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Glâne (Fluss)
Die Glâne, deutsch teilweise auch Glane geschrieben, ist ein 35 km langer linker Nebenfluss der Saane (französisch: Sarine), im Kanton Freiburg der Schweiz. Die Fläche des Flusseinzugsgebietes beträgt rund 193 km². Der Flussname geht auf das keltische Wort glana (rein) zurück.
Das Quellgebiet der Glâne befindet sich im Molassehügelland des südwestlichen Freiburger Mittellandes, östlich des Oberlaufs der Broye, auf dem Gemeindegebiet von Le Flon nördlich der Ortschaft Bouloz. Sie entspringt in einer Geländemulde auf rund 850 m ü. M. zwischen den Waldhöhen von La Râpe im Westen und La Tossaire im Osten und trägt zunächst den Namen Rio d'Enfer.
Auf den ersten 2 Kilometern fliesst der Bach nach Nordwesten, bevor er seine Fliessrichtung nach Nordost ändert und die vom eiszeitlichen Rhônegletscher vorgezeichneten, stets von Südwest nach Nordost verlaufenden Geländestrukturen im Molassehochplateau benutzt. Ab Siviriez verläuft die Glâne auf einer Wegstrecke von 13 km in einem weiten offenen Hochtal, dessen Talboden durchschnittlich auf 700 m ü. M. liegt. Das Gewässer bewältigt auf diesem Abschnitt einen Höhenunterschied von nur gerade 50 m. Das bis zu 2 km breite Hochtal bildete früher an verschiedenen Stellen ausgedehnte Moorniederungen, die Ende des 19. Jahrhunderts oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts melioriert wurden. Der Flusslauf ist hier deshalb auf weite Strecken kanalisiert und begradigt. Das Hochtal der Glâne verläuft parallel zu dem rund 6 km weiter im Nordwesten liegenden Mittellauf der Broye, dessen Talboden jedoch 200 m tiefer liegt.
Unterhalb von Villarimboud schlägt die Glâne eine östliche Fliessrichtung ein, wobei sie hier einen überwiegend natürlichen beziehungsweise naturnahen Lauf mit Mäandern und sumpfiger Talaue aufweist. In der Talmulde bei Autigny münden von Süden die beiden wichtigsten Nebenflüsse, nämlich die Neirigue und der Glèbe.
Bei Autigny ändert die Glâne ihre Fliessrichtung erneut nach Nordosten. Sie gräbt sich dabei immer tiefer in die Molasseschichten der Umgebung ein und bildet ein schluchtartiges, teilweise von Sandsteinfelsen durchzogenes Waldtal. Nachdem sie den Talkessel von Matran durchflossen hat, mündet die Glâne unterhalb von Villars-sur-Glâne auf 560 m ü. M., nur wenige Kilometer südlich von Freiburg, in die Saane.
Die Wasserkraft der Glâne wurde früher an verschiedenen Orten für den Betrieb von Mühlen und Sägereien genutzt. Während der Unterlauf zwischen Autigny und Matran nur schwer zugänglich ist, bildete das Hochtal der Glâne schon im Mittelalter eine wichtige Verkehrsachse von Freiburg nach Lausanne. Seit 1862 wird das überwiegend landwirtschaftlich geprägte Hochtal wegen seiner einfachen Topographie auch von der Eisenbahnlinie von Freiburg nach Lausanne benutzt. Mittelpunkt der oberen Glâne ist das Städtchen Romont, das auf einem isolierten Hügel inmitten des Hochtals liegt.
Kategorie:Fluss in der Schweiz
Kategorie:Freiburg (Kanton)
Saane (Fluss)Die Saane (französisch Sarine) ist ein Fluss in der Schweiz.
Schweiz
Sie entspringt am Sanetschhorn oberhalb von Gsteig, fliesst nach Norden bis Gstaad, und dann Richtung Westen durch das Pays d'Enhaut. Bei Montbovon wendet sie sich wieder nach Norden und fliesst durch die Haute Gruyère in den Stausee Lac de la Gruyère. Von dort weiter nach Norden bis Freiburg, dann nach Nordosten durch den Schiffenensee (ebenfalls ein Stausee), bis sie unterhalb von Bern in die Aare mündet.
Der Fluss wird gerne mit dem sogenannten Röstigraben, der Sprachgrenze zwischen der deutschen und französischen Schweiz, gleichgesetzt.
Kategorie:Fluss in der Schweiz
Freiburg (Kanton)
Der Kanton Freiburg ist ein Kanton im Westen der Schweiz.
Deutsch: Freiburg; Französisch: Fribourg; Italienisch: Friburgo; Rätoromanisch: Friburg; Englisch: Fribourg .
Geographie
- Höchste Erhebung: der Vanil Noir mit 2'389 Metern
- Tiefster Punkt: 430 Meter am Neuenburgersee (Lac de Neuchâtel)
Neuenburgersee
Bevölkerung
Sprachen
Zweisprachiger Kanton mit zweisprachiger Hauptstadt und bedeutendem zweisprachigem Gebiet.
- Muttersprache: (Stand 1990)
: Französisch: 60,9 Prozent
: Deutsch: 29,7 Prozent
: andere Sprachen: 9,4 Prozent
Geschichte
Siehe: Geschichte des Kantons Freiburg
Städte und Orte
Beachtenswert sind die beiden zweisprachigen Städte Freiburg im Uechtland (frz. Fribourg) und Murten (frz. Morat), daneben die anderen historischen Bezirkshauptorte Tafers (frz. Tavel), Bulle, Romont, Estavayer-le-Lac und Châtel-St-Denis.
Der Kanton Freiburg ist in einen ländlichen Süden/Südosten und einen urbanisierten, dicht besiedelten Norden/Nordwesten geteilt. Die grössten Städte sind Freiburg und Bulle. Die zweisprachige Kantonshauptstadt und Agglomeration Freiburg ist in den Metropolitanraum (Grossraum) Bern integriert. Sie umfasst ca. 90'000 Einwohner.
- Freiburg im Üechtland/Fribourg, 32'549 Einwohner (2002)
- Bulle, 11'685 Einwohner (2002)
- Villars-sur-Glâne, 9'154 Einwohner (2002)
- Marly, 6'870 Einwohner (2002)
- Düdingen, 7'000 Einwohner (2004)
- Murten, 5'584 Einwohner (2002)
- Wünnewil-Flamatt, 5'087 Einwohner (2002)
Bezirke und Gemeinden
Wünnewil-Flamatt
Der Kanton gliedert sich in die sieben Bezirke:
- Broye französischsprachig
- Glâne französischsprachig
- Gruyère (dt. Greyerz) französischsprachig mit der einzigen deutschsprachigen Gemeinde Jaun
- Saane (frz. Sarine) zweisprachig französisch und deutsch
- See (frz. Lac) zweisprachig deutsch und französisch
- Sense (frz. Singine) deutschsprachig
- Veveyse (dt. Vivisbach) französischsprachig
siehe auch: Bezirke des Kantons Freiburg
Insgesamt umfasst der Kanton 176 Gemeinden.
siehe: Gemeinden des Kantons Freiburg
Persönlichkeiten
- David Aebischer, Eishockey-Torwart in der NHL
- Mia Aegerter, Pop-Sängerin und Schauspielerin
- Urs Kolly, mehrfacher Paralympics-Sieger
- Jean Bourgknecht, Bundesrat
- Petrus Canisius, Heiliger
- Joseph Deiss, Bundesrat
- René Fasel, Eishockeyfunktionär
- Nicolas Fiva, Jesuit
- Hans Gieng, Bildhauer
- Jean Baptiste Girard, Pädagoge
- Gustav, Chansonnier
- Gonzague de Reynold, Schriftsteller und Professor
- Joseph Siffert, Formel-1-Rennfahrer
- Jean Tinguely, Maler, Bildhauer und Experimental-Künstler
- Thérèse Meyer-Kaelin, Nationalratspräsidentin
- Jean-Marie Musy, Bundesrat
- Roger de Weck, Publizist
Weblinks
- [http://www.fr.ch/fribourg/de/ Offizielle Website des Kantons Freiburg]
- [http://www.statistik.admin.ch/stat_ch/ber00/dkan_fr.htm Offizielle Statistik]
- [http://www.pays-de-fribourg.ch/fo2/defaultd.htm Tourismusverband Freiburgerland]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D7379.html Artikel Freiburg (Kanton)] im Historischen Lexikon der Schweiz
Freiburg
!
als:Kanton Freiburg
Keltische SpracheDie keltischen Sprachen sind eine Gruppe von Sprachen, die in Europa gesprochen wurden und werden.
Systematisierung
Die keltischen Sprachen werden von der Sprachwissenschaft den indogermanischen Sprachen zugeordnet; sie sind also mit den germanischen, slawischen, indischen und anderen Sprachen dieser Sprachfamilie verwandt. Früher wurde die keltische Gruppe der italischen Sprachgruppe (z. B. Latein, aber auch das Oskische, das Umbrische und andere) am nächsten gestellt. Man sprach deshalb vom hypothetischen „Italo-Keltischen“ als der Vorstufe von beiden. Diese Hypothese gilt mittlerweile als veraltet, da sie nicht ausreichend belegt werden konnte.
Untergruppen der keltischen Sprachen sind die festlandkeltischen Sprachen und die inselkeltischen Sprachen.
Abgrenzung und Merkmale
Ob es sich beim Keltischen um mehrere Einzelsprachen oder um Gruppen von Sprachen oder Dialekten handelte, ist umstritten, zumal es sich bei der Auftrennung in Einzelsprachen um einen Entwicklungsprozess handelte, der einen längeren Zeitraum beanspruchte. Das Keltische bildete jedoch innerhalb des Indogermanischen eine eigenständige Gruppe, die vermutlich durch eine geographische Trennung von den übrigen gesprochenen Sprachen entstanden war. Wann diese Trennung genau stattfand, ist wohl nicht mehr überzeugend zu rekonstruieren, möglicherweise während der Hallstattzeit ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. Die Merkmale, die das Keltische von den anderen Sprachen unterschieden, sind jedoch weitgehend unumstritten, da sie aus den belegten keltischen Sprachen gut rekonstruiert werden konnten. Alle keltischen Sprachen können auf frühere Sprachstufen zurückgeführt werden, die alle folgenden Merkmale aufwiesen:
- Wegfall des indogermanischen Lautes - /p/: altirisch athir („Vater“) aus indogermanisch - pH2tēr (jedoch Wandel zu /x/ vor Plosiven: altirisch secht („sieben“) aus indogermanisch - septm; in p-keltischen Sprachen wurde später ein „neues“ /p/ aus /kw/ gebildet, im q-keltischen Irischen ist der Laut /p/ nur in Lehnwörtern und Wörtern mit bestimmten Lautkombinationen (z. B. /b/ + /h/ > /p/) vorhanden
- Umbau des Vokalsystems (lange „Mittelvokale“ /ē/ und /ō/ wurden zu /ī/ bzw. /ā/ oder /ū/ (je nach Position im Wort): gallisch rīx („König“, „Fürst“) aus indogermanisch - rēks; /ē/ und /ō/ wurden aus ererbten Diphthongen neu gebildet
- Wandel des indogermanischen Lautes /gw/ zu /b/: altirisch bó („Kuh“) aus indogermanisch - gwous-
- Wandel der indogermanischen silbentragenden Laute /l/ und /r/ je nach Lautumgebung zu /al/, /li/ oder /lā/ bzw. /ar/, /ri/ oder /rā/.
Die typischen Merkmale der heutigen keltischen Sprachen wie die Anlautmutationen der inselkeltischen Sprachen oder auch die phonemische Palatalisierung in den goidelischen Sprachen sind auf spätere Entwicklungen zurückzuführen. In den belegten festlandkeltischen Sprachen sind diese Entwicklungen nicht (Palatalisierung) bzw. nicht eindeutig (Mutationen) nachweisbar. Diese Merkmale können daher nicht als gemeinkeltisch betrachtet werden.
Ursprüngliche Ausbreitung und Quellen
Die Verbreitung der keltischen Sprachen folgte im Großen und Ganzen der Wanderbewegung der keltischen Völker, Kultur oder Sprache und erreichte dadurch vom Kerngebiet im südlichen Mitteleuropa aus auch die iberische Halbinsel, die britischen Inseln sowie Kleinasien. Von der kontinentalen keltischen Kultur ist aus der Archäologie viel bekannt. Da die Kelten in der frühesten Zeit noch keine Schriftkultur betrieben, ist man jedoch für die Kenntnisse ihrer hypothetischen Ursprache vor allem auf überlieferte Orts- und Personennamen sowie auf Rekonstruktionen aus den überlieferten Sprachen, auch vom Kontinent selbst, angewiesen.
In späterer Zeit hinterließen keltische Sprachen sprechende Volksgruppen hingegen sehr wohl schriftliche Zeugnisse, vor allem als steinerne Inschriften und auf Münzen. Dies geschah aber stets unter dem Antrieb anderer Völker, d. h. der Iberer in Spanien, der Römer in Gallien usw. Zusätzlich liegen griechische und römische Berichte vor, auf die sich die Forschung ebenfalls stützen kann, meist aber vor allem das äußere Erscheinungsbild und die Sitten der „Kelten“ behandelten. Diese werden in solchen Berichten jedoch meist als eine ethnische Einheit behandelt, die sie wahrscheinlich nie bildeten, zudem ist es fraglich, ob bei der Beschreibung fremder Völker immer strikt zwischen einzelnen Sprachgruppen unterschieden wurde, die wiederum mit ethnischen Gruppen nicht immer konform gingen. Die antiken Berichte sind wertvoll, aber mit Vorsicht zu lesen.
Auf dem Festland verschwanden in den ersten Jahrhunderten u. Z. sämtliche keltischen Sprachen vor allem unter dem dominierenden Einfluß des Latein des römischen Reiches sowie durch die Ausbreitung der germanischen Sprachen. Aus frühmittelalterlichen Quellen geht hervor, dass möglicherweise noch im fünften Jahrhundert in der Gegend um Trier von einem Teil der Bevölkerung ein keltischer Dialekt gesprochen wurde. Nur vier festlandkeltische Sprachen sind, zum Teil recht spärlich, überliefert: das Gallische, das Keltiberische, das Lepontische und das Galatische. Von diesen Sprachen weicht das Keltiberische am stärksten ab, die anderen drei Sprachen sind sich relativ ähnlich.
Heutige Verbreitung
Hingegen konnten sich keltische Sprachen auf den britischen Inseln halten. Diese so genannten inselkeltischen Sprachen können in zwei Gruppen unterteilt werden, die britannischen Sprachen und die goidelischen Sprachen. Diese werden häufig auch als p-keltisch und q-keltisch genannt, obwohl diese Zuordnung nicht ganz zutreffend ist. In diese Gruppierungen zerfallen nämlich alle keltischen, nicht nur die inselkeltischen Sprachen.
Die östliche inselkeltische Gruppe, das Britannische oder auch Brythonische, umfasst das heutige Bretonische, das Kornische, das weitgehend unbekannte und nur mit wenigen Wörtern überlieferte Kumbrische in Nordengland sowie das Walisische (oder Kymrische). Auch die Sprache der Pikten, die nur aus Ortsnamen Nordost-Schottlands bekannt ist, gehörte möglicherweise dieser Gruppe an. Eine gemeinsame Vorstufe dieser Sprachen ist nicht belegt, doch die frühmittelalterlichen britannischen Sprachen waren sich so ähnlich, dass man sich vielleicht ohne weiteres verstanden hat. Das Bretonische, das heute noch in der Bretagne gesprochen wird, gelangte infolge der angelsächsischen Eroberung der Britischen Inseln über Fluchtbewegungen von Cornwall nach Nordfrankreich und gehört daher zu den inselkeltischen Sprachen obwohl es heute auf dem Festland gesprochen wird.
Die kornische Sprache ist seit dem 18. Jahrhundert ausgestorben, wird aber mittlerweile wieder von etwa 1.000 Menschen gesprochen (davon von 250 bis 300 fließend; Quelle: SGRÙD-Report 2000), während das Walisische mit ca. 500.000 Sprechern noch relativ stark verbreitet ist. Das Bretonische wird nach neuen Schätzungen (Broudig 1999) von ca. 250.000 Menschen gesprochen.
Die westliche inselkeltische Gruppe, das Goidelische, besteht aus dem Altirischen und den drei davon abgeleiteten modernen Sprachen, dem Irischen, dem Schottisch-Gälischen (selten – nach dem Scots-Begriff Erse – als „Ersisch“ bezeichnet) sowie dem Manx. Gälisch kam im frühen Mittelalter nach Schottland, im Zuge einer Expansion aus dem Norden Irlands (durch den Stamm der Dál Riata), die zum Untergang des piktischen Königreichs führte.
Heutige Sprachsituationen
Die Republik Irland bemüht sich, die irische Sprache (die wie alle goidelischen Sprachen auch „Gälisch“ genannt wird) zu erhalten. Schätzungen der Sprecherzahlen schwanken stark zwischen knapp 10.000 und 70.000. In Nordirland wird das Irische seit den 50er Jahren nicht mehr als Mutter- oder Erstsprache gebraucht, jedoch besitzt es dort eine starke identifikatorische und politische Bedeutung.
Weniger staatliche Unterstützung erhält das Schottisch-Gälische, das von offiziell 60.000 Personen gesprochen wird, wovon möglicherweise aber nur 20.000 Personen die Sprache auch täglich verwenden. Gälisch wird vereinzelt auch in Neuschottland (Kanada) gesprochen. Der letzte traditionelle Sprecher (nicht Muttersprachler, da er die Sprache zwar als Kind, aber erst nach dem Englischen gelernt hatte) des Manx, Ned Madrell, starb in hohem Alter im Jahre 1974, doch wird die Sprache in den Schulen fakultativ unterrichtet.
Allen keltischen Sprachen ist in verschiedenem Maße gemeinsam, dass die Alters- und Sozialpyramiden ihrer Sprecher sehr ungünstig gestaltet sind. Dies bedeutet, dass sie vorwiegend von älteren Leuten gesprochen werden, die zudem häufig aus niederen sozialen Schichten stammen. In Irland wird dies jedoch wenigstens zum Teil durch einen hohen Anteil von Nichtmuttersprachlern mit guten oder sehr guten Irischkenntnissen ausgeglichen, und auch in Wales trifft dieser Umstand nur bedingt zu. Gerade in Wales sorgt das Schulsystem (vielfach Unterricht auf Walisisch, nicht nur Walisisch als Fremdsprache) jedoch wieder für eine stärkere Verbreitung von Walisischkenntnissen in jüngeren Altersgruppen.
Auswirkungen auf andere Sprachen
Verschiedene europäische Sprachen wurden von keltischen Sprachen auf unterschiedliche Weise beeinflusst. Dieser Einfluss war zwar beschränkt, aber auch nicht zu unterschätzen. Dabei muss zwischen den Auswirkungen der altkeltischen Sprachen einerseits und den späteren Auswirkungen der inselkeltischen Sprachen andererseits unterschieden werden. Die Auswirkungen können zudem in reine Lehnwörter, Orts- und Gewässernamen sowie allgemeinere Einflüsse (Syntax, Phonetik usw.) unterteilt werden.
Da im Laufe der Zeit weite Teile Mittel-, Süd- und Westeuropas von Volksgruppen mit keltischen Sprachen besiedelt wurden, sind Überbleibsel aus diesen Sprachen in vielen Sprachen dieser Regionen zu finden.
Am häufigsten finden sich Ortsnamen, die auf keltische Ursprünge zurückzuführen sind. Dazu zählen z. B. die meisten maskulinen Flussnamen in Süddeutschland, die Flussnamen Rhône und Seine (letzterer aus Gallisch - sequan-) sowie Städtenamen wie Lyon (aus - Lugu-dunom, „Festung des (Gottes) Lugos“) und Verdun (aus - ver(o)-dunom, „oben gelegene Festung“).
Direkt aus einer keltischen Sprache (wahrscheinlich dem Gallischen) entlehnt sind die deutschen Begriffe „Amt“, „Eisen“ und „Reich“ (bzw. das Adjektiv „reich“): sie stammen aus - ambaktos „Höriger, Dienstmann“ (eigentlich: „derjenige, der herumgetrieben wird“), - isarno- und - rigjom „das zum König (rix) gehörige“). Erst am Ende des Altertums wurde über das Provinzlatein Galliens die griechisch-gallische Mischform para-veredus „Beipferd zum Postpferd“ entlehnt, vgl. dt. Pferd.
Eine interessante Entwicklung hat das keltische Wort - karros („Wagen“) genommen. Zunächst gelangte es als carrus ins Lateinische, über dieses in die romanischen Sprachen, später aus diesen in verschiedene andere Sprachen, u. a. ins Deutsche („Karre, Karrosse“) und über das Englische auch ins Irische, also wiederum in eine keltische Sprache (carr, „Auto“, neben der Eigenbildung gluaisteán, eigentl. etwa „Beweger“).
Die Auswirkungen auf den Wortschatz der verschiedenen romanischen Sprachen sind vergleichsweise gering. Alle in Frage kommenden Wörter gingen zunächst ins Provinzlatein Galliens über, so zum Beispiel - ivos „Eibe“, vgl. franz. if und verschiedene andere Ausdrücke meistens aus Flora und Fauna.
Die Auswirkungen der heute existenten inselkeltischen Sprachen sind recht gering, werden jedoch meist auch unterschätzt. Lehnwörter in anderen Sprachen gibt es relativ wenige. Zu diesen zählen, um nur einige zu nennen, Whisk(e)y (aus ir.-schott. uisce (beatha), „Wasser des Lebens“; vgl. frz. eau de vie mit der gleichen Bedeutung) sowie die Ausdrücke galore („viel, massenhaft“; aus schottisch-gälisch gu leor, „viel, zahlreich“ wahrscheinlich das einzige im Englischen nachgestellte Adjektiv) und smashing („großartig, toll“; wohl aus irisch is maith sin, „das ist gut“). Ins Deutsche sind Ausdrücke aus keltischen Sprachen nur über Vermittlung anderer Sprachen, meist des Englischen gelangt. Neben dem Whisk(e)y zählt dazu das Wort Flanell. Dieses stammt ursprünglich von einer bestimmten grammatischen Form des walisischen Wortes für „Wolle“ ab: wlanen /wlanen/, von gwlân /gwla:n/, mit leniertem Initiallaut /g/ und Singularsuffix -en. Im Englischen wurden das auslautende -n und das -n- im Inlaut dissimiliert und die Endung ergab -l.
Weiterhin hatten alle inselkeltischen Sprachen starke Auswirkungen auf die jeweilige regionale Aussprache und Syntax der größeren Nachbarsprachen. Dafür ist insbesondere das Hiberno-Englische bekannt. Durch den Einfluss des Bretonischen wurde jedoch z. B. auch die Betonung der regionalen Variante des Französischen von der letzten auf die vorletzte Silbe verschoben (also wie im Bretonischen).
Diskutiert werden weiterhin allgemeinere Einflüsse wie das auf der 20 basierende Zählsystem in den inselkeltischen Sprachen, im Französischen sowie in Ansätzen im Englischen (score, „20“). Die Vermutung liegt nahe, dass dieses System aus den keltischen Sprachen stammt, da es in allen inselkeltischen Sprachen vorhanden ist bzw. war. Außerdem ist die Verlaufsform des Englischen (I am a-going, I am going) ein möglicher Kandidat für einen inselkeltischen Ursprung. Diese Verlaufsform ist ebenfalls in allen inselkeltischen Sprachen vorhanden: Irisch Tá mé ag dul („bin ich am Gehen“), Walisisch Rydw i'n mynd („bin ich am Gehen“) usw. Möglicherweise sind auch parallele Bildungen im Französischen und in den rheinischen Dialekten (indirekt) auf diese Weise entstanden.
Übersicht
- Keltische Sprachen
- Festlandkeltische Sprachen alle ausgestorben
- Gallisch
- Galatisch
- Lepontisch
- Keltiberisch
- Inselkeltische Sprachen
- Britannische Sprachen
- Bretonisch
- Kornisch ausgestorben, schwach wiederbelebt
- Kumbrisch ausgestorben
- Walisisch
- Piktisch (?: eventuell keine keltische Sprache) ausgestorben
- Goidelische Sprachen
- Irisch
- Manx ausgestorben, schwach wiederbelebt
- Schottisch-Gälisch
- Mischsprache mit goidelischem Element: Shelta Sprache vieler irischer Tinker (Travellers)
P-keltische Sprachen sind die britannischen Sprachen sowie Gallisch, Lepontisch und Galatisch.
Q-keltische Sprachen sind die goidelischen Sprachen und das Keltiberische.
Kategorie:Sprachfamilie
als:Keltische Sprachen
ja:ケルト語派
Weblinks
- [http://www.sksk.de Studienhaus für keltische Sprachen und Kulturen Königswinter/Bonn]
- [http://www.keltologie.org Deutschsprachiges Forum für Keltologie (keltologie.org)]
MolasseAls Molasse bezeichnet man das Abtragungsmaterial (Sedimente) eines Orogens. Bekannt sind die tertiären Molassen im Vorland der Alpen, die während der letzten Phase der Alpenbildung abgelagert worden sind.
Geröll, Tone, Sand und Mergel wurden von den Flüssen aus den sich bildenden Alpen ins Vorland transportiert und dort abgelagert. Am Alpenrand herrschen Sandstein und Nagelfluh vor, in größerer Entfernung feinere Ablagerungen.
Man unterscheidet Süßwassermolasse mit fluvialen und limnischen Sedimenten von der Meeresmolasse mit mariner Fazies.
siehe auch
- Mittelland (Schweiz)
- Nördliche Kalkalpen
- Liste geowissenschaftlicher Themen
- Konglomerat
- Formation (Geologie)
- Pannon
- Pont
Weiteres Beispiel sind die Molassen der variszischen Orogenese aus dem Perm
in Deutschland: Rotliegendes
Weblinks
- [http://www.GoldauerBergsturz.ch/index.html Die Internetseite zum Goldauer Bergsturz von 1806 (Bekanntester Bergsturz in einem Molassegebiet)]
Kategorie:Geologie
Mittelland (Schweiz)Das Mittelland bildet neben dem Jura und den Alpen eine der drei Grosslandschaften der Schweiz und macht etwa 30 % der schweizerischen Landesfläche aus. Es umfasst das teils flache, weitgehend jedoch hügelige Gebiet zwischen Jura und Alpen und liegt im Mittel auf einer Höhe von 400 bis 600 m ü. M. Es ist die weitaus am dichtesten besiedelte Region der Schweiz und dadurch auch wirtschaftlich und verkehrstechnisch der bedeutendste Grossraum des Landes.
m ü. M.
Lage
m ü. M.
Das Schweizer Mittelland wird im Nordwesten und Norden geographisch wie auch geologisch durch die langgestreckten Höhenzüge des Juras klar abgegrenzt. Im Süden gegen die Alpen hin ist die Grenze geographisch nicht genau definiert. Meist wird der an einigen Orten relativ abrupte Anstieg zu Höhen über 1500 m ü. M. (Kalkalpen, teilweise auch Berge der subalpinen Molasse) als Kriterium für die Abgrenzung genommen. Gelegentlich werden die Regionen des höheren Mittellandes, insbesondere die Freiburger Hügellandschaft, das Napfgebiet, das Tössbergland und Teile des Appenzellerlandes zum schweizerischen Alpenvorland im engeren Sinne gezählt. Wenn man jedoch nur die Grosslandschaften in Betracht zieht, gehört das Alpenvorland eindeutig noch zum Mittelland. Die südwestliche Grenze des Schweizer Mittellandes bildet der Genfersee, die nordöstliche Grenze der Bodensee zusammen mit dem Rhein.
Geologisch stellt das Mittelland eine Beckenzone dar, die sich auch über die schweizerischen Landesgrenzen hinaus erstreckt. Im Südwesten auf französischem Gebiet verengt sich das Becken im Genevois und endet bei Chambéry, wo sich Jura und Alpen zusammenschliessen. Jenseits des Bodensees setzt sich das Mittelland im süddeutschen und österreichischen Alpenvorland fort.
Auf schweizerischem Staatsgebiet hat das Mittelland eine Längenausdehnung von rund 300 km bei einer von West nach Ost zunehmenden Breite. Im Raum Genf beträgt die Breite knapp 30 km, im Raum Bern etwa 50 km und in der Ostschweiz rund 70 km.
Zahlreiche Kantone haben Anteil am Mittelland. Vollständige Mittellandkantone sind Zürich, Thurgau und Genf; überwiegend im Mittelland liegen die Kantonsgebiete von Luzern, Aargau, Solothurn, Bern, Freiburg und Waadt; kleinere Anteile finden sich ferner in den Kantonen Neuenburg, Zug, Schwyz, Sankt Gallen und Schaffhausen.
Geologie
Schichtfolge
Aufgrund zahlreicher Tiefbohrungen auf Erdöl und Erdgas sind die Gesteinsfolgen im Schweizer Mittelland relativ gut erforscht. Die Basis bildet das kristalline Grundgebirge, das in den Zentralmassiven der Alpen wie auch im Schwarzwald und in den Vogesen zutage tritt, im Bereich von Jura und Mittelland aber als tiefe Geosynklinale ausgebildet ist. Etwa 2500–3000 m unterhalb der Erdoberfläche, in Alpennähe auch deutlich tiefer, stösst man im Mittelland bei Bohrungen jeweils auf dieses Grundgebirge. Über dem Grundgebirge lagert die ungefaltete Schichtfolge der mesozoischen Sedimente aus den Zeitaltern von Trias, Jura und Kreide; sie ist im Mittelland nirgends aufgeschlossen. Ihre Dicke nimmt von West nach Ost allmählich von 2.5 auf 0.8 km ab. Diese Schichten wurden wie diejenigen des Juragebirges in einem verhältnismässig flachen Meeresbecken, der Tethys, abgelagert. Auf die mesozoischen Schichten kamen die Molassesedimente zu liegen. Diese bestehen aus Abtragungsprodukten der Alpen, mehrheitlich Nagelfluh (Konglomerate), Sande, Mergel und Tone, die unter dem Druck von überlagernden Sedimenten zu Gestein verfestigt wurden. Die Deckschicht schliesslich bilden die Schotter und Lockergesteine, welche von den eiszeitlichen Gletschern transportiert wurden.
Molasse
Geologisch von grösster Bedeutung im Schweizer Mittelland sind die mächtigen Molassesedimente, welche als Folge der Gebirgserosion am Alpenrand abgelagert wurden. Die Schichtdicke der Molasse nimmt (bei gleicher Entfernung von den Alpen) von West nach Ost zu. Die damaligen Flüsse aus den Alpen – im Allgemeinen nicht kongruent mit dem heutigen Flussnetz – bauten am Gebirgsfuss bedeutende Schwemmfächer auf. Wichtigste Beispiele dafür sind der Napf- und der Hörnli-Schwemmfächer, weitere Fächer gab es im Gebiet des Rigi, im Schwarzenburgerland und im Gebiet zwischen dem östlichen Genfersee und dem Mittellauf der Saane.
Das Erosionsmaterial wurde nach seiner Korngrösse sortiert. So wurde grobkörniges Material vorwiegend in Alpennähe sedimentiert, sobald die Fliessgeschwindigkeit des Wassers als Transportmedium zu gering wurde, um die gröberen Steine in der Schwebe zu halten. Im mittleren Teil des Beckens findet man hauptsächlich die feinkörnigeren Sandsteine und an dessen Nordrand in Juranähe Tone und Mergel.
Entstehungsgeschichte der Molasse im Mittelland
In der ersten Zeit des Tertiärs vor rund 60–40 Millionen Jahren war das Gebiet des heutigen Schweizer Mittellandes ein verkarstetes Kalkplateau, das sich leicht nach Süden neigte und auch in diese Richtung entwässert wurde. In der Folgezeit wurde dieses Plateau durch Hebungs- und Senkungsvorgänge im Zusammenhang mit der Alpenbildung zweimal vom Meer überflutet. Man unterscheidet daher die entsprechenden Ablagerungen als Meeresmolasse und Süsswassermolasse, wobei unter letzterer nicht in erster Linie Sedimente in Süsswasserseen, sondern vor allem Ablagerungen durch Flusssysteme und Windverfrachtung verstanden werden sollten (also eher eine „Festlandmolasse“).
- Untere Meeresmolasse (vor etwa 37–30 Millionen Jahren): Allmählich senkte sich das Kalkplateau ab, und ein flacher Meeresarm drang vor, der im Osten bis zu den Karpaten reichte. Die Sedimente bestanden aus feinkörnigen Sanden, Tonen und Mergeln; Nagelfluhfächer gab es noch keine, weil die eigentliche Hebung der Alpen erst am Ende dieser Periode beginnt.
- Untere Süsswassermolasse (vor etwa 30–22 Millionen Jahren): Das Meer wich einerseits wegen Hebungsvorgängen, andererseits wegen einer weltweiten Meeresspiegelabsenkung zurück. Zusammen mit der Alpenfaltung setzte die Gebirgserosion ein und die ersten Nagelfluhfächer entstanden.
- Obere Meeresmolasse (vor etwa 22–16 Millionen Jahren): Erneut drang ein flacher Meeresarm vor und die Bildung der Nagelfluhfächer von Napf und Hörnli begann.
- Obere Süsswassermolasse (vor etwa 16–2 Millionen Jahren): Das Meer zog sich nun endgültig zurück. Der Aufbau des Napf- und Hörnlifächers (sowie weiterer kleinerer Schwemmfächer) ging weiter, so dass diese am Ende der Periode eine Schichtdicke von rund 1500 Meter erreichten.
In der nachfolgenden Zeit wurde vor allem der westliche Teil des Mittellandes nochmals stark gehoben, wodurch in diesem Gebiet die Sedimente der Oberen Meeres- und Süsswassermolasse weitgehend wieder erodiert wurden.
Charakteristisch für die Sedimente der Meeresmolassen sind versteinerte Schnecken, Muscheln und Haifischzähne. Demgegenüber findet man in den Süsswassermolassen Versteinerungen von typischen Festlandsäugetieren aber auch Reste der damaligen subtropischen Vegetation (z.B. Palmblätter).
Eiszeitliche Überprägung
Seine heutige Landschaftsgestalt hat das Mittelland während der Überprägung durch die eiszeitlichen Gletscher erhalten. Während aller bekannten alpinen Vereisungsstadien (Günz-, Mindel-, Riss- und Würmeiszeit) stiessen gewaltige Gletschereismassen weit ins Mittelland vor. Die dazwischen liegenden Warmzeiten verursachten jeweils ein Rückzug der Gletscher in die Hochalpen (teilweise geringere Ausdehnung als heute), und im Mittelland machte sich subtropische Vegetation breit.
Würmeiszeit
Während der Eiszeiten teilte sich der Rhonegletscher jeweils am Ausgang der Alpen in zwei Arme, von denen der eine sich über das ganze westliche Mittelland bis in die Regionen Solothurn und Aarau ausdehnte. Im Raum Bern vereinigte er sich mit dem Aaregletscher. Auch der Reuss-, der Linth- und der Rheingletscher stiessen teilweise bis an den Jura vor. Dabei formten die Eismassen das Land einerseits durch die Tiefenerosion, andererseits durch Ablagerungen von oft mehrere Meter mächtigen Grundmoränen (sehr fein zermahlenes Gesteinsmehl) sowie durch Ablagerung von Schotter durch die Flüsse im Vorfeld der Gletscher.
Spuren der älteren Günz- und Mindeleiszeit sind jedoch nur an wenigen Orten übriggeblieben, da sie von den Gletschern der nachfolgenden Eiszeiten beseitigt oder umgelagert wurden. Ihre grösste Ausdehnung erreichten die Gletscher in der Risseiszeit, während der das ganze Mittelland ausser das Napfgebiet und das Tössbergland vom Eis bedeckt war. Von der Würmeiszeit, die etwa 115000 Jahre vor der Gegenwart begann, zeugen weitaus die meisten Spuren. Die Endmoränen der Gletscher sowie die Ablagerungen der verschiedenen Rückzugsstadien sind erhalten geblieben.
Landschaftsformen
Bei einem Blick auf die Landkarte kann man noch heute die Fliessrichtung der eiszeitlichen Gletscher erkennen. Die weite Ausdehnung des Rhonegletschers nach Nordosten zeigen der zum Jura und zu den Alpen parallele Verlauf der Täler (Broye, Glâne) und Seen (Neuenburger-, Bieler und Murtensee) in der Westschweiz an. Reuss- und Linthgletscher haben die von Südosten nach Nordwesten verlaufenden Täler (u.a. Wigger-, Suhren-, See- und Reusstal) und Seen (Zürichsee, Greifensee, Hallwilersee, Sempachersee) des zentralen Mittellandes geschaffen. Der Rheingletscher hinterliess in der Nordostschweiz mehrheitlich in Ost-West-Richtung verlaufende Spuren (Thurtal, Untersee des Bodensees). Mancherorts gibt es charakteristische Drumlins aus gepresstem Grundmoränenmaterial, die meist in grösseren Schwärmen auftreten, besonders typisch im Zürcher Oberland, im Hirzelgebiet, im Bodenseegebiet sowie zwischen dem Reusstal und dem Baldeggersee.
Weitere wichtige Vermächtnisse der Gletscher im Mittelland sind neben dem See- und Flusssystem die Findlinge, welche über das ganze Gebiet verstreut anzutreffen sind. Diese zum Teil riesigen erratischen Blöcke (beispielsweise bei Steinhof) aus ortsfremdem Gestein, meist Granit oder Gneis, der nur in den Hochalpen vorkommt, waren unter anderem der Schlüssel zur Begründung der Eiszeittheorie im 19. Jahrhundert, da ein Transport allein durch Wasserkraft physikalisch nicht möglich ist.
Schliesslich sind auch die Schotterablagerungen in den Talsohlen des Mittellandes ein Zeugnis der Eiszeiten. Während der Gletscherzeit sowie beim Vorstoss und Rückzug der Gletscher wurden zum Teil mächtige Schotterschichten in den Tälern abgelagert, die in der nachfolgenden Warmzeit jeweils bis auf einige Reste wieder wegerodiert wurden. Viele Täler weisen deshalb ein Terrassensystem auf: Die Niederterrasse besteht aus Schotter der Würmeiszeit, die Hochterrasse aus Ablagerungen der Risseiszeit. Manchmal sind auch noch Deckenschotter der älteren Eiszeiten zu finden.
Topographie
Steinhof
Obwohl das Schweizer Mittelland ein Becken darstellt, ist es keineswegs als ebene Landschaft einzustufen, sondern es weist eine je nach Region bisweilen sehr vielfältige naturräumliche Gliederung auf. Wichtige Elemente sind die beiden grossen Seen, Genfer- und Bodensee, welche das Schweizer Mittelland im Südwesten und Nordosten begrenzen. Das westliche Mittelland ist geprägt durch Hochflächen (Gros de Vaud, bis 600 m ü. M.) und Molassehügelländer (Jorat, bis 900 m ü. M.; Freiburger Hügelland, 600 - 1200 m ü. M.), in welche zum Teil tiefe Täler eingegraben sind. Nur in Juranähe besteht mit dem Tal der Venoge und der Orbeebene eine nahezu durchgehende Senke, welche durch den Querriegel des Mormont, über den die Hauptwasserscheide zwischen Rhone und Rhein auf nur 500 m ü. M. verläuft, zweigeteilt wird. Das Seeland bildet die grösste ebene Fläche des Mittellandes, aber auch darin erheben sich einzelne Molasserücken. Nach Osten schliessen sich nun verschiedene Hügelländer an, die gegen Norden allmählich niedriger werden. Eine weitere grössere Fläche ist die von der Emme durchflossene Ebene des Wasseramtes. Die entlang dem Jurasüdfuss meist in einem breiten Tal fliessende Aare nimmt alle aus dem höheren Mittelland und den Alpen kommenden Flüsse wie eine Dachrinne auf.
Aare
Das zentrale Mittelland ist charakterisiert durch eine Anzahl Südost-Nordwest ausgerichteter breiter Höhenrücken (u.a. Erlosen, Lindenberg) und dazwischen liegender weiter Täler, teilweise mit Seen (Sempacher-, Hallwiler- und Baldeggersee). Den östlichen Abschluss davon bildet die Albiskette, die zusammen mit der Heitersbergkette einen quer durch das Mittelland zwischen Jura und Alpen verlaufenden Riegel schafft, der nur an wenigen Orten von den leistungsstarken Verkehrsträgern meist mit Tunnels passiert werden kann.
Das östliche Mittelland wird in die Täler der Limmat (mit Zürichsee), Glatt (mit Greifensee), Töss und Thur gegliedert. Dazwischen erheben sich Hügelländer, im Thurgau auch wieder breite Molasserücken (Seerücken, Ottenberg).
Von den genannten Landschaftsformen heben sich zwei Hügelgebiete deutlich ab. Es sind dies das Napfgebiet (mit Höhen bis 1408 m ü. M. zugleich der höchste Punkt des Mittellandes) und das Tössbergland (bis 1300 m ü. M.), beides Überreste der tertiären Nagelfluh-Schwemmfächer. Diese wurden im Lauf der Zeit stark erodiert, wegen ihrer Höhenlage jedoch nicht durch die eiszeitliche Vergletscherung überformt. Deshalb entstanden tief eingekerbte, steilwandige Täler (Gräben) und ein stark verzweigtes, dichtes Gewässernetz.
Klima
Ottenberg
Das Schweizer Mittelland liegt im Übergangsbereich vom feuchtmaritimen zum kontinental-gemässigten Klima mit überwiegendem Wind aus westlichen Richtungen. Im tieferen Mittelland beträgt die mittlere Jahrestemperatur etwa 9 - 10 °C. Im Januar weisen das Genferseegebiet sowie die ufernahen Bereiche von Neuenburger- und Bielersee mit rund +1 °C die höchsten Mitteltemperaturen auf. Bei gleicher Höhenlage besteht ein leichtes West-Ost-Gefälle; im kältesten Monat werden im Bodenseeraum mittlere Temperaturen von –1 °C erreicht. Die Mitteltemperatur des Monats Juli beträgt im Raum Genf +20 °C, aber auch entlang dem gesamten Jurasüdfuss werden durchschnittlich 18 - 19 °C erreicht, in den höheren, alpennäheren Gebieten etwa 16 - 18 °C. Auch bezüglich der mittleren jährlichen Sonnenscheindauer ist der Genferseeraum begünstigt mit über 1900 Stunden, im übrigen Mittelland sind es 1600 (vor allem im Osten) bis 1900 Stunden.
Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge bewegt sich zwischen 800 mm in Juranähe, 1200 mm im höheren Mittelland und 1400 mm am Alpenrand. Die trockensten Regionen des Mittellandes befinden sich im Lee des Hochjuras zwischen Morges und Neuenburg. Schneedeckentage gibt es heutzutage in den wärmsten Regionen am Genfer- und Neuenburgersee weniger als 20 pro Jahr, im restlichen Mittelland je nach Höhenlage zwischen 20 und 40 pro Jahr.
Im Winterhalbjahr bildet sich bei austauscharmen Wetterlagen im Mittelland ein Kaltluftsee, wobei es meist zur Nebel- oder Hochnebelbildung kommt. Dann liegt das gesamte Mittelland über mehrere Tage, teilweise sogar Wochen hinweg unter einer dicken Nebeldecke, während die angrenzenden Gebiete (Jura und Alpen) vom schönen Wetter profitieren. Typisch bei Hochnebellagen ist die Bise, ein kalter Nordostwind. Dieser erreicht wegen der Kanalisierung im gegen Westen schmaler werdenden Mittelland seine grössten Stärken im Genferseeraum, wo bei klassischer Bisenlage nicht selten mittlere Windgeschwindigkeiten von 60 km/h und Böenspitzen bis über 100 km/h registriert werden. Die alpennahen Gebiete des zentralen und östlichen Mittellandes kommen manchmal in den Genuss von warmen Föhnwinden.
Vegetation
Dominierend im Schweizer Mittelland ist der Laubmischwald mit den Hauptvertretern Buche und Tanne. Vielerorts gibt es aus wirtschaftlichen Gründen angepflanzte grössere Fichtenbestände, denn die Fichten kommen von Natur aus in den unteren Lagen kaum vor. An begünstigten, wärmeren und trockeneren Orten im Genferseegebiet, im Seeland sowie in der Nordschweiz von der Aaremündung bis nach Schaffhausen bilden Eichen, Linden und Ahorn die wichtigsten Bäume des Waldbestandes.
Bevölkerung
600px Das dicht besiedelte Mittelland: Blick vom Uetliberg auf Zürich.
Obwohl das Mittelland nur etwa 30% der Fläche der Schweiz ausmacht, leben hier rund 5 Millionen Menschen oder etwas mehr als zwei Drittel der Wohnbevölkerung der Schweiz. Daher ist das Mittelland mit 380 Einwohnern pro Quadratkilometer dicht besiedelt. Alle Schweizer Städte mit über 50000 Einwohnern (außer Basel) befinden sich im Mittelland, zu den wichtigsten zählen Zürich, Genf, Bern und Lausanne. Die Schwerpunkte der Besiedlung liegen deshalb auch im Bereich der Agglomerationen dieser Städte. Die Agglomeration Zürich allein zählt nahezu 1 Million Einwohner. Weitere dicht besiedelte Gebiete liegen entlang dem Jurasüdfuß sowie im Raum Luzern, Winterthur und Sankt Gallen. Demgegenüber weisen die Regionen des höheren Mittellandes im Bereich des Jorat, im Napfgebiet und im Tössbergland eine dünne Besiedlung auf, vorwiegend kleine Bauerndörfer und verstreute Einzelhöfe.
Die Mehrheit der Bevölkerung im Schweizer Mittelland ist deutschsprachig; im westlichen Teil wird Französisch gesprochen. Die Sprachgrenze besteht seit vielen Jahrhunderten nahezu am gleichen Ort und ist nicht an eine geographische Trennlinie gebunden. Sie verläuft von Biel via Erlach, Murten und Freiburg im Üchtland zum Schwarzsee in den Freiburger Alpen. Dabei sind die Städte Biel/Bienne, Murten/Morat und Freiburg/Fribourg offiziell zweisprachig. Ortschaften entlang der Sprachgrenze besitzen in der Regel einen deutschen und einen französischen Namen (siehe auch: Liste deutscher Bezeichnungen Schweizer Orte, Liste französischer Bezeichnungen von deutschsprachigen Schweizer Orten).
Im Rahmen eines kurzen Abrisses der Siedlungsgeschichte sind folgende Punkte zu erwähnen: Die ersten besiedelten Räume im Neolithikum stellten die See- und Flussufer des Mittellandes dar (Pfahlbauten). Erste Dörfer bestehend aus Holzhütten entstanden ab dem 3. Jahrhundert vor Christus nach der Einwanderung von keltischen Stämmen. Städtische Siedlungen mit Steinhäusern entwickelten sich in der römischen Zeit, die 15 vor Christus mit der Einverleibung des Gebiets der Helvetier in das Römische Reich unter Kaiser Augustus begann und bis zum Ende des 3. Jahrhunderts nach Christus dauerte. Die drei wichtigsten Orte in der römischen Zeit waren Aventicum (Avenches), Vindonissa und Colonia Iulia Equestris (Nyon). Sie waren durch ein gut ausgebautes Netz von Heeresstraßen miteinander verbunden. Nach dem Rückzug der Römer wurde das westliche Mittelland durch die romanisierten Burgunder, das zentrale und das östliche Mittelland durch die Alemannen besiedelt, wodurch sich die Sprachgrenze etablierte.
Während des Mittelalters kam es zu zahlreichen Stadtgründungen, hauptsächlich im klimatisch günstiger gelegenen tieferen Mittelland. So gab es um 1500 bereits etwa 130 Städte, die durch ein dichtes Verkehrsnetz verbunden waren. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert gewannen die Städte rasch an Bedeutung und besonders ab 1860 begann ein rasantes Bevölkerungswachstum der Städte, das rund 100 Jahre lang anhielt. Die nächste Trendumkehr begann etwa 1970, als die Stadtflucht einsetzte. Dadurch wuchsen die stadtnahen Gemeinden überproportional stark, während gleichzeitig die Kernstadt Einwohner verlor. In neuester Zeit verlagert sich dieser Wachstumsgürtel immer weiter nach außen, und die Zersiedelung des Landes schreitet weiter voran.
Wirtschaft
Dank seinem günstigen Klima und den fruchtbaren Böden gilt das tiefere westliche Mittelland als wichtigste Ackerbauregion der Schweiz. Vorherrschender Bodentyp ist die Parabraunerde, in höheren Lagen die Braunerde. Hauptanbauprodukte des Ackerbaus sind Weizen, Gerste, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln; besonders im Seeland hat auch der Gemüsebau einen grossen Stellenwert. An begünstigten Lagen entlang der Seen, am Jurasüdfuss sowie im Zürcher Weinland und im Klettgau werden Reben gepflanzt. Wiesland mit Milchwirtschaft und Mastviehhaltung überwiegt im östlichen Mittelland sowie in den höheren Regionen des übrigen Mittellandes. Insbesondere im Kanton Thurgau hat der Obstbau (Äpfel) eine grosse Bedeutung.
Die Wälder des Mittellandes werden forstwirtschaftlich genutzt; es bestehen verteilt über das ganze Land zahlreiche Fichtenforste. Wegen des wertvollen Holzertrags werden die Fichten oft in Reinbeständen angepflanzt.
Auch bezüglich der Wirtschaft ist das Mittelland die Kernregion der Schweiz. Als traditioneller Industriezweig ist die Textil- und Bekleidungsindustrie vor allem im zentralen und östlichen Mittelland zu nennen; sie hat aber in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren. Wichtigste Industriezweige in der heutigen Zeit sind Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektro-, Elektronik-, feinmechanische und optische Industrie sowie Metallbau. In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie werden sowohl die einheimischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse als auch Importe verarbeitet. Ferner sind auch Holz- und Papierverarbeitung von Bedeutung.
forstwirtschaft
Wie die übrige Schweiz ist auch das Mittelland arm an Bodenschätzen. Jedoch gibt es dank dem Vorstossen der Gletscher während der Eiszeiten in genügenden Mengen Kies und Ton. Der Kiesabbau im Bereich der eiszeitlichen Schotterterrassen ist in den Tälern des gesamten Mittellandes verbreitet und deckt den Bedarf der Baustoffindustrie.
Mittels zahlreicher Flusskraftwerke wird die Wasserkraft zur Elektrizitätsgewinnung genutzt. Im weiteren stehen alle fünf schweizerischen Kernkraftwerke im Mittelland. Es sind dies die Kernkraftwerke Gösgen, Mühleberg, Leibstadt sowie Beznau I und II.
Verkehr
Aufgrund der für schweizerische Verhältnisse relativ einfachen Topographie und der dichten Besiedlung ist das Verkehrsnetz im Mittelland sehr gut ausgebaut. Die wichtigste Transversale, sozusagen das Rückgrat des Mittellandes, bildet die Autobahn A1, welche von Genf via Lausanne, Bern, Zürich, Winterthur nach Sankt Gallen führt und alle grossen Städte miteinander verbindet. Ihr letztes Teilstück zwischen Yverdon-les-Bains und Estavayer-le-Lac wurde erst 2001 eröffnet; es wird dieser bis anhin strukturschwachen Mittellandregion zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen. Die Autobahn A2 als schweizerische Nord-Süd-Achse durchquert das Mittelland zwischen Olten und Luzern.
Das Eisenbahnnetz ist seit alters her sehr dicht. Wie mit der A1 sind auch mit der Bahn alle wichtigen Städte direkt miteinander verbunden, wobei es zwischen Lausanne und Olten zwei Hauptlinien gibt. Die eine führt von Lausanne via Freiburg und Bern nach Olten, die andere verläuft entlang dem Jurasüdfuss und erschliesst die Städte Yverdon-les-Bains, Neuenburg, Biel und Solothurn. Einen Quantensprung gab es am 12. Dezember 2004, als die Neubaustrecke zwischen Mattstetten und Rothrist (Bahn 2000) eröffnet wurde, was die Fahrzeit auf dieser Strecke um 15 Minuten verkürzte. Eine Zugfahrt zwischen Bern und Zürich dauert nun etwas weniger als eine Stunde.
Die zwei wichtigsten Schweizer Flughäfen befinden sich im Mittelland: der Flughafen Zürich-Kloten in der Ebene des Glattals bei Kloten sowie der Flughafen Genf an der Landesgrenze am Nordwestrand der Stadt. Bern als Hauptstadt der Schweiz besitzt hingegen nur einen kleinen Flughafen (Bern-Belp).
Tourismus
Im Gegensatz zu den Alpen ist das Schweizer Mittelland, insbesondere der ländliche Raum, nicht auf Tourismus und Fremdenverkehr ausgerichtet; es bildet hauptsächlich eine Durchgangsregion. Einzig die grösseren Städte mit ihren Sehenswürdigkeiten, vor allem die Altstädte von Bern und Luzern, aber auch Zürich, Sankt Gallen, Freiburg, Genf und Lausanne, ziehen den Stadttourismus an. Als Natursehenswürdigkeit stellt der Rheinfall bei Schaffhausen einen weiteren Magnet für den Tourismus dar. Vom Fremdenverkehr profitieren ausserdem noch die Regionen am Genfersee sowie die Dreiseenregion Neuenburgersee, Bielersee und Murtensee, in welcher im Jahr 2002 die Landesausstellung Expo.02 stattgefunden hatte. Für Baden, Schinznach-Bad, Yverdon-les-Bains und Zurzach mit ihren Thermalbädern spielt ausserdem der Kurtourismus eine bedeutende Rolle.
Siehe auch
- Geschichte der Schweiz
Literatur
- Toni P. Labhart: Geologie der Schweiz. Ott Verlag, Thun, 2004. ISBN 3722567629.
- François Jeanneret und Franz Auf der Maur: Der grosse Schweizer Atlas. Kümmerly + Frey, Geographischer Verlag, Bern, 1992. ISBN 3259088504.
- Andre Odermatt und Daniel Wachter: Schweiz, eine moderne Geographie. Neue Zürcher Zeitung, Zürich, 2004. ISBN 3038230979.
Weblinks
- [http://members.fortunecity.com/revieruba/beschreib/waldspaz/geologie.htm Geologie der Schweiz]
- [http://mypage.bluewin.ch/chesi/steine/geologie01.htm Geologie des Mittellandes]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D8566.html Historisches Lexikon der Schweiz: Mittelland]
Kategorie:Geographie (Schweiz)
Kategorie:Region der Schweiz
als:Mittelland (Schweiz)
Broye (Fluss)
Die Broye ([] auf Französisch), bereits im Jahr 1155 als Brodiam erwähnt, ist ein 86 km langer Fluss im Westschweizer Mittelland mit einem Einzugsgebiet von ca. 850 km². Der deutsche Name Brüw wird heute selbst in der Deutschschweiz nicht mehr gebraucht. Hingegen hat sich hier die Aussprache [] eingebürgert.
Mehrere kleine Quellbäche am Westhang des Niremont und der Alpettes in den Freiburger Voralpen südwestlich von Bulle vereinigen sich bei Semsales zur Broye. Diese fliesst zuerst nach Südwesten parallel zu den Voralpenketten, ändert die Richtung dann nach etwa 10 km aber abrupt nach Norden ins Schweizer Mittelland. Zwischen Oron und Moudon verläuft sie zuerst in einer offenen Talsenke, in die sie sich südlich von Moudon schluchtartig eingegraben hat. Bei Moudon ändert sich die allgemeine Fliessrichtung erneut, diesmal nach Nordosten. Zwischen Moudon und Payerne benutzt die Broye ein vom eiszeitlichen Rhonegletscher ausgeschliffenes Tal mit breitem, flachem Talgrund und steilen, z.T. felsigen Hängen. Bei Payerne öffnet sich das Broyetal zu einer weiten, bis 5 km breiten Talsenke mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Kurz vor ihrer Einmündung in den Murtensee nimmt die Broye von links ihren längsten Nebenfluss, die Petite Glâne, auf. Den Murtensee verlässt die Broye an seiner Nordostecke. Danach verläuft sie, eingezwängt in ein Kanalbett im Rahmen der Juragewässerkorrektion, um den Mont Vully und nach Westen in den Neuenburgersee. Dieser letzte Abschnitt zwischen Murten- und Neuenburgersee wird auch Broyekanal (frz.: Canal de la Broye) genannt. Weitere Zuflüsse sind von links die Bressonne und die Lembe, von rechts die Arbogne.
Nur in ihrem Oberlauf hat die Broye noch naturnahe Ufer, unterhalb von Moudon ist sie infolge zahlreicher Überschwemmungen des flachen Talbodens im 19. und Anfang des 20. Jh. kanalisiert und begradigt worden.
Kategorie:Fluss in der Schweiz
Le Flon
Le Flon ist eine politische Gemeinde im Distrikt Veveyse (deutsch: Vivisbachbezirk) des Kantons Freiburg in der Schweiz. Sie wurde am 1. Januar 2004 durch den Zusammenschluss der vorher selbständigen Gemeinden Bouloz, Pont (Veveyse) und Porsel gebildet. Der Sitz der Gemeindeverwaltung befindet sich in Bouloz.
Geographie
Le Flon liegt rund 16 km nördlich von Vevey (Luftlinie). Die Gemeinde erstreckt sich auf dem Höhenrücken zwischen den Tälern des Flon im Süden und seines rechten Seitenbachs Maflon im Norden, im äussersten Südwesten des Freiburger Mittellandes.
Die Fläche des 9.5 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des Molasseplateaus östlich des Oberlaufs der Broye, im Alpenvorland. Das Gebiet wird von Nordosten nach Südwesten von der Talniederung des Flon durchquert. Auch der linke Talhang mit dem Waldgebiet Bois du Riez gehört weitgehend zu Le Flon. Nördlich an das Tal schliesst ein Höhenrücken an, der das Hauptsiedlungsgebiet der Gemeinde bildet und auf den Waldhöhen La Râpe (888 m ü. M.) und La Tossaire (mit 942 m ü. M. die höchste Erhebung von Le Flon) gipfelt. Am Nordabhang dieser beiden Höhen entspringt die Glâne. Nach Nordwesten erstreckt sich der Gemeindeboden in die Talmulde des Maflon. Der Höhenrücken flacht nach Südwesten allmählich ab und endet an der Mündung des Maflon in den Flon, wo sich mit 700 m ü. M. der niedrigste Punkt der Gemeinde befindet. Eine kleine Exklave liegt in einer Moorniederung nördlich von Fiaugères. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 5 % auf Siedlungen, 20 % auf Wald und Gehölze 74 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.
Le Flon besteht aus den Dörfern
- Bouloz, 865 m ü. M., auf dem Höhenrücken zwischen dem Flon und dem Quellgebiet der Glâne, 270 Einwohner.
- Pont (Veveyse), 750 m ü. M., im Tal des Flon, 186 Einwohner.
- Porsel, 813 m ü. M., auf dem Höhenrücken zwischen dem Flon und dem Maflon, 406 Einwohner.
Zu Le Flon gehören ferner die Weiler Les Grandes-Bruyères (865 m ü. M.) bei Bouloz, Perrey-Martin (803 m ü. M.) auf dem Höhenrücken oberhalb von Pont (Veveyse) sowie über das ganze Gebiet verstreut zahlreiche Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Le Flon sind Chapelle (Glâne), Rue, Siviriez, Vuisternens-devant-Romont, La Verrerie und Saint-Martin im Kanton Freiburg sowie Chesalles-sur-Oron im Kanton Waadt.
Bevölkerung
Mit 854 Einwohnern (2003) gehört Le Flon zu den kleineren Gemeinden des Kantons Freiburg. Von den Bewohnern sind 95.3 % französischsprachig, 2.4 % deutschsprachig und 0.8 % sprechen Portugiesisch (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Le Flon belief sich 1900 auf 730 Einwohner. Nachdem die Bevölkerung bis 1930 auf 808 Personen angestiegen war, wurde bis 1980 ein klarer Rückgang um mehr als 25 % auf 602 Einwohner registriert. Seither wurde wieder eine deutliche Bevölkerungszunahme verzeichnet.
Wirtschaft
Le Flon war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Noch heute haben die Viehzucht und die Milchwirtschaft sowie in geringerem Mass der Ackerbau eine wichtige Bedeutung in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden, unter anderem in Betrieben der Holzverarbeitung, der Käseproduktion, des Baugewerbes, der Informatik und der Herstellung von Landwirtschaftsmaschinen. In den letzten Jahrzehnten hat sich Le Flon auch zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die hauptsächlich in den Regionen Oron-la-Ville und Châtel-Saint-Denis sowie in Romont arbeiten.
Verkehr
Die Gemeinde liegt an der Hauptstrasse von Romont nach Oron-la-Ville. Durch eine Buslinie der Transports publics Fribourgeois, die von Romont via Oron-la-Ville nach Palézieux-Gare verkehrt, sind alle drei Dörfer von Le Flon an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden. Eine weitere Buslinie verbindet Porsel mit Moudon.
Geschichte
Das Gemeindegebiet von Le Flon war schon sehr früh besiedelt. So wurden bei Porsel Spuren aus der mittleren Bronzezeit und Überreste einer römischen Siedlung gefunden.
Seit dem Mittelalter gehörten Teile des heutigen Gemeindegebietes zur Herrschaft Oron, während auch die Abtei Haut-Crêt über reichen Grundbesitz verfügte. Die Familie Illens unterhielt nahe der Mündung des Maflon in den Flon seit dem 12. Jahrhundert eine Burg, die sie zum Mittelpunkt einer kleinen Herrschaft machte. Im Lauf des 16. Jahrhunderts kam das Gebiet unter die Herrschaft von Freiburg und wurde der Vogtei Rue zugeordnet. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime (1798) gehörten die Dörfer während der Helvetik und der darauf folgenden Zeit zum damaligen Bezirk Rue, bevor sie 1848 in den Bezirk Veveyse eingegliedert wurden.
Im Rahmen der vom Kanton Freiburg seit 2000 geförderten Gemeindefusionen votierten die Stimmberechtigten von Porsel, Bouloz und Pont (Veveyse) am 10. Juni 2003 mit einer Ja-Mehrheit von 91.7 % für das Zusammenlegen ihrer Gemeinden. Mit Wirkung auf den 1. Januar 2004 entstand deshalb die Gemeinde Le Flon, die nach dem Bach Flon, der alle drei vorherigen Gemeindegebiete durchquerte, benannt wurde. Die Gemeindeverwaltung befindet sich in Bouloz, während Porsel Sitz der Pfarrei ist.
Weblinks
- [http://www.leflon.ch/ Offizielle Website der Gemeinde Le Flon]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D48530.html Artikel Flon, Le] im Historischen Lexikon der Schweiz
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D1045.html Artikel Bouloz] im Historischen Lexikon der Schweiz
Kategorie:Ort in der Schweiz
Kategorie:Ort im Kanton Freiburg
Kategorie:Schweizer Gemeinde
Bouloz
Bouloz ist eine Ortschaft und früher selbständige politische Gemeinde im Distrikt Veveyse (deutsch: Vivisbachbezirk) des Kantons Freiburg in der Schweiz. Am 1. Januar 2004 fusionierte Bouloz mit den vorher ebenfalls selbständigen Gemeinden Porsel und Pont (Veveyse) zur neuen Gemeinde Le Flon. Bouloz ist Sitz der Gemeindeverwaltung von Le Flon.
Geographie
Bouloz liegt auf 865 m ü. M., 9 km nördlich des Bezirkshauptortes Châtel-Saint-Denis (Luftlinie). Das Dorf erstreckt sich an aussichtsreicher Lage auf dem Höhenrücken nördlich der Talniederung des Flon, östlich des oberen Broyetals, im Molassehügelland des südwestlichen Freiburger Mittellandes. Die ehemalige Gemeindefläche betrug rund 3.8 km². Das Gebiet reichte von der Talsenke des Flon nordwärts über den Höhenrücken von Bouloz mit den Waldhöhen La Râpe (888 m ü. M.) und La Tossaire (942 m ü. M.) bis in das Quellgebiet der Glâne.
Bevölkerung
Mit 270 Einwohnern (2002) zählte Bouloz vor der Fusion zu den kleinen Gemeinden des Kantons Freiburg. Seit 1950 (211 Einwohner) ist die Bevölkerungszahl deutlich angestiegen. Zu Bouloz gehören der Weiler Les Grandes-Bruyères (865 m ü. M.) auf dem Höhenrücken westlich an Bouloz anschliessend sowie mehrere Hofsiedlungen und Einzelhöfe.
Wirtschaft
Bouloz war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Noch heute haben die Milchwirtschaft, die Viehzucht und in geringerem Mass der Ackerbau einen wichtigen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf dank seiner attraktiven Lage auch zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die hauptsächlich in den Regionen Romont, Bulle und Oron arbeiten.
Verkehr
Das Dorf liegt an der Hauptstrasse von Romont nach Oron-la-Ville. Durch die Buslinie der Transports publics Fribourgeois, die von Romont via Oron-la-Ville nach Palézieux-Gare verkehrt, ist Bouloz an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.
Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1018 unter dem Namen Bedolosci. Später erschienen die Bezeichnungen Bolohc (1154), Boloz (1155), Bolooh (1179) sowie Bolos, Bolocsh, Bolosc und Bolocs im 12. Jahrhundert wie auch Bolo (1640). Die Etymologie des Ortsnamens liegt weitgehend im Dunkeln.
Zu Beginn des 11. Jahrhunderts überliess König Rudolf III. von Burgund seine Güter in Bouloz der Abtei Saint-Maurice. Ab Mitte des 12. Jahrhunderts übertrugen die Dorfherren ihren Besitz in mehreren Etappen dem neu gegründeten Kloster Haut-Crêt. Auch das Kloster Hauterive hatte Grundbesitz auf dem Gemeindegebiet.
Als Bern 1536 das Waadtland eroberte, kam Bouloz unter die Herrschaft von Freiburg und wurde der Vogtei Rue zugeordnet. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime (1798) gehörte das Dorf während der Helvetik und der darauf folgenden Zeit zum damaligen Bezirk Rue, bevor es 1848 in den Bezirk Veveyse eingegliedert wurde. Bouloz besitzt keine eigene Kirche, es gehört zur Pfarrei Porsel.
Im Rahmen der vom Kanton Freiburg seit 2000 geförderten Gemeindefusionen votierten die Stimmberechtigten von Bouloz am 10. Juni 2003 mit einer Ja-Mehrheit von 97 % für eine Fusion von ihrer Gemeinde mit Porsel und Pont (Veveyse). Mit Wirkung auf den 1. Januar 2004 entstand deshalb die Gemeinde Le Flon, die nach dem Bach Flon, der alle drei vorherigen Gemeindegebiete durchquerte, benannt wurde.
Weblinks
- [http://www.leflon.ch/ Offizielle Website der Gemeinde Le Flon]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D1045.html Artikel Bouloz] im Historischen Lexikon der Schweiz
- [http://www.swisscastles.ch/aviation/Fribourg/bouloz.html Luftaufnahmen des Dorfes]
Kategorie:Ort in der Schweiz
Kategorie:Ort im Kanton Freiburg
Siviriez
Siviriez ist eine politische Gemeinde im Distrikt Glâne des Kantons Freiburg in der Schweiz. Mit Wirkung auf den 1. Januar 2004 wurden die bisher selbstständigen Gemeinden Chavannes-les-Forts, Prez-vers-Siviriez und Villaraboud mit der Gemeinde Siviriez fusioniert.
Geographie
Siviriez liegt auf 777 m ü. M., 5.5 km südwestlich des Bezirkshauptortes Romont (Luftlinie). Das Bauerndorf erstreckt sich leicht erhöht auf einem Molasseplateau im Tälchen des Ruisseau de Jogne, westlich des Oberlaufs der Glâne, im südwestlichen Freiburger Mittelland.
Die Fläche des 20.3 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des Molasseplateaus des Freiburger Mittellandes. Das Gebiet wird von Südwesten nach Nordosten von der Glâne durchflossen, welche eine 0.3 bis 1 km breite flache Talniederung bildet. Dieses Tal wird im Westen von den Höhen Sur la Gotte (865 m ü. M.) und La Moille (834 m ü. M.) flankiert. Nach Nordwesten reicht der Gemeindeboden über das Tälchen des Ruisseau de Jogne auf das breite Hochplateau (rund 800 m ü. M.), das östlich an den Mittellauf der Broye angrenzt. Die Kulminationspunkte bilden dabei die Höhe von Le Saulgy (861 m ü. M.) und der Waldhügel Les Dailles (832 m ü. M.).
Im Osten wird das obere Glânetal vom Bois de Ban (mit 909 m ü. M. der höchste Punkt von Siviriez) und dem Fin d'Amont (852 m ü. M.) begrenzt. Der Gemeindeboden umfasst auch das östlich dieser Höhen liegende Tal des Ruisseau de Chavannes und den unteren Abschnitt des Baches Fochaux. Nach Osten erstreckt sich die Gemeindefläche über den sanft nach Norden abfallenden Hang von Villaraboud bis zur Moorfläche L'Ochère. Ganz im Süden reicht das Gebiet in die Nähe der Quelle der Glâne. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 8 % auf Siedlungen, 17 % auf Wald und Gehölze, 74 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.
Zu Siviriez gehören die Dörfer Prez-vers-Siviriez (765 m ü. M.), Chavannes-les-Forts (784 m ü. M.), Villaraboud (750 m ü. M.), Villaranon (791 m ü. M.) und Le Saulgy (841 m ü. M.), ferner die Weiler La Foule (721 m ü. M.), La Pierraz (718 m ü. M.), Les Buissons (718 m ü. M.) und Bramafan (700 m ü. M.), alle im Tal der Glâne, sowie einige Hofsiedlungen und Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Siviriez sind Billens-Hennens, Romont, Mézières, Vuisternens-devant-Romont, Le Flon, Ursy und Esmonts im Kanton Freiburg sowie Brenles im Kanton Waadt.
Bevölkerung
Mit 1899 Einwohnern (Ende 2002) gehört Siviriez zu den mittelgrossen Gemeinden des Kantons Freiburg. Von den Bewohnern sind 94.6 % französischsprachig, 2.0 % portugiesischsprachig und 1.9 % sprechen Deutsch (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Siviriez belief sich 1900 auf 1823 Einwohner (inklusive die heute eingemeindeten Ortschaften). Nach einem Höchststand um 1950 (1988 Einwohner) setzte eine starke Abwanderung ein, so dass Siviriez 1970 nur noch 1458 Einwohner zählte. Erst seit ungefähr 1980 wurde wieder ein deutliches Bevölkerungswachstum verzeichnet.
Wirtschaft
Siviriez war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts eine vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägte Gemeinde. Noch heute haben die Milchwirtschaft, die Viehzucht und der Ackerbau einen wichtigen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden. In der Gemeinde sind Betriebe der Baubranche, des Küchenbaus, mechanische Werkstätten sowie Schreinereien und Zimmereien vertreten. Im äussersten Nordosten des Gemeindegebietes befinden sich oberhalb von Drognens die Kasernen des Waffenplatzes von Romont. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf dank seiner attraktiven Lage auch zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die hauptsächlich in den Regionen Romont und Freiburg arbeiten.
Verkehr
Siviriez ist verkehrsmässig recht gut erschlossen. Es liegt an der Hauptstrasse von Romont via Ursy nach Moudon. Am 4. September 1862 wurde die Eisenbahnlinie von Lausanne nach Freiburg mit einem Bahnhof in Siviriez in Betrieb genommen. Durch die Buslinie der Transports publics Fribourgeois, die von Romont via Ursy und Oron-la-Ville nach Palézieux-Gare verkehrt, ist Siviriez ebenfalls an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.
Geschichte
Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Ortes stammen aus dem 12. Jahrhundert unter den Namen Seurei, Seuirei und Severiacus. Später erschienen die Bezeichnungen Sivrie (1228), Sivirie (1247), Syvrie (1285), Siurier (1403), Sivirier (1578) und Cheverié (1755). Der Ortsname ist vom lateinischen Personennamen Sever(i)us abgeleitet.
Seit Mitte des 13. Jahrhunderts stand Siviriez unter savoyischer Herrschaft. Dabei war Siviriez zur Herrschaft Romont orientiert, während die heutigen südlichen Gemeindeteile mit Prez-vers-Siviriez und Le Saulgy zur savoyischen Kastlanei Rue gehörten (diese Aufteilung der Gemeinde blieb bis 1848 bestehen). Als die Berner 1536 das Waadtland eroberten, kam Siviriez unter die Herrschaft von Freiburg und wurde der Vogtei Romont zugeordnet. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime (1798) gehörte das Dorf während der Helvetik und der darauf folgenden Zeit zum Bezirk Romont und wurde 1848 in den Bezirk Glâne eingegliedert.
Eine erste Vergrösserung des Gemeindegebietes von Siviriez erfolgte am 1. Januar 1978, als die vorher selbständigen Gemeinden Le Saulgy und Villaranon eingemeindet wurden. Im Rahmen der seit 2000 vom Kanton Freiburg geförderten Gemeindefusionen wurden mit Wirkung auf den 1. Januar 2004 auch die Dörfer Prez-vers-Siviriez, Chavannes-les-Forts und Villaraboud mit Siviriez zusammengelegt.
Weblinks
- [http://www.siviriez.ch Offizielle Website der Gemeinde Siviriez]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D853.html Artikel Chavannes-les-Forts] im Historischen Lexikon der Schweiz
- [http://www.swisscastles.ch/aviation/Fribourg/siviriez.html Luftaufnahmen von Siviriez]
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19. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert begann am 1. Januar 1801 und endete am 31. Dezember 1900. Es gehört zur Epoche der Neuzeit, die um die Jahrhundertwende zum 16. Jahrhundert begonnen hatte.
Neue Organisationsformen: Der Nationalstaat
Fragt man nach den Organisationsformen, danach in welchen Einheiten sich die Menschen wahrnahmen, dann dürfte dies die große Veränderung sein, die mit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eintrat: Der Nationalstaat wurde als neue politische Institution aufgebaut. Er forderte neue Themen, neue Bildungssysteme, neue wirtschaftliche Strukturen, eine neue Vorstellung seitens derer, die in ihm lebten: die Bereitschaft, sich als Bürger zu sehen und sich dementsprechend zu organisieren.
Herrschaft geht im 18. Jahrhundert noch von den Herrschaftshäusern und politischen Parteiungen aus, sowie von mächtigen Adeligen, die hinter den Parteiungen stehen. Kriege werden im 18. Jahrhundert dementsprechend wahrgenommen: Regenten wollen sie, und lassen "ihr" Geld in sie fließen. Militärische Niederlagen werden im 18. Jahrhundert nicht als nationale Demütigungen empfunden, sondern als Teil einer von Regenten gestalteten Machtpolitik. Hier entwickelt sich im 19. Jahrhundert eine ganz neue Wahrnehmung. Sie ist vor allem eine Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege, die von einem ganz neuen Heer getragen werden - einem aus Staatsbürgern zusammengesetzten. Insbesondere Deutschland hat dem französischen Nationalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts wenig entgegenzustellen. Das Heilige Römische Reich ist in Einzelstaaten zersplittert, die von Napoleon gegeneinander ausgespielt werden. Der Reichsverband wird aufgelöst. Deutschlands Intellektuelle fordern in der Reaktion auf die Bedrohung einen Nationalstaat, der erst noch gegründet werden muss, der jedoch auf diesem Weg mit einem ganz neuen Bewusstsein von Staatsbürgerlichkeit ausgestattet wird. Ende des 19. Jahrhunderts sind militärische Niederlagen dann mit enormen nationalen Gesichtsverlusten verbunden. Ein deutsches Heer zieht 1870 durch Frankreich und erzwingt in Versailles, dem traditionelle Ort der von Frankreich ausgehenden Herrschaft ein Eingeständnis der Niederlage, das als nationale Schmach empfunden werden muss (und 1918 eine internationale Gegenantwort, eine verheerende Demütigung Deutschlands nach sich zieht).
Nationale Euphorien, wie sie in der Befreiung Griechenlands von den Türken in den 1820ern und im Einigungsprozess Italiens Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommen, bleiben ohne Parallele im 18. Jahrhundert - weder die englische Glorious Revolution von 1688 noch die Französische Revolution waren von vergleichbaren nationalen Sentimenten der Vereinigung begleitet. Europas Intellektuelle wie der Romantiker Lord Byron, der bei einem militärischen Kommando in Griechenland stirbt, entwickeln eine romantische Identifikation mit den neuen nationalen Bewegungen, die vom Volk getragen werden müssen, um zu funktionieren. Authentischer als Politik des 18. Jahrhunderts, echter, den Wurzeln näher, erscheint der neue Nationalismus.
Das 19. Jahrhundert legte hier Grundsteine für Entwicklungen die im 20. neue Ausprägungen und globale Dimensionen gewinnen sollten. Der Faschismus und der Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts werden sich als national-völkischen Bewegungen manifestieren. Hochtechnisierte und hochgerüsteten Staaten werden sich hier in romantischen Rückbesinnungen auf Völkische Ursprünge definieren und Konflikte globaler Dimensionen austragen, die die Welt neu ordnen werden.
Die Nation als von ihrer Wirtschaft lebende Einheit
Entscheidende Bedeutung für die Ausbildung des Nationalstaates gewinnt im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung, die ein Ringen um wirtschaftliche Macht zwischen Europas Nationen auslöst. Im 18. Jahrhundert suchen die Regenten Europas nach Möglichkeiten, ihre Staatshaushalte zu sanieren - Staatshaushalte, die im wesentlichen ihre persönlichen familiären Haushalte sind. Geld leihen sie sich von privaten Finanziers, Steuereinnahmen erhöhen sie, soweit dies geht, im besonderen Fall ziehen sie Geld aus der kursierenden Münze. Es geht aus der Sicht der Haushalte des 17. und 18. Jahrhunderts darum, den Abfluss von Edelmetall ins Ausland verhindern. Infrastrukturmaßnahmen, wie die Ansiedlung von Manufakturen, bleiben im 18. Jahrhundert von den Regenten gesteuerte Maßnahmen. Der Kameralismus entwickelt sich als eigene Wissenschaft der wirtschaftlichen Sanierung eines Territoriums durch den Landesherrn.
Mit dem 19. Jahrhundert verändert sich die Sicht auf wirtschaftliche Entwicklungen. Großbritannien wurde als Kolonialmacht und als Land der hier früh einsetzenden Industrialisierung bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Wirtschaftsimperium. Amsterdam verlor seine Stellung als zentraler Handelsplatz. London, die Hauptstadt des Commonwealth übernahm diese Position. Die nationale Einigung Deutschlands geschieht am Ende im 19. Jahrhundert maßgeblich in einem Aufholprozess, der auf dem Gebiet des Nationalismus mit Frankreich konkurriert, wirtschaftlich und militärisch jedoch mit dem industrialisierten und hochgerüsteten Großbritannien. Ohne die Industrialisierung, wie sie England leistete, kann das aufstrebende Preußen, die Kernmacht des neuen deutschen Reichs, Großbritannien keine Flotte entgegenstellen, und ohne eine Flotte wird die neue Nation keine Chance haben, noch Kolonien zu akquirieren.
Europas Nationen müssen die Rahmenbedingungen für die Industrialisierung stellen, wollen sie einander gegenüber bestehen.
Der wirtschaftliche Konzentrationsprozess wird von neuen Debatten begleitet: Mit der Auseinandersetzung um den Liberalismus geht es im 19. Jahrhundert um die Kernfrage, ob dem Nationalstaat mehr mit einer staatlich gelenkten Wirtschaft gedient ist, oder damit, dass er seinen Bürgern und ihrer Initiative größte Freiheit lässt. Der Kommunismus gewinnt in der Auseinandersetzung zwischen deutschen Debatten und der Realität des englischen Wirtschaftssystems Mitte des 19. Jahrhunderts seine Programmatik. Er prognostiziert, dass mit der neuen wirtschaftliche Integration die Klasse der Arbeiter eigene Kontur gewinnt - eine Klasse, die am Ende das Ende der Nationalstaaten herbeiführen wird, eine Weltherrschaft der Arbeiterklasse, gestützt auf die Produktion, die letztlich von der Arbeiterklasse ausgehen muss.
Der Sozialismus strebt Kompromisse mit dem Nationalstaat an, soziale Sicherungssysteme, die Massenarmut verhindern und den Staat stabilisieren.
Europas Nationen im Wettbewerb um Kolonien
Der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts geht im wesentlichen bis in das 16. und 17. Jahrhundert zurück, er weist jedoch gänzlich neue Züge auf. Spanien und Portugal nutzten ihr Kolonien vordringlich, um Gold aus ihnen zu beziehen - das Edelmetall war von kurzem Profit, der Goldfluss führte zu einem Preisverfall, weniger jedoch zum Aufbau sich selbst erhaltender wirtschaftlicher Strukturen. Einen zweiten Entwicklungsschub leistete der niederländische Kolonialismus des 17. Jahrhunderts, der Amsterdam zum Weltfinanzort machte. Ihn prägte der Zusammenschluss Amsterdamer Kaufleute in Handelsgesellschaften, die die größere Erschließung von Wirtschaftsräumen zwischenfinanzierten. Importiert wurden aus den Kolonien Handelswaren. Der Reichtum der Niederlande resultierte aus dem Zwischenhandel und der Veredelung von Rohstoffen in Manufakturen des Landes.
Was dem niederländischen Kolonialismus fehlte, war die staatliche Deckung, die er in Großbritannien entwickelte. Die Unterwerfung des Mogul-Reichs Mitte des 18. Jahrhunderts mit britischer Militärmacht bedeutet hier am Ende eine Weichenstellung in den Kolonialismus des 19. Jahrhunderts. Private Kapitalgesellschaften bilden das Rückgrat des britischen Kolonialismus. Der Staat deckt sie durch den Aufbau der Nationalbank. In den Kolonien baut der erstarkende Staat Substrukturen seiner selbst auf: Eigene Bildungszentren, eine eigene ständige Armee als Ordnungsmacht, eigene staatliche Strukturen, aus denen im 20. Jahrhundert führende Nationen der Dritten Welt hervorgehen.
Der Wettstreit der Nationen um Kolonien wird im 19. Jahrhundert zum zentralen Thema europäischer nationaler Selbstwahrnehmung. Große Projekte wie der Bau des Sueskanals werden zu Kristallisationspunkten des neuen Bewusstseins. Die eigene, europäische Überlegenheit gegenüber dem kolonialen Raum schafft einen Rassismus, der im 18. Jahrhundert nicht bestand, und ein eigenes Feld der Kulturtheorie, in dem es um die Frage geht, unter welcher Bedingung sich Kulturnationen entwickeln.
Rohstoffe, Energiereserven und Industrie
Innerhalb der einzelnen Länder wird die Industrialisierung und die Erschließung der Kohlevorkommen zum Gegenpol des Kolonialismus. Zu verarbeitende Güter werden importiert, Energiereserven müssen im Land für ihre Verarbeitung erschlossen werden. Die Kohlevorkommen Nord und West Englands, Lothringens und des Rheinlands werden der Reihe nach wirtschaftlich nutzbar gemacht. Großbritannien muss sich Ende des 19. Jahrhunderts der wirtschaftlichen Konkurrenz des erstarkten europäischen Kontinents stellen, bevor die USA im 20. Jahrhundert mit einer eigenen Wirtschaftspolitik und Dank ihrer schieren Marktgröße Europas Nationen überholen.
Die Erfindung der Dampfmaschine geht in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Im Zusammenspiel mit der Erschließung neuer Energievorkommen und dem Rohstoffimport aus den Kolonien erlaubt sie den Aufbau des industrialisierten Europas. Europas Landkarte verändert sich im Prozess. Reich waren im 17. und 18. Jahrhundert vor allem die Herrschaftszentren. Mit der Erschließung von Rohstoffvorkommen werden Regionen, die bislang uninteressant waren, als Wirtschaftsstandorte attraktiv. Das Rheinland und der Raum um Lüttich machen hier Karrieren.
Neue Verkehrsmittel und Medien
Mit der Industrialisierung wird die Eisenbahn und die Dampfschifffahrt aufgebaut - beides Erfindungen, die nötig sind, um die flächendeckende Erschließung von Wirtschaftsräumen überhaupt zu durchzuführen. Auf dem Kontinent erlaubte die Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts den Transport von Waren, die verarbeitet werden sollen an die Orte, an denen Rohstoffvorkommen die Energiereserven stellen. Zwischen den Kohleabbaugebieten, den industrialisierten Zentren, und den bestehenden Handelsmetropolen entwickeln sich Verkehrsnetze.
Mit der Ausdehnung der wirtschaftlich nutzbaren Fläche wächst die Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Zu den neuen Verkehrsmitteln kommt ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Aufbau der modernen Telekommunikation. Das erste Transatlantikkabel wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt. Nachrichten können wenig später mit Lichtgeschwindigkeit weltweit transportiert werden - für den Wettstreit zwischen den USA und Europa, der mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt, ist das fast die entscheidende Voraussetzung.
Mit den neuen Medien nimmt die staatliche Struktur selbst neue Formen an. Herrschaft bedurfte im Mittelalter immer wieder der persönlichen Präsenz des Regenten, der im Bedarfsfall von Pfalz zu Pfalz reiste, um Herrschaftsansprüche zu vor Ort geltend zu machen. Die frühe Neuzeit erlaubte die zentrale Machtausübung, den Absolutismus als neue Herrschaftsform. Eine zentrale Steuer- und Geldpolitik und eine bis an die Landesgrenzen reichende militärische Präsenz sicherten die neue Herrschaftsform wie die neuen Medien des Informationsmarkts: der Druck machte im 17. Jahrhundert Zeitungen allerorten verfügbar. Noch breiteten sich Nachrichten jedoch mit der Geschwindigkeit des Postverkehrs aus, und dieser Informationsfluss ließ bis in das 19. Jahrhundert kaum beschleunigen.
Die Kommunikation über die Telegrafie erlaubt Mitte des 19. Jahrhunderts die Produktion von Zeitungen und Journalen, in denen weltweit am selben Tag dieselben Nachrichten verfügbar werden. Die Machtausübung zwischen Regierungszentralen und lokalen Behörden gewinnt Intensität. Das Gefühl jederzeit und an jedem Ort des Landes von den Entscheidungen der Regierung betroffen zu sein, von Entscheidungen die ihre Informationen vorort erheben, schafft ein neues Bewusstsein bei den Bürgern von der übergeordneten staatlichen, das gesamte Gebiet erfassenden Einheit.
Bürgertum und Interessenverbände
Die Beziehungen zwischen dem Einzelnen und dem Staat werden im Verlauf des 19. Jahrhunderts in den Nationalstaaten grundlegend neu organisiert. Das 18. Jahrhundert trug noch immer den Traditionen der Ständegesellschaft Rechnung. Privilegien wurden einzelnen Ständen garantiert. In den Städten wurden Berufsgruppen mit Privilegien ausgestattet. Wirtschaftlichem Wachstum waren im 18. Jahrhundert ganz handfeste Grenzen gesetzt: Die meisten Städte Europas waren im 18. Jahrhundert ummauert. Manufakturen mussten vor den Stadtmauern ohne den Schutz errichtet werden, den die Stadt gewährte. In der Stadt wiederum wurden die einzelnen Handelsbefugnisse vom Rat der Stadt verwaltet und nicht vermehrt. Wer im 18. Jahrhundert in einer Stadt ein neues Geschäft aufmachen wollte, musste in eine Familie mit der Gewerbebefugnis seiner Wahl einheiraten oder eine verwaiste Gewerbebefugnis erwerben.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schleifen die größeren Städte Europas ihre Befestigungsanlagen. Wo die Mauern standen, entstehen Ringstraßen. Wirtschaftliche Ansiedlungen und Villenviertel greifen an den neuen Sternstraßen aus, die die Städte des 19. Jahrhunderts anlegen. Die Voraussetzung dieser Entwicklung war der militärtechnischer Fortschritt: Als sich Städte nicht mehr verteidigen ließen, wurden ihre großen Befestigungsanlagen unnütz, neue Armeen mussten die Landessicherung vornehmen. Mit dem 19. Jahrhundert entwickeln sich die Großstädte Europas zu Wirtschaftszentren.
Zutrittsbedingungen zu den Berufen werden liberalisiert. Neuansiedlungen von Unternehmen werden gefördert. Ein neues Verständnis staatsbürgerlicher Initiative und privaten Unternehmertums ist die Folge. Das Bürgertum, das zur treibenden initiativen Kraft wird, benötigt und schafft neue Organisationsformen. Berufsverbände und ein komplexes Geflecht an Gesellschaften und Interessengruppen, die das wirtschaftliche Leben bestimmen und den kulturellen Austausch prägen.
Nation und Bildung
Eines der wichtigsten Probleme, das die Französische Revolution Europas Nationen hinterließ war das der stabilen sozialen Ordnung. Eigene Ideologien nehmen sich im 19. Jahrhundert der zentralen Frage der sozialen Mobilität und ihrer konfliktfreien Gewährleistung an - der Positivismus, der anfänglich der französische Revolution nahe steht und dann mit dem Liberalismus einhergeht, begründet die Soziologie als Wissenschaft des geregelten und für die Menschheit fruchtbaren Zusammenlebens. Der Sozialismus und der Kommunismus knüpfen weiterreichende politische Forderungen an die Entwicklung der Staaten.
Eine ganz andere Lösung des Problems sozialer Mobilität richtet sich mit den Bildungssystemen ein. Die Nationen Europas garantieren ihren Bürgern - unabhängig von Schicht und Konfession - gleiche Aufstiegschancen. Statt der Revolution einer Klasse, kann das Individuum versuchen, in privater Initiative sich empor zu arbeiten.
Die Chancen dazu muss das Bildungssystem liefern, das allen offen steht. Die Schulpflicht wird eingeführt. Zu sozialer Unruhe führt das neue System dabei gerade nicht: Jeder einzelne kann theoretisch aufsteigen, wenn er den entsprechenden Bildungsweg nimmt. Praktisch haben die finanzstarken Schichten des Bürgertums und des Adels nicht wettzumachende Vorteile, ihren Kindern in den nationalstaatlich organisierten Bildungssytemen die optimalen Startbedingungen zu geben. Arbeiterkinder werden frühzeitig aus der Schulbildung genommen, um für den Familienunterhalt zu sorgen.
Mindestens so wichtig für die soziale Stabilisierung werden die nationalen Diskussionsthemen, die in den Schulunterricht eingeführt werden. Sie sorgen für ein tiefergehendes Klassenbewusstsein. Über Kunst, Literatur und Musik spricht man in den oberen Schichten - gebildet. In den unteren Schichten bietet eine populäre Kultur eigene Diskursgegenstände an mit dem Ergebnis, dass eine Vermischung der Schichten für alle Beteiligten unattraktiv wird. Man teilt die Themen nicht, die in den verschiedenen Schichten interessant sind, sobald man Schichten wechselt.
Kulturnationen und Säkularisation
Die Schulbildung und alle nationalen Debatten blieben im 18. Jahrhundert mit religiösen Themen ausgestattet. Die Religionen stellten entscheidend die Öffentlichkeit her, innerhalb derer Diskussionen stattfinden konnten. Europas Landkarte war nicht nur territorial zersplittert, sie war zudem nach den drei Konfessionen geteilt, ohne das dabei ein einheitliches Muster zustande kam. Die Konflikte zwischen den Nationen deckten sich nicht mit der konfessionellen Landkarte. Konflikte einzelner Nationen mit Interessengruppen, die konfessionell gebunden waren, führten in der Regel darum immer sofort auch Konflikte zwischen den Nationen herbei, die sich für die benachteiligten religiösen Gruppen verantwortlicher fühlten.
Anfang des 19. Jahrhunderts erfasst eine Säkularisations-Welle Kontinentaleuropa. Die Kirche wird dem Staat untergeordnet. Einzelne Territorien wie Bayern und Württemberg überwinden ihre Zersplitterung in kleine isolierten regionale Gebiete durch spektakuläre Aneignungen kirchlichen Besitzes. Eine Verlagerung gesellschaftlicher Debatten muss die Säkularisation absichern. Die Nation muss die Diskussionen dominieren, will sie die Macht der Kirchen zurückdrängen. Sie tut dies indem sie gerade den Schutz der | | |