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Gladio

Gladio

Gladio (vom lateinischen gladius für Schwert) oder auch Stay-Behind-Organisation war der Name einer Geheimorganisation von NATO, CIA und des britischen MI6 während des Kalten Krieges. Besonders in Italien, aber auch in fast allen anderen westeuropäischen Ländern wurden Agenten ausgebildet, die im Falle einer Besetzung des jeweiligen Landes durch Truppen des Warschauer Vertrags Guerillaoperationen und Sabotage durchführen sollten (sogenannte „stay-behind“-Operationen). Zu diesem Zweck wurden europaweit geheime, illegale Waffendepots angelegt. Die Mitglieder von Gladio wurden unter anderem aus militärischen Spezialeinheiten, Geheimdienstkreisen und Rechtsextremisten rekrutiert, letztere teilweise mit bekanntem kriminellem, in der BRD auch nationalsozialistischem Hintergrund. Die Existenz der Untergrund-Armeen wurde vor der Bevölkerung und den Parlamenten geheim gehalten und war in den einzelnen Ländern jeweils nur einem kleinen Kreis von Regierungsmitgliedern bekannt. In den einzelnen Ländern wurde die Anwerbung und Führung der Agenten meist von Unterabteilungen der jeweiligen nationalen Geheimdienste übernommen, in der BRD von einer eigenen Dienststelle des Bundesnachrichtendiensts. Die militärische Befehlsgewalt hatte die geheime Kommandostelle Allied Clandestine Committee der NATO in Brüssel. Der Aufbau von Gladio begann in den 50er Jahren, die Einheiten wurden vermutlich nach Bekanntwerden der Operation und dem Zerfall der Sowjetunion 1990 aufgelöst, mangels präziser offizieller Stellungnahmen gilt dies aber nicht als gesichert. Terror als politisches Instrument 1990 deckte der italienische Untersuchungsrichter Felice Casson nach Recherchen in den Archiven des Militärgeheimdienstes SISMI die Existenz von Gladio auf. Er konnte beweisen, dass Mitglieder des italienischen Gladio-Zweiges von den 60ern bis in die 80er Jahre zahlreiche politisch motivierte Terroranschläge und Morde in Italien begangen hatten. Dabei hatte ein Netzwerk geheimdienstlicher Stellen durch Verbreitung von Falschinformationen und Fälschung von Beweisen dafür gesorgt, dass die Verbrechen linksextremen Terroristen zugeordnet wurden, vor allem den Roten Brigaden und . Die Vorgehensweise zielte auf die Diskreditierung der in Italien traditionell starken Kommunistischen Partei (KPI) und wurde als Strategie der Spannung bekannt. Eine bis heute nicht vollständig aufgeklärte Rolle spielte dabei auch die Geheimloge Propaganda Due unter Licio Gelli. Der italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti gab unter dem Druck der nachfolgenden parlamentarischen Untersuchung an, dass Gladio auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern existierte, was einen europaweiten politischen Skandal auslöste. Dies führte zu parlamentarischen Anfragen in mehreren Ländern. In Italien, Belgien und der Schweiz kam es zu Untersuchungskommissionen. Das Europaparlament drückte nach einer Debatte am 22. November 1990 seinen scharfen Protest gegenüber der NATO und den beteiligten Geheimdiensten aus. Es stellte fest, dass „diese Organisation (das Gladio-Netzwerk) über 40 Jahre hinweg außerhalb jeder parlamentarischen Kontrolle verdeckte geheimdienstliche und bewaffnete Operationen in mehreren Mitgliedsländern der EU betrieben“ hatte, dass „die Militärgeheimdienste bestimmter Länder erwiesenermaßen in gravierende Terrorakte und kriminelle Aktivitäten verwickelt waren“ und dass die Urheber über Gladio illegalen Einfluss auf die inneren Angelegenheiten zahlreicher EU-Staaten genommen hätten .

Unabhängige Untersuchung

Die bisher einzige länderübergreifende, unabhängige Untersuchung zu Gladio war ein Forschungsprojekt an der ETH Zürich (siehe Weblinks). Der Historiker Dr. Daniele Ganser schrieb über die Ergebnisse : „Die Stay-behind-Armeen waren dem Volk, dem Parlament und den meisten Regierungsmitgliedern unbekannt und bildeten in ganz Westeuropa ein unsichtbares, koordiniertes, geheimes Sicherheitsnetz. In einigen Ländern, aber nicht in allen, mutierten die Sicherheitsnetze jedoch auch zu Terrorzellen. (...) Washington, London und der italienische militärische Geheimdienst befürchteten, dass der Einzug der Kommunisten in die (italienische) Regierung die Nato von innen heraus schwächen könnte. Um dies zu verhindern, wurde das Volk manipuliert: Rechtsextreme Terroristen führten Anschläge aus, diese wurden durch gefälschte Spuren dem politischen Gegner angelastet, worauf das Volk selber nach mehr Polizei, weniger Freiheitsrechten und mehr Überwachung durch die Nachrichtendienste verlangte.“ Auf der Webseite des Forschungsprojekts sind eine Vielzahl von Dokumenten im Original einsehbar, darunter die Berichte der Untersuchungskommission (siehe Weblinks). Die Forschungsergebnisse flossen in das Buch „NATO's Secret Armies: Operation Gladio and Terrorism in Western Europe“ ein , das als einzige umfassende schriftliche Dokumentation zu Gladio gelten kann (2005). Eine Kurzversion der Ergebnisse findet sich in dem Artikel „Nato-Geheimarmeen und ihr Terror“ der Schweizer Tageszeitung „Der Bund“ , eine ausführlichere Darstellung liefert der 28-seitige Artikel „Terrorism in Western Europe: An Approach to NATO’s Secret Stay-Behind Armies aus der Zeitschrift „The Whitehead Journal of Diplomacy and International Relations“ . Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse im Jahr 2004 war Anlass für zahlreiche Presseartikel (siehe Weblinks), unter anderem in der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) und in „Der Spiegel“.

Italien: Terror gegen die Zivilbevölkerung

In Italien war der Einsatz von Gladio auch für den möglichen Fall einer demokratischen Regierungsübernahme durch die Kommunistische Partei Italiens gedacht, die zeitweilig die stärkste Partei im italienischen Parlament war. Mitglieder von Gladio waren in in den 70er und 80er Jahren Urheber zahlreicher Terroranschläge in Italien, die von offizieller Seite durch Fälschung von Beweismitteln linksradikalen Terrorgruppen zugeordnet wurden, vor allem den Roten Brigaden. Durch die Empörung der Öffentlichkeit über die Anschläge sollte die in Italien traditionell starke Kommunistische Partei geschwächt werden. Dies stellte den Höhepunkt einer bereits in den 1950er Jahren mit der verdeckten Operation Demagnetize der CIA begonnenen Strategie dar. In diesem Zusammenhang ist auch die in Gerichtsverfahren festgestellte Verbindung zu der Geheimloge Propaganda Due (P2) relevant. Das wegen Mordes verurteilte Gladio- und Ordine Nuovo-Mitglied Vincenzo Vinciguerra prägte für die gemeinsame Strategie hinter den Verbrechen den Begriff Strategie der Spannung (siehe Zitate). Einer der schlimmsten Terroranschläge war der Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof von Bologna mit 85 Toten und 200 Verletzten im Jahr 1980. Die rechtsextremistischen Gladio- und Nuclei Armati Rivoluzionari-Mitglieder Giusva Fioravanti und Francesca Mambro wurden 1995 für diese Tat vor Gericht gestellt und verurteilt . Die Roten Brigaden waren laut einer Untersuchung des italienischen Parlaments ihrerseits von Gladio-Mitgliedern unterwandert, unter anderem in Person des Fallschirmjägers Francesco Marra. Es gibt in diesem Zusammenhang Hinweise auf eine Beteiligung von Gladio-Mitgliedern an der Entführung und Ermordung des italienischen Spitzenpolitikers Aldo Moro, siehe dazu ebenfalls Rote Brigaden.

Gladio in Deutschland

Eine Verstrickung von Gladio-Mitgliedern in den Bombenanschlag auf das Münchener Oktoberfest 1980 ist nicht bewiesen, wird aber nach neueren Forschungsergebnissen durch die damaligen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nahegelegt . Heinz Lembke, während der Ermittlungen verstorbener Hauptzeuge für diesen Zusammenhang, war Eigentümer von 33 illegalen Waffen- und Sprengstoffdepots, deren Entdeckung 1980 ein breites Medienecho fand: Sie enthielten unter anderem automatische Waffen, 14.000 Schuss Munition, 50 Panzerfäuste, 156 kg Sprengstoff und 258 Handgranaten. Mitglieder der tatverdächtigen rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann hatten ausgesagt, dass Lembke sie mit Waffen und Sprengstoff versorgt habe. Lembke wurde am 1. November 1981, einen Tag vor seiner geplanten Vernehmung durch einen Staatsanwalt zum Oktoberfest-Attentat, erhängt in seiner Einzel-Gefängniszelle aufgefunden . Er hatte zuvor angekündigt, umfangreiche Erklärungen über seine Hintermänner abzugeben. Die Ermittlungen in dieser Richtung verliefen nach seinem Tod im Sand. Bis heute gilt somit offiziell die These von der Einzeltäterschaft des bei der Explosion der Bombe getöteten Gundolf Köhler. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Rechtsauschusses Herta Däubler-Gmelin stellte 1981 eine parlamentarische Anfrage über die Zusammenhänge zwischen dem Fall Lembke und dem Oktoberfest-Attentat. Die Antwort von Andreas von Schoeler, damals Staatssekretär im Bundesinnenministerium, war: „Es besteht keine Verbindung“ . Der ehemalige BND-Mitarbeiter Norbert Juretzko beschreibt in seinem 2004 erschienenen Buch „Bedingt dienstbereit“ detailliert seine Arbeit beim Aufbau und Erhalt des deutschen „Stay-Behind“ Netzwerks.

Offizielle Darstellung und Untersuchungen

Der Bevölkerung wurde Gladio erstmals bekannt, als der damalige italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti am 3. August 1990 im Rahmen einer Parlamentsanfrage öffentlich die Existenz auch einer „Operation Gladio“ des militärischen Geheimdienstes SISMI bestätigte. Im Oktober des selben Jahres gab er unter dem Druck der an die Öffentlichkeit gekommenen Briefe des von den Roten Brigaden entführten und ermordeten Politikers Aldo Moro zu, dass die Operation Gladio, entgegen seiner ursprünglichen Aussagen, noch bis in die späten 70er Jahre lief und dass die NATO maßgeblich an der illegalen Operation beteiligt war . Es folgte eine Reihe von Dementis der Regierungen anderer europäischer Länder. In der Schweiz, Belgien und Italien fanden Anfang der 90er Jahre parlamentarische Untersuchungen zu Gladio statt. Deutschland - In Deutschland zeigte die SPD anfänglich reges Interesse an einer Aufklärung. Dieses ebbte rasch ab, als klar wurde, dass bei einer gründlichen Aufarbeitung der Affäre auch ehemalige SPD-Regierungsmitglieder unter Druck geraten wären. Daher stellten nur die Grünen eine parlamentarische Anfrage. Die Bundesregierung antwortete sinngemäß mehrdeutig, dass ihr keinerlei Kenntnisse über aktuelle Aktivitäten von Gladio in Deutschland vorlägen bzw. dass diese spätestens 1972 eingestellt worden seien. Schweiz - Der Schweizer Oberstleutnant Herbert Alboth, Mitglied der Geheimarmee, kündigte 1990 vor einer parlamentarischen Untersuchungskommission an, dass er alle seine Unterlagen und Informationen über die P-26 (die Schweizer Gladio-Gruppe) übergeben wolle. Kurz vor seiner Aussage wurde er ermordet in seiner Berner Wohnung gefunden, erstochen mit seinem eigenen Armee-Bajonett . Der offizielle Schweizer Untersuchungsbericht über die P-26 („Cornu-Bericht“) wurde nur in gekürzter Fassung veröffentlicht. Die komplette Version ist bis heute geheim, weil die Veröffentlichung „die guten Beziehungen der Schweiz zu anderen Staaten gefährden würde“. Es ist bis heute nicht bekannt, ob Gladio nach dem Ende des Kalten Kriegs vollständig eingestellt wurde und was mit der gelagerten Ausrüstung passiert ist.

Zitate

Man musste Zivilisten angreifen, Männer, Frauen, Kinder, unschuldige Menschen, unbekannte Menschen, die weit weg vom politischen Spiel waren. Der Grund dafür war einfach. Die Anschläge sollten das italienische Volk dazu bringen, den Staat um grössere Sicherheit zu bitten. Diese politische Logik liegt all den Massakern und Terroranschlägen zu Grunde, welche ohne richterliches Urteil bleiben, weil der Staat sich ja nicht selber verurteilen kann. Vincenzo Vinciguerra, 1990 wegen Mordes an drei Carabinieri verurteilter Rechtsextremist und Gladio-Mitglied Lange habe ich darum gekämpft, um endlich zu erfahren, wer oder welche (Attentäter) es wirklich waren. Ich musste jedoch lernen, dass man mir darauf nie eine ehrliche Antwort geben wird. (...) Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich nur Ärger einhandelt, wenn man insistiert. Ignaz Platzer, Vater von zwei kleinen Kindern, die zusammen mit elf weiteren Menschen beim Bombenattentat auf das Münchener Oktoberfest 1980 starben. Quelle: Süddeutsche Zeitung, München, 27.9.1996, S. 39 Ich bin ins Gefängnis gegangen, weil ich die Existenz dieser supergeheimen Organisation nicht enthüllen wollte. Und jetzt kommt Andreotti und erzählt es dem Parlament! General Vito Miceli, ehemaliger Chef des italienischen Militärgeheimdienstes SID und NATO-Funktionär, nachdem der italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti öffentlich die Existenz von Gladio bestätigt hatte. Quelle: Italienisches Magazin „Europeo“, 16. November 1990, zitiert aus Terror eignet sich mehr als irgendeine andere militärische Strategie dazu, die Bevölkerung zu manipulieren. Dr. Daniele Ganser, Historiker und Gladio-Forscher (Quelle: Der Europäer, Jg. 9 / Nr. 6 / April 2005)

Literatur


- [1] Daniele Ganser: [http://www.isn.ethz.ch/php/documents/collection_gladio/newspapers/bund_20_12_2004.pdf Nato-Geheimarmeen und ihr Terror.] In: „Der Bund“, Bern, 20.12.2004, S. 2
- [2] Daniele Ganser: Nato's Secret Armies: Operation Gladio and Terrorism in Western Europe. Frank Cass, London 2005, ISBN 0714685003
- [3] Daniele Ganser: [http://www.isn.ethz.ch/php/documents/collection_gladio/Terrorism_Western_Europe.pdf Terrorism in Western Europe: An Approach to NATO’s Secret Stay-Behind Armies.] In: [http://diplomacy.shu.edu/journal/new/ The Whitehead Journal of Diplomacy and International Relations], South Orange NJ, 2005, Vol. 6, 1, S. 69. Sehr lesenswerter Artikel (28 Seiten, PDF) , basierend auf den Ergebnissen des Forschungsprojekts an der ETH Zürich
- [4] Daniele Ganser: [http://www.psa.ac.uk/2005/pps/Ganser.pdf The Secret Side of International Relations: An approach to NATO’s stay-behind armies in Western Europe.] Konferenzbeitrag, 55th Political Studies Association Annual Conference, University of Leeds, 4.-7. April 2005
- Karl Hoffmann: [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/402451/ Vor 25 Jahren: Bomben-Anschlag im Bahnhof von Bologna. Italien und der Terror von rechts.] In: Deutschlandfunk, 2.8.2005
- Norbert Juretzko, mit Wilhelm Dietl: Bedingt dienstbereit. Im Herzen des BND – die Abrechnung eines Aussteigers., Ullstein, 2004, ISBN 3550076053 ... beschreibt unter anderem „Gladio“ und die „stay-behind Einheiten“ aus Sicht eines BND-Mitarbeiters während der 1980er und 1990er Jahre
- Johannes Lieberer: [http://www.isn.ethz.ch/php/documents/collection_gladio/newspapers/AZM_vom_2005-05-17_Seite_03.pdf Wiesn-Attentat: Geheimarmee unter Verdacht.] Abendzeitung, München, 17.5.2005, S. 3. Artikel über das Oktoberfest-Attentat 1980.
- Nikolaus Ramseyer: [http://www.isn.ethz.ch/php/documents/collection_gladio/newspapers/baz_16_12_2004.pdf Schweizer Geheimtrupp passte zum Gladio-Konzept der USA. Die 1990 enttarnte Geheimarmee P-26 war via Grossbritannien indirekt in die Gladio-Planung der USA und der Nato eingebunden]. In: Basler Zeitung, Basel, 16.12.2004, S.4 unten
- Leo A. Müller, Werner Raith (Hrsg.): Gladio, das Erbe des Kalten Krieges. Der NATO-Geheimbund und seine deutschen Vorläufer. Rowohlt, Reinbek 1991, ISBN 3499129930

Weblinks


- [http://www.isn.ethz.ch/php/collections/coll_gladio.htm Forschungsprojekt zu Gladio] mit umfangreicher, online einsehbarer [http://www.isn.ethz.ch/php/collections/coll_gladio.htm#Documents Dokumentensammlung] von [http://www.css.ethz.ch/research/research_projects/people/dganser Dr. Daniele Ganser], Historiker an der [http://www.ethz.ch/ ETH Zürich]
- [http://www.isn.ethz.ch/php/documents/collection_gladio/newspapers/baz_16_12_2004.pdf Interview (Basler Zeitung)] und [http://www.muslim-markt.de/interview/2005/ganser.htm Interview (www.muslim-markt.de)] mit Dr. Daniele Ganser über die Ergebnisse des [http://www.isn.ethz.ch/php/collections/coll_gladio.htm Gladio-Forschungsprojekts] an der [http://www.ethz.ch/ ETH Zürich]
- [http://www.wiese-mau.de/geheimdienste/gladio.htm guter Hintergrundartikel] von www.quibono.net
- Zahlreiche [http://www.isn.ethz.ch/php/news/media_desk.htm#Gladio Presseartikel zu Gladio], unter anderem aus „Der Spiegel“ und der „Neuen Zürcher Zeitung (NZZ)“
- [http://zoom.mediaweb.at/zoom_4596/italien.html Ein Überblick über die italienischen Wurzeln von Gladio]
- [http://zoom.mediaweb.at/zoom_4596/gladio.html Gladio oder die Rache Moros] Ein Überblick über die Versuche der Aufarbeitung von Gladio in verschiedenen Ländern Kategorie:nachrichtendienstlicher Begriff Kategorie:Politik Kategorie:Politik (Italien) Kategorie:Rechtsextreme Organisation oder Vereinigung

Lateinische Sprache

Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum. Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.

Entwicklung

romanischen Sprachen Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein. Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen. Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa. In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.

Antike

Antike Schreibweise

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen. Vergleiche folgendes Beispiel: Alte Schreibweise: AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES Heutige Schreibweise: Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo, sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat. poena metusque aberant nec verba minantia fixo aere legebantur, nec supplex turba timebat iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti. nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem, montibus in liquidas pinus descenderat undas, nullaque mortales praeter sua litora norant. nondum praecipites cingebant oppida fossae, non tuba directi, non aeris cornua flexi, non galeae, non ensis erant: sine militis usu mollia securae peragebant otia gentes. Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter) Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.

Antike Aussprache

Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.

Literatur

Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.

Gegenwart

Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte. Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften. Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare
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„gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden. Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher. Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.

Modernes Latein

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr. Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry. Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen. Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.

Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.

Latein in der katholischen Kirche

Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken). Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Siehe auch: Lateinische Kirche

Referenzlisten


- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter

Siehe auch


- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus

Weblinks


- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de] Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein ja:ラテン語 ko:라틴어 simple:Latin language th:ภาษาละติน zh-min-nan:Latin-gí

CIA

Kategorie:Wikipedia:Qualitätssicherung Die Diskussion über diesen Antrag findet auf der Qualitätssicherungsseite statt.
Hier der konkrete Grund, warum dieser Artikel auf den QS-Seiten eingetragen wurde: Der Artikel wurde wegen des Neutralität-Bausteins auf die QS-Seiten gestellt. Diskussionen über den Überarbeitungsstand des Artikels sollten auf der entsprechenden QS-Seite zwecks gemeinschaftlicher Überarbeitung geführt werden. Gruß -- Steffen85 01:00, 27. Nov 2005 (CET) ---- Steffen85 Die Central Intelligence Agency (CIA) (oft auch nur Agency oder Langley genannt) ist einer der Geheimdienste der Vereinigten Staaten von Amerika. Aufgabe ist nicht nur die Ausspionierung, Beschaffung und Analyse von Informationen über ausländische Regierungen, Vereinigungen und Personen, um sie den verschiedenen Zweigen der amerikanischen Regierung sowie "befreundeter" Staaten bzw. Dienste, zur Verfügung zu stellen, sondern auch die Durchführung von verdeckten Operationen ("Covert Operations") im Ausland. Nicht selten kolportiert die Agency Desinformationen, um die Öffentliche Meinung und die Repräsentanten der USA sowie die internationale Politik zu beeinflussen. Im Gegensatz zur NSA beschäftigt sich die CIA wenig mit Signal Intelligence (Informationsgewinnung aus Funksignalen), also technischer Aufklärung, sondern eher mit dem Kontakt zu menschlichen Quellen Human Intelligence. Ihr grösstes "Gegenüber" ist der ehemalige KGB, der heute als russischer Geheimdienst FSB (Federalnaja Sluschba Besopasnosti Rossijskoi Federazii; deutsch: Föderaler Sicherheitsdienst) vor allem im Bereich Wirtschaftsspionage tätig wird. Die der NSA entsprechende Komponente im Bereich Elektronischer Aufklärung findet sich bei der russischen GRU, die von der Sowjetunion mitübernommen wurde. Der Geheimdienst untersteht direkt dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Kontrolliert wird die Behörde zudem von je einem Geheimdienstausschuss des Senates und des Repräsentantenhauses, anders als andere Behörden braucht die CIA ihren Haushalt nicht zu veröffentlichen. Kritiker sehen dies im Widerspruch zur amerikanischen Verfassung. Ihren Hauptsitz hat die CIA in Langley, Virginia, bei .

Geschichte

Die Behörde wurde am 18. September 1947 durch Erlass von Präsident Harry S. Truman gegründet. Vorläufer der CIA war im Zweiten Weltkrieg das Büro für Strategische Dienste (OSS – Office of Strategic Services), aus dem dann von 1945 bis 1947 die CIG (Central Intelligence Group) im US-Außenministerium hervorging. Man erkannte jedoch schnell, dass mit dem beginnenden Kalten Krieg ein Rumpf-Spionageapparat für die Weltmacht USA nicht ausreichte. Erster CIA-Direktor war Admiral Roscoe Hillenkoetter; vor ihm war der Luftwaffengeneral Hoyt S. Vandenberg Direktor der CIG. Auf Hillenkoetter folgte 1953 bis 1961 Allen Welsh Dulles, der im Zweiten Weltkrieg im schweizerischen Bern Mitarbeiter des Office of Strategic Services unter „Wild Bill“ Donovan war. Dulles war damit neben George J. Tenet am längsten an der Spitze der US-Auslandsspionage. 1988 wird George H. W. Bush (Senior) als erster ehemaliger CIA-Chef Präsident der Vereinigten Staaten. Seit dem 11. Juli 1997 war George J. Tenet Direktor der CIA. Er trat am 3. Juni 2004, nach Kritik an der Arbeit des Dienstes im Zusammenhang mit dem Dritten Golfkrieg, aus persönlichen Gründen zurück. Bis zur Ernennung eines neuen Direktors übernahm sein bisheriger Stellvertreter, John McLaughlin, die Leitung der CIA. Seit 24. September 2004 ist Porter Johnston Goss amtierender CIA-Chef. Bis April 2005 war der Direktor der CIA jeweils auch als Director of Central Intelligence für die Beratung des US-Präsidenten in Geheimdienstfragen zuständig. Im Zuge der Reform des US-amerikanischen Geheimdienstsystems nach den Terroranschlägen vom 11. September wurde diese Funktion auf den Director of National Intelligence übertragen, der gleichzeitig für die Koordinierung der Arbeit der CIA mit der anderer US-Geheimdienste zuständig ist.

Operationen und Programme der CIA

Im Gegensatz beispielsweise zum deutschen Bundesnachrichtendienst, ist es der CIA gestattet, im Ausland durch verdeckte Operationen politische Einflussnahme zu betreiben. Zu den Ländern, deren demokratisch gewählte Regierungen mit Hilfe der CIA gestürzt wurden, gehören der Iran (1953), Guatemala (1954), Brasilien (1964) und Chile (1973). Die Behörde ist außerdem verantwortlich für viele Versuche, ausländische Regierungen zu beeinflussen, wie beispielsweise die Finanzierung der fehlgeschlagenen Invasion in Kuba durch die Landung von Exilkubanern in der Schweinebucht im Jahr 1961. Wie bei einigen anderen Geheimdiensten, ranken sich auch um den CIA viele Verschwörungstheorien. In technischer Sicht waren die Programme mit Spionageflugzeugen, wie z. B. U-2 und SR-71 sehr erfolgreich.

Einige bekannt gewordene Operationen der CIA


- Operation Ajax - Sturz des iranischen Premierministers Mossadegh 1953, Einsetzung des Schahs Mohammad Reza Pahlavi
- Operation PBSUCCESS - Sturz von Jacobo Arbenz Guzmán, Präsident von Guatemala 1954
- Jennifer-Projekt - Bergung eines 1968 vor Hawaii gesunkenen sowjetischen U-Boots aus 5.000 m Tiefe
- MKULTRA - Forschungsprogramm zur Bewusstseinskontrolle von 1953 bis in die 1970er Jahre
- Demagnetize - Eindämmung des Kommunismus in Italien und Frankreich ab den 1950er Jahren
- Ausschaltung Che Guevaras in Bolivien 1967
- Invasion in der Schweinebucht - Militärischer Angriff von Exilkubanern auf Kuba 1961, um die Revolutionsregierung Castros zu stürzen
- Operation IAFEATURE - Unterstützung der UNITA und der Intervention Südafrikas im angolanischen Bürgerkrieg, die zum Eingreifen Kubas 1975 führte
- Tonkin-Zwischenfall
- Air America - größte Fluggesellschaft Südostasiens während des Vietnamkriegs, von der CIA kontrolliert und intensiv für Geheimoperationen eingesetzt
- Phoenix-Programm - Großangelegter Versuch, ab Mitte der 1960er Jahre Agenten des Vietcong in Südvietnam unschädlich zu machen, bei dem ohne signifikante Erfolge mindestens 20.000 Zivilisten getötet wurden (CIA-Statistik) - gilt offiziell als einer der drastischsten Fehlschläge der CIA
- Operation CHAOS - Bespitzelung von rund 7.000 Personen und 1.000 Vietnamkriegs-kritischen Organisationen in den USA, aufgedeckt von Seymour Hersh
- Operation Condor war eine multinationale Operation rechtsgerichteter Militärdiktaturen in Südamerika zur gemeinsamen Verfolgung und Ermordung von politischen Gegnern, die von der CIA technisch und logistisch sowie durch Schulungen unterstützt wurde
- Contra-Krieg - Aufbau und Unterstützung der Contra-Guerillas im Krieg gegen Nicaragua von 1981 bis 1990
- Gladio - Aufbau und Unterhalt von Geheimarmeen in Westeuropa von den 1950ern bis in die späten 1980er Jahre, die u. a. in zahlreiche Terroranschläge in Italien sowie in den griechischen Militärputsch von 1967 verwickelt waren
- Waffenlieferungen an afghanische Mujaheddin ab 1980
- Operation Rosewood - Nach der deutschen Wiedervereinigung gelang es der CIA, einen Großteil der Klarnamen der DDR-Agenten im Ausland abzugreifen.

Kontroversen

Die Aktivitäten der CIA haben zu politischen Kontroversen in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern geführt. Grund hierfür ist zum einen die erwiesene Wirtschaftsspionage auch in befreundeten Ländern, zum anderen die Unterstützung von Diktatoren, wie beispielsweise Manuel Noriega in Panama oder Somoza in Nicaragua, wo – so CIA-Kritiker – „geopolitische Interessen der Vereinigten Staaten über die Interessen demokratisch gewählter Regierungen gestellt werden“. Außerdem sahen viele Kritiker die Aufgabe der Agency nicht zuletzt darin, Desinformationen im Heimatland zu verbreiten (oder verbreiten zu lassen), bspw. was die militärisch-nukleare Gefahr des Ostblocks anging, um durch eine überzeichnete Bedrohung den US-Militärhaushalt und das Budget der (zivilen) Agency auf einem möglichst hohen Niveau zu belassen. Dagegen erwies sich die CIA als unfähig, den Zusammenbruch der Sowjetunion vorherzusagen. Ein weiterer Kritikpunkt sind wiederholt nachgewiesene Verstöße gegen die Menschenrechte, die durch Verträge geregelt werden, die auch von den USA ratifiziert wurden. Da die CIA offiziell keine Folter anwenden darf, ist es Usus, Gefangene ins befreundete Ausland zu fliegen ("Outsourcing"), wo sie von „Spezialisten“ dieser Länder in Offshore-Verhörcamps vernehmungstechnisch u. a. mit neuesten Methodiken unter "lagerärztlicher Betreuung" "behandelt" werden. Zudem betreibt die CIA eigenverantwortlich Geheime Gefängnisse im Ausland. "Kollateralschäden" an Verhöropfern gibt es offiziell gar keine. Im November 2005 wurde bekannt, dass die CIA die Frankfurter Rhein-Main Air Base für geheime Gefangenentransporte benutzt haben soll.

CIA World Factbook

Eine der CIA-Publikationen, das CIA World Factbook, unterliegt nicht den Geheimhaltungsvorschriften und ist ohne Copyright-Beschränkungen frei verwendbar. Das "Factbook" mit selektierten, gefilterten Daten bildet die Grundlage der meisten Ländereinträge in der englischsprachigen Wikipedia.

Literatur


- Philip Agee: CIA intern. Europäische Verlagsanstalt, 1981, ISBN 3-434-25116-2
- William Blum: [http://www.thirdworldtraveler.com/Blum/KillingHope_page.html Killing Hope. U.S. Military and CIA Interventions Since World War II.]. Common Courage Press, 2003, ISBN 1567512534
- Andreas von Bülow: Die CIA und der 11. September. Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste. Piper Verlag, München 2003, ISBN 3492045456
- Ronald Kessler: Inside The CIA. Pocket Books, New York/USA 1992, ISBN 0-671-73458-X
- Roewer, Schäfer, Uhl: Lexikon der Geheimdienste im 20. Jahrhundert. Herbig, München 2003, ISBN 3776623179
- John Tower u. a.: The Tower Commission Report. Bantam Books, New York/USA 1987, ISBN 0-553-26968-2
- Frances Stonor Saunders (2001), The Cultural Cold War: The CIA and the World of Arts and Letters, New Press, ISBN 1565846648.
- H. Bradford Westerfield (Hrsg.): Inside CIA's Private World. Yale University Press, New Haven/USA 1995, ISBN 0-300-07264-3
- Bob Woodward: Veil. Pocket Books, New York/USA 1988, ISBN 0-671-66159-0

Siehe auch


- Affäre Plame
- Liste von Nachrichtendiensten
- Außenpolitisches System der USA
- Verdeckte Operation

Weblinks


- [http://www.cia.gov/ Homepage der CIA] (en)
- [http://www.gwu.edu/~nsarchiv/news/20000919/ Dokumentation zum CIA in Chile] (en)
- [http://www.cia-on-campus.org/ CIA on Campus] (en)
- [http://www.zeit.de/online/2005/47/cia_zusammenfassung Verdeckte Folter. Weltweit soll der amerikanische Geheimdienst CIA Al-Qaida-Verdächtige in geheimen Gefängnissen misshandeln] auf den Seiten der Zeit Kategorie:Nachrichtendienst (USA) ja:アメリカ中央情報局 ko:미 중앙 정보국 zh-min-nan:Tiong-iong Chêng-pò-kio̍k

Kalter Krieg

Der Ausdruck "Kalter Krieg" bezeichnet den welthistorischen Gegensatz, den die beiden Supermächte USA und Sowjetunion zwischen 1945 und 1990 mit allen verfügbaren Mitteln, aber unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges anführten und austrugen.

Überblick

1990 1990 Der Ost-West-Konflikt führte zur Bildung von zwei feindlichen Machtblöcken und dazugehörigen Militärbündnissen der NATO und des Warschauer Paktes, die sich hochgerüstet gegenüberstanden und eine bipolare Welt dominierten. Die Entwicklung dorthin begann schon mit der Entstehung der Sowjetunion 1917, verfestigte sich aber erst seit dem Zerfall der Anti-Hitler-Koalition ab 1944 und der darauf folgenden Teilung Europas zu jenem Beinahe-Kriegszustand, der die Politik beider Seiten bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991 maßgeblich bestimmte. 1947 prägte der US-amerikanische Journalist Walter Lippmann dafür den englischen Begriff cold war. Der Kalte Krieg war Ausdruck eines fundamentalen Systemgegensatzes: Zu den machtpolitischen Interessensphären, die auch sonst internationale Beziehungen bestimmen, traten konträre Ideologien. Aus westlicher Sicht standen dabei stets "Freiheit und Demokratie" gegen "totalitäre Diktatur" sowie "Marktwirtschaft" gegen "Planwirtschaft". Aus östlicher Sicht stand gegen das "Wolfsgesetz der Ausbeutung" im "Kapitalismus" die von der Staatspartei realisierte "allseitige Entfaltung" des "neuen Menschen" im "Kommunismus", der sich der Zukunft gewiss wähnte. Die Supermächte vermieden zwar den "heißen" Krieg mit direkten Militäraktionen gegeneinander, trieben aber ein beispielloses Wettrüsten vor allem auf dem Gebiet der Atomwaffen voran. Die Drohung des Atomkriegs, den beide Seiten einkalkulierten, beschwor erstmals in der Menschheitsgeschichte die Gefahr der Selbstauslöschung herauf. Der Interessenkonflikt drohte mehrmals militärisch zu eskalieren: in der Berlin-Blockade 1948, aus Anlass des Mauerbaus 1961 und besonders in der Kuba-Krise 1962. Dort konnte der direkte Krieg zwischen den Supermächten, der zum Einsatz von Atomwaffen geführt hätte, nur äußerst knapp vermieden werden. Seitdem wurde der Konflikt auf bilateraler Ebene zwar durch Krisendialog und Rüstungskontrollverträge reguliert, erzeugte aber weiterhin viele Stellvertreterkriege: etwa den Vietnamkrieg, Kriege in Kambodscha, Angola, Afghanistan sowie bewaffnete Konflikte in Afrika, Mittel- und Südamerika. Der Wettkampf der Systeme verlief auch auf technologischem, kulturellem und sportlichem Gebiet. So wurden das US-amerikanische wie das sowjetische Weltraumprogramm maßgeblich vorangetrieben, um dem Gegner die eigene wissenschaftlich-technische Überlegenheit zu demonstrieren. Dadurch entstanden viele Technologien, die heute zivil genutzt werden, so auch das Internet. Der Kalte Krieg spaltete Europa und Deutschland durch den sogenannten "Eisernen Vorhang". Er spiegelte sich auch in der Rivalität der zwei miteinander konkurrierenden deutschen Staaten. In Westdeutschland wurde die DDR während ihres gesamten Bestehens nicht als eigenständiger Staat anerkannt. Das Grundgesetz hielt in der Präambel „... Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden“ bis zur tatsächlichen Wiedervereinigung 1990 am Wiedervereinigungsgebot fest. Bis 1969 erhob die Bundesrepublik Deutschland sogar einen außenpolitischen Alleinvertretungsanspruch auf Gesamtdeutschland (Hallstein-Doktrin). Die Springerpresse, besonders die Bild-Zeitung, druckte die Abkürzung "DDR" daher stets in Anführungszeichen. Die DDR-Regierung hingegen bezeichnete Ostberlin entgegen dem Viermächte-Status von ganz Berlin stets als "Hauptstadt der DDR", um als eigener Staat anerkannt zu werden. Obwohl die Bundesrepublik dieses offiziell vermied - etwa mit einer "Ständigen Vertretung" statt einer Botschaft - behandelte sie die DDR seit den Ostverträgen der Regierung Willy Brandt de facto als selbstständigen Staat. Dem folgte auch die konservative Regierung Helmut Kohls. Wann der Kalte Krieg endete, ist unter Historikern umstritten. Politische Entspannungsbemühungen begannen schon bald nach Stalins Tod 1953, erfuhren aber immer neue Rückschläge. US-Präsident John F. Kennedy proklamierte 1961 nach seinem Wahlsieg das Ende des Konflikts, worauf aber mit der Kuba-Krise ein weiterer Höhepunkt folgte. Auch während der anschließend ausgerufenen "friedlichen Koexistenz" setzten beide Supermächte das Wettrüsten und Stellvertreterkriege unvermindert fort. Erst mit dem Führungswechsel im Kreml zu Michail Gorbatschow eröffneten sich ernsthafte Chancen zu militärischer Abrüstung und politischer Annäherung der Blöcke. Diese zog ab 1989 die Selbstbestimmung der Völker Osteuropas, den Zerfall des Ostblocks und 1991 die Auflösung der Sowjetunion nach sich. Damit endete zumindest vorläufig die bipolare Weltaufteilung.

Die Vorgeschichte (1917–1944)

1917 ergriffen in Russland die Bolschewisten unter Führung Lenins die Macht. Die USA und andere westliche Mächte sandten Interventionstruppen, um diese Oktoberrevolution im Keim zu ersticken. Zwar misslang dies, aber der Versuch markiert den Beginn der latenten Phase des Kalten Krieges. Erst 1933 erkannten die USA den neuen Staat UdSSR an. Im Zweiten Weltkrieg kämpften beide dann als Alliierte gegen Nazi-Deutschland. Die Beziehung des damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt zum sowjetischen Diktator Stalin war wegen des gemeinsamen Interesses am Sieg über Adolf Hitler relativ freundschaftlich; die Sowjetunion wurde z.B. auch mit Kriegsmaterial beliefert.

Von Jalta bis zur Teilung Deutschlands (1944–1949)

1944 zeigte die Anti-Hitler-Koalition erste Risse: Roosevelt lehnte auf der Konferenz von Jalta konkrete Garantien und Vereinbarungen mit der SU für die Nachkriegszeit ab, obwohl diese die Hauptlast des Krieges, nämlich den verlustreichen Vormarsch der Roten Armee am Boden trug und zudem durch Hitlers Überfall auf ihr Gebiet und die deutschen Vernichtungs- und Arbeitslager für ihre Soldaten die weitaus größten Kriegszerstörungen erlitten hatte. Stalin versuchte die Konferenzergebnisse als Freibrief zur Durchsetzung sowjetischer Sicherheitsinteressen ohne Rücksprache mit den Westalliierten zu benutzen: Er etablierte zum Teil gewaltsam in Mittel- und Osteuropa kommunistische Regierungen. 1945 nach Roosevelts Tod (12. April) zerbrach die Anti-Hitler-Koalition: Sein Nachfolger Harry S. Truman schwenkte auf einen strikt antisowjetischen und antikommunistischen Kurs um. Als er auf der Konferenz von Potsdam vom ersten erfolgreichen Test einer Atombombe erfuhr (16. Juli 1945), stellte er Stalin Bedingungen für seine - von Roosevelt noch gewünschte - Kriegserklärung an Japan (8. August) und gab den Befehl für den Einsatz der ersten Atombomben. Diese wurden am 6. August auf Hiroshima, am 9. August auf Nagasaki abgeworfen. Sie sollten die bedingungslose Kapitulation Japans beschleunigen, auch um dem weiterem Vorrücken Stalins in Ostasien zuvorzukommen. Zugleich wurde die Wirkungsweise zweier unterschiedlicher Bombentypen am "lebenden Objekt" ausprobiert. Die Abwürfe waren u.a. nach Ansicht des US-Historikers David Horowitz eine gezielte Machtdemonstration an die SU für die Nachkriegszeit. Seit der Nachkriegskonferenz in London stützten sich die USA dann auch politisch gegenüber der SU auf ihre Wirtschaftsüberlegenheit und ihr Atomwaffenmonopol, das bis 1949 bestand. Sie wollten auf dieser Basis ein vereintes Europa mit privatwirtschaftlichen und parlamentarischen Strukturen und eine Weltordnung unter ihrer Führung schaffen. Die SU wiederum wollte ihre vorgelagerte Sicherheitssphäre in Osteuropa nicht aufweichen. Die USA erkannten dieses Interesse und die dazu getroffenen sowjetischen Maßnahmen nicht an. Auch die Nachkriegsordnung Deutschlands war umstritten. Dies und die der SU versprochenen Reparationen wurden vertagt. Damit war der weitere Konflikt vorprogrammiert. Das gegenseitige Misstrauen wuchs: Die USA schätzten die SU als aggressiv-expansionistisch ein und wollten ihre Ausdehnung nach außen hin eindämmen (Containment-Politik: Irankrise 1946, Türkeikrise). Wie Geheimdokumente des Pentagon von 1950 zeigen, ging es schon früh auch darum, Osteuropa unter westlichen Einfluss zu bringen (roll back) und die SU durch Aufrüstung zu destabilisieren. Ab 1946 nahmen die USA ein geteiltes Deutschland in Kauf. Die SU bevorzugte ein vereintes, neutrales Deutschland mit Mitspracherecht aller Sieger. Sie versuchte, zunächst die eigene Wirtschaft und Innenpolitik zu konsolidieren; Expansion konnte sie sich daher nicht leisten. 1947 verpflichtete die Truman-Doktrin die USA, alle freien Völker zu unterstützen, die sich der Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von außen widersetzen. Anlass dafür war die Situation in Griechenland und der Türkei, die keine kommunistischen Regimes erhalten sollten. Um Unterstützung im US-Kongress und der eigenen Bevölkerung zu erhalten, stilisierte Truman die SU nun zum Feindbild der "freien Welt". Die geistige Vorlage für seine Doktrin war das long telegram des amerikanischen Diplomaten George F. Kennan. Darin schloss Kennan jeden modus vivendi (Weise des Miteinanders, politisches Arrangement) mit der SU aus. Der Marshall-Plan bot allen europäischen Staaten, auch der SU, Unterstützung zum Wiederaufbau. Die Verhandlungen dazu in Paris brach die SU ab, da die USA politische Zugeständnisse verlangten. Dadurch erhielten auch die Länder des Ostblocks keine westliche Wirtschaftshilfe und schlossen sich daraufhin ihrerseits wirtschaftlich enger zusammen. 1947/48 führten die Westalliierten eine Währungsreform in den drei Westzonen Deutschlands und Berlins durch. Die SU betrachtete dies als Bruch der Potsdamer Beschlüsse, wonach Deutschland als politische und wirtschaftliche Einheit zu wahren war, und antwortete mit der Blockade Berlins. Diese verstärkte die westliche Furcht vor einer sowjetischen Expansion in Europa. Der Westen reagierte mit der Luftbrücke. 1949 wurden die drei Westzonen zur Bundesrepublik Deutschland vereint. Mit der Gründung der NATO begann deren auch militärische Westintegration. Die SU antwortete mit der Gründung der DDR. Damit waren Deutschlands und Europas Teilung vollends institutionalisiert und die bipolare Weltordnung zementiert. Die SU zündete ihre erste Atombombe; doch erst ihr Nachziehen auch bei den Wasserstoffbomben und neuen Flugzeugen mit interkontinentaler Reichweite etablierte 1954 das so genannte "Gleichgewicht des Schreckens". Dessen Erhaltung bestimmte fortan ihre Beziehungen zu den USA und trieb den Rüstungswettlauf im ganzen Kalten Krieg zusätzlich voran. China wurde im selben Jahr kommunistisch. Daraufhin verschärften die USA ihre Eindämmungspolitik: Sie erkannten die chinesische Regierung nicht an und verweigerten China die UNO-Mitgliedschaft. Sie engagierten sich nun verstärkt in Japan, um es zu einem antikommunistischen Gegenpol aufzubauen. Ihre auch für die NATO verbindliche Militärstrategie basierte bis 1954 auf der Drohung mit "massiver Vergeltung" (massive retaliance) "an Orten und mit Mitteln eigener Wahl" für jeden nicht näher definierten kommunistischen Expansionsversuch. Damit verfolgten die USA nun offen eine Politik des roll back, d.h. ein Zurückdrängen des Staatskommunismus in Ost-, Ostmitteleuropa und Asien.

Vom Koreakrieg bis zur Kubakrise (1950–1962)

Japan-UN-Einheiten überqueren 1950 den 38. Breitengrad]] 1950 war der vorläufige Höhepunkt des Kalten Krieges: Er eskalierte in Südostasien zum Koreakrieg. Dieser war ein Stellvertreterkrieg vor allem zwischen den USA, die Südkorea unterstützten, und China, das Nordkorea unterstützte. Korea war nach der Kapitulation Japans bis 1949 von der UdSSR im Norden und den USA im Süden besetzt worden, die das Land am 38. Breitengrad entlang teilten. 1949 zogen beide Supermächte ab. Daraufhin wollte der Kommunist Kim Il-sung in Nordkorea den Diktator Syngman Rhee in Südkorea verdrängen und Korea unter seiner Führung vereinigen. Die USA intervenierten mit eigenen Truppen. Nur das Eingreifen chinesischer "Freiwilliger" bewahrte Nordkorea vor der amerikanischen Besetzung. Weil die UdSSR den UN-Sicherheitsrat vorübergehend boykottierte, segnete dieser die US-Intervention nachträglich ab. Fortan blieb Korea geteilt. 1952 bot Stalin den drei Westmächten in den Deutschland-Noten die Wiedervereinigung Deutschlands an. Es sollte ein neutraler, aber zur Selbstverteidigung fähiger Staat in den von der Potsdamer Konferenz festgelegten Grenzen werden. Damit wollte Stalin die voraussehbare NATO-Mitgliedschaft Westdeutschlands abwenden und Russland klare Vorteile verschaffen:
- Es wäre für den Fall militärischer Konflikte eine Art "Pufferzone" zwischen Ost und West entstanden.
- Der Westen hätte mit den drei Westzonen einen größeren Einflussbereich aufgeben müssen als der Osten mit der Sowjetischen Besatzungszone.
- Deutschland wäre eventuell ungeschützt gewesen, da es als neutrales entmilitarisiertes Land keinem Militärbündnis angehört hätte. Eine andere damalige Ansicht, vertreten etwa von Gustav Heinemann, sah die Neutralität zwischen den Machtblöcken gerade als größeren Schutz und langfristig tragfähigere Perspektive an, weil damit mitten in Europa ein großer weitgehend abgerüsteter Flächenstaat entstanden wäre, der keinem Militärbündnis angehört hätte und daher auch größere politische Handlungsfreiheit gegenüber beiden Supermächten gehabt hätte. Dies hätte auf die Nachbarstaaten ausstrahlen und ein erster Schritt in Richtung Entspannung zwischen den Blöcken sein können. Den Westmächten und der konservativen westdeutschen Regierung erschienen diese Vorschläge jedoch nachteilig. Deshalb teilte man Stalin nach einer Rücksprache mit Adenauer mit, dass man erst auf dieses Angebot eingehen werde, wenn er freie Wahlen garantieren würde und Deutschland die Wahl eines Bündnisses überließe. Stalin gab unerwartet nach und gestattete freie Wahlen, jedoch unter Aufsicht der vier Siegermächte. Die Westalliierten antworteten mit dem Verweis auf 1948, als eine Viermächteverwaltung in Deutschland gescheitert war. Damit war der Vorschlag abgelehnt und eine Chance zur deutschen Wiedervereinigung, die nicht von einem vorherigen Systemwandel im Ostblock abhing, zunächst für lange Zeit aufgegeben. 1955 wurde ein ähnliches Angebot für Österreich jedoch angenommen. Damit war die Nord-Süd-Verbindung der NATO in Europa unterbrochen, unter anderem auch durch die neutrale Schweiz. Außerdem begann 1952 die Wiederbewaffnung der BRD mit dem Amt Blank. Amt Blank Seite für den Beginn des kalten Krieges stand, starb am 5. März 1953]] Amt Blank Amt Blank führte die Welt 1962 an den Rand eines 3. Weltkriegs]] 1953, am 5. März, starb Stalin. Damit boten sich Chancen zur "Entstalinisierung" der UdSSR. Doch deren Verhandlungsbereitschaft endete mit dem Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953. Dennoch versuchte Chruschtschow angesichts der atomaren Pattsituation und massiver innenpolitischer Probleme einen Entspannungskurs und leitete die Politik der "friedlichen Koexistenz" ein. In den USA nahm der Antikommunismus in den 50er Jahren auch innenpolitisch enorm zu. 1950 wurde das Komitee für unamerikanische Aktivitäten eingerichtet, sein Leiter, der Senator McCarthy führte bis 1954 den Ausschuss zur Untersuchung "antiamerikanischer Umtriebe". Er suchte systematisch nicht nur Kommunisten, sondern alle möglichen liberalen Intellektuellen als vermutete Spione und Systemgegner ausfindig zu machen, um sie zu verhören, einzuschüchtern, zu verurteilen und ihrer Ämter zu berauben ("McCarthyism"). Er wurde schließlich abgelöst und gerügt. 1955 wurde der Warschauer Pakt gebildet, die Gegenorganisation der Sowjetunion zur NATO. In den Pariser Verträgen wurde die Bundesrepublik in die NATO aufgenommen, wo sie jedoch nur begrenzte militärische Mitspracherechte erhielt. Damit war die Bundeswehr in ein atomar bewaffnetes Bündnis integriert, dessen Führungsmacht seit 1954 die Abschreckungsdoktrin der "Massiven Vergeltung" vertrat und im "Verteidigungsfall" das Entscheidungsmonopol zur atomaren Eskalation innehatten. Dies beruhte ursprünglich auf dem Monopol der USA an H-Bomben und Flugzeugen mit großer Reichweite. Nachdem die SU hier 1954 gleichzog, stationierten die USA auch auf westdeutschem Boden atomar bestückbare Kurzstreckenraketen, über deren Einsatz nur sie zu entscheiden hatten. Dies war ein Anlass für die UdSSR, ihrerseits den Warschauer Pakt atomar aufzurüsten. So kam es zu den Plänen von Konrad Adenauer und dem damaligen Verteidigungsminister Franz Joseph Strauß, auch die Bundeswehr atomar zu bewaffnen, um mehr eigene Druckmittel gegen die UdSSR und volle Gleichberechtigung in der NATO zu erlangen. Als dies im April 1957 öffentlich bekannt wurde, entstand mit dem "Göttinger Manifest" von 18 Physikern die erste breite außerparlamentarische Opposition in der Bundesrepublik: die Kampf-dem-Atomtod-Bewegung, die vor allem von SPD, Kirchen und Gewerkschaften getragen wurde. 1957, am 2. Oktober, schlug der polnische Außenminister Adam Rapacki vor der UNO-Vollversammlung überraschend einen beiderseitigen Verzicht der Militärbündnisse auf Atomwaffen und eine Entmilitarisierung ganz Mitteleuropas vor. Damit griff er Vorschläge auf, die schon der britische Premier Anthony Eden drei Jahre zuvor auf einer Genfer Gipfelkonferenz gemacht hatte. Diese sahen ein von Besatzungstruppen freies Gebiet und nur geringe eigene Rüstung auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs vor, um damit Erfahrungen in der Kontrolle von Abrüstungsmaßnahmen zu sammeln. Der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow hatte diese Idee weiterentwickelt. Doch die westlichen Vorschläge verlangten damit zugleich die Auflösung des Warschauer Pakts, während die östlichen einen Verzicht auf das US-Atomwaffenmonopol in der NATO implizierten. Dies lehnte die NATO im Dezember 1957 endgültig ab. Zugleich verwehrte sie der westdeutschen Regierung die Verfügung über eigene Atomwaffen. Damit entschied sie zwar gegen die Atombewaffnung der Bundeswehr, brachte aber auch alle weitergehenden Entspannungsbemühungen im Vorfeld der Atombewaffnung der Blöcke zum Scheitern. 1961, am 13. August, wurde infolge massiver Fachkräfteverluste durch Abwanderungen in den Westen (ca. 2,6 Mio. Menschen seit 1949) über Nacht die Berliner Mauer errichtet. Dabei standen sich russische und amerikanische Panzer in Berlin direkt gegenüber. US-Präsident Kennedy verzichtete jedoch auf konkrete Maßnahmen und beschränkte sich auf diplomatischen Protest mit der Begründung, die Mauer sei „keine sehr schöne Lösung, aber tausendmal besser als Krieg.“. 1962 standen die Supermächte und die Welt in der Kubakrise am Rand eines neuen Weltkriegs. Nachdem die USA Zeus- und Thor-Mittelstreckenraketen in der Türkei stationiert hatten, unterstützte die UdSSR des kubanischen Staatsoberhaupt Fidel Castro und stationierte ihrerseits Atomraketen auf Kuba. Diese hätten die Vorwarnzeiten für einen Angriff auf die USA extrem herabgesetzt und damit die Zweitschlagsfähigkeit, auf der das strategische Atompatt beruhte, ausschalten können. Dies konnte Kennedy nicht zulassen. Er verhängte eine Seeblockade für sowjetische Schiffe, die Kuba anliefen. Zugleich versuchte er intensiv über geheime diplomatische Kontakte, Chruschtschow zum Verzicht auf die Raketenstationierung zu bewegen. Es gelang ihm nur mit dem Zugeständnis des Abzugs amerikanischer Raketen aus der Türkei. Dies wurde der Öffentlichkeit in den USA verschwiegen. Danach wurde aufgrund der Erfahrung des Beinahe-Zusammenstoßes ein "heißer Draht" zwischen den Staatschefs beider Supermächte, das sogenannte "rote Telefon", eingerichtet.

Die Phase der friedlichen Koexistenz und Entspannung (1962–1979)

Supermächte Supermächte Nach dem Schock der Kubakrise setzte allmählich ein Umdenken ein. Der kommunistische Block war durch die Rivalität zwischen China und der UdSSR seit 1956 schon geschwächt. Auch die USA erlitten im Vietnamkrieg (1964-1975) Rückschläge, so dass US-Präsident Lyndon B. Johnson die Bombardierung Nordvietnams zeitweise einstellte. Zugleich zeigte sich die UdSSR zu wirtschaftlicher Kooperation bereit. Als das langanhaltende Nachkriegswachstum in Westeuropa abebbte, wuchs mit der neuen Generation auch der innenpolitische Protest gegen die einseitige proamerikanische Ausrichtung der westdeutschen Regierungspolitik. Diese Faktoren begünstigten die folgende Phase der Entspannungspolitik. Seit 1965 versuchten die Supermächte, infolge des atomarem Patts Obergrenzen für ihre Aufrüstung auszuhandeln. 1968 unterzeichneten die fünf damaligen Atommächte den Atomwaffensperrvertrag. 1969 begann der SALT-Vertragsprozess, der 1972 zunächst zum ABM-Vertrag führte. Hinzu kam in Europa 1973 der KSZE-Prozess: Der Westen erkannte die Nachkriegsgrenzen des Ostblocks, der Osten die Menschenrechte als verbindlich an. Dies gab Bürgerrechtsbewegungen im Ostblock Auftrieb. Auch stärkerer Wirtschaftsaustausch und humanitäre Erleichterungen waren die Folge. Bundeskanzler Willy Brandts Ostpolitik umfasste den Gewaltverzichtsvertrag mit der Sowjetunion, die Aussöhnung mit Polen, die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie und innerdeutsche Verträge für Reiseerleichterungen, die heute als erste Schritte auf dem Weg zur Deutschen Einheit gelten. Sein enger Freund, der schwedische Regierungschef Olof Palme, stieß seit 1973 Abrüstungsinitiativen an, die viele Vorschläge vorwegnahmen, die später unter Michail Gorbatschow realisiert wurden. Auf dem Gebiet der Rüstungstechnologie ging der Wettlauf der Supermächte jedoch unvermindert weiter. Dabei waren die USA der UdSSR auf fast allen Gebieten stets einige Schritte voraus, nur im Weltraum behielt die UdSSR anfangs die Nase vorn. Nach dem Sputnik-Satelliten 1957 sandte sie mit Juri Gagarin 1961 den ersten Menschen ins All. Dem US-Amerikaner John Glenn gelang 1962 die erste mehrfache Umkreisung der Erde mit seiner Mercury-Raumkapsel. Drei Jahre später machte der sowjetische Kosmonaut Alexei Leonow, nur mit einer Schnur mit seinem Raumschiff verbunden, den ersten Weltraumspaziergang. 1969 betrat der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Bald darauf stellte die Sowjetunion ihr eigenes, bis dahin unter strengster Geheimhaltung durchgeführtes bemanntes Mondlandeprogramm ein. Der Wettlauf ins All war damit zu Gunsten der USA entschieden. 1975 war das Apollo-Sojus-Projekt die erste amerikanisch-sowjetische Kooperation in der Weltraumfahrt, zugleich ein politischer Publizitätserfolg und ein Signal der gegenseitigen Annäherung beider Supermächte. Es kennzeichnete auch das Ende der amerikanischen bemannten Raumfahrt bis zu deren Wiederaufnahme mit dem Space-Shuttle.

Vom NATO-Doppelbeschluss bis zu Gorbatschow (1979–1985)

Space-Shuttle ]] 1979 markierten zwei nahezu gleichzeitig stattfindende Ereignisse das Ende der Entspannungspolitik der 1970er Jahre und den Beginn des letzten Kapitels des Kalten Krieges: Der "Nato-Doppelbeschluss" und die "Sowjetische Invasion in Afghanistan". US-Präsident Ronald Reagan reagierte auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan mit Erhöhung der Rüstungsausgaben, Waffenlieferungen an die afghanischen Mujaheddin, sowie dem "SDI-Projekt" (auch Star-Wars-Programm genannt) zur Abwehr strategischer Raketen. Insbesondere mit diesem Projekt versuchte Reagan, das Kräftegleichgewicht zugunsten der USA zu verschieben, denn die bisherige Abschreckungsdoktrin „der Erstangreifer muss einen Zweitschlag des Gegners fürchten“ wäre dadurch ausgehebelt worden. In dieser neu eröffneten Runde forcierter technologischer Entwicklung konnte die Sowjetunion nicht mehr mithalten, zumal sie ihre Kräfte mit der Afghanistan-Invasion und mangels hinreichender ökonomischer Basis schon deutlich überdehnt hatte.

Tauwetter im Osten und Zerfall des Ostblocks (1985–1991)

ökonomischer, 1987]] 1985 leitete Michail Gorbatschow ein Reformprogramm ein, das aus Perestroika (Wende in Wirtschaft und Verwaltung) und Glasnost (Offenheit und Transparenz nach innen und außen) bestand. Man begann mit Ergebnissen über Abrüstung zu diskutieren und kooperierte wirklich in Fragen der globalen Sicherheit. Ab 1989 erübrigte sich die ideologische Auseinandersetzung, die ohnehin schon längere Zeit nur noch im Hintergrund stand, mit der Auflösung des Ostblocks. Gorbatschow sagte zu Honecker in Berlin sinngemäß: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Um den Kalten Krieg gibt es seit Jahren insbesondere in den USA eine interessante Forschungskontroverse, wobei die traditionelle Sicht eine Hauptverantwortung für die Entstehung des Kalten Krieges im (ideologisch begründeten) Expansionsdrang der Sowjetunion sah. Die jüngere (so genannte revisionistische) Linie sieht hingegen eine verteilte "Schuld" oder sogar ein Übergewicht hegemonialer und ökonomischer Interessen insbesondere der USA. Mit dem Ende der Sowjetunion und der Öffnung zahlreicher Archive scheinen sich eher vermittelnde Positionen anzubahnen.

Literatur


- Bernd Stöver: Der Kalte Krieg, C.H. Beck Verlag, München 2003, ISBN 3406480144
- Daniel Yergin: Shattered Peace: The Origins of the Cold War and the National Security State, Boston 1978, ISBN 039527267X
- David Horowitz: Kalter Krieg. Hintergründe der US-Außenpolitik von Jalta bis Vietnam, Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 1983, ISBN 3803110130
- Jeremy Isaacs/Taylor Downing: Der Kalte Krieg, Heyne, München 2001, ISBN 3453197100
- John Lewis Gaddis: We now know. Rethinking Cold War History, Oxford 1997
- Jürgen Bruhn: Der Kalte Krieg oder: Die Totrüstung der Sowjetunion, Gießen 1995, ISBN 3883494348
- Michael R. Beschloss/Strobe Talbott: Auf höchster Ebene, das Ende des Kalten Krieges und die Geheimdiplomatie der Supermächte 1989-91, ECON, ISBN 3430112478
- Rolf Steininger: Der Kalte Krieg, Fischer Taschenbuch Verlag Nr. 15551, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3596155517
- Wladimir K. Wolkow, Harald Neubert: Stalin wollte ein anderes Europa, Berlin 2003, ISBN 3360010469

Siehe auch


- Berliner Mauer
- Point Alpha
- Geschichte Deutschlands
- Eiserner Vorhang
- Containment-Politik
- Wettrüsten
- Truman-Doktrin
- Verträge und Abkommen des Kalten Krieges
- Permanente Rüstungswirtschaft

Weblinks


- [http://www.hdg.de/lemo/html/Nachkriegsjahre/EntstehungZweierDeutscherStaaten/derKalteKrieg.html www.hdg.de/...] - Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Der Kalte Krieg
- [http://www.dhm.de/ausstellungen/kalter_krieg/aus.htm www.dhm.de/...] - Ausstellung zum Kalten Krieg
- [http://www.kssursee.ch/schuelerweb/kalter-krieg/index.htm www.kssursee.ch/...] - Schülerweb: Kalter Krieg
- [http://home.snafu.de/veith/krieg.htm home.snafu.de/...] - Zwischenfälle im Kalten Krieg
- [http://www.zeithistorische-forschungen.de/portal/alias__zeithistorische-forschungen/lang__de/tabID__40208301/Default.aspx www.zeithistorische-forschungen.de/...] - Dierk Walter: Kolonialkrieg, Globalstrategie und Kalter Krieg
- [http://www.foreignaffairs.org/19470701faessay25403/x/the-sources-of-soviet-conduct.html?mode=print www.foreignaffairs.org/...] - The Sources of Soviet Conduct, Foreign Affairs (english)
- [http://wwics.si.edu/index.cfm?fuseaction=topics.home&topic_id=1409 wwics.si.edu/...] - Cold War International History Project (english) ! Kategorie:US-Außenpolitik Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Politisches Schlagwort ja:冷戦 ko:냉전 ms:Perang Dingin simple:Cold War th:สงครามเย็น

Italien

Italien (italienisch Italia) ist ein Staat in Europa am Mittelmeer. Angrenzende Staaten sind Frankreich, Schweiz, Österreich, Slowenien, sowie die Enklaven San Marino und die Vatikanstadt (in Rom). Zu Italien gehören die Mittelmeer-Inseln Sizilien, Sardinien und Elba. Italien ist unter anderem bekannt für seine Küche, Mode- und Designerartikel, Bekleidungsindustrie, Architektur, Kunst, Musik und Touristenziele.

Geografie

Die Form des Landes erinnert an die eines Stiefels. Diese Halbinsel wird vom einem Gebirgszug, dem Appenin, in der Längsachse durchzogen. Im Norden gehört ein Teil der Alpen zu Italien. Entlang der Westküste Italiens ziehen sich von Norden in Richtung Süden u. a. die Italienische Riviera in Ligurien, die Etruskische Riviera in der Toskana sowie der Golf von Neapel in Kampanien. Die Ostküste wird von Triest im Norden bis zum Gargano im Norden Apuliens (nach anderen Darstellungen: bis zur Straße von Otranto) als die Italienische Adriaküste bezeichnet. Siehe auch Riviera. Die längsten Flüsse sind Po, Etsch, Arno und Tiber. Zu den größten italienischen Seen zählen der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See in Oberitalien sowie der Lago di Bolsena und der Lago Trasimeno in Mittelitalien. Neben dem Vesuv auf dem italienischen Festland stehen auf italienischen Inseln gleich zwei weitere bekannte Vulkane: der Ätna und der Stromboli (und weitere kleinere um Sizilien herum). Neben der Hauptstadt Rom sind die bedeutendsten Städte Mailand, Neapel, Genua, Turin, Venedig, Bologna, Florenz, Bari, Catania und Palermo. Der höchster Berg Italiens ist der Mont Blanc de Courmayeur 4.748 m.

Bevölkerung

Italien hat eine Einwohnerzahl von 58.462.375 Einwohnern und rangiert in der Weltrangliste auf Platz 22, innerhalb der Europäischen Union liegt das Land auf dem 4. Rang hinter Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Stadt- und Landbevölkerung

Rund 67% der Einwohner Italiens, vornehmlich im Norden, leben in Städten. Vor allem von 1950 bis 1960 herrschte eine starke Abwanderung aus den unterentwickelten Landregionen in die Städte (Landflucht). Seit den 1980er Jahren hat sich dieser Trend zu Gunsten der Vororte und Kleinstädte umgekehrt.

Größte Städte

(Einwohner 31. Dezember 2004)

- Rom - 2.553.873
- Mailand - 1.299.439
- Neapel - 995.171
- Turin - 902.255
- Palermo - 675.277
- Genua - 605.084
- Bologna - 374.425
- Florenz - 368.059
- Bari - 328.458
- Catania - 305.773
- Venedig - 271.251
- Verona - 259.068
- Messina - 247.592
- Padua - 210.821
- Triest - 207.069
- Tarent - 201.349 (Stand 2001)
- Brescia - 192.164
- Reggio di Calabria - 183.041
- Prato - 180.674
- Modena - 180.110
- Parma - 174.471
- Cagliari - 161.465

- Perugia - 157.842
- Livorno - 155.986
- Reggio nell'Emilia - 155.191
- Foggia - 154.780
- Ravenna - 146.989
- Salerno - 135.818
- Rimini - 134.700
- Ferrara - 131.907
- Sassari - 124.929
- Siracusa - 123.332
- Pescara - 122.577
- Monza - 122.263
- Bergamo - 116.510
- Vicenza - 113.483
- Latina - 111.946
- Forli - 111.495
- Trient - 110.142
- Terni - 108.999
- Giugliano in Campania - 105.951
- Novara - 102.746
- Ancona - 101.797

Lebenserwartung

Italien ist nach Japan das Land mit der höchsten Lebenserwartung der Welt. Sie beträgt bei Männern 78 Jahre, bei Frauen rund 83. Rund 19 % der Italiener sind älter als 65 Jahre. Die Italiener führen somit in Europa vor den Griechen und den Schweden die Liste der "langlebigsten" Bevölkerung an. Als Grund wird häufig die italienische Küche, also die mediterrane Ernährung,angeführt.

Religiöse Zugehörigkeit

Mit 83,2 % Katholiken und 16,2 % Konfessionslosen ist Italien ein katholisch geprägtes Land. Nur 0,6 % der Einwohner gehören anderen Religionen an, darunter 231.226 Zeugen Jehovas und 35.000 Juden sowie Protestanten und Muslime. Die Katholische Kirche ist traditionell sehr stark in Italien, was sich in einer hohen Zahl an Priestern (25,823) und Kardinälen (38) wiederspiegelt [http://www.nationmaster.com/red/country/it/Religion&b_cite=1].

Sprachen

Neben der Amtssprache Italienisch gibt es noch die regionalen Amtssprachen Deutsch, Französisch, Ladinisch und Slowenisch. Darüber hinaus stehen weitere Minderheitensprachen unter besonderem Schutz (durch die Verfassung und ein präzisierendes Gesetz aus dem Jahr 1999): Albanisch, Katalanisch, Griechisch, Kroatisch, Franko-Provenzalisch, Furlanisch, Okzitanisch und