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| Großgemeinde |
GroßgemeindeGroßgemeinde ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Gemeinde, die im Rahmen einer Gebietsreform aus mehreren selbständigen Gemeinden gebildet wird. Meist handelt es sich um Gemeinden mit einer großen Fläche, weshalb sich vielerorts die Bezeichnung "Großgemeinde" eingebürgert hat.
Gelegentlich tauchen auch Begriffe wie "Retorten-Gemeinde" oder "Kunst-Gemeinde" auf, insbesondere wenn die Zusammenfassung mehrerer Gemeinden von der Bevölkerung ungewünscht ist und als widernatürlich empfunden wird. Gelegentlich ist es auch wieder zur Auflösung solcher Gemeinden gekommen, etwa bei der Stadt Lahn (Gießen/Wetzlar u.a.), welche nach heftigen Protesten der Bevölkerung (besonders der Wetzlarer) 1979 wieder aufgehoben wurde.
Die Großgemeinden haben ebenso wie einzelne Gemeinden eine einheitliche Gemeindeverwaltung und -leitung (Gemeinderat und Bürgermeister). Die Großgemeinde ist Rechtsnachfolger ihrer vormals selbstständigen Gemeinden und tritt mit dem Zusammenschluss in alle Rechte und Pflichten der bisherigen Gemeinden ein. In Deutschland handelt es sich rechtlich bei "Großgemeinden" um Einheitsgemeinden.
In besonderen Fällen wurden Großgemeinden auch das Recht zuerkannt, sich "Stadt" nennen zu können. Dies ist von der jeweiligen Kommunalverfassung oder der Gemeindeordnung des Landes abhängig und beruht oft auf den bestehenden Stadtrechten eines oder mehrerer bisheriger Gemeinden. Doch können auch neue Großgemeinden, deren Ortsteile keine Stadtrechte besaßen, zu "Städten" erhoben werden (z.B. Stadt Rheinstetten in Baden-Württemberg).
Auch in Österreich gibt es die Form der Großgemeinden, die aus einzelnen Katastralgemeinden bestehen. Es können zum Teil schon zusammengewachsene Gemeinden seit vielen Jahren sein. Die letzten Gemeindereformen waren in Österreich meist in den 1970er-Jahren. Einige dieser auch kleinen Gemeinden sind auch wieder auseinander geteilt worden, beispielsweise Stratzing und Lengenfeld in Niederösterreich.
Kategorie:Kommunalrecht
Kategorie:Raumplanung
GemeindeDer Begriff Gemeinde (von althochdeutsch gimeinida) bezeichnet ein gesellschaftliches Gebilde ähnlich einer Gemeinschaft. Meist hat aber eine Gemeinde einen höheren Organisationsgrad. In früheren Zeiten war darunter eine Personalkörperschaft zu verstehen. Zur Gemeinde gehörte eine Person, wo auch immer sie gerade ansässig war. Deshalb sind Kopfzahlen einer Gemeinde vor etwa 1800 nicht mit den heutigen Einwohnerzahlen vergleichbar.
Gemeinde wird heute gebraucht:
- als allgemeine Bezeichnung für Ortschaft, Stadt, Großgemeinde oder Dorf.
- für die unterste Verwaltungseinheit (Gebietskörperschaft) eines Staates (für Deutschland siehe hierzu auch Gemeindearten in Deutschland) oder die Gesamtheit ihrer Einwohner.
- in der Schweiz als allgemeine Bezeichnung für die unterste politische Organisationsebene im Gegensatz zu Eidgenossenschaft, Kanton und Bezirk. Man spricht dann von der Politischen Gemeinde (auch Munizipalgemeinde, Einwohnergemeinde). Daneben existieren noch vereinzelt Zivilgemeinden als Träger der Dorfgerechtigkeiten. Sie werden auch Ortsgemeinden, Ortsbürgergemeinden bzw. Burgergemeinden oder Korporationen genannt. Die Schulgemeinden und Kirchgemeinden erfüllen spezielle Zwecke und verfügen zwar über einen Einflusskreis, nicht jedoch über ein Territorium. In früheren Zeiten waren die Armengemeinden von den Politischen Gemeinden getrennt. Siehe auch: Gemeinden der Schweiz
- in Österreich als Bezeichnung für die kleinste politische und auch verwaltungstechnische Einheit. Rechtlich ist eine kleine der großen Gemeinde gleichgestellt (Prinzip der abstrakten Einheitsgemeinde). Ausgenommen davon sind lediglich die Städte mit eigenem Statut (Statutarstädte). Neben der Staatsbürgerschaft ist nur der Wohnsitz in einer bestimmten Gemeinde maßgebend für das Wahlrecht. Es gibt auch Vereinigungen mehrerer politischen Gemeinden zu Zweckverbänden, die dann teilweise auch als Gemeinde bezeichnet werden, beispielsweise eine Schulgemeinde. Siehe auch: Gemeinde (Österreich)
- als Bezeichnung für die Einwohnerschaft eines lokal begrenzten Gebietes, dem keine politische Verwaltungseinheit direkt entspricht, insbesondere in ihrer Organisationsform als Gesellschaft oder Verein (Beispiel: Stadtteilgemeinden in Marburg)
- als Bezeichnung für eine lokal tätige Religionsgemeinschaft wie beispielsweise die christliche Kirche als Kirchengemeinde, Kirchgemeinde oder die Gesamtheit ihrer Mitglieder.
- als Bezeichnung für die Anhängerschaft eines Künstlers (Gemeinde des Dichters).
Siehe auch
- Gemeinde (Frankreich)
- Gemeinde (Österreich)
- Kommune
- Gemeindeordnungen in Deutschland
- Ortsfamilienbuch
- Gemeindedualismus
- Kommunalverwaltung
Literatur
- Georg Weber, Renate Weber (Hrsg.): Zugänge zur Gemeinde. Böhlau, Köln 2000, ISBN 3-412-05798-3
Weblinks
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D10261.html Artikel Gemeinde] im Historischen Lexikon der Schweiz
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Kategorie:Politische Geographie
Kategorie:Kommunalpolitik
Kategorie:Körperschaft des öffentlichen Rechts
ja:政令指定都市
zh-cn:直辖市
zh-tw:直轄市
Lahn (Stadt)Die (Großgemeinde) Stadt Lahn wurde zum 1. Januar 1977 im Zuge der hessischen Kommunalreform als kreisfreie Stadt gebildet. Sie hatte ca. 156.000 Einwohner und war gleichzeitig Verwaltungssitz des damals durch Vereinigung des Dillkreises mit den Landkreisen Gießen und Wetzlar neu gegründeten Lahn-Dill-Kreises. Die Stadt umfasste die frühere kreisfreie Stadt Gießen, die Stadt Wetzlar sowie 14 weitere umliegende Gemeinden, bestand allerdings nur bis 31. Juli 1979.
Stadtgliederung
Abweichend von den Regelungen der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) war das Stadtgebiet, in Anlehnung an die nordrhein-westfälische Kommunalverfassung, in Stadtbezirke unterteilt.
Lahn besaß 23 Stadtteile in sechs Stadtbezirken:
- Stadtbezirk Gießen (73.600 Einwohner)
- Gießen
- Klein-Linden
- Rödgen
- Wieseck
- Stadtbezirk Wetzlar (49.600 Einwohner)
- Wetzlar
- Blasbach
- Garbenheim
- Hermannstein
- Nauborn
- Naunheim
- Steindorf
- Stadtbezirk Wettenberg (10.400 Einwohner)
- Krofdorf-Gleiberg
- Launsbach
- Wißmar
- Stadtbezirk Lahntal (7.800 Einwohner)
- Atzbach
- Dorlar
- Waldgirmes
- Stadtbezirk Dutenhofen (8.100 Einwohner)
- Allendorf
- Dutenhofen
- Lützellinden
- Münchholzhausen
- Stadtbezirk Heuchelheim (7.100 Einwohner)
- Heuchelheim
- Kinzenbach
Widerstand und Auflösung
Hessens damaliger Ministerpräsident, der Gießener Albert Osswald (SPD), hatte die neue Großstadt noch als »Jahrhundertwerk» bezeichnet. Sie sollte die mittelhessische Region gegenüber den beiden Zentren Frankfurt und Kassel aufwerten. Doch aufgrund des heftigen Widerstands in der Bevölkerung, besonders in Wetzlar, gegen den Zusammenschluss wurde die Stadt zum 31. Juli 1979 wieder aufgelöst. Seither besteht das ehemalige Stadtgebiet aus den wieder entstandenen Städten Gießen und Wetzlar sowie den 3 Gemeinden Heuchelheim, Lahnau und Wettenberg. Der Lahn-Dill-Kreis blieb erhalten, wurde jedoch um das Gebiet des wieder gegründeten Landkreises Gießen verkleinert. Danach wurde Wetzlar Kreisstadt des Lahn-Dill-Kreises und Gießen Kreisstadt des wieder gegründeten Landkreises Gießen.
Nicht nur die Abneigung der Bevölkerung vor allem im Stadtteil Wetzlar gegen die Stadt Lahn war ein Grund für die kurze Lebensdauer der künstlichen Großstadt. Im Gegensatz zu vielen anderen vereinten Städten bestand keine eindeutige zentrale Orientierung. Lahn hatte zwei Stadtkerne, die nebeneinander existierten und konkurrierten. Lahn-Gießen war Verwaltungs- Universitäts- und Einkaufszentrum, während Lahn-Wetzlar Einkaufszentrum und touristisches Ziel war. Die beiden Kerne lagen etwa 15 km auseinander, dazwischen (heutige Gemeinden Heuchelheim und Lahnau) lagen eher dünn besiedelte Bereiche mit dörflich geprägten Ortsteilen. Dies alles machte eine Vernetzung und Differenzierung der Funktionen sehr schwierig.
Seitens der Einwohner von Wetzlar bestand die Befürchtung, vom seinerzeit größeren Gießen strukturell erdrückt zu werden und zu einer »Schlafstadt« zu verkommen. Schon die Postanschrift bestärkte dieses Gefühl: Briefe nach Gießen wurden mit »Lahn 1« codiert, Briefe nach Wetzlar mit »Lahn 2«. Die Stadtteile zwischen Gießen und Wetzlar wären mittelfristig durch eine starke Ausweitung der Bauflächen ihres Charakters beraubt worden und hätten durch die verschärfte Verkehrssituation entlang der Bundesstraße 49 und der Bahnlinie eine starke Belastung erfahren.
Auch die Wahl des Stadtnamens »Lahn« wurde rückblickend als wenig glücklich empfunden: Zunächst war die Kombination »Gießen-Wetzlar« geplant gewesen, später fiel die Wahl auf »Lahn«, damit die beteiligten Dörfer ihren Namen anhängen konnten. Viele Bürger empfanden den Namen jedoch als geschichtslos. Auf vielen Autos klebte der Spruch »Wenn ich Lahn seh, krieg ich Zahnweh«.
Bereits 31 Monate nach ihrer Gründung wurde die Stadt Lahn daher wieder aufgelöst. Vor allem für die SPD, die die Reform maßgeblich vorangetrieben hatte, blieben die Auseinandersetzungen um die Lahnstadt nicht ohne Folgen: Bei der Kommunalwahl im März 1977 kippten die mittelhessischen Wähler zahlreiche SPD-Politiker aus ihren Rathaussesseln und brachten die Christdemokraten - erklärte Gegner der Lahnstadt - an die Macht. Verlierer war am Ende vor allem die Stadt Gießen: Sie büßte ihre Kreisfreiheit ein und erhielt lediglich die ehemals selbstständige Gemeinde Lützellinden hinzu. Als Ausgleich siedelte die Regierung dort 1981 das Regierungspräsidium Mittelhessen an. Wetzlar dagegen ging mit der Eingemeindung von acht Dörfern als Gewinner aus der gescheiterten Fusion hervor.
Die Kennzeichen-Posse
Lahn erhielt den Buchstaben L als KFZ-Kennzeichen. Dieser Buchstabe war eigentlich für den Fall einer Wiedervereinigung für die Stadt Leipzig reserviert. Das Vorgehen konnte als Provokation seitens der sozialliberalen Bundesregierung aufgefasst werden, als de-facto-Anerkennung der deutschen Teilung, mit der damals die Bundesregierung nicht rechnete. Nach der Auflösung Lahns behielt der Lahn-Dill-Kreis das L-Kennzeichen. Als die deutsche Wiedervereinigung zwölf Jahre später dann tatsächlich Wirklichkeit wurde, musste es, wie ursprünglich geplant, an Leipzig abgegeben werden. Der Lahn-Dill-Kreis vergibt seit 1990 das Kennzeichen LDK.
Die Leipziger und Lahner Kennzeichen können voneinander anhand der Ziffernanzahl unterschieden werden. Leipziger Kennzeichen haben 4 Ziffern, Lahner 3 (einige 4 stellige Kennzeichen sind noch aus Lahn-Zeiten übrig).
Kategorie:Hessische Geschichte
Kategorie:Gießen
Kategorie:Raumplanung
Kategorie:Wetzlar
Gießen
Die Universitätsstadt Gießen ist das administrative, ein funktionales und Verkehrszentrum Mittelhessens. Der Regierungsbezirk Gießen und der Landkreis Gießen haben dort ihren Verwaltungssitz. Gießen ist die achtgrößte Stadt Hessens.
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Hessen
Geographie
Hessen
Hessen
Geografische Lage
Gießen liegt an der Lahn, genau dort, wo diese ihren Lauf von südlicher in westliche Fließrichtung ändert, in einer der seltenen Aufweitungen des Lahntals. Nördlich der Stadt setzt sich das Lahntal in Richtung Marburg fort. Im Westen liegt der Westerwald, im Süden die Wetterau und in weiterer Entfernung der Taunus. Im Osten geht das Gießener Land in den Vogelsberg über.
Nachbarstädte Gießens sind Wetzlar (15 km westlich) und Marburg (30 km nördlich), die beide ebenfalls an der Lahn liegen, sowie Fulda (80 km östlich), Friedberg (30 km südlich) sowie Frankfurt am Main (70 km südlich).
Nachbargemeinden und -kreise
Die Stadtgrenzen Gießens sind sehr eng gezogen, die Stadt leidet unter der Abwanderung sowohl der Wohnbevölkerung als auch von Gewerbebetrieben in die Vorortgemeinden. Diese sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen):
- Heuchelheim
- Wettenberg
- Lollar
- Staufenberg
- Buseck
- Fernwald
- Pohlheim
- Linden
- Hüttenberg (Lahn-Dill-Kreis)
- Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis).
Stadtgliederung
Außer der alten Kernstadt Gießen gehören sechs weitere Stadtteile zum Stadtgebiet:
- Allendorf/Lahn (seit 1971), im Südwesten
- Kleinlinden (seit 1939), im Südwesten
- Lützellinden (seit 1979), im Südwesten
- Rödgen (seit 1971), im Osten
- Wieseck (seit 1939), im Nordosten
- Petersweiher, im Süden am Fuße des Schiffenbergs in unmittelbarer Nachbarschaft zu Watzenborn-Steinberg
Die unbewohnte Gemarkung Schiffenberg im Süden der Stadt wurde 1939 angegliedert.
Von 1977 bis 1979 war Gießen Teil der rund doppelt so großen Stadt Lahn, die außer den genannten 17 weitere Stadtteile zählte.
Verkehr
Gießen ist ein Verkehrsknotenpunkt Mittelhessens. Das Lahntal bündelt die Verkehrsströme aus Norden (Marburg, Kassel) und Westen (Wetzlar, Koblenz), die Wetterau schafft die Verbindung nach Süden (Frankfurt). Nur nach Osten verhindert der Vogelsberg einen einfachen Weg, deshalb sind die Verkehrsbeziehungen in diese Richtung am schwächsten ausgeprägt.
Straßenverkehr
Neben den überregional und international bedeutenden Autobahnen A 5 (Frankfurt–Kassel) und A 45 (Hanau-Wetzlar-Dortmund) bestehen die regionalen Strecken A 480 (zum Reiskirchener Dreieck) und die autobahnähnlich ausgebaute B 49 (Trier-Wetzlar-Alsfeld) in Ost-West-Richtung und die A 485 (Ostumgehung) und B 429 (Westtangente) in Nord-Süd-Richtung. Die A485 ersetzt im Gießener Raum die Bundesstraße 3, die früher mitten durch Gießen verlief. In südöstliche Richtung (Lich, Hungen) verläuft außerdem die Bundesstraße 457.
Das Stadtgebiet wurde nach den schweren Kriegszerstörungen autogerecht wiederaufgebaut, breite Einfallstraßen führen zu einer Ringstraße im Verlauf der ehemaligen Wallanlagen. Der Stadtkern innerhalb der ehemaligen Wallanlagen ist seit den 80er Jahren für den Autoverkehr weitgehend gesperrt.
Schienenverkehr
Wallanlagen
Gießen ist bis heute ein bedeutender Knotenpunkt im Bahnverkehr. Der Bau der ICE-Schnellfahrstrecke Würzburg/Frankfurt–Hannover in den 80er Jahren, die den Fernverkehr zwischen Frankfurt und Kassel heute statt über Gießen nun über Fulda leitet, verschob die Bedeutung im Bahnnetz zugunsten der osthessischen Stadt.
Die wichtigste Bahnstrecke in Gießen ist die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Main-Weser-Bahn von Frankfurt nach Kassel. Die Köln-Gießener Eisenbahn über Wetzlar und Siegen verbindet Mittelhessen mit dem Rheinland und dem Ruhrgebiet. Die Lahntalbahn folgt dem Fluss über Wetzlar bis zu seiner Mündung nahe Koblenz. Die Vogelsbergbahn nach Alsfeld und Fulda umgeht das Gebirge wie die Autobahn A5 an seiner Nordseite. Die Lahn-Kinzig-Bahn führt von Gießen nach Südosten (Hungen, Nidda, Gelnhausen). Die genannten Strecken gehören zum größten Teil seit 1995 zum Rhein-Main-Verkehrsverbund.
Gießen besitzt einen Bahnhof und folgende Haltepunkte:
- Licher Straße (Haltepunkt an der Vogelsbergbahn)
- Erdkauter Weg (Haltepunkt an der Lahn-Kinzig-Bahn)
- Watzenborn-Steinberg/Petersweiher (an der Lahn-Kinzig-Bahn)
- Oswaldsgarten (Haltepunkt an der Main-Weser-Bahn für Regionalzüge von und nach Marburg; Eröffnung 2004)
Hinzu kommen der Güterbahnhof sowie der im Stadtteil Klein-Linden gelegene Abzweigbahnhof Gießen-Bergwald, der eine direkte Verbindung der Strecken von/nach Frankfurt bzw. Wetzlar unter Umgehung des Bahnhofs Gießen ermöglicht. Außerdem gab es in Gießen bis 2003 ein Bahnbetriebswerk.
Den Nahverkehr in Gießen bestreiten heute die Stadtwerke Gießen mit elf Omnibuslinien. Gießen besaß von 1909 bis 1953 eine Straßenbahn und von 1941 bis 1968 Oberleitungsbusse.
Geschichte
Siehe auch Geschichte Gießens
Geschichte Gießens
Erste Siedlung
Die Burg Gleiberg (im Bild rechts, rechts im Hintergrund, ca. 5 km nordwestlich vor der heutigen Stadt), welche etwa im 10. Jahrhundert von den Konradinern errichtet wurde stellt den Beginn der Besiedlung von Gießen dar. Ende des 10. Jahrhunderts ging sie an die Luxemburger und damit an die Grafschaft an der mittleren Lahn. Durch Erbteilungen wurde diese Grafschaft geteilt und so erhielt über einige Etappen Wilhelm von Gleiberg nur einen Teil der Grafschaft. Dieser gründete 1152 die Wasserburg Gießen und verlegte damit seinen Sitz von der Burg Gleiberg.
Auf dem Weg zur Stadt
Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt stammt dagegen aus dem Jahr 1197. 1248 wurde Gießen erstmals als Stadt bezeugt. 1264 kommt Gießen an die Landgrafschaft Hessen, die um 1300 das heutige Alte Schloss anlegen lässt. Um 1325 wurde die Neustadt gegründet. Ab etwa 1370 gab es Bürgermeister in Gießen, die den landesherrlichen Burgmannen gleichgestellt waren, sowie einen Rat als Vertretung der Bürgerschaft. Das (1944 zerstörte) Alte Rathaus am Marktplatz als Symbol bürgerlicher Macht entstand um 1450, die Stadtkirche bis 1484.
Gründung der Universität
Gegen 1535 ließ Landgraf Philipp der Großmütige die Stadt befestigen. Im selben Jahrzehnt entstanden der Alte Friedhof und das Neue Schloss. Am 27. Mai 1560 vernichtete ein Großbrand den nördlichen Teil der Stadt um das Walltor. Bei der Teilung der Landgrafschaft 1567 gelangte Gießen zu Hessen-Marburg, 1604 zu Hessen-Darmstadt. 1605 wurde in Gießen das Gymnasium Ludovicianum durch Landgraf Ludwig als Lateinschule gegründet. Am 19. Mai 1607 ermöglichte ein Privileg Kaiser Rudolfs II. die Gründung der Universität. Zwei Jahre später eröffnete der Botanische Garten, der älteste in Deutschland. 1634/35 dezimierte eine schwere Pestepidemie die Bevölkerung der Stadt. Im 18. Jahrhundert wurde die Region mehrfach durch Kriege heimgesucht und die Stadt von fremden Truppen besetzt.
19. Jahrhundert
1803 wurde Gießen Hauptstadt der neuen Provinz Oberhessen im Großherzogtum Hessen. In den folgenden Jahren wurde die Stadtbefestigung geschleift und an ihrer Stelle die Wallanlagen angelegt. 1824 bis 1852 lehrte Justus von Liebig an der Universität Gießen. Im Revolutionsjahr 1848 kam es auch in Gießen zu Unruhen, ein Student wurde getötet. Ein Jahr später wurde die Stadt mit Eröffnung der Main-Weser-Bahn Frankfurt-Kassel) an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen, 1862 folgte die Eisenbahnstrecke nach Köln, 1864 die Lahntalbahn nach Koblenz. Ab etwa 1860 wuchs die Stadt über die Wallanlagen hinaus.
Ab 1867 war Gießen als Garnisonsstadt ein wichtiger Militärstandort. 1870 eröffnete die Vogelsbergbahn nach Fulda, 1872 die Lahn-Kinzig-Bahn nach Gelnhausen. 1879 bis 1888 lehrte Wilhelm Conrad Röntgen an der Universität Gießen. 1893 wurde die heute größte Kirche der Stadt, die evangelische Johanneskirche an der Südanlage, eingeweiht. 1907 eröffnete das Stadttheater. Ab 1894 gab es in Gießen öffentlichen Nahverkehr, zunächst mit Pferdeomnibussen, seit 1909 mit einer elektrischen Straßenbahn.
20. Jahrhundert
Im Jahr 1925 eröffneten die Volkshalle an der heutigen Grünberger Straße und der Gießener Flughafen, das spätere US-Depot.
Durch Eingemeindung von Wieseck, Klein-Linden und Schiffenberg stieg die Einwohnerzahl 1939 auf 42.000, Gießen wurde Kreisfreie Stadt.
Die über 1.000 Gießener Juden wurden bis Ende 1942 in die Vernichtungslager der Nazis deportiert.
Luftangriffe im 2. Weltkrieg
Durch zwei verheerende Luftangriffe der englischen Luftwaffe am 2. und (vor allem) 6. Dezember 1944 wurde nahezu der gesamte alte Stadtkern Gießens vernichtet, hunderte Zivilisten fanden den Tod. Die "kriegswichtigen" Bahnanlagen und die zahlreichen Militäreinrichtungen blieben dagegen weitgehend intakt. In den folgenden Monaten starben viele weitere Menschen durch Tieffliegerangriffe. Am 27. März 1945 beendete der Einzug der amerikanischen Armee den Krieg für die zerstörte Stadt und befreite die Gießener von Schreckensherrschaft und Bombenterror. Die Stadt war zu 67% zerstört, die Innenstadt zu 90%.
Notaufnahmelager nach 1946
Die Militärregierung der USA informierte Ende Oktober 1945 die Landesregierung Großhessens, dass das Land 1946 600.000 Vertriebene und Flüchtlinge aufnehmen muß. Anfang Februar 1946 erreichten die ersten 1.200 Menschen die Stadt mit Güterwagen. Das, vorerst provisorische, Durchgangslager befand sich unweit des Bahnhofs. Da Gießen ein wichtiger Schienenknotenpunkt war, wurde es am 7. Mai 1947 vom Staatskommissar für das Flüchtlingswesen zum Regierungsdurchgangslager für alle Flüchtlinge Großhessens. Der Oberbürgermeister Otto-Heinz Egler ersuchte 1948 das Regierungspräsidium in Darmstadt um Verlegung des Lagers auf Grund der hohen Belastung des Sozialetas der Stadt durch die Flüchtlinge. Später erreichte der Bürgermeister Dr. Hugo Lotz einen finanziellen Ausgleich für die Stadt durch das Land.
Am 1. September 1950 wurde das Lager in Notaufnahmelager Gießen umbenannt und erhielt bundesweite Kompetenz. Der Anteil der Heimatvertriebenen betrug zu dieser Zeit bereits 20% der Gesamtbevölkerung Gießens.
Das Gießener Notaufnahmelagelager war auch Durchgangslager für Flüchtlinge aus der Ostzone, die in der amerikanischen Besatzungszone bleiben wollten. Seit den 1960er Jahren war es die erste Station für zahlreiche ausgereiste DDR-Bürger und erlebte 1989 zunächst den Ansturm der über Ungarn geflüchteten Ostdeutschen und im Herbst den der legal über die nun offene Grenze gekommenen.
Später wurde es in Bundesaufnahmestelle umbenannt.
Wiederaufbau
BundesaufnahmestelleDer Wiederaufbau im fortschrittlich gesinnten Gießen orientierte sich an den Lehren des Modernen Städtebaus: Altstadtgrundstücke wurden zu großen Einheiten zusammengefasst, Straßen- und Platzräume aufgeweitet und der öffentliche Raum weitgehend den Interessen des Autoverkehrs angepasst. 1953 wurde die letzte (zuvor aufwendig wiederaufgebaute) Linie der Gießener Straßenbahn stillgelegt, statt dessen fuhren Oberleitungsbusse (bis 1968). Die wenigen von den Bombenangriffen verschont gebliebenen Straßenzüge des Stadtkerns wurden niedergerissen, ebenso teilweise erhalten gebliebene Ruinen wie die des 500 Jahre alten Rathauses. Neubauten im Stil der 50er Jahre entstanden, unter anderem das (bereits wieder abgerissene) Behördenhochhaus am Berliner Platz oder die Kongresshalle. Die Ausfallstraßen, die Wallanlagen und die wichtigsten Achsen der Innenstadt wurden zu mehrspurigen Verkehrsstraßen ausgebaut. Bis 1975 entstanden rund um Gießen zahlreiche Autobahnteilstücke, darunter der Gießener Ring (teilweise Autobahn).
Neugliederung
1971 stieg die Einwohnerzahl durch Eingemeindung von Allendorf und Rödgen auf 78.000. 1977 entstand aus Gießen, Wetzlar und 14 Umlandgemeinden die Stadt Lahn mit 156.000 Einwohnern als Oberzentrum Mittelhessens. Lahn-Gießen bildete den größeren der beiden Stadtkerne. Die Lahnstadt wurde nach nur 31 Monaten Existenz 1979 wieder aufgelöst. Während dem wiederentstandenen Wetzlar acht Stadtteile der Lahnstadt dem eigenen Stadtgebiet zugeschrieben wurden, erhielt Gießen nur einen neuen Ortsteil, Lützellinden.
Wappen
Blasonierung: Das Wappen stellt in Silber einen rechtsgewendeten, schwarz beflügelten und blau bewehrten roten Löwen dar.
Es wurde der Stadt am 29. April 1916 von Großherzog Ernst Ludwig verliehen.
Politik
Seit den Kommunalwahlen 2001 wird die Stadt aus einer Koalition von CDU (23 Sitze), FDP (3 Sitze) und Freier Wählergemeinschaft (FWG, 4 Sitze) regiert, die die Rot-Grüne Stadtregierung nach 16 Jahren ablöste. Neben den drei Regierungsparteien sind noch die SPD (20 Sitze), Bündnis 90/Die Grünen (6 Sitze), die PDS (2 Sitze) und die Bürgerliste Gießen (1 Sitz) in der 59-köpfigen Stadtverordnetenversammlung vertreten.
Zum neuen Oberbürgermeister wurde im 2. Wahlgang der Direktwahl am 28. September 2003 der bisherige Bürgermeister Heinz-Peter Haumann (CDU) gewählt, der sich mit 158 Stimmen Vorsprung gegenüber seinem SPD-Kontrahenten Gerhard Merz durchsetzte. Die Wahlbeteiligung lag bei 30,8 %.
Politisch aktiv und umstritten ist in Gießen auch der aus Reiskirchen stammende Öko-Aktivist Jörg Bergstedt, der mit zahlreichen Aktionen in die Gießener Kommunalpolitik eingreift.
Bildung
Jörg Bergstedt
Die wichtigste und bekannteste Bildungseinrichtung der Stadt ist die Justus-Liebig-Universität (JLU). Sie wurde bereits 1607 von Landgraf Ludwig V. gegründet und hieß nach ihm bis 1945 Ludwigsuniversität oder Ludoviciana. Dem Landgrafen ist die Universität dennoch bis heute verbunden: das Hauptgebäude der JLU steht in der Ludwigstraße in der südlichen Innenstadt. 2004 waren 22.400 Studierende an der JLU immatrikuliert. Der Schwerpunkt der Lehre liegt auf den naturwissenschaftlichen und medizinischen Fächern, in der Agrarwissenschaft und der Veterinärmedizin gehört Gießen zu den bedeutendsten Hochschulen in Deutschland.
Neben den Gebäuden an der Ludwigstraße sind die Institute der Universität in zwei großen Bereichen konzentriert, dem Philosophikum I und II im Osten der Stadt sowie den medizinischen Insituten im Süden von Gießen.
Die zweite Hochschule in Gießen ist die 1971 gegründete Fachhochschule Gießen-Friedberg mit ca. 5.500 Studenten im Bereich Gießen.
Gießen hat die höchste Studentendichte in Deutschland. Auf 72.500 Einwohner kommen insgesamt rund 26.500 Studenten.
Zwei Jahre vor der Gründung der Universität wurde das Landgraf-Ludwig-Gymnasium als Lateinschule gegründet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Aufgrund der verheerenden Zerstörungen durch die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs und die Stadtplanung der Nachkriegszeit gibt es im eigentlichen Zentrum kaum noch Bauwerke der vorindustriellen Epoche. In den Stadtvierteln außerhalb der Wallanlagen finden sich jedoch zahlreiche, teilweise recht sehenswerte architektonische Zeugnisse aus den beiden großen Wachstumsphasen der Stadt, der Gründerzeit und den 50er Jahren.
Bauwerke
Lateinschule
Lateinschule
Lateinschule
Zu den Sehenswürdigkeiten in Gießen gehören einige wieder aufgebaute Fachwerkhäuser, so das Gasthaus "Zum Löwen", wo Goethe einst übernachtete, das Alte Schloss und das Neue Schloss der Landgrafen von Hessen sowie das Burgmannenhaus (am Kirchplatz).
Die gotische Stadtkirche wurde bei den Luftangriffen 1944 zerstört, nur der Westturm wurde restauriert und dient als Mahnmal gegen den Krieg. Aus den Trümmern der zerstörten Stadtkirche entstand auf der gegenüberliegenden Seite der Georg-Schlosser-Straße die Pankratiuskapelle.
Der nahegelegene Botanische Gartens ist der älteste universitäre Pflanzengarten in Deutschland, seine Gründung geht auf Elisabeth von Thüringen zurück.
Als überregional bekanntes Monument menschenverachtender Stadtplanung gilt die Fußgängerüberführung am Selterstor, an der Kreuzung der Fußgängerzone Seltersweg mit dem Anlagenring. Eine riesige Betonplatte überspannt den gesamten Kreuzungsbereich, an den Zugängen führen Rolltreppen auf die Plattform. Aufgrund der drei großen, achteckigen Öffnungen in der Betonplatte erhielt das Bauwerk den Ehrennamen Elefantenklo.
An der Südanlage stehen zwei markante Bauwerke der Gründerzeit, das Stadttheater und die evangelische Johanneskirche.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs, südlich der Innenstadt, wurde 1904-06 von Ludwig Hoffmann in der Tradition des Darmstädter Jugendstils errichtet; dabei wurden Teile des Vorgängerbaus der Main-Weser-Bahn von 1854 beibehalten.
Kultur
Das Stadttheater Gießen geht auf eine Bürgerinitiative zurück, die anlässlich der 300-Jahrfeier der Universität eine "feste Theaterspielstätte" forderte. Konsequenterweise brachte sie zwei Drittel der Bausumme auf und ließ an der Frontseite den Spruch "Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns" anbringen. Im Jugendstil erbaut und erhalten, wurde es 1907 eröffnet und bietet mit eigenem Ensemble und Gastspielen 600 Zuschauern/-hörern Platz bei Theater, Oper, Operette, Musical, Tanz und Konzert.
Kulturelles Leben zeigt sich in einer Studentenstadt auch durch die obligatorische Kneipenmeile, hier der Ludwigstraße, in der sich auch das Uni-Hauptgebäude befindet.
Das Mathematikum im ehemaligen Hauptzollamt, erstes und bislang einziges Museum dieser Art, bietet dem Besucher die Möglichkeit, sich spielerisch mit der Mathematik zu beschäftigen. Direkt neben dem Mathematikum ist das Liebigmuseum gelegen, das dem Chemiker Justus Liebig gewidmet ist.
Ausflugsziel Schiffenberg
Ein beliebtes Ausflugsziel ist der rd. 5 km entfernte Gießener "Hausberg" Schiffenberg (281 m). Er wurde 1972 vom Land Hessen käuflich erworben und der Stadt einverleibt. In den Gebäuden einer ehemaligen Klosteranlage (Augustiner-Chorherrenstift) wird heute ein Ausflugslokal bewirtschaftet. Die romanische Substanz der doppelchörigen Pfeilerbasilika mit Querhaus und achtseitigem Vierungsturm rührt z. T. noch aus dem 2. Viertel des 12. Jahrhunderts her. Die westliche mit Lisenen gegliederte Apsis und zwei begleitende Rundtürme (fast komplett zerstört) wurden im Verlauf des 12. Jahrhunderts angebaut. Das südliche Seitenschiff ist verloren. Der Bau verzichtet fast gänzlich auf Bauschmuck. 1323 wurde die Anlage vom Deutschen Orden übernommen; der Deutsche Orden errichtete u. a. an der Südseite die ehemalige Komturei und an der Westseite das Gebäude der ehemaligen Propstei. 1809 wurde der Orden aufgehoben. Von der Ausstattung ist u. a. ein frühgotischer Taufstein (13. Jahrhundert) aus Basalt im Chorraum erhalten.
Im Rahmen der seit 1975 auf dem Schiffenberg stattfindenden Veranstaltungsreihe "Musikalischer Sommer" finden in den Sommermonaten zahlreiche Konzerte unter freiem Himmel statt. Von Volksmusik und Bands, die in regionaler Mundart spielen, über Jazz, Pop, Schlager bis hin zu Chorkonzerten und Theateraufführungen finden Kulturfreunde hier ein breit gefächertes Angebot. Auch jenseits der Stadtgrenzen bekannte Künstler gaben hier schon Gastspiele, so zum Beispiel im Jahr 2002 die Kölner Band BAP sowie im Jahr 2003 Götz Alsmann.
Sport
Gießen ist eine Sport-Hochburg. Hier ist z. B. die dienstälteste Mannschaft der Herren-Basketball-Bundesliga (früher MTV 1846 Gießen, Avitos Gießen, jetzt Gießen 46ers) zu Hause. In der Vergangenheit gelangten die Bundesliga-Volleyballer des USC Gießen, die Handballfrauen des TV Lützellinden oder auch die Tischtennis-
Spieler und -Spielerinnen des Gießener SV (GSV) zu überregionalen Titelehren. Die Handballerinnen des TV Lützellinden, eine der erfolgreichsten deutschen Mannschaften der 90er Jahre, erhielten 2004 keine Lizenz mehr für die 1. Bundesliga und wurden 2005 endgültig vom Spielbetrieb abgemeldet. Der Rudersport ist mit drei Vereinen (WSV Hellas Gießen, RC Hassia Gießen, Gießener Rudergesellschaft) vertreten. Der erfolgreichste und zugleich älteste unter ihnen ist die Gießener Rudergesellschaft 1877 e. V., die schon mehrere Weltmeister und Juniorenweltmeister(innen) in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Alljährlich an Pfingsten veranstalten die drei Vereine die Internationale Gießener Pfingstregatta, eine der größten und ältesten Ruderregatten in Deutschland (die erste Regatta fand 1892 in Gießen statt). Außerdem ist Deutschlands älteste Tanzschule - gegründet 1787 - in Gießen, die Tanzschule Bäulke (seit 6 Generationen).
Gießener Besonderheiten
Fünfziger-Vereinigungen
Außergewönlich im deutschen Sprachraum sind die Gießener "Fünfziger-Vereinigungen". Seit 1868 gründen jährlich die männlichen Bürger aller Berufs- und Gesellschaftsschichten der Stadt, die 50 Jahre alt werden, einen "Verein der Fünfziger" mit Unterhaltungs-, Bildungs- und humanitären Programmen. Seit der Jahrhundertwende 1899/1900 gibt es auch entsprechende Damen-Vereinigungen, die sich aber erst seit 1966 ebenfalls regelmäßig gründen.
US-Depot
Ruderregatten
Das US-Depot am Ortsrand von Gießen ist das zentrale Warenverteilzentrum der amerikanischen Streitkräfte in Europa. Von hier aus werden vor allem Zivilgüter wie Nahrung, Kleidung, Möbel, Hi-Fi Geräte usw. für die Angehörigen der amerikanischen Stationierungsstreitkräfte in die "PX" (PostExchange) Läden der US Armee und Air Force in Westeuropa und in Krisengebiete verschickt. Sowohl im Bosnien Konflikt als auch in den beiden Golfkriegen kam dem US-Depot eine bedeutende strategische Rolle in der Versorgung der Soldaten und deren Angehöriger zu. Die Betreibergesellschaft ist der staatliche "Army and Air Force Exchange Service" (AAFES) mit Hauptquartier in Dallas, Texas. Das US-Depot ist mit seinen über 500 Beschäftigten einer der wichtigsten Arbeitgeber im Niedriglohnsektor im Landkreis Gießen.
Andererseits hat die US-Präsenz in Gießen auch durchaus erhebliche Nachteile gezeitigt - auch und vor allem in dem größtenteils als Naturschutzgebiet deklarierten Gebiet "Hohe Warte" unmittelbar bei Gießen. Dort werden zurzeit (Oktober 2005) für ca. 4,2 Millionen Euro Sanierungsarbeiten durchgeführt, zu denen sich die US-Army seinerzeit verpflichtet hatte, die jetzt jedoch die Bundesrepublik Deutschland komplett übernehmen muss, da sich die USA entgegen ursprünglicher Zusagen und Verpflichtungen weigert, diese Kosten zu tragen. Es handelt sich hierbei um umfangreiche Arbeiten (über ca. 1,5 Jahre), um die durch eine amerikanische Mülldeponie verursachten akuten Grundwasser -und Umweltgefährdungen zumindest jetzt noch zu beseitigen bzw. abzumildern.
Manische Sprache
Eine weitere Besonderheit in Gießen ist die Manische Sprache. Sie wird von sozialen Randgruppen als Geheimsprache verwendet. Gesprochen wurde und wird sie in Gießen auf der "Gummiinsel", einer kleinen Backsteinhaussiedlung (ehemalige Arbeitersiedlung einer Gummifabrik, daher der Name) in der Weststadt Gießens, welche um die Jahrhundertwende angelegt und gebaut wurde und im benachbarten Wetzlarer "Finsterloh".
Persönlichkeiten
Berühmte Persönlichkeiten sind unter anderem Justus Liebig, nach dem die Gießener Universität benannt wurde, Wilhelm Conrad Röntgen, der erste Nobelpreisträger für Physik (1901), der hier lehrte und begraben ist, Wilhelm Liebknecht, in Gießen geborener Mitbegründer der SPD oder der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter, u. a. Mitbegründer der Internationalen Vereinigung der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW), die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Georg Büchner studierte in Gießen, gründete 1834 die "Gesellschaft für Menschenrechte" und veröffentlichte den "Hessischen Landboten". Johann Wolfgang von Goethe, der sich als Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar (ca. 15 km westlich von Gießen) aufhielt, war in dieser Zeit auch einige Male kurz im Gasthaus "Zum Löwen" (Neuenweg) anzutreffen.
Söhne und Töchter der Stadt
- 1688, Heinrich Bernhard Rupp, 1719 in Jena, Botaniker
- 1826, 29. März, Wilhelm Liebknecht, † 7. August 1900 in Berlin, Mitbegründer der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)
- 1827,17. Februar, Georg von Liebig, † 31. Dezember 1903 in München, Mediziner und Klimatologe
- 1884, 19. Juni, Agnes von Zahn-Harnack, † 22. Mai 1950 in Berlin, Lehrerin, Schriftstellerin und bürgerliche Frauenrechtlerin
- 1896, 3. Dezember, Martin Wagenschein, † 3. April 1988 in Trautheim zu Mühltal (Hessen), Pädagoge und Fachdidaktiker der Mathematik und Naturwissenschaften
- 1951, 18. Dezember, Volker Bouffier, Politiker (CDU), Hessischer Minister des Innern und für Sport
- 1957, 20. November, Stefan Bellof, † 1. September 1985 in Spa-Francorchamps / Belgien, Automobil-Rennfahrer
siehe auch: Liste der Söhne und Töchter der Stadt Gießen
Wirkungskreis in Gießen
- August Friedrich Wilhelm Crome ( - 8. Juni 1753 in Sengwarden; † 11. Juni 1833 in Rödelheim), Kameralwissenschaftler und Statistiker an der Universität Gießen (1787 bis 1830)
- Johann Christian Hundeshagen ( - 10. August 1783 in Hanau; † 10. Februar 1834 in Gießen), Forstwissenschaftler.
- Carl Justus Heyer ( - 9. April 1797 bei Darmstadt; 24. August 1856 in Gießen), Forstwissenschaftler
- Justus von Liebig ( - 12. Mai 1803 in Darmstadt; † 18. April 1873 in München) Chemiker, Namensgeber der Universität Gießen
- Heinrich Buff ( - 23. Mai 1805 in Rödelheim bei Frankfurt am Main; † 24. Dezember 1878 in Gießen), Physiker und Chemiker an der Universität Gießen
- Georg Büchner
- Wilhelm Conrad Röntgen
- Horst-Eberhard Richter
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Siehe auch: Gießener Anzeiger, Gießener Allgemeine
Literatur
- Dehio: Hessen, München 1982, S.334ff.
Weblinks
- [http://www.giessen.de Offizielle Homepage der Stadt Gießen]
- [http://www.giessen-tourist.de Touristinformation der Stadt Gießen]
- [http://www.globalsecurity.org/military/facility/giessen.htm Geschichte des US Militärstandort Gießen]
- [http://www.flickr.com/groups/giessen Fotos aus Gießen]
Kategorie:Ort in Hessen
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Wetzlar
Wetzlar, ehemalige Freie Reichsstadt und Sitz des Reichskammergerichts, ist das industrielle, ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum in Mittelhessen. Sie ist Kreisstadt des Lahn-Dill-Kreises in Hessen. Das Stadtgebiet liegt in Höhe der Mündung der Dill in die Lahn beiderseits dieser Flüsse. Gemeinsam mit der unmittelbar östlich angrenzenden Universitätsstadt Gießen und dem gemeinsamen Umland bildet Wetzlar einen kleinen Ballungsraum im Zentrum Mittelhessens. Auch zum nahen Rhein-Main-Gebiet bestehen enge Verflechtungen; Frankfurt am Main liegt nur 60 km südlich von Wetzlar.
Überblick
Frankfurt am Main
Die Stadt ist Oberzentrum und Sitz der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreises und wichtiges Industrie- und Handelszentrum. Wie sechs weitere größere Mittelstädte in Hessen ist Wetzlar eine Stadt mit Sonderstatus, d. h. sie übernimmt Aufgaben des Landkreises und gleicht damit in vielen Dingen einer kreisfreien Stadt.
Wetzlar liegt in meist hügeligem Terrain im Lahntal und erstreckt sich bis auf die Anhöhen beiderseits des Tals. Auf einem höhergelegenen Plateau im Zentrum steht der romanische Dom mit einem Hauptturm aus rotem Sandstein. Die historische Altstadt, jetzt Fußgängerzone, mit ihren behutsam restaurierten Fachwerkhäusern, zieht sich mit Gassen und kleinen Plätzen terrassenförmig zur Lahn und zur alten Lahnbrücke hinab. Stellenweise ist noch eine gut erhaltene Stadtmauer zu sehen, deren Verlauf z.T. von breiten Grüngürteln und zahlreichen Parkanlagen gesäumt wird. Die Straßenzüge außerhalb des historischen Kerns haben teilweise mittelalterlichen Vorstadtcharakter. Diese historischen Stadtteile sind vorwiegend von kleinteiligem Einzelhandel geprägt. Der neuere Teil Wetzlars, geprägt durch Anlagen des produzierenden Gewerbes, brachte auch im Wohnungsbau eine Reihe gutbürgerlicher Wohnhäuser und Villen hervor vor allem während der Blütezeit Wetzlars als Leica-Stadt (Villen von Leitz, Kellner, Barnack) und als Buderus-Standort (Weiße Villa, u.a.); sowie eine Reihe für die damalige Zeit moderner Meisterhäuser und Arbeitersiedlungen.
Buderus
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die historische Altstadt, der Dom, die 750 Jahre alte Lahnbrücke, die Reichsburgruine Kalsmunt, das Lottehaus sowie die Burgruine Hermannstein. Es gibt eine reiche Auswahl an bedeutenden Museen.
Zu den interessantesten Kirchenbauten neben dem Dom zählen die Hospitalkirche, die Franziskanerkirche, die Michaeliskapelle, das Kloster Altenberg und die Überreste der Theutbirg-Basilika.
Als kulturelle Höhepunkte sind zu nennen: die Wetzlarer Festspiele, die Stadthallen mit Theater, die Mittelhessen-Arena mit Konzerten, Sportveranstaltungen und Show-Business, die Phantastische Bibliothek oder die Phantastiktage. Der Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar ist ein Literaturpreis, der seit 1983 jährlich vergeben wird.
Daß in der Stadt gut und gerne gefeiert wird, ist seit dem Jahr 1318 bezeugt. König Ludwig verlieh der Stadt das Recht, am Tag des heiligen Gallus, also alljährlich am 16. Oktober, einen Jahrmarkt abzuhalten.
Wetzlar ist auch als Sportstadt mit vielen Sportstätten und -vereinen bekannt (darunter einige Bundesliga-Mannschaften).
Wappen
Der schwarze Reichsadler auf rotem Grund mit goldener Krone steht für die Reichsunmittelbarkeit als ehemalige Reichsstadt. Vor dem in der Ansicht nach links gewendeten Adlerkopf befindet sich in Schnabelhöhe ein silbernes Tatzenkreuz, es steht für das ehemalige Münzrecht der Reichsstadt. Das Wappen blieb seit dem 13. Jahrhundert nahezu unverändert.
Geographie
Reichsadler
Wetzlar liegt in Mittelhessen an der Lahn, kurz nach ihrer Richtungsänderung von Süd nach West in Höhe der Dillmündung. Die Stadt liegt im Trennungspunkt hessischer Mittelgebirge: südlich der Lahn liegt der Taunus; nördlich der Lahn und westlich der Dill beginnt der Westerwald; nördlich der Lahn, aber östlich der Dill beginnt das Rothaargebirge.
Nachbarstädte Wetzlars sind Gießen (lahnaufwärts, von Zentrum zu Zentrum etwa 12 km), Koblenz 80 km lahnabwärts, Limburg an der Lahn 40 km westlich, Siegen 50 km nordwestlich, Dillenburg 30 km nördlich, Marburg 30 km nordöstlich sowie Frankfurt am Main 60 km südlich.
Wetzlar und Gießen sind die beiden Kerne des kleinen (etwa 200.000 Einwohner) mittelhessischen Ballungsgebiets, in den Tälern von Lahn (Osten und Westen) und Dill (Norden) grenzen dichtbebaute Nachbargemeinden an, deren Bebauung teilweise unmittelbar in die Wetzlars übergeht. Die Wetzlar im Nordwesten, Nordosten und Süden umgebenden Mittelgebirge sind dagegen waldreich und sehr dünn besiedelt.
An das Wetzlarer Stadtgebiet grenzen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten:) Gießen, Langgöns, Hüttenberg, Schöffengrund, Solms, Aßlar und Lahnau.
Geschichte
Vor- und Frühgeschichte
Bereits in der Altsteinzeit war die Wetzlarer Region besiedelt. Durch die vom Klima begünstigte Lage blieben dort die Menschen auch in der Würmeiszeit vor rd. 50.000 Jahren. Man findet hier alte Gräberfelder. In der Bronzezeit dominierten Hügelgräber, wie man sie beispielsweise im Finsterloher Wald antrifft. Auf der Gemarkung Wetzlars bestanden drei keltische Siedlungen. Der in der Nähe liegende Dünsberg war eine keltische Fluchtburg, wo wahrscheinlich kurz vor der Zeitenwende eine Schlacht zwischen Römern und Kelten stattgefunden hat. Über das Schicksal der dortigen Kelten ist nichts bekannt.
Die Römer hatten in Dorlar ein Militärlager, und in Waldgirmes, unmittelbar an der heutigen Stadtgrenze, befand sich eine zivile Siedlung im Aufbau. Die Römer zogen sich nach der Schlacht im Teutoburger Wald aus der Region um Wetzlar in den südlichen Taunus zurück. Die Endsilbe des Stadtnamens -lar verweist auch auf eine Siedlung keltischen Ursprungs (vgl. auch Goslar, Fritzlar, Mainzlar, Dorlar, Aßlar, usw.).
Wetzlar lag an Furten durch Lahn und Dill und an der Kreuzung zweier Handelsstraßen, wovon eine von Antwerpen über Köln und den Westerwald nach Wetzlar und weiter über Friedberg nach Frankfurt am Main führte. In der näheren und weiteren Umgebung von Wetzlar wurde außerdem schon damals Erz gefunden. Vermutlich bestand deshalb hier schon früh eine keinem Landesherren gehörige, sondern reichsunmittelbare fränkische Straßenfeste, welche die Furten sichern sollte.
Das Gründungsdatum der Stadt ist bisher nicht bekannt oder belegt. Die Stadt Wetzlar oder deren Vorgängersiedlungen bestehen aber nachweislich mindestens seit dem 8. Jahrhundert. Der Konradiner Gebhard, Graf in der Wetterau und ab 904 Herzog von Lothringen, ließ 897 eine Salvatorkirche (Erlöserkirche) weihen, welche frühere Bauten ersetzte. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts erfolgte die Gründung des Marienstiftes, eines Kollegialstiftes, durch Gebhards Söhne Hermann I., ein späterer Herzog von Schwaben, und Udo, Graf in der Wetterau.
Freie Reichsstadt
Wetterau
Zu einem unbekannten Zeitpunkt erwarb Wetzlar das Marktrecht und damit die Möglichkeit, Marktzoll zu erheben, im Laufe der Jahre entstand eine Marktsiedlung. Das Marienstift auf dem Domhügel war sicher ein Kristallisationspunkt, an dem sich vor allem an Feiertagen Gläubige, Händler und Handwerker trafen.
Der Hohenstaufenkaiser Friedrich I. Barbarossa schuf im Wetzlarer Gebiet eine Reichsvogtei und stellte 1180 die Bürger Wetzlars den Bürgern Frankfurts gleich. Wetzlar wurde Freie und Reichsstadt und blieb es bis 1803. Zum Schutz der Stadt, und um die Wetterau als Reichsland zu sichern, baute er hoch über Wetzlar die Reichsburg Kalsmunt.
Zur selben Zeit wurden Münzenberg, Stadt und Burg Friedberg und Büdingen gegründet, die alle der Sicherung der Wetterau dienten. Auf Karlsmunt wurden die kaiserlichen Münzen für Wetzlar geprägt. Die Handelsstraße, die bei Wetzlar die Lahn durchquerte, die Wetzlarer Eisenerzeugnisse, von denen heute noch der Eisenmarkt (forum ferri) zeugt, Wollweberei und Lederverarbeitung erschienen als eine gute Basis für die weitere Entwicklung der Stadt.
Der falsche Kaiser Tile Kolup
Im Jahre 1285 kam der falsche Kaiser Tile Kolup, der sich als Friedrich II. ausgab (der tatsächlich schon 1250 in Italien gestorben war), nach Wetzlar. Er zog von Neuss kommend dem rechtmäßigen König Rudolph von Habsburg nach Frankfurt entgegen.
Ein Jahr zuvor hatten sich einige Reichsstädte, darunter Frankfurt, Wetzlar und Friedberg gegen eine neue, von Rudolph von Habsburg erhobene Steuer gewehrt. Nachdem der König bereits die aufsässige Stadt Colmar besiegt hatte, zog er weiter nach Mainz, um in die Wetterau zu ziehen. Nach Verhandlungen, bei denen Wetzlar versprach, die geforderte Steuer zu entrichten, bestand eigentlich keine Notwendigkeit mehr, nach Wetzlar zu ziehen. Die Kunde von der Anwesenheit des falschen Kaisers in Wetzlar hatte jedoch genau dies zur Folge.
Als König Rudolph daraufhin nach Wetzlar zog, nahmen die Stadtoberhäupter Tile Kolup fest und lieferten ihn aus. Unter der Folter verriet der falsche Kaiser seinen richtigen Namen. Er wurde als Zauberer, Ketzer und Gotteslästerer zum Flammentod verurteilt und am nächsten Tag in Wetzlar verbrannt.
Blütezeit
Bis 1250 war der größte Teil der Stadtbefestigung, deren Reste man heute noch besichtigen kann, fertiggestellt. Die Ringmauer war ca. 1700 m lang und bis zu 10 m hoch. Fünf Tore und einige kleinere Pforten schlossen die Stadt im Belagerungsfall von der Außenwelt ab. Die bis heute erhaltene steinerne Lahnbrücke wurde erstmals 1288 erwähnt. Es gab ein Hospital zum Heiligen Geist, Franziskaner, Dominikaner, Karmeliter, Zisterzienser, den Deutschen Ritterorden und Prämonstratenserinnen. Das Leben spielte sich auf dem Buttermarkt, dem Fischmarkt, dem Kornmarkt und dem Eisenmarkt ab. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts wird die Stadt auf 6.000 Einwohner geschätzt, doppelt so viele wie die nahegelegene Reichsstadt Friedberg. Frankfurt hatte damals etwa 10.000 Einwohner. Um 1350 war dann der Höhepunkt der mittelalterlichen Stadtentwicklung erreicht.
Stadtbankrott
Ein Brand vernichtete 1334 Teile der Stadt, und 1349 wütete die Pest in der Stadt. Alle Juden der Stadt wurde daraufhin bei lebendigem Leibe verbrannt, weil man glaubte, daß sie schuld an der Pest gewesen seien. Nebenbei entledigte man sich dadurch auch vieler Gläubiger. Jahrzehntelange Fehden mit den Grafen von Solms, die versuchten Wetzlar zu einer solmsischen Landstadt zu machen, bedrohten die lebenswichtigen Handelsstraßen. Der Kaiser unterstützte die Stadt, jedoch vergeblich. Zur Geldbeschaffung wurden Leibrenten ausgegeben. Die kriegerischen Auseinandersetzungen dauerten an, unter anderen in den Jahren 1349, 1360, 1364 (Falkensteiner Fehde), 1370 (Sternerkrieg), 1375 und 1384. 1392 mit den Grafen von Solms Friede geschlossen werden. Weil Wetzlar seine Schulden aus den Leibrenten nicht begleichen konnte, kam es 1370 zu einem Aufstand der Zünfte gegen die bis dahin alleinregierenden Schöffen. 1387 fiel die Stadt unter Zwangsverwaltung, wurde aber in den Rheinisch-Schwäbischen Städtebund aufgenommen. Der Versuch eines Bürgers der Stadt, Johann von Weidbach, genannt Henne Haberkorn, gegen den Willen des Rates und eines Teiles der Bürgerschaft, sich an die Landgrafschaft Hessen anzulehnen, endet mit dessen sowie weiterer fünf Bürger Tötung. 1417 erhielten die Grafen von Nassau-Weilburg Schirm- und Schutzrechte im Namen des Kaisers. Damit schien die Reichsunmittelbarkeit zwar noch nicht reichsrechtlich, aber de facto aufgehoben.
Im Jahre 1418 stellte Wetzlar erneut die Zahlungen ein, aber die Gläubiger ließen nicht locker. 1422 verhängte König Sigismund die Reichsacht, 1422 die verschärfte Aberacht. Die Stadt war umgeben von begehrlichen Territorialherren und völlig verarmt. Die Einwohnerzahl war auf 2.000 gesunken, und sie war trotzdem noch Reichsstadt.
Von der Reformation bis zum Dreißigjährigen Krieg
Die Reformation erreichte Wetzlar 1525. Es zählte 1544 zu den evangelischen Reichsständen. Das katholische Marienstift blieb erhalten, denn man einigte sich darauf, den Chorraum den katholischen Stiftsherren und das Kirchenschiff der evangelisch-lutherisch gewordenen Gemeinde für Gottesdienste zu überlassen. Aus der Wallonie zogen 1568 calvinistische Glaubensflüchtlinge nach Wetzlar. Ihnen wurde die ehemalige Franziskanerkirche (heute die Musikschule) zugewiesen. Noch heute zeugt der Begriff "Reformiertes Treppchen" für den unteren Teil der Straße "Jäcksburg" (Jakobsburg) von der Anwesenheit der Flüchtlinge.
Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde Wetzlar wiederum von der Pest heimgesucht, insbesondere in den Jahren 1529-32 und 1536-64, als mehr als 1.100 Menschen der Seuche zum Opfer fielen. Mehrere Hochwasser von Lahn und Dill setzten der Stadt weiter zu.
Ab 1618 war Wetzlar von spanischen Truppen und kurzzeitig von der Armee Tillys besetzt. Plünderungen im Umland und Einquartierungen belasteten die Bewohner. Im Jahre 1631 näherten sich schwedische Truppen der Stadt, was die Spanier zum Abzug veranlaßte. Erneut hauste die Pest, und 1643 richtete ein Hochwasser wiederum große Zerstörungen an. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges zählte die Stadt nur noch 1.500 Einwohner.
Das Reichskammergericht in Wetzlar
Tillys
Ein Glücksfall für Wetzlar war die 1693 vollzogene Verlegung des höchsten Gerichtes des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, des Reichskammergerichts (RKG), nach Wetzlar. Anlaß der Verlegung war die Verwüstung des vormaligen Sitzes des Gerichtes, Speyer, während des Pfälzischen Erbfolgekrieges. Die Bevölkerungzahl wuchs wieder, weil nunmehr Gerichtsangehörige mit Frauen, Kindern und Bediensteten, zusammen rund 1.000 Menschen, in die Stadt kamen. Handwerker wie Buchdrucker, Perücken- und Hutmacher fanden plötzlich ein Auskommen, Gasthäuser fanden durch den regen Gerichtsverkehr neue Gäste. Kaufleute und Handwerker stellten sich auf den gehobenen Geschmack ihrer neuen Kundschaft ein. Im Laufe der Jahre entstanden die größtenteils heute noch zu besichtigenden prachtvollen Stadtpalais im Stil des Barock und Rokoko, die das Bild der Altstadt neben den mittelalterlichen Bauten prägen. Während der großen Visitation am Reichskammergericht (1767-76) war die Ansammlung adliger und reicher Familien in der Stadt so groß, daß sie nur etwa von Regensburg, mit der Reichsversammlung, und der kaiserlichen Hauptstadt Wien übertroffen wurde.
Im Bild rechts ist die Alte Kammer abgebildet, die, nach dem Umzug in die Neue Kammer im Herzoglichen Haus (im letzten Krieg leider den Bomben zum Opfer gefallen) und später ins von Ingelheimsche Palais, als Kanzlei, zu Audienzen und zu Sitzungen der Visitationsbehörde genutzt wurde.
Goethe in Wetzlar
Im Sommer 1772 war Johann Wolfgang von Goethe als Praktikant am Reichskammergericht und machte allein dadurch Wetzlar weltweit bekannt. Ein Teil seiner direkten Vorfahren mütterlicherseits stammt aus Wetzlar. Über Wetzlar selbst sagte Goethe, daß der Zustand der Stadt nicht gerade bezaubernd sei, jedoch lobte Goethe besonders das nahe Umland der freien Reichstadt als eine unbeschreibliche Schönheit der Natur.
Seine Liebe zu Charlotte Buff und der Selbstmord von Karl Wilhelm Jerusalem regten Goethe zu seinem weltberühmten Briefroman Die Leiden des jungen Werthers an. Goethe kam im November 1772 noch einmal für einige Tage nach Wetzlar. Dessen "alte Wunde", seine Liebe zu Lotte, ist bei dieser Gelegenheit wieder aufgerissen, was ihm seinen erneuten Abschied nicht leichter machte.
Das Ende der Freien Reichsstadt
Im Jahre 1789 war die Französische Revolution ausgebrochen. Trotz eines Waffenstillstandes hatten französische Truppen den Rhein überschritten, sie wurden jedoch in der Schlacht bei Wetzlar von Erzherzog Karl von Österreich geschlagen. Sie konnten aber nach einem neuen Vorstoß die Stadt besetzen und hier ihr Hauptquartier errichten. Der oberkommandierende General Hoche starb am 19. September 1797 im so genannten Herzoglichen Haus und wurde mit einem prunkvollen Trauergeleit von Wetzlar nach Koblenz überführt. Mit der Auflösung des Reichs 1806 endete auch die Existenz des Reichskammergerichts. Die französisch besetzte Freie und Reichsstadt Wetzlar verlor bereits 1803 ihre Reichsunmittelbarkeit im Zuge der Mediatisierung. Als Grafschaft Wetzlar wurde sie dem Kurfürsten von Mainz, Carl Theodor von Dalberg, unterstellt. Nach dem Wiener Kongreß fiel das Gebiet 1815 an Preußen, und 1822 wurde es Sitz des Landrates des neu geschaffenen Landkreises Wetzlar.
Wetzlar als preußische Provinzstadt
Der nun preußische Landkreis lag als isolierte Exklave weit außerhalb des übrigen preußischen Territoriums. Der östliche Nachbar das Großherzogtum Hessen, der westliche das Herzogtum Nassau. Wetzlar wurde der preußischen Rheinprovinz zugeordnet, deren Gebiet jedoch erst rund 60 km westlich der Stadt begann.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Wetzlar Garnisonstadt und lebte überwiegend vom Ackerbau. Ab 1830 emigrierten viele Wetzlarer auf Grund der drückenden Armut und der reaktionären preußischen Politik. Erst 1845 wurde in Preußen mit der Einführung der Gewerbefreiheit der Zunftzwang aufgehoben.
Nach dem Deutschen Krieg 1866 okkupierte Preußen die Länder Nassau und Kurhessen und schloß sie 1868 zur neuen Provinz Hessen-Nassau zusammen. Obwohl Wetzlars westliche und nördliche Umgebung nun ebenfalls preußisch war, blieb der Landkreis Teil der fernen Rheinprovinz. Erst viel später, 1932, wurde der naheliegene Anschluss an die Provinz Hessen-Nassau vollzogen. Das östliche Umland gehörte dagegen weiterhin zu Hessen.
Die administrative Isolierung Wetzlars von seiner näheren Umgebung während des 19. Jahrhunderts fand in die Mentalität der Bewohner und in die lokale Identität Eingang, ein Umstand, der noch in den 1970er Jahren zum großen Hindernis für die hessische Gebietsreform wurde.
Wetzlar wird Industriestadt
Die Industrialisierung begann mit der Schiffbarmachung der Lahn. Schon Jahrhunderte vorher war im heutigen Stadtgebiet von Wetzlar und in der Umgebung Erz gewonnen worden, das mit Hilfe von Holzkohle von den umliegenden Wäldern verhüttet wurde.
Mit der Eröffnung zweier Eisenbahnlinien 1862/63 (Lahntalbahn und Köln-Gießener Eisenbahn), die sich in Wetzlar trafen, fand die Stadt Anschluß an ferne Rohstoff- und Absatzmärkte und damit eine neue Bestimmung: Wetzlar wurde Industriestandort. Der erste Wetzlarer Hochofen der Gebrüder Buderus wurde 1872 in Betrieb genommen. Über 100 Jahre lang wurde in der Sophienhütte das im Lahn-Dill-Gebiet gefundene Eisenerz (Roteisenstein) verarbeitet. Die Berlin-Wetzlarer-Eisenbahn, die so genannte Kanonenbahn (1880), mit der Strecke Berlin-Wetzlar-Koblenz-Metz hatte zunächst eher einen militärisch-strategischen Hintergrund. Der Streckenabschnitt über Potsdam südwestlich Berlin heißt noch heute Wetzlarer Bahn.
Es entstanden Unternehmen der optischen und feinmechanischen Industrie mit Weltruf wie Leitz (Leica), Hensoldt (Zeiss), Pfeiffer, Philips, Loh, Seibert, Hollmann und viele andere.
Eisenerzeugung und -verarbeitung haben in Wetzlar eine lange Tradition mit Firmen wie Buderus AG, Röchling, Berghütte, Carolinenhütte, Herkules und, gleichsam als Nebenprodukt, die industrielle Zementherstellung. Klein- und Mittelbetriebe entwickelten sich zu beachtlichen Industrieunternehmen. Sie haben die Stadt weitaus bekannter gemacht als die meisten anderen Persönlichkeiten ihrer Geschichte.
Erzbergbau und Hüttenwesen
Mindestens schon in der keltischen La-Tène-Zeit wurde in und um Wetzlar aus Rollagern Eisenerz gewonnen und vor Ort in Rennöfen zu Schmiedeeisen verhüttet. Rollager sind Stellen, an denen Erzminen an die Erdoberfläche treten, so daß man die eisenerzhaltigen Klumpen nur aufsammeln mußte. Die erste schriftliche Erwähnung des Bergbaus in Wetzlar findet sich 780 im Lorscher Codex. Im ersten Fall wurden zwei Gruben dem Kloster Lorsch geschenkt, im anderen Fall werden die Zehntabgaben eines Bauern an Eisen pro Jahr festgelegt.
Im 13. Jahrhundert stand der Bergbau, das Hüttenwesen und der Eisenhandel in Wetzlar in voller Blüte, und die Dokumente über Eisenerzgruben und Schmelzöfen häufen sich. Das Roheisen wurde bis nach Frankfurt am Main gehandelt. Auf dem Kalsmunt, auf dem Lahnberg (Eisenberg) und in der heutigen Avignonanlage werden Erzgruben erwähnt. 1328 wurde der erste Altar im Dom der Heiligen Barbara (der Schutzheiligen der Bergleute) gewidmet. Heute steht auf dem Eisenmarkt in Wetzlar eine sehr schöne Statue der heiligen Barbara auf dem Eisenmarktbrunnen. 1361 wurde die Zunftordnung der Wetzlarer Schmiedemeister von Kaiser Karl IV. bestätigt.
Mit dem Aufkommen von eisernen Öfen wurden Ofenplatten aus Eisen gebraucht, was zur Folge hatte, daß der Wetzlarer Bergbau und das Hüttenwesen, Waldschmieden und Handwerk, wieder aufblühten. Eine besondere Bedeutung hatte der Eisenkunstguß und die Herstellung von Waffen. Dieser Aufschwung bewirkte gleichzeitig seinen eigenen Niedergang, denn zur Herstellung eines Wagens Roheisen wurden 32 Wagen Holz benötigt, um die zur Reduktion des Eisens benötigte Holzkohle zu erzeugen. Der Holzbedarf für die Schmelzwerke war so hoch, daß bald alle Berge um Wetzlar abgeholzt waren und die Holzkohle deshalb zu hohen Kosten von weit her herangeschafft werden mußte. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war das Hüttenwesen in Wetzlar nahezu verschwunden, der Bergbau bestand in geringerem Maße weiter, weil das Eisenerz nach außerhalb, wo noch genügend Wälder zur Verfügung standen, verkauft werden konnte.
Der Bedarf auswärtiger Schmelzöfen wuchs zu Beginn des 19. Jahrhunderts immer weiter, und die kleinen Gruben wurden zu größeren Gruben zusammengefasst (Grube Raab, Buderus). Nach der Gründung des Deutschen Zollvereins wurde das Wetzlarer Erz bis in den Vogelsberg, das Elsaß, zur Saar und ins Ruhrgebiet transportiert. Allein im Wetzlarer Stadtgebiet wurden zwischen 1830 und 1839 elf neue Gruben eröffnet. 1841 entstand das erste Wetzlarer Puddel- und Walzwerk. Die Schiffbarmachung der Lahn 1847 brachte nur eine kleine Erleichterung bei der Bewältigung der Transportprobleme, weil sie an über 200 Tagen im Jahr entweder wegen Hochwasser oder wegen Niedrigwasser nicht schiffbar war. Erst der Bau der Lahntalbahn brachte den Durchbruch.
1869 waren allein im Stadtgebiet 100 Bergwerke in Betrieb. 1872 wurde der erste Hochofen der Buderus'schen Sophienhütte angeblasen. Das Erz kam aus Wetzlar, der Kalkstein kam aus Wetzlar, Wasser war genug vorhanden, der Koks kam per Eisenbahn aus dem Ruhrgebiet. Bis 1981, als die Sophienhütte stillgelegt wurde, blieb sie allerdings das einzige Hochofenwerk. Ab 1887 wurden nach und nach Erzbergwerke in Wetzlar stillgelegt, nur kurz unterbrochen durch den 1. Weltkrieg, weil ausländische Erze, die im Tagebau gewonnen wurden, auf dem Weltmarkt billiger angeboten wurden. 1926 kam der Wetzlarer Bergbau ganz zum Erliegen.
Politik
Die Stadt Lahn
Wetzlar war Schauplatz des spektakulärsten Projekts der hessischen Gebietsreform: nach rund zehn Jahren Vorplanung, zunächst von allen Parteien mitgetragen, wurde am 1. Januar 1977 die Stadt Lahn gegründet. Sie bestand aus den beiden bisherigen Städten Wetzlar und Gießen und 14 zwischen ihnen liegenden Landgemeinden. Wetzlar brachte außerdem den 1972 eingemeindeten Stadtteil Dorlar mit in die „Ehe“. Der Landkreis Wetzlar wurde mit dem Dillkreis und dem Landkreis Gießen zum neuen Lahn-Dill-Kreis zusammengeschlossen. Lahn wurde kreisfreie Stadt, Sitz der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreises wurde Wetzlar, das nun den Namen Lahn-Wetzlar führte.
Das Projekt der gemeinsamen Lahnstadt stieß in Wetzlar, trotz ursprünglicher Zustimmung, schon früh auf Bedenken. Gießen war größer und als Sitz der neuen Stadtverwaltung vorgesehen, außerdem (für die handelden Akteure mindestens genauso wichtig) sollte der bisherige Gießener Oberbürgermeister auch Oberbürgermeister von Lahn werden, der bisherige Wetzlarer Bürgermeister nur sein Stellvertreter.
Neben der Angst, als vermeintlicher Juniorpartner in die Fusion zu gehen, kam auch die im 19. Jahrhundert geprägte administrative Isolation Wetzlars zum Tragen: Die Stadt war nie "hessisch", bis 1945 gehörte sie zu Preußen, Gießen dagegen immer zu Hessen. Die Landesgrenze bildete 140 Jahre lang eine Barriere für den Austausch der beiden Nachbarstädte. Die Verflechtungen Gießens mit Friedberg, halb so groß wie Wetzlar, aber doppelt so weit entfernt, waren beispielsweise intensiver als die zwischen Gießen und Wetzlar.
Zum Zeitpunkt der „Stadtgründung“ leisteten in Wetzlar alle Beteiligten Widerstand gegen die gemeinsame Stadt, hinzu kam die ursprüngliche Erfinderin des Projekts, die hessische CDU. Nachdem letztere mit großem Abstand die Wahlen zum Stadtparlament der neuen Stadt gewann, leitete die SPD/FDP-Landesregierung die Wiederauflösung der Lahnstadt ein.
Zum 31. Juli 1979 wurde Lahn wieder aufgelöst und Wetzlar wieder zur eigenständigen Stadt. Das Abenteuer hatte sich für Wetzlar jedoch insofern "gelohnt", als daß die Stadt Wetzlar von Lahn acht der bisherigen Stadtteile hinzugewinnen und konnte. Sie waren ohnehin schon lange, bis auf drei, fest miteiander verwachsen. So wurde Fläche und Einwohnerzahl gegenüber 1977 deutlich vergrößert. Der ehemalige Stadtteil Dorlar fiel jedoch an die neue Gemeinde Lahnau. Der Landkreis Gießen wurde vom Lahn-Dill-Kreis wieder abgetrennt, erhielt jedoch einige Gemeinden aus dem nördlichen und südlichen Altkreis Wetzlar, sowie aus dessen unmittelbarem Gießener Umland hinzu.
Stadtgliederung
1979
Der alte Kernstadtbereich ist unterteilt in 12 Stadtbezirke. Daneben gibt es acht äußere Stadtteile, die alle erst mit der Auflösung der Stadt Lahn 1979 zu Wetzlar kamen: Naunheim, Garbenheim, Münchholzhausen, Dutenhofen (alle im Osten), Nauborn (Süden), Steindorf (Westen), Blasbach und Hermannstein (im Norden).
Städtepartnerschaften
- 25px Avignon, Frankreich
- 25px Colchester, England
- 25px Siena, Italien
- 25px Bezirk Neukölln, Berlin
- 25px Ilmenau, Thüringen
- 25px Schladming, Österreich
- 25px Reith bei Kitzbühel, Österreich als Partnerstadt des Wetzlarer Stadtteils Garbenheim.
- Wetzlar ist Trägerin der Ehrenfahne des Europarats.
- Patenschaften: Dori (Burkina Faso) (seit 1975), der 8. Bezirk in Moskau.
- Partnerschaften: Windhuk (Namibia); Point Pedro, Stadt in Sri Lanka (durch Vermittlung von »Humedica«)
- Partnergemeinde: Nossa Senhora Apareçida in São Paulo, Brasilien
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Historische Altstadt
Brasilien
Brasilien
Das nahezu geschlossene Ensemble historischer Bauwerke und Wohnhäuser in der Altstadt (und den alten Vorstädten "Langgasse" und "Neustadt", durch die sog. "Alte Lahnbrücke" verbunden) mit Fachwerkhäusern und Steinbauten aus der Zeit der Romanik (Dom), der Gotik, aus Renaissance und Barock ist im Zustand, wie es sich zum Ende des 18. Jahrhunderts darstellte, erhalten und weitgehend restauriert. So bestehen noch die Plätze "Buttermarkt/Domplatz", "Fischmarkt", "Eisenmarkt", "Kornmarkt" und der ehemalige "Franziskanerhof", jetzt "Schillerplatz". Von den rd. 50 nennenswertesten Gebäuden sind hier beispielsweise aufgezählt: ein so genannter Wandständerbau aus dem Jahr 1356; die "Alte Münze" am Eisenmarkt; der "Römische Kaiser" (15. Jahrhundert), ein ehemaliges Theater- und Ballhaus; der ehem. Deutschordenshof, heute Städtisches Museum; das "Lottehaus", Wohnhaus der Charlotte Buff; das Jerusalemhaus in dem sich K.W.Jerusalem erschoss und so eine traurige Berühmtheit als Werther erlangte; das fürstliche "Palais Papius", in dem sich heute die Sammlung historischer Möbel, zusammengestellt von Dr. Irmgard Freiin von Lemmers-Danforth, befindet.
Die steinerne oder Alte Lahnbrücke wurde im Jahre 1313 erstmals erwähnt. Ein in der Mitte des 14. Jahrhunderts als Rathaus errichtetes Gebäude wurde nach mehrfachem Umbau vom Reichskammergericht von 1693 bis 1806 als Sitz und Kanzlei genutzt. Ansehnliche Reste der Stadtbefestigung aus dem 13. und 14. Jahrhundert, so z.B. der "Schneiderturm" und später in "Säuturm" umbenannte Befestigungsturm, sind noch erhalten. Die beiden im 14. Jahrhundert auf zwei Höhen östlich und südlich der Stadt erbauten Türme der Landwehren, die Garbenheimer Warte (um 1900 zum Bismarkturm umgebaut) und die Brühlsbacher Warte, sind heute Aussichtstürme.
Die Herkunft des Namens der Reichsburgruine Kalsmunt ist nicht eindeutig geklärt. Nicht ausgeschlossen werden kann die folgende Deutung: Kals- = Karls und -munt = Vasall, d. h. ein Lehensmann des Fränkischen Hofes. Demnach handelte es sich um eine Anlage aus der Zeit Karls des Großen.
Die Burg Hermannstein (1373-79), ein typ. Beispiel einer gotischen Wohnturmanlage nach französischem Vorbild, wurde für den Landgrafen Hermann I. von Hessen errichtet.
Dom
Karls des Großen
Hauptartikel: Wetzlarer Dom
Der Wetzlarer Dom ist eines der Wahrzeichen von Wetzlar.
Baubeginn des heutigen Domes, der aber bis zum heutigen Tage nicht vollendet ist, war 1230. Er ist Nachfolger einer im Jahre 897 geweihten Salvatorkirche. Dom hieß die Stifts- und Pfarrkirche ab Ende des 17.Jh. Die Bezeichnung setzte sich in der Zeit des Reichskammergerichts (1693-1806) durch, als der Kur-Erzbischof von Trier immer Stiftspropst war, der Dom also Bischofskirche war.
Das Bauwerk wirkt wie ein "steingewordenes Buch über mittelalterliche Baustilkunde". Er bietet trotz seiner über die Jahrhunderte dauernden Bauzeit heute ein geschlossenes Bild.
Kirchen
Weitere bedeutende Kirchen: Michaeliskapelle, 13.Jahrhundert, Nutzung als ehemalige Bauhütte des Domes und später als Karner oder Ossarium (Beinhaus und Kirchhofkapelle) mit großer Kreuzigungsgruppe an der Westwand (1509). Hospitalkirche, in den Jahren 1755-64 von J.L.Splittdorf errichtete Kirche, mit sehenswertem Aufbau von Kanzel, Orgel über dem Altar und dreiseitigen Emporen. Franziskanerkirche, Klostergründung 1263, das Langhaus der Kirche ist profaniert. Kloster Altenberg, ehemaliges Prämonstratenserinnen-Kloster etwa um 1260-1270 durch die sel. Gertrud, die Tochter der hl. Elisabeth, gegründete Anlage ist heute Gutshof und Königsberger-Diakonissen-Mutterhaus. Überreste der Theutbirg-Basilika im Stadtteil Nauborn.
Parks, Anlagen
- Rosengärtchen
- Avignon-Anlage
- Colchester-Anlage
- Siena Promenade
- Neukölln-Anlage
- Ilmenau-Anlage
- Schladming-Anlage
Denkmale, Kunstwerke
- Obelisk in Dalheim: Schlacht bei Wetzlar (1789) Erzherzog Karl von Österreich schlägt napoleonische Truppen unter General Hoche.
- Tile Kolup, der falsche Kaiser Friedrich II, an der Friedenstraße und Feuerthron in der "Spielburg".
- Labyrinth in der Colchester-Anlage.
- Der "Giesser", Buderus-Kunstguss-Sculptur, Standort vor der Hauptverwaltung Buderus.
- "Familie", eine moderne Guss-Sculptur von Ludwig Leitz, Standort Bahnhofstrasse.
Theater und Konzerte
- Alljährlich in den Monaten Juni, Juli und August finden die Wetzlarer Festspiele mit Opern, Operetten, Musicals, mit Schauspiel, Konzerten und Kleinkunst überwiegend im Rosengärtchen, im Lottehaus und im Industriemuseum statt.
- Das Neue Kellertheater Wetzlar unterhält mit Komödie, Krimi, Schauspiel oder Musical.
- Der Theaterring Wetzlar veranstaltet im Winterhalbjahr mit Tourneetheatern monatlich einen Theaterabend.
- Im Harlekin im Riesen spielt die Gruppe Wetzlarer Besenkammerspiele.
- Die Wetzlarer Kulturtage mitte Juni sind ein dreitägiges sommerliches Musikfestival auf der Lahninsel und in der Innenstadt mit Musik, Folklore, Theater und Kunst.
- Der Kulturring Nach Feierabend bietet Besuche von Theaterveranstaltungen des Stadttheaters Gießen.
- Als Attraktion gilt die neue Mittelhessen-Arena Wetzlar, in der Konzerte, Show-Business, Kongresse, Tagungen, Sportveranstaltungen allgemein und die Heimspiele der Bundesligahandballer HSG Wetzlar stattfinden.
Weitere Höhepunkte sind die Internationalen Gitarrentage Wetzlar, Sommer-Matineen im Rosengärtchen und das Franzis - Kulturzentrum.
Clubs, Hallen, Theater, Open-Air. Sehen Sie die Konzerte und Veranstaltungen der Wetzlar Locations:
- Arena Wetzlar
- Franzis
- Harlekin im Riesen
- Pferdepalast Circus Althoff
- Rosengärtchen
- Stadthalle Wetzlar
- Neues Kellertheater Wetzlar
- Bunte Katze
- Kleine Bühne
Feste und Veranstaltungen
- "Fassenacht", die Hochburg an der Lahn. Die zahlreichen "Karnevalsvereine" sorgen mit allerlei Veranstaltungen und Bällen für die richtige Stimmung. Der "große" Fassenachtsumzug quer durch die Stadt mit meist über hundert Zugnummern und mehreren Kilometern länge, findet unter großer Anteilnahme der Bevölkerung immer am Fassenachts-Sonntag statt.
- Ochsenfest (seit 1753), größtes Volksfest in Mittelhessen mit angeschlossener Landwirtschafts- und Tierschau, beginnt alle 3 Jahre für eine Woche im "Finsterloh".
- Autosalon, heimische Händler mit den neuesten Wagen und viel "drumrum".
- Familienfest auf der Bachweide und der Lahninsel.
- Sommernachtsweinfest auf dem Schillerplatz in der Altstadt.
- Brückenfest, rund um die Altstadtbrücken.
- Gallusmarkt (seit 1318), u.a. verkaufsoffener Sonntag mit vielen Überraschungen in und um die Fußgängerzonen.
- Adventsmärkte, in der Altstadt und in Bahnhofsnähe.
- Zirkuszelte werden auf der Bachweide aufgebaut.
Museen und Bibliotheken
- Stadt- und Industriemuseum. Ein äußerst vielfältig ausgestattes Museum mit beeindruckenden Exponaten aus der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte der Stadt und Zeugnissen der regionalen Industriekultur (Schwerindustrie, Optik und Feinmechanik, Bergbau), darunter die „Sammlung Karsten Porezag“, eine bundesweit einzigartige Sammlung historischer Grubenlampen. Darüber hinaus eröffnet dieses Museum einen Einblick in die Vor- und Frühgeschichte der Region und präsentiert wertvolle Zeugnisse der Keltenzeit.
- Lottehaus. Eine Gedenkstätte für Charlotte Kestner geb. Buff als Erinnerung an die Zeit, in der Goethe hier oft Gast war. Dank aufwendiger denkmalpflegerischer Untersuchungen war es möglich, das frühere Deutschordenshaus in Wetzlar annähernd in jenem Zustand zu rekonstruieren, in dem Johann Wolfgang von Goethe es am Ende des 18. Jahrhunderts vorfand. Jährlich besuchen tausende „Werther“-Touristen aus aller Welt dieses Gebäude.
- Jerusalemhaus. Eine weitere Gedenkstätte für Johann Wolfgang von Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“. In diesem Gebäude nahm sich sich einst Karl Wilhelm Jerusalem, vermutlich aus Liebeskummer, das Leben. Jerusalem war eines der realen Vorbilder des „Werther“. In der Gedenkstätte findet sich heute, wie im „Werther“ beschrieben, „Emilia Galotti auf dem Pulte aufgeschlagen“. Heute beherbergt der restaurierte Altbau neben der Wetzlarer Museumsverwaltung auch die bedeutende Goethe-Werther-Sammlung, eine Bibliothek, welche größtmögliche Vollständigkeit in der Dokumentation des „Werther“-Romans anstrebt und nicht nur wertvolle zeitgenössische deutsche Ausgaben des Romans bereithält, sondern auch Neuausgaben in jeder erdenklichen Sprache sammelt.
- Sammlung Dr. Irmgard von Lemmers-Danforth mit europäischer Wohnkultur aus Renaissance und Barock. Diese Sammlung, im so genannten „Palais Papius“ ansässig, gehört zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen von Möbeln aus Renaissance und Barock. Der Bauherr des Gebäudes, Papius, war übrigens im 18. Jahrhundert als korrupt verschrieen, weshalb ihm Goethe in seinem „Götz von Berlichingen" ein fragwürdiges Denkmal als „Sapupi“ setzte.
- Reichskammergerichtsmuseum. Das Reichskammergerichtsmuseum ist bundesweit das einzige rechtsgeschichtliche Museum und nicht zuletzt deshalb ein Anziehungspunkt für Juristen und an der Geschichte des Rechts und der Justiz in Deutschland Interessierte. Getragen von der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung e. V. und der Stadt Wetzlar, präsentiert das RKG-Museum eine Reihe hochwertiger Exponate zur Verfassungsgeschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dem RKG-Museum ist außerdem eine Forschungsstelle des Max-Planck-Instituts für Rechtsgeschichte zugeordnet.
- Messingmuseum
- Sammlung historischer Mikroskope Ernst Leitz (im Neuen Rathaus)
- Wetzlarer Spielzeug- und Puppenmuseum
- Landwirtschaftliches Museum
- Heimatmuseen und Dorfstuben in den Stadtteilen,
- Besucherbergwerk Grube Fortuna
- „Patenschaft für das ostdeutsche Lied“ : 1962 gegründete wissenschaftliche Sammelstelle und Bibliothek für Liedgut der ehemaligen deutschen Ostgebiete.
- Phantastische Bibliothek Wetzlar. Die 1989 eröffnete Bibliothek entwickelte sich zur weltweit größten öffentlich zugänglichen Sammlung phantastischer Literatur. Die Phantastik-Stiftung vergibt jährlich einen Phantastikpreis.
- Stadtbibliothek mit einem Bestand von derzeit ca. 45000 Medien. Aus der zugehörigen "Artothek" können über 200 Bilder, meist Originale (hauptsächlich von einheimischen Künstlern) und Skulpturen ausgeliehen werden.
- Historisches Archiv, es verfügt u.a. über eine außergewöhnlich große Urkundensammlung sie ist mit über 4400 Originalen eine der größten in Hessen.
Galerien
- Galerie am Dom
- Galerie im Stadthaus am Dom
- Atelier Ludwig Leitz mit dem künstlerischen Werk von Ludwig Leitz
- Galerie im neuen Rathaus
- Galerie Atzbach, Grafiken und Illustrationen
- "Kunst im Krankenhaus", regelmäßige und wechselnde Fotoausstellungen auf den Stationen der Urologischen Klinik des Klinikums Wetzlar-Braunfels, mit Fotowettbewerben und Preisverleihung.
- Kunstprojekt Atelier Löwenherz, unter künstlerischer Leitung stattfindende Betätigung für geistig und körperlich behinderte Erwachsene und Nichtbehinderte.
- "Erste Malschule Wetzlar", sie vermittelt Kindern ab sechs Jahren Spaß am kreativen Tun und bietet Malkurse für Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene. Darüber hinaus werden Aufbaukurse (Mappe) zur Aufnahmeprüfung an einer Hochschule durchgeführt.
- "Form und Farbe": Im Sommer 1991 schlossen sich Wetzlarer Freizeitkünster unter dem Namen Form & Farbe zusammen. Die Gruppe ist eine lockere Vereinigung mit dem Ziel, Gedanken und Erfahrungen auszutauschen und in kleinen Gruppen gemeinsam zu arbeiten. Darüber hinaus sind regelmäßige Ausstellungen vorgesehen
Musik, Gesang, Tanz
Sehr gute und vielfältige Angebote zum zuhören, zuschauen oder aktiv mitmachen, außer den Musik- und Volkshochschulen, bieten die ca.
- 40 Chöre
- 12 Orchester, sowie
- 13 Chöre und Orchester nur für Kirchenmusik
- 16 Bands / Musikgruppen
- 9 Tanzgruppen
- 2 Ballettstudios
- einige Tanzclubs und Tanzschulen
Vereine für Geschichte und Brauchtum
Geschichte, Heimat und Brauchtum sind Begriffe, die sehr unterschiedliche Gruppierungen zusammenfassen: Die Gesellschaft für Reichkammergerichtsforschung mit ihrem wissenschaftlichen Anspruch ist hier ebenso zu finden wie die sudetendeutsche Landsmannschaft, internationale Gesellschaften, die Wetzlarer Karnevalsgesellschaft oder die islamisch-christliche Frauengruppe des Vereins der Guten Sitten.
Gemeinsam ist diesen Gruppen das Bemühen, Bräuche zu erhalten, Geschichte und Geschichten erlebbar zu machen und kulturelle Vielfalt zu schaffen.
Kulinarische Besonderheiten
- Dulges (auch Rührdulges): ein aus geriebenen und entwässerten rohen Kartoffeln, Zwiebeln, Speck und Gewürzen in einem möglichst gußeisernen Bräter unter immer wieder kurzem Umrühren, angebratener Teig. Schmeckt weit besser als er aussieht. Dazu darf eine trockene Scheibe Graubrot und / oder Apfelmus gereicht werden.
- Schmierchelskuche (Schmandkuchen?): eine Art Kartoffelkuchen mit Zwiebelbelag und süsser Abdeckung (Marmelade, Sahne o. ä.).
- Wein aus Wetzlar gibt es leider nicht mehr, dennoch: der Rebbau an den Ufern der Lahn breitete sich bis zum 14. Jahrhundert vom Rhein-Main-Gebiet unter dem Einfluss des Zisterzienserklosters Eberbach (Rheingau) aus. Erst die Einführung des Terrassenweinbaus im 10./11. Jahrhundert ermöglichte auch den Weinbau im sehr engen unteren Lahntal. Urkundlich erwähnt wird der Rebbau an der Lahn zum ersten Mal im 12. Jahrhundert, und zwar für Nassau (1159). Weitere Ersterwähnungen für Weinberge sind z.B.: Kloster Arnstein (um 1200), Wetzlar (1242), Laurenburg (1275). Viele Hügel- und Straßennamen in und um Wetzlar verraten noch heute den einstigen Weinanbau. Das Lahntal war jahrhundertelang für seine vorzüglichen Rotweine bekannt. Witterungseinflüsse, z.B. Frostschäden, Rebkrankheiten und -schädlinge führten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer weiteren Verringerung der Rebflächen und zum Niedergang des Weinbaus. Der Lahnwein hat kein heute eigenes Anbaugebiet mehr, sondern gehört zum Weinbaugebiet Mittelrhein. Heute gibt es hier nur noch zwei Weinorte: Obernhof und Weinähr im Gelbachtal.
:(aus "Bibliographie zum Weinbau an der Lahn")
Sport
Bundesligamannschaften wie z. B. die HSG Wetzlar (Handball-Bundesliga Männer), der KTV Wetzlar (Bundesliga-Kunstturnen der Damen und Herren), RSV Lahn-Dill (Bundesliga-Rollstuhlbasketball, Männer) - Deutscher Meister, Deutscher Pokalsieger, Championsleague-Europacupsieger 2004 und 2005 -, Kunstturnen Männer (Fabian Hambüchen), Twirling, Radpolo, Eisstockschießen, Skat - um nur einige zu nennen, weiterhin Ruderverein RG Wetzlar (mit etlichen Olympiasiegern, Welt-, Europa- und Deutschen Meistern), Tanzsport (ebenfalls mit Welt-, Europa- und Deutschen Meistern), TV Wetzlar (Volleyball, Badminton, Minigolf etc.), Eintracht Wetzlar (Fußball, Landesliga). In der Vielzahl der Vereine werden so gut wie alle Sportarten angeboten. Im Jahr 2004 wurden über das ZDF allein zwei Wetzlarer unter die besten 100 deutschen Sportler des Jahrhunderts gewählt.
Wetzlar ist immer wieder Standort nationaler und internationaler Sportveranstaltungen von Rang. Die Stadt gehört u.a. zu den offiziellen Ausrichtungsorten der Handball-Weltmeisterschaft 2007.
Wanderwege
Wetzlar liegt an den Ferienstraßen: Deutsche Fachwerkstrasse, Lahnferienstrasse und Solmser Strasse. Die Oranierroute berührt zwar die Stadt, sie gehört aber nicht dazu. Wetzlar ist Mitglied im Taunusclub e.V. und im Westerwald-Verein e.V. Hier auszugsweise einige Wanderbeispiele:
- Wetzlar ist Ausgangspunkt des vom Taunusclub ausgezeichneten Jakobsweges nach Burg Lahneck und zur Hospitalkapelle in Lahnstein
- Zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen auf den Lahn-Höhen-Wegen
- Vier-Türme-Wanderung im Stadtgebiet: Garbenheimer Warte (heutiger Bismarkturm) - Brühlsbacher Warte (sog. Bleistift) - Stoppelbergturm - Ruine Kalsmunt. Wegstrecke rund um die Altstadt ca. 14 Km, Höhenunterschied 264 m
- Durch das Sieben-Mühlen-Tal von Brandoberndorf nach Wetzlar, ca. 18 Km.
- Angebote des Naturschutz-Zentrums / -Akademie Hessen e.V. (NZH), wie etwa Naturerlebnispfade etc.
- Der durch Wetzlar führende Lahntalradweg gehört lt. ADFC zu den Top 10 der deutschen Radfernwanderwege.
- Die Lahn zählt zu den romantischsten und wasserwanderfreundlichsten Flüssen Deutschlands. In der Stadt gibt es fünf offizielle Ein- bzw. Ausstiegsstellen mit Raststätten, Toiletten, Campingplatz, Einkaufsmöglichkeiten, Unterkünften und Busanbindung.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Bereits im Mittelalter war die Verbindung nach Wetzlar ausreichend; u.a. lag Wetzlar an der "Hohen Straße", einem bedeutenden Handelsweg, welcher von Köln über Wetzlar nach Frankfurt am Main führte.
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A 45
Wetzlar liegt an der A 45 mit den Abfahrten: Wetzlarer Kreuz Aßlar/Wetzlar-Nord, Wetzlar-Ost (Autobahnkreuz ähnlich) und Wetzlar-Süd (Sauerlandlinie/Dortmund-Aschaffenburg) und ist über | | |