Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Graf Georg Brankovic

Graf Georg Brankovic

Đorđe Branković (auch: Georg Brankovich;
- 1645 in Jenopolje; † 1711 in Eger im Sudetenland) war ein siebenbürgischer Gesandter und Graf. Graf Đorđe Branković wurde 1645 in Jenopolje (rum. Ineu, ung. Borosjenö), das an der Grenze zum Osmanischen Reich lag, in Siebenbürgen geboren. Sein Vater sowie seine zwei Brüder verstarben an der zu der Zeit wütenden Pest. Die Mutter adeliger Abstammung ging ins Kloster, während Đorđe der Obhut ihres ältesten Sohnes Simeon übergeben wurde, einem Priester in Jenopolje, der später ebenfalls Mönch und unter dem Namen Sava (Sawa, 1656-1680) zum orthodoxen Erzbischof von Siebenbürgen wurde. In der Zeit von 1675 bis 1677 war Đorđe Branković der Gesandte Siebenbürgens bei der Pforte und überbrachte den Tribut an die Osmanen. Während dieser Gelegenheit reiste er durch Belgrad und Serbien. Mit seinem Bruder Sava war Đorđe auch in Russland, wo beide dem russischen Zaren Alexei I. (1645-1676) ein Bündnis und militärische Hilfe im Kampf gegen die Osmanen anboten. Wegen des Verdachtes der Teilnahme an einer Verschwörung gegen den Fürsten von Siebenbürgen Michael Apafi I. (1661-1690) wurden er und Sava verhaftet und in ein Kerker gebracht Doch gelang Đorđe bald die Flucht nach Bukarest. Dort vermittelte er die Annäherung des walachischen Fürsten Serban Cantacuzino (1678-1688) zu den österreichischen Habsburgern. Zur Belohnung erhielt er den Adelstitel eines Barons. Vom serbischen Patriarchen bekam er die Beglaubigung seiner Abstammung von den letzten Fürsten Serbiens (die der Branković, 1427-1459), und im Sinne seiner eigenen Ausrufung zum Fürsten des Illyricums nannte er sich Fürst Đorđe II. Branković. Sein Vorhaben machte er dem österreichischen Kaiser Leopold I. (1658-1705) bekannt. Doch Wien nahm diesen Vorschlag nicht an, Đorđe Branković bekam lediglich den Titel eines Grafen. Als die Habsburger im Türkenkrieg 1683-1699 tief in das serbische Hinterland vordrangen, rief er die Serben zum Freiheitskampf gegen die Osmanen auf, mit ihm als ihren Fürsten. Das deckte sich jedoch nicht mit den Staatsinteressen Österreichs, weshalb den militärischen Befehlshabern angeordnet wurde, Đorđe Branković zu verhaften und ihn nach Wien zu bringen. In Wien wurde er bis 1702 im Gasthaus „Zum goldenen Bären“ unter ständiger Bewachung inhaftiert, anschließend nach Eger im Sudetenland verlegt, wo Đorđe Branković 1711 starb. Brankovic, Graf Georg Brankovic, Graf Georg Brankovic, Graf Georg]] Brankovic, Graf Georg Brankovic, Graf Georg Brankovic, Graf Georg

1645

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Beginn der Friedensverhandlungen, die 1648 zum Westfälischen Frieden führten
- Blaise Pascal stellt der Öffentlichkeit seine Rechenmaschine vor
- Gotland wird Teil Schwedens
- 6. März: Truppen Hessen-Kassels rücken in Oberhessen ein. Beginn des Hessenkrieges mit Hessen-Darmstadt, ausgelöst durch Landgräfin Amalie Elisabeth
- 3. August: Dreißigjähriger Krieg: Die Zweite Schlacht von Nördlingen sieht französische Truppen als Sieger über die kaiserlichen
- Die Schweden mit ihrem General Lennart Torstenson besetzen die Stadt Schrattenthal in Niederösterreich

Geboren


- 9. Februar: Johann Aegidius Bach, deutscher Bratschist († 1716)
- 22. Februar: Johann Christoph Bach d. Ä., Zwillingsbruder von Johann Ambrosius Bach, dem Vater von Johann Sebastian Bach († 1693)
- 21. September: Louis Joliet, französischer Entdecker und Kartograf († 1904)
- 26. Oktober: Aert de Gelder, holländischer Maler († 1727)
- 14. November: Maximiliám van de Prassén, niederländischer Menschenrechtler († 1720)
- 24. Dezember: Hans Carl von Carlowitz, deutscher Wissenschaftler († 1714)
- 27. Dezember: Giovanni Antonio Viscardi, Italienischer Baumeister des Barock der überwiegend in Bayern arbeitete († 1713)
- Graf Georg Brankovic († 1711)

Gestorben


- 9. Januar: Mutio Vitelleschi, italienischer Ordensgeneral (
- 1563)
- 10. Januar: William Laud, war Erzbischof von Canterbury und einer der Berater des englischen Königs (
- 1573)
- 20. Januar: Maria Ward, Begründerin der englischen Fräulein und Wegbereiterin der Mädchenbildung (
- 1585)
- 12. April: Sigismund Heusner von Wandersleben, deutscher Offizier und Politiker (
- 1592)
- 19. Mai: Musashi Miyamoto, japanischer Samurai (
-  1584)
- 7. Juli: Georg Friedrich von Hohenlohe-Neuenstein-Weikersheim, Offizier und Gelegenheitsdichter (
- 1569)
- 13. Juli: Marie de Gournay, französische Philosophin (
- 1565)
- 23. Juli: Michael I. (Russland), war Zar von Russland von 1613 bis 1645 (
- 1596)
- 3. August: Franz von Mercy, Feldherr in Diensten der Katholischen Liga, der im Dreißigjährigen Krieg kämpfte (
- 1590)
- 7. August: Georg Corvin, Professor der Philosophie (
- um 1608)
- 28. August: Hugo Grotius, Naturrechtsphilosoph (
- 1583)
- 10. Oktober: Heinrich Julius von Wietersheim, Stiftshofmeister in Quedlinburg (
- 1585)
- Lucas Cranach III., deutscher Maler (
- 1586) ko:1645년

1711

Ereignisse


- 12. Juli Der Frieden von Pruth beendet den 2. russischen Türkenkrieg

Kultur


- 9. Februar: Uraufführung der Oper Henrico IV. von Johann Mattheson in Hamburg
- 24. Februar: Uraufführung der Oper Rinaldo von Georg Friedrich Händel am Queen's Theatre in London

Geboren


- 1. Januar: Franz Freiherr von der Trenck, preußischer Offizier und Freischärler († 1749)
- 2. Februar: Wenzel Anton Graf Kaunitz, österreichischer Politiker († 1794)
- 26. April: David Hume, schottischer Philosoph und Historiker († 1776)
- 18. Mai: Rugjer Josip Bošković, Mathematiker und Astronom († 1787)
- 24. Mai: Peter Karl Christoph von Keith, der Leibpage des Kronprinzen Friedrich († 1756)
- 11. Juli: Georg Wilhelm Richmann, deutscher Physiker († 1753)
- 10. August: Edward Boscawen, britischer Admiral († 1761)
- 22. August: Heinrich von Bibra, OSB, Fürstbischof und Abt von Fulda († 1788)
- 3. September: Anton Ignaz von Fugger-Glött, Domherr in Köln († 1787)
- 25. September: Qianlong, chinesischer Kaiser († 1799)
- 19. November: Michail Wassiljewitsch Lomonossow, russischer Universalgelehrter, Schriftsteller, Sprachwissenschaftler und Historiker, Chemiker und Astronom († 1765)
- 25. Dezember: Jean-Joseph Cassanea de Mondonville, französischer Violinvirtuose und Komponist († 1772)

Gestorben


- 6. Januar: Philipp van Almonde, war ein niederländischer Vizeadmiral (
- 1646)
- 17. Februar: José Vaquedano, spanischer Komponist und Kapellmeister (
- um 1642)
- 13. März,: Nicolas Boileau, französischer Schriftsteller (
- 1636)
- 14. April: Ludwig von Frankreich, französischer Thronfolger, Sohn Ludwigs XIV. (
- 1661)
- 17. April: Joseph I. (HRR), war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches 1705–1711 (
- 1678)
- 20. August: Louis-François de Boufflers, französischer Feldherr und Marschall von Frankreich (
- 1644)
- Nicolas Boileau-Despéraux (
- 1636)
- Graf Georg Brankovic (
- 1645) ko:1711년

Eger (Böhmen)

Eger (tschechisch: Cheb []) ist eine zum Karlovarský kraj (Region Karlsbad) gehörige Kreisstadt des Okres Cheb (Bezirk Eger) mit 33.256 Einwohnern in der Tschechischen Republik. Sie liegt im böhmischen Vogtland nahe der deutschen Grenze. Vor 1945 war die Stadt das Zentrum des damals deutschsprachigen Egerlandes. Mundartlich gehörte Eger zum nordbairischen Sprachgebiet. Der Name der Stadt war 1179 Egra, ab 1322 Eger und ab dem 14. Jahrhundert auch Cheb oder Chba. Ab 1850 hieß sie offiziell Eger und Cheb und seit 1945 heißt sie offiziell nur noch Cheb. Von Cheb aus ist der Freistaat Bayern in Deutschland mit dem Auto über die Grenzübergänge Svatý Kříž (Heilig Kreuz) - Hundsbach bei Waldsassen, Pomezí (Mühlbach) - Schirnding und (Asch) - Selb zu erreichen. Die drei weltbekannten Bäder des Böhmischen Bäderdreiecks Karlovy Vary (Karlsbad), Marianské Lázně (Marienbad) und Františkovy Lázně (Franzensbad) sind von Cheb nur wenige Kilometer entfernt. Der nicht weniger bekannte Musik- und Bäderwinkel im sächsischen Vogtland (Freistaat Sachsen) mit den Städten Klingenthal und Markneukirchen (Musikinstrumentenbau) sowie die Staatsbäder Bad Brambach und Bad Elster sind ebenfalls nach nur kurzer Fahrt über die Grenzübergänge KrasliceKlingenthal und VojtanovSchönberg zu erreichen. Für Wanderer, Rollstuhlfahrer und Radfahrer stehen noch einige Grenzübergänge nach Bayern (Rehau) und Sachsen (Bad BrambachPlésna, Bad BrambachVernéřov, Bad ElsterPohdhradi, MarkneukirchenLuby und Hranice (Roßbach)–Ebmath zur Verfügung. Ebmath In jüngerer Zeit ist Eger oft wegen Menschenhandels und Rotlicht-Kriminalität in den Negativ-Schlagzeilen.

Geschichte

Rotlicht-Kriminalität Eger wurde am 13. Februar 1061 das erste Mal urkundlich als Egire genannt. Vor dem Jahr 1179 wurde Eger zu Stadt erhoben. Im 12. Jahrhundert wurde die Burg errichtet, im 13. Jahrhundert wurde Eger eine Freie Reichsstadt. 1322 verpfändete Ludwig der Bayer die Stadt Eger an den König von Böhmen; sie wurde nicht wieder ausgelöst und blieb böhmisch. Am 5. Mai 1389 wurde in Eger während eines Reichstages zwischen König Wenzel und einem Städtebund südwestdeutscher Reichsstädte der Landfrieden von Eger geschlossen, nachdem Wenzel zuvor erfolglos versucht hatte, seine Interessen den Städten gegenüber durchzusetzen. Landfrieden von Eger Während des Dreißigjährigen Krieges 1634 wurde hier Albrecht von Wallenstein ermordet. 1723 wurde Eger freie königliche Stadt. 1809 ereilte den Nordteil der Stadt ein großer Brand. Dadurch wurden größere mittelalterliche Bauten vernichtet, die nie wieder aufgebaut wurden. Bis 1851 gehörte das bekannte Franzensbad (Františkovy Lázně) zum Magistrat der Stadt Eger. Das Mineralwasser der Franzensbader Quellen, die ursprünglich als Egerer Sauerbrunnen bezeichnet wurden, lieferte man an die Kurgäste, die sich damals in Eger aufhielten. Österreichische Geographen haben zur Zeit, als es die k.u.k.-Monarchie (Österreich-Ungarn) noch gab, den 939 Meter hohen Tillen, der in der Nähe Egers, unmittelbar an der Grenze zu Bayern, als den geographischen Mittelpunkt Europas errechnet. Sie haben dies damals auf einer Kupferplatte dokumentiert, die sie auf dem Gipfel anbrachten. Aktuelleren Berechnungen zur Folge liegt der Mittelpunkt Europas jedoch etwas nördlich von Wilna in Litauen. Litauen Litauen 1919 kam es in Eger – ebenso wie in anderen sudetendeutschen Städten – zu Unruhen von Sudetendeutschen gegen die tschechoslowakische Zentralregierung, die von dieser gewaltsam niedergeschlagen wurden. Am 3. Oktober 1938 besuchte Adolf Hitler die Stadt. Er wurde dort von der Bevölkerung begeistert empfangen. Kurze Zeit später marschierten deutsche Truppen in das Sudetenland ein und besetzten es. Von 1938 bis 1945 gehörte die Stadt zu Deutschland. Am 1. Mai 1939 schied sie aus dem Landkreis Eger aus und bildete einen eigenen Stadtkreis. Ihr wurde gleichzeitig die Gemeinde Matzelbach angegliedert. Eger gab dem westlichen der drei Regierungsbezirke im Reichsgau Sudetenland seinen Namen. Der Amtssitz des Regierungspräsidenten befand sich allerdings in Karlsbad. Ab 1945 gehörte Eger wieder zur Tschechoslowakei. Die deutschstämmige Bevölkerung wurde nach Deutschland vertrieben und ausgesiedelt. Am 24. August 2001 besuchten Bundeskanzler Gerhard Schröder und der tschechische Premier Miloš Zeman die Euregio Egrensis (Bayern-Sachsen-Thüringen-Böhmen) und erhielten in Cheb die Ehrenbürgerwürde. Seit dem Jahre 2002 ist Cheb Mitglied der Vereinigung Freunde im Herzen Europas. Im Januar 2004 wurden die Urkunden einer Städtepartnerschaft der Stadt Cheb mit der deutschen Stadt Hof (Bayern) unterzeichnet. Auch mit den deutschen Nachbarstädten Waldsassen und Marktredwitz bestehen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs freundschaftliche Beziehungen.

Bevölkerung


- 1930 hatte Eger 31.406 Einwohner, davon waren 3493, also 11 % Tschechen.
- 1945 hatte Eger 45.000 Einwohner
- 1947, zwei Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs und nach der Vertreibung und Aussiedlung der deutschen Bevölkerung, waren es nur noch 14.533 Einwohner.
- 1990 hatte die Stadt wieder 29.962 Einwohner und 1837 Häuser.
- 2004 lebt in Eger auch eine große Bevölkerungsgruppe von Vietnamesen, deren Familien in der kommunistischen Ära hier als Gastarbeiter lebten, sowie Roma, die nach dem 2. Weltkrieg angesiedelt wurden.

Sehenswürdigkeiten

Roma Bei der Burg ist eine romanische Doppelkapelle aus den Jahren 1179 bis 1188 erhalten. Eine 8-eckige Öffnung stellt die Verbindung zwischen den Geschossen her. Das Obergeschoss weist ein Kreuzrippengewölbe über 4 polygonalen Säulen auf. Viele Bauteile sind mit bauplastischem Schmuck versehen. Die ehemalige Klarakirche wurde 1708 bis 1711 nach einem Plan von Christoph Dientzenhofer errichtet. Am sehenswerten Marktplatz, der aus dem 13. Jahrhundert stammt, steht neben vielen geschichtsträchtigen Gebäuden auch eine Gruppe von Häusern, die im Kern in spätgotische Zeit zurückgehen, das so genannte Egerer Stöckl (Spalicek). Dieses Wahrzeichen des Marktplatzes ist ein bizarrer Komplex von 11 Häusern. Nach der ältesten Darstellung aus dem Jahr 1472 blieb der Grundriss der 2 Blöcke bis zur heutigen Zeit erhalten. Das Grüner-Haus am Marktplatz gehörte dem bekannten Geschlecht der Wrendls. Deren Familienwappen ist über dem Portal angebracht. In diesem Haus weilte Johann Wolfgang von Goethe des öfteren. Johann Wolfgang von Goethe Die Kirche Hl. Nikolaus wurde im 13. Jahrhundert als dreischiffige Basilika errichtet. Davon blieben das Westportal und der untere Teil des Turms erhalten. Das dreischiffige Langhaus sowie das Presbyterium und die Sakristei stammen aus der gotischen Zeit. Nach dem Brand 1742 wurden die Türme mit Barockkuppeln nach einem Entwurf des einheimischen Baumeisters Balthasar Neumann neu errichtet. Die Franziskanerkirche gehört zu den schönsten Baudenkmälern des historischen Stadtkerns. Das Bezirksmuseum Eger (Krajske muzeum Cheb) befindet sich in dem im 15. Jahrhundert erbauten gotischen Bürgerhaus (Pachelbelhaus), in dem Wallenstein ermordet wurde.

Umgebung

15. Jahrhundert Die frühbarocke Wallfahrtskirche Maria Loreto in Starý Hroznatov (Altkinsberg) ist nur 5 km von Cheb entfernt. Die Anlage, die sich noch 1990 in einem ruinösem Zustand befand, wurde durch die Initiative eines Bürgers aus der deutschen Nachbarstadt Waldsassen wieder vollkommen renoviert und hergestellt. Bemerkenswert in der Umgebung von Cheb sind die zahlreichen Fachwerkhäuser in den zum Teil menschenleeren Grenzdörfern. Vor allem das Dorf Doubrava (Taubrath) ist sehenswert. 8 Kilometer nordöstlich der Stadt ist das Naturschutzgebiet Soos bei der Ortschaft Nový Drahov (Rohr) eine vielbesuchte Natur-Attraktion. Es handelt sich um ein Torf- und Mineralwiesenmoor mit ausströmendem Gas aus Mofetten (Kohlendioxid fördernde Gasquelle vulkanischen Ursprungs). Weitere Sehenswürdigkeiten sind der nordöstlich der Stadt zu findende Komorní hůrka (Kammerbühl)und der südlich an der tschechisch-bayerischen Grenze zu findende Železná hůrka (Eisenbühl). Es sind Reste der beiden jüngsten böhmischen Vulkane, die auch als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind. Auch Goethe hatte hier schon geforscht. Für Wassersportler sind die beiden Stauseen der Stadt von Interesse. Nordöstlich von Cheb befindet sich der von der Eger gespeiste Skalka und südöstlich der von der Wondreb durchflossene Jesenice.

Berühmte Leute der Stadt


- Kaspar Schlick - um 1396 in Eger geborener Deutscher, der als Kanzler dreier Könige eine der politisch bedeutendsten Persönlichkeiten der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts war
- Johannes Widmann - um 1460 in Eger geborener deutscher Mathematiker
- Johann Habermann - am 10. August 1516 in Eger geborener deutscher lutherischer Theologe und Erbauungsschriftsteller
- Johann Adam Schertzer - am 1. August 1628 in Eger geborener deutscher protestantischer Theologe
- Balthasar Neumann - am 27. Januar 1687 in Eger geborener deutscher Baumeister des Barock
- Rudolf Serkin - am 28. März 1903 in Eger geborener jüdischer Pianist russischer Herkunft
- Helmut Lederer - 1913 in Eger geborener deutscher Bildhauer
- Dr. Erich Riedl - am 23. Juni 1933 geborener deutscher CSU-Politiker, Mitglied des Deutschen Bundestages
- Prof. Dr. Peter Glotz - am 6. März 1939 in Eger geborener deutscher SPD-Politiker, Publizist und Medienwissenschaftler, Mitglied des Deutschen Bundestages
- Pavel Nedvěd - am 30. August 1972 in Eger geborener tschechischer Fußballnationalspieler

Ortsteile


- Bříza (Pirk)
- Cetnov (Zettendorf)
- Dolní Dvory (Unterschön)
- Dřenice (Treunitz)
- Háje (Gehaag)
- Horní Dvory (Oberschön)
- Hradiště (Reichersdorf)
- Hrozňatov (Kinsberg)
- Cheb (Eger) - Stadt
- Chvoječná (Sebenbach)
- Jindřichov (Honnersdorf)
- Klest (Reißig)
- Loužek (Au)
- Pelhřimov (Pilmersreuth)
- Podhoří (Kreuzenstein)
- Podhrad (Pograth)
- Skalka (Stein)
- Střížov (Triesenhof)
- Tršnice (Tirschnitz)

Sonstiges

Die Partnerstädte von Eger sind Hof (Deutschland), Rheden (Niederlande) und Nischni Tagil (Russland).

Literatur


- [http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/werk/meyers/band/5/seite/0328/meyers_b5_s0328.html#Eger Eger (tschech. Cheb)], in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888-90, Bd. 5, S. 328.
- Emanuel Poche: Böhmen und Mähren, München/Berlin 1986 (Kunstdenkmäler in der Tschechoslowakai, hg. v. Reinhardt Hootz)
- Cheb (Eger) im Spiegel der Zeit, Cheb 2003 (Veröffentlichung auf Deutsch, englisch u. tschechisch)
- Tschechen und Deutsche - Die Geschichte einer Nachbarschaft v. Heinrich Giegold / Frankenpost Verlag

Weblinks


- http://www.maria-loreto.de/ - Maria Loreto
- http://www.mestocheb.cz/d_index.asp - Offizielle Seiten der Stadt Cheb (Eger)
- http://www.schloss-hardeck.de/ - Schloss Hardeck
- http://www.deutsche-botschaft.cz/DE/POLITIK_PRESSE/REG_ZUSAM/euregio_dt.html#eureg_eger - Euregio Egrensis
- [http://www.Dreilaendereck-vogtland.de HP der Vereinigung "Freunde im Herzen Europas"] Kategorie:Ort in Tschechien Kategorie:Vogtland Kategorie:Reichsstadt

1645

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Beginn der Friedensverhandlungen, die 1648 zum Westfälischen Frieden führten
- Blaise Pascal stellt der Öffentlichkeit seine Rechenmaschine vor
- Gotland wird Teil Schwedens
- 6. März: Truppen Hessen-Kassels rücken in Oberhessen ein. Beginn des Hessenkrieges mit Hessen-Darmstadt, ausgelöst durch Landgräfin Amalie Elisabeth
- 3. August: Dreißigjähriger Krieg: Die Zweite Schlacht von Nördlingen sieht französische Truppen als Sieger über die kaiserlichen
- Die Schweden mit ihrem General Lennart Torstenson besetzen die Stadt Schrattenthal in Niederösterreich

Geboren


- 9. Februar: Johann Aegidius Bach, deutscher Bratschist († 1716)
- 22. Februar: Johann Christoph Bach d. Ä., Zwillingsbruder von Johann Ambrosius Bach, dem Vater von Johann Sebastian Bach († 1693)
- 21. September: Louis Joliet, französischer Entdecker und Kartograf († 1904)
- 26. Oktober: Aert de Gelder, holländischer Maler († 1727)
- 14. November: Maximiliám van de Prassén, niederländischer Menschenrechtler († 1720)
- 24. Dezember: Hans Carl von Carlowitz, deutscher Wissenschaftler († 1714)
- 27. Dezember: Giovanni Antonio Viscardi, Italienischer Baumeister des Barock der überwiegend in Bayern arbeitete († 1713)
- Graf Georg Brankovic († 1711)

Gestorben


- 9. Januar: Mutio Vitelleschi, italienischer Ordensgeneral (
- 1563)
- 10. Januar: William Laud, war Erzbischof von Canterbury und einer der Berater des englischen Königs (
- 1573)
- 20. Januar: Maria Ward, Begründerin der englischen Fräulein und Wegbereiterin der Mädchenbildung (
- 1585)
- 12. April: Sigismund Heusner von Wandersleben, deutscher Offizier und Politiker (
- 1592)
- 19. Mai: Musashi Miyamoto, japanischer Samurai (
-  1584)
- 7. Juli: Georg Friedrich von Hohenlohe-Neuenstein-Weikersheim, Offizier und Gelegenheitsdichter (
- 1569)
- 13. Juli: Marie de Gournay, französische Philosophin (
- 1565)
- 23. Juli: Michael I. (Russland), war Zar von Russland von 1613 bis 1645 (
- 1596)
- 3. August: Franz von Mercy, Feldherr in Diensten der Katholischen Liga, der im Dreißigjährigen Krieg kämpfte (
- 1590)
- 7. August: Georg Corvin, Professor der Philosophie (
- um 1608)
- 28. August: Hugo Grotius, Naturrechtsphilosoph (
- 1583)
- 10. Oktober: Heinrich Julius von Wietersheim, Stiftshofmeister in Quedlinburg (
- 1585)
- Lucas Cranach III., deutscher Maler (
- 1586) ko:1645년

Ungarische Sprache

Die ungarische Sprache (Ungarisch, Magyar nyelv) ist die einzige nicht-indoeuropäische Sprache, die im mitteleuropäischen Raum gesprochen wird. Sie gehört zusammen mit Samisch, Estnisch, Finnisch und einer Reihe von im europäischen Russland und in Nordsibirien gesprochenen Sprachen zu den finno-ugrischen Sprachen. Erste Inschriften des Ungarischen stammen aus dem 9. Jahrhundert, als sich die Magyaren noch der ungarischen Runenschrift bedienten. Die Datierung und Relevanz der ungarischen Runen ist allerdings umstritten. Als erstes Schriftdenkmal des Ungarischen gilt die Stiftungsurkunde der Benediktinerabtei von Tihany aus dem Jahre 1055. Das Schriftstück enthält in einem überwiegend lateinischen Text mehrere ungarische Wortverbindungen. Ungarisch wird heute von etwa 15 Millionen Menschen gesprochen und ist Amtssprache in Ungarn und seit dem 1. Mai 2004 auch eine der Amtssprachen in der EU. Der Language Code ist hu bzw. hun (nach ISO 639).

Sprachverwandtschaft

Zusammen mit den Chanten (früher auch Ostjaken, 12.000 in Russland) und Mansen (früher auch Wogulen, 4.000 in Russland), zwei östlich des Ural lebenden Völkern, bilden die Ungarn (rund 15.000.000 weltweit) die ugrische Untergruppe. Die finno-ugrischen Sprachen wiederum bilden zusammen mit der kleinen Gruppe der Nenzensprachen die uralische Sprachfamilie.

Geschichte

Auf der Suche nach den Ursprüngen des Ungarischen gab es unterschiedliche Herleitungsversuche. So wurde versucht, Ungarisch den Turksprachen zuzuordnen. Dieser Sprachgruppe gehören neben dem Türkischen auch Sprachen Zentralasiens wie Kasachisch, Turkmenisch, Kirgisisch oder Uigurisch an. Die Europäer hielten die Ungarn beim ersten Kontakt für einen mit den Türken verwandten Volksstamm. Der Name „Ungar“ selbst ist verwandt mit der Bezeichnung, die ihnen die Slawen zuerst gaben. „Onogur“ (v. alttürk. on og/ok) bedeutet „zehn Stämme“. Die Diskrepanz zur Selbstbezeichnung der Ungarn (magyar) sticht ins Auge. Die Theorie der Verwandtschaft zu den Türken erhielt vor allem dadurch Nahrung, weil die Turksprachen ebenfalls agglutinierende Sprachen und vokalharmonisch aufgebaut sind. Von dieser Theorie hat man jedoch ebenso Abstand genommen wie von der Idee, Ungarisch könne ein entfernter Verwandter des Japanischen sein, da eine Reihe kurzer Wörter für allgemeine Landschaftsbezeichnungen auffällige Ähnlichkeiten in beiden Sprachen aufwiesen. Unter den Ungarn selbst hielt sich etwa seit dem 12. Jahrhundert die Legende (Hunor und Magor), man stamme von den Hunnen ab, was aber nicht der Fall ist. Als wahrscheinlich wird aber eine mehr oder weniger gemeinsame Völkerwanderung mit den Hunnen und Goten angesehen – andere Völker unterschieden dieses Völkergemisch nicht und bezeichneten sie einheitlich als Hunnen. Der Name „Attila“ ist bis zum heutigen Tag ein recht beliebter männlicher Vorname in Ungarn. Attila ist in dieser Form gotisch und hunnisch und bedeutet soviel wie „Väterchen“. Das ungarische Wort für „Vater“ (im Sinne von leiblicher Vater) ist apa (siehe auch alttürkisch ata, ana, aba, aga). Die ältere Form atya für „Vater“ wird heute vor allem dann verwendet, wenn Gott gemeint ist. Auf die Verbindung mit den Hunnen geht auch die in zahlreichen europäischen Sprachen übliche Schreibung des Landesnamens mit „H-“ zurück, vgl. deutsch (veraltet) Hungarn, französisch Hongrie, englisch Hungary. Das Ungarische erscheint zunächst als schwer erlernbar. Das hat den Ungarn, die in ihrer Geschichte auch mehrere Fremdherrschaften erlebt haben, ein gewisses Maß an kultureller Autonomie gesichert. Es gibt nicht allzu viele Wortähnlichkeiten mit indogermanischen Sprachen.

GrammatikPhonologie

Aussprache

Die ungarische Sprache wird mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Dabei entsprechen alle Vokal- und einige Konsonantenbuchstaben jeweils genau einem Laut (im Gegensatz zum Deutschen, wo es etwa für „e“ verschiedene Aussprachemöglichkeiten gibt). Andere Konsonanten des Ungarischen werden durch Kombinationen von zwei (Digraph) oder drei Zeichen (Trigraph) dargestellt, die jedoch ebenfalls immer für denselben Laut stehen. Somit ist die ungarische Rechtschreibung weitgehend regelmäßig. Die einzige Ausnahme bildet der j-Laut, der sowohl als „j“ als auch als „ly“ geschrieben wird. Von der vom Deutschen her gewohnten Aussprache weichen mehrere Buchstaben ab (in eckigen Klammern jeweils die Aussprache nach dem Internationalen Phonetischen Alphabet).

Betonung

Alle Wörter werden immer auf der ersten Silbe betont, so lang sie auch sein mögen, vgl. legeslegmegvesztegethetetlenebbeknek „den Allerunbestechlichsten“ (13 Silben). Diese Regel gilt auch für Lehnwörter, vgl. zsakett = „Jackett“.

Vokale

Zwischen kurzen und langen Vokalen wird genau unterschieden. Lange Vokale werden konsequent durch Akzente gekennzeichnet und nicht in der Schreibung verdoppelt. Die kurzen Vokale i, o, ö, u und ü werden stets geschlossen ausgesprochen. Phonologisch distinktiv ist also nur die Vokallänge. Sie dient dazu, Wörter verschiedener Bedeutung zu unterscheiden, vgl.:
- bor „Wein“ vs. bórBor (chemisches Element)“
- örül „er/sie freut sich“ vs. őrül „er/sie wird verrückt“ Abweichend vom Deutschen werden die kurzen Vokale a und e ausgesprochen: :a = hinteres und gerundetes a = [ɒ], vgl. ungar. apa „Vater“ :e = sehr offenes e, fast ä = [ɛ] mit Tendenz zu [æ], vgl. ungar. egér „Maus“ Die langen Vokale á und é unterscheiden sich somit deutlich von a und e. Dabei ist á stets [aː] (nicht [ɑː]) und é stets [eː]. Anmerkung: Die Darstellung des Doppelakuts für die Buchstaben Ő und Ű bereitete auf Internetseiten oft Probleme, so dass oft auf einen Zirkumflex (^) oder eine Tilde (~) ausgewichen wurde. Auf korrekt codierten Seiten sollte dies jedoch kein Problem mehr darstellen. Lange Vokale können in allen Wortsilben vorkommen, also nicht nur, wie im Deutschen, in der betonten Silbe, vgl. főméltóságáról „über seine Exzellenz“.

Konsonanten

:c = [ʦ], vgl. ungar. vicc „Witz“, cukor „Zucker“ :dz = stimmhafter ds-Laut = [ʣ], vgl. ungar. bodza „Holunder“ :cs = stimmloser tsch-Laut = [ʧ], vgl. ungar. palacsinta „Palatschinke, Eierkuchen“, kocsi „Kutsche; Wagen; Auto“ :dzs = stimmhafter dsch-Laut = [ʤ], vgl. ungar. dzsungel „Dschungel“ :gy = palatalisiertes „d“ = [ɟ], entspricht ungefähr einem „dj“, vgl. magyar „Magyare“, György [ɟørɟ] „Georg“ :h = deutsch h = [h], aber am Wortende stumm, vgl. méh [meː] „Biene“ :ly = [j], vgl. ungar. hely [hɛj] „Ort“ :ny = [ɲ] (wie span. "ñ"), vgl. ungar. konyak „Cognac“ :r = Zungenspitzen-[r], vgl. rózsa "Rose" :s = stimmloser sch-Laut = [ʃ], vgl. spiritusz ['ʃpiritus] „Spiritus“; sonka „Schinken“ :sz = stimmloses [s] (vgl. deutsch: ß!), vgl. ungar. szexis „sexy“, szoprán „Sopran“ :ty = palatalisiertes „t“, = [c], entspricht ungefähr einem „tj“ (etwa wie in dt. Metier), vgl. Mátyás [ˈmaːcaːʃ] „Matthias“, kutya „Hund“ :v = dt. w = [v], vgl. ungar. vicc „Witz“ :z = stimmhaftes s = [z], vgl. ungar. Zanzibár „Sansibar“, zene „Musik“ :zs = stimmhafter sch-Laut = [ʒ] (wie in franz. journaliste), vgl. zselatin „Gelatine“, zsakett „Jackett“ Die Buchstaben w und x werden nur in Namen oder Wörtern ausländischer Herkunft benutzt. Das y findet – abgesehen von den erwähnten Digraphen gy, ny und ty – nur am Ende von Familiennamen Verwendung und wird als [i] ausgesprochen. Ursprünglich handelt es sich um ein Adelszeichen, das mit dem deutschen „von“ vergleichbar ist, z. B. im Familiennamen Szalay (statt Szalai). Verdoppelte Konsonanten werden (wie z. B. im Italienischen) entsprechend länger ausgesprochen, vorangehende Vokale werden niemals verkürzt.

GrammatikAgglutinierende Morphologie

Anders als in den flektierenden Sprachen, in denen Wortbildung durch Flexion zustande kommt, erfolgt im Ungarischen die Wortbildung durch Agglutination. Darüber hinaus werden Verhältnisse bezüglich des Besitzes, der Richtung, der Zeitlichkeit usw., die im Deutschen durch Possessivpronomina, Präpositionen oder Präpositionalphrasen gebildet werden, im Ungarischen ebenfalls durch Agglutination gebildet. Die Suffixe werden dabei in genau festgelegter Reihenfolge an die Wortstämme angehängt.

Das Substantiv

Das ungarische Substantiv kann mit vielen Suffixen unterschiedlicher Funktion versehen werden. In vielen Lehrwerken und Grammatiken des Ungarischen wird dabei oft von „Kasus“ gesprochen, deren Zahl meist knapp unter 20 liegt. Diese werden mit einem lateinischen Namen wie z.B. Nominativ, Dativ, Akkusativ, Superessiv, Delativ, Sublativ, Inessiv, Elativ, Illativ, Adessiv, Ablativ, Allativ, Terminativ, Komitativ-Instrumental, Kausal-Final, Faktiv-Translativ, Essiv-Modal, Formal bezeichnet (so nach Béla Szent-Iványi: „Der ungarische Sprachbau“. Leipzig 1964, Hamburg 1995). Davon haben jedoch lediglich drei – Nominativ, Dativ und Akkusativ – Entsprechungen im Deutschen. Unabhängig davon, ob die restlichen Konstrukte als „echte“ Kasus angesehen werden oder ob es sich um Postpositionen handelt, lassen diese sich nur durch Präpositionalphrasen ins Deutsche übersetzen. Folgende Tabellen enthalten sowohl Formen (siehe Morphologie), die im Deutschen durch Flexion, als auch solche, die im Deutschen durch Präpositionalphrasen gebildet werden: Da es keinen Genitiv gibt, muss er durch das „Besitzverhältnis“ ausgedrückt werden: Es entspricht dem in deutschen Dialekten vorhandenen „dem Lehrer sein Auto“, nur dass es im Ungarischen wörtlich „der Lehrer sein Auto“ (a tanító autója) heißt (obwohl auch die umständlichere Variante a tanítónak az autója möglich wäre, was nun wirklich ganz wörtlich „dem Lehrer sein Auto“ heißt). Die räumlichen Verhältnisse, die das Ungarische mithilfe der folgenden neun Lokalkasus bezeichnet, werden in anderen Sprachen, wie etwa dem Deutschen, durch Präpositionalphrasen ausgedrückt.

Keine Possessivpronomen

Es gibt keine Possessivpronomen. Stattdessen werden Suffixe benutzt, um den Besitz anzuzeigen:
- (az) autó – (das) Auto:
- (az) autóm – mein Auto
- (az) autód – dein Auto
- (az) autója – sein/ihr Auto
- (az) autónk – unser Auto
- (az) autótok – euer Auto
- (az) autójuk – ihr Auto (Der bestimmte Artikel wird in diesem Fall meist mitverwendet.)

Bildung der Mehrzahl

Die Pluralbildung ist im Ungarischen recht einfach. An das entsprechende Substantiv wird das Suffix -k angefügt. Schwieriger ist dabei schon eher, den oftmals der Aussprache halber notwendigen richtigen Bindevokal zu finden, der sich aus der Vokalharmonie ergibt: az asztal – asztalok (der Tisch – Tische)
a madár – madarak (der Vogel – Vögel)
a gyerek – gyerekek (das Kind – Kinder)
a könyv – könyvek (das Buch – Bücher)
a bükk – bükkök (die Buche – Buchen) Die Mehrzahl wird im Ungarischen, ähnlich wie im Türkischen, spärlich verwendet. Wenn der Zusammenhang die Mehrzahl verdeutlicht, wird das Wort in der Einzahl verwendet. Nur wenn die Mehrzahl aus dem Zusammenhang nicht ersichtlich ist, wird die Mehrzahl verwendet. Beispiel: öt fiú = „fünf Jungen“. Látom a fiúkat. = „Ich sehe die Jungen.“ Also: Auf den Vokal a, á, o, ó im Wortstamm (asztal, madár) folgt o oder a (asztalok, madarak).
Auf e, é, ö, ő, ü, ű im Wortstamm folgt e oder ö.
Auf i, í im Wortstamm folgt meist e, seltener o oder a. A hídon keresztül = „über die Brücke“ (híd). Hier gibt es keine Regeln, der Bindevokal muss auswendig gelernt werden. Sprachgeschichtlich kann dieses Phänomen jedoch erklärt werden. In Wörtern mit i/í, die o oder a als Bindevokal haben, stand an der Stelle des i ein Diphthong oder ein „dunkler“ i-Laut wie das russische ы oder das türkische ı, zu dem vokalharmonisch o oder a gehören. Steht das Wort mit Possessivsuffix (z. B. meine Häuser), wird der Plural durch ein i als Infix ausgedrückt. Also: ház = „Haus“, házam = „mein Haus“, házaim = „meine Häuser“.

Grammatisches Geschlecht

Das Ungarische, wie auch das Türkische, kennt kein grammatisches Geschlecht. Nicht einmal das natürliche Geschlecht wie mit „er“ und „sie“ wird unterschieden (beides = ő, türkisch = o). Nur durch Anhängen des Wortes nő (= Frau) kann das natürliche Geschlecht kenntlich gemacht werden (tanító = „Lehrer“, tanítónő = „Lehrerin“).

Artikel

Der bestimmte Artikel (der/die/das) heißt a (vor Vokalen: az) und ist unveränderlich, ebenso wie der unbestimmte Artikel (ein/eine) egy (siehe „the, a/an“ im Englischen).
Der Artikel wird im Gegensatz zum Deutschen wesentlich seltener verwendet, in der Regel nur, um den entsprechenden Gegenstand oder Sachverhalt hervorzuheben. Dies gilt insbesondere für den unbestimmten Artikel, der im Ungarischen einen viel größeren Zahlwortcharakter aufweist als im Deutschen.

Postpositionen

Es gibt im Ungarischen keine Präpositionen. Stattdessen werden Postpositionen verwendet, also dem Wort nachgestellte Relationswörter (wie im Deutschen „des Wetters wegen“). Diese stehen normalerweise einfach nach dem Nominativ, nur wenige fordern die Endung für „auf“ (-n; Superessiv), z. B. a házon keresztül – „durch das Haus“ oder az autón kívül – „außerhalb des Autos“.

Konjugation der Verben

Die ungarischen Verben werden auf zwei Arten konjugiert: mit bestimmtem Objekt oder aber mit unbestimmtem Objekt oder ohne Objekt. Die bestimmte Konjugation wird benutzt, wenn das Objekt im Satz (eindeutig) bestimmten Charakter hat, kann aber nur bei zielenden (transitiven) Verben gebildet werden. In allen anderen Fällen und bei intransitiven Verben wird die unbestimmte Konjugation verwendet. Personalpronomen werden nur benutzt, um die Person besonders hervorzuheben. Ansonsten wird nur das konjugierte Verb benutzt, da aus der entsprechenden Endung die Person eindeutig hervorgeht. Satzbeispiele:
- „Ich sehe den Bus.“ = Látom a buszt. (mit bestimmtem Objekt, bestimmte Konjugation)
- „Ich sehe dich.“ = Látlak (téged). (mit unbestimmtem Objekt, unbestimmte Konjugation)
- „Ich stehe und warte.“ = Állok és várok. (ohne Objekt, unbestimmte Konjugation) Beispiel für die Konjugation von lát = „sehen“:

- Bestimmte Konjugation: látom = „ich sehe es“, látod = „du siehst es“, látjuk = „wir sehen es“
- Unbestimmte Konjugation: látok = „ich sehe (etwas)“, látsz = „du siehst (etwas)“, látunk = „wir sehen (etwas)“

Anhäufung von Suffixen

Die Wortbildung durch Agglutination ist für das Ungarische charakteristisch. Die Suffigierung bewirkt jedoch nicht automatisch die Bildung eines neuen Lemmas. Im Ungarischen ist eine maximale Suffixtiefe von sechs zu beobachten. Unter anderem sind es diese Strukturen, die bewirken, dass ungarische Sätze kürzer ausfallen als Texte in anderen Sprachen und trotzdem genau die gleichen Informationen vermitteln. Anstatt vor dieser Flut von Milliarden vermeintlicher Wörter zu kapitulieren, muss das Wort auf seine Endungen und seinen Stamm hin analysiert werden; z. B.: tehetetlenségével = mit seiner Unfähigkeit
von: :tehetetlen = unfähig (< tehet (er kann tun) + (e)tlen (Negativpartikel), < ten(ni) (tun) + het (dürfen, können)) :tehetetlenség = die Unfähigkeit :tehetetlensége = seine Unfähigkeit igazságtalanságunkkal = mit unserer Ungerechtigkeit
von: :igaz = wahr :igazság = Wahrheit :igazságtalan = wahrheitslos = ungerecht :igazságtalanság = Ungerechtigkeit :igazságtalanságunk = unsere Ungerechtigkeit Aus diesen beiden Beispielen geht noch eine andere Eigenschaft des Ungarischen hervor: die Vokalharmonie. Die Suffixe und sonstige Endungen, die dem Stammwort angefügt werden, passen sich also dem hohen (palatalen) oder tiefen (velaren) Klang des Stammwortes an. Palatale Vokale im Ungarischen sind: e, é, i, í, ö, ő, ü, ű (bei i gibt es allerdings die im Absatz Bildung der Mehrzahl erwähnten zwei Möglichkeiten) Velare Vokale sind: a, á, o, ó, u, ú Schon längere Zeit in der Sprache vorhandene Wörter sind in den meisten Fällen entweder rein palatal oder rein velar. Neuere, gemischtvokalische Lehnwörter (z. B. telefon) haben meist velare Endungen, es gibt aber in manchen Fällen Schwankungen.

Meinungen zur ungarischen Sprache

Der Sprachwissenschaftler Jacob Grimm hat das Studium des Ungarischen allen empfohlen, die neue einfach zu erlernende Plansprachen schaffen wollen. Tatsächlich wäre es möglich, Ungarisch wie eine Programmiersprache darzustellen, in der der Stamm den Befehl und die agglutinierten Endungen die Optionen darstellen würden. Möglicherweise liegt in dieser fast mathematischen Sprachmethodik auch einer der Gründe, warum Ungarn so viele hervorragende Mathematiker, Logiker und Computerwissenschaftler hervorgebracht hat, z. B. John von Neumann, Paul Erdős uvm.

Literatur

Grammatiken und andere sprachwissenschaftliche Veröffentlichungen


- Szent-Iványi, Béla: Der ungarische Sprachbau. Hamburg: Buske, ³1995; ISBN 3-87548-101-1
- Keresztes, László: Praktische ungarische Grammatik; Debrecen: Debreceni Nyári Egyetem, 1992; ISBN 9-634-72038-2
- Mátai, Mária D.: Kleine ungarische Sprachgeschichte; Hamburg: Buske, 2002; ISBN 3-87548-323-5
- Forgács, Tamás: Ungarische Grammatik; Wien: Edition Praesens, 2002 (²2004); ISBN 3706901072
- Décsy, Gyula: Einführung in die finnisch-ugrische Sprachwissenschaft; Wiesbaden: Harrassowitz, 1965; ISBN 3-447-00248-4
- Haarmann, Harald: Die finnisch-ugrischen Sprachen. Soziologische und politische Aspekte ihrer Entwicklung; Hamburg: Buske, 1973; ISBN 3-87118-155-2
- Ural-altaische Jahrbücher; hg. von der Societas Uralo-Altaica (SUA), e.V.; Wiesbaden: Harrassowitz
- Finnisch-Ugrische Forschungen: Zeitschrift für finnisch-ugrische Sprach- und Volkskunde; hg. von der Suomalais-Ugrilainen Seura (Finnisch-Ugrische Gesellschaft); Helsinki
- Philologia Fenno-Ugrica. Zeitschrift für finnisch-ugrische Philologie und diachrone Linguistik; hg. von Brogyanyi, Bela; Freiburg: Verlag Wissenschaft & Öffentlichkeit, Dr. Sabine Schuster, 2004; ISBN 3-930369-19-2

Lehrbücher


- Silló, Ágnes: Szituációk. Ein Ungarischwerk für Anfänger; Ismaning: Hueber, ²2002; Lehrbuch: ISBN 3-19-005161-5, Arbeitsbuch: ISBN 3-19-015161-X
- Graetz, Julianna: Lehrbuch der ungarischen Sprache. Ein Grundkurs mit Übungen und Lösungen. Unter Mitarbeit von Klaus Rackebrandt; Hamburg: Buske, 1996; ISBN 3-87548-078-3
- Wenzel, Haik: Langenscheidts Praktisches Lehrbuch, Ungarisch; München: Langenscheidt, 1998; ISBN 3-468-26381-3
- Kassai, Georges und Szende, Tamas: Ungarisch ohne Mühe. Lehrbuch. Selbstlernkurs für Anfänger und Wiedereinsteiger; Nörvenich: Assimil-Verlag, 1994; ISBN 2-7005-0180-2
- Ginter, Károly und Tarnói, László: Ungarisch für Ausländer; Budapest: Nemzeti Tankönyvkiadó, 1991; ISBN 963-18-3520-0

Weblinks


- [http://zeus.zeit.de/text/archiv/1999/42/199942.l-ungarn_.xml Ungarisch – ein goldener Käfig?] (Artikel von Ádám Nádasdy in „Die Zeit“)
- [http://www.ungarische-sprache.de Die ungarische Sprache] (Informative Site von Andreas Kraneis)
- [http://dict.sztaki.hu/deutsch-ungarisch Online-Wörterbuch ungarisch-deutsch und deutsch-ungarisch]
- [http://www.s-u-a.de/s_sua1.htm Societas Uralo-Altaica (SUA), e.V.]
- [http://www.finnougristik.de Finnougristik in Deutschland]
- [http://www.univie.ac.at/Finno-Ugristik/ Institut für Finno-Ugristik der Universität Wien]
- [http://www.collegium-hungaricum.at Ungarisches Kulturinstitut in Wien]

Alternative Meinungen


- [http://www.acronet.net/~magyar/english/1997-3/JRNL97B.htm The Untenability of the Finno-Ugrian Theory from a Linguistic Point of View] von Dr. László Marácz
- [http://www.kirj.ee/esi-l-lu/l37-2-1.pdf Marcantonio, Angela; Nummenaho, Pirjo; Salvagni, Michela: The “Ugric-Turkic Battle”: A Critical Review] Sprache ja:ハンガリー語 ko:헝가리어

Osmanisches Reich

Osmanisches Reich (auch Ottomanisches Reich, amtliche türkische Bezeichnung 1907 Memalik-i Osmanije), ist die Bezeichnung für das Reich der Dynastie der Osmanen vom 14. Jahrhundert bis 1923. In Europa wurde das Land auch damals als "Türkei" bzw. "Türkisches Reich" bezeichnet. Es war für mehrere Jahrhunderte die entscheidende Macht in Kleinasien und auf dem Balkan, zeitweise auch in Nordafrika und auf der Krim. Im Laufe des 18. und vor allem 19. Jahrhunderts wurde es in der Auseinandersetzung mit den europäischen Mächten auf Kleinasien zurückgedrängt und fand in der Türkei seinen Nachfolgestaat. __TOC__ Nachfolgestaat [http://ccat.sas.upenn.edu/~rs143/ottoma.jpg gute Karte, die die territoriale Entwicklung des O.R vom frühen 14. Jhd bis ins frühe 16. Jhd dokumentiert (englisch) ]

Frühgeschichte

Die Überlieferungen über die Anfangszeit der Osmanen (Osmanlı, Osmanisches Reich = Devlet-i Âliye, Osmanlı Devleti) sind nur spärlich, wohl weil es sich um ein kleines unter vielen Fürstentümern handelte, die es nach der Zerschlagung des Seldschuken-Reiches (Selçuklu Devleti) in Kleinasien gab. Der Namensgeber Osman I. war zu Anfang des 14. Jahrhunderts der Herrscher über einen nomadischen Stamm - den Klan der Kynyk vom Stamm der Kayi bei Söğüt im nordwestlichen Anatolien, der turkmenischer Herkunft und islamischen Glaubens war. Osman starb 1326 und hinterließ seinem Sohn Orhan ein Fürstentum, das fast halb so groß wie die heutige Schweiz war. Er eroberte die byzantinische Stadt Bursa, die bis zur Eroberung Konstantinopels (heute İstanbul) die Grablege der Oberhäupter der Osmanen blieb. Das Byzantinische Reich wurde massiv bedrängt und befand sich zu dieser Zeit im Niedergang, sodass die Eroberung der europäischen Seite des Marmarameers (Marmara Denizi) nicht schwer fiel, angefangen mit Gallipoli (Gelibolu) 1354. Auch in Kleinasien gab es im gleichen Jahr mit Ankara (griech. Angora) Zugewinne. Bei Orhans Tod 1360 war das Reich mehr als dreimal so groß wie beim Tode seines Vaters. Im folgenden Jahr gelang die Einnahme Adrianopels (Edirne), der zweitgrößten byzantinischen Stadt, es folgte der Übergriff auf Mazedonien (1371). 1389 gelang Murad I. in der Schlacht auf dem Amselfeld ein Sieg über die verbündeten christlichen Fürsten aus Serbien und Bosnien. Wenn auch gleichzeitig in Kleinasien sowohl durch Krieg als auch durch Heirat Zugewinne stattfanden, war inzwischen der europäische Teil des Reiches der wichtigere geworden. So wurde ab 1385 die militärische Führung einem "Beylerbey von Rumelien" (Rumelien bezeichnete den europäischen Teil) und einem "Beylerbey von Anatolien" überantwortet, wobei ersterer den Oberbefehl hatte. Viele der charakteristischen Merkmale des Osmanischen Reiches hatten sich zu dieser Zeit schon herausgebildet. Aus den eroberten Gebieten wurden den Kriegern Pfründen – Timar genannt – gegeben; im Gegenzug mussten sie als Sipahis in der Kavallerie des Heeres dienen. Dieses System ähnelte zunächst dem europäischen Lehnswesen des Mittelalters, allerdings gab es auch große Unterschiede, so entwickelte sich beispielsweise keine Leibeigenschaft. Als stehendes Heer wurde die wichtige Infanterie von den Janitscharen (türk. Yeniçeri) gestellt, die vor allem aus der sogenannten Knabenlese auf dem Balkan und dem Kaukasus gewonnen, zum Islam bekehrt wurden und eine Ausbildung erhielten, die sie zu fähigen Instrumenten der Machtpolitik des Reiches machte. Sultan Murad I., der auf dem Amselfeld durch einen Attentäter getötet worden war, folgte Bayezid I. (manchmal auch Beyazıt oder Bayazıt geschrieben) nach, der sich bald daran machte, Konstantinopel (Byzanz) zu erobern, was allerdings zu dieser Zeit noch nicht gelang; Byzanz wurde aber zu Tributzahlungen verpflichtet. 1396 mussten sich die Osmanen einem Kreuzfahrerheer unter Kaiser Sigismund stellen, das in der Schlacht von Nikopolis vernichtend geschlagen wurde. Eine erste Existenzkrise musste das Osmanische Reich durchstehen, nachdem sein Heer in der Schlacht bei Ankara gegen Timur Lenk 1402 vernichtend geschlagen wurde und Bayezid in Gefangenschaft geriet. Der Tatare hatte innerhalb kurzer Zeit ein riesiges Reich von Nordindien über Georgien und Persien bis Anatolien erobert, das aber nach seinem Tod 1405 schnell zerfiel. Die Verwaltung der Gebiete des Osmanischen Reichs hatte er an die Söhne Bayezids, Süleyman (Rumelien), Mehmed (Zentralanatolien mit Amasya) und İsa (anatolischer Teil um Bursa) gegeben. Diese kämpften im Folgenden sowohl um die an Timur verloren gegangenen Gebiete als auch gegeneinander um die Vorherrschaft. In den Kämpfen zwischen den Brüdern wurde Süleyman von einem weiteren Bruder, Musa, 1410 geschlagen, dem wiederum Mehmed 1413 mit Unterstützung von Byzanz eine Niederlage beibrachte (siehe auch Osmanisches Interregnum). Mehmed stellte sich als Sultan des wiedervereinigten Reichs in den folgenden Jahren der Herausforderung, das Land zu konsolidieren und gleichzeitig die alte Größe wiederherzustellen. Auch die Thronbesteigung Murads II. lief nicht reibungslos ab. Kurz vor Mehmeds Tod machte ein Mustafa als angeblicher Sohn Bayezids Ansprüche geltend. Wahrscheinlich war er ein echter Sohn, er wurde aber von Mehmed als "falscher Mustafa" diffamiert. Sowohl er als auch ein Bruder Murads (der auch als "kleiner Mustafa" (Küçük Mustafa) bezeichnet wird), der von Byzanz als Thronprätendent aufgebaut worden war, wurden hingerichtet. Bei dieser Gelegenheit musste wiederum ein Versuch der Belagerung Konstantinopels abgebrochen werden. In Südosteuropa war Ungarn zum Hauptgegner geworden. 1440 konnte es die Einnahme der wichtigen Festung in Belgrad abwenden. Vor allem Johann Hunyadi gelangen immer wieder militärische Erfolge, obwohl seine und die Versuche des Papstes, ein Kreuzfahrerheer zur Vertreibung der Osmanen aus Europa zusammenzurufen, in West- und Mitteleuropa kaum Gehör fanden. Drei Jahre später konnte Hunyadi sogar nach Bulgarien vordringen. Auch die Albaner unter Skanderbeg führten einen Unabhängigkeitskampf gegen die Osmanen. Aufgrund der Situation schloss Murad 1444 in Szegedin einen zehnjährigen Friedensvertrag, der jedoch sogleich von Ungarn gebrochen wurde, um einen vom Papst initiierten Feldzug durchzuführen. Murad hatte gerade erst die Macht an seinen Sohn Mehmed abgegeben und sich zurückgezogen, trat nun aber wieder an die Spitze des Heers, das die Kreuzfahrer unter dem polnisch-ungarischen König Wladyslaw I. (Ungarn) in der Schlacht bei Warna vernichtend schlug. Abermals musste er 1446 die Macht für den unerfahrenen Nachfolger übernehmen, um einen Janitscharenaufstand niederzuschlagen, und fügte 1448 den Ungarn unter Hunyadi im Kosovo (nach 1389 die zweite Schlacht auf dem Amselfeld) eine schwere Niederlage zu. Mehmed bestieg 1451 endgültig den Thron und bereitete sofort die Einnahme von Konstantinopel, dem "goldenen Apfel" (später trug Wien diese Bezeichnung), vor. Dieses Ereignis ist oft als Zäsur in der Geschichte verstanden worden, als Ende des Byzantinischen Reichs und Ende des Mittelalters. Tatsächlich hatte Byzanz jedoch zu dieser Zeit kaum noch Macht und beschränkte sich auf kaum mehr Gebiet als das der (wenn auch wichtigen) Stadt Konstantinopel. Byzanz war Mehmed aber auch ein Dorn im Auge, weil es mit Orhan einen osmanischen Thronprätendenten aufstellte. Im Fall des "falschen" Mustafa hatte ein ähnliches Verhalten zum Bürgerkrieg geführt. Konstantinopel fiel nach 54-tägiger Belagerung am 29. Mai 1453. Nach den für diese Zeit üblichen Plünderungen wurde die Stadt die neue Hauptstadt des osmanischen Reichs, und man versuchte, die alte Bevölkerung – wie Griechen und Juden – zum Bleiben zu bewegen und neue dort anzusiedeln. Die Hagia Sophia wurde zur Moschee Ayasofia. Als letztes Überbleibsel byzantinischer Staatlichkeit wurde 1460 das Kaiserreich Trapezunt unterworfen. Auf dem Balkan taten die Osmanen sich schwerer. 1456 konnte Hunyadi die Eroberung Belgrads abwenden und sicherte die Unabhängigkeit Ungarns für die nächsten siebzig Jahre. Allerdings eroberte Mehmed bis 1459 die Peloponnes und den Rest Serbiens. 1470 kam Albanien, 1475 die Krim dazu. 1481 bestieg den Thron Bayezid II., unter dem sich der Expansionsdrang des Reichs abschwächte. Eine Rolle spielte dabei sein Bruder Cem, der vom Papst als Geisel gegen ihn eingesetzt wurde. Bayezid selbst wurde 1512 von seinem Sohn Selim abgesetzt und wohl vergiftet. Selim setzte vor allem im Osten die Eroberungsfeldzüge fort. 1514 gelang ein Sieg gegen die Safawiden in Persien, 1516 gegen Syrien. Schließlich wurde 1516/17 das Mameluken-Reich in Ägypten zerschlagen. Damit wurde das Osmanische Reich Hüter der heiligen Stätten des Islam und der in jeder Hinsicht wichtigste islamische Staat.

Süleyman der Prächtige

Die Ära von Süleyman I. (1520-1566) kann man als den Höhepunkt der Macht des Osmanischen Reichs betrachten. In der osmanischen und türkischen Geschichtsschreibung erhielt er wegen seines Gesetzbuches über die Landes- und Finanzverwaltung den Beinamen "Kanuni" (der Gesetzgebende), in Europa wird er "der Prächtige" genannt. Unter seiner Regentschaft fallen auch die architektonischen Meisterleistung von Mimar Sinan. Er gilt auch als einer der größten Kunstförderer unter den Osmansichen Herrschern. Durch viele Feldzüge erweiterte er das Reich Richtung Westen und Osten und Südosten. 1521 eroberte er innerhalb von nur 3 Wochen Belgrad. Die Festung galt damals als die stärkste auf dem Balkan. 1522 landete er mit seinen Truppen auf Rhodos und nahm die Festung im Dezember 1522 ein. Er lies die Verteidiger einfach aushungern, welche entkräftet aufgeben mussten. Vier Jahre später wurde in der Schlacht von Mohács, in der Ludwig II. getötet wurde, das Schicksal Ungarns besiegelt. Zwar zog das osmanische Heer noch vor Jahresende vorläufig ab, aber um die Thronnachfolge gab es einen Streit zwischen dem Habsburger Ferdinand I. und dem Ungarn Johann Zápolya, der die Osmanen um Hilfe ersuchte. Letztlich fiel das westliche Ungarn an Österreich, während Zápolya im Frieden von Großwardein als König Restungarns unter osmanischer Oberhoheit anerkannt wurde. Nach seinem Tod 1540 besetzte die Pforte das mittlere Drittel des einstigen Ungarns und ließ Zapolyas Sohn das Fürstentum Siebenbürgen. Unterdessen nutzte Süleyman I. 1529 die Lage, um erstmals Wien zu belagern, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Nach nur 19 Tagen war Süleyman I., aufgrund eines zu frühen Wintereinbruchs, gezwungen die Belagerung abzubrechen. Dennoch wurde Österreich als Folge dieses Konflikts langfristig tributpflichtig. Durch drei Feldzüge gegen die Safawiden gelang es dem Osmanischen Reich den Osten Kleinasiens endgültig zu erobern. Auch an anderen Fronten gab es Expansionen: 1534 Mesopotamien mit Bagdad, 1534 Aserbaidschan, 1540 Teile Dalmatiens, 1547 große Teile des Jemen. 1566 brachen die Osmanischen Truppen erneut Richtung Wien auf um die österreichische Hauptstadt zu erobern. Süleyman I. starb kurz vor dem erreichen des Ziels. Auf dem Sterbebett befahl er seinen Generälen den geordneten Rückzug, um eine geregelte Thronnachfolge zu gewährleisten. Die Zeit Süleymans leitete auch engere Beziehungen zu den europäischen Mächten ein. 1526 wurde die erste so genannte "Kapitulation" mit Frankreich unterzeichnet, die freien Handel vereinbarte und Frankreich die Gerichtsbarkeit über seine Untertanen auf dem Boden des Osmanischen Reichs übertrug.

Niedergang

1683 unternahm die Pforte nochmals einen Versuch, Wien zu erobern (siehe Zweite Türkenbelagerung). Was aber schon in der Blütezeit des Osmanischen Reiches 150 Jahre vorher nicht gelang, wurde nun im Feldzug Kara Mustafas gegen Jan III. Sobieski von Polen zum Desaster und zum Wendepunkt der Auseinandersetzung mit den europäischen Staaten. Nachdem in dieser Niederlage die militärischen Schwächen der Osmanen offenbar geworden waren, begann im folgenden Jahr eine vom Papst initiierte Heilige Allianz aus Habsburg, Venedig und Polen einen Angriff auf das Osmanische Reich an mehreren Fronten. In mehreren schweren Niederlagen bei Slankamen (1691), Mohács (1687) und Senta (1697) mussten im Frieden von Karlowitz der Verlust von Ungarn, Dalmatien, Podolien und der Peloponnes festgeschrieben werden. Als neuer Gegner an der Nordgrenze kam Russland ins Spiel. Ein wichtiges Ziel von Zar Peter I. war ein Zugang zum Schwarzen Meer, den er 1695 mit Asow bekam. 1699 musste das osmanische Reich Podolien an Polen-Litauen zurückgeben. Die äußeren Schwierigkeiten zogen Probleme im Inneren nach sich. 1687 war Mehmed IV. wegen der militärischen Niederlagen abgesetzt worden. 1703 kam es zum blutigen "Vorfall von Edirne", in dem Aufständische den Scheichülislam Feyzullah Efendi ermordeten und Sultan Mustafa I. absetzten. Obwohl das Osmanische Reich zunehmend in die Defensive geriet, war es noch immer militärisch sehr potent. 1711 schlug es das russische Heer vernichtend am Pruth und besetzte den Hafen Asow. Im Nachhinein ist unklar, warum dieser Sieg nicht weitergehend ausgenutzt wurde. Nachdem der moldauische Woiwode Dimitrie Cantemir zu Russland übergelaufen war, besetzten die Osmanen die Hospodaren-Ämter in Moldau und der Walachei bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts mit Griechen aus dem Phanar-Viertel in Konstantinopel, die schon lange Zeit als Übersetzer in der Politik eine wichtige Rolle gespielt hatten. In den Donaufürstentümern wird diese Epoche als Phanarioten-Herrschaft bezeichnet. Auch gegen Venedig war man erfolgreich und erlangte 1715 den Peloponnes zurück. 1736 begann Russland in einem Bündnis mit Österreich einen Krieg gegen das Osmanische Reich. Nach Anfangserfolgen ging 1739 auch dieser Krieg zugunsten der Osmanen aus, und durch den Frieden von Belgrad erhielten diese Nordserbien und die kleine Walachei zurück. Hierbei hatte auch eine Rolle gespielt, dass die Osmanen ihre Artillerie mit französischen Beratern wie Ahmed Pascha, dem Comte de Bonneval modernisiert hatten. Im ganzen war in den teuren und verlustreichen Kriegen der vergangenen drei Jahrzehnten keine wesentliche Änderung des Territoriums zu verzeichnen. Nach dem osmanisch-russischen Krieg folgte eine Friedensperiode von nie da gewesener Dauer.

Russisch-osmanische Kriege

In dem Krieg 1768 bis 1774 gegen Russland musste das Osmanische Reich endgültig erkennen, dass es seine Großmachtstellung verloren hatte. 1770 verlegte Russland seine Flotte aus der Ostsee ins Mittelmeer und vernichtete die vor Anker liegende osmanische Flotte. Im Frieden von Küçük Kaynarca mussten die Osmanen das Krim-Khanat in die Unabhängigkeit entlassen (es wurde aber schon nach wenigen Jahren eine russische Provinz); Teile des Nordkaukasus gingen an Russland, die Bukowina an Österreich. Keine der beiden Seiten hatte die Absicht, es lange dabei zu belassen. Zarin Katharina II. entwarf ihr so genanntes "Griechisches Projekt", in dem das Byzantinische Reich als russischer Vasall wiederauferstehen sollte und die übrigen Teile des Osmanischen Reichs zwischen Österreich, Venedig und Russland aufgeteilt werden sollten, woran diese Alliierten jedoch wenig Interesse zeigten. 1783 annektierte Russland die Krim und begann mit deren wirtschaftlichem Aufbau. Vier Jahre später fand die berühmte Inspektionsreise mit Grigori Potjomkin (Potjomkinsche Dörfer) statt, eine offenbare Machtdemonstration. Die Osmanen, die ohnehin darauf aus waren, ihre Verluste aus dem vorigen Krieg rückgängig zu machen, erklärten im gleichen Jahr nach verschiedenen Streitigkeiten Russland den Krieg. Nach Anfangserfolgen der Schwarzmeerflotte mussten sie jedoch 1791 im Frieden von Jassy abermals Gebietsverluste hinnehmen, darunter Gebiete zwischen Dnjepr und Bug.

Reformen

Selim III. zog aus den Niederlagen seine Lehre und führte umfassende Reformen in der Verwaltung und im Militär durch. Parallel zu den Janitscharen versuchte er mit Hilfe europäischer Berater eine neue Truppe, die nizam-ı cedid, aufzubauen. Seine geplante allmähliche Überführung der Janitscharen in das neue Korps führte jedoch zu Aufständen, die 1807 in seiner Absetzung gipfelten. Es folgten dramatische Ereignisse. Sein Cousin Bayraktar Mustafa marschierte mit seinen Truppen in Konstantinopel ein und plante, Selim wieder als Sultan einzusetzen. Er kam jedoch zu spät, da Selim bereits erdrosselt worden war. Es blieb ihm also nur, den von den Janitscharen eingesetzten Mustafa IV. durch Mahmud II. zu ersetzen, der einer Ermordung nur knapp entkommen war. Mahmud setzte Bayraktar Mustafa als Großwesir ein und folgte einem Reformkurs, wobei er vermied, mit den Janitscharen direkt in Konflikt zu kommen. Schon im nächsten Jahr kam es wieder zu Aufständen. Um zu verhindern, dass er wieder zugunsten Mustafas gestürzt würde, ließ Mahmud seinen Bruder ermorden. Der in Bedrängnis geratene Großwesir sprengte sich in einem Pulvermagazin in die Luft.

Nationalismus

In Ägypten riss der Statthalter Muhammad Ali Pascha allmählich die Macht an sich und ließ die einflussreichen Mameluken-Emire systematisch liquidieren. Mit Hilfe von Reformen war Ägypten bald in vielerlei Hinsicht der Zentrale in Konstantinopel überlegen. Muhammad Ali begründete die Chediven-Dynastie, die erst Mitte des 20. Jahrhunderts ein Ende fand. Ein das ganze 19. Jahrhundert durchziehendes Problem der Osmanen war der Nationalismus der von ihnen besetzten Staaten. Zunächst erhoben sich 1804 die Serben; bis 1830 erhielten sie eine weitgehende Autonomie. Auch die Phanariotenherrschaft in den Donaufürstentümern fand 1826 ihr Ende. In den 1820er Jahren gewann die von einigen Europäern unterstützte Unabhängigkeitsbewegung in Griechenland an Dynamik. Ein besonderes osmanisches Problem in diesem Falle stellten die einflussreichen Griechen in der Verwaltung dar, die teilweise mit der Unabhängigkeitsbewegung sympathisierten. Im Krieg von 1826 war Mahmud gezwungen, die Truppen des gehassten Muhammad Ali Pascha von Ägypten zu Hilfe zu rufen. Trotzdem wurde das Osmanische Reich 1830 gezwungen, Griechenland in die Unabhängigkeit zu entlassen. An diesem Beispiel zeigte sich, wie das Osmanische Reich immer mehr zum Spielball der europäischen Mächte wurde. Die so genannte "Orientalische Frage" wurde ein Dauerthema der Diplomatie. Russlands Interesse bestand in einem freien Zugang zum Mittelmeer über das Schwarze Meer und die Dardanellen. Auf dem Balkan brachte es sich als Schutzmacht der dortigen orthodoxen Christen ins Spiel. Österreich sowie England und Frankreich sahen die Gefahr der russischen Expansion und tendierten daher eher dazu, ein schwaches Osmanisches Reich aufrechtzuerhalten. Das führte dazu, dass die Bündnisse sich je nach Situation neu zusammenfanden. Im Krimkrieg (1853-1856), der durch die russische Besetzung der Fürstentümer Walachei und Moldau ausgelöst wurde, kämpften England und Frankreich auf Seiten der Osmanen. Im Frieden von Paris ging ein Teil des 1812 von Russland gewonnenen südlichen Bessarabiens im Bereich der Donaumündung (etwa ein Viertel der Gesamtfläche) mit den Kreisen Cahul, Bolgrod und Ismail wieder zurück ans Fürstentum Moldau das ein autonomer Staat unter Oberhoheit der Pforte war und das Schwarze Meer wurde entmilitarisiert.

Tanzimat

Eine erneute Reformperiode (1838-1876) begann, die eng mit dem Namen der Großwesire Mustafa Reşid Pascha und später Ali Pascha und Fuad Pascha verknüpft ist. Die Maßnahmen wurden unter dem Namen "Tanzimat-ı Hayrire" (Heilsame Neuordnung) bekannt und fallen mit der Regierungszeit von Abdülmecid und Abdülaziz zusammen. Sie stellten die Nichtmuslime im Reich auf die gleiche Stufe wie die Muslime und führten ein neues Justizsystem ein, organisierten das Steuersystem neu und legten eine allgemeine Dienstpflicht in der Armee fest. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurden auch die Steuerpachten abgeschafft. Die wichtigsten Reformedikte waren in diesem Zusammenhang das "hatt-i sherif (imperialer Erlass) von Gülhane" (1839), das "hatt-i hümayun" (1856), sowie die Verfassung von 1876, in denen schrittweise und mit Einschränkungen (1839 lauten diese "im Rahmen der Scheriatgesetze") die Gleichheit und Gleichbehandlung aller Untertanen unabhängig von ihrer Religion eingeführt wurde. Mit den von den Mächten eingeforderten Reformen gingen – auch bedingt durch die industrielle Rückständigkeit – zunehmend wirtschaftliche Probleme einher. In den "Kapitulationen" genannten Handelsverträgen wurde der Markt im Osmanischen Reich für die Europäer geöffnet, und die Einfuhrzölle lagen unter den Ausfuhrzöllen. Durch die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des osmanischen Handwerks wurde das Osmanische Reich zum Exporteur von Rohstoffen und Importeur von europäischen Waren. Unterdessen fanden die Unruhen auf dem Balkan kein Ende. Nach einem Krieg gegen Serbien 1876 wurde in Konstantinopel eine internationale Konferenz einberufen, um die Zukunft des Balkan zu diskutieren. Um seine Reformbereitschaft zu demonstrieren, kündigte der durch einen Staatsstreich an die Macht gekommene Abdülhamid II. eine Verfassung an, die ein parlamentarisches System einführen würde. Eine wichtige Rolle bei deren Entwurf spielte der Großwesir Midhat Pascha. Als Ergebnis der Konferenz fassten die Mächte Autonomie sowohl für zwei Provinzen auf bulgarischem Gebiet als auch für Bosnien und Herzegowina ins Auge. Als die Pforte dies ablehnte, erklärte Russland den Krieg, besetzte Edirne und rückte auf Konstantinopel vor. Da die anderen europäischen Mächte wiederum ihre Interessen bedroht sahen und ein europaweiter Krieg drohte, wurde 1878 der Berliner Kongress organisiert, dessen Hauptinitiator Bismarck war. Hier erhielten Serbien und Montenegro ihre Unabhängigkeit, und die schon vorher in Personalunion regierte Walachei mit der Moldau schlossen sich zu dem selbständigen Staat Rumänien zusammen.

Abdülhamid II.

Innenpolitisch machte Abdülhamid seine Regierungsreformen wieder rückgängig. Midhat Pascha wurde abgesetzt und das Parlament aufgelöst. Abdülhamids Regierungszeit wurde durch Despotie und Spitzelei geprägt, und als Sultan hatte er de facto die alleinige Macht. Finanziell geriet die Pforte nun vollends in die Abhängigkeit der europäischen Großmächte. Nachdem der Staatsbankrott erklärt worden war, übernahm die Dette publique einen Gutteil der Finanzverwaltung. Das europäische Kapital konnte ungehindert in den Staat eindringen. Seine Interessen konzentrierten sich auf die Rohstoffquellen im Irak, aber auch Großprojekte wie den Bau der Bagdadbahn. Dabei kam das Deutsche Reich zum Zuge, das spätestens seit dem Berliner Kongress zum guten Partner für das Osmanische Reich geworden war. Am Anfang des 20. Jahrhunderts erstarkten wieder die inneren Oppositionskräfte, insbesondere die Bewegung der Jungtürken, die ihren Ausgangspunkt vor allem in Saloniki hatte. 1908 musste angesichts der Bedrohung durch aufständische Truppen die Verfassung wieder in Kraft gesetzt werden.

Jungtürken

Die Verwirrung machte sich Bulgarien zunutze, um zusammen mit Ostrumelien einen unabhängigen Staat zu gründen. Bosnien und Herzegowina wurden von Österreich-Ungarn annektiert (das faktisch bereits 1878 angegliedert worden war und nur noch nominell türkisch war). Die enormen Gebietsverluste legten die reaktionären Kräfte der Jungtürkischen Führung zur Last und versuchten 1909 einen Staatsstreich. Dessen Misslingen führte dazu, dass Abdülhamid durch seinen Bruder Mehmed V. (Mehmed Reşat) ersetzt wurde. Der Sultan hatte von da an im wesentlichen nur noch Repräsentationsfunktionen, während die Regierung vom Großwesir eingesetzt wurde. Dieser wiederum wurde unter wesentlichem Einfluss der Jungtürken ernannt. Durch eine veränderte Verfassung wurde ein parlamentarisches System etabliert. Die Jungtürken verfolgten einen Reformkurs, der allerdings durch die angespannte außenpolitische Lage gehemmt war. Ein folgenschweres Element ihrer Politik war der türkische Nationalismus. So wurde etwa in den arabischen Provinzen die türkische Sprache als Amtssprache eingesetzt. In den nachfolgenden Kriegen verlor die Regierung so den Rückhalt der Bevölkerung in den nichttürkischen Gebieten. Das Jahrzehnt der Jungtürken-Regierung war durch eine Reihe von schweren Kriegen geprägt. Zunächst ging 1911 Tripolis an Italien verloren, siehe :tr:Trablusgarp Savaşı (Türkisch). Im Ersten Balkankrieg schlossen Albanien, Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro 1912 den Balkanbund gegen das Osmanische Reich, das dadurch fast alle europäischen Besitzung einschließlich der Stadt Edirne verlor. Schon im nächsten Jahr griff Bulgarien seine ehemaligen Verbündeten an, die von den Osmanen unterstützt wurden. Nach der Niederlage Bulgariens wurde der Grenzverlauf so festgelegt, wie er noch heute zwischen Bulgarien und der Türkei verläuft. Im 1914 beginnenden Ersten Weltkrieg versuchte man zunächst, sich in einer "bewaffneten Neutralität" aus den Kampfhandlungen herauszuhalten. Es war vielen klar, dass man sich an eine Großmacht anlehnen müsste, um militärisch überhaupt standhalten zu können. Traditionell hatte man oft mit dem Deutschen Reich kooperiert, aber auch mit den Entente-Mächten gab es enge Beziehungen und einen regen Handel. Auf Betreiben Enver Paschas kam es schließlich zu einem Kriegsbündnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn, das allerdings im Kabinett umstritten war. Am 24. April 1915 veranlasste die osmanische Regierung zur Unterdrückung eines armenischen bewaffneten Aufstandes die Verhaftung, Deportation und Ermordung armenischer Zivilisten in Konstantinopel und leitete damit die Ermordung von mindestens 600.000 Armeniern ein (andere Quellen gehen von bis zu 1,5 Millionen ermordeten Armeniern aus). Damit wurden zwei Drittel des auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches seit Jahrtausenden lebenden christlichen Volkes umgebracht. Siehe den Artikel Völkermord an den Armeniern. Die Folgen des Krieges waren katastrophal. In Arabien hatte man den britischen Kräften nichts entgegenzusetzen. Schon 1916 schüttelte der Emir von Mekka, Husain Ibn Ali die osmanische Oberhoheit ab und rief sich zum König von Arabien aus. Er wurde schließlich als König des Hedschas anerkannt, während der übrige Teil des Reichs gemäß dem Sykes-Picot-Abkommen in Interessensphären aufgeteilt wurde. Ein Teil Palästinas wurde 1917 in der Balfour-Deklaration als "nationale Heimstatt" für die Juden versprochen. Wegen der Oktoberrevolution in Russland schied dieses zwar mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk aus dem Krieg aus, aber die Siegermächte besetzten im November 1918 einen Großteil des einstmaligen Osmanischen Reiches. Das Jungtürkische "Triumvirat" aus Kemal Pascha, Talat Pascha und Enver Pascha wurde entlassen und flüchtete. Nachdem im gleichen Jahr Mehmed V. gestorben war, rückte sein Bruder Mehmed VI. (Mehmed Vahideddin) nach, der aber den Siegermächten politisch völlig ausgeliefert war, und der nach Abschaffung des Sultanats im November 1922 Istanbul verließ.

Entstehung der modernen Türkei

Es entstand eine Widerstandsbewegung gegen das Besatzungsregime. Die herausragende Rolle spielte dabei der General Mustafa Kemal Pascha (später wurde Mustafa Kemal vom türkischen Parlament der Beinahme Atatürk ("Vater der Türken") verliehen). Schon bald bildete die kemalistische Bewegung in den nicht besetzten Gebieten eine Art Gegenregierung. Bei den im Dezember 1919 durchgeführten Wahlen errang die Befreiungsbewegung eine Zweidrittelmehrheit und zog nach Angora (heute Ankara) als Sitz um. Im April 1920 konstituierte sich hier die "Große Türkische Nationalversammlung". Die neue Regierung pflegte gute Beziehungen zum mittlerweile bolschewistischen Rußland und wurde von Frankreich, das das Mandat für das südliche Zentralanatolien hatte, faktisch anerkannt. Der 1920 von der Pforte unterzeichnete Vertrag von Sèvres, der dem türkischen Staat die Souveränität aberkannte, wurde von Ankara nicht anerkannt. Es kam zum nationalen Befreiungskrieg. Bei der Gelegenheit wurden zunächst die griechischen Truppen vertrieben, dann auch der ganz überwiegende Teil der seit Jahrtausenden ansässigen griechischen Zivilbevölkerung in der sogenannten Kleinasiatischen Katastrophe v.a. in Smyrna (von da an dann türkisch İzmir) ermordet oder vertrieben. Die Erfolge der Kemalisten sorgten für einen herben Prestigeverlust für die Regierung Sultan Mehmed VI. In den Verhandlungen um den Vertrag von Lausanne 1923 war diesmal eine Delegation der Kemalisten aus Ankara vertreten, was einer internationalen Anerkennung gleichkam. Am 23. Oktober 1923 wurde Ankara zur Hauptstadt erklärt und am 29. Oktober offiziell die Republik ausgerufen; Mustafa Kemal Pascha wurde Staatspräsident, Ismet Pascha, dem später aufgrund der Siege bei Inönü der Nachname "Inönü" verliehen werde sollte, Ministerpräsident der neu gegründeten Republik. Der letzte Sultan Mehmed VI. und alle Angehörigen der Dynastie Osman mussten das Land für immer verlassen.

Siehe auch


- Liste der Sultane des Osmanischen Reichs
- Geschichte der Türkei
- Türkenkriege
- Byzantinisches Reich

Literatur


- Bodo Guthmüller, Wilhelm Kühlmann (Hrsg.): Europa und die Türken in der Renaissance. Niemeyer, Tübingen 2000, ISBN 3-484-36554-4
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0

Weblinks


- [http://www.geocities.com/Paris/5276/osmanisches_reich.htm Geschichte des Osmanischen Reichs]
- [http://www.tuerkenbeute.de/kun/kun_leb/FrauenOsmanReich_de.php Frauen im Osmanischen Reich]
- [http://www.arte-tv.com/de/geschichte-gesellschaft/mit-offenen-karten/392,CmC=698878,CmPage=70.251900.259998.392,CmPart=com.arte-tv.www,CmStyle=98674,view=introduction.html DAS OSMANISCHE REICH 1/2 (auf "Karten" klicken)]
- [http://www.arte-tv.com/de/geschichte-gesellschaft/mit-offenen-karten/392,CmC=704620,CmPage=70.251900.259998.392,CmPart=com.arte-tv.www,CmStyle=98674,view=introduction.html DAS OSMANISCHE REICH 2/2 (auf "Karten" klicken)]
- [http://www.osmanischesreich.com Osmanisches Reich] kategorie:Islam Kategorie:Türkische Geschichte Kategorie:Turkvolk ja:オスマン帝国の君主 ko:오스만 제국

1656

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 2. Mai: Ein gewaltiges Feuer, welches in einer Backstube ausbrach, vernichtet das gotische Aachen
- König Karl X. Gustav von Schweden besiegt gemeinsam mit Brandenburg die polnische Armee bei Warschau
- Schweden erkennt die Souveränität des Kurfürsten von Brandenburg in Preußen an (Vertrag von Labiau)
- Christiaan Huygens stattet eine Uhr mit einer Unruh aus, um das bis dahin gebräuchliche Uhrgewicht und das Pendel zu ersetzen
- Bau der Cathedra Petri durch Gian Lorenzo Bernini bis 1666

Kultur


- 19. Februar: Uraufführung des musikalischen Dramas Orontea von Antonio Cesti in Innsbruck
- 13. Juli: Uraufführung des Dramas Theti von Antonio Bertali an der Hofburg Wien in Wien

Geboren


- 5. April: Franz Anton Freiherr von Landsberg, General und Gouverneur der Stadt Münster († 1727)
- 31. Mai: Marin Marais, französischer Gambund Komponist († 1728)
- 20. Juli: Johann Bernhard Fischer von Erlach, österreichischer Architekt († 1723)
- 8. November: Edmond Halley, britischer Astronom, erkannte die Periodizität des Halleyschen Kometen († 1742)

Gestorben


- 1. Februar: Rudolf von Drachenfels, deutscher Verwaltungsbeamter und Gelegenheitsdichter (
- 1582)
- 16. Februar: Johann Klaj, deutscher Dichter (
- 1616)
- 19. März: Georg Calixt, deutscher Theologe (
- 1586)
- 21. März: James Ussher, irischer anglikanischer Theologe und Verfasser einer Vielzahl theologischer und historischer Werke (
- 1581)
- 19. Juni: Hempo von dem Knesebeck, Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ (
- 1595)
- 15. Juli: Marco Aurelio Severino, italienischer Anatom und Chirurg (
- 1580)
- 11. August: Octavio Piccolomini, General Wallensteins und Kommandeur seiner Leibgarde (
- 1599)
- 8. Oktober: Johann Georg I. (Sachsen), Fürst aus dem Hause Wettin (albertinische Linie) (
- 1585)
- 6. November: Johann IV. (Portugal), König von Portugal, der erste Monarch aus dem Hause Braganza (
- 1604)
- 13. Dezember: Konrad Balthasar Pichtel, Jurist und Hofbeamter (
- 1605) ko:1656년

1680

Ereignisse

Kultur


- 6. Februar: Uraufführung der Oper L'Honestà negli Amori von Alessandro Scarlatti im Palazzo Bernini in Rom

Geboren


-