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| Große Trommel |
Große TrommelDie Große Trommel (englisch: bass drum []) ist ein Schlaginstrument, das es in verschiedenen Varianten gibt. Sie gelangte im 18. Jahrhundert über die türkische Janitscharenmusik nach Europa.
In der Orchestermusik ist die Große Trommel meist frei schwingend aufgehängt. Sie wird in der Regel mit großen, mit Fell oder Filz umwickelten Schlägeln gespielt. Sie mißt 50 bis 80 cm im Durchmesser und um 40 cm in der Tiefe und ist meist mit einem Naturfell (oft Kalbshaut) bespannt. Das längere Nachschwingen wird, wenn kompositorisch verlangt, durch Abdämpfen per Hand verhindert. Mitunter sind auch Paarbecken (Tschinellen) an der Oberseite der Trommel befestigt.
Bei Blasmusik-Kapellen und Marching Bands wird die Bassdrum mit Schultergurten vor der Brust getragen. Um leichter getragen werden zu können, sind diese Großen Trommeln meist aus dünnerem Holz als die Orchestertrommeln.
Bei einem gängigen Schlagzeug ist die Bassdrum die Basis des Aufbaus. Die Große Trommel wird mit einer Pedale, auch Fußmaschine genannt, gespielt und hat meistens auch eine Halterosette, um Tom Toms zu befestigen. In Metal- und Rock-Musik werden mitunter zwei Bassdrums eingesetzt, die preisgünstigere Option bleibt es jedoch, eine einzelne Bassdrum per Doppelfußmaschine ("Double Bass") zu bedienen. Große Trommeln am Schlagzeug haben meist einen Durchmesser von 18-24 Zoll und eine Tiefe von 14-18 Zoll.
Eine Bassdrum hat einen Frequenzgang mit extrem tiefer Grundfrequenz (etwa 100 Hz) und mit einem kaum über 5 kHz hinausreichenden Obertonspektrum. Ihr Klang wird bei vielen Musikstilen als Grundgerüst des Rhythmus eingesetzt. Besonders tragend ist ihre Rolle in der modernen Tanzmusik und im Techno, wobei hier der Klang meist elektronisch mit Samplern oder Drumcomputern erzeugt wird.
Die Spannreifen an höherwertigen Bassdrums sind in der Regel aus Holz und werden mit zehn bis zwölf Stimmschrauben befestigt. Das Resonanzfell hat oftmals ein Loch, was eine Mikrofonierung im Inneren des Kessels erlaubt. Mit Kissen oder speziellen Dämpfungsringen kann ein mitunter als störend empfundenes Nachschwingen bedämpft werden. Die Trommel steht auf Füßen, deren Metallspitzen oder Gummifüße ein Wegrutschen verhindern. Die Felle sind heutzutage nahezu ausschließlich aus ein- oder doppellagiger Kunststofffolie, die Kessel aus 6- bis 10-fach kreuzverleimtem Holz (oft Ahorn oder Birke, aber auch andere Hölzer).
Im japanischen Taiko-Trommeln wird die Große Trommel Odaiko ("große Trommel") genannt. Die Trommeln sind in massiver Bauweise fassförmig (nagado, tiefer Kessel) oder zylindrisch (hira, sehr flacher Kessel) gebaut und haben Durchmesser von 1 Meter und mehr. Die größte Nagado-Odaiko steht im Festival Forest Art Museum in Takayama, hat einen Durchmesser von 267 cm am Bauch, 207 cm am Fell und wiegt fast 4 Tonnen. Die Trommel wurde 1996 nach dreijähriger Bauzeit fertig gestellt.
Kategorie:Membranophon
ja:バスドラム
SchlaginstrumentEin Schlaginstrument ist ein Musikinstrument, das durch Schlagen, Schütteln oder ähnliches betätigt wird. Schlaginstrumente sind wahrscheinlich die ältesten Instrumente der Musik. Die Familie der Schlaginstrumente ist sehr vielfältig. Schätzungen gehen von vielen hundert verschiedenen Schlaginstrumenten weltweit aus. Die meisten dienen vor allem dazu, den Rhythmus zu erzeugen. Einige Schlaginstrumente – wie Glockenspiel, Xylophon, Vibraphon und Boo-bam – sind auch in der Lage, Melodien und Harmonien zu spielen.
Die zwei Hauptkategorien sind
- Membranophone, deren Geräuscherzeugung durch das Schwingen einer Membran erfolgt, beispielsweise bei der Trommel. Durch den Korpus, in dem die Membran aufgespannt ist, wird dem reinen Membrangeräusch Timbre zugefügt.
- Idiophone, bei denen der Korpus selbst klingt, beispielsweise der (oder das) Triangel (lat.triangulum=Dreieck).
Schlaginstrumente können auch gleichzeitig Membranophon und Idiophon sein, beispielsweise der Tambourin.
Die meisten Schlaginstrumente haben einen erkennbaren Ton, auch Trommeln sind gestimmt. Membranophone sind vielfach auch stimmbar, können also auch in der Tonhöhe durch Veränderung der Membranspannung variiert werden.
Gleichwohl wird für gewöhnlich ein Unterschied gemacht, ob ein Schlaginstrument reine Töne oder wenig definierte Geräusche erzeugt:
- Pauken, Xylophone, Vibraphone, Triangeln, Glockenspiele erzeugen reine Töne.
- Snaredrums, Basstrommeln, Becken, Maracas, Kastagnetten, Waschbretter, Handtrommeln und Holzblocktrommeln haben ein weniger definierbares Klangspektrum.
- Ein Sonderfall ist die indische Tabla, die sowohl melodische als auch unmelodiöse Klänge erzeugt.
Für unterschiedliche Musik werden jeweils verschiedene Schlaginstrumente zu einer Gruppe zusammengestellt, die oft einen eigenen Namen bekommt.
Das Drumset (im deutschen Sprachraum häufig als "Schlagzeug" bezeichnet, was zu Missverständnissen führen kann) ist eine Kombination aus meist fünf verschiedenen Trommeln und drei Becken, die im Sitzen mit Stöcken oder Jazz-Besen und Fußpedalen gespielt werden.
In den verschiedenen Musikstilen findet man diverse Konfigurationen des Drumsets vor. Während beim Jazz meist kleinere Trommeln benutzt werden, findet man in Rock- und Popmusik, durch die das Drumset sehr bekannt wurde, oft grössere Sets, mit einer dementsprechend größeren Bandbreite an Trommeln und Becken.
Unter Schlagwerk versteht man die im Orchester verwendeten Schlaginstrumente. Bekannt sind die Pauke, die Große Trommel, Kleine Trommel und die Becken.
Perkussion ist ein sehr weit gefasster Begriff für eher kleinere Schlaginstrumente. Gelegentlich werden Schlaginstrumente allgemein als Perkussion bezeichnet, was jedoch falsch ist. Bekannte Perkussioninstrumente sind Maracas, Congas, Kuhglocke und Claves, die zumeist aus dem afrikanischen oder südamerikanischen Raum stammen.
Auch wenn das Spielen von Perkussionsinstrumenten teilweise sehr einfach aussieht, erfordern die meisten jedoch eine ausgefeilte Technik, um den vollen Klang zu entfalten.
Als Mallets werden gestimmte Idiophone bezeichnet. Gespielt werden sie mit bis zu vier Schlegeln mit einem Kern aus Kork, Holz, Metall oder Kunststoff, der bei manchen mit Faden umwickelt ist. Der Tonumfang ist bei größeren Instrumenten nahe dem des Klaviers, auch sieht die Anordnung der Platten aus wie eine Klaviatur. Die Stabspiele werden in Orchestern häufig als Solo- oder Begleitstimmen eingesetzt.
Siehe auch:
- Portal:Musik
- Liste der Schlaginstrumente
- Musikinstrument
- Gamelan
Literatur
- Peinkofer/Tannigel: Handbuch des Schlagzeugs, 1981
- Pinksterboer, Hugo: Pocket-Info Drums, Mainz: Schott, 2000
Weblinks
- [http://www.uni-bamberg.de/ppp/ethnomusikologie/HS-Systematik/membranophone Systematik der Membranophone]
- [http://www.uni-bamberg.de/ppp/ethnomusikologie/HS-Systematik/idiophone Systematik der Idiophone]
Kategorie:Musikinstrument
Janitscharenmusik
Die Janitscharenmusik war ursprünglich die Militärmusik der Janitscharen, die im Zuge der Türkenkriege in Europa, vor allem aber in Österreich, bekannt wurden, und unter diesem Begriff, wahlweise aber auch unter der Bezeichnung Türkische Musik, in der klassischen Musik Verwendung fand.
Beschreibung
Die Janitscharenmusik hat oft ein lebhaftes Tempo und ist fast immer eine Art Marschmusik. Wenn sie für Orchester gesetzt wurde, kamen normalerweise besondere Schlaginstrumente zum Einsatz, die sich in der Musik der Klassik ansonsten nicht finden, typischerweise Basstrommel, Triangel und Zimbeln (zil), ähnlich den heutigen Becken. Diese Instrumente wurden tatsächlich in der türkischen Militärmusik benutzt, so dass zumindest die Instrumentierung der Janitscharenmusik authentisch war. Oft wurde noch die Piccoloflöte hinzugefügt, deren penetranter Ton gut zur Freiluftatmosphäre der Musik passt.
Es scheint, dass zumindest ein Teil des Unterhaltungswertes der Janitscharenmusik ihre wahrnehmbare Exotik war. Die Türken waren den Bewohnern Wiens (wo Haydn, Mozart und Beethoven arbeiteten) als militärische Gegner bekannt, und tatsächlich war in den Jahrhunderten der Kriege zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich bei den Wienern nicht nur immer wieder Entsetzen ausgelöst worden, sondern offensichtlich auch eine Faszination für alles türkische – oder eben dessen Ersatz.
Beispiele
Alle drei großen klassischen Komponisten, Haydn, Mozart und Beethoven, schrieben türkische Musik. Tonbeispiele sind im Abschnitt Externe Links zu finden.
Mozart
- Mozarts Oper Die Entführung aus dem Serail von 1782 ist das vollkommene Werk der Janitscharenmusik, zumal die ganze Geschichte sich um stereotyp komisch-böse Türken dreht. (Der Pascha wenigstens zeigt sich am Ende großmütig und großzügig.) Die Ouvertüre der Oper sowie die beiden Märsche für den Janitscharenchor sind türkische Musik im eben beschriebenen Sinne.
- Die Klaviersonate A-Dur (KV 331) von 1778 endet mit dem berühmten Rondo "Alla Turca", "im türkischen Stil". Schnelle Arpeggien in der linken Hand imitieren "turkische" Instrumente, wobei die Imitation den Klavieren zu Mozarts Zeiten aufgrund eines Rasselns der Basssaiten, das die lauten Stellen begleitete, vermutlich besser gelang, als dies heutigen Instrumenten möglich ist. Im frühen 19. Jahrhundert stellten Klavierbauer sogar Instrumente speziell für die Aufführung der Janitscharenmusik her.
- Das Finale des Violinkonzerts Nr. 5 in A-Dur (KV 219) von 1775, manchmal "das türkische Konzert" genannt, wird durch laute Abschnitte türkischer Musik unterbrochen. Mozart übernahm diese Passage aus einem früheren Ballett, "Le gelosie del seraglio" (KV 135a), das er 1772 für Mailand komponierte. Im Konzert werden die Saiten des Cellos und des Kontrabasses mit dem Holz des Bogens (col legno)angeschlagen, um die perkussiven Effekte zu verstärken.
Haydn
- Haydns Sinfonie Nr. 100, die Militärsinfonie von 1794 benutzt türkische Musik im zweiten Satz (der einen Schlacht beschreibt) und in einer kleinen Wiederaufnahme am Ende des Finales.
:Haydn hatte eine entfernte persönliche Beziehung zur türkischen Armee – sein Urgroßvater hatte als Zivilist einen schweren Unfall während der Belagerung Wiens von 1683.
Beethoven
- 1811 schrieb Beethoven eine Ouvertüre und Zwischenmusik zu August von Kotzebues Schauspiel Die Ruinen von Athen, Uraufführung in Pest 1812. Ein Punkt in der Zwischenmusik (Opus 113 Nr. 5) ist ein türkischer Marsch. Beethoven schrieb darüber hinaus Variationen für Klavier zu seinem Marsch (Opus 76).
- Beethovens Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria, auch die Schlachtensymphonie genannt (Opus 91, 1813) gedenkt des britischen Sieges in der Schlacht von Vittoria. Die sich gegenüberstehenden britischen und französischen Armeen marschierten mit Versionen ihrer jeweiligen Schlachtgesänge "Rule Britannia" und "Malbrouck s'en va-t-en guerre" als türkischer Musik in die Schlacht.
- Beethoven kehrte 1824 in seiner 9. Sinfonie zur Janitscharenmusik zurück, obwohl diese zu dieser Zeit bereits unmodern war. Ein Solotenor, unterstützt von den Tenören und Bässen des Chors, singt eine überladene Variation des berühmten Themas, begleitet von türkischer Musik des Orchesters.
Andere
Janitscharenmusik findet man auch in Kompositionen von Rameau, Michael Haydn, Rossini, Ludwig Spohr und in zwei Opern von Gluck, "Iphigenie auf Tauris" (1764) und "Die Pilger von Mekka" (1779).
Musikalische Charakteristika
In der Janitscharenmusik geben oft Schlaginstrumente den Rhythmus an.
Gluck
Es ist der gleiche Rhythmus (vermutlich nicht zufällig) wie bei den stereotypen Liedern marschierender Soldaten. Das Melodieinstrument in der türkischen Musik betont oft den Rhythmus durch das wiederholte Spielen der gleichen Noten, einzelne oder mehrere hintereinander, passend zum Takt.
Die Rolle der Janitscharenmusik in größeren Kompositionen scheint als eine Form musikalischer Entspannung zu dienen. Im Finale von Beethoven 9. Symphonie ist der türkische Abschnitt eine Periode geringerer Intensität zwischen zwei massiven und emotional geladenen Passagen. Türkische Musik wird üblicherweise im Finale angetroffen, die (wie Charles Rosen ausführte) typischerweise die entspanntesten und locker organisiertesten Teile klassischer Kompositionen sind.
Geschichte
Ein wichtiger Anstoß für die Janitscharenmusik ereignete sich 1699, als Österreich und das Osmanische Reich den Vertrag von Karlowitz aushandelten. Zur Feier des Vertrages brachte die türksiche Diplomatie gemeinsam mit anderen Künstlern eine Janitscharengruppe zu mehrtägigen Auftritten nach Wien.
Obwohl die Janitscharenmusik in Europa während des 18. Jahrhunderts bekannt war, waren die klassischen Komponisten nicht die ersten, die sie einsetzten. Die ersten Imitatoren waren Militärkapellen. Henry George Farmer berichtet:
:Der Verdienst, diese Batterie von Schlagzeugen und Erschütterungen (percussion and concussion) in Europa eingeführt zu haben, gebührt Polen, die in den 1720er Jahren eine vollständige türkische Kapelle vom Sultan erhalten hatten. Russland, das sich nicht ausstechen lassen wollte, suchte 1725 nach einem gleichen Gunstbeweis bei der Hohen Pforte nach, Preußen und Österreich folgten, und in den 1770er Jahren waren die meisten der anderen Ländern auch unter den Einfluss der Janitscharenmusik geraten.
Der Import von Musikern war nur ein temporäres Phänomen, der spätere Brauch war es, die türkischen Instrumente in europäischen Militärkapellen schwarzen Künstlern zuzuweisen, die für ihren Auftritt in exotische Gewänder gekleidet wurden.
Folglich hatte die türkische Musik in Europa zwei Nebenbedeutungen – östlich und militärisch – für die klassischen Komponisten. Die türkische Assoziation verflüchtigte sich nicht so bald. Noch in den 1820er Jahren, bei der Planung des letzten Satzes seiner Neunten Symphonie, notierte Beethoven ausdrücklich, dass sie türkische Musik enthalten werde. Der Gebrauch des Jargonworts “Türkische Abteilung”, um die Schlagzeuggruppe eines Orchesters zu bezeichnen, hielt sich offensichtlich bis in moderne Zeiten.
Schließlich wurde es möglich, Musik mit Basstrommel, Triangel und Becken zu komponieren, ohne gleich eine türkische Atmosphäre heraufzubeschwören, so dass im späten 19. Jahrhundert in sinfonischen Kompositionen freier Gebrauch von diesen Instrumenten gemacht wurde. So sind langfristig die türkischen Instrumente das Geschenk der türkischen Militärmusiktradition an die westliche klassische Musik geworden.
Literatur
Das obige Zitat von Henry George Farmer stammt aus seinem Buch Military Music (1950; London, Parrish, vergriffen.)
Weblinks
- [http://www.wwnorton.com/enjoy/index/cultural/perspec8.htm East Meets West – Türkische Einflüsse auf die Wiener Klassik (englisch)]
- [http://www.mfa.gov.tr/grupc/cj/cja/cjab/cmehter.htm Eine Seite zu authentischer türkischer Militärmusik (englisch)]
Links mit Ausschnitten aus den zitierten Kompositionen
- [http://www.patkop.ch/ Web Site der Geigerin Patricia Kopatchinskaja]:
- [http://www.patkop.ch/mozarttxt.htm Ihr Essay "Über das 'alla turca' im Rondo des Violinkonzertes KV 219"] (deutsch).
- Das erste "Sound"-Link in diesem Essay anklicken für eine Probe türkischer Janitscharenmusik
- Das zweite "Sound"-Link anklicken für Kopatchinskajas Darbietung des "turkischen" Satzes in Mozarts Konzert, mit Roy Goodman und dem Niederländischen Kammerorchester
- Eine Mozart-Midi-Darbietung [http://www.lexscripta.com/midi/classical/index.html#] des "Alla turca"-Satzes in Mozarts Klaviersonate KV 311, aus "[http://www.lexscripta.com Lexscripta] "
- Beethoven-Midi-Darbietungen aus Tina Billetts "[http://www.keyboard-creations.co.uk Keyboard Creations]"
- [http://www.keyboard-creations.co.uk/beethoven.htm#misc Türkischer Marsch aus Die Ruinen von Athen]
- "[http://www.keyboard-creations.co.uk/beethoven.htm#battle Wellingtons Sieg]"
- http://www.tuerkenbeute.de/kun/kun_han/OsmanischeMusik_de.php
- http://www.dtsk.de/de/kultur-gesellschaft-de/kg-2002-09-25-de.htm
ja:メフテル
Kategorie:Türkei
Kategorie:Musikgenre
Kategorie:Blasmusik
TrommelTrommel (v.mittelhochdt.: trume [lautm.]) ist ein
#Schlaginstrument, bei dem über eine meist zylindrische Zarge aus Holz oder Metall an einer oder beiden Öffnungen ein (Tier)fell gespannt ist, und auf dem mit Trommelstöcken oder Händen ein Ton erzeugt wird. Die Höhe des Tons hängt von der Stärke der Fellspannung ab, ähnlich einer Geigenseite, Je stärker die Spannung, desto höher der Ton. Bei manchen Trommeln lässt sich die Tonhöhe exakt kontrollieren (z.B. Pauken im Sinfonieorchester mit Fußpedal), bei anderen, z.B. den meisten ethnischen Trommeln, ist die Tonhöhe zwar auch mehr oder weniger festgelegt (sehr tief, tief, mittel, hoch usw.), kann aber nicht exakt kontrolliert werden. (s. Große Trommel und Kleine Trommel).
# ein zylindrischer Behälter (als Teil eines Geräts) zur Aufnahme von etwas (Trommelrevolver, Kabeltrommel)
#in der Architektur ein Säulensegment
#Zeitschrift der Pionierorganisation Ernst Thälmann in der DDR. Erschien wöchentlich. 1990 eingestellt. siehe Trommel (Zeitschrift)
#Steilwand, eine Jahrmarkt-Attraktion
#Hilfsmittel in einem entsprechenden Betrieb zur Verarbeitung bestimmter Sachen wie zum Beispiel Wäsche oder das Rösten von Kaffee oder zur Herstellung von Holzkohle.
Filz
Filz ist ein Vliesstoff aus Wolle. Die gereinigte, gekämmte und eventuell gefärbte Rohwolle wird durch eine meist mechanische Bearbeitung in einen festen Stoff gebracht. Die einzelnen Fasern sind dabei miteinander ungeordnet verschlungen.
Herstellungsmethoden
Nassfilzen oder Walken
des ungebundenen Vlies mit warmem Wasser und Seife ist die traditionelle, handwerkliche Verarbeitung der Wolle. In Kombination mit warmen Wasser und Seife stellt sich die oberste Schuppenschicht (Cuticula) der Haare auf. Gleichzeitig durchgeführtes Walken bewirkt ein gegenseitiges durchdringen der einzelnen Fasern. Die aufgestellten Schuppen verkeilen sich so stark ineinander, dass sie nicht mehr zu lösen sind. Das Werkstück schrumpft dabei stark und es ergibt sich ein fester Stoff. Die endgültige Form kann dabei nahtlos aus einem Stück herausgearbeitet werden. Filzwalken wird in Europa aufgrund seines hohen Zeitaufwandes nur noch kunsthandwerklich, im Hobby- oder Pädagogikbereich durchgeführt, ebenso wie das Trockenfilzen dabei wird die trockene Wolle wird mit Hilfe spezieller Nadeln in eine Form gebracht. Diese Methode ist der Vorläufer des Vernadelns mit einem Nadelbalken.
Industrieller Filz (Nadelfilz) wird mechanisch mit zahlreichen Nadeln mit Widerhaken hergestellt. Durch wiederholtes einstechen werden die Fasern miteinander verschlungen und eventuell anschließend chemisch oder mit Wasserdampf nachbehandelt. Solche Nadelvliesstoffe lassen sich nicht nur aus Wolle, sondern auch aus praktisch allen anderen Fasern herstellen. Nadelfilz ist der heute übliche industriell hergestellte Filz. Außerdem ist noch das Verhaken mit einem gepulsten Wasserstrahl oder mit einem Bindemittel möglich.Faser
Loden (Walkstoff) wird zunächst gewebt und erst anschließend verfilzt. Loden spielt insbesondere in bayrischen und österreichischen Trachten eine wichtige Rolle. Das Wort Loden ist im 10. Jhdt. als lodo (gewalktes Wollgewebe) belegt, kann aber auch vom mittelhochdeutschen lodi (Mantel) oder altnordischen lodi (zottiger Mantel) stammen.
Die kunsthandwerkliche Tradition des Filzens wird in jüngerer Zeit von vielen Menschen und Klein-Betrieben wieder entdeckt. Dabei entsteht eine Gebrauchskunst, die vor allem robuste, wärmende und schöne Kleidungsstücke (z.B. Schals, Jacken, Westen, Hüte, Hausschuhe und Pantoffel) umfasst, aber zunehmend auch figürliche Arbeiten einschließt. Dieses kunshandwerkliche Filzen wird zunehmend auch als Freizeithobby entdeckt. Filzkurse und Filzbücher zeigen, wie es geht.
Anwendungsgebiete
- Kleidungstücke
- Filzhut
- Lodenmantel
- Pantoffel
- Technik
- Geräuschdämmung
- Gleitschicht
- Zeitgenössische Kunst, etwa Joseph Beuys
Weblink
- [http://www.burg-fuersteneck.de/kultur/002006/index.htm/ Kulturgeschichtliche Handwerkstechniken auf BURG FÜRSTENECK]
Kategorie:Textilindustrie
ja:フェルト
Kalb
Ein Kalb ist das Kind, das Junge einer Kuh, in der Regel also ein junges Rind beiderlei Geschlechts bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres. Da jedoch der Begriff Kuh recht oft auch bei vielen anderen Tierarten seine Verwendung findet, wird zum Beispiel selbst ein junger Wal auch noch ein Kalb genannt.
Der Rindernachwuchs wird heute meist getrennt von der Mutter aufgezogen, denn die Milch wird vom Landwirt gemolken und in der Molkerei zu Trinkmilch, Butter, Käse oder anderen Milchprodukten verarbeitet. Die tiergerechtere Haltung kann dagegen die gemeinsame Haltung von Kühen mit ihren Kälbern (Mutterkuhhaltung) sein. Sie wird meist nur praktiziert, wenn die Fleischproduktion im Vordergrund steht.
Der Vorgang der Geburt eines Kalbs heißt das Kalben. Auch hier verlässt die Sprache schnell den Stall oder die Kuhweide und selbst das Abspalten von Gletschern an ihrem unteren Ende wird das Kalben genannt. Besonders am Meer, in der Arktis oder Antarktis, doch die schwimmenden Produkte dieser Kalbung heißen dann nicht etwa Kälber, sondern Eisberge oder Eisschollen.
In der Jägersprache werden Jungtiere vom Edel-, Elch-, Dam- und Rehwild von der Geburt bis zum Martinstag oder Ende Dezember des Geburtsjahres ebenfalls Kalb genannt.
Siehe auch:
- Kalbfleisch
- Kalbshachse
- Mondkalb
- Quie
Kategorie:rind
KapelleEine Kapelle ist
- ein kleiner Kirchenbau bzw. Teil eines größeren, siehe dazu Kapelle (Kirchenbau)
- im freikirchlichen Sprachgebrauch ein Gotteshaus einer traditionellen Freikirche, zum Beispiel Baptisten- oder Methodistenkapelle. Der Begriff Kapelle leitet sich hier vom englischen chapel her, dem typischen Versammlungshaus der low church-Bewegung
- im Bereich der Musik
- ursprünglich die Musikergemeinschaft einer Schlosskapelle
- einen Sängerchor des Mittelalters, der spezielle für ihn geschriebene A-cappella-Musik aufführt.
- ein kleineres Musikensemble z.B. für Marsch-, Tanz-und Unterhaltungsmusik wie z. B. eine Staatskapelle oder eine Blasmusikkapelle
- im Bereich der mittelalterlichen Geschichte die Gesamtheit aller Geistlichen, die in einem persönlichen Dienstverhältnis zu ihrem Herrscher oder Papst stehen und sich meist an dessen Hof aufhalten (daher auch Hofkapelle)
- eine Gemeinde in den Niederlanden, siehe Kapelle (Zeeland)
- in der Fachsprache von Chemikern (hier von franz.: coupelle, aus lat.: cupula, kleines Gewölbe)
- ein Tiegel aus Knochenasche zum Untersuchen von silberhaltigem Blei, in dem das Silber nach dem Schmelzen des Bleis zurückbleibt.
- ein Raum mit Abzugsvorrichtung für schädliche Gase und Dämpfe
Den Namen Kapelle tragen
- Heinz Kapelle (1913-1941) deutscher Widerstandskämpfer
Ähnliche Begriffe sind
- Rote Kapelle, eine Widerstandsorganisation
- Aix-la-chapelle, die französische Bezeichnung für Aachen
Kategorie:Kirchenbau
ja:チャペル
FußmaschineDie Fußmaschine dient dazu, die große Trommel am Schlagzeug mit dem Fuß zu spielen. Die Fußmaschine besteht aus einem Schlägel, der über eine Kette, die am Pedal befestigt ist, betätigt wird. Dieser Schlägel ist auf einer Achse gelagert, so dass er vor und zurück schwingen kann, also orthogonal zum Fell der Trommel.
Durch einen Tritt auf das Pedal wird der Schlägel auf das Fell geschlagen.
Wird das Pedal entlastet, sorgt eine Feder dafür, dass der Schlägel zurückschwingt.
Techniken
Beim Spielen gibt es zwei Techniken:
- Heel-down: Der gesamte Fuß liegt auf dem Pedal und es wird durch einen Druck mit dem Fußballen betätigt.
- Heel-up: Hier liegt nur die Fußspitze auf dem Pedal auf, und es wird das ganze Bein auf und ab bewegt.
Kategorie:Musikinstrument
Tom TomDas Tom Tom (auch einfach nur Tom) ist eine zylindrische, selten auch bauchige, einseitig oder häufiger beidseitig Fell-bestückte Trommel und gehört zum festen Bestandteil des Drumsets und zum Instrumentarium von Marching-Bands.
Der Kessel besteht meist aus Holz, selten auch aus Kunststoff, noch seltener aus Metall oder anderen Materialien. Eines der gegenwärtig populärsten Hölzer, die im Tom Tom-Bau Verwendung finden, ist Ahorn, das einen warmen, ausgewogenen und sustainreichen Klang bietet, sich sehr gut verarbeiten läßt, und von dem es üppige Ressourcen insbesondere in Nordamerika gibt.
Die Trommelfelle werden mit Spannreifen aus Metall, seltener aus Holz, aufgespannt und lassen sich – innerhalb gewisser Grenzen – tonal stimmen und im Straffheitsgrad dem bevorzugten Musikstil anpassen. Der typische Klang des Tom Toms lässt sich allgemein als mittenbetont bezeichnen.
Die geschichtliche Herkunft liegt im alten China, wo die Tom Toms – im Unterschied zur Moderne – meist einen bauchigen Korpus hatten und sich mitunter durch kunstvolle Verzierungen auszeichneten. In das Drumset integriert wurden die Tom Toms in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Das zeitgenössische Drumset ist bestückt mit einer individuell beliebigen Anzahl von Toms. Es gibt einen Standardaufbau, der drei Toms umfaßt.
Am Drumset unterscheidet man zwischen
- Hängetoms, die eine Halterung besitzen, an welcher sie einigermassen freischwingend aufgehängt werden können (siehe auch RIMMs), und
- Standtoms, die auf Standfüßen stehen, welche höhenjustierbar sind.
Die Industriemaße für Hängetoms liegen zwischen 8 und 16 Zoll, für Standtoms zwischen 14 und 18 Zoll. Es gibt diverse Unterschiede in der Tiefen-Abmessung.
Kategorie:Membranophon
Rockmusik
Eine thematische Sammlung der Artikel rund um den Themenbereich Rockmusik findet sich im
Portal:Rockmusik.
Rock dient als Oberbegriff für Musikrichtungen, die sich ab den 1950er-Jahren mit dem Aufkommen des Rock 'n' Roll entwickelt haben.
Rockband: Instrumente
Die schlichte Rock-Besetzung bestand zunächst aus einer oder mehreren akustischen oder elektrischen Gitarren, Bass und Schlagzeug, oft ergänzt durch Klavier, später durch Keyboards wie Hammondorgel, und ab Ende der 1960er-Jahre, auch Mellotron und vor allem Synthesizer.
Geschichte
Als erster Rock'n'Roll-Song gilt Bill Haleys Stück "Rock around the clock" aus dem Jahr 1954, als jedoch erster Rock-Song "Peter Gunn", Duane Eddy (g), 1958 (1). Das Lied "Rock around the clock" und viele andere Rock'n'Roll Lieder der 1950er Jahre entwickelten sich als "weiße" Kopie des afroamerikanischen Rhythm & Blues. Die Rockmusik jedoch als eine, ab den End-1950ern neue und "eigenständige, sich vom Rock'n'Roll unterscheidende Musikform" besitzt das wesentliche Unterscheidungsmerkmal, dass die Achtel "im Rock'n'Roll punktiert, dagegen in der Rockmusik mit lateinamerikanischer Gleichmäßigkeit gespielt" werden (2).
Rhythm & Blues]
Bekanntester Vertreter der 50er Jahre war Elvis Presley, der wohl den Anfang einleitete zu einer Musik, dessen Zielgruppe die Jugend war. Dies primär um sich von der "Erwachsenenwelt" abzugrenzen und auch um die erwachende Sexualität und Rebellionsgedanken zu manifestieren.
Zwei der wichtigsten Wegbereiter des Rock in den 1960er Jahren sind The Rolling Stones und The Beatles. Hier ist auch schon die erste Genre-Aufsplitterung zu beobachten, die später charakteristisch für die Rock-Szene werden sollte: Auf der einen Seite standen die britischen Beatles, "brave" Jungs, die in Anzügen mit Krawatte auftraten und eher zu melodischen, harmoniegeprägten Songs neigten und auf der anderen Seite die Stones, wilde Rocker, die durch Drogenexzesse und eher rauhen Sound auffielen. In der Tradition der Beatles sind dann auch jene Bands zu sehen, die später eher in die Kategorie Pop einzuordnen sind und jene, die versuchten, ihre technischen Möglichkeiten immer mehr zu erweitern, wie es die Beatles z.B. bei ihrem Album Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band vorexerziert hatten.
Gesellschaftlich war die Rockmusik in jener Zeit mehr als umstritten. Das Auftreten der Protagonisten mit langen Haaren und obszöner, lauter Musik galt als skandalös. Vertreter des Establishments versuchten, die Szene in eine satanistische Ecke zu drängen. Doch gerade diese Ablehnung trug wahrscheinlich wesentlich dazu bei, der Rockszene den Status des rebellischen und revolutionären zu geben, den sie bis in die 1970er behalten sollte und der seinen Höhepunkt in der Friedensbewegung gegen den Vietnam-Krieg fand. Rockmusik und Hippie-Szene sind hier fest miteinander verbunden. Eine gute Darstellung der damaligen Verhältnisse findet sich im Musical Hair, das vom Widerstand junger Amerikaner gegen den Krieg im Umfeld der Hippie-Szene handelt.
Widerstand
Parallel zu den friedensorientierten Hippies bestand eine Szene eher gewaltbereiter Rocker. Bekannt geworden ist hier vor allem das Umfeld der Hells Angels, eine gewaltsuchende ursprünglich amerikanische Motorrad-Gang, die bald international zahlreiche Ableger fand und dem Image des Rock nachhaltig schadete.
Die Zahl der erfolgreichen Rockmusiker explodierte Ende der 60er Jahre geradezu. Das führte zwangsläufig zu einer immer stärkeren Aufsplitterung der Szene in mehr und mehr unübersichtlich werdende Untergenres, eine Entwicklung, die dazu führte, dass bald jede Band mit etwas anderem Klangbild sofort ein eignes Genre für sich beanspruchte, verstärkt von der Musikindustrie, die aus marketingtechnischen Gründen daran Interesse hatte und hat.
Die beiden Hauptrichtungen der 1970er Jahre sind zum einen ein eher künstlerischer Ansatz, der sich in den Genres Art-Rock, Glam-Rock, Progressive Rock und dem aus der Szene erwachsenen Pop manifestiert. Wichtige Vertreter waren Pink Floyd, David Bowie, Elton John, Genesis oder die Roxy Music. Auf der anderen Seite existierte die noch rebellerische Szene, die auch zum Teil als Gegenbewegung zu dem als zu friedfertig verlachten Hippietum entstand. Dazu gehören die gesamte Punk-Bewegung und die Metal-Szene. Diese Richtungen schafften es auch weiterhin, zu provozieren und zu skandalisieren, während die oben genannten Stile den Sprung in die Gesellschaftsfähigkeit geschafft hatten. Wichtige Vertreter sind hier die Sex Pistols, Black Sabbath, AC/DC oder die Ramones. Natürlich gab es auch viele Interpreten zwischen diesen beiden Polen, weitere wichtige Namen sind Led Zeppelin, The Clash oder Velvet Underground.
Interessant zu dieser Zeit ist auch, wie der Rock sich andere Musikströmungen einverleibte und transformierte. Musikrichtuingen wie Jazz, Reggae oder Soul veränderten sich zusehends unter dem Einfluss der Musikindustrie. Ein gutes Beispiel hierfür ist Michael Jackson, der mit seinen Wurzeln in der Black Music eine sehr erfolgreiche Verbindung mit dem Rock einging.
Außerdem ist eine fortschreitende Digitalisierung der Musikproduktion zu beobachten. Zum einen lag das an Bands wie Pink Floyd, die in ihrem Drang zum Perfektionismus die Latte zur perfekt produzierten Platte immer höher legten aber auch an Avantgardisten wie Can (Band) oder vor allem Kraftwerk (Band), die durch den Drang zum Experimentieren einem kompletten Genre jenseits des Rock auf die Beine halfen: der elektronischen Musik.
Der Unterschied zwischen Pop und Rock wurde in der Folge dann in den 1980er Jahren sehr fociert, vor allem durch die Independent-Szene, die sich in der Tradition des Punk sah und von dem großen Mainstream der Musikindustrie abzusetzen versuchte. Hier entstand eine vielfältige und große Szene mit vielen Untergenres, die später im Laufe der 1990er in Alternative überging. Auch der Metal erlebte eine Hochzeit durch Gruppen wie The Scorpions, Iron Maiden, Motörhead oder Metallica. Und auch hier gilt das Prinzip der unüberschaubaren Zersplitterung. An der Schnittstelle zwischen Rock und Pop entstanden viele Bands, die prägend für dieses Jahrzehnt werden sollten: z.B. U2, R.E.M. oder The Cure.
Anfang der 1990er erlebte die Szene dann einen unerwarteten Schub durch den Erfolg der US-Grunge-Band Nirvana, die nach dem Experimentieren und Digitalisieren der 1980er den Rock wieder auf die klassische "Gitarre-Bass-Schlagzeug-3-Akkorde-Kombi" reduzierten und die gesamte Alternative-Szene der 90er nachhaltig prägten. In der Folge tauchten Bands wie Soundgarden, Pearl Jam oder die Smashing Pumpkins auf.
Das Fusionieren und Experimentieren trat dann erst wieder zum Ende des Jahrzehnts in den Vordergrund durch Interpreten, die Elemente aus der zu dieser Zeit Erfolge feiernde elektronischen Musik adaptierten wie z.B. Radiohead, Blur oder auch Nine Inch Nails.
Das neue Jahrtausend wurde dann durch eine um sich greifende Retrowelle geprägt. Bands wie The Strokes oder The White Stripes griffen auf für die 1960er Jahre typische Elemente zurück und transportierten sie zurück in die Charts, The Hives stehen auf den Schultern alter Punk-Größen, The Mars Volta machen als erste Band seit 30 Jahren wieder erfolgreich Proggressive Rock und die Bright Eyes klingen z.T. sehr nach dem jungen Bob Dylan. Ein stilistischer Einschnitt, das "nächste große Ding", lässt im Moment also etwas auf sich warten.
(1) Carlo Bohländer...: Reclams Jazzführer. 5., durchges. u. erg. Aufl., 2000, S. 417. - (2) Ebd.
Bekannte Rock-Festivals und -Konzerte
Bob Dylan
- Zwischen 1965 und 1971 fanden zahlreiche Rockkonzerte im Fillmore West (San Francisco) und Fillmore East (New York) statt
- 16.-18. Juni 1967: Monterey Pop Festival
- 5. Juli 1969: Freiluft-Konzert der Rolling Stones im Londoner Hyde Park
- 15.-17. August 1969: Woodstock Festival
- 6. Dezember 1969: Altamont- Musikfestival mit Hauptact Rolling Stones
- 1968 bis 1970: Isle of Wight Festival
- 1. August 1971: Konzert für Bangladesh
- 13. Juli 1985: Live Aid in London und Philadelphia
- Juli 1988: Anlässlich des 70. Geburtstages des zu jener Zeit seit 24 Jahren inhaftierten Nelson Mandela findet im Londoner Wembley-Stadion ein Benefiz-Festival statt.
- 12.&13. August 1989: Moscow Music Peace Festival im Moskauer Olympia-Stadion
- 21. Juli 1990: Nur wenige Monate nach dem Mauerfall wird Pink Floyds "The Wall" auf dem Potsdamer Platz in Berlin aufgeführt.
- 20. April 1992: Freddie Mercury Tribute Concert im Londoner Wembley-Stadion
- Seit 1971 findet in Dänemark jährlich das Roskilde-Festival statt
- Das größte Open-Air-Festival Europas ist das alljährlich Ende Juni stattfindende Glastonbury Festival
- Bekannteste Open-Air-Festivals in Deutschland sind Rock am Ring (Nürburgring, Eifel), Rock im Park (Nürnberg), die beide jährlich stattfinden und jeweils die selben Bands im Aufgebot haben, sowie das Southside-Festival am Bodensee mit den selben Bands wie sie am selben Wochenende wie beim Hurricane-Festival in Norddeutschland auftreten
- Die bekanntesten Metal-Open-Airs: Wacken Open Air, Bang Your Head, Summer Breeze und das Dynamo Open Air
- In der Schweiz sind insbesondere die jährlichen Festivals Gurtenfestival, OpenAir St. Gallen, Openair Gampel und Paléo Festival international bekannt und beliebt. Neu dazu gekommen ist 2005 auch das Greenfield Festival in Interlaken das sich vor allem auf Rockmusik konzentriert.
- Lollapalooza war in den Jahren 1991 bis 1997 sowie 2003 eine Festival-Tournee in den Kanada und den USA.
- Seit 1996 findet im bayrischen Rothenburg ob der Tauber das Taubertal Openair statt.
- Ebenfalls seit 1996 findet jährlich das von Ozzy Osbourne und seiner Frau initiierte Ozzfest statt.
- Über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt sind die Festivals im burgenländischen Wiesen (Burgenland) wie das Forestglade, Jazzfest oder Sunsplash.
- 29. November 2003: Unter dem Motto 46664 fanden seither mehrfach in Südafrika, aber auch in Madrid und Tromsø, Norwegen Konzerte zu Gunsten der HIV-infizierten Menschen im südlichen Afrika statt.
- 2. Juli 2005: In mehreren Städten weltweit finden die Live 8-Konzerte unter dem Motto „Make Poverty History“ statt.
Literatur
- Frank Laufenberg, Ingrid Laufenberg, Frank Laufenbergs Hit-Lexikon des Rock und Pop, Oktober 2002, Ullstein Tb., ISBN 3-5483-6362-8
- Christian Graf, Burghard Rausch, Rockmusiklexikon Europa, Bd. 1, Juli 2005, Frankfurt, Fischer Tb, ISBN 3-5961-6428-1
- Christian Graf, Burghard Rausch, Rockmusiklexikon Europa, Bd. 2, Juli 2005, Frankfurt, Fischer Tb, ISBN 3-5961-6429-X
- Christian Graf, Burghard Rausch, Rockmusiklexikon Amerika, Afrika, Asien, Australien, Oktober 2003, Frankfurt, Fischer Tb, ISBN 3-5961-5869-9
LängenmaßUnter einem Längenmaß versteht man eine Einheit zur Messung der Länge eines Körpers, einer Strecke oder Linie in einer Dimension (siehe Längenmessung).
International genormte Grundeinheit der Länge ist das Meter. Es ist die durch das Internationale Einheitensystem festgelegte gesetzliche Maßeinheit in den meisten Staaten und zudem auch eine SI-Basiseinheit. Von ihm sind weitere Einheiten abgeleitet. Durch Vorsätze (Präfixe) wird angegeben, mit welchem Faktor der Meter multipliziert werden muss, siehe Liste der Vorsilben für Maßeinheiten.
Definiert ist das Meter nicht mehr in Krypton-Wellenlängen, sondern über die Lichtgeschwindigkeit (im Vakuum c = 299 792 458 m/s), es hängt somit von der Definition der Sekunde ab.
Einheiten und Umrechnung
- Kilometer: 1 km = 1000 m = 103 m
- Hektometer: 100 m = 102 m
- Dekameter: 10 m = 101 m
- Meter: 1 m = 1000 mm = 100 m
- Dezimeter: 1 dm = 100 mm = 10-1 m
- Zentimeter: 1 cm = 10 mm = 10-2 m
- Millimeter: 1 mm = 1000 µm = 10-3 m
- Mikrometer: 1 µm = 1000 nm = 10-6 m
- Nanometer: 1 nm = 1000 pm = 10-9 m
- Picometer: 1 pm = 1000 fm = 10-12 m
- Femtometer: 1 fm = 1000 am = 10-15 m
- Attometer: 1 am = ... = 10-18 m
Die SI-Präfixe für mehr als 10³ werden aus Tradition üblicherweise nicht benutzt. Neben diesen Derivaten der SI-Grundeinheit Meter waren und sind zum Teil noch heute weitere Einheiten in Gebrauch, beispielsweise
- Linie ~= 2,2 mm (Pariser L., bis heute für Teilung von Libellen)
- Zoll 1 in = 1" = 2,54 cm (engl. inch)
- Fuß (engl. foot, Pl. feet), 1 ft = 12 in = 0,3048 m. Die globale Einführung des Fuß als Höhenmaß der Luftfahrt (um 1980) ist eigentlich ein Verstoß gegen die SI-Konvention
- Elle (Länge je nach Region und Epoche unterschiedlich)
- Klafter ~= 1,90 m (ausgestreckte Männerarme)
- Seemeile oder nautische Meile, 1 sm = 1,852 km (entspricht 1' Breitendifferenz in der Navigation)
- Meile 1 mi > 1 km (Landmeile, engl. Mile; Länge je nach Region und Epoche unterschiedlich) Heute am wichtigsten ist die Statute Mile der USA mit 1,609344 km.
- Werst 1066,8 m (Russland)
- Sun 1 sun = 1000/33 m (Japan)
- Astronomische Einheit 1 AE = 149,597870691 · 109 m, auch AU (mittl. Distanz Erde-Sonne)
- Lichtjahr 1 Lj = 9,460528 · 1015 m = 63240 AE, auch ly und lyr (in der Astronomie)
- Parsec 1 pc = 30,856776 · 1015 m = 206264,8 AE (in der Astronomie)
- Ångström 1 Å = 10-10 m (früher zur Angabe des Atomradius)
- Punkt 1 P = 0,375 mm, 1 p = 0,376 065 mm oder 1 pt = 0,352 778 mm = 1/72 in (im Druckereigewerbe)
- Stich (in der Schuhbranche), z. B. 1 franz. Stich = 2/3 cm
- Rute (landwirtschaftliches Längenmaß), Preußen: 1 R. = 3,7663 m, Sachsen: 1 R. = 4,2951 m
- Leuge (antikes keltisches Längenmaß), 2.220 m
- Stadion (antikes griechisches Längenmaß) = 600 Fuß, regional unterschiedlich zwischen 158,5 und 211 Meter.
Die auf dem Inch (") basierenden Einheiten Fuß (ft), Yard usw., die in der Beziehung zum Meter genormt sind, werden weiter im täglichen Leben in den USA verwendet. Die Wissenschaft ist schon längst zu den metrischen Einheiten übergegangen.
Siehe auch
- Flächenmaß, Raummaß
- Geschichte von Maßen und Gewichten, Alte Maße und Gewichte
- Größenordnung (Länge), Physikalische Größen und ihre Einheiten, Meterkonvention
- Lichtgeschwindigkeit
- Erdmessung
Weblinks
- [http://www.marco-burmeister.de/index_frameaufbau.html?helferlein_laengenmasse Umrechnung von Längenmaßen (Online)]
- [http://calc.skyrocket.de/de Online Einheiten Umrechner: Umrechnung sehr vieler Einheiten]
Kategorie:Einheitenumrechnung
Frequenzgang
Der Frequenzgang beschreibt das Verhalten eines linearen zeitinvarianten Systems (etwa einer Lautsprecherbox oder eines Filters in der Analogtechnik). Dabei wird die Ausgangsgröße mit der Eingangsgröße verglichen und abhängig von der Frequenz aufgezeichnet. Es wird dadurch quasi (im Falle der Audiotechnik) der Eigenklang des betrachteten Systems beschrieben. Das Verhältnis wird dabei meist durch Amplitude und Phase dargestellt. Beide Größen als Graph dargestellt bezeichnet man auch als Amplitudengang bzw. Phasengang (in Kombination auch Bode-Diagramm genannt). Werden beide Informationen zu einer komplexen Funktion zusammengefasst, spricht man auch vom komplexen Frequenzgang.
Häufig interessiert auch nur der Amplitudengang und wird dann schon allein als Frequenzgang bezeichnet.
Mathematische Herleitung
Der Frequenzgang (in der Schwingungstechnik häufig als Übertragungsfunktion bezeichnet) ist wohl die am häufigsten verwendete Funktion in der Signalanalyse. Er dient zur Beschreibung des dynamischen Verhaltens von Systemen, wobei in der Regel – bei Mehrfreiheitsgradsystemen – eine Frequenzgangmatrix notwendig ist, deren Elemente durch sämtliche mögliche Einzel-Frequenzgänge zwischen jeweils zwei Messpunkten bzw. Messrichtungen gebildet werden. In der Regel wird zur Systemidentifikation (Modalanalyse) als Eingangsgröße x(t) eine Kraft gewählt; als Ausgangsgrößen werden meist die aus der Krafterregung resultierenden Auslenkungen, Schwingschnellen oder Beschleunigungen herangezogen. Ist das dynamische Verhalten einer Struktur bekannt, so kann z.B. die Schwingungsantwort an jeder Messstelle aufgrund einer beliebig vorgegebenen Anregung an einer anderen Messstelle mit Hilfe des zugehörigen Frequenzganges bestimmt werden.
Die anschaulichste Beziehung zur Berechnung von Frequenzgängen lautet:
: , (1)
wobei X(f) und Y(f) die Fouriertransformierten des Eingangs- und des Ausgangssignals x(t) bzw. y(t) repräsentieren (s. Signalanalyse). Sie liefert jedoch nur unter idealen Bedingungen (s. unten) den exakten Frequenzgang H(f). In der Praxis sind Eingangs- und/oder Ausgangssignal mehr oder weniger verrauscht, so dass in der Signalanalysetechnik meist zwei andere Berechnungsverfahren eingesetzt werden, bei denen die Tatsache ausgenutzt wird, dass sich bei der Berechnung von Kreuzleistungsspektren nicht korrelierte Signalanteile herausmitteln. Die Beziehung
: , (2)
in der SXY das Kreuzleistungsspektrum und SXX das Autoleistungsspektrum des Eingangssignals repräsentieren, resultiert aus der Erweiterung des Quotienten in Gl. (1) mit der konjugiert Komplexen X - (f) der Fouruiertransformierten des Eingangssignals. Sie ist besonders geeignet, wenn die Eingangsgröße störungsfrei ermittelt werden kann. Durch Erweiterung mit der entsprechenden konjugiert Komplexen Y - (f) des Ausgangsspektrums erhält man
: (3)
(mit SYX(f) = S - XY(f)). Diese Berechnungsmethode ist immer dann angezeigt, wenn das Ausgangssignal y(t) störungsfrei vorliegt. Sind die beiden Signale x(t) und y(t) vollständig kohärent, so gilt:
: . (4)
Aus dem Quotienten H1(f)/H2(f) kann, wie aus Gl. (2) und (3) abzuleiten ist, die Kohärenz γ2YX(f) errechnet werden:
: . (5)
Die Fourier-Rücktransformierte des Frequenzganges ist die Gewichtsfunktion h(t), oft auch als Impulsantwort(funktion) bezeichnet:
:. (6)
Kategorie:Akustik
Kategorie:Digitale Signalverarbeitung
Kategorie:Elektronik
Kategorie:Elektrotechnik
Kategorie:Kommunikationstechnik
Kategorie:Nachrichtentechnik
GrundfrequenzDer Begriff Grundfrequenz, auch: Grundschwingung oder Grundton, ist ein Begriff aus der Schwingungslehre, Akustik bzw. Elektronik/Nachrichtentechnik. Unter Frequenz versteht man die Anzahl von Schwingungen pro Sekunde. Die Grundfrequenz ist die tiefste (unterste) Frequenz in einer komplexen Wellenform, also in einem Gemisch aus mehreren Schwingungen. Sieht man ein periodisches Signal als ein Signal an, bei dem sich ein bestimmtes Muster ständig wiederholt, so beschreibt die Grundfrequenz, wie häufig eine solche Muster-Wiederholung stattfindet.
In der Realität sind periodische Schwingung immer mit einem gewissen Anteil an Nebenwellen oder Oberwellen behaftet, dies trifft sowohl auf Schallwellen wie auch auf elektrische Signale zu.
Angewendet wird der Begriff der Grundfrequenz
- im Bereich der Signalverarbeitung bzw. Nachrichtentechnik, um das Verhalten und die Charakteristik von Schwingungen zu beschreiben.
- im Bereich der Musik, um zu beschreiben, mit welcher Tonhöhe ein musikalischer Ton eines Instruments von einem Zuhörer wahrgenommen wird.
- im Bereich der Mustererkennung, um Periodizitäten zu beschreiben.
Signalanalyse
Jedes Zeitsignal lässt durch die Überlagerung von sinusförmigen Schwingungen beschreiben (siehe auch Fourier-Transformation).
Periodische Signale sind nur aus Schwingungen zusammengesetzt, bei denen die Frequenz ein Vielfaches der Grundfrequenz beträgt. Bezeichnet man die Länge des sich immer wieder wiederholenden Musters der periodischen Schwingung als Periodendauer, so ergibt sich die Grundfrequenz aus dem Kehrwert dieser Periodendauer.
Die anderen höheren beteiligten Schwingungen, deren Frequenz ein Vielfaches der Grundfrequenz betragen, werden auch Oberschwingungen, Obertöne, Harmonische, Partialtöne, Teiltöne oder gar Verzerrung genannt.
Die Kenntnis der Grundfrequenz eines Signals ist für viele Verfahren der Nachrichtentechnik (zum Beispiel in der Sendetechnik) und Signalverarbeitung (zum Beispiel bei der Spracherkennung) wichtig.
Musik
Im Bereich der Musik beschreibt die Grundfrequenz die Tonhöhe, mit der ein Instrument wahrgenommen wird.
Zum Beispiel schwingt eine Gitarrensaite mit Frequenzen, deren Periode der doppelten Saitenlänge entspricht, aber auch mit Frequenzen, deren Periode der einfachen Saitenlänge, 2/3 der Saitenläge, der halben Saitenlänge usw. entspricht.
Die Schwingung mit der niedrigsten Frequenz (doppelte Saitenlänge) ist hier die Grundfrequenz, die anderen Schwingungen Oberschwingungen.
Es gibt aber auch musikalisch genutzte Klängen, bei denen eine Analyse der Zeitsignale keine feststellbare Periode ergeben würde. Z. B. besitzen Trommeltöne sehr starke Rauschanteile, selbst (unperiodisches) Schmalbadrauschen kann noch als musikalischer Ton genutzt werden. Allgemein wird musikalischen Klängen ein Grundton und damit eine Grundfrequenz zugeordnet, wenn ein Hörer diesem Klang eine Tonhöhe zuordnen kann.
Mustererkennung
Bei Verfahren zur Mustererkennung wird häufig nach Periodizitäten in Signalen gesucht, beispielsweise durch Autokorrelation. Auch hier gibt es den Begriff Grundfrequenz in einer eher erweiterten Form als Wiederholungshäufigkeit von Grundmustern.
(siehe auch: Wavelet-Transformation)
Bestimmung der Grundfrequenz in der Sprachsignalverarbeitung
Die Bestimmung der Grundfrequenz eines einzelnen Sprechers erscheint als eine einfache Aufgabe der Signalverarbeitung. In der Realität ist die Grundfrequenzbestimmung allerdings seit Beginn der Forschung in diesem Bereich Anfang des 20. Jahrhunderts ein ungelöstes Problem. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, die Grundfrequenz eines Sprechers zu bestimmen. Hunderte von Algorithmen zur Grundfrequenzbestimmung (GFB-Algorithmen) sind entwickelt worden. Hess (1983) gibt dazu die wohl umfassendste Übersicht zu diesem Thema und kommt zu dem Ergebnis, dass es den einen GFB-Algorithmus nicht gibt. Hess zählt die Grundfrequenzbestimmung „zu den schwierigsten Problemen der Sprachsignalverarbeitung“ und schließt mit der Bemerkung: „Keiner [der Algorithmen] funktioniert für alle Gegebenheiten einwandfrei“.
Hess führt fünf Gründe an, warum die Grundfrequenzbestimmung schwierig ist:
# Sprache ist nicht stationär. Die augenblickliche Artikulationsstellung des Vokaltraktes kann sich rasch ändern, was zu drastischen Änderungen in der zeitlichen Struktur des Signals führt.
# Aufgrund der vielen sinnvollen Artikulationstellungen des Vokaltraktes, sowie der Mannigfaltigkeit der menschlichen Stimmen, gibt es eine große Anzahl von Zeitstrukturen im Sprachsignal.
# Der Frequenzbereich, der zu untersuchen ist, umfasst bis zu vier Oktaven. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Umfang der Stimme vier Oktaven betrage, sondern das Spektrum der Formanten, welche zur Grundfrequenzbestimmung wichtig sind, sich über diesen Bereich erstreckt.
# Das Anregungssignal kann unregelmäßig sein.
# Sprachübertragungssysteme verzerren oder bandbegrenzen das Signal.
Der verwendete Bereich ist von Sprecher zu Sprecher unterschiedlich und hängt u. a. auch davon ab, ob der Sprecher einen Text vorliest oder frei spricht. Untersuchungen zeigen, dass bei gelesener Sprache der Grundfrequenzbereich von einer Oktave nicht überschritten wird.
Kategorie:Nachrichtentechnik
RhythmusRhythmus (vom griechischen rhythmós, abgeleitet wahrscheinlich von eryein (ziehen)) bezeichnet umgangssprachlich viele regelmäßige Abfolgen von (zumal akustischen) Mustern (die Ablaufphasen eines Verbrennungsmotors, die Abfolge von Jahreszeiten usw.).
Oder anders: Rhythmus ist eine periodische Abfolge eines Ereignisses oder eines Musters.
"Rhythmus" hat auch Spezialbedeutungen:
- in der Musik bezeichnet man mit Rhythmus die durch die Folge unterschiedlicher Notenwerte entstehenden Akzentmuster über dem Grundpuls – siehe Rhythmus (Musik);
- in der Volkswirtschaftslehre und Soziologie wurde der urgeschichtliche Zusammenhang des Rhythmus mit der Arbeit erschlossen (Karl Bücher: Arbeit und Rhythmus, Leipzig (Hirzel) 1904);
- die Chronobiologie befasst sich u.a. mit circadianen, ultradianen und weiteren biologischen Rhythmen;
- in der Poesie ist der Rhythmus im Gegensatz zur metrischen Konstanz der Versmaße die Abfolge von verschiedenen Akzentmustern (Versmaß), vgl. etwa den Hexameter.
- in der Linguistik ist der Rhythmus die zeitliche Gliederung der sprachlichen Rede – siehe Sprechrhythmus;
- in der lateinischen Dichtung des Mittelalters eine Textgattung, deren Versen statt der Silbenlänge der Wortakzent zugrunde liegt;
- in der Prosa ist der Rhythmus (numeri) als rhetorisches Mittel zum besseren Sprachfluss seit Thrasymachos von Chalkedon bekannt und wurde ausführlich von Cicero in seinem Orator behandelt. Mit dem Rückgang des quantitierenden Systems und der zunehmenden Bedeutung der Akzentuierung verlor der Prosyrhythmus jedoch an Bedeutung.
Rhythmik bezeichnet die Lehre vom Rhythmus, einen Rhythmiker nennt man einen Kenner der Rhythmik.
Rhythmik oder Rhythmisch-musikalische Erziehung ist eine künstlerisch-pädagogische Arbeitsweise, siehe Rhythmische Erziehung.
Siehe auch: Groove, Beat, rhythmische Äquivalenzklasse, Rhythmussection
Weblinks
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/249033.html www.wissenschaft.de: Das Gefühl Taktstruktur und Musikrhythmus ist nicht angeboren, sondern entsteht durch Gewöhnung]
Kategorie:Musiktheorie
Kategorie:Literarischer Begriff
Kategorie:Soziologie
ja:リズム
ko:리듬
TanzmusikAls Tanzmusik bezeichnet man Musik, zu der getanzt werden kann bzw. die für einen speziellen Tanz komponiert wurde. Was genau als Tanzmusik betrachtet wird, ist abhängig von sozialen, kulturellen und persönlichen Faktoren.
Die Frage, was als Tanzmusik bezeichnet werden kann, wird abhängig von zeitgeschichtlicher und nicht selten auch politischer Entwicklungen unterschiedlich beantwortet. Vielfach ähnelt moderne Tanzmusik den tranceartigen Rhythmen "primitiver" Kulturen. Manchmal ist eine Vermischung und ethnische Beeinflussung zwischen ursprünglicher Volksmusik und aktueller Tanzmusik zu beobachten, wie z. B. Bhangra, oder afrikanischstämmige Musik. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Weltmusik.
Aus heutiger Sicht zählt nur die Klassische Musik nicht zur Tanzmusik, wobei früher durchaus auch auf klassische Musik getanzt wurde z.B. in Form von Schreittänzen.
Unter Tanzmusik wird heute meistens der Gesellschaftstanz verstanden, der sich in Standardtänze und Lateinamerikanische Tänze mit den dazugehörigen Musikrichtungen gliedert. Letztere decken dabei - ergänzt um Rock 'n' Roll, Boogie-Woogie und Discofox - auch weitgehend die modernen Musikrichtungen ab. Musikrichtungen wie Hard Rock werden in der Regel nicht als Tanzmusik bezeichnet, was aber letztlich weniger eine Frage der Definition als des Geschmacks ist.
Aus Sicht des Tanzsportes gibt es ergänzende Qualitätsmerkmale für Tanzmusik, gerade wenn diese live von einer Kapelle gespielt wird:
- Die Musik sollte sauber gespielt und der dem jeweiligen Tanz eigene Rhythmus sollte deutlich sein.
- Die Musik sollte eine feste Geschwindigkeitsvorgabe einhalten, die in BPM gemessen wird.
- Der Takt sollte auch für unerfahrene Tänzer gut hörbar sein. Es gilt hier einen Kompromiss zwischen Deutlichkeit und rhythmischer Freiheit zu finden, da erfahrene Tänzer eher Musik verlangen in der sich der Takt nicht aufdrängt, so dass das der Tanz freier und damit auch anspruchsvoller interpretiert werden kann.
Siehe auch
Elektronische Tanzmusik
Weblinks
- Unter dem Link "Tanz und Musik" auf der Webseite des [http://www.schwarz-gelb-ac.de TSC Schwarz-Gelb Aachen] befindet sich eine exakte Beschreibung der Tanzmusik der Lateinamerikanischen- und den Standardtänzen (mit Noten und Musikbeispielen).
- [http://www.tanzmusik-online.de/index2.html Auflistung von populären Liedern nach Tanz]
Kategorie:Musikgenre
TechnoTechno ist der Name einer Stilrichtung der Musik, wird vielerorts als Sammelbegriff für verschiedene, miteinander verwandte Stilrichtungen verwendet und bezeichnet auch eine Bewegung der Jugendkultur, die vor allem in den 90er-Jahren von Bedeutung war.
Techno als Stilrichtung
Beschreibung
Der Musikstil Techno wird vor allem durch den 4/4-Takt und die Betonung jedes Viertels durch eine elektronische Bassdrum und eine (meist offene) Hi-Hat auf den ungeraden Achteln charakterisiert. Typische ergänzende Elemente sind geschlossene Hi-Hats auf allen Sechzehnteln und Snare Drums oder Handclaps auf jedem zweiten Viertel. Der Harmonielehre folgende Akkorde sind von untergeordneter Bedeutung, stattdessen wird mit einzelnen Klängen und deren Zusammenwirken experimentiert. Die Klangfarben gehören meist in den industriellen und metallischen Bereich. Die Kompositionen sind oft sehr monoton und progressiv aufgebaut.
Entstehung
Von Sala und Stockhausen zu Kraftwerk
Oskar Sala und Karlheinz Stockhausen gelten als die frühen Pioniere der elektronischen Musik. Ihre Ideen und Werke verbanden klassische Komposition mit Technologie. Ende der 60er und Anfang 70er waren sie Inspiration für die zeitgenössische Musik der Formation Kraftwerk aus Düsseldorf. Kraftwerk war stets auf der Suche nach der perfekten (positiven) Symbiose zwischen Mensch und Maschine und legten mit ihrem vierten Album "Autobahn" (1974) den Grundstein für den Musikstil Elektropop. Als besonders einflussreich auf die spätere musikalische Entwicklung gelten ihre Alben "Mensch-Maschine" (1978) und "Computerwelt" (1981), die schon teilweise die für Techno typischen minimalistischen, tanzbaren Elemente aufwiesen.
1982 veröffentlichte Afrika Bambaataa den Track "Planet Rock", in dem er die Melodie des Kraftwerk-Songs "Trans-Europe Express" verarbeitete. "Planet Rock" gilt heute als Klassiker des frühen Hip Hop, als Grundstein von Electro bzw. Electro Funk und förderte die Popularität von Kraftwerk in den Vereinigten Staaten.
Europäische Innovatoren
Der italienische Disco-Produzent Giorgio Moroder setzte bereits in den 70er-Jahren Synthesizer für repetitive Tanzrhythmen ein. Sein 1977 für Donna Summer produzierter Track "I Feel Love" gilt als Meilenstein in der elektronischen Tanzmusik.
Während bei Kraftwerk zu Beginn der 80er-Jahre eine längere kreative Pause folgte, leisteten andere europäische Bands und Produzenten weitere Pionierarbeit, die viele spätere Techno-Elemente vorwegnahm oder beeinflusste.
- Die Gruppen DAF und Front 242 prägten Anfang der 80er Jahre mit ihrem durch brachiale Bass-Sequenzerläufe bestimmten Sound einen Stil, der als EBM bezeichnet und oft als Vorläufer von Techno betrachtet wurde.
- Die Veröffentlichungen der Schweizer Formation Yello brachten Innovationen im Bereich des Samplings und ungewöhnliche Rhythmusstrukturen, die später vor allem europäische Techno-Produzenten beeinflussten.
- Der tanzorientierte Synthesizer-Pop der britischen Band Depeche Mode wird von den Detroiter Techno-"Erfindern" Derrick May, Kevin Saunderson und Juan Atkins regelmäßig als Einfluss genannt.
- Jean-Michel Jarre und Brian Eno leisteten in den 70er- und 80er-Jahren Pionierarbeit im Bereich melodiöser Synthesizer-Musik und war eine wichtige Inspirationsquelle für die späteren Techno-Abspaltungen Trance und Ambient (den Begriff hatte Eno geprägt).
- The Art of Noise aus Großbritannien experimentierte mit Geräuschen, Rhythmus-Samples und elektronischen Klängen.
House
In den 80er-Jahren entstand im Warehouse in Chicago der House, als Weiterentwicklung des 70er-Jahre Disco-Sounds. Die typische Single enthielt schon damals eine Version mit ausgedehnter Rhythmus-Passage (meist mit "Club Mix" betitelt). Der Warehouse-DJ Frankie Knuckles erkannte schnell die hypnotische und euphorisierende Wirkung dieser monotonen Zwischenstücke und begann damit, nur noch diese Teile der verschiedenen Schallplatten zu vermischen und den Rest der Songs wegzulassen. Die Club-Musik wurde rhythmischer, aber auch eintöniger.
Techno
Dieser neue Ansatz musikalischen Stils verbreitete sich schnell und wurde in Detroit von den Produzenten Juan Atkins, Derrick May und Kevin Saunderson aufgegriffen. Zusammen mit Richard Davies veröffentlichte Juan Atkins 1984 unter dem Namen Cybotron die Schallplatte "Techno City". Man erzählt, dass Atkins auf die Frage eines Musikjournalisten, wie man denn diesen Stil nennt, geantwortet habe: "Call it techno."
In Europa wurde der Begriff "Techno" zum ersten mal im Jahre 1982 von Andreas Tomalla (alias Talla 2XLC) verwendet. Der Frankfurter Musikliebhaber arbeitete Anfang der 80er in einem Plattenladen unter dem Frankfurter Hauptbahnhof. Dort sortierte er alle elektronischen Schallplatten unter einem von ihm gewählten Begriff ein: "Techno". Im Dezember 1984 gründete er den "Technoclub" in der Frankfurter City und gründete später das Label Suck Me Plasma, das vor allem durch seine Trance-Hymnen bekannt geworden ist.
Acid House
Bevor Techno zur Massenbewegung wurde, sorgte Ende der 80er erst noch ein neuer Musikstil für Aufsehen: Acid House, begleitet vom Smiley-Symbol. Mit dieser Ära wurde auch das Rauschmittel Ecstasy populär und sorgte vor allem in den europäischen Medien für eine Hysterie. Die Reaktionen waren strenge Polizeikontrollen und unzählige Razzien. Die Warenhäuser nahmen aus Angst vor Image-Schäden sämtliche Smiley-Artikel aus dem Sortiment und große Radiostationen weigerten sich, Acid-House-Produktionen zu spielen, auch wenn diese in den Top Ten waren. Die Folge dieses Boykotts war das schnelle Verschwinden der Acid-House-Szene.
Weiterentwicklung
Nach dem schnellen Untergang der Acid-House-Ära kam zu Beginn der 90er-Jahre Techno und verbreitete sich in Europa so schnell, dass dasselbe Schicksal wie bei Acid House schon nach kurzer Zeit nicht mehr denkbar war.
Veröffentlichungen wie "Das Boot" von U 96 (1991), "James Brown Is Dead" von L. A. Style und "Don’t You Want Me" von Felix (1992) waren erste Charterfolge von Produktionen, die sich an Techno orientierten. Auf die Massen ausgerichtete Kreuzungen zwischen Techno, House und Pop entstanden und wurden unter dem Begriff Dance verbreitet. Bekannte Vertreter waren 2 Unlimited und Culture Beat.
In der Techno-Szene entdeckte man in dieser Zeit den TB-303 wieder, den kleinen Synthesizer, der für den charakteristischen Klang von Acid House verantwortlich gewesen war. Acid Techno entstand. Parallel dazu begannen Produzenten und Komponisten wie Harald Blüchel und Paul van Dyk die neuen Techno-Strukturen mit harmonischen Akkorden und Melodien zu verbinden: der Trance entstand und wurde zu einer Abspaltung der Techno-Kultur. In Amsterdam, Rotterdam und Frankfurt entwickelte sich währenddessen mit Hardcore Techno/Gabber das genaue Gegenteil und die vollständige Entfernung von allem, was mit Harmonielehre zu tun hat.
Die Vereinigten Staaten hatten zwar mit House und dem Detroit Techno den Grundstein gelegt, spielten jedoch in der weiteren Entwicklung nur eine kleine Rolle. Während sich in Europa eine enorme Stilvielfalt entwickelte und Techno zur kulturellen Bewegung wurde, spielte sich die Szene in den USA weiterhin vor allem im Untergrund ab und die Musik blieb nahe bei ihren klanglichen Wurzeln (siehe z. B. Underground Resistance, Steve Stoll und Damon Wild). Auch waren die Erfolge der amerikanischen Produzenten in Europa größer als in ihrem eigenen Land und so zogen einige von ihnen um (z. B. Jeff Mills nach Berlin).
In Deutschland entstanden zu Beginn bis Mitte 90er-Jahre regional typische Sounds - meist geprägt durch bestimmte Plattenlabels, so z. B. der "Sound of Frankfurt" vor allem durch Harthouse, Eye Q und später auch durch 23 Frankfurt und Frankfurt Beat Productions. In Berlin war der Tresor Club mit seinem eigenen Label und Produzenten wie Jeff Mills, Daniel Bell und Joey Beltram für härtere Sound wegweisend, im Trance-Bereich war es vor allem MFS und für Rave-Sound Low Spirit (von Westbam). Populärer Acid Techno kam aus Köln (mit dem Produzentenkreis um Wolfgang Voigt und Dr. Walker), Essen mit Important Records und Hamburg (Noom Records).
1994 schafften es erste Trance-Produktionen in die Charts und es wurden vermehrt Pop-Songs veröffentlicht, deren Geschwindigkeit und Rhythmus sich an Techno orientierte (z. B. Dune und Scooter). Selbst in der volkstümlichen Musik wurden immer häufiger harte elektronische Bassschläge auf die Viertel verwendet.
Zur selben Zeit entwickelte sich aus Detroit kommend eine weitere Stilrichtung des Techno, der sogenannte Minimal Techno. Prägend waren dabei vor allem Robert Hood mit dem Album Minimal Nation, Terrence Dixon mit seinem Label Utensil Records sowie der aus Toronto stammende Richie Hawtin.
Während in den Niederlanden vor allem harter Techno und in Deutschland vor allem Trance und Acid populär waren, fand ab Mitte bis Ende der 90er ein Wechsel statt. In den Niederlanden entstand der Dutch Trance mit DJ Tiesto als einer der führenden Figuren und in Deutschland erfreuten sich der durch Chris Liebing geprägte Progressive Techno als auch der Schranz immer größerer Beliebtheit.
Produktion
Da Techno mit Hilfe von elektronischen Geräten erzeugt wird, ist es nicht nötig, dass der Komponist ein klassisches Instrument (wie z. B. Klavier) beherrscht. Vor allem die Verwendung von Computern und Sequenzern zur Steuerung von Tasteninstrumenten hat Techno den Ruf von "Billigmusik" eingebracht. Vielerorts wurden Ausdrücke wie "Plastikmüll" oder "Elektroschrott" verwendet. Trotzdem gibt es viele Musiker, die sich der Techno-Produktion über künstlerische Aspekte und intellektuelle Betrachtungsweisen genähert haben. Herkömmliche Song-Strukturen wurden über Bord geworfen und durch neue Ideen ersetzt. Eine wichtige Rolle hierbei spielten unter anderem die Plattenlabel R & S, Mille Plateaux und Warp mit Produzenten wie Cristian Vogel, Wolfgang Voigt und Richard D. James.
Bei der Produktion ist der Drumcomputer von essentieller Bedeutung. Geräte mit möglichst elektronisch klingender Perkussion werden üblicherweise bevorzugt. Kultstatus haben der TR-808 und der TR-909 von Roland erreicht, deren Produktion aber bereits vor dem eigentlichen Techno-Hype eingestellt worden war. Daher haben sie einen entsprechend hohen Wiederverkaufswert.
Bei den Synthesizern sind vor allem analoge Geräte beliebt, weil diese nicht so "rein" und "sauber" klingen wie die digitalen Varianten und eine sehr große Bandbreite an Klangvariationen und –modulationen per Drehregler (sogenannte "Knobs") ermöglichen. Beliebte Geräte sind bzw. waren z. B. TB-303 und Juno 106. Um die Modulationsmöglichkeiten mit den Vorzügen der digitalen Geräte zu verbinden, wurden sogenannte "virtuell-analoge" Geräte entwickelt. Bekanntes Beispiel ist der Clavia Nord Lead.
Durch die Techno-Bewegung wurden einige Synthesizer-Firmen sogar dazu bewogen, wieder Modularsysteme (wie z. B. den A-100 von Doepfer) in ihr Programm aufzunehmen, die eigentlich nur noch historische Bedeutung gehabt hatten.
Ab Mitte der 90er-Jahre fand eine zunehmende Verlagerung auf den Computer statt. Während er zu Beginn noch als reiner Sequenzer zur Steuerung der anderen Geräte über MIDI verwendet worden war, brachte die zunehmende Leistungsfähigkeit der PCs die Möglichkeiten des Harddisk Recordings. Sampler wurden durch Computer ersetzt. Software-Firmen begannen mit der Entwicklung und dem Verkauf von Programmen, die schon Tausende von fertigen Bestandteilen (Rhythmuspassagen, Melodiesequenzen etc.) beinhalteten, die über eine einfache Bildschirm-Darstellung miteinander kombiniert werden konnten. Dieses Puzzle-Prinzip führte im Internet zu einer hohen Flut an Amateurproduktionen auf bescheidenem Niveau. Der nächste Entwicklungsschritt folgte mit virtuellen Synthesizern, mit denen sich per PC ein echter Hardware-Synthesizer simulieren lässt. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Reaktor-Software.
Techno als Sammelbegriff
Der Begriff Techno stand anfangs als Synonym für verschiedene elektronische Musikstile wie Electro Pop (Techno Pop), Electronic Body Music oder Electro Wave (Techno Wave).
Elektronische Musik mit regelmäßiger Bassdrum
Seit Anfang der 90er ist mit Techno meist die Gesamtheit aller Musikstile gemeint, die auf den 4/4-Rhythmus basieren und durch Bassdrums betonte Viertel aufweisen und aus der Techno- oder House-Bewegung heraus entstanden sind.
Unter den Überbegriff Techno gehören in dieser Hinsicht folgende Untergenres:
- Detroit Techno, die eigentliche Urform aus Detroit
- Acid Techno, eine härtere Weiterentwicklung des Acid-House-Sounds
- Minimal Techno, eine minimalistische, experimentelle Richtung
- Tech House, eine Mischung zwischen Techno und House-Elementen
- Trance mit den Untergenres Hardtrance, Progressive Trance etc.: eine sphärische, melodische Version des Techno, die von Flächenklängen dominiert wird
- Goa, eine psychedelische Verbindung aus Acid Techno und Trance-Elementen
- Hardcore Techno mit Untergenres Gabber und Speedcore: sehr schnelle, von verzerrten Beats und Klängen dominierte Techno-Varianten
- regionale Ausprägungen wie Schranz
Abgrenzung von House
Es ist häufig schwierig, die Familie der Techno-Richtungen und House voneinander abzugrenzen. Beide Musikrichtungen basieren auf ähnlichen Grundelementen. Da Techno seine Wurzeln im House hat und sich beides weitgehend innerhalb derselben Szene entwickelte, sind auch vielfältige Mischformen, wie etwa Tech House, Hard House oder Progressive House anzutreffen und an manchen Orten kommt House sogar die Bedeutung des Überbegriffs für sämtliche Techno- und House-Richtungen zu.
Dennoch wird normalerweise zwischen Techno und House unterschieden. Häufig wird die Unterscheidung anhand folgender Kriterien vorgenommen:
- House ist meist langsamer (110 bis 125 BPM)
- House besitzt oft einen Rhythmus mit punktierten Sechzehnteln (am Funk orientiert), Techno enthält dagegen meist gerade Sechzehntel und klingt somit maschineller und technischer
- Während bei Techno elektronische Sounds und Klangexperimente im Vordergrund stehen, trifft man bei House traditionelle Instrumente an
- Bei Techno ist meist der Einfluss von Industrial hörbar, während House stärker an die Disco-Musik der 70er erinnert.
Elektronische Musik
Fasst man den Begriff noch weiter, kann man unter "Techno" die Gesamtheit der tanzbaren Musik mit ausgeprägt elektronischem Charakter (elektronische Tanzmusik) verstehen. Dazu gehören dann auch Stilrichtungen mit unregelmäßigen Rhythmen und Rhythmus-Experimenten. Die Entwicklungsgeschichte dieser Genres hat zwar zum Teil denselben Ursprung, lief aber zum Großteil parallel und unabhängig zur Entwicklung der eigentlichen Rave-Kultur. Es kommt allerdings häufig vor, dass Produzenten elektronischer Musik in der gesamten Spannbreite tätig sind (z. B. CJ Bolland und Cristian Vogel) und so die Grenzen verwischen.
Folgende Untergenres komplettieren das Feld:
- Electro
- Electronica/Intelligent Dance Music (früher manchmal auch "Intelligent Techno" genannt)
- Drum'n'Bass
- Big Beat
- 2Step
Ferner wird von einigen Leuten "Techno" auch als Synonym für elektronische Musik verwendet. Diese Anwendung des Begriffs wird jedoch der enormen Genre-Vielfalt nicht gerecht, zumal man heute in fast jeder Stilrichtung elektronische Einflüsse finden kann.
Techno als Kultur
Nach dem Personenkult in der Rock-Szene gab es viele Musiker, die sich von diesem Star-Gehabe entfernen wollten. Die gesamte Aufmerksamkeit sollte der Musik gelten und nicht dem Musikproduzenten. Viele Künstler verwendeten für unterschiedliche Veröffentlichungen auch unterschiedliche Namen und verhinderten so, dass sie als Personen bedeutend wurden.
Stattdessen wurde der Disc-Jockey zum Held der tanzenden Menge. Auffallende Persönlichkeiten wie Sven Väth standen schnell im Mittelpunkt. Trotz der eigentlichen Absicht und den Bemühungen der Urväter, entstand schnell eine Szene mit einem Personenkult, der den früheren Rock-Stars in nichts nachstand.
Veranstaltungen
Mit den Ursprüngen der Techno-Bewegung sind vor allem dunkle Keller mit wenig Einrichtung, leerstehende Lagerhallen und alte Fabrikgelände verbunden. Die Örtlichkeiten, genannt Techno Clubs, hatten Namen wie Tresor, Stammheim, Bunker oder E-Werk - meist nach ihrem früheren Zweck benannt. Mit dem sehr schnellen Wachstum der Szene gab es immer häufiger große Veranstaltungen - sogenannte Raves. Schnell wurde das kommerzielle Potenzial der Szene entdeckt und ausgeschöpft. Großanlässe wurden von namhaften Firmen gesponsert und fanden in modernen Messehallen statt. Neben den Tanzflächen bzw. -hallen (sogenannte "Floors") wurden weite Bereiche für Merchandising genutzt oder an Verkäufer (DJ-Bedarf, Mode usw.) vermietet. Unzählige Jungunternehmer versuchten als Veranstalter Fuss zu fassen, um an "das große Geld" zu kommen. Konkurrierende Raves warben sich gegenseitig die Besucher ab und es häuften sich Pressemitteilungen über Organisatoren, die mit unlauteren Mitteln arbeiteten.
In ihren Anfängen war die Szene durch individuelles Auftreten und ausgefallene Bekleidungsideen geprägt. Beliebte Themen waren Plastik-Ästhetik, verschiedene Fetisch-Stile, 70er-Jahre, Second-Hand-Optik, Retro-Sportkleidung und Science Fiction. Nach 1992 entwickelten sich daraus erste kommerzielle Mode-Trends, die von der Bekleidungsindustrie aufgegriffen und unter dem Begriff "Clubwear" angeboten wurden. Bei Clubwear handelt es sich seitdem immer öfter um teure Markenartikel, kombiniert mit einer ganze Palette an Accessoires. Entsprechend nahm die Vereinheitlichung der getragenen Clubwear immer mehr zu. Gegen Mitte der 90er trugen viele Partygänger bei den großen Raves einen Einheitslook aus weißen Handschuhen, Schnullern, Trillerpfeifen, langen Zipfelmützen, hohen Hüten und Hosen mit Schlag. Auf kleineren Parties in den Clubs sah es etwas anders aus; viele Techno-Clubgänger versuchten sich durch individuellere und innovativere Kleidung abzugrenzen, jedoch wurde auch vermehrt oft auf die neuen Markenprodukte zurückgegriffen.
Es entwickelten sich unterschiedliche Dresscodes für die verschiedenen Unterbereiche der Szene. So kleidete sich zum Beispiel der typische Raver anders als der typische Gabber-Anhänger, aber es blieben doch immer einige Grundzüge erkennbar. Es gibt auch heute noch Locations, an denen man die klassischen Clubwear-Styles trägt (Schlaghosen und Shirts mit auffälligen Mustern und Farben, schrille Farben werden dabei bevorzugt, des Weiteren Zubehör wie Gürtel, Arm- und Halsbänder, Ringe und UV-Gel. Knicklichter - auch als "Glowsticks" bezeichnet - werden beim Tanzen benutzt um Figuren darzustellen), im großen und ganzen kann man heute allerdings nicht mehr von einer eigenen Techno-Clubwear sprechen.
Externe Links zu Abbildungen:
[http://www.deecom.de/commerce/out/oxbaseshop/html/0/dyn_images/1/4375_p1.jpg Schlaghosen] | [http://www.deecom.de/commerce/out/oxbaseshop/html/0/dyn_images/1/5188_p1.jpg Shirts] | [http://www.deecom.de/commerce/out/oxbaseshop/html/0/dyn_images/1/4256_p1.jpg Arm- und Halsbänder] | [https://ssl.kundenserver.de/s71587631.einsundeinsshop.de/sess/utn;jsessionid=1542056336af445/shopdata/smimages/10/detail_LS15high_240x370.jpg Knicklichter]
Design
Auch im Design, insbesondere im Grafikdesign, entwickelte die Techno-Kultur bald eine eigene Sprache, die bereits zu Beginn der 90er Jahre Eingang in andere Kulturbereiche fand. Der Ursprung dieser Welle war die Gestaltung der Flyer, der "Programmzettel" der Techno-Veranstaltungen und Techno-Clubs. Diese waren zu Beginn zwar noch mit wechselhaften, ausgefallenen Motiven bedruckt, bald bildete sich jedoch ein eigener Stil mit eigenen Schrifttypen heraus. Zunächst wurden dabei aufwendige Computeranimationen mit typisch synthetischen Farben (z.B. grelle Neontöne) bevorzugt, begleitet von Schrifttypen, die eckige, ebenfalls technisch-"computerhafte" Formen aufwiesen.
Parallel dazu entwickelte sich ein minimalistischer Stil, in dem die Gestaltungselemente auf ein Minimum heruntergefahren wurden und in denen Schwarz-Weiß und nur zwei- oder dreifarbige Gestaltungen eine Rolle spielten; die Schrifttypen dieser Bewegung waren ähnlich simpel wie die früherer Computer. Auch gab es Richtungen, die sehr eignene Design-Stile entwickelten, wie etwa die Hardcore-Techno-Sparte, die sich am Design von Horrorfilm-Kinoplakaten und Horror-Comic-Bereich orientierten, oder die vom "psychedelischen" Design der 60er Jahre beeinflusste Psytrance-Bewegung.
Ab etwa 1995 vervielfältigten sich die Stilformen im Techno-Design allerdings deutlich; es wurden zudem vermehrt "Retro"-Elemente eingebaut, die an frühere Epochen erinnern.
Drogen
Kritiker meinen Designerdrogen wie Ecstasy und Amphetamine seien untrennbar mit der Techno-Szene verbunden. Die Menge an illegalen Substanzen, die Behörden bei Razzien an Techno-Partys Anfang der 90er beschlagnahmt hatten, löste in den Medien eine hitzige Debatte aus. Vielerorts erhob sich der Eindruck, dass es kaum nüchterne Raver gäbe. Infolgedessen begannen Vereine und Veranstalter mit Aufklärungskampagnen über die Risiken und Gefahren der Designerdrogen, richteten an Großveranstaltungen Informationsstände ein und verteilten Merkblätter. Mit der zunehmenden Popularität und Chartpräsenz von Techno-Veröffentlichungen ebbte das Thema nach und nach ab.
Wichtige Vertreter
Bekannte Clubs
- Berghain / Panorama Bar (Berlin)
- Cocoon Club (Frankfurt am Main / Ibiza)
- Cyberhouse (Hanomag-Gelände Hannover)
- Distillery (Leipzig)
- Dorian Gray (Frankfurt am Main)
- Hacienda (Manchester)
- Fuse Club (Brüssel)
- Maria am Ostbahnhof (Berlin)
- Omen (Frankfurt am Main)
- Supermarket (Zürich)
- Club Q (Zürich)
- Oxa (Zürich)
- Rohstofflager (Zürich)
- Stammheim (Kassel)
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