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| Gott |
GottUnter Gott versteht man entweder allgemein ein (meist) unsterbliches, übernatürliches und mit großer Macht ausgestattetes Wesen (im Polytheismus), oder im besonderen ein einziges höchstes personales Wesen (im Monotheismus), das zugleich als der unendliche Grund allen Seins verstanden wird. Es gibt keinen allgemein anerkannten Beweis für die Existenz eines solchen Wesens.
Weniger personalisiert lässt er sich auffassen als das Bestehen überindividueller Zusammenhänge (vgl. Gregory Bateson, Ökologie des Geistes).
Die polytheistische Vorstellung von Göttern manifestierte sich u.a. in den Mythologien der Antike und prägt bis heute schamanistische oder Indigene Religionen in Afrika und Asien, etwa den japanischen Shintoismus. Es gibt aber mit dem Buddhismus, Jainismus und teilweise auch Taoismus religiöse Traditionen, die sich nicht auf einen Gott oder Gottheiten beziehen. Der Monotheismus, der sich zuerst in den Lehren Zarathustras, im Aton-Kult (Religion) des Echnaton und im Judentum ausgebildet hat, wird vor allem von den relativ jungen Religionen wie Christentum und Islam repräsentiert.
Verschiedene Formen monotheistischer Gottesvorstellungen sind:
- der Theismus, der Glaube an einen persönlichen Gott, der die Welt erschaffen hat, sie erhält und lenkt;
- der Deismus, nach dem Gott zwar Schöpfer der Welt ist, aber seit der Schöpfung nicht mehr in das Geschehen der Welt eingreift und sich nicht mehr offenbart;
- der Pantheismus, dessen Anhänger Gott als den nicht transzendenten Inbegriff allen universalen Seins und aller wirkenden Kräfte definieren;
- der Theokratismus, der Glaube, dass Gott Herrscher aber nicht Schöpfer des Universums ist.
Historisch fand in vielen Kulturkreisen eine Verdrängung des Polytheismus durch den Monotheismus statt. Im Abendland erfolgte im Zuge der Aufklärung eine weitgehende Säkularisierung, eine Trennung von Staat und Kirche. Religion und Gottesglaube werden seither in höherem Maße als Privatsache gesehen. Im 19. Jahrhundert formulierte Ludwig Feuerbach in Umkehrung des biblischen Schöpfungsberichts die These, der Mensch habe Gott nach seinem Bilde geschaffen. Friedrich Nietzsche lehnte schließlich jede Gottesvorstellung ab mit dem Ausspruch „Gott ist tot“ (aus „Die fröhliche Wissenschaft“).
Atheistische Sicht
Atheisten lehnen den Glauben an Götter oder ähnliches ab oder vertreten die Auffassung, dass gottartige Wesen nicht existieren bzw. gar nicht existieren können. Begründet wird dies meist mit wissenschaftlichen oder logischen Argumenten (siehe auch Theodizee). Agnostiker dagegen schließen die Existenz höherer Wesen nicht grundsätzlich aus; sie halten sie entweder für unbekannt oder für unerkennbar.
Vorstellungen im Juden- und Christentum
Das hebräische Wort „El“, das wahrscheinlich „Mächtiger“ oder „Starker“ bedeutet, wird in der Bibel in der Pluralform „Elohim“ in Bezug auf den Schöpfer des Universums, im Singular auch auf andere Götterwesen und sogar auf Menschen gebraucht. Oft wird der Begriff für eine „höchste Erscheinung“ verwendet. Dabei wird dieser inklusive Allgemeinbegriff für etwas Göttliches vom exklusiven Namen des einzigen Gottes Jahwe, der mit seiner Rettungstat an Israel untrennbar verbunden ist (Ex 3,14), unterschieden.
„Theos“, das griechische Wort für Gott, entstammt wohl dem Verb „theo“, platzieren. „Theos“ ist demnach wörtlich ein Platzierer, ein Unterordner. Im Neuen Testament kommt es daher auf den Kontext an, um zu erkennen, wer damit gemeint ist.
Jesus als Herrscher auf dem Thron wird Gott genannt (Heb. 1:8) und Paulus (Ap. 28,6), als durch ihn ein Wunder gewirkt wurde. Auch der eigene Körper kann ein Gott sein (Phil. 3,19). Jesus wird „einziggezeugter Gott“ (Joh. 1,18) genannt. Sein Vater ist aber der Gott aller (Eph. 4,6, 1. Kor. 8,4).
Dem jüdischen und christlichen Gott werden (wie auch dem Gott des Islam und der Baha'i) die Attribute Allmacht (Omnipotenz), Wissen (Allwissenheit), Güte, Liebe, Ewigkeit, Unveränderlichkeit und Unendlichkeit zugeschrieben.
Siehe auch: Monotheismus
Der jüdische und christliche Gott trägt den Eigennamen Jahwe (fälschlicherweise oft Jehova), der – alter jüdischer Praxis folgend – auch in modernen Bibeln oft durch den Titel „HERR“ ersetzt ist. Außerdem werden einige weitere Namen und Namenszusätze für Jahwe verwendet, darunter Zebaot (auch "Sabaoth", deutsch: "Herr der Heerscharen").
Jesus Christus wird im Neuen Testament als „Sohn Gottes“ bezeichnet. Die Evangelien berichten, dass er diesen Titel auch für sich selbst beansprucht habe. Die christliche Reflexion führte zur Lehre von der Dreieinigkeit Gottes: Der eine Gott ist Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist; der Sohn hat Menschenschicksal bis zum Tod am Kreuz geteilt (Menschwerdung Gottes) und nimmt durch seinen Tod und die Wiederauferstehung alle, die unter der Macht des Todes stehen und ihm vertrauen, in die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott auf.
Kritische Sicht des jüdischen, christlichen und islamischen Gottes
Solange es Religion gibt, gibt es kritische Äußerungen zu ihr. Die unterschiedlichen Philosophien und Glaubensarten, die sich mit der Kritik am jeweiligen Gottesbild auseinandersetzen, werden unter dem Begriff Religionskritik behandelt.
Im Licht der Aufklärung lässt sich die „Natur Gottes“ auch als die Glaubensbewegung erkennen, die ihn jeweils verehrt.
Er ist insoweit die Manifestation des transzendenten (über die Wahrnehmung des Einzelnen und des Gegenwärtigen hinausreichenden) Wesens der „kulturellen Masse“ und ihres gemeinschaftlichen Sinngefüges (vergleiche: Gesetz; Weltbild; Sitte; Gruppengefühlsordnung; oftmals verbunden mit dem Anspruch auf Universalität und absoluter Wahrheit).
Aus der Sicht einiger Religionswissenschaftler und Atheisten steht das Verhalten Jahwehs teilweise im Gegensatz zu seinen Eigenschaften: Das Alte Testament berichtet von Situationen, in denen Gott Bruder- und Kindermord und in Kriegen sogar Völkermord angeordnet hat, da die Völker okkulte Praktiken ausübten die "der HERR verabscheut" ( 5. Mose 18, 12 )
In der Religionswissenschaft wird der Jahwe-Glauben manchmal auf externe Quellen zurückgeführt: als Wurzeln bezeichnet werden u. a. Babylon (Inanna; heutiger Irak, die Heimat Abrahams), Ägypten (die Heimat des Mose), Persien (starker Dualismus Gott – Teufel, Ahura Masda – Ahriman), phönizisch (El, Baal (hebr. ba-al zevuv „Herr der Fliegen“), und schließlich Kanaan (Fruchtbarkeitsgottheiten Aschera/Astarte/Astaroth und Dagon, sowie Moloch/Melech hebr. „Herr“, der Kinderopfer fordert). Konservative Theologen bestreiten eine solche Abhängigkeit. Das Alte Testament bezeugt eine kritische Auseinandersetzung mit und eine Absetzung von diesen Gottheiten, so werden die Israeliten in der Bibel ausdrücklich von Gott davor gewarnt dem Götzen Moloch ihre Kinder zu opfern, denn "das verabscheut der HERR euer Gott".
Für gläubige Monotheisten stellt sich die essentielle Frage, warum ein allmächtiger, guter Gott Leiden und Unglück auf der Welt nicht verhindert. Dieses Theodizee-Problem beschäftigt seit Jahrhunderten die Theologen und gilt als ein Argument der Atheisten, Pantheisten und Deisten. (siehe Leibniz)
Wie auch gegen andere religiöse Phänomene oder allgemein den Glauben an übersinnliche Wesen oder Gegebenheiten, wird auch gegen den monotheistischen Gottesglauben von Atheisten religionskritisch eingewendet, es handle sich um bloße Projektion.
Sprachwissenschaftliche Bedeutung
Der Wortstamm von Gott ist sehr alt und ausschließlich im germanischen Raum entstanden. Bezeichnungen sind mittelhochdeutsch, althochdeutsch Got, gotisch Guth, englisch God, schwedisch Gud. Sämtliche Bezeichnungen gehen auf das germanische - guda- (Anruf) Gott zurück, welches ursprünglich sächliches Geschlecht hatte, weil es männliche und weibliche Gottheiten zusammenfaßte.
Nach der Christianisierung wurde das Wort umgedeutet und im gesamten germanischen Sprachbereich als Bezeichnung des meist als männlich empfundenen Christengottes verwendet. Seitdem ist es nur noch unter Der Gott bekannt und würde dem Ursprung nach Das Gott heißen.
Die Herkunft des germanischen Wortes ist bis heute nicht völlig geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass der Begriff aus dem substantivierten zweiten Partizip des indogermanischen - ghuto-m der Verbalwurzel - ghau (= [an]rufen) entstanden ist. Nach dieser These wäre Gott das [durch Zauberwort] angerufene Wesen. Weiter kann es auf die indogermanische Wurzel - gheu- (= gießen) zurück geführt werden, wonach Gott als das, dem [mit] Trankopfer geopfert wird zu verstehen wäre.
Vgl. Deutsches Wörterbuch von Jakob Grimm, siehe http://www.dwb.uni-trier.de/index.html
Wortverwendung im allgemeinen Sprachgebrauch
Das Wort Gott findet im deutschen Sprachgebrauch auch außerhalb der Religion Verwendung, gewöhnlich in Formeln, die früher einmal religiöse Bedeutung hatten, heute aber ohne religiösen Beiklang verwendet werden, z. B. in Ausrufen wie „Oh Gott!“, „Gott sei Dank!“, „Um Gottes Willen!“ oder Grußformeln wie „Grüß Gott!“.
Im Niederländischen und Bairischen findet es auch Verwendung in Schimpfwörtern.
Zitate
- „Du hast uns zu deinem Eigentum erschaffen und ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir.“ (Augustinus von Hippo)
- „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ (Martin Luther)
- „Wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich der Führung der Gnade rückhaltlos übergäben.“ (Ignatius von Loyola)
- „Der eigentliche Gott, den die Christenheit anbetet, ist sie daselbst.“ (Ludwig Feuerbach)
- „Gott ist tot, aber so wie die Art der Menschen ist, wird es vielleicht noch Jahrtausende lang Höhlen geben, in denen man seinen Schatten zeigt, und wir, wir müssen auch noch seinen Schatten besiegen.“ (Friedrich Nietzsche)
- „Je mehr wir einander lieben, desto näher sind wir Gott.“ (Abdul Baha)
- „Ich glaube übrigens, dass das gesamte Universum mitsamt allen unseren Erinnerungen, Theorien und Religionen vor 20 Minuten vom Gott Quitzlipochtli erschaffen wurde. Wer kann mir das Gegenteil beweisen?“ (Bertrand Russell)
- „Es gibt nichts, was die Vorstellung von einem persönlichen Gotte unterstützen könnte. Ich bin Atheist. Es gab große Evolutionsbiologen, die an Gott geglaubt haben. Aber ich habe nie verstanden, wie man im Gehirn zwei völlig getrennte Fächer haben kann, und in einem liegt die Wissenschaft und im anderen die Religion.“ (Ernst Mayr)
- „Oh, mein Gott!“ (Umgangssprache)
- „Gott würfelt nicht!“ (Albert Einstein)
Literatur
- Die Bibel
- Der Koran
- Markus Witte (Hrsg.): „Der eine Gott und die Welt der Religionen“. 1. Aufl. Religion & Kultur-Verlag, Würzburg 2003 ISBN 3933891140
- Campbell Joseph: „Die Masken Gottes, 4 Bde. – neuere Erkenntnisse aus Archäologie, Ethnologie und Anthropologie“ ISBN 3-423-59034-3
- Jack Miles: „Gott, eine Biographie“ [über den Gott des Alten Testamentes]. Das Alte Testament als eine Literaturschöpfung der Menschheit; ein Gott, der mit einer großen Verwandlungsfähigkeit in Erscheinung tritt. ISBN 3423307110
- Wolfgang Cramer: „Gottesbeweise und ihre Kritik – Prüfung ihrer Beweiskraft“, Frankfurt am Main 1967 ISBN 3525774109
- John A.T. Robinson: „Gott ist anders“, 1967, B0000BMW32
- Tilman Moser: „Von der Gottesvergiftung zu einem erträglichen Gott“
- Bandini: „Who's who im Himmel“ (Die Götterwelt von A-Z) ISBN 3-423-32539-9
- Pascal Boyer: „Und Mensch schuf Gott“, 2004, ISBN 3608940324
- Reinhard Schmidt: Der Gott der Liebe ist für Leid, Schmerz und Tod nicht verantwortlich. Texte und Gedichte im Spannungsfeld zwischen natürlicher Evolution und christlichem Glauben. Helmbrechts 2004 ISBN 3-8311-0704-1
- Bô Yin Râ: „Das Buch vom Lebendigen Gott“, ISBN 3-85767-073-8
- Friedrich Nietzsche: „Der Antichrist“
Siehe auch
- Gottesbeweis
- Japanische Götter
- Mythologie
- Natürliche Theologie
- Portal:Bibel
- Portal:Religion
Weblinks
- [http://www.autobahnkirche.de/info-container/glauben-leben/gott/gott-info.html Katholische Glaubensinformation zum Thema „Gott“]
- [http://ekd.de/leben_glauben/14.html Informationen der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Thema Leben und Glauben]
- [http://www.wo-bist-du-gott.net/ Wo bist Du Gott?] (Wege zur christlichen Glaubenerfahrung)
- [http://www.theologie-systematisch.de/gotteslehre.html Aktuelle Literatur zur Gotteslehre]
- [http://watchtower.org/languages/deutsch/library/w/2002/5/15/article_02.htm Wer ist Gott eigentlich?] (Sicht der Zeugen Jehovas)
Contra Gottesglaube:
- [http://www.forum.jesus.ch/thread.php?threadid=4654&boardid=21 Einsichten und Thesen aufgeklärter Christen]
- [http://www.madeasy.de/1/2nkmgott.htm#n10 An welchen Gott kann man als kritischer und naturwissenschaftlich geprägter Mensch noch glauben ?]
- [http://www.dittmar-online.net/religion/gott/weristgott.html Wer ist eigentlich Gott?]
Kategorie:Theologie
Kategorie:Metaphysik
Kategorie:Religion
ja:神
ko:하느님
simple:God
MachtDas Wort Macht dürfte von den meisten dem Bedeutungs- oder Wortfeld Herrschaft zugeordnet werden. Wörter wie Machtapparat, Machtergreifung, Machtwechsel, Machthaber legen dieses Verständnis nahe.
Etymologie
Im Althochdeutschen, Altslawischen und Gotischen bedeutete das Wort Macht soviel wie Können, Fähigkeit, Vermögen. Vergleichbar stammt das lateinische Substantiv für "Macht", potentia, von dem Verb posse ab, welches heute mit "können" übersetzt wird. Diese Urbedeutung ist bis heute verbreitet. In der politischen Theorie weicht deren Begriffsbildung allerdings heute von dieser etymologisch-naiven Bedeutung ab.
In den meisten Definitionen und Darstellungen der Macht geht es um verschiedene Formen der Einflussnahme innerhalb kleiner oder größerer Gruppen. Dass jemand auch Macht über sich selbst gewinnen kann, dokumentieren Wörter wie Selbstbeherrschung oder Körperbeherrschung. Eine besondere Qualität hat die Macht über den eigenen Körper in der Kunst der indischen Yogi.
Definitionen
- Max Weber: Nach dieser wohl bekanntesten Definition ist Macht "jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht." (Wirtschaft und Gesellschaft) Diese Definition abstrahiert von den Quellen der Macht, sieht also etwa von einer Legitimiertheit der Macht völlig ab.
- Robert A. Dahl: Sein Konzept nennt sich positionelle Macht. Laut Dahl ist Macht "die Fähigkeit von Akteur A einen Akteur B zu einer Handlung zu bewegen, etwas zu tun was Akteur A von ihm verlangt, abzüglich der Wahrscheinlichkeit, dass der Akteur B die von Akteur A gewollte Handlung auch ohne den Einfluß von Akteur A getan hätte." Robert Dahl ist es mit dieser Definition gelungen, Macht in einer mathematischen Formel auszudrücken, die wiederum wie bei Max Weber von der Quelle der Macht abstrahiert und ergebnisbezogen angewendet werden kann.
- John Mearsheimer: Macht ist für ihn rein materieller Natur. Sie wird auch als relationale Macht bezeichnet. Sie ist von Ressourcen abhängig. Als relevante Ressourcen gelten: Territorium, Rohstoffe, Export, Bevölkerungszahlen und Finanzstärke. Die wichtigste Ressource ist die militärische Fähigkeit, sie ist das universelle Machtpotential. Mearsheimers Definition ist eine politische. Sie lässt deutlich seine realismusbehaftete Theorieperspektive erkennen.
- Susan Strange: Sie prägte den Begriff der strukturellen Macht. Für Strange bedeutet er das Machtpotenzial, das Strukturen wie Sicherheit, Kreditkapazitäten, Wissenschaft und die Produktion auf die beteiligten Akteure haben. Akteure sind "mächtig", wenn sie Macht über diese Strukturen besitzen. Mächtig sind Akteure also immer dann, wenn sie in der Lage sind, Strukturen so anpassen zu können, dass es dem eigenen Vorteil gereicht und sich die anderen Konkurrenten/Akteure anpassen müssen. So besitzen sowohl Strukturen selbst als auch alle, die auf sie einwirken können, Macht. Stranges Modell ist sehr vielschichtig und komplex. Es bezieht sich auf globalsoziale Interaktionen und schafft es daher, eine Vielzahl von Größen der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung zu vereinen und in ein machttheoretisches Konzept einzubauen.
- Hannah Arendt: Sie vertritt einen abstrakten Ansatz, der "Macht" als das Zusammenwirken von Menschen definiert, also als etwas potentiell Kurzlebiges und Verortbares. Im Unterschied zu Webers Definition kann Macht nach Arendt nicht gespeichert werden und kann somit begrifflich leicht -- und in der Konsequenz streng -- von Ressourcen und Gewalt unterschieden werden. Dabei setzt Arendt nicht voraus, dass die beteiligten Menschen gemeinsame Meinungen, Prämissen oder Ideologien vertreten (Koalitionsfreiheit).
- Joseph Nye: Von ihm stammt das Modell der weichen Macht (soft power). Dieses Konzept bezeichnet die Fähigkeit, einen Akteur durch bestimmte (meist immaterielle) Mittel dahingehend zu beeinflussen, dass er identische Ziele und Bestrebungen entwickelt, wie der handelnde Akteur sie selbst besitzt. Die Mittel, einen anderen Akteur dazu zu bewegen dasselbe zu wollen, was man selbst will, wird als Soft power ressources bezeichnet. Sie sind die Quelle der Macht. (vgl. "Wen man nicht zum Feinde haben will, den soll man sich zum Freunde machen", auch wenn der Spruch etwas abgewandelt ist). Soft power ist zusammengefasst eine Machtkonzeption, die sich aus positioneller, relationaler und struktureller Macht addiert.
- Marshall B. Rosenberg: Spricht im Kontext seines Modells der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) von zwei verschiedenen Formen von Macht: strafender und beschützender Macht. Strafende Machtandwendung hat zum Ziel, Menschen in den Einklang mit moralischen Vorstellungen zurückzuweisen, von denen sie, laut Ansicht der Machtanwender, Abstand genommen haben. Beschützende Anwendung von Macht stellt laut diesem Modell im Konfliktfall den Frieden wieder her und hat zum Ziel, dass die Bedürfnisse und Interessen aller Beteiligten berücksichtigt und gewahrt werden.
Machtbezogene Studien in Einzelwissenschaften
Je nach Interesse werden verschiedene Aspekte oder Phänomene der Macht zum Gegenstand der jeweiligen Untersuchung gemacht:
- Psychologische Abhandlungen konzentrieren sich auf das individuelle Verhalten der vom Machtstreben bestimmten oder betroffenen Personen. Ein besonderes Untersuchungsgebiet behandelt die Machtverhältnisse oder Beziehungen in einer (meist kleinen) Gruppe Gruppendynamik.
- Soziologische und politologische Studien untersuchen die Machtverteilung, ihre Ursachen und Auswirkungen in einer Gesamtgesellschaft oder in politisch oder ökonomisch bedeutenden Gruppen (Machteliten).
- Ethnologen unterscheiden z.B. nach dem Grad der Differenzierung der Machtverhältnisse vier gesellschaftliche Organisationsformen: Familienverband, Stamm, Häuptlingsherrschaft, Staat.
- Pädagogen interessieren sich dafür, welcher Unterrichtsstil und welche Methoden den größten Lernerfolg bei den SchülerInnen versprechen.
- Historiker haben vor allem die Generierung von Macht und Herrschaft sowie die Bildung von Machteliten in der Vergangenheit im Blick.
- Literar- und Kunsthistoriker untersuchen unter anderem die Wirkungsgeschichte bestimmter Schriftsteller, Musiker oder bildender Künstler oder aber einzelne ihrer Werke.
- Werbefachleute möchten schließlich wissen, welche Möglichkeiten der Verhaltenssteuerung es gibt, bezogen auf bestimmte Zielgruppen, Werbeträger, Inhalte usw.
- Aus ethischer Sicht ist der Begriff Macht ambivalent. Er hat gewissermaßen eine positive und eine negative Ladung. Positiv zu bewerten sind die konstruktiven Fähigkeiten, negativ die destruktiven. Etwas konkreter und in Anlehnung an Albert Schweitzers Denken und Handeln beweist jemand im positiven Fall durch Rat und Tat Ehrfurcht vor dem Leben, im negativen Fall das Gegenteil. Positive Beispiele sind Zielsetzung und Tätigkeit der NGOs Ärzte ohne Grenzen und Greenpeace. Negativbeispiele sind die ökonomischen, militärischen und politischen Programme und Aktionen, die rücksichtslos auf Profit und Macht aus sind. Die starke Ambivalenz der Macht zeigt sich beispielhaft bei der Triage.
- Die Menschheitsgeschichte lenkt den Blick auf die Entstehung der gegenwärtigen Machtverhältnisse. Die Evolution vom den aufrechten Gang einübenden Vormenschen zum Gegenwartsmenschen verlief nicht geradlinig, sondern vereinfacht gesagt zunächst von der instinktgesteuerten und deutlich sozial strukturierten Horde zum Familienverband der Urgesellschaft, der auf sprachliche Verständigung und Zusammenarbeit angelegt war. Diese erste Phase der Menschwerdung reduzierte die Wirksamkeit der Rangordnung idealiter auf ein Minimum bei optimaler Kooperation. Erst nach Millionen Jahren begann die zweite Phase mit einer Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung. Es kam zur Re-Evolution der Rangordnung. Seit dem Sesshaftwerden des Menschen wurde in kürzester Zeit (nach dem Maßstab der Evolution) und in wenigen Schritten (Stammesverband, Häuptlingsherrschaft, Staat) die relativ egalitäre Urgesellschaft durch die extrem hierarchisierte Gesellschaft von heute ersetzt, begleitet von einer Rückkehr der Rangkämpfe. Diese wurden von Jahrtausend zu Jahrtausend verlustreicher und bedrohen inzwischen den Fortbestand der Spezies Homo sapiens. Das macht begreiflich, warum der Historiker Jacob Burckhardt, die Taten der Macht-Eliten vor Augen, zu dem Schluss kam: Und nun ist alle Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe.
Zitate
- Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe. Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar, daher in sich unglücklich und muß also andere unglücklich machen. (Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905)
- Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen. (Theodor W. Adorno, Minima Moralia, Erster Teil, 1944)
- Die Macht ist nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert; die Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht. (Michel Foucault, Sexualität und Wahrheit 1983, S. 115)
- Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf der Erde. (Jesus Christus, Bibel Neues Testament Mt 28,18)
Literatur
- Wieser, Friedrich: Das Gesetz der Macht. Wien: Springer, 1926.
- Arendt, Hannah: Macht und Gewalt. München: Piper, 1960.
- Canetti, Elias, Masse und Macht,
- Kahl, Stefan: Michel Foucaults politische Analytik. Studien zum Verhältnis von Wissen und Macht. Hamburg: Kovac, 2004
- Neuenhaus, Petra: Max Weber und Michel Foucault. Über Macht und Herrschaft in der Moderne. 1993. ISBN 3890858201
- Greene, Robert: Power - die 48 Gesetze der Macht. dtv, 2001.
- Zenkert, Georg: Die Konstitution der Macht. Tübingen: Mohr Siebeck, 2004.
- Hoffmann, Walter: Macht im Management. Ein Tabu wird protokolliert. Mit einem Vorwort von Jean-Francois Bergier, Zürich: vdf, 2003.
- Hoffmann, Walter: Die Kehrseite der Macht, in: io new mamagement, Nr.9/2004
- Paris, Rainer: Normale Macht. Soziologische Essays. UVK, Konstanz 2005
- Popitz, Heinrich: Phänomene der Macht. Tübingen: Mohr Siebeck (2. Aufl.)´, 1992.
- Rosenberg, Marshall B.: Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens Paderborn: Junfermann, 2001.
Siehe auch
- Synonyme und Begriffe mit ähnlicher Bedeutung: Autorität, Einfluss, Fähigkeit, Gewalt, Herrschaft, Kompetenz, Kontrolle, Möglichkeit, Politische Macht, Potenz, Vermögen, Zwang, Machtdistanz
- Antonyme: Anarchie, Ohnmacht, Unvermögen
- Macht (Star Wars)
Weblinks
- detaillierte Arbeit über Michel Foucaults Machtbegriff [http://www.sicetnon.org/modules.php?op=modload&name=PagEd&file=index&topic_id=52&page_id=244] [Foucault spielt in der gegenwärtigen philosophischen Auseinandersetzung in Machtkontexten eine recht bedeutende Rolle]
- [http://www.bruehlmeier.info/macht.htm "Macht und Autorität in der Erziehung", vom Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier]
- [http://www.naturalchild.com/marshall_rosenberg/protective_use_of_force.html]
Kategorie:Herrschaftssoziologie
Kategorie:Macht
th:อำนาจ
PolytheismusPolytheismus (v. griech.: poly viel und theoi Götter), auf Deutsch auch als "Vielgötterei" bezeichnet, ist religiöse Verehrung einer Vielzahl von Göttern oder Geistern.
Die meisten Religionen des Altertums waren polytheistisch und verfügten über ein jeweiliges Pantheon traditioneller Gottheiten, häufig angereichert mit Gestalten aus jahrhundertealten kulturellen Begegnungen und Erfahrungen.
Heutige polytheistische Religionen sind vor allem der Shintoismus, Bön, einige Formen von Wicca, Voodoo, und Asatru.
Entgegen einer noch immer verbreiteten Annahme sind Hindus nicht Polytheisten. Ihre Götterwelt ist, von außen betrachtet, anscheinend vielfältig - aber ebensowenig wie Christen sich als Polytheisten bezeichnen, weil sie die Dreiheit von Vater-Sohn-Heiliger Geist anbeten, kann man Hindus Polytheisten nennen. Folgendes kurzes Gebet, in verschiedenen Variationen bekannt, drückt das hinduistische Verständnis vom Göttlichen, hier weiblich gesehen, aus: Wie die Sonne, die sich in den Teichen spiegelt, als ungezählte Sonnen erscheint, so erscheinst auch du, O Mutter, als viele - Du Eine ohne Zweites, Höchstes Brahman! (Mahakalasamhita). Sämtliche Upanishaden setzen sich mit dieser "Einheit in der Vielfalt" auseinander.
Es gibt es eine große Zahl von entsprechenden Glaubensformen traditioneller Stämme in Afrika, einige im Regenwald der ozeanischen Inselwelt (vor allem Papua Neuguinea, dort z.t. sogar Steinzeitkulturen) und in Amazonien. Letztere schrumpfen teils durch das Aussterben dieser Stämme, ihr Aufgehen in der modernen Kultur oder Missionierung durch christliche oder islamische Gruppen. Die äußerst unterschiedlichen Götter- und Geisterwelten der Naturstämme werden oft unter dem Oberbegriff "Animismus" zusammengefasst.
Soweit traditionelle Stämme oder Völker einen neuen monotheistischen Glauben (oder in den sozialistischen Ländern, z.B. der Sowjetunion den Atheismus) aufgezwungen bekamen, wurde und wird der alte polytheistische Glaube oft heimlich von vielen oder wenigen weiterpraktiziert. Bei Nachlassen des staatlichen oder sozialen Drucks entstanden und entstehen dann teilweise Mischreligionen. So gibt es in Südamerika sowohl Mischreligionen zwischen Christentum und alten polytheistischen religösen Vorstellungen bestimmter Indiostämme als auch zwischen Christentum und alten polytheistischen Glaubensystemen der Nachkommen der vor allem aus Westafrika in die Sklaverei verschleppten Menschen.
Teilweise werden die Glaubenssysteme der Völker und Stämme, bewahrt oft von wenigen Menschen, auch komplett reaktiviert, wie dies zur Zeit bei einigen kleinen Völkern in Sibirien zu beobachten ist. Solche Reaktivierungen gibt es auch bei bei Teilen einiger nordamerikanischer Indianerstämme. Eine sehr kleine Zahl von Menschen versucht sogar seit Jahrhunderten ausgestorbene polytheistische Systeme, über deren tatsächlichen Inhalt kaum etwas bekannt, ist wie den keltischen Glauben und Götterhimmel wiederzubeleben. Trotz Verwendung alter Namen und Zeichen handelt es sich dabei aber um Neuschöpfungen, weil die dort übliche orale Tradition abgerissen ist und durch moderne Spekulation ersetzt werden muss.
Der Buddhismus wird zumindest von seinen Angehörigen nicht als polytheistisch angesehen. Jedoch verfügen einige Glaubensrichtungen über einen umfangreichen Götterhimmel, denen teilweise in Gebet, durch Opfer und durch vielfältige Rituale gehuldigt wird.
Einige jüdische und islamische Gelehrte verstehen die christliche Trinitätslehre ebenfalls als Polytheismus, was die Christen deutlich zurückweisen. Die Lehre des Mormonismus von der "Mehrzahl der Götter" wird von anderen Christen als polytheistisch bezeichnet, was die Mormonen wiederum zurückweisen.
Polytheismus im Altertum
Zu den bekannten Götterwelten des antiken Polytheismus zählen die der sumerischen Götter; der griechischen und römischen Götter; der ägyptischen Götter, die skandinavischen Aesir und Vanir, Orisha, Yoruba, die Götter der Maya und Azteken. Heute bezeichnet man die meisten historischen polytheistischen Religionen als Mythologie
Nur wenige Religionen des Altertums waren nicht polytheistisch. Dazu zählen das monotheistischen Judentum und Christentum, der dualistische Zoroastrianismus sowie der Mithraismus und evtl. der kurzlebige Atonismus des Echnaton in Ägypten um 1350 v. Chr.
Dagegen herrschte bei nahezu allen Stämmen und Völkern der Frühzeit die Vorstellung, dass es viele Götter und Göttinnen gebe. Bereits eine sumerische Götterliste aus der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends umfasst rund 1000 Götternamen, die vor allem verschiedene Kräfte der Natur repräsentieren.
Warum die Menschen der Frühzeit in ihren Bemühungen ihre Umwelt und ihr Schicksal zu verstehen und zu bewältigen eher einen Pantheon von Göttern und Göttinnen aufbauten, als an einen einzigen Gott zu glauben, kann man exemplarisch illustrieren an einem mesepotamischen Mythos, der komplett auf einen Keilschrifttäfelchen ca. aus dem Jahr 1700 v.Chr. zu finden ist. Fragmente dieses Mythos findet man aber auch noch auf Resten von Täfelchen aus der Zeit 700 v. Chr. - er ist also mindestens 1000 Jahre lebendig geblieben. Die Götter beauftragten den Pestgott Namtar die Menschen zu vernichten. Dieser begann sie mit der Pest zu töten. Ein Gott aber, der Mitleid mit den Menschen hatte, nämlich Enki, verriet dem Menschen Atrachasis ein Ritual mit der sie die Seuche besiegen können. Die Menschen sollen von allen Göttern ausschließlich den Pestgott Namtar verehren und nur ihm opfern und zwar bis er überschüttet mit Opfern von seinen tödlichen Tun ablässt. So geschieht es. Dank der Opfer lässt der Pestgott von seinem Wüten ab und die Menschheit lebt weiter. Nun beschließen die Götter, dass der Regengott Adad es nicht mehr regnen lassen soll und die ihm zugeordnete Korngöttin Nisaba kein Korn mehr wachsen lassen soll. So geschieht es. Und wieder verrät der Gott Enki dem Atrachasis das rituelle Gegenrezept: Nun verehren und opfern die Menschen allein Adad und Nisabe, und zwar bis Regen fällt und die Vegetation wieder auflebt. Dieser Mythos zeigt die Ursache für den Polytheismus. Die Menschen in ihrer Sorge Gefahren wie Seuchen abzuwenden und lebensspendende Zustände wie Regen, Sonne oder Fruchtbarkeit der Pflanzen und Tiere aufrecht zu erhalten, suchen Wege dies durch magische und rituelle Handlungen abzusichern und stellen sich für das jeweilige Problem Götter und Göttinnen als ansprechbare und beeinflussbare personale Wesen vor. Einige der Völker stellen sich die Götter in Menschengestalt vor (anthropomorph), einige in Tiergestalt (zoomorph), einige in beiden Gestalten und teilweise auch als Mischwesen. (Schon in den Felszeichnungen als ältesten Zeugnissen menschlicher Bilddarstellung gibt es Tierdarstellungen, Menschendarstellungen und vereinzelt Mischwesen.) Im mesepotamischen und im kanaanitischen Pantheon haben die Götter und Göttinnen fast durchgehend Menschengestalt. Tiergötter und Menschtiermischwesen finden sich dagegen stark vertreteten in Ägypten und im amerikanischen Kulturkreis.
In vielen Zivilisationen neigten die Götterwelten dazu, mit der Zeit anzuwachsen. Gottheiten, die zunächst zum Schutz bestimmter Städte oder Plätze angebetet wurden, wuchsen mit der Vergrößerung der Reiche zu mächtigen Nationalgöttern heran. Eroberungen konnten zur Unterordnung eines älteren Pantheon in der besiegten Kultur führen bis ein neueres entstand, wie in der griechischen Titanomachie und vielleicht auch bei Aesir und Vanir in Skandinavien. Kultureller Austausch konnte dazu führen, dass "die gleiche" Gottheit an zwei Orten unter unterschiedlichen Namen verehrt wurde, wie es bei den Griechen, Etruskern und den Römern der Fall war. Ähnliches geschah bei der Einführung von Elementen einer "fremden" Religion in einen lokalen Kult, als die ägyptische Osirisreligion nach Griechenland gebracht wurde.
Erdichten, Erschauen, Import von Göttern
Es ist zu vermuten, dass die Gründe für den Import von Göttern und Mythen die gleichen sind, wie die Gründe für das bewusste "Erdichten" oder das
"Erschauen" von Göttern und deren Funktion und Geschichten in erinnertem Traum oder Visionen und Trance - seien sie bewusst oder unbewusst hervorgerufen durch Schlaf, Zeremonien, Meditationstechniken, Hunger (Fasten), Drogen, überlangem Wachen (Schlafentzug) oder auch Krankheiten (z.B. Fieberträume) oder Fehlfunktionen des Gehirns).
Insbesondere dem Erdichten kommt wohl allerdings eine größere Rolle zu, als gemeinhin angenommen wird. Der Gilgamesch-Epos, um die älteste Schicht sumerischer Überlieferung anzusprechen ist religionsschöpfend, hat aber weder etwas von einer Vision noch gar etwas von einem Fiebertraum. Es geht viel mehr um Weltverständnis, Welterklärung und um Fertigwerden mit der Welt, dem Zusammenleben mit anderen Menschen und damit um Fertigwerden mit dem eigenen Leben. Die Menschen suchen einen Weg, ein Taoist würde sagen das Dao, durch das Leben. Von dem uralten sumerische Zyklus um die Liebesgeschichte von Inanna und Dumuzi wurden bisher 38 Liebeslieder, die gleichzeitig Kultgesänge sind, mit 1700 Versen gefunden. Auch hier liegt hochwertige religiöse Dichtung vor, nicht die Niederschrift eines Fiebertraumes. Wem das ungewöhnlich erscheint, sollte sich einmal anschauen, wieviele Geschichten man über erfundene Völker, Welten, Fabelwesen, Dämonen und Wunder - neu erschaffen - in einer jeden Buchhandlung in der Ecke mit Fantasy und Science Fiction finden kann. Den Menschen ging es aber damals nicht darum, sich in eine bunte und spannende Phantasiewelt zu träumen, obwohl auch dieses Motiv in manchen Geschichten und Mythen sichtbar ist, sondern um ein Zurechtfinden in der Welt, ein Zurechtfinden mit ihrem Leben und auch um Kontrolle über dieses Leben und auch das Unkontrollierbare, wie der Aussicht zu Sterben. Schon die frühesten Handelsbeziehungen führten auch zu Kontakten mit fremden Mythen und Glaubensvorstellungen. Soweit diese faszinierend sind, werden sie gehört und später auch gelesen, so wie man heute noch die ja ebenfalls vom Ursprung her religiösen Sagen der Griechen, Römer und Germanen liest, ohne dass mehr als eine handvoll der Millionen Leser beginnt griechische Götter anzubeten. Wenn die Annahme dieser Geschichten und Glaubensinhalte als wahr aber verspricht eine Minderung eigenen seelischen Leides (Ängste, Unsicherheit, Trauer, Einsamkeit, Sinnlosigkeit, Zweifel etc.) oder eine Verbesserung des seelischen Zustandes (Ermutigung, Sinn, innere Ruhe, Entschlossenheit, Tröstung, Geborgenheit), positive Gemeinschaft mit Menschen und Kontrolle über das eigene Schicksal, bedrohliche oder erwünschte Naturkräfte und Menschen, ist mit der Annahme eines neuen Mythos bzw. Glaubens zu rechnen.
Götter und Göttlichkeit
Obgleich viele Formen des Buddhismus, vor allem im Mahayana, die Verehrung von Bodhisattvas mit einschließen, werden diese nicht als göttliche Wesen betrachtet. Eher gelten Bodhisattvas als Menschen, die ein hohes Stadium der Erleuchtung erreicht haben und ein buddhistisches Gebot ist, das über den Weg vieler Lebensalter, bestimmte Menschen einen ähnlichen Zustand der Erleuchtung auch erreichen können.
Dass eine Person an mehrere Götter glaubt, deutet nicht an, dass er sie alle notwendigerweise gottesdienstlich verehrt. Zahlreiche Polytheisten glauben an eine Vielfalt von Göttern, aber verehren nur einen. Diese Variante des Polytheismus wird ist Henotheismus genannt. Einige sehen im henotheistischen Polytheismus eine Form des Monotheismus, einige Historiker meinen, die monotheistischen Religionen seien im Henotheismus entstanden. Praktisch alle Juden, Christen und Moslems heute sehen jedoch den Henotheismus als Polytheismus an.
Idolatrie
Viele Monotheisten sehen im Polytheismus eine Form des Götzendienstes. Für Monotheisten kommt alle Macht allein von Gott, und nicht von anderen übernatürlichen Göttern oder deren Stellvertretern.
Nach polytheistische Anschauungen ist "Gott" bestenfalls bloß der stärkste der Götter; solch ein Wesen könne nicht allmächtig sein, und folglich könne solch ein Gott keinen souveränen Willen haben.
Da Monotheisten glauben, Gott sei der einzige Gott, stufen sie den Polytheismus generell als Sünde ein.
Im Gegensatz zu Monotheisten erheben die vielen Götter und Göttinnen eines Polytheisten keinen Alleinigkeitsanspruch. Der Begriff "Götzendienst" leitet sich direkt vom Alleinigkeitsanspruch des monotheistischen Gottes ab. Da ER (von einer Sie wird bislang an dieser Stelle nie berichtet) der einzige wahre Gott ist, können alle anderen Götter nur Trugbilder und Götzen sein.
Weblinks
- [http://www.theologie.uni-goettingen.de/ger_nofr/graduiertenkolleg.htm Graduiertenkolleg "Götterbilder-Gottesbilder-Weltbilder. Polytheismus und Monotheismus in der Welt der Antike"]
(Eine an der Universität Göttingen beheimatete, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Gruppe interdisziplinär arbeitender Nachwuchsforscher(innen), die sich mit verschiedenen antiken Religionen und dabei insbesondere mit dem Verhältnis von Polytheismus und Monotheismus beschäftigt.)
Siehe auch
- Agnostizismus
- Atheismus
- Deismus
- Theismus
- Monotheismus
- Pantheismus
- Henotheismus
- Monolatrie
- Schirk
- Kufr
Kategorie:Theismus
ja:多神教
MonotheismusDer Begriff Monotheismus (von griechisch μονος monos = ein und θεος theos = Gott) bezeichnet Religionen, die nur einen allumfassenden Gott kennen und anerkennen. Damit werden diese in der Religionswissenschaft vom Polytheismus unterschieden, der viele Götter kennt und verehrt. Religionen, die viele Götter kennen, aber nur einen davon als höchsten Gott anerkennen, bezeichnet der Begriff Monolatrie.
Die bekanntesten dem Monotheismus zugeordneten Religionen sind
- das Judentum,
- das Christentum und
- der Islam.
Ausprägungen
Es gibt verschiedene Ausprägungen des Monotheismus:
- Der Theismus argumentiert für einen persönlichen Gott, der zu verehren ist; die Persönlichkeit unterscheidet den Gott von einer anonymen Gottheit, die nur durch ihre Wirkung und Kraft sichtbar wird.
- Der Deismus nimmt die Existenz eines Gottes an; dieser hält sich aber seit seiner Schöpfung der Welt fern. Gebetserhörungen oder Wunder finden nicht mehr statt.
- Im Pantheismus wird das ganze Universum als eins mit Gott angesehen. Einen personifizierten Gott gibt es hier nicht.
- Der Panentheismus sieht das Universum als Teil Gottes, aber nicht identisch mit ihm.
Das Gegenteil vom Monotheismus ist der Polytheismus, der eine Vielzahl von Göttern annimmt. Gibt es mehrere Götter und wird dabei einem der unbedingte Vorrang eingeräumt spricht man von Monolatrie. Der jüdische Monotheismus ist wahrscheinlich aus einer Monolatrie hervorgegangen.
Der Dualismus kennt genau zwei Götter, die als Gut und Böse einander entgegenwirken.
Typische Kennzeichen klassisch monotheistischer Religionen
Im folgenden wird auf die besonderen Kennzeichen in erster Linie von Judentum, Christentum und Islam eingegangen.
Gottesvorstellung
Monotheistische Religionen erkennen nur einen einzigen Gott an. Es ist ein personaler Gott, der als Individuum erscheint und als eine Instanz jenseits von dieser Welt gedacht wird. Er hat den Kosmos erschaffen und kann in das Weltgeschehen eingreifen.
Er wird als allwissend, allmächtig und allgegenwärtig angesehen. Des weiteren trägt er Eigenschaften, die in der menschlichen Gesellschaft gemeinhin als positiv erachtet werden, jedoch in absoluter Form: unfehlbare Gerechtigkeit, allumfassende Liebe und Güte.
Es werden ihm traditionell Bezeichnungen männlichen Geschlechts zugeschrieben, wie beispielsweise „Herr“, „Vater“.
Gottesabbildungen sind verboten.
Die Gläubigen können im Gebet mit ihrem Gott in Verbindung treten. Es gibt rituelle Gebetstexte, aber auch individuelle Gebete, die der Gläubige selbst gestaltet.
Menschenbild
Geist und Körper
Im Monotheismus besteht der Mensch zum einen aus einem physischen Körper, zum anderen aus einer Seele (dem Geist, Charakter). Im Christentum wird noch einmal unterschieden zwischen Seele und Geist. Die Seele besteht aus dem Verstand und den Gefühlen. Der menschliche Geist ist durch die Annahme von Jesus Christus (Wiedergeburt) mit dem Geist Gottes versiegelt. Die Seele, bzw. der Geist wird dabei höher geschätzt als der Körper, da sie im Gegensatz zum Fleisch unsterblich sind und auch nach dem Tod des Körpers weiter bestehen.
Auch wurden Körperlichkeit und Sexualität (im Christentum) tendenziell als sündhaft gesehen und in asketischem Anspruch zu überwinden versucht.
Tod und Sünde
Die unsterbliche Seele des Menschen wird nach dem Tod entweder in die Hölle, die Ewige Verdammnis geschickt, oder sie darf „zu Gott zurückkehren“ und kommt in den Himmel. Diese Entscheidung hängt davon ab, welche moralische Qualität die Handlungen des Menschen zu seinen Lebzeiten hatten.
Nach monotheistischer Vorstellung hat jeder Mensch nur ein einziges Leben. Hier liegt eine lineare Zeitvorstellung zugrunde, im Gegensatz beispielsweise zur Reinkarnationslehre, derzufolge der Mensch in endlos ablaufenden Zyklen wiedergeboren wird.
Siehe auch: Sünde
Weltbild
In der monotheistischen Vorstellung beginnt die Welt mit ihrer Erschaffung durch Gott und endet mit dem Tag des Jüngsten Gerichts.
Die Welt wurde von Gott erschaffen, hat jedoch darüber hinaus nicht Teil an seinem göttlichen Wesen.
Offenbarung
Gott kann sich durch Propheten offenbaren.
Es gibt sogenannte heilige Schriften, die als Gottes Wort gelten und deshalb einen großen Stellenwert einnehmen.
- Im Judentum ist es der Tanach.
- Das Christentum erkennt zusätzlich zum Tanach, der hier Altes Testament genannt wird, das Neue Testament als Gottes Wort an. Die Testamente werden in der Bibel zusammengefasst.
- Der Islam erkennt die jüdisch-christlichen Traditionen als von Gott geoffenbart an. Die vollkommenste Offenbarung, in der die Lehre Gottes endgültig dargelegt ist, ist für Muslime jedoch der Qur'an (Koran).
- Für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen") gilt zusätzlich zur christlichen Bibel das Buch Mormon und noch zwei weitere Schriften.
- Bei den Baha'i ist es u.a. der Kitab-i-Aqdas. Die Bibel und der Koran, aber auch die Schriften anderer Religionen (wie die Lehrgespräche Buddhas) werden als heilige Schriften verehrt und neben den umfangreichen Schriften Baha'u'llahs (siehe: Liste Heiliger Schriften) in den Häusern der Andacht rezitiert.
Beispiele
Monotheistische Religionen sind beispielsweise das Judentum, der Islam, das Christentum und die Neuzeitreligion der Baha'i.
Aus Sicht von Juden, Muslimen und Unitariern wird zum Teil in Frage gestellt, dass das Christentum eine monotheistische Religion ist. Diese Kritiker behaupten, die Trinität (Vater, Sohn, Heiliger Geist) sei ein Tritheismus, also der Glaube an drei Gottheiten. Im Sohn beteten die Christen zudem Jesus als Gott und als Menschen an, da er beides sei, ohne die menschliche Erbsünde.
Der Monotheismus ist geschichtlich belegt, seit der ägyptische Pharao Echnaton (Amenophis IV.) Aton als alleinigen Gott Ägyptens bestimmte. Dabei ist unklar, ob Echnaton die Existenz andere Götter bestritt oder nur Aton (besondere) Verehrung zukommen lassen wollte. (Von manchen Autoren wird aber der Auszug der Israeliten aus Ägypten auf das 15. vorchristliche Jahrhundert, also vor Echnaton, datiert. Diese Datierung ist allerdings nicht geschichtlich belegt.)
Zoroastrismus wird gelegentlich als älteste (bekannte) monotheistische Religion angesehen.
Allerdings ist der Hauptgott Ahura Mazda nicht alleiniger Schöpfer.
Es wird allgemein angenommen, dass die altisraelitische/judäische Religion ihre monotheistische Lehre erst seit dem 5. Jhd. v. u. Z. unter Einflüssen von zoroastrischem und klassisch-griechischem Gedankengut entwickelt habe und vorher ihren Gott (Jahwe) nur als den eigenen Stammesgott (neben Göttern anderer Stämme oder Völker) verstand.
Diese These entspricht allerdings nicht dem Selbstverständnis der heutigen Religionen Judentum, Christentum und Islam, die ihren Gott als den einzigen wahren Gott verstehen und alle anderen Götter als von Menschen geschaffene Abgötter ansehen.
Abgrenzungen
Obwohl Monotheismus und Polytheismus sich per definition ausschließen, ist in der Praxis eine Unterscheidung nicht einfach.
Anhänger polytheistischer Religionen sind oft de facto Monotheisten, da sie nur einen der Götter ihres Glaubenssystems verehren. Man spricht in diesem Falle von Henotheismus.
In polytheistischen Religionen finden sich auch monotheistische Lehrmeinungen, die die vielen Götter nur als Aspekte oder Manifestationen einer eigentlichen Gottheit verstehen, etwa in den neohinduistischen Strömungen.
Die These von einem Urmonotheismus, wie sie etwa der katholische Pater Wilhelm Schmidt in seiner Schrift "Ursprung und Werden der Religion" von 1930 vertritt, ist empirisch nicht haltbar. Nicht alle Religionen enthalten den Glauben an ein Höchstes Wesen; in vielen afrikanischen Religionen, wo heute ein solches vorgefunden werden kann, deutet nicht nur das Fehlen eines Kultes darauf hin, dass der Hochgott quasi durch christliche Missionare "gestiftet" wurde, sondern auch der Vergleich historischer Zeugnisse kann dies im Einzelnen belegen.
Ähnliche Bezeichnungen
- Abrahamitische Religionen: Gemeint sind diejenigen monotheistischen Religionen, die auf Abraham als Stammvater aufbauen (Judentum, Christentum, Islam, Bahai).
- Eingottglaube: deutsch für Monotheismus
- Offenbarungsreligionen: Dieser Begriff leitet sich daraus ab, dass die Lehre der monotheistischen Religionen im Laufe der Geschichte durch Gesandte Gottes offenbart wurde.
- Schriftreligionen: Im Judentum, Christentum und Islam gibt es heilige Schriften, die als Gottes Wort gelten. Daher werden sie manchmal als Schriftreligionen bezeichnet.
Literatur
- Brugger, Walter: Philosophisches Wörterbuch, 21. Auflage, Freiburg 1992. ISBN ISBN 3-451-20410-X
- Cramer, Wolfgang: Gottesbeweise und ihre Kritik – Prüfung ihrer Beweiskraft, Frankfurt am Main 1967. ISBN 3-465-00070-6
- Kälin, Bernhard: Lehrbuch der Philosophie. Band I: Logik, Ontologie, Kosmologie, Psychologie, Kriteriologie und Theodizee, Sarnen 1957
- Lehmen, Alfons: Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage; Band III: Theodizee, fünfte, verbesserte Auflage, Freiburg im Breisgau 1923
- Seidl, Hans (Hrsg. und Übersetzer): Die Gottesbeweise in der „Summe gegen die Heiden" und der „Summe der Theologie", zweite Auflage, Hamburg 1986. ISBN 3-7873-1192-0
- Thomas von Aquin: Summe der Theologie, deutsch-lateinische Ausgabe, hrsg. vom kath. Akademikerverband, Salzburg 1934
- Thomas von Aquin: Summe gegen die Heiden (Summa contra gentiles) Lateinisch – Deutsch, hrsg. und übersetzt von Karl Albert und Paulus Engelhardt unter Mitarbeit von Leo Dümpelmann, Sonderausgabe, Darmstadt 2001
- Vries, Josef de: Denken und Sein, Ein Aufbau der Erkenntnistheorie, Freiburg 1937
- Jan Assmann: Die mosaische Unterscheidung oder: Der Preis des Monotheismus. Carl Hanser Verlag, 2003; ISBN 3-446-20367-2
Weblinks
- [http://www.theologie.uni-goettingen.de/ger_nofr/graduiertenkolleg.htm Graduiertenkolleg "Götterbilder-Gottesbilder-Weltbilder. Polytheismus und Monotheismus in der Welt der Antike"]
(Eine an der Universität Göttingen beheimatete, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Gruppe interdisziplinär arbeitender Nachwuchsforscher(innen), die sich mit verschiedenen antiken Religionen und dabei insbesondere mit dem Verhältnis von Polytheismus und Monotheismus beschäftigt.)
Siehe auch
- Abrahamitische Religion
- Natürliche Theologie
Kategorie:Theismus
ja:一神教
GottesbeweisAls Gottesbeweise werden Versuche bezeichnet, die Existenz eines Gottes oder Ursprungsprinzips anhand der Methoden der Logik zu beweisen oder zumindest Hinweise dafür zu finden. Ein allgemein anerkannter schlüssiger Beweis für die Existenz Gottes konnte bisher nicht erbracht werden. Gottesbeweise präferieren nicht einen bestimmten Gott in einer bestimmten Religion.
Geschichte
Unsere heutige Einschätzung von Gottesbeweisen beruht weitgehend auf Immanuel Kants Kritik an ihnen. Er schloss aus den Grenzen der reinen Vernunft auf ihre Ungültigkeit. Dies betraf speziell die im Mittelalter vorherrschenden scholastischen Gottesbeweise und den ontologischen Gottesbeweis. Ihm folgten Religionskritiker wie Ludwig Feuerbach, der mit seiner Projektionstheorie Gottes Nichtexistenz zu beweisen versuchte.
Trotz dieser neuzeitlichen Kritik vertreten Neuscholastiker auch heute noch ähnliche Denkfiguren, meist im Rahmen einer Natürlichen Theologie. Konservative katholische Gruppen wie Opus Dei halten sogar weitgehend an der ursprünglichen Scholastik fest. Demgegenüber greifen moderne Philosophen wie John Leslie Mackie Kants Kritik auf und stellen sie auf eine neue Basis innerhalb der Analytischen Philosophie. Philosophen wie Alvin Plantinga dagegen versuchen eine neue Formulierung des ontologischen Gottesbeweises.
In der vorchristlichen Antike und im christlichen Mittelalter spielten Gottesbeweise für das Leben der Gläubigen selbst keine Rolle. Die Existenz von Göttern oder eines Gottes war in den frühen staatlichen Gesellschaften meist zusammen mit der jeweiligen Staatsreligion doktrinär festgeschrieben, und Infragestellung wurde oft als Gottlosigkeit oder Atheismus mit erheblichen Sanktionen belegt. Die theoretischen Überlegungen sollten zu dieser Zeit lediglich die vorhandene Grundüberzeugungen stützen. Ein starkes Motiv für das Aufstellen scholastischer Gottesbeweise im Mittelalter war die Bekehrung von Heiden. In rein heidnischen Gesellschaften konnte zunächst weder staatlicher Druck angewendet werden und auch die Bibel war noch nicht als unumstößliche Wahrheit anerkannt, so dass auch nicht doktrinär argumentiert werden konnte. Deswegen mussten andere Wege beschritten werden, um die Menschen zum christlichen Glauben zu führen, wozu auch gerade scholastische Gottesbeweise dienen sollten. Die eigentliche Zeit der Gottesbeweise war die Frühe Neuzeit und die deutsche Aufklärung. Für deistische Aufklärer sollten die Gottesbeweise eine auf der Vernunft basierende Religion etablieren, welche ohne jegliche Offenbarungselemente auskäme.
Mit der einflussreichen Kritik Kants an den Gottesbeweisen und dem Entstehen einer säkularisierenden und säkularisierten Gesellschaft nahm die Bedeutung der Gottesbeweise allgemein ab, gewann aber jetzt eine größere Bedeutung für religiöse gläubige Kreise selbst und wurde auch zu einer eigenständigen philosophischen Disziplin, der Natürlichen Theologie.
Es gab auch Versuche die Nichtexistenz Gottes zu beweisen (z. B. Ludwig Feuerbachs Projektionstheorie).
Der kausale Gottesbeweis
Der kausale Gottesbeweis geht davon aus, dass allem (Kontingenten) eine Ursache zu Grunde liegt. Da man aber die Reihe der Ursachen nicht unendlich fortsetzen könne, müsse es eine erste Ursache (causa prima) geben. Die Idee der ersten Ursache (auch die "unverursachte Ursache" oder der "unbewegte Beweger" genannt) geht auf Aristoteles zurück. Thomas von Aquin argumentierte, dass diese erste Ursache gleichbedeutend mit Gott sei. Dieser Gottesbeweis wird auch als "kosmologischer Gottesbeweis" bezeichnet (Achtung, Namenskonflikt mit unten!) und steht in engem Zusammenhang mit dem Kontingenzbeweis.
Kritik am kausalen Gottesbeweis
Die Theorie besagt zunächst nur, dass es eine erste Ursache gibt, aber dass diese Gott ist, sei damit noch nicht klar. Dies ließe sich jedoch, nach der Meinung von Befürwortern dieses Gottesbeweises bei genauerer Untersuchung zeigen (siehe dazu etwa die Natürliche Theologie). Als problematisch kann in diesem Zusammenhang allerdings der willkürliche Abbruch der Kausalkette (siehe auch Dogma) angesehen werden. So argumentiert z. B. Bertrand Russell in seinem berühmten Text: "Why I am not a christian" von 1927, dass Gott von einem weiteren Gott erschaffen sein könnte, und dieser ebenfalls etc. Genauso gut könne man die Kausalkette vorher abbrechen und mit gleichem Recht behaupten, dass, wenn ein Gott ohne Grund existieren kann, das Universum ebenfalls ohne Grund existieren könne.
Auch formallogisch kann der Ansatz "alles hat eine Ursache" als problematisch angesehen werden, denn die Schlussfolgerung des Beweises, Gott sei die erste Ursache und habe selbst keine, widerspricht der Prämisse. Auch wenn es eine erste Ursache gäbe, gibt es keine allgemein anerkannte und schlüssige Beweisführung, wonach es sich hierbei um Gott handeln müsse. Eine erste Ursache, so es sie gäbe, kann auch ein Naturgesetz sein.
Kritiker des kausalen Gottesbeweises wenden auch ein, dass eine Kausalkette auch unendlich sein könne, und eine erste Ursache nicht zwingend notwendig sei. Beispielsweise kann das Universum ewig existieren, die big-bang-Theorie widerspricht dem nicht.
Darüber hinaus - so argumentieren einige empirische Wissenschaftler - wären bei bestimmten Raumzeit-Topologien sogar in sich geschlossenen Kausalketten denkbar. Hier zeige sich, dass die Ansicht von einer notwendigen ersten Ursache vermutlich eher unserer Art, wie wir die Welt wahrnehmen, entspringt als logischer Notwendigkeit. Zwar gibt es auch andere Auffassung von Kausalität, als der einer zeitlichen Abfolge von Ursache und Wirkung, aber auch wenn man von dem "zeitlichen" Kausalitätsbegriff abgehe, sei nicht klar wieso eine erste Ursache notwendig sein solle.
Selbst innerhalb der Vorstellungen einer zeitlichen Kausalität sind aus Sicht einiger Kritiker verschiedene (makroskopische) Systeme bekannt, in denen Phänomene 'spontan' und ohne Auslöser auftreten. Dort ergäben sich Strukturen oder Entitäten aus bestimmten Anfangsbedingungen (Selbstorganisation, Strukturbildungprozesse, Emergenz). Diese spontanen Entitäten können wiederum die Grundbausteine für übergeordnete Strukturen bilden. So seien - mindestens prinzipiell - Kausalketten denkbar, die nicht auf eine 'erste Ursache' zurückgehen müssen, bzw. dessen erste Ursache sich in einem ungeformten Ur-Substrat verliere. Vertreter der Gottesbeweise wenden jedoch dagegen ein, dass auch ein "Ur-Substrat" nicht ursachenlos sein könne, da es formbar und damit kontingent sei.
Der ontologische Gottesbeweis
Die erste bekannte Version des ontologischen Gottesbeweises wurde von Anselm von Canterbury (1033-1109) im Proslogion formuliert. Bereits Thomas von Aquin kritisierte Anselm von Canterburys Version so überzeugend, dass der ontologische Gottesbeweis erst wieder an Bedeutung gewann, nachdem der Philosoph Descartes ihn aufgegriffen und in eine neue Fassung gebracht hatte, welche der zeitgenössischen Kritik standzuhalten schien (s. a.: Gottesbeweis von Descartes).
Ontologisch wurde der Beweis von Immanuel Kant bezeichnet; nach dem griechischen Wort für Sein (to on). Verkürzt ausgedrückt, wird der Beweis etwa so definiert: Wir können uns eine absolute Vollkommenheit vorstellen, ergo müsse es sie auch geben. Und ist sie existent, so müsse es Gott sein.
Der Gedankengang des ontologischen Gottesbeweises ist folgender: Gedacht sei ein Wesen, das vollkommener ist, als alle anderen, welche man sich vorstellen kann. Wer nun diesen Satz versteht, der müsse einen Begriff für dieses Wesen haben. Ansonsten wäre der Satz unverständlich. Zum Beispiel ist der Satz "Stell Dir einen Yeti vor!" nur dann sinnvoll, wenn man einen Begriff vom Yeti hat.
Die Vertreter des ontologischen Gottesbeweises waren jedoch nicht der Ansicht, dass dieses vorgestellte vollkommene Wesen nur als Idee existiere. Denn wenn sie nur abstrakte Idee wäre, so könne man sich ein noch vollkommeneres Wesen vorstellen, nämlich ein solches, welches dazu noch existent wäre. Und genau dies würde der Hypothese widersprechen.
Dieses Wesen ist gemäß dem ontologischen Gottesbeweis mit Gott, dem vollkommensten Wesen, gleichzusetzen.
Wenn man jedoch nach dem vollkommensten Wesen gesucht hätte, welches auch existiert, dann wäre man nicht zum selben Schluss gekommen. Denn man hätte nie beweisen können, dass dies auch Gott ist. Anselm von Canterburys Begriff des Seins stellt sich also als eine Art der Vollkommenheit dar und nicht in einer Erfahrung der Existenz. Oder anders ausgedrückt: Die Vorstellung eines Dinges beruht nicht unbedingt auf der Vorstellung des Seins genausowenig wie die Vorstellung eines Dinges von dessen Existenz abhängig ist.
Überdies erscheint sehr diskussionswürdig, ob die behauptete Vorstellung von absoluter Vollkommenheit tatsächlich existiert oder es sich hier bei nicht eher um einen leeren Begriff handelt, denn aus der Existenz der Sprachkategorie Superlativ läßt sich nicht folgern dass es hierfür immer etwas gibt, das dem in der Wirklichkeit entspricht.
Erst Immanuel Kant hat über 700 Jahre später (1781) in der Kritik der reinen Vernunft den ontologischen Gottesbeweis widerlegt. Er zeigt nämlich, dass Anselm von Canterbury verschiedene Kategorien vermengt hatte. So wurde der grammatische Begriff sein wie ein ontologischer Begriff verwendet. Weiterhin setzt Anselm von Canterbury in seiner Definition des vollkommenen Wesens dessen Existenz bereits voraus. Und wenn man nun sagt, dass ein Ding ist oder existiert, so fügt man ihm nichts hinzu, sondern gibt ihm Eigenschaften. Man wiederholt nur, dass man erfahren hat, dass dieses Ding existiert. Man könnte nämlich auch sagen, dass das vollkommenste Wesen nicht existiert. Diese Aussage enthält keinen logischen Widerspruch, da ein solches Wesen keine objektive Realität besitzt (es ist ein grammatisches Subjekt) aber man nicht die Vorstellung des Wesens an sich leugnet. Wenn also der Satz "Ein vollkommenes Wesen existiert nicht!" nicht logisch widersprüchlich ist, dann ist der Satz "Ein vollkommenes Wesen existiert!" nicht logisch notwendig.
Nach Kant ist der einzige Beweis für eine Existenz die Erfahrung und Anselm von Canterburys Beweis nichts anderes als eine Tautologie.
Hegel hat allerdings die Kantische Ablehnung des Ontologischen Gottesbeweises kritisiert. Der spekulative Geist vereinigt Begriff und Sein durch Umschlagen von Quantität in Qualität. Ebenfalls kritisiert wurde die Kantische Auffassung und Kritik der Gottesbeweis von Otto Willmann, besonders in seiner "Geschichte des Idealismus".
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Alternatives Verständnis
Der vorangehend erläuterte so genannte „ontologische Gottesbeweis“ wird zwar Anselm von Canterbury (um 1033-1109) zugeschrieben; dies läuft jedoch auf ein fundamentales Missverständnis in Bezug auf Anselms eigene Aussagen hinaus.
Denkregeln statt Gottesbegriff
Anselm von Canterbury selbst setzt anders an. Zunächst definiert er im Sinn der christlichen Botschaft die Bedeutung des Wortes „Gott“ in zweifacher Weise: Es könne über Gott hinaus „nichts Größeres gedacht werden“, zugleich aber sei Gott „größer als alles, was gedacht werden kann“ (Proslogion 15). In beiden Definitionen geht es nicht um eine Wesensbestimmung Gottes und auch nicht um einen Gedanken- oder Vorstellungsinhalt, von dem zu fragen wäre, ob ihm auch eine Wirklichkeit entspricht. Vielmehr stellt Anselm nur Denkregeln in Bezug auf Gott auf: Aussagen in Bezug auf Gott können nur dann zutreffen, wenn sie nicht steigerungsfähig, sondern unüberbietbar sind.
Dass nach der zweiten Definition Gott größer sei als alles, was gedacht werden kann, bedeutet, dass Gott von vornherein alles Begreifen übersteigt. Natürlich entsteht dann die Frage, wie man überhaupt noch von ihm reden kann; nach Anselms Auffassung wird man von ihm immer nur das von ihm Verschiedene begreifen können, das auf ihn verweist.
Jedenfalls aber kann man dann Anselm nicht mehr zuschreiben, er wolle aus dem Begriff Gottes seine Existenz herleiten. Denn er selbst bestreitet, dass Gott unter Begriffe fällt; für ihn kann es gar keinen Gottesbegriff geben, den man als Ausgangspunkt für Schlussfolgerungen verwenden oder als deren Ergebnis erreichen könnte. Anselm ist deshalb weit davon entfernt, auf eine „Gottesvorstellung“ zu rekurrieren oder Gott unter den Allgemeinbegriff eines „Wesens“ fassen zu wollen, wie man ihm dies gewöhnlich zuschreibt.
Wenn andererseits nach der ersten Definition in Bezug auf Gott gelten soll, dass über ihn hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, dann müsste dies heißen, dass auch „Gott plus Welt“ nicht noch mehr als Gott sein kann.
Dann aber ist die Aussage, dass über Gott hinaus nichts Größeres gedacht werden kann und somit auch Gott plus Welt nicht mehr als Gott ist, zunächst und direkt nur eine Aussage über die Welt: Wenn die Welt nicht zu Gott wie etwas Zusätzliches zu ihm addiert werden kann und dennoch nicht selber Gott ist, dann kann sie nur etwas sein, das völlig darin aufgeht, ohne ihn gar nicht sein zu können. Sie muss in ihrer gesamten Eigenwirklichkeit, in allem, worin sie sich vom Nichts unterscheidet, ein „restloses Bezogensein auf … / in restloser Verschiedenheit von …“ sein. Es muss sich um eine Relation handeln, die zum Sein der Welt nicht hinzukommt, sondern dieses Sein konstituiert.
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Man weiß also nicht erst, wer Gott ist, um ihm danach die Schöpfung der Welt zuzuschreiben, sondern die einzige Weise, überhaupt sinnvoll von ihm zu sprechen, besteht darin, die Welt als das zu verstehen, was ohne ihn nicht sein kann. Er ist, so lautet die Behauptung der Schöpfungslehre, das Woraufhin (der „terminus ad quem“) dieses „restlosen Bezogenseins auf … / in restloser Verschiedenheit von …“. So ist Gott „ohne wen nichts ist“.
Die Bedeutung von Geschöpflichkeit
Obwohl man das Woraufhin dieses Bezogenseins nur durch das Bezogensein selbst und nur hinweisend (in einseitig gerichteter „Analogie“) erkennen kann, ist dieses Bezogensein in sich von vornherein dadurch ein bestimmtes und konkret aussagbares Bezogensein, dass es mit der ganzen Wirklichkeit der Welt gefüllt ist.
In einer solchen Aussage - Gott sei „ohne wen nichts ist“ - wird gewahrt, dass man von Gott nicht wie von einem Teil der Welt - dem Bereich der Wechselwirkungen - denken kann; dies, wenn auch unbeabsichtigt, zu tun, ist ja der grundlegende Denkfehler aller Versuche, Gott selbst durch ein Beweisverfahren oder irgendeine Form von Projektion erreichen zu wollen. Es gibt keine Gott und Welt noch übergreifenden Denkprinzipien, sondern „unter“ Begriffe fällt nur die Welt. Es bleibt also gewahrt, dass Gott weder als Ausgangspunkt noch als Gegenstand noch als Ergebnis von Schlussfolgerungen in Frage kommt; dennoch spricht man in dieser Aussage über die Welt zugleich richtig, nämlich hinweisend, von ihm. Es ist aber nicht möglich, in der umgekehrten Richtung zu denken und zusätzliche Aussagen über die Welt herzuleiten.
Das Sein der Welt und ihr Geschaffensein sind in diesem Verständnis ein und dasselbe. Man kann nicht von der Welt auf Gott schließen, sondern nur von der Welt auf ihre Geschöpflichkeit, auf ihr „restloses Bezogensein auf … / in restloser Verschiedenheit von …“. Die traditionelle Aussage, dass die Welt „aus dem Nichts geschaffen sei“, bedeutet: Könnte man ihr Geschaffensein beseitigen, bliebe nichts von ihr übrig. „Aus dem Nichts geschaffen sein“ kann von vornherein nicht als eine zur Welt noch hinzukommende und damit zusätzliche Eigenschaft gedacht werden.
Wenn es die Welt wirklich gibt und widerspruchsfrei gedacht werden kann, dass ihr Sein und ihr Geschaffensein identisch sind, dass also ihr Sein ein „restloses Bezogensein auf … / in restloser Verschiedenheit von …“ ist, dann verhält es sich mit Notwendigkeit so; denn das kontradiktorische Gegenteil von dem, was widerspruchsfrei gedacht werden kann, wäre in sich widersprüchlich. Eine Welt, die nicht ein „restloses Bezogensein auf … / in restloser Verschiedenheit von …“ ist, könnte nicht existieren und ließe sich auch nicht denken.
Dafür kann man die Gegenprobe machen: Tatsächlich lässt sich die Welt bei Leugnung ihres Geschaffenseins (= „restlosen Bezogenseins auf … / in restloser Verschiedenheit von …“) nicht mehr widerspruchsfrei beschreiben. Denn alles in der Welt hat die Struktur einer unauflöslichen Einheit von Gegensätzen. Zum Beispiel ist alles der Veränderung unterworfen. Was sich verändert, ist zwar noch weiterhin dasselbe, aber es bleibt nicht ganz dasselbe. Gerade das mit sich selbst identisch Bleibende ist der Zeit unterworfen, was bereits Veränderung ist. Es wird von der Veränderung seiner Eigenschaften doch auch in sich selbst betroffen. Um ein solches Zugleich von Identität und Nichtidentität anders als logisch widersprüchlich beschreiben zu können, muss man (für die Gegensätze) zwei Hinsichten angeben können, die sich dennoch (wegen des Zugleichs der Gegensätze) nicht wiederum ausschließen. Sie sind nur angebbar, indem man das Ganze als „restlos bezogen auf … / in restloser Verschiedenheit von …“ versteht. Mit „restlos“ ist jeweils die konkrete weltliche Wirklichkeit gemeint.
Es geht bei der so verstandenen Geschöpflichkeit der Welt nicht um eine Erklärung der Entstehung der Welt, sondern um eine Erklärung der Welt einfachhin, nämlich wie es möglich ist, sie anders als logisch widersprüchlich zu beschreiben. Solange eine Beschreibung der Welt nicht von einem logischen Widerspruch unterscheidbar ist, kann sie noch nicht zutreffend sein.
Dieses Verständnis von Geschöpflichkeit steht in keinem Gegensatz zu naturwissenschaftlichen Aussagen wie etwa der Behauptung einer Evolution. Auch eine Evolution kann nur als geschaffen überhaupt existieren. Selbst den Zufall kann es nur als geschaffen geben. Geschöpflichkeit würde nur dann nicht bestehen, wenn es in der Welt irgendeinen Sachverhalt gäbe, der anders denn als Einheit von Gegensätzen beschrieben werden könnte. Einen solchen Sachverhalt gibt es jedoch nicht. So ist Geschöpflichkeit auch nicht nur eine Erklärung der Welt neben anderen, sondern umfasst alle sonstigen Erklärungen. Die Aussage, Gott sei „ohne wen nichts ist“, lässt sich deshalb auch nicht als bloße Hypothese verstehen.
Geschöpflichkeit in diesem Sinn ist mit der Vernunft zu erkennen. Der Glaube beginnt erst, wo es um das Geborgensein in der Gemeinschaft mit Gott geht. Diese ist alles andere als eine von vornherein platt selbstverständliche Möglichkeit; nach Anselm kann nichts Geschaffenes für sich allein jemals ausreichen, um Gemeinschaft mit Gott zu begründen. Geschaffensein ist für sich allein genommen nur eine einseitige Beziehung auf Gott.
Der Beweisansatz Anselms von Canterbury ist in genauer und weiterführender Analyse in Wirklichkeit kein Versuch eines „Gottesbeweises“ im strengen Sinn, dass Gott selbst bewiesen würde; es geht vielmehr um einen „Gottesbeweis“ nur in dem Sinn, dass Geschöpflichkeit als Hinweis auf die Existenz Gottes bewiesen wird. Es handelt sich um einen „ontologischen Geschöpflichkeitsbeweis“, der ganz auf der Seite der Welt bleibt; in diesem Verständnis dürfte Anselms Ansatz bisher nicht widerlegt worden sein.
Kant hat somit durchaus Recht, wenn er sagt: Unser Begriff von einem Gegenstande mag also enthalten, was und wie viel er wolle, so müssen wir doch aus ihm herausgehen, um diesem die Existenz zu erteilen. Aber die Deutung von Anselms Ansatz als „ontologischer Geschöpflichkeitsbeweis“ wird von diesem Einwand gegen die üblichen Missverständnisse dieses Ansatzes von vornherein nicht getroffen. Im „ontologischen Geschöpflichkeitsbeweis“ wird von der Existenz der Welt und nicht nur einem bloßen Begriff der Welt auf deren Geschöpflichkeit geschlossen.
Der Kontingenzbeweis
Der Kontingenzbeweis schließt aus der Tatsache, dass es nichtnotwendiges Sein (das Zufällige) gibt, darauf, dass es das absolutnotwendige Sein (das Absolute) geben müsse. Das nichtnotwendige Sein besteht nur, weil es seine Existenz einem anderen Sein verdankt, weshalb es auch genausogut nicht sein könnte. Letztlich müsste es ein Sein geben, welches aus sich heraus (ens a se) ist; dies sei das Absolute, das heißt Gott. Eine ausführlichere Begründung dises Beweises lesen Sie im Artikel natürliche Theologie.
Dieser Kontingenzbeweis setzt voraus, dass nicht alles Sein notwendig ist, und nichtnotwendiges Sein nicht nur scheinbar aus der begrenzten menschlichen Perspektive resultiert. Diese Voraussetzung ist aus mancher Sicht fragwürdig und so sind Weltenmodelle vorstellbar, in denen alles mögliche Sein notwendigerweise auch existiert; Beobachtern aber prinzipiell nur begrenzte Ausschnitte der Welt zugänglich sind. Dieser zugängliche Auschnitt kann je nach Beobachter unterschiedlich sein. Entitäten in den für einen Beobachter nicht zugänglichen Bereichen würde dieser dann aus seiner Perspektive als nichtexistent betrachten, während es sie in der "Gesamtwelt" trotzdem gibt während ein anderer Beobachter mit anderer Perspektive sie als existent betrachten könnte. Ein Beispiel für ein solches Weltmodell ist etwa Everetts Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik. Sogar aus dem gegenwärtigen Standardmodell der Kosmologie folge, wie vom Physiker Max Tegmark gezeigt, dass innerhalb einer Entfernung von 1028 Metern alle quantenmechanisch möglichen Welten vorkommen und deswegen alles demnach vorstellbar Mögliche auch existieren müsse, obwohl für uns nur ein sehr kleiner Teil davon zugänglich ist, da unser physikalischer Ereignishorizont viel geringer ist. Die Möglichkeit von nicht-notwendigem Sein wäre dann also nur eine scheinbare und würde letztlich daraus resultieren, dass in unsere Auffassung von "Sein" die menschliche Perspektive implizit miteingeht.
Verteidiger des Kontingenzbeweises entgegnen, dass die genannte Kritik den philosophischen Begriff der Kontingenz missverstehe, der besagt, dass etwas auch anders oder nicht sein könnte. Materielles Sein sei (schon wegen seiner Zusammengesetztheit) immer kontingent, also nicht aus sich heraus notwendig. Dabei spiele es keine Rolle, ob diese Materie bereits von Menschen mehr oder weniger erkannt wurde. Kritiker verweisen darauf, dass die obige Kritik weder voraussetzen würde, dass Materie aus sich heraus notwendig sei, noch dass sie von Menschen erkannt wurde. Vielmehr könne die Kritik im idealistschen Sinne auch so interpretiert werden, dass genaugenommen das eine absolute, als Gott identifizierte Sein durch viele unabhängige, aber alle aus sich heraus notwendigen Wesensheiten ersetzt werden würde, welche sich beispielsweise im menschlichen Geist manifestierten. Alles andere Seinende, wie Materie, leite sich aus diesen Wesenheiten ab, und sei deswegen auch letztlich notwendig und nur bezogen auf eine Wesenheit subjektive kontigent. Es gäbe demnach also keine absolute Kontigenz.
Der teleologische Gottesbeweis
Nach dem teleologischen Gottesbeweis ist alles in der Welt zielgerichtet und auf Ordnung, Schönheit und Zweckmäßigkeit hin ausgelegt. Es wird oft argumentiert, dass dies nur den Schluss zuließe, dass Gott existieren müsse und die Welt dergestalt eingerichtet hat. Unausgesprochene Voraussetzung des teleologischen Beweises ist, dass komplexe Systeme, welche einen geordneten und zielgerichteten Eindruck machen, nur von einer planerischen Intelligenz geschaffen werden können.
Einer der ersten Kritiker des teleologischen Gottesbeweises war David Hume in seinen Dialogues Concerning Natural Religion. Dieses Werk entstand hundert Jahre, bevor die Evolutionstheorie formuliert wurde. Mit deren Siegeszug aber auch der Entwicklung von Theorien wie der Selbstorganisation hat der teleologische Gottesbeweis stark an Überzeugungskraft verloren.
In der Praxis hat sich inzwischen die Begrenztheit planerischen intelligenten Handelns gezeigt. So haben sich etwa menschliche Wirtschaftsysteme, die zentral geplant und geleitet wurden (Planwirtschaft), nicht gegenüber marktwirtschaftlichen Systemen durchsetzen können, die mit evolutionären Elementen wie etwa dem Prinzip "Versuch und Irrtum" arbeiten. Bei noch komplexeren Systemen, wie zum Beispiel der Biosphäre, sind die Möglichkeiten planerischen Handelns gegenüber evolutionären "Versuch-und-Irrtums-Strategien" dementsprechend noch begrenzter.
Zudem fällt an dieser Argumentation ein mehr oder weniger versteckt anthropomorphes Element auf, da hier ein Gott mit einer planerischen Intelligenz entsprechend dem Menschen als Vorbild konstruiert wird, auch wenn die Fähigkeiten des so konstruierten Gottes die des Menschen übersteigen sollen.
Theodizee
Die Theodizee (frz. théodicée), von griech. theos (Gott) und diké (Gerechtigkeit), fragt danach, wie Gott das Böse in der Welt zulassen kann. Es handelt sich nicht um einen Gottesbeweis, sondern um einen Versuch, die Existenz eines allmächtigen und zugleich gütigen Gottes trotz Vorhandenseins von Bösem und Übel in der Welt zu plausibilisieren. vgl.Metz
Der kosmologische Gottesbeweis
Die physikalischen Naturkonstanten haben solche Werte, dass sie Leben, wie wir es kennen, ermöglichen. Wären sie auch nur um wenige Promille anders, gäbe es heute kein derartiges Leben auf unserem Planeten, also auch keine Menschen (Feinabstimmungsproblem). Die Vertreter des kosmologischen Gottesbeweises folgern nun, die Naturkonstanten müssten wie von einem Schöpfergott passend gewählt worden sein.
Diesem kosmologischen Gottesbeweis steht jedoch das anthropische Prinzip gegenüber ("Weil es Beobachter des Universums gibt, muss es Eigenschaften besitzen, die die Existenz von Beobachtern zulassen").
Auch verschiedene kosmologische Modelle bieten Erklärungen für diese Beobachtungen, wie beispielsweise die Hypothese des Multiversums, wobei Beobachter nur in den Universen entstehen konnten, die die entsprechenden physikalischen Rahmenbedingungen bieten.
Pascalsche Wette
Die pascalsche Wette wird Blaise Pascal zugeschrieben und ist kein Gottesbeweis. Sie wird manchmal von Gläubigen benutzt, um nichtgläubige Menschen von den Vorteilen eines Gottglaubens zu überzeugen. Die Wette basiert auf der Annahme, dass ein Gott, sofern er existieren würde, diejenigen belohnt, die an ihn glauben, und diejenigen bestraft, die nicht an ihn glauben. Es gibt also vier Möglichkeiten:
#Gott existiert nicht, und ich glaube nicht an Gott (neutral)
#Gott existiert nicht, und ich glaube an Gott (neutral)
#Gott existiert, und ich glaube nicht an Gott (Bestrafung)
#Gott existiert, und ich glaube an Gott (Belohnung)
Die pascalsche Wette wendet darauf die Regeln der Spieltheorie an und schlussfolgert, dass es – unabhängig davon, ob man die Wahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes mit 0,1 % oder 99,9 % einschätzt – taktisch klüger ist, an Gott zu glauben (neutral oder Belohnung), als nicht an Gott zu glauben (neutral oder Bestrafung).
Gegen diese Argumentation Pascals werden jedoch vielfach Einwände erhoben. Erstens nimmt Pascal implizit an, dass der Glaubende die richtige aus der Vielzahl der angebotenen Religionen auswählt, seiner Meinung nach die christliche. Zweitens wird vorausgesetzt, dass zum Glauben ein bloßer Entschluss ausreiche, was aus theologischen wie psychologischen Gründen vielfach bezweifelt oder verneint wird (z. B. von Augustinus oder Luther, die den Glauben als Gnade Gottes betrachten). Drittens scheint die Annahme problematisch, dass das Heil des Gläubigen allein vom Glauben und nicht (auch) z. B. von seinen Taten, seinem Vertrauen und seiner Liebe zu Gott oder anderen Faktoren abhänge. Damit bräche die Argumentation sofort zusammen, falls Gott zum Beispiel einen aufrechten Atheisten oder Agnostiker gegenüber einem opportunistischen glaubenden Theisten, der sich seinen Vorteil buchstäblich ausgerechnet hat, bevorzugt.
Zitate
- Nach einer Legende wurde der Mathematiker Leonhard Euler von der Russischen Zarin Katharina der Großen zu einer Diskussion mit dem Philosophen Diderot nach St. Petersburg eingeladen. Euler sollte dort einen mathematischen Beweis für die Existenz Gottes liefern. Als der Disput beginnen sollte, stand Euler auf und sagte: „Mein Herr, , also existiert Gott. Antworten Sie mir!“ Diderot, der von Mathematik keine Ahnung hatte, musste sich geschlagen geben.
- „Das Dasein eines, der da ist, zu beweisen, ist das unverschämteste Attentat, da es ein Versuch ist, ihn lächerlich zu machen.“ Søren Kierkegaard
- „Ein bewiesener Gott ist Welt, und ein Gott der Welt ist ein Götze.“ W. Hermann, protestantischer Theologe
- „Wer mit Gottesbeweisen etwas über Gottes Wirklichkeit auszusagen meint, disputiert über ein Phantom.“ Rudolf Bultmann, protestantischer Theologe
- „Wenn Gott existiert, ist der Mensch ein Sklave; der Mensch kann und soll aber frei sein: Folglich existiert Gott nicht.“ -- Michail A. Bakunin, "Gott und der Staat" (1871)
- Paulus, Römerbrief 1,19ff:
:Was Menschen über Gott wissen können, ist ihnen bekannt. Gott selbst hat es ihnen bekannt gemacht. Zwar kann niemand Gott sehen; aber er zeigt sich den Menschen in seinen Werken. Weil er die Welt erschaffen hat, können sie seine ewige Macht und sein göttliches Wesen mit ihrem Verstand erkennen. Sie haben also keine Entschuldigung. Aber obwohl sie Gott kannten, gaben sie ihm nicht die Ehre, die ihm zusteht, und dankten ihm nicht. So kam es, dass ihre Gedanken in die Irre gingen, und in ihren unverständigen Herzen wurde es finster. Sie bildeten sich etwas auf ihre Klugheit ein, aber in Wirklichkeit wurden sie zu Narren.
- Albert Einstein sagte 1929 in einem Interview:
:Wir befinden uns in der Lage eines kleinen Kindes, das in eine riesige Bibliothek eintritt, die mit vielen Büchern in verschiedenen Sprachen angefüllt ist. Das Kind weiß, dass jemand die Bücher geschrieben hat. Es weiß aber nicht, wie das geschah. Es versteht die Sprachen nicht, in der sie geschrieben wurden. Das Kind erahnt dunkel eine mysteriöse Ordnung in der Zusammenstellung der Bücher, weiß aber nicht, was es ist. Das ist nach meiner Meinung die Einstellung auch des intelligentesten Menschen gegenüber Gott. Wir sehen ein Universum, das wunderbar zusammengesetzt ist und bestimmten Gesetzen gehorcht, aber diese Gesetze verstehen wir nur andeutungsweise. Unser begrenzter Verstand kann die mysteriösen Kräfte, welche die Konstellationen bewegen, nicht fassen.
(Zitiert nach D. Brian: Einstein – a life, Wiley 1996, S.186)
- "Der Gott, an dessen Existenz keiner mehr glaubte, den keiner mehr verehrte, würde aufhören zu existieren.“ Bernd Loppow
- "Man kann auch dann glauben, wenn man nichts weiß, aber man kann nichts wissen, wenn man nichts glaubt. Daher muß man etwas glauben, und dieses etwas, das man glaubt, ist die Handreichung Gottes" Robert Bauer
Literatur
- Brugger, Walter: Philosophisches Wörterbuch, 21. Auflage, Freiburg 1992. ISBN 3-451-20410-X
- Brugger, Walter: Summe einer philosophischen Gotteslehre, München 1979. ISBN 3-87056-022-3
- Cramer, Wolfgang: Gottesbeweise und ihre Kritik – Prüfung ihrer Beweiskraft, Frankfurt am Main 1967. ISBN 3-465-00070-6
- Hansen, Helmut: Von der Entdeckung Gottes am Rande des Universums, Petersberg 2005, ISBN 3-86616-022-4
- Kälin, Bernhard: Lehrbuch der Philosophie. Band I: Logik, Ontologie, Kosmologie, Psychologie, Kriteriologie und Theodizee, Sarnen 1957
- Kenny, Anthony: The Five Ways – St. Thomas Aquinas’ Proofs of God’s Existence, London 2004. ISBN 0-415-31845-9
- Knauer, Peter: Der Glaube kommt vom Hören. Ökumenische Fundamentaltheologie,6., neubearb. und erw. Aufl.— Freiburg (im Breisgau); Basel; Wien: Herder, 1991 ISBN 3-451-22187-X Download als pdf auf folgender Seite http://www.jesuiten.org/peter.knauer/20.html
- Lehmen, Alfons: Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage; Band III: Theodizee, fünfte, verbesserte Auflage, Freiburg im Breisgau 1923
- Schmidt, Josef: Philosophische Theologie; Stuttgart 2003
- Seidl, Hans (Hrsg. und Übersetzer): Die Gottesbeweise in der „Summe gegen die Heiden" und der „Summe der Theologie", zweite Auflage, Hamburg 1986.ISBN 3-7873-1192-0
- Thomas von Aquin: Summe der Theologie, deutsch-lateinische Ausgabe, hrsg. vom kath. Akademikerverband, Salzburg 1934
- Thomas von Aquin: Summe gegen die Heiden (Summa contra gentiles) Lateinisch – Deutsch, hrsg. und übersetzt von Karl Albert und Paulus Engelhardt unter Mitarbeit von Leo Dümpelmann, Sonderausgabe, Darmstadt 2001. ISBN 3-534-00378-0
- Vries, Josef de: Denken und Sein, Ein Aufbau der Erkenntnistheorie, Freiburg 1937
- John Leslie Mackie: Das Wunder des Theismus. Argumente für und gegen die Existenz Gottes. (1985) Reclam
Weblinks
- [http://www.dittmar-online.net/religion/gott/weristgott.html Aus der Homepage eines religionskritischen Privatgelehrten: "Logische Kritik an der Beweisbarkeit Gottes"]
- [http://www.karl-leisner-jugend.de/Gottesbeweise.htm Aus der Homepage der katholischen Jugend im Bistum Münster: "Grundlegende Einordnung der Gottesbeweise im Vergleich zum modernen (naturwissenschaftlichen) Begriff vom Beweis"]
- [http://www.apologetics.com/default.jsp?bodycontent=articles/theistic_apologetics/beck-cosmology.html&pagetitle=The%20Cosmological%20Argument:%20A%20Current%20Bibliographical%20Appraisal Aus der Homepage der protestantischen Organisation "www.apologetics.com": "The Cosmological Argument: A Current Bibliographical Appraisal" (englisch)]
- [http://www.madeasy.de/1/2nkmgott.htm#n10 Ein nach eigener Aussage kritisch rational denkender Mensch fragt sich, an welchen Gott er heute noch glauben kann]
- [http://www.users.drew.edu/~jlenz/whynot.html Bertrand Russells berühmter Text: "Why I am not a christian" von 1927, in dem er bekannte Gottesbeweise einer logischen Kritik unterzieht]
- [http://www.welt.de/data/2005/03/26/615790.html Robert Spaemann: Warum wir, wenn es Gott nicht gibt, überhaupt nichts denken können.]
- Texte zur Rede von Gott von Peter Knauer SJ [http://www.jesuiten.org/peter.knauer/knauer0.html#Download]
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Kategorie: Theologie
Kategorie: Natürliche Theologie
ja:神の存在証明
PersonPerson hat mehrere Bedeutungen:
Person im alltäglichen Sinn meint einen bestimmten Menschen, dem soziologisch eine bestimmte Rolle (Frau, Vater), ein Amt (Richter), ein Beruf (Krankenschwester) oder eine Herkunft (Bayer) zukommt und juristisch ein bestimmtes verfassungsrechtlich festgelegtes Subjektsein (Rechte und Pflichten). Dieser Person-Begriff ist also ein Sammelbegriff für die Erscheinung eines Menschen.
Person im philosophischen Sinn meint ein bestimmtes Menschenbild: eine Theorie des Menschseins: was ein Mensch wesentlich ist: was die Elemente sind, die sein Menschsein qualifizieren, bestimmen: die ihn zu dem machen, was er als Mensch bzw. Person ist (z. B. dass er ein Sozialwesen ist, eine Individualität hat und ein Vernunftwesen bzw. Geistwesen ist, dass er wesentlich auf die Natur bezogen ist, die ihm im Kosmos und der geologischen, meteorologischen und biologischen Umwelt vorgegeben ist). Dieser Person-Begriff bezeichnet das Wesen des Menschseins, mitunter auch Personalität genannt.
"Person" darf nicht mit "Persönlichkeit" verwechselt werden, denn dies bezeichnet die Menge aller individuellen Eigenschaften eines Menschen. Dazu zählen biologische Merkmale und psychische, also die genetische Ausstattung eines Menschen und sein Charakter.
Wortherleitung
Die Herkunft des Wortes Person ist nicht vollständig geklärt; es existieren hierzu zwei verschiedene Theorien. Fest steht lediglich, dass es im 13. Jahrhundert als person, persone aus lat. persona ins Deutsche übernommen wurde. Der Ursprung des lateinischen Begriffes ist jedoch umstritten.
Manche halten den Begriff als Entlehnung aus gr. prosôpon, "Maske, Rolle, Mensch"; einer anderen (und von den meisten Etymologen heute für wahrscheinlicher gehaltenen) Theorie zufolge stammt es jedoch aus etrusk. phersu; Maske.
Hinter dem Wort "Person" steht das tiefenpsychologische Bild, dass alle Menschen in den meisten Situationen nicht 100% sie selbst sind, sondern sich wie Schauspieler verhalten, die ihre Rolle mehr oder weniger gut spielen. Hört man genau auf das was jemand sagt, also das was seine Maske durchtönt (lat. per'son'are = durch'tön'en), so erhält man vielleicht einen tieferen Einblick in die wirkliche "Person". Vgl. hierbei das antike Theater, bei der mehrere Personen von einem Schauspieler mit unterschiedlichen Masken (durch die die Schauspieler dann sprachen) gespielt wurden.
Das Begriffsfeld Person erstreckt sich über verschiedene Zweige der Geistes-, Human- und Gesellschaftswissenschaften:
Philosophie
In der klassischen Philosophie ist die Definition des Boethius der Ausgangspunkt des Personenverständnisses: Persona est rationalis naturae individua substantia, d.h. Person ist die individuelle Substanz rationaler (vernünftiger) Natur. Dies meint, dass der Erscheinung des Menschen als denkendem Lebewesen ein sinnlich nicht wahrnehmbarer Wesenskern zugrunde liegt, der seiner denkenden und körperlichen Natur sinnlich verborgen zugrunde liegt, also metaphysisch ist (meta: über, hinter; physisch: naturhaft).
"Person" in diesem Sinne wurde in der mittelalterlichen Philosohie dann öfter mit dem Begriff "unsterbliche Seele" identifiziert. In der Philosophie der Neuzeit (Aufklärung) wurde dieser Personen-Begriff dann vielfältig kritisiert (diese metaphysische Dimension argumentativ bestritten), und in der Folge dann nicht mehr oft mit "unsterblicher Seele" identifiziert.
Kant unterscheidet deutlich zwischen dem Personbegriff als Vernunftwesen (Person: Lebewesen das nach vernünftigen Prinzipien denken kann und von daher seine Würde als Person erhält, die Tieren nicht zukommt, weil sie ein solches Vermögen nicht besitzen) und der "unsterblichen Seele" als reiner Vernunftbegriff: einer in der Vernunft vorkommenden Idee, auf die man denkerisch nach Kant zwingend stößt, wenn man den Begriff der Vernunft als moralischer Vernunft konsequent durchdenkt. Näheres zum Seelen-Begriff Kants unter Seele.
In moderneren philosphischen Strömungen sind Personen die Subjekte der Ethik. Manche Ethiker, so Peter Singer, unterscheiden zwischen Mensch und Person. Diskursethisch lasse sich dies so begründen, dass nur der Mensch als Person gelten kann, der in der Lage ist, sich im Diskurs zu äußern. Kritiker wie Robert Spaemann stellen Singers Unterscheidung zwischen Mensch und Person in Frage, durch die Graduierungsunmöglichkeit zwischen 'etwas' und 'jemandem', sowie der biologischen Zugehörigkeit zum Menschengeschlecht als alleinigem Kriterium für Personalität. Auch Vertreter des Naturrechts argumentieren, dass dem Menschen - durch seinen Geist - von Anfang an und in allen Situationen (also etwa auch im Koma) das Personsein und damit seine besondere Würde zukommt.
Genauso erkennt der Personalismus, besonders der jüdische (z.B. Martin Buber) und der christliche (z.B. Romano Guardini), jedem Menschen das Personsein zu: Der Mensch ist an sich Person und dialogfähig (dialogischer Personalismus). Romano Guardini unterscheidet darüber hinaus zwischen Person als Wesensbegriff und Persönlichkeit als Individuation. In diesem Zusammenhang stellen sich die Fragen nach Verhältnis von Person und Welt sowie Person und Masse im Kontext einer Bedrohung durch Entpersönlichung/Depersonalisation (vgl. Ricarda Huch).
Die Christliche Soziallehre erkennt daher in der Personalität neben der Solidarität, Subsidiarität sowie dem Gemeinwohl und der Gerechtigkeit eines der Prinzipien für ein gelingendes menschliches Zusammenleben in Gesellschaft und Staat. Einen grundlegenden philosophisch-theologischen Überblick schuf Markus von Hänsel-Hohenhausen: Vom Antlitz in der Welt (Frankfurt/M. 2005; englisch: The Countenance in the World, London 2005).
Psychologie
In der Psychologie wird Person mit dem Menschen als Einzelwesen gleichgesetzt, der über eine Gesamtmenge an Anlagen und erworbenen Fähigkeiten verfügt, die sog. personale Struktur. Als Person ist jeder Mensch einmalig. Einige, so Andreas Wieland, gehen davon aus, dass für jeden Zeitpunkt im Menschen eine eigene Person existiert, die mit allen anderen konkurriert. Dadurch lassen sich Verhaltensweisen wie Faulheit erklären, da man durch zeitliches Verschieben die ungeliebte Tätigkeit selbst nicht erledigen muss, möglicherweise aber eine Nachfolgeperson im Menschen (Selbstkonkurrenz).
Rechtswissenschaft
In der Rechtswissenschaft ist Person jeder, der fähig ist, Träger von Rechten und Pflichten zu sein (Rechtssubjekt). Dies ist in erster Linie ein Mensch, der als natürliche Person bezeichnet wird. Seine Rechtsfähigkeit beginnt nach deutschem Recht mit der Vollendung der Geburt. Daneben existiert aber auch der in Anlehnung an die natürliche Person entstandene Begriff der juristischen Person, die Kraft gesetzlicher Anerkennung Rechtsfähigkeit erlangt. Hierzu werden z. B. Körperschaften oder Vereinigungen wie der eingetragene Verein, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder die Aktiengesellschaft gezählt.
Weitere Bedeutungen
- Literatur: Die Personen (Figuren) einer Erzählung (Personage).
- Person (Sprache): eine dem Subjekt eines Verbes entsprechende grammatikalische Form
Weblink
- [http://www.theologie-systematisch.de/anthropologie/1grundbegriffe.html theologie-systematisch.de] Aktuelle Literatur zum Person-Verständnis des Menschen
- [http://www.textlog.de/1913.html Person im Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe von Friedrich Kirchner (1907)]
- [http://www.moderatorenschule-muenchen.de TV-Coaching für Anfänger und Fortgeschrittene, Fit for Casting, Videofeedback]
Kategorie:Mensch
Kategorie:Allgemeine Zivilrechtslehre
Kategorie:Soziale Rolle
Kategorie:Psychologie
IndividuumUnter einem Individuum (lat.: unteilbar, aber auch nicht zu Teilendes) versteht man etwas Einzelnes in seiner Gesamtheit mit allen Eigenheiten und Eigenarten, die in ihrem Gesamtgefüge wiederum bestimmend sind für seine Individualität. Es bezeichnet also das räumlich und qualitativ einmalige Einzelwesen (seltener auch Einzelding).
Der Begriff Individuum wird praktisch ausschließlich auf Lebewesen und auf den Menschen angewendet; Einheit und intakte Ganzheit ist bei ihnen lebensnotwendig. Bei Menschen wird statt von Individuen mit derselben Bedeutung auch von Personen geredet, deren individuelle Eigenschaften und Interessen dann den Besonderheiten, die in einer Personengruppe (Gemeinschaft, Gesellschaft, Kollektiv) vorherrschen, gegenübergestellt werden können.
Die Bedeutung des Individuums schwankt in der Geistesgeschichte sowohl in der zeitlichen Dimension (epochenabhängig) wie auch in der räumlichen Dimension (Kulturen). Die Moderne, die heute Europa und Nordamerika bestimmt, betont das Individuum im historischen wie auch im interkulturellen Vergleich sehr stark. Diese starke Betonung des Individuums wird auch Individualismus genannt, im Gegensatz zum Kollektivismus.
Die geistesgeschichtliche S | | |