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Gotische Sprache
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Die Gotische Sprache ( - gutiska razda, 𐌲𐌿𐍄𐌹𐍃𐌺) ist eine von dem germanischen Stamm der Goten gesprochene ostgermanische Sprache und dank der Wulfilabibel die älteste uns überlieferte germanische Schriftsprache.
Das Gotische unterscheidet sich vom Gemeingermanischen v.a. durch das Ausfallen der Endungsvokale bei den a- und bei den i-Stämmen (bei letzteren nur bei vorausgehendem langen Vokal), daher wurde z.B. aus germanisch - stain-az gotisch stain-s ("Stein") und aus germanisch - gast-iz das gotische Wort gast-s ("Gast").
Geschichte
Im 4. Jahrhundert übersetzte der gotische Bischof Wulfila die Bibel ins Gotische (Wulfilabibel), daneben gibt es noch ein paar andere gotische Sprachzeugnisse, nämlich wenige Runeninschriften, die Skeireins (Bibelauslegungen), ein Bruchstück eines Kalenders und ostgotische Urkundenunterschriften aus dem 6. Jahrhundert.
Nach dem Ende der gotischen Reiche (Ostgotenreich in Italien 493 - 555 und das Westgotenreich in Spanien 466 - 711) ging auch die gotische Sprache weitgehend verloren, wobei im westgotischen Spanien bereits seit dem Übertritt der gotischen Herrenschicht (nur etwa 2-3% der Bevölkerung waren Goten) vom Arianismus zum Katholizismus und der damit einhergehenden Vermischung der verschiedenen Volksgruppen (Romanen, Goten, Sweben, Kelten) unter König Rekkared I. (regierte 586 - 601) der Gebrauch der gotischen Sprache zugunsten der frühspanischen Umgangssprache zurückging.
Nur auf der Halbinsel Krim, bei dem dort zurück gebliebenen Teil der Ostgoten, den späteren Krimgoten, konnte sich das Krimgotische von der Einwanderung Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. bis in das 17. Jahrhundert halten, als es endgültig von der tatarischen Sprache verdrängt wurde. Umstritten sind Zusammenhänge der gotischen Sprache mit skandinavischen Sprachen, die in der Regel mit der in der gotischen Stammessage angegebenen Herkunft aus Südschweden (siehe Scandza) in Zusammenhang gebracht werden. Immerhin gibt es auffällige Ähnlichkeiten im Wortschatz des Schwedischen (insbesondere des auf Gotland gesprochenen Dialekts Gutamål) und des Gotischen.
Grammatik
Das Gotische besitzt vier Fälle (Kasus) (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ), in einigen Formen taucht noch ein fünfter Fall (Kasus), nämlich der Vokativ auf. Er verschmilzt jedoch im Gotischen schon immer mehr mit dem Nominativ. Desweiteren besitzt das Gotische zwei Zeiten (Tempora) (Vergangenheit und Nicht-Vergangenheit) und bei einem Teil der Wörter drei Numeri (Singular, Plural, Dual).
Lautlehre
Das Gotische kennt die Kurzvokale
- /ĭ/ <i>
- /ĕ/ <ai>
- /ŭ/ <u>
- /ŏ/ <au>
- /ă/ <a>.
Die Langvokale sind
- /ī/ <ei>
- /ē/ <e>
- /ū/ <u>
- /ō/ <o>
- /ā/ <a>.
Von den germanischen Diphthongen ist nur
- /iu/ <iu>
übrig geblieben.
Lautlich ist vom Germanischen (germ.) zum Gotischen (got.) weniger passiert als zu den übrigen altgermanischen Sprachen. Es handelt sich um die folgenden Lautgesetze:
- germ. ĕ > got. ĭ (auch im Diphthong /eu/ > /iu/)
- germ. /ĭ/ und /ĕ/ brechen vor r, h und ƕ; zu /ĕ/, bzw. /ŏ/.
- Auslautverhärtung:
- Verschärfung
Wortbildung
Formenlehre
Syntax
Verben
Die Mehrzahl der gotischen Verben werden nach dem urindogermanischen Prinzip der sogenannten "thematischen" Konjugation konjugiert, da sie einen Vokal, der von den rekonstruierten urinodgermanischen Phonemen - e oder - o zwischen Wurzeln und Flexionssuffixen einsetzen. Die andere, die "athematische" Konjugation, wo Suffixe direkt an die Wurzel angefügt werden, existiert im Gotischen, wie auch auf griechisch und Latein, kaum noch, die einzigen Beispiele für eine athematische Konjugation sind das englische Verb "to be" und das lateinische "esse", die beide "sein" bedeuten, und deren verwandte Formen auch auf griechisch, Sanskrit und vielen anderen indogermanischen Sprachen athematisch sind.
Gotische Verben sind, wie auch Substantive und Adjektive, entweder schwach oder stark. Schwache Verben haben Präteritumformen -da or -ta, gegenüber den Präteritumformen auf -þ / -t. Starke Verben verwenden einen Umlaut, schwache nicht. Dies ist auch in den modernen germanischen Sprachen noch so.
Sprachbeispiel
Gotisch:
Atta unsar, þu in himinam, weihnai namo þein. Qimai þiudinassus þeins. Wairþai wilja þeins, swe in himina jah ana airþai. Hlaif unsarana þana sinteinan gif uns himma daga. Jah aflet uns þatei skulans sijaima, swaswe jah weis afletam þaim skulam unsaraim. Jah ni briggais uns in fraistubnjai, ak lausei uns af þamma ubilin. Unte þeina ist þiudangardi jah mahts jah wulþus in aiwins.
Übersetzung:
Vater unser, du im Himmel, geweiht (sei) dein Name. Komme dein Reich. Werde dein Wille, so wie im Himmel auch auf der Erde. Unseren Laib (Brot), den täglichen, gib uns heute. Auch vergib uns, (für den Fall) dass wir Schuldner seien, so wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. Und bringe uns nicht in Versuchung, aber (er-) löse uns von dem Übel. Denn dein ist das Königreich und die Macht und die Herrlichkeit in Ewig(-keit).
Hinweis: þ wird wie englisches th gesprochen.
Siehe auch
Codex Argenteus – Gotisches Alphabet - Wulfilabibel
Wiki-Links
Weblinks
- [http://www.wulfila.be Project Wulfila]
- [http://www.gotica.de Gotische Miszellen]
- [http://www.gotisch.de Ein kostenloser Gotischsprachkurs]
- [http://www.wulfila.be/lib/streitberg/1920/ Das "Gotische Elementarbuch" von Wilhelm Streitberg im Faksimile]
Kategorie:Einzelsprache
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Schriftart
Das gotische Alphabet ist eine alphabetische Schrift, die der gotische Bischof Wulfila im 4. Jahrhundert zur Übersetzung der Bibel in die gotische Sprache entwickelt hat (Wulfilabibel).
Die gotische Schrift beruht in ihrer ganzen Anlage auf dem griechischen Alphabet. Dieses lieferte nicht nur die grundsätzliche Buchstabenreihenfolge und das Prinzip der Zahlenschreibung mit Buchstaben, sondern auch die meisten Zeichenformen. Einzelne Buchstaben jedoch für Laute, die das Griechische nicht kennt, stammen aus der lateinischen Schrift und aus der Runenschrift. Die Buchstaben tragen Namen - gewöhnlich ein Wort, das mit dem entsprechenden Laut beginnt. Dieses Prinzip ist aus den griechischen und lateinischen Schriftsystemen nicht bekannt (Namen wie alpha, beta bedeuten im Griechischen nichts), sondern ist ein Kennzeichen der Runenschrift.
Lautwert, Reihenfolge und Namen der Buchstaben sind durch eine Alkuin-Handschrift aus dem 9. Jahrhundert überliefert. Demnach gab es 25 Buchstaben mit Lautwert und - genau wie im Griechischen - zwei weitere, die nur einen Zahlenwert besaßen (90 und 900). Die Namen der Buchstaben zeigen eine Kontamination zwischen spätgotischen und jüngeren westgermanischen Lautungen. Aus den überlieferten Formen können jedoch 'klassisch' gotische Formen rekonstruiert werden, die in vielen Fällen die sprachhistorisch genauen Entsprechungen zu den anderweitig überlieferten altgermanischen Runennamen bilden. Damit scheint sicher, daß bei der Konzeption der Schrift auch das gesamte Runenalphabet als ideeller Ausgangspunkt präsent war. Nur die Buchstabennamen ezec, thyth, laaz, quertra, uuaer, möglicherweise auch aza, sind Neuschöpfungen.
In der folgenden Tabelle sind bei den Namen an erster Stelle die nach den Runennamen und den überlieferten Namensformen rekonstruierten gotischen, an zweiter Stelle die überlieferten Namensformen eingetragen.
Hinweise:
- Das Symbol - markiert diejenigen Namenwörter, die in den gotischen Texten sonst nirgends überliefert sind. Ihre Lautgestalt ist nach sprachhistorischen Gesetzmäßigkeiten rekonstruiert, bleibt aber vielfach unsicher.
- Das Zeichen für w stand nicht nur für den gotischen Laut w, sondern auch für das griechische y. So wurde Paulus (griechisch Παυλος) im Gotischen als Pawlos wiedergegeben.
Unicode
Das gotische Alphabet ist in Unicode unter U+10330–U+1034F kodiert. Da ältere Software oft annimmt, dass alle Unicode-Kodepunkte als 16Bit-Zahlen (kleiner als U+10000) ausgedrückt werden können, können Probleme mit der Darstellung des gotischen Alphabetes auftreten.
Literatur
- Wolfgang Krause: Handbuch des Gotischen. München 1968.
- Siegfried Gutenbrunner: Über den Ursprung des gotischen Alphabets. In: PBB 72 (1950), S. 500-508.
- Piergiuseppe Scardigli: Artikel "Gotische Schrift" in: Reallexikon der germanischen Altertumskunde Bd. 12 (1998)
Kategorie:Alphabet
Kategorie:Goten
Ostgermanische SprachenUnter den Ostgermanischen Sprachen versteht man folgende ausgestorbene Sprachen (†) aus der Familie der germanischen Sprachen:
- Burgundisch †
- Gotisch †
- Krimgotisch †
- Suebisch (Suevisch) †
- Vandalisch (Wandalisch) †
Kategorie:Sprachfamilie
Wulfilabibel
Die Wulfilabibel ist eine von Bischof Wulfila (311 bis 383) im 4. Jahrhundert geschaffene Übersetzung der Bibel ins Gotische, wobei die griechische Bibel die Vorlage bildete. Für diese Übersetzung erfand Wulfila die Gotische Schrift, während die Goten bis dahin mit Runen schrieben.
Von der Wulfilabibel sind mehrere Handschriften aus dem 6. - 8. Jahrhundert mit einem großen Teil des neuen Testaments und kleinen Teilen des Alten Testaments erhalten, die hauptsächlich aus Italien stammen. Bei diesen Handschriften handelt es sich um den Codex Argenteus (Evangelien), heute größtenteils in der Universitätsbibliothek in Uppsala aufbewahrt, den Codex Ambrosianus A bis Codex Ambrosianus E (Briefe, Skeireins, Nehemia), den Codex Carolinus (Römerbrief), den Codex Vaticanus Latinus 5750 (Skeireins), den Codex Gissensis (Trümmer des Lukasevangeliums) und die Fragmenta Pannonica, Bruchstücke einer 1mm dicken Metallplatte mit Versen des Johannesevangeliums.
Die Wulfilabibel ist das älteste schriftliche Zeugnis einer germanischen Sprache und daher sehr bedeutend für die Sprachgeschichte.
Text des Vaterunser in der Wulfilabibel (þ wie englisch th):
:atta unsar þu ïn himina
:weihnai namo þein
:qimai þiudi nassus þeins
:wairþai wilja þeins
:swe ïn himina jah ana airþai
:hlaif unsarana þana sin teinan gif uns himma daga
:jah aflet uns þatei skulans sijai ma
:swaswe jah weis afletam þai skulam unsaraim
:jah ni brig gais uns ïn fraistubnjai
:ak lau sei uns af þamma ubilin
:unte þeina ïst þiudangardi
:jah mahs jah wulþus ïn aiwins
:amen
Ausgabe
Wilhelm Streitberg (Hrsg.): Die Gotische Bibel. Band 1. Der gotische Text und seine griechische Vorlage, 7. Aufl., Heidelberg 2000. ISBN 3-8253-0745-X
Weblinks
- [http://www.wulfila.be/gothic/browse/ Text der Wulfilabibel (sehr gut aufbereitet)]
- [http://www.gotica.de Kleinere gotische Fragmente]
Kategorie:Bibel
Kategorie:Bibelausgabe
Kategorie:Kultur (Schweden)
Germanische SprachenDie germanischen Sprachen sind ein Zweig der indoeuropäischen bzw. indogermanischen Sprachfamilie.
Ein charakteristisches lautliches Phänomen bei der Entstehung der germanischen Sprachen sind Veränderungen im Konsonantismus (Lautverschiebungen).
In der folgenden Auflistung werden nur die Eigenarten der größten Sprachgruppen genannt, Dialekte findet man unter dem jeweiligen Extraartikel. Zum Beispiel werden viele niederdeutsche Dialekte nur unter Niederdeutsch bzw. Plattdeutsch im Artikel westgermanische Sprachen aufgeführt.
West- Ost- Nord-Gliederung
Die Sprachgrenze zwischen Nord- und Westgermanisch ist heute durch die deutsch-dänische Grenze markiert und lag früher etwas weiter südlich an der Eider. Innerhalb der beiden großen Sprachgruppen gibt es fließende Übergänge durch lokale Dialekte (fließende Sprachgrenzen).
Westgermanische Sprachen
Unter anderen: Deutsch, Englisch, Niedersächsisch, Niederfränkisch, Niederländisch, Friesisch, Jiddisch (weiteres siehe Westgermanische Sprachen).
Ostgermanische Sprachen
Alle ostgermanischen Sprachen sind ausgestorben (weiteres siehe Ostgermanische Sprachen).
Nordgermanische Sprachen
Schwedisch, Dänisch, Norwegisch, Färöisch und Isländisch (weiteres siehe Nordgermanische Sprachen).
Geschichte
Man geht von einer hypothetischen protogermanischen (vor- oder gemeingermanischen) Sprache als Ursprung aller germanischen Sprachen aus. Heute unterscheidet man die westgermanischen und die nordgermanischen Sprachen, die sich um das 1. Jahrhundert trennten. Schon vorher spaltete sich das ausgestorbene Ostgermanisch ab. Diese Sprachperiode nennt man auch gemeingermanisch.
Nordgermanische Sprachen stammen vom Altnordischen ab. Diese Vorform der heutigen skandinavischen Sprachen ist uns in Runendenkmälern sowie der reichen Literatur des mittelalterlichen Skandinaviens bezeugt. Bereits vor der frühesten Überlieferung der altnordischen Sprache teilte sich diese in Altwestnordisch und Altostnordisch. Aus dem ersten Zweig gingen das heutige Isländische und Färöische hervor, aus dem zweiten Zweig das heutige Dänische und Schwedische.
Aufgrund des jahrhundertelangen Einflusses der dänischen Herrscher auf das Königreich Norwegen gilt dessen heutige Amtssprache Bokmål ebenfalls als ostnordisch, während die Dialekte Westnorwegens, aus denen der Sprachforscher Ivar Aasen die zweite Amtssprache Norwegens, das Nynorsk, schuf, dem westnordischen Zweig angehören.
Siehe auch
- Germanen,
- Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Frühneuhochdeutsch, Neuhochdeutsch
- Germanische Dichtung
Literatur
Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, 3. überarbeitete Auflage, Wiesbaden 1990, Drei Lilien Verlag, ISBN 3-922383-52-1
Weblinks
- [http://www.stefanjacob.de/Geschichte/Unterseiten/Sprache.php Germanisch-deutsche Sprachgeschichte]
- [http://www.linguasphere.net/secure/ip/pdf/zones/52.pdf "The Linguasphere Register", Zone 52- Germanische Sprachen]
Kategorie:Sprachfamilie
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Germanisch
ja:ゲルマン語派
ko:게르만어
4. Jahrhundert
Das 4. Jahrhundert begann am 1. Januar 301 und endete am 31. Dezember 400.
Es ist die Epoche der Spätantike.
Zeitalter/Epoche
- Das Christentum wird im Jahre 380 von Theodosius I. zur Staatsreligion im Römischen Reich erklärt (Edikt Cunctos populos). Doch dadurch kann der rasch voranschreitende Niedergang des Römischen Reiches nicht aufhalten werden.
- Aus Mittelasien wandern die Hunnen nach Osteuropa ein und gründen ein Reich. Sie verdrängen die bisher dort ansässigen Völker und setzen eine Völkerwanderung in Bewegung, die als erstes großes Volk die Goten nach Südeuropa führt.
Ereignisse/Entwicklungen
- eine eigenständige keltische Kirche entsteht und besteht bis in das 6. Jahrhundert fort
- Im ersten Konzil von Nicäa (325) wird der arianisch-athanasische Glaubensstreit zugunsten der athanasischen Trinitätslehre beigelegt und ein verbindliches Datum für das Osterfest festgelegt.
- Das griechische Byzantion wird 326 von Konstantin unter dem Namen Konstantinopel zur Hauptstadt des römischen Reiches und zur Residenz erhoben. Die Verlegung der Hauptstadt bewirkt eine Hellenisierung des römischen Kaisertums, das sich entwickelnde byzantinische Hofzeremoniell umgibt den Kaiser mit einem göttlichen Nimbus.
- die Alte Peterskirche in Rom, die bekannteste frühchristliche Basilika, wird von Papst Silvester geweiht
- Bischof Wulfila schreibt um 360 im östlichen Mitteleuropa für die Goten die Wulfilabibel. Diese Bibelübersetzung ist die älteste schriftliche Überlieferung einer germanischen Sprache, für die Wulfila statt der Runen eine neue Schrift entwickelt. Sie basiert auf griechischen und römischen Buchstaben - mit Runen für jene gotischen Laute, die in keiner der beiden Sprachen vorkamen (beispielsweise englisches th). Von der Wulfilabibel sind aus Italien stammende Handschriften des 6. Jahrhunderts erhalten (Neues Testament und Teile des Alten Testaments). Die bekannteste dieser Abschriften ist der Codex Argenteus, der heute in der Universitätsbibliothek Uppsala aufbewahrt wird.
- In der Schlacht von Adrianopel (378) vernichten die Goten das römische Heer. Kaiser Valens fällt im Kampf, doch kann sein Nachfolger Theodosius das politische Gleichgewicht wieder herstellen. Die Goten besiedeln als autonome Föderaten das heutige Bulgarien.
Persönlichkeiten
- Chrocus (ca.260-3?) war 306 an der Erhebung von Konstantin zum Cäsar beteiligt.
- Konstantin (etwa 280-337), römischer Kaiser (ab 306) aus Mazedonien. Machte Byzanz ("Konstantinopel") zur Hauptstadt des römischen Imperiums und legte damit den Grundstein für die Entstehung eines eigenständigen "Ostreichs". Trug entscheidend dazu bei, dass das Christentum Staatsreligion wurde. Erließ Gesetze zum Schutze von Sklaven und führte erfolgreiche Kriege im Zeichen des Kreuzes
- Axid (etwa 291-347), nordafrikanischer Freiheitskämpfer. Schuf die quasi-kommunistische revolutionäre Bewegung der "Circumcellionen" und kämpfte unter Einbeziehung christlicher Ideale für die ausgebeuteten Sklaven, Bauern und Arbeiter seines Landes. Unterlag gegen das römische Reich
- Ermanarich (305-370), König der Ostgoten ab 350. Einiger der südrussischen Gotenvölker und Reichsgründer. Besiegte Slawen, Finnen und Germanen und auch römische Heere, unterlag jedoch gegen die Hunnen
- Schapur II. (309-379), König von Persien. Bekämpfer des Christentums und Förderer der persischen Zarathustra-Religion. Kämpfte erfolgreich gegen Rom und gegen die Hunnen und konnte so sein Reich vergrößern beziehungsweise erhalten
- Wulfila (lat. Ulfilas; etwa 310-382), erster Bischof der Westgoten (Wisigoten, Terwingen). Er bekehrte sie zum arianischen Christentum. Er erfand eine neue Schrift für die Gotische Sprache, die bisher in germanischen Runen geschrieben worden war. Sie war eine Abwandlung der griechischen Schrift mit einigen lateinischen Buchstaben
- Martin von Tours (lat. Martinus), ( - um 316/317 in Sabaria/Pannonien; † 8. November 397), dritter Bischof von Tours und französischer Nationalheiliger. Er quittierte 356 aus christlicher Überzeugung seinen Kriegsdienst als römischer Offizier und wurde 372 zum Bischof von Tours geweiht. Er gilt als Bindeglied zwischen Rom und dem Frankenreich.
- Ammianus Marcellinus ( - um 330 in Antiochia/Syrien; † um 395), römischer Historiker. Er war neben Prokopios von Caesarea der bedeutendste spätantike Geschichtsschreiber
- Julian II. (etwa 332-363), römischer Kaiser ab 360. Entließ tausende überflüssiger Beamter, senkte die Steuern und ordnete das Unterrichtswesen. Stand als Bewunderer der Philosophie dem Christentum ablehnend gegenüber
- Ambrosius ( - etwa 339 in Trier, † 4. April 397 in Mailand), Kirchenlehrer und Bischof von Mailand
- Theodosius, der 'Gotenfreund' (etwa 347-395), römischer Kaiser spanischer Herkunft (379-395) und letzter Herrscher eines vereinten Römischen Reiches. Nach schwerer Krankheit strenggläubiger Christ, setzte er endgültig das Dreifaltigkeitsdogma von der Göttlichkeit Jesu durch
- Balamir (auch Balamber, etwa 350-404), König der Hunnen. Drang über die Wolga vor und vernichtete das Reich der Alanen an Terek, Kuban und am unteren Don. Er besiegte mit seinen Reiterheeren Ermanarichs neugegründetes Ostgotenreich und zwang es zu Heeresfolge und Tribut. Gründer des ersten Hunnenreichs auf europäischem Boden
- Gratian (etwa 359-383), römischer Kaiser (375-383). Unter dem Einfluss des Ambrosius verzichtet er auf das bisher vom Kaiser bekleidete Amt des "Oberpriesters" und machte das Christentum zur beherrschenden Macht im zerfallenden Reich
- Stilicho (365-380), römischer Feldherr und Staatsmann. Nach dem Tod von Theodosius Regent Westroms. Besiegte Alarich den König der Westgoten und auch ins Reich einfallende Germanen und Ostgoten. Besiegelte mit seinen Gebietsforderung an Ostrom die endgültige Teilung des römischen Reichs
- Alarich I. (etwa 374-410), König der Westgoten. Führer des Aufstands von 391, besiegt Theodosius. Nach wechselndem Kriegsglück der Westgoten Eroberung Roms und Tod 410
Erfindungen und Entdeckungen
- in Indien wird eine Technik zur Rohrzuckergewinnung entwickelt; dabei wird Saft aus dem Zuckerrohr gepresst und durch Kochen eingedickt.
- Muskelkraftantrieb wird durch Wasserkraft ersetzt; um 363 entsteht ein mit Wasserkraft betriebenes Sägewerk an der Ruwer, um 390 wird von Wassermühlen berichtet, die ein Steinsägewerk an der Rur (Belgien) antreiben.
- die demotische Schrift in Ägypten wird durch die griechische Schrift verdrängt.
- um 379 bringt der Koreaner Wa-Ni die Schrift aus dem Kaiserreich China nach Japan
- um 380 wird in China unter der Jin-Dynastie der Gebrauch des Schiffskompass üblich.
- um 385 Kaiser Theodosius führt den in Asien bereits schon weit länger bekannten Reitsattel in Europa ein.
Literatur
- Ammianus Marcellinus: Das römische Weltreich vor dem Untergang (Bibliothek der alten Welt), übersetzt von Otto Veh, München-Zürich 1974 (dort auch weitere Literaturangaben und Hinweise auf andere Werkausgaben).
Weblinks
- http://schultreff.de/referate/geschichte/r0615t00.htm
01-04
!
ja:4世紀
ko:4세기
simple:4th century
th:คริสต์ศตวรรษที่ 4
WulfilaWulfila (lat. Ulfilas, kleiner Wolf, - um 311; † 383) war einer der ersten, möglicherweise auch der erste Bischof der Terwingen (Visigoten, Westgoten).
Seine christlichen kappadokischen Vorfahren waren von Goten im 3. Jahrhundert verschleppt worden, er selbst war entweder Gote oder Halbgote. Er war Anhänger des Arianismus und verglich Christus mit dem germanischen Sohn-Vater-Verhältnis, das auf Gehorsam, Unterordnung und Treue aufgebaut war. Jedoch stimmte Wulfila in seiner Christologie mit den Arianern nicht ganz überein, für ihn ist Christus der anbetungswürdige "Gott und Herr". Der Entscheid, ins arianische Lager zu gehen, war nicht nur theologisch bedingt, sondern auch kirchenpolitsch.
Der Reichsbischof von Konstantinopel, Eusebios von Nikomedia, weihte Wulfila spätestens 341 in Antiochia zum "Bischof der Christen im gotischen Land". In dieser Zeit dominierten die Arianer im oströmischen Reich - erst zum Ende des 4. Jhs. hin gelang den Trinitariern (Katholischen resp. Orthodoxen Christen) im gesamten römischen Reich die Arianer zu verdrängen, mitentscheidend hierführ war die Entscheidung des römischen Kaisers. Bis 348 war Wulfila missionierend im damaligen Herrschaftsbereich der Westgoten an der unteren Donau tätig. Die einsetzenden Christenverfolgungen vertrieben Wulfila und andere zu den Römern, welche sie bei Niš ansiedelten. Neben den Westgoten, die geschlossen zum Christentum übertraten, wurden auch die Ostgoten, Wandalen, Langobarden und Burgunder christlich. Die Tatsache das Wulfila von einem Arianer eingesetzt worden war und das Verhältnis der Goten zu den Römern führte dazu, dass die gotischen Christen nicht unter dem autoritativen Einfluss von Rom standen. Letztlich war die Tatsache, dass Wulfila Arianer war, mitentscheidend dafür, dass nahezu sämtliche Germanenvölker der Völkerwanderung (bis auf die erst um 500 christianisierten Franken) das Christentum zunächst in der arianischen Form übernahmen, was zu heftigen und langwierigen Konflikten in den auf römischem Boden neu entstehenden Germanenreichen führen musste. Zur Christianisierung der Goten vgl. Luft, Nordische Zeitung (hrsg. von der Artgemeinschaft) Nr. 3/2005.
Im Exil entwickelte Wulfila eine neue Schrift für das Gotische, das bis dahin eine weitgehend schriftlose Sprache war; lediglich vereinzelte Inschriften und magische Texte wurden in Runen festgehalten. Die neue Schrift war eine Abwandlung der griechischen Schrift mit einigen lateinischen Buchstaben sowie gotischer Runen: siehe Gotisches Alphabet. Wulfila gab den Goten nicht nur eine neue Schrift, sondern auch neue Worte (Neologismen), da viele Worte der griechischen Sprache einfach nicht im Gotischen existierten. Frühere Missionare, Gelehrte oder Händler, die sprachübergreifend tätig waren, benutzten einfach den lateinischen oder griechischen Begriff, wenn es kein oder nur ein ungenaues Gegenüber in der jeweiligen Sprache gab. Ein Beispiel eines wulfilischen Neologismus' ist das deutsche Wort "Barmherzigkeit" (etwas, das die kriegerischen Goten nicht kannten), das lateinische Wort hierfür ist misericordia (miser = arm / cor = Herz); aus dem lateinischen Ausdruck schafft Wulfila das gotische Wort "armahaits" (ai ist als e auszusprechen), aus dem gotischen Begriff entstand dann mit der Zeit das uns heute bekannte Wort. Diese Wortschöpfungen waren wohl die erste Form von kontextualisierter Mission, also der Versuch, christliche Konzepte, wie sie insbesondere durch die biblischen Schriften vorgegeben waren, in Kulturen zu übertragen, denen Derartiges fremd sein musste. Ähnlich ist später der Dichter des "Heliand" vorgegangen, der z.B. für das Verhältnis Christi zu seinen Jüngern Begriffe des germanischen Gefolgschaftswesens verwenden musste.
Wulfilas sprachliche Leistungen sind im Zusammenhang zu seinem bedeutendsten Werk zu sehen, der so genannten Wulfilabibel: Die früheste Bibelübersetzung in eine germanische Sprache. Sie ist als Abschrift im so genannten Codex Argenteus erhalten, einer Handschrift aus dem 6. Jahrhundert, die teils mit silbernen, teils mit goldenen Lettern auf Pergament geschrieben ist, das mit der kaiserlichen Purpurfarbe getränkt worden war. Heute wird der unschätzbar kostbare Kodex in Uppsala aufbewahrt.
Hier das Vaterunser, um einen Begriff von der Sprache Wulfilas zu bekommen. Wulfilas Übersetzungen christlicher Literatur sollte für nachfolgende Texte in germanische Sprachen stilbildend werden:
:atta unsar þu ïn himina
:weihnai namo þein
:qimai þiudi nassus þeins
:wairþai wilja þeins
:swe ïn himina jah ana airþai
:hlaif unsarana þana sin teinan gif uns himma daga
:jah aflet uns þatei skulans sijai ma
:swaswe jah weis afletam þai skulam unsaraim
:jah ni brig gais uns ïn fraistubnjai
:ak lau sei uns af þamma ubilin
:unte þeina ïst þiudangardi
:jah mahs jah wulþus ïn aiwins
:amen
Unsere Informationen über Wulfila stammen, abgesehen von seiner Bibelübersetzung, vor allem vom Kirchenhistoriker Philostorgios und vom Bischof Auxentius von Dorostorum.
Weblink
- [http://www.bautz.de/bbkl/u/ulfilas.shtml Eintrag im Bibliographisch-Biographischen Kirchenlexikon]
Kategorie:Mann
Kategorie:Bischof (4. Jh.)
Kategorie:Missionar
Kategorie:Geboren unbekannt
Kategorie:Gestorben 383
Wulfilabibel
Die Wulfilabibel ist eine von Bischof Wulfila (311 bis 383) im 4. Jahrhundert geschaffene Übersetzung der Bibel ins Gotische, wobei die griechische Bibel die Vorlage bildete. Für diese Übersetzung erfand Wulfila die Gotische Schrift, während die Goten bis dahin mit Runen schrieben.
Von der Wulfilabibel sind mehrere Handschriften aus dem 6. - 8. Jahrhundert mit einem großen Teil des neuen Testaments und kleinen Teilen des Alten Testaments erhalten, die hauptsächlich aus Italien stammen. Bei diesen Handschriften handelt es sich um den Codex Argenteus (Evangelien), heute größtenteils in der Universitätsbibliothek in Uppsala aufbewahrt, den Codex Ambrosianus A bis Codex Ambrosianus E (Briefe, Skeireins, Nehemia), den Codex Carolinus (Römerbrief), den Codex Vaticanus Latinus 5750 (Skeireins), den Codex Gissensis (Trümmer des Lukasevangeliums) und die Fragmenta Pannonica, Bruchstücke einer 1mm dicken Metallplatte mit Versen des Johannesevangeliums.
Die Wulfilabibel ist das älteste schriftliche Zeugnis einer germanischen Sprache und daher sehr bedeutend für die Sprachgeschichte.
Text des Vaterunser in der Wulfilabibel (þ wie englisch th):
:atta unsar þu ïn himina
:weihnai namo þein
:qimai þiudi nassus þeins
:wairþai wilja þeins
:swe ïn himina jah ana airþai
:hlaif unsarana þana sin teinan gif uns himma daga
:jah aflet uns þatei skulans sijai ma
:swaswe jah weis afletam þai skulam unsaraim
:jah ni brig gais uns ïn fraistubnjai
:ak lau sei uns af þamma ubilin
:unte þeina ïst þiudangardi
:jah mahs jah wulþus ïn aiwins
:amen
Ausgabe
Wilhelm Streitberg (Hrsg.): Die Gotische Bibel. Band 1. Der gotische Text und seine griechische Vorlage, 7. Aufl., Heidelberg 2000. ISBN 3-8253-0745-X
Weblinks
- [http://www.wulfila.be/gothic/browse/ Text der Wulfilabibel (sehr gut aufbereitet)]
- [http://www.gotica.de Kleinere gotische Fragmente]
Kategorie:Bibel
Kategorie:Bibelausgabe
Kategorie:Kultur (Schweden)
Runen
Runen sind die ältesten Schriftzeichen der Germanen. Sie waren vor allem zwischen dem 2. und dem 12. Jahrhundert für geritzte und gravierte Inschriften auf Gegenständen und Steindenkmälern in Gebrauch. Ihre Verbreitung zeigt von Anfang an einen deutlichen Schwerpunkt in Südskandinavien. In allen anderen Siedlungsräumen germanischsprachiger Völker ist nur eine dünne Streuüberlieferung zu finden, die außerdem mit dem jeweiligen Einzug des Christentums zu ihrem Ende kommt. Die nominelle Christianisierung Nordeuropas hatte grundsätzlich den Wechsel zur lateinischen Schrift zur Folge. Die Verwendung von Runen endete mithin in Mitteleuropa vor 700 n. Chr. und in England im 10. Jahrhundert. Nur in Skandinavien hielt sich der Gebrauch der Runenschrift deutlich länger, in einzelnen Regionen bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der weitaus größte Teil der etwa 6.500 erhaltenen Runeninschriften stammt aus dem Skandinavien der Wikingerzeit.
Die ältesten Inschriften datieren aus dem 2. Jahrhundert und stammen aus Moorfunden in Südschweden und Dänemark (Jütland). Als älteste Runeninschrift gilt derzeit der Name harja auf dem Kamm von Vimose, der in die Zeit 150–200 n. Chr. datiert wird. Älter ist zwar die Fibel von Meldorf (Schleswig-Holstein) von etwa 50–100 n. Chr., doch ist die Inschrift nicht sicher runisch (lateinisch?). Etwas jünger ist die auf einer eisernen Speerspitze eingeritzte Beschwörung raunijaR („Herausforderer“). Die Spitze wurde in einem Grab aus der Zeit um 200 in Øvre Stabu (Oppland) Norwegen gefunden.
Der Literalitätsgrad der Kulturen, die Runen gebrauchten, muss als sehr niedrig eingeschätzt werden. Die Runenschrift entwickelte sich nie zu einer Buch- und Urkundenschrift und erfasste niemals so weite Bereiche des kollektiven Gedächtnisses und der Alltagskommunikation wie die lateinische Schrift in Antike und Mittelalter: Literatur, Liturgie, Geschichtsüberlieferung, Recht blieben mündlich. Der hauptsächliche Anwendungsbereich von Runen waren Inschriften zum Gedenken an Verstorbene oder an besondere Ereignisse, zur Weihe oder Verschenkung von Gegenständen, als Besitzerangaben und als Münzinschriften.
Runen wurden meist rechtsläufig (von links nach rechts) geschrieben, aber es gab auch Ausnahmen, besonders im nordgermanischen Raum.
nordgermanischen), 9. Jh.]]
Bezeichnungsherkunft
Der Bezeichnung „Rune“ ist von einer Wurzel rūn- (gotisch runa) mit der Bedeutung „Geheimnis“ abzuleiten. Verwandt damit sind auch die deutschen Wörter „raunen“ und „Geraune“. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, der Name Runen sei neuzeitlichen Ursprungs, gibt es aus dem 6. Jahrhundert mehrere Nennungen von runa auf beritzten Gegenständen (z. B. Runenstab von Neudingen). Und Venantius Fortunatus, der im fränkischen Merowingerreich mit Runen in Berührung gekommen sein könnte, dichtete um 565: Barbara fraxineis pingatur rhuna tabellis / quodque papyrus agit virgula plana valet. (Die Rune der Barbaren mag man auf eschene Tafeln zeichnen; was der Papyrus vermag, dazu taugt auch das flache Holzstäbchen. Carmina VII, 18). Von den Buchen-Stäben, auf die die Runen geritzt wurden, leitet sich das Wort Buchstabe ab.
Ursprung
Die Runen sind von den Germanen nicht als fertiges Schriftsystem übernommen, sondern weitgehend eigenständig nach Vorbildern südeuropäischer Schriften entwickelt worden. Vor allem die lateinische Schrift, aber auch die zahlreichen vom Lateinischen verdrängten und untergegangenen Schriften des keltisch-alpin-italischen Raums kommen als "Initialzünder" in Betracht. Die Runen gehen damit - sowohl in ihrem Prinzip einer Buchstabenschrift als auch in der Form vieler Lautzeichen - letztlich auf die große phönizisch-aramäische Familie von Alphabeten zurück, die im 1. Jahrtausend v. Chr. im Gebiet des Libanon und Syriens entstanden sind und zu denen auch alle heutigen europäischen Schriften gezählt werden.
Der Ursprung der Runenschrift ist zeitlich und räumlich kaum zu erhellen, weil die ältesten Belege bereits einen etablierten Satz von Zeichen präsentieren. Das erste gesicherte Auftreten von Runen fällt in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts (Gegenstände wie z. B. Waffen aus Mooropferplätzen in Jütland wie Vimose, Illerup, Nydam, Thorsberg). Vorstufen der Schrift, an denen ihre Entstehung nachzuvollziehen wäre, konnten nicht unzweifelhaft identifiziert werden. Das äußerliche Charakteristikum der Runen ist die Vermeidung waagrechter und gebogener Linien, was früher immer wieder die Vermutung aufkommen ließ, dass es sich um eine Buchstabenumformung handelt, die dazu geeignet sein sollte, vor allem in hölzernes Material geritzt zu werden. Man nahm folglich an, dass Vorstufen der Runen nur deshalb nicht bewahrt sind, weil ihr mutmaßlicher Träger, Holz, sich schlechter als Metall erhalten hat. Neuere Funde (z. B. Moorfunde von Illerup, Dänemark) zeigen jedoch auch gerundete Formen (z. B. bei der Odal-Rune) auf metallenen Waffenteilen.
Es werden drei Thesen zur Entstehung der Runenschrift vertreten:
Italisch-etruskische These
Das Vorbild der Runen soll ein nordetruskisches Alphabet sein bzw. aus dem Kreis der zahlreichen verschiedenen Alphabete Norditaliens und des Alpenraums (4. bis 1. Jahrhundert v. Chr.) genommen sein. Alle diese Alphabete sind, wie auch die lateinische Schrift, ihrerseits Abkömmlinge des westgriechischen Alphabets (griechischer Kultureinfluss durch Händler und Kolonien in Italien ab dem 7. Jahrhundert v. Chr.).
Besonders der Helm von Negau ([http://titus.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runealph.htm Abb.]) wurde zur Unterstützung dieser These herangezogen. Der Helm mit einer teils frühgermanischen Namensinschrift (harigasti...) in einem norditalischen Alphabet soll den Ursprung einiger Runenzeichen aus den norditalischen Varianten der griechischen Schrift belegen. Die Deutung der Inschrift bleibt jedoch umstritten, zumal der Helm aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. stammt und die Inschrift selbst erst später (3./2. Jahrhundert v. Chr.?) angebracht wurde.
Das stärkste Argument für die italisch-etruskische These sind die Buchstabenformen, der Schreibduktus und das Verfahren der Worttrennung durch Punkte. In keiner anderen Schrift finden sich so viele Übereinstimmungen für einzelne Zeichen. Von kulturgeschichtlicher Seite ist diese These jedoch schwer zu untermauern, denn sie impliziert, dass die Runenschrift sich im norditalienischen, westalpinen oder norischen Raum im 1. Jahrhundert v. Chr. oder im 1. Jahrhundert n. Chr. herausgebildet haben müsste (wo es jedoch keine Spuren von ihr gibt) und dann bis gegen 200 n. Chr. bis in den Norden Germaniens verbreitet worden wäre, wo sie zuerst ins Licht der Geschichte tritt.
Latein-These
Die lateinische Schrift ist eine Schwesterschrift der italischen Alphabete und weist daher einige übereinstimmende Buchstabenformen auf. Im Gegensatz zu den Regionalschriften setzte sie sich mit der Großmacht Rom überregional durch und wurde als Verwaltungsschrift bis in alle Winkel des römischen Imperiums verbreitet. Somit war es möglich, dass germanische Stämme selbst im abgelegenen südskandinavischen Raum durch Kontakte mit der römischen Kultur (über Händler, Geiseln, Söldner, Besucher etc.) die lateinische Capitalis Monumentalis der Kaiserzeit kennen lernen und davon angeregt eine eigene Schrift entwickeln konnten. Für diese These sprechen einzelne Übereinstimmungen von Zeichenformen (unzweifelhaft sind F, R und B). Viele Runologen gehen heute von der Latein-These aus.
Griechische These
Nur mehr wissenschaftsgeschichtlich relevant sind mehrere Versuche, die Entstehung der Runen den Goten im Schwarzmeergebiet (heutige Ukraine) zuzuschreiben. Vorbild soll hier entweder im 2./3. Jahrhundert n. Chr. eine ostgriechische Minuskelschrift oder ein archaisches griechisches Alphabet des 6. Jahrhunderts v. Chr. (!) gewesen sein. Diese Thesen sind weitestgehend aufgegeben worden, denn die ältesten skandinavischen Runendenkmäler sind nach archäologischer Datierung bereits entstanden, bevor die Goten in Kontakt mit dem römischen Weltreich kamen. Auch aus sprachhistorischen (linguistischen) Gründen scheidet diese Auffassung aus: die älteste Runenreihe reflektiert eindeutig nordgermanische bzw. noch gemeingermanische und keine bereits ausdifferenzierten ostgermanischen Lautverhältnisse.
Runenreihen
Die älteste Runenreihe
Die älteste überlieferte Runenreihe (nach den ersten sechs Buchstaben futhark genannt) bestand aus 24 Zeichen, die in drei Abschnitte (später im Altnordischen als aettir bezeichnet) eingeteilt waren. Sie war anfangs nur bei nordgermanischen Stämmen, in der Völkerwanderungszeit vereinzelt auch bei Ostgermanen (vor allem Goten, ab 3. Jh.?) und Westgermanen (ab 5. Jh.) in Benutzung. Etwa 350 Inschriften in dieser ältesten Runenreihe wurden bislang entdeckt. Alle jüngeren Runenreihen ab etwa 700 leiten sich vom älteren Futhark ab.
Jedes Graphem (Buchstabe) entspricht einem Phonem (Laut). Für das ältere Futhark besteht vor ca. 550 bis 650 eine bemerkenswert gute Übereinstimmung zwischen dem Zeicheninventar und dem Phoneminventar der damit geschriebenen gemeingermanischen bzw. runennordischen Sprache oder Sprachen. Nur die Verdoppelung der I-Rune (Eis und Eibe) muss ein Relikt einer früheren Sprachstufe sein und ist wohl ein Beweis dafür, dass das 24-buchstabige Futhark bereits eine Zeit lang vor den ersten überlieferten Inschriften entstand.
Hinweis zur Tabelle: Namen sind in gemeingermanischem, so nirgends belegtem Lautstand rekonstruiert. Vokale mit Balken bezeichnen lange Vokale, alle anderen Vokale sind kurz.
Balken
Ein Charakteristikum der germanischen Runenschrift ist, dass jede Rune einen Namen trägt, gewöhnlich ein bedeutungsvolles Wort, das mit dem jeweiligen Laut beginnt; so hieß die Rune für f Fehu, das heißt "Vieh, beweglicher Besitz, Reichtum". Für das älteste Futhark sind diese Runennamen nicht überliefert. Sie können erschlossen werden, weil die Namen sich weitgehend übereinstimmend bei allen jüngeren Runenreihen der germanischen Stämme finden; Wulfila übertrug sie möglicherweise sogar auf die gotische Schrift, die keine Runenschrift war. Im 9. und 10. Jahrhundert, als Runen außerhalb Skandinaviens überhaupt nicht mehr im Gebrauch waren, zeichneten klösterliche Gelehrte sowohl in England wie auf dem Kontinent mehrfach die verschiedenen Runenreihen mit Namen ([http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runennam.htm Übersicht]) oder in Form von Runenmerkversen auf. Aus diesen Quellen werden die Runennamen des ältesten Futhark rekonstruiert; nicht alle Formen sind jedoch unumstritten.
Bis zum 7. Jahrhundert hatten sich die Lautsysteme in den germanischen Einzelsprachen deutlich verändert. Zuvor unterschiedene Laute fielen zusammen, neue Vokale bildeten sich. Dies führte zwangsläufig dazu, dass die Laut-Buchstaben-Zuordnung des älteren Futhark nicht mehr stimmig war. So entwickelten die einzelnen Sprachen und Dialekte jeweils eigene Runenreihen.
gotische Schrift
Die angelsächsische Runenreihe
gotische Schrift
Die Angelsachsen erweiterten das Futhark aufgrund der reichen Entwicklung des Vokalismus im Altenglischen schrittweise auf 33 Zeichen (davon sind nebenstehend nur die wirklich auch verwendeten abgebildet). Das 33-buchstabige Futhork war in dieser Form im 9. Jahrhundert ausgebildet. Es wurde außer in handschriftlichen Aufzeichnungen auch in northumbrischen Inschriften verwendet.
Das längere Nebeneinander von Runen und Lateinschrift im 7. bis 10. Jahrhundert führte in England dazu, dass für Laute der angelsächsischen Sprache, die im lateinischen Alphabet keine Entsprechung hatten, die entsprechenden Runen quasi weiterverwendet wurden. Auf diese Weise gelangten die thorn-Rune als Schreibung für /th/ und die wen- oder wynn-Rune (Ƿ ƿ) für das bilabiale /w/ in die lateinische Schrift.
Die altnordische Runenreihe
angelsächsischen Sprache
angelsächsischen Sprache
Auch in Skandinavien war das Futhark Veränderungen unterzogen: Es wurde im 7. bis 8. Jahrhundert auf 16 Runen (f u th o r k : h n i a s : t b l m R) reduziert. Dabei mussten dann einzelne Runen zahlreiche verschiedene Lautwerte bezeichnen: die u-Rune etwa u, y, o, ö und w. Diesen Verlust an Zeichen glich man am Ende des 10. Jahrhunderts mit der Einführung von Punktierungen aus; später gab es auch noch andere Systeme, die sogar für Laute wie Q eine Rune einführten. Im hohen Mittelalter entsteht so, von Norwegen ausgehend, eine punktierte Runenreihe in alphabetischer Reihenfolge, bei der jeder lateinische Buchstabe eine Entsprechung hat. Das erste datierte Zeugnis für die Verwendung des vollständig punktierten Runenalphabets findet sich auf der kleineren Kirchenglocke von Saleby (Westgötland), deren Inschrift das Jahr 1228 angibt.
Vielleicht aufgrund der größeren Wertschätzung für die alte vorchristliche Mythologie und Überlieferung (man denke an die Edda) blieben die Runen in Skandinavien neben der lateinischen Schrift in Gebrauch. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie endgültig verdrängt, während dieser Prozess in den anderen germanischen Gebieten teils schon im 7., teils im 11. Jahrhundert abgeschlossen war.
"Antiquarische" Runenalphabete des frühen Mittelalters
Edda
Schon sehr früh, nachdem sie außer Gebrauch kamen, wurden Runenreihen von lateinkundigen Kirchenmännern als enzyklopädische Kuriositäten und vermeintliche Geheimschriften gesammelt - man stellte die Runen dem griechischen, hebräischen und "chaldäischen" Alphabet an die Seite, den Tironischen Noten und dem Phantasiealphabet des Aethicus Ister. Besonders das Kloster Fulda mit seiner starken insularen Tradition pflegte im 9. Jahrhundert, wie es scheint, einen Forschungs- und Sammelschwerpunkt 'Runica'.
In einigen Handschriften aus dem 8./9. Jahrhundert vorwiegend aus Süddeutschland ist in einer Abhandlung "Über die Erfindung der Buchstaben" (De inventione litterarum) ein merkwürdiges Runenalphabet in der Reihenfolge der lateinischen Buchstaben überliefert. Es stellt eine Mischung aus Zeichen des älteren Futhark mit angelsächsischen Zeichen dar und soll auf Hrabanus Maurus, den Abt von Fulda und Alkuin-Schüler, zurückgehen. Da diese Reihe (die früher irreführend als „Markomannische Runen“ bezeichnet wurde) nur in einigen Handschriften, aber nirgends inschriftlich vorkommt, dürfte sie wohl nur ein Versuch der Mönche gewesen sein, allen Buchstaben der lateinischen Schrift Runenzeichen zuzuordnen.
Beginn des
[http://wikisource.org/wiki/Rune_poems#The_Abecedarium_Nordmannicum Abecedarium Nordmannicum]
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feu forman
ur after
thuris thritten stabu
os is th(em)o oboro ...
Vieh zuerst,
Ur danach,
Thurse als dritten Stab,
Ans ist rechts davon ...
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In derselben Alkuin-Handschrift, in der sich ein gotisches Alphabet und gotische Textbeispiele aufgezeichnet finden (Wien, Ms. 795, spätes 8. Jh.?), ist auch ein 28-buchstabiges angelsächsisches Futhork mit Runennamen überliefert.
Daneben existiert eine Reihe von Gedichten, in denen die Reihenfolge, die Namen und die Bedeutung der Runen in eine memorierbare Form gebracht waren: Das sogenannte Abecedarium Nordmannicum (9. Jh., Handschrift Walahfrid Strabos) in einem Gemisch von Niederdeutsch, Hochdeutsch, Angelsächsisch und Nordisch, das angelsächsische Runengedicht in 94 Stabreimversen, ein norwegisches und ein isländisches Runengedicht (13. und 15. Jh.), sowie in der Edda die Rúnatal ("Runenrede") in der Sigrdrífomál und die Rúnatals Þáttr Óðins ("Odins Runenmagie") in den Hávamál.
Verwendungen der Runen
Runen als Begriffszeichen
Der "Name" der einzelnen Runenzeichen konnte auch als eine Art Symbolbedeutung verwendet werden. Das Einzelzeichen o konnte also für "Erbbesitz" stehen. Man spricht in diesem Fall von Begriffsrunen. Diese Technik findet sich unsystematisch fortgesetzt in der Praxis mittelalterlicher Schreiber, besonders in altenglischen und altisländischen Handschriften. Dort können bestimmte Einzelrunen inmitten des lateinschriftlichen Texts wie Logogramme gebraucht werden: die M-Rune kann für altengl. man, mon ("Mensch, Mann") oder für altisl. maðr ("Mensch, Mann") stehen.
Runen als magische Zeichen
Schriftgebrauch wurde in allen archaischen Kulturen (auch) als Medium magischer Macht und Aura angesehen. Viele der alten Kulturen hielten ihre Schrift (selten aber ihre Sprache!) für die Erfindung oder das Geschenk eines Gottes. Zweifellos waren auch die Runen, zumal in ältester Zeit, mit sakralen und religiösen Zwecken verbunden (Grabinschriften, Opfer an Götter, glückbringende Waffen'taufen', Amulette etc.). Eine magische Funktion der Runen wird schon nahegelegt durch die zahlreichen Inschriften, die die Runenreihe (f u th a r k ..., oft ergänzt durch die Runenmeister-Signatur) enthalten. Einen Mitteilungswert besitzt diese Zeichenfolge nicht - sie muss als Schriftmagie und/oder als Ausdruck eines Bewusstseins, dass Schrift an sich einen Eigenwert habe, gelten. Auch der Name der Runen, der "Geheimnis" bedeutet, bezeugt diese Aura.
Ob es allerdings zulässig ist, Runen mit Orakelbräuchen in Verbindung zu bringen, ist unsicher. Ein frühes Zeugnis über das germanische Losorakel ist im 10. Kapitel der Germania des Tacitus erhalten. Man streute mit "gewissen Zeichen" (notis quibusdam) bezeichnete hölzerne Stäbchen auf ein weißes Tuch. Darauf wurden auf gut Glück drei dieser Stäbchen aufgehoben und gedeutet. Dies wurde nacheinander dreimal durchgeführt. Ob es sich bei diesen Zeichen (1. Jahrhundert) aber schon um Vorläufer der Runenschrift oder sogar schon um eigentliche Runen handelte, ist kaum bestimmbar.
1. Jahrhundert als göttlicher Heiler]]
Die Verwendung der Runen zu magischen Zwecken ist besonders im Norden bezeugt. Als Begriffsrunen bedeuteten z. B. Vieh, (gutes) Jahr, Gabe, Ritt einen entsprechenden Segenswunsch, umgekehrt sollten Not, Geschwür eine Befürchtung bannen oder einen Fluch aussprechen. Viele frühe Inschriften bestehen aus einem einzigen Wort wie alu, laukaz, laþu, was man meist als magische Formeln („Heil“, „Gedeihen“) versteht. In den jüngeren skandinavischen Denkmälern werden Zauberrunen für bestimmte Zwecke erwähnt, so Siegrunen, Bierrunen, Bergerunen (zur Geburtshilfe), Seerunen (zum Schutz der Schiffe), Rederunen (um klug zu sprechen), Löserunen (bei Gefangenschaft), Runen zum Besprechen (Stumpfmachen) der Schwerter und dergleichen.
Der Gott des Runenwissens und der Runenmagie ist Odin. Ein Götterlied der Lieder-Edda erzählt, wie Odin sich selbst opferte und neun Tage kopfüber in einem Baum (der Weltesche Yggdrasil) hing, bevor er Kenntnis von der Macht der Runen gewann und sich befreien konnte. Im weiteren Verlauf des Liedes werden magische Kräfte der Runen beschrieben und schließlich 18 Zaubersprüche genannt. Ein anderes Lied der Edda, Skirnirs Fahrt, kulminiert in der eindrucksvollen (angedrohten) Verfluchung einer sich verweigernden Frau. Dazu ritzt Skirnir, Diener des Gottes Freyr, während er den Fluch spricht, einen Thursen (d.h. die th-Rune) und der Runen drei: Argheit und Unrast und Irresein. Erstaunlicherweise handelt es sich dabei um einen Fluch zum Zwecke sexueller Nötigung: Skirnir droht dem Opfer, falls es sich nicht mit Freyr einlasse.
Fluch-Sage]]
Runen als Schrift
Zu zusammenhängender Schrift sind die Runen von den Germanen des Kontinents nur in geringem Umfang gebraucht worden. Runensteine gibt es in Mitteleuropa nicht. Die einzigen dort erhaltenen Runenritzungen finden sich auf Schmuck, Waffen und (seltener) auf Gebrauchsgegenständen. Auch in England war die Verwendung von Runen zu diesem Zweck nicht häufig: Das umfangreichste Denkmal, die Inschrift auf dem Kreuz von Ruthwell, stammt bereits aus christlicher Zeit.
Die Runenschnitzerei auf dem Walbeinkästchen von Auzon (auch Franks Casket) gibt altenglische Stabreimverse wieder, die frühesten überhaupt überlieferten. Dieses in Nordengland um 650 entstandene Stück gehört zu den eindrucksvollsten kunsthandwerklichen Schöpfungen der germanischen Zeit.
Die Runen in Mitteleuropa
In Mitteleuropa tauchen die ersten Runen erst zu Beginn des 6. Jahrhunderts, dann jedoch regional und zeitlich stark gehäuft, auf. Vor allem bei den Alemannen und am Mittelrhein (heutiges Südwestdeutschland) finden sich relativ viele Runenritzungen. Charakteristisch ist, dass Runen nur dort vorkommen, wo germanisch sprechende Menschen lebten (im Westen bis Charnay, Burgund, vgl. Burgunden). Auch die Inschriften, soweit sie deut- und lesbar sind, sind immer in germanischer Sprache gehalten. Bisher kennt man ca. 80 Inschriften, die fast ausschließlich von Gegenständen aus Gräbern stammen. Zumeist handelt es sich dabei um Schmuck der Frauen (Fibeln, „Sicherheitsnadeln“, ursprünglich zum Verschließen von Gewändern) oder, weit seltener, Gürtel- und Waffenteile bei den Männern. Daneben gibt es jedoch auch sehr selten organische Gegenstände aus Holz und Knochen. Da fast sämtliche Runenfunde aus Gräbern stammen und sich dort Metallgegenstände weit besser erhalten als z. B. Holz, darf man daraus nicht unbedingt schließen, dass bevorzugt Metallgegenstände zum Runenritzen benutzt wurden. Auch die deutliche Überzahl von Frauengräbern mit Runengegenständen dürfte auf den Umstand zurückzuführen sein, dass sich Ritzungen besonders gut bei Edel- und Buntmetallschmuckstücken erhalten und entdecken lassen, besser als dies bei den viel stärker korrodierten eisernen Waffen- und Gürtelteilen der Männer der Fall ist.
Der Gebrauch der Runen war in Mitteleuropa aber nur von kurzer Dauer, denn spätestens nach der Mitte des 7. Jahrhunderts finden sich keine Runen mehr. Besonders zahlreich treten Runenritzungen zwischen 550 und 600 n. Chr. auf.
Inhalte
Die Inschriften sind kurz, häufig nur ein Wort, manchmal nur eine einzelne Rune. Die längsten Inschriften (Neudingen, Pforzen) sind gerade einmal ein bis zwei Sätze lang. Häufig sind die Inschriften nicht deutlich erkennbar oder lesbar. Neben den Einzelrunen gibt es „falsch“ geschriebene Runen und Pseudorunen (ein Versuch zu schreiben, ohne es wirklich zu können?).
Selbst wenn die Inschrift gut zu erkennen und länger ist, gibt es unter den Wissenschaftlern oft kaum eine einhellige Meinung zu einer Übersetzung des Inhaltes. Deutlicher ist z. B. der Holzstab (Teil eines Webstuhls) aus Neudingen (Baden-Württemberg): „lbi (ergänzt zu leub/liubi) : imuba : hamale : blithguth uraitruna“ (Liebes der Imuba: (von) Hamale: Blithgund ritzte/schrieb die Runen) oder die Fibel von Bad Krozingen (Baden-Württemberg) „Boba leub Agerike“ (Boba liebt den Agerich).
Magisches
Anders als bei den skandinavischen Funden lässt sich im mitteleuropäischen Raum kaum eine Inschrift als magisch oder Zauberformel deuten. Es handelt sich meist um eher profane private Vermerke, Liebesbezeugungen oder Schenkungswidmungen. Nicht wenige der Ritzungen tragen die Signatur einer Frau.
Auf den Brakteaten von Hüfingen (Baden-Württemberg) finden sich die Formelwörter „alu“ (Ale/Bier = Gesundheit/Schutz?) und „ota“ (Schrecken/Abwehr?), die auch aus dem Norden bekannt sind. Möglicherweise handelt es sich hierbei um magische Formelwörter, die Unheil abwehren und Gedeihen herbeiwünschen sollen.
Auf der Fibel von Beuchte (Niedersachsen, 6. Jh.) finden sich zwei Inschriften (1. Buirso, wohl der Name des Runenmeisters, 2. die Futhark-Reihe von f bis r, erweitert um z und j), wobei die eine im Gegensatz zur Fibel keine Abnutzungsspuren aufweist und womöglich erst nach dem Tode der Trägerin eingeritzt worden war (die Futhark-Reihe, also die ersten acht Zeichen, als „Alphabet“-Zauber, die quasi als magische „Formel“ gilt?). Dies könnte darauf hindeuten, dass die Inschrift zur Abwehr eines „Wiedergängers“ gedacht war.
Religiöses
Auf der Fibel von Nordendorf bei Augsburg (Anf. 7. Jh.) wird eine Göttertrias genannt:
„Logathore, Wodan, Wigi-Thonar“ (Wigi-Thonar = Weihe-Donar/Thor).
Es würde sich um die aus späteren Quellen bekannten germanischen Götter Donar/Thor und Wodan/Odin handeln. Logathore könnte ein dritter, lokaler Gott gewesen sein (Loki?).
K. Düwel liest logathore jedoch als „Ränkeschmiede/Zauberer“ und deutet die Inschrift als „Ränkeschmiede/Zauberer (sind) Weihe-Donar und Wodan“. Dies wäre dann eine Verdammung der alten Götter und ein Hinweis auf den neuen christlichen Glauben der Trägerin. U. Schwab hingegen liest „Zauberer/zauberhaft (im positiven Sinne) (sind) Weihe-Donar und Wodan“, womit dann wieder eine Deutung als Anhängerin des alten Glaubens gegeben wäre.
In einigen Fällen sind Formeln bezeugt, die als die Abwendung von heidnischen Gottheiten gelesen werden können. Auf der Scheibenfibel von Osthofen ist mit der Inschrift "Gott mit dir, Theophilus (=Gott-Freund)" die Wendung zum Christentum deutlich vollzogen.
In einem Kirchengrab in Arlon (Belgien) fand sich eine (christliche/Kreuzdarstellung) Amulettkapsel mit Runen, die recht eindeutig die dort bestattete Tote als Christin ausweist.
Ende der Runenritzungen
Warum der Brauch, Runen zu ritzen, in Mitteleuropa im 7. Jahrhundert ausstarb, ist nicht geklärt. Wenig wahrscheinlich ist ein Verbot durch die Kirche bzw. wegen der durchgreifenden Christianisierung dieser Gebiete, da zum einen kein solches Verbot überliefert ist und einige Bestattete mit Runengegenständen anscheinend schon Christen waren (Arlon, Kirchheim). Zudem arrangierte sich die Kirche in England und Skandinavien recht zwanglos mit Runen als Schrift.
Da die Runen nur für einen recht kurzen Zeitraum in Gebrauch waren (ca. zwei bis drei Generationen) und die Inschriften oftmals eine unsichere Hand (Schreiben nicht richtig erlernt oder verlernt) verraten, war die Kenntnis vermutlich nie fest verwurzelt. Statt dessen wechselte man, wohl unter dem Einfluss der Kirchen und Klöster, auf die gebräuchlichere und „internationalere“ lateinische Schrift über.
Interessanter ist die Frage, warum die Germanen Mitteleuropas überhaupt erst fast 400 Jahre, nachdem die ersten Runen in Skandinavien benutzt wurden, dieses Schriftsystem übernahmen und nicht gleich (oder früher) die lateinische Schrift der benachbarten römischen Gebiete.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Umstand, dass die Runen hier erstmals auftauchen, als die Gebiete in das Frankenreich eingegliedert wurden (Alemannen 496/506/535, Thüringer 529/532). Eine These lautet, dass nach dem Fall des Thüringerreichs 531 die 'romanisch' geprägten Franken und Alemannen zu direkten Nachbarn der Sachsen wurden und der Austausch zwischen Nord und Süd sich intensivierte.
Vielleicht erklärt sich auch die Übernahme der Runen durch die sogenannte "Nordische" Modewelle mit der viele Elemente und Formen (Fibelformen, Brakteaten, Verzierungen im Tierstil I und II) verstärkt ab ca. 530 n. Chr. von Skandinavien nach Mitteleuropa gelangten bzw. dort kopiert wurden und zu eigenen Formen anregte (kontinentaler Tierstil II)(man bedenke auch die Formelwörter alu und ota auf den Hüfinger Brakteaten, die häufig in Skandinavien vorkommen). Warum diese Elemente nach Mitteleuropa gelangten, ist noch nicht hinreichend erklärt. Es könnte sich um intensiviertere Handelsbeziehungen handeln und engere soziale Kontakte (Heiratsbeziehungen, Einwanderung, Wanderhandwerker, Krieger die sich neue Gefolgschaftsherren auf dem Festland anschlossen). Eine weitere These lautet, dass diese "nordischen" Elemente gezielt von einigen germanischen Gruppen übernommen wurde, um sich eine eigene Identität zu geben und diese nach aussen (eventl. gegen die eher romanisierten Gebiete/Gruppen und die Einflüsse aus dem Mittelmeerraum)zu demonstrieren und sich dadurch abzugrenzen.
Die Runen in Skandinavien
Im skandinavischen Norden, wohin die lateinische Schrift erst im Mittelalter im Zuge der Christianisierung gelangte, haben die Runen dagegen sehr ausgedehnte Verwendung gefunden, besonders bei Grabinschriften oder zum Andenken an Familienangehörige auf Runensteinen. Aus der Zeit des älteren Futharks hat die Inschrift auf dem kleineren der Goldhörner von Gallehus große Berühmtheit erlangt.
Goldhörner von Gallehus]
Die Inschriften im kürzeren Futhark beginnen etwa um 800; Beispiele dafür sind die Steine von Helnäs und Flemlöse auf Fünen. Ganz sicher datierbar sind jedoch erst die zweifellos jüngeren Iällingesteine aus dem 10. Jahrhundert. Sie sind in Schweden besonders zahlreich und reichen bis in spätere Zeit hinauf, auf Gotland bis ins 16. Jahrhundert; einige (beispielsweise der Karlevistein auf Öland und der Rökstein in Östergötland) enthalten stabreimende Verse. Diese jüngeren Inschriften aus der Wikingerzeit machen mit über 5000 den Hauptanteil aller erhaltenen Runendenkmäler aus. Allein im schwedischen Uppland finden sich 1200 Runensteine. Der Gebrauch der Runen zu literarischen Zwecken, also in Handschriften, ist dagegen selten und wohl nur als eine gelehrte Spielerei zu betrachten. Das umfangreichste Denkmal war der sogenannte Codex runicus mit dem schonischen Recht aus dem 14. Jahrhundert. Besonders lange wurden Runen auf Kalenderstäben gebraucht.
Da Mythen, Sagen und epische Lieder mündlich überliefert wurden und die isländischen Prosa-Sagas von Anfang an eine (latein)schriftliche Textgattung waren, spielten Runen als Medium literarischer Überlieferung kaum eine Rolle. Aber nicht nur die große Verbreitung von Inschriften macht es wahrscheinlich, dass zumindest in der wohlhabenden Oberschicht Skandinaviens ein recht großer Teil der Menschen Runen lesen und schreiben konnte. Runen dienten oft auch profanen Zwecken. Dazu zählen Besitzmarken, mit denen Handelswaren und anderes Eigentum gekennzeichnet wurden, geschäftliche Mitteilungen, aber auch Gelegenheitsinschriften in Form von kurzen privaten Botschaften, wie zum Beispiel die Aufforderung „kysmik“ (küss mich), die im Oslo des 11. Jahrhunderts auf einen Knochen geritzt wurde. In Byzanz hinterließen mehrere nordische Reisende, möglicherweise Krieger der kaiserlichen Warägergarde, Runengraffitos auf Galerien der Hagia Sophia.
Das isländische Alphabet enthält bis heute ein Zeichen, das ursprünglich aus der Runenschrift stammt: Þ steht für den stimmlosen th-Laut (wie beispielsweise im englischen Wort „thing“).
Runen in der Neuzeit
Þ
Beginn der wissenschaftlichen Erforschung
Die Runen gerieten nie in völlige Vergessenheit. Die wissenschaftliche Befassung mit Runendenkmälern und der Runenschrift hielt sich das ganze Mittelalter hindurch, bis zum Humanismus auf denselben Gleisen wie die enzyklopädische und geschichtswissenschaftliche Beschäftigung mit anderen Altertümern. Humanisten wie der Schweizer Melchior Goldast fahnden in mittelalterlichen Manuskripten nach der Geschichtsüberlieferung des eigenen 'Stammes', wenn sie althochdeutsche Texte ebenso abdrucken wie die klösterlichen Runentraktate des 9. Jahrhunderts (s. Abb.). Im Norden konnte sich die Aufmerksamkeit auf die inschriftlichen Denkmäler selbst richten. Seit dem 16. Jahrhundert wurden gelehrte Sammlungen und Studien veröffentlicht, allerdings erscheinen die Herleitungen der Schrift z.B. aus der Zeit der Sintflut (Johan Magnus, 1554) oder von der hebräischen Schrift (Ole Worm, 1639) doch eher kurios. Johan Göranssons Bautil von 1750 ist mit seinen Abbildungen von 1200 schwedischen Runensteinen noch immer von Bedeutung, auch wenn er die These vertrat, die Runen seien um 2000 v.Chr. von einem Bruder Magogs in den Norden gebracht worden. Das verlorengegangene Goldhorn von Gallehus ist nur noch durch Stiche des 18. Jahrhunderts fassbar.
Heute ist die Runenkunde (Runologie) kein eigenständiges akademisches Fach, aber ein etabliertes Forschungsgebiet im Berührungsfeld von vergleichender Sprachwissenschaft, Nordistik, Geschichtswissenschaft und Archäologie.
Ideologische Vereinnahmungen
Als scheinbar autochthone, rein germanische Leistung waren die Runen anfällig für den Missbrauch für ideologische und politische Zwecke im Zeitalter des Nationalgedankens. Schon im 17. Jahrhundert entwickelten Dänemark und Schweden einen ahistorischen Stolz auf "ihre" Runen. Einer kulturkritischen Strömung am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts, die sich in neuheidnischen und antisemitischen Tendenzen äußerte, kamen vorchristliche, „nordische“ Traditionen nur gelegen. Die Vereinnahmung der Rune für s (wie auch der nordischen Mythologie) durch die SS im deutschen 'Dritten Reich' und der Rune für o durch die Neonazis (siehe Rechtsextreme Symbole und Zeichen) ist dabei nur die bekannteste Form dieser ideologischen Indienstnahme.
Runen in der Esoterik-Szene
Noch zu ergänzen.
Literatur
- Klaus Düwel: Runenkunde. 3. vollst. erw. u. neu bearb. Aufl. Stuttgart: Metzler 2001. ISBN 347613072X
- Artikel "Runen", "R.dichtung", "R.fälschungen", "R.gedichte", "R.inschriften", "R.meister", "R.münzen", "R.namen", "R.reihen", "R.schrift", "R.steine". In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Bd. 25 (2003), S. 499-596. ISBN 3-11-017733-1 (Beiträge von K. Düwel, H.-P. Naumann, A. Bauer, F.-X. Dillmann, R. I. Page, M. L. Nielsen, R. Nedoma, K. Fjellhammer Seim)
- René Derolez: Runica Manuscripta. The English Tradition. Brügge 1954 (Standardwerk über die 'Buchrunen')
- Heinz Klingenberg: Runenschrift – Schriftdenken – Runeninschriften. [Mit 78 Textfiguren und 63 Abbildungen auf 32 Kunstdrucktafeln.] Heidelberg: Carl Winter, 1973. ISBN 3533021815
- Robert Nedoma: Personennamen in südgermanischen Runeninschriften. Heidelberg: Winter 2004. ISBN 3825316467
- Alfred Becker: Franks Casket, Zu den Bildern und Inschriften des Runenkästchens von Auzon. Regensburger Arbeiten zur Anglistik und Amerikanistik, Bd. 5; Regensburg 1973. ISBN 3-418-0025-6
Siehe auch
- Ältere Skandinavistik
- Ungarische Runen, Orchon-Runen, Runenstein von Kensington
Weblinks
- [http://www.listserv.dfn.de/cgi-bin/wa?A2=ind0310&L=hexenforschung&P=R4248&I=-3 Kommentierte Linkliste, zusammengestellt von K. Graf]
- [http://www.runenprojekt.uni-kiel.de/beschreibung/1/default.htm Umfangreiche Runendatei mit weiterführender Literatur zu den einzelnen Inschriften] (Runenprojekt Uni Kiel)
- [http://ariadne.uio.no/runenews/ Nytt om runer - Jährliche Bibliographie sowie Neufunde mit Beschreibung und Abb. seit 1995] (Die führende Fachzeitschrift, Univ. Oslo)
- [http://www.omniglot.com/writing/runic.htm Beispiele germanischer Runen] (engl.)
- [http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runentab.htm Beispiele von Inschriften mit Runenreihen] [http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runinsc.htm Weitere Inschriften] (Titus, Uni Frankfurt)
- [http://www.thror.de Runen in den Werken von J.R.R Tolkien]
- [http://www.geocities.com/TimesSquare/Alley/1557/fonts1.htm Download von Runenfonts]
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6. Jahrhundert
Das 6. Jahrhundert begann am 1. Januar 501 und endete am 31. Dezember 600.
Es ist die Epoche des Übergangs zwischen der Spätantike und dem Frühmittelalter.
Zeitalter/Epoche
Letztes Jahrhundert der Spätantike und zugleich erstes Jahrhundert des Frühmittelalters.
Ereignisse/Entwicklungen
- die keltische Kirche geht in der römisch-katholischen Kirche auf.
- letzter Höhepunkt der spätantiken Kultur unter Kaiser Justinian I..
- in die durch die Völkerwanderung entvölkerten ehemaligen östlichen germanischen Gebiete wandern ab 580 allmählich slawische Völker (Wenden) ein.
- Das Fünfte Ökumenische Konzil tagt 553 in Konstantinopel.
Persönlichkeiten
- Papst Gregor I., der jüngste der antiken Kirchenväter (vgl. Gregorianischer Choral)
- Garab Dorje, buddhistischer Meister und Gründer der Dzogchen-Tradition
- Gregor von Tours (538/539-594)
- Benedikt von Nursia (ca. 480-547)
- Chosrau I., sassanidischer Großkönig (531-579)
- Justinian I., oströmischer Kaiser (527-565)
- Manjusrimitra, Abt der buddhistischen Klosteruniversität Nalanda, Schüler von Garab Dorje
Islam
Um 570 Geburt des Propheten Mohammed [http://de.wikipedia.org/wiki/Prophet_Mohammed] (s.a.w.s.) der dann um 610 gemäß muslimischer Tradition in einer Höhle namens Hira [http://de.wikipedia.org/wiki/Hira] auf der arab. Halbinsel den Erzengel Gabriel empfangen und damit zum Begründer einer neuen Weltreligion werden sollte, deren militärische Expansion ab etwa 632 das endgültige Ende der Antike markiert.
01-06
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ja:6世紀
ko:6세기
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th:คริสต์ศตวรรษที่ 6
GotenDie Goten waren ein germanisches Volk, das zur Zeitenwende im Bereich der Weichselmündung siedelte. Damals war es den antiken Geographen unter dem Namen Gotonen (Gutonen; gotisch Gutans) bekannt. Der Name wird vom gotischen Wort giutan ("gießen") bzw. gutans ("gegossen") abgeleitet und als "Ausgießer" gedeutet. In der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts zog ein Teil der Goten nach Südosten zum Schwarzen Meer. Nach ersten Auseinandersetzungen mit dem Römischen Reich in Südosteuropa in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts kam es am Ende des 3. Jahrhunderts zur Spaltung in Ost- und Westgoten (Ostrogothi, glänzende Goten, und Visigothi, gute Goten). Während der nächsten einhundert Jahre sprach man von den Westgoten als Terwingen, von den Ostgoten als Greutungen.
Die Ostgoten wurden 375 von den Hunnen unterworfen. Sie wurden nach deren Niedergang zu römischen Foederati und eroberten 488 unter Theoderich Italien, vorgeblich im Auftrag von Byzanz.
Nach Theoderichs Tod zerfiel das Ostgotenreich.
Die Westgoten, die noch im Jahre 378 das oströmische Heer unter Kaiser Valens in der Schlacht von Adrianopel schlugen, wurden 382 Föderierte und gründeten Anfang des 5. Jahrhunderts ein Reich in Gallien, das von den Franken nach Spanien verdrängt wurde. Das Westgotenreich unterlag 711 den Mauren.
Stammesnamen
Um Verwirrung vorzubeugen, müssen zunächst einmal die Namen der Gotenvölker, die im Folgenden verwendet werden, geklärt werden. Die Westgoten hießen auch Tervingi (hauptsächlich in ihren Siedlungsgebieten nördlich der Donau) oder Vesi- bzw. Visigothi (hier jeweils die lateinischen Formen). Terwingen bedeutet „Waldleute“ (gotisch triu = Baum); Vesi ist eine prunkende Selbstbezeichnung, die so viel bedeutet wie „die Edlen“. Für die Ostgoten stehen auch die Namen Greutungi (hauptsächlich vor dem Hunneneinfall 375) und Ostrogothi, wobei Greutungen frei übersetzt Steppen- oder Strandbewohner heißt; Ostrogothi ist, wie weiter unten ausgeführt, ein mythologischer Name aus der Ahnenreihe der Amaler.
Später wurden die Namen Vesi- und Ostrogothi von Cassiodor, einem Minister Theoderichs des Großen, in anachronistischer Weise in West- und Ostgoten umgedeutet.
Die Trennung der Stämme war von nun an deutlich. Die Gepiden, die sich dem Südzug der Goten angeschlossen hatten, waren ursprünglich wohl ein eigenes Volk, auch wenn Cassiodor sie neben Ost- und Westgoten als dritte Volksgruppe nennt. Sie blieben größtenteils im Hinterland, nahe der Karpaten – sie sollten von da an eine politisch eher untergeordnete Rolle spielen. Die Westgoten siedelten nördlich der Donau, und die Ostgoten breiteten sich an der Mündung des Dnjepr aus, unter anderem auch auf der Krim. Die Westgoten konstituierten sich in einer von vielen Kleinkönigen beherrschten Oligarchie, während sich das abgedrängte Königshaus der Amaler bei den Ostgoten seine Macht erhalten konnte.
Geschichte
Gemeinsame Geschichte der Goten vor der Trennung
Anfänge
Die ersten Erwähnungen der Goten finden sich bei den antiken Geschichtsschreibern Tacitus, Strabon und Ptolemäus als Gotonen. Aus deren Nachrichten ergibt sich das Bild eines Stammes mit einem für germanische Verhältnisse bemerkenswert starken Königtum, der zur Zeitenwende nördlich des Weichselknies im Machtbereich der Markomannen siedelte. Seine Nachbarn waren die Lugier im Süden und Rugier im Norden. Die Herkunft gotischer Tradition aus dem südskandinavischen Raum gilt als möglich, wird aber von der modernen Forschung zunehmend zurückgewiesen.
Der Sage nach gelangten zuerst zwei Boote der Goten und einige Zeit später das der Gepiden, ihrem Brudervolk, aus Skandza (Skandinavien) im Norden Polens an.
Die Küste dort hieß angeblich noch im 6. Jh. Gothiskandza ("Skandza (=Küste) der Goten"). Auch gab es eine Insel in der Weichselmündung, „Geped oios“ genannt, was so viel bedeutet wie "Insel der Gepiden".
Ob die Goten jedoch tatsächlich aus Skandinavien stammten, wie damals alle germanischen Völker in ihren Ahnenreihen angaben, ist jedoch sehr fraglich (siehe dazu auch Jordanes und Cassiodor). Es galt als schicklich, von dort zu kommen, aus der „Gebärmutter der Völker“, da man damit Stärke und Fruchtbarkeit assoziierte. In Skandinavien gibt es nur wenige Hinweise, dass einst Goten dort lebten. Auf Grund der modernen Forschung wäre es wahrscheinlicher, wenn sich die Goten als polyethnischer Stammesverband bereits auf dem Festland, das heißt im Gebiet des heutigen Polen, gebildet hätten. Archäologisch ist eine nicht sehr starke Zäsur um 150 v. Chr. an der Weichselmündung belegt, die wahrscheinlich mit der Ankunft der möglicherweise aus Skandinavien gekommenen Gutonen zusammenhängt.
Fest steht jedenfalls, dass sie kein homogenes Volk waren. Sie setzten sich aus vielen einzelnen Stämmen unterschiedlicher Abstammung zusammen. Unter ihnen gab es im frühen Stadium, vor ihrer Wanderung, baltische Gruppen, den Stamm der Aesten, Gepiden, Gauten, und natürlich die eigentlichen Goten. Die Namen der letzten zwei Stämme (und möglicherweise auch der der Gepiden) haben dieselbe Bedeutung, was auf einen gemeinsamen Ursprung schließen lässt, und zwar „Ausgießer“. Damit könnte irgendeine Flussmündung gemeint sein, oder aber auch einfach nur Männer. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie ihren Verstorbenen keine Waffen ins Grab legten, was für Germanen untypisch ist.
Die erste bezeugte historische Aktivität war eine Verwicklung in eine gegen den Markomannenkönig Marbod gerichtete römische Intrige zwischen 16 - 18, die im Zusammenhang mit dem Cheruskeraufstand stand.
Gotensturm
Als nach der Mitte des zweiten Jahrhunderts die Zahl des Volkes immer mehr zunahm, fasste der Sage nach König Filimer den Entschluss, mit Heer, Frauen und Kindern auszuwandern. Jedenfalls zogen die Goten entlang der Weichsel flussaufwärts bis ans Schwarzen Meer und die Donau. Pro Generation wanderten sie nur etwa 50 bis 60 km Richtung Südosten. Auf ihrem Weg verdrängten sie die Markomannen, die im böhmischen Raum siedelten, und lösten dadurch die Markomannenstürme aus, mit denen die Römer schwer zu kämpfen hatten.
Schwarzen Meer
Sie tauchten dann um 238 an der Nordküste des Schwarzen Meeres auf. Archäologisch nachgewiesen ist eine Verschiebung von Teilen der Wielbark-Kultur in den Raum der so genannten Cernjachov-Kultur (größtenteils in der heutigen Ukraine). Es begann der so genannte Gotensturm, er fiel in die Zeit der bis dahin größten Krise des römischen Imperiums (Soldatenkaiser).
238 überfielen die Goten, die in den Quellen anfangs noch anachronistisch als Skythen bezeichnet wurden, und Carpen das römische Histros südlich der Donaumündung. Nach Plünderung der Stadt und Erpressung von Jahresgeldern zogen sie wieder ab. Als zehn Jahre später Kaiser Philippus Arabs nach Siegen über die Carpen die Zahlung der Jahresgelder einstellte, fielen die Goten unter Kniva 250 mit mehreren Heeresgruppen nach Dakien, Thrakien, Mösien und Illyrien ein. Der mittlerweile neue Kaiser Decius wurde in mehreren Schlachten besiegt und fiel schließlich in der Schlacht von Abrittus 251.
Der nächste Kaiser Trebonianus Gallus gestand den Goten wieder Jahresgelder zu, wurde jedoch von Aemilianus gestürzt, der die Zahlung wieder einstellte. Wieder griffen die Goten in Thrakien und Mösien an, wurden jedoch diesmal geschlagen.
Nach erneutem Kaiserwechsel drangen die Goten 254 bis Thessaloniki vor. Mittlerweile waren viele Städte im Dauerkriegsgebiet stark befestigt, das Land litt unter den starken Verwüstungen.
Die Goten gingen ab 255 zu seegestützten Angriffen, zunächst im Raum des östlichen Schwarzen Meeres über, 256 wurden Pityus und Trapezunt erobert. Ab 257 durchfuhren die Goten erstmals den Bosporus und nehmen eine ganze Reihe kleinasiatischer Städte ein. Die zweite Welle begann 268, als
eine große gotisch-herulische Armada unterstützt von Landstreitkräften gegen Byzanz zog, die Dardanellen durchquerte und plündernd in die Peloponnes einfiel.
Claudius II. besiegte die Angreifer und nahm als erster römischer Kaiser den Ehrentitel Gothicus an.
Spaltung der Goten und Grundzüge der späteren Ethnogenese
Mit dem Ende der Krise des Imperiums unter Diokletian beruhigte sich vorerst auch die Lage an der Donau wieder. In diese Zeit (um das Jahr 290) fiel auch die Spaltung der Goten in die Terwingen-Vesier/Westgoten und Greutungen-Ostrogothen/Ostgoten.
Es ist wichtig in diesem Kontext darauf hinzuweisen, dass die Terwingen nicht einfach die späteren Westgoten und die Greutungen nicht einfach die späteren Ostgoten waren. Vielmehr fand die Ethnogenese differenzierter statt: Teile der Terwingen verschmolzen später mit Greutungen und Teilen anderer Völkerschaften zu den Ostgoten, wie auch Teile der Greutungen an der Ethnogenese des Hauptteils der Terwingen zu den Westgoten teilnahmen. Zeitlich kann man grob sagen, dass die Westgoten in der Zeit der Ansiedlung im römischen Reich in den Jahren ab 376 bis zum Königtum von Alarich I., die Ostgoten im Zeitraum von dem Niedergang des hunnischen Reiches (Mitte des 5. Jahrhunderts) bis zur Übersiedlung nach Italien unter Theoderich den Großen (489) entstanden sind .
In der Forschung herrscht jedoch keine Einigkeit darüber, inwiefern man beispielsweise bei den späteren Ostgoten von einem Gemeinschaftsgefühl sprechen kann (vergleiche die Positionen von Peter J. Heather und Herwig Wolfram).
Zum historischen Hintergrund der folgenden Zeit vgl. vor allem: Spätantike.
Greutungen
Das Herrschaftsgebiet der Greutungen, das der greutungische König Ermanarich beherrschte, soll vor dem Einfall der Hunnen 375 n. Chr. beachtlich gewesen sein; genaueres läßt sich jedoch kaum sagen, da auch Ammianus Marcellinus, unsere wichtigste Quelle für diese Zeit, dazu kaum Angaben macht. Die höchste Schätzung geht von einem gotischen Einflussbereich vom Baltikum bis zum Ural aus, was aber wohl übertrieben ist, zumal nicht sicher ist, ob Ermanarich über alle Greutungen herrschte . Das Zentrum der greutungischen Herrschaft lag jedenfalls in der heutigen Ukraine und umfasste neben den Goten auch andere Volksgruppen.
Der Einfluss der iranischen Steppenvölker hatte zur Folge, dass der gepanzerte Lanzenreiter einen bedeutenden Teil der Streitkraft der Greutungen ausmachte - im Gegensatz zu den Terwingen, bei denen der Fußsoldat überwog. Der gotische Reiterkrieger trug Zweikämpfe zu Pferde aus und konnte große Entfernungen überwinden.
Im Jahre 375 überschritten die Hunnen den Don und unterwarfen das Reich der Alanen. Damit war Ermanarich der Krieg erklärt. Die hunnischen Reiter waren mit ihren damals hochmodernen Reflexbögen und ihrer Überfalltaktik den gotischen Kriegern weit überlegen.
Der König selber, so erzählt es Ammianus Marcellinus, wollte das weder erleben noch verantworten. Nach mehreren Niederlagen, angesichts der Schrecklichkeit der drohenden Gefahren und aus Furcht vor den großen Entscheidungen, setzte er selbst seinem Leben ein Ende.
Sein Volk gab den Kampf aber noch nicht auf und wählte aus der Königsfamilie einen Nachfolger. Dieser fiel bereits nach einem Jahr, und der ostrogothische Widerstand brach zusammen. Der Großteil des Volkes geriet unter die Oberherrschaft der Hunnen, doch gelang es einer starken Gruppe von Greutungen und Alanen, sich mit abtrünnigen Hunnen zu verbinden und der Unterwerfung zu entziehen, worauf sie Zuflucht im römischen Reich suchten. Diese Gruppe war es, die den Terwingen/Westgoten ein Jahr später in der Schlacht gegen die Römer zum Sieg verhalf.
Der Großteil der Greutungen, auch die Gepiden, unterwarf sich den Hunnen und wanderte mit ihren Herren in den Westen. Nur eine Minderheit blieb auf der Krim zurück, welche sich aber äußerst lange als selbständige Kultur behaupten konnte.
Noch im 16. Jahrhundert wurde dort Gotisch gesprochen. Der flämische Gesandte Ogier Ghislain de Busbecq traf in Istanbul solche Krimgoten, von denen er einige Wörter überlieferte, wie z.B. „reghen“ für Regen, „stul“ für Stuhl und „handa“ für Hände. Die so genannten „Gotenburgen“, die Städte der Goten, sind direkt in den Stein gehauen. In ihrer Hauptstadt Dori sind alle Straßen und Häuser mitten in den Fels gehauen. (Siehe Krimgoten)
Allerdings konnten sich offenbar immer wieder einige Gruppen von Goten der hunnischen Herrschaft entziehen bzw. unternahmen einen Versuch, dies zu erreichen (vgl. Radagaisus).
Ostgoten
Im Zuge des Niedergangs der Hunnenherrschaft nach dem Tode Attilas drängten viele Völker ins Reich, darunter auch die Ostgoten. Ein Teil erhielt schließlich einen Föderatenvertrag und siedelte sich in Pannonien an. Der Sohn des Ostgotenkönigs Valamir, Theoderich, kam als Geisel an den Hof in Byzanz (459 - 469). Nach seiner Entlassung erkämpfte er sich die Herrschaft über einen Teil der Ostgoten auf dem Balkan und wurde 474 deren König.
Dennoch gab es auch Ostgoten in oströmischen Diensten, wie etwa den Heermeister Theoderich Strabo, dem Rivalen des vorher genannten Theoderich. Erst nach dem Tod Strabos 481 konnte sich Theoderich der Große endgültig durchsetzten.
Im Auftrag des Kaisers Zenon zog Theoderich 488 mit dem Großteil der Ostgoten nach Italien, um Odoaker zu vertreiben, welcher 476 Romulus Augustulus abgesetzt hatte und als Patricius das Land regierte. Theoderich sollte Rom für das Imperium zurückzuerobern, bis Zenon selbst in den Westen kommen würde. Die fünfjährige Rabenschlacht (Schlacht um Ravenna) begann. Am 5. März 493 ermordete Theoderich Odoaker in Ravenna, obwohl sich beide bereits verständigt hatten. Fortan herrschte Theoderich als princeps Romanus und an Stelle des Kaisers über Italien - Ostrom musste dies wohl oder übel hinnehmen.
Nach Ausschaltung der Konkurrenz im eigenen Lager war die Herrschaft Theoderichs gekennzeichnet von der Anknüpfung an die spätantike Verwaltungspraxis in Italien, vom Bestreben um einen Ausgleich zwischen Goten und Römern (die Arianer bzw. Katholiken waren) und die Konsolidierung der Macht (Heirats- und Bündnispolitik). Er konnte jedoch nicht die Etablierung der fränkischen Herrschaft über Gallien verhindern. 511 machte er sich zum König über die von den Franken besiegten Westgoten, während es im Inneren zu einer kulturellen Spätblüte Italiens kam. Die letzten Jahre des Theoderich wurden überschattet von Fehlleistungen, wie die Ermordung des Boethius. Theoderich starb schließlich am 30. August 526, wobei zahlreiche Legenden über seinen Tod entstanden.
Die Zeit danach war chaotisch: Als Vormund des designierten, aber nur 10-jährigen Nachfolgers Athalarich, regiert Amalasuntha, Theoderichs Tochter. Ihr Vetter Theodahad entmachtete sie jedoch 534. Ostrom griff in den Kampf ein: Der oströmische Feldherr Belisar landete 535 in Sizilien und stieß rasch bis nach Rom vor. Die rebellierenden Goten stürzten Theodahat und erhoben 536 Witichis zum König, der Belisar bis 540 standhalten konnte. Im Mai 540 marschierte Belisar in Ravenna ein und nahm den König gefangen: Die Ostgoten schienen besiegt.
Die Reste des Gotenheeres erhoben Totila 541 zum König, dem es dann völlig überraschend gelang, innerhalb kurzer Zeit größere Teile Italiens zurückzuerobern. Offenbar hatten sich die kaiserlichen Beamten in kürzester Zeit so unbeliebt gemacht, dass Totila viele Anhänger fand. In den folgenden zehn Jahren wurde das Land durch den Krieg so gründlich verwüstet, dass diese Katastrophe das Ende der spätantiken Kultur Italiens bedeutete; es tobte ein grausamer Krieg mit wechselndem Glück. Auch der erneut entsandte Belisar konnte aufgrund zu geringer Truppenstärke keine Entscheidung herbeiführen und wurde schließlich wieder abberufen. 552 wurde die neue oströmischen Italienarmee (etwa 30.000 Soldaten) dann von Narses angeführt, der Totila 552 in der Schlacht von Busta Gallorum schlug (Tod Totilas).
Mit Teja endete 552 in der Schlacht am Milchberg die ostgotische Agonie. Die meisten Goten unterwarfen sich Narses. Die überlebenden Goten wurden teils zu oströmischen Untertanen, teils leisteten sie an einigen Orten noch hinhaltenden Widerstand, und teils schlossen sie sich den Franken und Langobarden an (siehe dazu auch: Justinian I.).
Westgoten
auch: Visigoten
Terwingen
Gegen Ende des 3. Jahrhunderts begannen die Terwingen, die den Quellen jener Zeit als westlicher Teil der Goten gelten, das von den Römern aus strategischen Gründen aufgegebene Dakien zu besiedeln. Bis kurz vor Beginn der Hunnengefahr blieb die Situation, bis auf kleinere gelegentliche Raubzüge der Terwingen, ruhig. Konstantin der Große hatte 332 einen Vertrag mit den Donaugoten geschlossen, die sich damit zur Waffenhilfe verpflichteten. Mit der Ära Athanarichs verschärften sich jedoch ab 365 die römisch-terwingischen Auseinandersetzungen. Athanarich, der einen römischen Usurpator unterstützt hatte, wurde 369 vom oströmischen Kaiser Valens entscheidend geschlagen, konnte aber dennoch einen günstigen Vertrag aushandeln. Die mittlerweile begonnene Christianisierung der Terwingen (hervorzuheben ist hier besonders Wulfila) führte zu Christenverfolgungen und der Bildung einer Opposition unter dem zum Arianismus übergetretenen Fritigern gegen Athanarich.
Obwohl Fritigern von Valens unterstützt wurde, behielt Athanarich vorerst die Oberhand. Dies änderte sich jedoch mit dem Anwachsen der Hunnengefahr, die Athanarich nicht abwenden konnte. Große Teile der Terwingen flohen 376 unter Fritigern mit Erlaubnis der Römer unter chaotischen Bedingungen ins Reich.
Mit und gegen das Imperium – Vom Donauübergang 376 bis zur Ansiedlung in Aquitanien 418
Kaiser Valens hatte 376 den Goten unter Fritigern erlaubt, die Donau zu überschreiten und sich in Teilen Thrakiens anzusiedeln. Sie wurden jedoch wegen des Versagens der dortigen Verwaltung nicht entwaffnet; dadurch gelangten schließlich zehntausende Goten über die Donau, sodass die Römer aufgrund von logistische Problemen mit der Versorgung vollkommen überfordert waren, zumal es auch zu Misswirtschaft auf römischer Seite kam. Die römische Armee war ebenfalls völlig überfordert und konnte nicht verhindern, dass mit den Goten etliche andere Stämme teils ungeordnet die Donau passierten; kurz darauf kam es auch zu Kampfhandlungen. Die römische Regionalarmee wurde geschlagen und römische Sklaven und bereits romanisierte Goten gingen zu Fritigern über.
Eine Gruppe von Greutungen, die sich zum selben Zeitpunkt ganz in der Nähe befand, nahmen mit den Terwingen Kontakt auf, ebenso wie einige Alanen und flüchtige Hunnen (so genannte Drei-Völker-Konföderation).
Die römische Reaktion war, dass Kaiser Valens die gesamte östliche Hofarmee von ca. 30.000 Mann nach Thrakien führte. Sein Neffe Gratian sollte von Norden mit seinen Elitetruppen anrücken, wurde jedoch durch einen plötzlichen Einfall der Alamannen aufgehalten und traf erst 378 im Nordwesten des heutigen Bulgarien ein.
Valens entschloss sich dennoch, am Morgen des | | |