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Grammatiker

Grammatiker

Grammatiker waren bei den Griechen zunächst Lehrer der Grammatik, dann seit dem Zeitalter der Alexandriner diejenigen Gelehrten, welche sich mit der Erforschung der Grammata, der Schriftwerke des Altertums, nach ihrem formalen und realen Inhalt, also allen den Studien beschäftigten, die wir unter dem Begriff Philologie zusammenfassen. Die erste, uns überlieferte, Grammatik wurde von Dionysios Thrax, die erste Syntax von Apollonius Dyskolus verfaßt. In Rom wurden grammatische Studien seit 169 infolge der Anregung des Krates von Mallos betrieben, und es beschäftigten sich bis zum Ende der Republik angesehene Männer, wie Älius Stilo und Varro, damit. Soweit die Grammatiker Unterricht erteilten, waren sie, die griechischen wie die römischen, bis in die Kaiserzeit Privatlehrer. In Rom erhielten sie wie die Rhetoren von Staats wegen eine bestimmte Besoldung erst seit Kaiser Vespasian (69-79 n. Chr.). Seit der Zeit der Antonine lehrten in allen größeren Städten des römischen Reiches öffentlich angestellte Grammatiker neben Philosophen und Rhetoren, welche teils von den Kommunen, teils vom Kaiser besoldet und überall vom Staat durch Erteilung von Immuninäten begünstigt wurden. Theodosius II. und Valentinianus III. gründeten in Konstantinopel 425 eine Art Akademie, an der zehn lateinische und zehn griechische Grammatiker neben drei lateinischen und fünf griechischen Rhetoren unterrichteten. Kategorie:Antike

Grammatik

Als die Grammatik (lat. ars grammatica, griech. techne grammatike, von gramma- der Buchstabe) bezeichnet man den Teil der Linguistik, der sich mit der Struktur der Sprache befasst. Grammatik umfasst Phonologie ("Lautlehre"), Morphologie ("Formenlehre"), Syntax ("Satzlehre") und Orthographie. Im 20. Jahrhundert ist die Grammatik mit der Textgrammatik über den Satz als größte zu untersuchende Einheit hinausgegangen. In der Grammatik werden historisch gewachsene Regularitäten beschrieben (deskriptive Grammatik), traditionell wurden auch Regeln festgelegt (präskriptive oder vorschreibende Grammatik). Neuere Ansätze versuchen auch Erklärungen zu liefern, etwa durch Rückgang auf die sprachlich zu bewältigenden Aufgaben oder Zwecke (funktionale Grammatiken) oder durch Prinzipien der sprachlichen Form (formale Grammatiken), für die von Chomsky eine genetische Grundlage und somit Universalität für alle menschlichen Sprachen angenommen wird (->Generative Grammatik). Fast die gesamte Grammatikschreibung ist auf geschriebene Sprache, auf Texte als Daten fixiert. Erst in jüngerer Zeit wird auch die Grammatik der gesprochenen Sprache zum Forschungsgegenstand (Wie kommt man zu Wort? Welche Mittel werden für den Sprecherwechsel eingesetzt? Wie wird mit der Intonation gewichtet? etc.). Dass Sprache Mustern folgt, nicht festgesetzten Regeln, zeigt auch der poetische Sprachgebrauch. Dialekte und Soziolekte können spezifische grammatische Merkmale haben. Im Bereich des Deutschen hat das Bayrische viele grammatische Besonderheiten (z.B. doppelter Artikel) sowie Ethnolekte oft eigene grammatische Regeln. Formbezogene Grammatikmodelle sind die Dependenzgrammatik, die Konstituentenstrukturgrammatik und Universalgrammatik. Funktionale Grammatiken sehen in der Tradition Wegeners, Bühlers, Austins das sprachliche Handeln als grundlegend für die Systematik der Formen (z.B. Zifonun/Hoffmann/Strecker u.a. 1997) an und suchen nach funktionalen Erklärungen. So erklärt sich die Frageform aus dem Zweck, ein Wissensdefizit zu bearbeiten. International bekannte Funktionalisten sind Talmy Givón und Simon C. Dik. Auch Programmiersprachen haben eine Grammatik. Damit ein Programm aus seinem Quellcode von einem Compiler oder Interpreter verstanden werden kann, müssen beim Schreiben eines Programmes feste Regeln eingehalten werden. Die Regeln werden häufig mit EBNF beschrieben.

Siehe auch


- Deklination
- Interjektion
- Konjugation
- Suffix
- Wortart, Universalgrammatik
- Philosophische Grammatik

Weblinks


- http://home.pfaffenhofen.de/schyren-gym/gramm/index.html Kleine deutsche Schulgrammatik
- http://www.udoklinger.de/Grammatik/inhalt.htm
- [http://www.canoo.net/ Materialien zur deutschen Rechtschreibung]
- [http://www.lbt-languages.de/lernhilfe/englisch-lernen.html Grammatikübersicht Englisch] ---- Eine Übersicht über die Wikipedia-Beiträge zum Thema Sprache bietet das Portal:Sprache. ---- !Grammatik Kategorie:Linguistik als:Grammatik ja:文法 simple:Grammar th:ไวยากรณ์

Dionysios Thrax

Der Grammatiker Dionysios aus Alexandria mit dem Beinamen Thrax („der Thraker“) lebte vermutlich im 2. Jahrhundert v. Chr. Er verfasste die erste Grammatik, indem er die Erkentnisse zusammentrug, die in der griechischen Welt durch Philosophen und Philologen in den vorangegangenen 400 Jahren zu Sprache und Grammatik erzielt worden waren. In seiner Techne grammatike ("grammatische Wissenschaft") werden zuerst die Buchstaben und Laute behandelt, dann die Flexion von Verbum und Substantiv sowie die Wortbildung. Das Buch enthält damit eine Phonologie und Morphologie des Griechischen. So enthält z.B. Paragraph 12 das Substantiv, das in der Übersetzung von Arens (1974:23) zitiert wird: „Das Nomen ist ein kasusbildender Satzteil, welcher ein Ding, z.B. Stein, oder eine Handlung, z.B. Erziehung, bezeichnet und allgemein, z.B. Mensch, Pferd, und besonders, z. B. Sokrates, gebraucht wird. Das Nomen hat 5 verschiedene Begleiterscheinungen: Geschlecht, Art, Form, Zahl, Kasus. ...“ Mit „Form“ ist die Unterscheidung zwischen Simplex, nicht abgeleitetem Wort, und Kompositum gemeint. Für "Art" gibt er u. a. folgende Beispiele an: patronymisch, possessiv, komparativisch, superlativisch.

Literatur


- Die Fragmente des Grammatikers Dionysios Thrax. hrsg. v. Konstanze Linke. (=Sammlung griechischer und lateinischer Grammatiker, 3). de Gruyter, Berlin/New York 1977, ISBN 3-11-005753-0
- Dionysii Thracis Ars Grammatica; qualem exemplaria vetustissima exhibent subscriptis discrepantiis et testimoniis quae in codicibus rexentioribus scholiis erotematis apud alios scriptores interpretem aremenium repreriuntur. Ed. Gustavus Uhlig. Teubner, Leipzig 1883. (griechisch-armenische Textausgabe)
- Hans Arens: Sprachwissenschaft. Der Gang ihrer Entwicklung von der Antike bis zur Gegenwart. 2 Bde. 2. Aufl. (=Fischer Athenäum Taschenbücher, 2077f). Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1974, ISBN 3-8072-2077-1

Weblinks


- Kategorie:Mann Kategorie:Grieche Kategorie:Grammatiker Kategorie:Wissenschaftsgeschichte Kategorie:Antike

Apollonius Dyskolus

Der griechische Grammatiker Apollonios Dyskolos lebte im 2. Jahrhundert n. Chr. in Alexandria. Er verfasste als erster ein Werk über Syntax, das die Techne grammatike des Dionysios Thrax ergänzte. Sein Name wird meistens in der latinisierten Form Apollonius Dyscolus zitiert. Er behandelt in seinem Werk die Redeteile und ihre Zusammenfügung im Satz, d. h. die syntaktische Verbindung. Z. B. werden der Infinitiv oder die Personalpronomina darin untersucht. Bei Arens (1974:28 f.) kann ein Teil übersetzt nachgelesen werden: „...Das eigentümliche Wesen des Verbums besteht vielmehr nur in der besonderen Ausprägung der verschiedenen Zeitformen und in dem aktiven, passiven und medialen Verhalten; und gerade an diesen allen nimmt die generellste Verbalform, d.h. der Infinitiv, teil. Denn wenn er seiner Natur nach wirklich wäre, was der Ausdruck 'Infinitiv' besagt, nämlich ganz und gar unbestimmt, wie ist es dann denkbar, daß er alles dies noch unterscheiden kann? (Dies ist aber sehr wohl möglich). ...“

Literatur


- Hans Arens: Sprachwissenschaft. Der Gang ihrer Entwicklung von der Antike bis zur Gegenwart. 2 Bde. 2. Aufl. (=Fischer Athenäum Taschenbücher, 2077f). Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1974, ISBN 3-8072-2077-1

Weblinks


- Kategorie: Grammatik Kategorie: Wissenschaftsgeschichte Kategorie: Syntax Kategorie:Antike

169

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Unter der Führung des Kaisers Marcus Aurelius besiegt ein römisches Heer die Markomannen.

Geboren


-

Gestorben


- Lucius Verus, Mitkaiser des Marcus Aurelius (
- 130) ko:169년

Vespasian

Vespasian (
- 17. November 9 in Falacrina; † 23. Juni 79 in Aquae Cutiliae) war vom 1. Juli 69 bis 23. Juni 79 römischer Kaiser. Er war der letzte Kaiser des Vierkaiserjahres. Ihm gelang eine nachhaltige Konsolidierung des Imperiums, wobei er sich auch durch seinen Charakter positiv von Vorgängern wie Caligula oder Nero abhob. Caesar Vespasianus Augustus, ursprünglicher Name Titus Flavius Vespasianus, war der erste römische Kaiser aus der flavischen Dynastie. Seine Ernennung beendete einen Bürgerkrieg, in dessen Verlauf nach dem Tod Neros drei weitere Männer den Titel des römischen Kaisers innegehabt hatten (Vierkaiserjahr). Mit Vespasian bestieg ein Mann den Thron, der wegen seiner toleranten und weltoffenen Art eine Ausnahmeerscheinung in dieser Position darstellt. Während seiner zehnjährigen Herrschaft gelang es ihm, das Reich sowohl politisch als auch finanziell zu stabilisieren. Er galt und gilt als einer der bedeutendsten Kaiser und wird in diesem Zusammenhang mit Augustus und Trajan in eine Reihe gestellt.

Leben

Vespasian vor der Regierungsübernahme

Jugend und erste Ämter

Trajan Vespasian wurde am 17. November 9 n. Chr. in Falacrina (in der Nähe des heutigen Rieti) als Titus Flavius Vespasianus geboren. Sein Vater Flavius Sabinus gehörte zum Ritterstand und war Beamter in Aventicum, wo Vespasian einen Teil seiner Jugend verbrachte. Vespasian war somit der erste Kaiser, der nicht der Senatsaristokratie entstammte. Ein Bruder seiner Mutter war allerdings bereits in den Senatorenstand erhoben worden. Vespasian und sein Bruder Sabinus waren die ersten Mitglieder ihrer Familie, die senatorische Posten erreichten. Vespasians Karriere brachte ihn unter Tiberius als Militärtribun nach Thrakien. Er war außerdem Quaestor der Provinz Creta et Cyrene. Es gelang ihm, sich bei Caligula einzuschmeicheln, und so wurde er im Jahre 40 Praetor.

Aufstieg unter Claudius

In den Jahren 43 und 44 befehligte Vespasian während der Eroberung Britanniens die legio II Augusta, was ihm die Insignien eines Triumphators und in der Folge zwei Priesterämter einbrachte. 51 wurde er Konsul, später noch Prokonsul über die Provinz Africa. Da er nicht, wie die meisten seiner Vorgänger, in die eigene Tasche wirtschaftete, ging er beinahe bankrott und musste von seinem Bruder aus großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten errettet werden. So karrierebewusst er seine öffentlichen Ämter ausübte, so unüblich war die Wahl seiner Frau, Flavia Domitilla. Domitilla war die ehemalige Mätresse eines Ritters und zunächst nicht einmal im Besitz des vollen römischen Bürgerrechts. Diese Wahl hinderte Vespasian aber nicht daran, die beiden Söhne, welche dieser Ehe entsprangen, Titus und Domitian, später zu seinen Nachfolgern zu bestimmen. Die Mutter seiner Söhne starb allerdings noch vor seinem Regierungsantritt. Nach dem frühen Tod der Domitilla lebte Vespasian mit einer Freigelassenen der jüngeren Antonia zusammen, die den Namen Antonia Caenis trug. Aufgrund des Standesunterschieds wählte er für diese Verbindung die Form des Konkubinats, die im römischen Recht als zweite Form der monogamen heterosexuellen Beziehung neben der Ehe anerkannt war. Caenis verfügte als ehemalige Privatsekretärin der Kaisermutter über großen Einfluss am Hof des Claudius und konnte auf diese Weise den Aufstieg ihres Partners hervorragend unterstützen. Als Vespasian Kaiser geworden war, trat sie in der Öffentlichkeit als seine Gattin auf und war ihrem immer neue Einnahmequellen suchenden Lebensgefährten bei seinen finanziellen Transaktionen behilflich. Dabei konnte sie auch selbst ein beträchtliches Vermögen ansammeln. Sie starb 73 oder 74.

Vespasian unter Nero

74 Nero machte Vespasian zu einem seiner offiziellen Gefährten, die ihn auf seinen Gesangstourneen nach Griechenland begleiten mussten. Vespasian soll während eines dieser Vorträge eingeschlafen und dafür beim Kaiser in Ungnade gefallen sein. Er wurde aber bald wieder in Gnaden aufgenommen, da Nero einen unverdächtigen Heerführer für den Osten brauchte, um die Gefahr einer Militärrevolte gegen seine zunehmend unbeliebte Herrschaft zu verringern. So übernahm Vespasian das Kommando über die Niederschlagung des Jüdischen Aufstands und rückte 67 an der Spitze von drei Legionen und starken Hilftruppen, insgesamt rund 60.000 Mann, in der Provinz Iudaea ein – ein Zeichen, dass der Flavier auch weiterhin als loyal angesehen wurde. Die Kämpfe zogen sich über Jahre hin, verliefen aber letzlich für die Römer erfolgreich. Erst als Vespasian bereits Kaiser war, wurde der Aufstand von seinem Sohn Titus blutig niedergeschlagen; Flavius Josephus berichtet darüber in seinem Geschichtswerk Bellum Iudaicum.

Das Vierkaiserjahr

Als Vespasian von Neros Suizid erfuhr, setzte er zunächst auf den greisen Galba. Doch die Wirren des Vierkaiserjahrs verstand er am Ende selbst am besten zu nutzen. Nach dem Tod Galbas und Othos übernahm Vitellius die Macht. Nun wurde auch Vespasian aktiv. Er traf sich mit dem Statthalter von Syrien, Gaius Licinius Mucianus, um über ihr weiteres Vorgehen zu beraten. Mit Unterstützung des Statthalters von Ägypten, Tiberius Julius Alexander, planten sie nun die Rebellion. Berichte über eine spontane Akklamation Vespasians gehören eher in den Bereich der Propaganda, als relativ sicher gilt aber, dass er am 1. Juli 69 von Julius Alexander zum Kaiser ausgerufen wurde. Jedenfalls bekannten sich bis August des Jahres 69 alle Legionen im Orient und an der Donaugrenze zu Vespasian, der damit über das Gros der Armee verfügen konnte. Die flavischen Truppen unter Mucianus sollten nach Italien marschieren, während Vespasian sich nach Ägypten begab, um die Getreideversorgung Roms in seine Hand zu bekommen. Die Beendigung der Belagerung von Jerusalem legte er in die Hände seines Sohnes Titus. Diese Planungen wurden jedoch hinfällig, als die Donaulegionen unter Marcus Antonius Primus, offenbar aus eigener Initiative, in Italien einfielen, um Vespasian den Thron zu sichern. Primus konnte sich schließlich durchsetzen und marschierte am 20. Dezember 69 in Rom ein, wo es ebenfalls zu Kämpfen zwischen Anhängern Vespasians und Anhängern des Vitellius gekommen war. Vespasians Bruder Sabinus, der sich auf dem Kapitol verschanzt hatte, kam dabei ums Leben. Vitellius selbst hatte sich nach der Auflösung seiner Truppen, die sich bei Carsulae nördlich von Rom den flavischen Truppen ergeben hatten, versteckt, war jedoch gefunden und schließlich getötet worden. Das Reich fiel nun Vespasian zu, der Mitte 70 in Rom eintraf, wo Mucianus solange für Ruhe gesorgt hatte. Mit der so genannten lex de imperio Vespasiani (die nur fragmentarisch erhalten ist) wurden ihm alle Vollmachten eines Princeps übertragen.

Vespasian als Kaiser

Militär- und Verteidigungspolitik

Nach dem Bürgerkrieg stand Vespasian vor einem ähnlichen Problem wie vor ihm schon Augustus: Es gab zu viele Legionen. Wie Augustus entließ er diese nach und nach. Er bewies dabei großes Fingerspitzengefühl und sorgte für die notwendige finanzielle Abfederung, ohne diese zu übertreiben. Veteranen wurden in Kolonien angesiedelt, vor allem auf dem Balkan und in Africa, was sich bei der Romanisierung dieser Regionen als hilfreich erwies. Auch das Heer wurde reorganisiert. Die Rheinlegionen entmachtete Vespasian, indem die großen Lager am Rhein abgebrochen und die Truppen auf kleinere Lager entlang der Grenzen verteilt wurden. Dabei wurde darauf geachtet, die Truppen möglichst inhomogen zu halten, so dass keine Volksgruppe innerhalb einer Einheit die Oberhand gewann. Dies trieb die Romanisierung der linksrheinischen Gebiete voran und sicherte Vespasian die Loyalität der Truppen. Anders als Vitellius legte er auch Wert darauf, jenen Tag als seinen ersten im Amt zu kennzeichnen (dies imperii), an dem ihn die Truppen zum Herrscher ausgerufen hatten. Um die Grenze am Rhein zu verkürzen, wurden das so genannte Dekumatland (agri decumates) dem Reich einverleibt, das Gebiet zwischen Donau und Hochrhein. Auch wurden mehrere Legionslager wieder instandgesetzt, unter anderem Mainz, Bonn und Neuss. Mit der Errichtung der ersten Limites wurde auch deutlich gemacht, dass Vespasian einer Defensivpolitik den Vorzug vor Eroberungen gab. Nach dem Aufstand des Batavers Julius Civilis (69/70) wurde die Stärke der Rheinarmee verringert und auch ihre Zusammensetzung verändert. Einige Legionen, die durch ihre Beteiligung während des Bürgerkriegs als unzuverlässig galten, wurden sogar ganz aufgelöst. Die germanischen Auxiliareinheiten wurden ebenfalls aufgelöst und neu aufgestellt, Truppen aus Klientelstämmen wurden nun römischen Offizieren unterstellt. In Britannien wurde Vespasian in der Grenzsicherung aktiv: er leitete die endgültige Eroberung der Insel bis zur Grenze des heutigen Schottlands ein. Wir sind darüber relativ gut informiert, da Tacitus in seinem Werk Agricola, seinem gleichnamigen Schwiegervater gewidmet, auch auf die römische Politik in Britannien eingeht. Die Eroberung der Insel wurde aber nicht mehr zu Lebzeiten Vespasians abgeschlossen. Auch im Osten arrondierte Vespasian die Grenzen. Nach der Niederschlagung des Jüdischen Aufstands wurden mehrere Klientelreiche wie Kommagene annektiert und Truppen in Kleinasien stationiert: Die legio XVI Flavia Firma bezog in Samosata Quartier, während die legio XII Fulminata in Melitene Garnison bezog. Offensichtlich erwartete Vespasian, der den Osten aus eigener Erfahrung recht gut kannte, einen Konflikt mit den Parthern, den östlichen Nachbarn Roms, und sorgte für die entsprechenden Vorkehrungen im Falle einer Konfrontation. Die Grenzbegradigung im Osten sollte Rom jedenfalls in Zukunft von Nutzen sein und nicht als das geringste Verdienst der Flavier angesehen werden, die zudem auch die Infrastruktur durch den Bau zusätzlicher Straßen verbesserten.

Finanzpolitik

Vespasians Erfindungsreichtum bei der Vermehrung der Staatseinnahmen war bekannt. So hatte er aufgrund der hohen Schulden, die Nero hinterlassen hatte, eine Latrinensteuer eingeführt. Als sich sein Sohn Titus bei ihm darüber beschwerte, hielt Vespasian Titus eine Münze hin, die aus dieser Steuer stammte. Titus musste eingestehen, dass sie nicht stank, woraufhin Vespasian ihm entgegenhielt: Atqui, e lotio est. („Und dennoch stammt sie aus dem Urin.“: Sueton, Vespasian, 23). Tatsächlich übernahm Vespasian einen Staat, der nach den Eskapaden seiner Vorgänger so gut wie bankrott war. Vespasian sanierte die öffentlichen Haushalte mit großem Erfolg, wobei er die Steuerfreiheit von Achaea, die Nero aufgrund seines Philhellenentums gewährt hatte, sofort wieder rückgängig machte. Er richtete auch drei Spezialkassen ein: fiscus Iudaicus, fiscus Alexandrinus und fiscus Asiaticus. Sicherlich half bei der Sanierung der Finanzen auch die Beute aus dem Jüdischen Krieg, aber auch in Italien erschloss er neue Steuerquellen. Seine Maßnahmen belegten dabei jenes Fingerspitzengefühl, das er auch bei der Entlassung der Truppen bewies. Er erhöhte zwar die Steuern, ließ aber zunächst einmal Steuersünder verfolgen und Rückstände eintreiben. Auch verkaufte er zwar öffentliche Ämter an Meistbietende, anders als seine Vorgänger enteignete er aber nie aus bloßer Geldgier einen politischen Gegner. Hatte er zum Beginn seiner Amtszeit noch einen hohen Sanierungsbedarf ermittelt, so hinterließ er bei seinem Tod geordnete Kassen und keine Schulden. Seine Finanzpoltik wurde auch von Sueton und Tacitus gelobt.

Politische Reformen und Herrschaftssicherung

Vespasian, der öffentlich gerne behauptete, sich an der augusteischen Politik zu orientieren, betrieb in Wahrheit die zentralistische des Claudius. Es ging ihm um die Alleinherrschaft, was man schon daran ersehen kann, dass er 73 das Amt des Zensors wieder einführte, das er auch zunächst selbst bekleidete, und das ihm dabei half, die Senatoren zu kontrollieren; ebenso bekleidete er mehrmals das Konsulat. Gleichzeitig schmeichelte er dem Senat damit, dass er regelmäßig dessen Sitzungen besuchte, ohne ihm allerdings mehr Rechte einzuräumen oder darauf zu verzichten, vorsichtig die Gegner seiner Politik aus dem Gremium entfernen zu lassen. Insgesamt unterhielt er jedoch gute Beziehungen zum Senat. Ein Nebeneffekt seiner Politik war, dass die Rekrutierungsbasis für den Senat verbreitert wurde und immer mehr Senatoren aus den Provinzen stammten, was möglichen Ränken des alten Hochadels dadurch von vornherein heftigen Widerstand entgegen setzte. Dem Prozessstau, der sich durch den Bürgerkrieg gebildet hatte, weil der Senat mit seinen Aufgaben nicht mehr fertig werden konnte, begegnete Vespasian durch eine Verfahrensbeschleunigung. Die Romanisierung des Reiches machte, wie oben bereits angesprochen, unter Vespasian einige Fortschritte. Hispanien erhielt sogar das latinische Bürgerrecht (ius Latii), eine Vorstufe zum römischen Bürgerrecht. Zur Verwaltung des Reiches legte Vespasian mit den Jahren immer mehr Aufgaben in die Hand seines Sohnes Titus, den er damit systematisch zu seinem Nachfolger aufbaute. Dieses Vorgehen forderte zwar einigen Widerstand heraus, aber nachdem Titus Prätorianerpräfekt und selbst auch Zensor geworden war, hatte Vespasian Fakten geschaffen, gegen die kein echter Widerstand mehr möglich war. Damit schuf sich Vespasian eine durch familiäre Bindungen abgesicherte Herrschaftsbasis, und musste nicht befürchten, von einem ehrgeizigen Prätorianerpräfekten gestürzt zu werden, zumal sich Titus, der militärisch begabt war, aber bevor er nach dem Tod Vespasians 79 selbst Kaiser wurde auch einige menschlichen Schwächen offenbarte, loyal verhielt. Nur Domitian, Vespasians zweiter Sohn, sah sich offenbar zurückgesetzt, verhielt sich aber dennoch gegenüber seinem Vater loyal. Vespasian war gewissenhaft und fleißig, wenn es um die Regierungsgeschäfte ging, darüber hinaus aber auch beim Volk beliebt. Er galt als bürgernah und bodenhaftig, zumal er auf Kritik nicht mit der bei seinen Vorgängern üblichen Paranoia reagierte, sondern diese zumeist gelassen hinnahm, wenngleich es gerade Widerstand aus philosophischen Kreisen kam, denen besonders die erkennbare zentralistische Tendenz des Staates missfiel. Dabei manifestierte sich die Opposition vor allem in der Person des Helvidius Priscus, der das (freilich inzwischen anachronistische) Ideal der res publica libera hochhielt. Er wurde zunächst nur verbannt, später aber hingerichtet (entweder 71, als mehrere kynische Philosophen aus Rom ausgewiesen wurden, oder 74, als es zu einer allgemeinen Ausweisung aus Rom und wohl auch ganz Italien kam). Möglicherweise geht diese Hinrichtung auf das Konto des Titus, der Helvidius nicht besonders gewogen war. Dennoch förderte Vespasian auch zahlreiche Gelehrte. So wurde in seiner Regierungszeit der erste Lehrstuhl für Rhetorik in Rom eingerichtet. Insgesamt ist aus Vespasians Zeit auch nur eine Verschwörung bekannt, die das Ziel hatte, ihn zu beseitigen. Diese wurde aber 79 aufgedeckt. Auch im Privatleben, das sich deutlich von dem Neros oder Caligulas unterschied, galt er als ein zurückhaltener und bescheidener Mann. Rhetorik

Bautätigkeit

Durch gewaltige öffentliche Investitionen, vor allem auf dem Bausektor, kurbelte Vespasian die Wirtschaft des Römischen Reiches an, zumal von einem princeps Bauvorhaben innerhalb der Hauptstadt erwartet wurden. So ließ er das Kapitol wiederaufbauen, das während der Kämpfe 69 zerstört worden war, sowie einen Friedenstempel bauen, den Plinius der Ältere unter die Weltwunder einreihte. Am bekanntesten dürfte allerdings das flavische Amphitheater sein, dessen Bau er initiierte und das heute als Kolosseum bekannt ist. Aber auch in den Provinzen, wo neue Straßen und Brücken angelegt wurden, entfaltete Vespasian eine rege Bautätigkeit.

Tod und Nachfolge

Kolosseum Vespasian war in vielerlei Hinsicht anders als seine Vorgänger, und anders war auch sein Ende: Er starb eines natürlichen Todes. Er weilte 79 gerade in Kampanien, als er erkrankte und sich zur Kur in ein Heilbad nahe seiner Heimatstadt begab. Dort erlitt er am 23. Juni 79 einen schlimmen Durchfall, der ihn beinahe ohnmächtig werden ließ. Er versuchte sich noch aufzurichten (Zitat: „Ein Imperator muss im Stehen sterben!“: Sueton, Vespasian, 24), was ihm allerdings nicht mehr gelang. Nachfolger wurde ohne Schwierigkeiten sein Sohn Titus, der bald schon als mustergültiger Herrscher galt – ähnlich wie sein Vater, der das Reich nach den Wirren des Vierkaiserjahrs wieder stabilisiert und gefestigt hatte.

Persönlichkeit

Sueton und Tacitus, die beiden wichtigsten erzählenden Quellen für Vespasians Regierungszeit, beschreiben ihn als bescheidenen Mann von mittlerer Größe und kräftiger Erscheinung mit einem allzeit angespannten Gesichtsausdruck. Mit seiner Herrschaft änderten sich auch die Abbildungen der Herrscher. Während sich noch der 70-jährige Augustus in Standbildern als jugendlicher Held abbilden ließ, zeigen die Abbilder Vespasians wesentlich mehr Realismus und weniger Idealisierung. Vespasian galt als bodenständig und volksnah, zudem als humorvoll bis zum Zynismus, was die ihm von Sueton zugeschriebenen Zitate verdeutlichen. Als Vespasian erste Anzeichen einer schweren Krankheit bemerkte, die ihn schließlich das Leben kosten sollte, machte er sich über den Divinisierungswahn der Römer lustig (Divinisierung = Erhebung eines Toten unter die Götter) und sagte: Vae, puto deus fio! („Wehe, ich glaube, ich werde ein Gott!“: Sueton, Vespasian, 23).

Literatur

Quellen

Die wichtigsten Quellen zum Leben Vespasians sind Suetons Biografie über Vespasian, die Historien des Tacitus, die Bücher 63-66 von Cassius Dios Geschichtswerk, die die Zeit vom Jüdischen Aufstand bis zu Vespasians Tod behandeln, der Jüdische Krieg des Flavius Josephus sowie die erhalten gebliebenen Inschriften.

Sekundärliteratur


- Hermann Bengtson: Die Flavier. Vespasian, Titus,. Domitian. Geschichte eines römischen Kaiserhauses. Beck, München 1979, ISBN 3-406-04018-7 Informative Gesamtdarstellung.
- Karl Christ: Geschichte der Römischen Kaiserzeit, 4. aktual. Aufl. Beck, München 2002, S. 243ff. ISBN 3-406-36316-4 Deutschsprachiges Standardwerk zur Kaiserzeit.
- Miriam Griffin: The Flavians, in: The Cambridge Ancient History 11. The High Empire, A. D. 70-192, hrsg. von Alan K. Bowman, Peter Garnsey und Dominic Rathbone, Cambridge University Press, Cambridge 2000, S. 1ff. ISBN 0521263352 Überblicksdarstellung auf dem neuesten Stand der Forschung.
- Barbara Levick: Vespasian (Roman Imperial Biographies). Routledge, London und New York 1999, ISBN 0-415-16618-7. Relativ knappe, aber übersichtliche Biografie aus der Reihe "Routledge Biographies". Für den Einstieg hervorragend geeignet.

Weblinks


- [http://www.roman-emperors.org/vespasia.htm Biografie aus dem DIR-Projekt (englisch) mit weiteren Literaturangaben]
- [http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Suetonius/12Caesars/home.html Sueton, Vespasian (lateinisch und englisch)]

Siehe auch


- Jüdischer Krieg Kategorie:Kaiser (Rom) Kategorie:Mann Kategorie:Geboren 9 Kategorie:Gestorben 79 ja:ウェスパシアヌス ko:베스파시아누스

Konstantinopel

Konstantinopel (griech.: Κωνσταντινούπολις / Konstantinoupolis = "Stadt des Konstantin"), gegründet um 685 v. Chr. als Byzantion, war bis 1930 der Name des heutigen Istanbul. In der Spätantike und im Mittelalter war Konstantinopel die Hauptstadt des Oströmischen Reichs, das "Zweite Rom". Nach der osmanischen Eroberung 1453 dann die Hauptstadt des osmanischen Imperiums. Als Lebenszentrum zweier Weltreiche, an der Schnittstelle zweier Kontinente, besitzt Konstantinopel eine überragende historische und künstlerische Rolle. Über 1500 Jahre wurden von den Ufern des Bosporus die Geschicke der damaligen Menschheit gelenkt. Als Prototyp einer imperialen Stadt ist Konstantinopel vom 3 Jh. bis ins 18 Jh. länger Weltstadt gewesen als beispielsweise Rom (3. Jh. v. Chr.-4. Jh. n. Chr.), London (1588-1945), Paris (17. Jh.-1945) oder Washington (D.C.) (20. Jh.).

Spätantike und byzantinische Zeit

Konstantinopel und das Oströmische Reich

Wegen der wachsenden Bedeutung der Osthälfte des Römischen Reiches wurde Byzantion 324 vom römischen Kaiser Konstantin I. - an Stelle von Trier - als neue Hauptstadt, als "Neues Rom" (lat.: Nova Roma), geplant und sechs Jahre später, am 11. Mai 330 feierlich eingeweiht. Wenig später nach seinem Tode nannte man sie zu seinen Ehren Konstantinopel (griech.: Κωνσταντινούπολις "Stadt des Konstantin"). Die Stadt wurde auf das Fünffache der ursprünglichen Fläche vergrößert, und wie das Vorbild Rom auf sieben Hügeln errichtet. Auch die politischen und weltlichen Einrichtungen der alten Hauptstadt wurden bis ins Einzelne nachgeahmt. So erhielt Konstantinopel ein Kapitol, ein Hippodrom für 30.000 Zuschauer, ein Forum (Forum Constantini) und eine Hauptverkehrsachse in ost-westlicher Richtung. Trotz seiner Förderung des Christentums ließ der Kaiser auch heidnische Tempel errichten; sein Sohn Constantius II. gewährte dann dem Senat der Stadt dieselben Privilegien, wie sie der römische genoss. Konstantinopel wurde in der Folge konsequent zum Mittelpunkt von Verwaltung, Wirtschaft und Kultur des Oströmischen Reiches ausgebaut und erfüllte diese Aufgabe (mit Unterbrechung) seit dem späten 4. Jahrhundert bis in die Neuzeit par excellence. Solange Byzanz/Konstantinopel stand, stand auch das (von der modernen Geschichtsschreibung so genannte) Byzantinische Reich. Fiel die Stadt, fiel das Reich ebenso. In Konsequenz der zentralen Stellung wurde Konstantinopel auch zum kirchlichen Mittelpunkt. Der Bischof der Stadt, der sein Amt auf den Apostel Andreas zurückführte, war ab 381 Patriarch und beanspruchte eine herausgehobene Stellung. Auch kulturell lebte die Stadt in der Spätantike auf: Die Hochschule war die jüngste, aber auch größte des Ostreiches und erreichte unter Theodosius I. eine erste Blütezeit, wobei auch die Bibliotheken ausgebaut wurden. Die Erweiterung Konstantinopels konnte auf Grund der geografischen Lage nur nach Westen hin erfolgen. Bereits Theodosius I. baute die Stadt aus. Seit 412 wurde unter Theodosius II. etwa 500 m westlich der von Konstantin errichteten Stadtmauer eine neue, teilweise noch heute erhaltene Mauer errichtet und so das Areal der Stadt von sechs auf zwölf km² verdoppelt. Die Bevölkerung Konstantinopels wuchs rasch und ab einem gewissen Maß gegen den Willen der Herrscher, doch selbst Zuzugsbeschränkungen vermochten den Zuzug nicht zu verhindern. Die Versorgung der weit über 300.000 Einwohner (zur Zeit Justinians waren es vor Ausbruch der Pest in den 40er Jahren des 6. Jahrhunderts gar zwischen 500.000 und 600.000) stellte die Machthaber zeitweise vor Probleme, insbesondere im 7. Jahrhundert nach dem Verlust der "Kornkammer" Ägypten an die Araber, wodurch die Einwohnerzahl wieder zurückging. Bis etwa 600 gab es in der Stadt übrigens noch zahlreiche Einwohner mit Latein als Muttersprache, wie unter anderem durch Grabinschriften bezeugt wird, erst danach wurde Konstantinopel vollständig gräzisiert. Um die Warenversorgung sicherzustellen, wurden früh Häfen an der Küste zum Goldenen Horn und zum Marmarameer aus- oder neugebaut. Für die Versorgung der riesigen Hauptstadt mit Trinkwasser wurden mehrere Aquädukte aus dem nordwestlich gelegenen Hügelland errichtet, deren Wasser in mehreren, insgesamt 130.000 m³ fassenden, unterirdischen Zisternen (bspw. der 532 unter Justinian I. fertiggestellten Yerebatan Sarnıçı) gespeichert wurde. Allgemein erfasste die oströmischen Kaiser im 4.-6. Jahrhundert eine auffällige Baulust, von der auch Chalcedon - obwohl es ständig im Schatten von Konstantinopel stand - profitierte. So wurde der Hafen erweitert, sowie Paläste und Kirchen gebaut. Nach den Zerstörungen während des Nika-Aufstandes 532 ließ Justinian I. zahlreiche Gebäude, darunter die Hagia Sophia neu errichten. Militärisch galt Konstantinopel lange Zeit als uneinnehmbar und als die stärkste Festung der bekannten Welt; zahlreiche Angriffe und Belagerungen scheiterten an dem mehrfach gestaffelten Befestigungswerk der Stadt. Zu einer ersten Bewährungsprobe kam es 626 durch den Angriff der persischen Sassaniden und der mit ihnen verbündeten Awaren. Mit der islamischen Expansion, während der auch die Araber an der dreifachen Mauer der Stadt scheiterten, endete wenige Jahre später die spätantike Phase der Stadt.

Konstantinopel in mittelbyzantinischer Zeit

Die beiden abgewehrten Belagerungen durch die Araber in den Jahren 674-678 sowie 717/18 stoppten den Vormarsch der Muslime nach Europa und sind ebenso wie die Schlacht bei Tours und Poitiers durch die Franken von welthistorischer Bedeutung. Allerdings wirkte sich der endgültige Verlust der reichen römischen Orientprovinzen nach 636 auch auf die Hauptstadt aus; so entfielen nun die Getreidelieferungen aus Ägypten. Während die Araber im Laufe des 8. bis 10. Jahrhunderts teilweise zurückgedrängt werden konnten, wurden die Bulgaren zur neuen Bedrohung für die Stadt. Zu einer ersten (ebenfalls erfolglosen) Belagerung kam es 813. Die Serie der Angriffe riss auch im 9. und 10. Jahrhundert nicht ab, als Bulgaren und Rus, im Jahr 1090 die Petschenegen, mehrfach den Versuch einer Eroberung Konstantinopels unternahmen. In der Regel führten diese Belagerung zur Verwüstung des thrakischen Umlands der Stadt, und auch das leichter befestigte Chalcedon wurde mehrfach von Persern und Arabern eingenommen, geplündert und zerstört. Infolge dessen sind dort heute kaum noch Spuren der byzantinischen Baukunst zu finden. Trotz wiederkehrender Stadtbrände, Seuchen und Erdbeben blieb Konstantinopel bis ins Mittelalter eine der wenigen "Weltstädte" (neben Bagdad, Kairo und Córdoba), und die mit Abstand größte und wichtigste christliche Metropole. Unter Justinian hatte sie sie im 6. Jahrhundert wie bereits beschrieben ihre erste und größte Blüte erreicht, die Einwohnerzahl durchbrach damals die 500.000er Marke. Doch bis Mitte des 8. Jahrhunderts ging die Einwohnerzahl nicht zuletzt auf Grund der Araber-Belagerungen zurück, um dann allerdings bis ins 12. Jahrhundert auf angeblich etwa 700.000 Einwohner anzusteigen. Gebietsverluste infolge militärischer Niederlagen (u.a. in der Schlacht von Manzikert im Jahr 1071) zwangen die Byzantiner Ende des elften Jahrhunderts, Hilfe im christlichen Westen zu suchen. Dem Vordringen der Normannen über Süditalien bis auf das griechische Festland konnte nur dank der Venezianer Einhalt geboten werden, im Gegenzug wurden ihnen Handelsprivilegien, Zollnachlässe sowie eine Handelsniederlassung in Konstantinopel vertraglich zugesichert. Weitere Hilfsgesuche im Westen führten zum Ausruf des Ersten Kreuzzug durch Papst Urban II., infolgedessen ein Heer aus allen Teilen Westeuropas Richtung Konstantinopel zog, wo im April 1097 die letzten Abteilungen eintrafen. In der Metropole am Bospuros sahen die Kreuzfahrer eine fortschrittliche Infrastruktur, die sie aus keiner ihrer Städte auch nur annähernd kannten. Es gab Aquädukte, Bäder und Kanalisation, Kliniken mit Abteilungen für die unterschiedlichsten Krankheiten, eine große Universität, selbst Polizei und Feuerwehr. Händler aus aller Welt trafen sich auf den Basaren der Stadt, deren großer Reichtum auf dem Überseehandel beruhte. Kaiser Alexios I., der angesichts der barbarisch anmutenden Horden um seine Hauptstadt besorgt war, beeilte sich, das Kreuzfahrerheer auf die asiatische Seite des Bosporus zu befördern. Das gut 50.000 Mann starke Heer eroberte noch im gleichen Jahr die nahe gelegene Sultanats-Hauptstadt Nicäa und zog dann weiter Richtung Jerusalem. Dem dicht bedrängten Konstantinopel war wieder etwas Luft verschafft worden. Das traditionell freundliche Verhältnis der Byzantiner mit Venedig schlug im 12. Jahrhundert unter Manuel I. Komnenos in Misstrauen, Verachtung und Hass um, nicht zuletzt durch die immer wieder auf byzantinischem Boden ausgetragenen Machtkämpfe der Dogenrepublik mit Pisa und Genua. Die Einheimischen empfanden das anmaßende Auftreten der sog. "Lateiner" als Provokation. Die explosive Stimmung entlud sich 1171 in den "Lateinerprogromen", als die byzantinische Regierung zuerst den Besitz tausender Venezianer konfiszierte und sie anschließlich einkerkerte. Angeblich wurde sogar der anschließend zu Verhandlungen angereiste Enrico Dandolo geblendet. Trotz eines 1177 beschlossenen Friedens beeinträchtigten das Ereignis der "Lateinerprogrome" die Beziehung zwischen Konstantinopel und Venedig nachhaltig. Und so ist es nicht verwunderlich, dass 1202 ein von Venedig ausgerüstetes und vom Dogen Dandolo geführtes Kreuzfahrerheer die Eroberung Konstantinopels in Angriff nahm, unter dem Vorwand, die dortigen Thronstreitigkeiten zu klären. Kaiser Alexios III. floh vor dem anrückenden Heer, und Isaak II. nahm (wieder) Platz auf dem Thron. Die Kreuzfahrer blieben trotz "getaner Arbeit" in der Stadt. Als sie eine Moschee entdeckten - es gab seit 718 infolge der Niederlassung arabischer Händler eine muslimische Gemeinde in Konstantinopel - und sie anzündeten, zerstörte der dadurch entstandene Flächenbrand ein ganzes Stadtviertel. Nachdem Isaak II. sowie sein Sohn Alexios IV. (unter ungeklärten Umständen) starben und ihnen Alexios V. auf den Thron folgte, wurden die Kreuzfahrer aus der Stadt verwiesen. Diese bereiten daraufhin einen erneuten Angriff auf Konstantinopel vor. Am 13. April 1204 gelang es ihnen, die Stadt von der Seemauer am Goldenen Horn her zu stürmen. Die anschließende Plünderung der Stadt dauerte drei Tage. Viele Einwohner der kosmopolitischen Metropole wurden dabei getötet. Zahlreiche Monumente wurden zerstört, großartige Kunstwerke wurden vernichtet oder geraubt, etliche Bibliotheken niedergebrannt und eine große Anzahl der in Konstantinopel aufbewahrten Heiligenreliquien über ganz Europa zerstreut. So stammen beispielsweise die Skelette der Heiligen Drei Könige, die heute im Dreikönigsschrein im Kölner Dom ruhen, ursprünglich aus Konstantinopel. Von der Zerstörung und Plünderung durch die Venezianer und Kreuzfahrer hat sich Konstantinopel für den Rest des Mittelalters im Grunde nicht wieder erholt.

Die spätbyzantinische Zeit und das Vordringen der Türken

Kölner Dom Die Kreuzfahrer zerstückelten das Byzantinische Heerschaftsgebiet und errichteten das sog. Lateinische Kaiserreich. Dieses hielt nur kurz bestand, bereits 1261 eroberte ein Söldnerheer des von geflohenen byzantinischen Familien getragenen Kaiserreiches Nikaia die Stadt im Handstreich zurück. Das Byzantinische Reich wurde in vergleichsweise bescheidenem Umfang wieder hergestellt, verlor aber in der Folge immer weitere Gebiete seines Territoriums. Um 1300 hatte Konstantinopel noch etwa 100.000 Einwohner. Seine Rolle als wichtigstes Handelszentrum des Mittelmeers hatte es an die italienischen Hafenstädte, insbesondere Venedig, verloren. Die Italiener unterhielten Handelsniederlassungen im Stadtteil Pera (heute Beyoğlu) auf der nördlichen, europäischen Seite des Goldenen Horns. 1326 begann mit der Eroberung Bursas durch Osman, einem Heerführer eines kleinen türkischen Stammes, der Siegeszug der Osmanen. In rascher Folge eroberten diese ganz Anatolien und Teile des europäischen Festlandes. Byzanz glich bald einer Insel im Osmanischen Reich. Im 15. Jahrhundert bestand es nur mehr aus dem eigentlichen Stadtgebiet und den umliegenden Dörfern, die Einwohnerzahl sank auf etwa 40.000 ab. Mehrere Angriffe auf Konstantinopel blieben erfolglos, bis am 29. Mai 1453 die Stadt unter Mehmet dem Eroberer unter großen Verlusten eingenommen werden konnte (Siehe auch Belagerung von Konstantinopel (1453)). Die Zahl der Toten wird mit 50.000 angegeben. Die zahlenmäßig weit unterlegenen Verteidiger hielten knapp zwei Monate der Belagerung stand, warteten am Ende aber vergeblich auf Hilfe aus Venedig. Die Überlebenden wurden mit Ausnahme der Juden und Genuesen deportiert. Diese konnten dank ihrer umsichtigen Haltung während der Belagerung ihren Privatbesitz retten. Viele Einwohner und Intellektuelle flohen nach Westeuropa und vor allem Norditalien, und nahmen dabei viele erhalten gebliebene Kopien antiker Schriftstücke mit. Diese verbreiteten sich durch die ungefähr gleichzeitig erfundene Buchdruck-Kunst schnell in Norditalien und lösten eine Welle der "Wiederentdeckung" antiker Denkmodelle und Vorstellungen aus. Diese Wiederentdeckung beschleunigte den vielschichtigen Prozess, der heute als Renaissance bezeichnet wird. Inzwischen prägten die muslimischen Herrscher, die Konstantinopel zur Hauptstadt ihres Reiches machten, das Stadtbild neu. Unzählige Kirchen, deren bedeutendste die Hagia Sophia war, wurden um Minarette ergänzt und zu Moscheen umgebaut. Bald durften die vertriebenen Griechen und Armenier zurückkehren und prägten das multikulturelle Bild einer im europäischen Vergleich der damaligen Zeit toleranten Metropole bis zum Ende des Osmanischen Reiches.

Osmanische Zeit

Armenier Nach der Eroberung nannten die Türken die Stadt im Alltagsgebrauch İstanbul, auch wenn der inoffizielle Name bis in die 1920er Jahre weiter Konstantinopel blieb; auch wird bis heute im griechischen Sprachbereich Konstandinúpoli gesagt. Der Name İstanbul (im deutschen Sprachraum früher auch Stambul) leitet sich aus dem griechischen εἰς τὴν πόλι(ν), in der Koine zu is tim boli(n) verschliffen, ab, was in die Stadt bedeutet. Es existieren eine vielzahl von Theorien über die Namensgebung. Jedoch besagt die Legende : Zu Zeiten Sultan 2. nach der Eroberung Konstantinopels flüchteten die Christen aus Angst vor Übergriffen aus der Stadt. Kurz darauf gebot Fatih Sultan Mehmet besonderen Schutz der Christen. Auf den Pferdewagen verbreitet sich dann der Slogan eis ten polin, "in die Stadt". Mit der Zeit wurde dies der Name der Stadt. Die Stadt wurde Residenz der Sultane und Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Sie behielt neben der politischen große wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung und ein internationales Gepräge. Selbst das Patriarchat blieb erhalten, bis 1821 spielten Griechen eine wichtige Rolle. Unter Süleyman dem Prächtigen (1520-1566) war İstanbul die Hauptstadt eines riesigen Reiches, das von Ungarn über Belgrad bis Bagdad und weit nach Nordafrika reichte. Das Osmanische Reich war am Gipfel seiner Macht, was sich in einer Vielzahl von Palästen und Moscheen des Architekten Sinan, des größten osmanischen Baumeister seiner Zeit, widerspiegelt. Bereits damals begann aber der Niedergang. Fehlende Reformen, korrupte Wesire, die Macht der Sultansfrauen sowie die Abschottung gegen moderne Tendenzen bewirkten, dass man trotz einer schönen Fassade im 19. Jahrhundert schließlich vom "kranken Mann am Bosporus" sprach, wenn man das Osmanische Reich meinte. Ab dem 17. Jahrhundert kam es zu einem massiven Zuzug von Armeniern aus allen Gebieten des Osmanischen Reichs. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten bereits über 220.000 Armenier in Konstantinopel, fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Stadt. Es bildete sich eine kulturelle armenische Infrastruktur, die schließlich zu einem literarisch-kulturellen sowie politischen Aufbruch der westarmenischen Gemeinschaft führte. Doch mit dem Ersten Weltkrieg und dem Machtgewinn der "Jungtürken" begann die Verfolgung der Armenier. Am 24. April 1915 kommt es zu einer großangelegten Verhaftungswelle, Auftakt zum Völkermord an den Armeniern. Fast alle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurden festgenommen und anschließend deportiert oder gar hingerichtet. Ein wichtiger Chronist dieser Zeit ist der deutsche Journalist und Schriftsteller Friedrich Schrader, der von 1891 bis 1918 in Konstantinopel lebte und arbeitete.

Imperiale Bauwerke

Als Kaiser Konstantin zwischen 324 und 330 ein neues Zentrum für das römische Reich am alten Byzanz gründetete, sollte dieses allmählich Rom als Hauptstadt ablösen. Um den Gedanken eines Nova Roma Nachdruck zu verleihen, mußte dieses dann auch architektonisch ausgebaut werden. Da Konstantinopel zudem von Anfang an christlich geprägt war und das Christentum Staatsreligion wurde, ohne das im Übrigen auf den Kaiserkult verzichtet wurde, bekam Konstantinopel ein durch Votiv- und Gedenksäulen, Foren, Palästen, dem Hippodrom und natürlich zahlreichen christlichen Kirchen geprägtes Aussehen. Ältestes erhaltenens Baudenkmal Konstantinopels ist die Konstantinssäule. Die ehemals knapp 50 Meter hohe Porphyrsäule bekrönte ursprünglich eine Statue des Helios aus Ilion. Der Kopf des Sonnengottes war von sieben Strahlen umkränzt, in die man Passionsnägel einarbeitete, während das Innere der Statue einen Spliter vom Kreuz Christi barg. Im Jahr 1105 wurde die Statue bei einem Unwetter zerstört und durch ein Kreuz ersetzt. Die Säule wurde zum Symbol der Stadt, und die letzten byzantinischen Chronisten berichten, dass sich am Tag der Eroberung durch Sultan Mehmed II. die Stadtbewohner frühmorgens um sie versammelten, um auf den rettenden Engel des Herrn zu warten. Neben der Konstantins-Säule bildete vor allem das Hippodrom den Mittelpunkt der Stadt und war Brennpunkt des öffentlichen Lebens. Hier begegneten sich Kaiser und Volk, hier demonstrierte der Kaiser seine Macht und dort finden sich daher auch einige repräsentative Objekte. Entlang der Spina, der Trennmauer zweischen den beiden Richtungsbahnen, um welche die Steitwagen kurvten, stellten Konstantin und seine Nachfolger Standbilder und Denkmäler auf. Darunter ein ägyptischer Obelisk vom Tempel in Karnak und die bronzene Schlangensäule aus dem 6. Jh. v. Chr. Unter Kaiser Thedosius wurde entlang der Wegstrecke der kaiserlichen Triumphzüge drei Foren erreichtet. Auf dem Forum Tauri stand die Ehrensäule des Kaisers Theodosios, geschaffen nach dem Vorbild der Trajanssäule in Rom. Weitere Säulen sind die Arkadios-Säule, Markian-Säule sowie die Justinian-Säule. Diese jüngste der Säulen ist ebenso wie die Konstantins-Säule aufs engste mit der Geschichte Konstantinopels verbunden. Die 543 eingeweihte 35 m hohe Säule trug ein Reiterstandbild Justinians I. in drei bis vierfacher Lebensgröße. Als Mehmed II. Konstantinopel eroberte, bestanden eine seiner ersten Taten darin, die Statue zu vernichten.

Literatur


- Friedrich Schrader: Konstantinopel in Vergangenheit und Gegenwart, Tübingen 1917
- Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion - Konstantinupolis - Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, Tübingen 1977. ISBN 3-8030-1022-5 (Standartwerk zu Stadtentwicklung und Bauten)
- John Freely; Hilary Sumner-Boyd: Istanbul : ein Führer, 3., durchges. Aufl., München 1986, ISBN 3-7913-0098-9
- Philip Mansel: Constantinople - City of the world's desire 1453-1924, London 1995. ISBN 0-14-026246-6
- Wolfgang Müller-Wiener: Die Häfen von Byzantion - Konstantinopolis - Istanbul, Tübingen, 1997, ISBN 3-8030-1042-X
- Dogan Kuban: Istanbul - an urban history : Byzantion, Constantinopolis, Istanbul, Istanbul 1996, ISBN 975-7306-20-7
- Stéphane Yerasimos: Konstantinopel, Istanbuls historisches Erbe, Köln 2000, ISBN 3-8290-1896-7
- Klaus Kreiser: Istanbul : ein historisch-literarischer Stadtführer, München 2001, ISBN 3-406-47191-9 Kategorie:Ort in der Türkei Kategorie:Byzantinische Geschichte ja:コンスタンティノポリス ko:콘스탄티노폴리스

Kategorie:Antike

Siehe auch


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Breznev

Leonid Iljitš Brežnev (Леонид Ильич Брежнев; 19. joulukuuta 190610. marraskuuta 1982) oli neuvostoliittolainen poliitikko. Brežnev oli Neuvostoliiton kommunistisen puolueen pääsihteeri ja valtion päämies vuodesta 1964 kuolemaansa saakka, pisimmän ajan Stalinin jälkeen.

Alkuvaiheet

Brežnev oli syntyisin Kamenskojesta (nyt Dneprodzeržinsk) Ukrainasta, mutta perhetaustaltaan venäläinen. Hän opiskeli metallurgiaa ja valmistui insinööriksi Dneprodzeržinskin metallurgisesta instituutista ja työskenteli Itä-Ukrainan rauta- ja terästeollisuudessa. Hän liittyi kommunistisen puolueen nuorisojärjestöön, Komsomoliin 1923 ja puolueeseen 1931. Vuosina 19351936 Brežnev suoritti asepalveluksensa panssarikomppanian poliittisena komissaarina. Vuonna 1936 hänestä tuli opinahjonsa johtaja, mutta samana vuonna hän siirtyi Dnepropetrovskiin ja 1939 hänestä tuli puolueen johtaja kaupungissa, vastuussa paikkakunnan tärkeästä puolustusteollisuudesta. Brežnev oli ollut liian nuori osallistumaan vallankumoukseen ja Leninin kuoleman jälkeiseen valtakamppailuun, ja hänen aikanaan Stalin oli ehdoton johtaja. Stalinin puhdistukset 19371939 avasivat nuorelle polvelle monia paikkoja puolueen ja valtion johdossa. Natsi-Saksan hyökättyä Neuvostoliittoon kesäkuussa 1941 Brežnev oli evakuoimassa monia tärkeitä tehtaita, ennen kuin Dnepropetrovsk joutui Wehrmachtin valloittamaksi 26. elokuuta. Monen puolueen alemman johtoportaan johtajan tavoin Brežnev määrättiin Puna-armeijan joukko-osaston poliittiseksi komissaariksi. Lokakuussa Brežnevistä tuli eteläisen rintaman poliittisen johtajan varamies prikaatinkenraalina. Vuonna 1942 Ukraina oli kokonaan menetetty ja Brežnev toimi Transkaukasian rintaman poliittisen osaston kakkosmiehenä. Huhtikuussa 1943 hänestä tuli 18. armeijan poliittisen osaston johtaja. 18. armeija liitettiin ensimmäiseen Ukrainan rintamaan, jonka poliittisena johtajana toi Nikita Hruštšov, josta tuli Brežnevin uran tärkeä tukija. Sodan lopussa kenraalimajurin arvoinen Brežnev oli Prahan vapauttaneen neljännen Ukrainan rintaman poliittinen komissaari.

Valtaannousu

Sodan jälkeen Brežnevistä tuli puolueen johtaja Dnepropetrovskissa ja 1950 hänet nimitettiin korkeimman neuvoston varasijalle ja myöhemmin samana vuonna Neuvostoliiton Moldavian puolueen pääsihteeri. Vuonna 1952 hänestä tuli kommunistisen puolueen keskuskomitean jäsen ja presidiumin (entinen politbyroo) ehdokas. Stalinin kuoltua maaliskuussa 1953, presidiumi purettiin ja pienempi politbyroo järjestettiin uudelleen. Brežnev ei päässyt politbyrooseen, mutta hänestä tuli armeijan ja laivaston poliittisen johdon puheenjohtaja ja 1955 Kazakstanin puolueen pääsihteeri. Helmikuussa 1956 Brežnev kutsuttiin jälleen Moskovaan, politbyroon ehdokkaaksi, ja puolustusteollisuuden, avaruusohjelman, raskaan teollisuuden ja pääkaupungin uudelleenrakennuksen johtoon. Tuettuaan Hruštševia valtataistelussa puolueen sisällä Molotovia, Georgi Malenkovia ja Lazar Kaganovitšiä vastaan Brežnevistä tuli politbyroon täysjäsen. Vuonna 1959 Brežnevistä tuli keskuskomitean toinen sihteeri ja toukokuussa 1960 korkeimman neuvoston puheenjohtajiston presidentti, nimellinen valtion pää, vaikka todellinen valta oli tietenkin Hruštševilla puolueen johdossa. Hruštševin valta oli turvattu vuoteen 1962, mutta johtajan ikääntyessä sekä Neuvostoliiton talousvaikeuksien ja hänen toimintansa herätettyä epäluottamusta Anastas Mikojanin organisoima kaappaus poisti hänet vallasta. Brežnev oli pitkään lojaali Hruštševille, mutta osallistui kuitenkin kaappaukseen. Brežnev oli nimitetty jo keskuskomitean pääsihteeriksi ja oli todennäköinen Hruštševin seuraaja. Hruštševin ollessa lomalla kaappaajat iskivät 14. lokakuuta 1964 ja poistivat hänet vallasta. Brežnev nimitettiin pääsihteeriksi, Aleksei Kosygin pääministeriksi ja Mikojan valtion johtoon ennen jäämistään eläkkeelle 1965. Mikojanin korvasi niin sanotussa "troikassa" Nikolai Podgornyi.

Neuvostoliiton johdossa

Brežnevin aikaa Neuvostoliiton johtajana on sanottu "pysähtyneisyyden ajaksi". Toisaalta tähän aikaan osuvat mm. Neuvostoliiton invaasiot Tšekkoslovakiaan vuonna 1968 ja Afganistaniin 1979. Hruštševin aikana Brežnev oli tukenut Hruštševin aloittamaa Stalinin henkilökultin purkua, mutta astuttuaan valtaan aloitti puolestaan Stalinin rehabilitoinnin. Toukokuussa 1965 hän mainitsi puheessaan ensimmäisen kerran Stalinin positiivisessa sävyssä. Hän otti itselleen Stalin tittelin, ja toisinajattelevien kirjailijoiden oikeudenkäynnit 1966 lopettivat kulttuurin vapautumisen. Juri Andropovin johtama KGB sai jälleen valtaa, jota se oli menettänyt Stalinin kuoleman jälkeen. Ensimmäinen Brežnevin ajan kriisi alkoi 1968, Alexander Dubčekin Tšekkoslovakian kommunistijohdon aloitettua uudistuksen (Prahan kevät). Heinäkuussa Brežnev arvosteli Tšekkoslovakian johtoa revisionistiseksi ja neuvostovastaiseksi, ja elokuussa Varsovan liiton joukot saapuivat Tšekkiin syrjäyttämään Dubčekin. Brežnev vastasi vastalauseisiin sanomalla, että Neuvostoliitolla oli oikeus puuttua muiden maiden asioihin suojellakseen sosialistisia järjestelmiä. Kanta tuli tunnetuksi Brežnevin oppina, vaikka jo Hruštšev oli harjoittanut samaa politiikkaa Unkaria kohtaan 1956. Brežnevin aikana Neuvostoliiton suhteet Kiinaan rapistuivat edelleen 1960-luvun alun välirikon jälkeen. Vuonna 1965 Kiinan Zhou Enlai vieraili Moskovassa, mutta ratkaisuihin ei päästy. 1969 Neuvostoliiton ja Kiinan rajajoukot kahinoivat useaan kertaan Ussurijoella. Brežnev jatkoi myös Pohjois-Vietnamin tukemista Vietnamin sodassa. Vietnamin sodassa Kiinan–Yhdysvaltain suhteiden parannuttua 1971 lähtien, Brežnevin oli avattava uusi neuvottelukierros Yhdysvaltain kanssa estääkseen neuvostovastaisen liiton syntymisen. Toukokuussa 1972 Yhdysvaltain Richard Nixon vieraili Moskovassa, ja johtajat solmivat ydinaseita rajoittavan SALT I -sopimuksen (Strategic Arms Limitation Treaty). Vietnamin sodan päätyttyä este Neuvostoliiton ja Yhdysvaltain suhteiden kehittymiselle poistui, ja Brežnev vieraili toukokuussa 1973 Länsi-Saksassa ja kesäkuussa Yhdysvalloissa. Helsinki-sopimus 1975 tunnusti toisen maailmansodan jälkeiset etupiirit, ja siten Neuvostoliiton hegemonian Itä-Euroopassa. Vastavuoroisesti Neuvostoliitto tunnusti tietyt periaatteelliset ihmisoikeudet, tosin sopimuksen noudattamisen laajuus jäi kyseenalaiseksi. 1970-luvun puoliväli oli Neuvostoliiton kulta-aikaa ulkopoliittisesti. Samaan aikaan Brežnev pönkitti sisäpoliittista asemaansa määräämällä Podgornyn eläkkeelle, ja ottamalla puhemiehen paikan korkeimmassa neuvostossa. Toukokuussa 1976 hänestä tuli ensimmäinen Neuvostoliiton marsalkka poliittisin perustein sitten Stalinin ajan. Brežnevin nimitys herätti närää upseeriston keskuudessa, koska hän ei ollut ikinä toiminut joukkojen komentajana, mutta kylmän sodan vastakkainasettelun korostama armeijan asema piti kenraalit tyytyväisinä.

Brežnevin hallinnon kriisi

Neuvostoliiton talouden ongelmat olivat hiljalleen kasvaneet 1970-luvulla. Talouden perusta oli edelleen maatalous Stalinin teollistamissuunnitelmista huolimatta, ja tehoton maatalous ei pystynyt ruokkimaan väestöä. Teollisuus oli myös kykenemätön vastaamaan kysyntään, modernisaatioon tai tekniseen kehitykseen. Nuorien puoluejohtajien astuttua johtoon Stalinin puhdistuksen jälkeen he säilyttivät asemansa ikääntyen, eikä uusia nuoria johtajia noussut korkeisiin asemiin. Valtavat sijoitukset armeijaan ja avaruusohjelmiin, ja samanaikainen tarve tuoda elintarvikkeita maailmanmarkkinahintaan johtivat elintason laskuun. Asuinolojen hidas rapautuminen ja terveydenhuollon ja koulutuksen alamäki johtivat vähitellen tuottavuuden laskuun. Kulutustavaroiden puute johti laajaan mustan pörssin kauppaan ja korruptioon, joka oli ollut tuntematon aikaisemmin. Brežnev itse piti ulkomaisista autoista ja vaatteista, joita tuotettiin hänen käyttöönsä. Brežnevin viimeisinä vuosina hänen ympärilleen alettiin rakentaa henkilökulttia, jonka huippu oli hänen 70. syntymäpäivänään joulukuussa 1976. Päinvastoin kuin Stalinin kulttiin, hänen kulttiinsa suhtauduttiin kyynisyydellä, koska Brežneviä kohtaan ei tunnettu pelkoa eikä juurikaan kunnioitusta. kyynisyydellä -sopimuksen Wienissä 18.6.1979]] Viimeiset vuotensa Brežnev vietti keskittyen ulkopoliittisiin suhteisiin kuten SALT II -sopimukseen, joka allekirjoitettiin kesäkuussa 1979, jättäen huomiotta sisäpoliittiset ongelmat. Hänen alaisensa kuten Mihail Gorbatšov, maatalouden johtaja, vakuuttuivat siitä että uudistusten aika oli edessä. Brežnevin viimeisimmäksi jäänyt päätös oli lähettää joulukuussa 1979 neuvostojoukot tukemaan Afganistanin kommunistihallitusta. Päätöstä ei tehnyt politbyroo, vaan Brežnevin sisäpiiri yksityisessä kokouksessaan. Neuvostoliiton sekaantuminen johti liennytyksen alamäkeen, USA:n osittaiseen kauppasaartoon ja kärjisti Neuvostoliiton ongelmia. Jo Carter aloitti uuden asevarustelun kierteen, jota hänen seuraajansa Ronald Reagan edelleen kiihdytti. Neuvostoliiton oli pakko vastata, mikä johti edelleen voimavarojen siirtymiseen asevarusteluun. Brežnev kärsi sairaskohtauksen maaliskuussa 1982 ja kuoli lopulta sydänkohtaukseen marraskuussa. Hänet on haudattu Kremlin muuriin. Brežnev, Leonid Brežnev, Leonid ja:レオニード・ブレジネフ

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