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Groß Meseritsch

Groß Meseritsch

Velké Meziříčí (deutsch Großmeseritsch) ist eine Stadt in Tschechien mit 11.753 Einwohnern (1. Januar 2004). Sie liegt in 425 m ü.M. in einem Tal des Krischanauer Berglandes (Křižanovská vrchovina) im Süden der Böhmisch-Mährischen Höhe am Zusammenfluss der Oslava und der Balinka und gehört dem Okres Žďár nad Sázavou an. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1236, seit 1408 erhielt das damalige Dorf Stadtrechte. Das historische Zentrum der Stadt am Fuß der ursprünglich gotischen Burg ist zum Stadtdenkmal ausgerufen worden, In der Stadt befindet sich neben einem Schloss auch der Dom des Heiligen Nikolaus, sowie das ursprüngliche gotische Rathaus, das lutherische Gymnasium, erbaut im Renaissance-Stil, eine jüdische Synagoge und zum Teil erhaltene Burgmauern. In der Nähe befindet sich auch ein jüdischer Friedhof aus dem 16. Jahrhundert.

Stadtgliederung

Zu Velké Meziříčí gehören die Ortsteile Amerika, Dolní Radslavice (Unterratzlawitz), Hrbov (Herbau), Kúsky (Kusek), Lhotky, Mostiště (Mostischt), Olší nad Oslavou (Wolschi), Svařenov (Swarschenow) und Vrchovec (Hohendorf).

Weblinks


- http://www.mestovm.cz Kategorie: Ort in Tschechien

Tschechien

Tschechien (tschechisch Česko) oder die Tschechische Republik (tschechisch Česká republika , Details zum Namen siehe unten) liegt in Mitteleuropa und grenzt an Deutschland (810 km) im Westen und Nordwesten, an Polen (762 km) im Norden, die Slowakei (252 km) im Osten und Österreich (466 km) im Süden. Tschechien umfasst traditionell die drei historischen Länder Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese in acht Regionen aufgeteilt (6 für Böhmen, 2 für die anderen beiden Landesteile), seit dem Jahr 2000 gilt eine neue Verwaltungsgliederung in 14 Regionen (siehe auch Verwaltungsgliederung Tschechiens). Der Staat wurde 1999, einige Jahre nach Auflösung des Warschauer Vertrags Mitglied der NATO und trat am 1. Mai 2004 der Europäischen Union bei.

Geografie

Europäischen Union Tschechien hat durch seine Randgebirge eine topografisch klare Gliederung: es besteht aus mehreren Beckenlandschaften, die von Gebirgen umgeben und unterteilt werden. Deswegen sagt man z. B. in Oberösterreich "ich fahre nach Böhmen hinein" - und nicht hinüber. An der Südwest-Grenze Tschechiens liegt der Böhmerwald (Šumava, 1.000 bis 1.400 m), im Nordwesten das Erzgebirge (Krušné Hory, Keilberg 1.244 m) und im Norden die Sudeten (Sudety), welche im Riesengebirge mit der Schneekoppe 1.602 m erreichen. Südöstlich des Erzgebirges breitet sich zu beiden Seiten der Elbe (tschech. Labe) das Böhmische Mittelgebirge aus. Böhmen und Mähren werden durch die niedrige Böhmisch-Mährische Höhe (600 bis 800 m) voneinander getrennt. Mähren hat im Osten Anteil am Karpatenvorland und im Süden am Wiener Becken. Seine Ostgrenze zur Slowakei bilden die Beskiden und Weißen Karpaten, und nur die Südgrenze zu Niederösterreich bildet großteils ein Fluss - die stark mäandrierende Thaya (Dyje). Auf den Gipfeln vom Böhmerwald, Böhmischen Mittelgebirge, den Beskiden und dem ersten Ausläufer der Karpaten verläuft die Europäische Wasserscheide. Europäische Wasserscheide Die Beckenlandschaften sind sehr fruchtbar. So wird in Böhmen, vor allem im Saazer Becken, Hopfen angebaut (Böhmen ist eines der traditionellen Bierbrauerländer), in Mähren wird Wein angebaut. Tschechien liegt in der gemäßigten Temperaturzone der Erde. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 7,9 °C bei milden Wintern (Februar: 0,5 °C) und kühlen Sommern (Juni: 18,6 °C). Die Jahresniederschlagssumme beträgt 508 mm; ein relativ geringer Wert aufgrund der Lee-Lage östlich beziehungsweise südöstlich des Böhmerwalds, des Oberpfälzer Walds und des Erzgebirges. Alle zwölf Monate sind humid.

Bevölkerung

Bevölkerungsanzahl: 10,3 Millionen Einwohner (Juni 2005) Ethnische Gruppen: Tschechen 94 %; Slowaken 3 %; Minderheiten von Polen, Deutschen, Ungarn und Roma insgesamt 3 % Flüchtlinge: 1297 Bevölkerungsverteilung: in Städten 75 %; auf dem Land 25 % Lebenserwartung: Männer 72 Jahre; Frauen 79 Jahre Altersstruktur: 0-14 Jahre 15,4 %; 15-64 Jahre 70,6 %; über 65 Jahre 14,0 % Bevölkerungswachstum: -0,08 % (2005) Fruchtbarkeitsrate: 1,2 Geb./Frau Religionen: römisch-katholisch 39 %; protestantisch 5 %; orthodox 3 %; konfessionslos 40 %; sonstige 13 %

Größte Städte

Siehe auch: Liste der Städte in Tschechien, Liste deutscher Bezeichnungen tschechischer Orte, Nationalparks in Tschechien, Liste der Naturschutzgebiete in Tschechien

Staats- und Landesname

Tschechien vs. Tschechische Republik

Laut der Staatenliste auf der Webpage des deutschen Auswärtigen Amtes ist die Kurzform "Tschechien" nur im nichtamtlichen Gebrauch zulässig. Laut Duden, entsprechend dem Wunsch der tschechischen Behörden, entsprechend dem alltäglichen Gebrauch zumindest in Tschechien selbst sowie gemäß tschechischen Normen über die Verwendung fremdsprachlicher Äquivalente des Staatsnamens ist jedoch "Tschechien" eine herkömmliche Kurzform sowie das geografische Äquivalent der Langform ("Tschechische Republik") des Staatsnamens und ist somit mit Namen wie Frankreich, Deutschland, Polen etc. völlig gleichwertig.

Tschechien vs. Tschechei und Geschichtliches

Wegen der Auflösung (Teilung) der Tschechoslowakei am 1. Januar 1993 musste die deutsche und tschechische offizielle Bezeichnung für den neuen Staat beschlossen werden. Eine tschechische staatliche Kommission schlug damals die deutsche Bezeichnung Tschechien vor, zumal offizielle tschechische Kreise auch darum ersuchten, die Form "Tschechei" nicht mehr zu verwenden (siehe dazu unten). Das deutsche Auswärtige Amt zieht allerdings in seiner Namensliste die längere Form Tschechische Republik vor und bezeichnet Tschechien (tschech. Česko) ausdrücklich als nichtamtlich. Beide neuen Namen waren sowohl für Deutschsprachige als auch für die Tschechen gewöhnungsbedürftig und sind es für Teile der deutschen Bevölkerung noch immer. Da es sich aber um eine Festlegung handelt, sollte im offiziellen Gebrauch ausschließlich Tschechien oder Tschechische Republik verwendet werden. Sowohl die Bezeichnung Tschechien als auch Tschechei wurden historisch verwendet. Tschechien ist die ältere Form und bereits 1876 belegt (Österreich-Ungarn: Anlehnung an Kroatien und Slawonien). Tschechei ist hingegen (außer in Teilen Preußens) erst 1918 nach Bildung der Tschechoslowakei aufgekommen - als Kontamination von Tscheche + Slowakei oder als Kontraktion von Tschech[oslowak]ei. Tschechei bezeichnete aber manchmal auch den Gesamtstaat Tschechoslowakei, nicht nur den westlichen Teil. Eine breitere Verwendung des Wortes Tschechei ist erst seit den 1930er Jahren festzustellen. Gleichzeitig kam der ältere Begriff Tschechien außer Gebrauch, so dass er heute von vielen als "Neukonstrukt" empfunden wird. Hinzu kommt, dass die Bezeichnung Resttschechei negativ besetzt ist, weil sie der Propaganda der NS-Diktatur während der Zerschlagung der Tschechoslowakei entstammt (1938/39). Der negative Klang übertrug sich bei den meisten Tschechen auch auf den Begriff Tschechei, obwohl der Begriff kurz vor- und nachher auch in anderem Zusammenhang verwendet wurde. Es war jedoch immer ein Begriff von nicht offizieller Natur. In Erwägung der obigen Argumente haben deutsche und österreichische Sprachforscher sowie die tschechische Regierung beschlossen, den Begriff Tschechien für die 1992 neu entstandene Tschechische Republik zu forcieren. Dementsprechend ist auch seit 1992 in deutschen Nachschlagewerken ausschließlich Tschechien als Kurzform für "Tschechische Republik" vorzufinden. Die Tschechen selbst stellen sich die analoge Frage etwas anders. Das Wort Čechy (Böhmen) hat zwei Bedeutungen: 1. das ganze Gebiet des heutigen Tschechiens, 2. Tschechien ohne Mähren (und Schlesien). "Česko" [tschessko] wurde selten (und eher archaisch) für das heutige Tschechien benutzt (war der Öffentlichkeit eigentlich völlig unbekannt), aber in der Umgangssprache oft als Kurzform für Tschechoslowakei (Československo) für die gesamte Tschechische Republik (Böhmen und Mähren). Doch allmählich hat sich eine Gewohnheit herausgebildet das Wort "Čechy" eher als Tschechien ohne Mähren (und Schlesien) zu gebrauchen. Da sich vor allem die englischsprachige Welt und die ältere Generation Tschechiens immer noch weigert, die Form "Česko" (Czechia) zu verwenden, mit dem Fehlen eines kurzen Namens aber diverse wirtschaftliche und andere Schwierigkeiten verbunden sind, musste der tschechische Senat im Sommer 2004 in einer Sondersitzung die Verwendung von "Česko" anstelle von "Česká republika" offiziell verabschieden. In den 1990er Jahren gab es zum Teil eine Art Medienstreit: die Kurzform "Česko" galt bei einem großen Teil der älteren Bevölkerung als minderwertig - obwohl im Tschechischen eine analoge Wortform schon immer für über 19 Staaten (von Irland (Irsko) bis Japan (Japonsko)) allgemein verwendet wurde. "Česko" ist ähnlich wie Tschechien und Tschechei keine Neubildung von 1992, da der Begriff bereits 1777 belegt ist. Er wurde aber vor 1992 selten verwendet - außer in Fachkreisen und mit Ausnahme der Jahre 1918 und 1968 als logischer Parallelbegriff zu Slovensko (deutsch Slowakei). Die Eigenschaftswörter für "tschechisch" und "böhmisch" sind in der tschechischen Sprache identisch (český). Bild:EGER1.jpg|der Marktplatz von Cheb/Eger - Westböhmen Bild:MARIENB.jpg|Innenansicht der Kolonnade in Marienbad - Westböhmen Bild:LITOM.jpg|Blick auf Litoměřice von der Brücke über die Elbe - Nordböhmen Bild:ELBE1.jpg|Die Elbe zwischen Litoměřice und Ústí nad Labem

Geschichte

Siehe Hauptartikel: Geschichte Böhmens, Geschichte Tschechiens :2. Jh. v. Chr.: Teile des Gebiets des heutigen Tschechiens sind von dem keltischen Stamm der Boier besiedelt, dessen lateinischer Name, Boiohaemum, die Namensgebung für Böhmen ist. :Anfang des 1. Jh. nach Chr.: Die Kelten werden von den einwandernden Markomannen verdrängt oder assimiliert. :4.-5. Jh.: Völkerwanderungszeit :cca. 6. Jh.:Ankunft der Slawen, ihr Ursprung wird östlich des Dnjepr vermutet. :623-658: Samos Reich. :768-814: Böhmen ist vielleicht fränkische Herrschaftssphäre unter Karl dem Großen. :8. Jh-833: Mährisches Fürstentum in Mähren :833: Großmähren unter Fürst Mojmír I. (gefolgt von den Fürsten Rastislav – 894 und Svatopluk - 871) :864: Ankunft der byzantinischen Mönche Kyrill und Method in Großmähren, slawische Liturgie. :869: Kyrill stirbt, Ende der byzantinischen Mission. :888/890-895: Böhmen ist Teil des Großmährischen Reichs :894: Rastislavs Nachfolger Svatopluk stirbt, Beginn des Zerfalls des Großmährischen Reichs, Rückkehr zur westlichen lateinischen Kirche und Kultur. :895: Fürst Spytihněv akzeptiert in Regensburg ostfränkische Oberherrschaft über Böhmen :907: Zerfall Großmährens :929: Der Přemyslide Wenzel (Hl. Wenzel), später fälschlicherweise König Wenzel in einem Weihnachtslied genannt, wird von seinem Bruder Boleslav ermordet und wird der Schutzheilige des Landes. :973: Der Heilige Wolfgang, Bischof von Regensburg, erteilt seine Erlaubnis zur Gründung eines Bistums in Prag, zweiter Bischof wird der Heilige Adalbert (Vojtěch). :1003: Boleslaw I.von Polen erobert Böhmen :1031: Mähren wird Böhmen angeschlossen (und 1182 zur Markgrafschaft erhoben) :1034: Bzetyslav von Böhmen fällt in Polen ein :1085: Der Přemyslide Vratislav II. wird zum ersten böhmischen König gekrönt (der Titel ist ihm von Heinrich IV., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verliehen worden). :1212: Goldene Bulle von Sizilien, Kaiser Friedrich II. bestätigt Ottokar I. Přemysl (Erblichkeit des Königstitels). :1296: Böhmisch-Polnische Personalunion unter Wenzel II. und Wenzel III. :1306: Wenzel III. wird in Olmütz ermordet, Ende der Přemyslidendynastie. :1311-1346: Johann von Luxemburg, Sohn des römischen Kaisers Heinrich VII. heiratet Elisabeth von Böhmen, die Tochter von Wenzel II. und wird böhmischer König. :1347: Karl IV., sein Sohn, wird (als Karl I.) König von Böhmen. :1348: Gründung der Prager Universität. :1355: Karl IV. wird in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Er wählt Prag zu seiner Residenzstadt. :1378: In seinem Testament teilt Karl IV. seine Erblande unter seinen Söhnen auf in Brandenburg, Görlitz und das Kerngebiet Böhmen, dessen Herrscher sein Sohn Wenzel IV. wird. Seine Nachfolger (ab 1419) sind Sigismund, Albrecht II. und Ladislaus Postumus :1415: Jan Hus wird während des Konstanzer Konzils auf dem Scheiterhaufen verbrannt – Beginn der Hussiten-Bewegung :1415-1434: Unruhen in Böhmen. Jan Žižka und Prokop Holý führen die Hussiten. Ende der Bewegung nach der Schlacht von Lipany. :1458: Georg von Podiebrad wird von den böhmischen Ständen zum König von Böhmen gewählt. :1471-1526: Nach seinem Tode fällt die böhmische Krone an die polnische Dynastie der Jagiellonen. Der letzte dieser Dynastie gibt durch seinen Tod in der Schlacht bei Mohács gegen die Türken die Krone wieder frei. :1526-1918: Tschechien ist habsburgisches Gebiet, nachdem die böhmischen Stände 1526 den Habsburger Ferdinand I. zum König von Böhmen gewählt haben. :1547: Aufstand der böhmischen Stände gegen Ferdinand I. :1583: Kaiser Rudolf II., Ferdinands Nachfolger, zieht mitsamt dem Hof von Wien nach Prag, welches ein Zentrum von Kunst und Wissenschaft wird. 1609 erlässt er den Majestätsbrief der Religionsfreiheit. :1611: Rudolfs Bruder Matthias Corvinus übernimmt die Macht; die Konfessionsproblematik entflammt aufs Neue. :1618: Gesandte der böhmischen Stände (mehrheitlich protestantisch) dringen in die Kanzlei des Hradschin und werfen zwei kaiserliche Statthalter aus dem Fenster (sie werden dabei nicht getötet). Dieser sogenannte zweite Prager Fenstersturz leitet den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ein. :1619: Matthias stirbt. Im August wählen die böhmischen Stände den deutschen Protestanten Friedrich von der Pfalz zum König. Indem er im Herbst in Prag gekrönt wird und dort seine Residenz aufnimmt, wird der innerhabsburgische Konflikt zu einer Reichsangelegenheit. :1620: Schlacht am Weißen Berg. Friedrich von der Pfalz flieht aus dem Land ("Winterkönig", da er nur einen Winter regierte). Hinrichtungen und das Exil des böhmischen Adels. Die nun beginnende Epoche wird in der tschechischen Geschichte temno, die Zeit der Dunkelheit genannt. Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) führt eine Unterdrückungspolitik gegen Nicht-Katholiken. Protestanten fliehen (Comenius) oder werden hingerichtet. Dreiviertel des böhmischen Adels flieht. In Böhmen wird Deutsch zur Amtssprache erhoben. Tschechisch wird nur auf dem Lande gesprochen. :1740-1780: Herrschaft von Maria Theresia. :1780-1790: Herrschaft ihres Sohnes Joseph II. Der "aufgeklärte" Absolutismus mündet in die Aufklärung. :1781: Aufhebung der Leibeigenschaft. :Ende des 18. Jh. - 1885: sgn. Tschechische Nationale Wiedergeburt. Als Reaktion auf den österreichischen mit der Aufklärung zusammenhängenden Zentralismus formieren sich seit dem Ende des 18. Jh. Intellektuelle in der tschechischen Nationalbewegung (Wiedergeburt). Sie fördern die Pflege, Anerkennung und Verwendung der tschechischen Sprache (unterstützt auch von den deutschen Romantikern). Dem folgt später das Verlangen nach politischer Autonomie. :1848: Slawenkongress in Prag. Ein Aufstand wird niedergeschlagen. Die Industrialisierung beginnt - und Böhmen wird das "industrielle Rückgrat" von Habsburg. :1914-1918: Erster Weltkrieg. Gegen die Monarchie bildet sich im Exil eine tschechische und slowakische, von Tomáš Garrigue Masaryk angeführte, Opposition. :28.10.1918: Gründung der Tschechoslowakischen Republik, T.G. Masaryk wird erster Staatspräsident. Die bis dahin Ungarn administrativ unterstellte Slowakei schließt sich dem neuen Staat an (Milan Rastislav Štefánik). :1919: Beitritt/Anschluss der Karpato-Ukraine (nach 1945 fällt sie an die Sowjetunion). :1920: Anschluss Teschens :1918-1938: sgn. Erste tschechoslowakische Republik :1933: Gründung der Sudetendeutschen Partei (SdP) durch Konrad Henlein. :24.04.1938: Karlsbader Programm: die SdP fordert die völlige Autonomie des Sudentenlandes. Die Gegenvorschläge der Regierung in Prag werden abgelehnt. :29.09.1938: Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier unterschreiben das Münchener Abkommen (was die Tschechen "Münchener Diktat" nennen). Die Grenzgebiete werden von der deutschen Armee besetzt. :05.10.1938: Präsident Edvard Beneš geht ins Exil nach England. Sein Nachfolger wird Emil Hácha. :15.03.1939: Einmarsch und Besetzung durch deutsche Truppen. Bildung des Protektorats Böhmen und Mähren. Die Slowakei wird als Schutzstaat des Deutschen Reiches eigenständig (1939-1945). :10.06.1942: Auf Statthalter Neurath folgt Reichsprotektor Heydrich, der im Juni nach einem Attentat stirbt. Brutale Vergeltungsmaßnahmen, u. a. die Liquidierung des Dorfes Lidice. :1945: faktische Wiederherstellung der Tschechoslowakei; "Kaschauer Programm" der neuen Regierung unter Premierminister Fierlinger; amerikanische, sowjetische, tschechoslowakische Truppen befreien Tschechien: die in Jalta vereinbarte Demarkationslinie zwischen dem US- und dem UdSSR-Gebiet verläuft entlang Budweis, Pilsen und Karlsbad. :05.05.1945: Prager Aufstand gegen die deutsche Besatzungsmacht. :09.05.1945: Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag. Präsident Beneš übernimmt die Regierungsgeschäfte. Die nach ihm benannten Beneš-Dekrete sehen eine Bestrafung der Nazis und die Abschiebung der deutschen Bevölkerung unter Gewaltanwendung vor. Die Vertreibung der Sudetendeutschen beginnt. :19.06.1946: Die Kommunistische Partei Tschechiens wird in die Regierung gewählt und kann einen gewaltigen politischen Einfluss ausüben. Klement Gottwald (KPTsch) wird Ministerpräsident. :24.10.1946: Abschluss der Vertreibung von insgesamt 2,7 Mio. Deutschen. :25.02.1948: Vollständige Machtergreifung durch die Kommunisten (KPTsch) - mit Berufung auf die vorangegangenen freien Wahlen. Verfassungsänderung, Umgestaltung des Landes nach sowjetischem Muster. Erster "Arbeiterpräsident" wird Klement Gottwald. :1951-1957: Verfolgung des Klerus und politische Prozesse (Rudolf Slánský). :1957: Antonín Novotný wird Präsident. :1964: Kafka-Konferenz in Libnice (Franz Kafka rehabilitiert). Rufe nach Reformen werden laut und kulminieren auf dem Schriftstellerkongress im Juni 1967 in direkter Kritik der politischen Führung. :03-05.01.1968: Novotný wird vom ZK abgesetzt. Alexander Dubček wird Vorsitzender der KP. Präsident wird General Ludvík Svoboda. Anfangs März folgt die Aufhebung der Zensur. "Prager Frühling" beginnt, die Weiterentwicklung verläuft überwiegend spontan. :05.04.1968: Aktionsprogramm der KPTsch unter Alexander Dubček. Ein "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" wird angestrebt (Verbürgte Versammlungsfreiheit, kleines Unternehmertum, Freilassung der politischen Gefangenen). :21.08.1968: Militärische Intervention - Einmarsch der sowjetischen Truppen und Truppen des Warschauer Paktes (ohne Rumänien und der DDR); Breschnew-Doktrin der "Begrenzten Souveränität der sozialistischen Staaten". Die nachfolgende politische Etappe wird "Normalisierung" genannt. :1.1.1969: Mit dem Inkrafttreten des Verfassungsgesetzes über die tschechoslowakische Föderation entsteht die Tschechische Sozialistische Republik als eine der Teilrepubliken der Tschechoslowakei. :17.04.1969: Ablösung Dubčeks und Wahl Gustáv Husáks zum Generalsekretär der KPTsch. Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach. Beginn der "Normalisierung". Die CSSR wird in der Folge einer der konservativsten Mitgliedsstaaten des Ostblocks. :01.01.1977: Bürgerbewegung "Charta 77". :17.11.1989: Das Bürgerforum wird zur tragenden Kraft der "Samtenen Revolution" in Tschechien. :17.11.1989: Die Polizei unterdrückt brutal eine Studenten-Demonstration, was eine Großdemonstration von bis zu 750.000 Menschen nach sich zieht. Unter den Rednern ist auch der Schriftsteller Václav Havel. Die kommunistische Regierung hat die Medien nicht mehr unter Kontrolle und wird nach 40 Jahren ohne Blutvergießen abgesetzt. :10.12.1989: Staatspräsident Gustáv Husák erklärt seinen Rücktritt. :28.12.1989: Alexander Dubček wird zum Präsidenten der Föderalversammlung gewählt. :29.12.1989: Václav Havel wird von der Föderalversammlung zum Präsidenten der CSSR gewählt. :Anfang 1990: Umbenennung der Tschechischen Sozialistischen Republik (siehe 1969) in Tschechische Republik. :23.04.1990: Umbenennung der Tschechoslowakei in Tschechische und Slowakische Föderative Republik (CSFR). :08.06.1990: Erste freie Parlamentswahlen in der CSFR. :05.07.1990: Václav Havel wird zum Präsidenten der CSFR gewählt. :21.02.1991: Beitritt der CSFR zum Europarat. :16.12.1991: Unterzeichnung des EG-Assoziierungsabkommens. :05.06.1992: Parlamentswahlen in der CSFR. Der Ökonom Václav Klaus (Demokratische Bürgerpartei) wird Ministerpräsident. Er vertritt eine vom Thatcherismus inspirierte Wirtschaftspolitik ("Marktwirtschaft ohne Adjektiv"). Es wird eine Coupon-Privatisierung durchgeführt, wodurch 8 Mio. Tschechen Anteilseigner von privatisierten Firmen werden, was jedoch kein echtes Investment-Kapital nach sich zieht. Der Politiker Vladimír Mečiar wird Ministerpräsident in der Slowakei. In der Folge vereinbaren beide Politiker eine Teilung der Tschechoslowakei in zwei Staaten. :20.07.1992: Präsident Václav Havel tritt von seinem Amt zurück. :25.11.1992: Gesetz über die Auflösung der CSFR im föderalen Parlament. :16.12.1992: Die neue Verfassung der Tschechischen Republik als "demokratischer Rechtsstaat" wird verabschiedet. Die Charta der Grundrechte und -freiheiten, die nach dem Umbruch im Januar 1991 von der tschechoslowakischen Bundesversammlung beschlossen worden war, wird unverändert von Tschechien übernommen. :01.01.1993: Tschechen und Slowaken bilden zwei unabhängige Republiken – Tschechien und die Slowakei. :02.02.1993: Vereidigung des neugewählten Präsidenten Václav Havel. :30.06.1993: Beitritt zum Europarat. :29.10.1993: Wahl zum nicht-ständigen Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. :17.11.1993: Freiheitstag (Nationalfeiertag) :01.02.1995: Inkrafttreten des EU-Assoziierungsabkommens. :1994-1996: Nach drei Jahren stark negativen Wirtschaftswachstums wächst die Wirtschaft wieder; 1997 folgt aber wieder tiefe Rezession :28.11.1995: Zeichnung der OECD-Beitrittsurkunde in Paris. :31.05.1996: Wahl zum Abgeordnetenhaus. Die regierende Partei wird bestätigt, wenn auch mit Verlusten. :23.07.1996: Zweites Kabinett Klaus'. Dieser muss eine Allianz mit dem Sozialdemokraten Miloš Zeman eingehen, der sich verpflichtet, nicht gegen Klaus' Regierung zu stimmen. Ende der wirtschaftlichen Wachstumsphase, eingeleitet durch einen Bankenkrach (12 Banken insolvent). Grund: Innere Verflechtung von industriellen Großkomplexen, die durch faule Kredite künstlich aufrecht erhalten werden. Die tschechische Wirtschaft fällt in eine tiefe Rezession. :Juni 1997: Bei einer Flutkatastrophe ungewöhnlichen Ausmaßes müssen 40.000 Menschen evakuiert werden. Gesamtschaden: 2,5 Mrd. Euro. :21.01.1997: Unterzeichnung der Deutsch-Tschechischen Erklärung. :24.04.1997: Rede von Präsident Havel vor dem Deutschen Bundestag. :30.11.1997: Václav Klaus tritt nach Spendenaffäre zurück. Nachfolger wird Josef Tošovský. :20.01.1998: Wiederwahl des Präsidenten Václav Havel. :28.06.1998: Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus gewinnen die Sozialdemokraten mit Miloš Zeman (32 %) und können die Regierung bilden. :12.03.1999: Beitritt zur NATO (zusammen mit Polen und Ungarn) und Vorbereitungen für den EU-Beitritt. Ein Hindernis dabei ist das neu errichtete Atomkraftwerk von Temelín nahe der österreichischen Grenze, das trotz der Proteste Österreichs im Oktober 2000 ans Netz geht. :2000: Die Wirtschaft hat wieder einen leichten Aufschwung. Allerdings Kollaps der drittgrößten Bank IPB. :25.09.2000: In Prag wird das Treffen des IMF (Internationaler Währungsfond) und der Weltbank veranstaltet, begleitet von Straßenunruhen und Demonstrationen. 2001. :2000: Die Auseinandersetzungen um die Besetzung des Intendanten des tschechischen Fernsehens Česká televize lässt die alte Feindschaft zwischen Václav Havel und Václav Klaus wieder hervorbrechen. Klaus hatte mehrere seiner Anhänger in die Top-Positionen des Senders manövriert, darunter auch Jiří Hodač als Direktor. Dies löst die größten Demonstrationen in Tschechien seit 1989 aus. Folge: Hodač tritt zurück. Tschechien bekommt ein neues Mediengesetz. :2004: EU-Beitritt

Politik

Die Tschechische Republik ist eine parlamentarische Demokratie. Das Staatsoberhaupt ist der Präsident. Größeren Einfluss hat jedoch der Premierminister. Das tschechische Parlament hat zwei Kammern: das Abgeordnetenhaus und den Senat. Der Präsident wird vom Parlament gewählt. Bei der Wahl muss der Kandidat in den ersten zwei Wahlgängen in beiden Kammern die absolute Mehrheit erreichen, im dritten Wahlgang genügt eine Mehrheit aller anwesenden Abgeordneten. Kandidaten müssen von mindestens 10 Abgeordneten oder 10 Senatoren vorgeschlagen werden und mindestens 40 Jahre alt sein. Die Amtszeit beträgt 5 Jahre, höchstens zweimal hintereinander. Außer der Rechte, die der Präsident im Einvernehmen mit anderen Verfassungsorganen ausübt, hat er das Recht in alleiniger Verantwortung
- das Abgeordnetenhaus unter bestimmten Bedingungen aufzulösen und
- in Gerichtsverfahren einzugreifen bis zur Einstellung des Verfahrens, Strafmaßmilderung und Streichen der Strafen im Strafregister (Begnadigung). Außerdem ernennt er in Eigenverantwortung die Richter (verfassungrechtlich bisher jedoch nicht genügend geklärt) und die Mitglieder des Nationalbankrats. Traditionsgemäß wird der Präsident oft von Bürgern zwecks Durchsetzung ihrer Rechte gegen staatliche Einrichtungen um Hilfe gebeten. Die von ihm ernannten Verfassungsrichter, müssen von dem Senat gebilligt werden. Das Abgeordnetenhaus wird aus Listenkandidaten nach Verhältniswahlrecht gewählt. Es gibt eine Sperrklausel von 5 % für Parteien. Das Abgeordnetenhaus besteht aus 200 Abgeordneten, die mindestens 21 Jahre alt sein müssen. Die Legislaturperiode beträgt 4 Jahre. Der Senat wird aus wahlkreisbezogenen Kandidaten durch eine Personenwahl nach Mehrheitswahlrecht gewählt. Entsprechend der Anzahl der Wahlkreise besteht der Senat aus 81 Personen, die mindestens 40 Jahre alt sein müssen. Die Kandidaten können von politischen Parteien vorgeschlagen (und unterstützt) werden oder unabhängig kandidieren. Die Legislaturperiode eines Senators beträgt 6 Jahre. Die Wahlen erfolgen im Abstand von zwei Jahren, wobei jeweils ein Drittel der Wahlkreise die Wahl bestreitet. Als Wahlkandidaten treten oft bekannte oder honorige Personen des öffentlichen Lebens auf. Stimmt der Senat einem Gesetz nicht zu, muss es von der Abgeordnetenkammer mit der Mehrheit aller Abgeordneten wieder gebilligt werden. Die Zustimmung des Senats wird lediglich bei Änderungen des Verfassungsgesetzes und der Wahlgesetze benötigt. Außerdem beteiligt sich der Senat an der Präsidentenwahl. In alleiniger Verantwortung bestätigt der Senat die von dem Präsidenten ernannten Verfassungsrichter. Die Judikative besteht aus dem Verfassungsgericht und einem vierstufigen Gerichtssystem, in dem den zwei obersten Gerichten (für Verwaltungssachen und Übriges) drei weitere Instanzen untergeordnet sind. In der Exekutive unterstehen der Regierung und deren zentralen Behörden 14 Regionen, (tschechisch: kraje) darunter die Landkreise (okresy) und darunter die Kommunen. (obce). Siehe auch: Verwaltungsgliederung Tschechiens Tschechien wurde am 1. Mai 2004 in die Europäische Union aufgenommen. Von den etwa 55,21 % der tschechischen Wahlberechtigten, die am Referendum teigenommen haben, haben einem Beitritt ca. 77,33 % zugestimmt, also etwa 42,7 % aller tschechischen Wahlberechtigten.

Verwaltungsgliederung

Siehe: Verwaltungsgliederung Tschechiens

Infrastruktur

Der Eisenbahnverkehr liegt größtenteils in den Händen der České dráhy (Tschechische Bahnen). Das Autobahnnetz wird seit dem Fall des eisernen Vorhangs immer weiter ausgebaut. So etwa die Autobahn Prag - Pilsen (- Nürnberg (Deutschland)) oder (Dresden (Deutschland) -) Prag - Budweis (- Linz (Österreich)). Im Jahre 2005 beträgt das gebührenpflichtige Autobahnnetz 800 km. Weitere ca. 200 km befinden sich im Bau, der jedoch durch zahlreiche Einwände erheblich verzögert wird. Trotz niedrigerer Verkehrsdichte ist die Mortalität im Straßenverkehr (bezogen auf Bevölkerungsanzahl) mit 1.215 Toten im Jahr 2004 ungefähr 1,6-mal höher als in Deutschland. Verkehrsflughäfen befinden sich in Prag (9,7 Mio abgefertigter Personen im Jahr 2004, Jahreszunahme 20 %), Brünn, Ostrau und Karlsbad. Die meisten Hauptstädte der Regionen können über Sportflugplätze angeflogen werden.

Flugverkehr

Den innerstaatlichen Flugverkehr betreibt die Fluggesellschaft CSA - die Tschechischen Aerolinien auf der Strecke Prag, Ostrau, Brünn und Karlsbad. Man kann ebenfalls die spezialisierten Fluggesellschaften ausnutzen, die Aussichtsflüge oder den Verkehr mit den kleinen Flugzeugen an viele Orte Tschechiens anbieten.

Schienenverkehr

Die Eisenbahnen der Tschechischen Republik bilden ein sehr ausgedehntes und dichtes Verkehrsnetz. Der Schienenverkehr auf dem Gebiet Tschechiens hat 160-jährige Tradition. Mit Rücksicht auf die Lage in Mitteleuropa ist die Tschechische Republik zu einem wichtigen Transitland geworden. Auf dem Staatsgebiet führen Korridore für Inter-City-Bahnen. Die Fahrpäne stehen auch in der Internetform zur Verfügung, wo man nicht nur Verbindungen aussuchen, sondern auch Fahrkarten reservieren kann. Die Fahrkarten können mittels des automatisierten Systems gekauft werden. Bei den ausgewählten Verbindungen und auf den ausgewählten Bahnhöfen kann man mittels eines Handys Informationen über die Lage des Zuges gewinnen. Für das Jahr 2006 hat die tschechische Regierung angekündigt, sämtliche Bahnhöfe des Landes zu renovieren. Die meist schon über 100 Jahre alten Bauten sind mit der Zeit heruntergekommen. Man erhofft sich durch die Renovierungen einen besseren Verkehr innerhalb und auch außerhalb des tschechischen Staatgebiets, wie z. B. den Ausbau der Strecken nach Deutschland.

Busverkehr

Den Busverkehr in ganz Tschechien betreiben die Privatverkehrsgesellschaften. Die Dichte der Busverbindungen ist ziemlich groß. Im Gegenteil zu den Zügen sind die Busverbindungen in den Regionen am Wochenende begrenzt.

Wasserverkehr

In Tschechien wird der Wasserverkehr nur teilweise auf den Flüssen Elbe und Moldau und auf den geschlossenen Wasserflächen (Stauseen, Seen, Flüssen), die für die Schifffahrt zubereitet sind, realisiert. Die Abschnitte der Elbe und Moldau mit dem internationalen Status sind mit dem europäischen System der Wasserwege verbunden, d. h. mit den Flüssen bis zu den Seehäfen (Elbe-Hamburg) und mit dem System der europäischen Kanäle zu den anderen Flüssen und ihren Binnen- und Seehäfen (Magdeburg, Duisburg, Rotterdam).

Taxis

Das Taxi kann man sofort bestellen oder auch 24 Stunden vorausreservieren. Die Gebühren für Taxis bestehen aus einer festen Summe für das Beistellen des Wagens und aus einer Gebühr für jeden zurückgelegten Kilometer. Die Taxen der Konkurrenzdienste oder in den verschiedenen Städten können unterschiedlich sein, aber die Angabe über die Taxe pro 1 km muss immer auf der Karosserie und im Interieur des Wagens angegeben werden. Jeder Taxifahrer ist verpflichtet eine Rechnung (die Empfangsbestätigung) auszustellen, wenn es der Kunde erfordert.

Stadtverkehr

In größeren Städten sind die Straßenbahn und der Bus gängige öffentliche Transportmittel. In den kleineren Städten gibt es nur Busse. Prag betreibt auch drei Trassen der U-Bahn, die das Zentrum mit den Stadträndern verbindet. Die Preise der Fahrkarten sind in den einzelnen Städten unterschiedlich. Die Fahrkarten für die Stadtverkehrsmittel kann man an Automaten und in den Fahrzeugen kaufen. In Prag und anderen größeren Städten sind touristische Fahrkarten für mehrere Fahrten, z. B. Wochenfahrkarten im Verkauf. Beim Eintritt in die Verkehrsmittel ist es nötig die Fahrkarten im Apparat sofort zu stechen.

Radfahren

In den Hauptzentren des Fremdenverkehrs oder in den Städten bereitet man das Netz der Radwege vor oder sie sind bereits aufgebaut, hier kann man auch Straßen- oder Bergfahrräder leihen. Eine Reihe der europäischen Radwege geht durch Tschechien durch. Viele Radwege führen durch hügliches Terrain, wie z. B. die vielen Routen im Böhmerwald, die auch in den Bayerischen Wald führen.

Autobahngebühren

Für die Benutzung der Autobahnen muss man bezahlen. Der Autofahrer ist verpflichtet, eine Autobahnmarke zu kaufen, die man auf die Windschutzscheibe von innen heraus aufklebt. Die Autobahnmarken kann man bei der Tschechischen Post, auf den Grenzübergängen oder an den ausgewählten Tankstellen kaufen.

Grundvorschriften

Fahrzeuge müssen in der Winterzeit (27.10.-31.03.) ganztags mit Abblendlicht fahren. Kinder bis 12 Jahre oder kleiner als 150 cm müssen während der Fahrt im Kindersitz befestigt werden. Der Autofahrer darf vor und während der Fahrt keinen Alkohol trinken. Telefonieren ist während der Fahrt verboten. Die Sicherheitsgurte müssen während der ganzen Fahrt umgelegt sein. Motorradfahrer und ihre Mitfahrer sind verpflichtet Motorradhelme zu tragen.

Wirtschaft

Während der sozialistischen Zeit hatte die Tschechoslowakei als Wirtschaftsform die Zentralverwaltungswirtschaft und war wie viele Ostblockstaaten im RGW, einer Analogie zur EWG, eingegliedert. In den 1990er Jahren wurde die Wirtschaft privatisiert. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresschnitt 2003 7,8 % (Angabe des Statistischen Amtes der Tschechischen Republik). Für den Februar 2005 beträgt sie 9,65 %. Es gibt große Unterschiede zwischen den Regionen. So hatte die Hauptstadt Prag 2003 eine Arbeitslosenquote von 4,2 %, die Region Moravskoslezský kraj (Region Mährisch-Schlesien) dagegen 14,7 %. Das Bruttoinlandsprodukt/Kopf liegt (2004) bei 8.351 Euro (2004) (unter den EU-Ländern zwischen dem Portugals und Ungarns), das Wachstum bei 3,7 %, die Inflationsrate bei 3,2 %. Währung: 1 Tschechische Krone (Kc) = 100 Hellers Kurs (Mitte 2004): 1 Kc = 0,03 Euro BSP: 46,7 Mrd. Euro (BSP/Kopf: 4.567 Euro) Wachstumsrate des BIP: 2 % Anteile am BIP: Dienstleistungen 57 %; Industrie 39 %; Landwirtschaft 4 % Arbeitslosenquote: 8,6 % Die tschechische Ökonomik gehörte im Rahmen des ehemaligen kommunistischen Ostblockes zu den am meisten entwickelten. Heute bildet die Mehrheit des Bruttoinlandsproduktes der Dienstleistungssektor. Bedeutsam sind ebenfalls ausländische Investitionen, die die Zusammensetzung der tschechischen Industrie ändern. Den größten Teil der Industrie bildet die Produktion der modernen Industrieanlagen und der Industriekomplexe, die überwiegend für Westeuropa und hochentwickelte Staaten der Welt bestimmt sind. Zu den größten Betrieben der Welt gehört Škoda-Auto, das den wesentlichen Teil des tschechischen Exportes bildet. Im Industriebereich überwiegen die Maschinen-, Lebensmittel- und Holzindustrie, weiter chemische, petrochemische und pharmazeutische Industrie, Glas- und Keramikerzeugung und Glaserei. Die Landwirtschaft beschäftigt sich vorwiegend mit dem Anbau von Weizen, Mais, Gerste, Zuckerrübe, Kartoffeln, Rübe, Futterpflanzen, Weinreben, Gemüse und Obst. Weltbedeutend ist die Hopfenproduktion als Grundlage der Tschechischen Braukultur. Man züchtet vor allem Rindvieh und Schweine. Traditionell ist die Viehzucht und die Wildjagd. Tschechien hat außerdem in der Fischzucht Weltrang. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich seit dem EU-Beitritt Tschechiens im Mai 2004, das durchschnittliche Einkommen eines tschechischen Bauerns um 108 % gesteigert hat. Ein Drittel des Gebietes bedecken die von der Industrie bedrohten Wälder, die auch Holz für den Export produzieren. Man fördert Kohle, Kaolin, Ton, Holz, Graphit und Kalkstein. Der Großteil des Erdöls und Erdgases muss aus Russland eingeführt werden. Ein bedeutendes Merkmal der Tschechischen Republik ist das böhmische Glas. Beim Aussprechen des Wortes Kristall erinnern sich die meisten Menschen an das böhmische Land, das auf seinem Gebiet eine so große Anzahl von Glashütten verbirgt, deren Qualität die höchste auf der Welt ist. Es ist hauptsächlich die ununterbrochene Tradition, die aus diesem Handwerk eine künstlerische Geschicklichkeit machte. Viele von diesen Glashütten können besucht werden. Siehe auch: Tourismus in Tschechien, [http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Unternehmen_%28Tschechien%29 Kategorie Unternehmen in Tschechien]

Umwelt

Der Kohlenstoffdioxidausstoß pro Kopf des Landes gehört zum weltweit höchsten.

Kultur

Sport

Der Sport mit dem höchsten Stellenwert in Tschechien ist Eishockey, wo die Tschechen mehrmals Weltmeister (zuletzt am 15. Mai 2005 in Wien mit 3:0 gegen Kanada) und 1998 in Nagano auch Olympiasieger wurden. Viele Persönlichkeiten des tschechischen Sports sind auch weltweit sehr gut bekannt. Man schätzt, dass in den bürgerlichen Vereinigungen der Körpererziehung und des Sports seit dem Jahre 1995 ca. 15 % der tschechischen Bevölkerung organisiert ist. Auch der Wintersport ist in Tschechien beliebt. Bekannte Regionen für Wintersport sind das Riesengebirge im Norden und auch der Böhmerwald im Westen des Landes. Fußball: Die erste Liga umfasst 16 Mannschaften. Zwei davon steigen am Ende der Saison, also nach 30 Spieltagen in die landesweite 2. Liga ab. Von dort steigen dementsprechend zwei Teams in die 1. Liga auf. Die dritthöchste Spielklasse ist zweigeteilt. Den westlichen Teil (Böhmen), deckt die CFL (Ceská Fotbalová Liga - Tschechische Fußballliga, 18 Teams) ab, den östlichen Teil des Landes (Mähren und Schlesien) die MSFL (Moravsko-Slezká Fotbalová Liga - Mährisch-Schlesische Fußballliga, 16 Teams). Der jeweilige Meister der beiden dritten Ligen steigt in die zweite Liga auf. Der Abstieg aus der zweiten Liga bestimmt auch den Abstieg aus den Ligen darunter mit, denn es können z. B. zwei Mannschaften aus der 2. Liga absteigen die beide in den Bereich der CFL oder eben der MSFL fallen, womit dort eine Mannschaft zuviel wäre. Es muss also noch eine zusätzliche Mannschaft absteigen. Der Unterbau des dritten Levels ist fünfgeteilt. Unterhalb der CFL gibt es drei Gruppen (A, B, C) der Divize, unterhalb der MSFL zwei (D und E). Von diesen Ligen steigt jeweils der Meister in die CFL bzw. MSFL auf, die jeweils letzten zwei in einen der "Krajský Prebor" ab, je nach regionaler Zugehörigkeit. Insgesamt gibt es nach einer Reform 2002/2003 nun 13 Gruppen solcher fünften Ligen (zuvor lediglich 10), 9 als Unterbau der CFL bzw. der Divize A, B, C und 5 als Unterbau der MSFL bzw. der Divize D und E. Die "Krajský Prebor" sind auch die ersten wirklich regionalen Ligen, über die dann auch nur noch im Lokalsportteil der Zeitungen berichtet wird. Siehe auch: Tschechischer Fußball

Weblinks


- [http://www.tschechien-online.org/ tschechien-online.org] Tschechien-online- Deutschsprachiges Informationsportal mit täglich aktualisierten Informationen sowie einem Webkatalog mit über 5000 Links und einem Katalog tschechischer Firmen
- [http://fotos.tsjechie.net/ tsjechie.net] Mehr als 2100 bilder von tschechien
- [http://www.czech.cz/ czech.cz] englischsprachiges Landesportal
- [http://www.hrad.cz/cz/ hrad.cz] Homepage des Präsidenten der Tschechischen Republik
- [http://www.vlada.cz/1250/aktuality.htm vlada.cz] Tschechische Regierung
- [http://www.psp.cz/ psp.cz] Tschechisches Parlament
- [http://www.senat.cz/ senat.cz] Tschechischer Senat
- [http://www.concourt.cz/ concourt.cz] Ústavní soud České republiky - Tschechisches Verfassungsgericht, Brünn
- [http://www.mzv.cz/ mzv.cz] Tschechisches Außenministerium
- [http://www.czso.cz/eng/redakce.nsf/i/home czso.cz] Statistisches Zentralamt der Tschechischen Republik
- [http://www.tschechische-kulturtage.de tschechische-kulturtage.de] Größtes Festival der tschechischen Kultur in Deutschland (Sachsen)
- [http://www.dtsg.de/ dtsg.de] Deutsch-Tschechische und -Slowakische Gesellschaft e.V., Köln
- [http://www.bruecke-most-stiftung.de/ bruecke-most-stiftung.de] Brücken-Stiftung zur Förderung der deutsch-tschechischen Verständigung und Zusammenarbeit
- [http://www.tu-dresden.de/jfaufbau/osteuropa/tschechien.html tu-dresden.de] Linksammlung Tschechien- TU Dresden
- [http://slovnik.seznam.cz/ slovnik.seznam.cz] Wörterbuch- Tschechisch - Englisch/Deutsch/Französisch etc.
- [http://web.volny.cz/najdito/slovnik/ web.volny.cz] Wörterbuch- Tschechisch - Englisch/Deutsch/Französisch
- [http://auswaertiges-amt.de/www/de/infoservice/download/pdf/publikationen/staatennamen.pdf auswaertiges-amt.de] Staatennamen der Bundesrepublik Deutschland PDF-Dokument
- [http://www.collegium-carolinum.de/index.html Collegium Carolinum (CC)/ Institut zur Geschichte, Kultur und Politik der Tschechischen und der Slowakischen Republik]
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Böhmisch-Mährische Höhe

Die Böhmisch-Mährische Höhe (tschechisch Českomoravská vrchovina oder auch Vysočina) ist ein über 150 km langer, weitläufiger Höhenzug, der sich in nordöstlicher Richtung quer durch Tschechien zieht und die Grenze zwischen Böhmen und Mähren darstellt. Das Gebirge wird auch als Mährischer Rücken, Böhmisch-Mährischer Höhenrücken, Böhmisch-Mährische Hochfläche, Böhmisch-Mährisches Plateau, Böhmisch-Mährischer Höhenzug, Böhmisch-Mährischer Gebirgsrücken oder Böhmisch-Mährisches Bergland bezeichnet. Es stellt ein langwelliges Hügelland im Höhenbereich von etwa 500 - 800 Meter dar und ist in den Niederungen relativ dicht besiedelt. Seine sanften Höhen sind mit Einzelgehöften und auch vereinnzelt mit Ferienwohnungen und -Häusern überzogen. Die lieblich gerundeten Gipfelflächen bieten dem Wanderer und Urlauber schöne Rundblicke auf Landschaft, Täler und Burgen oder vielfältige Möglichkeiten zur Ausübung von Sport.

Geografie des Höhenzuges

Die Böhmisch-Mährischen Höhen beginnt nördlich des Waldviertels bzw. östlich der Stadt Tábor, etwa auf der Linie von Jindřichův Hradec (Neuhaus) nach Slavonice (Zlabings), der Grenze zu Niederösterreich. Von dort ziehen sie gegen Nordost in Richtung Jihlava (Iglau)) und drehen fast nach Osten, während sich nordöstlich die Saarer Berge anschließen. Die Böhmisch-Mährischen Höhen laufen erst nahe der polnischen Grenze aus, etwa bei Česká Třebová (Böhmisch Trübau) und Moravská Třebová (Mährisch Trübau) südlich des Adler- und Glatzer Schneegebirgees. Jenseits des Oberlaufs der March (Morava) steigt das Gelände im Bielengebirge und Hrubý Jesenik (Altvatergebirge) wieder auf etwa 600m an, bis weiter östlich die Oderberge folgen. Die Böhmisch-mährische Höhe ist knapp 200 km lang und macht den Eindruck eines Hügellandes, obwohl sie Höhen bis 840 m erreicht. In weiten Teilen ist es eine langwellige Hochfläche, die nur durch vereinzelte, teilweise tief eingeschnittenen Täler gegliedert ist. Diese Täler sind relativ dicht besiedelt, die Höhen etwa zur Hälfte bewaldet. Die andere Hälfte sind oft kilometerweite Kukuruz- oder Getreidefelder, deren Größe eine Folge der kollektiven Bewirtschaftung in den Zeiten der CSSR von 1945 bis 1989 ist.

Geologische Geschichte

Sein Aussehen erhielt das geologisch alte Rumpfgebirge der Böhmischen Höhe (Česká Vysočina) während der erdgeschichtlichen frühen Epochen des Paläozoikums und der mesozoischen Trias. Wie der Böhmerwald (Šumava) gehört es zu den ältesten Gebirgen der Böhmischen Masse - deren kristalline Gesteine (vor allem Granit und Gneis) - sich in einigen Kilometern Tiefe bis nach Österreich und Bayern erstrecken. Der Westrand dieses Grundgebirges wird in Nordostbayern und Böhmen in die Saxothuringische und Moldanubische Region unterteilt. In der ersten Phase (variszische Gebirgsbildung) entstanden Eruptivgesteine des Devon und Karbon. Es kam zu Bildung tektonischer Klippen und eines riesigen Gebirgszugs, der sich von den (damals noch nahen) Appalachen über Nordspanien, die Bretagne und das Massif Central bis nach Mitteldeutschland und Mähren zog. Ein Zeuge dieser Gebirgsbildung, die auch hercynische Faltenbildung heißt, ist bis heute die Überschiebung des Moldanubikum (s.a. Mühl- und Waldviertel) auf das Moravikum. Dieses wurde tief subduziert, teilweise aufgeschmolzen und sein Magma bildete im Hochsteigen Plutone aus Granit und Ferrit. Im Laufe hunderter Jahrmillionen wurde das Gebirge von einigen Kilometern Höhe auf nur 800 m erodiert. Im Süden geriet es bei den Gebirgsbildungen des Tertiär tief unter die Alpen. Doch zeigt die böhm.Masse auch Gesteine, die als kaledonische Reste sogar über 800 Mill.Jahre alt sind, und junge Sedimente etwa bei Boskovice oder zwischen Gmünd und České Budějovice (Budweis). Das Gebirge ist in mehrere Regionen eingeteilt. Das Iglauer Gebirge (tschech. Jihlavské vrchy) ist zwar der höchste Teil (Javořice 837 m.ü.Adria), doch sind die Saarer Berge bedeutender unter anderem für den Tourismus. Viele Talausgänge werden von Burgen beherrscht, die teilweise in der Zeit der Hussitenkriege in der Nähe der Stadt Tabor (Stadt) errichtet wurden. Am Randabfall des Höhenzuges liegen touristisch und kulturell reizvolle Städte mit oft sehr mittelalterlichem Flair, von denen Leitomischl und Teltsch die schönsten sind.

Weblinks


- [http://www.ceskehory.cz/vrchovina/default_gr.asp?menu=25&content=document&ID=23 Fotogalerie der Böhm.-mährischen Höhen] Kategorie:Gebirge in Tschechien Kategorie:Geologie Kategorie:Böhmen Kategorie:Mähren

Okres Žďár nad Sázavou

Okres Žďár nad Sázavou (Bezirk Saar) liegt im östlichen Teil der Českomoravská vrchovina, an den oberen Flussläufen von Sázava, Oslava, Svratka und Chrudimka in der Vysočina,(Tschechien). Auf einer Fläche von 1672 km² leben in 196 Gemeinden (die höchste Anzahl in Tschechien) und 360 Ortsteilen 125.000 Einwohner. Der größte Teil lebt in den Dörfern, in den sechs Städten Žďár nad Sázavou, Bystřice nad Pernštejnem, Nové Město na Moravě, Svratka, Velká Bíteš und Velké Meziříčí leben knapp die Hälfte der Einwohner. 37 % der Erwerbstätigen sind in der Industrie beschäftigt. Der Anteil in der Industrie und der Landwirtschaft ging seit 1991 jedoch stark zurück. Die derzeitige Industrieproduktion konzentriert sich auf Maschinenbau, Elektroindustrie, Metallverarbeitung. Die ist die zweithöchste im Kreis, liegt jedoch immer noch unter dem Landesschnitt. Die von Umweltbelastungen verschonte Natur lockt auch viele Erholungssuchende, sowie Sommer- und Wintersportler.
- Zu den bekanntesten Erholungsorten gehören Velké Dářko, Fryšava, Tři Studně, Devět skal, Žákova hora, Jimramov, Milovy und Nové Město na Moravě.
- Das Gebiet Žďárské vrchy steht seit 1970 unter Naturschutz.
- Denkmäler in Žďár nad Sázavou, vor allem die gotisch barocke Kirche des Hl. Jan Nepomucký wurde 1994 in des Welterbe der UNESCO eingetragen.
- Bekannt ist auch die Burg Pernštejn.

Städte und Gemeinden

Baliny - Blažkov - Blízkov - Bobrová - Bobrůvka - Bohdalec - Bohdalov - Bohuňov - Borač - Borovnice - Borovník - Bory - Březejc - Březí - Březí nad Oslavou - Březské - Budeč - Bukov - Bystřice nad Pernštejnem - Býšovec - Cikháj - Černá - Černvír - Dalečín - Daňkovice - Dlouhé - Dobrá Voda - Dolní Heřmanice - Dolní Libochová - Dolní Loučky - Dolní Rožínka - Doubravník - Drahonín - Fryšava pod Žákovou horou - Hamry nad Sázavou - Herálec - Heřmanov - Hodíškov - Horní Libochová - Horní Loučky - Horní Radslavice - Horní Rožínka - Chlumek - Chlumětín - Chlum-Korouhvice - Jabloňov - Jámy - Javorek - Jimramov - Jívoví - Kadolec - Kadov - Kaly - Karlov - Katov - Kněževes - Koroužné - Kotlasy - Kozlov - Krásné - Krásněves - Křídla - Křižánky - Křižanov - Křižínkov - Křoví - Kuklík - Kundratice - Kuřimská Nová Ves - Kuřimské Jestřabí - Kyjov - Lavičky - Lhotka - Lísek - Líšná - Lubné - Malá Losenice - Martinice - Matějov - Měřín - Milasín - Milešín - Mirošov - Moravec - Moravecké Pavlovice - Nedvědice - Netín - Níhov - Nížkov - Nová Ves - Nová Ves u Nového Města na Moravě - Nové Dvory - Nové Město na Moravě - Nové Sady - Nové Veselí - Nový Jimramov - Nyklovice - Obyčtov - Olší - Ořechov - Oslavice - Osová Bítýška - Osové - Ostrov nad Oslavou - Otín - Pavlínov - Pavlov - Pernštejnské Jestřabí - Petráveč - Pikárec - Písečné - Počítky - Poděšín - Podolí - Pokojov - Polnička - Prosetín - Račice - Račín - Radenice - Radešín - Radešínská Svratka - Radkov - Radňoves - Radňovice - Radostín - Radostín nad Oslavou - Rodkov - Rojetín - Rosička - Rousměrov - Rovečné - Rozseč - Rozsochy - Rožná - Ruda - Rudolec - Řečice - Řikonín - Sázava - Sazomín - Sejřek - Sirákov - Sklené - Sklené nad Oslavou - Skorotice - Skryje - Skřinářov - Sněžné - Spělkov - Strachujov - Stránecká Zhoř - Strážek - Střítež - Sulkovec - Světnov - Sviny - Svratka - Škrdlovice - Štěpánov nad Svratkou - Tišnovská Nová Ves - Tři Studně - Ubušínek - Uhřínov - Ujčov - Újezd - Újezd u Tišnova - Unčín - Vatín - Věcov - Věchnov - Velká Bíteš - Velká Losenice - Velké Janovice - Velké Meziříčí - Velké Tresné - Vepřová - Věstín - Věžná - Vídeň - Vidonín - Vír - Vlachovice - Vlkov - Vojnův Městec - Vratislávka - Vysoké - Záblatí - Zadní Zhořec - Znětínek - Zubří - Zvole - Ždánice - Žďárec - Žďár nad Sázavou Zdar nad Sazavou

Gotik

] ] Die Gotik ist eine Stilepoche der europäischen Kunst des Mittelalters. Sie entstand um 1140 in der Île-de-France (Gegend von Paris) und währte nördlich der Alpen bis etwa 1500. Der zuvor vorherrschende Bau- und Kunststil ist als Romanik, der nachfolgende als Renaissance bekannt. Der gotische Stil ist nur in der Architektur genau abzugrenzen, während dies auf den Gebieten der Plastik und Malerei nicht in gleicher Klarheit möglich ist. Die Gotik war eine Epoche der Verbildlichung der christlichen Ideenwelt und bediente sich dabei in grossem Umfang der Symbolik und Allegorie. Herausragende Kunstschöpfung ist die gotische Kathedrale, das Gesamtkunstwerk des Mittelalters, Architektur, Plastik und (Glas-)Malerei vereinend. In der Architektur unterscheidet man weiterhin Früh-, Hoch- und Spätgotik, die in den verschiedenen europäischen Landschaften unterschiedlich schnell übernommen wurden. Die Bezeichnung "Gotik" (v. ital. gotico fremdartig, barbarisch (ursprünglich ein Schimpfwort), abgeleitet von der Bezeichnung des Germanenstammes der Goten) wurde geprägt in der Renaissance vom italienischen Kunsttheoretiker Giorgio Vasari, seine Geringschätzung der mittelalterlichen Kunst gegenüber dem "goldenen Zeitalter" der Antike ausdrückend. Auch wenn die Bewertung Vasaris heute nicht geteilt wird - er hat der Epoche seinen Namen aufgedrückt.

Baukunst

Entstehung des Stils in Frankreich

Antike] Der Chorneubau der Klosterkirche von Saint-Denis, der vom königlichen Kanzler und Abt Suger erbaut wurde, gilt als Initialbau der Gotik. Hier wurde erstmals der burgundische Spitzbogen (Beispiel: Cluny) mit dem normannischen Kreuzrippengewölbe (Beispiel: St-Étienne in Caen, Gewölbe ab 1120) kombiniert und die Gewölbelasten auf Strebepfeiler abgeleitet. Dadurch konnte auf die bisher vorherrschende massive Wand als statisches Element verzichtet werden. Die dadurch mögliche Reduzierung der Wandfläche zugunsten von Fenstern ermöglichte der Kirche nicht nur ein grazileres Aussehen als die romanischen "Gottesburgen", sie war auch viel lichtdurchfluteter. Wirtschaftliche Grundlage für die Gotik war das Erstarken des französischen Königtums im 12. Jh. auf Kosten des niederen Adels (siehe auch: Geschichte Frankreichs). Der Neubau von Saint-Denis, der königlichen Grablege, ist die architektonische Formulierung eines sehr umfassenden Herrschaftsanspruchs gegenüber den Baronen, aber auch gegenüber seinem ärgsten Widersacher, dem König von England: Die Fassade von Saint-Denis, gleichzeitig Triumphbogen und Burg, ist quasi die Wiedererschaffung des karolingischen Westwerks. Die Fassade entstand unmittelbar vor dem Chor und ist noch nicht ganz als "gotisch" einzuordnen, während sie sich schon von den Formen der Romanik gelöst hat. Vorbedingung für die Entwicklung der die gotische Architektur ermöglichenden Baukunst war die Entwicklung der Produktivkräfte (Technik, Arbeitsfertigkeit und -organisation) im Umfeld der aufblühenden, durch den König geförderten Bürgerstädte. Erfolgsrezept für die weitere Entwicklung des Stils war, dass jeder Großbau das vor ihm Erreichte zusammenfasste und zugleich Grundlage für die Nachfolgebauten wurde. Die Kathedralen von Sens, Senlis, Noyon, Paris und Laon waren wichtige Stationen auf dem Weg zur Reife (Hochgotik), die bereits Anfang des 13. Jh in Chartres, Soissons, Reims und Amiens erreicht war. Von dort aus breitete sich der Stil durch international arbeitende Baumeister in ganz Europa aus. Bild:Paris-notre-dame-facade.jpg|Notre-Dame de Paris Bild:Cathedral of Laon (FR-02000).jpg|Kathedrale in Laon Bild:Cathedral Notre-Dame de Reims, France.jpg|Notre-Dame de Reims Image:FacadeCathedraleChartresFrance041130.jpg|Notre-Dame_de_Chartres

Grundlagen der gotischen Architektur

Notre-Dame_de_Chartres] Notre-Dame_de_Chartres Notre-Dame_de_Chartres, 1856]]
- Grundriss: Die häufigste Form des Grundrisses ist, wie schon in der Romanik, das lateinische Kreuz.
- aufgebrochene, hohe Wände mit großen Fenstern: In der Romanik musste eine massive Wand die Lasten des Gewölbes tragen und hatte daher nur kleine Fenster. In der Gotik wurde die Wand von der tragenden Funktion befreit und konnte fast beliebig aufgelöst werden. Man verwendete eine Vielzahl von grossflächigen Fenstern, die fast die gesamte Wandfläche einnehmen. Die erforderliche Stabilität wurde erzielt durch die Erfindung des selbständigen, am Außenbau angebrachten Tragwerks (Strebepfeiler), sowie des...
- Spitzbogens: Die große Neuerung der Spitzbogentechnik bestand darin, dass bei einem gedachten Quadrat als Grundriss nicht 4 Rundbögen über die 4 Seiten des Quadrates gestellt wurden, sondern 2 Rundbögen mit gemeinsamem Mittelstein über die beiden Diagonalen. Dadurch war die Stabilität des Gewölbes gesichert, und die statisch nun weniger wichtigen Bögen über den 4 Seiten wurden spitz nach oben gebaut, um die gleiche Höhe wie die beiden längeren und höheren Rundbögen über den Diagonalen zu erhalten. Diese Gewölbetechnik nennt man Kreuzrippengewölbe, die es auch ermöglicht, ein Gewölbejoch über einen rechteckigen Grundriss zu erstellen. Damit wird die Gestaltung freier als in der Romanik. In der weiteren Entwicklung des Stils wurden auch komplizierte Netzgewölbe erstellt. Kennzeichnend für den Stil blieb die Verwendung von Gewölberippen.
- die Betonung der Vertikalen: Typisch für den Kirchenbau der Gotik ist die Betonung der Vertikale. Die Gewölbe erreichten Scheitelhöhen bis 48m (Beauvais eingestürzt und unvollendet geblieben, Chor im Kölner Dom 45m. Im Vergleich der romanische Dom zu Speyer: 33 m).
- schlanke strukturierte Säulen, meist mit polygonalem Grundriß, die meist mit Diensten umstanden sind
- Die Ornamentik bestand aus geometrischen Formen, wie z.B. Kreisen und Bögen, die in Werkstein ausgeführt sind und in die Fenster eingesetzt werden. Dies nennt man Maßwerk. Die Vorlagen zu diesen vielen gotischen Ornamenten nahm man aus der Pflanzenwelt. Eine besondere Rolle spielte dabei das Eichenlaub. Aber auch Motive und Formen aus der Menschen- und Tierwelt waren beliebt. An den Spitzen von Giebeln und Türmen verwendete man oft eine Kreuzblume als Ornament (vergleiche auch Wimperg). In der Spätgotik schließlich werden auch verschlungenere und kompliziertere Formen in vielfältigen Fischblasen- und Flammenmustern (Flamboyant) ausgebildet.

Baumeister

In der Gotik übernahmen erstmals weltliche Planer und Handwerker das Baugeschehen und wurden die Träger der neuen Kunst, während sie zu Zeiten der Romanik noch fest in der Hand der Klöster war, die ihre Baukunst anonym betrieben. Damit traten die Berufe der Baumeister, Bildhauer und des freien Steinmetzes auf. Beide bewegten sich frei zwischen den verschiedenen Bauhütten, also den Baubetrieben. Es bildeten sich regelrecht Baumeister-Familien heraus, wie beispielsweise die Parler, die unter anderem in Schwäbisch Gmünd, am Ulmer Münster, am Prager Veitsdom und am Rathhaus in Krakau bauten. Steinmetze sind zwar namentlich nicht bekannt, aber ihre individuellen Steinmetz-Zeichen sind an verschiedenen Baustellen quer durch Mitteleuropa zu finden. Baumeister und Bildhauer verewigten sich häufig auch schon gerne in den Gesichtszügen von Figuren ihrer Werke, zum Beispiel bei Nebenfiguren in Szenen aus der Bibel. Eine weitere bekannte Baumeisterfamilie aus dem süddeutschen Raum sind die Eselers: Nikolaus Eseler d. Ältere und Nikolaus Eseler d. Jüngere, die das spätgotische Münster St. Georg als Hallenkirche in Dinkelsbühl schufen.

Weitere Entwicklung des gotischen Kirchenbaus

Von der Ile-de-France breitete sich die gotische Architektur auf große Teile West-, Mittel- und Südeuropas aus (Frankreich, Deutschland, Polen, England, usw.). In der Architektur unterscheidet man weiterhin Früh-, Hoch- und Spätgotik, die in den verschiedenen Regionen unterschiedlich schnell übernommen wurden: Dies wurde in der Folgezeit bei neuen Bauwerken immer weiter perfektioniert, spätere gotische Kathedralen sind als Lichtsymphonien konzipiert. Als Vorbild wurde meist die Sainte-Chapelle in Paris genommen. Als sich Anfang des 16. Jahrhunderts die Renaissance nördlich, östlich und westlich der Alpen ausbreitete, verlor der gotische Stil schnell an Einfluss.

Frankreich

Um 1200, als in Deutschland noch große spätromanische Neubauten entstanden, setzte in Frankreich bereits die Entwicklung zur hochgotischen Kathedrale ein. Die Mauerflächen wurden weiter reduziert, komplizierte offene Strebesysteme leiteten den Gewölbeschub ab. Nun verschwanden auch die letzten romanischen Erinnerungen, in ganz Nordfrankreich und den Nachbarländern entstanden in rascher Folge zahlreiche Großbauten. Am Anfang stehen die Dome in Soissons und Chartres. Chartres wirkt jedoch altertümlicher als Soissons, der Architekt schuf hier bewußt eine "Gottesburg", es finden sich hier tatsächlich zahlreiche Elemente des zeitgenössischen Burgenbaues wieder. Auch die große Stiftskirche in Saint-Quentin wirkt moderner, allerdings wurde hier nur bekanntes neu interpretiert. Chartres zwang nun den Erzbischof von Reims zum Bau einer zumindest "gleichwertigen" Kathedrale, hier wurde schließlich der französische König geweiht. Günstigerweise brannte der alte Dom 1210 ab, es entstand der berühmte hochgotische Neubau. In der Normandie wurden die Kathedralen in Coutances und Bayeux begonnen, in der Grafschaft Maine wuchs Saint-Julien in Le Mans in den Himmel, nach 1231 wurde die Abteikirche in Saint-Denis bei Paris durch einen Neubau ersetzt. Außer riesigen Kathedralen, wie etwa Amiens, Metz, Rouen, Bourges, Auxerre und Beauvais entstanden große Kloster- und tausende Pfarrkirchen und Kapellen. Der Höhepunkt der Auflösung und vertikalen Streckung der Architektur war mit dem Schlußstein des Chorgewölbes von Beauvais 1272 in 48 Metern Höhe erreicht worden, die Gewölbe stürzten jedoch bereits 12 Jahre später ein und mußten erneuert werden, um beim Einsturz des monumentalen Vierungsturmes 1573 wieder zerstört zu werden. Die Kirche wurde nie vollendet. Da an den meisten großen Kirchen jahrhundertelang gebaut wurde, weisen viele auch Elemente der verschiedenen gotischen Epochen auf, da man sich nicht sklavisch an die ursprünglichen Pläne hielt, sondern die neuen Einflüsse mit verarbeitete. Im allgemeinen wurde zuerst der Chor begonnen, dann das Querhaus, die Langschiffe und Fassaden wurden teilweise erst von der Neogotik vollendet. Als besonders reines Beispiel hochgotischer Architektur errichtete man ab 1318 in Konkurrenz zur dortigen Kathedrale die gewaltige Abteikirche Saint-Ouen in Rouen. Der wenig bekannte Bau ist 137 Meter lang, die Gewölbe schließen in 33 Metern Höhe. Bereits gegen 1300 setzen manche Kunsthistoriker die Vorläufer der französischen Spätgotik an. Der Hundertjährige Krieg brachte die Bautätigkeit im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts weitgehend zum erliegen. Danach entstand nur noch eine neue Kathedrale (Nantes, 1434), dafür zahlreiche große Pfarrkirchen für die nach Ende des Krieges rasch anwachsende Stadtbevölkerung. Viele Großbauten wurden jedoch auch weiter- und fertiggebaut, so die Kathedralen in Auxerre, Troyes, Meaux, Tours und andere. Manche dieser Großbauten wurden nun durch prachtvolle Westfassaden abgeschlossen, auch Querhausfassaden entstanden im spätgotischen Flamboyant-Stil. Dieser, besonders reich verzierte Dekorationsstil hat seinen Namen von seinen "flammenden", grotesken Maßwerk- und Zierformen, die oft riesige Flächen überziehen. (Toul, Tours, Alencon, Évreux u.v.a.).

England

Auf der Insel kam es ab etwa 1170 zur Übernahme "moderner" kontinentaler Bauformen, die sich mit der heimischen anglonormannischen Tradition zur, "Early English" genannten Frühgotik verbanden. Hier beginnt die eigenständige Entwicklung der insularen Gotik, englische Sakralbauten übernehmen zwar das gotische Dekorationssystem und die Wölbetechniken, beim Aufriß dominiert jedoch die Horizontale, es entstehen breit gelagerte, reich dekorierte Screen-Fassaden (Lincoln, Wells). Das Early English mündete in den "Decorated Style" (Hochgotik), unserer Spätgotik vergleichbar ist der "Perpendicular Style". Die Gewölbehöhen englischer Münster und Kathedralen sind wesentlich niedriger als etwa in Frankreich, die basilikalen Grundrisse sind meist sehr langgestreckt und besitzen zwei Querhäuser. Die Kathedralbezirke liegen oft außerhalb oder am Rande der Städte, die Chöre schließen gerade und ohne Umgang. Hohe Vierungstürme überragen häufig die niedrigen Turmbauten der Westfassaden. Ähnlich wie in Deutschland wurde das Strebesystem meist auf das statisch Notwendige reduziert, es verselbstständigt sich selten zum Dekorationselement. Die Innere wird oft von reichen Netz- oder Fächergewölben überspannt, ein besonders Kennzeichen ist auch die Scheitelrippe, die auf dem Kontinent selten auftritt. Große Kathedralen besitzen u.a. York, Canterbury, Wells, Salisbury und Gloucester, bemerkenswert ist auch das Münster in Beverley. Die gotischen Bauformen überlebten auf der Insel das Mittelalter, vermischten sich später mit Renaissance- und Barockelementen und mündeten schließlich im 18. und 19. Jahrhundert in die Neugotik, das Gothic Revival. Image:Wells Cathedral West Front.jpg|Kathedrale von Wells Image:Canterbury Cathedral - Portal Nave Cross-spire.jpeg|Kathedrale von Canterbury Bild:Salisbury Cathedral.jpg|Kathedrale von Salisbury (England) Bild:Westminster_abbey_towers.jpg|Westminster Abbey (Westfassade), London

Deutschland

Die gotische Formensprache breitete sich in Deutschland erst mit einiger Verzögerung aus. Teilweise muss man auch von einem "Übergangsstil" zwischen Romanik und Gotik sprechen, z.B. bei den Domen von Limburg a.d. Lahn und Bamberg. Das Erscheinungsbild ähnelt hier zumeist noch den wuchtigen, romanischen Kirchen; einzelne Gebäudeteile weisen jedoch schon gotische Tendenzen auf. Die lokalen spätromanischen Bautraditionen wurden meist nur sehr zögerlich durch die westlichen Neuerungen verdrängt. Die ersten rein gotischen Kirchenbauten auf heutigem deutschen Staatsgebiet waren ab ca. 1230 die Liebfrauenkirche in Trier und die Elisabethkirche in Marburg. Bemerkenswert ist jedoch, dass beide Bauwerke bereits sehr stark von den französischen Vorbildern abweichen: während es sich bei der Liebfrauenkirche in Trier um einen im Grundriss ein griechisches Kreuz ausbildenden Zentralbau handelt, entstand die Elisabethkirche in Marburg als dreischiffige Hallenkirche mit einer kleeblattförmigen Choranlage. In frühgotischer Zeit war besonders Laon das Vorbild für einige deutsche Großbauten (Limburg, Bamberg, Naumburg). Besonders der Bamberger Dom erinnert in seiner Turmgestaltung stark an die große französische Kathedrale. Der Magdeburger Dom folgt zwar im Grundriß dem westlichen Schema, bleibt aber im Aufriß deutlich der lokalen romanischen Tradition verhaftet. Das konkurrierende Halberstädter Domkapitel begann seinerseits mit dem Bau einer hochgotischen Kathedrale (Dom zu Halberstadt) nach Reimser Vorbild, von der allerdings nur drei Langhausjoche realisiert werden konnten, der übrige Bau zog sich bis gegen 1500 hin. Die große Domkirche ist einer der wenigen im Mittelalter vollendeten Großbauten Europas, sie gilt vielen Kunsthistorikern als die beste "deutsche" Umsetzung des französischen Kathedralschemas. Die hochgotischen Teile der Kathedrale in Köln (erst im 19. Jahrhundert nach den Originalplänen vollendet) versuchen gar, die westlichen Vorbilder zu übertreffen. Die Großbauten von Köln und Beauvais erreichten die Grenze des statisch und bautechnisch Möglichen, was beim französischen Beispiel sogar zum Einsturz großer Bauteile führte. Bayerns einzige "französische" Kathedrale ist der Regensburger Dom, das Vorbild St. Urbain in Troyes ist hier offensichtlich. Das Straßburger Münster gehört heute zu Frankreich, darf aber als ein Hauptwerk der deutschen Hochgotik gelten. Besonders seine Westfassade steht auf einer Stufe mit den besten Leistungen westlicher Baumeister. Im nahen Freiburg im Breisgau entstand mit dem Münster ein weiteres Hauptwerk deutscher Gotik, der Hauptturm mit seinem durchbrochenen Helm gilt manchen gar als der "schönste Turm der Christenheit". Neben den großen Bischofskirchen entstanden rasch zahlreiche Pfarrkirchen in den Städten, die manchmal die Ausmaße der Dombauten erreichten oder sogar übertrafen (Ulm, Freiburg im Breisgau). Die deutsche Gotik löste sich immer mehr vom westlichen Vorbild, es enstand die sogenannte "Deutsche Sondergotik", auch "Reduktionsgotik" genannt. Kennzeichen dieser Sonderentwicklung ist neben der meist wesentlich "schlichteren" äußeren Erscheinung deutscher Sakralbauten (Verzicht auf aufwendige offene Strebesysteme) auch die Vereinfachung der Grundrisse und die Bevorzugung der Hallenbauweise. Die Halle ermöglichte jedoch die Entwicklung einiger aufwendiger Wölbesysteme, "deutsche" Kirchen werden oft vom prächtigen Netz- oder Schlingrippengewölben überspannt (Annaberg, Freiberg). Besonders die Spätgotik schuf hier bedeutende Beispiele. Zu lokalen Zentren entwickeln sich:
- die süddeutschen Reichsstädte und besonders Nürnberg,
- die Hansestädte an der Ostseeküste (vor allem Lübeck und Stralsund). Bild:Liebfrauen_von_SW3.JPG|Liebfrauenkirche (Trier), ab 1230 Bild:Lübecker_marienkirche_seitenansicht.jpg|Lübecker Marienkirche, Umbau zur gotischen Basilika ab 1315 Bild:Nuernberg-frauenkirche-fassade-v-wnw.jpg|Frauenkirche (Nürnberg), ab 1350 Bild:Ulm_muenster.JPG|Ulmer Münster, ab 1377

Niederlande und Belgien

Auch der niederländische Kulturkreis entwickelte eine eigene "Reduktionsgotik", die oft in vereinfachter Form an die französischen Vorbilder angelehnt ist. Als Hauptwerke dürfen die Dome in Utrecht, Herzogenbosch, Antwerpen, Tournai und Brüssel gelten, auch zahlreiche große Pfarrkirchen entstanden, etwa in Brügge, Gent und Ypern. Flandern war wegen seiner Nähe zu Nordfrankreich diesen französischen Einflüssen natürlich in besonderem Maße ausgesetzt, einige Innovationen wurden sogar dorthin zurückgegeben. Besonders die Spätgotik schuf hier einige der beeindruckendsten mittelalterlichen Sakral- und Profanbauten Europas, es sei nur an die großen, reich verzierten Rathausbauten dieser Region (Oudenaarde, Brüssel) erinnert. In Deutschland ist der Dom zu Xanten deutlich von der niederländischen Gotik beeinflusst, auch andere niederrheinische Bauten sind hier zu nennen. (Kalkar, Kleve, Goch, Wesel). In der bildenden Kunst wurden niederländische Werkstätten führend in Europa, riesige Flügelaltäre wurden weithin exportiert, der Einfluß von Malern wie Rogier van der Weyden oder Jan van Eyck reichte bis nach Italien und Spanien. Image:Sintjandenboschnl.jpg|St. Johannes-Kathedrale in 's-Hertogenbosch Image:OLV-kathedraal Antwerpen.jpg|Liebfrauenkirche in Antwerpen Bild:Liebfrauenkirche in BrÃŒgge.jpg|Liebfrauenkirche in Brügge, ab 1210 Bild:SteGudule.jpg|Dom zu Brüssel, Fassade 15. Jh

Schweiz und Österreich

Die Schweizer Gotik ist in der Westschweiz naturgemäß an Frankreich orientiert (Lausanne, Genf), die Deutschschweiz besitzt in den Münstern von Basel, Bern, Zürich und Freiburg im Üechtland (ursprünglich deutschsprachig) vier größere gotische Sakralbauten. Bern und Fribourg erinnern mit ihren Einturmfassaden an das Münster in Freiburg im Breisgau. Ähnlich wie das stammverwandte Bayern ist das heutige Österreich eigentlich ein "Land ohne Kathedralen", als gotischer Großbau ist nur der Wiener Stephansdom zu nennen, eine große Halle mit zwei geplanten riesigen Chorseitentürmen, von denen nur einer vollendet wurde. Bedeutende Klosterkirchen mit Hallenchören sind in Heiligenkreuz und Zwettl zu finden, eine große Stadtpfarrkirche besitzt Braunau. Bild:Basler Muenster.jpg|Basler Münster Bild:Lausanne-cathe7.JPG|Kathedrale von Lausanne Bild:Grossmunster church.jpg|Zürcher Grossmünster Bild:Stephansdom_wien_1912.jpg|Wiener Stephansdom

Italien

Die spätmittelalterliche Baukunst Italiens war lange Zeit nicht als Gotik anerkannt, gingen ihr doch eine Vielzahl typischer Merkmale der französischen Kathedralgotik ab. Der gotische Kirchenbau Italiens wurde eingeleitet von den Bettelorden, die wiederum von den Zisterziensern geprägt waren: irdische Schwere und Solidität anstelle himmelstrebender Formen und transzendentaler Beleuchtung. Die Bauplastik wurde auf das Notwendigste reduziert, die großflächigen Wände mit umfangreichen Freskenzyklen gestaltet. Die Kirchenbauten der Franziskaner und Dominikaner standen häufig in Konkurrenz zueinander, und Kirchen standen insgesamt in Rivalität zu den teils festungsartigen Kommunalpalästen. Dies führte nicht wie in Frankreich zu immer neuer Steigerung eines einheitlichen Konzepts, sondern zu Selbstdarstellung durch Originalität. Ab 1387 entstand im lombardischen Mailand der gewaltige Dom, dessen gotische Konstruktions- und Dekorationsformen auf großen Widerstand der einheimischen Bevölkerung stießen. Der Stadtherr Gian G. Visconti wollte die Macht und den Einfluß seiner Stadt und seines Geschlechtes durch eine der großten Kathedralen Europas manifestieren. Ein internationales "Expertengremium" begann mit der Planung des riesigen, fünfschiffigen Sakralbaues, dessen Innenraum an die Kathedrale von Bourges erinnert, aber auch auf lokale romanische Vorbilder (Piacenza) zurückgeht. Es kam hierbei zu erbitterten Kontroversen unter den Baumeistern, so zog sich etwa Heinrich Parler gekränkt vom Baubetrieb zurück, nachdem sein Vorschlag zur Erhöhung des Mittelschiffes als zu "unitalienisch" abgelehnt worden war. Die endgültige Fertigstellung des Mailänder Domes zog sich bis ins 20. Jahrhundert hin. Als Konkurrenzbau zu Mailand entstand in Bologna die Pfarrkirche San Petronio, deren schlichter, klar gegliederter Innenraum typisch für die italienische Gotik ist. In Siena wurde der romanische Dom ab dem frühen 13. Jahrhundert gotisiert, bemerkenswert ist hier vor allem Giovanni Pisanos dreiportalige Westfassade (ab 1284), die wohl auf französische Vorbilder zurückgreift. Auf den ersten Blick eher "ungotisch" wirkt der Florentiner Dom, dessen schlichte Innengestaltung schon zahlreiche Renaissanceelemente erkennen lässt. Besonders Filippo Brunelleschis zweischaliger Kuppelbau (ab 1418) hatte die Gotik bereits hinter sich gelassen, als etwa in Deutschland erst die Spätgotik begann. Bild:San Francesco.JPG|San Francesco zu Assisi, ab 1228 Image:Siena-duomo-1.jpg|Dom zu Siena, Fassade ab 1284 Image:Basilika_des_hl._Antonius.JPG|Padua: Basilika des heiligen Antonius, ab 1290 Bild:Kirche santa maria della spina 103.JPG|Sta-Maria della Spina in Pisa, ab 1323 Bild:Mailänder Dom.jpg|Mailänder Dom, ab 1386

Spanien und Portugal

Die frühen großen spanischen Dome in Burgos, Toledo und Leon folgen noch deutlich den französischen Vorbildern, erst ab etwa 1300 beginnt eine deutlichere Sonderentwicklung der spanischen Sakralarchitektur. 1298 wurde mit dem Bau der Kathedrale von Barcelona begonnen, deren Langhaus sich bereits der Hallenform annähert. 1329 folgte die große Seefahrerkirche Santa Maria del Mar, ebenfalls eine riesige "Staffelhalle". Typisch für die katalanische Gotik ist das schlichte, ja karge Äüßere der Kirchen, die oft wie Festungen wirken. Ab 1312 begannen südfranzösische Meister in Girona mit dem Chor der Kathedrale, ab 1417 fügte man diesem ein gewaltiges, einschiffiges Langhaus an. Mit einer Spannweite von 23 Metern wurde hier das breiteste Gewölbe der Gotik geschaffen, die Gewölbehöhe beträgt 34 Meter. Das Hauptwerk der mallorquinischen mittelalterlichen Architektur ist die Kathedrale Santa Maria in Palma de Mallorca, die um 1300 begonnen wurde. Die riesige dreischiffige Basilika ist etwa 110 Meter lang, die Schauseite ist die zum Meer gelegene Längsfront mit ihrer dichten Reihung fialengekrönter Strebepfeiler und doppelter Strebebögen. Andalusien schuf nach der Reconquista mit der Kathedrale in Sevilla gar einen der gewaltigsten Sakalbauten Europas. Ab 1401 begonnen, zog sich der Bau bis 1519 hin. Er wurde auf den Grundmauern der islamischen Moschee errichtet, deren großes Minarett zum Glockenturm umgestaltet wurde. Auch hier wurde der fünfschiffige Innenraum der Hallenform angenähert, das Äußere gliedert ein aufwändiges System von Strebepfeilern und -bögen. Als sich anderen Ortes bereits die Renaissance durchzusetzen begann, entstanden im 16. Jahrhundert die spät- bis nachgotischen Kathedralen