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Glaube

Glaube

Etymologie

Das Wort „glauben“ ist die Übersetzung des griechischen „pisteuein“ mit vergleichbarem Wortsinn. Im Judentum dagegen wird meist die Vokabel „aman“ verwendet: Sich an etwas festmachen. Ursprünglich gemeint war also nicht das unbestimmte „ich weiß nicht“, sondern im Gegenteil: „ich verlasse mich auf, ich binde meine Existenz an“. Es geht also zentral nicht um einen Gegenpol zum Wissen, sondern um Vertrauen, Gehorsam und Lebensübergabe. (Vergleiche: Geloben.) Zur Etymologie des Wortes „Glauben“ sei verwiesen auf: [http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GG17590 Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971, Artikel: "Glauben"] Das lateinische Wort credere (vgl. Credo) ist direkt verwandt mit der altindischen Wurzel śraddhā- „glauben“ und stellt eine sehr alte (indogermanische) Verbalkomposition dar. Die Bestandteile bedeuten: „Herz“ und „setzen, stellen, legen“, zusammen also etwa: „sein Herz (auf etwas) setzen“. Glaube erklärt durch die hebräische Grammatik. Diese Vokabel „aman“ mit der Schreibung „Aleph-Mem-Nun“ wird nur in der Stammesmodifikation des „Hif'il“ (Aussprache „hä'ämin“) im Deutschen mit dem Wort „glauben“ übersetzt. Diese Stammesmodifikation drückt im allgemeinen einen kausativen Aspekt der Grundbedeutung aus. Die Grundbedeutung der Buchstabenfolge (Wurzel) „Aleph-Mem-Nun“, die auch im ursprünglich hebräischen Wort Amen erscheint, ist „fest“ oder „unerschütterlich“, die Bedeutung im Hifil ist also „jemanden fest sein lassen“ oder „jemanden sich als fest und unerschütterlich beweisen lassen“. Und dies ist genau der Glaube, den sowohl das alte als auch das neue Testament meint. Dem Glauben zugrunde liegt eine Anlage des Menschen, sich an etwas festzumachen, an einer Hoffnung, einem (Welt- oder Menschen- oder Gottes-)bild. Ohne diese Grundausrichtung wäre ein Mensch haltlos und nicht überlebensfähig. Unabhängig davon ist, woran speziell sich ein Mensch festmacht. Hier können rein innerweltliche Dinge (z. B. die eigene Kraft, das Volk/eine Gemeinschaft oder Beziehung, die Familie) das Objekt des Glaubens bieten oder auch Lebensstrategien, Weltprinzipien bis hin zum Glauben an über- oder außerweltliche Kräfte und Personen (Götter oder Gott). :... Glauben heißt angeblich nicht wissen, ... doch Wissen ist auch nicht mehr, als das zu glauben, was jemand weiß ... :Auch wer sich tief auf den Zweifel eingelassen und vielleicht sogar die Verzweiflung erfahren hat, findet sich schließlich, wenn er weiterlebt, derselben Welt gegenüber, die ihm als natürlichem Menschen gegeben war. Er wird nun an vielen Stellen Vorsicht und relativen Zweifel gelernt haben, vielleicht ist ihm der schwebende Charakter aller Erkenntnis deutlich geworden, die Möglichkeit, alles anzuzweifeln. Aber indem er lebt, läßt er die Welt gelten. ... Man kann dies kaum deutlicher sagen als Faust in dem Augenblick, in dem er aus der Verzweiflung zurückkehrt: „Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder.“ Die Träne ist das Wirkliche, das er schlicht gelten läßt, und mit ihr die Welt, denn weinen heißt leben. :Wer überhaupt aus der wirklichen Verzweiflung zurückkehrt, wird dabei wohl immer eine Erfahrung des Bereichs gemacht haben, den man den religiösen nennt. Die Möglichkeit des Weiterlebens wird für ihn meist mit dieser Erfahrung zusammenhängen. Sein weiteres Leben wird also ein Verhalten sein, das mit der Wirklichkeit, die sich ihm in dieser Erfahrung gezeigt hat, in der Weise des Glaubens rechnet, auch wenn diese Wirklichkeit sich nicht oder nicht mehr unmittelbar zeigt. Der religiöse Glaube, wo er echt ist, ist also in besonderer Weise nicht ein bloßes Fürwahrhalten, sondern eine Art des Lebens. Es ist aber nicht ein bloßes Geltenlassen eines sich ohnehin Zeigenden, sondern ein aktives ständiges Ansprechen oder Anrufen eines sich nicht ohne weiteres Zeigenden. Carl Friedrich von Weizsäcker, Zeit und Wissen

Bedeutungen im Alltagsgebrauch

Glauben als meinen bzw. für wahr halten

Glaube beschreibt im Alltagssprachgebrauch die im Rahmen von Unsicherheit festgestellte Erwartung bezüglich irgendwelcher Tatsachen oder Zusammenhänge. Etwa: „Ich glaube, dass morgen die Sonne scheinen wird“ oder „Ich glaube, es geht hier entlang und nicht dort.“ In solchem Glauben drückt sich die Meinung aus: „Vielleicht ist es wahr bzw. wird es wahr, vielleicht auch nicht.“ Dann bedeutet glauben „meinen, vermuten“. Der Glaube kann dabei sehr stark und gut begründet sein, zum Beispiel „Ich glaube daran, dass ich kein Gehirn in einem Glas bin und dass die Umwelt, die ich sehe, real ist.“ In aller Regel bedeutet glauben etwas für wahrhalten auf Grund eines glaubwürdigen Zeugen. In diesem Sinn ist der mit Abstand größte Teil unseres Wissens Glaubenswissen.

Glauben als Vertrauen

Glauben findet sich im alltäglichen Sprachgebrauch aber auch in einer ganz anderen Bedeutung als »meinen«, »vermuten«, beispielsweise in folgenden Sätzen: „Ich glaube dir.“, „Ich glaube an die Liebe zwischen uns.“, „Ich glaube an den Erfolg meines Engagements.“ Ein solches Glauben ist nicht so sehr ein Vermuten über Sachverhalte, sondern primär eine personale Beziehung, in der sich eine Person vom Geglaubten her bestimmen lässt. Und dann bedeutet dieses Glauben „vertrauen“. »Glaube« in diesem rein menschlichen Sinn bezeichnet den Bewusstseins-Akt des Vertrauens (Vertrauensglaube) mit dem dazugehörenden vertrauenden Handlungs-Akt (Tatglaube), dass das Geglaubte eine Möglichkeit ist, die Realität werden kann, oder eine noch nicht erfahrbare Realität ist, so dass so gehandelt wird, dass das Geglaubte Realität werden kann oder als ob das Geglaubte schon erfahrbare Realität sei, denn andernfalls wäre der Glaube nur ein Pseudo-Glaube bzw. das Vertrauen nur ein Pseudo-Vertrauen.

Bedeutungen im christlich-religiösen Gebrauch

Religiös christlich unterscheidet man drei Qualitäten des Glaubens:

(Credere deum:) Fürwahrhalten, dass Gott existiert

Dieses Glauben bedeutet die weltanschauliche Annahme, dass es ein höheres Wesen gibt. Dieses Glaubens-Vermuten wirkt sich nicht unbedingt auf das Handlungsbewusstseins des Glaubenden aus.

(Credere deo:) Fürwahrhalten der christlichen Glaubenslehren

Dieses Glauben bedeutet i. a. die sogenannte Sonntagsgläubigkeit, also bloße Lippenbekenntnisse über den christlichen Glauben, ein toter Glaube. Bei diesem Glauben ist nicht erfasst, dass es sich beim christlichen Glauben in erster Linie um ein neues Handlungsbewusstsein handelt, das sich in der Liebe zum Nächsten und zum Feind ausdrückt und ein bedingungsloses Verzeihen und eine grenzenlose Güte beinhaltet, die aus dem Verstehen und dem Sich-In-Gott-Geborgenwissen resultieren.

(Credere in deum:) So vom Geborgensein in Gott her leben, dass Liebe sich ereignet

Dieses Glauben beinhaltet ein neues Selbstverständnis (Handlungsbewusstsein, neues Menschsein), bei dem der Mensch nicht mehr aus Angst um sich selbst handelt, weil er sich absolut in Gott geborgen weiß. Dieser Glaube ist ein von der Liebe durchformter Glaube, also ein Glauben, das sich im Handeln als Liebe ausdrückt, ein lebendiger Glaube. Dieses neue Selbstverständnis beinhaltet eine Abkehr vom personalen Gottesbild und letztlich auch die Verwirklichung eines neuen Bewusstseins, dass nicht auf Trennung (von Gott, der Natur, den Menschen, usw.) basiert. Damit kann man den christlichen Glauben so definieren: »Glaube« im christlichen Sinn bezeichnet das Be­wusstsein, sich so wie Jesus absolut in Gott geborgen zu wissen (mit dem Römerbrief 8. 38 ausgedrückt: weder Tod noch Leben kann uns scheiden von der Liebe Gottes), so dass man nicht mehr aus Angst um sich selbst handeln muss und in Liebe und Gelassenheit leben kann.

Definition "Glauben, christlich"

Glaube=Geloben=Verloben Glaube ist eine Beziehung zwischen Mensch und Gott. Jesus hat durch sein Menschwerden-Leiden und Sterben das menschliche Leiden erfahren und kann sie dadurch verstehen. (Jesu Beziehung zum Vater war vollkommen, vgl. Joh 17, 21: Ich und der Vater sind eins.) Seine Auferstehung und Himmelfahrt bedeutet für einen Christen, dass er selbst teil hat an der Auferstehung. Darum ist es wichtig, mit Gott zu reden und eine innige Beziehung zu haben. Denn Christen sind Gottes Kinder und Gottes Hausgenossen, vgl. Eph. 2. Aus einem Verwandschaftsverhältniss gibt es kein Aussteigen.

Theologische Ausfaltung des christlichen Gläubigseins

Der christliche Glaube besteht nicht aus einer Ansammlung unterschiedlicher einzelner Glaubensinhalte, die nicht weiter zu vereinheitlichen (zu reduzieren) wären, sondern die Glaubensinhalte des christlichen Glaubens (formuliert etwa im frühkirchlichen sogenannten Apostolischen Glaubensbekenntnis als einer Zusammenstellung von biblischen Aussagen) sind eine Ausfaltung der recht einfachen Lehre Jesu, wie sie in den Evangelien weitergegeben wurde. Die Lehre Jesu lässt sich so zusammenfassen:
- Glaubt, dass ihr absolut in Gott geborgen seid. Die letzten Wirklichkeiten über unser Leben sind nicht Tod, Schuld und Ungerechtigkeit sondern die Erlösung davon; bildlich ausgedrückt: tiefer als in die Hand Gottes kann man nicht fallen;
- glaubt, dass das Reich Gottes möglich (bzw. nahe) ist und handelt dementsprechend, und
- ihr müsst euer Tun vor euch verantworten, was bedeutet, dass ihr von anderen und vor allem von mir (Jesus) gefragt werdet, wie ihr denn euer Handeln rechtfertigen wollt, und dem könnt ihr nicht ausweichen. Deswegen lässt sich der Begriff Glaube so definieren: »Glaube« im christlichen Sinn bezeichnet das Bewusstsein, sich so wie Jesus absolut in Gott geborgen zu wissen, so dass man nicht mehr aus Angst um sich selbst handeln muss und in Liebe und Gelassenheit leben kann. Siehe hierzu auch Artikel „Angst“ Dieser Glaube stellt sich theologisch dreifach dar als Glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Denn es geht im christlichen Glauben darum, sich absolut in Gott geborgen zu wissen (Glaube an den Vater), was bedeutet, dass man glaubt, dass Gott einen in sich so aufgenommen hat (in sich hineingeschaffen hat), dass weder Tod noch irgendeine Schuld, einen von der Gemeinschaft mit Gott trennen kann. Sodann geht es darum, sich genau so wie Jesus in Gott geborgen zu wissen, so dass man auch wie Jesus erfüllt sein könnte vom Heiligen Geist. „An den Heiligen Geist glauben“ bedeutet also, sich so wie Jesus in Gott geborgen zu wissen, um so liebend und befreiend wie Jesus handeln zu können. „An Jesus als den (eingeborenen) Sohn glauben“ bedeutet, zu wissen, wem man diesen Glauben verdankt, weil Jesus diesen Glauben unüberbietbar vorgelebt hat. (Näheres unter den Links Dreifaltigkeit, Menschwerdung Gottes und Präexistenz des Sohnes) Im Glaubensbekenntnis wird die Gottessohnschaft Jesu noch durch die Sätze „empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“ ergänzt. Hierzu Näheres unter dem Link Jungfrauengeburt Jesu. Auch wird die Gottessohnschaft Jesu durch einen anderen Glaubenstitel flankiert: Glaube an Jesus Christus. Der Glaube an die Auferstehung Jesu ist identisch mit dem Glauben an die Lehren Jesu, denn auch von Jesus wird geglaubt, dass er völlig in Gott geborgen ist, was eben sein ewiges Leben beinhaltet. Der Glaubensartikel „aufgefahren in den Himmel“ ist ein anderes Bild für das Bildwort „Auferstehung“, das eben den theologischen Sachverhalt ausdrückt, dass Jesus absolut in Gott geborgen ist. (Näheres hierzu unter dem Link Himmelfahrt Jesu.) Der Glaubensartikel „dass Jesus richtet“ meint, dass vor einem selbst und somit vor Gott und den Menschen das Handeln verantwortet werden muss, dass also Menschen nicht auf ewig ihrem Tun ausweichen und ihr Handeln verdrängen können. Die Glaubensartikel „Vergebung der Sünden“, „Auferstehung der Toten“ und „ewiges Leben“ sind eine Entfaltung des Glaubens, absolut in Gott geborgen zu sein (Glaube an den Vater). Der Glaube, dass die Kirche heilig und allgemein (katholisch) ist, ist eine Entfaltung der Lehre Jesu, dass jeder glauben könne und solle, so dass eine Gemeinschaft von Heiligen entsteht, die allgemein möglich ist und es auch gibt, wie verborgen auch immer. Der Glaubensartikel „Gemeinschaft der Heiligen“ spezifiziert, dass man die Kirche als heilig und allgemein glaubt. Die christlichen Glaubensinhalte sind, wie eben gezeigt, eine Ausfaltung des einfachen Glaubens Jesu, in Gott absolut geborgen zu sein, hin auf verschiedene Lebensaspekte und Wirklichkeitsdimensionen. Dabei lässt sich dieser Glaube dreifach darstellen als Glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Das sind aber keine drei verschiedenen Gründe bzw. Wurzeln des Glaubens, sondern ein Grund, der sich dreifach darstellen lässt: ein sich dreifach darstellender Grund, eine sich dreifach darstellende Wurzel als der Glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Bedeutung in der Philosophie

Im philosophischen und speziell erkenntnistheoretischen Sinn bedeutet Glauben ein Fürwahrhalten. Dieses Fürwahrhalten bedarf nicht zwingend objektiver Begründung und kann ganz subjektiv sein.

Glaube und Vernunft

Unter dem Titel „Glaube und Vernunft“ wird in Theologie und Philosophie die Frage behandelt, ob und wie man den Glauben vernünftig rechtfertigen kann. Die Frage ist, ob es vernünftige Gründe gibt, an Gott zu glauben, oder ob die vorgebrachten Gründe doch nicht so stichhaltig sind, dass man sie vernünftig nennen könnte. Das Thema „Glaube und Vernunft“ ist also ein philosophisches Thema, das dementsprechend in der philosophischen Teildisziplin Natürliche Theologie, jedoch auch in der Theologie verhandelt wird, und zwar im Fach „Fundamentaltheologie#Glaube und Vernunft“. Ein wichtiges Kennzeichen für vernünftige Aussagen ist, dass sie von jedem prinzipiell akzeptiert werden können, denn Vernunft besagt in erster Linie Allgemeingültigkeit und die Bereitschaft, das bessere Argument gelten zu lassen. Vernunft ist also möglich, aber aufgrund von Missverständnissen, Wissensmangel oder emotional verursachten Einengungen dann doch oft nicht herstellbar und erreichbar. Wichtig für den Vernunft-Begriff ist auch zu wissen, dass „Vernunft“ nicht mit „Wahrheit“ gleichgesetzt werden darf. Denn vernünftige Aussagen müssen noch längst nicht wahr sein, sie können wahr sein, sie können aber auch falsch sein. Beispiel: Die Aussage „Die Welt hört auf zu existieren, wenn die durch den Urknall ausgelöste Fluchtbewegung der Galaxien durch die Gravitation der Galaxien zum Stehen kommt und sich alles wieder so weit zusammenzieht, wie es kurz nach dem Urknall war“ ist vernünftig, denn sie ist eine theoretische Annahme auf dem Hintergrund bestimmter physikalischer Beobachtungen. Aber diese Aussage ist nicht wahr zu nennen, da es sich auch anders verhalten könnte: Unser Universum könnte sich immer weiter ausdehnen, wenn die Explosionskraft des Urknalls die Gravitationskräfte der Galaxien bei weitem überstiege. Bis heute können die Physiker keine Beobachtung nennen, die die eine Theorie widerlegte und die andere als theoretisch besser einstufte. Aber als wahr könnte dann auch diese Aussage noch nicht gelten, weil keiner wissen kann, ob nicht irgendwann eine Beobachtung gemacht werden wird, die auch diese Aussage widerlegte und zu ganz anderen Annahmen über das Ende der Welt zwänge. Denn es könnte sein, dass ein punktähnliches Ende unseres zusammengezogenen Universums als reines Energiefeld ohne materielle Strukturen nur der Anfang ist eines sich wieder ausdehnenden Universums. Aber vielleicht ist es auch so, dass die Schwarzen Löcher in den Galaxien alles in sich hineinziehen, so dass nur noch Schwarze Löcher übrig blieben. In der Theologie und mehr noch der Philosophie wurden gute Argumente vorgebracht, Gott zu beweisen, trotzdem gelten die Gottesbeweise als umstritten. Viele Theologen halten den Glauben dadurch für vernünftig begründet, dass sie zeigen können, wie der Glaube sehr gut zu einem moralischen krisen- und konfliktlösenden Handeln befähigen kann. Solche Glaubensbegründungen nennt man „postulatorische Glaubensbegründungen“. Zu ihrem wissenschaftsmethodologischen Mangel ebendort. Wichtig für Christen im Hinblick auf das Thema „Glaube und Vernunft“ ist zu wissen, dass
Jesus es für das Christsein nicht vorschrieb, dass jeder kompetent Auskunft geben könne über das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Jesus war kein Theologe im herkömmlichen Sinne, weil er keiner sein wollte. Jesus hielt folgendes jedoch für völlig unverzichtbar für das Christsein: kleide Nackte, besuche Gefangene, gib Hungrigen zu essen, richte keinen, sondern verzeihe vielmehr jedem alles so weit du nur kannst. Andererseits heißt es bei Paulus ganz eindeutig, dass Christen bereit sein sollen, Rechenschaft über ihre (begründete) Hoffnung bzw. ihren Glauben abzulegen. Lange Zeit nahm man an, dass gerechtfertigter wahrer Glaube Wissen sei (GWG-Behauptung). Gettier gab dazu Gegenbeispiele an, die zeigten, dass zum Wissen gerechtfertigter wahrer Glaube nicht ausreicht (Gettier-Problem).

Glaube und Aberglaube

Der Begriff Aberglaube wird meist abwertend für einen Glaubenssatz oder ein Glaubensgebilde gebraucht, das - dem eigenen gegenübergestellt - als irrational, unvernünftig, nutzlos (manchmal auch unmenschlich), und deswegen als unterlegen betrachtet wird.

Implikationen des Glaubens

Kurz gesagt hat der Begriff Glaube nicht nur im religiösen Sinne 3 Eigenschaften: 1. etwas für richtig und wahr halten Carl Friedrich von Weizsäcker meint dazu in „Zeit und Wissen“: :
Glaube ist kein intellektueller Akt, sondern eine Weise zu leben. An etwas glauben heißt, sich in jeder Lage so zu verhalten, wie man sich verhalten muß, wenn es das, woran man glaubt, wirklich gibt. Das Fürwahrhalten ist nur die der Reflexion zugängliche intellektuelle Spitze des glaubenden Verhaltens. Um es in einem Gleichnis auszudrücken: Der Fußballspieler muß den Ball ab und zu einem anderen Spieler seiner Mannschaft zuspielen. Das ist nur sinnvoll, wenn er damit rechnen kann, daß der Partner den Ball übernimmt und gegebenenfalls zurückspielt. Gewißheit hierfür gibt es nicht, denn der andere könnte durch den Gegner gehindert sein oder den Ball verfehlen. Trotzdem muß man ihm zuspielen. Dies mit dem Gegenüber trotz der Ungewißheit rechnende Zuspielen und Zurückerwarten des Balls ist Glauben... :Es wäre wiederum ein aus der Reflexion stammendes Mißverständnis, wenn man versuchen wollte, nun einen „berechtigten Glaubensinhalt“ zu formulieren. Könnte man die „Berechtigung“ eines Glaubensinhaltes erweisen, so würde man wohl besser von Wissen reden. 2. etwas für wertvoll halten :Ich habe versucht, einige Weisen des Glaubens zu beschreiben. Ich habe nicht versucht, über ihren Wert zu argumentieren, denn das kann man nur, indem man selbst glaubt, also nicht von einem Ort jenseits der in jedem bewußten Glauben liegenden Entscheidung. (C.F. von Weizsäcker, Zeit und Wissen) 3. sich jemandem oder einer Lehre anvertrauen Aber: Buddha lehrte: Wenn Deine Einsicht meiner Lehre widerspricht, musst du Deiner Einsicht folgen. Jesus Christus sprach: Wer Gottes Willen tut, wird erfahren, ob meine Lehre von Gott ist (Joh. 7,17)

Zitate


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Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Kor. 13,13 zitiert nach der Lutherbibel 1984. Auf diesem Text basieren verschiedene kirchliche Kunstwerke.)
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Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebräer 11,1 zitiert nach der Bibelübersetzung Martin Luthers, überarbeitet 1984)
-
Glaube denen, die die Wahrheit suchen und zweifle an denen, die sie gefunden haben. André Gide
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Wo Glaube ist, ist Hoffnung, und wo Hoffnung ist, geschehen Wunder. (Werbespruch für eine Gesichtscreme gegen Falten)
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Zu Glauben ist schwierig. Nichts zu glauben ist aber unmöglich! (Victor Hugo)
-
Der Glaube kann Berge versetzen. (Alte Volksweisheit-biblisches Wort Christi)

Literatur


- Tom Bisset:
Warum? jemand nicht mehr glauben kann, Bielefeld, 2005 (ISBN 3-89397-971-9) ([http://clv.dyndns.info/pdf/255971.pdf PDF-Download])
- Arthur Ernest Wilder-Smith:
Wer denkt, muss glauben, Bielefeld (ISBN 3-89397-798-8)
- Carl Friedrich von Weizsäcker:
Zeit und Wissen, München 1992 (ISBN 3-446-16367-0)

Siehe auch


- Portal:Religion, Portal:Bibel
- Bibelstudium
- Atheismus, Bigotterie, Scheinheiligkeit
- Religionsphilosophie

Weblinks


- [http://www.luckysoul.de Religion, Glauben und Lebenswege - sehr umfangreiche und neutrale Informationsseite]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20746/1.html Warum der Mensch glaubt (Telepolisartikel)]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21126/1.html Sind religiöse Gesellschaften "besser"?] Kategorie:Theologie Kategorie:Religion Kategorie:Esoterik

Griechische Sprache

Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen. Siehe: Griko in Italien Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden. Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis 1453) grc.

Geschichte

1453 Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist. Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert. Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden. Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt. Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus). Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt. Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.

Grammatik

Altgriechisch

Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie. Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen. Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.

Nominale Wörter

Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Genera

- (allgemeine) Regeln:
  - Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
  - Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
  - Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache. Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
  - echter Akkusativ (direktes Objekt)
  - adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
  - echter Genitiv (Bereich)
  - Separativ (Herkunft)
- Dativ
  - echter Dativ (indirektes Objekt)
  - Soziativ (Gemeinschaft)
  - Instrumental (Mittel)
  - Lokativ (Ort, Zeit)

Verben

Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm. Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt. Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen) Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung. Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens) Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt. Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten). Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.) Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung. Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden. Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck. Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint. In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt. Der Imperativ drückt einen Befehl aus. Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt). Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung. Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus. Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn: Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.) Beispiele: Aktiv: er löst (etwas) transitives Medium: er löst (etwas) für sich intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Personen
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural). Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.

Neugriechisch (Dimotiki)

Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation. Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache: Vokale geschlossen halbgeschlossen offen Alle Vokale werden kurz ausgesprochen. laut IPA Konsonanten p t k b d g v δ z γ f θ s χ m n l r

Siehe auch


- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen

Literatur


- Geschichte:
  - Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
  - Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
  - Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
  - Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
  - Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
  - Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
  - Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
  - Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
  - Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
  - Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992

Weblinks


- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Einzelsprache als:Griechische Sprache ja:ギリシア語 ko:그리스어 ms:Bahasa Greek simple:Greek language th:ภาษากรีก


Vokabel

Eine Vokabel (v. lat.: vocabulum = Benennung, Bezeichnung) ist ein einzelnes Wort in einer Fremdsprache. Zum Erlernen einer Fremdsprache ist es unerlässlich, sich einen umfangreichen Wortschatz an Vokabeln anzueignen. Der Grundwortschatz einer Sprache erfordert meist die Kenntnis von etwa 2000 Vokabeln. Zum Nachschlagen der Bedeutung von Vokabeln benutzt man Wörterbücher. Beim Erlernen fremdsprachiger Vokabeln finden die unterschiedlichsten Methoden Anwendung, zum Beispiel lautes wiederholtes Lesen, das Abfragen durch eine zweite Person, die "Zudeck"-Methode, also das Abdecken der Vokabeln in einer Sprache, Computerprogramme (Vokabeltrainer), der Einsatz einer Lernkartei sowie das Führen eines Vokabelheftes. Siehe auch: Vokabular Kategorie:Wort

Wissen

Wissen (ahd. wischan, gesehen haben) bezeichnet die Gesamtheit aller organisierten Informationen und ihrer wechselseitigen Zusammenhänge, auf deren Grundlage ein vernunftbegabtes System handeln kann. Das Wissen erlaubt es einem solchen System - vor seinem Wissenshorizont und mit der Zielstellung der Selbsterhaltung - sinnvoll und bewusst auf Reize zu reagieren. Die Epistemologie, die den griechischen Wortstamm für Wissen (episteme) im Namen trägt, ist die Lehre von der Erkenntnis. Erkenntnis folgt erst dann aus Wissen, wenn erkannt wird, welche Relevanz die Einzelinformationen für die Lösung eines gegebenen Problems besitzen. Wissen kann man demnach also als potentielle Nutzinformation definieren. Das Wissen erfordert eine aussagekräftige Erklärung bzw. Begründung. Grundlegendes Kriterium ist das der Überprüfbarkeit bzw. Nachvollziehbarkeit. Als weiterer Maßstab gilt die Übereinstimmung des Wissens mit der wahrnehmbaren Realität. Anmerkung: Für den Begriff des Wissens findet sich im wissenschaftlichen Diskurs keine präzise und übergreifende anerkannte Definition, sondern zahlreiche, häufig ähnlich klingende Definitionen, die jeweils abhängig vom Standpunkt des Definierenden formuliert wird (sh. unten). Als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner lassen sich drei Aussagen formulieren:
- Dem Wissen liegen Informationen zugrunde.
- Diese Informationen müssen derart aufeinander bezogen sein, dass sie in sich stimmig sind. (Kohärenz)
- Neben der inneren Übereinstimmung muss sich Wissen in Übereinstimmung mit den wahrnehmbaren Bedingungen einer Umwelt befinden. Eine insbesondere in der analytischen Philosophie geläufige Definition ist: Wissen ist gerechtfertigter wahrer Glaube (auch: gerechtfertigte wahre Annahme, Meinung) Wissen steht seit der griechischen Philosophie im Gegensatz zur Meinung. Demnach impliziert Wissen Wahrheit und kann durch keine Argumentation widerlegt werden, während eine Meinung zwar wahr sein kann, aber diskutabel ist. Reale und imaginäre Objekte, Systeme und Prozesse können gegeneinander abgegrenzt und daher beschrieben und definiert werden. Wissen hingegen ist ein selbstbezüglicher Begriff für eine Gesamtheit und nicht überschaubar. Die Selbstbezüglichkeit zeigt sich in der Tatsache, dass eine Definition des Begriffs Wissen das Wissen selber verändert, weil die Definition ebenfalls Bestandteil des Wissens ist. Es kann daher nur eine Beschreibung der Wirkung von Wissen erfolgen. Während es auf den ersten Blick klar zu sein scheint, was Wissen bedeutet, ist es sehr schwer, eine allgemein gültige Definition dafür anzugeben. Für jede bekannte Definition gibt es Fälle, in denen sie offensichtlich nicht das wiedergibt, was wir unter Wissen verstehen. Dieses Problem nennt man das Gettier-Problem. Edmund Gettier zeigte dabei an Beispielen, dass die Annahme, Wissen sei gerechtfertigter wahrer Glaube, zu einem Paradoxon führt. Allein ein Blick auf die Wissenschaftsgeschichte sollte uns aber für die Aussage empfänglich machen, dass wir immer nur "glauben zu wissen". Zu oft wurden ganze Gebäude des Wissens zum Einsturz gebracht, wenn sich eine neue Hypothese als tragfähiger erwies - bis dass auch dieses vermeintlich gesicherte Wissen durch neue Erkenntnisse in Zweifel gezogen wurde. Und so wird der Zweifel zur wahren Triebfeder neuen Wissens.

Systematisch-zusammenfassender Ansatz zur Definition

Wissen ist eine vorläufig wahre Zustandsgröße und ein selbstbezüglicher Prozess. Seine Definition verändert es bereits, da diese selbst zum Bestandteil des Wissens wird. Voraussetzung für Wissen ist ein wacher und selbstreflektierender Bewusstseinszustand, der dualistisch angelegt ist. Nur dadurch ist es erst möglich aus der unmittelbaren Erfahrung Objekte von ihrer Umwelt getrennt zu betrachten und diese gegeneinander abzugrenzen. Diese Objektbeziehungen sind Informationen. Information ist ein Datenbestandteil, welcher beim Beobachter durch die beobachterabhängige Relevanz einen Unterschied hervorrief. Daten sind etwas, was wahrgenommen werden kann, aber nicht muss.

Formen des Wissens

Deklaratives Wissen

Bezeichnet in der Kognitionspsychologie das Wissen über Fakten ("Wissen was"), in Abgrenzung von handlungsorientiertem ("Wissen wie, prozedurales Wissen). Folgende Formen des deklarativen Wissens können unterschieden werden:
- Wissen über Fakten: Zu den Fakten gehören numerische Fakten wie "das Planck'sche Wirkungsquantum ist h = 6,6261 · 10-34 Js " oder Propositionen wie "Der Wolf ist ein Raubtier".
- Wissen über Konzepte und Konzepteigenschaften: Konzepte werden durch ihren Konzeptnamen, ihre Extension und ihre Intension definiert. Extension ist die Menge aller Objekte, die zu dem Konzept gehört, die Intension ist die Menge der Merkmale, die ein Objekt besitzen muss, um zum Konzept zu gehören. Man unterscheidet zwischen Individualkonzepten, die als Extension eine einelementige Menge besitzen, und Massenkonzepte wie Flüssigkeiten oder Schüttgut, die keine stückweise abzählbare Extension besitzen.
- Wissen über semantische Beziehungen: Semantische Beziehungen sind Aussagen zu zwei oder mehreren Konzepten, wie zum Beispiel
  - Teil-Von-Beziehungen: (Klinge - ist Teil vom - Schwert).
  - Ist-Ein-Beziehung (Wolf - ist ein - Raubtier).
  - Zeitliche Beziehungen (chronologische Abfolge, Simultanität).
  - Räumliche Beziehungen (Behälter - Inhalt).
  - Kausalbeziehungen (Blitz - Donner).
- Wissen über Ereignisse und Handlungen: Ein Ereignis ist eine Zustandsänderung eines Objektes zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über ein Zeitintervall hinweg. Eine Handlung ist ein Ereignis, das von einem Aktor absichtsvoll ausgelöst wurde.
- Wissen über Regeln und einschränkende Bedingungen (Constraints): Wissen über einschränkende Bedingungen ist Wissen über die Unzulässigkeit von Zuständen oder Zustandsänderungen.
- Metawissen: Wissen über Wissen, wie z.B.
  - Wissen über die Verlässlichkeit (Reliabilität) bzw. Güte (Validität) von Fakten oder anderen Wissensarten.
  - Wissen über Wissensqualität.
- Wissen als soziale Konstruktion: Grundlegend stellt die Wissenssoziologie fest, dass Erkenntnis nicht im Individuum, sondern in einem sozialen Kontext eingebettet ist, das bedeutet Wissen ist sozial bedingt.

Narratives versus diskursives Wissen

Jean-François Lyotard unterscheidet zwei Formen von Wissen:
- diskursives Wissen – das im Diskurs ermittelte Wissen der Moderne mit expliziter Legitimation. Wissenschaftliches Wissen ist spezifisches diskursives Wissen, das dem akademischen Diskurs und seinen akademischen Regeln unterliegt;
- narratives Wissen – das traditionelle Wissen in Form von Geschichten und Erzählungen, das sich implizit selbst legitimiert.

Operatives Wissen und Orientierungswissen

(Wie nutze ich das Wissen, das ich habe? Wie finde ich meinen Weg, wo ich noch nicht genug weiß?)
- Wissen über Vorgänge und Verfahren: Ein Vorgang ist eine lang andauernde Handlung. Ein Verfahren ist eine festgelegte Anzahl von miteinander verketteten Einzelhandlungen, für die oft eine bestimmte Reihenfolge verbindlich ist. Wissen über ein Verfahren bezeichnet man auch als "know how", Gewußt Wie.
  - Wissen, wie man Wissenslücken schließen kann (zum Beispiel indem man Unbekanntes erfragt).
  - Wissen, wie man neues Wissen aus vorhandenem Wissen ableitet (Inferenzstrategien).
  - Wissen, wie man Wissen strukturiert und neues Wissen hinzufügt
- Wissen über Probleme und Problemlösungsstrategien: Bildung einer formalen Beschreibung eines Problems mit dem Ziel der Klassifikation des Problems in eine bekannte Problemklasse, zu der eine Problemlösungsstrategie bekannt ist.

Kollektive Konstruktion von Wissen

Angesichts der auf die Menschheit zukommenden Probleme (Umwälzungen im Zuge der Globalisierung) ist es notwendig geworden, alle verfügbaren menschlichen Denkressourcen zu mobilisieren (Ressourcenorientierung). Voraussetzung ist, dass die Menschen in der Lage sind, Ihre intellektuellen und emotionalen Ressourcen tatsächlich zu bündeln also intensiv und effektiv zu kommunizieren. Daher muss in Schulen und Universitäten ein viel stärkerer Akzent auf die Vermittlung von Kommunikationsfähigkeit gelegt werden. Eine Unterrichtsmethode, die ganz auf den Aufbau von Kommunikationsfähigkeit abzielt, ist Lernen durch Lehren. Das Internet bietet für die Kollektive Konstruktion von Wissen das optimale Vehikel. Einige Anhänger der Kondratjew-Theorie, z.B. Erik Händeler ("Die Geschichte der Zukunft Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen. Kondratieffs Globalsicht", 2003) betrachten die neuen Kommunikationsmittel als Voraussetzung zu einem neuen Wirtschaftszyklus, dem 6. Kondratjeff. Als Modell für eine Struktur die zur effektiven Wissenskonstruktion führt, kann das Gehirn herangezogen werden (siehe auch: Kollektive Intelligenz). So können Internet-User metaphorisch als Neurone definiert werden, die in großer Zahl und großer Frequenz miteinander interagieren. Bezogen auf das Gehirn werden die "emergierenden" Ergebnisse dieser scheinbar chaotisch verlaufenden Neuronen-Interaktionen (neuronale Netze) "Gedanken" genannt. Auf das Internet übertragen können durch intensive Interaktionen zwischen Menschen/Neuronen für die Menschheit relevante Problemlösungen erarbeitet werden. Die Gehirnmetapher kann in besonderem Maße auf die kollektive Erstellung von Enzyklopädien angewandt werden. Dies trifft besonders für Enzyklopädien zu, die im Internet aufgebaut werden (z.B. die Wikipedia). Die kollektiv erstellten Artikel lassen sich dann metaphorisch als Emergenz betrachten: es können unzählige Menschen an der Produktion von Wissen beteiligt werden. Wie im Nervensystem ergeben sich in Internet-Enzyklopädien Spezialisierungen von Neuronenkonstellationen. Es werden einströmende Informationen sortiert, selegiert, verworfen oder an die nächsthöhere Instanz weitergeleitet. Es findet Komplexitätsreduktion und Veredelung statt. Einfachere Aufgaben werden von peripheren "Neuronen" erledigt, andere wiederum entwickeln Pläne und Perspektiven und übernehmen somit die Aufgabe des Frontalcortexes. Wesentlich ist dabei, dass wie im Organismus zahlreiche Prozesse erfolgen müssen (z.B. Kämpfe unter Neuronengruppen), die das vegetative Überleben des Systems sichern ohne aber auf der Bewusstheitsebene zu emergieren und die Reflexionsfähigkeit des Gesamtsystems zu beeinträchtigen. Paradigmenwechsel in der Wissensgesellschaft Im gegenwärtigen Forschungs- und Ausbildungssystem wird Wissen immer noch von Experten gehortet und an Eingeweihte über Monographien und wissenschaftliche Artikel weitergeleitet. Das auf diese Weise präsentierte Wissen wird von den Abnehmern, die sich in der Regel keine höhere Kompetenz als dem Verfasser zuschreiben, weder in Frage gestellt, noch durch eigene Beiträge angereichert. Durch die neuen Kommunikationsmittel werden - beispielsweise im Rahmen der Erstellung von Internet-Enzyklopädien -, ungleich mehr Menschen beteiligt. Dadurch werden Wissensreserven mobilisiert. Die Tatsache, dass das in der Enzyklopädie enthaltene Wissen entsakralisiert wird, weil die Autoren anonym sind und a priori keine höhere Kompetenz als andere Benutzer besitzen, leitet einen fruchtbaren Prozess der Infragestellung, Diskussion, Präzisierung und Aktualisierung ein. So wird in der neuen Wissensgesellschaft die Produktion von Wissen in einem dynamischen Prozess kontinuierlicher Präsentation, Prüfung und Speicherung demokratisiert.

Begriffsfeldabhängige Ansätze

Im Gegensatz zum umgangssprachlichen Verständnis von Wissen bemüht sich der von Helmut F. Spinner begründete Karlsruher Ansatz der integrierten Wissensforschung (KAW) um eine Systematisierung des gesamten Begriffsfeldes um "Wissen aller Arten, in jeder Menge und Güte"; Spinner initiierte daher das Wissensarten-, Wissensordnungs- und Wissensverhaltensprojekt. Er schlägt folgende Terminologie vor:
- "Wissen ist semantische Information (unabhängig von Richtigkeit und Wichtigkeit)"
- "Information ist inhaltliches Wissen"
- "Erkenntnis ist Information plus x" Im Rahmen des Wissensmanagement wird Wissen als eine Ressource betrachtet, die nicht nur von Individuen, sondern auch von anderen Systemen wie Gruppen und Organisationen erzeugt bzw. ausgehend von implizitem Wissen explizit gemacht wird.

Gettiers Problem

Gettier kritisiert den Ansatz, dass Wissen gerechtfertigter wahrer Glaube sei. Das führt zu einem Paradoxon: Gettiers Problem.

Siehe auch


- Diskursives Wissen
- Wissensrepräsentation
- Langzeitgedächtnis
- Lernen durch Lehren: Kollektive Wissenskonstruktion im Unterricht
- Intelligenz, Kollektive Intelligenz, Künstliche Intelligenz
- Know-How
- Wissenssoziologie

Literatur


- Daniel Geiger & Georg Schreyögg: Wenn alles Wissen ist, ist Wissen am Ende nichts ?!, in: DBW, 63. Jhrg., 2003.
- Jean-François Lyotard: Das postmoderne Wissen. Ein Bericht (Towards the Postmodern), Passagen-Verlag, Wien 1999.
- Matthias Vogel & Lutz Wingert (Hg.): Wissen zwischen Entdeckung und Konstruktion. Erkenntnistheoretische Kontroversen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2003.
- [http://deutschesfachbuch.de/info/detail.php?isbn=3825884082 Paschen, Harm: Zur Entwicklung menschlichen Wissens Die Aufgabe der Integration heterogener Wissensbestände. März 2005]
- Jacques Maritain: Die Stufen des Wissens. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1954

Weblinks


- [http://www.phillex.de/wissen.htm Beschreibung aus dem Lexikon der Philosophie]
- [http://www.projektkompetenz.de Studenten konstruieren gemeinsam Weltwissen]
- [http://www.ldl.de/material/aufsatz/homepage.pdf Das Internet als Gehirn - Aufsatz von Jean-Pol Martin]
- [http://www.bildung2010.de/gutzuwissen/thesen/thesen_kuhlen.html Universal Access: Wem gehört das Wissen?] Artikel von Rainer Kuhlen
- [http://web.uni-frankfurt.de/SFB435/ Sonderforschungsbereich/Forschungskolleg "Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel"] der Johann-Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main !

Gehorsam

Das Wort Gehorsam leitet sich (ähnlich wie Gehorchen) von Gehör, horchen, Hinhören ab und kann von einer rein äußerlichen Handlung bis zu einer inneren Haltung reichen.
Gehorsam bedeutet die Unterordnung unter den Willen einer Autorität, das Befolgen eines Befehls, die Erfüllung einer Forderung oder das Abstehen von etwas Verbotenem. Die Autorität ist meistens eine Person oder eine Gemeinschaft, kann aber auch eine überzeugende Idee, Gott oder das eigene Gewissen sein. # Militärischer Gehorsam: ein teilweise erzwungenes Befolgen von Befehlen und Anordnungen. Das Nichtbefolgen (Ungehorsam) zieht häufig Sanktionen nach sich und bedeutet oft ein Risiko für die Sicherheit anderer, kann aber in Einzelfällen auch geboten sein, so die Befehlsverweigerung aus rechtlichen oder ethischen Gründen. Das Spannungsverhältnis Befehl versus Gehorsam hat Heinrich von Kleist literarisch in seinem Drama "Der Prinz von Homburg" verarbeitet. # Kindlicher Gehorsam: ein Sich fügen von Kindern in den Familieverband, das aus einem natürlichen Abhängigkeitsverhältnis zu den Eltern ergibt. Im übertragenen Sinn aber auch das kindlich-kindische Verhalten Erwachsener. # Solidarischer Gehorsam: ein Sich einfügen in die Gruppe aus Solidarität, auch wenn man im einzelnen nicht selbst von einer Idee oder Handlung überzeugt ist. # Soziologischer Gehorsam: "Gehorsam" als zentrales definitorisches Merkmal für "Herrschaft" im Kontrast zur "Macht" bei dem Soziologen Max Weber. # Freiwilliger Gehorsam - gegenüber Normen, die als gut anerkannt sind (z.B. Zehn Gebote) oder gegenüber dem eigenen Gewissen. Damit verwandt ist # Gehorsam in Ordens- und anderen Gemeinschaften - als freiwillige Verpflichtung im Sinne der "evangelischen Räte" (Armut, Keuschheit, Gehorsam (Gelübde)). # Gehorsam als Selbstdisziplin. Dahinter steht eine Haltung, die den Sinn von Anordnungen bzw. das ihnen zugrunde liegende Sozialgefüge positiv sieht. # Vorauseilender Gehorsam - Erspürung einer Erwartung; bevor eine Anweisung ausdrücklich formuliert wurde, wird schon 'gehorcht'. Als Maxime der Jesuiten wurde es erstmals formuliert. Er spielte eine bedeutende Rolle für die Wirksamkeit nationalsozialistischer Kampforganisationen. # Kadavergehorsam, einer Wendung des Jesuiteneides nachgebildet, sowie wie # Blinder Gehorsam, eine andere Variante des an die Autorität sozialer Organisationen verschenkten Ichs (die Partei hat immer recht), vgl. Umerziehung, Sekte).

Siehe auch

Sekundärtugend, Erziehung, Gewissensbisse, Herrschaft, Kameradschaft, Militär-Maria-Theresien-Orden, Ordnung, Ordensregel, Zucht, Autorität

Weblinks


- [http://www.bruehlmeier.info/gehorsam.htm "Gehorsam als situationsgerechtes Verhalten", vom Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier] Kategorie:Tugend Kategorie:Herrschaftssoziologie

Credo

Das Credo (lat. „Ich glaube“) ist ein Teil des christlichen Gottesdienstes. Kurze Formen sind seit der Alten Kirche bekannt, vor allem in der Funktion von Taufbekenntnissen, jedoch nicht in allen Liturgieformen enthalten. In den verschiedenen christlichen Kirchen kommt das Credo an unterschiedlichen Stellen des Gottesdienstes vor, in der Regel aber im Zusammenhang mit der Taufe oder der Wortverkündigung.

Formen

Als Text des Credo wird in der katholischen und orthodoxen Liturgie das so genannte Nizäno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis verwendet. Es ist das Credo, das in allen christlichen Kirchen im Gottesdienst gebräuchlich ist. Allerdings wird das Nizänum in den westlichen Kirchen mit dem Zusatz des Filioque gesprochen, in den orthodoxen Kirchen dagegen in der ursprünglichen Form ohne Filioque. In der katholischen Kirche wird seit der Liturgiereform oft das kürzere, so genannte Apostolische Glaubensbekenntnis gesprochen. In den evangelischen Kirchen ist das Apostolikum seit der Reformationszeit das übliche Bekenntnis; das Nizänum wird meist bei besonders feierlichen Anlässen oder in ökumenischen Gottesdiensten gesprochen.

Theologische Funktion

Theologisch ist das Glaubensbekenntnis eine Bekräftigung des rechten Glaubens, um sich damit von der Irrlehre innerhalb der christlichen Kirchen abzugrenzen. Zwar gibt es in modernen Gottesdiensten auch Bekenntnisformen, die die eigene Glaubenssicht ausdrücken, aber dies ist nicht die ursprüngliche Funktion. Am Anfang stand das Credo vor allem im Zusammenhang mit der Taufe. Später ist es dann stärker als Glaubensurkunde verwendet worden, an der die Rechtmäßigkeit des eigenen Glaubens kontrolliert werden kann. Deshalb steht das Credo in den meisten christlichen Kirchen auch heute noch in Zusammenhang mit der Verkündigung und der Taufe:
- Im Katholizismus wird das Credo nach dem Wortgottesdienst – Lesung, Evangelium und Predigt – und vor der Eucharistiefeier gesprochen. Die Gläubigen bekennen vor der Eucharistie noch einmal den Glauben, gleichsam als Bedingung, da nach katholischem Verständnis der Glaube die Voraussetzung für die Mahlgemeinschaft darstellt. An dieser Cäsur in der Messe mussten auch im Altertum die noch nicht getauften, die also den Glauben formal noch nicht angenommen hatten, den Gottesdienst verlassen.
- Im Protestantismus ist der Ort des Glaubensbekenntnisses der mit „Verkündigung und Bekenntnis“ überschriebene Abschnitt des Gottesdienstes. Das heißt: Das Glaubensbekenntnis wird entweder vor oder nach der Predigt gesprochen, wenn im Gottesdienst keine Taufe stattfand.

Geschichte

So entspringt das Credo vermutlich den frühesten Anfängen des Christentums in der Jerusalemer Urgemeinde, war aber zunächst auf den Taufritus beschränkt. Erst später wurde es von Patriarch Timotheus von Konstantinopel in die östliche Liturgie aufgenommen. Im Abendland wurde es in Spanien auf der 3. Synode von Toledo im Jahr 589 in die Meßliturgie aufgenommen, als sich König Reccared vom Arianismus bekehrte. Vermutlich waren Häresien der Grund, den Glauben nicht nur bei der Taufe, sondern bei jeder Messe zu bekennen. Das Credo wurde zu damaliger Zeit vor dem Pater Noster gebetet, es war als Voraussetzung für die Kommunion gedacht. Von Spanien kam das Credo als Teil der Liturgie ins Frankenreich, wo es im 8. Jahrhundert Verbreitung fand. Papst Leo III. erlaubte offiziell den Gesang des Credos in der Messe nach einer Anfrage durch Karl den Großen im Jahr 810. In die Römische Liturgie wurde das Credo erst 1014 durch Benedikt VIII. aufgenommen, der Überlieferung nach auf Wunsch Kaiser Heinrich II., der sich bei seiner Kaiserkrönung über das Fehlen des Credo in der Römischen Liturgie wunderte.

Zeremonien

Die Zeremonien des Priesters beim Credo sind einfach: drei Kopfverneigungen, um die drei göttlichen Personen zu ehren, eine Kniebeuge bei der Textstelle „Er hat Fleisch angenommen“ und ein Kreuzzeichen am Schluss. Im Protestantismus gibt es keine besonderen Formen. In der Regel wird das Glaubensbekenntnis von der Gemeinde im Stehen gesprochen, wobei – anders als bei einem Gebet – der Kopf nicht gesenkt, sondern der Blick auf das Altarkreuz gerichtet wird. Kategorie:Liturgie

Altindisch

Altindisch ist die zusammenfassende Bezeichnung der indoarischen Sprachen in ihrer ältesten Form. Dokumentiert ist das Vedische, die Sprache der Veden, deren älteste Form sich im Rigveda findet. Aus einer jüngeren Form des Altindischen (mit einigen mittelindischen Elementen) wurde später das Sanskrit geschaffen, die Sprache der klassischen indischen Literatur. Oft wird (besonders in der englischsprachigen Literatur) der Begriff Sanskrit gleichbedeutend mit Altindisch bzw. Vedisch verwendet. Mit dem Altindischen am nächsten verwandt sind das Altpersische und das Avestische. Als eine der ältesten bezeugten indogermanischen Sprachen ist das Altindische (insbesondere das Vedische) eine der wichtigsten Quellen für die historisch-vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft und die Rekonstruktion der indogermanischen Ursprache. Vom Altindischen unterscheidet man die mittelindischen Sprachen (Prakrit) sowie die neuindischen Sprachen. Kategorie:Indische Sprache Kategorie:Indoarische Sprache

Indogermanische Sprachfamilie

Die indogermanische Sprachfamilie, von der nicht deutschsprachigen Philologie eher als indoeuropäische Sprachfamilie bezeichnet, deren Vokabular Übereinstimmung bei Flexion, Numerus, Genus und Ablaut aufweist, ist die mittlerweile vor allem auf Grund der Kolonisation meistverbreitete Sprachfamilie auf der Welt mit mehr als 2,5 Mrd. Muttersprachlern.

Der Begriff „indogermanisch“

Bei der Bildung der Bezeichnung Indogermanisch im 19. Jahrhundert gingen die Sprachforscher von den beiden Sprachgruppen aus, die damals als die räumlich am weitesten voneinander entfernten angesehen wurden, d. h. der indischen im Osten und im Westen der germanischen Gruppe (mitsamt des Isländischen). Die keltischen Sprachen wurden damals aufgrund grammatikalischer Besonderheiten noch nicht als indogermanisch angesehen und das Tocharische weiter östlich wurde erst 1890 entdeckt. Die Bezeichnung Indogermanisch wurde im deutschen Sprachraum, der in dieser Forschungsdisziplin weltweit immer noch führend ist, beibehalten. In anderen Sprachen wird hingegen die Bezeichnung Indoeuropäisch (IE) verwendet. Der amerikanische Linguist Merritt Ruhlen benutzt die Bezeichnung Indo-Hethitisch, um eine vorgebliche Sonderstellung des Hethitischen bzw. der anatolischen Sprachgruppe innerhalb des Indogermanischen zu betonen. Ein solcher Stammbaum wird jedoch (zumindest in der weitreichenden Form) von den meisten anderen Forschern abgelehnt. Heute nehmen viele Forscher aber an, dass sich die anatolischen Sprachen tatsächlich als erste von der Ursprache abgespalten haben.

Ursprung und Entwicklung

Die indogermanischen Sprachen sind nach Meinung der Indogermanistik im linguistischen Sinne genetisch verwandt. Dass ihre Ähnlichkeit nur auf typologischer Angleichung nach Art eines Sprachbunds zustande kam, kann ausgeschlossen werden. Ende des 18. Jahrhunderts erkannte der englische Orientalist William Jones aus Ähnlichkeiten zwischen dem Sanskrit und einigen europäischen Sprachen wie Litauisch, dass es für diese Sprachen eine gemeinsame Wurzel gibt. Der Deutsche Franz Bopp brachte 1816 in seinem Buch Über das Konjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache den methodischen Beweis für die Verwandtschaft dieser Sprachen und gilt zumindest im deutschsprachigen Raum als Entdecker des Indogermanischen. Diese indogermanische Ursprache ließ sich sprachwissenschaftlich rekonstruieren, obwohl aus dieser Zeit keine Schriftdokumente vorliegen. Für die Sprachen, die auf das Indogermanische zurückgehen, lässt sich auf der Grundlage der Forschungsergebnisse des deutschen Linguisten August Schleicher ein „Stammbaum“ darstellen, der den Ursprung und die Verwandtschaftsstruktur dieser Sprachen wiedergibt. In diesem „Stammbaum“ gibt es sowohl gesicherte als auch spekulative Verzweigungen; letztere betreffen insbesondere ausgestorbene Sprachen, die keine Nachfolgesprachen hinterlassen haben. Schleicher versuchte das hypothetische Protoindogermanische zu rekonstruieren, indem er sich ursprünglicher Formen diverser indogermanischer Sprachen bediente. Daraus entstand eine Übersetzung der sog. indogermanischen Fabel „Das Schaf und die Pferde“ als „Avis akvasasca“. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass solche Sprachrekonstruktion in der Regel zu Wortwurzeln einerseits und morphologischen und phonologischen Erscheinungen andererseits führen. Auch syntaktische Merkmale des Indogermanischen konnten mit Einschränkungen rekonstruiert werden. Eine Grundsprache im Sinne eines kommunikativen Verständnisses wird mit dieser Rekonstruktion jedoch nicht erreicht. Ausgehend von Wortstämmen, die allen indogermanischen Sprachen gemeinsam sind, wurde weiterhin in Zusammenarbeit mit der Archäologie versucht, das Ursprungsgebiet der Indogermanen zu bestimmen. Dabei wurden sowohl Ostanatolien, Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres oder Südosteuropa vorgeschlagen. Von den zahlreichen Hypothesen über diese Urheimat der Indogermanen, beispielsweise Kurgan-These, Anatolien-These ist keine allgemein akzeptiert. Einige Wissenschaftler stellen den Migrationsmodellen die Konzeption eines ausgedehnten indogermanischen Sprachkontinuums gegenüber. Es ist sogar strittig, ob eine 'Urheimat' überhaupt definiert werden kann, weil schon deren Existenz nicht gesichert werden könne, geschweige denn eine auch nur mehr als vage zeitliche und räumliche Ansetzung möglich sei. Auch die Methodik der Glottochronologie liefert nur vermeintlich exakte Daten. Sie versucht an Hand einer Testliste von Begriffen, die in möglichst vielen Sprachen vorhanden sind, Verwandtschaftsbeziehungen von Sprachen festzustellen: je größer der Prozentsatz an als verwandt vermuteten Wörtern der Liste, desto enger seien die Sprachen verwandt. Unter der Hypothese einer konstanten Ersetzungsrate (früher für alle Sprachen, heute je Einzelsprache oder gar Einzelwort) wird der Verlust an gemeinsamem Wortbestand in einem belegbaren Zeitraum mit verschiedenen Methoden einfach zurückprojiziert. Daraus ergäbe sich dann automatisch der zeitliche Abstand der Trennung der Schwestersprachen. Kritisiert an dieser Methodik wird v. a. die Überzeugung, dass für die verschiedenen Stufen der Ausgliederung eine absolute Chronologie bestimmt werden könne. Dies gilt auch für die in der Presse stark beachtete Berechnung von Gray/Atkinson von der Universität Auckland (Neuseeland) aus dem Jahr 2003, die mit Computerprogrammen der Bioinformatik arbeitet. Wahrscheinlich lassen sich sprachliche Rekonstruktionen nur in der Zusammenarbeit von Sprachwissenschaft und Archäologie erarbeiten. Ob die Humangenetik dabei eine Rolle spielen kann, ist umstritten. Populationsgenetiker wie Luigi Cavalli-Sforza versuchen nachzuweisen, dass sich zwischen der genetischen Verwandtschaft auch weit auseinander lebender Bevölkerungsgruppen (z. B. Balten und Hindi) und sprachlicher Verwandtschaft Parallelen ziehen lassen. Vermutungen zu entfernter Verwandtschaft wurden zu beinahe allen Sprachen der Welt angestellt. Die engste Verwandtschaft wird auf Grund grammatisch-morphologischer Gemeinsamkeiten mit den uralischen Sprachen angenommen. Darüber hinaus wird eine lose Verwandtschaft mit unter anderem Afro-Asiatischen Sprachen, sowie mit den altaischen Sprachen angenommen und unter dem Begriff Nostratisch untersucht. Eine überholte Unterteilung der indogermanischen Sprachen erfolgte früher nach dem Zahlwort für „hundert", der erschlossenen Urform
- kmtom, siehe Kentumsprachen.

Untergruppen

Zu den indogermanischen Sprachen gehören die folgenden Gruppen lebender und ausgestorbener (†) Sprachen:
- Indogermanische Ursprache
  - Albanisch
  - Anatolische Sprachen
  - Armenisch
  - Baltische Sprachen
    - Ostbaltische Sprachen
    - Westbaltische Sprachen (Altpreußisch) †
  - Germanische Sprachen
    - Nordgermanische Sprachen
    - Ostgermanische Sprachen
    - Westgermanische Sprachen
  - Griechisch
  - Illyrisch
  - Indoiranische Sprachen
    - Indoarische Sprachen
    - Iranische Sprachen
  - Italische Sprachen
    - Latino-faliskische Sprachen (mit Latein und den romanischen Sprachen)
    - Oskisch-umbrische Sprachen
  - Keltische Sprachen
    - Festlandkeltische Sprachen
    - Inselkeltische Sprachen
  - Phrygisch
  - Slawische Sprachen
    - Ostslawische Sprachen
    - Westslawische Sprachen
    - Südslawische Sprachen
  - Thrakisch
  - Tocharisch
  - Venetisch

Verwandtschaftsverhältnisse

Schon oft wurde versucht, die eben genannten Untergruppen zu größeren Einheiten zusammenzufassen. Nur in seltenen Fällen konnten sich diese Theorien in der Fachwelt durchsetzen, so z. B. die Zusammenfassung der indoarischen und der iranischen Sprachen zu den "indoiranischen Sprachen". Erwogen wurden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, eine "balto-slawische" Sprachgruppe (balto-slawische Hypothese), die Abstammung des Albanischen vom Illyrischen, eine nähere Verwandtschaft zwischen den italischen und den keltischen Sprachen, die Zuordnung des Venetischen sowohl zum Illyrischen als auch zu den italischen Sprachen, eine "thrakisch-phrygische" Sprachgemeinschaft und vieles mehr. Da bisher keine dieser Theorien stichhaltig nachgewiesen werden konnte, wurde in der Liste oben darauf verzichtet, genauere Zuordnungen vorzunehmen, d. h. "Streitfälle" stehen oben als Einzelgruppen und ohne Hinweise auf vermutete Verwandtschaftsverhältnisse. Wer mehr dazu wissen will, kann sich in den Artikeln über die einzelnen Untergruppen genauer informieren.

Siehe auch


- Indogermanische Wortwurzeln
- Indogermanische Ursprache

Literatur


- Robert S. P. Beekes: Comparative Indo-European Linguistics. An Introduction, Benjamins, Amsterdam 1995, ISBN 1-55619-505-2
- Frederik Bodmer: Die Sprachen der Welt, Parkland-Verlag, Köln 1997, ISBN 3-88059-880-0 (Schlechte Populärwissenschaft mit zahllosen sehr ärgerlichen Fehlern bei allen behandelten Themen (nicht nur der Indogermanistik), im Großen ebenso wie im Détail. Untauglich.)
- Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation, dtv, München 2001, ISBN 3-423-33061-9
- Cowgill, Waren 1986 Indogermanische Grammatik, I: Einleitung; II: Lautlehre; begr. v. Jerzy Kuryłowicz, hrsg. v. Manfred Mayrhofer, (=Indogermanische Bibliothek: Reihe 1, Lehr- und Handbücher), Heidelberg: Winter.
- Delbrück, Bertold 1919 Einleitung in das Studium der indogermanischen Sprachen. Ein Beitrag zur Geschichte und Methodik der vergleichenden Sprachforschung, (=Bibliothek indogermanischer Grammatiken, IV). 6. Aufl. Leipzig: Breitkopf & Härtel - Beste Darstellung der Wissenschaftsgeschichte mit allen Details im frühen 19. Jh.
- Thomas W. Gamkrelidse, Wjatscheslaw Iwanow: Die Frühgeschichte der indoeuropäischen Sprachen, In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, S. 50-57, ISSN 09477934
- Marija Gimbutas: The Kurgan Culture and the Indo-Europeanization of Europe. Selected Articles Form 1952 to 1993, Institute for the Study of Man, Washington 1997, ISBN 0-941694-56-9
- Marija Gimbutas: Das Ende Alteuropas. Der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas, In: Archeolingua, Budapest 1994 (series minor, 6)
- Werner König: dtv-Atlas deutsche Sprache, 14. Auflage, dtv, München 2004, ISBN 3-423-03025-9
- James P. Mallory: In Search of the Indo-Europeans. Language, Archaeology and Myth, Thames & Hudson, London 1991, ISBN 0-500-27616-1
- James P. Mallory, D. Q. Adams (Hrsg.): Encyclopedia of Indo-European Culture, Fitzroy Dearborn, London 1997, ISBN 1-884964-98-2
- Michael Meier-Brügger: Indogermanische Sprachwissenschaft, 8. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017243-7 (Ursprünglich von Hans Krahe. Gegenwärtig die umfassendste Darstellung, mit vorzüglicher Bibliographie zu sämtlichen Einzelthemen)
- Colin Renfrew: Die Indoeuropäer - aus archäologischer Sicht, In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, S. 40-48, ISSN 09477934
- Colin Renfrew: Archaeology and Language. The Puzzle of Indo-European Origins, University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-38675-6
- August Schleicher: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen, Böhlau, Weimar 1861/62, Nachdruck: Olms, Hildesheim 1974, ISBN 3-487-05382-9
- Reinhard Schmoeckel: Die Indoeuropäer, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-404-64162-0
- Szemerényi, Oswald: Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft, wb Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1989, ISSN 0724-5009, ISBN 3-534-04216-6. Sehr gute und umfangreiche wissenschaftliche Darstellung von Entwicklung und Verwandtschaftsverhältnissen der einzelnen indogermanischen Sprachen, referiert u. a. über die Entwicklung der Kasus, der Genus, der unterschiedlichen Konjugationen, des Lautsystems etc. Anfängern ist es allerdings nicht zu empfehlen.
- Eva Tichy: Indogermanistisches Grundwissen, Hempen Verlag, Bremen 2000, ISBN 3-934106-14-5 (Augenblicklich beste Einführung, nicht nur für Studierende. Im Gegensatz zu Meier-Brügger kein Abschnitt zur Syntax, aber ausführliche Diskussion der Entstehung des Systems der drei grammatischen Geschlechter, insbesondere des Femininums, im Indogermanischen. - Reiche weiterführende Literaturangaben. Als Leitfaden fürs (Selbst-)Studium bestens geeignet.)

Weblinks


- http://pages.unibas.ch/klaphil/idg/texte/ie.html - Indogermanisch oder Indoeuropäisch?
- http://www.zeit.de/archiv/2001/51/200151_sprachgen.xml - Wie Gene die Lippen spitzen
- http://www.civisdigitalis.de/em/info/archive_article.asp?article=121003 - Das große Rätsel der indoeuropäischen Sprache – neuer Disput um Alter und Herkunft
- http://static.unilang.org/resources/other/languagefamily_ie.jpg - Stammbaum der indogermanischen Sprachfamilie
- http://www.dabis.at/Anwender.htm/Alscher/contents.htm - The Ergativic Stage of Early Proto-Indoeuropean - Written by Hans-Joachim Alscher Kategorie:Sprachfamilie ja:インド・ヨーロッパ語族 zh-cn:印欧语系

Hebräische Sprache

Hebräisch gehört zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen und damit zur afro-asiatischen Sprachfamilie. Die heilige Schrift der Juden, die Torah, wurde vor Tausenden von Jahren in dieser Sprache kodifiziert und den folgenden Generationen weitergegeben. Nach der Zerstörung des Ersten Tempels zu Jerusalem durch Nebukadnezar II. im Jahre 586 v. Chr. und dem darauffolgenden babylonischen Exil kam die dortige Amtssprache Aramäisch unter den Juden in Umlauf; späte Teile der Bibel enthalten deshalb aramäische Bestandteile. Auch die Muttersprache von Jesus von Nazaret war möglicherweise Aramäisch. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels zu Jerusalem im Jahre 70 verlagerte sich das Zentrum jüdischer Siedlung von Judäa nach Galiläa. Damit verbunden nahm auch das hebräischsprachige Element in der Bevölkerung ab. Etwa ab dem Jahre 200 hörte Hebräisch auf, als Muttersprache zu fungieren. Es blieb indessen eine Sakralsprache, wurde jedoch nie ausschließlich zu liturgischen Zwecken benutzt, sondern stets auch zur Abfassung von philosophischen, medizinischen, juristischen und poetischen Texten, so dass sich das Vokabular im Laufe der Jahrhunderte erweitern konnte. Es ist ebenfalls bezeugt, dass sich die verstreuten jüdischen Gemeinden zur Verständigung untereinander des Hebräischen bedienten. Die Erneuerung des Hebräischen als Muttersprache begann im späten 19. Jahrhundert. Trotz der jahrtausendelangen Entwicklung sind die Unterschiede zwischen Althebräisch und Neuhebräisch viel weniger bedeutend als zum Beispiel zwischen Altgriechisch und Neugriechisch (siehe griechische Sprache). In Israel wird gar nicht zwischen Alt- und Neuhebräisch unterschieden, in beiden Fällen ist von "Iwrit" die Rede. Von David Ben Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten des neuzeitlichen Staates Israel, ist der Ausspruch überliefert: "Wenn Moses heute zurückkäme und um ein Stück Brot bitten würde, würde man ihn verstehen."

Geschichte

Man unterscheidet drei Entwicklungsstufen: Alt-, Mittel- und Neuhebräisch.

Frühgeschichte

Der Gezer-Kalender stammt aus dem Jahre 925 v. Chr., das heißt aus der Amtszeit des Königs Salomo, und gilt als die bisher älteste bekannte hebräische Inschrift. Es handelt sich um einen landwirtschaftlichen Kalender aus sieben horizontal geschriebenen Zeilen und einer achten vertikalen Zeile, in denen das phönizische Alphabet verwendet wird. Das berühmteste Werk in hebräischer Sprache ist die jüdische Bibel, der Tanach (im christlichen Sprachgebrauch Altes Testament genannt). Die genauen Daten ihrer Abfassung sind umstritten (siehe dazu Bibelkritik). Die ältesten Exemplare von biblischen Texten wurden 1947 in Qumran gefunden und stammen aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem späten 1. Jahrhundert n. Chr.

Spätere Geschichte

Die Juden im Perserreich benutzten Aramäisch, das für die folgenden 700 Jahre zur Umgangssprache wurde und vor allem in der Bibelübersetzung Targum und in Teilen des Talmuds literarisch verwendet wurde. Aramäisch gehört ebenfalls zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen und ist somit dem Hebräischen sehr nahe verwandt. In der mittelhebräischen Phase wurden zahlreiche aramäische Ausdrücke und Redewendungen ins Hebräische übernommen, vor allem aber das aramäische Alphabet, das als Quadratschrift bis heute in Gebrauch ist. Während etwa zwei Jahrtausenden war Hebräisch keine gesprochene Sprache. In der traditionellen jüdischen Ausbildung, beginnend im Cheder und fortgesetzt in den Talmud-Hochschulen, wurde jedoch viel Zeit darauf verwendet, um Torah, Mischna, Gemara und rabbinische Kommentare im Original lesen zu können. Der wichtigste Beitrag zur Erhaltung des traditionellen Hebräisch stammt von den Masoreten, die vom 7. bis zum 10. nachchristlichen Jahrhundert zum ursprünglich rein konsonantischen Text Vokale, Akzente und so genannte Teamim hinzufügten, das heißt Angaben zum liturgischen Gesang im Gottesdienst. In der Biblia Hebraica Stuttgartensia ist der masoretische Text abgedruckt.

Hebräische Schrift

Siehe dazu den Artikel Hebräisches Alphabet sowie die Einträge unter den einzelnen Buchstaben, beginnend mit Aleph.

Grammatik

Hauptartikel: Hebräische Grammatik In der hebräischen Grammatik werden zur Unterscheidung von Subjekt und Objekt keine Fälle verwendet, sondern Präpositionen. Flexion spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Bildung und Ableitung von Verben, Substantiven, der Genitivkonstruktion Status constructus, der auf Hebräisch Smichut ("Stützung") genannt wird, und dem Besitzverhältnis. Beispiele für Smichut: báyit = Haus; lechem = Brot; béit lechem = Haus des Brotes (Bethlehem). In der Smichut steht der Artikel, im Gegensatz zu den Indogermanischen Sprachen, vor dem Objekt: aliyá = Einwanderung; nó`ar = Jugend; aliyát hanó`ar = die Einwanderung von Jugendlichen. Das Besitzverhältnis kann auf hebräisch durch eine Kurzform und eine längere Form wiedergegeben werden. Die Kurzform besteht in der Anhängung einer persönlichen Nachsilbe, die längere Form durch Ableitungen der Präposition schel ("von"). Beispiel: Sohn = ben mein Sohn = bni bzw. habén schelí (wörtlich "der Sohn von mir"). Dass die Hebräische Schrift eine Konsonantenschrift ist, kommt nicht von ungefähr: in der hebräischen Sprache besteht ein Wortstamm nur aus Konsonanten. Die verschiedenen abgeleiteten Formen entstehen durch Hinzufügung unterschiedlicher Vokale sowie mit Hilfe von Vor- und Nachsilben. Zum Beispiel: der Wortstamm G-N-W bezeichnet die Idee des Stehlens. Daraus werden unter anderem folgende Wörter abgeleitet: ganáw = Dieb; daraus abgeleitet das deutsche Wort "Ganove" (aní) gonéw = (ich) stehle gniwá = Diebstahl Zum Thema Wortstamm siehe außerdem den Abschnitt "Grammar" im englischen Artikel über die semitischen Sprachen, :en:Semitic languages. Die hebräische Sprache kennt zwei grammatikalische Geschlechter bzw. Genera: männlich und weiblich. Weibliche Substantive und Namen enden meistens mit a oder th, das entspricht jeweils den hebräischen Buchstaben "He" bzw. "Taw". Beispiel: Judith, `Ivrith. Es gibt jedoch auch einige Ausnahmen, beispielsweise endet das Wort "lájla" (Nacht) mit dem Buchstaben "He" und ist trotzdem männlich. Betont wird meistens die letzte Silbe, in einigen Fällen auch die vorletzte Silbe. Hebräische Substantive und Adjektive können mit dem bestimmten Artikel "ha" definiert werden. Unbestimmte Substantive bzw. Adjektive tragen gar keinen Artikel. Der bestimmte Artikel wird zusammen mit dem zugehörigen Wort geschrieben. Beispiel: no`ar = Jugend, hano`ar = die Jugend. Hebräische Verben verfügen heute über drei Zeitformen, Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Für die Gegenwart hat jedes Verb vier Formen, wobei zwischen männlicher Einzahl, weiblicher Einzahl, männlicher Mehrzahl und weiblicher Mehrzahl unterscheiden wird. Beispiel:
dient dem Zeilenumbruch, bitte nicht entfernen
Die Grundform zur Ableitung sämtlicher Konjugationsformen ist im Hebräischen die 3. Person Singular maskulin der Vergangenheit, Beispiel katáw: er schrieb. Des weiteren verfügen die meisten Verben, mit Ausnahme von einigen Passivformen und Modalverben, über Infinitiv- sowie Imperativformen. Hebräische Verben kennen weder eine Vorvergangenheit noch ein Futur II. Dieser Mangel an zeitlichen Ausdrucksformen wird jedoch dadurch ausgeglichen, dass die jahrtausendealten Wortstämme (siehe oben) durch die Ableitung von kausativen und reflexiven Formen neu belebt werden können. Beispiele:
- lichtów: schreiben, davon abgeleitet:
  - michtáw: Brief
- lëhachtíw: "zu schreiben geben", d.h. diktieren, vorschreiben, davon abgeleitet:
  - hachtawá: Diktat
- lëhitkatéw: "einander schreiben", d.h. korrespondieren, davon abgeleitet:
  - hitkatwút: Korrespondenz

Sprachen mit starken hebräischen Einflüssen

In den Jahrhunderten der Diaspora verwendeten die Juden zahlreiche Sprachen wie Jiddisch, Jenisch, Ladino bzw. Judezmo, Karaimisch, Judäo-Arabisch und andere, die zwar nicht direkt vom Hebräischen abstammen, jedoch zahlreiche hebräische Lehnwörter aufweisen und fast stets mit dem hebräischen Alphabet notiert wurden.

Einflüsse des Hebräischen auf das Deutsche und umgekehrt

Durch die Bibelübersetzung von Martin Luther sind zahlreiche Ausdrücke und Redewendungen mit biblischem Hintergrund in die deutsche Sprache aufgenommen worden. Beispiele: sicher wie in Abrahams Schoss, Jubeljahr, Kainsmal. Vornamen hebräischen Ursprungs sind so weit verbreitet wie das Christentum: Jakob, Joseph,