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Grafschaft Bentheim
Der Landkreis Grafschaft Bentheim ist ein Landkreis im Südwesten von Niedersachsen an der Staatsgrenze zu den Niederlanden und an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. Kreisstadt und größte Stadt des Kreises ist Nordhorn mit rund 53.000 Einwohnern.
Geographie
Die Grafschaft Bentheim liegt direkt an der niederländischen Grenze und ragt als
eine Bucht in das Nachbarland hinein. Die Grafschaft ist überwiegend landwirtschaftlich
geprägt, im Norden (in der Niedergrafschaft) befinden sich u.a. Moorgebiete, im Süden (in der Obergrafschaft) erstreckt sich mit dem Bentheimer Berg ein Ausläufer des Teutoburger Waldes (100 m ü.NN.). Es gibt viele Bäche und Seen sowie
einige Flüsse (Vechte, Dinkel).
Geschichte
Die Geschichte der Grafschaft Bentheim lässt sich bis in das Jahr 1050 zurückverfolgen: damals wurden Ortsnamen der Grafschaft Bentheim erstmalig urkundlich erwähnt.
Schüttorf ist die älteste Stadt der Grafschaft Bentheim. Graf Egbert verlieh der Stadt im Jahre 1295 die Stadtrechte. Im 14. Jahrhundert folgten weitere
Stadtgründungen wie Nordhorn, heute die größte Stadt und Kreisstadt der
Grafschaft Bentheim, und Neuenhaus entlang der Vechte.
Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Grafschaft Bentheim mehr und mehr zum Bindeglied des Hansehandels zwischen westfälischen Städten wie Münster und den niederländischen Städten Overijssels. Wichtige Handelswege führten sowohl per Schiff über die Vechte als auch per Pferd und Wagen über Straßen.
Die Niedergrafschaft blieb durch die schwer zugänglichen Moorgebiete lange Zeit
unterentwickelt, erst im 19. Jahrhundert entstanden die ersten Kolonistensiedlungen.
Erste Versuche, die Moorgebiete infrastrukturell zu erschließen, organisierten
die Nationalsozialisten in Form des Reichsarbeitsdienstes, der 1938
Strafgefangenenlager im Moor errichtete. Bekannte Namen sind Bathorn (Hoogstede), Alexisdorf (Neugnadenfeld) und Füchtenfeld (Wietmarschen).
Seit dem 19. Jahrhundert trat Nordhorn als eine der größten Städte der
Textilindustrie in Deutschland in Erscheinung. Zu den größten Unternehmen
zählten RAWE, Povel und NINO, in der Wirtschaftswunder-Zeit arbeiteten ca.
14.000 Menschen in den Textilfabriken. Heute existieren fast alle Textilunternehmen aus Nordhorn nicht mehr oder haben die Produktion ins Ausland verlagert.
Siehe auch: [http://www.hoeckmann.de/geschichte/bentheim.htm], [http://www.grafschaft.de/touristik/geografie/geogeschichte.html]
Politik
Kreistag
Dem Kreistag gehören 51 gewählte Abgeordnete und der Landrat an, ihm gehören seit der Kommunalwahl am 9. September 2001 sechs Parteien bzw. Wählergemeinschaften an.
Aktuelle Zusammensetzung des Kreistages:
- CDU - 27 Sitze
- SPD - 18 Sitze
- FDP - 2 Sitze
- Bündnis 90/Die Grünen - 2 Sitze
- UWG (Unabhängige Wählergemeinschaft) - 1 Sitz
- BfB (Wählergemeinschaft Bürger für Bürger) - 1 Sitz
Wirtschaft
Die geographische Lage, in unmittelbarer Nähe zu den Niederlanden, rückt das
Gebiet in eine zentrale Lage auf dem europäischen Binnenmarkt und hat Zugang zu
den europäischen Märkten. Es bestehen enge Kontakte zu wissenschaftlichen
Institutionen an den benachbarten Universitäten Osnabrück, Enschede, Münster, zu den Fachhochschulen in Ostfriesland, Osnabrück und Burgsteinfurt, zum Zentrum für Mikroelektronik in Enschede und zu verschiedenen anderen Organisationen.
Die Kreisstadt Nordhorn, wirtschaftliches und kulturelles Mittelzentrum der
Grafschaft, ist durch seinen "Gewerbe- und Industriepark (GIP)" bekannt. Seit Mitte der achtziger Jahre hat sich dort u. a. das Grafschafter TechnologieZentrum etabliert, eine Denkfabrik, die Hilfestellungen (Räume, Dienstleistungen, Management) für innovative Unternehmen von der
Produktentwicklung bis zur Produktreife bietet. Nach dem Niedergang der
Textilindustrie seit Beginn der 80er Jahre wandelte sich Nordhorn zu einer
Dienstleistungsstadt. In anderen Orten der Grafschaft gibt es vor allem
landwirtschaftliche Betriebe sowie handwerklich-produzierendes Gewerbe und
Handel, seit einigen Jahren auch verstärkten Tourismus.
Zu den größten Unternehmen gehören die Textilfirma WKS in Wilsum, die
Emsland-Stärke GmbH in Emlichheim, die W.A.S Ambulances and Security Vehicles in Wietmarschen und die [http://www.neuenhauser.de/ Neuenhauser Gruppe]in Neuenhaus.
Zu den wichtigsten Rohstoffen gehören Sand und Kies, die vornehmlich in Wilsum, Gölenkamp und Itterbeck abgebaut werden. In einigen Orten wird in einem eher kleinen Umfang Erdöl und Erdgas gefördert.
In früherer Zeit wurde zu dem der Bentheimer Sandstein im Raum Gildehaus abgebaut. Aus ihm wurden viele Kirchen und Rathäuser in der Region erbaut. Das bekannteste Gebäude ist das Amsterdamer Rathaus.
Verkehr
Die Grafschaft Bentheim liegt im Kreuzungsbereich der Autobahnen A 30 und A 31. Innerhalb einer Autostunde sind die Flughäfen Münster/Osnabrück (FMO) und Enschede (Niederlande) schnell erreichbar.
Das Schienennetz der Grafschaft Bentheim wird vor allem durch die Bentheimer Eisenbahn bestimmt, die auf ihrer Strecke von Bad Bentheim nach Coevorden aber nur noch Güterverkehr betreibt. Personenverkehr gibt es nur auf der Strecke von Rheine über Bad Bentheim in die Niederlande der Deutschen Bahn. Hier bestehen direkte Zugverbindungen nach Amsterdam und Berlin.
Tourismus & Kultur
In vielen Orten lässt sich in der Grafschaft Bentheim Urlaub machen, weitab von
lärmenden Großstädten in einer natürlichen und ruhigen Umgebung. In fast allen
Orten findet man Ferienwohnungen bzw. Ferien-auf-dem-Bauernhof-Angebote sowie
gastronomische Betriebe. Bekannt ist die Grafschaft Bentheim für ihren
Fahrradtourismus mit einem über 550 km langen Wegnetz.
In den Wilsumer Bergen befindet sich ein großer Campingplatz mit Badesee, der
über 1200 Stellplätze verfügt. Es gibt mehr als 30 Hotels, Pensionen und
Gasthöfe in der Grafschaft Bentheim, zahlreiche Restaurants, Bars und Kneipen
mit internationaler Küche lassen sich in Nordhorn und Umgebung finden.
Bad Bentheim ist eine Kurstadt mit vielfältigen Angeboten im Gesundheitsbereich,
die in der Fachklinik Bad Bentheim zusammengefasst sind, dazu gehört u.a. die
Mineraltherme zur Behandlung von dermatologischen Krankheiten.
Die Grafschaft Bentheim kann ein Freilichttheater in Bad Bentheim, den Konzert- und Theatersaal in Nordhorn, drei Kinos in Nordhorn sowie einige
heimatgeschichtliche Museen in anderen Ortschaften aufweisen. In Nordhorn lassen
sich die "Reste" der Textilindustrie besichtigen: Einerseits im Povelturm, einem
alten Treppenturm der gleichnamigen Textilfabrik, andererseits in der
Maschinenausstellung mit originalen Textilmaschinen aus mehr als 50 Jahren
Geschichte in der "Alten Weberei". In Bad Bentheim lässt sich die aus Sandstein erbaute Burg Bentheim
besichtigen. In Uelsen und Schüttorf gibt es die Großraumdiskotheken "ZAK" und
"INDEX". Im Sommer finden an fast jedem Wochenende Schützen- oder Volksfeste in Festzelten statt, dazu gibt es in einigen Orten größere (historische) Märkte und Festveranstaltungen. In vielen Orten gibt es Hallen- und Freibäder.
Städte und Gemeinden
Schüttorf
(Einwohnerzahlen vom 30. Juni 2005)
Einheitsgemeinden
#18px Bad Bentheim, Stadt (15.536)
#18px Nordhorn, Stadt, Selbständige Gemeinde (53.026)
#18px Wietmarschen (10.963)
Samtgemeinden
- 18px Samtgemeinde Emlichheim (14.001)
- 18px Samtgemeinde Neuenhaus (13.806)
- 18px Samtgemeinde Schüttorf (15.549)
- 18px Samtgemeinde Uelsen (11.226)
Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinden
- Sitz der Samtgemeindeverwaltung
Siehe auch
Bentheimer Landschwein
Weblinks
- [http://grafschaft.de/pdf/Zahlenspiegel2004.pdf Der Landkreis in Zahlen (PDF)]
- [http://www.grafschaft-bentheim.de/ Offizielle Website des Landkreises Grafschaft Bentheim]
- [http://www.hoeckmann.de/geschichte/bentheimkarte.htm Historische Karte der Grafschaft]
Grafschaft Bentheim
Bentheim, Grafschaft
Niederlande
Die Niederlande (niederländisch Nederland) sind Teil des Königreichs der Niederlande in Westeuropa. Sie sind einer der am dichtesten besiedelten Staaten der Welt. Rund ein Viertel des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels und ist mit rund 3.000 km Deichen geschützt.
Im deutsch- und englischsprachigen Raum wie auch in den Niederlanden selbst wird anstelle der offiziellen und korrekten Bezeichnung Niederlande umgangssprachlich häufig der Name Holland für das gesamte Staatsgebiet verwendet. Diese Bezeichnung stammt von der alten Grafschaft Holland her und bezieht sich eigentlich nur auf die heutigen Provinzen Nord- und Südholland. - Siehe dazu auch die Rubrik "Die Niederlande im deutschen Sprachgebrauch" am Seitenende.
Geografie
Räumliche Lage
Das ganze Landes liegt weniger als einen Meter über, einige Gebiete sogar unterhalb des Meeresspiegels.
Der höchste Punkt des Landes, der Vaalserberg im Südosten, befindet sich 322 m über dem Amsterdamer Pegel, dort liegt auch gleichzeitig das Dreiländereck zu Deutschland und Belgien. Die flachen Gebiete werden in der Regel durch Deiche vor Sturmfluten geschützt.
Teile der Niederlande, wie zum Beispiel fast die gesamte Provinz Flevoland, wurden durch Landgewinnung dem Meer abgewonnen. Sie werden als Polder bezeichnet.
Ungefähr ein Fünftel (18,41 %) der Landesfläche ist mit Wasser bedeckt, wovon den größten Teil das IJsselmeer ausmacht, eine ehemalige Nordsee-Bucht, die 1932 durch einen 29 km langen Abschlussdeich eingepoldert wurde.
Die wichtigsten Flüsse in den Niederlanden sind der Rhein, die Waal und die Maas.
Maas
Die Hauptwindrichtung in den Niederlanden ist Südwest, daraus resultiert ein gemäßigtes maritimes Klima mit kühlen Sommern und milden Wintern.
Siehe auch: Niederländische Inseln, Westfriesische Inseln
Nachbarländer
Die Niederlande grenzen im Westen und Norden an die Nordsee, im Osten an Deutschland und im Süden an Belgien.
Siehe auch: Städte in den Niederlanden
Bevölkerung
Die Niederlande sind mit etwa 480 Einwohnern pro Quadratkilometer Landfläche eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt (zum Vergleich: Deutschland 236, Monaco 16.435, Namibia 2).
Niederländisch ist die Amtssprache im gesamten Staat; daneben werden niederdeutsche Mundarten gesprochen. Das Friesische ist Amtssprache in der Provinsje Fryslân und dort auch Rundfunk- und Verwaltungssprache. Im Nordosten werden niedersächsische Dialekte gesprochen, im Südosten hochdeutsche Mundarten.
In den Niederlanden wohnen Einwanderer aus der ganzen Welt: Indonesien, Karibik, Südamerika, Afrika, Türkei, Polen etc.
Die wichtigsten Religionen (Stand: 2002) sind der Katholizismus (31 %), der Protestantismus (21 %) und der Islam (5,5 %). Die meisten Protestanten gehören einer calvinistischen Kirche an.
40 % der Niederländer fühlen sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig.
Die katholische Bevölkerung lebt vor allem im Süden, die protestantische vor allem im Norden des Landes.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte der Niederlande
Nach der Aufteilung des Frankenreiches gehörten die niederen Lande zum ostfränkischen Königreich (Regnum Teutonicae) und danach zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Unter Kaiser Karl V., der zugleich spanischer König war, war das Land in siebzehn Provinzen aufgeteilt und umfasste auch den Großteil des heutigen Belgiens. Nach der Unabhängigkeitserklärung der sieben nördlichen Provinzen (Allianz von Utrecht) vom 23. Januar 1579 und dem folgenden Achtzigjährigen Krieg gegen die spanischen Habsburger wurde die formelle Unabhängigkeit von Spanien im Westfälischen Frieden am 15. Mai 1648 besiegelt, der, gleichzeitig mit der Schweiz, zur Trennung vom mittelalterlichen deutschen Reich führte. Dieses Datum gilt als Geburtstag der heutigen Niederlande.
In der Folge wuchsen die Niederlande (de nederen duitsche landen) als Republik der Vereinigten Niederlande, zu einer der größten See- und Wirtschaftsmächte des 17. Jahrhunderts. Während dieser Zeit wurden Kolonien und Handelsposten auf der ganzen Welt errichtet. Bekannt ist die Gründung von Nieuw Amsterdam, welches später in New York umbenannt wurde. In Asien schufen die Niederländer ihr Kolonialreich 'Nederlands-Indie', das heutige Indonesien, welches erst 1946 unabhängig wurde. Auch im nordöstlichen Südamerika (Surinam) und der Karibik entstanden Niederländische Kolonien (Aruba, Curaçao), (Bonaire), (Saba), (St. Eustatius) und (St. Maarten); diese Inseln sind heute stiller Teil der niederländischen Monarchie (Königreich).
1796 wurde mit französischer Unterstützung die Batavische Republik gegründet (benannt nach dem germanischen Stamm, der das Gebiet zwischen Rhein und Maas zuerst besiedelt hatte, den Batavern); 1806 machte Napoleon daraus das Königreich Holland.
Nach der Einverleibung durch Frankreich unter Napoleon I. wurde 1815 das Königreich der Niederlande gegründet, das auch das heutige Belgien umfasste. Erster König wurde Wilhelm I. aus dem Haus Oranien-Nassau. Belgien und damit das die niederfränkischen Flandern erlangte nach der belgischen Revolution von 1830 seine Unabhängigkeit, die allerdings erst 1839 von Wilhelm I. anerkannt wurde.
Der niederländische König war gleichzeitig Großherzog von Luxemburg, wo das Salische Gesetz kein weibliches Staatsoberhaupt zuließ. Als Wilhelm III. bei seinem Tod 1890 nur eine Tochter (Königin Wilhelmina) hinterließ, ging der Luxemburger Thron auf eine andere Erbfolgelinie im Haus Nassau über und Wilhelms Vetter Adolf von Nassau übernahm dort die Regierung.
Die Niederlande blieben im Ersten Weltkrieg offiziell neutral und konnten sich auch erfolgreich aus dem Krieg halten. Sie hielten ihre Truppen aber dennoch bis zum Kriegsende mobilisiert und hatten überdies mit einer großen Flüchtlingswelle zu tun.
Auch im Zweiten Weltkrieg versuchte die niederländische Regierung zunächst, sich aus dem Krieg herauszuhalten. Anderslautenden Warnungen glaubte sie nicht. Hitler jedoch befahl die Okkupation der Niederlande um so Frankreich unter Umgehung der "Maginot Linie" von Norden her einnehmen zu können. Nach dreitägigem Kampf zwangen die deutschen Truppen am Abend des 14.Mai 1940 die Niederlande mit dem Bombardement von Rotterdam zur Aufgabe. Die Innenstadt wurde durch Bomben und durch die anschließenden Brände weitgehend zerstört. Es war das erste Flächenbombardement im zweiten Weltkrieg. Die Niederlande waren von Mai 1940 bis Mai 1945 besetzt. Viele Niederländer arrangierten sich mit dem Regime und viele Mitläufer verinnerlichten auch die Ideologie eines großdeutschen bzw. großgermanischen Reiches. Die Judenverfolgung schlug in den Niederlanden besonders heftig zu: aus keinem anderen europäischen Land wurde ein so großer Bevölkerungsanteil abtransportiert. Noch immer ist die Rolle niederländischer Verwaltungsstellen und etwa der Niederländischen Eisenbahn beim Abstransport der Juden nicht restlos geklärt. Die Bevölkerung hatte aber mehrheitlich unter der Besatzung zu leiden und auch unter der Judenverfolgung (Anne Frank). Der südliche Teil der Niederlande wurde in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 von den Alliierten befreit, der Norden des Landes erst durch das Kriegsende. 1949 kam die westdeutsche Stadt Elten (bei Kleve) mit Umgebung bis 1963 unter niederländische Verwaltung. Deren Bewohner blieben formal bundesdeutsche Staatsbürger, erhielten allerdings niederländische Pässe und wurden auch niederländischen Staatsbürgern rechtlich gleichgestellt. Forderungen nach Angliederung von Teilen des Münsterlandes und des grenznahen Rheinlandes an die Niederlande, deren Bürger niedersächsische und niederfränkische Dialekte - ebenso wie in den Niederlanden - sprachen, konnte sich in den Niederlanden letztlich jedoch nicht durchsetzen.
Im Februar 1953 verheerte eine Sturmflut den Südwesten der Niederlande und forderte 1800 Tote.
Die Niederlande sind Gründungsmitglied der Benelux-Wirtschaftsunion (seit 1944 geplant, am 3. Februar 1958 festgelegt und am 1. November 1960 in Kraft getreten). Sie waren ebenfalls Mitbegründer der NATO und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (und damit der Europäischen Union).
In der jüngsten Vergangenheit stand das multikulturelle politische Toleranzmodell der Niederlande auf dem Prüfstand. Ihre liberale Politik machte den Weg auch für eingewanderte radikale Islamisten und so genannte Hassprediger frei: Am 2. November 2004 kam es zum Mord an dem Regisseur Theo van Gogh. Die Folge des Mordes waren Anschläge auf Moscheen und Hassbekundungen gegen muslimische Bürger. Große Bevölkerungsteile fordern seither eine rigorose Politik gegen gewalttätige Einwanderer und eine Änderung der zu liberalen Einwanderungspolitik. Zahlreiche Politiker können seither nur noch unter Polizeischutz arbeiten und werden weiterhin von Islamisten bedroht.
Politik
Seit dem Ende der französischen Revolution im Jahre 1815 sind die Niederlande eine konstitutionelle Monarchie mit dem Königshaus Oranien-Nassau an der Spitze. Es herrscht allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahren.
Staatsoberhaupt
Staatsoberhaupt seit 1980 ist Königin Beatrix von Oranien-Nassau.
Gemäß der Verfassung ist sie Mitglied der Regierung und ernennt die Minister. In der Praxis lässt sie nach Wahlen einen informateur (meist ein hoher Beamter) die Parlamentsfraktionen befragen. Nach dessen Berichterstattung bestellt die Königin einen formateur, der das Kabinett zusammenstellt. Dabei kann es sich bereits um den künftigen Ministerpräsidenten handeln.
Parlament
Das Parlament (Staten-Generaal, Generalstände) besteht aus zwei Kammern.
Die Wahl der 150 Mitglieder der Zweiten Kammer (Tweede Kamer) findet im Normalfall alle vier Jahre statt. Diese Kammer ist das Parlament im eigentlichen Sinne, als Volksvertretung und Kontrolle der Regierung.
Die Erste Kammer (Eerste Kamer), inoffiziell auch Senat genannt, setzt sich aus 75 Vertretern der Provinzparlamente zusammen, die ebenfalls alle vier Jahre gewählt werden. Die Arbeit der Ersten Kammer besteht vor allem in der Begutachtung von Gesetzen, die die Zweite Kammer erarbeitet hat; unter Umständen kann die Erste Kammer ein Gesetz durch ein Veto blockieren.
Der heutige Ministerpräsident Jan Peter Balkenende von den Christdemokraten ist seit 2002 im Amt.
Parteien
- Christlich-Demokratischer Apell/CDA (christlich-konservativ)
- Partei der Arbeit/PvdA (sozialdemokratisch)
- Volkspartei für Freiheit und Demokratie/VVD (liberal-konservativ)
- Sozialistische Partei/SP (links)
- Liste Pim Fortuyn/LPF (rechtspopulistisch)
- Grüne Linke/GL (ökologisch und sozialistisch)
- Democraten 66/D66 (sozial-liberal)
- Christen Union/CU (extrem christlich-konservativ)
- Staatskundig Reformierte Partei/SGP (extrem christlich-konservativ)
- Neue Kommunistische Partei der Niederlanden/NCPN (kommunistisch)
Siehe auch: Liste der niederländischen Ministerpräsidenten
Gesellschaftspolitik
In den letzten Jahrzehnten wurden die Niederlande unter anderem für ihre liberale gesetzliche Reglementierung weicher Drogen (siehe Coffee Shop), der Prostitution (sie ist ein gesetzlich anerkanntes Gewerbe und Prostituierte sind daher sozialversichert), von Abtreibung und Sterbehilfe bekannt. Die Niederlande gehörten auch zu den ersten Staaten, die die Ehe für Homosexuelle ermöglichten.
Mit Ausnahme der so genannten Randstad (Amsterdam, Rotterdam und Den Haag) hinken Offenheit und Toleranz in der Bevölkerung der eigenen liberalen Gesetzgebung jedoch noch Jahrzehnte hinterher und die Intoleranz wird hinter der vor allem in den Medien und der Politik demonstrativ vorgetragenen Political Correctness versteckt. So ist es in einigen Teilen des Landes um die Akzeptanz offen gelebter Homosexualität weit schlechter bestellt als in den meisten Teilen Deutschlands und oftmals finden verbale oder gar gewalttätige Übergriffe gegenüber Homosexuellen statt.
Am 2. November 2004 wurde der islamkritische Filmregisseur Theo van Gogh in Amsterdam ermordet. In Folge kam es zu Brandanschlägen auf Moscheen und zu moslemischen Übergriffen auf Kirchen. Die Vorfälle lösten heftige Diskussionen über die Integration von Ausländern und über das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen aus.
Militär
Es besteht keine allgemeine Wehrpflicht. Die Streitkräfte umfassen insgesamt 53.130 Personen, davon entfallen auf das Heer 23.150, auf die Luftwaffe 11.050 und auf die Marine 12.130 Soldaten. Die Militärausgaben betragen 1,6 % des BIP (zum Vergleich, Deutschland: 1,5 %, USA: 3,4 %). Die Führung des niederländischen Heeres ("Koninklijke Landmacht") ist durch das 1. D/NL-Korps eng mit der Deutschen Bundeswehr verzahnt.
Provinzen
1579 mit sieben Provinzen begonnen, kamen später die sogenannten Generalitätslande (NL: generaliteitslanden) als Provinzen Nord-Brabant und Limburg hinzu. Drenthe wurde ebenfalls eine eigene Provinz, und die dominierende Provinz Holland wurde 1840 aufgespalten in Nord-Holland und Süd-Holland. Die jüngste Provinz ist Flevoland, das erst 1986 als Provinz gegründet wurde. Seit dem 1. Januar 1986 gliedern sich die Niederlande in 12 Provinzen (NL: provincies).
Die Provinzen wiederum gliedern sich in 483 Gemeinden (gemeenten).
Wirtschaft
Hauptartikel: Wirtschaft der Niederlande
Die Niederlande haben ein gut funktionierendes, offenes Wirtschaftssystem.
Seit den 1980er Jahren hat die Regierung ihre ökonomischen Eingriffe weitgehend zurückgenommen.
Beim produzierenden Gewerbe dominieren Nahrungsmittel- und chemische Industrie, Erdölraffinerien und die Herstellung von Elektrogeräten.
Lange vor seinen europäischen Nachbarn sorgte das Land für einen ausgewogenen Staatshaushalt und bekämpfte erfolgreich die Stagnation im Arbeitsmarkt.
Die moderne und hoch technologisierte Landwirtschaft ist außerordentlich produktiv: neben Getreide-, Gemüse-, Früchte- und Schnittblumenanbau - die Tulpenzüchtung beeinflusste sogar die Geschichte des Landes - gibt es noch Milchviehhaltung in großem Maßstab. Letztere liefert die Grundlage für den Holländer Käse als wichtiges Exportprodukt.
Die niederländische Landwirtschaft beschäftigt knapp unter 4 % der Arbeitnehmer, trägt jedoch erheblich zum Export bei. Die Niederlande sind nach den USA und Frankreich der weltweit drittgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse.
Als Mitbegründer der Euro-Zone wurde in den Niederlanden für Bankgeschäfte am 1. Januar 1999 die vorherige Währung, der Gulden, durch den Euro ergänzt.
Drei Jahre später, am 1. Januar 2002, ersetzen die Euromünzen und -banknoten für die Konsumenten den Gulden als Zahlungsmittel.
Naturressourcen
Die Niederlande verfügen über Erdgaslager, aus denen nahe Groningen sowie in der südlichen Nordsee in großem Maßstab gefördert wird. 1996 wurden 75,8 Mrd. m³ (nach BP) gefördert. Damit stehen die Niederlande im Ländervergleich bei der Erdgasförderung auf Platz fünf, nach Russland (561,1 Mrd. m³), USA (546,9 Mrd. m³), Kanada (153,0 Mrd. m³) und Großbritannien (84,6 Mrd. m³). Weiterhin gibt es an der emsländischen Grenze kleinere Erdölreserven und größere Salzlagerstätten bei Delfzijl und Hengelo. Abgesehen von Torf (u. a. im Bourtanger Moor) verfügen die Niederlande über keine weiteren nennenswerten Bodenschätze.
Kultur
Feiertage
Malerei
Viele weltberühmte Maler waren Niederländer.
Die Blütezeit der Republik im 17. Jahrhundert, das sogenannte Goldene Zeitalter brachte große Künstler wie Rembrandt van Rijn, Johannes Vermeer, Frans Hals, Carel Fabritius, Gerard Dou, Paulus Potter oder Jan Steen hervor.
Berühmte Maler späterer Epochen waren Vincent van Gogh und Piet Mondriaan. M. C. Escher ist ein bekannter Grafiker.
Architektur
Niederländische Architekten gaben wichtige Impulse für die Architektur des 20. Jahrhunderts. Hervorzuheben sind vor allem Hendrik Petrus Berlage und die Architekten der De Stijl-Gruppe (Robert van't Hoff, J.J.P. Oud, Gerrit Rietveld). Johannes Duiker war ein Vertreter des Neuen Bauens. Die sogenannte Amsterdamer Schule (Michel de Klerk) leistete einen bemerkenswerten Beitrag zur expressionistischen Architektur.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg traten innovative niederländische Architekten hervor. Aldo van Eyck und Herman Hertzberger prägten die Architekturströmung Strukturalismus. Piet Blom wurde durch seine eigenwilligen Baumhäuser bekannt.
Wissenschaft
Aus den Niederlanden stammten Erasmus von Rotterdam, Baruch Spinoza und Christiaan Huygens. René Descartes verbrachte den Großteil seiner Schaffenszeit in den Niederlanden. Überhaupt fanden seit der frühen Neuzeit zahlreiche verfolgte Wissenschaftler in den Niederlanden Asyl und Wirkungsmöglichkeiten.
Die moderne Soziologie verdankt ihrem niederländischen Begründer S. Rudolf Steinmetz bedeutende Anregungen.
Literatur
Im "Goldenen Zeitalter" (De Gouden Eeuw) der Niederlande blühte neben der Malerei auch die Literatur, als bekannteste Vertreter wären Joost van den Vondel und P. C. Hooft zu nennen.
Wichtige Autoren im 20. Jahrhundert waren Harry Mulisch, Jan Wolkers und Simon Vestdijk.
Und während der deutschen Besatzung verfasste Anne Frank in Amsterdam ihr weltbekanntes Tagebuch.
Musik
Das niederländische Musikleben war im Bereich der klassischen Musik lange Zeit nicht auf dem Niveau anderer europäischer Staaten organisiert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts fand eine Professionalisierung statt und es bildeten sich zahlreiche Orchester und Kammerensembles. Wichtige Komponisten im 20. Jahrhundert sind Julius Röntgen, Willem Pijper, Mathijs Vermeulen, Louis Andriessen, Otto Ketting, Ton de Leeuw, Theo Loevendie, Misha Mengelberg, Tristan Keuris und Klaas de Vries (Liste niederländischer und flämischer Komponisten). Die wohl bekannteste niederländische Rockband Golden Earring hatte in den 1970er Jahren ihren größten Hit mit "Radar Love".
Die Niederlande haben eine sehr lebendige Musik-Szene auf hohem Niveau. Es gibt zahlreiche Veranstaltungslokale und in den Medien wird den Künstlern viel Raum gegeben. Seit einigen Jahren ist "nederlandstalige muziek", Musik in der Landessprache sehr erfolgreich. Die berühmtesten Pop/Rockbands sind Blof, die meistgespielte Band im niederländischen Radio der vergangenen Jahre, und [http://www.acdaendemunnik.nl/ Acda en de Munnik], ein Duo, das mit Kleinkunstprogrammen bekannt geworden ist. Noch höhere Plattenverkaufszahlen erzielen Schlagerkünstler, wie Marco Borsato und [http://www.fransbauer.nl/ Frans Bauer]. Bekannte niederländische Rapper sind Ali B und Lange Frans & Baas B.
Natursehenswürdigkeiten
- De Hollandse Biesbosch, eine Fluss- und Sumpflandschaft
- Keukenhof
- die Nationalparks De Hoge Veluwe und Veluwezoon in der Veluwe
- die Naturschutzgebiete auf Texel
- Reeuwijkse Plassen bei Gouda
- Schiermonnikoog
- Die Deltawerke Schutzwehre gegen Sturmfluten. Gebaut nach der Sturmflut von 1953
Landesübliche Küche
Das inoffizielle Nationalgericht Stamppot ist zumeist eine passierte Mischung aus Kartoffeln und Gemüse. Häufig wird dabei Grünkohl (niederl. Boerenkool) verwendet. Teilweise werden auch angebratene Zwiebeln mit Schinkenspeck untergemengt.
Eine regelrechte Snackbarkultur ist in den letzten Jahrzehnten entstanden. In diesen Fastfoodrestaurants erhält man Pommes Frites (niederl. Patat) mit Mayonnaise, Ketchup (auch gemischt mit Zwiebeln = special) oder Erdnusssoße (niederl. Pindasaus).
Letztere hat sich durch die Einflüsse der Kolonialzeit etabliert. Überhaupt sind indonesische Einflüsse in der niederländischen Küche kaum zu übersehen, auch wenn die meisten Gerichte dem holländischen Geschmacksempfinden angepasst wurden.
Neben den Pommes Frites werden in den Snackbars auch fritierte Fleisch- und Käsegerichte angeboten.
Eine wirkliche Einzigartigkeit stellt der "Hollandse Nieuwe" dar. Dabei handelt es sich um rohe Heringsfilets, die am Schwanz gehalten über Kopf verzehrt werden, und über viele wertgebende Inhaltsstoffe verfügen sollen.
International bekannt ist der niederländische Käse (niederl. Kaas), der sowohl als Brotbelag als auch in Stücke geschnitten verzehrt wird. Am weitesten verbreitet ist der Gouda, der seinen Ursprung in der gleichnamigen Stadt hat. Er ist in unterschiedliche Reifegrade eingeteilt. Jonger Kaas ist am kürzesten gelagert und schmeckt sahnig mild. Belegen ist die nächste Stufe mit einem würzigem Geschmack und einer festen Konsistenz. Oude Kaas ist die teuerste und aromatischste Lagerstufe. Besonders bekannt ist der "Oud Amsterdam".
Das niederländische Frühstück ist eher spärlich und besteht meist aus einem Brot und einer Tasse Kaffee. Mittags gibt es ebenfalls belegte Brote dazu Milch oder Buttermilch.
Die Hauptmahlzeit stellt das Abendbrot dar, welches aus warmen Speisen besteht und gegen fünf Uhr nachmittags eingenommen wird.
Die Niederlande im deutschen Sprachgebrauch
Der grammatikalisch richtige Gebrauch des Namens Niederlande ist vielen Sprechern nicht geläufig, was zu der fälschlichen Verwendung des Namens Holland beiträgt. Niederlande stellt eine Pluralform dar; vergleichbar mit den USA (die USA). Den Ländernamen gibt es im Singular nicht.
Die Deklinationstabelle lautet wie folgt:
- Nominativ Plural: die Niederlande
- Genitiv Plural: der Niederlande
- Dativ Plural: den Niederlanden
- Akkusativ Plural: die Niederlande
Beispielsätze
- Nominativ: Die Niederlande sind Mitglied der EU.
- Genitiv: Das Bruttosozialprodukt der Niederlande beträgt x Euro.
- Dativ: Deutschland hat den Niederlanden Hilfe versprochen.
- Akkusativ: Viele deutsche Touristen besuchen die Niederlande.
Bei Satzkonstruktionen mit in ist zu beachten, dass in sowohl mit richtungsanzeigendem Akkusativ als auch mit ortsanzeigendem Dativ gebraucht werden kann:
- Ich fahre in die Niederlande. (richtungsanzeigender Akkusativ)
- Ich bin in den Niederlanden. (ortsanzeigender Dativ)
Weitere Themen
- Tourismus in den Niederlanden
- Nationalparks in den Niederlanden
- Liste der Bahnhöfe in den Niederlanden
- Niederländische Kolonien
- Niederländisch-Indien
- Liste der Königinnen und Könige der Niederlande
- Liste bekannter Niederländer
- Portal:Niederlande
- Portal:Benelux
- Niederlandistik Über Niederländische Sprache und Kultur
Weblinks
- [http://www.government.nl Offizielle Netzpräsenz der Regierung der Niederlande (englisch)]
- [http://www.koninklijkhuis.nl/ Offizielle Netzpräsenz des niederländischen Königshauses]
- [http://www.niederlandenet.de NiederlandeNet.de: Größtes Informationsportal über die Niederlande und die deutsch-niederländischen Beziehungen in deutscher Sprache]
- [http://www.niederlandeweb.de Offizielle Netzpräsenz der niederländischen Botschaft und Generalkonsulate in Deutschland]
- [http://www.netherlands-embassy.at Offizielle Netzpräsenz der niederländischen Botschaft in Wien]
- [http://www.niederlande-im-unterricht.de Deutsches Unterrichtsmaterial über die Niederlande für diverse Fächer, ausgerichtet auf die Lehrpläne Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=123 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes - [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-karten/karten.cgi?action=detail&templ=01_01_karten_detail&id=29 Karte: Die Niederlande um 1620 : Historische Karten (Haus der Bayerischen Geschichte)]
Kategorie:Staat
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Kategorie:Monarchie
Kategorie:Land in der EU
als:Niederlande
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Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen liegt im Westen Deutschlands und ist mit über 18 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Bundesrepublik Deutschland, flächenbezogen mit 34.080 km² das viertgrößte. Die Landeshauptstadt ist Düsseldorf, die größte Stadt ist Köln.
Geografie
Räumliche Lage
Nordrhein-Westfalen ist im Norden geprägt durch das Westfälische Tiefland. Sauerland, Bergisches Land und Siegerland im Süden sind dicht bewaldet mit beachtlichen Höhenzügen von 500 bis über 800 Metern. Im Westen schließen sich die Eifel und der Niederrhein daran an. Im Zentrum Nordrhein-Westfalens liegt das Ruhrgebiet mit den Städten Bottrop, Gelsenkirchen und Herne am Nordrand, Dortmund, Hamm und Hagen im östlichen Teil, Bochum, Essen und Mülheim an der Ruhr an der Südseite sowie Duisburg und Oberhausen im Westen. Weitere große Städte sind im Norden Münster, im Osten Bielefeld und Paderborn, im Süden Siegen und im (Süd-)Westen Bonn, Köln, Aachen, Mönchengladbach und Krefeld und die bergischen Städte Wuppertal, Remscheid und Solingen sowie die von Köln rheinabwärts, südlich des Ruhrgebiets liegende Landeshauptstadt Düsseldorf.
Nachbarländer
Nordrhein-Westfalen grenzt im Norden an das Land Niedersachsen, im Osten an Hessen und im Süden an Rheinland-Pfalz sowie im Westen an Belgien und an die Niederlande.
Regionen
Im Gegensatz zu anderen Bundesländern (z.B. Baden-Württemberg) gibt es in Nordrhein-Westfalen keine einheitlichen Verwaltungsstrukturen mit der Bezeichnung "Region". Das Land ist als politisches Kunstgebilde durch die Britische Militätverwaltung 1946 zur Verhinderung einer Viermächteaufteilung des Ruhrgebiets ähnlich Berlins gebildet worden. Nordrhein-Westfalen unterteilt sich grob in die drei Landesteile: Nordrhein, steht für das nördliche Rheinland, dazu kommen Westfalen und Lippe (seit 1947). Darunter wird naturräumlich und sozio-kulturell in weitere Regionen mit landschaftlichen Bezügen unterteilt.
Landschaften
siehe: Liste der Landschaften in Nordrhein-Westfalen
Berge
Höchster Berg ist der Langenberg (843,1 m)
:Weitere Berge siehe: Liste der Berge und Erhebungen in Nordrhein-Westfalen
Verwaltungsgliederung
Liste der Berge und Erhebungen in Nordrhein-Westfalen]
Landesverwaltung
In Nordrhein-Westfalen besteht die Landesverwaltung aus den
- Landesministerien
- Landesoberbehörden
- Landesmittelbehörden und den
- Unteren Landesbehörden.
Bezirksregierungen
Landesministerien
Schon seit einiger Zeit wird diskutiert, die Zahl der Regierungsbezirke auf drei zu reduzieren. Alle Kommunen im Ruhrgebiet, die im Regionalverband Ruhr organisiert sind, sollen danach in einem Regierungsbezirk zusammengefasst werden. Die übrigen Teile des Landes sollen dann den Regierungsbezirken Rheinland und Westfalen zugeteilt sein. Die Landschaftsverbände sollen hierbei aufgelöst werden.
Die Umsetzung dieser Idee ist von der 2005 gebildeten CDU / FDP-Landesregierung bis 2012 angekündigt worden. Danach soll es künftig drei Regionalpräsidien Rheinland, Ruhrgebiet und Westfalen geben, die die noch aus preußischer Zeit übernommenen Regierungsbezirke anpassen sollen.
Diese Planungen berühren allerdings auch historische und staatsrechtliche Fragen, da sowohl der betroffene Regierungsbezirk Detmold als auch der bisherige Landschaftverband Westfalen-Lippe im Rahmen des Beitrittes des ehemaligen Freistaates Lippe nach Nordrhein-Westfalen 1947 in den [http://de.wikisource.org/wiki/Lippische_Punktationen Lippischen Punktationen] - 1) mit klaren Zusagen an Lippe geregelt wurden. Daneben gibt es regionale Widerstände, welche die angesprochenen Verwaltungseinheiten als zu groß und zentralistisch kritisieren.
- 1) über die staatsrechtliche Bedeutung gibt es gegenläufige Rechtsauffassungen
Kommunale Selbstverwaltung
Die Kommunale Selbstverwaltung wird in Nordrhein-Westfalen wahrgenommen von den Kreisen, den kreisangehörigen Gemeinden und Städten, den kreisfreien Städten, den verschiedenen Zweckverbänden, z.B. dem Regionalverband Ruhr, dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg sowie den beiden Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe.
Kreise
Das Land Nordrhein-Westfalen gliedert sich in 31 Kreise. Nicht zu den Kreisen gehören die kreisfreien Städte.
Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe
(Kfz-Kennzeichen)
Städte und Gemeinden
Das Land Nordrhein-Westfalen ist in 396 Städte und Gemeinden gegliedert. Davon sind 23 kreisfreie Städte und 373 kreisangehörige Städte und Gemeinden.
Größte Städte
siehe
- Liste der Orte in Nordrhein-Westfalen
Kreisfreie Städte
(Kfz-Kennzeichen)
Landschaftsverbände
In Nordrhein-Westfalen gibt es im Rahmen der Kommunalen Selbstverwaltung auf der staatlichen Mittelinstanz die Landschaftsverbände Rheinland in Köln und Westfalen-Lippe in Münster.
Bevölkerungsentwicklung
(jeweils am 31. Dezember d.J.)
Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen
Gründung
Nach dem Zweiten Weltkrieg erhält Nordrhein-Westfalen seine rechtlichen Grundlagen mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23. August 1946 „Betreffend die Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbständige Länder“. Aus dem nördlichen Teil der preußischen Rheinprovinz und der preußischen Provinz Westfalen wird das neue Land Nordrhein-Westfalen gebildet. 1947 muss der bisherige Freistaat Lippe auf Betreiben der Briten seine Selbstständig aufgeben und entscheidet sich nach Verhandlungen mit beiden benachbarten Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (beide britische Verwaltungszone) für den Anschluss nach Nordrhein-Westfalen. Am 21. Januar 1947 tritt durch die britische Militärverordnung Nr. 77 die Vereinigung in Kraft.
Nordrhein-Westfalen hatte seinerzeit 11,8 Millionen Einwohner.
Historische Eckdaten
- 8. Mai 1949: Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland wird verabschiedet. Nordrhein-Westfalen wird Bundesland.
- 10. Mai 1949: Der Parlamentarische Rat bestimmt Bonn zur vorläufigen Bundeshauptstadt.
- 18. Juni 1950: Annahme der Verfassung durch Volksentscheid.
- 10. März 1953: Das Landesgesetz über die Landesfarben, -flagge und wappen wird verabschiedet.
- 12. Mai 1953: Die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe werden gegründet.
- 11. Mai 1954: Die Gründung des Westdeutschen Rundfunks wird beschlossen.
- 30. Juni 1965: Die Landesregierung eröffnet die Ruhr-Universität in Bochum.
- 12. Dezember 1968: Die Landesregierung eröffnet die Universität Dortmund.
- 1. Juli 1969: Die erste Stufe der Neugliederung der Gemeinden und Kreise tritt in Kraft. Hierdurch wird zunächst die Zahl der Gemeinden im Land reduziert.
- 1. August 1971: Das Bildungsangebot in Nordrhein-Westfalen wird um 15 Fachhochschulen in Aachen, Bielefeld, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Hagen, Köln, Krefeld, Lemgo, Münster, Paderborn, Siegen und Wuppertal erweitert.
- 16. Mai 1972: Es folgen die Gesamthochschulen in Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal sowie
- 1975 die einzige deutsche Fernuniversität in Hagen.
- 1. Januar 1975: Die zweite Stufe der Neugliederung der Gemeinden und Kreise tritt in Kraft. Hierdurch wird nochmals die Zahl der Gemeinden reduziert und alle Kreise im Lande neugeordnet.
- 17. Oktober 1994: Die neue Kreisordnung und die neue Gemeindeordnung treten in Kraft, nach der die kommunale Doppelspitze abgeschafft wird. Gleichzeitig wird die Direktwahl der Landräte und der Oberbürgermeister bzw. Bürgermeister eingeführt.
- 6. Juli 1999: Der Verfassungsgerichtshof des Landes Nordrhein-Westfalen erklärt die Fünf-Prozent-Hürde bei Kommunalwahlen für verfassungswidrig. Die Klausel wird daraufhin im Kommunalwahlgesetz gestrichen.
- 1. Januar 2003: Alle Gesamthochschulen werden in ausschließliche Universitäten überführt.
- 22. Mai 2005 Die SPD verliert bei der Wahl des 14. Landtages nach 25 Jahren den Status als stärkste Fraktion und wird nach 39-jähriger Regierung (seit 1995 mit den Grünen) von den Wählern in die Oppositon geschickt. Die bisherige Opposition aus CDU und FDP tritt in Koalitionsverhandlungen ein.
- 22. Juni 2005 Knapp 39 Jahre nach dem Sturz von Franz Meyers durch ein konstruktives Misstrauensvotum am 8. Dezember 1966 wird mit Jürgen Rüttgers erstmals wieder ein CDU-Politiker zum Ministerpräsidenten gewählt.
Politik
Siehe Hauptarikel: Politisches System Nordrhein-Westfalens
Ministerpräsidenten
Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist Jürgen Rüttgers. Er wurde am 22. Juni 2005 der Nachfolger von Peer Steinbrück, nachdem die CDU am 22. Mai 2005 die Landtagswahl gewonnen hatte.
Wahlergebnis am 22. Mai 2005
Das amtliche Endergebnis der Wahl ist:
Siehe auch Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005
Siehe auch Landtagswahlergebnisse aus Nordrhein-Westfalen seit 1947
Weitergehende Informationen beim [http://www.im.nrw.de/bue/75.htm Landeswahlleiter NRW]
Wappen und Flagge
Das Landeswappen spiegelt die räumliche Zusammensetzung des Landes wider. Es besteht auf der linken Seite aus dem Symbol für den Rhein, auf der rechten Seite aus dem Pferd, dem Symbol für die Region Westfalen, und im unteren Winkelfeld aus der Lippischen Rose für das Lipperland.
Wegen häufiger Anfragen hat das Land ein Wappenzeichen entwerfen lassen, das dem Wappen ähnelt aber im Gegensatz zu ihm von jedermann genehmigungsfrei verwendet werden kann. Die Benutzung des Landeswappens hingegen ist genehmigungspflichtig und grundsätzlich nur den Behörden gestattet.
Die Landesflagge ist den Farben des Wappens entsprechend grün-weiß-rot; die Landesdienstflagge trägt zusätzlich das Landeswappen.
Sprache
- Dialekte in Nordrhein-Westfalen.
Kulinarisches
- Nordrheinische Küche
- Westfälische Küche
Literatur
Hartmann, Jürgen (Hrsg.): Handbuch der deutschen Bundesländer. Bonn 1997
Siehe auch
- Portal:Nordrhein-Westfalen
Weblinks
- [http://www.nrw.de Website des Landes Nordrhein-Westfalen]
- [http://www.nrw-tourismus.de Nordrhein-Westfalen Tourismus e.V.]
- [http://www2.stadtplandienst.de/nordrheinwestfalen.asp Nordrhein-Westfalen im Deutschen Stadtplandienst]
- [http://www.im.nrw.de/bue/75.htm# Wahlergebnisse (Innenministerium)]
-
als:Nordrhein-Westfalen
ja:ノルトライン=ヴェストファーレン州
ko:노르트라인베스트팔렌 주
simple:North Rhine-Westphalia
Nordhorn
Kategorie:Wikipedia:Qualitätssicherung
Die Diskussion über diesen Antrag findet auf der Qualitätssicherungsseite statt.
Hier der konkrete Grund, warum dieser Artikel auf den QS-Seiten eingetragen wurde: Runderneuerung des Textes ist dringend notwendig. RainerBi ✉ 19:33, 21. Nov 2005 (CET)
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Die Stadt Nordhorn ist die Kreisstadt des Landkreis Grafschaft Bentheim und liegt im äußeren Südwesten Niedersachsens, in der Nähe zur Grenze zum Königreich der Niederlande und zum Bundesland Nordrhein-Westfalen an der Vechte. Die nächstgrößere Stadt ist Enschede auf niederländischer Seite, etwa 30 km südwestlich von Nordhorn. Auf deutscher Seite sind Münster, etwa 85 km südöstlich, und Osnabrück, etwa 90 km östlich, die nächsten Großstädte.
Der Name Nordhorn wird im Volksmund Nothoorn oder auch Notthöörntin genannt. Die urkundlichen Schreibweisen sind: Norhthornon 890 n.Chr., Northornon, Nodehorn, Northorne 1184 auf Siegeln von 1400 bis 1827, dann Nordhorn. H.= Winkel, Ecke, Spitze, Vorsprung des Feldes ins Vechtetal. .
Geschichte
Geografie, Geschichte und Gegenwart
Vor Millionen von Jahren wurde durch Klimaveränderungen, vor allem durch die Eiszeiten, das Landschaftsgefüge in dieser Gegend geprägt. Die ältesten Ablagerungen in ungefähr zweitausend Meter Tiefe stammen aus dem Karbon. Zur Wende von Kreide und Tertiär formierte sich die Erdkruste hier zu kleineren Faltenwürfen. Im mittleren Tertiär herrschten in der Nordhorner Ebene subtropische Temperaturen. Danach begann eine zunehmende Abkühlung, die mit den Eiszeiten ihren Höhepunkt erreichte. Nach dem Abtauen des letzten Eises hatten sich Niederungen herausgebildet. Starke Winde wehten in die vegetationsfreie Oberfläche Dünen auf. Noch heute findet man bei den naheliegenden Tillenbergen die Reste eines solchen Dünenkomplexes. Grabungsfunde aus jüngeren Steinzeit und aus der folgenden Bronzezeit bezeugen, dass sich bereits vor sechstausend Jahren Menschen auf der Nordhorner Sandebene angesiedelt hatten.
In der regenreichen und kälteren Eisenzeit dehnt sich die Besiedlung auf die trockenen Uferhöhen der Vechte aus. Der Archäologe stößt in fast allen Eschen auf Spuren eisenzeitlicher Siedlungen, den Grundsteinen für späteren Bauernschaften Frensdorf, Bookholt, Altendorf, Hesepe und Bakelde.
Von 12 v. Chr. Bis 10 n. Chr. unternahmen die römischen Feldherren Drusus, Tiberius, Germanicus und Varus insgesamt dreizehn Feldzüge in das damals noch freie Germanien. Von ihrem Lager Xanten aus werden diese römischen Truppen häufig Streifzüge in die Länder der Chamaven und Tubanten, der Bewohner des Nordhorner Siedlungsraumes, unternommen haben. Vermutlich benutzten die Römer die vorgeschichtlichen Vechteufer und Sandstege entlang der Moore als Heerstraßen. Diese Landverbindung vom Westen nach Osten sollte später eine wichtige Handelsstraße werden, die Städte wie Brüssel, Amsterdam, Bremen und Hamburg verband.
Gegen Ende des 4. Jahrhunderts, mit Beginn der Völkerwanderung, drangen von Norden her die Sachsen nach Westen vor. Sie verdrängten die Tubanten weiter westwärts in die Twente. Nach Eroberung des Sachsenlandes durch Karl den Großen entstand die erste Grenzlinie zwischen Franken und Sachsen als Binnengrenze. Sie überdauerte weitgehend die Wechselfälle der Geschichte und ist noch heute Grenze zu den Niederlanden.
Im Jahre 687 sandte Bischof Wilfried von York zur Christianisierung des ehemaligen Tubantenlandes Missionare über den Ärmelkanal. Willibord gründete die Diözese Utrecht und Werenfried verbreitete das Christentum im Vechtetal. Um 800 wurde die Nordhorner Siedlung dem Bistum Münster zugeordnet. Bischof Liudger baute auf einem vorspringenden Sporn in der Vechteaue eine Holzkirche. Um 900 wird der Name der Stadt erstmals im Heberegister des Klosters Werden an der Ruhr als Northhornon erwähnt.
Um das Jahr 1180 erwarben die Grafen von Bentheim das Gogericht Nordhorn. Sie bauten inmitten der Vechte auf einer Insel, wo auch schon das Dorf Nordhorn stand, eine Burg. Bis zum Jahre 1912 waren Teile dieser Burg erhalten. Dort steht heute St. Augustinus, eine katholische Kirche. Die heutige Hauptstraße dürfte schon damals über die Vechteinsel geführt haben, die sich zu einem attraktiven Handelsplatz entwickelt hatte. Kaufleute und Reeder ließen sich hier nieder - ein Marktplatz entstand.
Nordhorn hatte eine Schlüsselstellung an der Flämischen Straße, dem Kreuzungsbereich der heutigen Bundesstraße B 213/E 2 und B 403 eingenommen. Waren und Güter aus Skandinavien und den Hansestädten fanden ihren Weg durch Nordhorn in die Handelszentren des Westens bis nach Paris.
Die Vechte war bereits ab Schüttorf schiffbar.
Durch den Handel beider Dörfer und dadurch, dass die Binnenschiffer ein Horn bei Nebel benutzten um sich gegenseitig zu warnen, kann Nordhorn seinen Namen erhalten haben. Seit den 1970er Jahren steht beim alten Hafen der Tuter, ein bronzenes Denkmal, das an die Anfänge der Binnnenschiffahrt erinnert.
Die Vechte ist ca. 125 km lang, nördlich von Zwolle fließt sie ins Zwarte Water, einem Zufluss des Ijsselmeeres.
Schon 1160 wurden die ersten Bentheimer Sandsteine in die Niederlande verschifft. Bis zu eintausendzweihundert Frachtkräne, Pramen und Schuten lagen in einem Jahr hier vor Anker und brachten ihre Güter nach Holland. Zum Stapelplatz wurde die Steinmaate. Die gleichnamige Straße erinnert noch heute daran, dass der Bentheimer Sandstein von hier aus in viele Länder exportiert wurde. So wurden zum Beispiel für Prachtbauten wie das Königliche Palais in Amsterdam, aber auch viele Mühlen, Kirchen, Schleusen, Rathäuser und andere öffentliche Gebäude aus dem bekannten Bentheimer Sandstein verbaut. Die zurückkehrenden Schiffe brachten Gewürze, Textilien, Papier sowie Nahrungs- und Genussmittel wie Kaffee, Tee, Kakao und Tabak mit. Handel, Handwerk und Landwirtschaft waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die wesentlichen Wirtschaftsgrundlagen in der Region. Die Schifffahrt auf der Vechte, dem Ems-Vechte-Kanal, Nordhorn-Almelo-Kanal, dem Süd-Nord-Kanal und Coevorden-Piccardie-Kanal, bildeten gemeinsam mit dem Fuhrwesen zu dieser Zeit wichtige Erwerbszweige. Die Stadt war in jenen Jahrhunderten der Sitz wohlhabender Kaufleute, Reeder und Schiffer.
Am neunten Tag nach Pfingsten, im Jahre 1379, verlieh Graf Bernhard I. zu Bentheim die Rechte einer Stadt und gab ihr 1416 das Privileg. Die dörfliche Siedlung zwischen den Vechtearmen war als Handelsumschlagplatz für Bentheimer Grafen wichtig geworden. Mit der wirtschaftlichen Blüte erreichte auch das kulturelle Leben in diesen Jahren einen Höhepunkt. Augustiner Chorherren gründeten 1394 das Kloster Marienwolde in Frenswegen. Durch Stiftungen und Schenkungen wurde das Kloster als Paradies Westfalens über die Grenzen bekannt. Nach der Säkularisation 1806 durch Napoleon gingen die klösterlichen Anlagen und Ländereien in den Besitz des Grafen zu Bentheim über. Die Jahrtausende umfassende Besiedlung und die bisher 625jährige Geschichte der Stadt haben neben dem Kloster Frenswegen nur noch wenige bauliche Zeugen aus alter Zeit hinterlassen.
In Anlehnung an die spätromanischen Kirchen im benachbarten Westfalen wurden im 13. Jahrhundert Kirchen aus Bentheimer Sandstein errichtet. Einzig erhaltenes Kunstwerk dieser Zeit ist der Brandlechter Taufstein. Zeuge des 15. Jahrhunderts ist die Alt Kirche am Markt. Sie wurde unter niederländischen Einfluss im spätromanischen Stil erbaut und zu Ehren des hl. Liudger, des Gründers der ersten Kirche in Nordhorn geweiht. Wahrscheinlich arbeiteten drei Generationen an dieser eindrucksvollen dreischiffigen Hallenkirche. Ursprünglich hatte der Turm eine Höhe von 102 Metern und fiel als Wach- und Brandturm unter die Verantwortung des Rates der Stadt. Bei der letzten gründlichen Restaurierung der Kirche im Jahre 1967 wurden im Chorraum gotische Wandmalereien freigelegt - die „Nordhorner Apostelbilder“. Sie wurden konserviert, mussten aber aufgrund einer Entscheidung des Kirchenrates wieder übermalt werden, da nach der calvinistischen Kirchenordnung des reformierten Bekenntnisses, das 1588 vom Grafen Arnold II. zu Bentheim eingeführt wurde, auf Bilder und Schmuck in Kirchenräumen zu verzichten ist.
Durch Kriege und Epidemien stark dezimiert, musste die Stadt im 17. und 18. Jahrhundert mehrere Besetzungen und Truppendurchzüge erdulden. Im 80-jährigen Freiheitskampf der Niederländer gegen die Spanier war Nordhorn Durchgangsstation für spanische Truppen, da die benachbarte Grafschaft Lingen zum spanischen Territorium gehörte. Zeitweise soll der Prinz vom Parma mit 6000 Soldaten um Nordhorn gelagert haben.
Während des Dreißigjährigen Krieges zogen Schweden, Hessen, Lüneburger und kaiserliche Truppen über die alte Flämische Heer- und Handelsstraße durch Nordhorn - alle wollten aus den kärglichen Ernteerträgen verpflegt werden. Der ausgebeuteten Stadt blieb jedoch kaum Zeit, sich von den Kriegswirren zu erholen. Schon wenige Jahre später führte der streitbare Bischof Christoph Bernhard von Galen aus Münster in der Ebene vor Nordhorn gegen die Niederländer einen Krieg, der 1666 mit dem Nordhorner Frieden endete.
Zur Zeit Napoleons herrschte in Nordhorn erneut geschäftiges Treiben. In diesen Jahren wuchs der Handelsplatz an der Vechte, zwei Häfen bestimmten das Bild der Stadt. Die gegen den englischen Handel gerichtete Kontinentalsperre Napoleons ließ Nordhorn ab 1806 zu einem Zentrum des Schmuggels werden. Die weiten Moor- und Heideflächen begünstigten diesen einträglichen Handel.
Infolge der Neuordnung der politischen Landschaft Europas durch den Wiener Kongress 1814/15 kam der bis zu diesem Zeitpunkt florierende Transithandel in Nordhorn abermals zum Erliegen. Die Staatsgrenze wurde Zollgrenze, womit man dem nach Westen orientierten Nordhorner Handel seine Grundlagen entzog. In den Folgejahren verarmte die Stadt. Da die Vechte nicht zeitgemäß ausgebaut werden konnte und versandete, kam zudem der Schiffsverkehr zum Erliegen. Die Städter wurden zu Ackerbürgern, Händler und Spediteure verließen Nordhorn. Nur die Heimweberei brachte noch Verdienstmöglichkeiten, ganze Familien wanderten nach Amerika aus.
Das Jahr 1839 gilt als Gründungsjahr der Nordhorner Textilindustrie. An der Handelsstraße entstand die erste mechanische Schnellweberei durch Willem Stroink aus Enschede. Hier wurde Baumwolle verarbeitet, Kattun und Watertwist gewebt. Weitere Betriebe gründeten 1864 Jan van Delden und 1851 Josef Povel und Hermann Kistemaker. Die Textilherstellung wurde zum Schrittmacher für die darniederliegende Wirtschaft. Der Fortschritt hielt mit zunehmender Industriealisierung Einzug. Der Grundstein für die Entwicklung zu einer der größten deutschen Textilstädte war gelegt.
Bürgermeister der Stadt war von 1843 bis 1872 der Apotheker und Chemiefabrikant Ernst Firnhaber, dessen Haus in der Hauptstraße im Mittelpunkt des damaligen gesellschaftlichen Lebens stand. Mit seinen klassizistischen Bauelementen ist es das letzte architektonische Beispiel eines herrschaftlichen Bürgerhauses aus dem 18. Jahrhundert. Hinter der Apotheke richtete er die erste Chininfabrik Deutschlands ein. 1843 wurden 32.403 Pfund Chinarinde verarbeitet und exportiert. Die Fabrikanten Ludwig Povel, Bernhard Rawe, Bernhard Niehues und Friedrich Dütting gründeten in den Jahren von 1872 bis 1897 weitere Textilunternehmen, die zum Teil bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch den inländischen und internationalen Markt beliefern.
In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde Nordhorn in ein Netz von künstlichen Wasserstraßen einbezogen. Über die Ems, den Dortmund-Ems-Kanal und den Ems-Vechte-Kanal transportierte man die Kohle aus dem Ruhrgebiet in das aufstrebende Textilzentrum. Mit dem Nordhorn-Almelo-Kanal sorgte man für den Anschluss an das niederländische Wasserstraßennetz, und mit dem Bau des Nord-Süd-Kanals wurde der Torfhandel belebt. Wenn auch heute sämtliche Kanäle für die Nutzschifffahrt keine Bedeutung mehr haben, so ist ihr Freizeitwert jedoch hoch einzuschätzen.
Die Bentheimer Eisenbahn brachte 1896 den Eisenbahnanschluss an das internationale Netz. In den verschiedenen Textilfirmen fanden in diesen Jahren etwa eintausendfünfhundert Menschen Beschäftigung. Die Weltwirtschaftskrise in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ließ viele Arbeitssuchende aus allen Gegenden des Deutschen Reiches ihren Weg nach Nordhorn finden. Bis 1939 erhöhte sich die Zahl der Einwohner Nordhorns auf 23.457; dabei ist auffällig, dass nur knapp ein Drittel der Einwohnerschaft in Nordhorn geboren wurde. Der ungewöhnliche wirtschaftliche Aufstieg trug Nordhorn in diesen Jahren den Beinamen Klein Amerika ein.
Auch das Dritte Reich hinterließ in Nordhorn seine Spuren. Die kleine jüdische Gemeinde wurde zerschlagen. Die Synagoge wurde völlig zerstört, woran eine Gedenktafel in der Synagogenstraße erinnert. Die alte Flämische Handlesstraße wurde von den deutschen Truppen, die am 10. Mai 1940 in die Niederlande einmarschierten, als Heerstraße genutzt. Teile der Bevölkerung erlebten diese Zeit mit sehr gemischten Gefühlen - war man doch durch verwandtschaftliche und freundschaftliche Bande über die Grenze hinweg mit den holländischen Nachbarn verbunden. Auf diese Verbindung konnten besonders die Verfolgtenhilfe und die Widerstandsbewegungen bauen.
Nach Kriegsende kamen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nahezu zehntausend Menschen nach Nordhorn, die hier eine neue Heimat fanden. Die Stadt zählte bald schon über 40.000 Einwohner.
In den Folgejahren machten vor allem gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften und Privatinitiativen Nordhorn zur Stadt der Eigenheime. Die enormen Aufbauleistungen verlangten auch eine Vergrößerung und Modernisierung der kommunalen Verwaltung - Nordhorn baute ein neues Rathaus; Gebäude der Kreisverwaltung, des Arbeitsamtes und des Amtsgerichtes entstanden am Stadtring.
Das neue Amtsgericht steht nun in der Seilerbahn.
Das erste Hallenschwimmbad Nordwestdeutschlands nach 1945 konnte eingeweiht werden, neue Schulen, Sporthallen und -plätze, der Konzert- und Theatersaal und der Stadtpark führten zur Belebung des Stadtbildes. Unternehmungsgeist und Fleiß, aber auch Lokalpatriotismus und Heimatliebe zeichneten Nordhorner Lebensart aus und ließen Handel, Handwerk und Industrie florieren.
Das moderne Nordhorn hat mit der früheren Handels- und Schifferstadt gemeinsam, Tor zum Westen zu sein. Durch Eingemeindungen ist die Fläche des Stadtgebietes auf 14.959 Hektar gewachsen. Das entspricht der Fläche des Fürstentums Liechtensteins. Nach dem Niedergang der Textilindustrie gegen Ende des 20. Jahrhunderts prägen nun noch im Handel und Handwerk entscheidend das Leben der Einkaufsstadt im deutsch-niederländischen Grenzgebiet.
Wenn sich die Nordhorner Wirtschaft auch nicht dem Auf und Ab der allgemeinen Entwicklung entziehen kann, so sind doch beste Voraussetzungen geschaffen worden, die den Gedanken an einen möglichen Niedergang der alten Handelsstadt, wie ihn das 19. Jahrhundert erleben musste, gegenstandslos machen.
Das qualitativ hervorragende Wohnumfeld und die gute Infrastruktur bereiten Nordhorn und seinen über 53.000 Einwohnern den Weg durchs 21. Jahrhundert und lassen Europa vor Ort wachsen. Die deutsch-niederländische Zusammenarbeit hat auf vielen Ebenen die Idee des Zusammenwachsens verwirklicht. Gemeinsame Geschichte, Kultur, Sprache und Landschaft, aber auch ein gemeinsames Schicksal im Hinblick auf die Fragen und Probleme unserer Zeit lassen die Grenzen überflüssig sein.
Namensherkunft
Es gibt eine interessante Geschichte zur Entstehung des Namens "Nordhorn": Und zwar befindet sich südlich von Nordhorn die Stadt und vor allem die Burg Bad Bentheim der gleichnamigen Grafschaft Bentheim. Im Falle eines Angriffs auf die Stadt Nordhorn wurde dort ein Horn geblasen, das sogenannte Nothorn, was die Bewohner der Vechteinsel warnen und zugleich um Hilfe bitten sollte. Da Nordhorn nördlich liegt, wurde daraus später Nordhorn.
Ein Horn wurde aber auch bei der Binnenschiffahrt auf der Vechte genutzt. Bei Nebel konnten sich die Schiffer mit dem Horn gegenseitig warnen bzw. bemerkbar machen.
Da sich im frühen Mittelalter zwischen Schüttorf und Emlichheim eine Ansiedlung mit einem Hafen gebildet hatte, die das Horn im Wappen trägt, wurde wahrscheinlich Nordhorn daraus.
Eine wissenschaftlich begründetere Variante der Wappendeutung besagt, dass Horn im Sinne von Ecke, bzw. Landmarke zu verstehen ist, ein Nordhorn also eine nördliche Ecke (Vorsprung des Feldes ins Vechtetal) darstellt. Ebenso gibt/gab es im Stadtgebiet ein Südhorn.
Ob die Bentheimer, die den Ort von ihren Höhen hinter dem Isterberge am nördlichen Horizont liegen sahen, die Namensgeber waren, oder gar die Bewohner von Münster - Nordhorn lag am nördlichsten Zipfel des Bistums - ist mehr als zweifelhaft, vor allem weil man Nordhorn von Bentheim aus nicht sehen kann. Bad Bentheim liegt laut Wikipedia 40 m über N.N. Der Isterberg ist aber nach Abgaben von Wikidedia 68 m über N.N. hoch. Zudem war die Gegend zu jener Zeit zwischen Bad Bentheim und Nordhorn sehr weitläufig bewaldet. Der Bentheimer Wald und der Teuteburger Wald, bis hin zum Harz, bildeten eine fast durchgängige Waldfläche !
Die Überlieferung berichtet allerdings vom „Vorhandensein eines Wachtturmes im Vechtetal, von dem aus die Bewohner in Kriegszeiten durch Feuer oder durch das Horn des Wächters vor den herannahenden Feinden gewarnt wurden. Diese Erklärung geht auf eine Urkunde aus dem Jahre 1341 zurück, in der der Name wirklich NODEHORNE (Nothorn) geschrieben wird, und die Stadt noch heutigen Tages ein Horn in ihrem Wappen führt.“ .
Phantasievoll steht auch geschrieben: „In der Gegend von Nordhorn verehrte man den Gott Nod, Node oder Nothe. Der Beginn dieses Festes dieser Gottheit sowie auch der Opfer wurde durch Blasen auf Ochsen- oder Kühhörnern angekündigt. Ihr zu Ehren brannte man Feuer, welche durch Feuersteinen geschlagen oder durch Aneinanderreiben trockener Holzstücke hervorgelocktes, heiliges Feuer, Nodfyr genannt, angezündet werden musste. Hiervon ist vermutlich der Name Nordhorn herzuleiten.
Der Name hat natürlich nichts mit einem Nothorn oder gar mit einem Gotte Nod zu tun. In dem Werdener Heberigister steht 890 Norhthornon und 1050 Northornon, in der Urkunde von 1184 Northorne. Auf den Stadtsiegeln erscheint zwischen 1400 und 1715 auch Northorne und erst von 1827 an Nordhorn.“
Stadtteile von Nordhorn
Namen der älteren Stadtteile:
Altendorf, Bimolten, Bookholt, Brandlecht, Bakelde, Frensdorf, Frenswegen, Hesepe, Hestrup, Hohenkörben, Klausheide.
Eingemeindungen:
25.06.1921 wird Frensdorf nach Nordhorn eingemeindet.
01.04.1929 wird Frenswegen nach Nordhorn eingemeindet.
01.07.1929 werden Altendorf, Bakelde, sowie Teile der Gemeinden Bookholt, Hesepe und Brandlecht nach Nordhorn eingmeindet.
01.03.1974 werden die Orte Bimolten, Bookholt, Brandlecht, Hesepe, Hestrup, Höhenkörben - Nordhorn, und Klausheide nach Nordhorn eingemeindet.
Herkunft der Namen:
Altendorf: Altendorf war die Urzelle der Nordhorner Siedlung. Diese wurde dann wohl aus strategischen Gründen auf die Vechte-Insel verlegt. Diese Siedlung erhielt 1379 die Stadtrechte. Die alte Siedlung erhielt dann den Namen Oude Dorp = Altes Dorf (Altendorf).
Oorde: ursprünglich rechneten dazu die Bauernhöfe Ruwe, Arends und Hoot. Oorde = spitz zulaufender Landstrich, Abspliß von Bakelde.
Quelle: Nordhorn - Geschichte einer Grenzstadt. Herausgeber: Heimat-verein der Grafschaft Bentheim. Oorde gehörte wohl ursprünglich zu Altendorf, ist aber mittlerweile ein eigener Ortsteil.
Bakelde (Baclo): Der Name leitet sich von Bak = Hügerücken und Lo = kleines Gehölz ab. (nach H.Specht - Nordhorn - Geschichte einer Grenzstadt)
Bimolten: 1252 Bimolt, 1213 Bimolte - wird von Specht auf Erdhaufen, von Reurik auf Gehölz (bi`m holte) beim Holze und von Abels als Ansiedlung auf dem Feld gedeutet. (nach Dr. Ernst Kühle - Bimolten - Jahrbuch des Heimatvereins 1973).
Bookholt: Der Name leitet sich von Buchen- oder Birkengehölz ab. (nach H.Specht - Nordhorn - Geschichte einer Grenzstadt)
Brandlecht: 1313 als Bramtelghet genannt. Bram = Ginster, telge = Zweig. (nach Dr.Ernst Kühle - Brandlecht - Der Grafschafter, Folge 160, Juni 1966.
Frensdorf: auf Plattdeutsch Frenstrup, eventuell von Personennamen abgeleitet, um 800 n.Chr. Friethelstorpe oder Frieldorp, um 1000 Vrinsthorpe. (nach Dr. Ernst Kühle - Frensdorf - Jahrbuch des Heimatvereins 1971)
Frenswegen: früher Vrendeswegen, eventuell Deutung: Auf dem Wege nach Frensdorf gelegen.
Hohenkörben - Nordhorn: etwa 600 n.Chr. als Hankorve in der Bakelder Markt entstanden, auf einem räumlich beschränkten Dünen-rücken. Eine genaue Deutung des Namens konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. (nach Dr.Ernst Kühle - Der Grafschafter, Folge 170, Mai 1967)
Es gibt aber auch einen Orteil Hohenkörben-Veldhausen, der zur Stadt Neuenhaus gehört.
Klausheide: wurde nach dem Sohn des Gründers vom Gut Klausheide (Krupp von Bohlen- und Halbach), der Claus hieß, benannt. Im Anfang hieß die Siedlung " die Claus-Heide". Siehe auch Claus von Bohlen-und Halbach.
Hestrup: Zum erstenmal wird Hestrup 1150 als Hersebruc und 1212 als Hersedorp (Roßdorf) genannt. Die Endung - dorf - oder - trup - kennzeichnet eine bäuerliche Siedlung die um 800 n.Chr. mit der Übernahme des Christentums als geschlossenes Gemeinwesen bestanden hat. (nach Dr. Ernst Kühle - Hestrup - Der Grafschafter, Folge 168, Februar 1967)
Hesepe: Der Name Hesepe nimmt Bezug auf die Flußlage an der Vechte (epe - Wasser). (nach Dr.Ernst Kühle - Hesepe - Jahrbuch, Heimatverein 1982)
Namen der neueren Stadtteile:
Nordhorn-Blanke, Blumensiedlung, Siedlung Neu-Berlin, Stadtflur, Bussmaate, Streng.
Nordhorn-Blanke: Die Blanke war früher ein tieferliegendes Heide- und Sumpfgebiet, welches nur an den Rändern erhöht war. Dazwischen befanden sich Wassertümpel, die im Sonnenschein blinkten, dehalb wurden sie auch Blänke genannt. Nach und nach wurde dieses Gebiet trockengelegt und vor dem 2. Weltkrieg an den Rändern bebaut (Dorotheenstr., Klarastr.). Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte dann die Besiedlung mit Flüchtlingen und Textilarbeitern. Der Stteil erhielt in Anlehnung an seinen früheren Zustand den Namen Blanke.
Blumensiedlung: In den 1920er Jahren wurden hier für arbeitslose Bergleute aus dem Ruhrgebiet, die für die Nordhorner Textilindustrie angeworben wurden und auch für junge Nordhorner Familien Siedlungshäuser gebaut. Da die Straßen Blumennamen erhielten, wurde die Siedlung Blumensiedlung genannt.
Siedlung Neu-Berlin: Anfang des 20.Jahrhunderts wurde an der Denekamper Straße im Bereich der damaligen Gemeinde Frensdorf unter Initiative des gebürtigen Berliners Mäulen eine Siedlungsgenossenschaft gegründet und der Bau von Wohnhäusern in Angriff genommen.
Aus Dankbarkeit gegenüber Herrn Mäulen, welcher aus Berlin kam, nannte man diese Siedlung Neu-Berlin.
Stadtflur: In früheren Jahrhunderten hatte die Nordhorner Bevölkerung in diesem Bereich, der aus einem Moor bestand und in der Gemeinde Bakelde lag, sogenannte Torfstichrechte, die von Bakelde geduldet wurden. Um 1864 erfolgte die sogenannte Markenteilung und Nordhorn bekam dieses Stück als zum Stadtgebiet gehörig. Es war die sogenante Stadtsche Flur. Um die Jahrhundertwende wurde hieraus Bauland und wurde Stadtflur genannt.
Bussmaate: Früheres Wiesengelände welches dem Bauern Busch in Altendorf gehörte, sie sogenannte Buss Maate. Um 1910 kaufte der Textilfabrikant Rawe dieses Gelände und ließ darauf eine Spinnerei errichten und um 1913 erfolgte der Bau von Werkswohnungen für seine Arbeiter. Das ganze Gelände erhielt den Namen Bussmaate.
Streng: Der Name Streng leitet sich von einer Dünenerhebung ab, einem sogennanten Strang. Der Streng erstreckt sich von der Bogenstraße bis Nyhoegen-Brücke an der Bentheimer Straße. Ende des 19. Jahrhundert bebaute der Textilfabrikant Ludwig Povel den vorderen Teil des Streng im Bereich Bogenstr. - Ludwigstr. mit Werkswohnungen für seine Textilarbeiter. Im hinteren Teil, heutiger Südstreng, Rasenstraße u. Wiesenstraße entstanden in den 1930er Jahren und später Privathäuser.
Architektur
In den vergangenen Jahrhunderten war die Architektur oft richtungsweisend für die bildende Kunst. Vielfach zeigten sich zuerst bei sakralen Bauwerken Elemente, die dann zu einer Stilbildung führten und ganzen Kulturepochen ihre Namen gaben. Wer allerdings in der modernen Baukunst nach einheitlichen Merkmalen Ausschau hält, wird enttäuscht.
Von der wenig individuellen Bauweise der Nachkriegsjahre ist Nordhorn weitgehend verschont geblieben. Das Stadtbild bewahrt die freundliche Ziegelbauweise, die seit eh und je Tradition im Norden Deutschlands und beim holländischen Nachbarn hat. Der rote Backstein wirkt in seiner Natürlichkeit gewinnend und einladend und bietet dem Auge einen wohltuenden, liebenswürdigen Anblick. Auch in modernen Bauten fehlt er nicht. Das neue Verwaltungsgebäude des Landkreises Grafschaft Bentheim kombiniert zum Beispiel die heimischen Baustoffe Ziegel und Sandstein mit Glas, Beton und Kupfer.
Ein schönes Beispiel wiederhergestellter überkommener Architektur ist das aus dem 14. Jahrhunderte stammende Kloster Marienwolde im Nordwesten der Stadt. Durch Blitzeinschlag wurde die 1445 geweihte Kirche 1881 zerstört. Die Klostergebäude sind aber weitgehend erhalten geblieben, ebenso die herrliche quadratische, doppelstöckige Kreuzgang, das Brunnenhäuschen, die Brücke über die Gräfte und die eindrucksvollen Kellergewölbe. An der Außenfassade des Ostflügels lenkt eine in Bentheimer Sandstein gearbeitete Madonna mit dem Kinde die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Nach behutsamer Renovierung beherbergt das beeindruckende Gebäude heute eine ökumenische Bildungs- und Begegnungsstätte, deren Ausgangspunkt und Basis die ungewöhnlich große Konfessionsvielfalt in Nordhorn und Umgebung ist. Spuren der Gotik prägen die reformierte Kirche, die trutzig im alten Dorfkern von Brandlecht steht.
Als Beispiel romanischer Bildhauerkunst ist der Taufstein dieser Kirche zu nennen, der als ältestes Kunstwerk in Nordhorn - aus Bentheimer Sandstein gefertigt - noch heute seiner ursprünglichen Bedeutung hat.
Zwei Bauwerke prägen im wesentlichen die Stadtsilhouette Nordhorns. Die im 15. Jahrhundert aus Bentheimer Sandstein errichtete Alte Kirche am Markt und die 1913 auf dem Gelände der ehemaligen Burg erbaute Augustinuskirche sind schon weithin sichtbar. Beide zählen zu den besonderen städtebaulichen Akzenten.
Die Innenstadt, heute wie damals eine von der Vechte umflossene Insel, gehört dem Fußgänger.
Einfühlsam restaurierte Fassaden, moderne Arkadengänge, Geschäfte, Boutiquen und gemütliche Straßencafés laden zu verweilen ein. Das älteste Gebäude in der Hauptstraße ist das Wohn- und Geschäftshaus des früheren Bürgermeisters und Chemiefabrikanten Firnhaber. Hinter der zweigeschossigen klassizistischen Fassade, dem Dreiecksgiebel mit auftragendem Walmdach und einem Rundbogenfenster mit Zopfgirlande setzt sich die Tradition des ersten Apothekers von Nordhorn noch heute in der Adler-Apotheke fort.
Auf einem Rundgang durch Nordhorn trifft man auf kleine Oasen, die von der Hektik des alltäglichen Lebens weitgehend unberührt sind. In großen parkähnlichen Gärten, hinter alten Bäumen und hohen Rhododendronhecken entdeckt man prächtige Herrenhäuser. Diese nach holländischen Vorbildern erbauten Villen waren vor einhundert Jahren Domizile von Textilfabrikanten. Bei einem Gang durch Nordhorn stößt man vielerorts noch auf Zeugen der älteren und neueren Geschichte: Sei es das 1952 fertiggestellte Rathaus mit seinem Glockentürmchen oder der alte Ziehbrunnen im Park am Völlinkhoff. Erinnerungen an eine Zeit, in der die schweren Sandsteine des Kollergangs der Ölmühle noch ihre Funktion erfüllten, werden im Stadtpark geweckt.
Spuren sind geblieben, ein neues Wehr hat die alte Mühlenanlage abgelöst. Mit der Stilllegung der Korn- und Sagemühle am Mühlendamm endete in Nordhorn eine fast sechshundertjährige Mühlengeschichte. Diese Gebäude wurden renoviert und bieten nun einen ansprechenden Rahmen für kulturelle Veranstaltungen
Industriegeschichte wurde in Nordhorn u.a. von der Textilfabrik Povel geschrieben, die 1974 ihr Tore nach fast hundertjähriger Produktion schloss. Als letzter Zeuge der wirtschaftlichen Blütezeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts ist der frühere Spinnereiturm als Industriedenkmal erhalten. Er wird in eine spätere städtebauliche und kulturellen Nutzung des gesamten Geländes eingebunden werden.
In der Bussmaate, einem ehemaligen Feuchtwiesengebiet wurde vor hundert Jahren eine andere Textilfabrik mit einem sich daran anschließenden Wohngebiet für Textilarbeiter erbaut. Anfang der fünfziger Jahre entwarf Professor Emanuel Lindner, Dozent am Bauhaus und Schüler von Mies van der Rohe, zusammen mit dem heute in Kanada lebenden Architekten Eberhard Heinrich Zeidler Erweiterungsbauten für dieses Unternehmen. Mit einer klar gegliederten Glasfassade passt sich der zeitlose Nutzbau übergangslos dem Gründerzeitlichen Industriekomplex an. Heute steht auch dieses Gebäude leer und soll in städtebaulich umgewandelt werden.
Kultur und Freizeit
Alte Weberei
Die alte Weberei gehörte früher zu der Fabrik Povel. Nun ist die
alte Weberei ein Kulturzentrum für Austellungen, Tourismus und Konzerten. Im Gebäude der alten Weberei befinden sich neben dem Grafschafter Brauhaus, eine Musikkneipe für Live Musik auch die Ems Vechte Welle ein regionaler Radiosender für die Grafschaft Bentheim und das Emsland. Zu hören ist der Sender auf den Frequenzen 95,2 HZ Nordhorn, 95,6 HZ Lingen und 99,3 HZ Papenburg.
Stadtmuseum Povelturm
Das Stadtmuseum im Povelturm wurde im Oktober 1996 eröffnet. Im Museum kann sich über die Historie von Nordhorn bilden. Im Obergeschoß des Povelturmes ist das Museumscafe, das einem durch eine Höhe von 26 m einen Überblick über Nordhorn bietet.
Jugendzentrum Nordhorn
Das Jugendzentrum Nordhorn existiert seit den frühen 1970er Jahren. Es ist das erste und damit dienstälteste Jugendzentrum in Deutschland. Früher war das Jugendzentrums ein Bauernhof. Zuerst wurde nur die Tenne benutzt, in den 1980er Jahren kam dann noch die Scheune dazu. In den 1980er Jahren war die Scheune das Zentrum der Punkbewegung in Nordhorn.
Es fanden und finden Konzerte in der Scheune statt. So waren schon Cochise, Geier Sturzflug, Helge Schneider und In Extremo zum Konzert in der Scheune.
Euregium
Das Euregium wurde eigentlich für die HSG Nordhorn (Handballspielgemeinschaft)gebaut. Der Name ist von der Euregio abgeleitet. Die Mannschaft der HSG spielt in 1. Handball - Bundesliga. Das Euregium wird aber auch für andere Kulturveranstaltungen benutzt, so ist z.B. auch schon Atze Schröder aufgetreten. Das Euregium liegt in der unmittelbaren Nachbarschaft zur Berufschule.
Eissporthalle
Die Hochzeit hatte die Eissporthalle wohl als es den Eissportverein mit den Abteilungen Eishockey und Eiskunstlauf gab. Gebaut wurde die Eissporthalle Anfang der 1970er Jahre. 1984 gab Band BAP ein Konzert in der Eissporthalle.
Der Eishockeyclub in Nordhorn spielte in der Eishockey Bundesliga mit, änderte aber mehrmals den Namen. Bis 1999 gab es den GEC Nordhorn. Danach nannte sich der Verein EC Nordhorn Euregio 1999 e.V. und spielt in der Verbandsliga Nord. Im Jahr 2002 wurde die Eissporthalle von Grund auf renoviert und heute steht sie auch der Allgemeinheit zum Eislaufen zu Verfügung.
Landschaft
Die Landschaft um und in Nordhorn wird geprägt durch die Vechte, den Vechtesee, durch den die Vechte fließt und die Kanäle Coevorden-Piccardie-Kanal, Nordhorn-Almelo-Kanal und Ems-Vechte-Kanal.
Durch die Initiative des Vereins Grafship, der im Jahr 2003 gegründet wurde, gab der Landrat Friederich Kethorn am 14.11.2005 den Ems Vechte Kanal wieder für die Schiffahrt frei. Nun ist es Kapitänen gestattet Schiffe bis zu einer Gesamtlänge von 12m durch den Ems-Vechte-Kanal zu fahren. Die Freigabe der beiden anderen Kanäle dauert noch an.
Die Flusslandschaft der Vechte und die Kanäle mit ihren Baumreihen ziehen den Spaziergänger an und lassen ihn die Idylle genießen. Kanäle, vor über 100 Jahren zum Transport und zur Entwässerung der Moorgebiete gebaut, gehört heute einer artenreichen Tierwelt und werden für Freizeit und Erholung genutzt. Schleusen aus Sandstein und Klinker, zum Teil noch heute von Hand betrieben, gleichen unterschiedliche Wasserstände aus und sind beliebte Ziele für Naturfreunde.
Äcker und Weiden umschließen bäuerliche Anwesen am Rande der Stadt. Feuchtgebiete und Heidelandschaften mit Birken, Wacholder und wildwachsenden Orchideen sind Spuren einer urtümlichen Landschaft. Dem Wanderer erschließt sich in den Tillenbergen ein kleines geschütztes Gebiet mit Besenheide, Kratteichen und Wacholder.
Natürliche und gestaltete Landschaft fasziniert den Betrachter.
Die schönen Hinterlassenschaften der Gründerzeit ist der Stadtpark, ein Villenpark eines der früheren Fabrikanten. In der Konzertmuschel im Stadtpark finden regelmäßig Konzerte statt, die rege Ansprache bei der allgemeinen Bevölkerung finden.
Soziale Einrichtungen
Lebenshilfe Nordhorn
Gegründet wurde die Lebenshile bereits im Jahre 1963.
Mittlerweile werden in den verschiedenen Einrichtungen der Lebenshilfe weit über 600 Menschen mit einer Behinderung gefördert, begleitet und betreut. Vom Kindergarten für Frühförderung, diverse Wohnheime bis hin zu diversen Werkstätten (z.B.Tischlerei), wo die Behinderten je nach Begabung und Interesse ihrer Arbeit unter Anleitung nach gehen können. Dazu gibt es die Musikband Tabuwta, eine Band von Behinderten, die durch pädagogische Mitarbeiter der Lebenshilfe und Promiente wie z.B. Guildo Horn unterstützt werden. Im Jahr 2005 wurde die 3. CD aufgenommen und in der alten Weberei vorgestellt.
Vechtetalschule
Die Vechtetalschule besteht als Schule für Behinderte mit den verschiedensten Behinderungen seit dem Jahr 1989. Im Jahr 1992 erfolgte der Umzug in den Neubau. Die Namensgebung Vechtetalschule ergab sich im Jahr 1997. Mittlerweile hat die Schule eine Schülerzahl von 210, die in 27 Klassen aufgeteilt sind.
Davon sind 10 Klassen in den Außenstellen. Es sind ca. 90 Mitarbeiter zuzüglich Zivildienstleistende, LehramtsanwärterInnen und PraktikantInnen angestellt. Es gibt den Primarbereich, den Sekundarbereich I und den Sekundarbereich II.
Kirchen
Wann die erste Kirche in Nordhorn gebaut wurde, ist nicht bekannt. Es ist jedoch überliefert, dass sie am Gildkamp stand und nach dem hl. Liudger oder Ludger benannt wurde.
Liudger war einer der ersten Missionare dieser Gegend. 804 wurde er 1. Bischof von Münster. 809 starb er in Billerbeck.
Im Mittelalter gab es Krisenzeiten, aber auch Reformen und neue Aufbrüche. Dazu zählt auch die „Devotio moderna“ (= „Brüder und Schwestern vom gemeinsamen Leben“) gegründet in Deventer/Holland. Aus dieser Reformbewegung entstand im Nordwesten des Stadtgebietes das 1394 von Augustinermönchen gegründete Chorherren-Stift in Frenswegen - früher „Marienwolde“ genannt. Seine im Jahre 1444 geweihte Kirche wurde 1881 durch Blitzschlag zerstört.
Das Kloster war von großer Bedeutung für Nordhorn und weit darüber hinaus. Nach und nach entstanden die Klostergebäude und Anfang des 15. Jh. eine Kirche.
Auch in Nordhorn brauchte man eine größere Kirche. Am 06.Juli 1445 wurden beide Kirchen durch den Weihbischof von Münster geweiht. Patron der Kirche in Nordhorn war wieder der hl. Liudger. Die dreischiffige spätgotische Marktkirche wurde in Bentheimer Sandstein errichtet und beherrscht mit ihrem 71m hohen Turm das Stadtbild.
Nach der Reformation (1517) nahm Graf Arnold I. und mit ihm fast die ganze Grafschaft 1544 das lutherische Bekenntnis an. Auch die St. Ludgeri-Kirche am Markt ging in den Besitz der neuen Glaubens-Gemeinschaft.
Im Jahr 1588 trat die Grafschaft Bentheim unter dem Grafen Arnold II. zum reformierten Bekenntnis über. Graf Arnold I. hatte sich im Jahre 1544 dem lutherischen Glauben zugewandt. Seitdem gehört die Kirche am Markt der reformierten Gemeinde. Graf Arnold II. War aber während des Studiums in Straßburg mit der Lehre Calvins in Berührung gekommen. Durch seine Heirat mit Gräfin Magdalena von Neuenahr entstand eine weitere Verbindung. Seine Frau bekannte sich zur reformierte Konfession.
Die wenigen, in Nordhorn verbliebenen Katholiken mussten zum Gottesdienst zum Klostert Frenswegen gehen.
1578 kauften die Augustiner-Chorherren die Burg auf der Vechte-Insel in Nordhorn. Im Residenzhaus richteten sie u.a. eine Kapelle ein. Nun hatten auch die Katholiken wieder einen, wenn auch kleinen Gottesdienstraum.
1712 wurde neben der Burg eine kleine Kirche gebaut. Die Augustiner-Chorherren wählten - neben dem hl. Liudger, den Patron ihres Ordens den hl. Augustinus zum 1. Patron dieser Kirche.
1809 zur Zeit der Säkularisation durch den Reichsdeputationshauptschluss wurde das Kloster Frenswegen aufgehoben.
1824 war ein bedeutendes Jahr für die St. Augustiner-Gemeinde. Die Grafschaft, die Jahrhunderte lang zu den Bistümern Utrecht und Münster gehört hatte, wurde Diözese Osnabrück zugeordnet, - die Augustiner-Gemeinde zur Pfarrei erhoben. 1. Pfarrer war der Augustiner-Chorherr Johann B. Cordes, der seit 1810 die Gemeinde betreute.
1826 wurde die Burg zur Kirche umgestaltet. Ende des 19. Jh. wuchs die Gemeinde sehr rasch. Darum plante man den Bau einerneuen, großen Kirche auf dem Burg-Platz an der Vechte. Die Burg wurde abgerissen. Vorbilder für die neue Kirche fand der Architekt Keith aus Hamburg in Italien, z.B. das Pantheon in Rom oder die Kirche „San Giorgio“ in Venedig. Grundriss der Kirche ist ein ‚Oktogon’ ein Achteck.
Von 1911 bis 1913 wurde das Bauwerk vollendet und die Kirchweih gefeiert. - Gleichzeitig mit der Kirche wurde der Turm gebaut. Um die Wirkung der Kuppel nicht zu beeinträchtigen, steht er etwas abseits. Eine zweistöckige Arkade verbindet Turm und Kirche. Der Turm ist 45m hoch und beherbergt vier Glocken.
Die Kuppel der Kirche - eine Besonderheit im norddeutschen Raum - prägt das Nordhorner Stadtbild. Über der massiven Eisen-Beton-Kuppel wölbt sich eine hölzerne mit Kupfer gedeckte Außen-Kuppel, gekrönt mit einer Laterne. Die Gesamthöhe ist 35m.
Insgesamt sind in Nordhorn zwölf Gotteshäuser vorhanden, von denen sieben erst nach dem letzten Kriege errichtet wurden.
Einwohnerentwicklung
(jeweils zum 31. Dezember)
- 1815 - 980
- 1851 - 1.356
- 1864 - 1.500
- 1895 - 2.041
- 1900 - 3.000
- 1929 - 18.000
- 1933 - 20.000
- 1961 - 39.449
- 1980 - 48.500
- 1990 - 49.000
- 1996 - 49.000
- 1997 - 51.500
- 1998 - 51.809
- 2000 - 51.855
- 2001 - 51.974
- 2002 - 52.479
- 2003 - 52.479
- 2004 - 53.105
- 2005 -
Industrie
Handel, Handwerk und Landwirtschaft waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die wesentlichen Wirtschaftsgrundlagen in der Region. Die Schifffahrt auf der Vechte, dem Ems-Vechte-Kanal, Nordhorn-Almelo-Kanal, dem Süd-Nord-Kanal und Coevorden-Piccardie-Kanal, sowie das Fuhrwesen bildeten zu dieser Zeit wichtige Erwerbszweige. So wurde der bekannte Bentheimer Sandstein, der unter anderem beim Bau des königlichen Palais in Amsterdam und vieler weiterer bedeutender Bauwerke verarbeitet wurde, vom Nordhorner Hafen aus verschifft. Der Beginn der Textilindustrie in Nordhorn nahm 1839 seinen Lauf, als Willem Stroink aus Enschede die erste mechanische Weberei eröffnet wurde. In der Folge entwickelte sich Nordhorn zu einem bedeutenden Standort der Textilindustrie und verdankte dieser den wirtschaftlichen Aufschwung. Die Textilindustrie wurde zum Schrittmacher für die darniederliegende Wirtschaft und damit zum bestimmenden Element der damaligen Stadtgeschichte.
Die Industriealisierung hatte zur Folge, dass die Einwohnerzahl von 2.540 im Jahre 1903 und 18.104 Einwohner im Jahre 1930 bis zur Hochzeit der Textilindustrie auf bis zu 50.000 Einwohner stieg
Die mit bis zu 6000 Beschäftigten ehemals größte Nordhorner Textilfirma NINO gehörte bis in die 1980er Jahre zu den führenden europäischen Textilproduzenten. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch an der Zusammenarbeit mit international gefragten Modefotografen wie Karl Lagerfeld und Helmut Newton. Von den damals großen drei Textilbetrieben NINO, Povel und Rawe existiert in der "Textilstadt im Grünen" heute keine mehr.
Seit dem Rückgang der Textilindustrie sind vor allem mittelständische Unternehmen aus verschiedenen Dienstleistungs- und Produktionsbereichen in Nordhorn angesiedelt.
Ebenfalls bei Nordhorn zu finden ist der umstrittene Bombenabwurfplatz Nordhorn Range. Betrieben wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst von der Royal Air Force, inzwischen nutzt ihn die deutsche Bundeswehr.
Sport
Bekannt wurde Nordhorn in der Geschichte oft durch seine sportlichen Söhne und Töchter. Neben erfolgreichen Einzelsportlern in solchen Disziplinen wie Judo oder Motocrossfahren sind vor allem die Mannschaftsportarten Handball, Eishockey und Fußball traditionell stark vertreten. Vor Beginn der Fußballbundesliga spielte Eintracht Nordhorn lange Zeit in der höchsten deutschen Fussballliga, der Oberliga Nord. In den 1980er und 1990er Jahren allerdings übernahm zunächst das Eishockey und später der Handball das Regiment in der Stadt. Heute steht mit HSG Nordhorn ein Verein in der Handballbundesliga, der mit Holger Glandorf (11) aus der eigenen Jugend im Rückraum einen Nationalspieler der deutschen Nationalmannschaft stellt.
Ernst Küppers - 1904 Trainer des Wassersportvereins | | |