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| Giulio Cesare |
Giulio CesareGiulio Cesare in Egitto, deutsch auch Julius Cäsar (HWV 17) ist eine Oper in drei Akten von Georg Friedrich Händel.
Entstehung
Das Libretto für die Oper wurde von Nicola Francesco Haym geschrieben, der in den 1720er Jahren als Sekretär für die Londoner Opernakademie arbeitete und für zahlreiche andere Texte Händels verantwortlich ist. Grundlage seiner Dichtung ist ein gleichnamiges, 1677 von Giacomo Francesco Bussani für Venedig verfasstes Libretto.
Die Uraufführung fand am 20. Februar 1724 im King's Theatre am Londoner Haymarket statt. In diesem Jahr kam die Oper auf 13 Aufführungen. Sie wurde 1725, 1730 und 1732 erfolgreich wiederaufgenommen und kam auch in Hamburg ins Programm.
Die erste Neuaufführung ist Oskar Hagen zu verdanken, der die Oper am 5. Juli 1922 für die Göttinger Händelfestspielen vorbereitete und leitete. Den Julius Cäsar – ursprünglich eine Kastratenpartie – ließ er dabei einen Bariton singen.
Personen
Die Besetzung wurde bei der Uraufführung von folgenden Sängern gesungen:
- Cleopatra - Francesca Cuzzoni (Sopran)
- Giulio Cesare, römischer Imperator - Senesino (Altkastrat)
- Cornelia, Witwe des Pompejus - Anastasia Robinson (Alt)
- Sesto, Sohn von Pompejus und Cornelia (Sextus) - Margherita Durastanti (Sopran)
- Tolomeo, König von Ägypten und Bruder Cleopatras (Ptolemäus) - Gaetano Berenstadt (Altkastrat)
- Nireno, Kammerdiener - Signor Bigonzi (Altkastrat)
- Achilla - Giuseppe Maria Boschi (Bariton)
- Curio - Mr. Lagarde (Bass)
Handlung
Ort und Zeit: Ägypten 40 v.Chr.
1. Akt
Ebene am Nil. Caesar trifft nach der gewonnenen Schlacht von Pharsalos gegen Pompeius im Hafen von Alexandria ein, um den flüchtigen Pompeius aufzuspüren. Cornelia, Pompeius' Gattin, versucht zusammen mit ihrem Sohn Sextus, Caesar zu einem Friedensschluss zu überreden. Caesar geht darauf ein und sendet nach Pompeius, um die Versöhnung in die Wege zu leiten. Achilla erscheint als Abgesandter des ägyptischen Königs Ptolemaios XIII. und legt Caesar als Gastgeschenk Pompeius' Haupt vor die Füße. Caesar ist empört. Er schwört wie Sextus, den Mord an Pompeius zu rächen.
In einer Galerie im Palast des Ptolemaios streiten sich die Geschwister Cleopatra und Ptolemaios (denen Pompeius als Vormund bestellt war) um die Krone. Sie gebührt Cleopatra als der Erstgeborenen. Achillas überbringt Ptolemaios die Nachricht von Caesars Zorn und rät, den Feldherr am selben Tag zu ermorden. Er selbst erklärt sich dafür bereit, den Auftrag zu erfüllen, wenn er dafür die Hand der schönen Cornelia bekommt. Ptolemaios geht darauf ein.
Ab Grabmal Pompeius' gedenkt Caesar seines großen Gegners. Cleopatra erscheint als Hofdame verkleidet und und fleht Caesar um Schutz vor Ptolemaios an. Sie schafft es, ihn durch ihre Schönheit an das Versprechen zu binden, ihr zu helfen. Cleopatra wähnt sich am Ziel und ist sich sicher, ihren Bruder vernichten zu können. Sie beauftragt ihren Vertrauten Nireno, Caesar abends in ihre Gemächer zu führen, wo sie ihm ein Liebesfest bereiten wird. Cornelia und Sextus erscheinen und erneuern ihren gemeinsamen Racheschwur. Cleopatra verspricht ihnen zu helfen.
Bei einem Fest zu Ehren Caesars soll dieser getötet werden. Das Attentat misslingt. Cornelias und Sextus' Gegenanschlag, der auf Ptolemaios gerichtet ist, ist ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt: Sextus landet im Kerker, Cornelia wird in Ptolemaios' Serail gesperrt.
2. Akt
Das von Cleopatra geplante geheime Stelldichein mit Caesar findet auf einer Terrasse statt. Cleopatra gibt sich Caesar zu erkennen und gesteht ihm ihre Liebe. Nireno unterbricht die beiden und warnt sie vor dem nahenden Achilla, der mit bewaffneten Männern Caesar töten will. Cleopatras Hilfe ist vergebens: Caesars letzter Ausweg ist ein lebensgefährlicher Sprung ins Meer. Er wird von Achillas für tot erklärt.
Cornelia, die immer noch im Serail gefangen ist, verschmäht die Liebe des sie umwerbenden Ptolemaios. Sextus wird von Achilla überwältigt. Achilla berichtet weiterhin, dass Cleopatra sich mit den Römern zusammengeschlossen habe und im Anmarsch auf Ptolemaios palast sei, um Caesars Tod zu rächen. Achillas fordert Cornelia als Belohnung für seine Treue. Als Ptolemaios ihn lachend abweist, erklärt er seinen Übertritt zu den Römern. Sextus schwört wiederum Rache an Ptolemaios.
3. Akt
Der Kampf gegen Cleopatra ist zugunsten Ptolemaios' ausgegangen. Er lässt seine Schwester in Ketten legen. Der totgeglaubte Caesar ist jedoch noch lebendig. Kraftlos und ohne Waffen fühlt er sich allerdings wehrlos. Der schwerverletzte Achilla wird von Sextus herbeigeführt, ohne dass einer von beiden Caesar bemerkt. Achilla übergibt Sextus seinen Ring, der für den Gehorsam seiner versteckten Kämpfer bürgen soll. Caesar hat das Gespräch belauscht und übernimmt die Führung der Gruppe.
Caesar befreit Cleopatra aus dem Zelt des Ptolemaios und macht sich bereit für den letzten Kampf.
Ptolemaios ist durch Sextus' Hand gefallen, und die Römer haben gesiegt. Cleopatra herrscht nun durch die Freundschaft mit Rom über Ägypten und sichert damit langen Frieden.
Literatur
- Albert Scheiber: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel
Weblinks
- http://www.karadar.com/Librettos/handel_CESARE.html - Libretto
Kategorie:Händels Opern
OperAls Oper (ital. opera in musica, von lat. opus - Arbeit, Werk) bezeichnet man seit etwa 1650 eine musikalische Gattung, in der eine szenisch-dramatische Handlung durch Musik gestaltet wird. Zur Gesamtwirkung der Oper vereinigen sich:
- Musik (Ausführende sind hierbei Orchester und Sänger)
- Dichtung (in Gestalt des Librettos)
- Darstellende Kunst bzw. Schauspiel
- Ballett und Tanz
- Bühnenbild (Malerei, Plastik, Dekoration und Architektur)
- Beleuchtung und div. Effekte
- Maske und Kostüme
Hierbei wird vor allem die Musik zum Träger der Handlung, der Stimmung und der Gefühle - im Gegensatz zur simultanen Untermalung eines Sprechstücks mit Musik (Melodram) oder der einlagenartigen musikalischen Auflockerung einer Handlung (Singspiel, Bühnenmusik).
Die Vielfalt der zusammenwirkenden Künste schafft viele Möglichkeiten für eine Oper, Gestalt anzunehmen, lässt aber auch Widersprüche entstehen. Die Musikgeschichte kennt daher viele unterschiedliche Ausprägungen der Oper.
Als Oper bezeichnet man auch die Aufführungsstätte, das Opernhaus, oder die Oper aufführende Kompagnie.
Opernhaus
Opernhaus
Form
Formal gesehen ist die Oper seit der Barockzeit eine Aneinanderreihung in sich geschlossener Musikstücke (Nummernoper), die durch Rezitative miteinander verbunden werden. Wie auch im Schauspiel kann eine Oper in Akte, in Bilder, in Szenen bzw. Auftritte gegliedert sein. Das Textbuch zu einer Oper heißt Libretto.
Die musikalischen Bestandteile der Oper sind
- Instrumentalstücke
:Ein anfangs eigenständiges Musikstück ist die Ouvertüre, ital. oft Sinfonia, die eine Oper oder einen Akt eröffnet. Oft wird thematisches Material aus der Oper selbst zitiert (z.B. "Hänsel und Gretel", Engelbert Humperdinck), oder die Ouvertüre schildert die wesentlichen Züge der Handlung im Voraus (Programmouvertüre). Das Vorspiel ist meist kürzer als eine Ouvertüre und geht oft direkt in die Musik der Szene über (Bsp. "Der Rosenkavalier", Richard Strauss). Ein Zwischenspiel, französisch Entr'acte, verbindet unterschiedliche Akte. Innerhalb der Opernakte finden sich Ballettmusik bzw. Tänze (z.B. "Tannhäuser", Richard Wagner), Märsche, Pantomimen, Auftrittsmusiken etc.
- Gesangsnummern mit Handlung schildernder Funktion
- Rezitativ, recht direkt der Sprache folgende, offene Formen
- Szene, ital. Scena, im 19. Jh aus dem Rezitativ hervorgegeangene, orchesterbegleitete Handlungsmusik
- Melodram, musikbegleitetes Sprechen
- Gesangsnummern als geschlossene Form
- Arie, Oberbegriff für alle Sologesänge in der Oper. Andere Bezeichnungen für Solostücke können sein: Lied, Couplets, Rondo, Ariette, Cabaletta, Romanze etc.
- Ensembles für mehrere Stimmen: Duett, Terzett, Quartett etc., ein vielstimmiges Ensemble heißt in Italien (pezzo) concertato
- Vaudeville, ein von mehreren Solisten gesungenes Strophenlied, oft mit gemeinsamem Refrain
- Chöre
- Introduktion und Finale, längere einleitende oder einen Akt beschließende Formen mit wechselnden Formen und Besetzungen
Durchkomponierte symphonische Großform
Richard Wagner schuf ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Form, welche die musikalische Nummernstruktur ersetzt und in welcher sich Musik und Dichtung zu einem durchkomponierten sinfonischen Ganzen verbinden. Wagners Opern bezeichnet man als "Musikdrama", das eine "unendliche Melodie" formt. Sein Werk Tristan und Isolde bezeichnete Wagner dementsprechend nicht als Oper, sondern als Handlung in Musik. Man bemerke hier die Ähnlichkeit zu Monteverdis Gattungsbezeichnung für seinen Orfeo: Favola in musica.
Die durchkomponierte Oper ist im Prinzip für alle Komponisten nach Wagner maßgeblich, auch wenn viele Komponisten immer wieder auf geschlossene Formen in Opern zurückgegriffen haben (z. B. Zoltán Kodály oder Kurt Weill). Die 'Nummernoper' lebt außerdem in Operette und Musical weiter.
Geschichte
Vorgeschichte
Bereits im der antiken griechischen Theater verband man szenische Aktion mit Musik. Der Chor hatte hierbei eine tragende Rolle: Chorgesang wurde einerseits zu den pantomimischen Tänzen herangezogen, welche das Theaterstück in verschiedene Teile gliederten; andererseits hatte der Chor auch die Aufgabe, die Handlung kommentierend zu begleiten (Bsp. "Antigone", Sophokles).
Es ist nicht bekannt, ob die Römer diese Tradition übernommen hatten. Mit der Zerstörung der römischen Theater im 6. Jahrhundert sind Aussagen hierüber nicht mehr zu belegen - das gilt auch für alle anderen Aktivitäten, die das Theater betreffen.
Im Mittelalter wurde die Tradition von musikbegleiteter Handlung fortgesetzt. Geistliche Themen wurden herangezogen, um dem einfachen Volk die Aussage der Bibel anschaulicher zu machen. Ganze Teile eines Gottesdienstes wurden mit den Mitteln des Theaters dargestellt. Beliebtes Thema war dabei die Geburt oder Auferstehung Christi. Dabei wurde durch das ganze Stück hindurch gesungen. Daraus entstanden die auch außerhalb der Kirche aufgeführten Mysterienspiele.
Weltliche Stücke, wie z.B. kurze Komödien, wurden in einigen Szenen nur teilweise mit Musikeinlagen unterstützt. Adam de la Halles melodienreiches Stück "Jeu de Robin and Marion", das um 1280 geschrieben wurde, bildet hier eine Ausnahme.
Auch in Intermedien, Tanzspielen, Masken- und Triumphaufzügen der Renaissance findet man die Verbindung von Szene und Musik.
Unmittelbare Vorläufer der Oper sind beispielsweise
- das im Mittelalter entstandene geistliche Mysterienspiel
- italienische Pastoralen (Schäferspiele) mit Musikbegleitung, etwa "Favola d'Orfeo" von Angelo Poliziano, 1471
- Madrigalkomödien, etwa "L'Amfiparnasso" O. Vecchi 1597
- das französische "Ballet comique de la Reine" (1581)
Entstehung der Oper
Die Oper selbst entstand am Ende des 16. Jahrhunderts in Florenz. Die Florentiner Camerata versuchte, die antike Form und auch die Vertonungsprinzipien der griechischen Tragödie wiederzubeleben, indem man nun textlich ausgearbeitete Dramenstoffe komplett mitsamt der Dialoge vertonte, statt wie zuvor nur die Zwischenchöre mit Musik zu versehen. Das bei den Florentinern vorherrschende System des vom Generalbass begleiteten rezitativischen Gesangs verzichtete zugunsten der Textverständlichkeit und -deklamation weitgehend auf freiere Formen- und Melodiebildung und setzte nur zuweilen Akzente durch kantablere Passagen oder dramatische Akzente.
Als erstes Werk der Gattung Oper gilt La Dafne von Jacopo Peri (1597). Weitere wichtige Werke aus der Anfangszeit der Oper sind L'Euridice von Jacopo Peri (1600) als älteste erhaltene Oper sowie Euridice (1602) und Il Rapimento di Cefalo von Giulio Caccini. Die erste deutsche Oper ist 1627 die (verschollene) Daphne von Heinrich Schütz, der die Oper bei seinem Studienaufenthalt 1609-1613 in Italien kennen gelernt hatte.
Besondere Bedeutung hat Claudio Monteverdis erste Oper L’Orfeo (1607). Hier sind im Vergleich zu seinen Vorgängern erstmals eine reichere Instrumentation, ausgebautere Harmonik, tonmalerisch-psychologische und bildhafte Ausdeutung von Wort und Figuren sowie eine personencharakterisierende Auswahl der Instrumente zu hören. Zwar nimmt Monteverdis persönliche Entwicklung im Orfeo erst ihren Anfang, seine Spätwerke „Il ritorno d'Ulisse in patria“ (1640) und L'incoronazione di Poppea (1643) stellen aber in Hinblick auf die Musikdramatik Höhepunkte der gesamten Opernentwicklung dar.
In der Geschichte der Oper unterscheidet man grob zwei Traditionsstränge, die sich jedoch vielfach berühren und mischen:
- Große, 'ernsthafte' Werke meist tragischen Inhalts, verwandt mit Tragödie und dem Historischen Drama, die Stoffe entspringen meist der Tragödie oder epischen Heldendichtung, später auch Roman und Novelle:
- Dramma per musica oder ähnliche Bezeichnungen der frühen Oper
- Opera seria – große oder ernsthafte Oper, meist über Helden und tragisch endend;
- Opera semiseria – Form des Barock, in der neben der heroischen Handlung auch volkstümlichere, komische Figuren vorkommen
- Melodramma – häufig verwendete Bezeichnung im Italien des 19. Jahrhunderts
- Grand Opéra in Frankreich (z. B. Giacomo Meyerbeer)
- Tragédie lyrique in Frankreich (z.. B. Jules Massenet)
- Musikdrama – durchkomponierte große Oper der Romantik, geprägt durch Richard Wagner
- Literaturoper – Form des 20. Jahrhunderts unter enger Anlehnung an bestehende Theaterstücke oder andere literarische Vorlagen
- Heitere, komische Formen, häufig mit gesprochenen Szenen - diese führen historisch weiter zu Operette und Musical, wobei auch hier die Grenzen fließend sind. Die Stoffe stammen aus dem Volkstheater und der Komödie. Stark beeinflusst durch die italienische commedia dell'arte, aber auch durch die deutsche Hanswurstiade, ferner Posse und Schwank nahestehend
- Opera buffa, (Opéra bouffe) – komische oder scherzhafte Oper, mit volkstümlichen oder komischen Szenen
- Singspiel – deutsches Pendant zur italienischen Opera buffa, allerdings mit Sprechszenen anstelle der Rezitative
- Opéra comique – französische Form des Singspiels im 19. Jahrhundert, nicht unbedingt heiteren Inhalts, aber in Abgrenzung zur Grand Opéra ohne Ballett und mit gesprochenen Dialogen (z. B. Carmen).
siehe auch:
- Geschichte der Oper
- Opernreform
Bedeutende Opernkomponisten (chronologisch)
Die hier aufgeführten Komponisten sind heute einerseits "Klassiker" des modernen Opernbetriebs und haben andererseits durch eines oder mehrere Werke Entscheidendes zur Entwicklung der Kunstform Oper beigetragen.
Aus heutiger Perspektive der erste bedeutende Opernkomponist. Er komponierte Anfang des 17. Jahrhunderts. Heute bekannteste Werke sind sein L'Orfeo sowie L'Incoronazione di Poppea - letztere ist insbesondere wegen ihres wenig moralischen Schlusses (die "Bösen" gewinnen und singen ein Liebesduett) bedeutsam.
Überaus produktiver Opernkomponist und einer der wichtigsten Komponisten des Barock. Geboren in Halle (Saale) wanderte er nach Aufenthalten in Hamburg (wo er seine erste Oper komponierte) und Italien nach England aus. Betrieb dort auch eine eigene Opernkompagnie. Wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts langsam wieder als Opernkomponist entdeckt, galt davor vor allem als Schöpfer großer Oratorien. Einige seiner heute wieder häufiger aufgeführten Werke sind: Alcina, Giulio Cesare, Serse, Rinaldo und Ariodante.
Reformierte die bis dahin gängige Opera Seria. Während noch G. F. Händel dem strengen Korsett der barocken Opera Seria blieb, die vor allem durch die strikte Trennung von Rezitativen und Arien und damit zwischen Reflexion und Emotion gekennzeichnet ist, beginnt Gluck damit, diese Elemente stärker ineinander zu verflechten. Wichtigstes Werk: Orfeo ed Euridice.
Neben Verdi, Wagner, Puccini und Strauss sicherlich der bedeutendste Komponist im heutigen Opernbetrieb. Seine frühen Opern, die er als Jugendlicher verfasste, waren noch stark am Modell der barocken Opera Seria orientiert. Entwickelte später mit Opern wie Don Giovanni oder Le nozze di Figaro und deutschsprachigen Singspielen wie Die Entführung aus dem Serail und Die Zauberflöte seinen eigenen unverwechselbar "klassischen" Stil. Mit letzteren wurde er zum Wegbereiter der deutschsprachigen Oper des 19. Jahrhunderts.
Prägten Anfang des 19. Jahrhunderts wesentlich den heute Bel Canto genannten Opernstil. Wie der Name Bel Canto (Schöner Gesang), (auch: Belcanto) bereits impliziert, sind die Werke dieser Komponisten stark auf virtuosen Gesang ausgerichtet. Partien wie Lucia di Lammermoor (Donizetti), Norma (Bellini) oder Semiramide (Rossini) sind eine Herausforderung für jede Sopranistin, da sie gleichermaßen Koloraturfähigkeit (Koloratur: auf einer Silbe gesungene Verzierung, früher oft Improvisationen, die sich die Sänger und Sängerinnen selbst schrieben) sowie dramatische Wucht erfordern. Eine herausragende Interpretin, insbesondere der Norma und der Lucia, war Maria Callas.
Entwickelte die italienische Tradition des Bel Canto weiter und stärkte den eigenständigen Charakter der Orchestermusik, ohne den Anspruch auf höchste Kantabilität (etwa: Gesanglichkeit) aufzugeben. Gleichzeitig nahm er sich für seine Kompositionen anspruchsvoller literarischer Vorlagen an. So zum Beispiel Alexandre Dumas' Kameliendame (Verdis La Traviata); vier seiner Opern gehen auf Theaterstücke Friedrich Schillers zurück (Don Carlo u.a.), mit den beiden Shakespeare-Opern Otello und Falstaff beendete er sein Opernschaffen. Weitere wichtige Opern: Nabucco, Macbeth, Rigoletto, Il Trovatore, Aida.
Zeitgenosse Verdis. Prägte als deutscher Antipode zu Verdi einen ganz eigenen Stil. Mit seinen Musikdramen verfolgte er das Ziel, ein Gesamtkunstwerk zu errichten. Widmete sich stark germanischen und mittelalterlichen Stoffen als Vorlagen für seine Werke. Der philosophische Überbau, den Wagner seinen Werken verpasste, führt auch heute noch dazu, dass er der vermutlich meistdiskutierte Opernkomponist aller Zeiten ist. Wichtiges musikalisches Mittel, dass seine Opern kennzeichnet, sind die so genannten Leitmotive - signifikante "Erkennungsmelodien" für bestimmte Charaktere oder Situationen, die im Verlauf eines Werkes mehrfach wiederkehren. Berühmteste Werke: Der Ring des Nibelungen (bestehend aus den 4 Teilen: Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung) und Tristan und Isolde.
Neben Verdi berühmtester italienischer Opernkomponist des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Werke wie La Bohème, Madama Butterfly, Tosca oder Turandot finden sich im Repertoire jedes Opernhauses.
Neben Berg der wohl bedeutendste deutsche Opernkomponist des frühen 20. Jahrhunderts. Im Unterschied zu Alban Berg und anderen Komponisten dieser Zeit vollzog er nicht den Schritt in die Atonalität, auch wenn Werke wie Salome und Elektra mit diesen Stilelementen spielen. Strauss blieb auch während des Dritten Reiches als Komponist und Dirigent in Deutschland und war deshalb im Ausland umstritten. Obwohl er als Präsident der "Reichsmusikkammer" den wichtigsten offiziellen Musikerposten im NS-Staat bekleidete, stritt er später immer wieder ab, Sympathisant der Nationalsozialisten gewesen zu sein. Geistig lag ihm Mozart mehr als Wagner, und er wünschte sich, mit Werken wie Ariadne auf Naxos oder Der Rosenkavalier die mozartsche Komödie wiederzubeleben. Insbesondere "Der Rosenkavalier" ist eine Referenz an Mozart, nämlich an dessen Le Nozze di Figaro, dem nicht nur der Plot ähnelt, sondern vor allem die Besetzung mit jeweils zwei Sopranen in zentralen Frauenrollen und einer "Frau in Hosen" (einer so genannten Hosenrolle) als jugendlichen Liebhaber.
Einer der wichtigsten Schüler von Arnold Schönberg. Schuf mit seinen freitonalen Opern Wozzeck (nach Büchners "Woyzeck") und dem Fragment Lulu, das von Friedrich Cerha vollendet wurde, Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts.
Opernkomponisten nach 1950
Auch im 20. Jahrhundert wurden Opern komponiert, auch wenn das 19. Jahrhundert sicherlich als das Jahrhundert der Oper betrachtet werden muss, wenn man sowohl das Opernschaffen als auch die Rezeption bzw. das Publikum in Rechnung stellt. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Oper ein überwiegend höfisches und somit adeliges Vergnügen.
Wichtige Komponisten nach 1950 sind beispielsweise Benjamin Britten, Luigi Nono, Bernd Alois Zimmermann, Luciano Berio, Philip Glass, Aribert Reimann und Hans Werner Henze.
Stockhausen entwarf mit seinem Zyklus "LICHT", der 1981 begonnen und 2005 vom Komponisten vollendet wurde, eine monumentale Heptalogie, aufgeschlüsselt auf die sieben Tage der Woche. Der Zyklus um Eva, Michael und Luzifer setzt enorme aufführungstechnische Schwierigkeiten, verlangt sehr spezialisierte Chöre, Solisten, Tänzer und Instrumentalisten. In seinen revolutionären Anforderungen lässt sich das Lebenswerk als zweiter "Ring der Nibelungen" für unsere Zeiten begreifen.
Oper heute: Weitere Aspekte
Regie
Bis etwa 1800 war Operntheater vor allem Uraufführungstheater. Komponist und Publikum lebten in derselben Zeit und somit in derselben Gesellschaft. Die Konventionen und "Spielregeln" für Theater waren für Aufführende wie Zuschauer allgemein klar. Mit der Aufführung auch älterer Werke bildete sich im 19. Jahrhundert das Repertoiretheater, das neben neuen Werken auch diejenigen historischen Opern aufführte, die in ihrer Zeit ein Publikum fanden. Hierbei änderte sich der Theaterstil der Aufführung gegenüber der Zeit ihrer Entstehung oft erheblich, da sich die Sicht der Zeit auf Stoffe, Themen und Motive verändert hatte. Die Werke Mozarts z. B. erfuhren im 19. Jahrhundert eine deutliche Romantisierung. Je weiter Entstehung und Aufführung eines Werkes zeitlich auseinander klafften, desto mehr bedurfte es der Interpretation eines Werkes. Dies führte schließlich zum Beruf des Regisseurs, also eines künstlerischen Gesamtleiters einer Opernaufführung, der Spielweise und ästhetische Gestaltung des Werkes festlegt.
Unter diesen Schlagworten lassen sich zwei gegensätzliche Positionen zur Aufführung von Opern heute fassen, die unter Zuschauern und Künstlern oft heftig und kontrovers gegeneinander gestellt werden.
- Werktreue. Anhänger der Auffassung, dass eine Oper "werktreu" aufgeführt werden solle, vertreten die Auffassung, dass die Absicht der Autoren eines Werkes für die Aufführung eine Gültigkeit hat und eine Oper entsprechend aufzuführen sei. Da die Autoren meist nicht mehr am Leben sind und es auch keine Ton- oder Bildaufzeichnungen aus deren Zeit gibt, ist nicht immer einfach, herauszufinden, was die Absicht der Autoren gewesen ist. Oft bezieht sich das Postulat der Werktreue daher auf eine Aufführungstradition, namentlich auf diejenige aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, fast immer sind Bühnenbild und Kostüm hier die maßgeblichen Kriterien für die Beurteilung. Zweifellos kann die Herangehensweise an eine Oper zunächst beim Werk und seiner Analyse beginnen. Ziel der Gestaltung ist dann vorrangig die Aufführung des Werkes selbst und seiner Inhalte im Sinne des Werkes. Hierfür ist der Begriff "Werkgerechtigkeit" wohl treffender als der der "Werktreue".
- Regietheater. Bei vielen Regisseuren steht bei einer Opernaufführung der Bezug zur heutigen Zeit und Gesellschaft oder zu ihrer eigenen Person im Vordergrund. Oftmals versuchen diese, eine Gestaltung zu wählen, die optisch einen deutlichen Bezug zur Jetztzeit hat. Aspekte des Werkes, die nur in der Entstehungszeit klar verständlich waren, werden interpretiert - oder uminterpretiert. Die Aufführungen dieser Regisseure können den Charakter von Werkbearbeitungen annehmen, bei denen die persönliche Interpretation durch den Regisseur das Werk überdeckt. Hierfür hat sich der Begriff Regietheater etabliert. Da seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch zunehmend im Schauspiel ausgebildete Regisseure Opern inszenieren, treten zuweilen auch musikalisch-praktische Notwendigkeiten in den Hintergrund.
Zwischen diesen beiden Polen steht heute jede Opernaufführung. Der Anspruch der meisten Künstler in der Oper ist jedoch, gleichermaßen dem Werk und der heutigen Realität gerecht zu werden. Adolf Dresen hat hierzu (sinngemäß) formuliert: Die Werktreue ist für eine Oper ebenso schädlich wie die Werkverwurstung.
Originalsprache
Bis zur Mitte der 1960er Jahre wurden Opern in der jeweiligen Landessprache des Aufführungsortes aufgeführt, so wurden Verdi-Opern in Deutschland in deutscher Sprache und Wagner-Opern in Italien in italienischer Sprache gesungen, wie auch Radio- und Fernsehaufzeichnungen belegen. Erst durch Herbert von Karajan kam die Wende. Mit seiner Begründung, die Einheit von Wort und Musik gehe bei Übersetzungen in eine andere Sprache verloren, wurden Opern allmählich immer mehr in der Originalsprache aufgeführt. Auch der Schallplatten-Markt, der sich zunehmend internationalisierte, trug entscheidend zu dieser Entwicklung bei. In der DDR gab es hingegen weiterhin eine große Tradition von Übersetzungen, jedoch wurde mit neuen Übertragungen (z.B. Walter Felsenstein, Siegfried Schoenbohm) versucht, den Inhalt des Originals genauer, sprachlich gelungener und vor allem musikalisch passender umzusetzen. Heute werden in fast allen Opernhäusern simultan zur Aufführung Übertitel eingeblendet. An vielen kleineren Theatern, vor allem im Osten Deutschlands, gibt es noch Aufführungen in deutscher Sprache. Auch gibt es in einigen Städten (z.B. Berlin, München, Wien) mehrere Opernhäuser, von denen eines Opern in Übersetzungen aufführt, wie etwa die Komische Oper Berlin. Hin und wieder gibt es auch eine autorisierte Übersetzung (wie im Falle der Opern Leoš Janáčeks, deren deutscher Text von Janáčeks Freund Max Brod stammt, so dass der deutsche Text als original gelten darf). Schwierig gestaltet sich die Aufführung in Originalsprache auch immer dann, wenn Dialoge in dem Werk vorkommen. Hier gibt es auch Mischformen, d.h. gesprochene Texte werden übersetzt, gesungene erklingen jedoch in Originalsprache. Im Bereich Singspiel, Operette, Musical ist daher die übersetzte Musiktheateraufführung weit verbreitet.
Opernführer und Programmhefte
Max Brod
Italienisch als lingua franca vergangener Jahrhunderte war den Opernbesuchern eine vertraute Sprache. Seit den Bemühungen Karajans werden die meisten Werke wieder in ihrer Originalsprache aufgeführt. Die Verständnisschwierigkeiten für heutige Zuschauer werden neben den Übertiteln auch durch Opernführer und Programmhefte ausgeglichen.
Durch die große Anzahl von Opern, die seit Richard Wagners Bayreuth-Repertoire stetig neu wiederholt werden, hat sich ein allgemeiner Kanon an Werken herausgebildet, die zum Repertoire vieler Theater gehören. Um dem wissenshungrigen Zuschauer eine Einführung in das ihm fremde Werk zu geben, sind im Buchhandel verschiedene Opernführer erhältlich, welche die bekanntesten Werke zu katalogisieren versuchen.
Für die Inszenierung der jeweiligen Aufführung werden die Programmhefte des Theaters herangezogen.
Nicht alle Werke sind in Opernführern aufgelistet, ebenso wie sich die Zusammensetzung der "Standards" sich auch zeit- und gesellschaftsbedingt wandelt. (So finden sich z.B. in Opernführern der DDR wesentlich mehr Werke russischer Komponisten.) Programmhefte bieten hier eine unverzichtbare Alternative für schwer zugängliche Werke.
Literatur
- Rudolf Kloiber, Wulf Konold, Robert Maschka: Handbuch der Oper, München (dtv) und Kassel (Bärenreiter), 9., erweiterte Auflage 2002, ISBN 3423325267 und ISBN 376181605,
- Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, 6 Bände und ein Registerband, hrsg. von Carl Dahlhaus und Sieghart Döhring, München: Piper 1986
- Ulrich Schreiber: Die Kunst der Oper, Bände 1-3, Frankfurt/Main: Büchergilde Gutenberg, 1988/1991/2000
- Praxis Musiktheater. Ein Handbuch, hrsg. von Arnold Jacobshagen, Laaber-Verlag, 2002, ISBN 3890075126
- Silke Leopold / Robert Maschka: Who's who in der Oper, Kassel [u.a.]: dtv, 2004, ISBN 3-423-34126-2
- Johannes Jansen: Schnellkurs Oper, Köln: Dumont Buchverlag, 1998 ISBN 3-7701-4280-2
Siehe auch
- Geschichte der Oper bis 1880
- Liste von Opern
- Singspiel, Operette, Musical, Kinderoper, Fernsehoper, Semi-Oper
- Chinesische Oper
- Liste berühmter Sängerinnen und Sänger klassischer Musik
- Stimmlagen
- Portal:Musik
- Liste bekannter Regisseure
Weblinks
- http://www.karadar.com - Opernlibretti in Originalsprache
- http://operone.de
- http://www.theaterportal.de - Opern in den Spielplänen deutschsprachiger Bühnen
- http://www.sirene.at/ Musiktheater für Uraufführungen
Kategorie:Gattungen und Formen (Musik)
! Basisartikel
ja:オペラ
ko:오페라
simple:Opera
th:อุปรากร
Nicola Francesco HaymNicola Francesco Haym ( - 1678 in Rom; † 11. August 1729 in London) war ein italienischer Musiker, Komponist und Librettist.
Leben und Werk
Haym war Schüler Arcangelo Corellis. Seit 1701 lebte er in London und schrieb oder bearbeitete u. a. zahlreiche Libretti, die Georg Friedrich Händel seinen Opern, z. B. Flavio, Giulio Cesare, Ottone, Radamisto, Rodelinda, Siroe, Tamerlano, Teseo und Tolomeo zugrunde legte.
Weblinks
-
Haym, Nicola Francesco
Haym, Nicola Francesco
Haym, Nicola Francesco
Haym, Nicola Francesco
Haym, Nicola Francesco
Haym, Nicola Francesco
1724
- 14. Januar: König Philipp V. von Spanien (1683–1746) dankt zugunsten seines Sohnes Louis ab, der aber schon am 31. August stirbt, Philipp übernahm die Krone wieder
- 28. Januar: Gründungsukas der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg
- 1. April: Jonathan Swift veröffentlicht die "Drapiers Letters“
- 9. Mai: Baubeginn des Max-Clemens-Kanals in Münster mit erstem Spatenstich durch den Kölner Kurfürsten Clemens August
- 9. Mai: König Friedrich Wilhelm I. ordnet an, dass in Berlin „vor und an den Brücken über der Spree bei den Residentzien kein Floß-Holtz noch groß Schifs-Gefäß geleget werden soll“
- 11. Mai: Totale Sonnenfinsternis in der Schweiz und Süddeutschland
- 15. Mai: Gründung der Wittelsbacher Hausunion von den Kurfürsten von Bayern, der Pfalz, Trier und Köln
- 23. Juni: Der Vertrag von Konstantinopel wird von Persien, Russland und dem osmanischen Reich geschlossen
- 2. September: Vier Sylter Austernfischer ertrinken bei Hörnum
- 7. Dezember: Thorner Blutgericht. Ausschreitungen der Thorner Bürger gegen das Jesuitenkollegium wurden von der polnischen Regierung durch 14 Todesurteile und Zurückdrängung der evangelischen Mitbürger geahndet. Das Thorner Blutgericht erregte großes Aufsehen in Europa
- 9. Dezember: Premiere von Colley Cibbers (1671–1757) "Caesar in Aegypt“
- 24. Dezember: Benjamin Franklin (1706–1790) trifft in London ein
- Johann Christoph Sauer (1695–1757) wandert nach Amerika aus, wo er später die erste Bibel in deutscher Sprache herausgibt
- Großer Stadtbrand in Hollfeld, Einäscherung der gesamten oberen Stadt mit dem alten Pfarrhaus
- Extreme Trockenheit in der Schweiz von März bis Juni, Emme ist ausgetrocknet, Mühlen werden stillgelegt, Quellen versiegen
- Die Russische Akademie der Wissenschaften wird von Peter dem Großen per Erlass mit Sitz in St. Petersburg ins Leben gerufen
- Peter der Große ernennt seine Frau Katharina zur Mitregentin
- Die Kartoffel wird von Jonas Alströmer in Schweden eingeführt
- Die aus Amerika stammende Weiß-Esche wird in Europa eingeführt
- Johann Andreas Fabricius' „Philosophische Oratorie. Das ist: vernünftige Anleitung zur gelehrten und galanten Beredsamkeit“ erscheint
Kultur
- 14. Januar: Uraufführung des Dramas Il Vespasiano von Attilio Ariosti am King's Theatre in London
- 20. Februar: Uraufführung der Oper Giulio Cesare von Georg Friedrich Händel im King's Theatre, London
- 7. April: Uraufführung der Johannespassion von Johann Sebastian Bach in Leipzig
- 18. April: Uraufführung der Oper Calfurnia von Giovanni Bononcini am King's Theatre in London
- 18. April: Uraufführung der Oper Astianatte von Giovanni Bononcini am King's Theatre in London
- 28. August: Uraufführung der Oper Andromaca von Antonio Caldara am Teatro della Favorita in Wien
- 31. Oktober: Uraufführung der Oper Tamerlano von Georg Friedrich Händel im King's Theatre, London
- 4. November: Uraufführung der Oper Gianguir, imperatore del Mogol von Antonio Caldara am Hoftheater in Wien
- Der Patriot, eine bedeutende moralische Wochenschrift, erscheint im ersten Jahrgang in Hamburg
Religion
- 29. Mai: Wahl von Pietro Francesco Orsini zum neuen Papst Benedikt XIII. nach 70 Tagen Konklave
- 4. Juni: Inthronisation des neuen Papstes Benedikt XIII. (Amtszeit bis 1730)
- 9. Januar: Wilhelm Graf zu Schaumburg-Lippe, Heerführer im Siebenjährigen Krieg († 1777)
- 20. Januar: Philippe-Henri de Ségur, französischer General und Minister (†1801)
- 26. Februar: Gottfried Heinrich als fünftes Kind der Familie Bach († 1761)
- 7. März: Joseph Benda, böhmisch-deutscher Musiker († 1804)
- 22. April: Immanuel Kant, gilt als einer der bedeutendsten Philosophen († 1804)
- 29. April: John Michell, englischer Geologe und Naturphilosoph († 1793)
- 7. Mai: Dagobert Sigmund von Wurmser, österreichischer Feldmarschall († 1797)
- 22. Mai: Marc-Joseph Marion du Fresne, französischer Entdecker († 1772)
- 7. Juni: Franz Anton Maulbertsch, auch Maulpertsch, österreichischer Maler († 1796)
- 8. Juni: Jon Smeaton englischer Ingenieur († 1794)
- 19. Juni: Louise, Prinzessin von Dänemark (†1724)
- 30. Juni: Johann Julius Walbaum, deutscher Arzt und Naturforscher († 1799)
- 2. Juli: Friedrich Gottlieb Klopstock, deutscher Dichter († 1803)
- 18. Juli: Maria Antonia Walpurgis, Kunstmäzenin und Komponistin, Malerin und Dichterin († 1780)
- 25. August: Georg Stubbs, britischer Maler († 1806)
- 26. August: Johann Philipp Jakob von Horn-Goldschmidt, Generalvikar in Köln († 1796)
- 27. August: Hans Joachim Züblin Calvinist und Prediger in USA unter dem Namen John J. Zubly († 1781)
- 29. August: Friedrich Wilhelm Gottfried Arnd von Kleist, preußischer Generalmajor (†1767)
- 3. September: Guy Carleton, 1. Baron Dorchester, britischer General, und Gouverneur der Provinz Québec (†1808)
- 27. September: Anton Friedrich Büsching, Geograph († 1793)
- 11. Dezember: Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz († 1799)
- 12. Dezember: Samuel Hood 1. Viscount Hood of Whitley, britischer Admiral († 1816)
- 13. Dezember: Franz Ulrich Theodosius Aepinius, deutscher Physiker († 1802)
- 24. Dezember: Johann Conrad Ammann, Schweizer Arzt, Naturalien- und Kunstsammler († 1811)
- 7. März: Innozenz XIII., Papst seit 1721 ( - 1655)
- 8. März: Enrico Zuccalli, eigentlich Johann Heinrich Zuccalli, schweizer Architekt, Baumeister ( - 1642)
- 22. April: Theodor Zwinger, Schweizer Arzt und Naturwissenschaftler ( - 1658)
- 21. Mai: Robert Harley, 1. Earl of Oxford and Mortimer, Britischer Politiker ( - 1661)
- 15. Juni: Henry Sacheverell englischer Politiker und Kirchenmann ( - 1674)
- 22. Juni: Johann Theile, deutscher Komponist, Musikpädagoge und Kapellmeister ( - 1646)
- 1. Juli: Johann Baptist Homann, deutscher Kartograph, Verleger und Kupferstecher ( - 1663)
- 11. Juli: Mary De la Riviere Manley, englische Schriftstellerin ( - 1663)
- 18. August: Johann Philipp Franz von Schönborn, Fürstbischof von Würzburg ( - 1673)
- 30. August: Joseph Faistenberger, österreichischer Maler ( - 1675)
- 31. August: Ludwig (Spanien), war im Jahr 1724 König von Spanien ( - 1707)
- 17. September: Glikl bas Judah Leib, deutsche Kauffrau ( - 1646)
- 29. Oktober: William Wollaston, englischer Philosoph ( - 1659)
- 16. November: Jack Sheppard, englischer Räuber wird hingerichtet ( - 1702)
- 20. Dezember: Louise, Prinzessin von Dänemark ( - 1724)
- Johann Konrad Ammann, Schweizer Arzt und Gehörlosenlehrer ( - 1669)
- John Abell, ein schottischer Komponist ( - 1652)
- Chikamatsu Monzaemon japanischer Schriftsteller ( - 1653)
ko:1724년
simple:1724
Oskar HagenOskar Hagen ( - 14. Oktober 1888 in Wiesbaden; † 5. Oktober 1957 in Madison, Wisconsin) war ein Kunsthistoriker und Begründer der Händel-Festspiele in Göttingen.
Hagen studierte ab 1908 Musikwissenschaft und Kunstgeschichte. 1913 zog er nach Halle (Saale) um und promovierte dort 1914. Nach seiner Habilitation 1918 war er in Göttingen als Dozent für Kunstgeschichte tätig. Als Amateurmusiker war er dort der erste, der nach fast zweihundert Jahren wieder eine Oper Georg Friedrich Händels auf die Bühne brachte. Mit von ihm bearbeiteter Musik und deutschem Text wurden Rodelinde (1920), Otto und Theophano(1921) und Julius Caesar (1922) aufgeführt.
1924 erhielt Hagen eine Berufung nach Madison in den USA.
Hagen, Oskar
Hagen, Oskar
Hagen, Oskar
Kategorie:Georg Friedrich Händel
Kleopatra VII.Kleopatra VII. Philopator ( - Ende 69 v. Chr.; † (Selbstmord) 12. August 30 v. Chr. in Alexandria) war die letzte Königin des ägyptischen Ptolemäerreiches.
Leben
Kindheit und Jugend
Ptolemaios XII. Auletes hatte mindestens fünf Kinder. Die Älteste war Berenike IV., die von 58 v. Chr. bis 57 v. Chr. als Königin regierte. Dann folgte 69 v. Chr. die spätere Kleopatra VII. Einwandfrei belegt ist ihr Geburtsjahr nicht. Es wird abgeleitet aus den glaubhaften Angaben von Plutarch in der Lebensbeschreibung des Antonius. Eine weitere Tochter Arsinoë IV., kam zwischen 68 v. Chr. und 65 v. Chr. zur Welt. Die letzten Kinder waren die späteren Ehemänner und Mitregenten Kleopatras, Ptolemaios XIII. und Ptolemaios XIV., die 61 v. Chr. und 59 v. Chr. geboren wurden.
Über Kleopatras Jugendjahre liegen keine genauen Berichte vor. Man weiß nicht einmal, ob Kleopatra ihren Vater in das Exil nach Rom begleitete oder – wie ihre anderen Geschwister – in Ägypten blieb. Fest steht, dass sie an der Entmachtung von Ptolemaios XII. Auletes durch Berenike (ihre älteste Schwester) und Kleopatra VI. Tryphaina (58 v. Chr. wird eine Kleopatra Tryphaina in einem Papyrus erwähnt, als Mitregentin von Berenike. Es ist bis heute nicht geklärt, ob es sich bei dieser Tryphaina um eine Gemahlin des Auletes oder um eine Tochter gleichen Namens handelt) nicht beteiligt gewesen sein kann. Sonst hätte ihr Vater, der Berenike hinrichten ließ, sie nicht zu seiner Nachfolgerin bestimmt. Ansonsten hätte sich die eigenwillige Kleopatra wohl kaum den Beinamen Philopator – „die Vater Liebende“ – zugelegt.
Kleopatra dürfte eine recht gute Erziehung genossen haben. Hierfür spricht auch der vielgeschmähte Charakter ihres Vaters. Ptolemaios XII. Auletes war ein Mann mit ausgeprägten kulturellen und musischen Begabungen. Aus seiner Liebe zur Musik machte er nie ein Geheimnis. Auch legte er größten Wert darauf, sich mit Wissenschaftlern und Philosophen zu umgeben und nahm selbst an Diskussionen teil.
Es ist überliefert, dass Kleopatra ägyptisch, hebräisch, arabisch, syrisch, äthiopisch, persisch und medisch sprach. Ihre Muttersprache war wie die der gesamten ptolemäischen Führungsschicht griechisch. Man sagt von ihr, dass sie die erste ihrer Familie gewesen sei, die während deren 300-jähriger Herrschaft über Ägypten auch ägyptisch sprechen konnte. Das war nicht selbstverständlich, da die Dynastie der Ptolemäer makedonischer Herkunft war.
Kleopatra war das letzte Mitglied des ptolemäischen Herrschergeschlechtes, das Ägypten regierte. Nach dem Tod ihres Vaters bestieg sie 51 v. Chr. zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Ptolemaios XIII. den Thron. Die beiden waren in einer Geschwisterehe verbunden, was ägyptischer Tradition entsprach und von Rom befürwortet wurde.
Der Kampf um den Thron
Im Sommer des Jahres 49 v. Chr. wurde Kleopatra durch ihren Bruder (Ptolemaios XIII.) und dessen Ratgeber von der Herrschaft ausgeschlossen. Sie zog sich zunächst aus der Hauptstadt Alexandria nach Oberägypten in die Thebais zurück, wo sie auch später noch sehr beliebt war. Im Dezember 49 v. Chr. erkannte der von Pompeius in Thessalonike versammelte Senat Ptolemaios XIII. als Herrscher von Ägypten an, nicht aber Kleopatra. Wenige Monate später wurde sie endgültig aus dem Land vertrieben (Caesar, Bürgerkrieg 3, 103).
Die ersten Regierungsjahre waren Jahre interner Auseinandersetzungen, offener und verborgener Kämpfe der Herrschenden gegeneinander gewesen. Es scheint, als sei Ptolemaios XIII. trotz seiner Jugend, sicherlich nicht zuletzt aufgrund seiner drei Ratgeber, in diesem Kräftemessen schließlich ein ebenbürtiger Gegner Kleopatras gewesen. Am Ende war er bereit, nicht nur gegen Kleopatra die Waffen zu ergreifen, sondern auch gegen Caesar - und gegen die Römer sollte er letztlich kämpfend untergehen.
Kleopatra war aus dem eigenen Land vertrieben worden; für den Versuch, den Thron zurückzuerobern, sammelte sie arabische Truppen in der östlichen Wüste. Ptolemaios XIII. hatte Alexandria verlassen, lagerte nahe bei Pelusion und kontrollierte die Aktionen seiner Schwester. Die Mittelmeerwelt stand im Jahre 49 v. Chr. vor dem Ausbruch des Krieges zwischen Gnaeus Pompeius Magnus und Caesar. Der gesamte griechische Osten war Pompeius verpflichtet, insbesondere das Herrscherpaar in Alexandria, da Auletes (Spitzname von Ptolemaios XII.) sein Gastfreund in Rom und Gabinius ein Gefolgsmann des Pompeius gewesen war. Daher wandte sich Pompeius, nach seinem Eintreffen in Ägypten an Ptolemaios XIII. und seine Ratgeber, als er an Land gehen wollte; denn es waren immer noch die Ratgeber Potheinos, Theodotos und Achillas, welche die Politik des Dreizehnjährigen Ptolemaios XIII. bestimmten. Auch die Ratgeber wussten: Pompeius in Ägypten aufnehmen hieß, sich Caesar zum Feind machen. Man setzte auf den Sieger Caesar und tötete den Verlierer Pompeius. Drei Tage später, am 1. Oktober 48 v. Chr., landete Caesar in Alexandria, wo er etwas länger als ein halbes Jahr bleiben sollte.
Caesar ließ erklären, er sei gekommen um die Thronstreitigkeiten gemäß dem Testament von Ptolemaios XII. endlich zu beenden. Caesar forderte als tutor mundi regis, als Vormund des Königs (Auletes hatte die gemeinsame Regentschaft von Kleopatra und Ptolemaios XIII. unter den Schutz des römischen Volkes gestellt), die beiden verfeindeten Geschwister auf, ihre Truppen zu verlassen und sich seinem Urteil zu unterwerfen. Kleopatra gehorchte auf der Stelle und kam nach Alexandria in den Palast zurück, schließlich war sie in der schwächeren Position. Nun war die gesamte königliche Familie wieder unter einem Dach. Innerhalb des Palastes lebten Caesar, Kleopatra, Potheinos, Ptolemaios XIII. und die übrigen Mitglieder der königlichen Familie in einer angespannten Lage. In dieser Situation ließ Caesar Potheinos hinrichten; Arsinoë, die Schwester Kleopatras, floh ins Lager des Achillas, wo sie zur Königin ausgerufen wurde. Es kam rasch zu einem Zerwürfnis zwischen der Ptolemäer-Tochter und Achillas, der gestürzt und getötet wurde. Caesar entließ dann Ptolemaios XIII. zu seinem Heer. Am nächsten Tag kam es zum Kampf gegen die Truppen des Ptolemaios XIII., der unterlag und mit zahlreichen seiner Soldaten fiel. Alexandria kapitulierte, die ägyptische Frage konnte endlich gelöst werden: Kleopatra wurde unmittelbar darauf mit ihrem jüngsten Bruder, Ptolemaios XIV. vermählt und erneut inthronisiert.
Caesar und Kleopatra
Als Caesar Ägypten im Jahr 47 v. Chr. eroberte, konnte sich Kleopatra ihre Machtstellung unter dem Protektorat von Caesar bewahren. Sie wurde niemals die Frau Caesars. Da Caesar noch mit Calpurnia verheiratet war, hätte eine in irgendeiner Weise „offizielle“ Bindung zu Kleopatra seinen politischen Selbstmord bedeutet. Jedoch ließ er in dem von ihm gestifteten Tempel der Venus Genetrix auf dem Forum Iulium („Caesarforum“) eine goldene Statue mit den Zügen der Kleopatra aufstellen, was zu großer Entrüstung in Rom führte. Kleopatra hatte mit Caesar einen Sohn, der den Namen Caesarion (griechisch: „kleiner Caesar“) erhielt. Caesarion gilt bis heute als einziger leiblicher Sohn Caesars.
Caesar weigerte sich, Caesarion (47 -30 v. Chr.) zu seinem offiziellen Erben zu machen; testamentarisch machte er seinen Großneffen Gaius Octavius (den späteren Kaiser Augustus) zu seinem Adoptivsohn und Erben. Caesar erkannte Caesarion als seinen leiblichen Sohn an durch eine rituelle Geste und er widersprach der Vaterschaft nie offiziell, was ihm und Kleopatra die schärfste Kritik der zeitgenössischen Autoren einbrachte. Kleopatra und Caesarion begaben sich 44 v. Chr. nach Rom und waren im März 44 v. Chr. anwesend, als Caesar durch die Verschwörer um Marcus Iunius Brutus ermordet wurde. Kurz nach dem Attentat auf Caesar flohen Kleopatra und ihr Hofstaat aus Rom und kehrten an den Nil zurück.
Nach ihrer Abreise aus Rom hatte Kleopatra ihren Bruder und Mitregenten Ptolemaios XIV. zurück nach Alexandria gebracht. Ein Dokument aus Oxyrhynchus vom 26. Juli 44 v. Chr. trägt beider Namen. Kurze Zeit später starb Ptolemaios XIV. Nach Meinung des ständig über Kleopatra herziehenden Flavius Josephus (Jüdische Altertümer 15, 39), der den Hass seines Landsmannes Herodes auf die Ägypterin geerbt hatte, hatte die Königin an ihrem Gemahl einen Giftmord begangen. Um die nach ägyptischer Tradition notwendige Nachfolge eines männlichen Herrschers neben ihr zu sichern, erhob Kleopatra nach dem Tode Ptolemaios XIV. ihren Sohn, den sie mit Caesar hatte, als Ptolemaios XV. auf den Thron. Im Tempel von Dendera findet sich eine Kolossal-Statue der Königin als ägyptische Gottheit Hathor, zusammen mit dem Knaben Caesarion als Pharao.
Antonius und Kleopatra
Während Kleopatra im Innern die Lage ihres Landes stabilisierte, musste sie stets auch den Blick nach außen auf den Bürgerkrieg richten, der in Rom zwischen den Caesarmördern und deren Gegenspielern tobte. In den Monaten nach den Iden des März 44 v. Chr. war Marcus Antonius als Konsul faktisch Alleinherrscher in Rom. Im Jahre 42 v. Chr. ließ Antonius Kleopatra durch seinen Vertrauten Quintus Dellius nach Kleinasien bestellen, genauer nach Tarsos in Kilikien, wo der Kydnosfluss ins Mittelmeer mündet. Bei diesem Zusammentreffen gelang es ihr, Antonius ganz für sich einzunehmen, wobei gar nicht zu leugnen ist, dass für beide Seiten auch politische Gründe eine enge Zusammenarbeit nahelegten. Antonius bisherige Erfahrungen mit Frauen machen verständlich, dass er nicht wenig stolz auf seine neue Eroberung war. Er, der soviel Wert auf seine hochadelige Abstammung legte und dies gegenüber Octavian wiederholt herausstrich, war in erster Ehe mit der Tochter eines Freigelassenen, also eines ehemaligen Sklaven, verheiratet gewesen. Auch seine Frau Fulvia, mit der er vermählt war, als er Kleopatra traf, war von niederer sozialer Herkunft.
Im Vertrag von Brindisium klärten Octavian und Antonius im Herbst 40 v. Chr. die beiderseitigen Positionen und formulierten Pläne für die nächsten Jahre. Es kam zu einer erneuten Teilung der römischen Welt, bei der Antonius wiederum die östlichen Provinzen erhielt. Zudem sollte er aber auch das Recht haben, in Italien Truppen auszuheben. Das neu geschlossene Bündnis erfuhr eine ähnliche Bestätigung, wie sie bei der Absprache von 43 v. Chr. getroffen wurde: Antonius heiratete die Schwester des Octavian, Octavia, die gerade Witwe geworden war. Antonius hatte Ägypten im Jahre 40 v. Chr. bereits wieder verlassen, als Kleopatra die Zwillinge Alexander Helios und Kleopatra Selene zur Welt brachte. Antonius brach Ende 39 v. Chr. nach Griechenland auf, um sich mit seiner Gemahlin Octavia in Athen niederzulassen und den Osten von hier aus zu verwalten. Während dieser drei Jahre gebar Octavia zwei Töchter und erwartete im Jahr 36 v. Chr. ihr drittes Kind. 36 v. Chr. verließ Antonius seine Gemahlin und begab sich nach Syrien, um von dort einen Krieg gegen die Parther vorzubereiten. Was Kleopatra in den drei Jahren der Abwesenheit des Antonius tat und empfand, ist nicht überliefert. Dass sie Nachrichten über das Eheglück von Antonius und Octavia erhielt, kann vermutet werden. Wenn sie in der Tat so viel Gespür für Männer hatte, wie man ihr nachsagte, dann dürfte verständlich werden, dass sie Antonius nicht so leicht wieder würde ziehen lassen, als sie sich anlässlich des Partherfeldzuges wiedersahen.
Marcus Antonius regierte zu dieser Zeit die östlichen Mittelmeerregionen, die den Römern gehörten. Die beiden hatten drei Kinder: Alexander Helios (40 – 30 v. Chr.), Kleopatra Selene (40 v. Chr. - 6 n. Chr.) (ein Zwillingspaar), und Ptolemäus Philadelphus (36 v. Chr. - 12 v. Chr.). Bei der Schenkung von Alexandria Ende 34 oder Anfang 35 v. Chr. wurden Kleopatra VII. und Cäsarion als gemeinsame Herrscher von Ägypten und Zypern gekrönt; Alexander Helios wurde als Herrscher von Armenien, Medien und Parthien gekrönt; Kleopatra Selene als Herrscherin von Cyrenaica und Libyen, und Ptolemäus Philadelphus als Herrscher von Phönizien, Syrien und Kilikien.
Als der Konflikt zwischen den Triumvirn Antonius und Octavian zum offenen Krieg wurde, nahm Octavian Antonius’ Landschenkungen und seinen angeblichen Verrat an Rom als Vorwand ihn anzugreifen.
Der 2. September 31: Der Tag von Actium
Die Entscheidung fiel in der Schlacht von Actium (31 v. Chr.). In diesem Seegefecht zwischen der ägyptisch-römischen und der römischen Flotte unter Marcus Vipsanius Agrippa zeichnete sich bald die Niederlage Kleopatras und Marc Antons ab. Noch während der Schlacht, aber bei abzusehender Niederlage von Marcus Antonius, verließ Kleopatra den Kampfplatz; ihre ägyptisch-römische Flotte wurde in Actium besiegt. Nachdem er sah, dass Kleopatras Schiff Segel gesetzt hatte, verließ Marcus Antonius seine Truppen ebenfalls und segelte nach Alexandria.
Nach der Rückkehr in Alexandria wurden Kleopatra und Marcus Antonius als Sieger gefeiert. Das Volk wusste nichts von ihrer Flucht und Niederlage. Beide wussten, dass es nur noch wenige Tage dauern konnte, bis Octavian als eigentlicher Sieger in Alexandria landete. Marcus Antonius versuchte, sich selbst das Leben zu nehmen, indem er sich in sein eigenes Schwert stürzte.
Als Octavian in Alexandria landete, war Kleopatra noch am Leben, hatte sich aber in einen Tempel zurückgezogen. Es gibt Quellen, die von mehreren Gesprächen zwischen Octavian und Kleopatra sprechen. Inhalte sind nicht bekannt. Nachdem Kleopatra klar wurde, dass sie im Triumphzug durch Rom geführt werden würde, plante sie wahrscheinlich ihren Selbstmord. Kurz vor ihrem Tode ließ sie ihren Sohn Caesarion aus der Stadt bringen. Kurze Zeit nach dem Verschwinden des einzigen Sohnes von Caesar und seines Erziehers, ließ Octavian beide suchen. Für Octavian war ein leiblicher und lebender Sohn die größte Gefahr für seine Zukunft, er ließ Caesarion und seinen Erzieher umbringen.
Das Rätsel des Todes
Kleopatra beendete ihr Leben durch Selbstmord am 12. August 30 v.Chr., angeblich durch den Biss einer Kobra. Für die Art ihres Selbstmordes gibt es keine historischen Quellen. Kleopatra Selene und Ptolemäus Philadelphus wurden nach Rom gebracht und von Antonius' Frau Octavia (der Schwester Octavians) aufgezogen.
Kleopatras Leben diente als Vorlage für zahlreiche Gemälde. Über 60 Maler stellten das Gastmahl der Kleopatra dar, mehr als 150 setzten ihren Tod ins Bild. Shakespeare, Plutarch, Cocaccio, Gaudenzia, Rojas, Zorilla, Marmontel, Kotzbue, Bethell, Brecht und Wilder machten Kleopatra zum Gegenstand ihrer Inspiration und Phantasie. Dramen (vor allem William Shakespeares The Life of Anthony and Cleopatra) liegt mit Übersetzungen in 120 Sprachen vor. Romane (siehe [http://www.hist-rom.de/themen/kleopatra.html]), Opern und Verfilmungen, so einen bekannten Monumentalfilm von 1963 (siehe Cleopatra (Film 1963)) und eine TV-Produktion von 1999 (siehe Cleopatra (Film 1999)). Cleopatra tritt u.a. auch in dreien der berühmten Asterix-Comics auf.
Legendenbildung
Kleopatra war keine wunderschöne Frau, ihr Äußeres wurde durch antike Autoren nie en détail beschrieben. Die meisten zeitgenössischen Beschreibungen Kleopatras sind sehr negativ und verurteilen ihr Verhalten, vor allem ihre selbstbewusste Haltung als Königin von Ägypten und ihre Beziehung zu Gaius Iulius Caesar.
Ein orientalischer Tanz, mit dem Kleopatra Marcus Antonius verführt haben soll, ist nicht geschichtlich überliefert. Diese Szene ist vor allem Erfindung der Filmemacher.
Kleopatra starb durch Selbsttötung, die Wahl der Waffe und der genaue Zeitpunkt sind nicht überliefert. Lediglich der Tag ihres Todes ist historisch gesichert.
Weblinks
- [http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/kleopatra/hintergrund Hintergrund zur Geschichte Kleopatras]
Literatur
- Uwe Baumann: Kleopatra. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003 (Rowohlts Monographien 50509), ISBN 3-499-50509-6.
- Joachim Brambach: Kleopatra. Eugen Diederichs Verlag, München 1996, ISBN 3-424-01239-4.
- Manfred Clauss: Kleopatra. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2000 (C. H. Beck Wissen, 2009), ISBN 3-406-39009-9.
Kategorie:Frau
Kategorie:Pharao
Kategorie:Grieche
Kategorie:1. Jahrhundert v. Chr.
Kategorie:Geboren 69 v. Chr.
Kategorie:Gestorben 30 v. Chr.
ja:クレオパトラ7世
simple:Cleopatra
th:คลีโอพัตรา
Sopran
Mit Sopran (von italienisch "sopra" = "(dar)über") wird die höchste menschliche Stimmlage bezeichnet. In der großen Mehrzahl der Fälle wird sie von Frauen gesungen, kann aber auch von Jungen vor dem Stimmbruch (Knabensopran) oder von Männern im Falsett gesungen werden. In vergangenen Jahrhunderten gab es auch Kastraten, die in Sopranlage sangen.
Der Tonumfang der Sopranstimme reicht normalerweise von c’ bis a’’, bei Berufssängerinnen (und -sängern) sind aber viel höhere Töne möglich.
Einige spezialisierte Gesangsfächer für den Sopran, die sich seit dem 19. Jahrhundert herausbildeten, sind:
- lyrischer Sopran
- dramatischer Sopran
- lyrischer Koloratursopran, für Partien von hoher Virtuosität
- dramatischer Koloratursopran, für Partien von hoher Virtuosität und Dramatik
- Soubrette, für Partien aus dem komischen Bereich
- Mezzosopran mit etwas tieferer Lage und Klangfärbung, in Richtung Alt gehend
Eine Anzahl bedeutender Sopranistinnen ist auf der Liste berühmter Sängerinnen und Sänger klassischer Musik aufgeführt.
In der Renaissance und der Barockzeit wurde die Sopranlage im vokalen und instrumentalen Bereich auch als Diskant bezeichnet.
Siehe auch: Gesang, Stimmlage, Kastrat, Altus, Tessitur
Kategorie:Stimmlage
ja:ソプラノ
ko:소프라노
Gaius Iulius Caesar
C. (Gaius) Iulius Caesar (eingedeutscht: Julius Cäsar; - 13. Juli 100 v. Chr. in Rom; † (ermordet) 15. März 44 v. Chr. in Rom) war ein römischer Staatsmann, Feldherr und Autor. Er eroberte Gallien und führte im anschließenden Bürgerkrieg das Ende der Republik herbei, indem er sich zum Alleinherrscher ausrief. Nach seiner Ernennung zum Diktator auf Lebenszeit fiel er einem Attentat zum Opfer. Sein Name wurde zum Titel aller nachfolgenden Herrscher (Caesaren) des römischen Kaiserreichs und in entlehnter Form (Kaiser, Zar) zum Titel der Herrscher im Heiligen Römischen Reich und des Bulgarischen sowie des Russischen Reiches. Caesar war auch der Titel für einen Mitherrscher in der römischen Spätantike und im Byzantinischen Reich.
Leben
Herkunft
C. Iulius Caesar entstammte dem angesehenen altrömischen Patriziergeschlecht der Julier (gens Iulia), das seine Wurzeln auf Askanius-Iulus, den Sohn des trojanischen Adligen Aeneas, zurückführte, welcher der Sage nach Sohn der Göttin Venus war. Auf dem Gipfel seiner Macht, im Jahre 45 v. Chr., ließ Caesar zu Ehren der Venus einen Tempel errichten, um seine Verbindung zu dieser Göttin hervorzuheben.
Caesars Familie war nicht reich, gemessen am Standard des römischen Adels,
und nur wenige Mitglieder der Familie hatten sich politisch hervorgetan: In der Frühzeit der römischen Republik im 5. Jahrhundert v. Chr. findet sich in den Konsularlisten, deren Authentizität in der Forschung umstritten ist, häufiger der Name „Iulius“. 451 v. Chr. war ein Gaius Iulius Iullus Mitglied der Decemviri, die den Staat grundlegend umgestalten sollten. Für die folgenden Jahrhunderte sind nur zwei iulische Konsuln, für die Jahre 267 und 157 v. Chr., nachgewiesen. Caesars Vater war 92 v. Chr. Prätor. Einige Verwandte waren Konsuln und Censoren. Caesars Herkunft und Verwandtschaftsverhältnisse waren vorbestimmend für seine Parteinahme in der Zeit der Bürgerkriege. So war sein Onkel der Feldherr Marius, der die Kimbern und Teutonen besiegte und als mehrmaliger Konsul die politische Gruppe der populares (Popularen) im römischen Senat anführte.
Erste Schritte in die Politik
Caesar heiratete 84 v. Chr. Cornelia, die Tochter des Konsuls Lucius Cornelius Cinna, der ebenfalls zu der politischen Gruppe der populares gehörte. Im selben Jahr wurde er auch zum flamen Dialis, dem Oberpriester des Jupiter, bestimmt.
Die Familienverbindung zu Cinna und seine Verwandtschaft mit Marius brachten Caesar in Opposition zur Diktatur Sullas, der die konservative Gruppe der optimates vertrat. Sulla befahl Caesar die Scheidung von Cornelia, doch dieser widersetzte sich und verließ Rom. Auf die Bitte einflussreicher Freunde hin wurde er zwar bald begnadigt, kehrte aber nicht nach Rom zurück.
Stattdessen wurde er mit 19 Jahren Offizier im Stab des Marcus Minucius Thermus, der sullanischer Propraetor und Statthalter der Provinz Asia war. Bei der Belagerung der Stadt Mytilene auf der Insel Lesbos wurde Caesar mit der corona civica („Bürgerkrone“) ausgezeichnet, die demjenigen verliehen wurde, der einem römischen Mitbürger in der Schlacht das Leben gerettet hatte. Um die Belagerung voranzutreiben, wurde Caesar in diplomatischer Mission zu König Nikomedes IV. von Bithynien geschickt.
Erst nach dem Tod Sullas im Jahre 78 v. Chr. wagte Caesar es, nach Rom zurückzukehren und seine politische Karriere weiterzuverfolgen. Er begann, wie damals üblich, als öffentlicher Ankläger und Mitglied der vigintisexviri, der untergeordneten Magistratsbeamten der Republik. Als Ankläger erregte Caesar durch einen Prozess gegen Cn. Cornelius Dolabella (Konsul 81 v. Chr.), einen Anhänger Sullas, große Aufmerksamkeit und bewies damit erneut seine Opposition zum Lager der Sullaner.
Um Anfeindungen der Sullaner aus dem Weg zu gehen, entschloss sich Caesar, Rom erneut zu verlassen. Ungewöhnlich war, dass er sich nicht zu einer militärischen Mission meldete, um sich als Offizier einen Namen zu machen, sondern eine Studienreise nach Rhodos unternahm, wo er bei dem Rhetor Molon seine Redekunst verbessern wollte. Auf dem Weg nach Rhodos geriet Caesar in die Gefangenschaft von Piraten. Angeblich habe er diese aufgefordert, ein höheres Lösegeld für ihn zu fordern, da er weitaus mehr wert sei (so bei Plut. Caes. 2, wonach Caesar die geforderte Summe von 20 Talenten auf 50 Talente erhöht habe; Suet. Caes. 4 berichtet hingegen, dass Caesar zur Zahlung der geforderten Summe von 50 Talenten bereit war). Nach seiner Freilassung organisierte er aber eine private Seestreitmacht, fing die Piraten und ließ sie kreuzigen.
Caesars Aufstieg
Anfang des Jahres 73 v. Chr. wurde Caesar an Stelle seines verstorbenen Verwandten Gaius Aurelius Cotta ins Priesterkollegium der pontifices gewählt. 69 v. Chr. bekleidete er schließlich die Quaestur, die unterste Stufe der politisch bedeutenden Ämter der Römischen Republik.
Als Caesars erste Frau Cornelia 68 v. Chr. starb, heiratete er Pompeia, eine sehr wohlhabende Enkelin Sullas, deren Reichtum er umgehend für seinen politischen Aufstieg nutzte: 65 v. Chr. wurde er zum kurulischen Ädil gewählt; 63 v. Chr. erlangte er das bedeutende Amt des Pontifex maximus, des Oberpriesters.
Während der Catilinarischen Verschwörung 63 v. Chr. entging Caesar einer Verurteilung: Obwohl er früher mit Catilina zusammengearbeitet hatte, konnte ihm keine Beteiligung an dessen Verschwörung nachgewiesen werden. Insgesamt bleibt Caesars Rolle in dieser Verschwörung unklar, was auf die unbefriedigende Quellenlage zurückzuführen ist (vgl. v. a. Sallusts Darstellung in der Coniuratio Catilinae, in der die schon eine Generation nach den Ereignissen ganz offensichtliche Verwirrung der Ereigniszusammenhänge und Vertuschung der Beteiligung prominenter Politiker durchaus deutlich wird). Im Jahr 62 v. Chr. wurde er zum Praetor gewählt. Im selben Jahr führte der „Bona-Dea-Skandal“ zur Scheidung von Pompeia.
Statthalter in Spanien, Triumvir und Konsul
Das erste wichtige Amt Caesars außerhalb Roms war die Statthalterschaft (Proprätur) in Spanien. Seine aggressive Kriegsführung gegen die Iberer festigte seinen Ruf als fähiger Stratege und diente ihm zur Sanierung seiner hochverschuldeten Finanzen. Damit besaß er die notwendige Voraussetzung für die Bewerbung um das höchste Staatsamt, das Konsulat.
Viele Senatoren widersetzten sich jedoch Caesars Ambitionen, Konsul zu werden. Daher ging er mit Marcus Licinius Crassus und Gnaeus Pompeius Magnus eine strategische Partnerschaft ein. Alle drei wollten ihre jeweiligen Einflussmöglichkeiten koordinieren: Die von den römischen Geschichtsschreibern als Erstes Triumvirat („Dreimännerherrschaft“), von dem Gelehrten Varro dagegen als „dreiköpfiges Monster“ bezeichnete Allianz brachte Geld (Crassus war der reichste Mann Roms), Militär (Pompeius war der erfolgreichste General) und politischen Einfluss (Caesars politische Bekanntheit und Energie) zusammen. Zur Bekräftigung des Bündnisses heiratete Pompeius Caesars Tochter Julia.
Das Triumvirat konnte die Wahl Caesars zum Konsul des Jahres 59 v. Chr. durchsetzen. Seine Amtsführung war im Senat umstritten; eine Strafverfolgung nach Ende seines Konsulats wurde aber durch die mit fünf Jahren ungewöhnlich lange Amtszeit Caesars als Prokonsul in Illyrien und in Gallien (Cis- und Transalpina) verhindert. Vor seinem Amtsantritt heiratete er Calpurnia.
Prokonsul in Gallien
Das Prokonsulat in Gallien bedeutete einen wichtigen Machtgewinn für Caesar. Als Prokonsul konnte er Heere aufstellen, und obwohl dies nicht zu seinen Pflichten gehörte, begann er seine Eroberungsfeldzüge in Gallien.
Die Verlängerung des Triumvirats 56 v. Chr. in Ravenna und Lucca erreichte das gemeinsame Konsulat Crassus’ und Pompeius’ für das Jahr 55 v. Chr. sowie die Verlängerung von Caesars Prokonsulat um weitere fünf Jahre. So konnte er insgesamt 10 Jahre (58 v. Chr.–49 v. Chr.) in Gallien bleiben und die Eroberung des ganzen freien Keltenlandes bis zum Rhein abschließen. Hierbei nutzte Caesar die Zerstrittenheit der gallischen Stämme untereinander aus, die sich nur selten gegen einen gemeinsamen Gegner zusammentaten. Viele Stämme riefen ihn sogar gegen andere Stämme zu Hilfe, wobei sie als Resultat häufig selbst vom ambitionierten Prokonsul erobert wurden.
Für Aufsehen sorgten Caesars zwei Rheinüberquerungen nach Germanien und zwei Überfahrten nach Britannien: Als erster römischer Feldherr führte Caesar Militärexpeditionen in diese den Römern weitgehend unbekannten Regionen durch, verzichtete jedoch auf eine dauerhafte Eroberung Germaniens und Britanniens. Insbesondere die Beschränkung der römischen Okkupationen durch die Rheingrenze und der Verzicht auf die Eroberung des rechtsrheinischen Germaniens war eine für die weitere europäische Geschichte ungemein bedeutende machtpolitische Entscheidung Caesars.
Man schätzt, dass in den Gallischen Kriegen Caesars eine Million Gallier ihr Leben verloren und eine weitere Million Menschen versklavt wurde. Caesar berichtete in den Commentarii de bello Gallico selbst über seine Zeit in Gallien. Die Schrift schildert viele interessante Details aus dem besetzten Land, diente aber vor allem der Rechtfertigung seiner Feldzüge. Zudem stellte Caesar erstmalig Gallier und Germanen als zwei verschiedene Völkerschaften heraus und charakterisierte sie einzeln, wobei er als Grenze zwischen beiden Völkerschaften im Wesentlichen den Rhein ansah. Zuvor galten die Germanen noch als ein keltischer Teilstamm.
In Vercingetorix, dem Fürsten der Arverner, erwuchs Caesar ein gefährlicher und ihm militärisch ebenbürtiger Gegner. Erst in der Schlacht bei Alesia im Jahr 52 v. Chr. wurde der gallische Widerstand endgültig gebrochen. Vercingetorix, der sich Caesar vor den Mauern von Alesia ergeben hatte, wurde die erbetene Gnade nicht gewährt: er wurde sechs Jahre später, nach Caesars Triumphzug 46 v. Chr., in Rom hingerichtet. Die gewaltige Kriegsbeute und die Tribute der Unterworfenen wurden von Caesar zur Finanzierung seiner Armee und für den politischen Machtkampf in Rom benützt.
Bürgerkrieg
Im Jahr 53 v. Chr. war Crassus auf einem Feldzug gegen die Parther ums Leben gekommen. Gleichzeitig hatte sich Pompeius dem Senat angenähert, da ihm sein einstiger Juniorpartner Caesar zu mächtig geworden war. Das erste Triumvirat existierte nicht mehr. Caesar hatte am Ende seines Prokonsulats keine politische Basis mehr in Rom und musste fürchten, vom Senat, der auf die militärische Macht und Fähigkeit des Pompeius setzte, zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Wie Caesar selbst zugab, schritt er, allein um seine dignitas, seine Würde, zu wahren, zum Staatsstreich. Trotz des Verbots, gegen den Willen des Senats Militär nach Italien zu bringen, überquerte er am 10. Januar 49 v. Chr. mit einer Legion von 5.000 Mann den Grenzfluss Rubikon. Bei dieser Gelegenheit soll Caesar den berühmten Ausspruch alea iacta est („der Würfel ist gefallen“) von sich gegeben haben (vgl. Suet. Caes. 32). Vermutlich hat jedoch der gebildete Caesar diesen Ausspruch auf Griechisch getan, es handelt sich nämlich um ein auf den griechischen Komödiendichter Menander zurückgehendes Sprichwort (anerriphtho kybos – „Hoch sei der Würfel geworfen!“) – der dann auch durchaus anders zu interpretieren wäre. Ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen, erreichte Caesar Rom; Pompeius und große Teile des Senats flohen nach Griechenland.
Im Jahre 48 v. Chr. wurde Caesar erneut zum Konsul gewählt und zog daraufhin gegen Pompeius, den er in der Schlacht bei Pharsalos in Griechenland schlug. Pompeius floh nach Ägypten, wo er auf Befehl des Königs Ptolemaios XIII. ermordet wurde. Caesar folgte Pompeius und begegnete in Alexandria der jungen Königin Kleopatra, Ptolemaios' Schwester und Mitregentin. Dies war der Beginn einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung, die in der Folgezeit noch für viel Unruhe sorgen sollte.
Es folgen noch zwei Feldzüge: In der Entscheidungsschlacht im Afrikanischen Krieg besiegte Caesar am 6. April 46 v. Chr. bei Thapsus in Nordafrika republikanische Senatstruppen unter Metellus Scipio und Cato dem Jüngeren. Im Hispanischen Krieg fiel die Entscheidung im Jahr 45 v. Chr. in der Schlacht bei Munda gegen die Söhne des Pompeius.
Diktatur
Bereits vor dem endgültigen Erlangen der Alleinherrschaft in Rom entfaltete Caesar eine umfangreiche Gesetzestätigkeit (Leges Iuliae), um das römische Staatswesen grundlegend zu reformieren. Er plante eine Kodifizierung und Überarbeitung der Gesetze, die Anlage einer umfangreichen Bibliothek und die Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe. Zudem führte er mit dem nach ihm benannten julianischen Kalender einen verbesserten Kalender ein.
Schon nach seiner Rückkehr aus Ägypten im Jahre 46 v. Chr. hatte Caesar sich zum Diktator auf 10 Jahre ernennen lassen. Nach seinem letzten militärischen Erfolg in Spanien wurde er vom Senat zum dictator perpetuus (Diktator auf Lebenszeit), ernannt. Insbesondere dieser letzte, nicht verfassungskonforme Titel erweckte den Verdacht, dass Caesar nach der Königswürde greifen wolle.
Die Frage, ob Caesar wirklich den Titel eines Königs anstrebte oder sich mit der Diktatur begnügen wollte, beschäftigt die Historiker bis heute. Sicher ist, dass seine Stellung königsgleich war, er aber keinen Weg fand, mit Zustimmung der Römer die Monarchie einzuführen. Wie um den toten Punkt zu überwinden, mutet seine Entscheidung zu einem großen Feldzug nach Osten an, auf dem die Parther unterworfen werden sollten. Inzwischen hatte sich im Senat eine Verschwörergruppe gegen Caesar gebildet.
Parther
Tod
Caesar wurde an den Iden des März (15. März) 44 v. Chr. von den Verschwörern um Marcus Iunius Brutus während einer Senatssitzung erstochen. Dabei soll Caesar auf Griechisch seine berühmten letzten Worte an Brutus, dem er trotz aller politischen Unterschiede eine Art väterlicher Freund gewesen war, gerichtet haben: καὶ σὺ τέκνον (kaì sy téknon, „Auch Du, mein Sohn“). Tatsächlich waren aber seine Verletzungen durch zahlreiche Dolchstiche vermutlich so schwer, dass er überhaupt nichts mehr sagen konnte (vgl. Suet. Caes. 82, der beide Versionen liefert). (Das geläufigere "Et tu, Brute?" ("Auch Du, (oh) Brutus?") findet sich übrigens erst bei Shakespeare.) Cicero, politisch ein Gegner Caesars, aber an der Verschwörung nicht beteiligt, war Zeuge der Tat und schrieb später in einem Brief an seinen Freund Atticus, dies sei das gerechte Ende eines Tyrannen gewesen (vgl. Cic. Att. 14,4). Den Mord an Caesar bezeichnet man darum auch als Tyrannenmord.
Nach Caesar
Dem Tod Caesars folgten weitere Bürgerkriege, die bis zum Jahr 31 v. Chr. dauern sollten. Zunächst besiegten Marcus Antonius (Caesars Mitkonsul 44 v. Chr.) und Caesars Großneffe und (durch Testament) Adoptivsohn Octavian die Verschwörer und bildeten mit dem General Marcus Aemilius Lepidus das 2. Triumvirat.
Anschließend schaltete Octavian seine Mitstreiter als Konkurrenten um die Macht aus und war ab 31 v. Chr. Alleinherrscher in Rom. Er vermied jeden Anschein, eine Monarchie errichten zu wollen, sprach sogar von der „Wiederherstellung der Republik“ und nannte sich bescheiden „princeps“, erster Bürger. Tatsächlich aber behielt er alle wichtigen Schalthebel der Macht in seiner Hand. Unter dem Ehrennamen Augustus, der Erhabene, der ihm vom Senat verliehen wurde, begründete er das Römische Kaiserreich (Prinzipat) und trug die Römische Republik endgültig zu Grabe.
Bereits zu Beginn des 2. Triumvirats wurde Caesar als Divus Julius zum offiziellen Gott erhoben. Octavian bezeichnete sich seitdem als Divi filius („Sohn des Göttlichen“) und weihte den Tempel des Divus Iulius auf dem Forum Romanum 29 v. Chr. ein.
Caesar als Schriftsteller
Forum Romanum
Caesar verfasste über seinen Feldzug in Gallien in sieben Büchern die Commentarii de bello Gallico, (Kommentare über den Gallischen Krieg), denen die jährlich abgefassten Dienstberichte an den Senat zugrundeliegen. Die Commentarii sind bis heute wegen ihrer einfachen und klaren Sprache (der Wortschatz beschränkt sich auf etwa 1300 Wörter) ein Standardwerk für die Anfangslektüre im schulischen Lateinunterricht. Caesar beschreibt in dem Werk anschaulich die Schlachten und Intrigen während der neun Jahre, in denen er die Heere der gallischen Stämme vernichtete, die Widerstand leisteten. Von Interesse sind zudem die zahlreichen Bemerkungen zu den Lebensverhältnissen der Gallier, Germanen und Britannier. Ein achtes Buch über das letzte Kriegsjahr stammt nicht mehr von Caesar, sondern von Aulus Hirtius.
Lateinschüler lernen häufig den berühmten ersten Satz des Bellum Gallicum auswendig; dieser Satz ist somit zum Allgemeingut der altsprachlich gebildeten Öffentlichkeit geworden. Er lautet: Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae nostra Galli appellantur. In dem Satz beschreibt Caesar das Gallien seiner Zeit: „Gallien ist im ganzen unterteilt in drei Teile, von denen der eine von den Belgiern bewohnt wird, der zweite von den Aquitanern, und der dritte von denen, die in ihrer eigenen Sprache Kelten, in unserer "Gallier" genannt werden.“
Die Abfassung und Publikation der Commentarii – sie wurden vermutlich nicht jahrweise herausgegeben, sondern als einheitlich verfasstes Gesamtwerk nach Ende seiner Amtszeit in Gallien – dienten vornehmlich der Rechtfertigung von Caesars Feldzügen und damit der Verteidigung seiner Maßnahmen während seiner Amtszeit gegenüber seinen zahlreichen Kritikern im römischen Senat.
Außerdem verfasste Caesar noch ein Werk über die erste Phase des Bürgerkrieges, die Schrift De bello civili. Einige kleinere historische Schriften, die spätere Phasen des Bürgerkriegs behandeln und im Zusammenhang mit dem Bellum civile überliefert sind, stammen nicht von Caesar; die Verfasser dieser sogenannten „kleinen bella“ sind unbekannt.
Alle übrigen Schriften Caesars sind verloren.
Sonstiges
Der Name „Caesar“
Nach dem römischen Schriftsteller Plinius leitet sich der Name "Caesar" vom Partizip Perfekt des lateinischen Wortes caedere ("ausschneiden"), caesus ("geschnitten"), ab. Im Kontext des römischen Gesetzes lex regia oder lex caesarea, nachdem schwangeren Frauen, die während der Geburt verstarben, das Kind aus dem Leib geschnitten werden sollte, wird der Name als "der aus dem Mutterleib Geschnittene" interpretiert. Dies hat allerdings nichts mit einem heutigen Kaiserschnitt zu tun, denn dieser Eingriff hatte weniger das Ziel, das Kind zu retten, als vielmehr es getrennt von der Mutter begraben zu können. Es wäre dann anzunehmen, dass ein früher Vorfahre Gaius Iulius Caesars mit einem solchen Eingriff in Verbindung stand und sich daraus der Name ableitet.
Eine andere These geht davon aus, dass der Name Caesar mit dem verloren gegangenen karthagischen Wort für Elefanten in Zusammenhang steht. Einer von Caesars Vorfahren hat sich demnach in den punischen Kriegen diesen Beinamen verdient. Dafür spricht, dass Caesars Wappentier der Elefant ist, der auch auf den Rückseiten der mit seinem Gesicht geprägten Münzen abgebildet ist.
Beide Etymologien sind umstritten, zu zwei weiteren Erklärungen vgl. Hans Georg Gundel, Art. "Caesar", in: Der Kleine Pauly 1 (1964) Sp. 996 f.
Das Suffix -ar- ist im lateinischen Namenskontext ansonsten völlig unbekannt. Es ist zudem möglich, dass das gesamte Cognomen "Caesar" überhaupt nicht lateinischen Ursprunges ist.
Das "C" wurde im Lateinischen zu Caesars Zeit übrigens wie "K" im deutschen [] ausgesprochen, das "ae" als [], nicht als [] "ä" (ebenso "oe" als [], nicht als [] "ö"). Daraus ergibt sich die folgende Aussprache des Wortes Caesar: [] "Kaisar" und nicht wie im Sprachgebrauch üblich [] "Zäsar". Trotzdem wird diese Ausspracheform in der Geschichtsschreibung beibehalten, weil sie sich eingebürgert hat.
Zur Schreibung des Vornamens als Caius siehe den Artikel Gaius.
Der Titel Caesar
Der Titel Caesar war seit Augustus Teil des Namens und der Titulatur der römischen Herrscher. Seit der Zeit Kaiser Hadrians war Caesar der Titel des Zweiten in der Hierarchie, des designierten Nachfolgers des "Augustus" titulierten Kaisers.
Leicht variiert wurde er in vielen Sprachen ein Titel des Herrschers. Das deutsche Kaiser und das slawische Zar sind von "Caesar" abgeleitet.
Caesarchiffre
Die Caesarchiffre ist ein einfaches Text-Verschlüsselungsverfahren, welches von Caesar benutzt worden sein soll. Dabei werden Buchstaben aus dem Klartext durch einen Buchstaben ersetzt, der eine bestimmte Anzahl, zum Beispiel 3, Stellen später im Alphabet steht.
Caesar in den Künsten
Zahlreiche Künstler und Schriftsteller haben Caesar als Thema von Bildern, Dramen und Romanen gewählt.
Am bekanntesten dürfte das Theaterstück William Shakespeares sein, siehe Julius Cäsar.
Georg Friedrich Händel komponierte eine Oper Giulio Cesare.
Von den zahlreichen Romanen, deren Hauptfigur Caesar ist (siehe [http://www.hist-rom.de/themen/caesar.html]), seien genannt:
- Bertolt Brecht schrieb einen Fragment gebliebenen Roman Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar (veröffentlicht 1957), in dem er sehr lebendig und eventuell etwas frei am Beispiel der Catilina-Affäre die politischen Intrigen der damaligen Zeit beschreibt.
- Thornton Wilder verfasste mit The Ides of March (1948; deutsch: Die Iden des März) eine fiktive Quellensammlung, die Caesars Diktatur aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
- Mirko Jelusich veröffentlichte 1929 den Roman Caesar, in dem die Titelgestalt als stark idealisierte Führergestalt beschrieben wird.
Dem jüngeren Publikum dürfte Caesar vor allem durch die Asterix-Comics von Albert Uderzo und René Goscinny bekannt sein.
Julianischer Kalender
Im Jahre 46 v. Chr. führte Caesar anstelle des alten römischen Mondkalenders den aus Ägypten stammenden Sonnenkalender ein. Der nach ihm benannte Julianische Kalender galt in den katholischen Ländern bis ins 16. Jahrhundert, als er durch den genaueren Gregorianischen Kalender abgelöst wurde. Die meisten protestantischen Staaten behielten den Julianischen Kalender bis ins 18. Jahrhundert bei, Russland sogar bis 1918.
Juli
Nach Caesars Tod wurde sein Geburtsmonat, der mensis Quintilis, bis zur Reform fünfter Monat des römischen Kalenders, in mensis Iulius, dt. "Juli", umbenannt.
Zitate
- In einem Alpendorf hatte Caesar als Feldherr die Erkenntnis verkündet: Lieber hier der Erste sein als in Rom der Zweite.
- Veni, vidi, vici (Ich kam, ich sah, ich siegte). Ort des Zitates ist umstritten, es wird mit verschiedenen Gegebenheiten in Verbindung gebracht.
Werke
- Commentarii de bello Gallico (Kommentare über den Gallischen Krieg)
- Commentarii de bello civili (Kommentare über den Bürgerkrieg)
Literatur
Primärquellen
- Caesars commentarii, siehe oben
- Die (lateinische) Caesar-Biografie von Sueton
- Die (griechische) Caesar-Biografie von Plutarch
Sekundärliteratur
- Ernst Baltrusch: Caesar und Pompeius. Wiss. Buchges., Darmstadt 2004, ISBN 3-534-16490-3.
- Luciano Canfora: Caesar: der demokratische Diktator. Beck, München 2001. ISBN 3-406-46640-0
- Martin Jehne: Caesar. Beck, München, 2. Aufl. 2001, ISBN 3-406-41044-8.
- Manfred Clauss (Hg.): Die Römischen Kaiser. 55 historische Porträts von Caesar bis Iustinian, Beck, München 1997, ISBN 3-406-42727-8.
- Karl Christ: Caesar: Annäherungen an einen Diktator. Beck, München 1994. ISBN 3-406-38493-5
- Wolfgang Will: Julius Caesar: eine Bilanz. Kohlhammer, Stuttgart [und anderswo] 1992, ISBN 3-17-009978-7.
- Christian Meier: Caesar. Siedler, Berlin 1982. 4. Aufl. dtv, München 1997, ISBN 3-423-30593-2.
- Helga Gesche: Caesar. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1976. (Erträge der Forschung 51), ISBN 3-534-05333-8.
- Matthias Gelzer: Caesar: der Politiker und Staatsmann. Nachdruck der 6. Aufl. Steiner, Wiesbaden 1983, ISBN 3-515-03907-4 (zuerst 1921).
Weblinks
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