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Glorious Revolution

Glorious Revolution

In der Glorious Revolution von 1688 entschied das englische Parlament den seit Beginn des 17. Jahrhunderts geführten Machtkampf mit dem Stuartkönigtum endgültig zu seinen Gunsten. Der katholische König Jakob II. wurde vertrieben und durch seinen Schwiegersohn und seine Tochter, Wilhelm von Oranien und Maria II. von England, ersetzt. Jakob II. flüchtete zu seinem heimlichen Freund Ludwig XIV. Wilhelm wurde kurzfristig die Regierungsführung übertragen. 1689 krönte das Parlament ihn (3 Monate nach Anfang seiner Regierungszeit) und seine Frau Maria, nachdem sie die Liste der Bill Of Rights bestätigt hatten. Der protestantische Oranier, der bereits Generalstatthalter der Niederlande war, bestieg 1689 als Wilhelm III. den englischen Thron. Er und seine ebenfalls protestantischen Frau waren von der Mehrzahl der anglikanischen Bischöfe und von den Parteien des Parlaments ins Land gerufen worden, um einer befürchteten Rekatholisierung Englands durch Jakob II. zuvorzukommen. Rekatholisierung Langfristig erwies sich dieser Regimewechsel nicht nur für die Geschichte Englands als sehr bedeutend, sondern für die Entwicklung des Parlamentarismus weltweit. Da das englische Regierungssystem seit dem 18. Jahrhundert von immer mehr Staaten zum Vorbild genommen wurde, prägten die in der Glorious Revolution wie die zuvor schon im Englischen Bürgerkrieg aufgeworfenen Verfassungsfragen die politische Theorie weit über Großbritannien hinaus. Die bereits von den Zeitgenossen verwendete Bezeichnung des unblutigen Umsturzes als Glorreiche Revolution wurde in bewusstem Gegensatz zum Englischen Bürgerkrieg gewählt. Man war der Auffassung, während dieser mit der Hinrichtung König Karls I. und der Errichtung einer Republik unter Oliver Cromwell geendet habe, seien die Ereignisse von 1688/89 von der „Gloriole“ eines neuen Königtums umstrahlt gewesen.

Literatur


- Thomas Babington Macaulay, Die Glorreiche Revolution. Geschichte Englands 1688/89, Zürich, Manesse Verlag 1998 [ISBN 3-7175-8240-2]

Siehe auch

Geschichte Englands, Bill Of Rights (England)

Weblinks

Kategorie:Revolution Kategorie:Englische Geschichte ja:名誉革命

1688

Ereignisse


- Glorious Revolution in England
- Beginn des Krieges zwischen Frankreich und der Augsburger Liga (bis 1697)
- Joseph Clemens von Bayern wird Erzbischof von Köln
- Kurfürst Max Emanuel von Bayern erobert Belgrad von den Osmanen zurück

Geboren


- Datum unbekannt: Giuseppe Castiglione, in China tätiger italienischer Jesuit, Missionar und Maler († 1766)
- 29. Januar: Emanuel Swedenborg, schwedischer Wissenschaftler, Mystiker und Theologe († 1772)
- 4. Februar: Pierre Carlet de Marivaux, französischer Schriftsteller († 1763)
- 15. Februar: Nicolas Frèret, französischer Historiker († 1749)
- 23. Februar: Ulrike Eleonore, Königin von Schweden von 1718 bis 1719 († 1741)
- 22. März: Joachim Daniel von Jauch, deutscher Ingenieuroffizier und Architekt († 1754)
- 15. April: Johann Friedrich Fasch, deutscher Komponist († 1758)
- 15. April: Johann Georg Bergmüller, deutscher Maler († 1762)
- 19. April: Ernst August I. (Sachsen-Weimar-Eisenach) († 1741)
- 21. Mai: Alexander Pope, britischer Dichter († 1744)
- 14. August: Friedrich Wilhelm I., König von Preußen seit 1713 († 1740)
- 8. Oktober: Johann Ulrich König, deutscher Schriftsteller († 1744)
- François Robichon de la Guérinière, Erfinder der modernen Reitkunst († 1751)
- Zacharias Hildebrandt, deutscher Orgelbauer († 1757)

Gestorben


- 9. Mai: Friedrich Wilhelm, Großer Kurfürst von Brandenburg (
- 1620)
- 22. Mai: Johann Andreas Quenstedt, letzter Vertreter der lutherischen Hochorthodoxie (1600–1680) (
- 1617)
- 5. Juni: Maximilian Heinrich von Bayern, Erzbischof von Köln (
- 1621)
- 11. Juli: Narai, König von Ayutthaya in Thailand
- 25. August: Henry Morgan, englischer Freibeuter (
- um 1635)
- 31. August: Maria Magdalena von Oettingen, 2.te Frau des Markgrafen Wilhelm von Baden (
- 1619)
- 31. August: John Bunyan, Baptistenprediger und Schriftsteller aus England (
- 1628)
- 11. September: Eduard von Keyserling, deutscher Dichter des Barock (
- 1613)
- 15. September: Otto Wilhelm Graf von Königsmarck, venetianischer Generalissimus gegen die Türken (
- 1639)
- 14. Oktober: Joachim von Sandrart, deutscher Maler, Kupferstecher und Kunsthistoriker (
- 1606)
- 11. Dezember: Christian Lehmann, Chronist Pfarrer (
- 1611) ko:1688년

House of Commons (Großbritannien)

Das britische House of Commons ist das Unterhaus des Parlaments des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Das House of Commons ist neben dem House of Lords die zweite Kammer des englischen Parlaments. Es hat die Entscheidung über Gesetzgebung und Staatshaushalt; ihm ist die Regierung verantwortlich. Die Legislaturperiode beträgt fünf Jahre; doch kann der Premierminister das House of Commons jederzeit vorzeitig durch die Krone auflösen lassen. Präsident des House of Commons ist der Speaker.

Geschichte

Ein Vorläufer des House of Commons trat erstmals am 20. Januar 1265 in Leicester zusammen, nachdem Simon V. von Montfort den englischen König Heinrich III. gezwungen hatte, ein solches Parliament einzuberufen, dem erstmals auch Bürgerliche angehörten. Als besondere Kammer des Parlaments besteht das Unterhaus seit dem 14. Jahrhundert. Das englische Parlament gilt daher als das erste Zweikammerparlament der Moderne. Gegenüber der ersten Kammer, dem Oberhaus, hat es seit dem 17. Jahrhundert ständig an Gewicht gewonnen; heute hat das Oberhaus nur noch geringe Rechte. Immer mehr Menschen bekamen das Wahlrecht zum Unterhaus, seit 1832 wurde ihre Anzahl durch mehrere Reformgesetze immer mehr erweitert; 1918 erhielten auch die Frauen das Wahlrecht. Im 20. Jahrhundert hat sich die Regel herausgebildet, dass der Premierminister Mitglied des Unterhauses sein muss.

Siehe auch


- Politisches System Großbritanniens und Nordirlands
- Britische Unterhauswahlen 2005 Kategorie:Politik (Großbritannien)

17. Jahrhundert

Das 17. Jahrhundert begann am 1. Januar 1601 und endete am 31. Dezember 1700. Es ist die Epoche der Neuzeit (Frühe Neuzeit).

Persönlichkeiten


- Francis Bacon, englischer Philosoph
- Oliver Cromwell, englischer Politiker
- René Descartes, Philosoph und Mathematiker
- Galileo Galilei, Wissenschaftler
- Thomas Hobbes, Philosoph
- Jan Amos Komenský, Theologe und Pädagoge
- Gottfried Leibniz, Philosoph und Mathematiker
- John Locke, englischer Philosoph
- Claudio Monteverdi, Komponist
- Isaac Newton, Physiker und Mathematiker
- Blaise Pascal, Theologe, Mathematiker und Philosoph
- Franz von Sales, Bischof und Heiliger
- Heinrich Schütz, Komponist
- William Shakespeare, Dramatiker
- Baruch Spinoza, Philosoph
- Rembrandt van Rijn, Maler

Anderes


- Barock, von 1550 - 1750
- Dreißigjähriger Krieg von 1618 - 1648
- Pfälzischer Erbfolgekrieg, 1688 - 1697: Leitet die Machtverlagerung von Frankreich zu Großbritannien ein.

Erfindungen und Entdeckungen


- Isaac Newton entwickelt den Differentialkalkül und legt die Grundlagen der klassischen Mechanik.
- Erste Messung der Lichtgeschwindigkeit, 1676.
- Flaschenkorken ermöglichen die Lagerung von Wein in Flaschen. 01-17 ! ja:17世紀 ko:17세기

Stuart

Das Haus Stuart (ursprünglich Stewart) regierte Schottland seit 1371 und England seit 1603. Die Stuarts gingen aus der anglonormannischen Familie Fitz-Allan hervor, die am schottischen Königshof das erbliche Amt des Truchsessen (englisch: Steward) innehatte. 1371 bestiegen sie mit Robert II. den schottischen Thron. Der erste Stuart auf dem schottischen Thron war Robert II. Mit Jakob V. starben die Stuarts 1542 im Mannesstamm aus. Die Linie wurde durch seine Tochter Maria Stuart fortgeführt, die den Namen von Stewart auf die französische Schreibweise Stuart änderte. Maria Stuarts Sohn, Jakob VI., wurde 1603 nach dem Tode Elisabeths I. als Jakob I. englischer König. Nachdem sie schon 1649 bis 1660 im Exil gelebt hatten, wurden sie endgültig 1688 in der Glorious Revolution vertrieben. Der letzte männliche Stuart-König, Jakob II., ging ins Exil. Seine Töchter Maria II. und Anne regierten noch bis 1694 bzw. 1714. Restaurationsversuche des Thronprätendenten Jakob III. in den Jahren 1708, 1715 und 1745/46 blieben erfolglos. Mit dem Tode des Kardinals von York 1807 starb das Haus Stuart in der männlichen Hauptlinie aus; einige Nebenlinien existieren noch heute. Trotzdem sind bis heute sämtliche britischen Monarchen in direkter - weiblicher - Linie Nachfahren der Elisabeth Stuart, der Tochter Jakobs I., gen. die Winterkönigin, und damit nach wie vor "Stuarts".

Oberhäupter des Hauses Stewart

Dapifers von Dol


- Flaad I. († um 1080)
- Alan I. († ?)
- Alan II. († 1095)
- Flaad II. († um 1101-1102)
- Alan III († um 1121)

High Stewards von Schottland


- Walter the Steward, erster High Steward of Scotland ( † 1177)
- Allen Stuart, zweiter High Steward of Scotland ( † 1204)
- Walter Stewart I., dritter High Steward of Scotland ( † 1246)
- Alexander Steward, vierter High Steward of Sctoland ( † 1283)
- James Stuart, fünfter High Steward of Scotland ( † 1309)
- Walter Stewart II., sechster High Steward of Scotland ( † 1326)
- Robert Stewart, siebter High Steward of Scotland (später, Robert II.)

Schottische Monarchen


- Robert II. (1371-1390)
- Robert III. (1390-1406)
- Jakob I. (1406-1437)
- Jakob II. (1437-1460)
- Jakob III. (1460-1488)
- Jakob IV. (1488-1513)
- Jakob V. (1513-1542)
- Maria, Königin der Schotten (1542-1567)
- Jakob VI. (1567-1625)

Britische Monarchen


- Jakob VI. (Schottland) und I. von England (1603-1625)
- Karl I. (England) und Schottland (1625-1649)
- Karl II. (England) und Schottland (1660-1685)
- Jakob VII. (Schottland) und II. von England (1685-1688)
- Maria II. (England) und Schottland (1689-1694) - mit Wilhelm III. (England) und II. von Schottland, vom Haus Oranien-Nassau
- Anne (Großbritannien) (1702-1714)

Literatur


- John Miller: The Stuarts. – London : Hambledon & London, 2004. – ISBN 1852854324 !

König

Der Titel König ist vom Wort kon oder konr abgeleitet, welches generosus und vornehm bedeutet. Der Begriff hat also nichts mit der Funktion zu tun, sondern mit dem Status der Familie. Der König ist also zunächst ein Mann aus vornehmer Familie. Damit korrespondiert lat. genus, ahd. kuni und mhd küne, was soviel wie 'Geschlecht, Dynstie, Familie, Stamm' bedeutet. Der König ist wortwörtlich jemand, der von einer bestimmten (zur Herrschaft vorrangig qualifizierten) Familie abstammt. Später bezeichnet der Königstitel den nach dem des Kaisers höchsten monarchischen Würdenträger eines souveränen Staates. Im Europa des Mittelalters und der frühen Neuzeit war der König in der Regel höchster Souverän seines Landes: Oberhaupt der Regierung, oberster Richter und Gesetzgeber in einer Person. Darüber hinaus nahm er in manchen Staaten – beispielsweise in England – die Funktion eines geistlichen Oberhaupts wahr. In modernen Monarchien ist der König meist Staatsoberhaupt mit repräsentativen und zeremoniellen Aufgaben.

König bei den Wikingern

Allgemeines

In den Quellen werden eine ganze Reihe verschiedener Arten von Königen aufgeführt: Könige, Kleinkönige, Heerkönige und Seekönige. Letztere besaßen kein Herrschaftsgebiet. Die Quellen der frühen Zeit schweigen sich über Stellung und Funktion des Königs aus. Auch weiß man nicht, wie man ursprünglich König wurde. Allerdings spricht viel dafür, dass am Anfang ein Wahlkönigtum bestanden hat. Es spricht viel dafür, dass immer Personen aus den vornehmsten Familien und schließlich der Familie des Vorgängers zur Wahl standen, so dass sich allmählich ein Erbkönigtum entwickelte. Bei diesem Vorgang spielte neben der Schaffung eines Zentralkönigtums durch Harald Hårfagre die Kirche eine besondere Rolle, indem sie König Olav Haraldsson zum Heiligen erklärte, der sein göttlich legitimiertes Königsheil auf seine Nachkommen überträgt. Harald Hårfagre stammte von einem Kleinkönig ab, konnte aber ein Oberkönig werden. Es ist unbekannt, ob diese Könige ihr Königtum auf den Familienstamm oder auf ihre militärische Stärke gründeten. Harald jedenfalls baute vor allem auf seine Militärmacht. Die war aufwendig zu unterhalten, weshalb er in großem Umfang Bauern enteignete. Torbjørn Hornklove dichtet über Harald:
:Ich glaube, Du kennst den König / der auf den Schiffen wohnt / der Herr der Nordmänner / Gebieter über tiefe Schiffe / mit blutbespritzten Spanten / und roten Schilden, / geteerte Ruder / und ein Zelt aus Gischt.
Das ist die Beschreibung eines typischen Wikingerkönigs. Offenbar hatten fremde Vorbilder ihn dazu gebracht, dass er eine andere Art von König sein wollte. So könnte auch an ein Gerichtskönigtum gedacht gewesen sein. Torbjørn Hornklove bezeichnet in der Glymdrápa Haralds Gegner als hlennar = Diebe, was ein Hinweis auf den Versuch, Recht und Ordnung durchzusetzen, gedeutet werden könnte. Der Ausdruck wird aber eher nur eine Herabsetzung der Feinde bedeuten. Der König hatte eine große Zahl an Schiffen und Mannschaften zu unterhalten. Dazu benötigte er verschiedene Arten von Einkünften. Eine davon waren die Königshöfe, die an der Küste aufgereiht waren und aus Enteignungen stammten. Diese Stellen zahlten ihre "Steuer" dadurch, dass sie den König mit Mannschaft für eine gewisse Zeit mit Kost und Logis beherbergten. Es handelte sich also um ein Reisekönigtum. Das entspricht ganz der Art, wie die übrigen Wikingkönige z.B. in Irland vorgingen. Der Vorteil der Bauern war, dass der König andere Räuber fernhielt, so dass die Belastung auf viele Bauern verteilt überschaubar war. Die Funktion des Königs beschränkte sich auf die Vertretung des Gesamtstaates nach außen, auf das Heerwesen und die Verwaltung, soweit sie für die Gesamtheit erforderlich war.

Andere Königsdefinitionen

Der Kleinkönig war eher ein Häuptling in einem eng begrenzten Raum, der daher nicht umherzog, sondern seine Einnahmen an seinen Sitz angeliefert bekam. Der Unterkönig, auch Skattkönig (Steuerkönig) genannt, war ein mediatisierter König, der zwar in seinem Machtbereich weitgehende Souveränität besaß, aber einen Oberkönig anerkennen musste, dem er abgabepflichtig war und der die Reichseinheit wahrte und für die Gesamtverteidigung zuständig war. Der Heerkönig und der Seekönig waren eigentlich Feldherren in unserem Sinne. Sie sammelten Schiffe und Mannschaft um sich und zogen zu Plünderungszügen aus. Sie waren aber an bestimmte Regeln in ihrer Befehlsgewalt gebunden. Insbesondere gab es ungeschriebene Gesetze über die Verteilung der Beute, an die sie sich zu halten hatten. Das galt übrigens auch für die fränkischen Könige in der frühen Zeit. Der Heerkönig war während der Völkerwanderungszeit gleichzeitig Identifikationsfigur. Die germanischen gentes sind nach heutiger Ansicht durchaus multiethnisch gewesen. Sie erhielten ihre Identität durch die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Heerkönig und dessen Familie, an deren Seite sie kämpften und deren Traditionen sie übernahmen. Die frühmittelalterliche ethnische Terminologie ist nicht kulturell, linguistisch oder geographisch, sondern militärisch und politisch. Die Ethnie war also nicht eine objektive Kategorie mit einer präzisen Definition, sondern ein subjektiver Prozess, durch den sich die Individuen selbst und auch die anderen definierten, und zwar in bestimmten Situationen, besonders im Zusammenhang mit Konflikt und Krieg. Die ethnischen Gruppen veränderten sich daher schnell und definierten sich auch um und zwar mit verblüffender Schnelligkeit. Alle diese Königsbezeichnungen dürften sekundär und erst in der Wikingerzeit entstanden sein, also im 8. Jh. Der Begriff "König" für einen Herrscher in einem Gebiet ist aber offenbar älter. Wahrscheinlich haben Söhne von Königen, die zum Wikingern auszogen, den Königstitel für ihre Heerfahrt angenommen.

Thronfolgeregelungen

Sobald der Königstitel erblich geworden war, waren offenbar seine männlichen Nachkommen gleichberechtigt zur Nachfolge berufen, entweder, indem sie gemeinsam regierten oder das Reich teilten oder indem einer die Regierung allein übernahm, der andere mit Vermögen abgefunden wurde. Die Mündigkeit zur Herrschaft wird allgemein auf das 12. Lebensjahr angesetzt. Das Königtum war Eigentum und Erbgut des regierenden Hauses. Im Norwegen des christlichen Mittelalters war es das 15. Lebensjahr. Erik Magnusson stand 1280 mit 12 Jahren noch unter der Vormundschaft des Reichsrates. Für Frauen gab es eine "latente" Thronfolgeberechtigung. Sie konnten zwar selbst nicht Herrscherinnen werden, aber den ihnen an sich zukommenden Herrschaftsanspruch auf ihren Ehemann oder Sohn weitergeben. Die Ynglinga-Saga (keine Geschichtsschreibung, aber ein Spiegel der Kenntnisse der Verfasser über bestimmte Gesellschaftsstrukturen) berichtet, dass König Eysteinn Halfdánarson Vestfold geerbt habe, als sein Schwiegervater, König Eiríkur Agnarsson kinderlos gestorben war. König Halvdan Svarte, der Vater Harald Hårfagres soll erst einen Teil von Agdir von König Haraldur granrauði, seinem Großvater mütterlicherseits und dann auch noch Sogn über seinen Sohn Harald von dessen mütterlichen Großvater Harald gullskegg geerbt haben. Das war auch mit dem normalen Erbrecht vereinbar. Danach konnten Frauen eine Grundherrschaft erben, allerdings die Herrschaft nicht persönlich ausüben. Bei der Thronfolge wurde das normale Erbrecht nachgebildet. So schloss der nähere Verwandtschaftsgrad den ferneren vollständig aus. Dabei wurde allerdings nicht vom verstorbenen König aus gerechnet, sondern vom Stammvater, von dem das Königtum abgeleitet wurde. So schloss der Sohn zwar den Enkel aus. Aber wenn der verstorbene König einen Sohn und eine Tochter hatte, so waren die Söhne des Sohnes und ihre Söhne gleichberechtigt. Bei der Erbfolge in einen Gutshof galt: Die männlichen Nachkommen schlossen die weiblichen zwar aus, nahmen ihnen aber nicht das latente Nachfolgerecht. Bei zwei Schwestern verdrängte diejenige, die einen Sohn hatte, die Schwester, die nur eine Tochter hatte, vom Hof. Hatte in der nächsten Generation der Sohn nur eine Tochter und die Schwester-Tochter einen Sohn, so verdrängte dieser umgekehrt die Tochter. Dies ist alles so im Gulaþingslov geregelt. Wie weit diese Regeln auch auf die Thronfolge angewendet wurden, lässt sich nicht feststellen. Jedenfalls gab es einen Unterschied: Während nach der zivilen Erbfolgeregelung uneheliche Söhne erst nach den Geschwisterkindern erben konnten, waren außereheliche Kinder ohne weiteres thronfolgeberechtigt. Håkon der Gute war unehelicher Sohn von Harald Hårfagri, Magnus der Gute war unehelicher Sohn von Olav dem Heiligen. Die meisten Könige damals waren unehelich. Bei der gemeinsamen Regierung mehrerer Brüder folgte der Sohn eines versterbenden Königs seinem Vater nicht nach, sondern dessen Königsherrschaft wuchs den verbleibenden Königen zu. Harald Hårfagre versuchte, durch Hausgesetz die Erbfolge erstmalig abweichend zu regeln, indem er bestimmte, dass seine Söhne das Reich teilen sollten, aber einer das Oberkönigtum innehaben sollte. Jeder sollte sein Königtum im Mannesstamme vererben. Die Söhne von Töchtern sollten - ebenfalls erblich - die Jarlswürde erhalten, womit eine kleinere Herrschaft, dem König untergeordnet, bezeichnet war. Mit Hilfe des Oberkönigtums sollte trotz der Teilung der Herrschaft eine Einheit des Reiches nach außen gewahrt bleiben.

Königtum in Skandinavien im christlichen Mittelalter

Die Funktion des Königtums änderte sich im christlichen Mittelalter, insbesondere um 1300, allmählich. Unter Erik II. und besonders unter seinem Nachfolger Håkon Magnusson bekam der König eine im frühen Skandinavien unbekannte Rolle als oberster Gesetzgeber und oberster Richter. Um diese Zeit wurde der Königsspiegel in altnorwegischer Sprache verfasst, der die Stellung des Königs ausschließlich biblisch begründet. Hier kommen die kontinentalen Strömungen der Rechts- und Staatswissenschaften zum Tragen.

König in der Neuzeit

Der Königstitel wird in den meisten Ländern Europas durch Erbgang nach dem Tod des Vorgängers übertragen. In den Erbmonarchien galt früher fast immer das männliche Erstgeburtsrecht. Nachfolger wurde also stets der älteste männliche Erbe des verstorbenen Königs. Die meisten europäischen Monarchien haben in den letzten Jahren die Erbfolge zugunsten des ältesten leiblichen Erben – gleichgültig ob Mann oder Frau – geändert. Einige Königreiche, wie etwa Polen und heute noch Malaysia, waren dagegen Wahlmonarchien. In ihnen bestimmte ein festgelegter Kreis von Wählern – in Deutschland waren dies die Kurfürsten – den Nachfolger eines verstorbenen oder abgesetzten Königs. Der formelle Amtsantritt eines Königs erfolgt im Rahmen einer feierlichen Krönung, wie in England oder in einer Huldigungszeremonie, wie in den Niederlanden. Siehe auch: Monarchie

Königslisten von Monarchien


- Bayern
- Böhmen
- Bosnien
- Burundi
- Dahomey (Königreich)
- Dänemark
- England
- Frankenreich
- Frankreich
- Griechenland
- Könige im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation
- Kongo (Reich)
- Kroatien
- Lesotho
- Makedonien
- Marokko
- Neapel
- Nepal
- Niederlande
- Ostgotenreich
- Polen
- Portugal
- Preußen
- Sachsen
- Sizilien
- Ungarn
- Westgotenreich

Siehe auch


- Liste der Referenztabellen/Herrscher und Regierungschefs, Herrscher, Monarchie, Großkönig, Irische Hochkönige, Kaiser, Adelstitel

Literatur


- Aschehougs Norges Historie. Oslo 1995, Bd. 2, ISBN 82-03-22013-4
- Lotte Hedeager: "Scandza", Folkevandingstidens nordiske oprindelsesmyte. In Nordsjøen - Handel, Religion og politikk. Karmøyseminaret 94/95 Hrg. Karmøy Kommune, S. 9, ISBN 82-7859-000-1.
- Konrad Maurer: Vorlesungen über Altnordische Rechtsgeschichte Bd. I: Altnorwegisches Staatsrecht und Gerichtswesen. Deichert'sche Verlagsbuchandlung, Leipzig 1907. Kategorie:Rechtsgeschichte Kategorie:Adelstitel Kategorie:Wikingerzeit als:König ja:国王 simple:King

Jakob II. (England)

Jakob II., engl. James II (
- 14. Oktober 1633; † 5. September 1701) war von 1685 bis 1688 König von England und als Jakob VII. König von Schottland. Er wurde in der Glorious Revolution von 1688 von Wilhelm III. gestürzt und war der letzte männliche Stuart auf dem britischen Thron.

Leben

Er wurde am 14. Oktober 1633 als dritter Sohn Karls I. und dessen Gemahlin Henriette von Frankreich geboren. 1672 trat er zum Katholizismus über. Am 15. Februar 1660 heiratete er in erster Ehe Anne Hyde, mit der er die Kinder
- Karl (
- 22. Oktober 1660, † 5. Mai 1661),
- Maria II. (
- 30. April 1662, † 28. Dezember 1694),
- Jakob (
- 12. Juli 1663, † 20. Juni 1667),
- Anne (
- 6. Februar 1665, † 1. August 1714),
- Karl (
- 4. Juli 1666, † 22. Mai 1667),
- Edgar (
- 14. September 1667, † 8. Juni 1671),
- Henriette (
- 13. Januar 1669, † 15. November 1669) und
- Katharina (
- 9. Februar 1671, † 5. Dezember 1671) hatte. In zweiter Ehe heiratete er am 1. Dezember 1673 Maria Beatrix von Modena, die ihm die Kinder
- Katharina Laura (
- 10. Januar 1675, † 3. Oktober 1675),
- Isabella (
- 28. August 1676, † 2. März 1681),
- Karl (
- 7. November 1677, † 12. Dezember 1677),
- Elizabeth (
- 1678, † 1678),
- Charlotte Maria (
- 16. August 1682, † 6. Oktober 1682),
- Jakob Franz, gen. "the Old Pretender" (
- 10. Juni 1688, † 30. Dezember 1765) und
- Louisa Maria (
- 28. Juni 1692, † 18. April 1712) gebar. Zudem war er Vater der unehelichen Kinder
- Jakob FitzJames (
- 21. August 1670, † 12. Juni 1734),
- Henrietta FitzJames (
- 1667, † 1730),
- Heinrich FitzJames (
- 1673, † 1702),
- Arabella Ignatia FitzJames (
- 1674, † 1704),
- Katharina Darnley (
- 1680, † 1743),
- Jakob Darnley (
- 1684, † 1685) und
- Karl Darnley (
- 1686, † 1687). Im Auftrag von Jakob, dem Herzog von York und Bruder des englischen Königs, landet 1664 Richard Nicolls mit 450 englischen Soldaten in Brooklyn, Nieuw Amsterdam. Er nennt nach ihm die Siedlung "New York". Jakob bekleidet auch die Stellung des "Lord High Admiral", des höchstrangigen Admirals, eine Art Marineminister. In der Seeschlacht bei Lowestoft, 1665, befehligt er persönlich eine starke englische Flotte und erringt einen Seesieg gegen die Holländer. Als Jakob 1685 die Nachfolge seines Bruders Karl II. antrat, stieß er wegen seines katholischen Glaubens und seines Machtanspruchs im englischen Adel auf starke Ablehnung. 1688 wurde er schließlich in der Glorious Revolution gestürzt. Neuer König wurde sein Schwiegersohn Wilhelm von Oranien (Wilhelm III.). Jakob floh zunächst nach Irland, wo er aber 1690 in der Schlacht am Boyne Wilhelm III. unterlag. Daraufhin floh er nach Frankreich und starb schließlich am 5. September 1701 in Saint-Germain-en-Laye.

Siehe auch


- Liste der Herrscher Englands
- Liste der Herrscher Schottlands
- Geschichte Schottlands
- Jakobiten Kategorie:König (England) Kategorie:König (Schottland) Kategorie:Mann Kategorie:Geboren 1633 Kategorie:Gestorben 1701 Kategorie:Jakobitische Thronprätendenten ja:ジェームズ2世 (イングランド王)

Wilhelm III. (England)

Wilhelm III. von Oranien-Nassau (
- 14. November 1650 in Den Haag; † 19. März 1702 in Hampton Court) war Statthalter der Niederlande sowie König von England, Schottland und Irland.

Leben

Irland Wilhelm wurde als Kind von Prinz Wilhelm II. von Oranien und Maria, älteste Tochter König Karls I. von England, geboren. Nach einer streng calvinistischen Erziehung am preußischen Hof wurde er 1672 nach dem Sturz Johan de Witts zum Statthalter, Generalkapitän und Admiral der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande gewählt. Im Französisch-Niederländischen Krieg (1672-1678/79) wehrte er entschlossen und erfolgreich die Truppen des französischen Königs Ludwigs XIV. ab und konnte die Unabhängigkeit des Landes erhalten. 1677 heiratete er Maria Stuart II., Tochter des späteren englischen Königs Jakob II. Infolge der Versuche der Rekatholisierung Englands durch Jakob baten die im englischen Parlament dominierenden Whigs Wilhelm um Hilfe. Mit massiver finanzieller Unterstützung des späteren Papstes Innozenz XI. landete dieser am 5. November 1688 in England. Jakob musste ins französische Exil fliehen (Glorious Revolution). Nachdem Wilhelm und seine Frau Maria der Declaration of Rights am 22. Januar 1689 zugestimmt hatten, erklärte ihn das Parlament am 13. Februar zusammen mit Maria zum neuen König, nach Marias Tod 1694 regierte er alleine. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg schmiedete er die sogenannte Große Allianz, die 1701 zu Beginn des Spanischen Erbfolgekriegs erneuert wurde und sich gegen das expandierende Frankreich wandte. Unter der Regierungszeit Wilhelms gelang es dem englischen Parlament meist gegen den königlichen Widerstand, seine Rechte wesentlich zu erweitern. So wurde beispielsweise die Bill of Rights verabschiedet, die parlamentarische Verantwortlichkeit von Ministern durchgesetzt und auch die Bank von England gegründet. Wilhelm starb am 19. März 1702 in Hampton Court infolge eines Reitunfalls.

Charakterisierung von Wilhelm III. durch Churchill

Der Literaturnobelpreisträger und englische Premierminister Winston Churchill hat für Wilhelm III. nur wenige freundliche Worte gefunden. Möglicherweise hat dazu beigetragen, dass seine Vorfahren Sarah und John Churchill, der 1. Herzog von Marlborough, die beide viel zur politischen Stabilisierung Wilhelms III. beigetragen hatten, dafür wenig Dank erhielten: :Wilhelm von Oranien war vaterlos und kinderlos. Sein Leben war liebeleer. Seine Heirat wurde von der Staatsräson diktiert. Eine zänkische Großmutter hatte ihn erzogen, und seine Jugendjahre regelte eine niederländische Erziehungskommission nach der anderen. Seine Kindheit war unglücklich und seine Gesundheit schlecht. Er hatte eine tuberkulöse Lunge, war asthmatisch und ein wenig verwachsen. Aber in dieser ausgezehrten und gebrechlichen Hülle brannte ein unbarmherziges Feuer, angefacht von den Stürmen Europas und noch verstärkt durch den unerbittlichen Druck seiner Umwelt. ...Frauen bedeuteten ihm wenig. Lange Zeit behandelte er seine liebevolle treue Gemahlin gleichgültig. ...Er bekannte sich natürlich zum calvinistischen Glauben, schien jedoch aus dieser gestrengen Lehre nur wenig geistlichen Trost gewonnen zu haben. Als Herrscher und als Befehlshaber war er bar aller religiösen Vorurteile. (Churchill, S. 17)

Literatur


- Winston Churchill; Geschichte, Band III - Das Zeitalter der Revolutionen, Scherz & Coverts Verlag, Stuttgart 1957

Weblinks

Kategorie:König (England) Kategorie:König (Schottland) Kategorie:Niederländische Geschichte Kategorie:Haus Oranien-Nassau Kategorie:Mann Kategorie:Geboren 1650 Kategorie:Gestorben 1702 ja:ウィリアム3世 (イングランド王)


Ludwig XIV. (Frankreich)

Ludwig XIV. (französisch Louis XIV., Louis le Grand;
- 5. September 1638 in Saint-Germain-en-Laye; † 1. September 1715 in Versailles) war seit 1643 König von Frankreich und Navarra, genannt der „Sonnenkönig“ (französisch Roi Soleil). Mit 72 Jahren Regentschaft war er der am längsten regierende Herrscher der Neuzeit. Ludwig XIV. gilt als klassischer Vertreter des Absolutismus. Er festigte die Macht der Krone durch einen Ausbau der Verwaltung, durch Bekämpfung der inneren Opposition und durch Förderung der französischen Wirtschaft. Die Hofkultur wurde ganz auf die Person des Herrschers zugeschnitten. Zum Symbol für dessen herausragende Stellung wurde sein prunkvolles Auftreten. Der König förderte Künste und Wissenschaften, es folgte eine Blütezeit der französischen Kultur. Die Außenpolitik Ludwigs XIV. war aggressiv, so dass Frankreich unter seiner Regierung die Vormachtstellung über Europa gewann.

Leben

Absolutismus Die Geburt Ludwigs XIV. in Saint-Germain-en-Laye erschien vielen als glückliches Ereignis, denn 23 Jahre lang war die Ehe seiner Eltern Ludwig XIII. und Anna von Österreich ohne Nachkommen geblieben. Durch seine Geburt wurde die befürchtete Thronfolge von Jean-Baptiste Gaston, Herzog von Orléans ausgeschlossen. Aus Dankbarkeit erhielt der Neugeborene den Beinamen Dieudonné (der Gottgegebene). Sein Bruder, Herzog Philipp I. von Orléans, wurde 1640 geboren. Schon als Vierjähriger wurde Ludwig am 14. Mai 1643 als König inthronisiert. Er lebte aber bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr 1651 unter der Regentschaft seiner Mutter Anna von Österreich. Die tatsächliche Macht wurde in dieser Zeit vom „regierenden Minister“ Kardinal Mazarin ausgeübt. Mazarin bereitete Ludwig zielgerichtet auf seine Rolle als absolutistischer Herrscher vor; Schritt für Schritt wurde der junge König an der Macht beteiligt und teilte sich schließlich die Verantwortung mit Mazarin. Durch die außenpolitischen Erfolge der Minister-Kardinäle Richelieu und Mazarin politisch gestärkt, entfaltete Ludwig das absolutistische Königtum barocker Prägung in Frankreich mit einem Hofleben, das ganz auf die Person des Herrschers zugeschnitten war. Nach dem Westfälischen Frieden zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 und dem Pyrenäenfrieden mit Spanien 1659 war Frankreich die politische und militärische Vormacht in Europa. Unterstützt von Ministern wie Colbert, Louvois, Hugues de Lionne und dem Marquis de Pomponne konzentrierte er den staatlichen Machtapparat und erweiterte die militärischen, institutionellen und materiellen Machtgrundlagen der französischen Monarchie. Negativ auf seine Herrschaft wirkten sich die Auseinandersetzungen mit dem Papst, die Hugenotten-Verfolgung und der Spanische Erbfolgekrieg aus. Letzterer führte durch die Härte der Kämpfe 1713 fast zu einem Staatsbankrott, der nur durch eine Finanzreform und massive Einsparungen abgewendet wurde. 1660 heiratete Ludwig die Infantin Maria Theresia von Spanien. Nach deren Tod 1683 heiratete er in morganatischer Ehe Françoise d'Aubigné, Madame de Maintenon. Ludwig überlebte seinen Sohn und seinen ältesten Enkel und starb am 1. September 1715. Sein Urenkel folgte ihm als Ludwig XV. auf den Thron. Ludwig XIV. wurde in der von ihm geschaffenen „Krypta der Bourbonen“ in der Basilika Saint-Denis beigesetzt. Im Jahre 1793 wurde sein sehr gut erhaltener Körper mit den anderen Königen „profaniert“ und kurzzeitig in eine Grube geworfen. Das einbalsamierte Herz wurde nach seinem Tode in die Jesuitenkirche in der Rue St. Antoine in Paris gebracht, um neben dem Herzen seines Vaters zu ruhen. In der Restaurationszeit kamen alle Herzen der Angehörigen des Königshauses, auch das Ludwigs XIV., nach St. Denis, wo man es bis heute in der Krypta besichtigen kann.

Herrschaft

Die frühen Jahre

Paris Nachdem Ludwig XIV. als vierjähriger Junge 1643 den Thron geerbt hatte, übernahm seine Mutter Anna von Österreich die Regentschaft. Diese bestätigte umgehend Kardinal Mazarin als Premierminister. Zu diesem Zeitpunkt sah sich Frankreich in einen Krieg gegen das Haus Habsburg verwickelt. Frankreichs Armeen kämpften im anhaltenden Dreißigjährigen Krieg sowohl gegen den deutschen Kaiser, als auch gegen den spanischen König. Zwar waren die französischen Armeen militärisch erfolgreich, aber dennoch belastete der Konflikt die Staatsfinanzen erheblich. Innenpolitisch sah sich Anna einer heftigen Opposition gegenüber, denn die städtischen Gerichtshöfe und Prinzen misstrauten ihrer Regierung. Dem stellte sich Kardinal Mazarin entgegen. Anna entpuppte sich jedoch als völlig anders als erwartet, die verschmähte spanische Habsburgerin am französischen Hof wurde selbst zu einer überzeugten Französin. Sie duldete weder Favoriten, noch die Schmälerung der königlichen Autorität im Staate. Sie wies ihre Generäle an, die Kämpfe mit unverminderter Härte voranzutreiben. Mazarin leitete die Staatsgeschäfte und führte die absolutistische Politik Kardinal Richelieus fort, indem er die Zentralisierung der Staatsgewalt in der Person des Königs mit aller Macht betrieb. Mit der Unterzeichnung der Friedensverträge zu Münster und Osnabrück 1648 war Frankreich der Sieger des Dreißigjährigen Krieges. Große Truppenteile konnten gegen Spanien eingesetzt werden. Nun brach in Frankreich die Fronde (16481653) aus, ein offener Bürgerkrieg gegen die Politik des Absolutismus. Als Vorwand diente die Minderjährigkeit Ludwigs. Man gab vor, gegen die negativen Einflüsse des Leitenden Ministers Mazarin zu kämpfen. Dieser wurde als Italiener allgemein wenig geschätzt, insbesondere die königlichen Prinzen nahmen ihm übel, dass er sie konsequent von jeder Macht ausschloss. Die Parlamente (Oberste Gerichtshöfe) wurden vom Englischen Bürgerkrieg beeinflusst und sahen eine Chance, ihre Privilegien auszubauen. Die Fronde scheiterte 1652, die Unruhen sollten jedoch noch bis 1654 anhalten. Ludwig XIV. wurde 1651 für großjährig erklärt, womit die Regentschaft seiner Mutter offiziell endete. Der König – noch zu jung zur Regierung – übertrug erwartungsgemäß die Macht an Mazarin. 1654 erfolgte die Krönung und Salbung des Königs in Reims, womit die Ordnung im Königreich, für jeden ersichtlich, wiederhergestellt war. Die Krönung des Königs war für die Menschen das Symbol für Kontinuität und den Schutz Gottes. Während des Bürgerkriegs kam der Kampf mit Spanien zum Erliegen, die Frondeure bekamen überdies Unterstützung von den Spaniern. Nachdem wieder innerer Friede herrschte, konnte Frankreich seine Kräfte gegen Spanien bündeln und erzielte Erfolge durch Angriffe auf die Spanischen Niederlande und die Invasion Spaniens, welche zur erneuten Besetzung Kataloniens führte. 1657 gelang es Mazarin, das republikanische England unter Oliver Cromwell in einem Geheimvertrag zum Bundesgenossen gegen die Spanier zu gewinnen. Spanien sah sich gezwungen, den Frieden zu suchen. König Philipp IV. bot Ludwig die Hand seiner ältesten Tochter, der Infantin Maria Teresia, an. 1659 trafen beide Monarchen auf der Fasaneninsel zwischen Frankreich und Spanien zusammen und unterzeichneten den Pyrenäenfrieden. Frankreich erwarb das Roussillon in den Pyrenäen und bekam von den Spanischen Niederlanden das Artois und einige Nebenländer. Die Infantin verzichtete auf ihr Erbrecht der spanischen Krone gegen eine Mitgift von 500.000 Goldtalern, eine für die Spanier unerschwingliche Summe, die nicht ausgezahlt werden konnte. Dadurch blieb Maria Teresia älteste, erbberechtigte Tochter des spanischen Königs. Die Heirat zwischen Ludwig XIV. und Maria Theresia fand am 9. Juni 1660 in Saint-Jean-de-Luz statt. Bereits am 1. November 1661 wurde Dauphin Louis geboren.

Die Alleinherrschaft

Dauphin Louis Seit seiner Kindheit führte Kardinal Mazarin die Geschäfte für den König, der Leitende Minister galt als ein außerordentliches Talent in der Politik und daher unterrichtete dieser selbst den König in der Kunst der Staatsführung. Ludwig XIV. bekam so eine solide und sehr umfassende Ausbildung in Staatsangelegenheiten, Recht, Geschichte und Militärstrategie, aber auch in diversen Sprachen und Wissenschaften. Als Mazarin am 9. März 1661 starb, war der 22-jährige König gut auf sein Amt vorbereitet und verkündete dem Staatsrat, dass es nie wieder einen Premierminister geben werde und er fortan allein regieren werde und sein eigener Leitender Minister sei. Diese Regierungsgrundsätze hielt er 1670 in seinen „Memoiren“ für seinen Nachfolger fest. Der Hof und die Minister waren zunächst irritiert, doch meinte man, es würde sich nur um eine vorübergehende Phase beim König handeln. Dieser hingegen begann die Regierung umzubilden und entließ einen Großteil des Staatsrats, selbst seine Mutter schloss er aus, so dass nur noch die wichtigsten drei Minister an den Ratssitzungen teilnahmen. Einer von diesen war Nicolas Fouquet, der Finanzminister. Ludwig ließ ihn wegen Korruption und Hochverrats verhaften und durch den ihm treu ergebenen Jean-Baptiste Colbert ersetzen. Fouquet hatte Staatsgelder veruntreut und Befestigungen ohne Genehmigung des Königs bauen lassen. Letzteres interpretierte Ludwig als Vorbereitung einer Rebellion. Mit der neuen Regierung wurde ein Reformprogramm beschlossen, dessen Ziele die Förderung von Wirtschaft und Wissenschaft, der massive Ausbau von Flotte und Armee und die völlige Reformierung der Bürokratie war. Ludwig schreibt selbst an seine Mutter: „Ich bin nicht der Gimpel, für den mich die Höflinge gehalten haben...“, denn es war dem König sehr ernst mit der Politik. Diese Form der Alleinregierung bezeichnet man auch als das absolutistische Kabinettsystem. Der junge Ludwig XIV. suchte Europa zu beeindrucken. Diese Gelegenheit bot sich ihm bereits 1661 beim Londoner Kutschenstreit, in dessen Folge Spanien den Vorrang des Königs von Frankreich in ganz Europa anerkennen musste. Den europäischen Höfen wurde klar, dass Ludwig nicht die Absicht hatte, ein schwacher König zu sein. 1662 kam es zur Defensivallianz zwischen Frankreich und Holland und Ludwig XIV. kaufte vom englischen König Karl II. die Stadt Dünkirchen. Doch der König wollte alle Welt nicht nur politisch überraschen, sondern auch seine Macht und Reichtum zur Schau stellen. Dies ging am besten durch prächtige, für den Barock typische Hoffeste. Daher fand 1664 das Fest „Die Freuden der verzauberten Insel“ (Plaisirs de l’Île enchantée) statt. Europas Fürsten waren verblüfft und erstaunt über den Luxus dieser Vergnügungen und begannen zunehmend den Lebensstil des französischen Monarchen nachzuahmen. Die Legende des „Sonnenkönigs“ nahm hier ihren Anfang. Im Jahr 1665 starb sein Onkel und Schwiegervater Philipp IV. von Spanien. Ludwig machte zum ersten Mal das Erbrecht seiner Gemahlin geltend. Er forderte einen Erbteil für Frankreich nach dem brabantischen Devolutionsrecht, wonach Töchter aus erster Ehe ein vorrangiges Erbrecht haben. In Spanien saß mit Karl II. ein degeneriertes Kind auf dem Thron und dessen Mutter Maria Anna von Österreich führte für diesen die Regentschaft. Die Regentin wies die französischen Forderungen zurück und Ludwig bereitete einen Waffengang vor. 1667 brach der Devolutionskrieg (16671668) aus. Die Armeereformen des Königs waren bereits weit vorrangeschritten, so dass Ludwig Interesse daran hatte, seine neuen Armeen auch zu testen. Er hatte hier mit dem stehenden Heer ein für die Neuzeit völliges Novum eingeführt: Berufssoldaten, welche ständig bereit standen, streng ausgebildet und diszipliniert wurden sowie regelmäßig bezahlt und versorgt waren. So marschierte eine Armee von 70.000 Mann in die Spanischen Niederlande ein und annektierte danach die Franche-Comté. Spanien sah sich vor vollendete Tatsachen gestellt und hatte keine Mittel zu Gegenwehr. Der Sieg schien uneingeschränkt zu sein, doch fühlte sich nun Frankreichs Alliierter Holland von der Präsenz französischer Truppen bedroht. Die holländischen Generalstaaten verbündeten sich 1668 mit England und Schweden zur Tripelallianz gegen Ludwig XIV., um so die Friedensverhandlungen zu beschleunigen. Dieser sah sich nun gezwungen, bei den Verhandlungen in Aachen Abstriche von seinen Forderungen zu machen. Durch den Frieden von Aachen behielt Frankreich große Teile im Westen der Spanischen Niederlande, musste jedoch die Franche-Comté wieder herausgeben. Ludwig XIV. konnte nicht verzeihen, dass ihm sein eigener Alliierter in den Rücken gefallen war, wobei er bisher immer größter Förderer Hollands gewesen war und sogar zu dessen Gunsten 1666 militärisch interveniert hatte. Er warf den Generalstaaten offen Undankbarkeit und sogar Verrat vor. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, noch im selben Jahr das „Grand Divertissement Royal“ in Versailles zu feiern, als Zeichen seines Triumphes.

Der Kampf gegen Holland

1666 militärisch interveniert Ludwig XIV. hatte nun zwei politische Ziele: erstens Holland zu bestrafen und zweitens die Grenzen zu begradigen, was nichts anderes hieß, als weitere Teile Spaniens zu erobern. Zuerst wurde die Tripelallianz von ihm zerstört, indem er 1670 mit seinem Cousin Karl II. von England durch den Vertrag von Dover ein Offensivbündnis einging und dann Schweden hohe Subsidien für eine Allianz zahlte. Danach annektierte Frankreich das Herzogtum Lothringen, schloss zahlreiche Bündnis- und Neutralitätsabkommen mit benachbarten Fürsten. Holland war außenpolitisch und militärisch vollständig isoliert. 1672 erklärten Frankreich und England den Krieg gegen Holland, der Holländische Krieg (16721678) begann. Ludwig ließ 120.000 Mann die Grenzen zu den Vereinigten Provinzen der Niederlande überschreiten. Sein Ziel war es nicht Holland zu annektieren, sondern er wollte nur ein Exempel statuieren und Handelsvorteile erzwingen. Ziel war die Bedrohung Spaniens. Französische Truppen nahmen immer mehr Gebiete ein, die Holländer verloren den Kampf und nur die Öffnung der Deiche und die völlige Überflutung breiter Landschaften rettete sie vor der totalen militärischen Niederlage. In dieser Situation wurde Johan de Witt durch Wilhelm III. Prinz von Oranien als Generalstatthalter der Provinzen abgelöst. Dieser ging unverzüglich ein Bündnis mit Spanien und dem deutschen Kaiser Leopold I. ein. Damit hatte Ludwig XIV. sein zweites politisches Ziel erreicht, Spanien und der deutsch-römische Kaiser erklärten freiwillig den Krieg. Nach dem Abzug seiner Truppen aus Holland, konnte Ludwig seine Truppen nun gegen Spanier und Kaiserliche verwenden. 1674 annektierte er erneut die Franche-Comté, England schied jedoch aus dem Krieg aus und der König veranstaltete als Siegesfeier das „Fest von Versailles“. Die Kämpfe zogen sich noch bis 1678 hin, waren jedoch höchst erfolgreich für Frankreich. Ludwig hielt während des Krieges 280.000 Mann im Kampf. Dieser Übermacht und der Kampfstärke der französischen Truppen, waren die alliierten Streitkräfte nicht gewachsen. Frankreich gewann den Holländischen Krieg. Der Frieden von Nimwegen wurde 1678/79 geschlossen. Frankreich behielt dabei fast vollständig seine Eroberungen gegen Spanien und im Deutschen Reich. Der Einfluss und die Dominanz Ludwig XIV. in Europa verstärkten sich weiter. Der König war aber durchaus unzufrieden, da die beabsichtigten Grenzbegradigungen nicht völlig erreicht wurden, so entließ er 1679 seinen Außenminister Simon Arnaud Marquis de Pomponne und ersetzte ihn durch Colberts talentierten Bruder Charles Colbert Marquis de Croissy. Zur Sicherung der Grenzen begann Ludwig mit dem Ausbau des französischen Festungsgürtels. Der Festungsbaumeister Sébastien le Prestre de Vauban umgab das Königreich mit über 160 neugeschaffenen oder umgebauten Befestigungsanlagen, welche Frankreichs Territorien abriegeln sollten. Unter diesen ist die 1680 gegründete, heute saarländische Festungsstadt Sarre-Louis ein gutes Beispiel für diese Grenzverteidigung. Nach dem erfolgreichen Krieg löste Frankreich seine Armeen nicht auf, sondern behielt die volle Kampfstärke weiter unter Waffen. Ludwig benutzte sie zur Durchsetzung der Reunionen, wodurch er seine Eroberungen weiter ausbauen konnte. Zunächst annektierte er die restlichen Teile des Elsass, hier war insbesondere Straßburg sein Hauptziel, welches als Einfallstor für kaiserliche Truppen gedient hatte; es wurde 1681 eingenommen. Im Jahr 1683 besetzte Ludwig XIV. die östlichen Teile der Spanischen Niederlande, namentlich Luxemburg, 1684 das Kurfürstentum Pfalz; diese wurden in die französische Saarprovinz umgewandelt. Daneben erfolgte noch die Besetzung der unteren Schelde, wodurch fast ganz Flandern in französischem Besitz war. Gegen diese offenen Aggressionen mitten im Frieden protestierte Spanien heftig und erklärte noch 1683 den Krieg. Doch kein anderer Staat war bereit, die Waffen gegen Frankreich zu richten. So musste Spanien umgehend um Frieden bitten. Ludwig handelte Ende 1684 zu Regensburg mit Spanien, Kaiser und Reich einen zwanzigjährigen Waffenstillstand aus und erreichte die vorläufige Anerkennung sämtlicher Reunionen. Dadurch hatte Ludwig XIV. mit keinerlei Gegenwehr mehr zu rechnen.

Der Machtzenit

Regensburg Ludwigs politische und militärische Übermacht war nach dem Frieden von Nimwegen erdrückend. Frankreichs Diplomaten beherrschten das politische Parkett, es war die dominierende Seemacht geworden, wo es noch 1660 kaum mehr als zwei Kriegsschiffe hatte, die Stärke und technologische Überlegenheit der französischen Armee war höher als in jedem anderen Land, die Wirtschaft florierte und ganz Europa imitierte Frankreichs Kultur. Paris verlieh Ludwig im Jahr 1680 den Titel „der Große“ (Ludovicus Magnus). In den Jahren zuvor war Ludwig XIV. neben der Expansion in Europa auch noch mit der Erweiterung des französischen Kolonialreiches beschäftigt. Neben den im frühen 17. Jahrhundert gegründeten Neu-Frankreich-Kolonien in Kanada, gründete er Kolonien in Indien: 1673 Tschandarnagar, 1674 Pondichéry und die Insel Martinique. 1682 gründete La Salle am unteren Mississippi eine neue frz. Kolonie und nannte sie zu Ehren des Königs Louisiana. Daneben erwarb der König noch 1660 Haiti, 1664 Französisch-Guayana, sowie Teile der westafrikanischen Küste und Madagaskar. Innenpolitisch begann Ludwig XIV. seine Kontrolle über die französische Staatskirche auszubauen. Im November 1681 ließ er eine Klerusversammlung abhalten, welche die Gallikanischen Artikel verabschiedete, wodurch die Macht des Papstes praktisch aufgelöst wurde. Der Einfluss der französischen Könige war ohnehin sehr stark auf die eigene Kirche, nun jedoch durfte der Papst auch keine Legaten ohne des Königs Zustimmung nach Frankreich senden. Bischöfe durfte ohne dessen Erlaubnis das Land nicht verlassen, kein Staatsbeamter exkommuniziert werden für Taten, die seinen Dienst betrafen. Alle kirchlichen Privilegien wurden dem Monarchen übertragen, sämtliche Einflussmöglichkeiten des Papstes durch die Billigung des Königs reguliert. Der Papst verweigerte schließlich seine Zustimmung zu diesen Artikeln. Ludwig ging davon aus, dass er, um die Einheit der Nation zu erlangen, zunächst eine Vereinigung der Religion erreichen müsste. Des Weiteren wurde er in dem tiefen Glauben erzogen, dass die Seele eines Protestanten den Qualen der Hölle ausgeliefert sei, weshalb er es als seine Pflicht ansah, die Seelen seiner hugenottischen Untertanen zu retten. Er setzte deshalb die protestantische Bevölkerung unter Druck, vor allem durch das Edikt von Fontainebleau (1685). Dadurch wurde das tolerante Edikt von Nantes (1598) von Heinrich IV. aufgehoben; hugenottische Kirchen wurden zerstört, protestantische Schulen geschlossen. Durch Ludwigs Maßnahmen flohen etwas mehr als 150.000 (von 730.000) Hugenotten ins Ausland, vor allem in die Niederlande, nach Preußen, England und Nordamerika (diese französischen Flüchtlinge beeinflussten die protestantische Arbeitsethik der Niederlande, wodurch später der bereits erhebliche Reichtum in dieser Region noch gesteigert wurde). Die neuere Forschung hat gezeigt, dass die Zahl der Geflohenen bei weitem zu gering war, um einen spürbaren Schaden in der französischen Wirtschaft herbeizuführen. Jedoch erschütterte das Edikt von Fontainebleau Frankreichs Ansehen bei den protestantischen Staaten Europas, auch konvertierte ein harter Kern von 20.000 Hugenotten niemals und entfachte Aufstände in Zentralfrankreich. Die überwiegende Mehrheit gab dem Druck jedoch nach; aber auch den Steuerbegünstigungen und den Sonderrechten für Konvertierte sowie der lebenslangen Befreiung vom Dienst in der Miliz. Für Ludwig XIV., seine Minister und seine Kardinäle bedeutete ein einheitliches und stabiles Frankreich ein katholisches Frankreich. Nordamerika Ab 1686 formierte sich die Liga von Augsburg gegen Frankreich, in der sich protestantische und katholische Staaten zusammenschlossen, um sich gegen dessen Eroberungspolitik zur Wehr zu setzen. Mitglieder waren der römisch-deutsche Kaiser Leopold I., Bayern (Kurfürst Maximilian II. Emanuel), Brandenburg, die Vereinigten Provinzen, Spanien (Karl II. von Spanien) und Schweden (Karl XI. von Schweden). Ludwig entsandte 1688 Truppen in die Pfalz um seine Ansprüche auf dieses Land durchzusetzen und einem Angriff der Liga an dieser Stelle zuvorzukommen. Durch diese Maßnahme eskalierte der Konflikt zwischen König und Liga. Letztere formierte sich zu einer Offensivallianz und erklärte Frankreich den Krieg, dem sich England nach der Glorreichen Revolution 1688 ebenso anschloss und so zum Pfälzer Erbfolgekrieg führte. Frankreich hatte sich zwar zuvor nicht auf diesen Krieg vorbereiten können, war aber zunächst sehr erfolgreich. Französische Armeen besetzten die Spanische Niederlande und marschierten ins Reich ein, eroberten zahlreiche feste Plätze. Die Truppen der Alliierten waren weniger gut ausgebildet und zahlenmäßig unterlegen. Zudem waren große Truppenteile des Kaisers im Kampf mit den Türken gebunden. Die Allianz konnte kaum Siege verbuchen, doch auch Ludwig traf die Niederlage seiner Flotte vor La Hougue 1692. Es gelang keiner der beiden Seiten den Gegner endgültig niederzuringen, besonders die Alliierten konnten Frankreich nicht aus dem Reich verdrängen. Als Ludwig XIV. einsah, dass er keinen Sieg mit den Waffen erzwingen konnte, begann er seine Diplomaten als politische Waffe einzusetzen. Die erschöpften Kontrahenten begannen den Frieden von Rijswijk zu vereinbaren, der 1697 unterzeichnet wurde. Ludwig suchte hier einen maßvollen und stabilen Frieden auszuhandeln, der auch seine Gegner befriedigen konnte. Daher gab er Luxemburg und die Pfalz wieder heraus und bekam dafür die restlichen Reunionen endgültig bestätigt. Darüber hinaus erkannte Ludwig XIV. den Prinzen von Oranien als Wilhelm III. König von England an. Frankreich sollte so die Möglichkeit bekommen, sich langfristig von den Kriegsbelastungen zu erholen.

Die letzten Jahre

Wilhelm III. König von England Nach 1697 begann die spanische Erbfolge zunehmend zum Hauptthema an den Höfen Europas zu werden. Der spanische König Karl II. war unfähig, einen Erben zu zeugen. Daher war seine Nachfolge unklar. Sowohl die französischen Bourbonen, als auch die deutschen Habsburger machten Erbansprüche geltend. Denn Ludwig XIV. und auch Kaiser Leopold I. hatten Töchter Philipp IV. von Spanien geheiratet. Ludwig jedoch hatte die ältere von beiden geehelicht und Marie-Thérèse hatte nie auf ihr Erbrecht verzichtet. Leopold war hingegen der Meinung, dass Spanien im Besitz der Habsburger bleiben müsste. Nun fürchteten anderen Staaten wiederum, wenn sich Frankreich oder der Kaiser Spanien gänzlich einverleiben würden, dass das die Mächtekonstellationen in Europa erheblich erschüttern würde. Unter diesen Bedenken verhandelte Ludwig XIV. mit Wilhelm III. von England, den 1. Teilungsvertrag aus. Der bayerische Prinz Joseph-Ferdinand sollte Spanien bekommen und die restlichen europäischen Besitzungen zwischen Ludwig und Leopold aufgeteilt werden. Spanien hingegen lehnte jede Teilung seines Reiches ab und daher entschloss sich Karl II. den bayerischen Prinzen als Universalerben einzusetzen. Mit dem Tod des bayerischen Prinzen Joseph-Ferdinand war dieser Plan hinfällig geworden. Karl II. wollte aber die Einheit seines Staates wahren und entschied sich vorerst für den Erzherzog Karl – den jüngeren Sohn des Kaisers – als seinen Erben. Dessen Ansprüche wurden jedoch durch den 2. Teilungsvertrag zwischen Frankreich und England geschmälert. Danach sollte Erzherzog Karl zwar Spanien erben, aber die italienischen Besitzungen an Frankreich fallen. Kurz vor seinem Tod 1700 entschied sich Karl II. jedoch um. Er setzte den zweiten Sohn des französischen Kronprinzen, den Herzog von Anjou, als Erben ein. Sollte dieser unerwartet den französischen Thron erben, so würde dessen jüngerer Bruder, der Herzog von Berry, Spaniens neuer König. Sollte auch dieser nicht mehr zu Verfügung stehen, so würde Erzherzog Karl sein Erbe werden. Als Ludwig XIV. die Nachricht vom Tod des spanischen Königs und dessen neuen Testament erfuhr, sah er sich in einer schwierigen Lage. Sollte er das Testament für seinen Enkel annehmen oder auf den Teilungsvertrag mit England eingehen? Nach intensivem Abwägen mit seinen Ministern entschloss er sich, das spanische Erbe zu akzeptieren, da ein Krieg mit dem Kaiser ohnehin unvermeidlich erschien und man so die bessere Position gegen diesen einnehmen konnte. So proklamierte er seinen Enkelsohn Philippe Duc d’Anjou zu Philipp V. König von Spanien. Durch die Sorge, dass Frankreichs Übermacht noch zunehmen könnte, vereinigten sich England, Holland und das Reich mit dem Kaiser, zum Kampf gegen Ludwig; wodurch die Große Allianz geschaffen wurde. Die französisch-spanische Allianz wurde durch Portugal, Savoyen und Bayern unterstützt. Der Spanische Erbfolgekrieg (17021713) war ausgelöst. Frankreich verfolgte nun zwei Ziele: am wichtigsten war die Durchsetzung Philipp V. als spanischer König und dann beabsichtigte Ludwig XIV. noch weitere Eroberungen gegen das Reich zu machen. Der Krieg verlief jedoch wenig geradlinig; Frankreichs Armeen dominierten zu Beginn das Feld. Die kaiserlichen Alliierten hatten jedoch alle verfügbaren Kräfte gegen Frankreich mobilisiert und ihre Armeen modernisiert und ausgebaut. Frankreich war gezwungen während des Krieges 680.000 Soldaten zu unterhalten um ein schlagkräftiges Gegengewicht zu bilden und die feindlichen Armeen im Heiligen Römischen Reich zu beschäftigen. Frankreichs Staatsfinanzen wurden überbeansprucht und leere Kassen waren die Folge. 1709 sah die militärische Lage für Frankreich zunächst so schlecht aus, dass Ludwig XIV. um Frieden ersuchte, doch die Alliierten stellten unannehmbare Forderungen, so dass Gespräche unverzüglich abgebrochen wurden. In der Folge begannen wieder französische Armeen siegreich zu sein, eine Entscheidung brachte dies jedoch nicht. Alle Parteien waren zermürbt und auch die kaiserlichen Alliierten standen am finanziellen und wirtschaftlichen Kollaps. Frankreich war klar, dass es die feindliche Koalition nicht mehr endgültig besiegen konnte und die Koalition musste erkennen, dass es ihnen unmöglich war, Frankreich zu überwältigen oder Philipp V. aus Spanien zu vertreiben. 1713 unterzeichnete England den Separatfrieden von Utrecht mit Ludwig und Philipp und schwächte so die Kaiserlichen weiter. Durch die Besetzung Freiburgs, im November 1713, durch Frankreichs Truppen, sah sich Kaiser Karl VI. gezwungen, ebenfalls den Frieden zu suchen und 1714 den Frieden von Rastatt zu akzeptieren. Danach erfolgte der Frieden von Baden zwischen Frankreich und dem Reich. 1714 1714]] Philipp V. blieb König von Spanien und behielt ebenso dessen Kolonien. Die Reste der Spanischen Niederlande und die italienischen Besitzungen fielen an den Kaiser. Damit hatte Frankreich sein politisches Hauptziel erreicht und die Bourbonen auf Spaniens Thron etabliert, musste jedoch auf jegliche militärische Eroberung verzichten. Dennoch war die habsburgische Umklammerung Frankreichs endgültig zerschlagen worden. In seinen letzten Jahren kümmerte sich Ludwig XIV. hauptsächlich um die Erholung der Staatsfinanzen durch Einsparungen und Finanzreformen, sowie die Förderung der Wirtschaft. Als Ludwig XIV. am 1. September 1715 starb, hatte er das französische Territorium wie keiner seiner Vorgänger vergrößert. Frankreich war der mächtigste Staat und kulturelles Zentrum Europas. Französisch diente im 17. und 18. Jahrhundert als Sprache des guten Geschmacks, ähnlich wie Englisch später zur globalen Wirtschaftssprache wurde. Im 18. Jahrhundert übernahm zum Beispiel der russische Adel französische Sitten und sprach eher Französisch als Russisch. Das französische Volk war nach den Holländern das wohlhabendste Europas geworden, die Wirtschaft gedieh und wuchs, auch wenn die Steuern vergleichsweise hoch waren. : Mit seinem Tod verlor Frankreich einen seiner, größten, fähigsten und bedeutendsten Herrscher, dessen Regierung die französische Monarchie nach innen und außen nachhaltig geprägt und dessen Leistung weit über die französischen Grenzen hinaus vielfältige Nachahmung gefunden hat.

Wirtschaft

1715 Als Ludwig XIV. 1661 die Herrschaft antrat, war Frankreichs Staatshaushalt durch den letzten Krieg mit Spanien stark angespannt. Ludwig förderte enorm den Geldkreislauf, indem er große Summen für seine Kriege, für das Hofleben, Kunst und Kultur ausgab. Große Geldmengen verschwanden durch Korruption in der französischen Bürokratie. Ludwig selbst schreibt: „Als Mazarin starb, da herrschte viel Unordnung in der Verwaltung meines Königreiches.“ Ludwig XIV. setzte sich zum Ziel, dieses Chaos auszurotten und klare Ordnung in den staatlichen Strukturen Frankreichs herzustellen. Als erstes ließ er 1661 seinen Finanzminister (Oberintendanten der Finanzen) Nicolas Fouquet verhaften, weil sich dieser an den Einnahmen des Staates bereichert hatte, um das luxuriöse Schloss Vaux-le-Vicomte erbauen zu können. Ein deutliches Zeichen für dessen Nachahmer. Ludwig XIV. ernannte den genialen Colbert, den Begründer des Merkantilismus, zu seinem neuen „Generalkontrolleur der Finanzen“. Das Amt des Finanzministers wurde abgeschafft und durch einen Finanzrat ersetzt, dem der König und Colbert vorstanden. Etwas unerhörtes, denn ein König hatte sich eigentlich nicht um etwas so unschickliches wie Geld zu kümmern. Indem Colbert die Korruption bekämpfte und die Bürokratie neu organisierte, konnte er die Steuereinnahmen mehr als verdoppeln, ohne neue Steuern erheben zu müssen. So war es Ludwig möglich, bereits am Anfang seiner persönlichen Regierung eine Steuersenkung zu erlassen und so ein schnelleres Wachstum der französischen Wirtschaft zu erreichen. Die Wirtschaft wurde durch die Einrichtung von Handelskompanien und Manufakturen gefördert. Besonders die französische Luxusindustrie wurde bald führend in Europa und darüber hinaus. Mit Waren wie Gobelinteppichen, Spiegeln, Spitzen, Goldschmiedearbeiten und Möbeln, die in ganz Europa begehrt waren, erzielte die Krone Spitzenprofite. Nach Innen wurde Nordfrankreich einer Zollunion unterworfen, um so innerfranzösische Handelshemmnisse abzubauen. Colberts Versuche, eine einheitliche Zollbarriere für das ganze Königreich zu erwirken, scheiterten jedoch an lokalen Handelsprivilegien. Das französische Steuersystem enthielt Handelssteuern (aides, douanes), Salzsteuer (gabelle) und Landsteuer (taille). Durch veraltete Regelungen aus dem Feudalismus war der Adel und der Klerus von diesen direkten Steuern befreit, die von der Landbevölkerung und der aufstrebenden Mittelklasse (der Bourgeoisie) aufgebracht werden mussten. Vermutlich wurde die Französische Revolution auch vom Ärger über dieses Steuersystem genährt. Allerdings ist unter Ludwig XIV. die Tendenz festzustellen, den Adel und Klerus der direkten Steuer zu unterwerfen. Zur Zahlung der indirekten Steuern waren diese ohnehin verpflichtet. Der König führte die „capitation“ – eine Kopfsteuer – ein, von der die unteren Schichten kaum erfasst wurden, aber von der die beiden hohen Stände in vollem Umfang betroffen waren. Selbst die Prinzen von Geblüt und der Dauphin mussten den höchsten Steuersatz zahlen. Auf diese Weise wurde der Hochadel zum erstenmal, unvermittelt an der Finanzierung des Staates beteiligt. Beim Tode Ludwig XIV. war Frankreich das reichste Königreich Europas, mit überdurchschnittlichen Staatseinnahmen, welche die Finanzen anderer Staaten bei weitem übertraf. Allerdings betrugen die Staatsschulden durch die harten Anforderungen des Spanischen Erbfolgekrieges 3.5 Milliarden Livres, ein Betrag der erst im Jahr 1725 endgültig getilgt war. Dies änderte aber nichts an der enormen Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. Frankreich verfügte über das zweitgrößte Handelsvolumen und eine deutlich positive Handelsbilanz; nur die Holländer vermochten höhere Gewinne mit ihren internationalen Handelskompanien zu erzielen. Frankreich war ein strukturell stabiles und ressourcenstarkes Land, das mit über 20 Millionen Einwohnern das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Europas war.

Persönlichkeit

Handelsbilanz Ludwig XIV. war für seinen Charme und seine Freundlichkeit bekannt. Er brachte jedem die Höflichkeit entgegen, die ihm gebührte. Selbst vor Mägden zog er den Hut. Seine wichtigsten Eigenschaften waren jedoch eine unerschütterliche Menschenkenntnis und ein scharfer Verstand. Mit deren Hilfe legte er einen solchen Arbeitseifer an den Tag, dass er die meisten Herrscher der Geschichte darin weit übertraf. Das Regieren fiel ihm leicht, denn er hatte eine geradezu professionelle Einstellung zu seiner Arbeit. In Sitzungen ermüdete er niemals und hörte jedem aufmerksam zu, der das Wort an ihn richtete. Ludwig XIV. schätzte hohe Bildung und seine Kenntnisse in Politik und Geschichte waren gefürchtet. Auch zeichnete ihn enorme Willenskraft aus; so begegnete er Schmerzen und Situationen der Todesgefahr mit völliger Gelassenheit und Selbstbeherrschung. Dennoch war er auch im hohen Maße von Egozentrik beherrscht, einem hohen Selbstwertgefühl. Er wurde von einem starken Drang nach Ruhm und Reputation geleitet, aber auch vom Gefühl der Pflichterfüllung gegenüber dem Staat und seinen Untertanen. Als Kavalier war Ludwig XIV. vorbildlich. Seine Anziehungskraft auf schöne, kluge Frauen ist bis heute legendär. Frauen spielten in seinem Leben eine große Rolle, besonders als Mätressen. Familie war ihm wichtig, besonders seinen Kindern schenkte er hohe Aufmerksamkeit. Als Vater und Großvater war er fürsorglich und liebevoll. Seine unehelichen Kinder legitimierte er ausnahmslos, erhob sie in den Prinzenrang und verheiratete sie mit Prinzen und Prinzessinnen von Geblüt. Der König schätzte Vergnügungen. Als Liebhaber und Förderer des Balletts tanzte er bis zu seinem 30. Lebensjahr ausgesprochen gern. Er war auch ein ausgezeichneter Reiter, liebte die Jagd, das Schauspiel und besonders die Musik. Mit zahlreichen Künstlern unterhielt er freundschaftliche Beziehungen. Man sagt ihm nach, er hätte von den Bourbonen die Lebensfreude, von den Medici die Kunstliebe und von den spanischen Habsburgern die majestätische Würde geerbt

Kunst macht Politik

Habsburg Die Herrschaft Ludwig XIV. nennt man zu Recht das „Grand Siècle“. Der König hatte die Absicht, die besten Künstler, Architekten, Maler, Poeten, Musiker und Schriftsteller für Frankreich arbeiten zu lassen. Er entfaltete ein noch nie da gewesenes Mäzenatentum mit der Absicht die gesamte Kunstlandschaft Frankreichs zu beeinflussen, zu prägen und zu lenken, um sie im Interesse königlicher Politik zu instrumentalisieren. Die Kunst stand im Dienste der Verherrlichung des Königs und seiner Ziele, ganz nach barocker Manier. Das Ansehen des Königs und des Staates sollte gesteigert werden; dazu wurde Ludwigs Minister Colbert damit beauftragt, Literatur, Kunst und Wissenschaft zu fördern. Dem Minister wurde die Organisation der „Gloire“ des Königs überlassen. Zahlreiche Institutionen wurden auf allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft gegründet:
- 1663 die Akademie der Inschriften und die Akademie für Malerei und Skulptur
- 1666 die Akademie der Wissenschaften
- 1671 die Akademie der Architektur
- 1672 die Akademie der Musik Im Sinne der Selbstdarstellung des Monarchen sind auch die Feste in Versailles zu verstehen. Die Repräsentation des Königs, diente dem Ansehen des Staates in aller Welt. Einige Künstler erklommen im Dienste des Königs ungeahnte Höhen; hier wären besonders Lully auf dem Gebiet der Musik und des Tanzes zu nennen. Aber auch Molière, der für Ludwig XIV. zahllose Bühnenstücke verfasste. Beide Künstler zusammen zeigten sich für die Organisation der königlichen Spektakel verantwortlich. Daneben sind noch so berühmte Namen wie Boileau, La Fontaine und Racine zu nennen.

Versailles

Racine Der Bau des Schlosses von Versailles war Teil von Ludwigs Strategie zur Zentralisierung der Macht. Ludwig XIV. vollendete die Bestrebungen der Kardinäle Richelieu und Mazarin und schuf einen zentralisierten, absolutistischen Nationalstaat. Er schwächte den Adel, indem er die Adeligen lieber zu Mitgliedern seines Hofes als zu regionalen Provinzherrschern machte. Zu diesem Zweck baute er Versailles, einen gewaltigen Palast vor den Toren von Paris, den der Hof am 6. Mai 1682 bezog. Die höfische Etikette nötigte die Adeligen dazu, immense Geldsummen für ihre Kleidung auszugeben, und ihre Zeit vor allem auf Bällen, Diners und anderen Festlichkeiten zu verbringen, die die alltägliche Routine des Hoflebens darstellten. Ludwig XIV. soll ein fotografisches Gedächtnis gehabt haben, so dass er beim Betreten eines Ballsaales auf einen Blick feststellen konnte, wer anwesend war. Deshalb konnte kein Aristokrat, der auf die Gunst des Königs angewiesen war, seine Abwesenheit riskieren. Anstatt seine regionalen Angelegenheiten zu regeln und seine dortige Macht zu behalten, wetteiferte der Adel nun um solche trivialen Ehren wie die, dem König beim Ankleiden helfen zu dürfen. Dies erlaubte Ludwig, die schwächsten Adeligen in Positionen einzusetzen, die früher von der traditionellen Aristokratie beansprucht wurden, und so ruhte die politische Macht fest in der Hand des Königs. Man kann nicht stark genug herausstellen, dass Versailles hauptsächlich nicht als Ort für das persönliche Vergnügen des Königs diente, sondern ein politisches Machtinstrument war. Durch die Bindung des Hochadels an den Hof geriet dieser nicht nur zunehmend in persönliche Abhängigkeit vom König, sondern wurde ebenso von Rebellionen und Machtkompetenzen ferngehalten. Das Schloss war mit einer Fülle von politischen Aussagen gefüllt, die jedem Besucher in der Anordnung der Räume, den Gemälden und Skulpturen, in den Gärten und Alleen begegnete. Die Sinnaussage war folgende: Der König ist der Garant für Ruhe, Ordnung und Wohlstand des Staates, der einzige Stellvertreter Gottes auf Erden und niemand kommt seiner Macht gleich. : Das tägliche Leben Ludwigs XIV. vollzog sich weitestgehend in der Öffentlichkeit inmitten eines großen Hofstaates, der alles in allem rund 20.000 Personen umfasste. Unter die vornehme, adelige Hofgesellschaft mischten sich in den weiträumigen Schlossanlagen Besucher, Schaulustige und zumeist eine beträchtliche Zahl von Bittstellern. Im Prinzip stand jedem Untertan das traditionelle Recht zu, dem König Bittgesuche (placets) zu überreichen. Seit 1661 hat Ludwig XIV. jene Praxis reglementiert, zugleich aber auch gefördert. Der Monarch sah darin eine willkommene Möglichkeit, sich mit den unmittelbaren Sorgen und Nöten seiner Untertanen vertraut zu machen. Später wurde in Versailles jeden Montag im Raum der Garde des Königs ein großer Tisch aufgestellt, auf dem die Bittgesuche von ihren Überbringern deponiert wurden. Bis 1683 war der Marquis de Louvois, Staatssekretär für das Kriegswesen und Minister (seit 1672), für die Weiterleitung dieser Gesuche verantwortlich. Sie wurden danach von den zuständigen Staatssekretären bearbeitet und alsbald – mit einem entsprechenden Bericht versehen – dem König vorgelegt, der dann jeden Fall persönlich entschied. ... Am Hof gab es neben großen Festveranstaltungen, Theater- und Musikaufführungen auch vielfältige andere Möglichkeiten der Zerstreuung bis hin zum Glücksspiel und zu Vergnügungen einfachster Art. Siehe auch: Schloss Versailles

Paris

Schloss Versailles Ludwig XIV, war der Bauleidenschaft verfallen. Neben seinen Großprojekten in Versailles war Paris sein Hauptaugenmerk. Es ist sicherlich nicht wahr, dass Ludwig Paris nicht mochte. Dennoch kann man nicht leugnen, dass die Ereignisse der Fronde Spuren in seinem Denken hinterlassen hatten. Damals stürmten Aufständische das Schlafzimmer des Kindkönigs im Palais-Royal, um sich zu vergewissern, dass dieser nicht geflohen war. Seither war Ludwig überzeugt, dass Paris nicht allen Sicherheitsbedürfnissen entsprach. Die Palastanlagen, welche ihm vorschwebten, konnte er hier ebenfalls nicht verwirklichen, denn er bevorzugte weite Aussichten und große Wasserflächen. Dennoch vernachlässigte er seine Hauptstadt niemals und ließ ihr alle nur erdenklichen Förderungen zu Teil werden. Sein Ziel war es, die Stadt in ein zweites Rom zu verwandeln und mit zahlreichen repräsentativen Bauten und Plätzen zu verschönern. Paris erlebte unter der Aufsicht Colberts einen Bauboom wie nie wieder in der Geschichte. Ludwig ließ den Louvre umbauen, die Stadtmauern von Paris schleifen und durch breite Boulevards ersetzen, zahlreiche neue Plätze (darunter die Place des Victoires und Place Vendôme) erbauen, des weiteren Kirchen (wie St. Roch und Val-de-Grâce), Brücken (den Pont Royal), Parkanlagen (wie die Tuileriengärten und die Champs-Élysées), Triumphbögen und neue Stadtviertel (darunter die Faubourgs St. Antoine und St. Honoré) errichten. Aber auch so praktische Maßnahmen wie eine durchgehende Straßenpflasterung, die ersten Straßenlaternen und frühe Formen der Kanalisation. Unter diesen Baumaßnahmen ist auch das Hôtel-des-Invalides mit dem Invalidendom zu nennen, wo die Kriegsversehrten kostenlos versorgt wurden. Auch das Observatorium für wissenschaftliche Studien und das Collège-des-Quatre-Nations, das bis heute als Sitz des Institut de France dient, zählen dazu. Paris wuchs sprunghaft und war mit 700.000 Einwohnern die größte Stadt der Welt, in der schließlich durch Ludwigs Förderung 20 Prozent der intellektuellen Elite Europas wohnten. Die französische Hauptstadt wurde zum städtebaulichen und kulturellen Vorbild für den ganzen Kontinent.

Andere Residenzen

Kanalisation Der französische Hof wechselte des öfteren den Aufenthaltsort, verließ aber nur höchst selten die Nähe von Paris. Es gab einige Hauptresidenzen in der Umgebung der Hauptstadt, welche seit langen als Sitz der Könige dienten. Diese suchte Ludwig XIV. auszubauen und zu verschönern. In Fontainebleau ließ er in den Gärten ein neues Barockparterre, einen großen Kanal und einen neuen Park anlegen. In Saint-Germain-en-Laye wurde die Große Achse geschaffen und ebenfalls die Gärten neu gestaltet. Durch die Gartenarchitektur wurde André Le Nôtre – der Schöpfer des französischen Barockgartens – in ganz Europa berühmt. In Marly-le-Roi sollte sich Ludwig unweit von Versailles ein völlig neues Schloss erbauen lassen. Es war die Privatresidenz des Monarchen. An diesem Ort entstand ab 1678 eine imposante Anlage, die als einzige nicht der Öffentlichkeit zugänglich war. Hierher zog sich Ludwig XIV. vom geschäftigen und stets öffentlichen Leben in Versailles zurück. Erscheinen durfte man nur auf ausdrückliche Einladung und eine solche galt als eine der höchsten Ehren im Leben eines Höflings. In der Umgebung der nunmehr zur Stadt erhoben Anlagen von Versailles, entstanden zahllose Schlösser und Gärten, die von Angehörigen des Königshauses und vom Hofadel errichtet wurden. Hier suchte man Ruhe vom Hof und ging der Jagd nach, oder lud den König für ein Fest zu seinen Ehren ein. All dies verschlang ungeheure Mengen Geld und der Adel war bald gezwungen Pensionen vom König zu erbitten, um den Lebensstandard zu erhalten. So vergrößerte sich die Abhängigkeit der Adeligen weiter.

Einfluss auf die Französische Revolution (1789)

Ludwig XIV. wird in Frankreich für seine tatkräftige Steigerung der nationalen Größe verehrt. Seine letzten Kriege belasteten jedoch die Staatsfinanzen sehr und zwangen ihn, zum Ende seiner Herrschaft, die Landbevölkerung kontinuierlich mit hohen Steuern zu belasten. Nach dem französischen Historiker Alexis de Tocqueville führte Ludwigs Schwächung der Aristokratie zusammen mit der Unzufriedenheit des Bürgertums, das sich zwar artikulieren konnte, aber keinen Zugang zur politischen Macht hatte, zu den politischen, sozialen und ökonomischen Unsicherheiten, die eine von vielen Grundlagen der Französischen Revolution bildeten.

Werke

Französischen Revolution
- Mémoires pour l’instruction du Dauphin: Die politischen Memoiren Ludwig XIV. Eigentlich geschaffen um den Kronprinzen in die Geheimnisse der Politik einzuführen, indem der König Rechenschaft über seine ersten Regierungsjahre ablegt. Ab 1670 geschrieben, umfassen die Memoiren die Jahre 1661, 1662, 1666, 1667 und 1668, sowie die ‚Betrachtungen über den Herrscherberuf’ von 1679 und die politischen Ratschläge an seinen Enkel Philipp V. von Spanien aus dem Jahr 1700. Sie stellen nicht nur einen Tatenbericht dar, sondern geben auch einen lebendigen Eindruck von der Weltanschauung und dem Realismus des Monarchen. Am Ende seiner Herrschaft wollte Ludwig XIV. die geheimen Manuskripte im Kamin vernichten, nur das beherzte Eingreifen des Herzogs de Noailles und sein Talent ihm diese „abzuschwatzen“ retteten sie. 1749 übergab der Herzog die Manuskripte der königlichen Bibliothek.
- Manière de montrer les jardins de Versailles: Die Art und Weise die Gärten von Versailles zu besichtigen. Dieser Führer stellt einen sehr intimen Einblick in das Wesen des Königs dar. Die königlichen Gärten hatten eine politische Funktion zu erfüllen, ihre Aussage als Instrument des Staates war eindeutig. Ludwig XIV. liebte seine Gärten sehr, weshalb er eigenhändig diese Anweisungen verfasste, mit deren Hilfe es möglich war, die Gärten in ihrer logischen Abfolge zu begehen und so den Kunstgenuss auf das höchste zu steigern. Es sind vier Versionen bekannt.

Kinder

Französischen Revolution Kinder mit Maria Theresia von Spanien:
- Louis (
- 1. November 1661; † 1711)
- Anne Elisabeth (
- 18. November 1662; † 1662)
- Marie Anne (
- 16. November 1664; † 1664)
- Marie Thérèse (
- 1667; † 1672)
- Philippe Charles (
- 1668; † 1671), Herzog von Anjou (1668–1671)
- Louis François (
- 1672; † 1672), Herzog von Anjou (1672) Uneheliche Kinder: Vier Kinder mit Louise de La Vallière:
- Charles (
- 19. November 1663; † 1665)
- Philippe (
- 7. Januar 1665; † 1666)
- Marie-Anne (
- 2. Oktober 1665; † 1739) bis 1680 verheiratet mit Louis Armand de Bourbon, Prinz von Conti
- Louis, comte de Vermandois (
- 3. Oktober 1667; † 1683) Sechs Kinder mit Madame de Montespan:
- Louis Auguste, duc du Maine (
- 31. März 1670; † 14. Mai 1736)
- Louis Cesar, comte de Vexin (
- 1672; † 10. Januar 1683)
- Louise-Françoise, mademoiselle de Nantes, (
- 1. Juni 1673; † 16. Juni 1743); heiratete 1685 in Versailles Louis III. de Bourbon, prince de Condé
- Louise Marie (
- 12. November 1674; † 15. September 1681)
- Françoise Marie (
- 9. Februar 1677; † 1. Februar 1749)
- Louis Alexandre, comte de Toulouse, (
- 6. Juni 1678; † 1. Dezember 1737) Ein Kind mit Marie-Angélique de Fontanges:
- 1 Sohn (
- † 1679) Siehe auch:



Oranien

Oranien ist der Name des regierenden Königshauses der Niederlande. Ursprünglich stammt der Name Oranien von der burgundischen Grafschaft Oranien, dem späteren Fürstentum Orange, in der Rhôneebene im heutigen Frankreich.

Begründung des Hauses Oranien-Nassau

Der Sage nach wird die Stadt Orange im südfranzösischen Departement Vaucluse um das Jahr 800 von einem Wilhelm (Guilhelm d'Orange) eingenommen, er ist Lehensmann von Kaiser Karl dem Großen und gilt demnach als einer der Stammväter des Hauses Oranien-Nassau. Dieser Guilhem d'Orange wird ebenfalls mit Guilhem de Toulouse oder