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Griechen

Griechen

Griechen

Die Griechen (auf griechisch Έλληνες, Éllines, Hellenen) sind ein indoeuropäisches Volk. Heute leben sie vor allem in Griechenland, und auf Zypern.

Die Auslandsgemeinden

Griechen lebten von der Antike an schon weit außerhalb ihres ursprünglichen Siedlungsgebietes. Die Diasporagriechen siedelten zu Beginn des 20. Jahrhunderts in weit größerer Bevölkerungszahl außerhalb des heutigen griechischen Staatsgebietes als innerhalb.

Griechen im Ausland, Schätzungen der griechischen Botschaften 1988

Albanisches Nord-Epirus

Der zu Albanien gehörende nördliche Teil der Region Epirus (Ήπειρος, Ípiros) ist auch heute noch griechisch besiedelt. Die Region um die Stadt Argirókastro (Αργυρόκαστρο), auf albanisch Gjirokaster, wurde von mehr als 100.000 Griechen bewohnt. Über die heutige Zahl existieren recht unterschiedliche Angaben. Viele dürften nach Öffnung der Grenze aufgrund der katastrophalen Wirtschaftslage Albaniens nach Griechenland eingewandert sein. Zudem ist die Frage der Minderheitenrechte in Albanien ungeklärt. Dennoch dürfte die Zahl der Griechen in der Region bei ca. 50.000 (ca. 2% der Bevölkerung Albaniens) liegen. Auch in den albanischen Städten Vlora und der Hauptstadt Tirana leben einige tausend Griechen, deren Familien aber ursprünglich allesamt aus dem Nordepirus stammen.

Süditalien

Im Süden von Italien wird in zwei Regionen, Grecia Salentina (Salento) und Bovasia (Kalabrien), Griko gesprochen. Die Sprecherzahl wird auf 40.000 geschätzt.

Schwarzmeerregion

Die Pontier (Πόντιοι, Póndii) sind die größte griechische Gruppe, die um das Schwarze Meer ansässig war. Ihr Siedlungsgebiet reichte von der Stadt Sinop (Σινώπη, Sinópi) im Westen bis kurz vor Batumi im Osten. Größte Stadt der Region war Trabzon (Τράπεζους). Viele Städte in der heute türkischen Region waren bis 1922 nahezu 100%ig von Griechen bevölkert, doch nach der Kleinasiatischen Katastrophe 1922 mussten alle Griechen das Land verlassen, und es wurde von Türken besiedelt. In dieser Region leben heute keine Griechen mehr. An der georgischen Schwarzmeerküste ließen sich Griechen aus dem Pontus (Πόντος, Póndos) im Mittelalter ebenso nieder wie die Urumer in Abchasien. Viele dieser Familien wurden aber von den Einheimischen assimiliert, die anderen sind nach dem Fall des Eisernen Vorhangs meist nach Griechenland eingewandert. Daneben siedelten Griechen bis ins 20. Jahrhundert an der bulgarischen Schwarzmeerküste um die Stadt Burgas sowie in Ostthrakien. In den Städten Constanţa, Plovdiv (Φιλιππόπολη, Philippópoli) sowie Odessa bildeten sie ebenso große Gemeinden, wenn auch nicht die Mehrheit der Bevölkerung wie in Teilen der Krim. Die Rum sind die einzigen Nachfahren der griechischen Byzantiner. Nach dem Fall Konstantinopels 1453 konvertierten die meisten der im Schwarzmeerraum verbliebenen griechischen Christen zum Islam. Ihre muslimischen Nachkommen sprechen Rumca, einen griechischen Dialekt, der keine Schriftform kennt. Beliebtes Musikinstrument ist die kawal, eine Hirtenflöte.

Kleinasien

Außer den bereits angesprochenen Pontiern lebten bis 1922 auch in anderen Regionen Kleinasiens mehrheitlich Griechen. Größte griechische Stadt in dieser Zeit war Smyrna (Σμύρνη), heute İzmir. Fast die gesamte, heute türkische Ägäisküste war von Griechen besiedelt. In großen Regionen stellten sie die überwiegende Bevölkerungsmehrheit. Auch an der Südküste, in der heutigen türkischen Provinz Hatay, lebten viele Griechen. All diese mussten im Zuge des Bevölkerungsaustauschs nach 1922 ins griechische Staatsgebiet umgesiedelt werden. Heute leben außer auf den türkischen Ägäisinseln Imbros (Ίμβρος) und Tenedos (Tένεδος) sowie in Istanbul (Κωνσταντινούπολη, Konstantinopel) keine Griechen mehr in der Türkei. Die verbliebenen in der Provinz Hatay mussten zwangsweise Türkisch lernen und sprechen, so dass sie schnell assimiliert wurden.

Naher Osten

Während noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast 500.000 Griechen in Ägypten in und um die Stadt Alexandria lebten, waren es 1950 nur mehr noch knapp 100.000 und im Jahr 2000 kaum mehr als 5.000. Daneben gab und gibt es auch noch heute einige kleinere griechische Gemeinden im Irak und im Libanon. Die Griechen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain sind als Gastarbeiter oder Geschäftsleute in den letzten Jahrzehnten dorthin abgewandert.

Nordamerika

Als Teil der europäischen Einwanderungswellen im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wanderten auch viele Griechen in die USA und nach Kanada aus. Viele von ihnen bewahrten ihre kulturelle Identität. Die griechische Botschaft in den USA schätzt die dortige Zahl der Griechen auf über 3.000.000. Nochmals etwa 400.000 leben in Kanada. In und um Chicago leben etwa 250.000 Griechen, in und um New York weitere 200.000. In Montréal und Toronto in Kanada schätzt man die Zahl der griechischen Einwohner auf jeweils 90.000. Straßen sind in diesen Wohngebieten in Nordamerika oftmals auch griechisch beschildert.

Südamerika

Während der Auswanderungswelle nach Nordamerika verschlug es auch etwa 50.000 Griechen nach Südamerika, vor allem nach Brasilien, wo alleine in São Paulo 20.000 Griechen leben.

Australien

Auch diese Griechen sind Auswanderer und deren Nachkommen. 75% der etwa 700.000 Griechen in Australien leben in Sydney und Melbourne.

Deutschland

Etwa 1.000.000 Griechen waren im Laufe der Gastarbeiterzeit in der Bundesrepublik Deutschland. Da aber eine dauernde Fluktuation herrschte, erreichte die Wohnbevölkerung mit über 400.000 Griechen in den Jahren 1973 und 1974 ihren Höchststand. Heute leben knapp 340.000 in Deutschland, die Verteilung ist allerdings regional sehr unterschiedlich. Es existiert ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Außerdem leben mehr Griechen in städtischen Gebieten als auf dem Land. Die Entwicklung der griechischen Wohnbevölkerung in Deutschland. Quelle:Statistisches Bundesamt Aufenthaltsdauer der Griechen in Deutschland (Stand: 2001), Quelle:Statistisches Bundesamt Berühmte Deutsch-Griechische Persönlichkeiten Prof. Spiros Simitis (ehemaliger Vorsitzender des Nationalen Ethikrates der BRD) Prof. Wassilios E. Fthenakis (Pädagoge, Träger des Bundesverdienstkreuzes der 1. Klasse der BRD) Prof. Margarita Mathiopoulos (Direktorin des Potsdam Center For Transatlantic Security And Military Affairs) Dr. Jorgo Chatzimarkakis (FDP-Politiker im EU-Parlament) Alexia Bichmann (ehemals Nachrichtensprecherin bei N-TV) Anastasia Zambonis (MTV-Moderatorin, Moderatorin der "Wetten Dass,..."-Außenwette) Jorgo Papavassiliou (Regisseur - "Haialarm auf Mallorca", "Die Sitte", uvm.) Dieter Landuris (griechischer Vater; Schauspieler - Ulli Fichte in "Alles außer Mord") Susan Sideropoulos (Schauspielerin griechisch-jüdischer Herkunft, "Gute Zeiten, schlechte Zeiten") Maria Ketikidou (Schauspielerin, "Großstadtrevier") Despina Pajanou (Schauspielerin, "Doppelter Einsatz") Domna Adamopoulou und Hermes Hodolides (Schauspieler, "Lindenstraße") Adam Bousdouskos (Schauspieler, Fatih Akins "Kurz und Schmerzlos") Nektarios Bamiatzis (Sänger, bekannt geworden durch die erste "DSDS"-Staffel) Vicky Leandros (Schlagersängerin) Costa Cordalis (Schlagersänger) Nana Mouskouri (Sängerin) Agnes Baltsa (international bekannte Opernsängerin, Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan in Berlin) Kostas Murkudis (international bekannter griechischer Modedesigner aus München) Jeffrey Eugenides (griechisch-amerikanischer Schriftsteller und Pulitzerpreisträger, der in Berlin lebt) Petros Markaris (schreibt und übersetzt deutsche Literatur) Angelos Charisteas (Fußballer, ehemals Werder Bremen) Ioannis Amanatidis (Fußballer, Eintracht Frankfurt) Dimitris Mitropoulos (1896 - 1960; berühmter Komponist u.a. an der Berliner Staatsoper) Herbert von Karajan (Komponist, griechische Vorfahren namens "Karaioannis") Joseph Pilates (Berühmter Trainer deutsch-griechischer Herkunft) Wilhelm Canaris (Chef der Deutschen Abwehr im 2. Weltkrieg, Vorfahren griechischer Herkunft)

Kuriosa

Zu den Kuriosa zählen wohl die Kafir-Kalas, ein Volk, welches im heutigen Afghanistan in einer abgeschiedenen Bergregion lebt und von Ethnologen in den 90er Jahren näher untersucht wurde. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um direkte Nachfahren der Makedonen aus Zeiten von Alexander dem Großen handelt. Ihre Sprache ist dem heutigen Griechisch eng verwandt: Viele Worte und Laute klingen ähnlich. Kategorie:Europäische Ethnie

Indogermanen

Indogermanen oder Indoeuropäer bezeichnet alle muttersprachlichen Sprecher einer indogermanischen Sprache. Im engeren Sinne bezeichnet man mit dem Begriff die Mitglieder der Sprechergemeinschaft, die Träger der (angenommenen) indogermanischen Ursprache war, auf die sämtliche indogermanische Sprachen zurückgehen sollen. Alternativ spricht man heute meist von den Proto-Indoeuropäern oder Urindogermanen.

Indogermanisch oder indoeuropäisch?

Durch vergleichende Sprachforschung entdeckte man Ende des 18. Jahrhunderts, dass sehr viele Sprachen in Europa und dem Vorderen Orient von einer gemeinsamen Ursprache abstammen (indogermanische oder indoeuropäische Sprachen). Der Forscher H. J. Klaproth prägte 1823 hierfür den Namen "indogermanische Sprachen" nach der damals bekannten südöstlichsten (indo-arisch) und nordwestlichsten indoeuropäischen Sprache (isländisch), zwischen denen alle anderen Sprachen lagen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand man jedoch im Tarim-Becken (Chinesisch-Turkestan) - also noch östlicher - Schriftrollen, die eine bislang unbekannte Sprache – das Tocharische – enthielten, das als Kentum-Sprache Verwandtschaft unter anderem mit dem Keltischen oder Germanischen zeigte. Da der Terminus indogermanisch als Klammerbegriff ursprünglich den östlichsten und westlichsten Sprachzweig der Sprachfamilie benannte, müsste er nach aktuellem Wissensstand eigentlich tocharogermanisch heißen. Auf der anderen Seite ist der alternativ gebrauchte Begriff indoeuropäisch nicht weniger unpräzise. Schließlich gibt es sowohl in Europa (z.B. Finno-ugrische Sprachen) als auch auf dem indischen Subkontinent (z.B. Dravidische Sprachen) weitere Sprachfamilien. Die Diskussion, welcher Begriff "richtig" oder "treffender" ist, ist damit müßig. Innerhalb des deutschen Sprachraums wird vorwiegend der Begriff indogermanisch verwendet, wohingegen sonst Synonyme des Typs indoeuropäisch (engl. Indo-European, franz. indo-européen usw.) üblicher sind.

Überblick

Früher untergliederte man die indogermanischen Sprachen in einen westlichen Zweig, den Kentum-Sprachen (von lateinisch centum = hundert) und einen östlichen Zweig, den Satem-Sprachen (u. a. altindoarisch satam = hundert), um Nachbarschaften oder Verwandtschaften auszudrücken. Diese Abgrenzung verliert jedoch immer mehr an Bedeutung, da diese Lautentwicklung nur eine von mehreren ist und beispielsweise das Tocharische als Kentumsprache am weitesten östlich lag. Zu den indogermanischen Sprachen zählen fast alle modernen europäischen Sprachen, einige Sprachen des Nahen Ostens und die meisten Sprachen Nordindiens. Genauere Informationen hierzu findet man in dem Artikel über indogermanische Sprachen. Die gemeinsame Ursprache konnte mit rein sprachlichen Forschungen teilweise rekonstruiert werden. Durch Untersuchung der in der Sprache vorkommenden Pflanzen und Tiere versucht man, die Urheimat ihrer Träger zu ermitteln. Trotz zahlloser Forschungsansätze bleibt das Ergebnis umstritten. Niemand kann mit Gewissheit sagen, ob ein Volk als Träger der indogermanischen Sprache existiert hat. Ethnisch völlig unterschiedliche Stämme könnten Träger der gleichen Sprache gewesen sein. Neuere Untersuchungen indes, basierend vor allem auf Funden "europäisch" anmutender Mumien aus der Takla Makan – diese Mumien werden im Provinzmuseum der Stadt Urumtschi aufbewahrt -, lassen jedoch erneut Vermutungen aufkommen, die einen Zusammenhang von Rasse und "Sprechergemeinschaft" zumindest nicht ausschließen. Hierzu sind auch genetische Untersuchungen aufschlussreich, wie in jüngster Zeit an „skythischen“ Skeletten und Bewohnern der Mongolei vorgenommen wurden. Wünschenswert ist auf jeden Fall eine unvoreingenommene wissenschaftliche Auseinandersetzung zu diesem wichtigen Thema der Anthropologie und Evolution des Menschen, weil gerade hier während der NS-Zeit auch in wissenschaftlicher Hinsicht Schaden angerichtet wurde. Bei der Erschließung des Herkunftgebietes der Urindogermanen gibt es eine Reihe von Theorien. Die folgenden Richtungen erscheinen prominent: Ältere Theorien besagen, dass die Indogermanen in Mitteleuropa entstanden sind und damit die Urbevölkerung dieses Kontinents bildeten. Diese These war besonders in der NS-Zeit sehr beliebt. Dem entgegengesetzt ist die These der „Kurgan Theorie“ (s. unten). Sie geht von erobernden Steppenvölkern aus dem südrussischen Raum aus. Seit den 90er Jahren des 20. Jh. häufen sich Arbeiten, die von Anatolien als Urheimat ausgehen. Das Donaubecken erscheint einigen auch plausibel. Bei der Erforschung der Kultur der Indogermanen interessiert man sich heute vor allem für die Sozialordnung und deren Widerspiegelung im Bereich der Mythologie und Religion. Einzige Basis hierfür ist die teilweise erschlossene indogermanische Ursprache, da eindeutig zuzuordnende materielle Funde bis heute nicht vorliegen.

Methodik

Die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft und die Sprachtypologie erschließen durch Vergleich verschiedener Sprachen so genannte Protosprachen. Die Benennung dieser Protosprachen ist ziemlich willkürlich und erfolgt etwa durch Auswahl von ein oder zwei der Vergleichssprachen. Das so genannte Indogermanische ist die Protosprache vieler verschiedener Sprachen, die von Europa bis Indien und China gesprochen wurden. Eine Protosprache ist demzufolge nur eine Arbeitshypothese. Als reale Sprache hat es sie in dieser Form nie gegeben. Sie beschreibt lediglich einen Teilbereich der realen Sprache, die es gegeben haben muss. Behauptungen, dass die Sprechergemeinschaft dieser realen Sprache, die durch das Konstrukt Protosprache nur approximiert wird, eine Sippe, ein Volk, ein Reich oder ein Staat gewesen seien, sind - wenn dies historisch nicht untermauert werden kann - notwendigerweise spekulativ, wenn auch plausibel - vorausgesetzt, man hält an der aus dem 19. Jahrhundert überkommenen Gleichung Sprachgruppe = Volksgruppe fest. Beispiele:
- Die Franzosen sind Nachfahren der "Kelten", "Römer" und "Germanen" ("Franken", "Alemannen" und "Normannen"). Das Proto-Französische ist Latein, aber nicht alle Römer, die Lateinisch sprachen, sind Vorfahren heute lebender Franzosen.
- Hebräisch ist schon seit vorchristlicher Zeit ausgestorben und hat ähnlich dem Lateinischen als liturgische Sprache überlebt. Iwrith ist eine Kunstsprache, die mit der Gründung des Staates Israel geschaffen wurde. Proto-Iwrith würde Hebräisch approximieren. In Unkenntnis der historischen Fakten könnte jemand, der nur Proto-Iwrith kennt, keinen Zusammenhang zwischen den antiken Juden und Proto-Iwrith herstellen. Für archäologische bestimmte Kulturen gilt das gleiche wie für Protosprachen: Die Archäologie ordnet ihre Funde zu Horizonten. Horizonte mit ausreichender, umfangreicher Datenlage werden Kulturen genannt. Eine Kultur ist ein Konstrukt und eine Arbeitshypothese, die die Verursacher der Horizonte nur approximiert. Behauptungen, das die Kultur eine Sippe, ein Volk, eine Nation, ein Reich oder ein Staat gewesen sei, sind, wenn dies historisch nicht untermauert werden kann, notwendigerweise spekulativ, wenn auch in einigen Fällen plausibel. Natürlich versuchen Sprachwissenschaftler, die eine Protosprache beschreiben, auch archäologische Evidenzen für diese Protosprache zu finden, und natürlich versuchen Archäologen, die eine Kultur beschreiben, in Ermangelung historischer Daten sprachwissenschaftliche Evidenzen zu finden. Dies ändert nichts daran, dass die Herstellung eines Zusammenhangs zwischen Protosprachen und Kulturen prinzipiell hypothetisch ist, so dass zwar allgemein von Gesellschaften gesprochen werden kann, die Sprechergemeinschaft der linguistischen Protosprache und Träger der archäologischen Kultur gewesen sein müssen, jedoch nicht behauptet werden kann, diese Gesellschaften seien ein Volk oder eine Nation gewesen. Die Unkenntnis oder das Ignorieren dieser wissenschaftstheoretischen Problematik führt immer wieder dazu, dass nationalistische Ideologien sowohl Sprachwissenschaft wie Archäologie für sich vereinnahmen können. Insbesondere sollte man wissen, dass die in diesem Artikel erwähnten Theorien, jede für sich, auf völlig verschiedenen Annahmen beruhen. Damit schließen sich die Theorien, obwohl sie sich zu widersprechen scheinen, keineswegs gegenseitig aus. Ferner wird der Begriff "Volk" in diesem Artikel und in fast allen Berichten über Sprachwissenschaft oder Archäologie nur umgangssprachlich und vorwissenschaftlich verwendet und hat mit der Wirklichkeit, die durch die Theorien beschrieben werden soll, nichts zu tun.

Zeitlicher Rahmen

Die verschiedenen Theorien differieren bereits beim Versuch, die Indogermanen zeitlich zu fassen. Sie werden frühstens ins Jungpaläolithikum (Otte) spätestens in die lokal unterschiedlich beginnende Bronzezeit (in Mitteleuropa ca. 2500 v. Chr.) gelegt. Da schon die zeitliche Zuordnung letztendlich spekulativ ist, die zeitliche Einordnung jedoch Voraussetzung für eine Zuordnung zu archäologischen Kulturen ist, widersprechen die Theorien einander nicht oder müssen vorläufig als unentscheidbare Fragen stehengelassen werden, solange man die zu Grunde gelegten Modellvorstellungen nicht widerlegen kann.

Die drei zentralen Theorien

Pontische Steppen-Theorien

Die schon Anfang des 20. Jahrhunderts von vielen Linguisten geäußerte Vermutung, die Urheimat der Indoeuropäischen Sprachen befände sich in den Steppen nördlich und nordöstlich des Schwarzen Meeres, wird auch heute noch von der Mehrheit der Sprachwissenschaftler favorisiert. Archäologen versuchten dies mit Hilfe archäologischer Indizien zu bestätigen. Die während des Neolithikums und der frühen Bronzezeit in Südrussland, der Ukraine und Moldawien existierenden Kulturen nördlich und östlich des Schwarzen Meeres und an der unteren Wolga wurden von Marija Gimbutas in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts nach einer charakteristischen Grabhügelform (Kurgan) zur Kurgankultur zusammengefasst. Die Urindogermanen waren nach der Meinung vieler Sprachwissenschaftler auf Grund der vorhandenen Wörter eine in erster Linie patriarchalisch organisierte Hirtengesellschaft, die den Pflug kannte, das Pferd als Reittier nutzte und mit Sicherheit nicht am Meer beheimatet gewesen sei. All dies korrespondiert mit den archäologischen Funden der Kurgankultur. Dieser Hypothese zufolge lebten die Indogermanen im 5. vorchristlichen Jahrtausend als kriegerisches Hirtenvolk in Südrussland, einige Archäologen identifizieren sie mit dem Kurganvolk. Sie wären nach Klimaverschlechterungen in ihrer Heimat zwischen 4400 und 2200 v. Chr. in mehreren Schüben west-, süd- und ostwärts gezogen. Die sog. Streitaxtleute bzw. Schnurkeramiker waren eine der Auswanderungswellen des sogenannten Kurganvolks. Auf diesen Wanderungen hatten sie auch Mitteleuropa erreicht und sich mit den dort ansässigen Menschen vermischt. Aus der Vermischung von Indogermanen und nicht-indogermanischer Urbevölkerung sowie durch isolationsbedingte Auseinanderentwicklung entwickelten sich die verschiedenen indogermanischen Volks- und Sprachgruppen, wie die Kelten, Germanen, Slawen, Italiker, Griechen, Iranier, Inder, Balten, Armenier, Thraker u.a.

Anatolien-Hypothesen

Bei der Anatolien-Hypothese, die vor allem von Colin Renfrew ausgearbeitet wurde, wird Ostanatolien als Ausgangspunkt einer indoeuropäischen Wanderungen angenommen. Das Urindogermanische hätte sich demnach friedlich entweder mit der Verbreitung der Viehzucht (Nomadismus) zunächst das Kaspische Meer umrundet und dann westwärts gewandt (Gamkredlitse, Iwanow) oder mit der zweiten Welle des Ackerbaus, der sich in die nordpontischen Gebiete verlagerte, ausgebreitete. Diese Theorien verwerfen insbesondere den "Invasionismus" der Kurgan- und Mitteleuropa-Theorien. Die moderne genetische Statistik (siehe Cavalli-Sforza) scheint diese Theorien zu stützen.

Alteuropa-Theorie

Die von Hans Krahe begründete und von Wolfgang P. Schmid weiterentwickelte "Alteuropa-Theorie" (die außer dem Namen nichts mit Gimbutas' Alteuropa-Konzeption gemeinsam hat) stützt sich auf die Untersuchung alter Gewässernamen. Sie geht davon aus, dass sich Gewässernamen gegenüber Umbenennungen als besonders resistent erwiesen haben und damit eine sehr alte Sprachschicht repräsentieren. Die Hydronymie führte zur Annahme eines sprachlichen Kontinuums von europäischen Ausmaßen. Eine besonders von italienischen und spanischen Forschern herausgearbeitete Theorie einer "Paläolitischen Kontinuität" (Palaeolithic Continuity Theory - PCT) könnte zu diesen Ergebnissen passen.

Sonstige Theorien

Balkan

In allen Theorien kommt dem Balkan eine Schlüsselstellung zu, da er mindestens immer als "Durchzugsgebiet" existiert. In letzter Konsequenz muss auch die These geprüft werden, ob dann nicht auch der Balkan, insbesondere das Donaubecken als "Urheimat" in Frage kommt.

Mitteleuropa-Theorien

Anhänger dieser Richtung gehen, im Gefolge Gustaf Kossinnas davon aus, dass die Indogermanen auf die mesolithische Bevölkerung Mitteleuropas zurückgehen und somit die Urbevölkerung bilden würden. Nach ihrer Auffassung erstreckte sich der dafür infrage kommende Raum zwischen Weser, Ostsee, Ostpolen und Karpaten. Etwa um 4000 v. Chr. bildeten diese Protoindogermanen die Trichterbecherkultur aus und traten um 2500 v. Chr. ihre Wanderungen auf den Balkan, nach Vorderasien und Indien an. Eine Invasion aus dem asiatischen oder südrussischen Raum hätte es danach nicht gegeben. Besonders in den 30er und 40er Jahren vertraten zahlreiche Wissenschaftler diese Ansicht. Heute gibt es außerhalb Deutschlands keine Wissenschaftler mehr, die die "Mitteleuropa-Theorie" vertreten.

Out-of-Iran-Hypothese

Durch vergleichende Sprachwissenschaft des iranischen Wissenschaftlers Derakshani sollen bestimmte Wurzeln auf eine Sprache des Volkes der Arier zurückzuführen sein, das bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. im Hochland des Iran lebte und deren Nachweis archäologisch bislang nicht gelang. Von dort aus sollen sich die Arier als Proto-Indoeuropäer (Urindogermanen) ausgebreitet haben.

Siehe auch


- Indoiraner
- Wiege Europas
- Immobilisten
- Kurgan-Hypothese

Literatur

sprachwissenschaftlich


- Thomas W. Gamkrelidse/Wjatscheslaw Iwanow: Die Frühgeschichte der indoeuropäischen Sprachen, in: Spektrum der Wissenschaft. a.a.O., S. 50-57.
- W.B. Lockwood: Überblick über die indogermanischen Sprachen, G. Narr Verlag, Tübingen 1979
- Robert S.P. Beekes, Comparative Indo-European Linguistics: An Introduction, John Hopkins, Amsterdam 1995 ISBN 1556195052.
- Michael Meier-Brügger: Indogermanische Sprachwissenschaft, de Gruyter, Berlin 2000
- Oswald Szemerényi: Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989.

archäologisch


- Marija Gimbutas, Das Ende Alteuropas. Der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas, "Archeolingua", series minor 6. Budapest 1994, auch als Buch ISBN 3851241711
- Marija Gimbutas u.a, The Kurgan Culture and the Indo-Europeanization of Europe: Selected Articles From 1952 to 1993 ISBN 0941694569.
- Häusler, Alexander: Zum Ursprung der Indogermanen. Archäologische, anthropologische und sprachwissenschaftliche Gesichtspunkte, in: EAZ (39) 1998, S. 1-46.
- Häusler, Alexander.: Ursprung und Ausbreitung der Indogermanen: Alternative Erklärungsmodelle Serie: Indogermanische Forschungen : Zeitschrift für Indogermanistik und allgemeine Sprachwissenschaft Berlin [u.a.] : de Gruyter Band 107 (2002), S. 47-75.
- Häusler, Alexander.: Nomaden, Indogermanen, Invasionen: zur Entstehung eines Mythos : Orientwissenschaftliche Hefte, Halle/Saale 5/2003, ISSN 16172469
- J. P. Mallory, In Search of the Indo-Europeans: Language, Archaeology and Myth ISBN 0500276161.
- James Mallory/ D. Q. Adams (Hrsg), Encyclopedia of Indo-European Culture (London, Fitzroy Dearborn, 1997), ISBN 1884964982.
- Marcel Otte, Diffusion des langues modernes en Eurasie préhistorique, «C.R. Acad. Sc. Paris» 321, série IIa, 1995, 1219-1226.
- Colin Renfrew: Die Indoeuropäer - aus archäologischer Sicht, in: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, ISSN 09477934, S. 40-48.
- Colin Renfrew.: Archaeology and Language: The Puzzle of Indo-European Origins. Cambridge 1990 ISBN 0521386756.
- Walkowitz, Jürgen E.: Die Sprache der ersten Bauern und die Archäologie In: Varia Neolithica III (2004) Langenweissbach.

historisch


- Derakshani, Jahanshani: Die Arier in den nahöstlichen Quellen des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. Teheran. 1998. ISBN 964-90368-1-4

sonstige


- Elizabeth W. Wayland Barber: The Mummies of Ürümchi, W.W. Norton & Copany, New York 1999
- Schmoeckel, Reinhard: Die Indoeuropäer. Aufbruch aus der Vorgeschichte. Bergisch Gladbach: Bastei-Lübbe, 1999 (Bastei-Lübbe-Taschenbuch, Bd. 64162). 575 S. ISBN 3-404-64162-0

Weblinks


- [http://www.continuitas.com/invasionless.pdf Alinei, M.: Towards an Invasionless Model of Indoeuropean Origins: The Continuity Theory]
- [http://web.phil-fak.uni-duesseldorf.de/~wdl/Urheimat%20Indogermanen.PDF Wunderlich, D.: Die Urheimat der Indogermanen]
- [http://www.ship.edu/~cgboeree/indoeuropean.html Boeree, C.G.: The Evolution of the Indoeuropean Languages]
- [http://www.akademienunion.de/_files/akademiejournal/2001-2/AKJ_2001-2-S-42-45_schmid.pdf Schmid, Wolfgang P.: Was Gewässernamen in Europa besagen] Kategorie:Ethnie

Griechenland

Griechenland (griechisch früher Ελλάς, Hellás, heute Ελλάδα, Elláda; amtliche Vollform: Hellenische Republik) liegt in Südost-Europa und grenzt an Albanien, Mazedonien (von Griechenland nicht unter diesem Namen anerkannt, sondern als FYROM bezeichnet), Bulgarien und die Türkei und ist ein Anrainerstaat des Mittelmeers. Griechenland ist eine parlamentarische Demokratie und hat ein Einkammerparlament mit 300 Abgeordneten, von denen 288 auf vier Jahre gewählt und 12 von den Parteien gestellt werden.

Geographie

parlament Ungefähr ein Viertel der Fläche Griechenlands entfällt auf etwa 9841 Inseln, von denen 167 bewohnt sind. Die größten davon sind:
- Kreta (ca. 8.260 km²)
- Euböa (ca. 3.657 km²)
- Lesbos (ca. 1.630 km²)
- Rhodos (ca. 1.400 km²)
- Chios (ca. 840 km²)
- Kephalonia (ca. 780 km²)
- Korfu (ca. 579 km²)
- Samos (ca. 480 km²)
- Náxos (ca. 432 km²) Siehe auch: Liste griechischer Inseln Regionen auf dem griechischen Festland:
- Attika
- Epirus
- Makedonien
- Mittelgriechenland
- Peloponnes
- Thessalien
- Thrakien Die Region Makedonien im Norden Griechenlands ist nicht mit dem selbständigen Staat ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien zu verwechseln. Siehe auch: Liste der Städte in Griechenland

Verwaltungsgliederung

Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Griechenlands Griechenland ist in 13 Verwaltungsregionen (griech. περιφέρειες/periphéries, Sg. περιφέρεια/periphéria) gegliedert, die wiederum in 51 Präfekturen (griech. νομοί/nomí, Sg. νομός/nomós) untergliedert sind.

Bevölkerung

Neben den Neugriechen bzw. der griechischsprachigen Mehrheitsbevölkerung existieren noch einige sprachliche Minderheiten. Die wichtigsten Minderheitssprachen sind:
- Albanisch
- Aromunisch (in Zentralgriechenland ca. 100.000 aktive Sprecher der Gruppe der Aromunen oder auch Vlachen, ca. 300.000 passive Sprecher)
- Bulgarisch, gesprochen von ca. 30.000 muslimischen Pomaken
- Slawomazedonisch, gesprochen von slawischsprachigen Bewohnern Nordwestgriechenlands
- Türkisch 150.000 in Thrakien Türken und Pomaken sind zusammen als muslimische Minderheit anerkannt und genießen einige besondere Rechte, wie Schulunterricht in türkischer Sprache, Verwendung von Schulbüchern aus der Türkei (gem. bilateraler Vereinbarungen), Koranschulen etc. Sie sind über je 3 Abgeordnete von Nea Dimokratia und PASOK im Parlament vertreten.

Religion

Nominell gehören 95% der Bevölkerung der Griechisch-orthodoxen Kirche an, auf dem größten Teil des Festland dem Autokephalen Orthodoxen Erzbistum von Griechenland mit Sitz in Athen, auf den Inseln und dem Ostzipfel des Festlandes um Thessaloniki dem "Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel" mit Sitz in İstanbul. Die Zahl regelmäßiger Kirchenbesucher ist in Griechenland noch deutlich höher als in den meisten anderen Ländern Europas. Die Orthodoxe Kirche übt auch wesentlichen Einfluss auf das Bildungswesen aus und ihre besondere Stellung als Staatskirche ist in der griechischen Verfassung festgelegt; andererseits untersteht sie teilweise dem Staat, zum Beispiel müssen alle Bischöfe vom Parlament bestätigt werden. Daneben gibt es unter den Bürgern mindestens 150.000 Muslime (größtenteils türkischer Abstammung), etwa 121.000 katholische Christen des griechischen und des lateinischen Ritus,
- [http://www.catholic-hierarchy.org/country/scgr1.html] dann etwa 50.000 Zeugen Jehovas, etwa 30.000 protestantische (meist evangelikale) Christen verschiedener Richtungen, und etwa 5.000 Juden. Die etwa 700.000 Albaner in Griechenland sind meist nominell Muslime, Katholiken oder Orthodoxe, aber die überwiegende Mehrheit praktiziert ihren Glauben nicht. Siehe auch: Katholische Kirche in Griechenland

Religionsgeschichte

Zur vorchristlichen Religionsgeschichte siehe Griechische Mythologie

Politik

Innenpolitik

Am 7. März 2004 fand in Griechenland ein Regierungswechsel statt. Die konservative Partei Nea Dimokratia (ND) löste die bisher regierende sozialistische Partei PASOK ab. Am 8. März 2004 beauftragte Staatspräsident Konstantinos Stefanopoulos den Spitzenkandidaten der Konservativen Kostas Karamanlis mit der Regierungsbildung. Schon einen Tag später, am 9. März 2004, stellte er seine neue Regierungsmannschaft vor. Zum neuen Außenminister ernannte er den Diplomaten Petros Molyviatis. Dieser gilt als Fachmann für die Zypernfrage. Die Verhandlungen über die Wiedervereinigung der Insel scheiterten jedoch durch die Ablehnung des Annan-Planes durch die griechischen Zyprioten Ende April 2004. Die neue griechische Regierung hat 19 Minister, darunter zwei Frauen. Karamanlis erklärte zudem die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele im August 2004 zur Chefsache, da sein Regierungsteam in dieser Hinsicht unter großem Zeit- und Handlungsdruck stand. Die mit Hilfe der UNO geführten Verhandlungen über eine Wiedervereinigung Zyperns scheiterten, weshalb am 1. Mai 2004 nur der griechische Teil der Mittelmeerinsel der Europäische Union beitrat. Die neue Regierung wird nach Presseberichten weiter eine Annäherung mit der Türkei anstreben. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan war einer der ersten Politiker, die Karamanlis zu seinem Sieg gratulierten. Die beiden größten Parteien Nea Dimokratia und Pasok beherrschen seit 1974 die griechische Politik, daneben spielt auch die kommunistische KKE eine wesentliche Rolle. Die Sitzverteilung im griechischen Parlament, der Vouli ton Ellinon, sieht derzeit wie folgt aus: Nea Dimokratia - 165 PASOK - 117 KKE - 12 SYN - 6 Siehe auch: Politische_Parteien_in_Griechenland Innenpolitisch steht Griechenland vor zahlreichen Herausforderungen. Diese liegen im wesentlichen in den Bereichen der Haushaltspolitik und der Konsolidierung des immer noch dramatisch defizitären Staatshaushalts und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die trotz des konstanten beachtenswerten Wirtschaftswachstums der letzten Jahre immer noch auf hohem Niveau verharrt bei gleichzeitig massiver Teuerung. Ein weiteres ungelöstes Problem ist der massive Zuzug, vor allem illegaler als in der Landwirtschaft geschätzter billiger Arbeitskräfte, von Ausländern v.a. aus Albanien, Rumänien und Bulgarien. Mit einer gleichzeitig steigenden Kriminalitätsrate v.a. im Bereich der Eigentumsdelikte -in der Vergangenheit eine quantité negligeable- begünstigt dieses Umfeld vermehrt soziale Spannungen und latent fremdenfeindliche Tendenzen in der Bevölkerung.

Außenpolitik

Der außenpolitische Kurs Griechenlands steht oftmals im Gegensatz zu dem seiner Bündnispartner in EU und NATO. Der Ministerpräsident der 90er Jahre Andreas Papandreou galt mit seinen immer wiederkehrenden nationalistischen Eskapaden als Enfant terrible in der EU. Der in der Bevölkerung tief verwurzelte Anti-Amerikanismus und das schwierige Verhältnis Griechenlands zu seinen Nachbarn sowie tiefe Prägungen aus der Geschichte machen Griechenlands Außenpolitik zu einem komplexen Thema. Insofern sind die schrittweise Aussöhnung und die immer besser werdenden Beziehungen zum ehemaligen Erzfeind Türkei ein revolutionärer Schritt. Griechenland gilt als einer der größten Befürworter eines EU-Beitritts Ankaras. Auch wenn Griechenlands Position zum Zypern-Konflikt eindeutig ist, so hat die Ablehnung des Annan-Plans das Verhältnis zur Türkei nicht wesentlich belastet. Das Verhältnis zu Albanien, mit dem der faktische Kriegszustand erst 1987 beendet wurde, kann mittlerweile als ausgeglichen betrachtet werden, die Kontakte zu Sofia und Bukarest sind sehr gut. Mit Bulgarien wurde die Eröffnung 3 neuer Grenzübergänge vereinbart. Die diplomatischen Beziehungen zum nördlichen Nachbarn Mazedonien befinden sich zwar im Ausbau und der Ausblick ist positiv. Das Verhältnis bleibt jedoch wegen des nach wie vor ungelösten Namensstreits belastet, verstärkt wieder nach Anerkennung der Republik Mazedonien durch die USA im November 2004. Die Beziehungen zu Serbien sind traditionell exzellent. Serbien gilt immer noch als jahrhundertealter einziger Verbündeter, den man auf dem Balkan hat. Die durchweg pro-serbische Haltung im Jugoslawienkrieg und die dezidiert geschlossen ablehnende Haltung gegen das NATO-Bombardement auf Serbien 1999 belasteten jedoch das gespannte Verhältnis zur NATO, auch wenn Griechenland offiziell seine Bündnistreue betont.

Gesundheitswesen

Im griechischen Gesundheitssystem genießen, ähnlich wie in Großbritannien, alle griechischen und ausländischen Bürger, die in Griechenland tätig sind, einen staatlichen Versicherungsschutz. Der Arzt kann wählen zwischen dem Dienst im öffentlichen Bereich oder einer Privatpraxis; beide Varianten zusammen sind nicht möglich. Die Versorgung kann in zwei Kategorien eingeteilt werden: Die primäre Versorgung der staatlichen Versicherung, wobei hier ungleiche Verhältnisse bei den ärztlichen Dienstleistungen in Städten, städtischen Randgebieten und ländlichen Bezirken bestehen. In den städtischen Zentren ist die primäre staatliche ärztliche Versorgung deutlich besser als auf dem Land, weil es gut organisierte Ärztehäuser gibt, die von den Versicherten aller Bereiche zwecks ihrer Behandlung aufgesucht werden. Die sekundäre private Versorgung, wie man sie gewöhnlich in Privatpraxen sowie den Hauptstädten der Regierungsbezirke und in den Städten der größeren Inseln findet. Die von zahlreichen Touristen in Anspruch genommene ärztliche Versorgung der Inseln wird hauptsächlich von einzelnen, frei praktizierenden Ärzten, von privaten Gesundheitszentren mit meist sehr guter Facharztausstattung, sowie von Landärzten wahrgenommen. Die staatliche Versorgung ist nicht ganz auf mitteleuropäischem Stand (v.a. spezielle OP-Verfahren betreffend), während die Privatversorgung mitteleuropäischen Standard hat. Teilweise ist sogar in Notfällen kein Vorzeigen des persönlichen Krankenheftes notwendig, wenn der Patient nicht stationär behandelt wird. Dies gilt für alle Personen, die sich in Griechenland aufhalten.

Kultur und Gesellschaft

Griechische Philosophie

Artikel: Philosophie der Antike

Griechische Kunst

Hauptartikel: Kunstgeschichte Griechenlands

Griechische Küche

Hauptartikel: Griechische Küche

Griechische Literatur

Hauptartikel: Griechische Literatur

Griechische Musik

Hauptartikel: Griechische Musik

Griechischer Wein

Hauptartikel: Weinbau in Griechenland

Sport


- Fußball ( Fußball in Griechenland )
- Basketball ( Griechischer Basketball )
- Volleyball
- Wasserball
- Gewichtheben
- Handball
- Marathonlauf (dieser geht der Legende nach auf den Läufer Pheidippides zurück, der die Nachricht vom Sieg der Griechen über die Perser nach Athen brachte)

Adel

Laut Artikel 4 Absatz 7 der griechischen Verfassung werden "griechischen Staatsbürgern (...) Adelstitel oder Rangbezeichnungen weder verliehen noch anerkannt."

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Griechenlands, siehe auch: Liste der Herrscher von Griechenland. Das antike Griechenland samt den kleinasiatischen Städten wird als Wiege Europas bezeichnet, insbesondere aufgrund der griechischen Philosophie (siehe: Platon, Aristoteles). Nachdem Rom Griechenland im Jahre 146 v. Chr. zur römischen Provinz machte, wurde es nach der Reichsteilung 395 Bestandteil des oströmischen bzw. byzantinischen Reiches bis zu dessen Untergang. Zu Details siehe: Antikes Griechenland und Byzantinisches Reich Byzantinisches Reich Seit 1453 Teil des Osmanischen Reichs kam es ab 1821 zum großen Volksaufstand. Als einer der wichtigsten geistigen Wegbereiter dieses Volksaufstands gilt Rigas Velestinlis (1757-1798). Durch das Londoner Protokoll vom 3. Februar 1830, vom Osmanischen Reich am 24. April anerkannt, wurde Griechenland zum selbständigen Staat erklärt. Somit war Ioannis Kapodistrias bis zu seiner Ermordung das erste Staatsoberhaupt. Im Jahr 1832 wurde dann Prinz Otto von Bayern als Otto I. Griechenlands erster (neuzeitlicher) König. Allerdings umfasste dieser Staat nur den kleineren Teil des heutigen Staatsgebiets. Thessalien wurde 1881, Kreta 1908 erworben. Die meisten Inseln sowie der Norden Epirus und Nordosten Makedonien des heutigen Staates (mit Thessaloniki) kamen erst durch die beiden Balkankriege 1912-1913 an Griechenland, als das geschwächte Osmanische Reich sich dort nicht mehr gegenüber den mit Serbien und zeitweise Bulgarien verbündeten Griechen behaupten konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte das mit der Entente verbündete Griechenland mit Billigung der Siegermächte (Völkerbundsmandat) die türkische Niederlage zu nutzen, um außer dem von Bulgarien gewonnen Westthrakien auch Osthrakien und das damals mehrheitlich von Griechen bewohnte Gebiet von Smyrna (heute İzmir) unter seine Kontrolle zu bringen. Ziel war die Umsetzung der Megali Idea (Großen Idee), welche vom damaligen Ministerpräsidenten Eleftherios Venizelos mit dem Ausdruck "Griechenland der zwei Kontinente und fünf Meere" als außenpolitisches Ziel konkretisiert wurde. Doch 1922 endete der Griechisch-Türkische Krieg mit einer verheerenden griechischen Niederlage in der Kleinasiatischen Katastrophe. Im Vertrag von Lausanne 1923 wurde ein radikaler Bevölkerungsaustausch vereinbart: Alle noch in großen Teilen der Türkei verstreut lebenden Griechen (mit Ausnahme der Istanbuler Griechen und einiger Inselgriechen) wurden nach Griechenland vertrieben (etwa 1,5 Mio.), im Gegenzug mussten an die 500.000 meist türkische Muslime Griechenland verlassen, mit Ausnahme der Muslime in Thrakien. Die Flüchtlingsquote in Griechenland nach diesem Krieg betrug ca. 25 %, wesentlich mehr als etwa in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zweiten Weltkrieg lehnte Griechenland unter dem Diktator General Metaxas ein italienisches Ultimatum zur Kapitulation ab. (Der Tag der Ablehnung, der 28. Oktober 1940 wird heute als Nationalfeiertag, der sogenannte "Nein-Tag", begangen, da Metaxas ein Telegramm lediglich mit dem Wort Όχι, also Nein, an Italien gesendet haben soll.) Daraufhin wurde Griechenland von Italien angegriffen, konnte aber die italienischen Truppen schlagen und bis weit hinter die albanische Grenze zurückdrängen. Erst durch das militärische Eingreifen der deutschen Wehrmacht im April-Mai 1941 über Jugoslawien und Bulgarien wurde der griechische Widerstand gebrochen. Italien, Deutschland und Bulgarien errichteten ein hartes Besatzungsregime. Gegen die bald erstarkende Partisanenbewegung griffen die Besatzungsmächte mehrfach kriegsverbrecherisch auf brutale Weise durch: In verschiedenen Orten, unter anderem in Kalavrita und Distomo, wurde als "Vergeltung" für Partisanenüberfälle die jeweilige Dorfbevölkerung von der Wehrmacht oder "Sondereinheiten" ermordet. Die Frage nach einer Entschädigung von deutscher Seite für diese Aktionen ist bis heute immer wieder Gegenstand politischer Diskussion. Der bewaffnete Widerstand ging hauptsächlich von der kommunistisch beeinflussten Volksbefreiungsarmee ELAS aus. Gleichzeitig gab es aber auch rivalisierende royalistische Partisanen, die durch Großbritannien unterstützt wurden. Nach militärischer Intervention Großbritanniens am 5. Dezember 1944 wurde die ELAS entsprechend dem Abkommen von Varkiza vom 12. Februar 1945 entwaffnet und demobilisiert. Der Zweite Weltkrieg ging in Griechenland quasi direkt in den Griechischen Bürgerkrieg über, der sich bald als Stellvertreterkrieg der beiden politischen Pole entpuppte: Die griechischen Kommunisten, welche die Hauptlast des Partisanenkampfes gegen das Besatzungsregime der deutschen Wehrmacht getragen hatten, versuchten nun, nur halbherzig unterstützt von der Sowjetunion und anfangs auch Jugoslawien (siehe Landkarte mit Umfang jugoslawischer Ansprüche gegen Griechenland:[http://www.macedonian-heritage.gr/Images/Maps/Borders_Symbols_Stability/map4.gif 1]), die Herrschaft über das befreite Griechenland zu erlangen, stießen jedoch auf vornehmlich royalistische Gegenwehr, welche v.a. von Großbritannien und den USA großzügig unterstützt wurde. Im Gegensatz zu allen anderen osteuropäischen Staaten gelang den Kommunisten die Machtübernahme in Griechenland jedoch nicht: Im auf beiden Seiten mit äußerster Härte, auch gegenüber der Zivilbevölkerung, geführten Bürgerkrieg wurden die kommunistischen Verbände immer mehr nach Nordwesten zurückgedrängt. Das Ende der Unterstützung durch Jugoslawien besiegelte schließlich das Ende ihrer militärischen Macht. Grund für die spärliche Unterstützung durch die kommunistischen "Bruderstaaten" war ein Geheimabkommen am Rande der Konferenz von Jalta 1945: Churchill und Stalin hatten dort ein Einflussverhältnis von "90% West zu 10% Ost" für Griechenland vereinbart; dies wurde später von vielen griechischen Kommunisten als "sowjetischer Verrat" empfunden, da man lediglich ein Bauernopfer Stalins gewesen sei. Seit dieser Zeit gibt es in Griechenland zwei Kommunistische Parteien (griechisch "KKE" für Κομμουνιστικό Κόμμα Ελλάδας, lat.: Kommunistiko Komma Elladas, dt.: Kommunistische Partei Griechenlands): die damals Desillusionierten bildeten die "Inlands-KKE", die weiterhin linientreuen Stalinisten die "Auslands-KKE". Im Sinne eines strikten Antikommunismus blieben noch bis in die 1960er Jahre viele bürgerliche Freiheiten eingeschränkt, was die NATO jedoch nicht davon abhielt, Griechenland 1952 aufzunehmen und so strategisch im Westen zu verankern. 1967 ergriff in Reaktion auf Liberalisierungstendenzen ein Militärregime unter Georgios Papadopoulos die Macht, während dessen zahlreiche Oppositionelle eingesperrt, gefoltert, ermordet oder ins Exil getrieben wurden, darunter der Komponist Mikis Theodorakis (sog. Obristenputsch). Das Zypernabenteuer der Junta führte 1974 zum Zusammenbruch der Diktatur und zur Rückkehr zur Demokratie unter Konstantin Karamanlis. Seit 1981 ist Griechenland Mitglied der EU. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung wurde durch die hohen EU-Hilfsgelder (unter anderem für die Landwirtschaft) gefördert, doch der Abstand zu den entwickelteren EU-Staaten blieb bestehen. Angesichts der Umwälzungen im ehemaligen Jugoslawien ab 1989 versuchte Griechenland eine eigenständige, proserbische außenpolitische Rolle zu spielen, oft in deutlicher Abgrenzung von EU und NATO. Dies zeigte sich in der Namensfrage mit Mazedonien oder im Bosnien- und Kosovokonflikt. Dies lag vor allem an den wirtschaftlichen Interessen Griechenlands in dieser Region (Transitwege), aber auch ideologische Parallelen spielten hierbei eine gewichtige Rolle. In jüngster Zeit wurden unter der Regierung Simitis Schritte zur Entkrampfung des griechisch-türkischen Verhältnisses, aber auch der Beziehungen zu den Nachbarstaaten auf dem Balkan unternommen, die wirtschaftlich zunehmend interessant werden für den griechischen Außenhandel und für Auslandsinvestitionen.

Literatur


- Bötig, Klaus: Griechenland: Festland und Peloponnes, DuMont : Köln 1996, 396 S., ISBN 3-7701-3456-7
- Müller, Michael (Hrsg.): Griechenland. Reisehandbuch, Michael Müller Verlag : Erlangen, 8. Aufl. 2002, 768 S., ISBN 3-9232-7860-8
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0

Siehe auch


- Portal: Griechenland

Weblinks


- 20px Wiki-Portal Griechenland
- [http://www.griechische-botschaft.de/ Griechische Botschaft in Berlin]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=52 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- [http://www.mythos-griechenland.de Der Mythos Griechenland über die Jahrhunderte]
- [http://dmoz.org/World/Deutsch/Regional/Europa/Griechenland/ Open Directory Project: Griechenland]
- [http://home.nikocity.de/schmengler/texte/griech.htm Agrarsektor und Agrarstrukturen in Griechenland]
- [http://de.greece-museums.com/ Griechische Museen]
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechenland.html Bibliographie Griechenland]
Kategorie:Land in der EU Kategorie:Staat Kategorie:Mittelmeer fiu-vro:Kriika ja:ギリシャ ko:그리스 ms:Yunani roa-rup:Gârţii simple:Greece th:ประเทศกรีซ zh-min-nan:Hi-lia̍p

Zypern

Die Republik Zypern (griechisch: Κυπριακή Δημοκρατία, türkisch: Kıbrıs Cumhuriyeti) ist ein Inselstaat im Mittelmeer. Sie liegt vor der Südküste der Türkei, nicht weit von Syrien entfernt und ist ein Teil von Asien. Die Autorität der Regierung der Republik Zypern beschränkt sich auf den griechischsprachigen Südteil der Insel. Der Nordteil der Insel bildet seit der türkischen Invasion die international nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Völkerrechtlich wird die Insel durch die Republik Zypern vertreten. Es kann mit dem Zypern-Pfund, in den souveränen königlich-britischen Basen mit dem Britischen Pfund und im Norden des Landes mit der Türkischen Lira bezahlt werden.

Geographie

Zypern ist die östlichste Insel im gesamten Mittelmeer. Mit einer Fläche von ca. 9.251 km² (griechischer Teil ca. 5.896 km², türkischer Teil ca. 3.355 km²) ist sie nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Insel im Mittelmeer (West-Ost-Ausdehnung ca. 230 km, Nord-Süd-Ausdehnung ca. 95 km). Die Entfernung zur Südküste des türkischen Festlandes beträgt ca. 75 km, zur Westküste Syriens ca. 95 km, nach Ägypten ca. 325 km und zur nächstgelegenen griechischen Insel ca. 450 km. Damit bildet Zypern die Schnittstelle zwischen den Kontinenten Europa, Asien und Afrika. Zwei Gebirgszüge durchziehen die Insel: Die zur Küste hin abfallende, sonst schroffe Kette des Pentadaktylos (Beşparmak) im Nordosten und das vulkanische, waldreiche Troodos-Gebirge im südlichen Landesinnern, mit dem Olympos (1.952 m) als höchster Erhebung. Die ca. 780 km lange Küste bietet teils ausgedehnte Sand- und Kiesstrände sowie steil abfallende Felsküsten mit kleinen Buchten. Olympos Zypern besitzt heute ein mediterranes Klima mit deutlich kontinentaler Ausprägung. Die südliche Lage bedingt höhere Temperaturen als im nördlichen Mittelmeeraum und die Nähe zum arabischen Teil Asiens lässt des Öfteren heiße Wüstenwinde übers Meer wehen. Das Mittelmeer um Zypern hat die höchsten Wassertemperaturen im gesamten Raum. Im Februar werden etwa 17 °C, im August um 28 °C erreicht. Das Land leidet chronisch unter Wassermangel. Die Regenzeit beschränkt sich eigentlich auf die Monate Dezember bis April. Von Mai bis November ist es trocken und vor allem im Landesinneren z. T. sehr heiß. Nikosia hat im Juli und August eine durchschnittliche Höchsttemperatur von 37 °C, was nur 2 °C unter der Temperatur in Dubai liegt, aber 8 °C wärmer ist als auf Mallorca. In Extremfällen steigt das Thermometer im Zentrum der Insel im Hochsommer auf 47 °C. An den Küsten ist es während des Sommers meist am Tag 30 bis 35 °C warm, in der Nacht kühlt es auf 23 bis 20 °C ab. Der Westen der Insel um die Stadt Pafos ist oftmals 2 bis 4 °C kühler als der Osten. Im Winter liegen die Temperaturen zwischen 15 °C und 20 °C am Tage, von Zeit zu Zeit auch darüber, selten darunter. Oberhalb von 1.500 m kann es Schnee geben.

Flora und Fauna

Schnee Zypern ist eine grüne Insel, die waldreichste im gesamten Mittelmeerraum. Aleppo-Kiefern, Steinpinien, Platanen, Zedern und Eichen wachsen im Troodos-Gebirge – dem „Schwarzwald“ Zyperns. Die flach abfallenden Ränder des Troodos sind bedeckt mit Apfel-, Birnen-, Pfirsich-, Mandel- und Nussbäumen sowie mit Weinfeldern. Im Übrigen wird das Bild der Insel von Zypressen, Oliven- und Johannisbrotbäume geprägt. Orangen- und Grapefruithaine herrschen in der Umgebung von Lemesos vor. Das "Land der roten Erde" im Südosten gilt als Gemüsegarten Zyperns mit Kartoffeln, Auberginen, Tomaten, Gurken, Zwiebeln und anderen Arten. Feigen und Granatäpfel wachsen im Nordwesten. Im Südwesten, bei Patos, gibt es riesige Bananenplantagen. Im Frühling bedeckt ein Blumenteppich die Insel. Nicht weniger als 1.800 Blütenpflanzen blühen, vor allem Anemonen, Narzissen, Gladiolen, Iris, Goldwurz, Tulpen und Klatschmohn. Auch 44 Arten von Orchideen kommen vor. Im Herbst, mit den ersten Regenfällen, sprießen unter anderem Traubenhyazinthen, Weihnachtsstern und Hahnenfuß. Bougainvillea blüht das Jahr hindurch. Das Zypern der Antike war mit Wäldern bedeckt, heutige Wälder bedecken nur etwa 17 % der Fläche der Insel (im Wesentlichen im Troodos-Gebirge), da viele Faktoren wie Eingriffe des Menschen, große Anzahl von Ziegen, häufige Waldbrände dazu beigetragen haben, den Waldbestand zu vermindern. Heutzutage bemüht man sich den Waldbestand durch Neubepflanzung oder Wiederbelebung zu erhöhen. Das Überleben neu eingepflanzter Bäume wird durch den ständigen Mangel an Wasser erschwert. Einige fremde Arten wurden allerdings eingeführt (verschiedene Tannenarten, Akazien, Fichtenarten), die als natürliche Art auf Zypern völlig unbekannt sind. Fossilien und archäologische Funde belegen, dass auf Zypern bis in die Nacheiszeit eine verzwergte Fauna hauptsächlich aus Nilpferden und Elefanten lebte, die allerdings bereits im Neolithikum ausgestorben ist. Schweine, Rinder, Ziegen, Damhirsche und Wildschafe sowie Füchse und Wildkatzen wurden von den ersten Bauern mitgebracht. Die Schafe verwilderten und lebten auf der Halbinsel Akamas. Die ebenfalls eingeführten Rinder verschwanden nach relativ kurzer Zeit und wurden erst im Endneolithikum wieder eingeführt. Heute gibt es auf Zypern nur noch das Wildschaf, fälschlicherweise Mufflon genannt. Jährlich kommen die Meeresschildkröten an die Küsten von Akamas, Varousha und des Karpaz, um Eier zu legen. Um diese Tiere zu schützen und ihre unbehinderte Fortpflanzung zu ermöglichen, verabschiedete die zyprische Regierung ein Programm. Für die Dauer der Eiablage werden die Strände, die die Schildkröten zum Nisten bevorzugen, für Menschen gesperrt. Neben den im Mittelmeer üblichen Fischarten tummeln sich an den Stränden im Osten der Insel auch Tierarten, die durch den Suez-Kanal aus dem Roten Meer ins Mittelmeer kamen. So sind Rostnacken-Papageifische, Gelbflossen-Doktorfische u. v. a. zu bewundern. Die Vogelwelt Zyperns umfasst 340 Arten. Die Insel ist ein Durchzugsgebiet von vielen Zugvögeln. Das ganze Jahr verbringen 46 Arten auf Zypern, und 27 der Zugvögel nisten und pflanzen sich auf der Insel fort. Die Wälder der großen Troodos–Gebirgskette und die Höhenlagen des Besparnak sind die vogelreichsten Gebiete. U. a. sind hier der Buchfink, der Fichtenkreuzschnabel, das zyprische Rebhuhn, die Nachtigall und der Seidensänger zu finden.

Bevölkerung

Die 721.000 Zyperngriechen (2004) machen rund 78 % der Bevölkerung aus. Die Zahl der Zyperntürken beträgt etwa 200.000. Nach der türkischen Invasion 1974 wurden im besetzten Norden unter Protest der Vereinten Nationen etwa 40.000 Türken und Kurden angesiedelt. Dazu kommen 30.000 türkische Soldaten. Genaue Berechnungen sind wegen des Mangels an aktuellen Zahlen nur schwer anzustellen. Während im südlichen Teil der Insel über 60.000 Türken leben, sind es im Nord-Teil nur 500 Griechen. Man geht heute von 78 % Zyperngriechen und 20 % Zyperntürken (inkl. Siedler vom Festland und türkische Soldaten) auf der Insel aus. Neben Griechisch und Türkisch wird auch Englisch u. a. als Bildungs- und Verkehrssprache gesprochen. Die englische Sprache ist für junge Zyprer fast genauso wichtig wie die griechische, da die meisten Studenten ihr Studium direkt in Athen oder in anderen Ländern Europas oder in Nordamerika absolvieren. Seit der türkischen Invasion leben ca. 200.000 griechische Zyprer aus dem türkisch besetzten Norden als Flüchtlinge im griechischen Süden der Insel, die türkischsprachigen Flüchtlinge aus dem Süden haben teilweise Ortschaften gegründet, deren Namen an ihre alten Heimatorte erinnern. Alle älteren türkischen Zyprioten sprechen auch griechisch, in einigen Dörfern ist der Schwarzmeerdialekt Verkehrssprache. An der Nordspitze Zyperns gibt es Dörfer, deren maronitische Bevölkerung eine arabische Mundart spricht. Das Kormakiti-Arabisch ist stark vom Griechischen beeinflusst, in Wortschatz, Phonetik wie Grammatik, und erweckte das Interesse von Arabisten. Die jungen Männer arbeiten heute aufgrund ihres Sonderstatuts (kein Militärdienst) weitgehend im Süden der Insel, während Frauen, Kinder und alte Leute die Felder bestellen. Im Norden leben außerdem eine größere Anzahl palästinensischer Studenten.

Religion

Der größte Teil der Bewohner sind orthodoxe Christen, also etwa 78 %. Die östlich-orthodoxe Kirche von Zypern (auch "zyprisch-orthodoxe Kirche") ist bereits seit dem Konzil von Ephesos im Jahr 431 autokephal und befindet sich in vollständiger Glaubensgemeinschaft mit den anderen orthodoxen Kirchen. Die türkischsprachige Bevölkerung ist zu 99 % sunnitisch-muslimischen Glaubens, was 20 % der Bevölkerung ausmacht. Ca. 1 % der Bevölkerung gehören der römisch-katholischen Kirche an. Außerdem gibt es auch eine eigene Apostolische Nuntiatur (Sitz eines Nuntius-Botschafters). Ebenfalls ungefähr 1 % der Einwohner sind maronitische Bewohner. Sie besitzen den einzigen auf Zypern selbst ansässigen Erzbischof.

Städte

Hauptartikel [[Städte in Zypern]] Eingebettet in die beiden Gebirgsketten liegt die fruchtbare [[Mesaoria-Ebene
, in deren Zentrum die Hauptstadt Nikosia (griechisch: Lefkosía, türkisch: Lefkoşa, ca. 195.000 Einwohner) liegt. Weitere größere Städte sind die Häfen Larnaca (ca. 66.400 Einw.), Limassol (griechisch: Lemesos, ca. 148.700 Einw.) und (Nea) Pafos (ca. 36.300 Einw.) an der Südküste (von Ost nach West), sowie Famagusta (tr. Gazimagusa, gr. Ammochostos, ca. 27.700 Einw.) und Kyrenia (gr. Keryneia, tr. Girne, ca. 12.500 Einw.) im türkisch besetzten Norden. Daneben verdient das an der Südostküste gelegene und zu einem wichtigen Tourismuszentrum gewordene Dorf Agia Napa Erwähnung.

Geschichte

Agia Napa Hauptartikel: Geschichte Zyperns Die erste konstante Besiedlung Zyperns erfolgte in der Jungsteinzeit. In Aetokremnos wurden zwar epipaläolithische Befunde ausgegraben, eine länger andauernde Besiedlung ist jedoch unsicher. Die neolithische Besiedlung erfolgte im 9. Jahrtausend von Syrien aus. Das bekannteste Dorf der Jungsteinzeit ist Khirokitia bei Kalavassos, weitere Fundorte aus dem präkeramischen Neolithikum (PPN B) sind Kastros, Shillourokambos, Ais Yiorkis und Tenta. Seit der Bronzezeit belieferte Zypern das östliche Mittelmeer mit Kupfer. In der ausgehenden Bronzezeit entstanden auf Zypern Handelsstädte wie Enkomi, die in engem Kontakt mit der Levante standen. Um 1200 v. Chr. begann der Einfluss durch die mykeneische Kultur. Danach war Zypern Teil der assyrischen, ägyptischen und persischen Einflusssphäre. Das Königreich Salamis errang nach und nach die Vorherrschaft über die Insel. 332 v. Chr. gingen die Könige von Zypern zu Alexander des Großen über und Zypern wurde in dessen Reich eingebunden. Nach dem Zerfall des Reiches gehörte Zypern zum hellenistischen Ptolemäerreich. 58 v. Chr. gelangte die Insel unter römische Herrschaft und blieb römisch und oströmisch/byzantinisch bis 1184, zuletzt unter dem unabhängigen Kaiser Isaak Komnenos. Die Kreuzritter und die Familie Lusignan beherrschten die Insel bis 1489, danach gehörte die Insel bis 1571 zu Venedig. 1571 wurde die Insel für gut 300 Jahre osmanisch. 1878 verpachtete das Osmanische Reich die Insel an Großbritannien, das im Gegenzug dem Osmanischen Reich Unterstützung gegen einen Vorstoß der Russen zusagte; mit dem Eintritt des Osmanischen Reiches in den 1. Weltkrieg (1914) auf Seiten der Mittelmächte wurde die Insel von den Briten annektiert. 1925 wurde Zypern Kronkolonie. Die ehemalige britische Kolonie wurde am 16. August 1960 aufgrund des Abkommens von Zürich zwischen Großbritannien, Griechenland und der Türkei (1959) unabhängig. In einem von der griechischen Junta inspirierten Putsch wurde 1974 Präsident Makarios gestürzt. Die Putschisten strebten die Angliederung an Griechenland an. Unter Berufung auf ihre Rolle als Garantiemacht intervenierte die Türkei und besetzte den Norden Zyperns. 1983 kam die Proklamation der Türkischen Republik Nordzypern (TRNZ), die jedoch von allen Ländern der Vereinten Nationen außer der Türkei nicht anerkannt wird (siehe Resolution 541 der Vereinten Nationen). Im Jahr 2003 wurde die Grenze zwischen den beiden Landesteilen erstmals wieder durchlässig, es erfolgte die Öffnung der Grenzübergänge für beide Volksgruppen für Besuche im jeweils anderen Teil der Insel zum 23. April 2003. 2004 scheiterte jedoch der Annan-Plan zur Wiedervereinigung in einer Volksabstimmung an der Ablehnung im griechischen Teil Zyperns. Am 1. Mai 2004 wurde Zypern als geteiltes Land Mitglied der EU. Annan-Plan

Politik

Das Parteiensystem der Republik Zypern wird von vier großen Parteien geprägt:
- Aufbaupartei des Werktätigen Volkes - AKEL (kommunistisch)
- Demokratische Partei - DIKO (konservativ)
- Demokratische Sammlung - DISY (rechts)
- Vereinigte Demokraten - ED (liberal) Daneben sind noch vier kleinere Parteien im Parlament vertreten.

Zypernkonflikt

1963 gab es Unstimmigkeiten zwischen der türkischen Minderheit (19 %) und der griechischen Mehrheit (80 %) über Verfassung und Gesetze, Ausübung der Staatsgewalt usw. Dieser Streit, von Extremisten auf beiden Seiten systematisch eskaliert, machte ein weiteres gemeinsames Regieren unmöglich. Die türkisch-zyprischen Regierungsmitglieder zogen sich aus der Regierung zurück und strebten seitdem ein selbstverwaltetes Gebiet an, während viele griechischsprachige Zyprer den Anschluss an Griechenland (Enosis) anstrebten. 1974 kam es zum Putsch der griechisch-zyprischen Nationalgarde gegen Präsident Makarios. Nachdem dieser von der Insel floh, führte die Türkei unter dem Eindruck eines drohenden Anschlusses Zyperns an Griechenland eine Invasion auf dem Nordteil der Insel durch. Insgesamt hält die Türkei seitdem gegen alle relevanten UNO-Resolutionen und Entscheidungen europäischer Gerichte ca. 37 % der Insel besetzt, obwohl sowohl Nikosia als auch Athen nicht für die Vereinigung Zyperns mit Griechenland sind. 1977 starb Makarios, und Kyprianou folgte als Präsident. Dieser wurde von der Türkei und den türkischen Zyprer allerdings nicht anerkannt. Darauf veranlasste der griechische Süden Wirtschaftssanktionen gegen den Norden. Der Norden seinerseits antwortete mit der Vertreibung von mehreren zehntausenden griechischen Zyprer und der Ansiedlung von mehreren zehntausend Türken aus der Türkei (Kriegsverbrechen laut Völkerrecht), wodurch die Gewichtung des Bevölkerungsanteils der Türken gegenüber den türkischen Zyprer erhöht wurde. 1983 wurde auf dem Nordteil der Insel die Türkische Republik Nordzypern ausgerufen, die allerdings nur von der Türkei anerkannt wird. Eine Annäherung beider Seiten sollen Verhandlungen unter Führung der UN bringen - eine Abstimmung über eine Wiedervereinigung scheiterte jedoch am Referendum 2004 in Südzypern. Es ist ein Konzept nach dem Vorbild der Schweiz vorgesehen, also ein Staatenbund aus zwei Teilstaaten, deren Einwohner sowohl die zyprische als auch die Staatsangehörigkeit des Landes, aus dem sie stammen, erhalten. Am 4. Juni 1990 wurde der Beitrittsantrag Zyperns zur Europäischen Union gestellt, der im Übrigen für die gesamte Insel gilt, da auch die EU die Türkische Republik Nordzypern nicht anerkennt. Seit Mai 2004 ist Zypern Mitglied der Europäischen Union. Den Grenzübergang darf man mittlerweile mit dem Auto und zu Fuß passieren. Die Einreisebestimmungen wurden gelockert. Man muss nur noch ein Tagesvisum bei den türkischen Behörden ausfüllen. Dieses wird dann bei Ausreise wieder abgestempelt. Direkte Eintragungen im Pass werden nicht vorgenommen. Der Ledra Palace Checkpoint ist der größte und bekannteste Grenzübergang zwischen beiden Inselteilen. Zollkontrollen finden auch nur sporadisch statt. Alles in allem hat sich die Lage etwas entspannt, was auf den mäßigenden Einfluss der EU zurückzuführen ist. Für einen längeren Aufenthalt sollte man sich jedoch vorab beim Auswärtigen Amt informieren.

Zypern in der EU

Zypern trat völkerrechtlich am 1. Mai 2004 der EU bei. Zuvor war jedoch ein Versuch der Wiedervereinigung Zyperns bei einer Volksabstimmung am 24. April 2004 an der Ablehnung im griechischen Teil gescheitert. Aufgrund des positiven Abstimmungsergebnisses im türkisch verwalteten Teil entschied sich die EU, den Norden wirtschaftlich mit weit über 200 Millionen Euro jährlich zu unterstützen und die sogenannte Green Line zwischen dem Nord- und Südteil zu ignorieren. Durch die türkische Besatzung ist es derzeit dem Europäischen Rechnungshof nicht möglich, die Geldflüsse zu kontrollieren. Seit 1. Mai 2004 ist es möglich, dass auch EU-Bürger vom Nordteil in den Südteil fahren können, ohne der Gefahr einer Gefängnisstrafe und Ausweisung zu unterliegen. Somit wird die völkerrechtliche Linie gewahrt, dass tatsächlich die gesamte Insel in die EU aufgenommen wurde. Siehe auch: Liste der Staatsoberhäupter von Zypern

Wirtschaft

Die Angaben beziehen sich nur auf den von der international anerkannten Regierung kontrollierten Teil der Insel. Für den türkisch verwalteten Teil liegen keine genauen Zahlen vor, es wird jedoch allgemein von einer wesentlich schwächeren Wirtschaftslage in diesem Teil der Insel ausgegangen. Nach einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums von 4 % 2001 auf 2,2 % 2002 sind die Prognosen für das Jahr 2003 mit etwa 2,3 % verhalten positiv. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) belief sich im Jahre 2004 auf 12,4 Milliarden Euro. Das BIP pro Kopf betrug etwa 17.400 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Wert bei rund 23.100 Euro. Trotzdem hat Zypern von allen Beitrittsstaaten der EU-Erweiterung des Jahres 2004 den höchsten Wert. 72 % der Zyprer arbeiten im tertiären Sektor, in der Landwirtschaft hingegen nur 5 % aller Beschäftigten. In den touristisch entwickelten Regionen sind viele Saisonkräfte, vor allem aus Polen, tätig. Die Arbeitslosenquote belief sich auf 3,6 % vor dem EU-Beitritt. Dieser Wert liegt unter dem EU-Durchschnitt. Die Inflationsrate beträgt 2 %, Auslandsschulden sind nicht vorhanden. Aufgrund der wirtschaftlichen Struktur gilt Zypern, neben Malta, als am weitesten entwickelter Staat der zehn neuen Beitrittsländer. Auf Zypern sind seit dem Bürgerkrieg viele libanesische Banken ansässig, was zu einem großen Zustrom von Geldern geführt hat. Zypern ist einer der größten Investoren und Exporteure in Russland. Viele Gelder werden über Zypern in Russland "reinvestiert" , was zu dieser merkwürdigen Konstellation führt.

Bodenschätze

Auf Zypern gibt es Kupfer und Asbest, in den Bergen befinden sich große Marmorgebiete und Pyritminen. Dort gibt es auch Gipsgestein und Salzablagerungen. An den Stränden wird Tonerde abgebaut.

Landwirtschaft

Auf Zypern werden häufig Zitrusfrüchte angebaut. Hinzu kommt die Erzeugung von Gemüse. Fast verwunderlich ist es, dass zyprische Kartoffeln zu den Export-Schlagern (meist nach Großbritannien) gehören. Im griechischen Teil wird des weiteren Gerste angebaut. Bei vielen Anbausorten (Obst, Gemüse und Getreide) sind zwei Ernten im Jahr durch das ausgesprochen freundliche Klima Standard. Fast jede Familie griechischer Zyprer hat irgendwo auf der Insel noch ein kleines Stück Land, auf dem für den Eigenverbrauch angebaut wird. Jedoch werden die landwirtschaftlich genutzten Flächen seit dem EU-Beitritt immer kleiner (besonders in den Touristenregionen), da Briten verstärkt Land und Häuser für den Altersruhesitz kaufen, zudem in der EU z. T. Brachflächen gefördert werden. Im nördlichen Teil werden bevorzugt Geflügel und Lämmer aufgezogen. Auf der gesamten Insel gibt es außerdem noch einige größere Olivenplantagen. Fremde Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft kommen immer häufiger aus dem Norden - völlig legal - anders, als in der Tourismusbranche (hier in erster Linie polnische Saisonkräfte).

Währung

Die nationale Währung Zyperns ist das Zypern-Pfund (int. Kürzel CYP). Ein Zypern-Pfund ist (seit 1983) 100 Cent (Σεντ) (und war davor 1000 Mill). Am 29. April 2005 trat Zypern dem Euro-Wechselkursmechanismus II bei zu einem Leitkurs von 1 EUR = 0,585274 CYP und darf um diesen Mittelkurs ±15 % schwanken. Der Euro könnte frühestens im Sommer 2007 eingeführt werden.

Kultur

Feiertage


- 1. April Revolution der Zyprer gegen die Englische Besatzung.
- 1. Oktober Unabhängigkeitstag

Weitere Themen


- Portal:Südosteuropa
- Zypernkonflikt

Weblinks


- [http://www.cyprus.gov.cy/ Die zyprische Regierung]
- [http://www.trncinfo.com/ Die Verwaltung des türkischen Teils]
- [http://www.ec-eu-delegation.com.cy Die Vertretung der EU-Kommission auf Zypern]
- [http://www.un.org/Depts/DPKO/Missions/unficyp/body_unficyp.htm UNO-Mission auf Zypern]
- [http://www.cips.com.cy cips: cyprus international press service - deutsch/english]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=193 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- 20px Wiki-Portal Zypern Kategorie:Insel (Asien) Kategorie:Staat Kategorie:Land in der EU Kategorie:Mittelmeer ja:キプロス ko:키프로스 ms:Cyprus simple:Cyprus th:ประเทศไซปรัส zh-min-nan:Kypros

Diaspora

Der Begriff Diaspora (v. griech.: διασπορά diaspora = Verstreutheit) bezeichnet seit dem späten 20. Jahrhundert Menschen oder ethnische Gruppen, die zwangsweise ihre traditionelle ethnische Heimat verlassen mussten und zerstreut sind über andere Teile der Welt. Sie kann aber auch einfach eine Minderheitssituation v.a. einer Religionsgruppe bezeichnen. Ursprünglich bedeutete die Bezeichnung Diaspora speziell das Volk der Juden, das 586 v. Chr. (als Oberschicht) von Judäa durch die Babylonier exiliert und 135 durch die Römer über das gesamte römische Reich verstreut wurde. Seit der frühen Neuzeit wird der Begriff auch auf konfessionelle Minderheiten des Christentums bezogen. Diaspora bedeutet gleichermaßen den Prozess der Zerstreuung wie auch die zerstreute Bevölkerungsgruppe selbst. Das Wort ist eine Prägung der Septuaginta Deut. 28, 25 u.ö. „du sollst eine Diaspora sein in allen Reichen auf Erden“, wobei diaspora als Euphemismus für „Entsetzen“, oder „Schande“ etc. gewählt wurde Heute bezieht sich Diaspora auf
- die jüdische Diaspora im modernen Sinn - die Juden, die außerhalb des jüdischen Staates Israel leben. Unter Diaspora wird überwiegend das freiwillige und unter Galut (hebr.) das unfreiwillige Exil verstanden. (siehe auch Link unten)
- die christliche Diaspora - christliche Minderheiten v.a. in Ost- und Südostasien; auch die konfessionelle Diaspora (z. B. Katholiken in Nord-, Protestanten in Südeuropa)
- die afrikanische Diaspora - die Gesamtheit der Afrikaner und ihrer Kulturen, die historisch durch die Sklaverei verstreut wurden.
- die irische Diaspora - die Millionen verstreuter irischer Flüchtlinge in Folge des irischen Kartoffelhungers und politischer Unterdrückung.
- die armenische Diaspora - die Zerstreuung der Armenier nach der Kollektivdeportation in mehrere Gebiete des osmanischen Reiches im nahen Osten.
- die südostasiatische Diaspora - die verstreuten Flüchtlinge der zahlreiche Kriege in Südostasien (Zweiter Weltkrieg, Koreakrieg, Vietnamkrieg)
- die islamische Diaspora - die muslimische Minderheit in Europa und Nordamerika.
- die türkische Diaspora auf dem Balkan, siehe Rumelien-Türken.

Moderne Diaspora

Das 20. Jahrhundert ist als Jahrhundert der Migranten durch zahllose ethnische Flüchtlingskrisen gezeichnet, die in Krieg, Nationalismus und Rassismus ihre Ursache haben. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sahen zahlreiche Flüchtlinge aus Europa, Asien und Nordafrika ihr Heil in Amerika. Dazu zählen u. a.:
- Juden, Roma und andere ethnische Minderheiten, siehe auch: Holocaust
- Armenier
- verschiedene ethnische Minderheiten aus dem russischen und sowjetischen Herrschaftsbereich
- Deutsche, im Zuge der Vertreibung aus ehemals ostdeutschen Gebieten
- Polen, im Zuge der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges
- Überseechinesen
- Palästinenser
- Tamilen, im Zuge ihres Konflikts mit den Singhalesen
- Tschetschenen
- Afghanen
- Kurden
- Libanesen, es leben ca. 3.5 Millionen im Libanon und mehr als eine halbe Million ausserhalb
- Iraker, (ca. 4 Millionen)im Zuge von Vertreibungen und Verfolgungen von Oppositionellen, des ersten Golfkrieges (1980-1988), des zweiten Golfkrieges (1991), der Sanktionen von 1991 bis 2003, des dritten Golfkrieges 2003 und der heutigen unsicheren Situation im Irak Die größte Zahl durch Flucht entwurzelter ethnischer Gruppen befindet sich in Afrika. Sie ist hierbei noch nicht berücksichtigt

Bedeutung

Über die materiellen Probleme hinaus stellt die Diasporasituation die Menschen vor die Frage der kulturellen Identität. Oft betonen und überhöhen sie die Werte ihres Ursprunglandes, für welchen Effekt es sogar eine deutsche Redensart gibt: Je weiter von Rom, desto besser die Katholiken. Freiwillige oder erzwungene Ab- und Ausgrenzung einerseits, Assimilation bis zum Verlust der eigenen Ethnosprache oder Religion andererseits sind die Extreme, zwischen denen Diasporabevölkerungen ihren Weg suchen. Die dabei seit Jahrhunderten gewonnenen Erfahrungen können wertvoll sein für eine Welt, in der kulturelle Vielfalt zur Normalsituation wird. Insgesamt entwickeln Minderheiten, die lange Zeit nirgends hoffen dürfen, eine Mehrheit zu werden, durchaus spezifische "Politik"-Konzepte; auch gegenüber anderen Minderheiten.

Literatur


- G. Sheffer: Diaspora Politics: At Home Abroad. Cambridge, 2003, ISBN 0521811376

Weblinks


- [http://www.jafi.org.il/education/100/german/concepts/gola1.html Die "Jewish Agency for Israel" erklärt die Begriffe Diaspora und Galut.]
- [http://www.bonifatiuswerk.de Bonifatiuswerk, Diasporahilfswerk der deutschen Katholiken] Kategorie:Migration Kategorie:Soziologie Kategorie:Religion ja:ディアスポラ

Staatsgebiet

Das Staatsgebiet oder Hoheitsgebiet ist der Raum, der der territorialen Souveränität eines Staates unterliegt. Damit ist nicht die Gebietshoheit gemeint. In der Regel fallen aber beide Begriffe zusammen. Ein Beispiel für ein von der Gebietshoheit abweichendes Staatsgebiet ist Guantanamo Bay auf Kuba. Es untersteht der Gebietshoheit der USA, die territoriale Souveränität obliegt aber Kuba. Das Landgebiet eines Staates ist die Festlandoberfläche mitsamt der Inseloberflächen. Auch die Binnengewässer, Flussmündungen, Hafenanlagen, Buchten oder Fjorde werden hier hinzugerechnet. Die Staatsgrenze bei Grenzgewässern verläuft normalerweise entlang der tiefsten Stellen des Flussbettes, bei Grenzseen ist eine vertragliche Regelung notwendig. Auch das Küstenmeer gehört zum Staatsgebiet. Von der Basislinie (die Linie, die sich durch den Wasserstand bei mittlerem Niedrigwasser ergibt) bis maximal 12 Seemeilen (etwa 22 km) ins Meer hinaus stellen die Hoheitsgewässer dar. Manche Staaten beanspruchen bis zu 200 Seemeilen, was international aber nicht anerkannt wird. Nicht mehr zum Staatsgebiet gehören die Gebiete der Hohen See, also auch der Festlandsockel und die so genannte Anschlusszone. In den Luftraum hinein erstreckt sich das Staatsgebiet in kegelstumpfartiger Form bis etwa 100 bis 110 Kilometer Höhe von der Erdoberfläche bis zur Grenze des Weltraums. In die Erde hinein erstreckt sich das Staatsgebiet konisch bis zum Erdmittelpunkt. Eine Exklave, also ein Gebiet, das außerhalb des eigentlichen Staatsgebietes liegt, zählt zum Staatsgebiet, Enklaven fremder Staaten innerhalb des eigenen Staates daher nicht. Siehe auch: Territorium, Staatsvolk, Staatsgewalt Kategorie:Politische Geographie

Albanien

Albanien (albanisch: Shqipëria) ist ein Staat in Südosteuropa. Er grenzt im Norden an die Staatenunion Serbien und Montenegro (Kosovo), im Osten an Mazedonien und im Süden an Griechenland. Die natürliche Westgrenze wird durch die Küsten der Adria und des Ionischen Meeres gebildet, wodurch das Land zu den Anrainerstaaten des Mittelmeers zählt. Nationalfeiertage sind am 28. und 29. November (Unabhängigkeitstag und Tag der Befreiung 1944).

Geographie

Mit seiner Fläche von 28.748 Quadratkilometern ist Albanien etwas kleiner als das deutsche Bundesland Brandenburg und hat mit rund 3,5 Millionen Einwohnern etwas mehr Bevölkerung als Berlin. Albanien besitzt an der Adria und am Ionischen Meer 362 Kilometer Küstenlinie. Im Süden (Straße von Otranto) ist die albanische Küste nur 71 Kilometer von Italien entfernt. Mehr als zwei Drittel des albanischen Staatsgebiets werden von Bergland und zum Teil von Hochgebirgsregionen eingenommen. Vom Shkodrasee im Norden bis nach Vlora im Süden erstreckt sich eine zum Teil nur wenige Kilometer breite Schwemmlandebene entlang der Küste, die sich in Mittelalbanien zur großen Myzeqe-Ebene ausdehnt. An der Küste befinden sich zahlreiche Lagunen und Feuchtgebiete. Da nur die Täler, das Hügelland und Teile der Küstenebene für eine dichtere menschliche Besiedlung geeignet sind, ist in diesen Regionen die Bevölkerungsdichte relativ hoch, während andere Teile des Landes fast unbewohnt sind. Höchster Berg Albaniens ist mit 2764 m der Korab (Mali i Korabit), nordöstlich von Peshkopi direkt an der Grenze zu Mazedonien gelegen. Mazedonien In Albanien herrscht ein subtropisch-mediterranes Winterregenklima (Mittelmeerklima) mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 16° C und einer Jahresniederschlagssumme von knapp 1200 mm. In Tirana sind zwei Sommermonate arid. Die nördlichen und östlichen Bergregionen weisen harte Winter auf. In Saranda werden jährlich fast 300 sonnige Tage verzeichnet. Alle bedeutenden Flüsse Albaniens münden in die Adria. Der Schwarze Drin entspringt aus dem Ohridsee. Bei der nordalbanischen Stadt Kukës vereinigt er sich mit dem aus dem Kosovo kommenden Weißen Drin. Der Drin fließt dann in westlicher Richtung durch mehrere große Stauseen und mündet nach einem Lauf von 282 Kilometern bei Lezha in die Adria. Die anderen größeren albanischen Flüsse Mat, Shkumbin, Seman mit Devoll und Vjosa (in ihrer Nennung von Nord nach Süd) fließen mehr oder weniger direkt in westlicher Richtung der Adria zu, wobei sie alle Bergketten durchbrechen. Die kurze Buna entwässert den Shkodrasee in die Adria und bildet dabei streckenweise die Grenze zu Montenegro.

Bevölkerung

70 Prozent der albanischen Bevölkerung leben auf dem Lande. Ethnisch ist Albanien der bei weitem homogenste Staat auf dem Balkan. Über 95 Prozent der Bevölkerung sind Albaner. Im Süden des Landes gibt es eine größere griechische Minderheit, kleinere Gruppen sind Slawische Mazedonier und Vlachen (Aromunen). Die Albaner gliedern sich in die zwei großen Gruppen Gegen und Tosken, die sich nicht nur sprachlich sondern auch kulturell unterscheiden. Während die Tosken in der Südhälfte des Landes viel stärker von der orientalisch-städtischen Kultur des Osmanischen Reiches beeinflusst wurden, dominierte im gegischen Norden bis ins 20. Jahrhundert hinein eine archaische Stammeskultur das Leben der Menschen. (Eine Ausnahme bildet die wichtige nordalbanische Stadt Shkodra, die bis ins 15. Jahrhundert hinein längere Zeit venezianisch beherrscht war; hier prägten der Katholizismus und die Verbindungen nach Italien auch später noch die Mentalität der Bewohner.) Wenn auch in kommunistischer Zeit ein Urbanisierungs- und Industrialisierungsprozess einsetzte, so wohnte doch die große Mehrheit der Albaner vor 1990 noch auf dem Land. Das prägt die Mentalität vieler Menschen bis heute auch in den Städten, denn wenn sie nicht erst selbst in die Stadt gezogen sind, so waren es ihre Eltern und in jedem Fall haben sie nahe Verwandte, die noch immer von der Kleinlandwirtschaft leben. Ein traditionelles Bürgertum ist in Albanien immer sehr rar gewesen. Moderne bürgerliche Kultur gab es Anfang des 20. Jahrhunderts nur in Shkodra, Korça und Gjirokastra. (In den zwanziger Jahren kam Tirana wegen seiner Hauptstadtfunktion dazu). Die Kommunisten lehnten das bürgerliche Selbstbewusstsein dieser Städte naturgemäß ab und zerstörten die bürgerlichen Kulturleistungen nach 1945 weitgehend. Gjirokastra Die Zeit nach der Wende von 1990 brachte große demographische Verschiebungen. Zum einen emigrierten Hunderttausende Albaner legal oder illegal nach Italien, Griechenland, in andere Staaten der EU und nach Nordamerika, zum anderen verzeichneten die Hauptstadt Tirana und die Hafenstadt Durrës enormen Zuwachs aus der Binnenwanderung. (Tirana von 1990 250.000 Einwohnern auf heute weit über 600.000). Das Land und auch nicht wenige Kleinstädte veröden dagegen regelrecht. In den nächsten Jahren werden hunderte Dörfer wüst werden. Hatten die Albaner vor 1990 die höchste Geburtenrate Europas (Verhütungsmittel waren verboten), so ist sie jetzt auf den europäischen Durchschnitt von etwas weniger als zwei Kindern pro Frau gesunken. Das und die anhaltende Abwanderung bewirkt eine rapide Alterung der albanischen Bevölkerung, die aber angesichts der stark vertretenen Generation der 15- bis 30-Jährigen noch nicht so zu spüren ist.

Religion

Die Kommunisten hatten von 1968 bis 1990 Albanien zum atheistischen Staat erklärt. Jegliche Religionsausübung war in dieser Zeit verboten. Nach wie vor hat die Mehrheit der Albaner kein offizielles Bekenntnis abgelegt. Sie erinnern sich aber, ob die eigene Familie der muslimischen, der orthodoxen oder katholischen Tradition entstammt. So zählen sich ungefähr 40 Prozent der Albaner zu den