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Goten

Goten

Die Goten waren ein germanisches Volk, das zur Zeitenwende im Bereich der Weichselmündung siedelte. Damals war es den antiken Geographen unter dem Namen Gotonen (Gutonen; gotisch Gutans) bekannt. Der Name wird vom gotischen Wort giutan ("gießen") bzw. gutans ("gegossen") abgeleitet und als "Ausgießer" gedeutet. In der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts zog ein Teil der Goten nach Südosten zum Schwarzen Meer. Nach ersten Auseinandersetzungen mit dem Römischen Reich in Südosteuropa in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts kam es am Ende des 3. Jahrhunderts zur Spaltung in Ost- und Westgoten (Ostrogothi, glänzende Goten, und Visigothi, gute Goten). Während der nächsten einhundert Jahre sprach man von den Westgoten als Terwingen, von den Ostgoten als Greutungen. Die Ostgoten wurden 375 von den Hunnen unterworfen. Sie wurden nach deren Niedergang zu römischen Foederati und eroberten 488 unter Theoderich Italien, vorgeblich im Auftrag von Byzanz. Nach Theoderichs Tod zerfiel das Ostgotenreich. Die Westgoten, die noch im Jahre 378 das oströmische Heer unter Kaiser Valens in der Schlacht von Adrianopel schlugen, wurden 382 Föderierte und gründeten Anfang des 5. Jahrhunderts ein Reich in Gallien, das von den Franken nach Spanien verdrängt wurde. Das Westgotenreich unterlag 711 den Mauren.

Stammesnamen

Um Verwirrung vorzubeugen, müssen zunächst einmal die Namen der Gotenvölker, die im Folgenden verwendet werden, geklärt werden. Die Westgoten hießen auch Tervingi (hauptsächlich in ihren Siedlungsgebieten nördlich der Donau) oder Vesi- bzw. Visigothi (hier jeweils die lateinischen Formen). Terwingen bedeutet „Waldleute“ (gotisch triu = Baum); Vesi ist eine prunkende Selbstbezeichnung, die so viel bedeutet wie „die Edlen“. Für die Ostgoten stehen auch die Namen Greutungi (hauptsächlich vor dem Hunneneinfall 375) und Ostrogothi, wobei Greutungen frei übersetzt Steppen- oder Strandbewohner heißt; Ostrogothi ist, wie weiter unten ausgeführt, ein mythologischer Name aus der Ahnenreihe der Amaler. Später wurden die Namen Vesi- und Ostrogothi von Cassiodor, einem Minister Theoderichs des Großen, in anachronistischer Weise in West- und Ostgoten umgedeutet. Die Trennung der Stämme war von nun an deutlich. Die Gepiden, die sich dem Südzug der Goten angeschlossen hatten, waren ursprünglich wohl ein eigenes Volk, auch wenn Cassiodor sie neben Ost- und Westgoten als dritte Volksgruppe nennt. Sie blieben größtenteils im Hinterland, nahe der Karpaten – sie sollten von da an eine politisch eher untergeordnete Rolle spielen. Die Westgoten siedelten nördlich der Donau, und die Ostgoten breiteten sich an der Mündung des Dnjepr aus, unter anderem auch auf der Krim. Die Westgoten konstituierten sich in einer von vielen Kleinkönigen beherrschten Oligarchie, während sich das abgedrängte Königshaus der Amaler bei den Ostgoten seine Macht erhalten konnte.

Geschichte

Gemeinsame Geschichte der Goten vor der Trennung

Anfänge

Die ersten Erwähnungen der Goten finden sich bei den antiken Geschichtsschreibern Tacitus, Strabon und Ptolemäus als Gotonen. Aus deren Nachrichten ergibt sich das Bild eines Stammes mit einem für germanische Verhältnisse bemerkenswert starken Königtum, der zur Zeitenwende nördlich des Weichselknies im Machtbereich der Markomannen siedelte. Seine Nachbarn waren die Lugier im Süden und Rugier im Norden. Die Herkunft gotischer Tradition aus dem südskandinavischen Raum gilt als möglich, wird aber von der modernen Forschung zunehmend zurückgewiesen. Der Sage nach gelangten zuerst zwei Boote der Goten und einige Zeit später das der Gepiden, ihrem Brudervolk, aus Skandza (Skandinavien) im Norden Polens an. Die Küste dort hieß angeblich noch im 6. Jh. Gothiskandza ("Skandza (=Küste) der Goten"). Auch gab es eine Insel in der Weichselmündung, „Geped oios“ genannt, was so viel bedeutet wie "Insel der Gepiden". Ob die Goten jedoch tatsächlich aus Skandinavien stammten, wie damals alle germanischen Völker in ihren Ahnenreihen angaben, ist jedoch sehr fraglich (siehe dazu auch Jordanes und Cassiodor). Es galt als schicklich, von dort zu kommen, aus der „Gebärmutter der Völker“, da man damit Stärke und Fruchtbarkeit assoziierte. In Skandinavien gibt es nur wenige Hinweise, dass einst Goten dort lebten. Auf Grund der modernen Forschung wäre es wahrscheinlicher, wenn sich die Goten als polyethnischer Stammesverband bereits auf dem Festland, das heißt im Gebiet des heutigen Polen, gebildet hätten. Archäologisch ist eine nicht sehr starke Zäsur um 150 v. Chr. an der Weichselmündung belegt, die wahrscheinlich mit der Ankunft der möglicherweise aus Skandinavien gekommenen Gutonen zusammenhängt. Fest steht jedenfalls, dass sie kein homogenes Volk waren. Sie setzten sich aus vielen einzelnen Stämmen unterschiedlicher Abstammung zusammen. Unter ihnen gab es im frühen Stadium, vor ihrer Wanderung, baltische Gruppen, den Stamm der Aesten, Gepiden, Gauten, und natürlich die eigentlichen Goten. Die Namen der letzten zwei Stämme (und möglicherweise auch der der Gepiden) haben dieselbe Bedeutung, was auf einen gemeinsamen Ursprung schließen lässt, und zwar „Ausgießer“. Damit könnte irgendeine Flussmündung gemeint sein, oder aber auch einfach nur Männer. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie ihren Verstorbenen keine Waffen ins Grab legten, was für Germanen untypisch ist. Die erste bezeugte historische Aktivität war eine Verwicklung in eine gegen den Markomannenkönig Marbod gerichtete römische Intrige zwischen 16 - 18, die im Zusammenhang mit dem Cheruskeraufstand stand.

Gotensturm

Als nach der Mitte des zweiten Jahrhunderts die Zahl des Volkes immer mehr zunahm, fasste der Sage nach König Filimer den Entschluss, mit Heer, Frauen und Kindern auszuwandern. Jedenfalls zogen die Goten entlang der Weichsel flussaufwärts bis ans Schwarzen Meer und die Donau. Pro Generation wanderten sie nur etwa 50 bis 60 km Richtung Südosten. Auf ihrem Weg verdrängten sie die Markomannen, die im böhmischen Raum siedelten, und lösten dadurch die Markomannenstürme aus, mit denen die Römer schwer zu kämpfen hatten. Schwarzen Meer Sie tauchten dann um 238 an der Nordküste des Schwarzen Meeres auf. Archäologisch nachgewiesen ist eine Verschiebung von Teilen der Wielbark-Kultur in den Raum der so genannten Cernjachov-Kultur (größtenteils in der heutigen Ukraine). Es begann der so genannte Gotensturm, er fiel in die Zeit der bis dahin größten Krise des römischen Imperiums (Soldatenkaiser). 238 überfielen die Goten, die in den Quellen anfangs noch anachronistisch als Skythen bezeichnet wurden, und Carpen das römische Histros südlich der Donaumündung. Nach Plünderung der Stadt und Erpressung von Jahresgeldern zogen sie wieder ab. Als zehn Jahre später Kaiser Philippus Arabs nach Siegen über die Carpen die Zahlung der Jahresgelder einstellte, fielen die Goten unter Kniva 250 mit mehreren Heeresgruppen nach Dakien, Thrakien, Mösien und Illyrien ein. Der mittlerweile neue Kaiser Decius wurde in mehreren Schlachten besiegt und fiel schließlich in der Schlacht von Abrittus 251. Der nächste Kaiser Trebonianus Gallus gestand den Goten wieder Jahresgelder zu, wurde jedoch von Aemilianus gestürzt, der die Zahlung wieder einstellte. Wieder griffen die Goten in Thrakien und Mösien an, wurden jedoch diesmal geschlagen. Nach erneutem Kaiserwechsel drangen die Goten 254 bis Thessaloniki vor. Mittlerweile waren viele Städte im Dauerkriegsgebiet stark befestigt, das Land litt unter den starken Verwüstungen. Die Goten gingen ab 255 zu seegestützten Angriffen, zunächst im Raum des östlichen Schwarzen Meeres über, 256 wurden Pityus und Trapezunt erobert. Ab 257 durchfuhren die Goten erstmals den Bosporus und nehmen eine ganze Reihe kleinasiatischer Städte ein. Die zweite Welle begann 268, als eine große gotisch-herulische Armada unterstützt von Landstreitkräften gegen Byzanz zog, die Dardanellen durchquerte und plündernd in die Peloponnes einfiel. Claudius II. besiegte die Angreifer und nahm als erster römischer Kaiser den Ehrentitel Gothicus an.

Spaltung der Goten und Grundzüge der späteren Ethnogenese

Mit dem Ende der Krise des Imperiums unter Diokletian beruhigte sich vorerst auch die Lage an der Donau wieder. In diese Zeit (um das Jahr 290) fiel auch die Spaltung der Goten in die Terwingen-Vesier/Westgoten und Greutungen-Ostrogothen/Ostgoten. Es ist wichtig in diesem Kontext darauf hinzuweisen, dass die Terwingen nicht einfach die späteren Westgoten und die Greutungen nicht einfach die späteren Ostgoten waren. Vielmehr fand die Ethnogenese differenzierter statt: Teile der Terwingen verschmolzen später mit Greutungen und Teilen anderer Völkerschaften zu den Ostgoten, wie auch Teile der Greutungen an der Ethnogenese des Hauptteils der Terwingen zu den Westgoten teilnahmen. Zeitlich kann man grob sagen, dass die Westgoten in der Zeit der Ansiedlung im römischen Reich in den Jahren ab 376 bis zum Königtum von Alarich I., die Ostgoten im Zeitraum von dem Niedergang des hunnischen Reiches (Mitte des 5. Jahrhunderts) bis zur Übersiedlung nach Italien unter Theoderich den Großen (489) entstanden sind . In der Forschung herrscht jedoch keine Einigkeit darüber, inwiefern man beispielsweise bei den späteren Ostgoten von einem Gemeinschaftsgefühl sprechen kann (vergleiche die Positionen von Peter J. Heather und Herwig Wolfram). Zum historischen Hintergrund der folgenden Zeit vgl. vor allem: Spätantike.

Greutungen

Das Herrschaftsgebiet der Greutungen, das der greutungische König Ermanarich beherrschte, soll vor dem Einfall der Hunnen 375 n. Chr. beachtlich gewesen sein; genaueres läßt sich jedoch kaum sagen, da auch Ammianus Marcellinus, unsere wichtigste Quelle für diese Zeit, dazu kaum Angaben macht. Die höchste Schätzung geht von einem gotischen Einflussbereich vom Baltikum bis zum Ural aus, was aber wohl übertrieben ist, zumal nicht sicher ist, ob Ermanarich über alle Greutungen herrschte . Das Zentrum der greutungischen Herrschaft lag jedenfalls in der heutigen Ukraine und umfasste neben den Goten auch andere Volksgruppen. Der Einfluss der iranischen Steppenvölker hatte zur Folge, dass der gepanzerte Lanzenreiter einen bedeutenden Teil der Streitkraft der Greutungen ausmachte - im Gegensatz zu den Terwingen, bei denen der Fußsoldat überwog. Der gotische Reiterkrieger trug Zweikämpfe zu Pferde aus und konnte große Entfernungen überwinden. Im Jahre 375 überschritten die Hunnen den Don und unterwarfen das Reich der Alanen. Damit war Ermanarich der Krieg erklärt. Die hunnischen Reiter waren mit ihren damals hochmodernen Reflexbögen und ihrer Überfalltaktik den gotischen Kriegern weit überlegen. Der König selber, so erzählt es Ammianus Marcellinus, wollte das weder erleben noch verantworten. Nach mehreren Niederlagen, angesichts der Schrecklichkeit der drohenden Gefahren und aus Furcht vor den großen Entscheidungen, setzte er selbst seinem Leben ein Ende. Sein Volk gab den Kampf aber noch nicht auf und wählte aus der Königsfamilie einen Nachfolger. Dieser fiel bereits nach einem Jahr, und der ostrogothische Widerstand brach zusammen. Der Großteil des Volkes geriet unter die Oberherrschaft der Hunnen, doch gelang es einer starken Gruppe von Greutungen und Alanen, sich mit abtrünnigen Hunnen zu verbinden und der Unterwerfung zu entziehen, worauf sie Zuflucht im römischen Reich suchten. Diese Gruppe war es, die den Terwingen/Westgoten ein Jahr später in der Schlacht gegen die Römer zum Sieg verhalf. Der Großteil der Greutungen, auch die Gepiden, unterwarf sich den Hunnen und wanderte mit ihren Herren in den Westen. Nur eine Minderheit blieb auf der Krim zurück, welche sich aber äußerst lange als selbständige Kultur behaupten konnte. Noch im 16. Jahrhundert wurde dort Gotisch gesprochen. Der flämische Gesandte Ogier Ghislain de Busbecq traf in Istanbul solche Krimgoten, von denen er einige Wörter überlieferte, wie z.B. „reghen“ für Regen, „stul“ für Stuhl und „handa“ für Hände. Die so genannten „Gotenburgen“, die Städte der Goten, sind direkt in den Stein gehauen. In ihrer Hauptstadt Dori sind alle Straßen und Häuser mitten in den Fels gehauen. (Siehe Krimgoten) Allerdings konnten sich offenbar immer wieder einige Gruppen von Goten der hunnischen Herrschaft entziehen bzw. unternahmen einen Versuch, dies zu erreichen (vgl. Radagaisus).

Ostgoten

Im Zuge des Niedergangs der Hunnenherrschaft nach dem Tode Attilas drängten viele Völker ins Reich, darunter auch die Ostgoten. Ein Teil erhielt schließlich einen Föderatenvertrag und siedelte sich in Pannonien an. Der Sohn des Ostgotenkönigs Valamir, Theoderich, kam als Geisel an den Hof in Byzanz (459 - 469). Nach seiner Entlassung erkämpfte er sich die Herrschaft über einen Teil der Ostgoten auf dem Balkan und wurde 474 deren König. Dennoch gab es auch Ostgoten in oströmischen Diensten, wie etwa den Heermeister Theoderich Strabo, dem Rivalen des vorher genannten Theoderich. Erst nach dem Tod Strabos 481 konnte sich Theoderich der Große endgültig durchsetzten. Im Auftrag des Kaisers Zenon zog Theoderich 488 mit dem Großteil der Ostgoten nach Italien, um Odoaker zu vertreiben, welcher 476 Romulus Augustulus abgesetzt hatte und als Patricius das Land regierte. Theoderich sollte Rom für das Imperium zurückzuerobern, bis Zenon selbst in den Westen kommen würde. Die fünfjährige Rabenschlacht (Schlacht um Ravenna) begann. Am 5. März 493 ermordete Theoderich Odoaker in Ravenna, obwohl sich beide bereits verständigt hatten. Fortan herrschte Theoderich als princeps Romanus und an Stelle des Kaisers über Italien - Ostrom musste dies wohl oder übel hinnehmen. Nach Ausschaltung der Konkurrenz im eigenen Lager war die Herrschaft Theoderichs gekennzeichnet von der Anknüpfung an die spätantike Verwaltungspraxis in Italien, vom Bestreben um einen Ausgleich zwischen Goten und Römern (die Arianer bzw. Katholiken waren) und die Konsolidierung der Macht (Heirats- und Bündnispolitik). Er konnte jedoch nicht die Etablierung der fränkischen Herrschaft über Gallien verhindern. 511 machte er sich zum König über die von den Franken besiegten Westgoten, während es im Inneren zu einer kulturellen Spätblüte Italiens kam. Die letzten Jahre des Theoderich wurden überschattet von Fehlleistungen, wie die Ermordung des Boethius. Theoderich starb schließlich am 30. August 526, wobei zahlreiche Legenden über seinen Tod entstanden. Die Zeit danach war chaotisch: Als Vormund des designierten, aber nur 10-jährigen Nachfolgers Athalarich, regiert Amalasuntha, Theoderichs Tochter. Ihr Vetter Theodahad entmachtete sie jedoch 534. Ostrom griff in den Kampf ein: Der oströmische Feldherr Belisar landete 535 in Sizilien und stieß rasch bis nach Rom vor. Die rebellierenden Goten stürzten Theodahat und erhoben 536 Witichis zum König, der Belisar bis 540 standhalten konnte. Im Mai 540 marschierte Belisar in Ravenna ein und nahm den König gefangen: Die Ostgoten schienen besiegt. Die Reste des Gotenheeres erhoben Totila 541 zum König, dem es dann völlig überraschend gelang, innerhalb kurzer Zeit größere Teile Italiens zurückzuerobern. Offenbar hatten sich die kaiserlichen Beamten in kürzester Zeit so unbeliebt gemacht, dass Totila viele Anhänger fand. In den folgenden zehn Jahren wurde das Land durch den Krieg so gründlich verwüstet, dass diese Katastrophe das Ende der spätantiken Kultur Italiens bedeutete; es tobte ein grausamer Krieg mit wechselndem Glück. Auch der erneut entsandte Belisar konnte aufgrund zu geringer Truppenstärke keine Entscheidung herbeiführen und wurde schließlich wieder abberufen. 552 wurde die neue oströmischen Italienarmee (etwa 30.000 Soldaten) dann von Narses angeführt, der Totila 552 in der Schlacht von Busta Gallorum schlug (Tod Totilas). Mit Teja endete 552 in der Schlacht am Milchberg die ostgotische Agonie. Die meisten Goten unterwarfen sich Narses. Die überlebenden Goten wurden teils zu oströmischen Untertanen, teils leisteten sie an einigen Orten noch hinhaltenden Widerstand, und teils schlossen sie sich den Franken und Langobarden an (siehe dazu auch: Justinian I.).

Westgoten

auch: Visigoten

Terwingen

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts begannen die Terwingen, die den Quellen jener Zeit als westlicher Teil der Goten gelten, das von den Römern aus strategischen Gründen aufgegebene Dakien zu besiedeln. Bis kurz vor Beginn der Hunnengefahr blieb die Situation, bis auf kleinere gelegentliche Raubzüge der Terwingen, ruhig. Konstantin der Große hatte 332 einen Vertrag mit den Donaugoten geschlossen, die sich damit zur Waffenhilfe verpflichteten. Mit der Ära Athanarichs verschärften sich jedoch ab 365 die römisch-terwingischen Auseinandersetzungen. Athanarich, der einen römischen Usurpator unterstützt hatte, wurde 369 vom oströmischen Kaiser Valens entscheidend geschlagen, konnte aber dennoch einen günstigen Vertrag aushandeln. Die mittlerweile begonnene Christianisierung der Terwingen (hervorzuheben ist hier besonders Wulfila) führte zu Christenverfolgungen und der Bildung einer Opposition unter dem zum Arianismus übergetretenen Fritigern gegen Athanarich. Obwohl Fritigern von Valens unterstützt wurde, behielt Athanarich vorerst die Oberhand. Dies änderte sich jedoch mit dem Anwachsen der Hunnengefahr, die Athanarich nicht abwenden konnte. Große Teile der Terwingen flohen 376 unter Fritigern mit Erlaubnis der Römer unter chaotischen Bedingungen ins Reich.

Mit und gegen das Imperium – Vom Donauübergang 376 bis zur Ansiedlung in Aquitanien 418

Kaiser Valens hatte 376 den Goten unter Fritigern erlaubt, die Donau zu überschreiten und sich in Teilen Thrakiens anzusiedeln. Sie wurden jedoch wegen des Versagens der dortigen Verwaltung nicht entwaffnet; dadurch gelangten schließlich zehntausende Goten über die Donau, sodass die Römer aufgrund von logistische Problemen mit der Versorgung vollkommen überfordert waren, zumal es auch zu Misswirtschaft auf römischer Seite kam. Die römische Armee war ebenfalls völlig überfordert und konnte nicht verhindern, dass mit den Goten etliche andere Stämme teils ungeordnet die Donau passierten; kurz darauf kam es auch zu Kampfhandlungen. Die römische Regionalarmee wurde geschlagen und römische Sklaven und bereits romanisierte Goten gingen zu Fritigern über. Eine Gruppe von Greutungen, die sich zum selben Zeitpunkt ganz in der Nähe befand, nahmen mit den Terwingen Kontakt auf, ebenso wie einige Alanen und flüchtige Hunnen (so genannte Drei-Völker-Konföderation). Die römische Reaktion war, dass Kaiser Valens die gesamte östliche Hofarmee von ca. 30.000 Mann nach Thrakien führte. Sein Neffe Gratian sollte von Norden mit seinen Elitetruppen anrücken, wurde jedoch durch einen plötzlichen Einfall der Alamannen aufgehalten und traf erst 378 im Nordwesten des heutigen Bulgarien ein. Valens entschloss sich dennoch, am Morgen des 9. August 378 anzugreifen bevor sein Neffe eintraf. Ihm wurde gemeldet, dass das Gotenheer nur aus 10.000 Mann bestehen würde; als Valens jedoch ankam, fand er ein vielfach größeres Heer hinter einer gewaltigen Wagenburg verschanzt vor. Man wollte nochmals verhandeln, um eine friedliche Lösung herbeizuführen, doch begannen zwei römische Einheiten wegen Disziplinlosigkeit ohne Befehl den Angriff und zogen den Rest mit hinein. Die Goten wehrten ab, sodass die Römer gezwungen waren, sich neu zu formieren. Das schwierige Manöver gelang und sie griffen erneut in konzentrischen Wellen die Wagenburg an. In diesem Moment kehrten jedoch die Reiter der Greutungen von ihrer Nahrungssuche zurück und griffen sofort ein, während Fritigern einen Ausfall startete. Die Römer wurden in die Zange genommen und wurden nun von zwei Seiten angegriffen. Der linke Flügel schaffte es jedoch weiter vorzudringen, wurde jedoch von den greutungischen Reitern abgefangen, woraufhin die römische Kavallerie und die taktische Armeereserve floh. Zwei Drittel des römischen Heers, ihr Kaiser und fast alle Generäle und Stabsoffiziere wurden getötet. Die kampfstärksten Teile der römischen Armee waren damit weitgehend vernichtet. Die Folgen dieser Schlacht waren vielfältig. Die Terwingen/Westgoten wurden nun zu Reitern, die Christianisierung gefördert und die römische Politik gegenüber reichsangehörigen Barbaren musste geändert werden, dass heißt, sie wurden von nun an integriert und dementsprechend wurden wirtschaftliche, politische und rechtliche Maßnahmen getroffen. Ob Adrianopel der Anfang vom Ende des Imperiums war, wie manchmal in der älteren Forschung vermutet, wird inzwischen stark angezweifelt. Vielmehr kam es zu einer Umorientierung der römischen Germanenpolitik, was allerdings auch die Barbarisierung des Heeres förderte. 378 382 kam es zu einer vertraglichen Einigung zwischen den Westgoten und dem römischen Kaiser Theodosius I., der seit 379 im Osten herrschte. Demnach wurden die Goten als Foederati zwischen Donau und Balkangebirge angesiedelt, erhielten steuerfrei Land und Jahresgelder, mussten dafür aber, allerdings unter eigenen Führern, als Soldaten dienen. Außerdem wurde ein Eheverbot zwischen Römern und Goten erlassen. Dieser Vertrag setzte eine Entwicklung in Gang, die letztendlich dazu führte, dass die Goten zu einem Staat im Staate wurden, wobei diese Entwicklung allerdings nicht vorher in ihrer ganzen Tragweite absehbar gewesen ist - zumal Theodosius das Gotenproblem wenigstens vorläufig gelöst hatte und nun auch wieder über eine schlagkräftige Armee verfügte, in welche die Goten nun eingebunden wurden. Insgesamt betrachtet wich dieser Gotenvertrag nicht wesentlich von der römischen Vertragspraxis ab; es war vielmehr die spätere Entwicklung, welche die Auswirkung des foedus offen zu Tage treten ließ. Möglicherweise aufgrund des immer stärker gewordenen hunnisches Drucks, drangen ab 391 westgotische Verbände plündernd nach Süden vor. Als dann 394 die Hunnen in großem Stil die Donau überschritten, verließen die Goten ihre Wohnsitze und zogen unter Alarich I. plündernd über den Balkan bis nach Byzanz und die Peloponnes, zumal sie sich nach dem Tod des Kaisers Theodosius I. nicht mehr an ihre mit ihm geschlossenen Verträge gebunden fühlten. Nachdem sie von dem römischen Feldherrn Stilicho geschlagen wurden, erhielten sie 397 einen neuen Föderatenvertrag und wurden in Makedonien angesiedelt. Dort blieben sie aber nur vier Jahre, denn Alarich hatte noch immer keine Position im römischen Staat erlangt, die seinen Vorstellungen entsprach. 401 gingen die Goten erneut auf Wanderschaft und zogen kreuz und quer durch das Ostreich (Balkan) und Italien, um sich schließlich 408 vor Rom festzusetzen. Am 24. August 410 nahmen die Westgoten, die bereits zuvor zweimal mit einer solchen Aktion gedroht hatten, Rom ein und plünderten es drei Tage lang. Wegen der prekären Versorgungslage versuchte Alarich vergeblich nach Nordafrika zu gelangen: Auf dem Rückzug nach Norditalien starb er. Sein Nachfolger Athaulf führte die Westgoten nach Gallien. Nach weiteren militärischen Konflikten (Vorstöße nach Spanien, ein weiterer Versuch nach Nordafrika vorzustoßen), erhielten die Goten nach einer Niederlage 418 wieder einmal einen Föderatenvertrag und wurden in Aquitanien angesiedelt: Das Tolosanische Reich um Tolosa (dem heutigen Toulouse) der Westgoten entstand.

Das Tolosanische Reich

In den nächsten Jahrzehnten kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Römern und Westgoten bzw. zwischen Römern und diversen anderen Germanenstämmen und schließlich mit der immer massiver werdenden Hunnengefahr. 451 kam es dann zur Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. Dort standen sich auf der einen Seite Hunnen, Gepiden, verschiedene andere Germanenstämme sowie Ostgoten, auf der anderen Seite Römer, Gallier, ebenfalls diverse Germanenstämme und Westgoten gegenüber. Die Schlacht endete zwar unentschieden, aber der Nimbus der Unbesiegbarkeit Attilas ist dahin. Der Legende nach starb der damalige König der Westgoten Theoderid durch einen Speerwurf des Ostgoten Andagis. Attila In der Folgezeit konsolidierte sich das Westgotenreich zunehmend, besonders unter Eurich, der in den 460er Jahren angesichts der Schwäche des weströmischen Kaisers den Föderatenvertrag kündigte und sich an die Eroberung der umliegenden gallischen Gebiete machte. Dabei trafen die Goten offenbar auf wenig Widerstand; vielmehr rückten sie vielerorts wohl einfach in die Position, die der Kaiser nicht mehr ausfüllen konnte. Dabei kam es sowohl zur Konfrontation als auch zur Kooperation mit der gallorömischen Oberschicht. Auch Spanien geriet zunehmend in den Fokus westgotischer Aktivitäten, wo Eurich sich auch festsetzen konnte. Mit dem Untergang des Weströmischen Reiches im Jahre 476 wurde das Tolosanische Reich faktisch eigenständig und reichte in der Zeit seiner größten Ausdehnung bis nach Spanien, das in den 490er Jahren zwei große Einwanderungswellen erlebte, und Mittelfrankreich (an der Loire). Gegen die vordringenden Franken unter Chlodwig I. verloren die Westgoten unter Alarich II., insbesondere durch die Niederlage bei der Schlacht von Vouillé im Jahr 507, weitgehend ihre gallischen Länder und waren danach auf die Iberische Halbinsel und einen schmalen, aber sehr wertvollen Streifen an der französischen Mittelmeerküste (Septimanien) eingeschränkt. Der Staat befand sich in Auflösung und konnte nur mit ostgotischer Hilfe gegen die Franken verteidigt werden. 511 gerieten die Westgoten dann zeitweilig unter ostgotische Herrschaft: Theoderich, die westgotische Anarchie ausnutzend, erklärte sich zu ihrem König. Einige Jahre nach seinem Tod 526, nach dem die Ost- und Westgoten wieder von unterschiedlichen Herrschern regiert wurden, wurden sie endgültig von den Franken über die Pyrenäen zurückgedrängt.

Die Neuorientierung der Westgoten nach Spanien – Das Toledanische Reich

König Leovigild gelang es nach einer längeren Zeit der Wirren, die iberische Halbinsel völlig unter westgotische Kontrolle zu bringen. Er besiegte die Sueben im Nordwesten und konnte die Oströmer, die unter Justinian I. seit 552 zwischenzeitlich den Süden um Cordoba und Carthago Nova erobert hatten, wieder zurückdrängen. Die letzten kaiserlichen Festungen in Spanien kapitulierten aber erst in den 620er Jahren. Die folgenden Jahrhunderte waren wesentlich geprägt von Auseinandersetzungen um die Thronfolge. Aus dem alten germanischen Heerkönigtum hatte sich ein Wahlkönigtum entwickelt, es konkurrierten mächtige Adelige und Militärs um die Krone. Das jeweilige Königshaus versuchte dagegen eine Erbmonarchie durchzusetzen. Ein weiterer Machtfaktor war die katholische Kirche. Nachdem Versuche der Könige gescheitert waren, die Mehrheit der Bevölkerung zum Arianismus zu bekehren, wählten sie schließlich den umgekehrten Weg: Auf dem 3. Konzil von Toledo 589 wurde der Katholizismus Reichsreligion, womit der Arianismus endgültig verdrängt wurde. Dadurch wurde auch die bis dato verbotene Vermischung der bisher arianischen Westgoten (nur etwa 2-3 % der Gesamtbevölkerung Spaniens) mit den übrigen Bevölkerungsgruppen möglich. Als Folge schwand der Gebrauch der gotischen Sprache schnell zugunsten einer frühspanischen bzw. spätlateinischen Umgangssprache. Zum Zeitpunkt der arabischen Invasion 711 wird mit Ausnahme der höchsten Adelskreise niemand mehr die gotische Sprache verwendet haben. Das 6. Jahrhundert war eine kulturelle Blütezeit des westgotischen Spaniens, die durch eine zunehmende Verdrängung der gotischen zugunsten der spätantiken Elemente gekennzeichnet war; auch kam es zu einer Rechtkodifikation, die bereits unter Eurich begonnen hatte und sich bis ins 7. Jahrhundert fortsetzte. Doch brachen in der darauffolgenden Zeit die Thronkämpfe nicht ab, was mit zur schnellen arabischen Eroberung beitrug. König Wamba (672-680) war der erste westeuropäische Herrscher, von dem sicher bekannt ist, dass er sich unter Imitation biblischer Bräuche zum König salben ließ - ein Weg, die eigene Position zu stärken, der einige Jahrzehnte auch im Frankenreich nachgeahmt werden sollte. 710 wurde Roderich (Rodrigo) zum König gewählt, seine Konkurrenten ließen sich angeblich mit den islamischen Mauren ein, die in einem Sturmlauf sondergleichen ganz Nordafrika an sich gerissen hatten (vgl. auch Islamische Expansion). Die Araber überquerten mit einem Expeditionscorps von mindestens 8000 Mann bei der Meerenge von Gibraltar das Mittelmeer. Bald folgten weitere Einheiten nach. König Roderich (Rodrigo) eilte mit nahezu dem gesamten gotischen Heerbann aus Asturien, wo er die renitenten Basken bekämpfte, zum Schauplatz. Entgegen anderslautenden Behauptungen in späteren Quellen deutet nichts darauf hin, dass der König von Adligen aus den eigenen Reihen verraten wurde; allerdings wurde er offenbar dazu genötigt, die Schlacht anzunehmen, bevor sein Heer vollzählig war. In der Schlacht am Rio Guadalete in der Nähe des heutigen Jerez de la Frontera unterlag er den Invasoren. Der König fiel in einem der Schlacht folgenden kleineren Gefechte. Die westgotische Hauptstadt Toletum (heute Toledo) fiel kampflos. Sevilla und einige große Städte konnten sich noch fast zwei Jahre gegen die in der Folge in großer Zahl ins Land strömenden Araber halten. Von Asturien aus begann unter dem Gotengrafen Pelagius (Don Pelayo) die so genannte Reconquista (Sieg Pelayos über eine arabische Streitmacht bei Covadonga im Jahr 722).

Kultur der Goten in Grundzügen

Zu beachten ist, dass es nach der Ansiedlung der Westgoten bzw. der Ostgoten auf römischen Gebiet zu einer unterschiedlich stark ausgeprägten Aneignung der römischen Kultur durch die Goten kam, wenngleich freilich immer noch Unterschiede bestanden.

Sprache

Siehe auch Hauptartikel Gotische Sprache Die Goten sprachen eine germanische Sprache. Da sie durch Wulfila mehrere Jahrhunderte früher als alle anderen germanischen Sprachen eine Schrift erhielt und somit den Rang einer Schriftsprache erreichte, ist das überlieferte Gotisch altertümlicher (d.h. es steht in manchem dem Gemeingermanischen näher) als etwa das Altenglische oder das Altnordische. Das Gotische gilt als Hauptvertreter des ostgermanischen Sprachzweiges, zu dem auch Wandalisch und Burgundisch gezählt werden. Heute ist das Gotische, bis auf Spuren, die es im Wortschatz romanischer Sprachen hinterlassen hat, ausgestorben. Bis zum 17./18. Jahrhundert existierten auf der Krim noch Reste: das Krimgotische.

Religion

Grundlage des religiösen Lebens war die dörfliche Kultgemeinschaft mit Ahnenverehrung und Opfergaben. Die Religion der Goten war ursprünglich heidnisch-germanisch. Leider ist jedoch darüber kaum etwas bekannt, nur der Getica des Jordanes können wir weniges entnehmen, während die erhaltenen gotischsprachigen Quellen erst nach der Bekehrung zum arianischen Christentum durch Wulfila entstanden und überdies grötenteils aus christlichen Texten bestehen. Jordanes berichtet so z.B., dass die Goten ihre Könige nach einem Sieg nicht mehr als bloße Menschen, sondern als Halbgötter, auf Gotisch ansis, bezeichneten (Getica XIII). Beim Namen „ansis“ scheint es sich um die gotische Form des Namens der Asen zu handeln. Bei den Westgoten stand möglicherweise der Kriegsgott Tyz an erster Stelle. Ein gotischer Wodan-Odin ist nicht sicher überliefert. Daneben wurden die Donau und andere Flüsse als Gottheiten verehrt. Der Flussgott empfing Menschenopfer, und Eide wurden auf seinen Namen geleistet. Schlachten wurden mit Preisliedern auf die Ahnen und die Götter und dem Trinken von Met eröffnet. Die Priester und Schamanen (auch Priesterinnen) der einzelnen Stämme verehrten auch lokale Gottheiten. Athanarich, bis 375 unter dem Titel eines Richters (lateinisch iudex) gewählter Sprecher der westgotischen Kleinkönige, ein erklärter Feind Roms, verfolgte vor 346 und 369-372 die gotischen Christen im Namen dieser Gottheiten, denn der christliche Glaube war bereits über die römischen Provinzen den Goten bekannt geworden und hatte auch einige Anhänger. Da das Christentum sich sozial gesehen von unten nach oben verbreitete, sah die terwingische Oberschicht, wie einst auch die römische, eine Bedrohung der religiösen und sozialen Ordnung in den Christen und verfolgte sie in einer Weise, wie es in der germanischen Welt keinen Vergleich gibt. Dabei kam es durchaus zu brutalen Ausschreitungen, so ließ Athanarich die Christen mitsamt ihren Häusern verbrennen, ein anderer Gote, Wingurich, zündete volle Kirchen an. Die Christen wurden als Römerfreunde und Leugner der gotischen Überlieferung geächtet. Jedoch war dies rein politischer Natur. Kein Priester oder Geistlicher beteiligte sich an den Gräueltaten und Vertreibungen. Im Laufe dieser Konflikte, die eine starke innenpolitische Zerrüttung zur Folge hatten, verbündete sich Athanarichs Gegenspieler, der zum arianischen Christentum übergetretene Fritigern, mit Kaiser Valens und stand damit auf Seiten Roms. Bei innergotischen Kämpfen im Jahre 367 zwischen Athanarich und Fritigern konnte sich ersterer durchsetzen. Dies hatte folgenreiche Auswirkungen auf das Verhältnis zu Rom und auch die Christen mussten stark darunter leiden. 367 Der gotische Bischof Wulfila schrieb mit seinen Helfern die erste germanische Bibel (Wulfilabibel), nachdem er bei der ersten Christenverfolgung aus dem Gotenreich vertrieben und vom römischen Kaiser Konstantius II. im Landstreifen rechts der unteren Donau angesiedelt worden war. Er schrieb sie teils mit Hilfe von bereits von lateinischen und griechischen Missionaren übersetzten Stücken, ab 350 bis zum Jahre seines Todes 383. Das besterhaltene Exemplar ist der Codex Argenteus – ein königliches Stück auf purpurn gefärbtem Kalbspergament, mit silberner und goldener Tinte geschrieben. Es beweist die Wertschätzung, die diesen identitätsstiftenden Bemühungen noch im 6. Jahrhundert entgegengebracht wurden. Wulfila selbst wurde wahrscheinlich schon bei seiner Geburt getauft, dreisprachig erzogen und erhielt eine rhetorische Bildung. Um 341 etwa muss er seine Weihe zum Bischof der Christen im gotischen Land erhalten haben. Über die Christianisierung der Ostgoten ist nicht viel bekannt. Spätestens die pannonischen Goten unter Theoderich galten als arianisch.

Stammeslegende und Sippen

In den Horizont der römischen und griechischen Geschichtsschreiber traten die Goten 238, als sie die Donau überschritten. Ab diesem Zeitpunkt kann man von einer gotischen Geschichte sprechen. Aber als Cassiodor im ersten Drittel des 6. Jahrhunderts im Auftrag Theoderichs die Gothorum Historia (Geschichte der Goten) abfasste, griff er zeitlich viel weiter zurück. Da Cassiodors zwölfbändige Fassung nicht erhalten ist, steht nur die kürzende Überarbeitung durch den Goten Jordanes (um 550, De origine actusque Getarum, kurz Getica) als Quelle für die frühen Stammeslegenden zur Verfügung – Stammeslegenden, die mündlich überliefert worden waren, aber von Cassiodor auch nach einflussreichen historiographischen Modellen (Tacitus' Germania) geordnet und zum Teil erfunden wurden. Cassidor trug zahlreiche skandinavische und skythische Völkerschaften, deren Namen der klassisch-antiken Geographie und Ethnographie teils schon seit Herodot bekannt waren (insbesondere die häufig mit den Goten verwechselten Geten), und offenbar auch ihre Königslisten zu einer Gotengeschichte zusammen. Gemäß der von Jordanes überlieferten Stammeslegende stammten die Goten vom sagenhaften Stammesgründer Gapt auf der Insel Scandza (Skandinavien) ab. Von dort seien sie unter König Berig mit drei Schiffen in Gothiscandza (baltische Küste) gelandet und hätten sich nach fünf Generationen unter Filimer auf den Weg Richtung Süden gemacht. Die Spaltung des Volkes in West- und Ostgoten sei passiert, als während der Überquerung eines großen Flusses die Brücke eingestürzt sei. Diese Darstellung enthält kaum historische Wahrheiten. Dagegen konnte die Archäologie zeigen, dass die Sachkultur, der die frühen Goten zugerechnet werden (Wielbark Malbork/Willenberg-Kultur), ohne signifikante Zuwanderung östlich der Weichsel entstanden ist und sich von dort aus seit dem 1. Jahrhundert langsam nach Südosten verschob, bis sie um 200 n. Chr. in der heutigen Ukraine ankam, während an der Weichselmündung einige Siedlungen noch bis ins 4. Jahrhundert fortbestanden. Es sind vier Königssippen der Goten überliefert: die Amaler, die Balthen, die Berig- und die Geberich-Sippe. Stammvater der halbgöttlichen Amaler war Amal, legendärer Urenkel des Gapt, dessen Urenkel wiederum Ostrogotha war, der „Vater der Ostgoten“. Cassiodor bringt sie mit den A(n)ses (vgl. die nordischen Asen), den Göttern, in Verbindung. Der erste historische Amaler war Ermanarich, ein weiterer prominenter Vertreter dieses Geschlechts war Theoderich der Große. Die deutsche Heldensage bewahrt den Namen des Königsgeschlechts als Amelungen. Die visigotischen Balthen (die „Kühnen“, vgl. engl. bold) nahmen den zweiten Rang ein. Zu ihnen zählten Alarich I., Rikimer und Gesalech. Aus der Berig-Sippe sind nur Berig selbst, ein ansonsten unbekannter Gadarig, sowie Filimer bekannt. Zur Geberich-Sippe gehörte neben dem Namensgeber möglicherweise auch Kniva. Die politisch motivierte Überlieferung sieht die Amaler und Balthen als legitime Herrscher der Ost- bzw. Westgoten.

Herrschaftsaufbau

Das Herrschaftgebiet der Goten war die gutþiuda, unterteilt in Kleinstämme, die kunja. Letzteren standen die Häuptlinge reiks vor, die in dem Rat, gafaúrds, zusammentraten. Bei Gefahr wurde ein Richter, kindins, bestellt. Richter oder Rat bestellten für militärische Unternehmungen einen Heerführer, drauhtins. Das Land wurde beherrscht von der Aristokratie in Haus gards und Burg baúrgs in Konkurrenz zum genossenschaftlichen Dorf haims. Im Laufe der Zeit, besonders mit den Wanderungen, setzten sich immer stärker die Elemente des germanischen Heerkönigtums durch: Der König þiudans wurde von der Versammlung der Krieger auf den Schild gehoben. Diese Entwicklung mündete schließlich in der Konkurrenz von Wahlkönigtum und Erbmonarchie der spanischen Westgoten. Theoderich d. Gr. verstand sich hingegen als römischer Bürger und latinischer König, Flavius rex. Sein Bestreben war es, die gotische Geschichte zu einem Teil der römischen zu machen.

Zitat

: Frankreich ist ebenso verschieden von Spanien wie die Franken von den Westgoten. - José Ortega y Gasset (Aufbau und Zerfall Spaniens)

Was bleibt?

Die Westgoten in Asturien wurden zum Teil der spanischen Geschichte, der spanische Thronfolger trägt noch heute den Titel „Prinz von Asturien“. Im Mittelalter diente die Berufung auf die Goten teils der Herrschaftlegitimation der Reconquista; später (im 15. Jahrhundert) wurden die Goten auch von Schweden vereinnahmt (mit Berufung auf Jordanes). Das berühmteste Artefakt der Goten ist sicher der Codex Argenteus, die Silberbibel, geschrieben mit Silber- und Goldtinte auf Pergamentseiten, die mit dem Rot der Purpurschnecke gefärbt wurden: ein unendlich wertvolles Manuskript und eine der wichtigsten Handschriften der Spätantike. Es entstand im frühen 6. Jahrhundert in Italien und liegt heute in Uppsala. Der Gotenschatz in Bukarest, 1837 von einem Bauern gefunden, gehört zu den Dingen, welche die Terwingen auf der Flucht vor den Hunnen zurückließen. Im Schatz enthalten sind auch die berühmten Adlerfibeln. Der Adler war seit der Zeit am Schwarzen Meer das gotische Symbol schlechthin. Hunnen] Das Mausoleum Theoderichs in Ravenna ähnelt ein wenig dem Grabmal Konstantins. Theoderichs Gebeine sind jedoch verschollen. Hinweise: Die Gotik ist eine Epoche der Kunstgeschichte und hat mit den Goten selber nichts zu tun. Der Name kommt daher, dass dieser mittelalterliche Baustil in Südeuropa als barbarisch – eben „gotisch“ – empfunden wurde; in Deutschland wurde der Begriff dann neutral verwendet. Einige Wissenschaftler zweifeln die Identität
- Greutungen = Ostgoten
- Terwingen = Westgoten an, doch bilden diese eine Minderheit. Allerdings lassen sich in der Tat nicht unbedingt wirkliche ethnische Kontinuitätslinien nachweisen, da Ethnizität besonders in der Spätantike zahlreichen Schwankungen unterlag und möglicherweise vor allem die Namen wanderten.

Siehe auch


- Völkerwanderung
- Spätantike
- Ethnogenese
- Liste westgotischer Könige
- Liste ostgotischer Könige
- Bautastein

Quellen

Die Quellensituation bezüglich der Goten ist teils sehr lückenhaft. Eine wichtige Quelle stellt Jordanes' Getica dar, wenn auch die Informationen mit gebührender Vorsicht verwendet werden müssen. Ammianus Marcellinus ist für die Zeit von der Zerschlagung des Ostrogoten-Reiches bis zur Schlacht von Adrianopel 378 unsere mit weitem Abstand beste Quelle; dies wird besonders deutlich, wenn man die nachfolgenden erzählenden Quellen als Vergleich heranzieht. Zosimos und die Fragmente mehrerer Historiker (wie Olympiodoros von Theben) oder die Consularia Constantinopolitana bieten nur vereinzelt Einblicke in die nachfolgende Entwicklung. Prokopios von Caesarea bietet uns dafür eine detaillierte Geschichte der Gotenkriege Kaiser Justinians. Dazu treten diverse spätantike Kirchengeschichten (wie etwa die von Sozomenos), aber auch Orosius' Historiae adversum Paganos, Cassiodors Variae (dessen Gotengeschichte uns bedauerlicherweise nur in Auszügen bei Jordanes erhalten ist) sowie die Briefe des Sidonius Apollinaris, eines Gallo-Romanen, der uns Einblicke gewährt in das Westgotenreich von Toulouse und den Beziehungen zwischen Romanen und Goten, sind von Bedeutung. Außerdem sei auf das Geschichtswerk Isidors verwiesen (Historia de regibus Gothorum, Vandalorum et Suevorum). Hinzu kommen diverse Gesetzestexte (z.B. die Lex Visigothorum). Daneben kommt vor allem der Archäologie große Bedeutung zu, besonders in Hinblick auf die Frühgeschichte der Goten .

Literatur

Siehe auch die Überblickswerke in der Bibliographie Spätantike.
- Artikel Goten, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA), diverse Verfasser, 2. Aufl., Bd. 12 (1998), S. 402-443.
- Volker Bierbrauer: Archäologie und Geschichte der Goten vom 1.-7. Jahrhundert, in: Frühmittelalterliche Studien 28, 1994, S. 51-171.
- Wolfgang Giese: Die Goten, Kohlhammer-Urban Taschenbücher, Stuttgart 2004. ISBN 3170176706 Gut verständliche und konzise Darstellung, basierend auf der aktuellen Forschungslage.
- Peter J. Heather: Goths and Romans 332-489, Oxford 1991, ISBN 019820535X Von Bedeutung vor allem in Hinblick auf die gotisch-römischen Beziehungen; vertritt teils andere Ansichten als Wolfram.
- Ders.: The Goths (The Peoples of Europe), Oxford 1996, ISBN 0631209328
- Herwig Wolfram: Die Goten, C.H. Beck, München 2001, ISBN 3406337333 Grundlegendes Werk, das auf den Studien von R. Wenskus fußt.
- Ders.: Gotische Studien. Volk und Herrschaft im Frühen Mittelalter, München 2005.
- José Orlandis: Historia del Reino Visigodo Español, Madrid 1988, Grundlegend für das toledanische Reich.

Weblinks


- [http://www.dmgh.de/dmghband.html?bsbbandname=00000792&frameaction=bandansicht Jordanes, lateinisch]
- [http://www.ucalgary.ca/~vandersp/Courses/texts/jordgeti.html Jordanes, englisch]
- [http://www.geschichte.hu-berlin.de/bereiche/ag/Hartmann/mat/ss03/gotlit.htm Bibliografie zu den Goten und weiterführende Links, erstellt vom Historischen Seminar der HU Berlin]
- [http://www.ub.uu.se/arv/codexeng.cfm Die Silberbibel]
- [http://extranet.ufsia.ac.be/wulfila/ Project Wulfila]
- [http://www.reimar.de/gotisch.html Gotisch im WWW]
- [http://www.reconquista.wisis.de/text/458.htm Die Westgoten in Spanien als Teil des Reconquista-Projektes]
- [http://www.historialago.com/leg_visigodos.htm Westgoten/Visigodos, eine ausführliche Seite auf spanisch]
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/12/0,1872,2005964,00.html Westgoten im ZDF]
- [http://perso.wanadoo.es/ralf55/history/Toledo1.html Das Westgotenreich von Toledo] ! Kategorie:Germanischer Stamm ja:ゴート族 ko:고트족

Germanen

Als Germanen werden eine Anzahl von Völkern mit ähnlicher Sprache, Kultur, Abstammung und Lebensgewohnheiten bezeichnet, die seit dem 2. Jahrtausend vor Christus bis bald nach der Zeitenwende in Nord- und Mitteleuropa lebten. Die germanischen Völker selbst bezeichneten sich zunächst nicht als Germanen und hatten wahrscheinlich im dünn besiedelten Mitteleuropa während der längsten Zeit ihrer Geschichte auch kein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl. Von den Römern wurden sie oft als große Menschen mit blondem oder rotem Haar bezeichnet.

Ursprünge

Mitteleuropa Die historischen Überlieferungen über die Germanen beginnen mit den Berichten antiker Schriftsteller im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus.

Schrift und Sprache

:Hauptartikel: Germanische Sprachen Erste eigene schriftliche Überlieferungen der Germanen setzen um 200 nach Christus mit den ältesten urnordischen Runeninschriften ein. Für die Zeit davor geben nur Archäologie und die vergleichende Sprachwissenschaft, Auskunft über die germanischen Völker. Die Sprachwissenschaft konnte durch sorgfältigen Vergleich der germanischen Einzelsprachen untereinander (vor allem Gotisch, Althochdeutsch, Altenglisch und Altnordisch) und deren Vergleich mit anderen indoeuropäischen Sprachen die germanische Sprache (auch "Protogermanisch" oder "Gemeingermanisch") weitgehend rekonstruieren. Zu den wichtigsten Ergebnissen dieses doppelten Vergleichs gehört:
- In früheren Ansätzen der Sprachforschung wurde zwischen westlich-indoeuropäischen Kentum-Sprachen und östlich-indoeuropäischen Satem-Sprachen unterschieden. Im Rahmen dieser Unterscheidung wurde das Germanische mit dem Keltischen und dem Italischen zur Gruppe der Kentum-Sprachen geschlagen. Doch erwies sich der Ansatz einer älteren Sprachgemeinschaft (also einer gemeinsamen "Alteuropäischen Sprache") als nicht haltbar.
- Inzwischen werden Verzweigungsmodelle verwendet, die auch Einflüsse berücksichtigen, die sich durch räumliche Nähe und folgendem Kontakt von Sprechern minder verwandter Sprachen ergeben. Hierbei bildet das Protogermanische mit den Vorläufern der baltischen und slawischen Sprachen eine Dialektgruppe innerhalb der indoeuropäischen Sprachen.
- Das Protogermanische löst sich dann aus dieser Gruppe, wobei sich vermutlich starke Einflüsse einer uralischen Sprache - unter anderem gerundete Vokale (ä, ö, ü) - abzeichnen. Zudem weist das Protogermanische eine auffallend eigenwillige Verwendung (Slang) von Worten indoeuropäischen Ursprungs auf (Beispiel: sehen = [mit den Augen] folgen, vgl. Lateinisch sequi).
- Der protogermanische Wortschatz enthält viele Lehnworte nicht-indoeuropäischen Ursprungs, obwohl Schätzungen dieses Anteils von ehemals ein Drittel nach unten korrigiert wurden. Häufungen von Lehnworten gibt es besonders in den Bereichen sozialer Organisation sowie Navigation und Schifffahrt. Dies kann eine Entstehung als Substrat oder Einwanderersprache nahelegen.
- Nach der Herausbildung der protogermanischen Sprache bestanden Beziehungen insbesondere mit den keltischen Sprachen, was Lehnworte belegen. Auch das Finnische hat bereits früh mehrere germanische Worte entlehnt und in nahezu unveränderter Form bis heute bewahrt, so die Worte kuningas (König) - Germanisch: kuningaz - und rengas (Ring) - Germanisch: hrengaz; in beiden Worten steht z für stimmhaftes s.

Begriffsbildung

Finnische Die Verwendung des Begriffs "Germanen" ist erstmals vom griechischen Geschichtsschreiber Poseidonios um das Jahr 80 v. Chr. überliefert. Bedeutung und Herkunft des Wortes "Germane(n)" sind immer noch umstritten. Es bieten sich folgende Interpretationen an:
- Es handelt sich ursprünglich um den Namen eines einzelnen, nicht näher bekannten Stammes. So könnte der Name eines kleinen Volksstammes letztlich auf eine ganze Völkerfamilie übertragen worden sein.
- Historisch gesichert ist, dass Gaius Julius Caesar in seinem Buch De bello gallico („Der Gallische Krieg“, 51 v. Chr.) den Namen dokumentarisch festgeschrieben und damit auch weiter verbreitet hat. Damit wurde der Begriff auf alle rechtsrheinischen Völker angewendet. Bis dahin wurden die in Mitteleuropa ansässigen Völker durch die Griechen in Kelten (Westeuropa), und Skythen (Osteuropa) eingeteilt. Erst mit Caesar erkannten auch die Römer, dass es sich bei den Germanen nicht um einen Teil der Kelten handelte, sondern um eine eigene Völkerfamilie.
- Die Etymologie ger-mann - zu ger "Wurfspieß, Speer" - ist weit verbreitet, aber nicht haltbar.
- Eine mögliche gemeingermanische Wortbedeutung von "Ger" ist bisher weder überliefert noch erschlossen. Somit wäre unwahrscheinlich, dass der Begriff aus einer (germanischen) Selbstbezeichnung abgeleitet wurde. Der römischen Historiker Tacitus schreibt dagegen in seinem Buch De origine et situ Germanorum („Über den Ursprung und den Lebensraum der Germanen“, Jahr ca. 98; 2. Kapitel), dass der Name „Germanen“ noch relativ neu sei. Man habe den Namen zunächst für die Tungrer benutzt und anschließend auf alle germanischen Stämme übertragen; Tacitus zufolge seien alle rechtsrheinischen Stämme zuerst von den Galliern als Germanen im umfassenden Sinn bezeichnet worden, was auf eine keltische Herkunft des Wortes hindeutet. Diesen Namen hätten die Volksstämme später auch für sich selber verwendet. In seinem Buch findet sich auch die einzige detaillierte Beschreibung des Germaniens jener Zeit, wo die einzelnen Stämme und Völker zwischen Rhein und Weichsel sowie Donau und Nord- bzw. Ostsee aufgeführt sind. Gallier Neueste Theorien vermuten aufgrund der Namensgebung von Flüssen und Ortschaften, dass der Entstehungsort der germanischen Kultur im Raum nördlich der deutschen Mittelgebirge gelegen haben könnte. Die Mehrheit der Wissenschaftler teilt diese Theorie jedoch nicht. Von Germanen kann im archäologischen Sinne erst zu der Zeit ganz sicher gesprochen werden, in denen sie in den schriftlichen Quellen erscheinen. Ein "Rückrechnen" und die Suche nach sogenannten "Ur-Germanen" der Stein- und Bronzezeit war in der archäologischen Forschung früher lange Zeit üblich. Diese mit dem Namen von Gustaf Kossinna verbundene Methode wurde nach dem Zweiten Weltkrieg völlig verworfen.

Germanische Lautverschiebung

Gustaf Kossinna Jahrzehntelang wurde angenommen, die gemeinsame germanische Sprache (Urgermanisch, Protogermanisch), aus der später die einzelnen germanischen Sprachen entstanden, habe sich um 500 v. Chr. durch die germanische Lautverschiebung aus einem west-indogermanischen Dialekt gebildet. In dieser Lautverschiebung wandelte sich beispielsweise anlautendes k über ch (wie im Wort ach) zu h, ebenso p zu f und t zu th (gesprochen wie im Englischen). Ein anderes Merkmal, das alle germanischen Sprachen verbindet und sie von den italischen und keltischen Sprachen unterscheidet, ist die Veränderung des häufigen Kurzvokals o zu a und des Langvokals ā zu ō. Diese Veränderungen können nur stattgefunden haben, solange alle späteren Einzelstämme der Germanen noch in engem Austausch standen. In der neueren und neuesten Forschung wird diese Lautverschiebung jedoch deutlich später angesetzt, nämlich im ersten Jahrhundert vor Christus. Hauptbeleg dafür ist der Stammesname der Kimbern, die im späten 2. Jahrhundert zusammen mit den Teutonen das Römische Reich von Norden her bedrohten (siehe unten). Beide Völker stammen aus dem Gebiet des heutigen Dänemark. Da der Name Kimbern in lateinischen Texten durchgehend cimbri geschrieben wird, nie chimbri oder gar himbri, während in späteren lateinischen Texten sonst ebenso konsequent beispielsweise chatti (Chatten, daraus Hessen), chauci, cherusci usw. geschrieben wird, wird heute mehrheitlich angenommen, dass die germanische ("erste") Lautverschiebung im späten 2. Jahrhundert vor Christus noch nicht stattgefunden hat, zumindest aber noch nicht abgeschlossen war. Dieser Befund wird durch einige früh überlieferte Ortsnamen gestützt. Diese Einschätzung hat für die Historische Linguistik recht weitreichende Folgen, etwa für die Datierung des Vernerschen Gesetzes. Die bislang in der Literatur als "Germanisch" bzw. "Gemeingermanisch" bezeichnete Sprache (mit bereits durchgeführter erster Lautverschiebung) bezeichnet demnach nur den - in zügigem Umbruch befindlichen - Sprachzustand kurz vor dem Ende der germanischen Spracheinheit um bzw. kurz vor der Zeitenwende. In den Jahrhunderten davor wurde von den früheren Germanen dagegen ein dem Indoeuropäischen weit ähnlicheres Idiom gesprochen, das nicht überliefert ist, aber in seinen Grundzügen ebenfalls erschlossen werden kann.

Geschichte

Älteste historische Berichte über die Germanen stammen von Begegnungen mit den Griechen und dem Römischen Reich. Bereits der griechische Reisende Pytheas aus Marseille berichtete um 330 v. Chr. über die Länder um die Nordsee und die dort lebenden Völker. Die ostgermanischen Bastarnen drangen ab ca. 200 v. Chr. nach Südosten in das heutige Ostrumänien vor und wurden ab 179 v. Chr. in Kämpfe der Makedonen und anderer Völker auf dem Balkan verwickelt.

Der Marsch der Kimbern, Teutonen und Ambronen

Um 120 v. Chr. brachen Kimbern, Teutonen und Ambronen in Richtung Süden auf. Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt: Die historischen Quellen berichten von einer Sturmflut in Jütland, aufgrund derer die Einwohner ihre Heimat verließen. Allerdings vermutet man heute, dass vielmehr Hungersnöte aufgrund klimatischer Veränderungen dafür verantwortlich waren. Um 113 v. Chr. trafen die Germanenstämme auf die Römer. Bei der folgenden Schlacht (auch als Schlacht von Noreia bezeichnet) entgingen die Römer der völligen Vernichtung ihrer Truppen nur durch ein plötzlich einsetzendes Gewitter, welches die Germanen als ein warnendes Omen (Grollen) ihres Wettergottes Donar interpretierten. Um 109 v. Chr., 107 v. Chr. und 105 v. Chr. kam es noch weitere Male zu Kämpfen zwischen den Römern und den Germanen, bei denen die Römer jedes Mal eine Niederlage erlitten. Erst nachdem sich die germanischen Stämme in zwei Gruppen aufgeteilt hatten, gelang es den Römern 102 v. Chr., die Teutonen und Ambronen zu besiegen, 101 v. Chr. die Kimbern. Ausführlicher Beschreibung siehe auch Artikel Kimbern Kimbern

Ariovist und Caesar

Der Durchbruch der Kimbern und Teutonen durch das damals noch keltische Mittelgebirge führte zur Erschütterung der keltischen Macht in Mittel- und Süddeutschland, so dass später auch andere Germanen, insbesondere Suebische Stämme, in Hessen und das Maingebiet eindringen konnten. Unter ihrem Führer Ariovist drangen sie u.a. in Gallien ein, wurden jedoch durch Gaius Julius Caesar 58 v. Chr. geschlagen und hinter den Rhein zurückgeworfen. Im 1. vorchristlichen Jahrhundert machte die römische Eroberung Galliens durch Caesar die Germanen zu direkten Nachbarn des Römischen Reiches. Dieser Kontakt führte in der darauffolgenden Zeit zu ständigen Konflikten: Immer wieder kam es zu Übergriffen der Germanen auf die Römer. Im Gegenzug führte Caesar in den Jahren 55 und 53 v. Chr. Strafexpeditionen gegen die Germanen durch. Allerdings erkannte Caesar den Rhein als Grenzlinie zwischen Germanen und Römern an.

Vorstoß des Augustus bis zur Elbe

Auch in der Folgezeit kam die Rheingrenze nicht zur Ruhe. Der römische Kaiser Augustus beschloß deshalb die Verlagerung von Truppen an den Rhein, die bisher in Gallien stationiert waren. Die Rheingrenze blieb dennoch unsicher, woraufhin Augustus seine Taktik änderte: Er beabsichtigte, das Römische Reich bis an die Elbe auszudehnen. Zwischen 12 und 9 v. Chr. führte Drusus, Stiefsohn von Augustus, mehrere Feldzüge gegen die Germanen durch und unterwarf die Friesen, Chauken, Brukterer, Marsen und Chatten. Trotz der Feldzüge des Drusus gerieten aber die wenigsten Germanenstämme wirklich in dauerhafte römische Abhängigkeit. Nachdem Drusus beim Rückzug bei einem Sturz von seinem Pferd gestorben war, setzte sein Bruder Tiberius 8 v. Chr. die Feldzüge fort. Im Jahre 4 n. Chr. gelang es ihm, die bis dahin aufständischen Cherusker zu unterwerfen. Nun galt Germanien bis zur Elbe als unterworfen, es wurden repräsentative römische Städte östlich des späteren Limes gegründet, beispielsweise im heutigen Waldgirmes in Hessen. Der lateinische Name dieser Siedlung ist sowenig bekannt wie etwa die lateinischen Namen der Kastelle in Haltern, Anreppen oder Marktbreit am Main. Ein letzter großer Feldzug im Jahre 6 n. Chr. sollte das Reich des Markomannenkönigs Marbod in Böhmen zerschlagen. Er war kein Gegner Roms, legte jedoch Wert auf seine Unabhängigkeit. Eine Zerschlagung seines Reiches wäre wahrscheinlich der Schlussstein der römischen Unterwerfung der Germanen gewesen. Von Mainz mainaufwärts und dem Raum Wien Richtung Nordwesten bewegten sich zwei große römische Marschsäulen. Doch die Operation musste wegen eines überraschenden, großen Aufstandes in Pannonien, dem heutigen Ungarn, abgebrochen werden. Dennoch galt Germanien bis zur Elbe weiterhin als römische Provinz.

Die Varusschlacht

Pannonien Nachdem der Widerstand der Germanen gebrochen schien, wurde Publius Quinctilius Varus damit beauftragt, in den Gebieten rechts des Rheins römisches Recht einzuführen und Steuern zu erheben. Als Statthalter war er gleichzeitig Oberbefehlshaber über die rheinischen Legionen. Varus, der sich zuvor in der römischen Provinz Syrien den Ruf eines brutalen und korrupten Verwaltungsfachmanns erworben hatte, brachte die Germanen bald gegen sich auf. Gegner der Besatzung ließ er mit aller Härte des römischen Rechts bestrafen. Die von ihm eingeführten Steuern wurden von den Germanen zudem als zutiefst ungerecht empfunden, da sie eine solche Abgabe nur für Unfreie kannten. Unter diesen Umständen gelang es dem Cheruskerfürst Arminius, der die römischen Bürgerrechte und Ritterwürden besaß, mehrere germanische Stämme zu einen. Arminius nutzte das Vertrauen, das ihm Varus entgegenbrachte aus und lockte diesen in einen Hinterhalt. In der darauffolgenden Schlacht ("Varusschlacht" oder "Schlacht im Teutoburger Wald" genannt) verloren die Römer drei Legionen (etwa 15.000 Soldaten). Laut den Überlieferungen des Sueton soll Augustus daraufhin ausgerufen haben: "Quinctili Varus, legiones redde!" ("Quintilius Varus, gib mir die Legionen zurück!"). Der römische Eroberungsversuch scheiterte damit im Jahre 9 n. Chr. Germanien blieb danach bis zur Völkerwanderung von der römischen Kultur wenig beeinflusst.

Die Römisch-Germanischen Beziehungen nach der Varusschlacht

Unter Germanicus unternahmen die Römer zwischen 14 und 16 n. Chr. weitere Vorstöße über die Rheingrenze hinweg. Ob es sich dabei um Strafexpeditionen oder die Fortsetzung der römischen Expansionspläne handelte, ist umstritten. In den Folgejahren kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern: Im Jahr 29 schlugen die Römer einen Aufstand der bis dahin römerfreundlichen Friesen nieder. Im Jahr 69 mussten sogar Truppen aus Spanien und Britannien für Verstärkung herangezogen werden, um die Revolte der Bataver (Bataveraufstand) unter Führung des Iulius Civilis niederzuschlagen. Im Jahre 83 entschloss sich Kaiser Domitian, die römische Grenze zwischen Rhein und Donau weiter gegen Norden zu verschieben. Nach Beendigung der Chattenkriege begannen die Römer mit dem Bau des Limes, der im Süden durch die so genannte Sybillenspur, den Lautertal-Limes, mit dem Alblimes verbunden war, um die Grenzen zwischen Germanien und dem römischen Reich zu sichern. Im selben Zeitraum entstanden die Provinzen Germania Superior (Obergermanien) und Germania Inferior (Untergermanien). Neueste Forschungen (ab etwa 1995) deuten allerdings darauf hin, dass der Neckar-Odenwald-Limes nicht schon um 83/85 unter Domitian, sondern erst um das Jahr 98 unter Kaiser Trajan angelegt wurde. Vor allem fehlt bis heute auch nach über hundertjähriger Forschung ein zuverlässig datierter römischer Fund von der Neckar-Odenwald-Linie vor dem Jahre 98, sei es eine Inschrift, ein Militärdiplom oder ein dendrochronologisch datierbarer Holzfund. Außerdem passt der Neckar-Odenwald-Limes militärtechnisch zu anderen Anlagen aus der Zeit Kaiser Trajans, während für die Zeit Domitians ähnlich Parallelen fehlen. Um das Jahr 122 wurde die römisch-germanische Grenze unter Kaiser Hadrian zwischen dem mittleren Neckar und der Donau bei Eining um etwa 20 bis 40 Kilometer nach Norden verschoben. Die letzte römische Expansion in Germanien, die Verschiebung des Neckar-Odenwald-Limes um rund 25 Kilometer nach Osten unter Kaiser Antoninus Pius, ist inzwischen recht sicher auf das Jahr 159 datierbar.

Die Markomannenkriege

Im 2. Jahrhundert n. Chr. fanden zwei entscheidende Veränderungen rechts des Rheins statt: Zum einen schlossen sich die zerstrittenen germanischen Stämme zu Großstämmen zusammen, zum anderen drückten die Germanen immer stärker gegen die römischen Grenzen. 167 fielen die Markomannen, Quaden, Langobarden, Vandalen, Jazygen und weitere Stämme in die römische Provinz Pannonien ein und lösten damit die Markomannenkriege (167 bis 180) aus. In insgesamt vier Feldzügen schlug der römische Kaiser Marc Aurel die Germanen vernichtend. Man vermutet, dass die Römer planten, zwei neue Provinzen einzurichten. Nach dem Tod Marc Aurels 180 kehrte sein Sohn Commodus jedoch wieder zur Defensivpolitik zurück und schloss Friedensverträge mit den Germanen. Viele Historiker sehen die Markomannenkriege als die Vorboten der großen Völkerwanderung. Ausgelöst wurde der zunehmende Bevölkerungsdruck auf die römischen Grenzen durch die Wanderungen der Goten zum Schwarzen Meer und der Vandalen in Richtung Donau. Die Ursachen für diese aufkommende Wanderbewegung germanischer Stämme konnten bisher nicht geklärt werden, denkbar wären z.B. Hungersnöte.

Die germanischen Stämme

Versuche, die Germanenstämme, die zu dieser Zeit in Norddeutschland und Südskandinavien lebten, zu klassifizieren, führten zu Einteilungen in Nord-, West- und Ostgermanen oder auch Elb-, Wesergermanen.

Nordgermanen

Zu den Nordgermanen zählen die skandinavischen Stämme. Aus ihnen gingen später die Dänen, die Schweden, die Norweger und die Isländer hervor (siehe auch: Skandinavier). Archäologisch werden die Nordgermanen in die Ost- und Westnordische Gruppe aufgeteilt.

Westgermanen

Zu den Westgermanen zählen die:
- elbgermanischen Stämme (Sueben): Markomannen, Quaden, Hermunduren, Semnonen und Langobarden
- nordseegermanischen Stämme (bei Tacitus Ingaevonen): Chauken, Angeln, Warnen, Friesen, und Sachsen
- rheinwesergermanischen Stämme: Cherusker, Bataver, Brukterer, Chamaven, Chattuarier, Chatten, Ubier, Usipeter, Sigambrer, Angrivarier und Tenkterer (siehe auch Nordwestblock)

Ostgermanen

Zu den Ostgermanen südlich der Ostsee zählen ursprünglich die Goten, Vandalen, Burgunder, Heruler, Skiren, Bastarnen, Rugier, Gepiden und andere. Archäologisch werden die Ostgermanen in die folgenden Kulturgruppen eingeteilt: Przeworskkultur (im südlichen Polen), Wielbarkkultur (Willenbergkultur) oder Weichsel(mündungs)germanen(Weichselmündung) und die Odermündungsgruppe. Durch den Einfall der Hunnen aus den Steppen Asiens und die verstärkte Ausbreitung der slawischen Völker aus der osteuropäischen Tiefebene wurden die Ostgermanen zunehmend gen Süden und Westen gedrängt, wo sie in Konflikt mit den dort ansässigen Stämmen gerieten.

Die Goten

Nach ihrem Herkunftsmythos entstammen die Goten der Insel Scandza im nördlichen Eismeer. Um das Ende des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts verließen die Goten ihre Heimat in Südschweden, in Vester- und Östergotland und auf der Insel Gotland. Sie zogen über das Meer und ließen sich auf dem Gebiet des heutigen Polen nieder. Später, man weiß heute nicht mehr genau wann, dehnten sie sich entlang Weichsel und Dnister bis zum Schwarzmeer aus und errichteten dort, unter der Königdynastie der Amaler, zwischen Donau und Don das mächtige Reich der Ostgoten, welches bis zur Ostsee reichte. Die staatliche Organisation der Goten gilt als straffer als die der übrigen Germanenstämme. Die Goten lagen häufig mit den Römern im Konflikt, wurden jedoch nie unterworfen und besiegten 252 n. Chr. sogar ein ganzes römisches Heer. Durch den Einfall der Hunnen aus den asiatischen Steppen um 375 n.Chr. wurde das Reich der Ostgoten zerstört bzw. fiel an die Hunnen. Die Ostgoten zogen nach Westen und siedelten im Raum des heutigen Ungarn. Fortan standen sie unter Waffengefolgschaft der Hunnen und zogen 451 n. Chr. bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern gegen die Westgoten (u.a. Burgunder) zu Felde, was auch im Nibelungenlied erzählt wird. 488 n.Chr. zog der ostgotische Kaiser Theoderich mit den Ostgoten nach Italien und besiegte den dortigen germanischen Herrscher Odoaker. Theoderich gründete daraufhin ein neues ostgotisches Reich in Italien. Die Gefolgschaft Theoderichs bezeichnete sich als "theodisce" oder, nach dem Lied der Nibelungen, als "diete lit", was möglicherweise der sprachliche Ursprung unseres heutigen "deutsche" ist.

Wirtschaft

Die Germanen waren hauptsächlich sesshafte Bauern und gingen, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Vorstellung, nur selten zur Jagd. Sie lebten hauptsächlich von der Eigenproduktion, aber neben der Landwirtschaft gab es auch Handwerker wie Schmiede, Töpfer und Tischler. Das Rad war bereits seit indoeuropäischer Zeit bekannt, es gab im Germanischen sogar zwei Worte dafür. Geld kannten die Germanen nicht, ihr Handel beschränkte sich auf reine Naturalienwirtschaft. Hauptwertgegenstand war wie bei den Römern das Vieh. Davon zeugt bis heute die Bedeutung des englischen Wortes fee = Gebühr (ursprünglich eben: Vieh!). Nach neusten Erkenntnissen soll sich in der Nähe des heutigen Berlins bereits eine Art Hütten"industrie" entwickelt haben. Der dort produzierte Stahl soll von hoher Qualität gewesen sein und soll vor allem in das Römische Reich exportiert worden sein. Gezüchtet wurden hauptsächlich Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen sowie Pferde. Außerdem war den Germanen die Bienenzucht ebenso wie die Webkunst bekannt. Ebenfalls wussten die Germanen, wie Käse zubereitet wird. Die germanische Sprache kannte ein eigenes Wort für Weichkäse, das in den skandinavischen Sprachen im Wort "Ust" bzw. "Ost" (= Käse) fortlebt. Für Hartkäse entlehnten sie das lateinische Wort caseus (= Käse). Obwohl der Pflug bereits seit etwa Christi Geburt bekannt war, setze er sich bei den Germanen nur langsam durch. Für die Ernährung war besonders die Gerste von großer Bedeutung. Die Äcker ließen sie regelmäßig brach liegen und sie wussten um den Nutzen der Düngung. Getreide wurde hauptsächlich in Form von Brei gegessen, Brot konnte sich bis ins Mittelalter nur die Oberschicht leisten. Die Produktivität war wesentlich geringer als bei den Römern. Tacitus etwa berichtet: "Vieh gibt es reichlich, doch zumeist ist es unansehnlich. Selbst den Rindern fehlt die gewöhnliche Stattlichkeit und der Stirnschmuck" (Kapitel 5). Deshalb kam es oft zu Hungersnöten und viele Germanen litten an Unternährung, was zu einer deutlich verringerten Lebenserwartung führte. Es wird vermutet, dass dies eine der Hauptursachen der germanischen Wanderbewegungen ist (wie etwa der Zug der Kimbern und Teutonen), die schließlich mit der großen Völkerwanderung ihren Höhepunkt erreichte.

Mythologie

Siehe Artikel Germanische Mythologie.

Lebensweise der Germanen

Die Germanen wohnten in relativ kleinen Siedlungen. Aus den Bestattungsplätzen der Germanen schließen Archäologen, dass die Größe von Siedlungen bei etwa zweihundert Menschen lag. Die Siedlungen entwickelten sich selten planmäßig: Dort wo bereits ein Germane siedelte, kamen bald weitere hinzu. Ein Erbe dieser Siedlungsweise sind bis heute die so genannten Haufendörfer in Deutschland und anderen Ländern der germanischen Kulturkreises. Häufig wurden die Dörfer von einer Art Zaun, selten durch eine richtige Palisade umgeben. Nur in den Grenzregionen zum Römischen Reich wurden mit Beginn der Feindseligkeiten und gegenseitigen Übergriffe die Dörfer mit Wällen oder Palisaden geschützt und bewacht. Aus Ausgrabungen ist bekannt, dass die Germanen in Holzhäusern in Skelettbauweise wohnten. Da im Gegensatz zu Steinhäusern das Holz mit der Zeit verrottet, geben lediglich die archäologisch nachweisbaren Pfostenlöcher einen Aufschluss über den genauen Aufbau der Häuser. Die verbreitetste Art war das germanische Langhaus, das aufgrund seines Verhältnisses von Länge und Breite so bezeichnet wird. Unter seinem Dach beherbergte es sowohl die Familie als auch alle Halbfreien und Sklaven sowie die Tiere, die lediglich durch eine Wand getrennt waren. Dies hatte vor allem den Vorteil, dass die Tiere dazu beitrugen, das Haus in den kalten Wintermonaten mitzuheizen. Der Wohnraum besaß keine weiteren Trennwände, in seiner Mitte befand sich eine Feuerstelle. Der Rauch konnte über eine Öffnung im Dach abziehen. Fenster besaßen die germanischen Häuser nicht.

Staat und Gesellschaft

Die Germanen kannten kein Verwaltungsstaatswesen im römischen oder heutigen Sinne. Die Reiche der germanischen Stämme waren ähnlich dem Personenverbandsstaat organisiert. Die Staatsangehörigen schworen ihrem König Treue und waren damit an das Reich gebunden. Der Staat wurde nicht über eine räumliche Ausdehnung definiert, sondern über seine Menschen und deren Stellung zum Herrscher. Desshalb waren die Reiche stark mit dem jeweiligen König verbunden, und der Tod des Königs bedeutete oft auch den Untergang des Reiches. Das Reich war, laut römischer Schilderung, in Gaue (mehrere Siedlungen) untergliedert, denen die Gaufürsten vorstanden, wobei es auch losere Staatsgebilde ohne König gab, die von einer Versammlung der Gaufürsten regiert wurden. Zu bestimmten Terminen fanden die Versammlungen der freien Männer (Volksthing) statt, bei denen wichtige Entscheidungen besprochen und getroffen wurden, so z.B. die Wahl des Königs. König und Gaufürsten hatten beim Volksthing nur das Vorschlagsrecht. Die Gesellschaft war patriarchalisch organisiert und das Haus hatte eine besondere Stellung in ihr. Die Macht des Königs reichte nur bis zum Hausherrn, aber alle im Haus lebenden unterstanden diesem, wobei die Aufsicht der Sippe einen Schutz vor Willkür bot. Das Volk war in die Stände Freie, Halbfreie (Knechte) und rechtlose (Kriegsgefangene, Sklaven) gegliedert.

Darstellende Kunst

Schrift

Die Schrift wurde den Germanen erst relativ spät bekannt. Das einzig zusammenhängende schriftlich erhaltene Werk vor dem Ende der Völkerwanderung ist die Wulfilabibel aus dem 4. Jahrhundert. Da die Goten keine eigene Schrift besaßen, entwickelte Wulfila ein Alphabet, das sich aus griechischen, lateinischen und runischen Schriftzeichen zusammensetze. Die Runen, die ab dem 2. Jahrhundert aufkamen, wurden hauptsächlich als magische Zeichen benutzt. Längere Schriften sind selten, häufig wurden Runen in Waffen (Lanzenspitzen, Schwerter) oder Fibeln geritzt. Die schriftlichen Quellen über die Germanen gehen hauptsächlich auf römischen und griechischen Ursprung zurück, insbesondere auf Tacitus.

Mythen und Wahrheit

Tacitus Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Germanen im deutschsprachigen Raum immer wieder als Übermenschen dargestellt und ihr idealisiertes Bild zu nationalistischen Zwecken missbraucht. Insbesondere der Nationalsozialismus bediente sich dieser Idealisierung der Germanen und erhob ihre Nachkommen zur arischen "Herrenrasse" (Arier). Die Darstellung der Germanen geht hauptsächlich auf antike Autoren wie Tacitus und Caesar zurück. Sie beschrieben die Germanen als blonde, blauäugige Riesen, die über fast übermenschliche Kräfte verfügten. Durch Skelett- und Moorfunde lässt sich belegen, dass die Germanen tatsächlich größer als die Römer waren. Allerdings übertrieben die antiken Quelle teilweise: So zeigen die gefundenen Skelette, dass die Germanen zwar größer als die Römer waren, diese aber durchschnittlich nur um ungefähr einen Kopf überragten. Auch kräftemäßig waren sie den Römern offenbar überlegen. Der Gesundheitszustand der Germanen war oft schlecht, Gelenkerkrankungen und Bandscheibenschäden waren verbreitet. Die antiken Autoren sind sich einig, dass sich die Germanen häufig dem Alkoholgenuss hingaben. Die verbreitetsten Getränke waren Met und Bier. Hohe Festtage begingen die Germanen häufig mit einem Gelage. Selbst die Götter, so glaubten sie, würden sich dem Alkoholgenuss hingeben. So bemerkt schon Tacitus in seiner Germania: :Als Getränk dient ein Saft aus Gerste oder Weizen, der durch Gärung eine gewisse Ähnlichkeit mit Wein erhält... und bezogen auf den hohen Alkoholkonsum: :Wollte man ihnen, ihrer Trunksucht nachgehend, verschaffen, soviel sie wollen, so könnte man sie leichter durch ihr Laster als mit Waffen besiegen.

Reichsgründungen

In der Zeit der Völkerwanderung gründeten unterschiedliche Germanenstämme Reiche in Nordafrika (Vandalenreich, wurde durch Byzanz vernichtet)Frankreich, Italien und Spanien und wanderten auch nach Britannien. Auf dem europäischen Festland ging aus diesen Reichen später das Frankenreich hervor. Aus diesem entstand das erste Reich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands, das Ostfrankenreich und später das Heilige Römische Reich, dessen ostwärtige Expansion die Westbewegung der Völkerwanderungszeit umkehrte.

Literatur


- Publius Cornelius Tacitus Germania (De origine et situ Germanorum liber), Stutgart: RECLAM, 2000, Lateinisch/Deutsch ISBN 3-15-009391-0; RECLAMS UNIVERSA-BIBLIOTHEK Nr. 9391 [http://www.pinselpark.org/philosophie/t/tacitus/texte/germanica_1.html Deutsche Übersetzung] Eine Deutsche Übersetzung von Germania (De origine et situ Germanorum liber), jedoch fehlt das nachwort von RECLAM BUCH
- Heinrich Beck/Dieter Geuenich/Heiko Steuer/Dietrich Hakelberg (Hrsg.): Zur Geschichte der Gleichung "germanisch-deutsch". Sprache und Namen, Geschichte und Institutionen. Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde 34, Berlin u.a., 2004. ISBN 3110175363. [http://www.degruyter.de/rs/bookSingle.cfm?id=IS-3110175363-1&l=D Inhaltsverzeichnis], Rezension von [http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2004-3-059 Gregor Hufenreuter in H-Soz-u-Kult, 22.07.2004].
- Hepp, Armin E.: Licht von Mitternacht - Auf den Spuren deutscher Vergangenheit"; Tübingen: Grabert; 1979
- Döbler, Hannsferdinand:
Die Germanen. Legende und Wirklichkeit von A–Z. Lexikon zur europäischen Frühgeschichte, München: Orbis, 2000. ISBN 3-572-01157-4 (Hierbei handelt es sich um eine Neuauflage des Buches von 1975. Das Buch entspricht in vielen Fällen nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand.)
- Rudolf Simek:
Götter und Kulte der Germanen. Beck'sche Reihe 2335, München, 2004.
-
Frühe Völker Europas. Thraker, Illyrer, Kelten, Germanen, Etrusker, Italiker, Griechen, Stuttgart, 2003. ISBN 3806217580.
- Maureen Carroll-Spillecke:
Römer, Kelten und Germanen. Leben in den germanischen Provinzen Roms, Darmstadt, 2003. ISBN 3534174267.
- Uta von Freeden / Siegmar von Schnurbein (Hrsg.):
Spuren der Jahrtausende. Archäologie und Geschichte in Deutschland, Stuttgart, 2002. ISBN 3-8062-1337-2
- Wilfried Menghin / Dieter Planck (Hrsg.):
Menschen, Zeiten, Räume. Archäologie in Deutschland, Stuttgart, 2002. ISBN 3886094677.
- Walter Pohl:
Die Germanen. Enzyklopädie deutscher Geschichte Bd. 57, München: Oldenbourg, 2000. ISBN 348655705X. ([http://www.oeaw.ac.at/gema/pub_WP.htm weitere Arbeiten des Autors zu diesem Thema])
- Allan A. Lund:
Die ersten Germanen. Ethnizität und Ethnogenese, Heidelberg, 1998. ISBN 3825306852.
-
Germanen, Germania, germanische Altertumskunde. Studienausgabe des Artikels aus dem Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Berlin/ New York, 1998. ISBN 3110163837.
- Krierer, Karl R.:
Antike Germanenbilder, Archäologische Forschungen 11, Denkschr. phil.-hist. Kl. 318, Wien: Österreichische Akademie der Wissenschaften, 2004. ISBN 3-7001-3239-5. [http://hw.oeaw.ac.at/3239-5]

Weblinks


- [http://www.pinselpark.org/philosophie/t/tacitus/texte/germanica_1.html Tacitus: Germania - über die Herkunft und Lage der Germanen]
- [http://www.porta-praehistorica.de Porta praehistorica et antiqua] Diskussionsforum für Fragen zur Lebensweise, Kleidung, Ernährung und Kultur der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte und der Antike.
- [http://weltderwunder.rtl2.de/archiv/2001/10/wdw/Mensch/Mythos/Germanen/index.html Germanen - Blonde Bestien oder nette Naturburschen?] Welt der Wunder Special zum Thema Germanen
- [http://www.novaesium.de/artikel/germanen.htm Germanen: Unterwegs zu höherer Zivilisation] von Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001
- [http://kelten.piranho.at/pages/germanen.htm Umfangreiche Darstellung der Germanen]
- [http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,BADEC0D6C24A44CFE030DB95FBC306BC,,,,,,,,,,,,,,,.html Planet Wissen: Römer und Germanen Zusammenfassung der Sendung]
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/5/0,1872,2006981,00.html ZDF Mediathek: Völkerwanderung - Sturm über Europa]
- http://www.oeaw.ac.at/gema/gb.htm - Germanen-Bibliographie
- [http://www.antikefan.de/kulturen/germanen.html Germanen - Die Erben Roms]
- [http://www.heidenmacht.de/php/include.php?path=content/articles.php&contentid=91 Die Germanen - eine Einführung] Umfangreicher, wissenschaftlich fundierter Artikel von heidenmacht.de

Siehe auch

Liste der germanischen Stämme, Germanische Religion, Thing Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Deutsche Geschichte ja:ゲルマン人 ko:게르만족


Weichsel

Dieser Artkel beschreibt den Fluss Weichsel. Für weitere Bedeutungen siehe Weichsel (Begriffsklärung). ---- Weichsel (Begriffsklärung) Die Weichsel (polnisch Wisła []) ist ein Fluss in Polen. Sie entspringt in den Westbeskiden auf dem 1.214 m hohen Widderberg (Barania Góra) und mündet nach 1.047 km in der Danziger Bucht (polnisch Zatoka Gdańska) in die Ostsee (polnisch Bałtyk) und mit dem zweiten Mündungsarm Nogat in das Frische Haff (polnisch Zalew Wiślany). Sie bildet dabei ein Flussdelta. Auf alten Landkarten findet man auch die Schreibweisen Wixel oder Wissel.

Städte an der Weichsel


- Danzig (poln. Gdańsk) (Mottlau (poln. Motława))
- Dirschau (poln. Tczew)
- Graudenz (poln. Grudziądz)
- Kulm (poln. Chełmno)
- Fordon (nahebei) / Bromberg (poln. Bydgoszcz)
- Thorn (poln. Toruń)
- Płock
- Warschau (poln. Warszawa)
- Sandomir (poln. Sandomierz)
- Krakau (poln. Kraków)
- Ustron
- Wisła / Weichsel

In die Weichsel mündende Flüsse

Wisła]
- Sola
- Przemsza
- Skawa
- Dunajec
- San
- Sanna
- Kamienna
- Radomka
- Pilica
- Narew
  - Westlicher Bug Vom Namen des Flusses hat auch die letzte Kaltzeit des Pleistozän, die Weichselzeit, ihren Namen (im norddeutschen Raum). Kategorie:Fluss in Polen ja:ヴィスワ川

Geograph

Geograf bzw. Geograph ist #ein Gelehrter auf dem Gebiet der Geografie bzw. mindestens einer ihrer verwandeten Teilwissenschaften #in der Bundesrepublik Deutschland: akademischer Beruf mit mindestens acht Semester Hochschulstudium #ein CAD-Programm das hauptsächlich für die Vermessungstechnik entwickelt wurde: Geograf (CAD) Im Wikipedia verzeichnete Geografen (Auswahl)
- Johannes Vermeer, der "Künstler-Geograf"
- Ptolemäus, Hauptvertreter des geozentrischen Weltbilds
- Johann Günther Friedrich Cannabich
- Pytheas
- Johann Georg August Galletti
- Eratosthenes, er prägte den Begriff der Geografie, Schöpfer des Gradnetzes
- Strabon, hinterließ umfangreiche Weltbeschreibung aus dem 1. Jahrhundert
- Johann Christoph Friedrich Guts Muths
- Johann Friedrich Endersch
- Alexander von Humboldt, Begründer der physischen Geografie
- Alfred Wegener, Hauptverfechter der Plattentektonik
- Johann Heinrich Ludwig Meierotto, Pädagoge und Rektor des Joachimsthalschen Gymnasiums
- Perito Moreno, Mitbegründer der Sociedad Científica Argentina
- Walter Christaller, Entwickler des Systems der Zentralen Orte
- Alfred Philippson

2. Jahrhundert

Das 2. Jahrhundert begann am 1. Januar 101 und endete am 31. Dezember 200.
Es ist die Epoche der Antike.

Zeitalter/Epoche


- Das Römische Reich erreicht unter der Herrschaft der fünf Adoptivkaiser Nerva, Trajan, Hadrian, Antoninus Pius und Marcus Aurelius, die Blütezeit seiner Entwicklung: seine Ausdehnung reicht vom Persischen Golf bis zum Atlantik, das Straßennetz umfasst mit über 75.000 km nahezu das Doppelte des Erdumfangs. Es beherbergt nun rund 100 Millionen Einwohner, eine Zahl die später nie mehr erreicht werden wird.
- Im Kaiserreich China wird das Papier erfunden und damit die Voraussetzung Gedanken und Erfahrungen auf unkomplizierte Weise niederzulegen, weiterzugeben und aufzubewahren. Ein entscheidender Grundstein für die Weiterentwicklung der menschlichen Kultur ist gelegt.

Ereignisse/Entwicklungen

Politik & Gesellschaftsordnung


- der nach Kaiser Hadrian benannte Hadrianswall wird im 1. Viertel des 2. Jahrhunderts fertiggestellt; er dient zur Sicherung der römischen Besitztümer in Britannien

Kriege & Revolutionen


- der 2. Dakerkrieg (101 bis 106) findet statt
- Markomannen-Kriege (166 bis 180)
- drei Partherkriege

Kultur, Kunst, Wirtschaft & Soziales


- Hebammen werden im römischen Reich den Ärzten gleichgestellt (um 130)

Persönlichkeiten


- Hadrian, römischer Kaiser spanischer Herkunft. Sicherte das Reich auf friedliche Weise und gab fast alle Eroberungen Trajans wieder zurück; führte mit den Sklavenschutzgesetzen als erster Anfänge eines allgemeinen Menschenrechts ein
- Archigenes, römischer Arzt aus Syrien. Begründer der Zahnheilkunde
- Soranos, römischer Arzt aus Kleinasien. Begründer der wissenschaftlichen Frauenheilkunde und Geburtshilfe
- Antoninus Pius, römischer Kaiser aus Gallien. Wie Hadrian ein Verfechter der friedlichen Sicherung des Reiches. Verbot die Verfolgung von Menschen aus Glaubensgründen und erweiterte die Rechte der Sklaven
- Mark Aurel, römischer Kaiser. Erster Kaiser, der die Regierungsgewalt (mit seinem Bruder als Nebenkaiser) teilte
- Galen, griechischer Naturforscher und Leibarzt von Mark Aurel
- Herodes Atticus, griechisch-römischer Redner, Politiker und Mäzen.
- Marcus Cornelius Fronto, römischer Grammatiker, Redner und Anwalt.
- Ptolemäus, griechischer Mathematiker, Astronom und Geograph aus Ägypten. Setzte das von ihm aufgestellte rückschrittliche geozentrische Weltbild durch
- Julianus Salvius, römischer Rechtsgelehrter aus Nordafrika
- Septimius Severus, römischer Kaiser afrikanischer Herkunft
- Ardaschir, persischer König und Gründer des persischen Großreichs
- Montanus, Priester aus Kleinasien und selbsternannter Welterlöser
- Kalixt I., ehemaliger römischer Sklave und späterer Bischof Roms
- Caracalla, römischer Kaiser und Brudermörder wird geboren
- Hua To, der Erfinder der Narkose wird geboren Einige der aufgelisteten Persönlichkeiten wurden schon gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts geboren und werden dennoch hier aufgeführt; andere wiederum wurden zwar in diesem Jahrhundert geboren werden aber erst im nächsten Jahrhundert aufgeführt. Dies rührt daher, dass es als Kriterium für die Aufnahme nicht entscheident war ob das Geburtsjahr in dieses Jahrhundert fällt, sondern ob das hauptsächliche Werk und Wirken der Person in diesem Jahrhundert stattfand. Freilich ist eine klare Abgrenzung dieser Art nicht immer möglich.

Wissenschaft, Forschung, Erfindungen & Entdeckungen


- Ptolemäus entwickelt das Ptolemäische Weltbild mit der Erde als Mittelpunkt des Weltalls
- der Chinese Cai Lun erfindet das Papier
- in Rom wird die Seife aus Fett, Pottasche und gebranntem Kalk entwickelt
- die Inder erkennen Zucker im Urin als Krankheitszeichen
- die wissenschaftli