Kategorie:Atomwaffe Kategorie:Rüstungskontrolle ja:大量破壊兵器

Phosgen

Phosgen ist der Trivialname für Kohlenoxiddichlorid oder Carbonylchlorid, COCl2, dem Dichlorid der Kohlensäure. Formale Polymere werden danach die Stoffgruppe der Phosgene genannt.

Eigenschaften

Phosgen ist ein sehr giftiges Gas, es hat eine Schmelztemperatur von –128 °C, eine Siedetemperatur von 7 °C und ein molare Masse von 98,92 g/mol. Der Geruch (Vorsicht!) erinnert an faules Heu. Phosgen ist gut in organischen Lösungsmitteln löslich (beispielsweise Benzol, Toluol und andere), es löst sich in Wasser unter rascher Zersetzung zu Kohlenstoffdioxid und Salzsäure, weshalb die organischen Lösemittel wasserfrei gemacht werden müssen, sollen diese zur Synthese oder Arbeit mit Phosgen verwendet werden.

Herstellung

Phosgen wird unter katalytischem Einfluss von Aktivkohle aus Kohlenmonoxid und Chlor hergestellt, es kann durchaus auch bei der Verbrennung von chlorhaltigen Kunststoffen (beispielsweise PVC) in Gegenwart von Metall und Kohle entstehen. Im Labormaßstab kann es auch aus Tetrachlormethan und rauchender Schwefelsäure (Oleum) hergestellt werden.

Verwendung

Phosgen wurde im Ersten Weltkrieg als chemischer Gaskampfstoff (Grünkreuz) eingesetzt und war für den Großteil der ca. 100.000 Gastoten dieses Krieges verantwortlich. Eingeatmetes Phosgen zersetzt sich in der Lunge mit der dort vorhandenen Feuchtigkeit allmählich zu Kohlendioxid und Salzsäure; die letztere verätzt das Lungengewebe. Dies führt nach 2-3 Stunden zu quälendem Husten, Blausucht und Lungenödemen und endet meist tödlich. Der Tod tritt in der Regel bei vollem Bewustsein ein. Anders als Senfgas wirkt Phosgen nur durch die Lunge, nicht durch die Haut. Am 20. Mai 1928 kam es durch undichte Tanks auf dem Gelände der Hamburger Chemiefabrik Stolzenberg zu einer Katastrophe. Durch austretendes Phosgen starben 10 Menschen, etwa 150 wurden verletzt. Im Zweiten Weltkrieg gab es an der Front keinen Einsatz chemischer Waffen, da ein Sperrvertrag abgeschlossen und auch eingehalten wurde. Jedoch wurden auf den Seiten aller Kriegsparteien große Mengen hergestellt, um im Angriffsfalle zurückschlagen zu können. Heutzutage sind chemische Waffen weltweit geächtet, ebenso wie biologische Waffen. Dennoch besteht im Alltag die Gefahr der Vergasung, da bereits bei der Verbrennung von PVC bei unzureichender Frischluftzufuhr Phosgen entsteht, das die Lungenbläschen zerstört. Phosgen ist heute immer noch ein wichtiger Synthesebaustein beispielsweise zur Herstellung von Carbonsäurechloriden (wobei hier meist das unproblematischere Thionylchlorid verwendet wird) und Polyurethanen (über Isocyanate) sowie Polycarbonat-Kunststoffen (Abkürzung: PC) z.B. zur Herstellung von CDs und anderen Zwischenprodukten, die dann zur Herstellung vom Medikamenten, Farbstoffen und Insektiziden dienen. Wegen der Gefährlichkeit des Phosgen wird es heute grundsätzlich innerhalb derselben Anlage erzeugt, in der es auch verbraucht wird, sodass kein Transport stattfinden muss. Kategorie:Chemische Verbindung Kategorie:Gas Kategorie:Chemiewaffe Kategorie:Gift ja:ホスゲン

Arsin

Arsenwasserstoff (Monoarsan, Arsin) ist die Bezeichnung für die chemische Verbindung aus den Elementen Arsen und Wasserstoff mit der Summenformel AsH3. Es ist ein äußerst giftiges Gas, das bei der Auflösung von salzartigen Arseniden in Wasser und verdünnten Säuren entsteht. Die Bezeichnung "Arsenwasserstoff" wird auch häufig für die Gesamtheit aller Arsen-Wasserstoff-Verbindungen verwendet (siehe Arsane).

Geschichte

Im ersten Weltkrieg wurde Arsenwasserstoff als Grünkreuz-Kampfstoff eingesetzt.

Gewinnung und Darstellung

Technisch wird Arsenwasserstoff in einstufiger Reaktion durch sauere Hydrolyse von Arseniden hergestellt. Üblich und sehr einfach durchzuführen ist beispielsweise die Hydrolyse von Zinkarsenid in nicht-oxidierender, wässriger Säure (beispielsweise Schwefelsäure): \mathrm Bei sorgfältiger Auswahl der Ausgangstoffe lässt sich auf diesem Weg sehr reiner Arsenwasserstoff erzeugen. Als Nebenprodukt entsteht das oberhalb von -100 °C instabile Diarsan. Weiterhin liefert auch die Hydrierung von Arsen(III)-chlorid (AsCl3) mittels LiAlH4 oder NaBH4 reinen Arsenwasserstoff. Aus löslichem Arsenhydroxid lässt sich Arsenwasserstoff mittels naszierendem Wasserstoff gewinnen: \mathrm Auch die elektrochemische Herstellung von Arsenwasserstoff ist ein gangbarer Weg, der schnell an Bedeutung gewinnt. Die elektrochemische Synthese erlaubt die relativ gezielte ad-hoc Herstellung definierter Arsenwasserstoff-Mengen. Die ersten Patente zur elektrochemischen Herstellung von Arsenwasserstoff und anderen Hydriden wurden bereits zu Beginn der 90er Jahre veröffentlicht.

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Hydrid Arsenwasserstoff (relative Molekülmasse = 77,9453) ist ein pyramidales Molekül mit den drei Wasserstoff-Atomen an der dreieckigen Pyramidenbasis und dem Arsen-Atom an der Pyramidenspitze. Der Bindungswinkel H-As-H ist mit 91,83 ° um einiges geringer als der Tetraederwinkel von 109,5 °, da zum Einen das freie Elektronenpaar am Arsen eine größere elektrostatische Abstoßung ausübt als die bindenden Elektronenpaare. Zum Anderen bewirkt die Bindungslänge As-H von 0,1519 nm, dass die abstoßenden Kräfte zwischen den Schwerpunkten der elektrischen Ladung zweier As-H-Bindungen bei kleineren Bindungswinkeln im Gleichgewicht sind. Arsenwasserstoff besitzt ein schwaches elektrisches Dipolmoment von 0,22 Debye. Arsenwasserstoff ist gasförmig und außerordentlich giftig. Es ist farblos und riecht knoblauchartig. Das Gas verflüssigt sich bei −62,48 °C (Siedepunkt) und geht bei −116,93 °C (Schmelzpunkt) in den festen Aggregatzustand über. Der Wert für die Standardbildungsenthalpie von +66,49 kJ/mol zeigt, dass Arsenwasserstoff eine endotherme chemische Verbindung ist. Das bedeutet, dass die Bildung des Moleküls mehr Energie verbraucht als bei der Reaktion frei wird.

Chemische Eigenschaften

Arsenwasserstoff ist eine instabile Verbindung, die durch Erhitzen leicht in ihre Bestandteile zerfällt: \mathrm Wird Arsenwasserstoff verbrannt oder durch ein auf Rotglut erhitztes Glasrohr geleitet und trifft anschließend auf ein gekühltes Porzellanschälchen, so bildet sich ein metallisch glänzender schwarzer Arsenspiegel. Diese chemische Reaktion wird zum analytischen Nachweis von Arsen verwendet (siehe Marshsche Probe). Arsenwasserstoff verbrennt bei Anwesenheit von Luft mit fahlblauer Flamme zu Arsentrioxid und Wasser: \mathrm Bei Luftmangel oder bei kühleren Verbrennungstemperaturen verbrennt nur der Wasserstoff. Arsen bleibt in Form von schwarzem Arsen zurück. Das gleiche Verhalten wird auch bei der Verbrennung von Schwefelwasserstoff beobachtet. \mathrm Arsenwasserstoff (AsH3) ist im Gegensatz zu Ammoniak (NH3) keine Base. Er wirkt in wässriger Lösung als starkes Reduktionsmittel. Bei Zugabe zu Silbernitrat-Lösung fällt metallisches Silber aus: \mathrm

Verwendung

Trotz seiner unrühmlichen Vergangenheit ist Arsenwasserstoff heute ein durchaus gebräuchliches technisches Produkt. In der Halbleiterindustrie wird Arsenwasserstoff als Dotiergas im großen Stil und in nicht unbedeutender Menge im Rahmen der thermischen Dotierung von Silizium im Diffusionsofen-Prozess und bei der Ionenimplantation eingesetzt. Die Entsorgung von Arsenwasserstoff-Rückständen ist nicht unproblematisch, da alle Arsenwasserstoff-Folgeprodukte extrem toxisch und gesundheitsschädlich sind. Üblich ist die Absorption an Aktivkohle, die nach Gebrauch als Sondermüll in speziellen Tiefdeponien endgelagert werden muss.

Sicherheitshinweise

Arsenwasserstoff ist hochgradig giftig. Ist man einer Konzentration von 20 mg/m³ länger als 50 Minuten ausgesetzt, so wirkt diese tödlich (letale Dosis). 3-10 mg/m³ rufen nach mehreren Stunden Vergiftungserscheinungen hervor.

Vom Arsenwasserstoff abgeleitete Verbindungen

Ersetzt man beim Arsenwasserstoff AsH3 ein, zwei oder drei Wasserstoff-Atome durch organische Reste, so entstehen organische Arsane.

Weblinks


- http://www.airliquide.de/loesungen/produkte/gase/gasekatalog/stoffe/arsin.html
- http://www.gifte.de/arsenwasserstoff.htm Kategorie:Chemische Verbindung Kategorie:Chemiewaffe Kategorie:Gift

Aerosol

Ein Aerosol [] ist eine stabile Suspension von festen oder flüssigen Partikeln in der Gasphase. Fälschlicherweise werden oft nur die Aerosolpartikel als Aerosole bezeichnet, d.h. die in Gasen mitschwebenden, feinst verteilten (dispergierten), festen und flüssigen Teilchen (Schwebstoffe) ohne oder mit nur einer geringen Beteiligung von Wasser. Schwebstoff

Arten, Entstehung und Vorkommen

Allgemein

Aufgrund der obigen Definition können Aerosole prinzipiell nach Feststoffen (Staub, Rauch, Ruß) und Flüssigkeiten unterschieden werden. Die flüssigen Teilchen der Aerosole können durch spontane Kondensation oder Desublimation in übersättigten Gasen, aber auch durch Absorptionsprozesse gebildet werden. Die Übersättigung einer Gasphase ist in der Regel die notwendige Vorbedingung für eine Aerosolbildung, sie selbst wirken jedoch auch wiederum als Wolkenkondensationskeime. In Abhängigkeit von dem Ursprung der Teilchen wird zwischen primären und sekundären Aerosolen unterschieden. Bei den primären Aerosolen stammen die feinst verteilten Teilchen aus mechanischen oder themischen Prozessen (siehe Staub). Bei den sekundären Aerosolen haben sich die Teilchen aus gasförmigen Stoffen durch chemische Reaktion und/oder durch Anlagerung der Reaktionsprodukte an Kondensationskerne gebildet: Aerosole findet man in vielen Bereichen unserer Umgebung:
- Staub in der Raumluft,
- Zigarettenqualm,
- Nebel aus einer Spraydose,
- Ruß oder Ölqualm aus einem Autoauspuff, usw. Staub Unsere Atmosphäre enthält stets Aerosole unterschiedlichen Typs und unterschiedlicher Konzentration. In ihr enthalten sind:
- natürliche organische Anteile: Pollen, Sporen, Bakterien
- natürliche anorganische Anteile: Staub, Rauch, Seesalz, Wassertröpfchen
- vom Mensch eingebrachte Verbrennungsprodukte wie Rauch, Asche oder Stäube
- vom Mensch hergestellte Nanopartikel. Die Konzentration eines Aerosols nimmt mit der Höhe ab und in 10 km Höhe findet man in der Regel nur noch einen Zehntausendstel des Bodenwertes von etwa 2·10-6 kg Aerosol pro kg Luft. Insbesondere Vulkanausbrüche können zu sehr hohen Konzentrationen von Aerosolen in der Atmosphäre führen, die das Wetter beeinflussen. Aerosole werden jedoch durch Windturbulenzen ständig neu von der Bodenoberfläche mobilisiert und in Abhängigkeit von Windrichtung und Windstärke großflächig verteilt, was bei besonders belasteten Böden deren Umgebung mit kontaminieren kann. Besonders dramatisch zeigt sich dies bei radioaktiven Wolken, welche sehr gefährliche Aerosole mit sich führen und so auch im Zuge der Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 bzw. in der darauf folgenden Woche große Teile Europas verstrahlten.

Verbreitung

Aerosolpartikel sind sehr kleine Mikropartikel, die überall in der Luft vorkommen. Sie sind so klein, dass sie einzeln mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Sichtbar werden sie nur, wenn sie in einer sehr großen Konzentration in der Luft vorkommen, ca. 1000000 Partikel/cm³. Dies nimmt man als so genannten Smog wahr. Der Durchmesser der Partikel liegt zwischen 0,5 nm und 100 nm. Es gibt auch Partikel, die sich in größeren Spektren befinden, wie zum Beispiel größere Pollen. Da sie an der Gesamtmenge der Aerosole einen geringen Anteil haben sind sie von minderer Bedeutung, spielen jedoch auch eine gewisse Rolle in Bezug auf gesundheitliche Aspekte (Allergien). Aerosolpartikel beginnen ab einer bestimmten Luftfeuchtigkeit Tröpfchen zu bilden, das Wasser in der Luft kondensiert an den Partikeln. Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto größer werden die Tröpfchen. Bei einer hohen Luftfeuchtigkeit werden so die Tröpfchen immer größer und stoßen auch zusammen, es kommt zur Wolkenbildung, und letztendlich zum Regen. Man nennt Aerosolpartikel deshalb auch Wolkenkondensationskeime. Die Konzentration der Partikel ist je nach Ort unterschiedlich. Am geringsten ist sie über den Polen der Erde. Hier beträgt die Konzentration nur ca. 35 Partikel/cm³. Über ländlichen Gebieten beträgt die Konzentration ca. 2000-20 000 Partikel/cm³ und in Städten sogar 100 000 bis 1 Mio. Partikel/cm³. Bei solchen Werten ist durchaus verständlich, das Aerosolpartikel auch eine große Rolle für die Gesundheit und das Klima spielen.

Teilchenarten und deren Herkunft

Aerosolpartikel haben viele unterschiedliche Zusammensetzungen, was auch auf die Eigenschaften, sowie auf die Herkunft der Partikel schließen lässt. Einzelne Moleküle sind die kleinsten Partikel, sehr selten größer als 1nm. Sie entstehen meist bei Verbrennungen, aber auch als Stoffwechselprodukt von Pflanzen und Tieren, zum Beispiel Terpene. Sie reagieren in der Atmosphäre schnell mit anderen Molekülen, oder sogar mit größeren Partikeln. Moleküle zählen aber erst dann zu den Aerosolpartikeln, wenn sie groß genug sind, und einen festen Aggregatzustand aufweisen. Um diese Bedingung erfüllen zu können, müssen sich mehrere Moleküle zu einem Partikel verbinden. Hochofenausstöße bestehen zum größten Teil aus Ruß, aber auch aus verschiedenen Sulfaten und Nitraten. Das Größenspektrum dieser Partikel liegt zwischen 1nm und 1000nm. Sie entstehen zum Beispiel bei der Verhüttung von Metallen, oder als Ausstoß von Kohlekraftwerken, aber auch durch Autoabgase. Das Größenspektrum dieser Aerosolpartikel ist deshalb so groß, da eine Verbrennung nie sauber ist und es so auch zu verhältnismäßig großen Rußpartikeln kommt. Ähnlich wie bei Hochofenausstößen bestehen Rauchpartikel zum größten Teil aus Ruß. Sie entstehen unter anderem bei offenen Feuern und Waldbränden. Partikel aus Mineralstaub sind vor allem auf die Erosion von Gesteinen zurückzuführen. Sehr viele Mineralstaubpartikel entstehen zum Beispiel bei Sandstürmen. Aerosolpartikel aus Meersalz entstehen, wenn durch den Wind kleine Salzwassertröpfchen vom Meer aufgewirbelt werden. Das Wasser verdunstet anschließend, und zurück bleibt ein Meersalzpartikel. Biologische Aerosole sind Pollen, Algen, Pilzsporen, Bakterien und Viren, Zellorganellen und Ausscheidungen. Diese Art von Aerosolpartikeln umfassen ein sehr großes Größenspektrum. Während manche Pollen so groß sind, dass man sie schon mit dem bloßen Auge sehen kann, gibt es auch Mikroviren, die manchmal sogar kleiner als 10 nm sind. Auch wenn man es kaum für möglich hält, gibt es durchaus sehr kleine Viren und Bakterien, die sich als Aerosolpartikel in der Atmosphäre befinden. Ihre Anzahl ist dennoch sehr klein. Es wird auch untersucht, ob diese Mikroviren und Mikrobakterien Einfluss auf die Gesundheit des Menschen haben können. Es gibt allerdings noch sehr viele weitere Arten von Aerosolpartikel. Manche sind radioaktiv, andere bestehen aus Edelmetallen, und wiederum andere sind noch nicht einmal von unserem Planeten. Um die Herkunft eines bestimmten Partikel genau zu bestimmen, bedarf es einer sehr genauen Analyse der Inhaltsstoffe. Während ihrer Zeit als Aerosol verändern sich die Partikel auch ständig. Wenn Wasser an den Partikeln kondensiert und die vielen kleinen Tröpfchen immer Größere bilden, reagieren viele Aerosolpartikel miteinander, oder es werden chemische Vorgänge in der Luft katalysiert, welche die Zusammensetzungen der Partikel verändern.

Eigenschaften

Die Eigenschaft von Aerosolen längere Zeit mit Gasen transportiert werden zu können liegt darin, dass sie sich mit kleiner werdendem Durchmesser immer mehr wie Gas-Moleküle verhalten. Oder - aus Sicht der Aerodynamik - verringert sich das Volumen und damit die Masse in der dritten Potenz, wohingegen die Querschnittsfläche nur um die zweite Potenz schrumpft. Durch den Luftwiderstand haben Aerosole eine maximale Sinkgeschwindigkeit, die beim Gleichgewicht von Gravitationskraft und Luftreibung erreicht wird. Bezogen auf die maximale Sinkgeschwindigkeit bedeutet die Halbierung des Durchmessers eines Partikels, eine Verringerung der Masse und damit der Gravitationskraft um den Faktor 8 und die der Querschnittsfläche und damit die Luftreibungskraft um den Faktor 4. Da die Luftreibungskraft quadratisch von der Geschwindigkeit abhängt, folgt daraus für die maximale Sinkgeschwindigkeit, dass bei Halbierung des Partikeldurchmessers die Sinkgeschwindigkeit um den Faktor \sqrt=0,707 abnimmt.

Messung

Aerosolkonzentrationen werden mit Kernzählern bestimmt. Hierbei lässt man im einfachsten Fall eine bestimmte Luftmenge auf eine dünne Vaselineschicht einwirken und wertet diese hiernach mikroskopisch aus. Dabei unterscheidet man in Abhängigkeit von der Korngröße nach Aitken-Kernen (10-2 bis 10-1 μm), großen Kernen (10-1 bis 2 μm) und Riesenkernen (>102 μm).

Bedeutung

Wetter und Klima

Die wichtigste Rolle für das Wetter spielen hygroskopische Aerosole welche als Kondensationskerne fungieren und so Tropfen- bzw. Wolkenbildung anregen. Aus diesem Grund setzte man lange Zeit auch Silberiodid und andere Chemikalien ein, um eine künstliche Wolkenbildung hervorzurufen. Besonders bei Hagelgefahr sollten die Hagelflieger auf diese Weise besonders „gefährliche“ Wolkenformationen entschärfen. Die Abwesenheit von Aerosolen wird in Nebelkammern genutzt und führt hier zu Übersättigung des Wasserdampfs von biszu 800 %. Unklar ist derzeit noch die Rolle der Aerosole für das Klima bzw. den Klimawandel. Durch anthropogene Emissionen zeigen sich vor allem lokal teilweise sehr große Konzentrationssteigerungen und eine umfassende Luftverschmutzung (Smog). Diese kann den Strahlungshaushaltes der Erde direkt oder indirekt (Wolkenbildung) beeinflussen und ist daher ein aktueller Schwerpunkt vieler Forschungsvorhaben.

Wirkung auf die Wolkenbildung

Ihre wichtigste Rolle kommt den Aerosolpartikel bei der Bildung von Wolkentröpfchen zu. Die Fähigkeit als Kondensationskern zu wirken hat jeder Partikel, allerdings wird die Intensität dieser Fähigkeit durch die Zusammensetzung und die Größe des Partikels bestimmt. Je größer ein Partikel ist, desto mehr wasserlösliche Einzelkomponenten sind in ihm enthalten. Es ist somit mehr hydrophile Masse vorhanden, die Wasserdampf am Partikel kondensieren lässt. Bei Aerosolpartikeln, in denen keine hydrophilen Komponenten enthalten sind, wie zum Beispiel bei Ruß, kommt es auf die Oberfläche des Partikels an, wie gut Wasserdampf an ihm kondensieren kann. Je größer die Oberfläche des Aerosolpartikels, desto mehr Wasser kann an ihm kondensieren. Größere Partikel bilden früher Wolkentröpfchen als kleinere. Es kommt aber auch auf die Zusammensetzung der Partikel an. Wolkenkondensationskeime aus hydrophilen Mineralsalzen, wie zum Beispiel Ammoniumsulfat oder Ammoniumnitrat können schon ab 70 % Luftfeuchtigkeit Tröpfchen bilden, während hydrophobe Rußpartikel erst bei einer Luftfeuchtigkeitsübersättigung, also bei über 100 % Luftfeuchtigkeit Tröpfchen bilden. In der Regel bilden ab 103 % Luftfeuchtigkeit alle Aerosolpartikel Tröpfchen. Gäbe es keine Aerosolpartikel, so bräuchte man bis zu 300 % Luftfeuchtigkeit, um eine Tröpfchenbildung herbeizuführen. In der Regel ist in Verbindung mit Aerosolpartikeln immer von relativer Luftfeuchtigkeit die Rede. Es wird auch untersucht, wie die Konzentration der Partikel auf die Wolkenbildung wirkt. Sobald die Wolkenkondensationskeime Tröpfchen bilden, sinkt die Luftfeuchtigkeit, da das zuvor in der Luft gelöste Wasser an den Partikeln kondensiert hat. Wird die Luftfeuchtigkeit also geringer, hören die Tröpfchen irgendwann auf zu wachsen, da nicht mehr genügend Wasser in der Luft vorhanden ist. Sind also wenig Partikel in der Luft vorhanden, bilden sich große Tröpfchen, die dann mit großer Wahrscheinlichkeit auch zusammenstoßen, es kommt schnell zu Regen. Sind aber sehr viele Partikel vorhanden, bilden sich nur kleine Tröpfchen, deren Wahrscheinlichkeit zusammen zu stoßen gering ist. Es bildet sich eine sehr große Wolke, die aber kaum, wenn überhaupt Regen abgibt. Dies wird oft bei Waldbränden beobachtet. Diese so genannten Pyrowolken wachsen manchmal bis zur Stratosphäre heran.

Wirkung auf das Klima

Bei Konzentrationen von durchschnittlich 10000 Partikeln/cm³ Luft kann man sich denken, dass Aerosolpartikel auch großen Einfluss auf das Klima haben. Allerdings haben sie nichts mit dem Treibhauseffekt zu tun, da für den Treibhauseffekt ausschließlich Gase verantwortlich sind. Wie genau Aerosole auf unser Klima wirken ist noch nicht genau erforscht, da sie in vielen Bereichen auf das Klima wirken. Die wichtigste Eigenschaft der Partikel, die auf das Klima Auswirkung hat ist, ob die Partikel Sonnenlicht absorbieren, und dabei Wärme freisetzen wie zum Beispiel Ruß, oder ob sie das Licht reflektieren oder brechen, wie zum Beispiel Salzpartikel. Dies kann auch in speziellen Geräten untersucht werden. Die Partikel werden hier mit UV-Licht bestrahlt, gleichzeitig wird gemessen, wie viel Licht die Partikel reflektieren, brechen, oder absorbieren (also in Wärme umwandeln). Es kommt aber nicht nur auf diese Eigenschaften an sich an, sondern auch wo sie sich auswirkt. In der Troposphäre sorgen Rußpartikel zum Beispiel für Temperaturanstieg, da sie das Sonnenlicht absorbieren und somit Wärmestrahlung abgeben. In der Stratosphäre hingegen fangen sie durch ihre Absorption das Licht ab, sodass weniger UV-Licht die Troposphäre erreicht, die Temperatur in der Troposphäre sinkt. Genau umgekehrt ist dieser Effekt bei Mineralpartikeln. Sie sorgen in der Troposphäre für deren Abkühlung, während sie für deren Erwärmung verantwortlich sind wenn sie sich in der Stratosphäre befinden. Aerosolpartikel beeinflussen das Klima in einem sehr kompliziertem System. Allein schon die Eigenschaft der Wolkenbildung hat einen sehr großen Einfluss auf das Klima. Man könnte sogar meinen, das dieses System auch der Erderwärmung entgegenwirken kann, da es durch die Erwärmung zur Verdunstung von mehr Wasser führen kann, es entstehen mehr Wolken, die wiederum die Troposphäre abkühlen. Es gibt in Hinsicht darauf viele Thesen, und die Wissenschaftler sind sich noch lange nicht einig.

Einfluss auf das Ozonloch

Wie schon bekannt ist, wird das Ozonloch maßgeblich von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) hervorgerufen. Diese Stoffe sind in der Troposphäre sehr stabil, spalten aber in der Stratosphäre Fluor und Chlorradikale ab, welche dann Ozon (O3) in Sauerstoff (O2) katalysieren. Für diese Abspaltung von Chlor und Fluorradikalen in der Stratosphäre sind Aerosole verantwortlich, da die Reaktion ( CxHyClzFU  CxHy. + Z
- Cl. + U
- F.) nur auf der Oberfläche eines Aerosolpartikels stattfinden kann.

Saurer Regen

Als sauren Regen bezeichnet man Regen, der aufgrund eines überhöhten Säuregehaltes (hauptsächlich Schwefelsäure (H2SO4) und Salpetersäure (HNO3) ) den pH-Wert des Niederschagswassers herabsetzt und über die hierdurch unterstützte Bodenversauerung das Edaphon beeinflusst. Ursache des hohen Säuregehalts sind bestimmte Aerosole, wie zum Beispiel Nitrate (RNO3), Sulfate (RSO4) und verschiedene Stickoxide. Sie reagieren mit anderen Aerosolen in der Luft, oder während der Tröpfchenbildung, zu Salpetersäure und Schwefelsäure. Hauptquellen für solche Aerosole sind die Abgase, die von Menschen verursacht werden. Zudem wurden auch in den 70er Jahren, als man noch nicht so viel über die Entstehung des sauren Regens wusste, Rußfilter in die Schornsteine vieler Fabriken eingesetzt. So wurde dann zwar weniger sichtbarer Ruß freigesetzt, die unsichtbaren Stickoxide und andere säurebildende Aerosole wurden jedoch weiter ausgestoßen. Da Rußpartikel in der Atmosphäre basisch reagieren, also die Fähigkeit haben Säuren zu neutralisieren, hat der Einsatz solcher Filter auch zur Bildung von saurem Regen beigetragen.

Humanmedizin

Aerosole werden vom Menschen eingeatmet, wobei es oft unklar ist, welche Auswirkungen die verbleibenden Teilchen in der Lunge und damit auf den Organismus haben. Unter dem Begriff Lungengängigkeit von Teilchen hat man rechnerische Überlegungen angestellt, welchen Durchmesser ein Aerosol haben muss, damit es wieder ausgeatmet wird und damit lungengängig ist. Die Überlegung ist dabei, die Entstehung der prozessbedingten Aerosole so zu beeinflussen, dass diese mit einem optimalen Durchmesser anfallen, der ein Wiederausatmen der Teilchen ermöglicht. Die Berechnungen, die ansatzweise obige Überlegungen einbeziehen, kommen zu dem Ergebnis, dass lungengängige Aerosole einen Durchmesser von 0,5μm haben sollen. Besonders anfällig für den Einfluss der Aerosole sind Menschen die an Allergien gegen bestimmte Partikel leiden, wie zum Beispiel Pollenallergie oder Schimmelpilzallergie. Verbleiben die Partikel in der Lunge, insbesondere wenn sie Schwermetalle mit sich tragen, so können die diese und andere Organe auf Dauer schädigen. Durch Abgaskatalysatoren, andere Filterungsmaßnamen und Fahrverboten kann diesem Feinstaub zum Teil entgegengewirkt werden, gegen Allergien gibt es auch bis heute noch kein wirklich wirksames Mittel, welches das Problem endgültig löst.

Literatur


- Johann Feichter: Aerosole und das Klimasystem. Physik in unserer Zeit 34(2), S. 72 - 79 (2003), Kategorie:Meteorologie ja:浮遊粉塵

Armee

Armee kann verschiedene Bedeutungen haben:
- Synonym für Streitkräfte
- Militärischer Großverband des Ersten und Zweiten Weltkriegs, bestehend aus mehreren Korps, besonderen Armee- bzw. Heerestruppen und Armeereserven. Armeen haben organisatorisch und logistisch den Unterbau, der eigenständige und weiträumige Operationen ermöglicht, insbesondere bezüglich Logistik und Sanitätswesen. Das Armeeoberkommando ist eine höhere Kommandobehörde, die im rückwärtigen Armeegebiet hinter der Kampfzone auch Sicherungsaufgaben wahrnimmt.
- Die übergeordnete Einheit einer Armee sind Heeresgruppen, die untergeordnete Einheit ist das Korps.

Beispielhafte Struktur einer Armee-Einheit

Eine deutsche Armee bestand im Ersten und Zweiten Weltkrieg aus durchschnittlich 100.000 Mann, manchmal sogar mehr. Aufgeteilt in
- vier bis fünf Korps (je ca. 22.500 Mann),
- zu je drei bis vier Divisionen (je ca. 7.500 Mann),
- zu je drei bis vier Regimentern (je ca. 2.500 Mann),
- zu je drei bis vier Bataillonen (je ca. 625 Mann),
- zu je drei bis vier Kompanien (je ca. 210 Mann),
- zu je drei bis vier Zügen (je ca. 70 Mann). Bei der Bundeswehr gibt es keine Armeen, die Struktur ihrer Verbände ist aber ähnlich.

Siehe auch

Armada, Bundeswehr, Französische Armee, Rote Armee, Schweizer Armee Kategorie:Militärischer Verband

2-Chlorbenzyliden-Malonsäuredinitril

2-Chlorbenzyliden-Malonsäuredinitril ist eine farblose, kristalline Verbindung mit der Summenformel C10H5ClN2.

Verwendung

Als Aerosol wird es als Kampfstoff verwendet. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich, manche Menschen reagieren fast nicht darauf, bei anderen zeigen sich ungefähr folgende Symptome: Augentränen und Husten aufgrund der Reizung von Augen und Atemwegen, manchmal auch Hautrötung und -jucken. In größeren Mengen eingeatmet kann es zu einem Lungenödem und in seltenen Fällen zum Tod führen. Der als „CS-Gas“ vermarktete Stoff kommt u.A. in Schreckschuss- bzw. Gaspistolen zum Einsatz, aber auch in kleinen Spraydosen zur Selbstverteidigung. Zum Schutz vor Kampfhunden werden höhere Konzentrationen benötigt, mittlerweile sind allerdings „Pfeffersprays“ populärer. Kategorie:Chemische Verbindung Kategorie:Chemiewaffe

Dyspnoe

Dyspnoe (auch: Dispnoe) ist der medizinische Fachausdruck für Atemnot oder Luftnot, einen Zustand von Luftmangel, den ein Kranker in Ruhe oder bei leichter Belastung empfindet. Die beschleunigte Atmung im Rahmen körperlicher Anstrengung wird von gesunden Menschen meist nicht als Luftnot empfunden und beschrieben. Der ICD-10-Code für Luftnot ist R06.0. Im Englischen spricht man von dyspnea oder shortness of breath (SOB). Tritt die Luftnot bereits in Ruhe auf, spricht man von einer Ruhedyspnoe. Kann die Luftnot nur durch aufrechtes Sitzen ertragen werden, dann spricht man von einer Orthopnoe. Bei stärkerer Luftnot haben die Betroffenen Beklemmungsgefühle und Erstickungsangst. Dadurch kann die objektiv vorhandene Luftnot verstärkt und ungünstig beeinflusst werden. Luftnot kann von den Betroffenen unterschiedlich beschrieben werden: als Beklemmung, Erstickungsgefühl, Lufthunger, Kurzatmigkeit, anstrengende Atmung, erschwertes Durchatmen, schmerzhafte Atmung, erschwertes Ein- oder Ausatmen. Außenstehende nehmen die Luftnot meist als beschleunigte Atmung wahr. Beim Einsatz der Atemhilfsmuskulatur wird die Anstrengung auch äußerlich erkennbar. Meist sitzen die Betroffenen vornüber gebeugt und stützen sich mit den Armen breit ab, um ihrem Brustkorb ein Widerlager zu verschaffen.

Einteilung


- Die Luftnot kann an äußeren Umständen liegen, wenn z. B. in großen Höhen ein Mangel an Luftsauerstoff vorliegt
- Luftnot kann Folge einer Krankheit sein.
- Luftnot kann auch eine psychische Empfindung sein, ohne dass eine feststellbare Ursache oder Veränderung vorliegt (vgl. Hyperventilation). Man kann die Luftnot auch nach dem Schweregrad einteilen. Schließlich ist noch die Häufigkeit bzw. die Geschwindigkeit der Entstehung wichtig: Akute Luftnot ist plötzlich aufgetreten, chronische Luftnot besteht über einen längeren Zeitraum (> 3 Monate). Rezidivierend (wiederkehrend) ist eine Luftnot, die immer wieder auftritt.

Wie kann man Luftnot objektivieren?

Luftnot ist ein individuell empfundenes Gefühl und von außen nicht immer objektivierbar. Umgekehrt kann bei einer langsam entstehenden chronischen Atemnot die subjektive Beeinträchtigung erstaunlich gering, sein. Im Kontrast dazu können objektive Daten bereits eine sehr deutliche Einschränkung der Atmungsfunktion aufzeigen. Neben der klinischen Untersuchung von Herz und Lunge, Blutdruck und Puls, Inspektion des Nasen-Rachen-Raumes und des Kehlkopfes, sind apparative und laborchemische Methoden erforderlich. Wesentlich ist die Bestimmung der Sauerstoffsättigung im Blut, aus einer arteriellen Blutprobe oder (weniger genau) ohne Blutabnahme infrarot-spektrometrisch durch die Haut (Pulsoxymetrie). Normal ist eine Sauerstoffsättigung von 95 bis 99 %. Ein Röntgenbild des Brustkorbes ist unverzichtbar, ebenso Standard-Laborparameter einschliesslich Blutbild. Eine apparative Lungenfunktionsmessung objektiviert die Lungenvolumina und die Atemkapazität. EKG, Belastungs-EKG und Echokardiografie lassen Herzerkrankungen erkennen. Luftröhre und Bronchien können endoskopisch untersucht werden.

Beispiele für Krankheiten mit Dyspnoe

Zahlreiche Krankheiten aus allen Gebieten der Medizin gehen mit Atemnot einher. Eine Aufzählung an dieser Stelle kann nur einige wichtige Vertreter nennen, etwa Lungenembolie (Verschluss der Lungenschlagadern durch ein Blutgerinnsel), Lungenentzündung, Asthma, Lungenfibrose, Lungenemphysem, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Blutarmut, Fettsucht, Hyperventilation, Stimmbandlähmung, Schilddrüsenkropf. Siehe auch: Apnoe

Weblinks


- [http://www2.lifeline.de/yavivo/Erkrankungen/Atemnot/index.html Yavivo - Atemnot (Luftnot, Dyspnoe)]
- [http://www.lungenstiftung.de/Patienteninformationen/Patienteninfo/DLS-Patientinformation%20Atemnot.htm Deutsche Lungenstiftung: Atemnot]
- [http://www.lumrix.de/icd.php?f=lumrix-get&k=dyspnoe&r=resource%2Fr%2Fr06.xml&h=8 www.lumrix.de] Kategorie:Krankheit ja:呼吸困難

Napalm

Napalm ist ein gelförmiger Brandstoff (engl. incendiary gel), der als Kriegswaffe eingesetzt wurde. Es bestand aus Benzin und einem speziellen Verdickungsmittel (engl.thickener, fuel thickener). Durch die Gelierung wird erreicht, daß der Brandstoff als zähe, klebrige Masse am Ziel haftend eine optimale Brandwirkung entwickelt. Bereits kleine Spritzer verursachen sehr starke, schlecht heilende Verbrennungen auf der Haut. Napalm wurde für Brandbomben, Brandmunition, Flammenwerfer und andere Kriegszwecke eingesetzt.

Zusammensetzung

Napalm besteht zum Großteil aus Benzin. Durch Beimischung eines Pulvers aus Aluminiumsalzen von Naphthensäuren und Palmitinsäure (daher: "Napalm") als langsam verbrennende Stoffe wird es zu einer seifen- bzw. gelartigen Substanz. Es wird somit manchmal auch von Napalm-Gel gesprochen. Die Menge des Pulvers beeinflusst die Brenneigenschaft und ist bei Flammenwerfern und Bomben unterschiedlich dimensioniert. Napalm-B, eine später entwickelte Variante des Napalm, besteht aus 21% Benzol, 33% herkömmlichem Benzin (Otto-Kraftstoff) und 46% Polystyrol ("Styropor"). Es brennt heißer und länger als herkömmliches Napalm und entwickelt einen charakteristischen Geruch bei der Verbrennung. Je nach Rezeptur erreicht Napalm eine Verbrennungstemperatur von ca. 1200°C. Spezielle Zusätze, wie weißer Phosphor oder auch feines Metallpulver, wie Magnesium oder Aluminium, haben zur Folge, dass Napalm erst aufhört zu verbrennen, wenn der umliegende Sauerstoff aufgebraucht ist.

Chemische Grundlagen

Napalm ist ein granularer Feststoff, der sich leicht in Benzin auflöst und rasch ein transparentes, sehr klebriges und zähes Gel ergibt. Napalm besteht aus Aluminiumseifen, Al(OH)(OOCR)(OOCR'), insbesondere den Aluminiumsalzen der Naphthensäure und Palmitinsäure, welche durch freie Säure, Wasser und anorganische Stoffe verunreinigt sind. Napalm wurde hergestellt durch gemeinsame Abscheidung von Aluminiumhydroxid, Naphthensäure und Palmitinsäure [57-10-3]. Naphthensäuren sind ein technisches Gemisch aus alkylierten Cyclopentan- und Cyclohexansäuren, gewonnen durch alkalische Extraktion von Erdöl und Ansäuern der erhaltenen Lösung. Palmitinsäure kann durch Verseifung von z. B. Kokosöl hergestellt werden und ist als Natriumsalz ein Bestandteil von Seifen. Nach einem neueren U.S.-Patent wurde Benzin (Kerosin) mit Hydroxylaluminium-bis(2-ethylhexanoat) [30745-55-2] und einem nichtionischen Tensid oder Wasser geliert. Die Eigenschaft von brennendem Napalm, am Ziel zu kleben, rührt von der hohen Viskosität der Zusätze her. Die langen Kohlenstoffketten bewirken, dass sich Napalm nur sehr schlecht mit Wasser ablösen lässt. Napalm gehört zu den Brandstoffen auf Ölbasis. Es gibt zwei Sorten:
- Oil-based incendiary agents of the Al-soap type (Öl-basierter Brandsatz auf Basis von Aluminumseifen: Napalm)
- Oil-based incendiary agents of the polymer type (Öl-basierter Brandsatz auf Basis von Kunststoffen: Napalm-B)

Geschichte

Das Prinzip einer anhaftenden, langsambrennenden Brandmasse wurde das erste Mal im frühen Mittelalter in Form des Griechischen Feuers verwirklicht. Die Rezeptur für Napalm wurde 1942 an der Harvard-Universität entwickelt. Das Gemisch wurde während des 2. Weltkrieges durch die Alliierten gegen Städte in Japan, Deutschland (s. Feuersturm) und später durch die USA sehr massiv im Koreakrieg sowie im Vietnamkrieg eingesetzt. Vietnamkrieg

Ächtung durch die UN

Der Gebrauch von Napalm und anderen Brandwaffen gegen die Zivilbevölkerung wurde durch eine UN-Konvention 1980 verboten. Die USA traten dem Vertrag nicht bei, haben allerdings nach eigenen Angaben ihr Arsenal im Jahr 2001 zerstört. Dies wurde bezweifelt, als die USA während des 3. Golfkrieges 2003 ihr Waffensystem MK77 einsetzten, das ein dem Napalm ähnliches Gemisch enthält. Das Pentagon verteidigte den Einsatz dieser Brandbomben damit, dass MK77 ein Gemisch mit Kerosin enthalte und nicht als Napalm zu klassifizieren sei. Die verwendeten Substanzen seien zwar "bemerkenswert ähnlich", jedoch verursache die auf Kerosin basierende Substanz "weniger Umweltschäden".

Literatur


- L.F. Fieser et al.: Ind. Eng. Chem. 38, 768 (1946)
- Leo Finkelstein: J. Phys. & Colloid Chem. 52, 1460-70 (1948) ("Rheological properties of incendiary gels")
- K.J.Mysels: Ind. Eng. Chem. 41, 1435 (1949)
- Anonymus: Chem. Eng 58, No. 11, 162-3 (1951) (Description of the Cleveland plant of Ferro Chem. Co for production of napalm)
- A.P. 2,763,621 (12/7/1951 ; 9/18/1956) to Pfister Chemical Works Inc.

Siehe auch


- Agent Orange

Weblinks


- [http://www.thehandstand.org/archive/september2003/articles/napalm.htm Napalm]
- Napalm im Koreakrieg: http://www.taz.de/pt/2004/12/10.nf/mondeText.artikel,a0034.idx,8
- Information über verschiedene Brandmittel: http://www.feuerwehr-halle.de/Feuer/Krieg/krieg.html
- [http://www.blogtelevision.net/index.php?search=fallujah_ING.wmv&p=4&x=0&y=0 Napalm im Krieg der US Armee (30 min.Video, engl.)] Kategorie:Chemiewaffe Kategorie:Zweiter Weltkrieg Kategorie:Koreakrieg Kategorie:Vietnamkrieg ja:ナパーム弾

Vietnamkrieg

Der Vietnamkrieg bezeichnet die letzte, besonders verlustreiche Etappe in einem dreißigjährigen bewaffneten Konflikt, der mit dem Widerstand der vietnamesischen Kommunisten und anderer Gruppierungen gegen den Verbleib bzw. die Wiederkehr der französischen Kolonialmacht ab 1945/46 begonnen hatte (Indochinakrieg). Indochinakrieg in Südvietnam mit US-General William Westmoreland (2 v.l.), Generalleutnant der südvietnamesischen Streitkräfte Nguyen Van Thieu (2.v.r.) und mit dem Premierminister von Südvietnam Nguyen Cao Ky.]] Nguyen Cao Ky __TOC__ Der Vietnamkrieg war ein Bürgerkrieg, ein Stellvertreterkrieg und zugleich der fortgesetzte Unabhängigkeitskampf gegen die in Südostasien sich formierenden US-Interessen. Er stellt somit eine vom Antikolonialismus geprägte Konfrontation im Kalten Krieg dar. Auf der einen Seite kämpfte ein Militärbündnis der USA, der Republik Vietnam (Südvietnam), Australiens und Südkoreas. Auf der anderen Seite stand ein Militärbündnis der Demokratischen Republik Vietnam (Nordvietnam) und der Nationalen Befreiungsfront (franz. FNL, engl. NLF, in westlichen Ländern meist Viet Cong genannt), einer südvietnamesischen kommunistischen Guerillaorganisation. Die UdSSR wie auch die Volksrepublik China stellten Nordvietnam und der Nationalen Befreiungsfront militärische Hilfe zur Verfügung, griffen aber direkt nicht ein. Ab 1970 weiteten die USA ihre militärischen Aktionen, insbesondere die verheerenden Bombardierungen, auf die Nachbarstaaten Kambodscha und Laos aus.

Kriegsursachen

Der Vietnamkrieg war in vielerlei Hinsicht ein direkter Nachfolger des französischen Indochinakrieges (auch 1. Indochinakrieg genannt), den die Franzosen um ihre Kolonien in Indochina und gegen die Unabhängigkeitsbewegung unter dem Führer der Kommunistischen Partei, Ho Chi Minh, geführt hatten. Nachdem die vietnamesischen kommunistischen Streitkräfte (Viet Minh) die französische Kolonialarmee (u.a. die Fremdenlegion) bei der Schlacht von Dien Bien Phu 1954 besiegt hatten, erlangte die Kolonie die Unabhängigkeit. Gemäß der folgenden Genfer Regelung wurde Vietnam vorübergehend in einen kommunistischen Norden und in einen westlich orientierten Süden aufgeteilt. Das Land sollte 1956 durch Wahlen vereinigt werden. Diese wurden jedoch nie durchgeführt. Die südvietnamesische Regierung des Präsidenten Ngo Dinh Diem annullierte die Wahlen. Darin unterstützt wurde er durch US-Präsident Eisenhower. Beide befürchteten einen Sieg Ho Chi Minhs. Als Reaktion auf die Wahlannullierung wurde die Nationale Befreiungsfront (Front National de Libération, FNL), eine Guerillabewegung, als Opposition zur südvietnamesischen Regierung gebildet. Der Westen nannte die Nationale Befreiungsfront Viet Cong, Abk. für Vietnam Cong San, vietnamesischer Kommunist. Die Befreiungsfront selbst gebrauchte diesen Namen nie. Auf die Operationen der FNL reagierten die USA zunächst mit der Entsendung militärischer Berater zur Unterstützung der südvietnamesischen Regierung. Sie befürchteten, dass der Sturz des Saigoner Regimes den Fall weiterer Staaten in der Region zur Folge haben würde (Domino-Theorie). Nordvietnam und die UdSSR stützten die Nationale Befreiungsfront mit Waffen und Versorgungsmaterial, Militärberatern und regulären Truppen der nordvietnamesischen Armee, die über ein umfangreiches Wege- und Straßennetz, bekannt als Ho-Chi-Minh-Pfad, transportiert wurden.

Die US-amerikanische Intervention

Ho-Chi-Minh-Pfad Ho-Chi-Minh-Pfad Ho-Chi-Minh-Pfad Die US-amerikanische Einmischung in den Krieg erfolgte als ein jahrelanger Prozess während der Präsidentschaft von Eisenhower, Kennedy, Johnson und Nixon. Unter Johnson, der selbst enge Kontakte zur Rüstungsindustrie (Kellog, Brown & Root) besaß, eskalierte der Konflikt. Dem offenen Kriegsausbruch ging aber nie eine formale Kriegserklärung voraus. Am 7. August 1964 verabschiedete der US-Kongress stattdessen eine gemeinsame Resolution zum Tonkin-Zwischenfall. Dies war eine Reaktion auf den vermeintlichen Angriff nordvietnamesischer Kanonenboote auf zwei US-Zerstörer im Golf von Tonkin, der jedoch vom US-Geheimdienst NSA manipuliert worden war. Der Vorfall gab dem Präsidenten eine breite Unterstützung für das Eingreifen in einen Bürgerkrieg, der in einem weit entfernten, der US-Öffentlichkeit kaum bekannten Land stattfand. Am 8. März 1965 landeten die ersten 3.500 US-Marines des 7. Marine Regements, 1. Marine Division in Südvietnam; bis 1968 wurden 543.000 amerikanische Soldaten dort stationiert; die Zahl der getöteten amerikanischen Soldaten belief sich durchschnittlich auf über 100 pro Woche. Chef des Pentagons war während dieser Zeit Robert S. McNamara. Die Johnson-Regierung verschärfte im Laufe der Jahre ihren Einsatz, obwohl ein echter Erfolg sich nicht einstellen wollte. Die Vereinigten Stabschefs sahen massivere Bombardierungen als Lösung an; Johnson kam ihren Forderungen wegen der internationalen und innenpolitischen Folgen aber nur halbwegs nach. Der stets optimistische Kommandant der US-Streitkräfte in Vietnam, General William Westmoreland, musste der amerikanischen Öffentlichkeit vor beiden Häusern des Kongresses versichern, dass die Truppensteigerungen und die Überlegenheit der Army schon bald den Sieg bringen werde. Der immer schwächer werdende Glaube an ein „Licht am Ende des Tunnels“ (Westmoreland) wurde jedoch durch die Tet-Offensive am 30. Januar 1968 vollends erschüttert. Hierbei traten ca. 84.000 Kämpfer von Vietcong und Nordvietnamesischer Armee (NVA) zur Eroberung von zahlreichen Provinz- und Distrikthauptstädten an. Insgesamt verloren die NVA und der Vietcong mit über 50.000 Toten und Gefangenen mehr als die Hälfte ihrer eingesetzten Kräfte während der Tet-Offensive. Keine der eroberten Städte konnte gehalten werden, die erwartete Unterstützung durch die südvietnamesische Bevölkerung blieb aus. Militärisch war die Offensive eine schwere Niederlage für die NLF, insbesondere der Vietcong war so stark dezimiert, dass von diesem Zeitpunkt an reguläre nordvietnamesische Truppen die Hauptträger des Kampfes in Einheiten wurden, die nur noch dem Namen nach Vietcong-Einheiten waren. Psychologisch jedoch war dies der Wendepunkt im Vietnamkrieg, denn die überraschende Offensivkraft des Gegners, den man am Rande des Zusammenbruches glaubte, überzeugte viele Amerikaner von der Unmöglichkeit des Sieges. Inzwischen wuchs in der amerikanischen Bevölkerung die Stimmung, von der Regierung mittels eines Krieges ohne klaren Anfang oder sicheres Ende in die Irre geführt zu werden. Als General Westmoreland verlangte, weitere Truppen nach Vietnam zu senden, erreichte Clark Clifford, seit dem 1. März 1968 Nachfolger McNamaras im Amt des Verteidigungsministers, dass Präsident Johnson diese Bitte ausschlug. Er ging in seiner Besorgtheit um die Auswirkungen weiterer möglicher Hiobsbotschaften aus Vietnam auf die öffentliche Kriegsmoral in den USA sogar noch weiter. Zu Beginn der Belagerung von Khe Sanh, einem stark befestigten Außenposten der Marines hoch im Norden Südvietnams, nahe der entmilitarisierten Zone, verlangte er von seinen Stabschefs eine schriftliche Garantie, dass dieser Posten gehalten werden konnte. Dies gelang, nach 77 Tagen Belagerung erzielte die Operation Pegasus den Durchbruch von außen. Auch hier war das militärische Ergebnis für die NVA katastrophal: Während die Zahl der Gefallenen und Verwundeten bei den südvietnamesischen und US-Truppen insgesamt unter 2.000 lag, verloren die Nordvietnamesen nach Schätzungen 10.000-15.000 Mann. Doch die nach Ansicht vieler Militärhistoriker einzig strategisch folgerichtige Antwort, um den Krieg siegreich beenden zu können, die Invasion nach Nordvietnam hinein, wagte die amerikanische Regierung, gleichermaßen aus Furcht vor der öffentlichen Meinung und einem offenen Eingreifen Chinas in den Krieg, nicht.

Widerstand gegen den Krieg

Khe Sanh Khe Sanh Bereits zu Beginn der Auseinandersetzungen ab 1964 gab es eine relativ kleine Oppositionsbewegung gegen den Krieg in den USA, insbesondere in den Hochschulen. Je länger der Krieg andauerte, desto stärker untergruben die täglichen Berichte von der Front die Moral der Zuschauer in den USA und förderten weltweit die Antikriegsbewegungen. In der Bundesrepublik Deutschland bildete der Vietnamkrieg eine wesentliche Voraussetzung für das Aufkommen der oppositionellen, so genannten "neuen Linken". Durch die neuen Medien wirkte der Krieg in besonderer Eindrücklichkeit und Stärke – er wurde der "erste Fernsehkrieg" genannt. Die Journalisten durften in Wort und Bild unzensiert aus den Kampfgebieten berichten. Ab 1965 wuchs die Antikriegsstimmung in Amerika und erreichte ihren Höhepunkt 1968, infolge der Tet-Offensive. Die amerikanische Bevölkerung konnte diese und insbesondere die Kämpfe in Saigon vor dem Fernseher mitverfolgen und bekam einen „kollektiven Schock“. Die Bilder der rund 700 Journalisten vor Ort zeigten verletzte Soldaten, mit Leichen übersäte Straßen und zerbombte Städte in Gebieten, die seit längerem von US-Truppen kontrolliert schienen. Vielen wurde auf einmal klar, dass der Krieg keineswegs bald gewonnen sein würde. Der CBS-Nachrichtensprecher Walter Cronkite formulierte dies mit den Worten: „Was um alles in der Welt geht dort vor? Ich dachte, wir wären dabei, diesen Krieg zu gewinnen!“ Je deutlicher sich die öffentliche Meinung gegen den Krieg wendete, desto häufiger zeigten die Berichte auch dessen dunkle Seite. Da die Reporter direkt mit den amerikanischen Soldaten unterwegs waren, erlebten sie die Gräuel de