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Gotik

Gotik

] ] Die Gotik ist eine Stilepoche der europäischen Kunst des Mittelalters. Sie entstand um 1140 in der Île-de-France (Gegend von Paris) und währte nördlich der Alpen bis etwa 1500. Der zuvor vorherrschende Bau- und Kunststil ist als Romanik, der nachfolgende als Renaissance bekannt. Der gotische Stil ist nur in der Architektur genau abzugrenzen, während dies auf den Gebieten der Plastik und Malerei nicht in gleicher Klarheit möglich ist. Die Gotik war eine Epoche der Verbildlichung der christlichen Ideenwelt und bediente sich dabei in grossem Umfang der Symbolik und Allegorie. Herausragende Kunstschöpfung ist die gotische Kathedrale, das Gesamtkunstwerk des Mittelalters, Architektur, Plastik und (Glas-)Malerei vereinend. In der Architektur unterscheidet man weiterhin Früh-, Hoch- und Spätgotik, die in den verschiedenen europäischen Landschaften unterschiedlich schnell übernommen wurden. Die Bezeichnung "Gotik" (v. ital. gotico fremdartig, barbarisch (ursprünglich ein Schimpfwort), abgeleitet von der Bezeichnung des Germanenstammes der Goten) wurde geprägt in der Renaissance vom italienischen Kunsttheoretiker Giorgio Vasari, seine Geringschätzung der mittelalterlichen Kunst gegenüber dem "goldenen Zeitalter" der Antike ausdrückend. Auch wenn die Bewertung Vasaris heute nicht geteilt wird - er hat der Epoche seinen Namen aufgedrückt.

Baukunst

Entstehung des Stils in Frankreich

Antike] Der Chorneubau der Klosterkirche von Saint-Denis, der vom königlichen Kanzler und Abt Suger erbaut wurde, gilt als Initialbau der Gotik. Hier wurde erstmals der burgundische Spitzbogen (Beispiel: Cluny) mit dem normannischen Kreuzrippengewölbe (Beispiel: St-Étienne in Caen, Gewölbe ab 1120) kombiniert und die Gewölbelasten auf Strebepfeiler abgeleitet. Dadurch konnte auf die bisher vorherrschende massive Wand als statisches Element verzichtet werden. Die dadurch mögliche Reduzierung der Wandfläche zugunsten von Fenstern ermöglichte der Kirche nicht nur ein grazileres Aussehen als die romanischen "Gottesburgen", sie war auch viel lichtdurchfluteter. Wirtschaftliche Grundlage für die Gotik war das Erstarken des französischen Königtums im 12. Jh. auf Kosten des niederen Adels (siehe auch: Geschichte Frankreichs). Der Neubau von Saint-Denis, der königlichen Grablege, ist die architektonische Formulierung eines sehr umfassenden Herrschaftsanspruchs gegenüber den Baronen, aber auch gegenüber seinem ärgsten Widersacher, dem König von England: Die Fassade von Saint-Denis, gleichzeitig Triumphbogen und Burg, ist quasi die Wiedererschaffung des karolingischen Westwerks. Die Fassade entstand unmittelbar vor dem Chor und ist noch nicht ganz als "gotisch" einzuordnen, während sie sich schon von den Formen der Romanik gelöst hat. Vorbedingung für die Entwicklung der die gotische Architektur ermöglichenden Baukunst war die Entwicklung der Produktivkräfte (Technik, Arbeitsfertigkeit und -organisation) im Umfeld der aufblühenden, durch den König geförderten Bürgerstädte. Erfolgsrezept für die weitere Entwicklung des Stils war, dass jeder Großbau das vor ihm Erreichte zusammenfasste und zugleich Grundlage für die Nachfolgebauten wurde. Die Kathedralen von Sens, Senlis, Noyon, Paris und Laon waren wichtige Stationen auf dem Weg zur Reife (Hochgotik), die bereits Anfang des 13. Jh in Chartres, Soissons, Reims und Amiens erreicht war. Von dort aus breitete sich der Stil durch international arbeitende Baumeister in ganz Europa aus. Bild:Paris-notre-dame-facade.jpg|Notre-Dame de Paris Bild:Cathedral of Laon (FR-02000).jpg|Kathedrale in Laon Bild:Cathedral Notre-Dame de Reims, France.jpg|Notre-Dame de Reims Image:FacadeCathedraleChartresFrance041130.jpg|Notre-Dame_de_Chartres

Grundlagen der gotischen Architektur

Notre-Dame_de_Chartres] Notre-Dame_de_Chartres Notre-Dame_de_Chartres, 1856]]
- Grundriss: Die häufigste Form des Grundrisses ist, wie schon in der Romanik, das lateinische Kreuz.
- aufgebrochene, hohe Wände mit großen Fenstern: In der Romanik musste eine massive Wand die Lasten des Gewölbes tragen und hatte daher nur kleine Fenster. In der Gotik wurde die Wand von der tragenden Funktion befreit und konnte fast beliebig aufgelöst werden. Man verwendete eine Vielzahl von grossflächigen Fenstern, die fast die gesamte Wandfläche einnehmen. Die erforderliche Stabilität wurde erzielt durch die Erfindung des selbständigen, am Außenbau angebrachten Tragwerks (Strebepfeiler), sowie des...
- Spitzbogens: Die große Neuerung der Spitzbogentechnik bestand darin, dass bei einem gedachten Quadrat als Grundriss nicht 4 Rundbögen über die 4 Seiten des Quadrates gestellt wurden, sondern 2 Rundbögen mit gemeinsamem Mittelstein über die beiden Diagonalen. Dadurch war die Stabilität des Gewölbes gesichert, und die statisch nun weniger wichtigen Bögen über den 4 Seiten wurden spitz nach oben gebaut, um die gleiche Höhe wie die beiden längeren und höheren Rundbögen über den Diagonalen zu erhalten. Diese Gewölbetechnik nennt man Kreuzrippengewölbe, die es auch ermöglicht, ein Gewölbejoch über einen rechteckigen Grundriss zu erstellen. Damit wird die Gestaltung freier als in der Romanik. In der weiteren Entwicklung des Stils wurden auch komplizierte Netzgewölbe erstellt. Kennzeichnend für den Stil blieb die Verwendung von Gewölberippen.
- die Betonung der Vertikalen: Typisch für den Kirchenbau der Gotik ist die Betonung der Vertikale. Die Gewölbe erreichten Scheitelhöhen bis 48m (Beauvais eingestürzt und unvollendet geblieben, Chor im Kölner Dom 45m. Im Vergleich der romanische Dom zu Speyer: 33 m).
- schlanke strukturierte Säulen, meist mit polygonalem Grundriß, die meist mit Diensten umstanden sind
- Die Ornamentik bestand aus geometrischen Formen, wie z.B. Kreisen und Bögen, die in Werkstein ausgeführt sind und in die Fenster eingesetzt werden. Dies nennt man Maßwerk. Die Vorlagen zu diesen vielen gotischen Ornamenten nahm man aus der Pflanzenwelt. Eine besondere Rolle spielte dabei das Eichenlaub. Aber auch Motive und Formen aus der Menschen- und Tierwelt waren beliebt. An den Spitzen von Giebeln und Türmen verwendete man oft eine Kreuzblume als Ornament (vergleiche auch Wimperg). In der Spätgotik schließlich werden auch verschlungenere und kompliziertere Formen in vielfältigen Fischblasen- und Flammenmustern (Flamboyant) ausgebildet.

Baumeister

In der Gotik übernahmen erstmals weltliche Planer und Handwerker das Baugeschehen und wurden die Träger der neuen Kunst, während sie zu Zeiten der Romanik noch fest in der Hand der Klöster war, die ihre Baukunst anonym betrieben. Damit traten die Berufe der Baumeister, Bildhauer und des freien Steinmetzes auf. Beide bewegten sich frei zwischen den verschiedenen Bauhütten, also den Baubetrieben. Es bildeten sich regelrecht Baumeister-Familien heraus, wie beispielsweise die Parler, die unter anderem in Schwäbisch Gmünd, am Ulmer Münster, am Prager Veitsdom und am Rathhaus in Krakau bauten. Steinmetze sind zwar namentlich nicht bekannt, aber ihre individuellen Steinmetz-Zeichen sind an verschiedenen Baustellen quer durch Mitteleuropa zu finden. Baumeister und Bildhauer verewigten sich häufig auch schon gerne in den Gesichtszügen von Figuren ihrer Werke, zum Beispiel bei Nebenfiguren in Szenen aus der Bibel. Eine weitere bekannte Baumeisterfamilie aus dem süddeutschen Raum sind die Eselers: Nikolaus Eseler d. Ältere und Nikolaus Eseler d. Jüngere, die das spätgotische Münster St. Georg als Hallenkirche in Dinkelsbühl schufen.

Weitere Entwicklung des gotischen Kirchenbaus

Von der Ile-de-France breitete sich die gotische Architektur auf große Teile West-, Mittel- und Südeuropas aus (Frankreich, Deutschland, Polen, England, usw.). In der Architektur unterscheidet man weiterhin Früh-, Hoch- und Spätgotik, die in den verschiedenen Regionen unterschiedlich schnell übernommen wurden: Dies wurde in der Folgezeit bei neuen Bauwerken immer weiter perfektioniert, spätere gotische Kathedralen sind als Lichtsymphonien konzipiert. Als Vorbild wurde meist die Sainte-Chapelle in Paris genommen. Als sich Anfang des 16. Jahrhunderts die Renaissance nördlich, östlich und westlich der Alpen ausbreitete, verlor der gotische Stil schnell an Einfluss.

Frankreich

Um 1200, als in Deutschland noch große spätromanische Neubauten entstanden, setzte in Frankreich bereits die Entwicklung zur hochgotischen Kathedrale ein. Die Mauerflächen wurden weiter reduziert, komplizierte offene Strebesysteme leiteten den Gewölbeschub ab. Nun verschwanden auch die letzten romanischen Erinnerungen, in ganz Nordfrankreich und den Nachbarländern entstanden in rascher Folge zahlreiche Großbauten. Am Anfang stehen die Dome in Soissons und Chartres. Chartres wirkt jedoch altertümlicher als Soissons, der Architekt schuf hier bewußt eine "Gottesburg", es finden sich hier tatsächlich zahlreiche Elemente des zeitgenössischen Burgenbaues wieder. Auch die große Stiftskirche in Saint-Quentin wirkt moderner, allerdings wurde hier nur bekanntes neu interpretiert. Chartres zwang nun den Erzbischof von Reims zum Bau einer zumindest "gleichwertigen" Kathedrale, hier wurde schließlich der französische König geweiht. Günstigerweise brannte der alte Dom 1210 ab, es entstand der berühmte hochgotische Neubau. In der Normandie wurden die Kathedralen in Coutances und Bayeux begonnen, in der Grafschaft Maine wuchs Saint-Julien in Le Mans in den Himmel, nach 1231 wurde die Abteikirche in Saint-Denis bei Paris durch einen Neubau ersetzt. Außer riesigen Kathedralen, wie etwa Amiens, Metz, Rouen, Bourges, Auxerre und Beauvais entstanden große Kloster- und tausende Pfarrkirchen und Kapellen. Der Höhepunkt der Auflösung und vertikalen Streckung der Architektur war mit dem Schlußstein des Chorgewölbes von Beauvais 1272 in 48 Metern Höhe erreicht worden, die Gewölbe stürzten jedoch bereits 12 Jahre später ein und mußten erneuert werden, um beim Einsturz des monumentalen Vierungsturmes 1573 wieder zerstört zu werden. Die Kirche wurde nie vollendet. Da an den meisten großen Kirchen jahrhundertelang gebaut wurde, weisen viele auch Elemente der verschiedenen gotischen Epochen auf, da man sich nicht sklavisch an die ursprünglichen Pläne hielt, sondern die neuen Einflüsse mit verarbeitete. Im allgemeinen wurde zuerst der Chor begonnen, dann das Querhaus, die Langschiffe und Fassaden wurden teilweise erst von der Neogotik vollendet. Als besonders reines Beispiel hochgotischer Architektur errichtete man ab 1318 in Konkurrenz zur dortigen Kathedrale die gewaltige Abteikirche Saint-Ouen in Rouen. Der wenig bekannte Bau ist 137 Meter lang, die Gewölbe schließen in 33 Metern Höhe. Bereits gegen 1300 setzen manche Kunsthistoriker die Vorläufer der französischen Spätgotik an. Der Hundertjährige Krieg brachte die Bautätigkeit im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts weitgehend zum erliegen. Danach entstand nur noch eine neue Kathedrale (Nantes, 1434), dafür zahlreiche große Pfarrkirchen für die nach Ende des Krieges rasch anwachsende Stadtbevölkerung. Viele Großbauten wurden jedoch auch weiter- und fertiggebaut, so die Kathedralen in Auxerre, Troyes, Meaux, Tours und andere. Manche dieser Großbauten wurden nun durch prachtvolle Westfassaden abgeschlossen, auch Querhausfassaden entstanden im spätgotischen Flamboyant-Stil. Dieser, besonders reich verzierte Dekorationsstil hat seinen Namen von seinen "flammenden", grotesken Maßwerk- und Zierformen, die oft riesige Flächen überziehen. (Toul, Tours, Alencon, Évreux u.v.a.).

England

Auf der Insel kam es ab etwa 1170 zur Übernahme "moderner" kontinentaler Bauformen, die sich mit der heimischen anglonormannischen Tradition zur, "Early English" genannten Frühgotik verbanden. Hier beginnt die eigenständige Entwicklung der insularen Gotik, englische Sakralbauten übernehmen zwar das gotische Dekorationssystem und die Wölbetechniken, beim Aufriß dominiert jedoch die Horizontale, es entstehen breit gelagerte, reich dekorierte Screen-Fassaden (Lincoln, Wells). Das Early English mündete in den "Decorated Style" (Hochgotik), unserer Spätgotik vergleichbar ist der "Perpendicular Style". Die Gewölbehöhen englischer Münster und Kathedralen sind wesentlich niedriger als etwa in Frankreich, die basilikalen Grundrisse sind meist sehr langgestreckt und besitzen zwei Querhäuser. Die Kathedralbezirke liegen oft außerhalb oder am Rande der Städte, die Chöre schließen gerade und ohne Umgang. Hohe Vierungstürme überragen häufig die niedrigen Turmbauten der Westfassaden. Ähnlich wie in Deutschland wurde das Strebesystem meist auf das statisch Notwendige reduziert, es verselbstständigt sich selten zum Dekorationselement. Die Innere wird oft von reichen Netz- oder Fächergewölben überspannt, ein besonders Kennzeichen ist auch die Scheitelrippe, die auf dem Kontinent selten auftritt. Große Kathedralen besitzen u.a. York, Canterbury, Wells, Salisbury und Gloucester, bemerkenswert ist auch das Münster in Beverley. Die gotischen Bauformen überlebten auf der Insel das Mittelalter, vermischten sich später mit Renaissance- und Barockelementen und mündeten schließlich im 18. und 19. Jahrhundert in die Neugotik, das Gothic Revival. Image:Wells Cathedral West Front.jpg|Kathedrale von Wells Image:Canterbury Cathedral - Portal Nave Cross-spire.jpeg|Kathedrale von Canterbury Bild:Salisbury Cathedral.jpg|Kathedrale von Salisbury (England) Bild:Westminster_abbey_towers.jpg|Westminster Abbey (Westfassade), London

Deutschland

Die gotische Formensprache breitete sich in Deutschland erst mit einiger Verzögerung aus. Teilweise muss man auch von einem "Übergangsstil" zwischen Romanik und Gotik sprechen, z.B. bei den Domen von Limburg a.d. Lahn und Bamberg. Das Erscheinungsbild ähnelt hier zumeist noch den wuchtigen, romanischen Kirchen; einzelne Gebäudeteile weisen jedoch schon gotische Tendenzen auf. Die lokalen spätromanischen Bautraditionen wurden meist nur sehr zögerlich durch die westlichen Neuerungen verdrängt. Die ersten rein gotischen Kirchenbauten auf heutigem deutschen Staatsgebiet waren ab ca. 1230 die Liebfrauenkirche in Trier und die Elisabethkirche in Marburg. Bemerkenswert ist jedoch, dass beide Bauwerke bereits sehr stark von den französischen Vorbildern abweichen: während es sich bei der Liebfrauenkirche in Trier um einen im Grundriss ein griechisches Kreuz ausbildenden Zentralbau handelt, entstand die Elisabethkirche in Marburg als dreischiffige Hallenkirche mit einer kleeblattförmigen Choranlage. In frühgotischer Zeit war besonders Laon das Vorbild für einige deutsche Großbauten (Limburg, Bamberg, Naumburg). Besonders der Bamberger Dom erinnert in seiner Turmgestaltung stark an die große französische Kathedrale. Der Magdeburger Dom folgt zwar im Grundriß dem westlichen Schema, bleibt aber im Aufriß deutlich der lokalen romanischen Tradition verhaftet. Das konkurrierende Halberstädter Domkapitel begann seinerseits mit dem Bau einer hochgotischen Kathedrale (Dom zu Halberstadt) nach Reimser Vorbild, von der allerdings nur drei Langhausjoche realisiert werden konnten, der übrige Bau zog sich bis gegen 1500 hin. Die große Domkirche ist einer der wenigen im Mittelalter vollendeten Großbauten Europas, sie gilt vielen Kunsthistorikern als die beste "deutsche" Umsetzung des französischen Kathedralschemas. Die hochgotischen Teile der Kathedrale in Köln (erst im 19. Jahrhundert nach den Originalplänen vollendet) versuchen gar, die westlichen Vorbilder zu übertreffen. Die Großbauten von Köln und Beauvais erreichten die Grenze des statisch und bautechnisch Möglichen, was beim französischen Beispiel sogar zum Einsturz großer Bauteile führte. Bayerns einzige "französische" Kathedrale ist der Regensburger Dom, das Vorbild St. Urbain in Troyes ist hier offensichtlich. Das Straßburger Münster gehört heute zu Frankreich, darf aber als ein Hauptwerk der deutschen Hochgotik gelten. Besonders seine Westfassade steht auf einer Stufe mit den besten Leistungen westlicher Baumeister. Im nahen Freiburg im Breisgau entstand mit dem Münster ein weiteres Hauptwerk deutscher Gotik, der Hauptturm mit seinem durchbrochenen Helm gilt manchen gar als der "schönste Turm der Christenheit". Neben den großen Bischofskirchen entstanden rasch zahlreiche Pfarrkirchen in den Städten, die manchmal die Ausmaße der Dombauten erreichten oder sogar übertrafen (Ulm, Freiburg im Breisgau). Die deutsche Gotik löste sich immer mehr vom westlichen Vorbild, es enstand die sogenannte "Deutsche Sondergotik", auch "Reduktionsgotik" genannt. Kennzeichen dieser Sonderentwicklung ist neben der meist wesentlich "schlichteren" äußeren Erscheinung deutscher Sakralbauten (Verzicht auf aufwendige offene Strebesysteme) auch die Vereinfachung der Grundrisse und die Bevorzugung der Hallenbauweise. Die Halle ermöglichte jedoch die Entwicklung einiger aufwendiger Wölbesysteme, "deutsche" Kirchen werden oft vom prächtigen Netz- oder Schlingrippengewölben überspannt (Annaberg, Freiberg). Besonders die Spätgotik schuf hier bedeutende Beispiele. Zu lokalen Zentren entwickeln sich:
- die süddeutschen Reichsstädte und besonders Nürnberg,
- die Hansestädte an der Ostseeküste (vor allem Lübeck und Stralsund). Bild:Liebfrauen_von_SW3.JPG|Liebfrauenkirche (Trier), ab 1230 Bild:Lübecker_marienkirche_seitenansicht.jpg|Lübecker Marienkirche, Umbau zur gotischen Basilika ab 1315 Bild:Nuernberg-frauenkirche-fassade-v-wnw.jpg|Frauenkirche (Nürnberg), ab 1350 Bild:Ulm_muenster.JPG|Ulmer Münster, ab 1377

Niederlande und Belgien

Auch der niederländische Kulturkreis entwickelte eine eigene "Reduktionsgotik", die oft in vereinfachter Form an die französischen Vorbilder angelehnt ist. Als Hauptwerke dürfen die Dome in Utrecht, Herzogenbosch, Antwerpen, Tournai und Brüssel gelten, auch zahlreiche große Pfarrkirchen entstanden, etwa in Brügge, Gent und Ypern. Flandern war wegen seiner Nähe zu Nordfrankreich diesen französischen Einflüssen natürlich in besonderem Maße ausgesetzt, einige Innovationen wurden sogar dorthin zurückgegeben. Besonders die Spätgotik schuf hier einige der beeindruckendsten mittelalterlichen Sakral- und Profanbauten Europas, es sei nur an die großen, reich verzierten Rathausbauten dieser Region (Oudenaarde, Brüssel) erinnert. In Deutschland ist der Dom zu Xanten deutlich von der niederländischen Gotik beeinflusst, auch andere niederrheinische Bauten sind hier zu nennen. (Kalkar, Kleve, Goch, Wesel). In der bildenden Kunst wurden niederländische Werkstätten führend in Europa, riesige Flügelaltäre wurden weithin exportiert, der Einfluß von Malern wie Rogier van der Weyden oder Jan van Eyck reichte bis nach Italien und Spanien. Image:Sintjandenboschnl.jpg|St. Johannes-Kathedrale in 's-Hertogenbosch Image:OLV-kathedraal Antwerpen.jpg|Liebfrauenkirche in Antwerpen Bild:Liebfrauenkirche in BrÃŒgge.jpg|Liebfrauenkirche in Brügge, ab 1210 Bild:SteGudule.jpg|Dom zu Brüssel, Fassade 15. Jh

Schweiz und Österreich

Die Schweizer Gotik ist in der Westschweiz naturgemäß an Frankreich orientiert (Lausanne, Genf), die Deutschschweiz besitzt in den Münstern von Basel, Bern, Zürich und Freiburg im Üechtland (ursprünglich deutschsprachig) vier größere gotische Sakralbauten. Bern und Fribourg erinnern mit ihren Einturmfassaden an das Münster in Freiburg im Breisgau. Ähnlich wie das stammverwandte Bayern ist das heutige Österreich eigentlich ein "Land ohne Kathedralen", als gotischer Großbau ist nur der Wiener Stephansdom zu nennen, eine große Halle mit zwei geplanten riesigen Chorseitentürmen, von denen nur einer vollendet wurde. Bedeutende Klosterkirchen mit Hallenchören sind in Heiligenkreuz und Zwettl zu finden, eine große Stadtpfarrkirche besitzt Braunau. Bild:Basler Muenster.jpg|Basler Münster Bild:Lausanne-cathe7.JPG|Kathedrale von Lausanne Bild:Grossmunster church.jpg|Zürcher Grossmünster Bild:Stephansdom_wien_1912.jpg|Wiener Stephansdom

Italien

Die spätmittelalterliche Baukunst Italiens war lange Zeit nicht als Gotik anerkannt, gingen ihr doch eine Vielzahl typischer Merkmale der französischen Kathedralgotik ab. Der gotische Kirchenbau Italiens wurde eingeleitet von den Bettelorden, die wiederum von den Zisterziensern geprägt waren: irdische Schwere und Solidität anstelle himmelstrebender Formen und transzendentaler Beleuchtung. Die Bauplastik wurde auf das Notwendigste reduziert, die großflächigen Wände mit umfangreichen Freskenzyklen gestaltet. Die Kirchenbauten der Franziskaner und Dominikaner standen häufig in Konkurrenz zueinander, und Kirchen standen insgesamt in Rivalität zu den teils festungsartigen Kommunalpalästen. Dies führte nicht wie in Frankreich zu immer neuer Steigerung eines einheitlichen Konzepts, sondern zu Selbstdarstellung durch Originalität. Ab 1387 entstand im lombardischen Mailand der gewaltige Dom, dessen gotische Konstruktions- und Dekorationsformen auf großen Widerstand der einheimischen Bevölkerung stießen. Der Stadtherr Gian G. Visconti wollte die Macht und den Einfluß seiner Stadt und seines Geschlechtes durch eine der großten Kathedralen Europas manifestieren. Ein internationales "Expertengremium" begann mit der Planung des riesigen, fünfschiffigen Sakralbaues, dessen Innenraum an die Kathedrale von Bourges erinnert, aber auch auf lokale romanische Vorbilder (Piacenza) zurückgeht. Es kam hierbei zu erbitterten Kontroversen unter den Baumeistern, so zog sich etwa Heinrich Parler gekränkt vom Baubetrieb zurück, nachdem sein Vorschlag zur Erhöhung des Mittelschiffes als zu "unitalienisch" abgelehnt worden war. Die endgültige Fertigstellung des Mailänder Domes zog sich bis ins 20. Jahrhundert hin. Als Konkurrenzbau zu Mailand entstand in Bologna die Pfarrkirche San Petronio, deren schlichter, klar gegliederter Innenraum typisch für die italienische Gotik ist. In Siena wurde der romanische Dom ab dem frühen 13. Jahrhundert gotisiert, bemerkenswert ist hier vor allem Giovanni Pisanos dreiportalige Westfassade (ab 1284), die wohl auf französische Vorbilder zurückgreift. Auf den ersten Blick eher "ungotisch" wirkt der Florentiner Dom, dessen schlichte Innengestaltung schon zahlreiche Renaissanceelemente erkennen lässt. Besonders Filippo Brunelleschis zweischaliger Kuppelbau (ab 1418) hatte die Gotik bereits hinter sich gelassen, als etwa in Deutschland erst die Spätgotik begann. Bild:San Francesco.JPG|San Francesco zu Assisi, ab 1228 Image:Siena-duomo-1.jpg|Dom zu Siena, Fassade ab 1284 Image:Basilika_des_hl._Antonius.JPG|Padua: Basilika des heiligen Antonius, ab 1290 Bild:Kirche santa maria della spina 103.JPG|Sta-Maria della Spina in Pisa, ab 1323 Bild:Mailänder Dom.jpg|Mailänder Dom, ab 1386

Spanien und Portugal

Die frühen großen spanischen Dome in Burgos, Toledo und Leon folgen noch deutlich den französischen Vorbildern, erst ab etwa 1300 beginnt eine deutlichere Sonderentwicklung der spanischen Sakralarchitektur. 1298 wurde mit dem Bau der Kathedrale von Barcelona begonnen, deren Langhaus sich bereits der Hallenform annähert. 1329 folgte die große Seefahrerkirche Santa Maria del Mar, ebenfalls eine riesige "Staffelhalle". Typisch für die katalanische Gotik ist das schlichte, ja karge Äüßere der Kirchen, die oft wie Festungen wirken. Ab 1312 begannen südfranzösische Meister in Girona mit dem Chor der Kathedrale, ab 1417 fügte man diesem ein gewaltiges, einschiffiges Langhaus an. Mit einer Spannweite von 23 Metern wurde hier das breiteste Gewölbe der Gotik geschaffen, die Gewölbehöhe beträgt 34 Meter. Das Hauptwerk der mallorquinischen mittelalterlichen Architektur ist die Kathedrale Santa Maria in Palma de Mallorca, die um 1300 begonnen wurde. Die riesige dreischiffige Basilika ist etwa 110 Meter lang, die Schauseite ist die zum Meer gelegene Längsfront mit ihrer dichten Reihung fialengekrönter Strebepfeiler und doppelter Strebebögen. Andalusien schuf nach der Reconquista mit der Kathedrale in Sevilla gar einen der gewaltigsten Sakalbauten Europas. Ab 1401 begonnen, zog sich der Bau bis 1519 hin. Er wurde auf den Grundmauern der islamischen Moschee errichtet, deren großes Minarett zum Glockenturm umgestaltet wurde. Auch hier wurde der fünfschiffige Innenraum der Hallenform angenähert, das Äußere gliedert ein aufwändiges System von Strebepfeilern und -bögen. Als sich anderen Ortes bereits die Renaissance durchzusetzen begann, entstanden im 16. Jahrhundert die spät- bis nachgotischen Kathedralen Salamanca, Segovia und Plasencia. Noch bis ins beginnende 18. Jahrhundert galt die Gotik als die "moderne" Stilrichtung, die Renaissance war jedoch als Architektursprache gleichberechtigt. Die Gotik symbolisierte den Sieg des Christentums über den Islam, weshalb noch lange auf mittelalterliche Elemente zurückgegriffen wurde. Diese Nachgotik enthält natürlich zahlreiche klassische Formen, spätgotischen Charakter trägt die 1477 begonnene Kathedrale Santa Maria in Astorga Auch in Portugal finden sich etliche herausragende Werke gotischer Architektur. Anfangs waren die Bettelorden stilprägend, um 1300 begannen der Hof und später der Adel mit der Auftragsvergabe. 1330 wurde Sta. Clara in Coimbra geweiht, um 1350 der Kreuzgang der Kathedrale in Évora begonnen. 1388 begann man mit der Planung des Klosters Batalha. Der Dominikanerkonvent wurde vom König als Dank für den Sieg über die kastilische Armee bei Aljubarrota gelobt und diente später auch als königliche Grablege. Eine große, netzgewölbte nachgotische Halle ist die Kirche des Hieronymitenklosters in Belém (1517). Das Kloster ist - ebenso wie der bekannte Torre de Bélem - ein gutes Beispiel für die "manuelinische Architektur", die die portugiesische Gotik abschließt. Anders als in Spanien sind maurische und islamische Einflüsse in Portugal die Ausnahme. Bild:Catedral.jpg|Meisterwerk der Hochgotik: Kathedrale von Burgos (Spanien, ab 1221) [http://www.univ-tlse2.fr/espagnol/burgos/Catedral,%20Burgos.jpg Gesamtansicht]

Ostmittel- und Osteuropa

In der gotischen Sakralarchitektur Polens, Böhmens , Mährens, Ungarns und anderer ost- und ostmitteleuropäischer Länder mischen sich einheimische Sonderentwicklungen mit den aus Westeuropa und Deutschland importierten Grundstrukturen. In den von deutschem Bürgertum dominierten Städten und Regionen herrschten natürlich mitteleuropäische Einflüsse vor, durch die Handelsbeziehungen der Ostseestädte gelangten auch niederländische Elemente in diesen Raum, als Beispiel sei hier die Danziger Marienkirche angeführt. In Böhmen blieb die große Kathedrale auf dem Prager Hradschin bis ins frühe 20. Jahrhundert unvollendet, der hoch- bis spätgotische Chor des Veitsdomes wurde von einem französischen Meister begonnen und von Peter Parler weitergebaut. Als Höhepunkt böhmischer Architektur gilt neben dem Veitsdom die, der heiligen Barbara geweihte "Kathedrale" von Kuttenberg (Kutna Hora). Auch das nahe Kolin an der Elbe besitzt einen bedeutenden Chorbau der Parlerschule. In Most (Brüx) wurde die spätgotische Dekanatskirche in einer spektakulären Aktion etwa 800 Meter verschoben, um die reich gewölbte Halle vor dem Braunkohletagebau zu retten. Auch das ehemalige Groß- und Kleinpolen besitzt zahlreiche gotische Sakralbauten. Als Baumaterial dominiert der Backstein, besonders die Zisterzienserarchitektur war hier lange stilprägend. Bei der großen Kathedrale (ab 1320)auf dem Wawel in Krakau sind diese Einflüsse heute durch spätere Umbauten teilweise verwischt, die zweischiffige, sterngewölbte Kirche in Wislica (um 1350) verweist auf Vorbilder der klösterlichen Profanarchitektur (Refektorien, Kapitelsäle). Die Krakauer Marienkirche war im Mittelalter die Pfarrkirche der deutschen Gemeinde. Die steile Backsteinbasilika besitzt einen originellen spätgotischen Turmhelm, der von einer goldenen Krone bekrönt wird. Einen "französischen" Umgangschor weist die Domkirche in Posen (Poznan) auf, der Bau präsentiert sich heute jedoch wegen der verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überwiegend als Rekonstruktion des ursprünglichen mittelalterlichen Zustandes. In Rußland konnte sich die Gotik wegen der Zugehörigkeit zum orthodoxen Kulturkreis nicht entfalten, die Baltischen Staaten besitzen einige größere Backsteinkirchen norddeutscher oder westfälischer Prägung in den alten Hansestädten Riga und Reval (Tallin), von den deutschen Vorbildern weit entfernt ist allerdings die prachtvolle Backsteinfassade der litauischen St. Anna-Kirche in Vilnius. Bild:Veitsdom-Prag.jpg|Veitsdom in Prag, ab 1344 Image:Kutna Hora CZ St Barbara Cathedral front view 02.JPG|St. Barbara in Kutná Hora (Ende 14. Jh) Bild:Krakau_Mariacki.jpg|Die Marienkirche in Krakau Bild:Bazylika mariacka gdansk ubt.jpeg|Die Marienkirche in Danzig

Hallenkirchen

Eine besondere Form des gotischen Kirchenbaus stellen die Hallenkirchen dar. Besonders in Deutschland war dieser Bautypus beliebt, er kommt aber auch in Frankreich (Poitiers u.a) und anderen Ländern vor. Im Zuge der Sonderentwicklung der deutschen Gotik wurde die Halle gar das bevorzugte Bauschema, besonders Stadtpfarrkirchen wurden oft als Hallen oder Staffelhallen realisiert. Im Gegensatz zur Basilika besitzen hier alle Seitenschiffe die gleiche Höhe, sodass das Kirchenschiff einer riesigen Halle ähnelt. Eindrucksvoll sind besonders die Hallenumgangschöre von St. Sebald und St. Lorenz in Nürnberg. Eine Zwischenform ist die erwähnte Staffelhalle (Pseudobasilika), die besonders in der Spätgotik verbreitet war. Hier ist das Mittelschiff etwas höher als die Seitenschiffe, auf eine eigene Belichtung durch Fenster wurde aber verzichtet. Ähnlich wie bei der echten Halle werden die Gewölbe meist vom einem riesigen, einteiligen Dach überspannt. Die spanische Gotik schuf jedoch einige riesige Staffelhallen mit durchfensterten Obergaden. Oft wurden älteren Basiliken nachträglich zweischiffige Hallen als Seitenschiffe angefügt, manchmal mit reichen Gewölbefigurationen (Ulmer Münster, Augsburger Dom) , die manchmal wie eigenständige Kirchenräume wirken. Bild:Verden_Dom_Chor.jpg|Dom in Verden (Aller), Chor ab 1290 Bild:Gmund_Munster_Chor-.jpg|Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch-Gmünd, Chor ab 1351 Bild:Nuernberg-sebald-ostchor-v-nw.jpg|St. Sebald in Nürnberg, Chor ab 1361 Bild:Marienkirche_Pirna_1994.jpg|Marienkirche in Pirna

Profanbauten

Anders als in der Romanik, sind aus der Gotik zahlreiche Profanbauten erhalten. Während der Sakralbau die gotische Architekturentwicklung anführte, konnte sich auch der Profanbau den neuen Entwicklungen nicht entziehen. Anders als beim Kirchenbau stand die Zweckmässigkeit vor der künstlerischen Gestaltung (zum Beispiel flächige Wandform). Merkmale sind beispielsweise die Profilierung der Fenster und Türen, Treppengiebel, so genannte Katzentreppen und gegebenenfalls Gewölbetechnik. Folgende Entwicklungen sind festzuhalten:
- Wandlung der Burg zum Schloß: Der Wehrzweck der Fürstenburg trat im Verlauf der Gotik zunehmend hinter den Wohnzweck zurück. Der Wandel in der Kriegführung (Feuerwaffen, Söldnerheere) reduzierte die Bedeutung der Befestigung, während der Repräsentationswille neu hinzutritt. Der gotische Burgenbau übernahm zahlreiche Elemente der sakralen Architektur, gelegentlich entstanden sogar kreuzgangähnliche Innenhöfe. Zahlreiche Säle und Kammern wurden nun eingewölbt, maßwerkgeschmückte Fensterreihen durchbrachen die Außenwände, reich geschmückte gotische Kapellen entstanden. Besonders in der Spätgotik entstanden hier profane Meisterwerke wie etwa die Albrechtsburg in Meißen, der Wladislawsaal der Prager Burg oder die reich verzierten Burgschlösser in Amboise und Josselin sowie der Herzogspalast in Poitiers (um 1390) in Frankreich. Als größter Profanbau der Gotik gilt die Marienburg des Deutschen Ordens in Polen. Image:Conciergerie von N.JPG|Paris: Conciergerie, ehem. Königspalast (Ende 13. Jh) Bild:Façade du Palais des Papes.jpg|Avignon: Papstpalast Bild:Marienburg_2004.jpg|Marienburg (Malbork), Hochmeisterpalast aus dem 14. Jh Bild:Albrechtsburg Meißen.JPG|Meißen: Albrechtsburg, spätgotische Pracht am Übergang zur Renaissance (1471-85)
- Die Stadtbefestigung wird die wichtigste Bauaufgabe der Stadtbürger. In Deutschland erhalten viele Städte in früh- oder hochgotischer Zeit ihre Stadt- und Befestigungsrechte. Es entstehen feste Mauern ab der zweiten Hälfte des 12. Jh. Neben der eigentlichen Mauer entstehen Wehrtürme und Torbauten. Mit der Verbreitung der Feuerwaffen wandeln sich Wehrtürme von hohen Bauformen hin zu niedrigen, massiven Geschütztürmen, und die Torbauten entwickelten sich hin zu komplexen Torburgen. Umfangreiche Stadtmauern sind heute besonders in Franken erhalten (Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl, Nürnberg). Image:Nuremberg city wall north part east maxtor inner f w.jpg|Nürnberger Stadtmauer mit Maxtor Image:Holstentor 03.jpg|Holstentor in Lübeck, ab 1464 Bild:TreptowerNB.jpg|Treptower Torburg in Neubrandenburg Image:Carcassonne-vignes.jpg|Carcassonne
- Der gotische Wohnbau war in West-, Mittel- und Nordeuropa nach weitgehend vom Fachwerk geprägt, allerdings entstanden - besonders in Süddeutschland, Österreich und Ostmitteleuropa - zahlreiche Städte und Märkte mit Häusern aus Werk- oder Backsteinen. Ein bis heute erhaltenes Merkmal solcher gotischen Städte sind die teilweise eingewölbten Laubengänge, die früher meist als überdachte "Verkaufsstände" genutzt wurden. In Bayern und Österreich sind hier vor allem Landshut, Burghausen, Neuötting, Braunau und Innsbruck zu nennen. Auch die zahlreichen, im Zuge der Ostkolonisation angelegten Städte Polens, Böhmens und Mährens haben sich ihre gotischen Grundrisse noch gut bewahrt, oft wurden solche Kolonialstädte um riesige Marktplätze (Ringe) angelegt. Als Beispiele seien Domazlice, Telc, Budweis, Pilsen und Krakau angeführt.
- Mit dem Bedeutungszuwachs der mittelalterlichen Stadt entsteht Bedarf nach städtischen Funktionsbauten:
  - Das Rathaus ist ein Mehrzweckgebäude für Ratsstube, Festsaal, Ausschank, Handel (Lübeck ab 1230, Brügge ab 1376, Perugia ab ... und viele andere). Der zunehmende Repräsentationsbedarf wohlhabender Städte schlägt sich in Größe und Aufwand der Bauten nieder (Brüssel ab 1402, Löwen ab 1439), diese Höhepunkte städtischer Profanarchitektur werden deshalb mitunter als "Kathedralen des Bürgertums" bezeichnet. Bild:Luebecker_rathaus.jpg|Lübeck: Rathaus, ab 1230 Image:Perugia04.jpg|Perugia: Palazzo dei Priori, 1293-97 Image:Stadhuisbrussel.jpg|Brüssel: Rathaus, ab 1402 Image:Leuven Stadhuis.jpg|Löwen (Belgien): Rathaus, ab 1439
  - Je nach Größe und Bedeutung der Stadt treten andere Gemeinschaftsbauten hinzu wie: Tuch- und Fleischhallen (Ypern ab 1250, Antwerpen ab 1509), Zunft- und Gildehäuser (Gent/Haus der freien Schiffer ab 1530), Tanz- und Hochzeitshäuser (Köln/Gürzenich ab 1447). bild:köln_gürzenich.jpg|Der Gürzenich (Tanzhaus) in Köln (erbaut 1441-47, nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut) Bild:FreiburgMarkt.png|Historisches Kaufhaus in Freiburg/Br., ab 1520
  - Vor allem in Flandern und Italien symbolisiert ein Belfried - oft in der Höhe mit Kirchtürmen konkurrierend - die Macht der Stadt. Image:Tournai JPG02c.jpg|Tournai (Belgien): Belfried, Ende 12. Jh Image:BelfryBruges.jpg|Brügge: Tuchhalle mit Belfried, ab 1282, Obergeschoß ab 1482 Bild:Siena-Piazza del Campo-001.jpg|Siena: Rathaus mit Torre dell Mangia, 1338-48 Image:Firenze-palazzovecchio.jpg|Florenz: Palazzo Vecchio mit Belfried, ab 1299
  - Schulen und Spitäler werden meist von Klöstern betrieben, besonders von Franziskanern, daher sind diese Funktionsbauten oft in die Stadtklöster integriert. Bild:Lübeck_Heiligen-Geist-Hospital.jpg|Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck, ab 1240 Image:Nuremberg hl geist pegnitz f w.jpg|Nürnberg: Heilig-Geist-Spital (ab 1332) Bild:KingsCollegeChapel.jpg|Kapelle des King's College (Cambridge) Bild:Kwidzyn zamek.JPG|Marienwerder Bild:Golub-Dobrzyn1 ver.jpg|Golub-Dobrzyn

Backsteingotik

Hauptartikel: Backsteingotik In Nord- und Nordostdeutschland, Skandinavien und Polen entwickelte sich die Sonderform der Backsteingotik. Große Sakralbauten aus diesem Baumaterial besitzen in Deutschland etwa Lübeck (Marienkirche), Stralsund, Wismar, Greifswald und Bad Doberan. Besonders die Lübecker Marienkirche diente als Vorbild für zahlreiche weitere Kirchen in ganz Nord-und Nordosteuropa. Sie orientiert sich - in materialbedingt vereinfachter - Form an der klassischen Kathedralgotik, auch das offene Strebesystem westlicher Kathedralen wurde hier in Backstein übertragen. Auch in Bayern finden sich in den steinarmen Landschaften Ober- und Niederbayerns zahlreiche Backsteinbauten. Die Sakralbauten sind meist als Hallen ausgeführt, manchmal wurden reiche Hausteinverzierungen eingearbeitet. Ein bekanntes Beispiel ist die Frauenkirche in München. Den höchsten Backsteinturm der Welt besitzt Landshut, seine Hauptkirche St. Martin steht mitten in einer der am besten erhaltenen gotischen Altstädte Europas. Die größte gotische Backsteinkirche der Welt ist die Marienkirche in Danzig. Daneben gehören die Marienkirche und die Wawelkathedrale in Krakau und die Dome in Breslau, Posen, Gnesen und Thorn zu den größten gotischen Backsteinkirchen. Eine eigene Ausprägung entwickelte auch das südliche Frankreich, hier ist vor allem die große, festungsähnliche Kathedrale von Albi zu nennen. Zu den wichtigsten Objekten der profanen Backsteingotik zählen die Rathhäuser von Lübeck, Stralsund, Thorn, Danzig, Krakau und Breslau sowie das Collegium Maius der 1364 gegründeten Universität in Krakau. Der Deutsche Ritterorden sicherte sein Territorium im heutigen Polen und den baltischen Staaten durch die Anlage zahlreicher, manchmal riesiger Burganlagen (Marienburg, Marienwerder). Auch hier war Backstein das bevorzugte Baumaterial. Diese Garnisonsburgen dienten dem einheimischen Adel oft als Vorbild für eigene Wehr- und Repräsentationsbauten. Auch in Italien und Spanien finden sich zahlreiche gotische Backsteinbauten. In Spanien kam es durch den Einfluß der muslimischen Architekturtradition zu besonders "phantastischen" Ergebnissen, als Beispiel sei nur die spätgotische Burg Coca erwähnt. Bild:Stralsund_St_Nikolai.jpg|Nikolaikirche zu Stralsund, ab 1270 Bild:Lübecker_marienkirche_seitenansicht.jpg|Lübecker Marienkirche, Umbau zur gotischen Basilika ab 1315 Bild:Lueneburg_StJohannes.jpg|St. Johannis in Lüneburg, Turm ab 1406 Bild:Frauenkirche1.jpg|Frauenkirche (München), ab1468 Bild:Breslau-rathaus.png|Breslauer Rathaus, Ostfassade um 1500 Bild:Wroclaw ulSwidnicka kosciolBozegoCiala.jpg|Frohnleichnamskirche in Breslau Bild:Wroclaw-Katedra.jpg|Kathedrale in Breslau Bild:Krakau-univ-innenhof.jpg|Innenhof des Collegium Maius in Krakau Bild:Katedra na wawelu.jpg|Kathedrale auf dem Wawel in Krakau Bild:Kraków Kościół franciszkanów2.jpg|Franzsikanerkloster in Krakau Bild:Katedra Poznan S.jpg|Kathedrale in Posen Bild:Mk Stettin Jacobikirche.jpg|Jakobikirche in Stettin Bild:Torun sw Janow z ratusza.jpg|Johanneskirche in Thorn

Neugotik

Thorn Gotische Bauwerke (insbesondere Kirchen) wurden im 19. Jahrhundert gerne nachgebaut oder -empfunden. Zahlreiche unvollendet gebliebene mittelalterliche Großbauten wurden nun vollendet. In Deutschland galt die Gotik im 19. Jahrhundert gar als "teutscher" Nationalstil, ihre Ursprünge im Norden Frankreichs waren der Forschung noch unbekannt. Bekanntestes Beispiel ist die Vollendung des Kölner Doms nach den Originalplänen, in Ulm entstand mit dem Münsterturm gar der höchste Kirchturm der Erde, auch der Regensburger Dom erhielt sein charakteristisches Doppelturmpaar. Große Neubauten entstanden in Hamburg (Nikolaikirche), Wien (Votivkirche), Speyer (Protestationskirche), Linz an der Donau (Neuer Dom) und in vielen anderen Städten Europas und anderer Kontinente. Mit der National Cathedral wurde in Washington (D.C.) vor wenigen Jahren eine weitere große Kathedrale fertiggestellt. Später folgten einige aufwändig gestaltete Rathäuser im neugotischen Stil. Typische Vertreter stehen in Wien und München. Als Vorbilder dienten hier vor allem die prachtvollen spätgotischen Rathäuser Flanderns (Brüssel, Löwen, Mechelen). Auch die Wohnarchitektur griff gerne auf Stilelemente der Gotik zurück, oft in buntem Durcheinander mit Zitaten anderer Architekturstile. Es entstanden sogar große "gotische" Burg- und Schloßanlagen, oft auf den Resten originaler mittelalterlicher Bauten. So wurde etwa in Frankreich das Schloß Pierrefonds wiederaufgebaut, in Deutschland entstand das bekannte Schloß Neuschwanstein in einem "romanisch-gotischen" Mischstil. Viele dieser Bauwerke wurden auch im Inneren "stilgerecht" ausgestattet, es entstand ein - abfällig "Schreinergotik" - genanntes Kunsthandwerk. Oft wurde sogar die originale mittelalterliche Ausstattung aus Sakralbauten entfernt und durch solche "Nachahmungen" ersetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg galten diese Ausstattungen lange als Kitsch, heute hat man jedoch meist den eigenständigen künstlerischen Wert dieser Objekte erkannt und versucht, sie zu schützen. Diesen Baustil nennt man Neugotik oder Neogotik.

Links

Bedeutende gotische Bauwerke:
- Frankreich: Kathedrale von Chartres, Straßburger Münster, Kathedrale von Amiens
- Deutschland: Kölner Dom, Regensburger Dom, Freiburger Münster, Ulmer Münster, Meißner Dom, Wiesenkirche in Soest, Marienkirche zu Lübeck
- Österreich: Stephansdom in Wien
- Polen: [http://www.bazylika-mariacka.krakow.pl/ Marienkirche in Krakau], [http://www.digitalphoto.pl/index.php?id=201&pokaz=26&a=0&b=9&foto=1170 Marienkirche Danzig], [http://www.zamek.malbork.pl/ Marienburg]
- Spanien: Kathedrale von Sevilla [http://www.tourspain.es/TourSpain/Arte%20y%20Cultura/Monumentos/A/RW/0/Catedral%20de

Stilepoche

Kunstgeschichte ist eine Wissenschaft, die sich mit den Werken der bildenden Kunst befasst.

Gegenstände und Ziele der Kunstgeschichte

Die klassischen Untersuchungsobjekte der Kunstgeschichte sind europäische und vorderasiatische Werke der Malerei und Grafik, Bildhauerei und Baukunst in der Zeit vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Seit ungefähr der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts werden auch Gegenstände aus den Kirchenschätzen, die sog. Kleinkunst, analysiert. Ebenso werden neuzeitliche Werke aus Amerika untersucht. Das Fach öffnet sich seit der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts (siehe Carl Einstein) auch anderen Kulturkreisen, etwa in Form der Afrikanischen (Vorreiter: Leo Frobenius in den 20er Jahren) oder Asiatischen Kunstgeschichte. Darüber hinaus gewinnen neue Darstellungsformen, z. B. Fotografie, Medienkunst und Gattungen, z.B. Kunstgewerbe, Design an Bedeutung. Ziel der Kunstgeschichte ist es, die künstlerischen Objekte nach ihren Inhalten zu untersuchen (siehe Ikonographie), die Werke in Raum und Zeit einzuordnen und deren Rezeption nachzugehen; dabei werden einerseits stilistische Zusammenhänge besprochen, andererseits wird auch oft versucht, politische Aussagen oder mentalitätsgeschichtliche Implikationen (z. B. Werke aus dem Memorialwesen) zu erforschen. Insbesondere Freiheit (speziell Meinungsfreiheit), Unabhängigkeit, Schönheit sowie der Erkenntniskomplex »Einsicht / Überleben / Tradieren« waren zu jeder Zeit der Menschheit Kernthemen und/oder Kernmotive für Kunstwerke bzw. von Kunstwerken.

Epochen der europäischen Kunstgeschichte

Bis ca. 1900

Vorangestellt sind ungefähre Zeitangaben: :600.000 - 4. Jahrtausend v. Chr. Ur- und Frühgeschichte (Kunst) :3. - 2. Jahrtausend v. Chr. Ägyptologie/ Ägyptische Kunst, Mesopotamien (Kunst), Kretisch-Mykenische Kunst :2. v. Chr. - 5. Jh. n. Chr. Keltische Kunst, Römische Kunst :8. Jh. v. Chr. - 1. Jh. n. Chr. Griechische Kunst (i.e.S. beschäftigt sich die Kunstwissenschaft ab dem Zeitalter, als das Christentum zur Staatsreligion erhoben wurde (325 n.Chr. unter Konstantin), also mit der spätbyzantinischen, virromanischen Kunstepoche) :4. - 15. Jh. n. Chr. frühchristliche und byzantinische Kunst, Byzantinische Kunst :7. - 11. Jh. n. Chr. vorromanische und ottonische Kunst :11. - 13. Jh. Romanik :12. - 16. Jh. Gotik :15. - 16. Jh. Renaissance :16. Jh. Manierismus :1600 - 1720 Barock :1600 - 1770 Barock-Klassizismus :1720 - 1770 Rokoko :1760 - 1830 Klassizismus :1790 - 1840 Romantik :1750 - 1850 Historismus :1830 - 1870 Realismus :1860 - Beginn des 20. Jh. Impressionismus :1890 - 1920 Symbolismus :1880 - 1920 Jugendstil

Ca. 1900 bis 1950: Die Moderne

Stilrichtungen der Moderne

:Expressionismus :Impressionismus :Wiener Werkstätte :Kubismus :Futurismus :Dadaismus :Surrealismus :Konstruktivismus :Art Deco :Bauhaus

Nach 1950: Die Gegenwart

:Abstrakter Expressionismus :Pop Art :Minimalismus :Fotorealismus :Postmoderne :Konzeptkunst :Organische Gestaltung

Außereuropäische Kunst

:Altamerikanische Kunst :Chinesische Kunst :Buddhistische Kunst :Hinduistische Kunst :Kunst in den USA

Geschichte der Kunstgeschichte

Bedeutende kunsthistorische Texte wurden verfasst von: :Giorgio Vasari :Karl Friedrich von Rumohr :Jacob Burckhardt :Aby Warburg :Heinrich Wölfflin: prägte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Kunstgeschichte durch seinen formalistischen Stilbegriff :Frederick Antal :Erwin Panofsky: entwickelte die Ikonologie :Ernst Kris :Max Imdahl :Michael Baxandall :Thomas Puttfarken :Griselda Pollock :Felix Thürlemann :Ernst H. Gombrich Wichtige deutschsprachige Gesamtdarstellungen des 19. Jahrhunderts stammen von Franz Kugler (Handbuch der Kunstgeschichte, 1842; 2. Auflage 1848 mit Zusätzen von Jacob Burckhardt; 3. Auflage 1856, von Kugler neu bearbeitet) und von Carl Schnaase (Geschichte der bildenden Künste; der Band Das eigentliche Mittelalter erschien in 1. Auflage 1850).

Literatur

Einführungen
- Marcel Baumgartner, Einführung in das Studium der Kunstgeschichte, Köln: König 1998
- Kunstgeschichte : eine Einführung, hrsg. von Hans Belting, Heinrich Dilly, Wolfgang Kemp, Willibald Sauerländer und Martin Warnke, 6., überarb.und erw. Aufl., Berlin : Reimer, 2003 Geschichte
- The art of art history : a critical anthology, ed. by Donald Preziosi, Oxford [u.a.] : Oxford University Press, 1998
- Die Geschichte der Kunst, E.H. Gombrich, Berlin : Phaidon1996
- Metzler-Kunsthistoriker-Lexikon : zweihundert Porträts deutschsprachiger Autoren aus vier Jahrhunderten, von Peter Betthausen, Peter H. Feist und Christiane Fork. Unter Mitarb. von Karin Rührdanz und Jürgen Zimmer, Stuttgart [u.a.] : Metzler, 1999
- Altmeister moderner Kunstgeschichte, hrsg. von Heinrich Dilly, Berlin : Reimer, 1990
- Art history and its institutions : foundations of a discipline, ed. by Elizabeth Mansfield, London [u.a.] : Routledge, 2002
- Hubert Locher, Kunstgeschichte als historische Theorie der Kunst : 1750 - 1950, München : Fink, 2001
- Donald Preziosi, "Seeing through Art History" in: Ellen Messer-Davidow,David R. Shumway, David J. Sylvan, eds., Knowledges. Historical and Critical Studies in Disciplinarity, Charlotteville, University Press of Virginia 1993, pp. 215-231
- Die Kunstliteratur der italienischen Renaissance : eine Geschichte in Quellen, hrsg. von Ulrich Pfisterer, Stuttgart : Reclam, 2002

Siehe auch


- Portal:Kunst

Weblinks


- http://www.portalkunstgeschichte.de
- http://www.kunstwissen.de/
- http://www.fotomarburg.de/
- [http://www.beyars.com/de/de_kunst-lexikon-hartmann.html Kunstlexikon mit 10.000 Begriffen]
- http://www.kunstlinks.de - Portal für Kunst, Kunstunterricht und Kunstgeschichte Kategorie:Kulturwissenschaft ! ja:美術史

Mittelalter

]] Das Mittelalter bezeichnet eine Epoche in der europäischen Geschichte zwischen der Antike und der Neuzeit, die christliche, antike und keltische, germanische und slawische Entwicklungen zusammenführt. Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform ist der Feudalismus. Grundzüge des Mittelalters sind die nach Ständen geordnete Gesellschaft, die gläubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft, Latein oder Griechisch als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache, die Idee der Einheit der christlichen Kirche (die aber faktisch nach dem großen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand) und ein recht einheitliches Weltbild.

Zeitliche Festlegung

Im Groben ordnet man das Mittelalter in die Zeit von 500 bzw. 600 n. Chr. bis 1500 n. Chr. ein. Wesentlich genauer sind jedoch folgende Merkmale: Das Mittelalter erstreckt sich ungefähr vom Ende der Völkerwanderung (375-568) bzw. vom Untergang des weströmischen Kaisertums 476 bis zum Zeitalter der Renaissance seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bzw. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Bezüglich der Problematik der Datierung des Beginns des Mittelalters siehe Spätantike. Die Datierungen sind nicht immer einheitlich, es kommt oft darauf an, welche Aspekte der Entwicklung bevorzugt werden und von welchem Land man ausgeht. Stellt man zum Beispiel den Einfluss des Islam in den Vordergrund, kann man Mohammeds Hidschra (622) oder den Beginn der arabischen Expansion ab 632 als Beginn sehen. Ebenso gibt es unterschiedliche Datierungsmöglichkeiten für das Ende des Mittelalters, beispielsweise die Erfindung des Buchdrucks (um 1450) oder auch die Reformation (1517). Fokussiert man einzelne Länder, kann man auch zu verschiedenen Eckdaten kommen. So endete die Antike am Rhein oder in Britannien sicher früher als etwa in Syrien. Und so war zum Beispiel um 1420 in Italien bereits das Zeitalter der Renaissance angebrochen, während man zur gleichen Zeit in England mit gutem Grund noch vom Mittelalter spricht. Mittelalter bezieht sich in erster Linie auf die Geschichte des christlichen Abendlands vor der Reformation - der Begriff wird kaum im Zusammenhang mit außereuropäischen Kulturen verwendet.

Die Einteilung in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter

Man kann das Mittelalter grob in 3 Phasen gliedern:
- Frühmittelalter (Mitte 6. Jahrhundert bis Anfang 11. Jahrhundert)
- Hochmittelalter (Anfang 11. Jahrhundert bis ca. 1250)
- Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500)

Frühmittelalter

In das Frühmittelalter fällt unter anderem auch die Zeit der Völkerwanderung, wobei die Forschung aber mittlerweile dazu tendiert, diese aus dem Mittelalter herauszunehmen, sie als Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter zu sehen und der Spätantike zuzurechnen. Weitere einschneidende Entwicklungen sind die weitgehende Christianisierung Europas, der Aufstieg des Fränkischen Reiches, der Einfall der Wikinger, der Beginn des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und die Kämpfe zwischen Kaisertum und Papsttum. Außerdem wirkt der Aufstieg des Islam und sein schnelles Ausgreifen bis nach Europa prägend. Wirtschaftlich stellt das Frühmittelalter eine Zeit der Naturalwirtschaft dar, wobei besonders das System der Grundherrschaft herauszustellen ist. Wesentliche Kulturträger sind das Byzantinische Reich, die Klöster, insbesondere die des Benediktinerordens, sowie die Gelehrten des arabisch-muslimischen Kulturkreises. Siehe auch Hauptartikel: Frühmittelalter.

Hochmittelalter

Das Hochmittelalter ist die Blütezeit des Rittertums und des römisch-deutschen Kaiserreichs, des Lehnswesens und des Minnesangs. Es ist auch die Epoche der Auseinandersetzung zwischen weltlicher und geistlicher Macht im Investiturstreit, welcher die Einsetzung mehrerer Gegenpäpste zur Folge hatte. Innerhalb der Scholastik wird Aristoteles zur wichtigsten nicht-christlichen Autorität. Der Einfluss der Kirche zeigt sich vor allem an den Kreuzzügen gegen den Islam, denen auch Juden zum Opfer fallen. Im Zuge der Kreuzzüge entwickelt sich ein Fernhandel mit der Levante, von dem insbesondere die italienischen Stadtstaaten profitieren. Die Geldwirtschaft gewinnt gegenüber der Naturalwirtschaft immer stärker an Bedeutung. Die wichtigsten Orden des Hochmittelalters sind neben den Zisterziensern die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner. Im Hochmittelalter entsteht das Zunftwesen, das die sozialen und wirtschaftlichen Vorgänge in den Städten stark prägt. Siehe auch Hauptartikel: Hochmittelalter.

Spätmittelalter

Hochmittelalter]] Das Spätmittelalter ist die Zeit des aufsteigenden Bürgertums der Städte und der Geldwirtschaft. In dieser Zeit steigt die Hanse zur Handelsmacht auf. Seit etwa 1280 bis einige Jahrzehnte nach der "Großen Pest" (Schwarzer Tod) in der Zeit von 1349 bis 1351 macht die europäische Geschichte einige krisenhafte Entwicklungen, die zu einem starken Bevölkerungsrückgang (Wüstung, Pest) führen, aber auch zu starken Veränderungen der Gesellschaftstruktur, die allmählich zur Neuzeit überleiten (siehe auch: Krise des 14. Jahrhunderts). Siehe auch Hauptartikel: Spätmittelalter.

Ende des Mittelalters

Als wesentlich für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit betrachtet man im Allgemeinen die Zeit der Renaissance (je nach Land spätes 14. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert), die Entdeckung insbesondere der Neuen Welt durch Christoph Kolumbus 1492, die Erfindung des Buchdrucks 1450 und die damit beschleunigte Verschriftlichung des Wissens, den Verlust des Einflusses der institutionalisierten katholischen Kirche und den Beginn der Reformation. Diese Ereignisse sind alle rund um die Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert anzusiedeln. Auch die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen (1453) wird als ein Ereignis genannt, das das Ende des Mittelalters markiert. Dies ist nicht nur eine zeitlich passende Vereinfachung, sondern hat einige Berechtigung, weil mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches das letzte lebendige Überbleibsel der Antike unterging. Des Weiteren war der dadurch ausgelöste Strom byzantinischer Flüchtlinge und Gelehrter nach Italien hauptverantwortlich für den Beginn der Renaissance. Darüber hinaus wurden die Handelsrouten nach Asien durch die Ausbreitung des Osmanischen Reiches blockiert, so dass westeuropäische Seefahrer neue Wege erkundeten. Dabei wurde unter anderem Amerika entdeckt – zumindest war es das erste Mal, dass die Existenz Amerikas innerhalb weniger Jahre in ganz Europa bekannt wurde. Auf musikalischem Gebiet ist das Ende des Mittelalters am besten mit der Umstellung von Quint-Oktavklängen zu terzhaltigen Harmonien zu bestimmen. Die englischen Komponisten waren hier sehr früh (Anonymus 4 spricht bei dieser Entwicklung auf dem Kontinent sogar direkt von englischem Einfluss); vor allem Dunstable ist hier zu nennen. Ab ca. 1430 lässt sich dieser Wandel in Italien dingfest machen, wobei terzhaltige Klänge nicht sofort die reinen Intervalle als Ruhepole der Komposition ablösten und vor allem am Schluss einer Komposition das ganze 15. Jahrhundert hindurch noch der Klang ohne Terz bevorzugt wurde.

Der Begriff Mittelalter

Der Begriff Mittelalter, erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen Humanisten benutzt, hatte schon von Beginn an eine negative Bedeutung, weil sie das Mittelalter als „dunkle“ Epoche zwischen der Antike und ihrer Zeit ansahen, in der antike Traditionen wiedergeboren wurden. Aber erst im 17. Jahrhundert wurde diese Einteilung endgültig vorgenommen. Demnach begann das Mittelalter mit dem Ende des Weströmischen Reiches im Jahre 476 und endete mit der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 durch die Osmanen. Im Englischen spricht man für den Zeitraum nach Ende der römischen Besatzung bis etwa zur Zeit König Alfreds von Wessex, also für die Zeit der Einwanderung der Angeln, Sachsen und Jüten, aufgrund der mangelhaften schriftlichen Quellen von „The Dark Ages“. Noch heute bezeichnen wir eine Denkweise als „mittelalterlich“, wenn wir sie als starr und veraltet kritisieren wollen. Auch die umgangssprachliche Wendung „Rückkehr ins Mittelalter“ ist negativ besetzt. In der Romantik wurde das Mittelalter allerdings auch wieder positiver gesehen, teilweise auch systematisch verklärt. In der modernen Forschung werden die originären Leistungen des Mittelalters und die wenigstens teilweise vorhandene Kontinuität der antiken Kultur betont. Der bekannte und angesehene französische Mediävist Jacques Le Goff betonte erst jüngst die Geburt Europas im Mittelalter.

Sonstiges

In der japanischen Geschichte wird die Zeit von ca. 1200 bis ca. 1600 als Mittelalter bezeichnet. Diese Epoche zeichnete sich durch eine starke Dominanz des Buddhismus und des Feudalismus aus.

Siehe auch


- Portal:Mittelalter

Literatur

Wichtige Quellen sind im großen Umfang gesammelt in der Monumenta Germaniae Historica. Siehe auch die dt.-latein. Ausgaben der Freiherr-vom-Stein Gedächtnisausgabe (FSGA). Wichtige Quellen stellen u.a. neben der Geschichtsschreibung auch Constitutionen und andere Aktenquellen sowie Regesten dar. Eine hervorragende Bibliographie findet sich [http://www.histsem.uni-bonn.de/proseminar/lsma15.htm hier (erstellt vom Historischen Seminar der Uni. Bonn)] sowie [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/tutorium/literatur/literatur.htm hier (Uni. Tübingen; umfangreiche Liste mit Quellen- und Literaturangaben)]. Ansonsten sei auf die Angaben im Lexikon des Mittelalters oder den Bibliographien der unten aufgeführten Werke verwiesen.

Nachschlagewerke


- The New Cambridge Medieval History, Cambridge 1995 ff. Noch im Entstehen begriffen, mit hervorragender Bibliographie.
- Lexikon des Mittelalters, 9 Bde., Ausgabe des dtv-Verlags, München 2002 (in Hardcover München-Zürich 1980-1998). Grundlegendes Werk

Sekundärliteratur


- Hartmut Boockmann: Einführung in die Geschichte des Mittelalters, mehrere Neuauflagen, München 2001. Wohl die beste strukturelle Einführung ins Mittelalter, mit guten bibliographischen Angaben.
- Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter, Frankfurt/M., Berlin 1988 ISBN 3-548-34004-0
- Arno Borst: Barbaren, Ketzer und Artisten: Welten des Mittelalters, München 1988 ISBN 3-492-03152-8
- Fischer Weltgeschichte, Mittelalter und frühe Neuzeit (4 Bände) ISBN 3596507324
- Horst Fuhrmann: Einladung ins Mittelalter, Verlag C. H. Beck, München 1987 ISBN 3-406-32052-X
- Horst Fuhrmann: Überall ist Mittelalter : von der Gegenwart einer vergangenen Zeit, Verlag C. H. Beck, München 1996 ISBN 3-406-40518-5
- Friedrich Heer: Mittelalter. Von 1100 bis 1350, Zürich 1964

Weblinks


- [http://www.erlangerhistorikerseite.de/ma_resso.html Virtuelle Bibliothek – Geschichte / Mittelalterliche Geschichte (Internet-Ressourcen der Erlanger Historikerseite)]
- [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/indexstart.htm Historisches Seminar der Universität Tübingen, Abteilung für Mittelalterliche Geschichte (zahlreiche Links und Materialsammlungen)]
- [http://netzwerk.wisis.de/text/42.htm Mittelalter - SUSAS Netzwerk für Wissensweitergabe - Ausführliche Texte und zahlreiche Erklärungen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Ereignisgeschichte]
- [http://www.genealogie-mittelalter.de/ Genealogie Mittelalter] Mittelalterliche Genealogie im Deutschen Reich bis zum Ende der Staufer
- DER SPIEGEL: [http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltraum/0,1518,381627,00.html Wie die Erde zur Scheibe wurde] - das Bild vom rückständigen Mittelalter als moderner Mythos !Mittelalter Kategorie:Zeitalter ja:中世 simple:Middle Ages

1140

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- König Roger von Sizilien genehmigt die erste überlieferte Studienordnung für Medizin Schulmedizin.
- Erste urkundliche Erwähnung von Lunden, Mönsheim und Rippoldsau.
- Gründung der Abtei Seckau durch Adalram von Waldeck.
- Heinrich Jasomirgott wird Pfalzgraf bei Rhein.
- 21. Dezember: König Konrad III. erobert die Burg Weinsberg nach langer Belagerung. Die Frauen tragen ihre Männer aus der Burg und retten ihnen so das Leben. Die Frauen werden als Treue Weiber von Weinsberg, die Burg als Weibertreu bekannt.

Geboren


-

Gestorben


- 14. Februar - Sobeslav I., Herzog von Böhmen aus dem Geschlecht der Premysliden (
- um 1090) ko:1140년

Paris

Paris (dt. [], frz. []) ist die Hauptstadt Frankreichs und der Region Île-de-France. Der Fluss Seine teilt die Stadt in einen nördlichen Teil (rive droite „rechtes Seineufer“) und einen südlichen Teil (rive gauche „linkes Seineufer“). Paris hat im separat verwalteten Stadtgebiet offiziell 2.138.551 Einwohner, in der Agglomeration leben 11.564.680 Menschen (Stand jeweils 1. Januar 2005). Die außerhalb der Ringautobahn (französisch boulevard périphérique, umschließt die 20 arrondissements) liegenden Ortschaften der Banlieue sind selbständig verwaltet und zählen dadurch nicht zur Stadt Paris im verwaltungsrechtlichen Sinne. Paris ist eine der bedeutendsten Weltstädte und das überragende politische, wirtschaftliche sowie kulturelle Zentrum eines zentralistisch organisierten Landes und sein größter Verkehrsknotenpunkt (unter anderem mit drei Flughäfen und sechs Kopfbahnhöfen). Paris ist auch UN-Stadt (UNESCO).

Geografie

Geografische Lage

UNESCO UNESCO] Die Stadt liegt im Zentrum des Pariser Beckens durchschnittlich 65 Meter über dem Meeresspiegel. Sie ist umgeben von großen Wäldern, die der Bevölkerung als Naherholungsgebiete dienen. Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 105,4 Quadratkilometern. Die höchste natürliche Erhebung innerhalb der Stadtgrenzen ist der Hügel Butte Montmartre mit einer Höhe von 129 Metern.

Stadtgliederung

Im Jahre 1790 wurde Paris Verwaltungssitz des Départements Seine (75). Seit der Neugliederung der Départements der Île-de-France im Jahre 1968 ist Paris gleichzeitig Stadt und Département. Die Stadt ist in 20 nummerierte Gebiete aufgeteilt, die Arrondissements genannt werden und die Postleitzahlen 75001 bis 75020 tragen. Jedes Arrondissement besteht aus vier Quartiers. Die Arrondissements von Paris sind: Louvre, Bourse, Temple, l'Hôtel de Ville, Panthéon, Luxembourg, Palais Bourbon, l'Élysée, l'Opéra, l'Entrepôt, Popincourt, Reuilly, Gobelins, l'Observatoire, Vaugirard, Passy, Batignolles-Monceaux, Butte-Montmartre, Buttes-Chaumont und Ménilmontant.

Klima

Paris befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 10,6 Grad Celsius und die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge 639 Millimeter. Der wärmste Monat ist der Juli mit 18,4 Grad Celsius im Mittel, der kälteste der Januar mit durchschnittlich 3,4 Grad Celsius. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Juni mit 65 Millimeter im Mittel, der wenigste im Februar und April mit jeweils durchschnittlich 45 Millimeter.

Geschichte

April]] Die Stadt entwickelte sich seit Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. aus der keltischen Siedlung Lutuhezi des Stammes der Parisier auf der Seine-Insel, die heute Île de la Cité heißt. Der erste Bestandteil des Namens stammt von der keltischen Wurzel luta „Sumpf“, so dass der gesamte keltisch-römische Name Lutetia Parisiorum, also „Sumpfebene der Parisier“ bedeutet. Der Hinweis auf den Sumpf ging im Laufe der Zeit verloren. Nach der Eroberung der Siedlung durch die Römer im Jahr 52 v. Chr. brannten die Parisii ihr Inselfort nieder und überließen es den Römern. Diese bauten die Stadt als Lutetia wieder auf und dehnten die nunmehr befestigte Stadt auf das linke Seineufer aus. Dort entstanden Thermen, ein Forum und ein Amphitheater. Die Stadt wurde im römischen Reich als Civitas Parisiorum oder Parisia bekannt, blieb aber im besetzten Gallien zunächst recht unbedeutend. 52 v. Chr. Im 5. Jahrhundert wurde die römische Herrschaft durch die Merowinger beendet. Im Jahre 508 ist Paris Hauptstadt des Merowingerreiches unter Chlodwig I. (466-511) geworden. Danach wurde sie unter einem seiner Söhne zu einem fränkischen Teilkönigreich Paris. Während der Karolingerherrschaft überfielen die Normannen wiederholt die Stadt. Die Kapetinger machten Paris zur Hauptstadt Frankreichs. Philipp II. Augustus (1165-1223) ließ die Stadt befestigen. 1190 wurden eine Mauer am rechten Ufer der Seine und im Jahre 1210 ein Wall am linken Ufer errichtet. Zu jener Zeit gab es am rechten Seineufer zahlreiche Händler. Auf Veranlassung Philipp II. entstand am westlichen Stadtrand der Louvre. 1181 ist die erste überdachte Markthalle eröffnet worden und 1301 ist auf der Île de la Cité ein Königspalast gebaut worden. Die Sorbonne im Süden von Paris hat sich aus mehreren kleinen Schulen entwickelt. Karl V. (1338-1380) ließ am linken Seineufer die Mauer zum Schutz der Stadt vor den Engländern erneuern. 1370 ist auf seine Veranlassung am rechten Ufer, wo heute die grands boulevards verlaufen, ebenfalls eine Mauer errichtet worden. Während des Hundertjährigen Krieges war Paris von 1420 bis 1436 von englischen Streitkräften besetzt. 1436] Während der Hugenottenkriege zwischen 1562 und 1598 blieb die Stadt in katholischem Besitz. In der Bartholomäusnacht am 24. August 1572 sind in Paris Tausende von Hugenotten ermordet worden. Auf Veranlassung Ludwig XIV. (1638-1715) sind Straßenbeleuchtungen angebracht, die Wasserversorgung modernisiert und die Krankenhäuser Invalides und Salpêtrière erbaut worden. Er ließ die Stadtmauern von Paris abtragen und an deren Stelle die „Großen Boulevards“ errichten. Die Residenz des Königs wurde nach Versailles verlegt. Dennoch blieb Paris das politische Zentrum Frankreichs, was auf seine hohe Bevölkerungszahl und seine führende wirtschaftliche Rolle im Land zurückzuführen war. Als im Jahre 1789 die Französische Revolution ausbrach, war es die Bevölkerung von Paris, die den Weg zur Abschaffung der Monarchie und zur Einführung der ersten französischen Republik ebnete. 1844 ist zu Verteidigungszwecken an Stelle des heutigen Boulevard Périphérique eine neue Stadtbefestigung errichtet worden. Diese hatte eine Länge von 39 Kilometern und ist mit ihren 94 Bastionen und 16 Forts die größte Befestigungsanlage der Welt gewesen. Paris war in den Jahren 1855, 1867, 1878, 1889, 1900 und 1937 Veranstaltungsort von sechs Weltausstellungen, welche die kulturelle und politische Bedeutung der Stadt unterstrichen. Nach dem Niedergang des 2. Kaiserreiches und der Einnahme der Stadt durch deutsche Truppen erhob sich 1871 die so genannte Pariser Kommune, die sich aus Arbeitern, Handwerkern und Kleinbürgern zusammensetzte, gegen die konservative provisorische Regierung der Republik. Paris erlebte zwischen 1871 und 1914 eine Blütezeit in der belle époque. Am Gare de Lyon, der Pont Alexandre III. und den U-Bahnstationen ist der Stil dieser Zeit beispielhaft zu erkennen. 1921 hatte Paris mit knapp drei Millionen die höchste Einwohnerzahl seiner Geschichte erreicht. Der städtische Wohnungsbau konnte mit der Nachfrage nicht mehr Schritt halten. Während des 2. Weltkrieges war die Stadt zwischen 1940 und 1945 von der deutschen Wehrmacht besetzt. 1968 kam es in der Stadt zu Studentenrevolten und Massenstreiks. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Paris zu einer multikulturellen, kosmopolitischen Stadt. Kamen anfangs noch Italiener, so gibt es mittlerweile eine kulturelle Vielfalt, die in einigen Gegenden die Quartiers dominiert. Sehr bekannt sind vor allem das ostasiatisch-chinesisch geprägte 13. Arrondissement und das afrikanisch-maghrebinisch geprägte 18. Arrondissement. Darüber hinaus gibt es auch jüdisch, japanisch und tamilisch dominierte Viertel. 2005 kommt es zu großen Ausschreitungen von Randalierern in den Vorstädten von Paris, die sich zu einem Flächenbrand über ganz Frankreich ausweiteten.

Einwohnerentwicklung

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1784 handelt es sich um Schätzungen, von 1790 bis 1999 um Volkszählungsergebnisse und 2005 um eine Berechnung. Ausschreitungen

Politik

Städtepartnerschaften

Paris unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften. In Klammern das Jahr der Etablierung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Siehe auch: Sehenswürdigkeiten in Paris

Theater

Sehenswürdigkeiten in Paris Die wichtigsten Musical- und Theaterensembles des Landes haben ihren Sitz in Paris. Die Comédie-Française oder Théâtre français ist ein Nationaltheater mit vorwiegend klasssischem Repertoire in der Tradition von Molière. Es entstand 1680; berühmte Schauspieler waren unter anderem Sarah Bernhardt und Jean-Louis Barrault. Weitere Theater sind das Moulin Rouge, das Théâtre des Bouffes-Parisiens, das Théâtre des Champs-Elysées und das Théâtre Feydeau.

Museen

Die Vielzahl bedeutender Museen in Paris ist einzigartig. Der 1793 eröffnete Louvre mit über 30000 Exponaten von der Antike bis zum Ende des 19. Jhds zählt zu größten und wichtigsten Museen der Welt. In einem ehemaligen Bahnhof am linken Seineufer befindet sich seit 1986 das Musée d'Orsay, welches gemalte und plastische Werke von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg beherbergt. Das 1977 eröffnete Centre National d’Art et de Culture Georges-Pompidou (Centre Pompidou) ist eine der touristischen Hauptattraktionen der Stadt. Im Jahre 1985 ist das Picasso-Museum, das die weltweit größte Sammlung von Werken des Künstlers beherbergt, eröffnet worden. Es ist im Hôtel Salé untergebracht. Anfang des Jahres 1997 öffnete das Musée de la Musique seine Tore für die interessierte Öffentlichkeit.

Bauwerke


- Straßen und Plätze Die Avenue des Champs-Élysées ist die wahrscheinlich berühmteste Straße der Welt. Der 71 Meter breite Boulevard bildet das Rückgrat einer einzigartigen südöstlich-nordwestlichen Sichtachse, die beim Louvre und den Tuilerien beginnt, der Place de la Concorde und den Arc de Triomphe umfasst und bis zur Grande Arche im neuen westlichen Stadtteil La Défense reicht. Der Place de la Concorde ist der größte und letzte der Königsplätze von Paris. Ab 1755 errichtet, war während der Revolutionszeit auf dem in Place de la Révolution umbenannten Platz die Guillotine aufgestellt. Seit 1836 wird der Platz vom Obelisk von Luxor dominiert. Neben dem 23 Meter hohen Obelisken befinden sich zwei aufwändig gestaltete Brunnen. Der Place des Vosges ist ein unter Heinrich IV. angelegter quadratischer Platz im Distrikt Marais. Der Platz bietet heute ein einzigartig geschlossenes Ensemble von Bauten des frühen 17. Jahrhunderts. Das Ensemble der Place Vendôme wurde für den „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. zwischen 1690 und 1720 erbaut. Der von einem geschlossen erhalten gebliebenen, harmonisch angeordneten Palais umfasste Platz wird heute von einer 44 Meter hohen Triumphsäule dominiert, die Napoléon Bonaparte 1806 errichten ließ. Der Pont Neuf (Neue Brücke) ist die älteste noch erhaltene Brücke über die Seine. Auf dem Place Igor Strawinsky neben dem Centre Pompidou sieht man den bekannten Strawinsky-Brunnen von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle.
- Weltliche Bauwerke Niki de Saint Phalle]] Das Wahrzeichen der Stadt ist der Eiffelturm, eine Stahlkonstruktion aus dem Jahre 1889, die für die Weltausstellung eigentlich nur temporär errichtet werden sollte. Der Triumphbogen wurde von 1806 (unter Napoléon) bis 1836 (unter Louis-Philippe) errichtet. Als Inspiration diente der allerdings deutlich kleinere Titusbogen in Rom. Das Hôtel de Ville ist das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete neoklassizistische Rathaus von Paris. Paris hat eine Reihe kunstgeschichtlich bedeutender Adelspaläste, ehemalige Stadtresidenzen bedeutender Adliger, Prälaten und Ministerialen. Erhalten sind zahlreiche Bauwerke aus dem späten 15. bis 18. Jahrhundert, insbesondere in den Distrikten Marais und St-Germain-des-Près. Das Panthéon, errichtet von 1764 bis 1790, wechselte mehrmals seine Bestimmung: Als Kirche konstruiert, wurde der Kuppelbau nach der französischen Revolution 1789 zur nationalen Ruhmeshalle erklärt. Nach mehreren Umwidmungen im 19. Jahrhundert ist sie seit 1885 erneut Ruhmeshalle Frankreichs. Entsprechend illuster ist die Liste hier beigesetzten Personen: Voltaire, Victor Hugo, Émile Zola, Jean-Jacques Rousseau, Marie Curie. 1849 gelang dem Physiker Foucault mit dem nach ihm benannten Pendel hier der empirische Nachweis der Erdrotation. Das Pendel befindet sich heute in der Kapelle des Musée des arts et métiers. Im ausgehenden 19.Jahrhundert entstand auch der so typische Pariser Haussmann-Stil. Die Sorbonne ist die älteste Universität nördlich der Alpen. Sie wurde im 13. Jahrhundert im Quartier Latin gegründet. An der Universität studierten und lehrten einige der bedeutendsten Philosophen des Mittelalters. Der heutige Bau der Sorbonne wurde 1885 bis 1901 errichtet. Im seit Ende der 1950er Jahre im Westen von Paris entstandenen Büro- und Geschäftsviertel La Défense, in dem Wolkenkratzer dominieren, befindet sich als westliche Fortführung der berühmten Pariser Achse die so genannte Grande Arche. Der gigantische, 110 Meter hohe Kubus des dänischen Architekten Johann Otto von Spreckelsen wurde 1989 eingeweiht. Der Elysée-Palast ist der Amtssitz des französischen Präsidenten. Das [http://fr.wikipedia.org/wiki/Grand_Palais| Grand Palais] war Ausstellungshalle zur Weltausstellung vergleichbar mit dem Londoner Spiegelpalast. Im Unterschied dazu - er steht noch.
- Kirchen Elysée-Palast] Die ehemalige Abteikirche Saint-Denis nördlich von Paris war seit dem 8. Jahrhundert Grablege fast aller französischen Könige. Der 1147 begonnene Neubau der Klosterkirche markierte überdies den Beginn der Gotik. Die Kathedrale Notre-Dame de Paris gilt allgemein als der Inbegriff frühgotischer Baukunst. Sie wurde als Bischofskirche im 12. und 13. Jahrhundert auf der Île de la Cité erbaut und erreicht eine Höhe von 69 Metern. Die gotische Kirche Sainte-Chapelle, in einer kurzen Zeitspanne in den 1240er Jahren entstanden, liegt gegenüber von Notre-Dame auf der Île de la Cité. Sie diente dem König als Aufbewahrungsort für religiöse Reliquien. Der Invalidendom wurde im 17. und 18. Jahrhundert errichtet. Die prächtige Kuppelkirche dient als Grabstätte bedeutender französischer Feldherren, darunter Napoléon, der 1840 hierher überführt wurde. Die zwischen 1876 und 1914 im Zuckerbäckerstil errichtete Kuppelkirche Sacré-Cœur befindet sich weithin sichtbar auf dem Hügel Montmartre. Im Quartier Latin befinden sich St. Séverin-et-St-Nicolas, St. Julien-le-Pauvre und St. Etienne-du-Mont, im Marais Temple des Filles de la Visitation Sainte-Marie, St. Paul-et-St-Louis und St-Gervais-et-St-Protais sowie im Stadtteil St-Germain-des-Prés die Kirchen St. Germain-des-Prés und St. Sulpice. Weitere bedeutende Kirchen in Paris sind St. Nicolas-des-Champs, St. Martin-des-Champs, St. Eustache, St. Germain-l'Auxerrois, St. Roch, Ste-Marie-Madeleine, Chapelle Expiatoire, St. Augustin und Ste-Trinité.
- Friedhöfe Zu den bekanntesten religiösen Bauwerken zählen in Paris auch die neuen Friedhöfe, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts die alten ersetzten. Außerhalb der damaligen Grenzen der Hauptstadt wurden der Cimetière de Montmartre im Norden, der Cimetière du Père Lachaise im Osten, der Cimetière du Montparnasse im Süden, sowie im Zentrum der Stadt der Cimetière de Passy angelegt. Die Bekanntheit dieser Friedhöfe beruht im Wesentlichen darauf, dass hier eine große Anzahl von berühmten Persönlichkeiten beerdigt sind.
- Hotels Paris ist bekannt für seine vornehmen und eleganten Hotels, die hauptsächlich um die „Tuilerien“ und die „Place Vendôme“ angesiedelt sind. Hier findet man beispielsweise das berühmte „Hotel Ritz“, das „George V“ oder aber das „Hotel Intercontinental“ mit seinem repräsentativen Patio. Natürlich findet man aber Hotels und Unterkünfte in fast allen Preisklassen. Besonders reizvoll sind die kleinen Stadthotels mit dem berühmten Pariser Charme, auf die man oft ganz unverhofft trifft. Für all diejenigen, die für mehr als drei Monate nach Paris kommen, bietet sich die Anmietung eines „m