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Grünland
Grünland ist der Fachbegriff für landwirtschaftlich genutzte Flächen, auf denen Gras als Dauerkultur angebaut wird. Das Gras wird vor allem an Wiederkäuer verfüttert und bildet daher für Futterbaubetriebe häufig die hauptsächliche Grundfutterquelle.
Grünland im engeren Sinne sind Wiesen, Weiden oder Mähweiden. Es wird auch als Wirtschaftsgrünland oder von der Pflanzensoziologie als sogenannte "Fettwiesen" bzw. "Fettweiden" bezeichnet. Diese Flächen werden in der Regel mehr als zweimal im Jahr gemäht oder abgeweidet und liefern bei rechtzeitiger Nutzung gutes Futter. Diese Grünlandgesellschaften sind eine Kulturformationen, die ohne diese Bewirtschaftung im Klima Mitteleuropas nicht existieren würde.
Grünland im weiteren Sinne umfasst neben den oben genannten Flächen noch Magerwiesen und -weiden, Feuchtwiesen, Trocken- und Halbtrockenrasen, Borstgrasrasen, Zwergstrauchheiden sowie die früher noch häufigen Pfeifengras-Streuwiesen und Seggenriede, die allerdings lediglich der Streugewinnung oder der gelegentlichen Beweidung (Wanderschäferei) dienten. Diese Pflanzengesellschaften sind Halbkultur- oder Kulturformationen. Echte (natürlich entstandene) Trocken-, Halbtrocken-, Bortsgras- oder alpine Rasen sind sehr selten.
Zu Grünland im weiteren Sinne gehören aber auch Rasenflächen und Straßenbegleitgrün. Eine Mischform stellen Streuobstwiesen dar.
Definitionen nach Nutzungsweise und -häufigkeit
Nutzungshäufigkeit
Die botanische Artenzusammensetzung der Grünflächen (Gräser, Kräuter, Leguminosen) ist stark von der Stärke der Nutzung abhängig, die sich ihrerseits wieder zum Teil durch den Standort ergibt. Je häufiger die Nutzung ist, also je mehr Schnittnutzungen oder je mehr Tiere pro Fläche bei Weidenutzung es gibt, desto geringer ist die Artenzahl des Graslandes.
Kennzeichen moderner Grünlandwirtschaft
Im Vergleich zu jenen Wirtschaftsformen Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts wird die heutige Grünlandwirtschaft durch folgende Merkmale geprägt:
# Übergang von einer Festmistwirtschaft zur Güllewirtschaft.
# Übergang von Dürrfutterbereitung (Heu) auf Silage.
# Früherer Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses und dadurch insgesamt mehr Nutzungen pro Jahr.
# Im Zusammenhang mit hohen Viehzahlen pro Betrieb und hoher Besatzstärke Gefahr der Überdüngung hofnaher Flächen mit Flüssigmist (Gülle).
Standortbezug
Hinsichtlich der Standort- und Bodenverhältnisse unterscheidet man fakultatives und obligates Grünland: Auf fakultativem Grünland könnten auch mehr oder weniger problemlos andere Früchte, z.B. Getreide angebaut werden. Obligates Grünland hingegen ist meistens ein Grenzstandort, auf dem nur schwer andere Früchte wachsen; als Gründe hierfür kommen hohe Niederschläge (z.B. in Skandinavien), steppenartige Trockenheit oder auch Moorböden bzw. Auenböden in Frage.
Dauergrünland, Wiese, Weide
Dauergrünland werden solche Grundfutterflächen genannt, die längere Zeit eine kurzrasige Vegetation als Dauerkultur tragen. Dauergrünland ist somit eine mindestens 5 Jahre alte Vegetationsform (Wiese oder Weide) mit relativ geschlossener Grasnarbe, die von einer Pflanzengemeinschaft aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen gebildet wird. Grünland wird durch mehr oder weniger regelmäßige Mahd und/oder Beweidung gehölzfrei bzw. waldfrei gehalten und dient(e) entweder der Futter- oder zu früheren Zeiten der Streugewinnung in der Landwirtschaft. Die botanische Zusammensetzung von Grünland ist das Ergebnis einer bestimmten Bewirtschaftung und Nutzung am jeweiligen Standort.
Ein- und mehrjähriger Futterbau in Form von Futtergräsern (so genanntes "Ackergras") ist kein Grünland in diesem Sinne. Er wird dem Ackerfutterbau zugerechnet.
Definitionen nach der Typologie
Wirtschaftsgrünland
waldfrei
Unter Wirtschaftsgrünland wird ein Grünlandtyp verstanden, der so stark genutzt wird, dass sich die Erzeugung von Grundfutter für die Milchviehhaltung – in Konkurrenz zu Silomais – ökonomisch noch lohnt. Die Häufigkeit liegt je nach Naturraum und Standortverhältnissen zwischen 3 und 6 Nutzungen pro Jahr (als Schnitt, Weide oder Mähweide). Die dem Boden entzogenen Nährstoffe werden bei landschaftsökologisch verträglicher Nutzungsweise fast ausschließlich über Hofdung (Wirtschaftsdünger), überwiegend als Gülle zurückgeführt. Die Ertragserwartung liegt zwischen 80 und 120 dt TM/ha, die Qualität des Futters zwischen 5,0 und 6,0 MJ NEL/kg TM. Die Anzahl der Pflanzenarten ist mit 15 bis 20 pro 25 qm Referenzfläche vergleichsweise gering.
Extensivgrünland
waldfrei
Unter Extensivgrünland bzw. artenreichem Grünland sind vorwiegend 1-2-schürige Heu- und Öhmdwiesen zu verstehen. Es gehören aber auch langjährig extensiv bewirtschaftete Weiden in Höhenlagen dazu. Solches Grünland wird standortgerecht genutzt und erfährt nur eine teilweise Rückführung der Nährstoffe über Wirtschaftsdünger (Stallmist, Jauche).
Extensivgrünland darf jedoch nicht mit "extensiviertem Grünland" gleichgesetzt oder verwechselt werden, das sich durch Reduzierung von Nutzungshäufigkeit und Düngung aus artenarmem Wirtschaftsgrünland heraus entwickelte, in der Regel aber (noch) nicht den besagten bioökologischen Wert besitzt. Die Anzahl der Pflanzenarten ist mit 30 bis 45 pro 25 qm Referenzfläche vergleichsweise hoch und wird nur noch vom Biotopgrünland übertroffen. Siehe auch Blumenwiese.
Feldgraswirtschaft, Wechselgrünland
Grünland wird in der Regel nicht umgebrochen. Trotzdem gibt es in den Höhengebieten des Landes vereinzelt noch die historische Feldgraswirtschaft mit Wechselgrünland (regional: Eggartwirtschaft). Hier wird die fördernde Wirkung des Grünlandes auf die Bodenfruchtbarkeit für eine Ackerfruchtfolge auf einem Teil der Grünlandfläche genutzt.
Grünlandbrache
Blumenwiese
Im Sinne dieser Definition von Grünland ist die Grünlandbrache, also brachgefallenes Dauergrünland, darüber hinaus die Rotations- und Dauerbrache auf Ackerland oder das bewusst der natürlichen Sukzession überlassene Grünland zu unterscheiden. Kennzeichen der Brache ist das Fehlen jeglicher landwirtschaftlicher oder sonstiger Nutzung des Pflanzenaufwuchses. Ein dauerhafter Verzicht jeglicher Grünlandnutzung würde als potentielle natürliche Vegetation mit der Zeit Wald entstehen lassen.
Definition im fiskalisch-juristischen Sinne
Im Sinne des EU-Beihilferechts besteht zwischen Dauergrünland und Ackerland folgende Unterscheidung (gemäß der Agrarstatistik-Entscheidung 2000/115/EG der EU-Kommission): Ackerland ist „Land, das regelmäßig bearbeitet (gepflügt oder bestellt) wird und im Allgemeinen einer Fruchtfolge unterliegt“. Für die Unterscheidung zwischen Ackerland und Dauerkulturen oder Dauergrünland wird eine Schwelle von fünf Jahren angesetzt.
Literatur
- Dierschke, H. & G. Briemle (2002): Kulturgrasland. Wiesen, Weiden und verwandte Staudenfluren. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 240 S., ISBN 3800138166.
- Briemle, G., M. Elsäßer, T. Jilg, W. Müller & H. Nußbaum (1996): Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung in Baden-Württemberg. – in: Nachhaltige Land- und Forstwirtschaft; Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York: 215-256, ISBN 3540610901.
- OPITZ v. BOBERFELD, W. (1994): Grünlandlehre - biologische und ökologische Grundlagen. Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1770-1
- Voigtländer,G. & H. Jacob (1987): Grünlandwirtschaft und Futterbau. - Ulmer, Stuttgart.
- Ellenberg, H. (1982): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologische Sicht. - Ulmer-Verlag, Stuttgart, 980 S.
- Klapp, E. (1971): Wiesen und Weiden. – 4.Aufl., Parey-Verlag, Berlin, Hamburg: 519 S.
Kategorie:Feldwirtschaft
Kategorie:Biotop
Kategorie:Gras
LandwirtschaftLandwirtschaft ist der Prozess, durch den gezielten Anbau von Pflanzen (Ackerbau, Gartenbau, Obstbau, Weinbau, nicht jedoch Forstwirtschaft) und durch die Nutzung und Zucht von domestizierten Tieren (Viehzucht) Nahrungsmittel, Futter, Fasern und andere gewünschte Rohstoffe zu produzieren. Sie dient der Ernährung der Menschheit und ist heute vorwiegend auf Erzielung von Profit ausgerichtet.
Profit
Einordnung
Allgemein
Landwirtschaft beinhaltet dreierlei:
- Subsistenzwirtschaft: Hierbei produziert der Landwirt genug Nahrungsmittel für sich und seine Familie (jedoch nicht mehr).
- (generell in den sogenannten "entwickelten" Ländern und in anderen Ländern ebenfalls mehr und mehr) die Produktion eines finanziellen Einkommens durch Landkultivierung oder kommerzielle Viehzucht.
Neben Nahrungsmitteln und Futter nimmt die Produktion von anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Zierpflanzen, Düngemittel, Leder, industriellen Chemikalien (Stärke, Ethanol, Farbstoffe und Plastik), Fasern (Baumwolle, Wolle, Hanf, Naturseide und Flachs), Kraftstoffen (Methan, Biodiesel, Biomasse) sowie zugelassenen medizinischen Wirkstoffen (Biopharmaceutica, legalen Drogen (Alkohol, Tabak) und verbotenen Drogen (Marihuana, Opium, Kokain) zu.
Auch die Produktion genetisch veränderter Pflanzen und Tiere steigt an.
Ökonomische Einordnung
In den Wirtschaftswissenschaften wird die Landwirtschaft als Primärsektor (auch: Urproduktion) bezeichnet. Die Betriebswirtschaftslehre bezieht sich in vielen Grundlagen auf die landwirtschaftliche Produktion.
Bedeutung in Deutschland
Im Jahr 2003 gab es in Deutschland ca. 420.700 landwirtschaftliche Betriebe ab 2 ha LF. Darin waren rund 1,3 Millionen Personen haupt- oder nebenberuflich beschäftigt, was 560.000 Vollzeitarbeitsplätzen entsprach.
Insgesamt wurden 17 Millionen ha (Hektar) Boden landwirtschaftlich genutzt (das sind ca. 49,3 Prozent der Gesamtfläche). Davon entfielen auf die Pflanzenproduktion rund 11,8 Millionen Hektar und auf Dauergrünland rund 5 Millionen Hektar. Im Vergleich dazu spielen Obstanlagen, Baumschulen und Weihnachtsbaumkulturen hinsichtlich des Flächenverbrauchs keine große Rolle. Deutschland war 2004 mit Waren im Wert von 13,8 Mrd. Dollar weltweit viertgrößter Exporteur von Agrarprodukten.
Rechtliche Einordnung
Der Begriff der Landwirtschaft wird in Deutschland grundlegend durch
§ 201 Baugesetzbuch(BauGB) geregelt.
Produktion
Bereiche
Baugesetzbuch
Baugesetzbuch
Generell kann die Landwirtschaft in zwei Produktionsrichtungen eingeteilt werden:
- Viehhaltung
- Pflanzenproduktion.
Welche dieser Formen lokal überwiegt, ist vom Standort abhängig: Auf leichten Standorten (schlechter Boden) ist die Viehhaltung konkurrenzkräftiger, während auf besseren Böden die Pflanzenproduktion wirtschaftlicher ist.
Unformatierten Text hier einfügenUnformatierten Text hier einfügenUnformatierten Text hier einfügen Ziele
- Ernährungssicherung durch die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel,
- Schonung der natürlichen Ressourcen Boden, Wasser und Luft,
- infrastrukturelle, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Belebung der ländlichen Räume,
- Pflege der Kulturlandschaft und Erhalt der Artenvielfalt,
- in Zukunft möglicherweise vermehrt Erzeugung regenerativer Energien
Formen der Landwirtschaft
- historische Landwirtschaft
:bis zur Erfindung des mineralischen Düngers
- traditionelle Landwirtschaft
:bis ca. 1960
- moderne Landwirtschaft
:erzielt hohe Ernteerträge durch Züchtung spezieller Sorten (in einigen Staaten auch bereits unter Einsatz der Gentechnik), durch Monokultur, sowie den Einsatz von Futtermitteln, Kunstdünger (dessen Entwicklung maßgeblich zur Erholung der Wälder in Mitteleuropa beigetragen hat), Insektiziden, Fungiziden, Herbiziden und Wachstumsregulatoren (den so genannten Pflanzenschutzmitteln). Der intensive Einsatz der genannten Produktionsfaktoren dient der stetigen Ertragssteigerung, führt aber oft zu negativen Wechselwirkungen mit der Natur (Umweltschutz) und den erzeugten Lebensmitteln (Fragen zu Rückständen in Nahrungsmitteln).
: - bäuerliche Landwirtschaft
: - industrielle Landwirtschaft
: - extensive Landwirtschaft
: - ökologische Landwirtschaft
::versucht, modernes Wissen zu nutzen und dabei die genannten negativen Wechselwirkungen zu vermeiden.
Die Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel führt seit Sommer 2003 einen auf mehrere Jahre ausgelegten Vergleich der beiden Produktionsformen durch, dessen Ergebnis in der aktuellen Diskussion hilfreich sein kann.
Methoden
Hinsichtlich der Produktionsmethoden wird heute unterschieden in (alphabetisch):
- Biologische Landwirtschaft (oder auch Ökologische Landwirtschaft), zu der auch die Unterform der auf den Lehren R. Steiners gründenden Biologisch-dynamischen Landwirtschaft zählt
- Konventionelle Landwirtschaft mit der Unterform der integrierten Landwirtschaft
- Permakultur
- Synergistische Landwirtschaft
Politik
Hauptartikel: Agrarpolitik
Politische Konfliktfelder
Die Landwirtschaft in Deutschland, Europa und weltweit befindet sich in einem tiefen Umbruch: Große Erfolge in der Produktivitätssteigerung auf der einen Seite stehen ungleicher Verteilung, Preisdumping, zahlreichen Betriebsaufgaben sowie ökologischen Problemen gegenüber. Die seit 1992 eingeleiteten Reformen der europäischen Agrarpolitik mit einem komplexen System von Ausgleichszahlungen konnten Fehlentwicklungen nicht verhindern. Die gegenwärtige Situation ist für die soziale Lage der landwirtschaftlichen Familien, für die Volkswirtschaft und für die ökologische Situation von Boden-, Gewässer- und Tierschutz mit hohen Belastungen verbunden. Die große Zahl der Betriebsaufgaben ist Zeugnis einer existenziellen Not. Die in der Öffentlichkeit heftig diskutierten Krankheiten bzw. Skandale – BSE-Krise, Maul- und Klauenseuche – sind keine Einzelphänomene, sondern sind teilweise Ausdruck von Strukturproblemen der Landwirtschaft in der Zerreißprobe zwischen ökonomischen und ökologischen Erfordernissen.
Zugleich ist die weltweite Krise der Landwirtschaft ein Kernproblem globaler Gerechtigkeit: Während auf den Weltmärkten ein Überschuss an Nahrungsmitteln herrscht, die Preise immer weiter fallen und subventionierte Überschussprodukte aus den USA und der EU die Eigenproduktion von Nahrungsmitteln in Entwicklungsländern zurückdrängen, ist es nicht gelungen, das Problem der Welternährung zu bewältigen. Der rapide Verlust an fruchtbarem Boden und der bedrohliche Rückgang der Verfügbarkeit von Wasser, das zu 70 % in der Landwirtschaft verbraucht wird, ist schon heute eine der primären Armutsursachen. Wirksame Armutsbekämpfung für die 800 Millionen hungernden Menschen ist nicht möglich ohne eine tiefgreifende Reform der globalen Agrarpolitik.
Die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH, die heimische Agrarprodukte in den Medien bewirbt, ist bei den Landwirten weitgehend umstritten, da sie ihre Beiträge zwangsweise erhebt.
Geschichte
Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH]
Hauptartikel: Agrargeschichte
Der systematische Anbau von Pflanzen begann vermutlich vor rund 12.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit. Es ist wahrscheinlich, dass die Entwicklung nahezu gleichzeitig in Amerika, China und dem mittleren Osten einsetzte. Dabei werden die Veränderung des Klimas durch das Ende der Eiszeit, das Bevölkerungswachstum und die beginnende Sesshaftigkeit als sich begünstigende Faktoren angesehen.
Im 8. Jahrhundert wurde der Ackerbau auf die Dreifelderwirtschaft umgestellt. Die bis dahin verwendeten Ochsen wurden durch Pferde ersetzt, wodurch schwere Eisenpflüge eingesetzt werden konnten.
Durch die Entdeckung Amerikas 1492 entwickelte sich ein reger, weltweiter Austausch an Agrarprodukten, der für nahezu alle Völker einschneidende Änderungen bewirkte (Columbian Exchange).
Aktuelle Diskussion
Erneuerbare Energieträger
Die landwirtschaftliche Produktion von Erneuerbaren Energieträgern kann nicht mehr leisten als den durch die Sonne gegebenen Energieeintrag. Solange die Nicht-Bilanzierung der Nutzung von fossilen Brennstoffen in unseren Wirtschaftssystemen anhält, kann jede Form der landwirtschaftlichen Produktion von regenerativen Energieträgern (unabhängig von ihrer Nachhaltigkeit) nicht mit der Nutzung der fossilen Energiegewinnung konkurrieren.
Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist in Deutschland gesetzlich festgeschrieben.
Siehe auch
Portal:Land- und Forstwirtschaft, Agrarpolitik, Forstwirtschaft, Landwirt, Leibgedinge, Erzeugergemeinschaft, Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, FAO, Haupterwerbsbetrieb, Nebenerwerbsbetrieb, Zuerwerbsbetrieb
Weblinks
- [http://www.zbmed.de/bonn_service.html Fachinformationszentrum: Bereichsbibliothek für Ernährung, Umwelt und Agrarwissenschaften, Bonn]
- [http://www.destatis.de/themen/d/thm_land.php Statistiken zur Landwirtschaft in Deutschland]
- [http://www.verbraucherministerium.de/index-0005BCF0323B1050A9746521C0A8D816.html Ernährungs- und agrarpolitischer Bericht 2005 der Bundesregierung]
- [http://www.situationsbericht.de Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes]
- [http://www.cma.de/wissen_100489.php Materialien zum Thema Landwirtschaft der CMA]
- [http://www.kritischer-agrarbericht.de/index.php?id=79 "Kritischer Agrarbericht" des AgrarBündnis e.V.]
- [http://www.agrar.de/infothek Infothek - Suchmaschine zum Thema Landwirtschaft]
- [http://www.landtreff.de Forum für die Landwirtschaft]
- [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-bildarchiv/bildarchiv.cgi?action=projektbilder&id=-lf-&templ=04_01_projekte_bilder&start=0&proseite=10 Dokumentation zur Geschichte der Landwirtschaft in Bayern aus dem Archivbestand des Hauses der Bayerischen Geschichte]
!Landwirtschaft
Kategorie:Umwelt- und Naturschutz
ja:農業
ko:농업
simple:Agriculture
GrasDer Begriff Gras (v. althochdt.: gras das Keimende, Hervorstechende) bezeichnet:
- eine in vielen Arten und Gattungen auf der ganzen Welt verbreitete Familie von Einkeimblättrigen Pflanzen mit einem durch Knoten gegliederten Halm, langen schmalen, und besonderen als Ähren oder Rispen ausgebildeten Blütenständen mit unscheinbaren Blüten (Familie der Süßgräser (Poaceae).
- auch die Sauergräser werden oft einfach Gräser genannt. Ihre Halme sind nicht durch Knoten gegliedert. Als Sauergräser bezeichnet man Planzenarten aus zwei Familien:
- # Riedgräser (Cyperaceae)
- # Binsen (Juncaceae).
- die Gesamtheit von Süßgräsern als Pflanzendecke, Rasen.
- (aus engl.: grass) in der Umgangssprache getrocknete Pflanzenteile des Hanfs, siehe Marihuana, Cannabis. Die Hanfpflanze selbst gehört jedoch biologisch nicht zur Familie der Gräser.
siehe auch
- Wuchsformen von Gräsern, Borstgras, Pfeifengras,
Außerdem
# Eine Farbe von Spielkarten, siehe Gras (Farbe)
# Kurzbezeichnung für Grüne und Alternative StudentInnen – eine zu den Wahlen der Österreichischen HochschülerInnenschaft kandidierende Studierendenfraktion
# Abkürzung für "generally recognized as safe" als Bezeichnung für eine Liste von Lebensmittelzusatzstoffen aus den USA, die als sicher erachtet werden
"Gras" als Metapher
Einige Redensarten benutzen das "Gras" als Metapher:
- Das Gras wachsen hören für "sich besonders schlau vorkommen"
- Ins Gras beißen für "sterben"
- Bis Gras darüber gewachsen ist für "bis es längst vergessen ist"
- Gras als Synonym für Marihuana
Wiederkäuer
Wiederkäuer (Ruminantia) sind Paarhufer (Artiodactyla) mit mehrteiligem Magen, der aus den drei Vormägen Pansen (Rumen), Netzmagen oder Haube (Retikulum), dem Blättermagen oder Buchmagen (Psalter, Omasum) und dem eigentlichen Magen, dem Labmagen (Abomasum) besteht.
In sehr vereinfachter Darstellung kann man sagen, dass der Labmagen dem einhöhligen Magen der Monogastrier (gleich Tiere mit einem Magen) entspricht. In den drei Vormägen, hier vor allem dem Pansen, findet intensives Wachstum von Mikroorganismen (Bakterien, Protozoen und Hefen) statt: die Fermentation. Wesentlich für die Fermentation im Pansen ist, dass hier ein weitgehender Abbau (nahezu) sämtlicher Kohlenhydrate stattfindet, auch solcher, die für andere Tierarten unverdaulich sind wie zum Beispiel Zellulose. Diese werden durch die im Pansen wachsenden Mikroorganismen gespalten und damit dem Wiederkäuer zur energetischen Verwertung zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig wird auch ein Großteil des pflanzlichen Eiweißes aus dem Futter zunächst zerlegt und dann daraus wiederum Eiweiß aufgebaut: die Mikroorganismen selbst.
Letztlich werden die Mikroorganismen dann im Dünndarm des Wiederkäuers verdaut.
Vereinfacht ausgedrückt heißt das, dass die bei Säugern mit einhöhligem Magen im Dickdarm stattfindende Fermentation beim Wiederkäuer im Pansen abläuft.
Im Magen werden häufig Bezoarsteine gebildet.
Systematik
Man unterscheidet in dieser Unterordnung sechs Familien:
- Giraffenartige (Giraffidae)
- Moschushirsche (Moschidae)
- Hirschferkel (Tragulidae)
- Gabelhornträger (Antilocapridae)
- Hirsche (Cervidae)
- Hornträger, Rinderartige (Bovidae)
Kategorie:Paarhufer
ja:ウシ亜目
Wiese (Grünland)
Bei der Wiese handelt es sich im Gegensatz zur Weide um landwirtschaftliches Grünland, das nicht durch das Grasen von Tieren, sondern durch Mähen erhalten wird. Bei der regelmäßigen Mahd wird die Verbuschung und anschließende Waldentstehung verhindert. Wiesen sind wie die Weiden ein Lebensraum, der seit einigen Jahrtausenden durch den Menschen geschaffen und erhalten wird. Man spricht daher von einer Halbkulturformation.
Natürlich würden Wiesen unter heutigen Verhältnissen in Mitteleuropa nicht mehr entstehen und erhalten bleiben. Sie weisen dennoch Ähnlichkeiten mit Steppen und Waldsteppen, zu alpine Matten und Rasen sowie zu Magerwiesen bzw. Trockenrasen auf, die im Volksmund manchmal auch als Wiesen bezeichnet werden, da sie vornehmlich aus krautigen Pflanzen wie Süßgräsern bestehen.
Durch den Selektionsdruck der Mahd werden Pflanzen begünstigt, die mit dem häufigen Schnitt und der hohen Lichteinstrahlung gut zurecht kommen, unter anderem viele Gräser. Aufgrund der regelmäßigen Mahd werden ausdauernde Pflanzen (perennierend, Stauden) gegenüber einjährigen Kräutern bevorzugt. Sie überdauern die Winter und vermehren sich vegetativ. Ihre Samen sind in der Regel Lichtkeimer. Bestimmte Pflanzen, wie zum Beispiel die Disteln, fehlen den Wiesen gegenüber den Weiden, wo sie vom Vieh gemieden werden und nicht vom Schnitt beeinträchtigt werden.
Eine Sonderformen ist die Streuobstwiese, die traditionelle Obstbauform, bei der verschiedene Obstbaumsorten in Hochstammform unregelmäßig ("gestreut") auf einer Wiese stehen.
Siehe auch:
- Salzwiese, Blumenwiese, Streuwiese
Kategorie:Biotop
Kategorie:Gras
Weide (Grünland)
Die Weide ist landwirtschaftliches Grünland, das Vieh Nahrung in Form von krautigen Pflanzen, vornehmlich Süßgräser, bereitstellt. Im übertragenen Sinne spricht man auch von Weide, wenn Wildtiere eine Fläche beweiden, also abfressen, oder von Bienenweide und Vogelweide.
Im Gegensatz zur Wiese wird die Weide nicht zur Futterwerbung (Mahd für die Konservierung wie Heu- oder Silage-Herstellung) genutzt; ihr Aufwuchs wird von den Tieren abgefressen. Übergangsformen sind Mähweiden, deren Aufwüchse innerhalb eines Jahres sowohl zeitweise abgeweidet werden als auch zur Heu- oder Silageherstellung gemäht werden können. Die landwirtschaftliche Nutzung der Weide kann als Dauerweide, Umtriebsweide oder Portionsweide erfolgen. Einteilungen sind auch nach der Viehart möglich und sinnvoll, da sich in Abhängigkeiten der Nutzungsformen und Standortverhältnisse unterschiedliche Pflanzengesellschaften einstellen.
Geschichte der Viehweiden
In Siedlungsresten der Steinzeit findet man heute, Käfer, Pollen und Pflanzenreste, die darauf hinweisen, dass Teile Mitteleuropas bereits vor über 7000 Jahre eine relativ dicht besiedelte Landschaft mit Äckern und Weiden war. Heinz Ellenberg beurteilte aber diese auch durch andere Quellen belegte Beweidung aber als "nicht planmäßig". Die Bewirtschaftung könnte ihm zufolge dem Wanderfeldbau ähnlich gewesen sein.
Bis in die Neuzeit wurde in Mitteleuropa im Wesentlichen die Dreifelderwirtschaft angewendet, bei der die Brachen beweidet wurden (Brachweide). Der Flurzwang des Mittelalters zielte auf eine möglichst lange Nutzung der Flächen "allgemeine Weide" (Allmende), in die auch die Äcker zwischen Ernte und Schossen des Getreides mit einbezogen wurden. Die Pflanzengemeinschaften der Ackerfluren wiesen damals einen wesentlich höherern Anteil an Gräsern auf und waren auch wesentlich artenreicher als heute.
Der Verbiss des aufgelaufenen Getreides förderte die Bestockung und die Beweidung des damals rasenähnlichen Bewuchses nach der Ernte half Unkräuter zu bekämpfen und das Vieh zu ernähren. Der Kot der Tiere düngte die Äcker vor allem beim nächtlichen Einpferchen. Erst beim Schossen (Halmbildung) des Getreides wurde das Vieh von den Äckern ferngehalten. Die Flurstücken, die "Zelge" und später "Kämpe", waren mit Dornenhölzern, Mauern und Wällen eingezäunt, aus denen die teilweise wie Niederwälder bewirtschafteten Hecken und Knicks entstanden.
Außerhalb dieser Brachzelgen der Dreifelderwirtschaft des Hochmittelalters gab es natürlich auch die Hutewälder, die im Mittelalter daraus entstanden sind, dass man das Vieh zur Mast in die Wälder getrieben hat. Die Tiere schädigten die Pflanzen nachhaltig. Schließlich spielte auch die Wanderschäferei in Gegenden mit leichten und unfruchtbaren Böden eine Rolle, wie z.B. in der Lüneburger Heide.
Weidepflege
Ohne Weidepflege sind auf Weideland Pflanzen begünstigt, die dem Vieh weniger gut schmecken, z.B. dornige oder giftige Arten; durch Weidepflege wird deren Ausbreitung verhindert. Auf gepflegten Weiden sind daher solche Pflanzen anzutreffen, die häufigen Verbiss und das Betreten durch die Tiere gut ertragen (z.B. Deutsches Weidelgras oder Weißklee).
Mechanische Pflege
- Das Walzen ist im Frühjahr besonders auf Moorböden erforderlich. Durch den hohen Wassergehalt mooriger oder anmooriger Böden kommt es im Winter durch Frosteinwirkung zum periodischen Hochfrieren. Das Walzen dient vor allem dazu, den hochgeforenen stark humosen Bodenschichten, Rohhumus- bzw. Torfschichten wieder an untere Horizonte anzuschließen und die Wasserführung zu verbessern.
- Das Schleppen wird im Frühjahr durchgeführt und bei Notwendigkeit im Jahresverlauf wiederholt. Beim Schleppen, wird eine schonende "Weideegge" über die Grasnarbe gezogen, die alte Pflanzenteile ausreißt, Maulwurfshaufen einebnet und und Kuhfladen sowie Kotstellen verteilt. Auf diesen Stellen wird der bewuchs unterdrückt. An Kothaufen können Geilstellen entstehen, da das Vieh bekotete Pflanzen meidet und diese Bereiche stark überdüngt sind. Wo die Grasnarbe durch maulwurfshügel oder Kotstellen bedeckt wird können auch ungewünschte Arten keimen, da ihre Samen im Gegensatz zu den gewünschten Arten durch Samen in der Diasporenbank vertreten sind, da bei Weide- oder Schnittnutzung das Gras geerntet wird, bevor es zu Blüte kommt.
- Ausmähen: Das nachträgliche Abmähen (Aus- oder Nachmähen) von Weiden, die nur durch eine Viehart extensiv beweidet werden, nach deren Abweidung fördert eine günstige Futterpflanzenzusammensetzung. Das Vieh hat Nahrungspräferenzen und verbeißt die wertvollen Futterpflanzen, während die ungewünschten Pflanzen besonders an Geilstellen (Kothaufen) nicht beschädigt werden und sich durch diesen Vorteil ausbreiten können. Die Nahchmahd verhindert dies.
- Nachsaat: Im Herbst, Frühjahr oder nach einer Schnittnutzung können Futtergräser nachgesät werden. Soweit die Grasnarbe grundsätzlich noch eine zufriedenstellende Artenzusammensetzung hat bzw. nicht zu große Lücken aufweist, werden kleinere Lücken oder Schäden durch Auswinterung durch Nachsaat behoben. Die Nachsaat erfolgt durch Schlitzsaat, Breitwurf oder einfach durch Zugabe der Samen in Güllebehälter oder Miststreuer.
Ökologie
Durch die Beweidung von Grünflächen kommt es durch das ständig kurz gehaltene Gras zu höheren Feuchtigkeitsverlusten durch Evapotranspiration als bei Wiesen. . Wenn Pflanzen zu lange oder ohne ausreichende Erholungsphase einer Beweidung durch zu viele Tiere ausgesetzt sind, die also Aufwuchsmenge über einen längeren Zeitraum niedriger als der Futterbedarf der Tiere ist, spricht man von Überweidung. Auch eine zu geringe Beweidung kann zu einer unerwünschten Veränderung der Pflanzenzusammensetzung und damit zu erhöhten Pflegeaufwand führen.
Der Lebensraum Viehweide wurde 2004-2005 durch das Naturschutzzentrum Hessen als Biotop des Jahres ausgerufen, um auf die Gefährdung dieses Lebensraumes aufmerksam zu machen.
Literatur
- Ellenberg, Heinz 1996: Vegetation Mitteleruropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart, 1996.
- Küster 1992: 7000 Jahr Ackerbau in Bayern. Botanische Untersuchungen zu historischen Problemen. Naturwissenschaftliche Rundschau 45: 385 -391.
- Schön, Stefan: Spuren im Schlamm. Sächsische Zeitung vom 15. April 2005.
- Pott, 1992b: Entwicklung von Pflanzengesellschaften durch Ackerbau und Grünlandnutzung. Gartenbauwiss. Stuttgart, 57: 157 - 166
- Willerding 1986: Zur Geschichte der Unkräuter Mitteleuropas. Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte, Bd. 22, Verlag Karl Wachholz, Göttingen.
- Willerding 1986:Aussagen von Pollenanalysen und Makrorestanalysen zur Frage der früheren Landnutzung. In Behre: Anthropogenic indiv´cators in pollen diagrams. A. A. Balkema, Rotterdam.
Siehe auch
Weidegerechtigkeit, Alm (Bergweide), Lichtweide
Kategorie:Viehwirtschaft
Kategorie:Biotop
MitteleuropaMitteleuropa oder Zentraleuropa bezeichnet eine Region in Europa zwischen Westeuropa, Osteuropa, Südosteuropa, Südeuropa und Nordeuropa. Es gibt wenig deutliche geographische Kriterien, die zur Abgrenzung herangezogen werden könnten.
Der Begriff „Mitteleuropa“ kann auch politisch, kulturhistorisch oder naturräumlich definiert werden, wobei sich Verortung Mitteleuropas verschiebt und teils erhebliche Unterschiede auftreten können. Die Auffassung des Begriffes Mitteleuropa unterliegt auch dem geschichtlichen und politischen Wandel. Mitteleuropa wird daher niemals eindeutig zu definieren sein. Seit dem Ende des Kalten Krieges kommt der Definition Mitteleuropas erneut Aufmerksamkeit zu. Der Begriff Mitteleuropa macht deutlich, dass regionale Definitionen – neben dem praktischen und harmlosen Zweck der Ortsangabe – immer auch dem Zweck der Wertung und Abgrenzung dienen können, wodurch die Definition zum Streitobjekt, wenn nicht Kampfbegriff werden kann.
Geographische Abgrenzung Mitteleuropas
Kalten Krieges
Bei der geographischen Abgrenzung können klimatische und naturräumliche Gegebenheiten (beispielsweise Vegetationstypen oder tektonische Erscheinungen) herangezogen werden. Die Naturwissenschaften definieren als Kriterium das ozeanische bis subkontinentale, gemäßigt warme Großklima. Eine grobe Abgrenzung Mitteleuropas ist im Westen und Nordwesten der Rhein, im Norden die Nordsee, Skagerrak, Kattegat und die Ostsee, oder die Eider, im Osten die Weichsel, im Süden die Hauptkämme der Karpaten und Alpen. Auch hier gibt es Zweifel, ob Flüsse wie die Eider oder die Weichsel ausreichen, um einen Teilkontinent zu definieren. Die geographische Einteilung bleibt unscharf.
Im Gegensatz dazu findet man in Südeuropa mediterranes Klima (gemäßigt warm bis subtropisch), in Westeuropa gemäßigt warmes euozeanisches bis ozeanisches Klima, in Nordeuropa kühl-gemäßigtes bis subboreales Klima, in Osteuropa kontinentales bis eukontinentales Klima und entsprechende Naturräume vor.
Auch hier gelingt kaum eine eindeutige Abgrenzung durch fließende Übergänge und lokale Begebenheiten wie Höhenlage und Geländeform. Diese Abgrenzung ist nicht deckungsgleich mit Staatsgrenzen oder Kulturen.
Häufig werden die mittel- und osteuropäischen Länder gemeinsam betrachtet. Im EU-Jargon bezeichnet man die Region MOEL.
Kulturelle und politische Abgrenzung heute
MOEL
Wenig Zweifel bestehen an der Zugehörigkeit der Niederlande, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Polen zu Mitteleuropa.
Spielräume bei der Einteilung gibt es aber bereits durch kulturelle Verflechtungen und Überlagerungen in Teilen
- Ungarns, Rumäniens (Siebenbürgen) und der Ukraine, die innerhalb des Karpatenbogens liegen: mit Südosteuropa und Osteuropa;
- Sloweniens: mit Südosteuropa und Südeuropa;
- Kroatiens, sie sind streng genommen (nördlich der Save und Teile Slawoniens) mitteleuropäisch (gehören also zu Ostmitteleuropa), überschneiden sich aber auch mit Südosteuropa, Zentralkroatien und die Küste Dalmatiens sowie Istrien gehören zu Südosteuropa, haben aber auch mediterrane (südeuropäische) Einflüsse;
Dies gilt aber auch bei der Einordnung von Regionen, die Staatsgrenzen überschreiten oder in Grenzgebieten liegen, wie
- Elsass (zu Frankreich in Westeuropa mit Einordnung der deutschen Kultur der Elsässer zu Mitteleuropa)
- Südtirol (zu Italien in Südeuropa mit Einordnung der deutschen Kultur der Südtiroler zu Mitteleuropa),
- Friesland (zu Deutschland und den Niederlanden in Mitteleuropa und zu Dänemark in Nordeuropa beziehungsweise Skandinavien.
Häufig sind diese Gebiete wegen vielfacher Einflüsse mehrerer Regionen nicht eindeutig zuzuordnen und werden je nach politischer Intention oder „Heimatgefühl“ zugeordnet. Heute soll die Verortung eine Landes(-teils) zu „Mitteleuropa“ gleichzeitig auch eine tatsächliche oder angestrebte Nähe oder Zugehörigkeit zur Europäischen Union verdeutlichen. Auf diese Weise wird Mitteleuropa zum Politikum erhoben. Die Unschärfe der Abgrenzung zeigt jedoch deutlich, dass die Definition relativ beliebig ist.
Im heutigen englischen Sprachraum wird häufig nur zwischen ost- und westeuropäischen Ländern unterschieden. Dabei werden die Länder Ostmitteleuropas (siehe auch: Visegrád-Länder) manchmal auch als "Central Europe" bezeichnet. Die Staaten Westmitteleuropas (Niederlande, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein, Österreich) werden
zu Westeuropa („Western Europe”) gerechnet. Diese Ost-/West-Einteilung verliert seit der EU-Osterweiterung an Bedeutung.
In dem kleinen Bergland Österreich wiederum ist die (empfundene) Abgrenzung eine ganz andere: dort wird Mitteleuropa oft mit den Nachfolgestaaten der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie gleichgesetzt. Mitunter werden
zur Abgrenzung Mitteleuropas auch kulturreligiöse Kriterien herangezogen, genauer, das römisch-katholische Bekenntnis zum Protestantismus. Diese „Grenze” würde demnach durch Norddeutschland verlaufen, nach Ost- und Südosteuropa zum orthodoxen Bekenntnis (z.B. Weißrussland, Ukraine, Rumänien, Serbien und nach Süden (vor allem Bosnien) zum Islam.
Geschichte des Begriffs Mitteleuropa
Der Begriff Mitteleuropa war zunächst ein politischer Begriff, der jedoch unterschiedlichen Zielsetzungen gedient hat. Er kam in der Mitte des 19. Jh. auf,
als Constantin Frantz eine Föderation „Mitteleuropa“ aus Deutschland, Polen und Donauslawen vorschlug, um ein Gegengewicht zu den Großmächten Russland und Amerika zu schaffen. Ähnliche Ideen waren auch in der Nationalliberalen Partei verbreitet, so bei Friedrich List und Heinrich von Gagern, die ein deutsch-österreichisch geführtes Mitteleuropa von Hamburg bis Triest propagierten.
Zur selben Zeit – vor 1871 – wurde der Begriff auch in Österreich-Ungarn wichtig: als Alternative zur von vielen in Deutschland und Österreich propagierten großdeutschen Lösung, die vorsah, alle Deutschen – und nur diese – in einem Staat zusammenzufassen. In Österreich lehnte man dies mehrheitlich ab, da dies eine Zerschlagung des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarns bedeutet hätte. Die Regierung Österreichs schlug daher als Alternative die „mitteleuropäische Lösung“ der deutschen Frage vor: den Zusammenschluss Deutschlands mit ganz Österreich-Ungarn zu einem „70-Millionen-Reich“.
Tatsächlich wurde 1871 das „kleindeutsche“ bismarcksche Deutsche Reich gegründet.
Vor dem 1. Weltkrieg verbanden sich mit der Mitteleuropa-Idee vor allem wirtschaftliche Ziele, so forderte Walther Rathenau die Schaffung einer mitteleuropäischen Zollunion. Zu Beginn des 1. Weltkriegs plante Theobald von Bethmann Hollweg in seinem Septemberprogramm die Gründung eines mitteleuropäischen Wirtschaftsverbandes. 1915 veröffentlichte Friedrich Naumann sein Buch Mitteleuropa. Er schlug darin einen Staatenbund vor, in dem Deutschland eine führende – jedoch nicht beherrschende – Rolle spielen sollte. Naumanns Idee fand in Deutschland großes Echo.
Im Dritten Reich wurde der Begriff von den Nationalsozialisten vereinnahmt und zur Rechtfertigung ihrer großdeutschen Ideologie benutzt.
Nach dem 2. Weltkrieg verlor der Begriff etwas an Bedeutung, da Europa nunmehr im Kalten Krieg in West- und Osteuropa geteilt war. Entsprechend dieser dualistischen Nomenklatur wurden die westlichen Staaten Mitteleuropas zu Westeuropa gerechnet und die östlichen Staaten zu Osteuropa. Allerdings wurde der Begriff Mitteleuropa oft und gern verwendet, wenn man die Teilung Europas in die zwei Blöcke thematisieren wollte; diese Teilung verlief durch die „Mitte Europas“. Auch im Zusammenhang mit polemisierenden Slogans wie „Mitteleuropa ist ein Pulverfass“ – eine Anspielung auf den extrem hohen Bestand an Atombomben in Ost- und Westdeutschland – hatte dieser Begriff seine Bedeutung.
Erst nach Ende des Kalten Krieges kam dem Begriff wieder vermehrt Aufmerksamkeit zu; er diente nunmehr der Identitätsstiftung für die im Kalten Krieg als osteuropäisch bezeichneten Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes, insbesondere für Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei, die sich friedlich in Tschechien und die Slowakei teilte, mit dem Zerfall Jugoslawiens auch für Slowenien und Kroatien. Insofern ändert sich die politische räumliche Auffassung des Begriffes Mitteleuropa wieder zu einer größeren Ausdehnung in Richtung Osten.
Die mitteleuropäische Zeitzone
Wenn man Mitteleuropa als die Region Europas definiert, in der die mitteleuropäische Zeit (MEZ) gilt, so gehören folgende Länder dazu:
Albanien, Andorra, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Dänemark, Deutschland, Frankreich (ohne Guyana, Réunion, Martinique und Guadeloupe), Italien, Kroatien, Liechtenstein, Luxemburg, Malta, Mazedonien, Monaco, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, San Marino, Schweiz, Schweden, Serbien und Montenegro, Slowakei, Slowenien, Spanien (ohne Kanarische Inseln), Tschechien, Ungarn und Vatikanstadt
Diese großzügige Einteilung hat jedoch teilweise paradoxe Folgen.
Siehe auch
Europäische Gliederung:
- Europa
- Mitteleuropa
- Ostmitteleuropa
- Nordeuropa
- Nordwesteuropa
- Nordosteuropa
- Osteuropa
- Südeuropa
- Südosteuropa
- Westeuropa
Sonstiges:
- Himmelsrichtungen
- Norden
- Osten
- Süden
- Westen
- Kerneuropa
- Mittelpunkt Europas
- Geschichte des Waldes in Mitteleuropa
- Handbuch der Vögel Mitteleuropas
- Liste von Bäumen und Sträuchern in Mitteleuropa
- Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas
Weblinks
- [http://www.uni-mainz.de/FB/Geschichte/Osteuropa/Dateien/Geographie.pdf Uni Mainz, FB Geschichte, Osteuropa]
- [http://www.geo.uni-augsburg.de/sozgeo/schrift/online/mitteleu.htm Uni Augsburg, Sozialgeografische Schriften]
- [http://www.integrace.cz/integrace/tisk.asp?id=651 Aktuelle Problematik des Begriffs]
- [http://geogate.geographie.uni-marburg.de/parser/parser.php?file=/deuframat/deutsch/1/1_2/mommsen/start.htm Geschichte des Begriffs von 1840 bis 1945]
- [http://www.uni-graz.at/geowww/geo/geoweb_magazin_artikel_detail.php?recordID=113 Der Mitteleuropabegriff. Entwicklung und Wandel unter dem Einfluss zeitspezifischer Geisteshaltungen] aus dem geoWEB Magazin - Institut für Geographie und Raumforschung
Kategorie:Europa
ja:中央ヨーロッパ
ko:중앙유럽
TrockenrasenAls Trockenrasen oder auch Magerrasen wird ein besonderes Biotop bezeichnet, das sich an trockenen, nährstoffarmen Standorten ausbildet. Die Artenzusammensetzung des Trockenrasens ist geprägt von niedrigen Rasen- Kraut- und Halbstrauchpflanzen. Gehölze kommen eher randständig vor. Der Bestand ist nur selten geschlossen ausgeprägt, in der Regel ist er lückig, aber artenreich.
Standortbedingungen
Trockenrasen entwickeln sich auf trockenen Standorten mit häufig nur gering entwickelten Bodenprofilen. Die Standorte liegen oft auf südlich exponierten Hängen mit guten Drainagebedingungen. Aber auch kiesig-sandige Flachlandböden mit gutem Sickervermögen begünstigen die Entwicklung von Trockenrasen. Das meist schon spärliche Niederschlagsangebot wird schnell abgeführt bzw. verdunstet. Zusätzlich zu den Feuchtebedingungen können derartige Standorte einer verstärkten gravitationsbedingten Massenbewegung am Hang unterliegen (Solifluktion).
Als Folge dieser Bedingungen besitzen die vorhandenen Bodenprofile nur einen niedrigen Entwicklungsstand und geringes Nährstoffnachlieferungsvermögen.
Aufgrund von Trockenheit und Nährstoffarmut siedeln sich auf Trockenrasen Pflanzenarten an, die eine hohe Trockenheitsresistenz besitzen. Diese Arten sind nicht auf die Trockenheit und Nährstoffarmut angewiesen, sie könnten auch an besser versorgten Standorten existieren. Hier unterliegen sie aber aufgrund ihrer nur geringen Konkurrenzkraft anderen Pflanzen im Kampf um das Überleben.
Entstehung
Der Trockenrasen als Pflanzengesellschaft an nährstoffarmen Standorten existiert nur in seltenen Fällen wie z.Bsp. an stark den gravitativen Prozessen unterliegenden Hängen natürlich. Viele Vertreter dieses Typs wurden in ihrer Entwicklung begünstigt durch extensive landwirtschaftliche Nutzung (einschürige Mähwiesen oder Schafweiden) auf trockenen, nährstoffarmen Flächen. Als exotische Beispiele können auch Flächen auf ehemaligen Truppenübungsplätzen genannt werden, hier kam es durch ständiges Aufreißen der Vegetationsdecke sandiger, flachgründiger Standorte als Folge der Fahrtätigkeit von Kettenfahrzeugen zu ähnlichen Entstehungsbedingungen (Beispiel: Mainzer Sand).
Typische Arten
Vegetationsdecke]
Als typische Arten von Trockenrasen wären verschiedene Arten der Steppenvegetation zu nennen, aber auch Hochgebirgsarten und Orchideen kommen häufig vor.
Bodentypen
Bodentypen, auf denen sich Trockenrasengesellschaft entwickeln, sind: Syroseme (auf Lockergestein wie z.Bsp. Sand), Rendzinen (auf Kalkgestein), Ranker (auf Silikatgestein)
Untergliederung
Die Vegetationsform Trockenrasen kann, je nach Ausprägung und Standortbedingungen untergliedert werden.
Sandtrockenrasen
Der magere, aber artenreiche Sandtrockenrasen oder Sand-Magerrasen ist vor allem in Landschaften mit eiszeitlich geprägten waldfreien, sandigen Höhenrücken und Moränenzungen anzutreffen. Die lockere, oft auch lückenhafte Vegetation aus Gräsern und niedrig wachsenden Kräutern ist graugrün bis bräunlich gefärbt.
- Siehe ausführlich: Sand-Magerrasen
Kalktrockenrasen
Der Kalktrockenrasen gehört zu Mitteleuropas artenreichsten Pflanzengesellschaften. Diese Form des Trockenrasens ist an kalk- oder doch basenreiche Böden gebunden.
Weitere Formen
- Steppentrockenrasen (Lehm)
- Übergangsformen mit günstigeren Nährstoff- und Feuchtebedingungen wie Magerrasen und Halbtrockenrasen.
- Silikattrockenrasen
Naturschutz/Pflegemaßnahmen
Die genannten Bedingungen machen den Trockenrasen zum Rückzugsgebiet gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Viele Arten der Roten Liste existieren hier.
Um den Trockenrasen zu schützen und seine Weiterentwicklung zum Gehölz zu verhindern, müssen die Flächen regelmässig gepflegt werden. Zu den Pflegemaßnahmen zählen extensive Beweidung (Beweidung durch Schafe) und Entbuschungsmaßnahmen.
Kategorie:Klimazonen_und_Vegetation
Kategorie:Biotop
Kategorie:Geographie
Kategorie:Gras
BorstgrasrasenDer Borstgrasrasen (Nardetum strictae) ist eine unter menschlichem Einfluss (anthropogen) entstandene, mässig artenreiche Weide, die von der Grasart Borstgras (Nardus stricta) dominiert ist.
Die Borstgrasrasen kommen von der oberen subalpinen Stufe bis zur unteren alpinen Stufe (1600-2500 m NN), auf flachen bis schwach geneigten Hängen vor. Sie entstehen auf Silikat- und Karbonatgestein, wobei beim letzteren die Böden ausgewaschen und somit basenarm sind. Die Böden sind tiefgründig, sauer (pH 4.3-5.5) und nährstoffarm.
Der prägende Faktor des Nardetum ist die Beweidung. Das selektive Fressen des Viehs führt dazu, dass beliebte Pflanzen (Pflanzen, die von diesen Tieren gerne gefressen werden) mit der Zeit fast ausgemerzt werden und unbeliebte (stachelige, haarige, giftige) sich anreichern können. Die Nährstoffarmut entsteht durch die Tendenz des Viehs, die konsumierten Nährstoffe an anderen Stellen (über Nacht bei Alphütten (Bezeichnung in der Schweiz, oder in Deutschland Almhütten genannt)) wieder abzulagern und sie somit dem Nardetum zu entziehen.
Artenzusammensetzung (Beispiel)
Auf einer untersuchten Fläche, die zum Geo montani-Nardetum strictae gehört, auf der Schynigen Platte (Schweiz, Kanton Bern) auf einer Höhe von ca. 1960 m NN, wurden folgende Arten gefunden:
Kanton Bern
- Häufige Arten:
- Borstgras (Nardus stricta), geringer Futterwert, wird nur jung gefressen
- Horst-Segge (Carex sempervirens),
- Arnika (Arnica montana), giftig
- Koch`scher Enzian (Gentiana accaulis), giftig
- Blutwurz (Potentilla erecta), geringer Futterwert, reich an Gerbstoffen
- Berg-Nelkenwurz (Geum montanum), geringer Futterwert, wird kaum gefressen
- Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus), giftig
- Alpen-Hornklee (Lotus alpinus)
- Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Blätter schwach giftig
- Arznei-Thymian (Thymus pulegioides)
- Weitere Arten:
- Bärtige Glockenblume (Campanula barbata)
- Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)
- Frauenmantel (Alchemilla vulgaris aggr.)
- Alpen-Wegerich (Plantago alpina)
- Berg-Wegerich (Plantago atrata)
- Dorniger Moosfarn (Selaginella selaginoides)
- Knöllchen-Knöterich (Polygonum viviparum)
- Kriechender Günsel (Ajuga reptans)
- Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina)
- Vogelfuss-Segge (Carex ornitopoda)
- Frühlings-Krokus (Crocus albiflorus).
Kategorie:Klimazonen und Vegetation
Kategorie:Biotop
Streuwiese
Streuwiesen sind Wiesen auf nassen Grenzertragsstandorten. Streuwiesentypen sind an Standorte gebunden, bei denen der Wurzelraum durch Grund- oder Stauwasser geprägt ist. Je nach Ertragsfähigkeit werden sie alle ein bis zwei Jahre gemäht. Das Mähgut wurde früher als Stalleinstreu verwendet, daher der Name Streuwiese. Streuwiesen bieten als besondere Biotope (zwischen extensivem Grünland, Groß-, Kleinseggen- und Hochstaudenflur) zahlreichen Rote Liste gefährdeter Arten gefährdeteten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Wenn Streuwiesen gedüngt, beweidet oder häufiger gemäht werden, verlieren sie ihre ökologische Bedeutung. Die größte Problematik liegt aber in der Nutzungsaufgabe, da aufgrund der heutzutage praktizierten Stallhaltung keine Streu mehr benötigt wird. Dies führt auf Dauer zu einer Zunahme der Hochstauden bzw. von Gehölzen. Die kleinwüchsigen Pflanzen, die an die Mahd angepaßt waren, werden dann verdrängt.
Literatur
- Ellenberg, H. (1996): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. Ulmer Stuttgart, ISBN 3825281043
- Quinger et. al. (1995): Streuwiesen, Band II.9 in der Reihe Landschaftspflegekonzept Bayern. München.
Kategorie:Biotop
StreuobstwieseDie Streuobstwiese, auch Obstwiese, ist die traditionelle und ursprüngliche Form des Obstanbaues. Auf Streuobstwiesen stehen hochstämmige Obstbäume unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten und Sorten. Streuobstwiesen sind eine landwirtschaftliche Mehrfachnutzung einer Fläche: Sie dienen der Obsterzeugung und werden zudem als Mähwiese zur Heugewinnung oder als Viehweide, teilweise auch zur Imkerei oder als Nutzgarten verwendet. Eine Sonderform stellen Streuobstäcker dar. Die intensive Form des Obstanbaues ist dagegen die Obstplantage aus niederstämmigen Obstsorten in Monokultur.
Monokultur
Monokultur]
Der Streuobstanbau hatte eine große kulturelle, soziale, landschaftsprägende und ökologische Bedeutung. Heute gehören Streuobstwiesen zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas (siehe auch: Rote Liste der Biotoptypen). Größere, landschaftsprägende Streuobstwiesen finden sich heute noch in Österreich, in Süddeutschland, am Nordhang des Kyffhäusergebirges und in der Schweiz.
Kulturhistorischer Abriss
Schweiz
Die Herkunft der Bezeichnung Streuobstwiese stammt von dem Begriff "Obstbau in Streulage" ab, der nach derzeitigen Erkenntnissen erstmals 1940 für den nicht-gewerblichen, hochstämmigen Obstbau in Schleswig-Holstein verwendet wurde.
Bis dahin war und ist in manchen Regionen bis heute die Bezeichnung Obstwiese gebräuchlich.
Der Begriff "Streuobstbau" wurde in den 50er Jahren in Abgrenzung zum dann auch in Deutschland zunehmend verbreiteten Niederstamm-Obstbau verwendet.
Der Begriff "Streuobstwiese" wurde 1975 von Bruno Ullrich im Rahmen einer Publikation über die Gefährdung von Steinkäuzen und Würgern in den Streuobstwiesen des Vorlandes der Schwäbischen Alb im Kreis Göppingen verwendet.
Heute wird Streuobstbau als Hochstamm-Obstbau unter Verzicht auf synthetische Behandlungsmittel verstanden.
Schwäbischen Alb
Großfrüchtige Rosengewächse wie die Schlehe wurden in Mitteleuropa wahrscheinlich bereits in der Steinzeit genutzt, wobei nicht gesagt werden kann, ob es sich um Kulturpflanzen oder Kulturfolger (siehe auch: Pionierpflanzen) handelt. Ihre Verbreitungsgebiete lagen in der Nähe menschlicher Siedlungen. Vor allem die Römer brachten die nicht heimischen Apfelbäume, die Birnbäume, Zwetschgen und Süßkirschen, aber auch Walnuss und Edelkastanie nach Mitteleuropa. Hier konnten diese bereits im antiken Griechenland kultivierten Obstsorten nur in klimatisch begünstigten Gebieten gedeihen. Im Gebiet der Mosel wird der Obstanbau etwa seit dem 2. Jahrhundert betrieben (siehe auch: Kulturfolger).
Die Züchtung robusterer und weniger anspruchsvoller Sorten wurde von den mittelalterlichen Klöstern betrieben. Die Anlage von Obstwiesen und Weinbergen wurde durch zahlreiche Edikte gefördert, in der Nähe der Klöster entstanden die ersten größeren Obstwiesen. Techniken und Sorten wurden aus Tirol, Oberösterreich und Böhmen übernommen. Streuobstäcker als Sonderform, bei der der Boden nicht als Grünland genutzt sondern beackert wird, haben sich vor allem in Franken ausgebildet.
Franken
Die voranschreitende Züchtung der Neuzeit ermöglichte die Ausweitung des Obstanbaues in ganz Mitteleuropa, vor allem in Österreich, Tschechien, in Süddeutschland und in der Schweiz, auch auf ertragsschwachen und flachgründigen Böden der Hänge. Auf diese Weise wurde auch die Grünlandwirtschaft durch Bodenfestlegung nachhaltig durchführbar. Der Obstanbau spielte bereits eine große Rolle für die Versorgung der Bevölkerung.
Im 17., 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich, weiterhin politisch gefördert, eine zunehmende soziale und kulturelle Bedeutung. Durch fortschreitende wissenschaftliche Entwicklung entstanden zum 20. Jahrhundert über 6.000 Obstsorten. Darunter mindestens 2.700 Apfel-, 800 Birnen-, 400 Süßkirschensorten und 400 Pflaumenartige, die den Obstanbau selbst in Höhenlagen der Mittelgebirge ermöglichten. Spezielle Sorten für die Nutzung als Tafelobst, Saft, Most und Brand bis hin zum Backobst wurden regional verfeinert.
Es wurden auch Alleen zwischen den Siedlungen, und Gemeinschaftsflächen wie Hofflächen mit Obstbäumen angelegt und gemeinsam abgeerntet. Streuobstwiesen umgaben und verbanden landschaftlich prägend die Dörfer und Städte, wie eine Vielzahl von Quellen zeitgenössischer Autoren belegt. Sie wurden für die Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar; das Wissen um ihre Pflege und um die Verarbeitung des Obstes war fester Bestandteil der Lehre der Landwirtschaft und der Hauswirtschaft.
Obstsorten der Streuobstwiesen
Die alten Sorten, die auch heute noch traditionell im Streuobstanbau verwendet werden, wurden zu einer Zeit entwickelt, als Pflanzenschutzmittel gar nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung standen. Sie sind daher gegenüber Krankheiten und Schaderregern als besonders robust einzustufen. Die einzelnen Sorten entstanden dabei regionsspezifisch wie beispielsweise der Rheinischer Krummstiel und Rheinischer Bohnapfel. Die Verbreitung mancher Sorten ist gar auf wenige Dörfer beschränkt gewesen. Während die heutigen Kultursorten, die im Intensivobstbau verwendet werden, auf weitgehend identische Elternsorten zurückgehen, stellen die typischen alten Obstsorten der Streuobstwiese, die über Jahrhunderte ortsspezifisch entwickelt wurden, damit ein großes genetisches Potential dar.
Die Karcherbirne eignet sich auch für klimatisch ungünstige Lagen, die Blutbirne ist wegen ihres rot marmorierten Fruchtfleisches eine pomologische Besonderheit. Dattelzwetschgen eignen sich, wenn sie wurzelecht (unveredelt) gepflanzt werden, als Heckenpflanzung. Von den Kirschen eignet sich Dolleseppler besonders für Obstbrand (Kirschwasser) hervorragend.
Ökologie der Streuobstwiesen
Dolleseppler
Für die Streuobstwiese eignen sich nur robuste, veredelte oder unveredelte Hochstämme. Obwohl die Wildformen meist hohe Ansprüche an Boden und Klima stellen, wurden spezielle widerstandsfähige Sorten gezüchtet. Die Sortenvielfalt hat stets einen regionalen Bezug; traditionelle Artenzusammensetzung und Sortenauswahl weisen einen sehr hohen Spezialisierungsgrad an unterschiedliche Standorte und Nutzungen auf. Von den über 3.000 Apfelsorten Mitteleuropas sind nur 60 im deutschen Handel: Streuobstwiesen sind das Genreservoir alter Regionalsorten (so genannte alte Obstsorten). Die Streuobstwiese gibt es nicht.
Die vielfältigen Ausprägungen sind auch Ausdruck landschaftsschützerischer Aspekte: Obstbäume können den Boden an Hängen festhalten, sodass eine Weidewirtschaft nachhaltig durchführbar ist. Die im 18. Jahrhundert typischen Streuobstgürtel der Siedlungen wirkten auch als Windschutz. Extreme Temperaturen werden abgeschwächt und die Windgeschwindigkeit vermindert. Mit ihren unterschiedlichen Wuchsformen, Blühzeiten und -farben und Herbstfärbungen nehmen sie auch eine gestalterische Funktion wahr.
Auf extensiv bewirtschafteten Streuobstwiesen komplettiert je nach Artenzusammensetzung, Standortfaktoren und Zweitnutzung (Weide, Wiese, Acker) eine artenreiche Tierwelt (Fauna) die Lebensgemeinschaft (Biozönose). Insbesondere ist die Streuobstwiese ein wichtiger Lebensraum für Vögel und Gliederfüßer (Insekten und Spinnen). Streuobstwiesen weisen nur zwei deutliche „Stockwerke“ auf: die Kronenschicht der Obstbäume, und die aus Gräsern, Kräutern und teilweise niederen Stauden bestehende Krautschicht. Durch den weiten Stand der lichtkronigen Bäume ist die Krautschicht besonnt und sehr vital. Im Unterschied zu Obstplantagen, selbst wenn dort auf Insektizide und Herbizide verzichtet wird, sind Streuobstwiesen wesentlich artenreicher.
Die Baumdichte auf Streuobstwiesen beträgt in Abhängigkeit von den Obstarten 60 bis 120 Bäume pro Hektar - wenig im Vergleich zu Obstplantagen, wo bis zu 3.000 Bäume pro Hektar üblich sind.
Krautschicht
Herbizid
Die von Gräsern dominierte Krautschicht einer Streuobstwiese weist oft auch eine große Anzahl blühender Wiesenkräuter auf, die je nach Standortbedingungen verschieden zusammengesetzt sind. Eine artenreiche Pflanzenvergesellschaftung wurde bei der klassischen Nutzungsweise vor allem durch eine extensive Beweidung mit Rindern oder Schafen begünstigt. Einige Pflanzenarten, die zum Biotop Streuobstwiese zählen, sind:
- Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)
- Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)
- Gelber Hohlzahn (Galeopsis segetum)
- Heilziest (Betonica officinalis)
- Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)
- Löwenzahn (Taraxacum officinale)
- Schafgarbe (Achillea millefolium)
- Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis)
- Wilde Möhre (Daucus carota)
Fauna
In Streuobstwiesen können zwischen 2.000 und 5.000 Tierarten beheimatet sein. Den größten Anteil nehmen dabei Insekten, wie Käfer, Wespen, Hummeln und Bienen ein. Auch die Vielfalt der Spinnentiere und Tausendfüßer ist groß.
Insekten
Wilde Möhre
Wilde Möhre
Die Honigbiene spielt für die Bestäubung der Obstbäume die herausragende Rolle. Durch die Überwinterung als komplettes Bienenvolk mit mehr als 10.000 Einzelbienen sind sie in der Lage, den größten Teil der Bestäubungsleistung zu erbringen.
- Ackerhummel (Bombus pascuorum)
- Admiral (Vanessa atalanta)
- Echte Wespen (Vespinae), insbesondere die Deutsche Wespe (Paravespula germanica)
- Großer Fuchs (Nymphalis polychloros)
- Schachbrett (Melanargia galathea)
- Schwalbenschwanz (Papilio machaon)
- verschiedene Kurzfühlerschrecken
- Wildbienen, z.B. Mauerbienen.
Spinnentiere
Spinnen sind wegen des günstigen Kleinklimas in Streuobstwiesen sehr häufig. Sie finden hier einen idealen Lebensraum.
Häufig sind:
- Kürbisspinne Araniella cucurbitina (Clerk 1775)
- Streckerspinne Tetragnatha obstusa, Anyphaena accentuata, Misumena vatia, Xysticus ulmi, Philodromus aureolus, Enoplognatha ovata
Hauptsächlich in der Krautschicht finden sich:
- Labyrinthspinne Agelena labyrinthica
- Erigone atra
Als Indikatorarten können folgende Arten gelten:
- Anelosimus vittatus
- die Kreuzspinnen Araniella opistographa und Araneus diadematus.
Amphibien und Reptilien
Kreuzspinnen
Mit ihrem kleinräumigen Wechsel aus besonnten und (halb-)schattigen, trockenen und feuchten Stellen, Holz- und Schnittgutlagerplätzen, Gras-/Staudenfluren und Gehölzen sind Streuobstwiesen auch wertvolle Sommer- und Überwinterungshabitate für verschiedene Amphibien- und Reptilienarten, darunter je nach Region:
- Laubfrosch (Hyla arborea)
- Erdkröte (Bufo bufo)
- Grasfrosch (Rana temporaria)
- Moorfrosch (Rana arvalis; zumindest in Nordostdeutschland)
Von den Reptilien sind beispielsweise zu nennen:
- Blindschleiche (Anguis fragilis)
- Waldeidechse (Zootoca vivipara).
Vögel
Waldeidechse
Für viele mitteleuropäische Vogelarten sind alte Streuobstbestände durch ihren Höhlen- und Totholzreichtum die idealen Brutstätten. Ihre Nahrungsgrundlage sind die Gliederfüßer (Arthropoda) wie etwa Spinnen, Insekten oder Tausendfüßer, die im Biotop Streuobstwiese häufig sind.
Untersuchungen zur Frequenz von Vogelüberflügen und Vogeleinflügen zwischen Streuobstwiesen und Intensivobstanbau haben die ökologische Stellung der Streuobstwiesen verdeutlicht:
In einer gegebenen Zeitspanne überfliegen durchschnittlich 326 Vögel eine Streuobstwiese (Intensivobstanbau: 180 Vögel), von denen sich 209 in der Streuobstwiese (Intensivobstanbau: 22) auf Nahrungssuche begeben.
Indikatorarten für die ökologische Wertigkeit sind beispielsweise der Steinkauz (Athene noctua) und der Wendehals (Jynx torquilla). Weitere Vogelarten sind:
Wendehals
- Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis)
- Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla)
- Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)
- Gimpel (Pyrrhula pyrrhula)
- Ortolan (Emberiza hortulana) (vor allem auf den sehr seltenen Streuobstäckern)
- Sumpfmeise (Palus palustris)
- Stieglitz (Carduelis carduelis)
- Wiedehopf (Upupa epops)
- Neuntöter (Lanius collurio)
- Rotkopfwürger (Lanius senator)
- verschiedene Spechtarten.
Säugetiere
Von der reichhaltigen Flora und Fauna und den allgemein guten Bedingungen zur Aufzucht von Jungtieren in brüchigen, mit Höhlen durchsetzten Altbäumen profitieren auch zahlreiche Säugerarten:
- Fledermäuse (Microchiroptera)
- Gartenschläfer (Eliomys quercinus)
- Mauswiesel (Mustela nivalis)
- Siebenschläfer (Myoxus glis)
Typische Kulturfolger einer strukturreichen, halboffenen Landschaft sind:
- Igel (Erinaceus europaeus),
- Feldmaus (Microtus arvalis)und
- Feldhase (Lepus europaeus).
Rückgang im 20. Jahrhundert
Es liegen zahlreiche lokale und regionale Erhebungen vor, die zwischen 1965 und 2000 einen Rückgang der Streuobstwiesen in Deutschland und Mitteleuropa von ca. 70 % belegen. Dies gilt sowohl für die Fläche als auch für die Anzahl der Obstbäume. In Deutschland gibt es nach Schätzungen des NABU nur noch rund 400.000 ha Streuobstwiesen.
Die verbliebenen Bestände sind lückig und vergreist, da absterbende Bäume nicht mehr nachgepflanzt werden. Bestehende Bestände werden kaum gepflegt. Darüber hinaus hat sich die Artenzusammensetzung mit der Nutzung verändert. Allen voran ist die Zahl der anspruchsvollen Apfelbäume drastisch gesunken, da viele fruchtbare Flächen umgenutzt wurden.
Ursachen des Rückgangs
Agrarpolitik, Land- und Forstwirtschaft
In den 1920er Jahren begann die Trendwende zur Obstplantage. Das unüberschaubare Sortiment an Kernobst sollte im Erwerbsbau auf je drei Apfel- und Birnensorten beschränkt und durch das Prädikat „Reichsobstsorte“ gefördert werden. Der zweite Weltkrieg machte diese Pläne zunichte.
Das Ende der westdeutschen Streuobstwiesen besiegelte am 15. Oktober 1953 der Emser Beschluss des Bundesernährungsministeriums: „für Hoch und Halbstämme (wird) kein Platz mehr sein. Streuanbau, Straßenanbau und Mischkultur sind zu verwerfen“. Der Trend zum Plantagenanbau erfasste die gesamte Europäische Gemeinschaft (EG). Um die Obstplantagen zu fördern, hat die EG bis 1974 Rodungsprämien für jeden Hochstammobstbaum bezahlt. Streuobstwiesen auf fruchtbareren Böden wurden durch diese Subventionen in Obstplantagen umgewandelt. Eine drastische Reduktion der Streuobstflächen war die Folge. Ähnliches gilt für Österreich und die Schweiz. Lediglich in der DDR vollzog sich dieser Wandel langsamer. Dort wurden Streuobstbestände nach der Zusammenlegung der landwirtschaftlichen Flächen zu LPGen oft in Obstplantagen umgewandelt. Kleinere, privatwirtschaftlich bewirtschaftete Streuobstwiesen blieben erhalten, die Unternutzung erfolgte oft durch Rinder oder Schafe der Genossenschaft.
Streuobstwiesen erlauben keine Mechanisierung, und damit den intensiven Einsatz von Insektiziden, was zu einem steigenden Schädlingsdruck führt, und erfordern einen deutlich höheren Arbeitseinsatz bei der Ernte. Selbst Landwirte, die nach den Regeln des biologischen Landbaus wirtschaften, produzieren ihr Obst kaum auf Streuobstwiesen, da dies unrentabel ist. Die Spritzung von biologischen Pflanzenschutzmitteln ist durch die Abdrift nur ineffizient anzuwenden. Hochstämme bringen oft erst nach 10 oder 20 Jahren den vollen Ertrag, neugezüchtete Niederstämme bereits im dritten oder fünften Jahr nach ihrer Pflanzung (z. B. Golden Delicious, Gloster).
Streuobstwiesen auf Grenzertragsstandorten wurden häufig aufgegeben, als reines Grünland genutzt oder aufgeforstet. Die Alleen an Wegen und Baumreihen an Feldrändern wurden häufig im Zuge der Flurbereinigung gerodet. Manche Restbestände in den östlichen Bundesländern Deutschlands sterben noch heute durch die negativen Randeinflüsse der durch Großbetriebe bewirtschafteten Äcker.
Bau- und Siedlungswesen
Die Streuobstbestände, die sich vorwiegend im Siedlungsbereich befanden, waren häufig neuen Wohn- und Gewerbegebieten im Weg. Der Raumordnungsgrundsatz, durch nachträgliche bauliche Verdichtung Fläche sparen zu wollen, führte und führt trotz naturschutzfachlicher Bedenken zu einer nachrangigen Einstufung der Streuobstbestände. Dasselbe galt für den Straßenausbau. Schon als Unterhaltungsmaßnahme wurden im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht etliche Obstbäume entfernt.
Pflege, Schutz und Entwicklung
Marketing
Rotkopfwürger]]
Die seit 1987 vom BUND und NABU forcierte „Aufpreisvermarktung“, Direktvermarktung wie im österreichischen Mostviertel und die Kleinbrennerei sind bis heute eher Ausnahmen als rentable Bewirtschaftungsmodelle. Zwar werden in Deutschland mittlerweile etwa 8 Mio. Liter „echte“ Streuobstgetränke mit einem Marktwert von ca. 12 Mio. Euro produziert, aber noch ist der entschieden größere Anteil der Streuobstwiesen aufgrund mangelnder Rentabilität und einseitiger Förderpolitik (insbesondere für den sogenannten „Integrierten Obstbau“) gefährdet.
Eine Marktnische für Streuobstwiesen liegt bei traditionellen Gaststätten mit Apfelweinausschank. Man greift dort normalerweise nicht auf die modernen Apfelsorten zurück, sondern auf die säurehaltigen älteren Sorten aus dem Streuobstanbau.
Literatur
- Walter Hartmann (2004); Farbatlas Alte Obstsorten, Stuttgart, 2. Auflage
- Dieter Grill/Herbert Keppel (2005); Alte Apfel-u. Birnensorten für den Streuobstbau, Leopold-Stocker Verlag, Graz
- Hansjörg Küster (1995); Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa - Von der Eiszeit bis zur Gegenwart, München
- H.-H. Mader (1982): Die Tierwelt der Obstwiesen und intensiv bewirtschafteten Obstplantagen im quantitativen Vergleich. Natur u. Landschaft 11/1982: 371-377
- Markus Rösler (2003): "Aufpreisvermarktung und Naturschutz - Streuobstbau als Trendsetter - Zur Entwicklung neuer Leitbilder im Naturschutz; Natur u. Landschaft 9-10/2003: 295 - 298
- Uwe Wegener, Hrsg. (1998): Naturschutz in der Kulturlandschaft, Schutz und Pflege von Lebensräumen, Ulm
- Ambros Hänggi, Edi Stöckli, Wolfgang Nentwig: Lebensräume Mitteleuropäischer Spinnen. Miscellanea Faunistica Helvetiae, Centre suisse de cartographie de la faune, Neuchatel 1995.
- NABU-Streuobst-Materialversand mit ca. 100 Streuobst-Materialien inkl. "grauer Literatur" (Diplom- und Doktorarbeiten)... s. www.Streuobst.de
Siehe auch
- Streuobstsorte des Jahres, Apfelsorten, Äpfel, Birnensorten, Pomologie
Weblinks
- [http://www.streuobst.de/ Streuobst.de] Informationsportal des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) e.V.
- [http://www.deutschlands-obstsorten.de/ Deutschlands Obstsorten], ein etwa 100 Jahre altes antiquarisches Fachbuch, in dem mehr als 300 Äpfel-, Birnen-, Pflaumen-, Erdbeeren-, Aprikosen- und Weinsorten mit Abbildungen beschrieben werden
- [http://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/CP028.pdf Beiträge zum Streuobstanbau in Europa - Tagungsband. Umweltbundesamt GmbH, Wien. PDF-Dokument]
- [http://www.stmlf-design2.bayern.de/lbp/info/downloads/sr06_03.pdf Streuobst in der Kulturlandschaft. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) PDF-Dokument]
- [http://www.pomologen-verein.de/Termine/Oberdieck/vortrag-naumburg_10-02.PDF Übersichtliches Referat der Natur- und Umweltschutz-Akademie des Landes NRW. PDF-Dokument]
- [http://www.jahrbuch-daun.de/VT/hjb1994/hjb1994.71.htm Detailliertes Referat zum Streuobstanbau im Landkreis Daun]
- [http://www.honighaeuschen.de Die Streuobstwiese der Imkerei Honighäuschen am Herz-Jesu-Kloster in Bonn-Pützchen]
- [http://www.pomologen-verein.de/Kontakte/Baumschulen/SOEinzelhandel_Richard_Dahlem.pdf Streuobstprodukte im Einzelhandel (pdf, 90kB)]
Kategorie:Biotop
GülleGülle ist ein zähflüssiger Wirtschaftsdünger, der hauptsächlich aus Harn und Kot besteht, je nach Beigabe von Einstreu und Wasser spricht man von Dick- oder Dünngülle, Schwemmmist oder Flüssigmist. Gegenüber der Jauche ist der eigentliche Begriff Gülle ausschließlich auf tierische Exkremente beschränkt, wird aber in Südwestdeutschland und in der Schweiz meist synonym für diese verwendet.
Methoden der Güllebeseitigung
- Kompostierung
- Trocknung
- Vermischung mit Trockenstoffen
- Ausbringung auf den Feldern durch Maschinen, die die Gülle direkt in den Boden einimpfen oder auf diesem oberflächlich verteilen
Die Ausbringung von Gülle auf landwirtschaftlichen Nutzflächen unterliegt rechtlichen Beschränkungen. In Deutschland wird das Ausbringen von Gülle grundsätzlich durch die
[http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/d_ngev/index.html Düngeverordnung (DüngeV)] geregelt. In Ergänzung dazu haben die Bundesländer ebenfalls Verordnungen erlassen. Dort ist genau definiert, was Gülle ist und zu welchen Jahreszeiten die Ausbringung zulässig ist. Die standortunabhängigen Grenzwerte berücksichtigen jedoch weder die Unterschiede im Aufnahmevermögen verschiedener Böden noch die Problematik der Abschwemmung in Oberflächengewässer.
Nutzung von Gülle
Die Gülle wird überwiegend als wirtschaftseigener Dünger auf den Feldern ausgebracht.
Die Ausbringung auf der Bodenoberfläche ist aus Sicht der Nährstoffeffizienz negativ zu beurteilen, da die leichtlöslichen Stickstoffverbindungen verloren gehen. Eine Verbesserung ist die schnelle Einarbeitung in den Boden.
Vor der Ausbringung können die enthaltenen Kohlenstoffverbindungen aber auch energetisch genutzt werden. Dazu wird die Gülle in einem Sammelbehälter auf ca. 38°C erwärmt und mit Mikroorganismen versetzt. Diese bauen die Kohlenstoffverbindungen ab und bilden dabei Gase, überwiegend Methan. Das Biogas wird aufgefangen und in einem Verbrennungsmotor verbrannt. Durch die Motorbewegung entsteht Elektrizität. Biogas zählt zu den regenerativen Energien und seine Einspeisung in das öffentliche Stromnetz muss von den Elektrizitätsunternehmen mit einem gesetzlich geregelten Entgelt bezahlt werden (Erneuerbare-Energien-Gesetz).
Sämtliche Nährstoffe bleiben dabei erhalten und die Gülle kann danach wie üblich ausgebracht werden. Zusätzlich ändern sich die Fließeigenschaften der Gülle, da das Stroh abgebaut wurde und die Gülle dadurch besser fließt und leichter von den Pflanzen abtropft. Einige Landwirte berichten auch von geringeren Geruchsbelastungen.
Je nachdem von welcher Tierart die Gülle stammt, unterscheiden sich die Nährstoffgehalte. Das muss bei der Ausbringung berücksichtigt werden.
Probleme und Kritiken
Mensch und Gesundheit
Da die Gülle auf Grünland nicht untergepflügt werden kann, kann es bei ihrer Ausbringung zu starken Geruchs- und möglicherweise auch zu Gesundheitsbelastungen für die Anwohner kommen. Vor allem in den Marschgebieten von Schleswig-Holstein, wo die Grünlandwirtschaft überwiegt, ist die Belastung hoch, ebenso im Oldenburger Münsterland (Niedersachsen; vgl. Landkreis Vechta).
Massive Probleme mit Gülle entstehen immer da, wo es durch Massentierhaltung zu großen Tierkonzentrationen kommt.
Mensch und Umwelt
Die Auswirkungen auf die Umwelt sind nicht zu vernachlässigen. (Ammonium, Nitrat) und andere Inhaltsstoffe können in das Grundwasser einsickern und durch Abschwemmung (Erosion) in Oberflächengewässer eingetragen werden, wodurch sie letztendlich in das Meer gelangen.
Im Sommer 2002 kam es dadurch zu einem starken Fischsterben vor der dänischen Küste und im Sommer 2003 zur Algenplage an den deutschen Küsten.
Mit viel Geld werden Kläranlagen gebaut, um die Umwelt zu schützen, bei der Landwirtschaft wird dies jedoch in Gebieten mit starkem Viehbesatz nicht berücksichtigt, da die Gülleausbringung häufig über das natürlichen Aufnahmevermögen der Böden bzw. des Bewuchses hinausgeht und in Folge dessen die Gewässer verschmutzt.
Siehe auch
- Güllegrube
- Biogas
- Jauche
Weblinks
- [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/d_ngev/index.html Düngeverordnung (DüngeV) (Deutschland)]
- [http://www.umweltfibel.de/bremer/bre_bv_3.htm Beispiel für Gülleverordnung (Land Bremen)]
Kategorie:Biomasse
Kategorie:Dünger
Kategorie:Sekundärrohstoff
Kategorie:Nicht essbares Tierprodukt
Heu
Als Heu bezeichnet man die getrocknete oberirdische Biomasse von Grünlandpflanzen (Gräser, Kräuter, Leguminosen). Siehe auch Wiese, Weide.
Regional unterschiedlich wird in Süddeutschland nur der erste Schnitt als das eigentliche Heu bezeichnet - er enthält aufgrund der holzhaltigen Grashalme weit mehr Faserstoffe und ist besonders für Pferde geeignet. Der zweite und die weiteren Grasschnitte - heute werden Heuwiesen bis sechs mal im Jahr geschnitten - werden Grummet (auch Grünmat von grün Mahd) genannt, in Süddeutschland und der Schweiz auch Öhmd, Amet, oder Emd.
In Norddeutschland findet diese Unterscheidung nicht statt, sondern dort wird getrocknetes Gras allgemein als Heu bezeichnet; Der 1. Schnitt wird aufgrund meist widriger Witterung selten als Heu, aber weit Überwiegend zu Silage konserviert.
Grummet ist aufgrund eines relativ zum 1. Schnitt früheren Schnittzeitpunkts (siehe Kapitel "Heu oder Silage") nährstoffreicher bzw. hat einen niedrigeren Anteil an Strukturkohlenhydraten als Heu.
- Siehe auch: Heulage, Stroh, Grünmehl, Heureiter
Technik der Heugewinnung
Um eine Konservierung des Mähguts zu gewährleisten, wird der Aufwuchs (meist von hochwüchsigem Extensivgrünland) nach dem Mähen mehrere Tage auf dem Feld zur Lufttrocknung liegen gelassen. Während dieser Zeit wird es heute zumeist mit Kreiselwendern mehrmals gewendet, um dann mit Kreiselschwadern zu Schwaden gerecht zu werden. In der modernen Landwirtschaft wird das Heu heute meist mit Ballenpressen gepresst. Üblich sind kleine Eckballen (ca. 35x25x100cm) oder große, mehrere hundert Kilo schwere Rund- oder Quaderballen. Bei einer angemessenen Lagerung kann das Heu auf diese Weise mehrere Jahre lang als Futtermittel für Nutztiere verwendet werden.
Um qualitativ hochwertiges Heu zu erhalten, ist es wichtig, das Mähgut schnell und gründlich zu trocknen und möglichst staubfrei zu pressen bzw. einzufahren. Die Trockensubstanz von gutem Heu sollte etwa 86 % betragen. Aufgrund seiner günstigen Zusammensetzung hat Heu eine sehr hohe Bedeutung in der Pferdefütterung. Heu muss nach der Ernte mindestens vier Wochen lagern, bevor es an Pferde verfüttert werden kann, da es sonst beim Pferd zu einer Kolik kommen kann.
Geschichte
Bevor von Traktoren gezogene Ladewagen verbreitet waren, wurde das Heu meist auf Wagen, die von Pferden und anderen Zugtieren gezogen wurden, zum Bauern transportiert. In unwegsameren Gelände (z.B. beim Wildheuen) musste das Heu oft auf dem Rücken in die Scheune getragen werden. Auch Holzschlitten fanden Verwendung.
Heu oder Silage?
Aufwüchse, die als Heu konserviert werden sollen, werden üblicherweise später gemäht als solche, die als Silage eingelagert werden sollen: Durch den späteren Schnittzeitpunkt erhöht sich der Anteil der Strukturkohlenhydrate (siehe auch Rohfaser) in der Pflanze, was einerseits die Trocknung verkürzt und andererseits zu weniger Verlusten auf dem Feld führt (weniger Bergeverluste durch höheren Stengelanteil). Aufwüchse für Silage werden meist kurz vor dem Schossen gemäht, Aufwüchse für Heu zwei bis vier Wochen später. Die Anzahl möglicher Nutzungen der Aufwüchse richtet sich sehr nach der Stärke der Bewirtschaftung. Bei extensiver Landwirtschaft werden die Flächen zum Teil nur ein bis zwei mal pro Jahr gemäht (plus Nachweide), bei konventioneller Landwirtschaft drei bis vier mal pro Jahr (ebenfalls danach Nachweide). Die Stärke der Bewirtschaftung ist auch vom Standort (Klima, Boden, etc.) abhängig.
Bei Heu als Konservierungsform ist das Witterungsrisiko deutlich höher als bei Silage: Während Silage optimalerweise bei einem Wassergehalt von 65 % eingefahren wird, sollte Heu nicht mehr als 15 % Wasser enthalten. Daher muss es zur Trocknung wesentlich länger auf dem Feld verbleiben (mehrere Tage, Silage zum Teil nur einen Tag). Wird das Heu zu feucht gepresst, führt dies vor allem durch Pilze (Hefe | | |