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Glossator

Glossator

Als einen Glossator (aus der griechischen Glosse mit lateinischer Endung) bezeichnete man einen italienischen Rechtsgelehrten des 12. und der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts, vornehmlich in Bologna; Glossatoren versahen die Texte des Corpus Iuris Civilis (d.h. Quellen des antiken römischen Rechts) mit Erläuterungen (Glossen). Die bedeutendsten Glossatoren waren Irnerius, Azo und Accursius (Zusammenfassung der bisherigen Glossen zur Glossa ordinaria 1250). Ihr Werk wurde am Ende des 13. und im 14. Jahrhundert von den Postglossatoren – auch Kommentatoren oder Consiliatoren genannt – (besonders Cinus de Pistoia, Bartolus de Saxoferrato und Baldus de Ubaldis) fortgesetzt. Auch im Bereich des mittelalterlichen Kirchenrechts gab es faktisch Glossatoren, naementlich die Dekretisten, diejenige Juristen die sich dem Studium des Decretum Gratiani widmeten, und die Dekretalisten die eifrig die päpstliche Dekretalen studierten. Von den Kanonisten sind besonders Huguccio, Tankred und Laurentius Hispanus zu nennen bei den Dekretisten; bei den Dekretalisten verdienen Bernardus von Pavia, Raimundus von Pennaforte und Johannes Andreae Erwähnung. Erst das von den Glossatoren und Postglossatoren modernisierte römische Recht wurde durch die Rezeption zum kontinentaleuropäischen Privatrecht. siehe auch Glossar, Marginalie, Mischna

Literatur


- Lange, Hermann: Römisches Recht im Mittelalter I: Die Glossatoren (München 1997).
- Schulte, Johann Friedrich von: Die Geschichte der Quellen und Literatur des canonischen Rechts (Stuttgart 1875-1877). Kategorie:Rechtsgeschichte

Griechische Sprache

Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen. Siehe: Griko in Italien Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden. Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis 1453) grc.

Geschichte

1453 Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist. Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert. Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden. Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt. Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus). Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt. Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.

Grammatik

Altgriechisch

Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie. Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen. Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.

Nominale Wörter

Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Genera

- (allgemeine) Regeln:
  - Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
  - Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
  - Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache. Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
  - echter Akkusativ (direktes Objekt)
  - adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
  - echter Genitiv (Bereich)
  - Separativ (Herkunft)
- Dativ
  - echter Dativ (indirektes Objekt)
  - Soziativ (Gemeinschaft)
  - Instrumental (Mittel)
  - Lokativ (Ort, Zeit)

Verben

Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm. Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt. Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen) Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung. Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens) Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt. Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten). Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.) Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung. Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden. Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck. Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint. In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt. Der Imperativ drückt einen Befehl aus. Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt). Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung. Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus. Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn: Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.) Beispiele: Aktiv: er löst (etwas) transitives Medium: er löst (etwas) für sich intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Personen
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural). Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.

Neugriechisch (Dimotiki)

Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation. Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache: Vokale geschlossen halbgeschlossen offen Alle Vokale werden kurz ausgesprochen. laut IPA Konsonanten p t k b d g v δ z γ f θ s χ m n l r

Siehe auch


- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen

Literatur


- Geschichte:
  - Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
  - Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
  - Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
  - Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
  - Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
  - Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
  - Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
  - Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
  - Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
  - Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992

Weblinks


- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Einzelsprache als:Griechische Sprache ja:ギリシア語 ko:그리스어 ms:Bahasa Greek simple:Greek language th:ภาษากรีก

Latein

Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum. Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.

Entwicklung

romanischen Sprachen Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein. Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen. Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa. In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.

Antike

Antike Schreibweise

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen. Vergleiche folgendes Beispiel: Alte Schreibweise: AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES Heutige Schreibweise: Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo, sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat. poena metusque aberant nec verba minantia fixo aere legebantur, nec supplex turba timebat iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti. nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem, montibus in liquidas pinus descenderat undas, nullaque mortales praeter sua litora norant. nondum praecipites cingebant oppida fossae, non tuba directi, non aeris cornua flexi, non galeae, non ensis erant: sine militis usu mollia securae peragebant otia gentes. Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter) Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.

Antike Aussprache

Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.

Literatur

Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.

Gegenwart

Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte. Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften. Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare
-
„gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden. Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher. Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.

Modernes Latein

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr. Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry. Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen. Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.

Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.

Latein in der katholischen Kirche

Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken). Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Siehe auch: Lateinische Kirche

Referenzlisten


- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter

Siehe auch


- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus

Weblinks


- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de] Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein ja:ラテン語 ko:라틴어 simple:Latin language th:ภาษาละติน zh-min-nan:Latin-gí

12. Jahrhundert

Das 12. Jahrhundert begann am 1. Januar 1101 und endete am 31. Dezember 1200. Es ist die Epoche des europäischen Hochmittelalters.

Zeitalter/Epoche


- Auf der Grundlage von Handel und Handwerk entwickelt sich das Bürgertum und Zünfte entstehen.
- Durch systematische Übersetzung von Büchern aus dem Arabischen ins Lateinische wird die Basis für den wissenschaftlichen und geistigen Aufstieg Europas geschaffen. Gleichzeitig weicht mit dem Aufblühen von Städten in Mitteleuropa die dörfliche Beschränktheit der Bevölkerung.
- Die katholische Kirche beginnt die Inquisition einzuführen, die 1235 von Papst Gregor IX. offiziell eingesetzt wird.
- Im Kaiserreich China entwickelt sich eine allgemeine Volksschrift.
- Gegen Ende des Jahrhunderts wird in Mittelamerika das Reich der Tolteken durch die Chichimeken-Indianer vernichtet.

Ereignisse/Entwicklungen


- Anfang des Jahrhunderts werden in Deutschland erstmals den Vornamen Familiennamen beigefügt.
- 1103 - Der deutsche Kaiser sichert den Juden seinen Schutz zu
- Alfons I. (Portugal) wird 1009 erster König von Portugal.
- Um 1120 übersteigt die Bevölkerungszahl Englands 3 Millionen.
- Um 1130 gibt es in Straßburg die erste städtische Müllabfuhr.
- 1137 - in Montpellier (Südfrankreich) wird eine Hochschule für Medizin gegründet
- Ab etwa 1140 führen die mongolischen Kin in China die Zopftracht ein.
- Zweiter und dritter Kreuzzug
- Der Abt Suger errichtet einen Neubau der Abtei Saint-Denis nördlich von Paris, der als das erste Gebäude im Stil der Gotik gilt.
- In der europäischen Musik entstehen die ersten mehrstimmigen, schriftlich fixierten Kompositionen. Die Entwicklung erreicht am Ende des Jahrhunderts in der Notre-Dame-Schule einen ersten Höhepunkt
- Die Araber übernehmen von den Indern die indischen Zahlen, die mit ihrem Stellenwertsystem revolutionär sind.
- 1173 - Der Papst verbietet allen Christen, Handel mit den Arabern zu treiben.
- Der erste Derwisch-Orden (Tariqa) wird von dem bekannten Sufi Abd al-Qadir al-Dschilani gegründet.
- In Angkor (Kambodscha) wird der Angkor Wat erbaut.
- In Europa treten die ersten Inquisitionstribunale auf.
- Das Mausoleum von Halikarnassos wird durch ein Erdbeben zerstört.
- 1199 - Papst Innozenz III. verbietet dem einfachen Volk das Lesen der Bibel.
- In diesem Jahrhundert wird ganz Europa flächendeckend vom Christentum erschlossen.

Persönlichkeiten

+ Lothar von Supplinburg, letzter deutscher Kaiser aus sächsischem Haus
- Roger II., König von Sizilien und Süditalien
- Petrus Abaelardus, französischer Philosoph und Scholastiker
- Arnold von Brescia, italienischer Freiheitskämfer und Reformator
- Wace, französischer Dichter und Geschichtsschreiber
- Gerhard von Toledo, italienischer Gelehrter
- Bernhard von Clairvaux, französischer Kreuzzugsprediger
- Peter Waldes, französischer Freiheitskämfer und Reformator
- Mosche ben Maimon (Moses Maimonides), jüdischer Philosoph, Rechtsgelehrter und Arzt
- Thomas Becket, englischer Priester und Staatsmann
- Ibn Rushd (Averroes), arabischer Philosoph und Naturforscher in Spanien
- Salah ad-Din Yusuf ibn Ayub (Saladin), arabischer Sultan
- Friedrich Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs
- Heinrich der Löwe, deutscher Fürst
- Hildegard von Bingen, deutsche Mystikerin
- Moses Maimonides, jüdischer Philosoph, Rechtsgelehrter und Arzt
- Innozenz III., italienischer Papst
- Snorri Sturluson, isländischer Geschichtsschreiber, Staatsmann und Dichter
- Heinrich VI., deutscher Kaiser
- Richard Löwenherz, englischer König
- Dominikus, spanischer Dichter
- Franziskus, italienischer Wanderprediker
- Hermann von Salza, deutscher Staatsmann
- Albertus Magnus, deutscher Gelehrter

Erfindungen und Entdeckungen


- um 1110 verbreitet sich in Mitteleuropa der Steinkohlebergbau
- um 1120 kommen in Deutschland Bleistifte aus Graphit auf
- um 1130 wird im Kaiserreich China das Schießpulver aus Salpeter erfunden (anderen Quellen zufolge war Schwarzpulver in China schon um das Jahr 1000 bekannt)
- um 1130 wird in Europa die Alkoholherstellung durch Destillation bekannt 01-12 ! ja:12世紀 ko:12세기 simple:12th century th:คริสต์ศตวรรษที่ 12

13. Jahrhundert

Das 13. Jahrhundert begann am 1. Januar 1201 und endete am 31. Dezember 1300.
Etwa zur Jahrhundertmitte war der Übergang vom Hochmittelalter zum Spätmittelalter in Europa.

Ereignisse und Entwicklungen


- Vierter bis achter Kreuzzug
- Untergang der Dynastie der Hohenstaufen
- Die Mongolen unter Dschingis Khan erobern große Teile Asiens und Osteuropas und errichten eine mongolische Dynastie in China
- Marco Polo erreicht China und Tibet
- Erste islamische Reiche entstehen in Südostasien
- Ewiger Bund der Eidgenossen (Gründungsjahr der Schweiz 1291)
- In Straßburg entsteht die erste Bauhütte. Bauhütten gelten als Vorläufer der Zünfte.
- Gründung des Franziskanerordens

Persönlichkeiten


- Franz von Assisi, Gründer des Franziskanerordens
- Albertus Magnus, Universalgelehrter und Theologe
- Thomas von Aquin, Theologe
- Ludwig IX., König von Frankreich
- Friedrich II., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs
- Dante Alighieri, italienischer Dichter
- Dschingis Khan, mongolischer Khan
- Baibars al-Bunduqdari, mamluckischer Sultan von Ägypten und Syrien
- Robert von Sorbon, französischer Gelehrter

Erfindungen und Entdeckungen


- Der Kompass wird aus dem Osten eingeführt. Er ermöglicht den Schiffen, von nun an fernab der Küsten zu segeln. 01-13 ! ja:13世紀 ko:13세기 simple:13th century th:คริสต์ศตวรรษที่ 13

Bologna

Bologna ist eine Universitätsstadt in Italien und bedeutender Verkehrs- und Eisenbahnknotenpunkt mit großem Rangierbahnhof. Sie liegt am Fuße des Apennin und ist die Hauptstadt der Region Emilia-Romagna und der Provinz Bologna. Ihr charakteristisches Erscheinungsbild verdankt sie den unzähligen Arkaden, die Strassen in einer Gesamtlänge von ungefähr 40 Kilometern säumen Bologna hat ca. 369.955 Einwohner (Stand 2003), davon ca. 50.000 Studenten. Sie beherbergt mit der 1088 gegründeten Universität Bologna die älteste Institution dieser Art in Europa. Berühmte Professoren dieser Universität sind u. a. Romano Prodi und Umberto Eco.

Beinamen

Bologna wird auch la grassa d. h. „die Fette“ genannt wegen des fetten Essens, für das die Stadt berühmt ist. Weitere Beinamen sind la rossa d. h. „die Rote“ wegen der roten Ziegel der Häuser und der vorherrschenden politischen Richtung sowie, wegen der berühmten Universität, la dotta d. h. „die Gelehrte“. Bologna wird auch la turrita genannt, nach den vielen Geschlechtertürmen, von denen die meisten erst Ende des 19. Jahrhunderts zerstört wurden.

Sehenswürdigkeiten

Wahrzeichen der Stadt sind die zwei Türme, der „Torre Garisenda“ und der „Torre degli Asinelli“. Um 1300 erbaut, war letzterer mit seiner Höhe von 94,5 Metern für 137 Jahre das höchste Gebäude Europas. Die beiden Türme sind die letzten Überbleibsel von rund 180 Geschlechtertürmen des mittelalterlichen Bologna, die im 19. Jahrhundert zum Großteil geschleift wurden. Als Zentrum der Stadt gilt die Piazza Maggiore mit dem Neptunbrunnen und der Basilika „San Petronio“. Diese gewaltige gotische Kirche (fünftgrößte der Welt) besitzt ein eindrucksvolles Inneres, dessen Mittelschiff 40 m hoch und 20 m breit ist. Ursprünglich als größte Kirche der Christenheit geplant, wurde der Bau, begonnen im Jahr 1390, aufgrund finanzieller Probleme bis zum heutigen Tage nicht vollendet. Im Innenraum befindet sich die Mittagslinie, 1655 eingerichtet nach Plänen des Astronomen Giovanni Domenico Cassini. Der Dom "Cattedrale di S.Pietro" mit der Pieta von V. Lombardi befindet sich auf der Via Indipedenza. Die älteste Kirche Bolognas Basilica di Santo Stefano befindet sich in einem heute noch genutzen Klosterkomplex im historischen Zentrum der Stadt. Die Anlage verfügt über einen byzantinischen Rundbau sowie über typische romanische Kreuzgänge. Die Wallfahrtskirche der Madonna di San Luca liegt auf dem Guardiahügel oberhalb der Stadt, von dem man einen beeindruckenden Blick in die Poebene hat. Zur Kirche hinauf führt der mit über vier Kilometern längste Arkadengang der Welt. Der Palazzo dell'Archiginnasio war ursprünglich dafür geplant, alle Fakultäten der Universität unter einem Dach zu versammeln. Eindrucksvoll ist der durch den Krieg stark zerstörte, aber vollständig renovierte Anatomielehrsaal.

Geschichte

Die Geschichte der Stadt beginnt vermutlich als etruskische Gründung mit dem Namen Felsina im 6. Jh. vor Christi Geburt, Spuren älterer dörflicher Siedlungen in der Gegend reichen bis ins 11/10. Jh. zurück. Im zweiten Jh. v. Chr. wird die Stadt von den Römern erobert und in Bononia umbenannt. Im Jahre 1500 fällt die Stadt endgültig an den Kirchenstaat. 1796 durch die Franzosen erobert, wird sie durch den Wiener Kongress wieder dem Kirchenstaat zugeschlagen. Am 2. August 1980 zündet eine rechte Extremistengruppe eine Bombe im Bahnhof der Stadt. 85 Menschen sterben, mindestens 200 werden verletzt. 1995 wurden für diesen Anschlag zwei Personen der faschistischen „Nuclei Armati Rivoluzionari“ und italienische Geheimdienstmitarbeiter zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Bologna war die europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2000.

Verkehr

Bologna hat einen Flughafen „Marconi“ im Nordwesten der Stadt. Einige Billigfluggesellschaften firmieren den ca. 60 km entfernten Flughafen Forlì als Flughafen Bologna-Forli. Daneben verfügt Bologna über zwei Bahnhöfe, die „Stazione Centrale“ (Hauptbahnhof) und „San Donato“. Ersterer wurde 1864 errichtet, allerdings schon zehn Jahre später von Gaetano Ratti neu konstruiert. 1926 wurde der Bahnhof um die westlichen Bahnsteige erweitert, 1934 auch auf der östlichen Seite.

Bedeutende Bologneser und Bologneserinnen


- Umberto Eco (1932-), Schriftsteller, Medienwissenschaftler und Semiotiker
- Guglielmo Marconi (1874–1937), Physiker und Elektro-Ingenieur
- Romano Prodi (1939-), Wirtschaftswissenschaftler und Politiker

Söhne und Töchter der Stadt


- Giorgio Morandi (1890–1964), Maler
- Francesco Albani, italienischer Maler der bolognesischen Schule
- Ulisse Aldrovandi, italienischer Arzt und Naturforscher
- Alessandro Algardi, italienischer Bildhauer und Architekt
- Attilio Ariosti, italienischer Komponist
- Adriano Banchieri, italienischer Mönch und Komponist
- Agostino Barelli, italienischer Baumeister und Architekt
- Giorgio Bassani, italienischer Schriftsteller und Publizist
- Laura Bassi, Die erste Professorin Europas (für Physik)
- Benedikt XIV. (Papst), Papst von 1740 bis 1758
- Stefano Benni, italienischer Schriftsteller, Journalist und Satiriker
- Antonio Bernacchi, italienischer Sänger (Kastrat)
- Laura Betti, italienische Schauspielerin
- Marco Biagi, italienischer Professor für Arbeitsrecht
- Katharina von Bologna, katholische Mystikerin
- Raffaele Bombelli, italienischer Mathematiker
- Albert Graf von Caprara, österreichischer General und Diplomat
- Agostino Carracci, italienischer Maler und Kupferstecher
- Annibale Carracci, Maler und Kupferstecher
- Ludovico Carracci, italienischer Maler
- Gino Cervi, italienischer Filmschauspieler
- Pierluigi Collina, Fußballschiedsrichter
- Lucio Dalla, Cantautori rockorientierter Musik
- Matthia Ferrabosco, Komponist
- Lodovico Ferrari, italienischer Mathematiker
- Gianfranco Fini, italienischer Außenminister und Vorsitzender der Partei Alleanza Nazionale
- Petronio Franceschini, italienischer Komponist
- Luigi Galvani, Arzt, Anatom und Biophysiker
- Andrea Gioanetti, Kardinal der römisch-katholischen Kirche und Erzbischof von Bologna
- Giovan Battista Caprara, italienischer Kardinal, Erzbischof, Graf und Senator
- Carlo Grassi, Kardinal der römisch-katholischen Kirche
- Gregor XIII., Papst von 1572 bis 1585
- Gregor XV., Papst von 1621 bis 1623
- Francesco Maria Grimaldi, italienischer Theologe, Physiker und Mathematiker
- Innozenz IX., Papst
- Mondino di Liuzzi, italienischer Anatom
- Guglielmo Marconi, italienischer Physiker und Ingenieur war ein Pionier der drahtlosen Telekommunikation
- Giovanni Battista Martini, italienischer Komponist und Musiktheoretiker
- Luciano Minguzzi, italienischer Bildhauer
- Giorgio Morandi (1890–1964), Maler
- Pier Paolo Pasolini, italienischer Filmregisseur und Dichter
- Alessandro Pasqualini, italienischer Architekt der Renaissance
- Cesare Perdisa, Formel-1-Rennfahrer
- Guido Reni, italienischer Maler und Radierer
- Ottorino Respighi, italienischer Komponist
- Augusto Righi, italienischer Physiker
- Vincenzo Righini, Komponist
- Pier Giuseppe Sandoni, italienischer Komponist
- Adamo Tadolini, italienischer Bildhauer
- Antonio Tozzi, italienischer Opernkomponist.
- Francesco Antonio Uttini, italienischer Komponist
- Trebisonda Valla, italienische Leichtathletin und Olympiasiegerin
- Christian Vieri, italienischer Fußballspieler
- Giovanni Battista Vitali, italienischer Violinist, Sänger und Komponist
- Tommaso Antonio Vitali, italienischer Violinist und Komponist
- Alessandro Zanardi, italienischer Rennfahrer

Sonstiges

Bologna ist die Heimat der Tortellini, mit Hackfleisch gefüllten, kleinen Nudeln. Diese werden meist in einer Fleischbrühe (brodo) oder mit Sugo Bolognese (aus Hackfleisch und Tomaten) serviert (die in Deutschland gängige Kombination „spaghetti bolognese“ wird man allerdings auf keiner Speisekarte finden!). Wobei in Bologna der Sugo nicht mit Hackfleisch sondern mit ausgedrückter Salsice (Italienische grobe Rohbratwurst) zubereitet wird. Eine weitere aus Bologna stammende Spezialität ist die Mortadella, eine Aufschnittwurst vom Schwein, die meist in hauchdünne Scheiben oder in Würfel geschnitten verzehrt wird. In Bologna findet die Internationale Ledermesse Lineapelle statt.

Literatur


- Max Jäggi, Roger Müller, Sil Schmid (1976): Das rote Bologna. Kommunisten demokratisieren eine Stadt im kapitalistischen Westen. Zürich: Verlagsgenossenschaft.

Weblinks


- [http://www.comune.bologna.it/ Homepage Bologna]
- [http://www.unibo.it/ Homepage der Universität]
- [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/402451/ Sendung des Deutschlandfunkes zum 25. Jahrestages des Attentates auf den Bahnhof der Stadt] Kategorie:Ort in der Emilia-Romagna Kategorie:Hauptstadt in Italien ja:ボローニャ ko:볼로냐

Römisches Recht

Als römisches Recht bezeichnet man zunächst das Recht, das in der Antike in der Stadt Rom und später im ganzen römischen Weltreich galt. Die im Corpus Iuris Civilis gesammelten Quellen des antiken römischen Rechts wurden im Mittelalter wiederentdeckt und bis ins 19. Jahrhundert in den meisten Staaten Europas als maßgebliche Rechtsquellen betrachtet. Daher kann man auch die Rechtsordnung, die im Mittelalter und in der frühen Neuzeit auf dem europäischen Kontinent galt, als römisches Recht bezeichnen. Während viele andere Errungenschaften der Antike ursprünglich von den Griechen stammen und von den Römern nur übernommen wurden, ist das römische Recht eine originäre Schöpfung der Römer ohne griechische Vorbilder. Allerdings hat die Übernahme von Begriffen und Argumentationsmustern aus der griechischen Philosophie bei der Herausbildung der römischen Rechtswissenschaft eine Rolle gespielt.

Antikes römisches Recht

Das römische Recht war zunächst ein aus langjähriger Übung entstandenes Recht (sog. Gewohnheitsrecht) ohne geschriebene Gesetze. Eines der frühesten Gesetzeswerke war das Zwölftafelgesetz (entstanden um 450 v.Chr., lat. lex duodecim tabularum). Später spielten die Edikte der Magistrate, darunter besonders die Edikte der Praetoren (sog. ius honorarium, die viva vox iuris civilis), eine große Rolle für die Rechtsentwicklung. In den Edikten verlautbarten die Magistrate, wie sie während ihrer Amtszeit das Recht handhaben wollten. Sie gaben exakt an, für welche Tatbestände sie eine Klagemöglichkeit einräumen wollten. Mit der Zeit wurde es üblich, den Text des Edikts vom Vorgänger zu übernehmen. Der Text des schließlich erlassenen edictum perpetuum wurde von den römischen Juristen wissenschaftlich kommentiert. Die römische Rechtswissenschaft erreichte ihre höchste Blüte in den ersten Jahrhunderten der Kaiserzeit (1.-3. Jahrhundert). In der Spätantike drohten die Lehren dieser klassischen Jurisprudenz in Vergessenheit zu geraten. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, ließ Kaiser Justinian I ältere Rechtstexte sammeln. Sein Gesetzgebungswerk, das später unter der Bezeichnung Corpus Iuris Civilis bekannt wurde, umfasst die Institutionen des Justinian (verkündet 533), die Pandekten (lat. Digesten, ebenfalls 533 verkündet), den Codex Iustinianus (verkündet 534) und die zugehörigen Novellen. Die größte Bedeutung haben davon die Pandekten oder Digesten erlangt.

Römisches Recht im Mittelalter und in der Neuzeit

Im Byzantinischen Reich blieb die justinianische Kodifikation Grundlage der Rechtspraxis. Im 9. Jahrhundert ließ Kaiser Leon VI. (886—912) die Basiliken erstellen. Die Basiliken waren eine Sammlung des byzantinischen Rechts, die im wesentlichen aus einer griechischen Übesetzung des justinianischen Codex und der Digesten bestand. Hingegen gerieten die justinianische Kodifikation und das römische Recht insgesamt in Westeuropa während des frühen Mittelalters weitgehend in Vergessenheit. Insbesondere die Digesten waren bald nicht mehr bekannt. Um 1050 wurde dieser wichtige Text jedoch wiederentdeckt. Von diesem Zeitpunkt an haben zuerst italienische Juristen – deren Rechtsschule von Bologna sich zu einer der ersten Universitäten Europas entwickelte - das römische Recht wieder aufgegriffen. Die sog. Glossatoren erläuterten und überarbeiteten die bestehenden Texte nach den Bedürfnissen und Methoden der Zeit. Die Kommentatoren (auch Postglossatoren genannt) arbeiteten sodann die Rechtstexte zu praxisbezogenen Werken aus. Da in Deutschland im Mittelalter kein entwickeltes Rechtssysteme bestand, wurde ab Mitte des 15. Jahrhunderts das römische Recht auch hier rezipiert. Durch die besondere Bedeutung des römischen Rechts wurden die Rechtsfakultäten der Universitäten sehr einflussreich. Mit dem Beginn des Absolutismus und der Aufklärung trat das Naturrecht oder Vernunftrecht in den Vordergrund. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte jedoch mit der historischen Rechtsschule, deren herausragender Vertreter Friedrich Karl von Savigny war, eine Rückbesinnung auf das römische Recht ein. Mit der geschichtlichen Rechtswissenschaft und der Pandektistik erreichte die wissenschaftliche Durchdringung und Systematisierung des römischen Rechts, das als gemeines Recht in Deutschland bis zum 1. Januar 1900 galt, einen Höhepunkt. Auch das moderne bürgerliche Recht – noch mehr das BGB und das österreichische ABGB in ihrer ursprünglichen Fassung – ist nach wie vor in besonderem Maße von dem römischen Recht, das den Rechtsstoff für die Schaffung der modernen Kodifikationen bildete, geprägt.

Siehe auch

Portal und Themenliste Rom, Pandekten, Pandektenwissenschaft, romanistische Rechtsschule.

Literatur

Juristisches


- Max Kaser/Rolf Knütel: Römisches Privatrecht, 17. Auflage, München 2003. ISBN 3-406-41796-5
- Detlef Liebs: Römisches Recht, 6. Auflage, Stuttgart 2004. ISBN 3-8252-0465-0
- Fritz Schulz: Prinzipien des römischen Rechts, München/Leipzig 1934 (unveränderter Nachdruck bei Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11347-0. Rezensiert von Wolfgang Ernst, http://www.forhistiur.de/zitat/0405ernst.htm)

Geschichte


- Mario Bretone: Geschichte des Römischen Rechts, München 1992. ISBN 3-406-36589-2
- Wolfgang Waldstein, J. Michael Rainer: Römische Rechtsgeschichte, 10. Auflage, München 2005. ISBN 3-406-53341-8
- Stephan Meder: Rechtsgeschichte, Köln/Weimar/Wien 2002 (mehrere Auflagen). ISBN 3-8252-2299-3
- Uwe Wesel: Geschichte des Rechts, 2. Auflage, Berlin 2000. ISBN 3-406-47543-4
- Wolfgang Kunkel/Martin Schermaier, Römische Rechtsgeschichte, 13. Aufl., Köln/Weimar/Wien 2001. ISBN 3-8252-2225-X

Weblinks


- http://www.iuscivile.com/deu/ Sehr gutes allgemeines Überblicksportal zum römischen Recht. Dort findet sich auch eine umfassende Literaturliste.
- http://home.hetnet.nl/~otto.vervaart/römisches_recht.htm Knappe Informationen über das römische Recht. Besonders die Links am Ende sind interessant. Kategorie:Römisches Recht ja:ローマ法 ko:로마 법

Irnerius

Irnerius von Bologna (
- um 1050; † um 1130) war Begründer der berühmten Glossatorenschule in Bologna, die einen wesentlichen Teil zur Bewahrung römischer Rechtstexte und insbesondere zur wissenschaftlichen Bearbeitung des römischen Rechts beitrug.

Werk

Mit der Wiederentdeckung der sog. Littera Florentina, die der Legende zufolge durch die Pisaner bei der Plünderung von Amalfi gestohlen und später von den Florentinern abgejagt wurde, war es den Gelehrten der Zeit möglich, Einblicke in Methode und Rechtspraxis des klassischen römischen Rechts zu nehmen. Die Littera Florentina stellt einen Teil des Corpus iuris civilis dar, die Digesten, und wurde unter Auslassung sämtlicher älterer Kommentierungen/ Legaturen erneut abgeschrieben (littera vulgata/bologniensis). Irnerius war der erste, der diese mit eigenen Kommentierungen (Glossen) in großem Umfang versah. Er lehrte an der Universität von Bologna als magister artium. Irnerius und seine Schüler versuchten, den gewaltigen Rechtsstoff des Corpus iuris civilis mit den Methoden der Bibelexegese und der scholastischen Philosophie zu erschließen. Zur ersten Generation von Schülern des Irnerius gehören die vier dottores Bulgarus, Martinus, Jacobus und Hugo, die Kaiser Friedrich Barbarossa auf dem Reichstag in Roncallia berieten (siehe auch Rezeption des römischen Rechts). Weitere bedeutende Glossatoren waren Azo und Accursius (glossa ordinaria od. Accursische Glosse 1250). Ihnen folgten die Postglossatoren (consiliatores), unter ihnen Baldus de Ubaldis und Bartolus de Saxoferrato.

Irnerius eine fiktive Person?

Nach umstrittener Ansicht war Irnerius ein Kunstprodukt, ein Mythos der mittelalterlichen rechtswissenschaftlichen Schule/Universität in Bologna. Nach dieser Ansicht geht der Mythos „Irnerius“ auf ein gewissen Wernerius zurück, der zu Beginn des 12. Jahrhunderts im Umfeld Kaiser Heinrichs V. (1106-1125) erscheint. Dieser „Werner von Bologna“ fungierte in einigen Urkunden Heinrichs als causidicus („Anwalt“) und iudex („Richter“), so in einem kaiserlichen Diplom für die Stadt Bologna. Werner muss auch wohl an der Rechtsschule in Bologna gelehrt haben, vielleicht sind ihm einige der überlieferten Glossen zuzuweisen. Spätere Generationen von Bologneser Rechtsgelehrten machten im Verlauf des 12. und 13. Jahrhunderts aus Werner den Irnerius, den Gründer ihrer Schule, der angeblich die bedeutenden Legisten Bulgarus, Martin, Hugo und Jakob zu Schülern hatte. Das kollektive Gedächtnis der Rechtsschule verfälschte so die Anfänge der Bologneser Rechtswissenschaft an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert. Denn weniger Legisten als Notare standen am Beginn der Rechtswissenschaften in Bologna, die Notare drängten damals auf die Verwissenschaftlichung von Rechtsgeschäften. Seinen Namen trägt in Bologna die Via Irnerio und ein Digitalisierungsprojekt juristischer Handschriften: Progetto Irnerio.

Siehe auch:

Rechtsgeschichte

Literatur


- Johannes Fried, ... "auf Bitten der Gräfin Mathilde": Werner von Bologna und Irnerius, in: K. Herbers (Hg.), Europa an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert. Beiträge zu Ehren von Werner Goez, Stuttgart 2001, S.171-206

Weblinks


-
- [http://www.historia.unimi.it/scripts/diglib/diglib3.asp?cod=13859 Ausgabe der Summa codicis]
- [http://www.cirfid.unibo.it/irnerio/ Projekt Irnerio] Kategorie:Rechtswissenschaftler Kategorie:Italiener Kategorie:Mann Kategorie:Rechtsgeschichte

14. Jahrhundert

Das 14. Jahrhundert begann am 1. Januar 1301 und endete am 31. Dezember 1400. Es ist die Epoche des Spätmittelalters in Europa.

Ereignisse und Entwicklungen


- Die Krise des 14. Jahrhunderts
- Übergang von der mittelalterlichen Wärmephase zur kleinen Eiszeit
- Entstehung des Osmanischen Reichs
- Ein Drittel der europäischen Bevölkerung stirbt an der seit sechshundert Jahren ersten Epidemie der Pest, siehe Schwarzer Tod. (Erste und gravierendste Welle: 13471351, dann mehr oder weniger regelmäßig alle neun bis zwölf Jahre mit Unterbrüchen bis sie 1722 ganz aus Europa verschwindet.)
- Ende der mongolischen Yuan Dynastie in China und Anfang der Ming Dynastie (1368)
- Das Abendländische Schisma der Römisch-Katholischen Kirche beginnt 1378 und führt zu zeitweilig drei gleichzeitigen Päpsten.
- Die seit dem 13. Jahrhundert entstehenden Bauhütten erleben ihre Blütezeit.

Persönlichkeiten


- Bonifatius VIII., Papst
- Albrecht I., Deutscher König
- Longchen Rabjam, buddhistischer Gelehrter

Erfindungen und Entdeckungen


- Richtiges Mischverhältnis des Schwarzpulvers durch den Mönch Berthold Schwarz wird angeblich im Jahre 1313 entdeckt.
- Im Laufe des 14. Jahrhunderts begann man die Kräfte des Wassers und die des Windes aktiv zu nutzen.
- Ein anderes Zeitgefühl hielt Einzug in die Dörfer, es kam mit der Erfindung und Einführung der Turmuhren.
- Die Bauern erhielten ein neues Mittel, ihre Felder zu bestellen, nämlich die Sense.
- Mit der Erfindung des Spinnrades erhielten die Familien eine neue Verdienstmöglichkeit.
- In der Geldwirtschaft wurde die Buchführung wesentlich verfeinert. Kreditbriefe und Wechsel erhielten nicht zuletzt im hundertjährigen Krieg ihre Bedeutung.
- Die Arabischen Zahlen beginnen die Römischen Zahlen abzulösen.

Literatur


- Barbara Tuchman: Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert. ISBN 3-423-10060-5

Links


- [http://www.ig-mim.de Interessengemeinschaft Mensch im Mittelalter e.V] Darstellung des alltäglichen Lebens im 14ten Jahrhundert. Mode, Haushalt, Alltagsleben 01-14 ! ja:14世紀 ko:14세기 th:คริสต์ศตวรรษที่ 14

Cinus de Pistoia

Cino da Pistoia (Cinus) (
- 1270 in Pistoia, † 24. Dezember 1336 oder 27. Januar 1337 in Pistoia) war ein italienischer Jurist und Dichter aus einem der vornehmsten Geschlechter Pistoias. Cino da Pistoia studierte Zivilrecht in Bologna bei Dinus de Rossonis Mugellanus und Accursius. Wahrscheinlich im Jahr 1300/1301 kehrte er - ohne Doktortitel - nach Pistoia zurück. Möglicherweise nahm er an den dortigen Parteienkämpfen teil, wobei er auf der Seite der kaiserlichen Partei stand. Nach dem Tod Heinrichs VII. wandte er sich wieder der Wissenschaft zu. Am 9. Dezember 1314 wurde er in Bologna zum Doctor legum promoviert. Cino war zunächst als Rechtsberater in Pistoia, Siena, Florenz und Bologna, dann als Assessor in Macerata und Camerino tätig. Ab 1321 lehrte er Zivilrecht in Siena, Perugia - dort war Bartolus de Saxoferrato sein Schüler -, Neapel und Bologna. Cino da Pistoia war unter anderem mit Dante, Johannes Andreae und Francesco Petrarca befreundet. Letzterer knüpfte an den Stil und die Sprache von Cinos Dichtung an. Cinos juristisches Hauptwerk ist die Lectura Codicis (1314), ein Kommentar zum Codex Iustinianus, mit dem er die Grundlage für eine neue Blüte der Rechtswissenschaft in Italien (Kommentatoren) schuf. Daneben verfaßte er weitere Kommentare und Glossen. August Bebel erwähnt Cino als einen der Glossatoren und Kommentatoren des Codex Iustinianus. Hierbei prangert er deren Latein an, das noch schlechter als das spätantike Latein der Zeit Justinians sei. Überdies verdrehten ihre Auslegungen die Gesetze und sollten von kaiserlicher Seite verboten werden. Pistoia, Cino da Pistoia, Cino da Pistoia, Cino da Pistoia, Cino da Pistoia, Cino da Pistoia, Cino da

Baldus de Ubaldis

Baldus de Ubaldis it. Baldo degli Ubaldi (
- wahrscheinlich 2. Oktober 1327 in Perugia, † 28. April 1400 in Pavia) war ein italienischer Rechtsgelehrter und nach Bartolus de Saxoferrato der bedeutendste Vertreter der Kommentatorenschule.

Leben

Kommentatorenschule Baldus stammte aus einem Adelsgeschlecht in Perugia. Seine zwei Brüder Angelus und Petrus waren ebenfalls Juristen. Auf einer Verwechselung mit dem Bruder Petrus de Ubaldis beruht es vermutlich, wenn Baldus gelegentlich fälschlich als Petrus Baldus de Ubaldis bezeichnet wird. Hinsichtlich des Geburtdatums des Baldus besteht Unsicherheit, meist wird jedoch das Jahr 1327 angenommen. Auch über sein Studium und den Beginn seiner akademischen Laufbahn ist wenig bekannt. Jedenfalls gehörte der berühmte Bartolus de Saxoferrato zu seinen Lehrern. Spätestens ab 1347 lehrte Baldus als Professor an den Universitäten von Pisa, Perugia, Padua und Pavia. Neben seiner Lehrtätigkeit war Baldus auch praktisch tätig. Er schrieb Gutachten (Konsilien) zu konkreten Rechtsfragen, wirkte als Rechtsanwalt, als Richter und als auswärtiger Gesandter seiner Heimatstadt Perugia. Baldus starb im Jahr 1400 - angeblich an der Tollwut, die er sich durch einen Biß seines Schoßhundes zugezogen haben soll. Zu den Schülern des Baldus gehörten Paulus de Castro und Petrus Belforte, der spätere Papst Gregor XI..

Werke

Baldus verfaßte Kommentare zu allen Teilen des Corpus Iuris Civilis, beschäftigte sich aber nicht nur mit dem römischen Recht, sondern kommentierte auch Texte des kanonischen Rechts und des Lehnsrechts. So ist ein Kommentar zu den ersten drei Büchern des Liber Extra überliefert. Die Kommentierung der Libri Feudorum, einer Sammlung des langobardischen Lehnsrechts, gehört zu den erfolgreichsten Werken des Baldus. Außerdem verfaßte Baldus über 3000 Gutachten, von denen über 2500 in einer gedruckten Sammlung enthalten sind. Dazu treten zahlreiche Traktate zu Einzelfragen.

Würdigung

Die philosophsche Bildung des Baldus und seine Neigung zu theoretischen Überlegungegen werden stets hervorgehoben. Allerdings hat ihm diese Eigenart nicht nur das Lob eingetragen, er sei der "philosophische Kopf der mittelalterlichen Juristen" gewesen , sondern auch die eher tadelnde Erwähnung seiner "etwas spekulativen Veranlagung" . Baldus leistete wesentliche Beiträge zu den verschiedensten Rechtsgebieten, insbesondere zum Handelsrecht, aber auch zum Strafrecht und zu öffentlich-rechtlichen Fragen. Sein Einfluß auf die Entwicklung des Ius Commune ist erheblich. Die Werke des Baldus wurden häufig gedruckt und bis ins 19. Jahrhundert hinein verwendet.

Literatur


- Axel Krauß: Baldus de Ubaldis. In: Gerd Kleinheyer, Jan Schröder (Hrsg.): Deutsche und Europäische Juristen aus neun Jahrhunderten. 4. Auflage. Heidelberg 1996, ISBN 3-8252-0578-9. S. 40-43.
- Hermann Lange: Die Consilien des Baldus de Ubaldis († 1400). Mainz 1974, ISBN 3-515-01819
- Kenneth Pennington: Baldus de Ubaldis. In: Rivista Internazionale di Diritto Commune. 8 (1997), , S. 35-61.
- Hans Peter: Baldus de Ubaldis. In: Adalbert Erler, Ekkehard Kaufmann (Hrsg.): Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. Band 1. Berlin 1971, ISBN 3-503-00015-1. Sp. 285-286.
- Dieter Simon, Michael Stolleis (Hrsg.): IUS COMMUNE. 27 (2000),

Siehe auch


- Rechtsgeschichte
- Römisches Recht
- Gemeines Recht Ubaldis, Baldus de Ubaldis, Baldus de Ubaldis, Baldus de Ubaldis, Baldus de Ubaldis, Baldus de

Decretum Gratiani

Das Decretum Gratiani (um 1140) ist ein kirchenrechtliches Buch von Gratian. Es bildet den ersten Teil einer Sammlung von sechs Rechtsbüchern, die im Corpus Iuris Canonici zusammengefasst sind. Name und Idee dieses Corpus laufen parallel zum Corpus Iuris Civilis, einer Sammlung des Römischen Rechts.

Quellen

Gratians Quellen waren das Römische Recht, die Bibel, Dekretale (Papstbriefe), Konzils- und Synodalakten und ältere Rechtssammlungen. Die Erstellung seines Decretum hatte Signalwirkung: Ab dieser Zeit wurde das Kanonische Recht an der Rechtsschule von Bologna wissenschaftlich gelehrt und bearbeitet. Es wurde gelegentlich behauptet, Gratian habe Burchard von Worms (Decretorum Libri XX, Ex officina Melchioris Nouesiani, Coloniae 1548) nicht verwendet. Diese Behauptung ist nicht zutreffend. Zwar wurden andere Rechtssammlungen wesentlich systematischer von Gratian verwandt, doch kommt der Name Burchards sogar zweimal im Decretum vor: Beide Male D.73 c.1. Freisen weist sogar nach, dass Gratian eine von Burchard verwendete, wohl verfälschte, Stelle in sein Dekret aufnimmt und sie korrigiert: C.35 q.5 c.1 und C.35 q.4 c.1 - bei Burchard Bur. 7.10 . Eine sehr wichtige Quelle ist die sogenannte Collection in three books, einer nur in zwei Handschriften erhaltenen Sammlung (Biblioteca Apostolica Vaticana, Vat. lat. 3831, und Pistoia, Archivio Capitolare del Duomo, C 109) die wesentlichen Einfluß auf die zweite Redaktion des Decretum Gratiani besitzt. Es ist das Verdienst von Anders Winroth, hierüber gearbeitet zu haben.

Entstehung

Gratian lehrte Recht oder kanonisches Recht in Bologna. Die Beschäftigung mit diesem Sujet ließ es sinnvoll erscheinen, ein dem Corpus Iuris Civilis vergleichbares Standardwerk auch für das Kanonische Recht zu besitzen: Die Geburtsstunde des Decretum.

Wirkung

Gratian selbst nannte sein Werk Concordantia Discordantium Canonum. Der Name ist Programm: Gratian versuchte scheinbar gegensätzliche Canones miteinander zu harmonisieren, er diskutiert unterschiedliche Meinungen und entscheidet sich für eine Lösung. Diese dialektische Arbeitsweise machte es für andere Rechtslehrer interessant mit dem Dekret zu arbeiten und eigene Lösungen und Kommentare zu entwickeln. Diese Kommentare nennt man Glossen. Gedruckte Ausgaben des 16. oder 17. Jahrhunderts sind sehr häufig mit Glossen ediert. Sammlungen von Glossen nennt man Glossenapparat oder Lectura in Decretum (siehe auch Glossatoren). Systematische Kommenare nennt man Summen. Sehr bald waren einige dieser Summen zum Dekret im Umlauf und erlangten vergleichbare Berühmtheit. Frühe Kommentatoren waren Paucapalea (vor 1148) und Magister Rolandus, den man - wohl irrtümlich - mit Papst Alexander III. (1159-1181) identifizierte. Die wohl wichtigsten Kommentatoren waren Rufin von Bologna († vor 1192) und Huguccio († 1210). Weniger bekannt, vielleicht weil vom gewichtigeren Werk Huguccios und Rufins überlagert, war das des Simon von Bisignano. Sein Werk besteht aus Glossen zum Dekret und der Summa Simonis.

Literatur


- Joseph Freisen: Geschichte des Kanonischen Eherechts bis zum Verfall der Glossenliteratur. 2. Auflage, Schöningh, Paderborn 1893 (Nachdruck: Scientia, Aalen 1963) Kategorie:Kirchenwesen Kategorie:Historisches Gesetz ko:그라티아누스 교령집

Rezeption

Der Ausdruck Rezeption (v. lat.: recipere = aufnehmen) bezeichnet
- die Übernahme kultureller Werte und Vorstellungen: kulturelle Rezeption, Rezipienten
- die Rezeption fremder Rechte, namentlich des römischen Rechts in Deutschland: Rezeption des römischen Rechts, Rechtsgeschichte
- die verstehende Aufnahme eines Kunstwerkes, Musikstücks: künstlerische Rezeption
- den Empfangsraum eines Hotels, das Foyer: Rezeption (Hotel)
- Rezeption (Philosophie) Siehe auch: Rezeptor, Empfang, Aufnahme, Wahrnehmung, Klagspiegel Kategorie:Begriffsklärung

Glossar

Das Glossar (von griechisch γλοσσάριο[ν], aus "γλόσσα, glóssa - die Zunge, Sprache”; daraus lateinisch glossa - "das Wörtchen” oder "das seltsame erklärungsbedürftige Wort” und "glossarium” - "die Spruchsammlung”) ist eine Wörterliste mit Erklärungen, die meist Bestandteil eines (Fach)textes ist und die Bedeutung von erklärungsbedürftigen Wörtern festlegt. Im Gegensatz zu einem Wörterbuch enthält ein Glossar vorrangig Begriffe und Definitionen; darüber hinaus können auch weitere lexikographische Informationen - beispielsweise zur Sprache und Herkunft (Etymologie) - enthalten sein. Auch Verweise zwischen verwandten Begriffen sind möglich. Die Definitionen in einem Glossar sollen anders als in größeren Nachschlagewerken wie etwa einem Lexikon möglichst kurz und eindeutig sein. Die Grenze zwischen Glossar und Lexikon ist jedoch fließend, so werden manche Glossare auch als Definitionslexikon bezeichnet. Ein Glossar definiert in der Regel eine bestimmte Terminologie aus Fachwörtern. Die Suchmaschine Google bietet mit dem "Google Glossary" eine nützliche Suche nach Begriffen in englischsprachigen Glossaren im World Wide Web an, siehe http://www.googleguide.com/glossary.html

Beispiel für ein Glossar

;Begriff: Denkeinheit, die als Konzept in der menschlichen Vorstellung existiert und nicht an eine bestimmte Sprache gebunden ist. ;Benennung: Siehe Bezeichnung. ;Bezeichnung: Repräsentation eines Begriffs mit sprachlichen (Benennung) oder anderen Mitteln.

Glossare in der Wikipedia


- Glossar mathematischer Attribute
- Gruppentheorie-Glossar
- Topologie-Glossar
- Graffiti-Glossar

Siehe auch


- Glosse, Glossator,
- Kontrollierte Vokabularien,
- Terminologische Datenbank

Weblinks


- [http://www.frankdietz.com/glossary.htm Über 2.400 Glossar-Links] Kategorie:Linguistik Kategorie:Sprache

Mischna

Die Mischna (hebräisch: משנה Wiederholung) ist die wichtigste Sammlung religionsgesetzlicher Überlieferungen des rabbinischen Judentums. Sie bildet die Basis des Talmuds.

Entstehungsgeschichte

Nach jüdischer Auffassung hat Gott die Tora (תורה) dem Mose am Berg Sinai in zweifacher Form geoffenbart: Zum einen als schriftliche Tora (Tora she-bi-khtav), also in Form der fünf Bücher Moses, die den Anfang sowohl der jüdischen als auch der christlichen Bibel bilden; zum anderen als mündliche Tora (Tora she-be'al-peh), die sich mit der Auslegung der schriftlichen Tora befasst. Die mündliche Tora wurde in der Folgezeit von einer jüdischen Gelehrten-Generation zur nächsten mündlich tradiert und hat keinen direkten Eingang in die christliche Tradition gefunden. Zur Zeit der Besetzung Judäas durch römische Truppen, insbesondere nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 u.Z., erkannten die Rabbiner die Gefahr einer Zerstreuung der Juden in die Diaspora. Dementsprechend sah man die Notwendigkeit, auch diese Überlieferung schriftlich zu kodifizieren. Beteiligt waren mehrere Generationen von Rabbinern, so etwa
- 1. Generation: u.a. Rabbi Jochanan ben Zakkai (ca. 40-80 u.Z.).
- 2. Generation: u.a. Rabbi