:: wikimiki.org ::
| Grundbedürfnis |
GrundbedürfnisGrundbedürfnisse des Menschen sind wichtige Lebensvoraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um sich eines gesunden, zufriedenen und würdigen Lebens zu erfreuen.
Es versteht sich, dass die Übereinstimmung z.B. der öffentlichen Meinung, was ein "Grundbedürfnis" sei, starkem Wertewandel unterliegt. Viele Wissenschaften versuchen, hier Klarheit zu schaffen, z.B. die Anthropologie, die Medizin und die Psychologie. Oft wird hier mit Axiomen gearbeitet, die dann das Erkenntnisfeld stark vorstrukturieren, z.B. in der Volkswirtschaftslehre. Gerne befassen sich normativ fundierte Wissenschaften damit, z.B. die Theologie oder die Rechtswissenschaft.
Übersicht
Häufig vorausgesetzte körperliche Grundbedürfnisse
- Gesundheit
- gesunde Nahrung
- gesunde natürliche Umwelt: Luft, Wasser, Sonne
- gesicherte geschaffene Umwelt:
- Kleidung,
- Unterkunft, bzw. Wohnung
- Wärme,
- Schutz vor Gefahren.
- körperliche Betätigung: Sport, Spiel, Arbeit, Sexualität
- Ruhe, Schlaf, Entspannung,
- bei vorwiegend geistiger Arbeit > körperlicher Ausgleich
- bei vorwiegend körperlicher Arbeit > geistiger Ausgleich
- ungefähre 3 - 8 Std. Regel:
- 8 Std. Arbeit,
- 8 Std. Freizeit, Essen, Erholung,
- 8 Std. Schlaf
- keine extremen körperlichen und geistigen Überanstrengungen, keine extremen Überforderungen in Arbeit und Sport
Häufig vorausgesetzte psychische Grundbedürfnisse
- Sicherheit: Gefühl der Geborgenheit, des Gebrauchtwerdens, der Verbundenheit. Ähnlich wird auch vom Bedürfnis nach Bestimmtheit gesprochen. Sicherheit der politischen Verhältnisse und der wirtschaftlichen Lage. Aber auch
- Wechsel: Eine gewisse Spannung ist notwendig, sonst versinkt man in Lethargie. Offen sein für Neues, neue Menschen, neue Länder oder Gegenden, neue Arbeit, neue Freizeitbeschäftigungen.
- Erfolg und Anerkennung: Bestätigung, Arbeitsklima, Kritik und Lob aussprechen. Man kann auch von einem Bedürfnis nach Kompetenz sprechen.
- Freiheit und Kreativität
- Selbstwertgefühl: Selbstachtung, Selbstvertrauen, Stabilität, kein Selbstmitleid, Kenntnis seiner selbst, Fähigkeit zur Selbstkritik.
- Geliebt sein und Lieben können.
- Zerstreuung: die Notwendigkeit des Entspannungsprozesses als Gegenpol zu alltäglichen Abläufen zum Erhalt psychischer Belastbarkeit (Energie).
- Erlebnisse mit Erinnerungswert, z.B. in der Natur (Wanderungen, Radtouren usw.), menschliche Begegnungen dauerhafter und verlässlicher Art, Erfolge in der Arbeit, bestandene Schwierigkeiten.
Häufig vorausgesetzte transzendentale Grundbedürfnisse
- Erlösung
- Ewiges Leben
- Ewige Seligkeit
Atheisten und Brights lehnen die Existenz transzendentaler Grundbedürfnisse meist ab.
Soziale Dimension
Aus sozialwissenschaftlicher Sicht sind auch die seelisch-geistigen Grundbedürfnisse wie z.B. Kreativität, Erfolg, Selbstachtung, die sich in bestimmten Erwartungshaltungen manifestieren, in starkem Maße gesellschaftlich geprägt. Es kann z.B. beobachtet werden, dass in Zeiten der existenziellen Krisen (Kriege, Hungersnöte u.a.m.) die seelisch-geistigen Bedürfnisse gegenüber der Befriedigung der physischen Grundbedürfnisse zurück treten oder scheinbar völlig verschwinden. Sie äußern sich aber doch in Anfälligkeiten z.B. für neue religiöse Angebote. Dagegen tritt die Erwartung, dass diese abgeleiteten oder "höheren" Bedürfnisse befriedigt werden, in Zeiten der existentiellen Sicherung sogar in den Vordergrund und kann eine ebenso große Dringlichkeit erreichen. In allen Belangen ist der Mensch zur Befriedigung seiner Grundbedürfnisse auf die Interaktion und auch Kooperation anderer Menschen angewiesen. Insofern besitzen diese auch immer eine soziale Dimension.
Siehe auch: Grundrechte, Menschenrechte, Armut, Nachhaltige Entwicklung, Wirtschaft, Maslowsche Bedürfnispyramide, Bedürfnis, Residuum (Pareto)
Kategorie:Motivation
Kategorie:Soziologie
Leben
Leben beginnt dann, wenn die charakteristischen Eigenschaften der Lebewesen entstehen, Leben endet dann, wenn diese Eigenschaften wieder verschwinden, also der Tod eintritt.
Philosophie
In der Philosophie ist Leben das Wesen des Organischen.
Antike Philosophie
In der Antike ist der Begriff gleichbedeutend mit der Fähigkeit, sich selbst zu bewegen. Antreibende Kraft hierfür ist die Seele.
Aristoteles unterscheidet drei verschiedene Arten von Leben, die er hierarchisch anordnet und den Lebewesen zuordnet:
- auf der untersten Stufe steht das vegetative Leben der Pflanzen,
- darauf folgt das sensitive Leben der Tiere,
- auf der obersten Stufe befindet sich das geistig-seelische Leben des Menschen.
Eine andere historische Vorstellung besagte, dass Leben sich aus Unbelebtem immer wieder neu bildet, zum Beispiel in einem Heu-Wasseraufguss. Diese Theorie wurde als Urzeugung bezeichnet.
Louis Pasteur konnte dieses experimentell widerlegen.
Westliche Philosophie der Neuzeit
In der Neuzeit entwickeln sich zwei gegensätzliche Grundauffassungen:
- Mechanismus: Leben lässt sich allein aus den Gesetzmäßigkeiten der Bewegung der Materie vollständig erklären. (siehe auch: Materialismus und Physikalismus)
- Vitalismus: Leben kommt nur den organischen Erscheinungsformen zu und unterschiedet sich qualitativ von anorganischen Erscheinungsformen: Alles Lebendige zeichnet sich durch eine zielgerichtet formende Lebenskraft (vis vitalis) aus. (siehe auch: Idealismus). Lange Zeit wurde die Auffassung in der Biologie vertreten, dass im Zellsaft, im Protoplasma, diese besondere Lebenskraft stecken würde. In Anlehnung an religiöse Vorstellungen wurde angenommen, dass es 'belebte' und 'unbelebte' Materie gebe. Diese Vorstellung spiegelt sich noch in der Wortwahl "organische Chemie" und "anorganische Chemie" wieder. Heute ist jedoch bekannt, dass jede organische Substanz aus anorganischen Bestandteilen hergestellt werden kann (erstmals: Harnstoffsynthese durch Friedrich Wöhler).
Der Organizismus kann als Synthese dieser beiden Ansätze angesehen werden:
Lebensvorgänge lassen sich zwar durch die Prinzipien der Physik und Chemie erklären. Lebewesen besitzen aber auch Eigenschaften, die unbelebte Materie nicht aufweist. Dies sind emergente Eigenschaften, die sich einerseits aus der Komplexität von Lebewesen, andererseits durch die besondere Rolle ihres genetischen Programms ergeben.
Nach Ernst Mayr ist der Begriff „Leben“ nur der zum Ding gemachte Vorgang „Leben“ und existiert nicht als selbständige Entität.
Naturwissenschaftliche Annäherung
Lebewesen
Die naturwissenschaftliche Definition von Leben ist genau genommen eine Beschreibung von charakteristischen Merkmalen, die in ihrer Gesamtheit ein Lebewesen definieren. Einige dieser Merkmale findet man auch bei technischen, physikalischen und chemischen Systemen, andere Merkmale sind nur den Lebewesen zu eigen
Die Biologie untersucht alle Erscheinungen auf allen Systemebenen der Lebewesen.
Die Biophysik untersucht bestimmte Teilaspekte auf der Grundlage physikalisch-chemischer Prozesse.
Eine ausführliche Beschreibung der chemischen Prozesse zur Entstehung von Leben findet sich im Artikel chemische Evolution.
Beginn des Lebens
Eine naturwissenschaftliche Definition für Leben im Sinne von „lebendig sein“ korrespondiert mit der naturwissenschaftlichen Definition für Lebewesen. Wird für Lebewesen das genetische Programm, seine Funktionalität und seine Entwicklung als essentiell angenommen, dann ergibt sich für den Beginn des Lebens der Zeitpunkt, zu dem Moleküle als Träger des Programms und weitere Hilfsmoleküle zur Realisierung, Vervielfältigung und Anpassung dieses Programms erstmalig zusammentreten, so dass ein System entsteht, das charakteristische Eigenschaften von Leben trägt.
Die phylogenetische Perspektive auf die Entstehung des Lebens beinhaltet die Frage, wann Leben auf der Erde entstanden ist, und auf welche Art die ersten lebenden Systeme in einer unbelebten Umwelt entstanden sind.
Die ontogenetische Perspektive auf die Entstehung des Lebens beinhaltet die Frage, wie sich Organismus entwickelt (z. B. aus einer befruchteten Eizelle). Man spricht hier auch vom "Beginn des Lebens", obwohl es sich hier um eine Kontinuität des Lebens im Laufe von Generationen handelt.
Daraus ergibt sich eine Möglichkeit zur Definition von Entstehung (und Ende) von Leben:
Leben beginnt dann, wenn die charakteristischen Eigenschaften der Lebewesen entstehen, Leben endet dann, wenn diese Eigenschaften wieder verschwinden, also der Tod eintritt.
Ob eine wasserfeste Definition von "Leben" erforderlich ist, um den Beginn des Lebens zu verstehen, ist immer noch umstritten. Fraglos ist aber, dass "Leben", und damit der Beginn des Lebens in unterschiedlichen Kontexten, unterschiedlich aufgefasst werden. Deswegen tritt an die Stelle einer allgemeingültigen Definition eine Vielfalt von Auffassungen, die unter anderem durch Weltanschauung, Ethos, Religion, Moral oder Pragmatismus beschrieben sind.
Religion
Unterschiedliche Religionen sehen im Leben eine von
unbelebter Materie zu unterscheidende Daseinsform, die nur aufgrund übernatürlicher Intervention entstanden sein kann.
Das Leben (oder zumindest das menschliche Leben) wird dann oft als
etwas besonderes (Heiliges) angesehen. Die Theorie, dass das Leben durch einen Gott erschaffen wurde, wird Kreationismus genannt. Die Anhänger dieser Theorie erheben einen wissenschaftlichen Anspruch. Sie ist in den USA wie auch in verschiedenen islamischen und jüdischen Glaubengemeinschaften stark verbreitet.
Die Naturwissenschaften hingegen versuchen, die Lebensentstehung ohne den Einfluss übernatürlicher Faktoren zu erklären und bieten dazu mehrere Theorien der präbiotischen chemischen Evolution an.
Die Vorstellung vieler Religionen vom Ewigen Leben kann aufgrund des unausweichlichen biologischen Todes nicht wissenschaftlich behandelt werden. Aus Sicht der Wissenschaft stellt sie allenfalls eine Hypothese dar, die auf der ebenfalls hypothetischen Annahme einer dem Körper innewohnenden, von ihm aber unabhängig existenzfähigen geistigen Entität (Seele, Atman etc.) beruht. Auch das gesamte Leben auf der Erde findet durch die stetig ansteigende Temperatur und Größe der Sonne nach den heutigen Modellen der Sternentwicklung sich einstellende Aufblähung in spätestens ein bis fünf Milliarden Jahren sein unausweichliches Ende.
Die Ansicht vieler Religionen, Leben oder menschliches Leben sei heilig und daher prinzipiell erhaltenswürdig, ist nicht mittels Biologie begründbar.
Denn es sind auch Lebewesen bekannt, die nur so lange überleben, bis sie sich fortgepflanzt haben.
Hier scheint die Erhaltung des genetischen Codes einer Art das Hauptziel der Fortpflanzung zu sein. Das einzelne Individuum ist ein Teil dieser Fortpflanzungsstrategie, aber es wird nach Erfüllung seiner biologischen Funktion weniger wichtig. Es altert und stirbt.
Außerirdisches Leben (Extraterrestrisches Leben)
Seit Jahrhunderten haben sich Menschen darüber Gedanken gemacht, ob es Leben auf anderen Planeten gibt und wie dieses wohl aussieht. Vorstellungen von "kleinen grünen Männchen" oder menschenfressenden Monstern von anderen Planeten bieten Stoff für viele Geschichten und Filme.
In Gesteinen vom Planeten Mars wurden Spuren gefunden, die als versteinerte Bakterien gedeutet werden können. Diese Deutung ist aber umstritten. Ein definitiver Hinweis auf extraterretrisches Lebens konnte trotz intensiver Forschung noch nicht erbracht werden. (Siehe auch UFO und Exobiologie).
Das „lebendige“ Feuer
Von je her ist Feuer auch ein Symbol für Leben. Tatsächlich besteht eine interessante Analogie zwischen Flammen und Lebewesen:
- Feuer hat eine Art "Stoffwechsel":Kohlenwasserstoff- Verbindungen werden zu Kohlendioxid und Wasser oxidiert, wobei Energie in Form von Wärme entsteht.
- Es "wächst" und "pflanzt" sich fort, solange es "genährt" wird.
- Es bildet ein Fließgleichgewicht zwischen Nahrungsaufnahme und Abgabe der Endprodukte bei ständiger Erneuerung der Körpersubstanz.
- Es reagiert auf äußere Einflüsse.
Da der Buddhismus in seiner Nicht-Selbst-Lehre (an-atta) die Existenz einer Seele oder eines Atman verneint, bedient er sich bei der Erklärung der Wiedergeburt gerne des Vergleichs mit dem Feuer, das vom Verstorbenen auf den oder die (möglicherweise mehreren) Wiedergeborenen übergehe.
Künstliches Leben
Die Frage nach künstlichem Leben ist zweiteilig:
#die Herstellung eines bekannten Lebewesens im Labor, und
#die Herstellung neuer Lebensformen, auch nicht-organisch.
1. Obwohl man nicht erwartet, mehrzellige Organismen in naher Zukunft zu erzeugen, ist es schon gelungen, das Poliovirus im Labor herzustellen. Damit ist es zwar gelungen, ein biologisches System zu erzeugen. Es konnte aber dabei nicht auf die Mithilfe von Zellen verzichtet werden. Viren zeigen nicht alle Kennzeichen von Leben, sind nach verschiedenen Definitionen also keine Lebewesen.
2. Es gibt Vorstellungen, dass komplexe Computersysteme künstliche Intelligenz und künstliches Leben zeigen können (siehe KI und KL).
Simulationen von Lebensäußerungen
- John Horton Conways Spiel des Lebens ist ein Beispiel für die Simulation von Populationsentwicklung.
- Eliza von Joseph Weizenbaum simuliert einen Gesprächspartner, indem es Verhaltensweisen nachahmt, die ursprünglich von Psychotherapeuten entwickelt wurden, um ihre Patienten zu Reaktionen zu animieren.
Zitate
- „Rücken wir bis an die letzten Grenzen vor, an denen es noch Elemente mit dem Charakter der Totalität oder wenn man will, der Einheit gibt, so bleiben wir bei den Zellen stehen. ... Ich kann nicht anders sagen, als dass sie die vitalen Elemente sind, aus denen sich die Gewebe, die Organe, die Systeme, das ganze Individuum zusammensetzen“ - Rudolf Virchow
- „Leben ist, wenn eine Entität von sich eine Kopie aufgrund von Teilen herstellen kann, die alle sehr viel einfacher sind als sie selbst.“ - Carl Woese
- „Ein Netzwerk aus unteren negativen Feedbacks, die einem höheren positiven Feedback untergeordnet sind.“ - Bernard Korzeniewski (Damit ist ein System beschrieben, das keineswegs einzelne verkörperte Lebewesen als Leben kennzeichnet, sondern ganz allgemein sich so verhält, dass es seine Identität aufrechterhält oder reproduziert.)
- „Omne vivum e vivo“ („Alles Leben stammt von Leben ab“) - Louis Pasteur (Lebewesen können unter den derzeit herrschenden Bedingungen auf der Erde nicht spontan aus unbelebter Materie entstehen. Die spontane Lebensentstehung auf der Erde unter den Bedingungen der Uratmosphäre wird damit allerdings nicht ausgeschlossen.)
Siehe auch
- Naturwissenschaften: Evolution, Portal:Lebewesen, Portal:Biologie
Wir können im Leben höchstens eine große Erfahrung haben, und das Geheimnis des Lebens ist, diese Erfahrung so oft wie möglich wieder zu haben. (Oskar Wilde)
Literatur
Siehe auch: Leben/Literatur
- Erwin Schrödinger: What is Life?. Cambridge University Press. ISBN 0-521-42708-8
- Sven P. Thoms: Ursprung des Lebens. Frankfurt: Fischer, 2005.
Weblinks
- [http://www.theologie-systematisch.de/anthropologie/2geschoepflichkeit/1leben.html Literatur zum Begriff Leben aus theologischer Sicht]
- [http://www.bio.com/newsfeatures/newsfeatures_research.jhtml?cid=12400270 www.bio.com: Scientists Crack 40-Year-Old DNA Puzzle And Point To 'Hot Soup' At The Origin Of Life (engl.)]
!
ms:Benda hidup
simple:Life
zh-cn:生命
Öffentliche MeinungDie Öffentliche Meinung ist die Meinung einer Gesellschaft. Anders gefasst: Sie ist der 'geistige 'Marktplatz' (das kulturelle Forum) der
- nicht notwendig übereinstimmender Meinungen, Werturteile bzw. Einstellungen
- während eines bestimmten Zeitraums
- in einem größeren, individuell nicht bestimmten Teil der Bevölkerung vorherrschenden,
- zu Zuständen, Ereignissen oder Personen.
Beispiel: "Bester deutscher Fußballverein ist und bleibt Bayern München"
Der Begriff wird häufig sehr unterschiedlich definiert. Oft werden Synonyme aber auch zur Unterscheidung andere Begriffe benutzt: Volksmeinung, Gemeinmeinung (engl. common sense). Der englische Begriff public opinion und der französische opinion publiqué sind in der wissenschaflichen Behandlung gängig.
Voraussetzungen
Artikulierte öffentliche Meinung setzt die Existenz von rechtlich gesicherter Meinungsfreiheit und von wirtschaftlich überlebensfähigen Massenmedien voraus und kann daher auch als ein Teilaspekt von Emanzipation und Demokratie gesehen werden.
Zur Geschichte
Die "öffentliche Meinung" ist älter als der Begriff dafür. In den freien antiken Stadtstaaten Kleinasiens, Griechenlands und in Rom äußerten sich die Meinungen der Vollbürger öffentlich auf dem Marktplatz (griechisch: agorá, lateinisch: forum) in Volksversammlungen und Volksgerichten.
Im nachmittelalterlichen Europa entstand die "öffentliche Meinung" im heutigen Sinn im 18. Jahrhundert, als Meinungsmarkt und dann als eine Waffe des aufsteigenden Bürgertums, somit als neue Form der politischen Autorität, die letztlich das Meinungsmonopol der absolutistisch regierten Staaten und des in einem Staat jeweils ein Religionsmonopol ausübenden Klerus brach.
Frühe Massenmedien waren, nach der Erfindung des Buchdrucks mit versetzbaren Lettern, bereits in der Reformation z. B. die Flugblätter. Im 18. und 19. Jahrhundert kamen zumal die Zeitungen ("Intelligenzblätter") und Theater auf, im 20. der Film, der Hörfunk, das Fernsehen und mit der "elektronischen Revolution" das Internet. Die ganze Zeit über bestand und wirkte auch der Buchmarkt. Mit der "Erweiterten Öffentlichkeit" durch die Arbeiterklasse und der zunehmenden Demokratisierung nahm die Öffentliche Meinung weiter an politischer Wichtigkeit zu.
Heute sind politische Entscheidungen fast immer an die öffentliche Meinung gekoppelt.
Formen der "öffentlichen Meinung"
Zu ihren flüchtigsten Formen gehören die Moden und Hypes. Beispiel: "Liebesbriefe per Post sind mega-out."
Enger gefasst ist eine "herrschende öffentliche Meinung" allgemeiner Zustimmung sicher; wer von ihr abweicht, kann dies nicht öffentlich äußern, ohne sich sozialem Druck auszusetzen (engl. common sense = allgemeine Ansicht). Beispiel: "Korruption ist von Übel."
Da die öffentliche Meinung auch durch Meinungsforschung nicht in allen Aspekten zu erkunden ist, kann letztendlich jeder für sich in Anspruch nehmen, die öffentliche Meinung zu kennen und zu vertreten. Politiker und Massenmedien geben gerne vor, eine herrschende öffentliche Meinung zu artikulieren. Bei Beweisschwierigkeiten werden dabei z.B. die ab- oder aufwertenden Bilder vom Stammtisch oder von der Schweigenden Mehrheit benutzt.
Abgrenzend wird Plural öffentliche Meinungen beziehungsweise Ö/öffentliche Meinung (gross oder klein geschrieben) gebraucht.
Probleme durch öffentliche Meinung
Zentraler Kritikpunkt sind die "Herrschaft des Pöbels" und die Macht der Medien.
Auch wird die "öffentliche" gegen die "veröffentlichte" Meinung ausgespielt. Eine Kritik an der "veröffentlichten" Meinung kann fundiert sein, wenn die profitorientierte Kommerzialisierung der Massenmedien oder eine 'professionelle Deformation' der dort publizierenden Berufe (Journalisten, Talkmaster usw., die nur noch einander zur Kenntnis nehmen) zur Abschottung gegen neue Meinungen geführt haben.
Unterdrückte Meinungsführer schaffen sich ggf. "Teilöffentlichkeiten" (z.B. durch Broschüren oder im Internet). Die 'Flatterhaftigkeit' der flüchtigen Formen der Öffentlichen Meinung ist vielfach beobachtet worden und wird bei Ferdinand Tönnies, Arnold Gehlen u.a. als "Pleonexie" (griechisch soviel wie "vielfältige Hinneigung") behandelt.
Wissenschaftliche Behandlung
Die Soziologie hat in Deutschland bedeutende Analysen vorgelegt, so 1922 (2002) Bahn brechend Ferdinand Tönnies (Kritik der öffentlichen Meinung), 1962 (1990) Jürgen Habermas (Strukturwandel der Öffentlichkeit) und 1972 Oskar Negt/Alexander Kluge (Öffentlichkeit und Erfahrung. Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Öffentlichkeit); dazu zahlreiche Einzelstudien im Rahmen der Kommunikationssoziologie, Politischen Soziologie u.a.m.
Auch im Rahmen der Politologie und in der "Absatzforschung" (Werbeforschung) der Betriebswirtschaftslehre, dazu in der Literatur- und Medienwissenschaft finden sich einschlägige Forschungsergebnisse. Auch die Volkskunde erbringt Materialien, da sie sich mit dem verwandten Thema des Volksmundes und der Kolportage (Rudolf Schenda, Volk ohne Buch) befasst.
Literatur
- Ferdinand Tönnies, Kritik der öffentlichen Meinung, hgg. von Alexander Deichsel, Rolf Fechner, Rainer Waßner, in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 14, Berlin/New York (de Gruyter) 2002²[1922], ISBN 3-11-015349-1
- Walter Lippmann:,Public Opinion, 1922, [http://xroads.virginia.edu/~Hyper2/CDFinal/Lippman/cover.html Onlinetext]
- Jürgen Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit, Frankfurt a.M: suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1990 [1962].
- Elisabeth Noelle-Neumann, Öffentliche Meinung: Die Entdeckung der Schweigespirale, Frankfurt a.M. [u.a.]: Ullstein, 1991, IX+408 S. ISBN 3-550-06511-6
- Friedhelm Neidhardt, Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen".Opladen (Westdeutscher Verlag) 1994.
- Schlich, Anemone, Das Bild der Europäischen Union in der schwedischen Öffentlichkeit. Osnabrück: Der Andere Verlag 2004. [http://www.eu-schweden.de Homepage zur Studie]
- Rolf Fechner, Lars Clausen, Arno Bammé, Hgg., Öffentliche Meinung zwischen neuer Religion und neuer Wissenschaft. Ferdinand Tönnies' "Kritik der öffentlichen Meinung" in der internationalen Diskussion, in: [Tönnies im Gespräch 3]. München/Wien: Profil 2005. - 303 S.. - ISBN 3-89019-590-3
Links
[http://www.politik.uni-koeln.de/jaeger/links/meinung Linkliste zum Thema "Öffentliche Meinung" der Universität zu Köln]
Zitate
- "Wer die öffentliche Meinung nicht zu verachten versteht wird es nie zu Großem bringen". (Georg Wilhelm Friedrich Hegel.)
- "Mit Präzision über öffentliche Meinung zu sprechen, ist mit der Aufgabe vergleichbar, sich mit dem Heiligen Geist auseinander zu setzen". (V.O. Key: Public Opinion and American Democracy, 1961)
- "Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition für öffentliche Meinung. Dennoch nimmt der Gebrauch dieses Begriffs immer mehr zu ... Versuche, den Begriff präzise zu definieren, haben zu solchen frustrierenden Feststellungen geführt wie: Öffentliche Meinung ist keine Bezeichnung für irgend etwas, sondern eine Klassifizierung für mehrere Irgend-etwas". (Walter Phillips Davison: Public Opinion, in: International Encyclopedia of the Social Sciences, 1968)
- "Ferdinand Tönnies hat aufgedeckt, dass die öffentliche Meinung in gesellschaftlichen Strukturbeziehungen jener regulierenden Kraft entspricht, die in gemeinschaftlichen Lebenszusammenhängen die Religion wahrnimmt. ... Die Öffentliche Meinung ist die Religion der Neuzeit." Alexander Deichsel: Vorwort zu "Ferdinand Tönnies, Kritik der öffentlichen Meinung, 2002 [1922])
Siehe auch
- Allgemeinheit, Meinungsbildung, Meinungsforschung, Volksmund
- Propaganda, Werbung, Volksverhetzung
- Fama, Leumund, Skandal
- Volonté générale
Offentliche Meinung
Offentliche Meinung
AnthropologieDie Anthropologie (griechisch ανθρωπολογία, anthropo~ von άνθρωπος - der Mensch und ~logie von λόγος - die Lehre) ist die Wissenschaft vom Menschen und von der Menschheit. Sie befasst sich mit dem einzelnen menschlichen Wesen wie auch mit der Gesamtheit aller Menschen sowie der menschlichen Kultur. Mit überartlichen Fragestellungen befasst sich übergeordnet die Primatologie, die Wissenschaft von Affen, Halbaffen, Menschenaffen und Menschen.
Wichtige Themen der Anthropologie sind u.a. die Fähigkeiten des Menschen, die Welt abstrakt zu erfassen, zu lernen und zu lehren, und die (Um-)Welt zu beeinflussen oder zu verändern.
Differenzierungsbereiche
Philosophische Anthropologie
Die philosophische Anthropologie betrachtet die Stellung des Menschen in der Gesamtwirklichkeit. Sie erarbeitet sein Wesen. Außerdem fragt sie sich: "Was ist der Mensch?". Dabei erfasst sie insbesondere seine Stellung zur unbelebten Welt, zu den Tieren, zu anderen Menschen sowie zu Gott.
Nietzsche bezeichnete den Mensch als das "nicht festgestellte Tier" da es zwar auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten gibt, aber auf den zweiten Blick doch sehr viele Unterschiede. Der größte Unterschied ist, dass der Mensch sich selbst deuten kann (also wenn wir vorm Spiegel stehen erkennen wir uns selbst) und das Tier kann das nicht. Außerdem hat der Mensch den Drang dazu sich immer zu "verhalten". So gut wie jedes Handeln wird überlegt und nicht wie beim Tier aus Instinkt getan.
In Deutschland sind hier vor allem Max Scheler als Begründer der Philosophischen Anthropologie sowie Helmuth Plessner und Arnold Gehlen zu nennen (zur neueren Auseinandersetzung damit vgl. auch die biosoziologischen Studien von Dieter Claessens). Weiterhin zu nennen sind Ernst Cassirer und seine Philosophie der symbolischen Formen sowie Wilhelm Kamlah als einer der Begründer des Erlanger Konstruktivismus.
Eine breite Einführung in die Philosophische Anthropologie bietet Kuno Lorenz mit seinem gleichnamigen Buch, welches einen dialogischen Ansatz bietet.
Vergleiche auch die gleichnamige Kategorie.
Theologische Anthropologie
Die theologische Anthropologie betrachtet die Stellung des Menschen vor Gott und im Fall der christlichen Anthropologie die Beschädigung von Gottes Abbild in Adam und seine Wiederherstellung in Christus.
Biologische Anthropologie
Die biologische Anthropologie (engl. physical anthropology) versteht sich als die vergleichende Biologie des Menschen. Mit 'vergleichend' setzt sie sich ab von ihrem fernen Ursprung, der Anatomie. Teilgebiete sind Primatologie, Evolution des Menschen, historische (prähistorische) Anthropologie, Bevölkerungsbiologie, Populationsgenetik, Wachstum (Auxologie), Konstitution, Forensik. Dabei wird stets sowohl beschrieben als auch kausal analysiert, werden genetische Grundlagen ebenso berücksichtigt wie umweltbestimmte. Übergeordnete Fächergruppen sind Biologie (mit den weiteren Fächern Zoologie, Botanik, Mikrobiologie etc) oder Humanbiologie (mit den weiteren Fächern Anatomie, Physiologie, Psychologie etc).
Institutionen im Deutschraum gibt es an Universitäten und an Museen in Kiel, Hamburg, Berlin, Göttingen, Jena, Gießen, Frankfurt, Mainz, Ulm, Freiburg, München, Zürich und Wien. Meist ist dort die Bezeichnung nur 'Anthropologie', Zusätze wie biologisch werden erst in jüngerer Zeit notwendig, weil der konkurrierende amerikanische Begriff von 'anthropology' auch hier bekannt wird. Darin werden Humanbiologie, Ethnologie, Linguistik und Soziologie zusammen gefasst.
http://www.nhm-wien.ac.at/AG/MAG128/Roesing.html
Forensische Anthropologie
Forensische Anthropologie ist eine der drei gerichtlichen Wissenschaften vom Menschen, neben der Rechtsmedizin und der forensischen Odontologie.
Gebiete der forensischen Anthropologie:
- Identifikation nach Bildern,
- Identifikation von Skeletten und teilskelettierten Leichen, auch in Massengräbern
- Altersdiagnose, insbesondere bei jungen Straftätern
- Abstammungsgutachten (morphologisch)
- Zwillingsdiagnose
Es gibt mehrere Praxen für forensische Anthropologie, Hauptgebiet ist dort die Identifikation nach Bildern. Einige nennen sich auch "Büro" oder gar "Institut".
Internetseiten:
- [http://www.gfanet.de/ags/fa.php Gesellschaft für Anthropologie]
- [http://www.dgrm.de/ Gesellschaft für Rechtsmedizin]
- [http://www.bildidentifikation.de Arbeitsgruppe Identifikation nach Bildern]
- http://www.dr-buck.net/
- http://Praxis-FAU.com/
- http://www.forens.com/
Die forensische Anthropologie dient mit den Mitteln der Anthropologie bei der Aufklärung von Verbrechen. Forensische Anthropologen haben vor allem mit der Identifikation von Bankräubern, Schnellfahrern etc. zu tun, dann auch häufig mit stark verwesten oder vollständig skelettierten Leichen. Nicht selten sind sie die letzte Hoffnung zur Aufklärung eines Verbrechens.
Historische Anthropologie
Der Begriff historische Anthropologie wird in mindestens zwei verschiedenen Bedeutungen benutzt:
Als Teil der Geschichtswissenschaften, dann ist das eine Geschichtsschreibung, die besonders das Wesen und das Schicksal des Menschen berücksichtigt.
Als Teil der Anthropologie = vergleichende Biologie des Menschen. Dort werden vor allem Skelette aus historischen Gräberfeldern bearbeitet, bezüglich Sterblichkeit, körperlichen Merkmalen, Krankheiten etc.
Kultur- und Sozialanthropologie
Unter Kulturanthropologie und Sozialanthropologie versteht man die Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung; sie untersucht das Wesen "Mensch" in seiner Eigenart und seiner besonderen Stellung in Natur und Geschichte. In Deutschland sind die Begriffe "Völkerkunde" und Ethnologie gebräuchlicher.
Siehe auch: Ethnosoziologie
Kybernetische Anthropologie
Als kybernetische Anthropologie bezeichnet man den Versuch der terminologischen Kopplung von Anthropologie und Kybernetik mit einer technikinduzierten Theoriebildung.
Pädagogische Anthropologie
Ist eine wissenschaftliche Subdisziplin, mit deren Hilfe die impliziten und expliziten Annahmen der Pädagogik über den Menschen reflektiert werden.
Die Pädagogische Anthropologie nutz die neusten Erkenntnisse der Forschung (im Besonderen der Gehirnforschung). Sie ist bestrebt, die Erkenntnisse nutzbar für die Erziehung zu machen.
Berühmte Anthropologen
- G. Acsadi
- Herbert Bach
- Johann Jakob Bachofen
- Gregory Bateson
- Alfred Czarnetzki
- Egon Freiherr von Eickstedt
- Paul Ekman
- Brian M. Fagan
- Fernando Ortíz Fernández
- Helen Fisher
- Gisela Grupe
- Hans Friedrich Karl Günther
- Marvin Harris
- Winfried Henke
- Bernd Herrmann
- Rainer Knußmann
- Louis Leakey
- Mary Leakey
- Rudolf Martin
- Margaret Mead
- J. Nemeskeri
- Adolf Portmann
- Friedrich Wilhelm Rösing
- Karl Saller
- Friedemann Schrenk
- Ilse Schwidetzky
- M. Stloukal
- Maria Teschler-Nicola
- Fei Xiaotong
Literatur
- Christoph Wulf (2004): Anthropologie. Geschichte, Kultur, Philosophie. Reinbek: Rowohlt.
- Friedemann Schrenk, Timothy G. Bromage, Henrik Kaessmann: Die Frühzeit des Menschen: Zurück zu den Wurzeln. Biologie in unserer Zeit 32(6), S. 352 - 359 (2002),
- Winfried Henke, Hartmut Rothe (2003): Menschwerdung. Fischer (Tb.), Frankfurt, ISBN 3596155541.
Populärwissenschaftliche Literatur
- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung. Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8
- Aldous Huxley: "Schöne neue Welt",die Betrachtung der zukünftigen Welt. Fischer - Bücherei,Frankfurt a.M.,Oktober 2004,ISBN 3-596-50802-9
Weblinks
- [http://www.antropologi.info/blog/ethnologie Antropologi.Info]
- [http://www.anthropologie.ch/bulletin/bulletin_pdf/04_Czarnetzki_Pusch_Text.pdf Prinzipien der Paläanthropologie gestern, heute morgen]
Siehe auch
- Cultural studies
- Ethnologie
- Medienanthropologie
- Nicht zu verwechseln mit Anthroposophie
! Kategorie:Kulturwissenschaft
ja:人類学
ko:인류학
ms:Antropologi
simple:Anthropology
th:มานุษยวิทยา
zh-min-nan:Jîn-lūi-ha̍k
MedizinDie Medizin (v. lat. ars medicina „Heilkunst“; auch Heilkunde) befasst sich mit der Gesundheit und mit der Vorbeugung (Prophylaxe), Erkennung (Diagnostik) und Behandlung (Therapie, Linderung, Heilung) von körperlichen (physischen) und seelischen (psychischen) Erkrankungen und Unfallschäden sowie mit Zeugung, Schwangerschaft, Geburt und Tod.
Medizin ist ein Teilbereich der menschlichen Kultur, der zur Erhaltung von Gesundheit und Leben und zur Wiedereingliederung in das soziale Leben beitragen will. Ihr Erscheinungsbild ist variabel, abhängig von der Gesamtkultur, in der sie steht. In primitiven Kulturen ist sie angesiedelt zwischen Empirie und Dämonenglauben, in der religiösen oder philosophisch bestimmten Umgebung entwickelt sie metaphysische Züge, und in einer industriell orientierten Kultur dominieren technisch-naturwissenschaftlich und ökonomisch bestimmte Denk- und Handlungsweisen.
In der Alltagssprache werden auch Medikamente bzw. Arzneimittel als "Medizin" bezeichnet.
Medizin wird von Ärzten und weiteren Berufen (Gesundheits- und Krankenpflegern, Altenpflegern, MTAs, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Heilpraktikern und anderen) ausgeübt. Psychotherapie darf auch von psychologischen Psychotherapeuten ausgeübt werden.
Spektrum der Medizin
psychologischen Psychotherapeuten
Zum Bereich der Medizin gehören neben der sog. "Humanmedizin" die Zahnmedizin, die Veterinärmedizin (Tierheilkunde/Tiermedizin), in einem weiteren Verständnis auch die Phytomedizin (Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen). In diesem umfassenden Sinn ist Medizin die Wissenschaft vom gesunden und kranken Lebewesen.
Grundlagen der modernen wissenschaftlichen und zunehmend evidenzbasierten Medizin bilden die Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik), speziell Anatomie, Biochemie, Physiologie, ergänzt durch Psychologie und Sozialwissenschaften (vgl. Medizinsoziologie).
Die Vielfalt der Krankheiten und ihrer Behandlungsmöglichkeiten hat zu einer Aufgliederung der Humanmedizin in eine große Anzahl von Fachgebieten und Subspezialisierungen geführt (siehe: Liste medizinischer Fachgebiete). Die Zahnmedizin nimmt eine Sonderstellung ein.
Neben der wissenschaftlichen Medizin haben sich unterschiedliche Formen der Alternativmedizin entwickelt, die in der Liste alternativmedizinischer Behandlungsmethoden gesammelt werden.
Konzepte der Medizin
Ziel der überwiegenden medizinischen Maßnahmen ist eine Beseitigung oder Linderungen krankheitsbedingter Beschwerden oder funktioneller Einbußen sowie eine Beseitigung oder Reduktion einer krankheitsbedingten Verkürzung der Lebenszeit.
Diese Ziele können in der Regel am effektivsten durch eine kurative (heilenden) Medizin, die Krankheiten zu heilen versucht, erreicht werden.
Unabhängig von Maßnahmen mit dem Ziel einer Heilung werden Beschwerden und funktionelle Einbußen durch medizinische Maßnahmen gelindert (palliative Medizin).
In den letzten Jahren wird verstärkt die Bedeutung der Prävention betont, um Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen. Außerdem soll der Behandlung nötigenfalls eine Rehabilitation folgen, bei der versucht wird, verlorengegangene Fähigkeiten für den Alltag, für berufliche und soziale Bedürfnisse wiederherzustellen.
In der kurativen Medizin ist die Gliederung in die Stellung einer Diagnose und anschließende Therapie ein fast allgemeingültiges Prinzip.
Dabei steht am Anfang die Befragung des Patienten, dann die Untersuchung erst ohne, dann mit technischen Hilfsmitteln (oft bildgebende Verfahren wie Röntgen).
Die Entstehung einer Krankheit kann mechanisch, vaskulär, nerval, neoplastisch oder entzündlich sein. Als Ursachen kommen Traumata, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Gendefekte oder externe Noxen in Frage.
Man unterscheidet kausale von symptomatischen Therapieansätzen.
Geschichte
Hauptartikel: Medizingeschichte
Medizin oder Heilkunst im allgemeinen kann als eine der am längsten praktizierten Tätigkeiten und später Wissenschaften angesehen werden. Von den Jägern und Sammlern bis zum heutigen Tage wurde aus schamanischer Medizin, die tief in Religion und Mystizismus verankert war, die "moderne Medizin" und als Ziel die evidenzbasierte Medizin. Diese ist in der heutigen Medizin allerdings nur in Teilbereichen verwirklicht, in der Praxis weniger als in der Theorie. Sowohl im Kampf gegen Krebs als auch in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie zum Beispiel den Pocken kann sie bereits Erfolge verzeichnen, die noch vor einem halben Jahrhundert undenkbar schienen.
Weblinks
- [http://www.zbmed.de Fachinformationszentrum: Deutsche Zentralbibliothek für Medizin, Köln]
- http://www.medizin-online.de Medizin-Portal für Ärzte
- [http://www.aezq.de Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)]
- [http://www.biomedcentral.com/home/ BioMedCentral (englisch) - Open Access Projekt]
- [http://www.ub.uni-duisburg-essen.de/recherch/fachinfo/medizin/medlinks.shtml Fachinformation Medizin der Universitätsbibliothek Essen]
- [http://www.medinfo.de/ Medinfo.de]
- [http://www.medsana.ch/ MEDSANA - Medizinische Fachinformationen für den Laien]
- [http://www.medpilot.de/ MedPilot - Virtuelle Fachbibliothek Medizin]
- PubMed Datenbank der National Library of Medicine (USA)
- [http://www.gesundheit.de/roche/ Roche Medizinisches Wörterbuch]
- [http://www.info-gesundheit.de Info-Gesundheit.de - Suchmaschine für Gesundheit und Medizin]
- [http://flexicon.doccheck.com/ offenes medizinisches Lexikon] auf Wiki-Prinzip
- [http://www.pflegewiki.de/index.php/ Medizin bei Pflegewiki-Artikel Medizin]
- [http://www.sgipt.org/medppp/krank/iwk1.htm Zum Begriff 'krank' in der Medizin mit Blick auf Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie]
Zeitschriften
- [http://www.aerzteblatt.de Deutsches Ärzteblatt komplett online seit 1996]
- [http://bmj.bmjjournals.com/ The British Medical Journal]
- [http://jama.ama-assn.org/ JAMA - The Journal of the American Medical Association]
- http://www.thelancet.com/ The Lancet
- http://content.nejm.org The New England Journal of Medicine
- [http://www.aerztezeitung.de Ärztezeitung online]
!
als:Medizin
fiu-vro:Arstitiidüs
ja:医学
ko:의학
simple:Medicine
th:แพทยศาสตร์
zh-min-nan:I-ha̍k
PsychologiePsychologie (aus griech. ψυχολογία, psychología „die Seelenkunde“) ist die Wissenschaft vom Erleben, Verhalten und Bewusstsein des Menschen, deren Entwicklung in der Lebensspanne und deren inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen. Die Psychologie ist eine bereichsübergreifende Wissenschaft. Sie lässt sich nicht allein den Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften oder den Naturwissenschaften zuordnen.
Geschichtlicher Abriss
Die Psychologie "hat eine lange Vergangenheit, aber nur eine kurze Geschichte" (Ebbinghaus, 1908). Die Wurzeln dieser Disziplin reichen weit in die Vergangenheit zurück, als anerkannte Wissenschaft jedoch gibt es die Psychologie erst seit dem 19. Jahrhundert.
Erste Ansätze einer strikt erfahrungs-'wissenschaftlichen' Erforschung psychischer Leistungen wurden im 19. Jahrhundert von physiologisch forschenden Physikern wie Gustav Theodor Fechner und Hermann von Helmholtz unternommen, die Wahrnehmungsvorgänge als Leistungen von Sinnesorganen auffassten und diese zu erforschen begannen. Dieses Vorgehen führt(e) allerdings nur zu einer Sinnesphysiologie und damit allein noch nicht zu einer genuinen Psychologie, die den Selbsterfahrungsaspekt einschließt. Dasselbe gilt für die ebenfalls schon im 19. Jahrhundert begonnene Hirnforschung, die methodisch bedingt Neurophysiologie ist und allein ebenfalls nicht darüber hinausreicht.
Gewöhnlich gilt die Einrichtung seines experimentalpsychologischen Laboratoriums in Leipzig durch den Helmholtz-Schüler Wilhelm Wundt im Jahre 1879 als Lösung der Psychologie von der Philosophie und vor allem als Beginn der akademischen Psychologie als universitäres Fach und Forschungsfeld. Der Ansatz Wundts wird deshalb als Beginn der akademischen Psychologie angesehen, weil hier erstmals ein explizit empirisch-methodischer, an den experimentellen Naturwissenschaften orientierter und ausgerichteter Zugang methodologisch herausgearbeitet wurde, um psychologische Phänomene zu untersuchen.
Im Oktober 1875 begann Wilhelm Wundt seine Lehrtätigkeit als Professor in Leipzig denn auch mit der Vorlesung "Logik und Methodenlehre mit besonderer Rücksicht auf die Methoden der Naturforschung“. Er war auf diese Professur berufen worden, weil Leipzig diese neue "Idee", nämlich die, "dem Einfluss der Naturwissenschaft auf die Philosophie Geltung zu verschaffen", fördern wollte. Basierend auf einer methodologischen Auseinandersetzung, deren Ausgestaltung durch die sinnesphysiologischen Herangehensweisen geprägt worden war, die Methoden der Naturwissenschaften für die Philosophie allgemein zu nutzen, galt Wundts besonderes Interesse dabei psychologischen Fragestellungen. Von Beginn an hatte Wundt engen Kontakt zum Physiker Gustav Theodor Fechner, der selbst bis 1874 Vorlesungen an der Philosophischen Fakultät zu Leipzig gehalten hatte. Mit ihm besprach er auch seinen Plan zur Gründung eines psychologischen Instituts, zu der es wie beschrieben 1879 kam; zunächst als Privatinstitut, ab 1883 als offizielles Universitätsinstitut.
Grundsätzlich folgte die Psychologie dem oben genannten Selbstverständnis, weshalb Wundt und seine Kollegen die Psychologie auch als neue Disziplin ansahen, die aus der Zusammenfügung von (Experimental-) Physik, Physiologie und Mathematik unter strenger Beibehaltung des naturwissenschaftlichen Ansatzes und durch Anwendung dieser methodischen Prinzipien zwecks Erforschung psychologischer Phänomene geboren worden war.
Dieser Ansatz war so revolutionär und vielfach wohl auch ersehnt, dass Wissenschaftler dieser Disziplinen aus aller Welt begeistert nach Leipzig pilgerten, um unter Wundt zu studieren. Leipzig wurde zum "Mekka" der neuen Naturwissenschaft Psychologie. In der Hochzeit hatte Wundt allein fast 40 (!) wissenschafltiche Assistentenstellen. In diesen frühen Jahren entwicklten sich u.a. auch die psychologischen Disziplinen der Psychophysik und der Diagnostik, was wiederum für die Angewandte Mathematik und Statistik sehr fruchtbar war.
Missverständnisse entstehen immer wieder, weil Wundt seinerzeit zwar Professor für Psychologie, aber Philosophieprofessor war, was aber darin begründet liegt, dass es damals nur die Fakultäten für Medizin, Jurisprudenz, Theologie und Philosophie gab. Teilweise ist dieser Ursprung auch heute noch sichtbar. So werden z.B. in den meisten Ländern der Welt auch Naturwissenschaftler (z.B. Physiker, Chemiker oder Biologen) zum Doktor der Philosophie (Ph.D.) promoviert. Eine naturwissenschaftliche und andere Fakultäten wurden nämlich erst viel später gebildet, wie auch das Studium einzelner Disziplinen als selbstständige Fächer. In Deutschland geht schließlich ein von der ursprünglichen Idee her primär berufsqualifizierender Abschluss namens Diplom auf die Nationalsozialisten zurück. Das Diplomstudium der Psychologie wurde in Deutschland 1941 eingerichtet, unter gleichzeitiger Primärbetonung einer berufspraktischen Qualifikation als Wehrpsychologe (mit Schwerpunkt Diagnostik).
Auskünfte zu Schwierigkeiten einer genauen Standortbestimmung und zu Problemen bei der eindeutigen Zuteilung zur natur- oder geisteswissenschaftlichen Fakultät anhand der Inhalte oder der Methoden, gibt die anekdotenhafte Schilderung [http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/psychologie/psychologie_als_wissenschaft.pdf"Psychologie zwischen Natur- und Geisteswissenschaften"] von Wolfgang Metzger.
Die neue Wissenschaft verbreitete sich wegen der äußerst zahlreichen Schüler Wundts weltweit rasend schnell. Viele Wundt-Schüler gründeten schon vor dem Ersten Weltkrieg eigene psychologische Institute weltweit, auch in den USA. In Deutschland auch durch Oswald Külpe und Karl Marbe 1896 in Würzburg. Dies war die Begründung der "Würzburger Schule", die sich vornehmlich mit der naturwissenschaftlichen Erforschung von Denk-, Urteils- und Willensprozessen beschäftigte, was der Psychologie einen bis dahin völlig neuen Forschungsgegenstand und eine neue Dimension bescherte.
Max Wertheimer (1880-1943) und Wolfgang Köhler (1887-1967) waren die maßgeblichen Begründer der Frankfurter und der Berliner Schule der Gestaltpsychologie bzw. Gestalttheorie. Zwar auch sehr streng mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet, stellten sie den elementaren Überlegungen Wundts aber einen ganzheitspsychologischen Ansatz gegenüber. Eine international wichtige Rolle spielte die Gestaltpsychologie in den 1920er und -30er Jahren. Die Gestaltpsychologie wurde jedoch bald durch den zunehmend dominanteren amerikanischen Behaviorismus in den Hintergrund gedrängt. Als ein wesentlicher Faktor dafür muss hier ganz besonders der wissenschaftliche Kahlschlag der Nationalsozialisten angesehen werden.
Wichtige Vertreter in den Anfangsjahren der wissenschaftlichen Psychologie waren neben Wundt und vielen anderen v.a. Gustav Theodor Fechner, Ernst Heinrich Weber, Francis Galton, Karl Pearson, Hermann Ebbinghaus, James McKeen Cattell (Wundt-Schüler der ersten Stunde und erster Psychologie-Professor in den USA), Alfred Binet, Charles Spearman, William Stern, Christian von Ehrenfels und William James.
Zu nennen ist sicher auch der Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow, der zwar kein Psychologe war, aber mit seinen Tierexperimenten (Pawlowscher Hund) Grundlagen des dann klassisch genannten Vorgangs der Konditionierung klären konnte, welcher später Psychologen zu weiteren Forschungen zu Phänomenen des Lernens animierte. Hier ist v.a. Edward Lee Thorndike und John B. Watson 1915 zu nennen, auf die der Behaviorismus zurückgeht. Dieses hat in den USA eine jahrzehntelange Lernforschung zur Folge gehabt und zur Etablierung der Lernpsychologie geführt, deren bekanntester Vertreter Burrhus Frederic Skinner sein dürfte, der das Konzept der operanten Konditionierung entdeckte. Zu nennen ist dann auch noch Albert Bandura, der später die Theorie des Modell-Lernens entwickelte. Auf diesen Grundlagen, neben vielen weiteren Einflüssen, insbes. aus Forschungsergebnissen verschiedener Teilgebiete der Allgemeinen Psychologie, wurde innerhalb der Klinischen Psychologie die Verhaltenstherapie (i.S. der frühen Form Behavioraler Therapie) entwickelt.
In den 1970er Jahren löste der Informationsverarbeitungsansatz den Behaviorismus als führendes Paradigma ab (sog. "Kognitive Wende" der Psychologie). Dies liegt jedoch nicht in einer theoretischen Untauglichkeit des Behaviorismus begründet, sondern in einem Wechsel der Interessen der Scientific Community. Themen wie Aufmerksamkeit, Denken oder Kognition und Emotionalität traten dabei in den Vordergrund. Im Gegensatz zum Behaviorismus, der die Funktionsweise des Gehirns methodisch unberücksichtigt ließ und deswegen oft als Blackbox-Psychologie (oder wegen der zahlreichen Tierversuche "Ratten-Psychologie" oder "Rats-and-Stats" -- "Ratten und Statistik"-Psychologie) bezeichnet wurde, ging man dazu über, auch Art und Funktion von Selbstwahrnehmungen, also bewusst gewordener Vorgänge zu erforschen. Der Computer wurde zur Metapher des menschlichen Geistes, wenngleich man sich der Beschränkungen des Computermodells schnell bewusst wurde, da beispielsweise die Parallelverarbeitungsleistungen des Gehirns damit nur schwer erklärbar sind. Neben diese Sichtweise trat in den 1980er Jahren der Konnektionismus, dessen zentrales Konstrukt Netzwerke sind. Statt des Computers dient hier das Gehirn als Metapher des Geistes, eine Entwicklung, der dadurch Vorschub geleistet wurde, dass sich unter Hirnforschern seit langem eine Art cerebraler Pseudopsychologie entwickelt hat, nach der Hirne denken, fühlen, überlegen, entscheiden, ja sogar "zukünftige Aktionen planen" - nach DAS MANIFEST elf "bedeutender Neurobiologen" vom Herbst 2004 -, ja sogar wissenschaftliche Theorien konstruieren, wenn nicht sogar die gesamte Wirklichkeit einschließlich des Wissenschaftlers, der diese Theorie entwickelt hat, gemäß der er sich selbst zum Konstrukt seines Gehirn erklärt hat (G. Roth in: Das Gehirn und seine Wirklichkeit). Insgesamt erwiesen sich Modelle auf Basis der Netzwerktheorie, auch durch Einbezug neuerer formaler Modellierungsmöglichkeiten, wie z.B. neuere Markov Prozesse, für die kognitiven Ansätze als sehr fruchtbar. Hinzu kamen weiterhin z.B. Einflüsse aus dem Konstruktivismus, der Kybernetik und der Systemtheorie. Auch auf die Gestaltpsychologie wurde wieder zurückgegriffen, bzw. wieder angeknüpft.
Für die Psychologie bedeutet dies, dass sich einzelne Bereiche nebeneinander wieder stärker ausbilden konnten, neben der Kognitionspsychologie auch die Biopsychologie mit ihren Unterbereichen, die beide einen großen Bestandteil der Kognitiven Neurowissenschaften darstellen. Demgegenüber spielen aber gleichzeitig auch verhaltensorientierte Ansätze wieder eine sehr starke Rolle, so dass innerhalb der Disziplinen der Psychologie verschiedene Ansätze (neben den hier bisher erläuterten auch noch weitere) gleichberechtigt nebeneinander existieren und flexibel bezogen auf eine Fragestellung genutzt werden können, ohne gegen irgendeine "Konvention" zu verstoßen, was derzeit das Fach Psychologie allerdings auch äußerst komplex macht.
Auch heute bekennt sich die Psychologie zu den Grundideen Wundts: Sie ist eine streng empirische Wissenschaft. Eine "geisteswissenschaftliche" Psychologie, im Sinne einer nur deutenden, sich nur theoretisch auseinandersetzenden oder nur theoretisch-beschreibenden Arbeitsweise, gibt es nicht. Theorien und daraus abgeleitete Modelle, Annahmen für die Beantwortung einer konkreten Fragestellung usw. werden mit geeigneten wissenschaftlichen Methoden empirisch geprüft. Daher stellt die Mathematik und insbesondere die Stochastik eines der wichtigsten Werkzeuge des Psychologen dar. Methodisch finden sich heute neben den naturwissenschaftlichen Ansätzen teilweise auch solche der empirischen Sozialwissenschaften. Absolut vorherrschend sind auch hier quantitative Methoden. Die Psychologische Methodenlehre war ihrerseits für die Entwicklung der Methoden der empirischen Sozialforschung (insbes. der Befragung (z.B. Interview oder Fragebogenentwicklung) und der Beobachtung) wie auch für die Statistik (vgl. da z.B. Faktorenanalyse oder Conjoint-Analyse) sehr einflussreich und befruchtend.
Die Psychoanalyse Freuds sowie die Theorien anderer Vertreter einer Tiefenpsychologie wie Carl Gustav Jung oder Alfred Adler spielen in der heutigen akademisch-universitären Psychologie nur eine Nebenrolle, an den meisten Fakultäten wird die Psychoanalyse praktisch ausgeklammert (häufig nur als Stunde in der "Geschichte der Psychologie" vermittelt). Schon zu Zeiten Freuds verlief die Entwicklung unabhängig voneinander. Zwar rezipierte Freud zumindest Wundts Veröffentlichungen, wurde aber offenbar nicht von ihnen beeinflusst, was auch darin zu sehen ist, dass Freud (übrigens auch Schüler von Helmholtz) die Forschung verließ (und damit schlicht nicht mehr naturwissenschaftlich-experimentell arbeiten konnte) und schließlich später als praktizierender Arzt aus persönlichen, nicht mit (gängigen) Methoden durchgeführten Beobachtungen seiner Patienten und gedanklicher, deutender und interpretativer Verarbeitung seiner persönlichen Eindrücke, seine Theorie und Methode entwarf.
Der "Flirt" der Psychologie mit der Psychoanalyse fand erst viel später statt, insbes. im Rahmen einer Möglichkeit, stärker praktische Anwendungen im Repertoire zu haben, aber auch kurzzeitig als Forschungsparadigma. Einiges konnte, sofern wissenschaftlich untersuchbar, in Teilen belegt und später in weiterführende Modelle, z.B. der Kognitionspsychologie, integriert und weiter differenziert, oder eben auch schlicht besser erklärt werden. Gleichzeitig wurde auch sehr vieles empirisch widerlegt (so auch z.B. die Neurosenlehre). Insgesamt war die Psychoanalyse für die Psychologie wenig fruchtbar. Auf der Anwendungsseite wurden tiefenpsychologische Ansätze dann schnell mit wissenschaftlich abgesicherten und aus der empirisch-psychologischen Forschung entwickelten Verfahren, insbes. dem Klientenzentrierten Ansatz (wiss. Absicherung von Grundvariablen der professionellen Beziehungsgestaltung, sowie Prozess und Effekt von Interventionen (insbes. Beratung bei Anpassungsproblemen) und Psychotherapie) und später der Verhaltensanalyse und Verhaltenstherapie (zusätzlich Absicherung der theoretischen Grundlagen) ersetzt.
Bei der in der Öffentlichkeit häufig anzutreffenden Gleichsetzung von Psychologie und Psychoanalyse bzw. dem Verständnis von Psychoanalyse als Teildisziplin der Psychologie handelt es sich um einen populären Irrtum. Psychoanalytische Ideen spielen gleichwohl in der Entwicklungspsychologie, der Sozialpsychologie und der pädagogischen Psychologie sowie der klinischen Psychologie eine gewisse Rolle, aber wie erwähnt eher in historischem Kontext.
Einen relativ jungen Ansatz stellt die evolutionäre Psychologie (EP) dar. Evolutionspsychologische Ansätze finden sich heute in nahezu allen psychologischen Disziplinen und Forschungsfeldern, vor allem in der Entwicklungs- und Sozialpsychologie. Hier ist sie in der Aggressions- und Altruismusforschung, der Attraktivitätsforschung, in Forschungen zu Partnerschaft, Beziehungsgestaltung und Liebe sehr einflussreich und auch in der Organisations-/Personalpsychologie bildet sie eine theoretische Grundlage, ebenso wie z.B. in der Angstforschung.
Neben den erwähnten Hauptströmungen, gab und gibt es innerhalb der Psychologie viele Ansätze (Paradigmen). Die wichtigsten waren / sind die erwähnten, also das behavioristische Paradigma, das Informationsverarbeitende Paradigma und eben (historisch) auch das psychoanalytische/psychodynamische Paradigma. Ebenfalls wichtig sind sicher noch das Phänomenologische/Humanistische Paradigma, das Soziobiologische Paradigma (worunter oft auch die Evolutionäre Psychologie subsumiert wird, wenngleich sich diese zu einem eigenständigen Paradigma entwickeln könnte), das Eigenschaftsparadigma und das dynamisch-interaktionistische Paradigma.
Diese Paradigmen sind also keine Teildisziplinen der Psychologie (wie etwa die Allgemeine Psychologie), sondern jedes ist ein theoretisches Paradigma für die verschiedenen Teildisziplinen und Forschungsprogramme der Psychologie. Diese Ansätze, die sich in Grundannahmen und auch in der Methodologie unterscheiden, werden in der Regel nicht explizit erwähnt, bilden aber eine sehr wichtige Grundlage für das (korrekte) Verständnis der Psychologie, ihrer Theorien und v.a. der psychologischen Forschungsergebnisse. Heute sind innerhalb eines psychologischen Faches (einer Disziplin) in der Regel verschiende Paradigmen gleichberechtigt (so z.B. in der aktuellen persönlichkeitspsychologischen Forschung das Informationsverarbeitende Paradigma, das Eigenschaftsparadigma und das dynamisch-interaktionistische Paradigma). Diese Komplexität der Psychologie sollte man vor allem auch in Bezug auf die einzelnen Disziplinen berücksichtigen: es gibt eben innerhalb einer Disziplin immer verschiedene Ansätze, unter denen ein Gegenstandsbereich betrachtet werden muss, bzw. eben eine hohe methodologische Flexibilität, unter der eine Fragestellung möglichst optimal wissenschaftlich-methodisch beantwortet werden kann.
Disziplinen
Im Allgemeinen unterscheidet man in der Psychologie zwischen den Grundlagendisziplinen und der Angewandten Psychologie.
Grundlagendisziplinen
Innerhalb dieser Disziplinen kann man noch zwischen solchen unterscheiden, die auch Fundus anderer Grundlagenfächer sind, und solchen, die basale Erkenntnisse in spezifischen Kontexten liefern. Zu den ersteren gehören natürlich die Psychologische Methodenlehre, sowie die Allgemeine Psychologie und die Biopsychologie (die wiederum untereinander stark vernetzt sind), zu den letztgenannten die Sozialpsychologie, die Entwicklungspsychologie und die Persönlichkeits- und Differenzielle Psychologie.
- Die Psychologische Methodenlehre befasst sich mit der gesamten Bandbreite des Instrumentariums ("Handwerkszeug") psychologischen Erkenntnisgewinns. Sie stellt den existierenden Verfahrensfundus für andere Disziplinen der Psychologie bereit und ist gleichermaßen ein eigenständiges Forschungsgebiet mit dem Ziel, den Methodenbestand zu verbessern und zu ergänzen, etwa durch Eigenentwicklungen oder auch durch Adaption von Verfahren aus den Katalogen anderer Wissenschaften. Dabei reicht ihr inhaltliches Spektrum von Wissenschaftstheorie und Ethik über Experimentalmethodik, Evaluationsforschung bis hin zu Hilfswissenschaften mit hohem Stellenwert, v.a. Mathematik (insbes. Statistik) sowie Informatik oder Spezialfällen der Psychologischen Methodenlehre wie der Mathematischen Psychologie. Auch die Diagnostik gehört streng genommen zu den Methodenfächern.
- Die Allgemeine Psychologie erforscht grundlegende psychische Funktionsbereiche, wie Kognition, Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis, Denken, Problemlösen, Wissen, Aufmerksamkeit, Bewusstsein, Volition, Emotion, Motivation und Sprache, sowie Psychomotorik.
- Die Biologische Psychologie (auch Biopsychologie, Physiologische Psychologie, Psychophysiologie, Psychobiologie, Neuropsychologie) widmet sich hingegen den physischen Funktionsbereichen, die sich auf Verhalten und Erleben auswirken (Genetik, neuronale Prozesse, v.a. Anatomie und Physiologie des Gehirns, Sinnesphysiologie und Endokrinologie). Sie beschäftigt sich zusammen mit der Methodenlehre auch mit Messverfahren (physiologische Verhaltenskorrelate, wie z.B. Herzrate, Blutdruck, Elektrodermale Aktivität, Durchblutungsstatus z.B. des Gesichts, Elektroenzephalogramm (EEG, Hirnströme), bildgebende Verfahren (CT, MRT, PET, SPECT, ...), Muskelaktivität, sowie Laborparameter (insbes. Konzentration von verschiedenen Hormonen etc. in Urin, Blut oder Speichel) uvm.).
- Die Entwicklungspsychologie untersucht die psychische Wandlung des Menschen von der Empfängnis bis zum Tod (intraindividuelle Veränderungen, Ontogenese). Gegenstandsbereiche sind z.B. Faktoren der Entwicklung (Anlage, Umwelt), Entwicklungsstufen, Entwicklung der Wahrnehmung, der Psychomotorik, der kognitiven Kompetenzen, des Gedächtnisses, der Sprache, der Persönlichkeit, etc.
- Die Sozialpsychologie erforscht im weitesten Sinne die Auswirkungen sozialer Interaktionen auf Gedanken, Gefühle und Verhalten auf das Individuum („an attempt to understand and explain how the thought, feeling and behavior of individuals are influenced by the actual, imagined, or implied presence of others“, Allport 1968). Gegenstandsbereiche sind z.B. soziale Aspekte der Wahrnehmung (wie Personenbeurteilung, Vorurteile, Annahmen und Schlussfolgerungen über das Verhalten anderer Menschen, u.a.), soziale Aspekte der Emotion (z.B. auch Aggression), interpersonale Attraktion, Pro-soziales Verhalten, Einstellungen, Kommunikation oder auch Gruppenprozesse (Minoritäteneinfluss, Entscheidungsprozesse in Gruppen, Gruppendenken, Gehorsam (vgl. dazu z.B. das Milgram-Experiment oder das Stanford-Prison Experiment), Gruppenleistung, Intergruppenbeziehungen uvm.).
- Die Persönlichkeits- und Differenzielle Psychologie beschäftigt sich mit interindividuellen Unterschieden in den o.g. Bereichen der Allgemeinen Psychologie, sowie mit Persönlichkeitsmodellen, der Intelligenz und der Kreativität, sowie deren Messbarkeit (Operationalisierung der Konstrukte). Sie ist wichtige Grundlage für die Diagnostik und damit auch der Arbeits- und Organisationspsychologie.
Anwendungsgebiete
- Klinische Psychologie
Das klassische Anwendungsgebiet ist die Klinische Psychologie, die der Psychologischen Psychotherapie als Grundlage dient. Primär ist die Klinische Psychologie Grundlagenforschung, in dem sie aus der Erforschung von "gestörtem" Erleben und Verhalten Rückschlüsse auf "normale" psychische Funktionsbereiche liefert. Daher ist auch hier oft das Experiment die bevorzugte Methode des Erkenntnisgewinns. Gleichzeitig sucht sie aber auch nach Ursachen und Wirkungszusammenhängen von gestörten Funktionsbereichen (z.B. gestörter Informationsverarbeitung) und erforscht Grundlagen zur Entstehung, Symptomatik und Aufrechterhaltung von psychiatrischen Störungen (z.B. Depressionen). Hierzu gehört auch die Einbeziehung von externen Faktoren (bio-psycho-soziales Modell). Aus den Forschungsergebnissen ergeben sich Möglichkeiten, Methoden zur Veränderung zu entwickeln, die dann wiederum Forschungsgegenstand der Klinischen Psychologie sind. Insofern kann die Klinische Psychologie neben der Psychotherapie auch in Form von Trainings (z.B. zur regelmäßigen Einnahme von Medikamenten), Beratung und Training von Angehörigen usw. psychologische Hilfestellungen leisten. Sie überschneidet sich hier mit Diagnostik und Intervention bzw. wird durch diese ergänzt. Dabei gehört die klinisch-psychologische Diagnostik (ICD, DSM) einschließlich Befundung und Begutachtung ebenso zum Aufgabenfeld der Klinischen Psychologie wie die evidenz-basierte Therapieplanung, die Therapieevaluation und das Qualitätsmanagement. In der Berufspraxis, bzw. -realität muss aber davon ausgegangen werden, dass für alle diese Tätigkeiten eine Zulassung als Psychotherapeut unabdingbar ist.
Ein neues, sich evtl. verselbständigendes Teilgebiet der Klinischen Psychologie ist die Gesundheitspsychologie, die sich mit gesellschaftlichen Fragen nach wirksamer Prävention, gesundheitsförderlichem Verhalten (auch in Bezug auf die psychische Gesundheit) und den sozialen Faktoren von Krankheit sowie Stress beschäftigt.
- Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie (inkl. Wirtschaftspsychologie)
Die ABO-Psychologie umfasst die Analyse der Arbeit, Eignungsdiagnostik, Personalauswahl, Leistungsbeurteilung, Personal- und Organisationsentwicklung, Kommunikation, Gruppenprozesse, Führung, Ergonomie, Trainings, etc. (auch Werbe-, Verkaufs- und Marktpsychologie).
Thematisch ähnlich hierzu ist die Angewandte Sozialpsychologie.
In Deutschland entwickelten sich die Vorläufer während der Transformation der strukturell veralteten deutschen Armee nach dem ersten Weltkrieg. Hauptthema war die Eignungsdiagnostik, insbesondere die Eignung zur Führung. Dieses erstmalig von anderen Wissenschaftsbereichen (wie der Medizin oder der Pädagogik) unabhängige Anwendungsgebiet der Psychologie führte in Deutschland 1941 zur Etablierung der Psychologie als eigenständiger Diplomstudiengang.
- Pädagogische Psychologie
Ursprünglich bedeutsames Beschäftigungsfeld von Psychologen war die Erziehungsberatung, deren Weiterentwicklungen sich in der Pädagogischen Psychologie wiederfanden, aus der sich auch die Schulpsychologie entwickelte. Wobei sich heute die psychologische Erziehungsberatung kaum aus der Pädagogischen Psychologie, sondern vielmehr aus der Diagnostik und Intervention ableitet. Die Schulpsychologen sehen sich auch nicht als Pädagogische Psychologen, sondern ihren Beruf vielmehr gleichzeitig als Teilbereich sowohl der Diagnostik und Intervention und der Klinischen Psychologie (Diagnostik, Beratung, Training und Therapie von Schülern, Eltern und Lehrern, sowie Lehrersupervision), als auch der Organisationspsychologie (Evaluation, Leistungsdiagnostik, Organisationsentwicklung, Schulentwicklung, Mediation). Beide Disziplinen, v.a. aber die Schulpsychologie, stellen heute für Psychologen in Deutschland (anders als z.B. in den USA) eine äußerst geringe (und weiter schwindende) Bedeutung und Randexistenz dar.
Kleinere Anwendungsbereiche der Psychologie bilden u.a. die Verkehrs-, Medien-, Rechts-, Polizei-, Kultur-, Geronto-, Sport-, Umwelt- und die politische Psychologie.
Bei allen genannten Bereichen ist die Diagnostik von zentraler Bedeutung: Keine Intervention ohne Diagnose!
Grundsätzlich sind auch andere Bezeichnungen möglich. Z.B. solche, die einen Forschungsgegenstand benennen und diesen über alle ihn betreffenden Disziplinen hinweg und zusammenfassend beschreiben (z.B. Wahrnehmungspsychologie, Emotionspsychologie u.a.), oder auch solche, die zugrundeliegende Ansätze oder besondere Aspekte von Paradigmen betonen (z.B. Verhaltenspsychologie, Evolutionäre Psychologie u.a.). Diese eher bereichsspezifischen Bezeichnungen (mit entsprechender thematischer Bündelung von verschiedenen Inhalten) finden sich auch häufig dann, wenn es um eine umfassende Vermittlung von spezifischen Inhalten und weniger um Forschung und methodische Zusammenhänge geht, also inbes. wenn psychologisches Wissen im Rahmen von Neben- oder Hilfsfächern (z.B. an nicht-psychologsichen Fachbereichen, in Fachhochschulstudiengängen usw.) vermittelt wird. Hier werden auch zum Teil Bezeichnungen o.g. Grundlagendisziplinen anders inhaltlich ausgefüllt, wie z.B. Allgemeine Psychologie als eine den allgemeinen (ersten) Überblick gebende Einführung in die Psychologie (wie in den sprichwörtlichen 101 Kursen in den USA) oder Pädagogische Psychologie als Psychologie für Pädagogen.
Begriffe der Psychologie
- Konstrukt, Paradigma, Modell
- Wahrnehmung, Lernen, Erinnern, Vergessen, Gedächtnis, Denken, Kognition, Problemlösen, Emotion, Motivation, Bewusstsein
- Psychologischer Test, Skala
- Experiment, Methoden der empirischen Sozialforschung
- soziale Interaktion
- Intelligenz, Persönlichkeit
- Psychopathologie
Siehe auch
- Liste bekannter Psychologen und Psychotherapeuten
- Psychische Störung
- Psychotherapie
- Psychiatrie
- [http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Psychologie Portal Psychologie auf Wikipedia]
Literatur
Für Einsteiger
- Schwartz, Steven: Wie Pawlow auf den Hund kam.
- Heiner Keupp u. Klaus Weber (Hrsg.): Psychologie. Ein Grundkurs. ISBN 3-499-55640-5
- Mietzel, Gerd: Wege in die Psychologie. 12. Aufl. 2005. ISBN 3-608-94159-2
Lehrbücher allgemein
- Zimbardo, Philip G.: Psychologie, Pearson 2004. ISBN 3-827-37056-6. Der Zimbardo ist das Einstiegsbuch für alle angehenden Psychologen.
- Joachim Grabowski u. Elke van der Meer (Hrsg.): Hilgards Einführung in die Psychologie, Von Rita L. Atkinson, Richard C. Atkinson, Edward E. Smith u. a. Spektrum Lehrbuch. 2001. ISBN 3-8274-0489-4
- J. Müsseler & W. Prinz (Hrsg.): Allgemeine Psychologie, Heidelberg, Berlin 2002: Spektrum Akademischer Verlag.
- Dörner, Dietrich u. Selg, Herbert (Hrsg.): Psychologie - Eine Einführung in ihre Grundlagen und Anwendungsfelder, 2. Auflage, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln, 1996. ISBN 3-17-012266-5.
- Myers, David G. : Psychologie. Heidelberg, Berlin: Springer, 2005. 1029 S. ISBN 3-540-21358-9
Lehrbücher Einzelgebiete
- Goldstein, E.B. (2002). Wahrnehmungspsychologie. Spektrum Akademischer Verlag. ISBN 3827410835
- Birbaumer, N. & Schmidt, R. (2005). Biologische Psychologie. Springer Verlag. ISBN 3540254609
- Aronson, E. et al. (2003). Sozialpsychologie. Pearson Studium. ISBN 3827370841
- Oerter, R. & Montada, L. (2002). Entwicklungspsychologie. BeltzPVU. ISBN 3621274790
- Amelang, M. & Bartussek, D. (2001). Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Kohlhammer. ISBN 3170166417
- Pervin, L. et al. (2005). Persönlichkeitstheorien. UTB. ISBN 3825280357
- Bortz, J. & Döring, N. (2002). Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler. Springer. ISBN 3540419403
- Bortz, J. (2004). Statistik für Human- und Sozialwissenschaftler. Springer. ISBN 354021271X
- Davison, G. et al. (2002). Klinische Psychologie. BeltzPVU. ISBN 3621274588
- Scharfetter, C. (2002). Allgemeine Psychopathologie. Thieme. ISBN 3135315053
- Jäger, R. & Petermann, F. (1999). Psychologische Diagnostik. BeltzPVU. ISBN 3621274596
- Lienert, G. & Raatz, U. (1998). Testaufbau und Testanalyse. BeltzPVU. ISBN 3621274243
- Schuler, H. (2003). Lehrbuch Organisationspsychologie. Huber. ISBN 3456840195
- Wickens, C. & Gordon, S. (1997). An Introduction to Human Factors Engineering. Prentice Hall. ISBN 0321012291
- Wolfgang Metzger: Psychologie - Die Entwicklung ihrer Grundannahmen seit Einführung des Experiments. 6. Auflage 2001, Krammer: Wien. Zugleich ein Klassiker der Gestaltpsychologie.
Sonstiges
- Gigerenzer, Gerd: Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken. Berliner Taschenbuch Verlag (BTV). 2004. ISBN 3-8333-0041-8
- Watzlawick, Paul: Anleitung zum Unglücklichsein. Piper. 1988. ISBN 3-492-22100-9 (Original: The Situation is Hopeless but Not Serious)
Psychologie kritisch betrachtet
- Jervis, Giovanni: Grundfragen der Psychologie. 2001. ISBN 3-8031-2415-8
- Devereux, Georges: Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1998. ISBN 3518280619
- Holzkamp, Klaus: Grundlegung der Psychologie. 1985. ISBN 3593335727
- Vinnai, Gerhard: Die Austreibung der Kritik aus der Wissenschaft - Psychologie im Universitätsbetrieb. 1993. ISBN 3-593-34877-2 oder [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2005/547/ kostenlos online.]
Weblinks
- [http://www.dgps.de Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)]
- [http://www.bdp-verband.org Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP)]
- [http://www.psychologie-studium.info Literatur zum Psychologiestudium]
- [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/ Open Access Dokumente und kostenlos nutzbarer wissenschaftlicher Psychologie-Publikationsserver: PsyDok]
- [http://www.psytests.de/ PSYTESTS - Psychologische Onlinestudien]
- [http://www.lern-psychologie.de/ interaktive Lernumgebung zur Psychologie]
- [http://www.zpid.de/ Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID)]
- [http://wiki.pruefung.net Frei verfügbare Online-Literatur u.a. zum Thema Psychologie]
- [http://psychologie.fernuni-hagen.de/Lernportal/index.html Lernportal Psychologie der Fernuni Hagen]
- [http://www.psychologieforum.info/ Psychologieforum Innsbruck]
- [http://www.gehirn-und-geist.de/psychologie Psychologie im 21. Jahrhundert- Eine Standortbestimmung]
- [http://www.experimentalpsychologie.de Einführung in die Experimentalpsychologie und Testentwicklung]
- [http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/PLEX/ Gebärden-Fachlexikon der Psychologie]
Fachzeitschriften
- [http://www.journals.cambridge.org/journal_BehavioralandBrainSciences Behavioral and Brain Sciences]
- [http://www.trends.com/tics/default.htm Trends in Cognitive Sciences]
- [http://www.apa.org/journals/bul.html Psychological Bulletin]
- [http://www.annualreviews.org/catalog/2004/ps55.asp Annual Review of Psychology]
- [http://www.apa.org/journals/rev.html Psychological Review]
- [http://www.gehirnundgeist.de Gehirn und Geist – Populärwissenschaftliches Magazin]
- [http://www.psychologie-heute.de Psychologie Heute – Populärwissenschaftliches Magazin]
- Datenbank mit medizinischen Artikeln der nationalen medizinischen Bibliothek der USA (NLM) (Wiki)
- [http://www.psyche.de Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen]
Kategorie:Wissenschaft
!
ja:׀ְִםׁ§
ko:½ֹ¸®ַ׀
ms:Psikologi
simple:Psychology
th:¨װµַװ·ֲׂ
Axiom
Axiom (v. griech.: tà tôn progónon axiómata = als wahr angenommener Grundsatz) nennt man eine Aussage, die grundlegend ist und deshalb nicht innerhalb ihres Systems begründet werden kann bzw. muss. Sie dient als Grundlage für eine deduktive Theorie (vgl. auch Prinzip) und kann deshalb nicht selbst durch diese Theorie begründet werden. Wenn eine Theorie aus begründeten Sätzen bestehen soll, so muss es notwendigerweise solche Axiome geben, denn sonst würde die Argumentation in einem unendlichen Regress enden: Jeder Satz, den ich zur Begründung anführte, bedürfte wieder einer Begründung, usw. Daher ist ein Axiom etwas ganz anderes als eine Vermutung.
Ausnahmen:
- der Logizismus, vertreten von Gottlob Frege, der zumindest die elementare Arithmetik rein logisch zu begründen suchte. (Aber dann stellt sich - nicht für ihn, aber für uns - die Frage nach der Begründung der Logik).
- die Protokollsatzlehre, vertreten speziell vom logischen Positivismus. Demnach können Sätze der empirischen Wissenschaften auch logisch auf Wahrnehmungserlebnisse zurückgeführt werden, deren Evidenz unmittelbar klar ist. Insbesondere Popper kritisiert diese Position aufgrund der in den wissenschaftlichen Sätzen auftretenden Universalien.
Mehrere Axiome können zu einem Axiomensystem gehören, wenn sie in keinem Widerspruch zueinander stehen. So definieren z.B. die Körperaxiome in Verbindung mit den Anordnungsaxiomen und dem Vollständigkeitsaxiom die reellen Zahlen: Alle wahren Aussagen über reelle Zahlen lassen sich aus diesen Axiomen ableiten.
Wenn eine deduktive Theorie irgendeinen Anspruch auf Plausibilität haben soll, so müssen ihre Axiome wohlbegründet sein (nur eben nicht mit den Mitteln dieser Theorie). Sie müssen "selbstverständlich" und "offenbar" sein. Mit Gödel u.a.: Axiomata in einer logischen Sprache können nur außerhalb ihrer selbst, in einer "Metasprache" begründet werden. Die Axiome dieser Sprache also nur in einer "Meta-meta-Sprache", und so fort. Die allerletzte Sprache (das 'allererste Kettenglied') ist auch für Logiker dann die sog. Umgangssprache.
Der Versuch, mathematische Sachverhalte auf Axiome zurückzuführen, wird als Axiomatisierung bezeichnet.
Beispiele
# Parallelenaxiom: "Zu jeder/m Geraden / Punkt, der nicht auf dieser Geraden liegt, gibt es genau eine Parallele durch diesen Punkt." Dieses Axiom der euklidischen Geometrie war immer als weniger klar und einleuchtend erschienen als die anderen und es gab viele Versuche, es aus den anderen abzuleiten. Schließlich wurden um die Wende zum 19. Jahrhundert nichteuklidische Geometrien konzipiert, die bewiesen, dass es logisch unabhängig ist.
# "Zu jedem Prädikat P gibt es die Menge aller Dinge, die dieses Prädikat erfüllen." Dies ist das ursprüngliche Komprehensionsaxiom der Mengenlehre Georg Cantors, das so klar und einfach, so selbstverständlich ist, dass es einen großen Schock bedeutete, als sich herausstellte, dass es nicht widerspruchsfrei zu den anderen Axiomen hinzugefügt werden konnte.
# "Jede natürliche Zahl n hat genau einen Nachfolger n' ." ist ein Axiom der Arithmetik. Es ist plausibel, weil es die Zählbewegung simuliert (man kann es mit Streichhölzern schreiben), deren protomathematische Evidenz klar ist.
# "Der Raum in einem Inertialsystem ist homogen", d.h. es darf keine Rolle spielen, an welcher willkürlich gewählten Stelle im Raum ein Vorgang stattfindet, solange nur alle anderen Rahmenbedingungen gleich sind. Sollte dieses Axiom nicht erfüllt sein, gäbe es auf irgendeine Weise ausgezeichnete Stellen im Raum, deren Eigenschaften und Herkunft nur noch im Rahmen einer Religion erklärbar sind (tatsächlich definieren fast alle Religionen so etwas wie ein Jenseits, also einen Ort im Raum, an dem die sonst üblichen Gesetzmäßigkeiten nicht mehr gültig sind). In der klassischen Physik folgt direkt aus diesem Axiom die Erhaltung des Impulses.
# "Wahr ist Falsch", ein Axiom muss keine Konsequenz einer übergeordneten Schlussfolgerungskette sein. Aus einer Theorie, die ein solches Axiom enthält, lassen sich aber beliebige Schlussfolgerungen ziehen.
# Ein Axiom einer Religion oder Weltanschauung wird Dogma oder Paradigma genannt.
Kategorie:Logik
ja:公理
ko:공리
VolkswirtschaftslehreDie Volkswirtschaftslehre (VWL) ist ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaft.
Betätigungsfeld und Grundannahmen der VWL
Allokation knapper Güter
Die VWL untersucht die Allokation ökonomischer Ressourcen (Güter und Produktionsfaktoren), die der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dienen. Ausgangspunkt ist also die Grundannahme, dass Güter und Ressourcen knapp sind und die Menschen darum gezwungen sind, sich zwischen verschiedenen Möglichkeiten von deren Einsatz oder Verbrauch zu entscheiden (Ökonomisches Prinzip). Die Knappheit bedeutet dabei, dass eine einmal gewählte Verwendungsmöglichkeit eine andere ausschließt. Ökonomen bezeichnen das als Opportunitätskosten. Die Wahlentscheidungen von Individuen und Gruppen sind daher in der VWL von zentraler Bedeutung. Die Wirtschaftswissenschaftler gehen davon aus, dass Anreize, Präferenzen und Nutzen diese Entscheidungen bestimmen.
Untersuchungsfelder
In der Volkswirtschaftslehre werden gesamt- und einzelwirtschaftliche Zusammenhänge und Prozesse untersucht. Grundfragen sind Handel, Ressourcenallokation, die Ursachen des Wohlstandes, die Gestaltung der Produktion, die Verteilung des Wohlstandes in einer Gesellschaft, Ursachen von Wirtschaftskrisen sowie die damit verwandten Themen Finanzen, Steuern, Arbeit und Arbeitslosigkeit, Recht, Armut, Umweltschutz und viele andere.
Menschenbilder
In der Volkswirtschaftslehre wird häufig mit der Modellannahme des homo oeconomicus gearbeitet, nach der der Mensch rational handelt, um sein Wohlbefinden unter gegebenem Informationsstand zu maximieren. Dieses Modell scheint für viele Untersuchungen ausreichend, da sich die irrationalen Vorlieben der einzelnen Individuen in der Summe wieder ausgleichen.
Neuere Forschungsmodelle erweitern zunehmend die Annahmen und beziehen irrationales Verhalten in ihre Denkmodelle der Verhaltensökonomie mit ein, so z. B. in der Spieltheorie. Einige Forscher haben für diese Ansätze schon den Wirtschaftsnobelpreis verliehen bekommen. Des Weiteren berücksichtigen neuere ökonomische Menschenbilder opportunistisches Verhalten (opportunism, Williamson), worunter eigennütziges Denken gepaart mit List und Tücke verstanden wird, und die Begrenztheit der menschlichen Rationalität aufgrund beschränkter kognitiver Kapazitäten (bounded rationality, Simon). So werden solche menschlichen Eigenschaften in der neuen Institutionenökonomik berücksichtigt.
Darüber hinausgehende Entwicklungen wie die des sog. REMM (resourceful, evaluating, maximizing man, Meckling) beziehen zudem die Lernfähigkeit des Menschen in die Betrachtung mit ein.
Werkzeuge und Themen der VWL
Werkzeuge der VWL
Mathematische Modelle spielen eine wesentliche Rolle in der VWL, da sie klare Beweisführung und eindeutig definierte Annahmen verlangen und in der Regel nicht zu vieldeutigen oder "weich" interpretierbaren Ergebnissen führen. Die generellen volkswirtschaftlichen Ansätze lassen sich aber mit einfacher Arithmetik und dem Verschieben von Kurven darstellen, ohne dass man tiefere mathematische Kenntnisse mitbringen muss. Die Österreichische Schule vertritt sogar die Auffassung, dass jedes Modell, das über einfache Logik hinausgeht, nicht nur überflüssig, sondern sogar ungeeignet für ökonomische Analysen sei. In den letzten Jahren zeigt sich eine zunehmende Tendenz hin zu ökonometrischen Arbeiten.
Fachrichtungen der VWL
- Mikroökonomie, die sich mit den Beziehungen von einzelnen Individuen und Firmen untereinander befasst. Die innere Gliederung von Unternehmen ist Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre.
- Makroökonomie, die die Wirtschaft im Gesamtzusammenhang betrachtet, also die Wechselwirkung von Einkommen, Beschäftigung und Inflation
In den letzten zwanzig Jahren gab es immer wieder Versuche, diese beiden Grundrichtungen miteinander zu verzahnen. Heute herrscht weitgehend Einigkeit, dass gute makroökonomische Analysen auf fundierten mikroökonomischen Kenntnissen aufbauen müssen.
Innerhalb dieser breiten Fachrichtungen der VWL finden sich spezialisierte Themenbereiche, die ein breites Spektrum menschlicher Tätigkeiten abdecken. Das quantitative Methodenwissen der VWL ist in einer eigenen Fachrichtung zusammengefasst, der Ökonometrie.
Themen in der VWL
- Allgemeine Mikroökonomie
:Markt -- Allgemeine Gleichgewichtstheorie -- Marktgleichgewicht -- Angebot und Nachfrage -- Preis -- Preiselastizität -- Nutzenfunktion -- Produktionsfaktor -- Produktionsfunktion
- Mikroökonomie der staatlichen Eingriffe
:Entwicklungsökonomie --Öffentliche Finanzen -- Öffentliche Güter und externe Effekte -- Netzwerkeffekte -- Staatliche Regulierung -- Ölflecktheorem
- Spezielle Mikroökonomie für einzelne Bereiche bzw. Branchen
:Arbeitsmarkt -- Bildungsökonomie -- Familienökonomie -- Finanzökonomie -- Gesundheitsökonomie -- Industrieökonomik -- Ökonomie des Rechts -- Regionalökonomie -- Verkehrswirtschaftslehre -- Umweltökonomie -- Innovationsökonomie -- Ökonomie der Kriminalität -- Religionsökonomie
- Makroökonomie
:Gesamtwirtschaftlicher Konsum -- Gesamtwirtschaftliche Investitionen -- Fiskalpolitik -- Geldpolitik -- Preisentwicklung -- Wechselkursentwicklung -- Konjunkturtheorie -- Wirtschaftswachstum -- Arbeitslosigkeit bzw. Gesamtwirtschaftliche Beschäftigung
- Internationale Wirtschaftsbeziehungen
:Güterwirtschaftliche und monetäre Außenwirtschaftstheorie -- Zolltheorie -- Handelspolitik -- Zahlungsbilanz -- Internationale Institutionen -- Wirtschaftliche Integration
- Methodologie
:Entscheidungstheorie -- Evolutionsökonomik -- Experimentelle Ökonomie -- Ökonometrie -- Spieltheorie -- Wirtschaftsgeografie -- Wirtschaftsgeschichte -- Wirtschaftspolitik
Geschichte der Volkswirtschaftslehre
Das Bearbeiten grundlegender ökonomischer Fragestellungen theoretischer Natur wurden nach allgemeiner Auffassung im Merkantilismus begonnen. Eine echte a | | |