Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Guantanamo Bay

Guantanamo Bay

Die Guantanamo-Bucht (span.: Bahía de Guantánamo) ist eine 20 Kilometer breite und 8 Kilometer lange Bucht des Karibischen Meers im südlichen Teil Kubas. Sie trägt den Namen der 12 Kilometer nördlich gelegenen Stadt Guantánamo. Im deutschen Sprachraum ist auch die englische Bezeichnung Guantanamo Bay geläufig, die dann aber zumeist auf den gleichnamigen Stützpunkt des US-Militärs zielt, der im südlichen Teil der Bucht – rund 15 Kilometer außerhalb der Stadt – liegt. Die Bucht hat einen sehr tiefen Hafen und ist gut geeignet für U-Boote und große Schiffe.

Vorgeschichte

Bereits im Kolonialzeitalter stand die Guantanamo-Bucht im Fokus militärstrategischer Überlegungen. So wurde die Bucht zum Schauplatz eines britischen Landeunternehmens im Verlauf des sogenannten „War of Jenkins' Ear“ (17391742). Im Rahmen eines Versuches, den westlich der Bucht gelegenen spanischen Hafen Santiago de Cuba einzunehmen, nutzte das eingesetzte britische Expeditionskorps die geographischen Vorteile der Bucht zunächst für die Landung ihrer Infanterie (23. Juli 1741). Als sich später herausstellte, dass ein Angriff über Land wegen der Unpassierbarkeit des einzigen Weges nach Santiago unmöglich war, reklamierten die Briten die Bucht für sich und benannten ihren Ankerplatz nach dem zweiten Sohn des damaligen englischen Königs „Cumberland harbour“. Ihr weiter im Landesinneren gelegener Lagerplatz sollte zu einer dauerhaften britischen Befestigung auf Kuba ausgebaut werden und hieß – zu Ehren des Königs selbst – Georgestadt. Nachdem die britischen Truppen infolge von Tropenkrankheiten während ihres mehrmonatigen Aufenthaltes stark dezimiert worden waren, gaben sie das Unternehmen auf, zerstörten Georgestadt wieder und verließen die Insel im Dezember 1741. Die USA versuchten bis 1897 Kuba von Spanien, dessen Kolonie Kuba damals war, zu kaufen. Im Jahre 1898, während des Spanisch-Amerikanischen Krieges, besetzten die USA die Guantanamo-Bucht, da sich dort eine bedeutende Hafenanlage befand. Durch den Pariser Frieden vom 10. Dezember 1898 erlangte Kuba die Unabhängigkeit, geriet aber in politische und wirtschaftliche Abhängigkeit der USA. Diese übten ihre Kontrolle und Vorherrschaft durch die Einsetzung proamerikanischer Präsidenten und Diktatoren und mehrere militärische Interventionen aus (unter anderem 1899–1903). Von Januar 1899 bis Mai 1902 stand Kuba unter Militärverwaltung der USA. 1901 wurde der sogenannte Platt-Zusatz in die Verfassung Kubas aufgenommen. Dieser schränkte die Souveränität des Landes erheblich ein. Er gewährte den USA ein Interventionsrecht im Falle innerer Unruhen und sah die Abtretung kubanischen Territoriums als Flottenbasis vor.

Geschichte des US-Militärstützpunktes

Intervention Am 23. Februar 1903 wurde von der verfassungsgebenden Versammlung Kubas aufgrund des Platt-Zusatzes, ein Leihvertrag mit den USA vereinbart. Kuba trat das Gebiet für 99 Jahre ab, wobei es das Recht für die freie Durchfahrt kubanischer Handelsschiffe eingeräumt bekam. Das gepachtete Gebiet ist 117,6 km² groß (heute mit Flughafen und Befestigungsanlagen ausgestattet). Ebenfalls in diesem Vertrag enthalten war ein weiterer Hafen in Bahia Honda, der aber schon 1912 an Kuba zurückgegeben wurde. Bis 1934 bezahlten die USA 2000 US-Dollar pro Jahr als Pachtgebühr. Im Jahr 1934 wurde der kubanische Präsident Grau San Martín abgesetzt, der Vertrag wurde aufgehoben. Nach einer Erneuerung des Vertrages im gleichen Jahr, blieb nur Abschnitt 7 über das Recht der Nutzung der Bucht als Marinestützpunkt erhalten. Weiterhin wurde der Leihvertrag nachträglich auf unbestimmte Zeit verlängert. Ab dem Jahre 1938 wurde die Pachtgebühr auf 4085 US-Dollar erhöht. Seit der Revolution 1959 und der Machtergreifung Fidel Castros akzeptiert Kuba die amerikanische Präsenz auf kubanischem Boden nicht mehr und fordert die Rückgabe der Bucht. Kuba bestreitet die Gültigkeit des geänderten Vertrages, da er durch militärischen Druck zustande gekommen sei. Die Pachtzahlungen der USA sollen von Kuba angeblich auch nie angerührt worden sein. Die Bucht ist immer wieder Ausgangspunkt einer großen Zahl von Kubanern für ihre Flucht in die USA. Die kubanische Regierung macht wohl auch deshalb immer wieder klar, dass die nicht rein militärische Nutzung als Aufnahmelager für Flüchtlinge und Gefängnis für Terroristen oder der Betrieb kommerzieller Einrichtungen (eine Filiale von McDonald's und eine Bowlingbahn) einen Vertragsbruch darstellen. Der Vertrag schreibt eine Beschränkung auf militärische Nutzung vor. Da Kuba den US-Stützpunkt in den 1960er Jahren vom Strom- und Wassernetz abkoppelte, wird diese seither von den USA aus mit Schiffen und Flugzeugen versorgt. Eine Meerwasserentsalzungsanlage produziert Trinkwasser. Ein 28 Kilometer langer Grenzzaun mit 44 Türmen sowie ein Minenfeld umschließen die Bucht. Die ursprüngliche militärische Bedeutung des Stützpunktes für die USA als Nachschubbasis für den Kohle-, Wasser- und Munitionsbedarf der Dampfschiffe der US-Flotte ist mit Ende der Dampfschifffahrt nicht mehr gegeben. Nach der kubanischen Revolution von 1959 kann das Festhalten der USA an der Präsenz auf Kuba nur noch als politische Provokation gedeutet werden. Die jüngste Nutzung als Gefangenenlager hängt damit zusammen, dass die zivile Gerichtsbarkeit der USA auf das vom Militärrecht bestimmte Gelände außerhalb des US-Territorium keinen unmittelbaren Zugriff hat.

Gefangenenlager Camp X-Ray

1999 flogen die USA Flüchtlinge des Kosovo-Krieges nach Guantanamo Bay aus. Nach der US-amerikanischen Intervention in Afghanistan wurden 2002 über 1.000 Gefangene aus den Reihen der Taliban und der Al-Qaida nach Guantanamo Bay verbracht, wo ihnen ihre Rechte als Kriegsgefangene verwehrt bleiben. Statt dessen werden sie als so genannte unlawful combatants (ungesetzliche Kombattanten) in einem Camp X-Ray (engl.: Röntgenstrahlen, X-Ray nach der NATO-Buchstabiertafel) genannten Teil des Stützpunkts interniert. Die Rechtmäßigkeit der Einstufung als ungesetzliche Kombattanten ist umstritten. Kombattant Kombattant Kombattant Im November 2003 kamen in der weltweiten Presse Gerüchte auf, dass in Guantanamo Bay auch Kinder und Jugendliche, die während des Afghanistan-Krieges (2002) gefangen genommen wurden, inhaftiert seien. Auch ihnen sei der Zugang zu einigen grundsätzlichen Menschenrechten verwehrt geblieben. Im Januar 2004 wurden drei inhaftierte Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren nach Afghanistan zurückgebracht und freigelassen. Sie seien "keine Gefährdung mehr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten". Von insgesamt 200 entlassenen Gefangenen wurden etwa fünf Prozent später beim Kampf gegen die multinationalen Truppen in Afghanistan und Irak erneut verhaftet. Am 11. März 2004 entlassen die USA fünf britische Gefangene ohne Auflagen aus der Haft. Einer der Freigelassenen erhebt schwerste Vorwürfe wegen eklatanter Verstöße gegen die Menschenwürde. Auf in den Medien weit verbreiteten Fotos sieht man die Gefangenen bei der Überführung nach ihrer Festnahme in orangenen Schutzanzügen, mit Atemmaske, verbundenen Augen, Hörschutz, Handschuhen und gefesselten Händen und Füßen in knieender Position. Dies geschieht nach offiziellen Angaben zu ihrem Schutz, nach wiederholten Presseberichten sei es jedoch Teil von Verhören, die durch sensorische Deprivation jede psychische Normalität brechen sollen - ein Verfahren das bereits in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und sowjetischen Gulags sehr erfolgreich angewandt wurde. Solche Methoden widersprechen den internationalen Menschenrechtskonventionen eklatant. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat nach Berichten der New York Times bereits im Juli 2004 in einem vertraulichen Bericht an die US-Regierung die angewandten Verhörmethoden als Folter bezeichnet und die Haftbedingungen scharf kritisiert. Auch in wiederholten Medienberichten ist von Folter und unmenschlicher Behandlung die Rede, vgl. z.B. den Bericht in [http://www.faz.net/s/Rub28FC768942F34C5B8297CC6E16FFC8B4/Doc~E20DBFDA9778949E2A428464736F03979~ATpl~Ecommon~Scontent.html faz.net]. Von Amnesty International wird das Lager wegen der willkürlichen Internierung und angeblichen Folterung von Gefangenen im [http://web.amnesty.org/report2005/index-eng Jahresbericht 2005] als "der Gulag unserer Zeit" bezeichnet. Kritiker dieser Terminologie wenden ein, dass hierdurch die historischen sowjetischen Gulags verharmlost werden: In ihnen waren insgesamt 15 bis 30 Millionen Menschen inhaftiert, von denen zwei bis drei Millionen an Unterernährung, Zwangsarbeit, Typhus oder wahllosen Tötungen starben, während in Guantanamo-Bucht zu Höchstzeiten 750 Gefangene festgehalten wurden, von denen keiner starb. Auf Nachfragen erklärte William Schulz, der Geschäftsführer von Amnesty, man wisse in seiner Organisation nicht, ob es sich um ein "Gulag" handele oder zu angeordneten Folterungen komme. Die zuständigen US-Behörden bestritten die erhobenen Vorwürfe regelmäßig, indem sie sich auf die Visiten von Vertretern des Roten Kreuzes beriefen, während das IKRK die Richtigkeit der Informationen weder bestätigen noch dementieren kann, weil die Vertraulichkeit der Berichte Voraussetzung für die Durchführung der Visiten ist. Noch immer sind 510 Menschen inhaftiert, denen sowohl der Kriegsgefangenenstatus als auch jeglicher Rechtsbeistand verweigert wird. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts der USA im Juni 2004 müssen die Gefangenen die Möglichkeit haben, ihre Inhaftierung zu überprüfen. Bis zur Beendigung der Überprüfung Ende Januar 2005 wurde der Status in 327 Fällen bestätigt. Bei den restlichen Inhaftierten steht die Entscheidung noch aus. Von den Gefangenen sind ca. 180 Afghanen und 121 Saudis. Joyce Hens Green [http://www.dcd.uscourts.gov/joyce-green-bio.html], Richterin am District Court für den District of Columbia, hat in ihrem Urteil [http://news.findlaw.com/hdocs/docs/gitmo/inregitmo13105opn.pdf] vom 31. Januar 2005 die Praxis der Inhaftierung ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren als illegal und als Verstoß sowohl gegen die Genfer Konventionen als auch gegen die US-Verfassung bezeichnet.

Freilassungen

Bisher wurden 242 Häftlinge freigelassen. Juli 2005
- ein Häftling in den Sudan
- zwei Häftlinge nach Afghanistan
- drei nach Saudi-Arabien
- einer nach Jordanien
- Auslieferung des Marokkaners Lahcen Ikassrien nach Spanien (Vorwurf der Mittäterschaft bei den Vorbereitungen bei den Terroranschlägen in Madrid)

Folter

Anfang 2004 bestätigte ein Pentagon-Bericht die Foltervorwürfe. Genannt wurden:
- Drohung von Vernehmungsbeamten gegenüber einem Häftling seine Familie zu verfolgen
- Verkleben des Mundes eines Häftlings mit Klebeband, wegen des Zitierens von Koranversen
- Verschmieren des Gesichts eines Häftlings unter Vorgabe, die Flüssigkeit sei Menstruationsblut
- Anketten von Häftlingen in fötaler Position
- fälschliche Vorgabe von Vernehmungsbeamten als Mitarbeiter des Außenministeriums
- Koran-Schändungen

Liste bekannter Gefangener


- Mullah Abdul Salam Zaeef, ehemaliger Talibanbotschafter in Pakistan, Entlassen September 2005

siehe auch


- Abu-Ghuraib-Gefängnis, Murat Kurnaz

Literatur


- David Rose: Guantánamo Bay: Amerikas Krieg gegen die Menschenrechte. Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2004. ISBN 3-10-066300-4
- Dorothea Dieckmann: Guantánamo. Klett-Cotta. 160 Seiten. ISBN 3-608-93599-1
- Alfred de Zayas: [http://alfreddezayas.com/Articles/Guantanamo_de.shtml Wem gehört Guantánamo Bay? – Die Rechtslage um den Stützpunkt der Vereinigten Staaten]. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. Dezember 2003, S. 36

Weblinks


- [http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Kuba/guantanamo.html Erklärung der kubanischen Regierung zur Guantánamo-Frage]
- [http://www.nsgtmo.navy.mil/ Internet-Auftritt der Militär-Basis]
- [http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/537/22515/ Süddeutsche-Artikel zu inhaftierten Kindern]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20181/1.html Menschenrechtsverletzungen mit Vorbildcharakter (Telepolis)]
- [http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3841962_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html Internationales Rotes Kreuz: "Guantanamo ist "eine Form der Folter" (ARD-Meldung)]
- [http://web.amnesty.org/library/Index/ENGAMR510632005 Guantánamo and beyond: The continuing pursuit of unchecked executive power] (Dossier von amnesty international, en)
- [http://www.zeit.de/2005/48/Folteropfer?page=all UN-Ermittler untersuchen neue Vorwürfe aus Guantánamo – und werden von den USA daran gehindert (Die Zeit, Nr.48 vom 24.11.2005)] Kategorie:Kriegsverbrechen Kategorie:Militärische Einrichtung (USA) Kategorie:Bucht Kategorie:Abhängiges Gebiet (USA) Kategorie:Geographie (Kuba) Kategorie:Kubanische_Geschichte Kategorie:Ort mit Seehafen ja:グァンタナモ米軍基地

Spanische Sprache

Die spanische Sprache (Spanisch; span. español, castellano) gehört zum romanischen Zweig der indogermanischen Sprachen und wird manchmal mit dem Portugiesischen und Katalanischen in die engere Einheit des Iberoromanischen eingeordnet. Da die spanische Schriftsprache vom Sprachgebrauch der zentralspanischen Region Kastilien geprägt wurde, und um die Sprache von den anderen in Spanien gesprochenen romanischen Idiomen (vor allem Galicisch und Katalanisch) sowie der Nationalitätsbezeichnung „Spanisch“ abzugrenzen, findet man in Spanien – im Gegensatz zu Lateinamerika – fast ausschließlich die Bezeichnung castellano („kastilische Sprache“). Spanisch wird mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Im modernen Spanisch werden der Akut-Akzent für Vokale und die beiden Zeichen ñ und ü verwendet. Die Sprachkürzel nach ISO 639 sind es und spa.

Verbreitung

Spanisch ist Amtssprache in folgenden Ländern (in Klammern Anzahl der Muttersprachler): In der britischen Kolonie Gibraltar ist Spanisch neben Englisch ebenfalls Amtssprache. In folgenden weiteren Gebieten wird Spanisch – teilweise aufgrund der kolonialen Vergangenheit – von einem größeren Bevölkerungsanteil gesprochen: Andorra, Belize, Marokko, Niederländische Antillen, Philippinen, Trinidad und Tobago, Westsahara, Brasilien (rund 14,5 % der Bevölkerung), Puerto Rico. Spanisch wird gegenwärtig von ca. 360 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Damit hat das Spanische 20 Millionen Muttersprachler mehr als das Englische. Die meisten Spanisch-Sprecher leben in Süd- und Mittelamerika. Inklusive Zweitsprachler beläuft sich die Zahl der Sprecher auf ca. 420 Millionen. Damit ist Spanisch – nach Mandarin-Chinesisch, Hindi und Englisch - die am vierthäufigsten gesprochene Sprache der Welt. Als offizielle Amtssprache dient Spanisch in der Europäischen Union, in der Organisation Amerikanischer Staaten sowie bei den Vereinten Nationen.

Rechtschreibung

Die Rechtschreibung des Spanischen kommt dem Ideal recht nahe, Laut für Laut das gesprochene Wort nachzubilden. So werden häufig auch übernommene Fremdworte in ihrer Schreibung so angepasst, dass sich die Aussprache wieder automatisch ergibt (Beispiel: englisch bacon wird zu Spanisch beicon). Bei den lateinamerikanischen Varianten gilt dies nur mit Einschränkungen (teilweise werden Buchstaben anders ausgesprochen wenn das Wort indianischen Ursprungs ist, besonders „ll“ und „x“). Siehe auch: Spanisches Alphabet

Geschichtliche Entwicklung

Vorromanischer Einfluss

Die ältesten uns bekannten Bewohner der Iberischen Halbinsel sind die Iberer, die ein Volk afrikanischen Ursprungs sind. Um 600 v. Chr. kommen die Kelten über die Pyrenäen, die sich daraufhin mit den Iberern zu den Keltiberern vermischen. Das Baskische ist der einzige sprachliche Überrest aus jener Epoche, das noch von ca. 850.000 Menschen am Golf von Biskaya beiderseits der spanisch-französischen Grenze gesprochen wird. Gibt ein erobertes Volk die eigene Sprache nach einer Periode der Zweisprachigkeit zu Gunsten der prestigeträchtigeren Sprache der Eroberer auf, so wirken sich dennoch Sprechgewohnheiten (vor allem in Lautung und Wortschatz) auf die neue Sprache aus, und man bezeichnet die aufgegebene Sprache als Substrat. Das Keltiberische wirkte sich wie folgt aus: # Sonorisierung der intervokalischen Verschlusslaute p;t;k zu b;d;g (amica->amiga). # Lenition des Nexus [kt] über [çt] zu [it]. Im Kastilischen entwickelte sich der Nexus weiter. Das t wurde durch vorangehenden Palatal ebenfalls palatalisiert. Daher nocte->noche. Das Baskische ist ein Adstrat, da keine der Sprachen aufgegeben wurde. Auf baskischen Einfluss ist folgendes Phänomen zurückzuführen: Ersatz des anlautenden f durch h, das jedoch im weiteren Verlauf aspiriert wurde. (farina->harina, factu->hecho)

Lateinische Grundlage

Im 3. Jahrhundert v. Chr. beginnen die Römer mit der Eroberung der Iberischen Halbinsel. Zu jener Zeit werden hier (abgesehen von einzelnen Dialekten) Iberisch, Keltisch, Keltiberisch, Baskisch und Griechisch gesprochen. Unter Kaiser Augustus befindet sich die gesamte Halbinsel in römischer Hand. Durch eine starke militärische Präsenz und durch zahlreiche römische Beamte verbreitet sich die lateinische Sprache dort sehr schnell. Latein wird so zur Kultursprache, die Ursprachen werden allmählich zurückgedrängt. Nur in den westlichen Pyrenäen stößt das Lateinische auf stärkeren Widerstand, wodurch dort die Ursprache (Baskisch) erhalten bleibt.

Germanischer Einfluss

Als die Goten im Jahr 414 in Spanien einfallen, spricht man schon auf der gesamten Halbinsel Latein mit lokaler Färbung. Obwohl die Goten für die darauffolgenden drei Jahrhunderte die Herrschaft in Spanien haben, beeinflussen sie weder Sprache noch das soziale Leben sehr tief. Ein Grund dafür, dass sich Spanier und Goten nicht vermischen ist hauptsächlich religiösen Ursprungs: die Spanier sind Katholiken, die Goten Arianer. Als im Jahr 589 König Rekkared I. mit seinem Volk zum Katholizismus übertritt, verschwindet das Gotische bald vollkommen. Dennoch gibt es ein paar wenige Wörter im Spanischen, die germanischen Ursprungs sind. Man nimmt aber an, dass diese nicht durch die Goten, sondern schon vorher durch die Römer, die in Gallien mit germanischen Stämmen in Berührung gekommen waren, nach Spanien gebracht wurden.

Arabischer Einfluss

Einen tiefgehenden und dauerhafteren Einfluss auf das Spanische haben die arabischen Eroberer, die 711 von Afrika aus ihre Expansion nach Osten und Norden der Halbinsel beginnen. Sie besetzen ganz Spanien mit Ausnahme des Kantabrischen Gebirges, wo eine kleine Schar Spanier Zuflucht sucht und die spätere Rückeroberung (Reconquista-Bewegung) Spaniens organisiert. Als im Jahr 1492 diese Rückeroberung mit dem Fall von Granada abgeschlossen ist, sind schon viele arabische Elemente in das Spanische aufgenommen. Anschließend werden aber wieder einige arabische Wörter aus dem spanischen Wortschatz ausgestoßen. Nach Auswertung des Wörterbuches der Real Academia Española von 1995 enthält das heutige Spanische noch 1285 Entlehnungen aus dem Arabischen (Arabismen) (vgl. hierzu [http://www.uni-muenster.de/Romanistik/dozenten/noll/al.pdf Volker Noll in Romania Arabica], Fs Kontzi, 1996, S. 299–313). Somit ist das Spanische die romanische Sprache mit den meisten arabischen Lehnwörtern; es handelt sich dabei nicht nur um Kulturbegriffe, sondern auch um Bezeichnungen für Begriffe des alltäglichen Lebens, z. B. aceite: „Öl“, aceituna: „Olive“. Arabische Lehnwörter und ihre Ableitungen finden sich in den folgenden Wortschatzbereichen: Verwaltung und Staatswesen, Heerwesen, Münzprägung, Naturwissenschaften, Landwirtschaft (Ackerbau, Bewässerungsanlagen), Hausrat, Kleidung, Speisen, Pflanzen- und Tierbezeichnungen und andere.

Das heutige Spanisch

Das Lateinische, das von den Römern nach Spanien gebracht wird, ist nicht die klassische lateinische Sprache, sondern die gewöhnliche Umgangssprache der Legionäre (Vulgärlatein). Aus dieser Sprache entwickeln sich mit der Zeit unter verschiedenen geographischen und ethnographischen Einwirkungen unterschiedliche romanische Dialekte. Einer dieser Dialekte, das Kastilische, entsteht in einer schwach romanisierten Gegend im Norden Spaniens, im Grenzgebiet der heutigen spanischen Provinzen Burgos, La Rioja, Vizcaya und Álava. Dieser Dialekt Altkastiliens zeichnet sich dadurch aus, dass er stärker von den vorromanischen Sprachen (Baskisch) geprägt ist und wird später durch politische Umstände zur Schrift- und Nationalsprache Spaniens. Es sind nämlich die Grafen Altkastiliens, die in andauernden Kämpfen gegen die Araber ihr Staatsgebiet nach Süden hin erweitern. Im Verlauf dieser Reconquista-Bewegung schiebt sich das Altkastilische wie ein Keil in das übrige romanische Sprachgebiet hinein und drängt die anderen Sprachformen an die westliche (Asturisch-Leonesisch und Galicisch, aus dem sich später Portugiesisch entwickelt) und östliche (Aragonesisch, Katalanisch) Peripherie des Landes ab, wodurch sich der Bereich der kastilischen Sprache enorm vergrößert. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wird Kastilien zum Königreich ausgerufen und im Jahr 1085 Toledo zur Hauptstadt bestimmt. So wird die kastilische Mundart zur Hof- und Umgangssprache des jungen Königreichs. Von sprachpolitischer Bedeutung sind die Reformen Ferdinands III. (12171252) und Alfons X. (12521282), durch die das Lateinische als Urkundensprache abgeschafft wird, und das Kastilische diese Funktion übernimmt. Schon im Verlauf des späten Mittelalters verbreitet sich das Kastilische nicht nur als Schriftmedium, sondern auch als gesprochene Sprache außerhalb Kastiliens. Nach der Vereinigung von Kastilien und Aragón (1479) wird es zur Staatssprache des Königreichs Spanien. Das Spanische wie wir es heute kennen, ist also eine Weiterentwicklung der lateinisch-kastilischen Mundart mit toledanischer Färbung. Im Jahr 1713 entsteht nach französischem Vorbild die „Real Academia de la Lengua“, die als anerkannte Autorität in Sprachfragen gilt. Zwischen 1726 und 1739 wird das „Diccionario de Autoridades“ herausgegeben, im Jahr 1771 erscheint die Grammatik der Akademie.

Grammatik

1771

Modi und Zeitformen


- Infinitivo
- Indicativo
  - Presente
  - Perfecto
  - Imperfecto
  - Pluscuamperfecto
  - Indefinido
  - Futuro
  - Futuro perfecto
- Subjuntivo
  - Presente
  - Perfecto
  - Imperfecto
  - Pluscuamperfecto
  - Futuro
  - Futuro perfecto
- Condicional
  - Condicional
  - Condicional compuesto
- Imperativo
- Gerundio
- Participio http://verbix.com/languages/spanish.shtml – Konjugationstabellen aller Verben

Das amerikanische Spanisch

In den meisten Ländern Süd- und Mittelamerikas wird Spanisch als Muttersprache gesprochen. Da es sich hierbei um ein großes Gebiet handelt und seit der Kolonialisierung durch die Spanier bereits Jahrhunderte vergangen sind, weist das lateinamerikanische Spanisch gewisse Abweichungen zum Kastilischen auf. Diese sind in der Schrift- und Verkehrssprache nicht allzu groß; die Umgangssprachen und Dialekte der einzelnen Länder unterscheiden sich dagegen teilweise recht deutlich, und zwar nicht nur in der Aussprache, sondern auch im Vokabular. Nicht zuletzt sind diese Abweichungen auf den (in den einzelnen Regionen unterschiedlich starken) Einfluss verschiedener indigener Sprachen zurückzuführen. Einige Wörter haben in Amerika einen Bedeutungswandel durchgemacht, auf grammatikalischem Gebiet sind aber bis auf Besonderheiten in der Verwendung der Vergangenheitstempora (Dominanz des Indefinido) und den „voseo“ in Argentinien und Uruguay, aber auch in Nikaragua, keine nennenswerten Veränderungen eingetreten. Auch wenn Aussprache und Wortschatz in den einzelnen amerikanischen Ländern variieren, kann man doch einige allgemeine Hauptunterschiede zwischen der Sprache Süd- und Mittelamerikas und dem Kastilischen festhalten:
- Typisch für Lateinamerika ist der so genannte seseo. Während im europäischen Spanisch ein z meist wie ein stimmloses englisches th ausgesprochen wird, wird es in lateinamerikanischer Aussprache zu einem normalen stimmlosen s-Laut. Dasselbe trifft auf das c vor e und i zu (z. B. in nación). Diese Aussprache kommt aus dem Südspanischen und hat sich auch deshalb in Lateinamerika durchgesetzt, weil im 16. und 17. Jahrhundert die meisten spanischen Einwanderer nach Amerika aus dem Süden Spaniens (v. a. Extremadura und Andalusien) kamen.
- Auch die Tendenz das s anzuhauchen (z. B. „ehtoy“ statt „estoy“) ist in vielen lateinamerikanischen Ländern vorzufinden und ist ebenfalls mit dem Andalusischen zu vergleichen.
- Die Vergangenheitsform Pretérito Perfecto (He comprado) ist unüblich. Stattdessen verwendet man meist das Pretérito Indefinido (Yo compré), soweit man das „Noch-Andauern“ einer Handlung nicht explizit betonen will.
- Die in Spanien nur als Höflichkeitsform (etwa dem „Siezen“ im Deutschen vergleichbar) im förmlichen Umgang verwendete Anrede „usted(es)“ (< vuestra merced, übersetzt etwa: „Euer Gnaden“) ist in Lateinamerika die standardsprachliche und allgemein verbreitete Anredeform, ganz unabhängig von Sprachebene oder Vertrautheit. So wird die 2. Person Plural im amerikanischen Sprachraum überhaupt nicht benutzt und stets durch die Anrede in der 3. Person ersetzt, an die Stelle des Personalpronomens „vosotros“ tritt immer „ustedes“. Auch im Singular ist die Anrede in der 2. Person mit „tú“ in vielen Gebieten unüblich (oder gilt als unhöflich) und man greift generell zur 3. Person mit „usted“.
- Eine grammatikalische Besonderheit der argentinischen und uruguayischen Sprachvariante ist der voseo, d. h. anstatt des Personalpronomens wird in der 2. Person Singular vos verwendet. Die Verben werden dann anders konjugiert (beispielsweise vos sos: „du bist“, standardspanisch tú eres).
- Es gibt viele Abweichungen zwischen dem kontinentalspanischen und dem lateinamerikanischen Wortschatz und überdies auch innerhalb Lateinamerikas von Land zu Land verschiedene semantische Eigenarten. Sie betreffen aber hauptsächlich die Umgangssprache und Begriffe des täglichen Lebens. Ernsthafte Verständigungsprobleme zwischen Sprechern aus verschiedenen europäischen und amerikanischen Teilgebieten des spanischen Sprachraums gibt es deshalb kaum. Einige Beispiele: Zu Missverständnissen kommt es wohl am ehesten durch Worte, die neben der allgemeinen Bedeutung in bestimmten Ländern eine umgangssprachliche Spezialbedeutung besitzen. So ist etwa das in Spanien unproblematische und für alle möglichen Sachverhalte häufig gebrauchte Verb coger („nehmen, ergreifen, fangen“) in den meisten Ländern Lateinamerikas ein ordinärer Ausdruck für die Ausübung des Geschlechtsverkehrs. Der Satz „Ich werde den Bus nehmen“ (Voy a coger el autobús) ist daher in Anwesenheit von Latinos aus diesen Ländern ein sicherer Lacherfolg (Ich werde den Bus ficken.). Auch das Wort guagua sorgt in diesem Zusammenhang immer wieder für Heiterkeit. Während es auf den Kanarischen Inseln, Kuba und der Dominikanischen Republik gleichbedeutend mit (Stadt)-Bus ist, steht es in Andenländern wie Chile, Peru oder Ecuador für Krabbel- oder Kleinkind (hier: Xenismus aus Quechua), so dass auch hier Missverständnisse programmiert sind. Weitere Beispiele, hier aus der Dominikanischen Republik, zeigen, wie die Wörter vom europäischen Spanisch abweichen können: la china - die Orange, la italiana - die Mandarine, la lechoza - die Papaya, el guineo - die Banane, la chinola - die Maracuja. Das spanische Wort guapo/-a für hübsch wird in der Dominikanischen Republik im Sinne von agressiv oder wild verwendet. Hübsch wird hier mit bonito/-a oder lindo/-a übersetzt. Una chica guapa ist in Spanien ein hübsches Mädchen, in der Dominikanischen Republik ein wütendes Mädchen.

Aussprache

Siehe: Aussprache der spanischen Sprache

Hörbeispiele


- Bild:Audiobutton.png Adiós, hasta mañana. (27 KB) – „Auf Wiedersehen, bis morgen.“
- Bild:Audiobutton.png ¿Qué hay de nuevo? (24 KB) – „Was gibt's Neues?“
- Bild:Audiobutton.png Yo estoy bien, gracias, ¿y tú? (29 KB) – „Danke, mir geht es gut, und Dir?“ Gesprochen von einem Einwohner Madrids.

Vom Spanischen abgeleitete Sprachen

Spanischbasierte Kreolsprachen


- Chabacano (Philippinen)
- Palenquero (Kolumbien)

Hybriddialekte

Hybriddialekte (Mischsprachen) existieren dort, wo Spanisch und Portugiesisch aufeinandertreffen
- A Fala in Spanien
- Barranquenho in Portugal
- Portuñol in Uruguay

Judenspanisch/Ladino

Judenspanisch ist das Spanisch der 1492 aus Spanien vertriebenen Juden Sephardim. Sie leben heute in Griechenland, Türkei, Israel, Nordmarokko und den USA. Die Sprecherzahl wird auf 150.000 geschätzt.

Sonstiges


- Lunfardo: eine Gaunersprache in Argentinien, die auch im Tango Verwendung findet

Spanisch für Nicht-Muttersprachler

Spanisch (Kastilisch) erfreut sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Im Zuge der Globalisierung ist es auch immer wichtiger, neben Englisch auch eine weitere Fremdsprache zu sprechen. Spanisch empfiehlt sich hier, da es unter den romanischen Sprachen die wichtigste (vor allem ökonomisch gesehen) und die am weitesten verbreitete Sprache ist. Es besteht für Interessierte beispielsweise die Möglichkeit, Sprachdiplome der Universität Salamanca zu erwerben. Es gibt hier drei Schwierigkeitsgrade (Diploma Inicial, Medio, Superior). In Deutschland kann man an vielen Volkshochschulen entsprechende Kurse und Prüfungen ablegen. Die Organisation der Prüfungen übernimmt das Instituto Cervantes, das in München und in weiteren deutschen Städten vertreten ist.

Siehe auch


- Das amerikanische Spanisch der USA
- Das argentinische Spanisch
- Spanglish
- Murciano
- Andalusischer Dialekt
- Redewendung: Das kommt mir spanisch vor

Literatur

Spanische Sprachgeschichte


- Antonio Tovar: Einführung in die Sprachgeschichte der Iberischen Halbinsel. 1983
- Annegret Alsdorf-Bollee: Spanische Sprachgeschichte. 2003
- Wolf Dietrich/ Horst Geckeler: Einführung in die spanische Sprachwissenschaft. 2004

Das Spanische in Amerika


- Volker Noll: Das amerikanische Spanisch. 2001
- Hugo Kubarth: Das lateinamerikanische Spanisch. 1987
- Hans-Dieter Paufler: Lateinamerikanisches Spanisch. 1977

Weblinks


- [http://enciclopedia.us.es/ Enciclopedia Libre (spanisch)]

Sprachwissenschaft und Grammatik


- [http://www.garske.be/Homepage/Seiten/dokumente/Hisp_Linguistik_Einfuehrung_SpanSprachwissenschaft.pdf Einführung in die spanische Sprachwissenschaft (PDF)]
- [http://www.garske.be/Homepage/Seiten/dokumente/Hisp_Linguistik_Zusatzblatt.pdf Phonetische und phonologische Klassifikation der spanischen Konsonanten (PDF)]
- [http://www.sprachurlaub.de/service/sprachurlaub.de_grammatik-spanisch.pdf Spanische Grammatik (PDF)]
- [http://verbs.obrist.org/ Online-Tool für spanische Verben]
- [http://www.verben.info/spanische-verben/spanische-verben.htm Spanische Verben online üben]
- [http://hispanoteca.de/ verschiedene Aspekte der spanischen Sprache (deutsch und spanisch)]

Wörterbücher und Übersetzung


- [http://www.myjmk.com/ Deutsch/Spanisch-Wörterbuch und Forum]
- [http://pauker.at/deutsch/W%F6rterb%FCcher/Spanisch.html Wörterbuch, Vokabeltrainer und Übersetzungsforum]
- [http://dix.osola.com Gratiswörterbuch Deutsch-Spanisch von Raimundo Sierra]
- [http://buscon.rae.es/diccionario/drae.htm Wörterbuch der Real Academia Española (spanisch)]
- [http://www.kuba-cuba.com/woerterbuch.htm Deutsch/Kubanisch-Wörterbuch]

Spanisch lernen


- [http://www.estudiando.de/ curso de español – Online-Lehrbuch mit Sounddateien]
- [http://www.super-spanisch.de Website rund ums Spanisch lernen]
- [http://www.spanisch-live.de/freizeitkurs/index.php Online-Kurs mit Soundausgabe] Kategorie:Romanische Sprache Kategorie:Spanische Sprache ja:スペイン語 simple:Spanish zh-cn:西班牙语 zh-tw:西班牙語

Karibisches Meer

Das bis 7.680 m tiefe Karibische Meer (kurz die Karibik) ist als südöstlicher Teil des Amerikanischen Mittelmeers durch die Westindische Inselkette, die sich in einem Bogen vom Golf von Mexiko bis fast nach Venezuela erstreckt, vom Atlantischen Ozean abgetrennt. Die Karibik ist nach dem Volk der Kariben benannt, das die spanischen Eroberer auf den Kleinen Antillen vorgefunden hatten.

Bevölkerung

Die Karibik ist ein buntes Völkergemisch mit insgesamt etwa 35 Mio. Einwohnern. Neben den Spaniern leben auch Kreolen, Mulatten und Inder auf den verschiedenen Inseln der Karibik. Spanisch und Englisch sind die Hauptsprachen der Karibik. Daneben wird auf Haiti auch Französisch gesprochen, hinzu kommen verschiedene Kreol-Sprachen. Niederländisch wird ebenfalls gesprochen.

Geologie

Der größte Teil der Karibik, die im Kaimangraben bis 7.680 m tief ist, befindet sich auf der Karibischen Platte, nur ihr Nordwestteil, der jenseits dieses Tiefseegrabens liegt, liegt auf der Nordamerikanischen Platte.

Geschichte der Karibik

Nordamerikanischen Platte Vor den Entdeckungen im 1. Jahrtausend v. Chr. setzten die Arawak-Indianer von Venezuela kommend auf die karibischen Inseln über. Von Trinidad kommend, breiteten sie sich nach Norden aus. Ihnen folgten rund 1500 Jahre später die kriegerischen Kariben, die die Arawaken langsam von den kleinen Antillen vertrieben. Zur Zeit der Entdeckungsreisen Christoph Kolumbus besiedelten die Arawaken Kuba, Hispaniola sowie die Bahamas, während die Kariben die kleinen Antillen bewohnten.

Entdecker und Siedler

Als Kolumbus im Auftrag der spanischen Krone 1492 auf San Salvador landete, war er vor allem auf der Suche nach Gold und anderen Reichtümern. Aber die Arawaken legten keinen Wert auf das, was Europäer als Reichtum ansahen. So wurde die Karibik zwar besiedelt, aber die Konquistadoren zog es alsbald auf den amerikanischen Kontinent. Nach und nach ließen sich auch Engländer, Niederländer und Franzosen nieder; sogar Dänemark und Kurland waren im Besitz einiger Kolonien. Die Karibik war besonders im 16. Jahrhundert Schauplatz von Piraterie. Die kleinen Inseln boten den Seeräubern, die zum Teil als Freibeuter im Auftrag eines Königs unterwegs waren, zahlreiche Unterschlupfmöglichkeiten und die spanischen Schatzflotten ein gutes Angriffsziel. Port Royal auf Jamaika sowie die französische Siedlung auf Tortuga waren regelrechte Piratensiedlungen.

Unabhängigkeit

Die meisten Inseln wurden Mitte des 20. Jahrhunderts unabhängig.

US-Interventionen in der Karibik und Mittelamerika


- Nicaragua: 1833, 1854-57, 1896, 1909-10, 1912-25, 1926-33
- Mexiko: 1845-48, 1914, 1916-17
- Honduras: 1896, 1905, 1907, 1911, 1917, 1919, 1924-29
- Kuba: 1898, 1901-03, 1906-09, 1912, 1917-19, 1921-23, 1933, 1961
- Panama: 1903, 1908, 1912, 1917-18, 1921, 1989
- Dominikanische Republik: 1904, 1914, 1916-24, 1965-66
- Haiti: 1915-35, 1944, 1994
- Costa Rica: 1919
- Guatemala: 1920, 1954
- Grenada: 1983

An die Karibik grenzende Staaten


- Belize (da dieses Land englischsprachig ist, wird es in der Literatur teilweise mit zur Karibik gezählt)
- Costa Rica
- Guatemala
- Honduras
- Kolumbien
- Mexiko
- Nicaragua
- Panama
- USA
- Venezuela

Inselgruppen im Atlantik, die aber zur Karibik gezählt werden


- Bahamas
- Turks- und Caicosinseln

Inseln und Inselgruppen in der Karibik

Turks- und Caicosinseln
- Amerikanische Jungferninseln
- Anguilla
- Antigua und Barbuda
- Aruba
- Barbados
- Bonaire
- Britische Jungferninseln
- Corn Islands (Nicaragua)
- Curaçao
- Dominica
- Grenada
- Guadeloupe
- Hispaniola (mit den Staaten Haiti, Dominikanische Republik)
- Isla Margarita (Venezuela)
- Islas del Rosario (Kolumbien)
- Jamaika
- Kaimaninseln
- Kuba
- Martinique
- Montserrat
- Navassa
- Niederländische Antillen
- Puerto Rico
- Saint-Barthélemy (St. Barts)
- Saint Martin
- San Andrés y Providencia (Kolumbien)
- Sint Eustatius
- St. Kitts und Nevis
- St. Lucia
- St. Vincent und die Grenadinen
- Trinidad und Tobago

Literatur

Eine geistreiche Beschreibung zur Geschichte, Situation und Bedeutung der Karibik zur Zeit der europäischen Kolonisation der Welt findet sich in dem von Andreas Venzke herausgegebenen Tagebuch des Seemanns Heinrich Hasebeck: Gasparan oder die letzte Fahrt des Francis Drake, Benziger-Verlag, Zürich 1996 ISBN 3-545-36531-X

Verwandte Themen


- Mittelamerika
- Westindische Inseln
- Inseln über dem Winde
- Inseln unter dem Winde
- Antillen
- ABC-Inseln Kategorie:Meer Kategorie:Geographie (Karibik) Kategorie:Karibik ja:カリブ海 ko:카리브 해

Guantánamo

Guantánamo ist eine Universitätsstadt und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im südöstlichen, heißesten Teil von Kuba nahe der Guantanamo-Bucht. Sie hat ca. 208.000 Einwohner, die größtenteils von Landwirtschaft leben. Da sie nicht direkt am Meer liegt und außer ihrer gut erhaltenen kolonialen Architektur im Zentrum keine großartigen Sehenswürdigkeiten aufweist, ist die beschauliche Kleinstadt noch relativ touristenfrei. Das Kennzeichen der Stadt ist die „Fama“, eine Skulptur mit Trompete auf dem Palacio Salcines, in dem die Kunstsammlung untergebracht ist. Ein Eisenbahnanschluss, ein Flugplatz und für Touristen die Buslinie Via Azul verbindet die Stadt mit dem Rest des Landes. José Martí machte Guantánamo weltweit mit seinem Lied Guantanamera bekannt. Das Leben in der Stadt und ihre Bewohner zeigt der Dokumentarfilm Paraíso von Alina Teodorescu anhand einer Musikgruppe. Guantanamo Bay, der US-amerikanische Marinestützpunkt (Gitmo im Slang der Militärs), liegt 15 km entfernt von der Stadt. Seit Januar 2002 werden hier mutmaßliche Taliban- und al-Qaida-Kämpfer festgehalten. Letztere werden als illegal enemy combatants geführt und es wird ihnen nicht der Schutz der Genfer Konventionen gewährt. Weiterführende Informationen hierzu und zum Militärstützpunkt der USA finden sich im Artikel Guantanamo-Bucht.

siehe auch


- Guantanamo-Bucht

Weblinks


- http://www.anarchitektur.com/Territories/katalog%20deu.html Kategorie:Ort in Kuba Kategorie:Ort mit Seehafen

Literatur


- Dorothea Dieckmann: Guantanamo. 1. Auflage. Klett-Cotta, 2004, ISBN 3-608-93599-1

Militärbasen im Ausland

Militärbasen im Ausland sind militärische Stützpunkte eines Staates außerhalb seines Hoheitsgebietes, also in fremden Staaten. Meist wird das Gebiet für viele Jahre verpachtet oder anders vertraglich überlassen. Der Staat, der so eine Militärbasis im Ausland unterhält, tut dies meist aus geopolitischen Gründen, wie zum Beispiel die Möglichkeit zum Angriff beziehungsweise zur Verteidigung in dieser Region. Eine weitere Grundlage für den Unterhalt von Militärbasen im Ausland sind Aufträge internationaler Organisationen wie der UNO. Anmerkung: Die folgende Aufzählung macht keinen Unterschied zwischen UNO-Aufträgen und Militärbasen im vertraglichem Sinn.

Militärbasen der Niederlande

Deutschland


- Seedorf bei Zeven (bis 2006)

Militärbasen Polens


- Irak (Landesmitte): drei Militärsektoren mit 2.000 Mann

Militärbasen Russlands

Armenien


- Gjumri
- Oktemberjan

Georgien


- Achalkalaki
- Batumi
- Sochumi

Kasachstan


- Baikonur

Kirgisien


- Kant
- Osch

Kuba


- Lourdes (Kuba)

Moldawien


- Tiraspol

Tadschikistan


- Chorog
- Duschanbe
- Kuljab
- Pjandsch

Ukraine


- Sewastopol

Weißrussland


- Brest
- Hrodna

Militärbasen der UNO (Auswahl, Standorte mit deutscher Beteiligung)

Bosnien-Herzegowina


- Sarajevo (Rajlovac) "Camp Capitaine Carreau" (französische Benennung) beziehungsweise "Feldlager Rajlovac" (deutsche Benennung)
- Mostar "Feldlager Mostar Ortijes"

Kroatien


- Ploce

Afghanistan


- Kabul

Dschibuti


- Dschibuti (Stadt)

Militärbasen Deutschlands

Niederlande


- Budel/Weert (bis 2006)

Serbien (Kosovo)


- Prizren

Afghanistan


- Kabul Camp Warehouse

Kanada


- Goose Bay

Usbekistan


- Termez/Termiz

Militärbasen der USA

Irak


- Bagdad

Ägypten


- Hurghada (USN)

Bahrain


- Bahrain (USN)
- Mina Sulman (USN)
- Muharraq Airfield (USN)

Britisches Territorium im Indischen Ozean


- Diego Garcia

Deutschland


- Ansbach
- Babenhausen
- Bad Kreuznach
- Bamberg
- Baumholder
- Bitburg
- Büdingen
- Darmstadt
- Dexheim
- Frankfurt am Main-Rhein-Main Air Base (1945 bis 2005)
- Giebelstadt
- Gießen-Friedberg
- Grafenwöhr (Truppenübungsplatz)
- Hanau
- Heidelberg
- Höxter
- Illesheim
- Kaiserslautern
- Kitzingen
- Landstuhl
- Mannheim
- Ramstein-Ramstein Air Base
- Schweinfurt
- Spangdahlem-Spangdahlem Air Base
- Stuttgart
- Vilseck
- Wiesbaden
- Würzburg

Griechenland


- Souda (USN)

Grönland


- Qaanaq
- Thule Air Base

Island


- Keflavik (USN)

Italien


- Vicenza
- Capodichino (USN)
- Gricignano (USN)
- La Maddalena (USN)
- Neapel (USN)
- Gaeta (USN)
- Sigonella (USN)

Japan


- Kadena Air Base auf Okinawa

Katar


- Al Udeid

Kuba


- Guantanamo Bay

Kuwait


- Camp Doha

Saudi-Arabien


- Prince Sultan Air Base, Al Kharj

Spanien


- Rota bei Cádiz
- Morón de la Frontera

Südkorea

sehr viele über das ganze Land verstreute Basen, schwerpunktmäßig an der Grenze zu Nordkorea.

Türkei

Incirlik in der Provinz Adana

Usbekistan

Qarshi.

Militärbasen des Vereinigten Königreiches

Belize


- Ladyville
- Baldy Beacon

Britisches Territorium im Indischen Ozean


- Diego Garcia

Brunei


- Seria

Deutschland


- Paderborn
- Bergen-Hohne
- Celle
- Hameln
- Herford
- Mönchengladbach
- Bielefeld
- Augustdorf
- Münster
- Osnabrück

Falklandinseln


- Port Stanley
- Mount Pleasant

Gibraltar


- Gibraltar

Kanada


- Goose Bay
- Suffield

St. Helena


- Ascension

Zypern


- Akrotiri und Dhekelia, Sovereign Base Area Kategorie:Militärische Einrichtung

War of Jenkins' Ear

Der War of Jenkins' Ear (1739 bis 1742) war ein Kolonialkrieg zwischen England und Spanien. Er ist nach dem abgeschnittenen Ohr des Handelskapitäns Robert Jenkins benannt, das dieser als Beweis für gewaltsame spanische Übergriffe gegen britische Seefahrer 1738 dem britischen Parlament vorlegte. Der von den Briten in der Karibik und den südlichen Kolonien Nordamerikas geführte Krieg diente dem Ziel, die spanische Vormachtstellung im westindischen Raum zu brechen und den spanischen Überseehandel auszuschalten. Bei ihren Angriffen auf spanische Stützpunkte errangen die Briten allein im ersten Kriegsjahr mit der Einnahme des spanischen Puerto Belo einen signifikanten Erfolg. Nachdem alle weiteren, im Zusammenwirken von Einheiten der Flotte und Landungstruppen der englischen Infanterie als amphibische Unternehmen durchgeführten Aktionen scheiterten und das britische Expeditionskorps durch Tropenkrankheiten immer weiter zusammengeschmolzen war, wurden die Kämpfe im Verlauf des Jahres 1742 schließlich ergebnislos eingestellt. An den englischen Sieg von Puerto Belo erinnert noch heute die Straßenbezeichnung "Portobello Road" in London.

Vorgeschichte

Schon bald nach dem Frieden von Utrecht (1713) hatten die Engländer begonnen, den Asiento, in dem Spanien der englischen South Sea Company das ausschließliche Recht zum Import von Sklaven in die südamerikanischen Kolonialgebiete Spaniens zugesichert hatte, auch zum ausgedehnten Schmuggel zu nutzen. Der Versuch der Spanier, diesen Schmuggelhandel zu unterbinden und englische Schiffe durch spanische Küstenwachboote ("guarda-costas") nach Konterbande durchsuchen zu lassen, führte zu Spannungen zwischen Spanien und England. Als der englische Handelskapitän Robert Jenkins schließlich im März 1738 sein in Alkohol eingelegtes Ohr vor dem britischen Parlament präsentierte und angab, dass ihm dieses 1731 von einer spanischen Küstenpatrouille abgeschnitten worden sei, heizte sich die ohnehin latente anti-spanische Stimmung in England weiter auf. Obwohl ein vom britischen Premierminister Robert Walpole und dem spanischen Botschafter ausgearbeitetes Abkommen, nach dem sich Spanien zur Zahlung einer hohen Entschädigungssumme für widerrechtlich beschlagnahmte englische Schiffsladungen verpflichtete, im Januar 1739 ratifiziert wurde (Konvention von El Pardo), kam es nach einer englischen Flottendemonstration vor der spanischen Küste (Admiral Haddock) zur Aufkündigung des Asiento durch die spanische Regierung und im Oktober 1739 zu Kriegserklärungen zwischen den beiden Staaten.

Verlauf

Der westindische Kriegsschauplatz

Botschafter Da die Briten den Spaniern (und ihren potentiellen Verbündeten, den Franzosen) in Europa an Truppenstärke weit unterlegen waren, versprach allein ein gegen den spanischen Handel in Übersee geführter Schlag Erfolg. Kernstück dieses Handels war die spanische Silberflotte, die auf den Messen von Puerto Belo und Cartagena südamerikanisches Silber aufnahm und nach einem Zwischenhalt in Havanna, der letzten Versorgungsstation vor der Atlantiküberquerung, ins spanische Mutterland brachte. Um die Silbertransporte nach Spanien möglichst effektiv zu stören, war die Einnahme eines dieser Handelsstützpunkte durch britische Truppen notwendig. Nachdem sich die Kriegspläne der britischen Regierung zunächst auf Havanna und Cartagena konzentriert hatten, gelang dem britischen Vizeadmiral Edward Vernon in einem Überraschungscoup am 21. November 1739 die Einnahme des spanischen Puerto Belo. Da Vernon alle Verteidigungsanlagen durch seine Soldaten schleifen ließ, blieb der Platz nach der Rückkehr der Briten nach Jamaika schutz- und wertlos zurück. Nur kurze Zeit später gelang Vernon dasselbe mit Chagre, so dass Spanien schon in den ersten Monaten des Krieges alle seine Stützpunkte an der Landenge von Panama verloren hatte. Als Anfang Januar 1741 eine Reihe von eigens über den Atlantik transportierten englischen Infanterieregimentern auf Jamaika eintraf, waren erstmals auch Angriffe auf größere spanische Stützpunkte möglich. Da Havanna zu weit von Jamaika entfernt lag, um beide dauerhaft verteidigen zu können, erschien ein Angriff auf Cartagena am erfolgversprechendsten. Während Vizeadmiral Vernon die britische Flotte befehligte, stand die – durch Truppenaushebungen in den nordamerikanischen Kolonien verstärkte – englische Infanterie unter dem Kommando von General Thomas Wentworth. Am 9. März begannen die Briten ihre Belagerung von Cartagena. Im Verlauf der Aktion stellte sich aber heraus, dass die Briten nicht nur ihren Gegner unterschätzt hatten, sondern sich auch erhebliche Schwierigkeiten bei dem kombinierten Einsatz ihrer See- und Landstreitkräfte ergaben. Nach starken Verlusten (nicht zuletzt wegen zunehmender Krankheitsfälle unter der bereits im Zuge der Atlantiküberquerung geschwächten britischen Infanterie) wurde der Angriff am 9. Mai 1741 schließlich erfolglos abgebrochen. CartagenaAls nächstes Angriffsziel rückte der Hafen Santiago de Cuba ins Blickfeld der kombinierten britischen Streitkräfte, da sich von dort aus die strategisch wichtige "Windward Passage" zwischen dem spanischen Kuba und dem französischen Teil der Insel Hispaniola kontrollieren ließ. Da die starken Befestigungen Santiagos und die enge Hafeneinfahrt eine Einnahme von See unmöglich erscheinen ließen, entschlossen sich die Briten zu einer Landung in der Bucht von Guantanamo. Am 23. Juli 1741 gingen englische Truppen unter General Wentworth an Land, mussten jedoch bald erkennen, dass der geplante Angriff von dieser Stelle aus wegen der schlechten Wegeverhältnisse unmöglich war. Stattdessen wurde beschlossen, eine dauerhafte britische Basis nördlich der Landungsstelle einzurichten. Während der Befestigungsarbeiten an dem Lager im Landesinneren und der Ankerstelle in der Bucht fielen jedoch immer mehr Soldaten den grassierenden Tropenkrankheiten zum Opfer, so dass das Unternehmen im Dezember schließlich aufgegeben werden musste und die übrig gebliebene britische Streitmacht wieder nach Jamaika zurückkehrte. Im Januar beschlossen die inzwischen durch neue Truppen aus Europa verstärkten Briten einen Angriff auf das spanische Panama. Zu diesem Zweck sollte zunächst Puerto Belo eingenommen werden, um dann in Richtung Süden nach Panama vorzurücken. Wie die beiden vorangegangenen Angriffe gegen Cartagena und Santiago de Cuba entwickelte sich das am 5. März 1742 eingeleitete Unternehmen jedoch schnell zu einem Desaster. Aufgrund eines vorschnellen Angriffs der Flotteneinheiten unter Vizeadmiral Vernon auf Puerto Belo (der ursprüngliche Plan sah einen Angriff durch Infanterie von der Landseite aus vor) konnte die dort stationierte Garnison fliehen und Panama gewarnt werden. Daraufhin musste das Unternehmen bereits Ende März 1742, also rund einen Monat nach Beginn der Aktion, als aussichtslos abgebrochen werden.

Die Rolle Frankreichs

Durch die enge Verbindung Spaniens mit Frankreich (Bourbonischer Familienpakt) wurde auch Frankreich in den Konflikt hineingezogen. Auf die Entsendung der englischen Flottenverbände reagierte Kardinal Fleury mit der seinerseitigen Entsendung einer französischen Flotte unter Admiral Antoine-François d'Antin nach Westindien, die allerdings – nachdem sie lange vor Saint Domingue gelegen hatte, um sich mit der spanischen Flotte zu vereinigen – durch Seuchen und Nachschubschwierigkeiten gezwungen wurde, kampflos nach Frankreich zurückzukehren. In der Folge kam es zu keiner weiteren Unterstützung Spaniens durch Frankreich und damit de facto zu einem Waffenstillstand Englands mit Frankreich zur See, der von 1741 bis 1744 anhielt.

Die Auseinandersetzungen in Georgia und Florida

Die Gründung der englischen Kolonie Georgia im Jahre 1733 hatte den Briten zur Erreichung unterschiedlicher Ziele gedient. Neben kaufmännischen (Anpflanzung von Maulbeerbäumen und Produktion von Seide, Flachs und Hanf) und philanthropischen Argumenten (Ansiedlung von entlassenen Strafgefangenen aus englischen Schuldgefängnissen und in Europa verfolgten Protestanten) ging es dabei vor allem um den Schutz der ökonomisch wertvollen britischen Kolonie South Carolina gegen die Spanier in Florida und die Franzosen in Louisiana. Nachdem die Spanier bereits 1735 einen Überraschungsangriff gegen Savannah ausgeführt hatten, begann James Edward Oglethorpe, der zu dieser Zeit in Georgia die Machtbefugnisse eines Gouverneurs ausübte, mit dem planmäßigen Ausbau einer Verteidigungslinie und der Aushebung von Truppen zum Schutze der jungen Kolonie. Nachdem die westliche Flanke durch Verträge mit dort ansässigen Indianerstämmen gesichert war, konnte Oglethorpe nach Ausbruch des englisch-spanischen Krieges zu einer aggressiven Politik gegen Florida übergehen. Am 1. Januar 1740 begannen die Briten mit ihrem Angriff auf Florida, trotz großen Aufwands an Truppen und Material scheiterte die am 31. Mai 1740 begonnene Belagerung des spanischen St. Augustine jedoch, als die Spanier Anfang Juli Verstärkung aus Havanna erhielten. Damit endete das englische Unternehmen genauso erfolglos, wie ein zwei Jahre später vorgetragener Gegenangriff der Spanier auf Georgia (Juli 1742).

Ausklang und Folgen

Nach dem abgebrochenen Angriffsversuch der Briten auf Panama im März 1742 bestand das britische Expeditionskorps in der Karibik nur noch aus rund 1.500 einsatzbereiten Männern. Weitere Angriffe auf spanische Stützpunkte im westindischen Raum waren damit aussichtslos geworden. Während der Befehlshaber der Infanterie, General Wentworth, eine Verlegung seiner Truppen nach Georgia vorschlug, setzte sich schließlich Vizeadmiral Vernon mit seinem Vorschlag durch, alle einsatzbereiten Männer auf die ihm unterstehenden Kriegsschiffe zu verteilen. Zu einer Lösung der offenen Georgia-Frage kam es offiziell erst durch den Vertrag von Aachen im Jahr 1748. Deshalb tauchen in der Literatur auch häufig unterschiedliche Jahreszahlen für das Ende des Krieges auf. Mit der Auflösung des britischen Expeditionskorps im Jahre 1742 kann der als „War of Jenkins' Ear“ bezeichnete Konflikt in Übersee aber als beendet gelten. In der Folgezeit begannen die Briten in der Karibik einen groß angelegten Kaperkrieg und unterbanden damit die großen Edelmetall-Transporte aus den spanischen Kolonien ins Mutterland nahezu vollständig. Gleichzeitig blühten der britische und der niederländische Schmuggelhandel auf. In Europa wurde die Konfrontation der großen Kolonialmächte noch 1740 durch den Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748) überschattet.

Zeittafel


- 1738
  - März: Kapitän Jenkins präsentiert vor dem englischen Unterhaus sein abgeschnittenes Ohr
- 1739
  - Oktober: Offizielle Kriegserklärung Großbritanniens an Spanien
  - November Einnahme von Puerto Belo und Chagre durch Admiral Vernon
- 1740
  - Januar: Englische Truppen aus Georgia unter Colonel James Oglethorpe belagern St. Augustine, Florida
  - Juli: Infolge des Eingreifens spanischer Truppen aus Havanna bricht Oglethorpe die Belagerung von St. Augustine ab
  - November: Eine Flotte mit insgesamt zehn englischen Regimentern an Bord bricht in die Karibik auf, wird aber durch schlechtes Wetter mehrmals aufgehalten
  - November: Frankreich entsendet einen Flottenverband von 22 Schiffen unter Admiral d'Antin zur Unterstützung der Spanier nach Westindien
- 1741
  - Januar: Das britische Expeditionscorps trifft auf Jamaika ein
  - März–Mai: Zweimonatige erfolglose Belagerung der spanischen Festung Cartagena durch die Briten
  - Juli–Dezember: Ebenfalls erfolgloser Versuch der Einnahme von Santiago und Errichtung einer englischen Basis auf Kuba durch die Briten
- 1742
  - Januar: Durch Krankheiten sind die britischen Truppen inzwischen auf vier Regimenter zusammengeschmolzen
  - Mai: Scheitern eines britischen Versuchs, Panama durch frische Truppen aus England einzunehmen
  - Juli: Ein spanischer Gegenangriff auf Georgia wird von den Briten zurückgewiesen

Rezeption in Großbritannien

1742 Bis weit ins 19. Jahrhundert war die Bewertung des War of Jenkins' Ear von Pamphleten, Korrespondenzen, Parlamentsdebatten und Zeitungsartikeln bestimmt, die während oder kurz nach den eigentlichen Kampfhandlungen entstanden waren und eine unvoreingenommene Sicht auf den Konflikt versperrten. In Briefen nach London hatte der britische Vizeadmiral Vernon seine Entscheidungen schon lange vor seiner Rückkehr aus der Karibik verteidigt. Unterstützung fand er bei einem seiner Offiziere namens Charles Knowles, der in seinem erstmals im April 1743 publizierten „Account of the Expedition to Carthagena“ (als Manuskript kursierte das Pamphlet bereits seit 1741) General Wentworth die Hauptschuld an der missglückten Einnahme Carthagenas zuschob. Als im Dezember 1743 eine Entgegnung mit dem Titel „A Journal of the Expedition to Carthagena“ erschien, die heute Wentworth und seinem Offizier William Blakeney zugeschrieben wird, reagierte Vernon mit der Publikation von Ausschnitten aus seiner offiziellen Korrespondenz. Sorgsam achtete er dabei darauf, nur solche Briefe aufzunehmen, die seine Argumentation bestätigten. Mit der Verschiebung des öffentlichen Augenmerks auf die politischen Entwicklungen auf dem Kontinent im Zuge des Österreichischen Erbfolgekrieges rückte eine Aufarbeitung des gescheiterten britischen Westindienunternehmens zunehmend in den Hintergrund. Nach dem Sturz des britischen Premierministers Walpole galt zudem die Frage nach seiner Mitschuld lange Zeit als positiv entschieden. Das öffentliche Bild Vizeadmiral Vernons wurde dagegen fast ausschließlich durch die Erinnerung an seinen Überraschungssieg von Puerto Belo bestimmt. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts legte der britische Admiral Sir Herbert Richmond eine wissenschaftlich-quellenbasierte Darstellung des englisch-spanischen Konflikts vor. Geschrieben zwischen 1907 und 1914 gehört „The Navy in the War of 1739–48“ zu einer Reihe marinegeschichtlicher Studien, deren Ziel darin lag, die Bedeutung der Marine für die Kriegsführung hervorzuheben und gleichzeitig vor einer zu großen Einflussnahme ziviler, dass heißt politischer Kräfte auf die Seekriegsführung zu warnen. Deshalb wird Richmonds Werk heute vor allem wegen seiner negativen Darstellung des Kabinetts Walpole kritisiert, in dessen Inkompetenz und Zögerlichkeit Richmond die Hauptursache für das Scheitern der britischen Westindienexpedition zu erkennen glaubte. Nichtsdestotrotz gehört Richmonds Arbeit auch heute noch zu den großen Werken britischer Marinegeschichtsforschung. Neuere Arbeiten – insbesondere Richard Hardings „Amphibious warfare in the eighteenth century. The British Expedition to the West Indies, 1740–1742“ – relativieren Richmonds Darstellung insbesondere in Bezug auf die Bewertung der Rolle Vernons. In einer detaillierten Rekonstruktion des britischen Westindienunternehmens gelingt es Harding, sowohl die militärgeschichtlichen Aspekte des Krieges in der Karibik lückenlos aufzuarbeiten, als auch Vernons Mitschuld am britischen Scheitern zu belegen.

Literatur


- Herbert William Richmond: The Navy in the War of 1739–48. 3 Bde. Cambridge 1920 – Der Klassiker aus der Feder des britischen Admirals Sir Herbert Richmond (1876–1946). Richmonds minutiöse Rekonstruktion des englisch-spanischen Konflikts stellt die erste wissenschaftlich-quellenbasierte Auseinandersetzung mit dem Thema dar.
- Larry E. Ivers: British Drums on the Southern Frontier. The Military Colonization of Georgia, 1733–1749. Chapel Hill 1974, ISBN 080781211 – Schilderung der spanisch-englischen Auseinandersetzungen in Nordamerika.
- Richard Harding: Amphibious warfare in the eighteenth century. The British Expedition to the West Indies, 1740–1742. Woodbridge [u.a.] 1991. ISBN 0861932188 – Wissenschaftlich ausgewogen, glänzend recherchiert und dabei ausgesprochen flüssig geschrieben, kann Hardings Arbeit heute als Referenzwerk zum militärgeschichtlichen Aspekt der britischen Westindienexpedition im War of Jenkins' Ear angesehen werden.
- Philip Woodfine: Britannia's Glories. The Walpole ministry and the 1739 War with Spain. Woodbridge [u.a.] 1998. ISBN 0861932307 – Detaillierte Analyse der englisch-spanischen Vorkriegsdiplomatie bis 1739 und damit das heute maßgebliche Werk zur Entstehungsgeschichte des Krieges.

Weblinks


- [http://www.nmm.ac.uk/collections/collectionsDetail.cfm?ID=MEC0889 Medal commemorating Admiral Edward Vernon (1684–1757) and the capture of Porto Bello, 1739] (Englische Gedenkmünze; National Maritime Museum, London) Kategorie:Krieg Kategorie:Britische Militärgeschichte Kategorie:Spanische Militärgeschichte Kategorie:1739 Kategorie:1740 Kategorie:1741 Kategorie:1742 ja:ジェンキンスの耳の戦争

1742

Ereignisse


- Goldbachsche Vermutung
- 17. Mai, Schlacht bei Chotusitz

Geboren


- 7. Januar: Christian Garve, deutscher Philosoph († 1798)
- 13. April: August Gottlieb Richter deutscher Chirurg († 1812)
- 1. Juli: Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Physiker und Schriftsteller († 1799)
- 19. September: Roch-Ambroise Cucurron Sicard, französischer Geistlicher und „Taubstummen“-Lehrer. († 1822)
- 6. Dezember: Nicolas Leblanc, französischer Arzt, Chemiker und Fabrikant († 1806)
- 9. Dezember: Carl Wilhelm Scheele, schwedischer Chemiker († 1786)
- 16. Dezember: Gebhard Leberecht von Blücher, preußischer Generalfeldmarschall († 1819)
- 25. Dezember: Charlotte von Stein, Freundin Johann Wolfgangs von Goethe († 1827)
- 26. Dezember: Ignaz von Born, Mineraloge und Geologe († 1791)

Gestorben


- 8. Januar: Johann Christoph von Naumann, deutscher Ingenieur, Offizier und Architekt (
- 1664)
- 14. Januar: Edmond Halley, britischer Astronom (erkannte die Periodizität des Halleyschen Kometen) (
- 1656)
- 15. Februar: Georg Raphael Donner, österreichischer Bildhauer (
- 1693)
- 17. April: Arvid Horn, war vom 21. März 1710 bis 1738 Premierminister von Schweden (
- 1664)
- 10. Mai: Cosmas Damian Asam, Baumeister und Maler (
- 1686)
- 29. Juni: Joseph Emanuel Fischer von Erlach, österreichischer Architekt (
- 1693)
- 1. Juli: Bohuslav Matej Černohorský, böhmischer Komponist (
- 1648)
- 12. Juli: Evaristo Dall'Abaco, italienischer Violinist, Cellist und Komponist (
- 1675)
- 14. Juli: Richard Bentley, englischer klassischer Philologe und Textkritiker (
- 1662)
- 12. November: Friedrich Hoffmann, Medizinprofessor in Halle an der Saale (
- 1660)
- 18. Dezember: Adam Friedrich Zürner, deutscher Kartograph (
- 1679) ko:1742년

Santiago de Cuba

] Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt Kubas und die Hauptstadt der östlichen Provinz gleichen Namens. Santiago wurde am 25. Juli 1515 von Diego Velázquez de Cuéllar gegründet. Die Stadt hat rund 600.000 Einwohner. Früher war sie Hauptstadt Kubas und Hauptstützpunkt der spanischen Armada in der Karibik. Daneben war sie Ankunftshafen für die Sklavenschiffe aus Westafrika. Noch heute ist hier der größte Teil der Bevölkerung afrikanischer Abstammung. Zur Zeit der Diktatur von Fulgencio Batista nahm der bewaffnete Kampf hier seinen Anfang, mit dem Sturm auf die Moncada-Kaserne 1953 durch eine Gruppe um den jungen Rechtsanwalt Fidel Castro.

Söhne und Töchter der Stadt


- Eduardo Chibás, kubanischer Politiker, Gründer der Orthodoxen Partei
- Anier Garcia, kubanischer Leichathlet
- Harold Gramatges, kubanischer Komponist
- Antonio Maceo, kubanischer General
- Jorge Más Canosa, einflussreicher Unternehmer und Exilkubaner in den USA
- Eliades Ochoa, kubanischer Gitarrist und Sänger
- Ana Fidelia Quirot, kubanische Leichtathletin und Olympionikin bild:Revolutionsdenkmal in Santiago de Cuba.jpg|Revolutionsdenkmal in Santiago de Cuba bild:Santiago abends.jpg|Blick über Santiago de Cuba in der Abendzeit bild:Santiago de Cuba - Parque Cespedes and House of Don Diego Velasquez.jpg|Parque Céspedes und das Haus des Don Diego Velázquez von 1516

Weblinks


- [http://www.santiagoencuba.com/ Homepage] (spanisch)
- [http://www.santiago-de-cuba.info/home.htm Reiseführer] (deutsch) Kategorie:Ort in Kuba Kategorie:Ort mit Seehafen

Georg II. (Großbritannien)

Georg II. August (engl. George II Augustus;
- 10. November 1683 in Herrenhausen, Hannover; † 25. Oktober 1760 in London) war von 1727 bis zu seinem Tod König von Großbritannien, König von Irland, Herzog von Braunschweig-Lüneburg (Hannover) und deutscher Kurfürst. Er war der zweite britische Monarch aus dem Haus Hannover und der letzte Monarch, der persönlich Truppen in die Schlacht führte. Er war Verbündeter von Maria Theresia im Österreichischen Erbfolgekrieg und von Friedrich II. im Siebenjährigen Krieg. Der mit Caroline von Ansbach verheiratete Georg II. war bekannt für seine zahlreichen Konflikte mit seinem Vater Georg I. und später mit seinem Sohn Friedrich Ludwig. Der König kümmerte sich nur selten um die Regierungsgeschäfte in Großbritannien und überließ diese weitgehend Robert Walpole, dem ersten Premierminister.

Frühes Leben

Prinz Georg August wurde im Schloss Herrenhausen bei Hannover geboren. Er war der Sohn von Georg I. (damals noch Kronprinz Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg) und dessen Ehefrau Sophie Dorothea von Celle. Die beiden wurden 1694 wegen angeblichen Ehebruchs der Mutter geschieden. Als sein Vater im Jahr 1698 Herzog von Braunschweig-Lüneburg wurde, stieg Georg August zum Kronprinzen auf. 1705 heiratete er Caroline von Ansbach, mit der er acht Kinder hatte. Der im Jahr 1701 erlassene Act of Settlement sah vor, dass die britische Königswürde an Georg Augusts Großmutter Sophie von der Pfalz übertragen werden würde, sollten der damals herrschende König Wilhelm III. und dessen Schwägerin, Königin Anne, ohne Nachkommen sterben. Durch dieses Gesetz erhielt der hannoveranische Kronprinz im Jahr 1705 die englische Staatsbürgerschaft. Anne, die 1702 den englischen Thron bestiegen hatte, machte ihn 1706 zum Mitglied des Hosenbandordens und verlieh ihm noch im selben Jahr die Titel Herzog von Cambridge, Earl von Milford Haven, Viscount Northallerton und Baron Tewkesbury. Anne starb am 1. August 1714, wenige Wochen nach dem Tod von Kurfürstin Sophia am 8. Juni. Dadurch erbte Sophias Sohn Georg Ludwig den britischen Thron und wurde zu König Georg I. Sein ältester Sohn Georg August wurde automatisch Duke of Cornwall, Duke of Rothesay und Earl of Carrick. Von seinem Vater wurde er am 27. September 1714 zum Prince of Wales und zum Earl of Chester ernannt. Der junge Prinz hatte ein äußerst schlechtes Verhältnis zu seinem Vater. Als Prinzessin Caroline im Jahr 1717 Sohn Georg Wilhelm gebar, brach bei der Taufe ein Familienstreit aus. Der Prince of Wales bestand auf den Taufpaten seiner Wahl, doch der König wählte einen anderen aus. Nachdem er in aller Öffentlichkeit seinen Vater wüst beschimpft hatte, wurde der Prince of Wales für kurze Zeit unter Arrest gestellt. Danach verbannte der König seinen Sohn aus dem St. James's Palace, der königlichen Residenz, und schloss ihn von allen öffentlichen Zeremonien aus. Georg August unternahm alles in seiner Macht stehende, um die Opposition zu seinem Vater zu unterstützen. Seine Residenz in London, das Leicester House wurde zu einem Treffpunkt bekannter Oppositioneller, darunter Robert Walpole und Viscount Townshend. Walpole war es auch, der 1720 den König dazu bewegen konnte, sich mit seinem Sohn auszusöhnen. Die schwere Wirtschaftskrise nach dem South Sea Bubble ermöglichte es Walpole im Jahr 1721, an die Spitze der Regierung aufzusteigen. Walpole und seine Whig-Partei dominierten die Politik, weil König Georg I. befürchtete, dass die Tories nicht die Thronfolge unterstützten, die im Act of Settlement festgelegt worden war. Die Whigs waren so mächtig, dass die Tories erst nach einem halben Jahrhundert wieder an die Macht gelangten. Robert Walpole kontrollierte praktisch die britische Regierung. Da er sich jedoch auf die Seite des Königs gestellt hatte, verlor er die Gunst des Prince of Wales.

Erste Herrschaftsjahre

Nach dem Tode seines Vaters am 11. Juni 1727 folgte Georg August als Georg II. auf den Thron. Georgs Verhältnis zu seinem ältesten Sohn Friedrich Ludwig war sehr angespannt. Es gibt Hinweise darauf, dass der neue König seinen Sohn möglicherweise in eine der britischen Kolonien ins Exil schicken wollte; schließlich sah er aber davon ab. Georg I. wurde am 4. Oktober in der Westminster Abbey gekrönt. Georg Friedrich Händel wurde beauftragt, für die Krönung vier neue Hymnen zu komponieren. Georg II. strebte einen Regierungswechsel an und wollte Robert Walpole durch Spencer Compton ersetzen. Er beauftragte Compton, für ihn seine erste Rede zu schreiben. Doch dieser ließ sich bei dieser Aufgabe von Walpole helfen. Dies führte dazu, dass Königin Caroline erklärte, Compton sei inkompetent. Überraschend teilte Georg die Meinung seiner Ehefrau und beließ Walpole auf dem Posten des Premierministers. Walpole konnte langsam aber sicher die Gunst des Königs gewinnen und sicherte für ihn beim Parlament eine großzügige Zivilliste von £800.000. Solange Königin Caroline noch lebte, war die Position Walpoles gesichert. Er war für fast die gesamte Innenpolitik zuständig und übte auch einigen Einfluss auf Georgs Außenpolitik aus. So erreichte er 1729, dass Georg einen Friedensvertrag mit Spanien abschloss. Während der 1730er verschlechterte sich das persönliche Verhältnis zu seinem ältesten Sohn. Die Situation eskalierte im Jahr 1736, nach der Heirat Friedrich Ludwigs mit Augusta von Sachsen-Gotha. Georg II. verbannte 1737 seinen Sohn und dessen Familie vom königlichen Hof. Königin Caroline starb am 20. November desselben Jahres. Angeblich soll sie vor ihrem Tod ihren Ehemann gebeten haben, wieder zu heiraten. Georg soll daraufhin geantwortet haben: „Non, j'aurai des maitresses!“ (frz. „Nein, ich werde Mätressen haben!“) Georg war bereits 1736 Vater eines unehelichen Sohnes geworden (Ludwig von Wallmoden-Gimborn). Im selben Jahr gründete er die Georg-August-Universität Göttingen.

Österreichischer Erbfolgekrieg und Jakobitenaufstand

Georg-August-Universität Göttingen Entgegen Walpoles Rat, erklärte Georg II. im Jahr 1739 Spanien den Krieg (der so genannte War of Jenkins' Ear). Nach dem Tod von Karl VI., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, wurde Europa 1740 in einen Krieg hineingezogen. Der Krieg brach aus, weil mehrere deutsche und europäische Fürsten die Pragmatische Sanktion nicht anerkannten, durch die Maria Theresia zu Karls Nachfolgerin erklärt wurde. Der Krieg zwischen Großbritannien und Spanien wurde bald ein Teil des Österreichischen Erbfolgekriegs. Robert Walpole konnte einen großen europäischen Konflikt nicht verhindern. Außerdem wurde die durch John Carteret angeführte Opposition immer mächtiger. Nach dem Vorwurf, das Ergebnis einer Nachwahl in Chippenham zugunsten eines Anhängers verfälscht zu haben, trat Walpole 1742 nach einer Amtszeit von 27 Jahren zurück. Er wurde durch Spencer Compton abgelöst. Dieser diente jedoch lediglich als Aushängeschild, die eigentliche Macht lag bei Carteret. Als Compton im Juli 1743 starb, trat Henry Pelham die Nachfolge an. Carteret führte die Pro-Krieg-Fraktion an, die einen Machtzuwachs Frankreichs befürchtete, sollte es Maria Theresia nicht gelingen, den österreichischen Thron zu besteigen. Georg II. willigte ein, mehr Truppen nach Europa zu schicken; vordergründig sollte dadurch Maria Theresia unterstützt werden, doch die eigentliche Aufgabe bestand darin, die Besetzung Hannovers durch fremde Truppen zu verhindern. Die britische Armee war seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr in einen Krieg in Europa verwickelt gewesen, weshalb der Unterhalt und die Ausbildung vernachlässigt worden waren. Nichtsdestotrotz begleitete Georg seine Truppen und führte sie in die Schlacht bei Dettingen; damit war er der letzte britische Monarch, der persönlich auf einem Schlachtfeld anwesend war. Die Truppen wurden von seinem militärisch begabten Sohn Wilhelm August kommandiert. Der Krieg war in der britischen Öffentlichkeit nicht sonderlich populär; man war der Meinung, dass Georg II. und Carteret die britischen Interessen unter jene von Hannover stellten. Frankreich nutzte die Verwicklung der Briten im Österreichischen Erbfolgekrieg aus und unterstützte einen Aufstand der Jakobiten. Die Jakobiten waren Anhänger des römisch-katholischen Königs Jakob II., der 1689 abgesetzt und durch seine protestantische Tochter Maria II. ersetzt worden war. Jakobs Sohn James Francis Edward Stuart, auch „Old Pretender“ (alter Prätendent) genannt, hatte zweimal einen Aufstand angezettelt. Nach dem Aufstand von 1715 musste er nach Frankreich fliehen und der zweite Aufstand im Jahr 1719 endete, bevor er überhaupt richtig begonnen hatte. Dessen Sohn Charles Edward Stuart (besser bekannt als „Bonnie Prince Charlie“ führte 1745 hingegen einen weitaus bedrohlicheren Aufstand an. Bonnie Prince Charlie traf im Juli 1745 in Schottland ein. Viele Schotten unterstützten sein Anliegen. Er siegte am 21. September in der Schlacht bei Prestonpans und am 17. Januar 1746 in der Schlacht von Falkirk gegen britische Regierungstruppen. Der französische König Ludwig XV. hatte die Entsendung von 12.000 Soldaten versprochen, um den Aufstand zu unterstützen, überlegte es sich dann jedoch anders. Die Rebellenarmee war bereits in den Norden Englands vorgedrungen, wurde dann aber die unter dem Kommando von Georgs Sohn Wilhelm August stehenden Truppen zurückgedrängt. Am 16. April 1746 wurde die erschöpfte, hungernde und schlecht ausgerüstete jakobitische Rebellenarmee in der Schlacht bei Culloden vernichtend geschlagen. Dies sollte die letzte Schlacht sein, die jemals auf britischem Boden stattfand. Bonnie Prince Charlie floh nach Frankreich, doch viele seiner schottischen Anhänger wurden gefangen genommen und exekutiert. Nach der Niederschlagung des Aufstands ging der Österreichische Erbfolgekrieg weiter. Mit dem Friedensschluss im Jahr 1748 wurde Maria Theresia als Erzherzogin von Österreich anerkannt. Sie löste in der Folge das Bündnis mit Großbritannien auf, da sie das Land als zu unzuverlässig empfand.

Späte Jahre

Maria Theresia Während der restlichen Jahre seines Lebens zeigte Georg II. kein aktives Interesse an der Politik oder an Kriegen. In diese Zeit fiel der Beginn der Industriellen Revolution mit einer rasanten Bevölkerungszunahme. Der britische Einfluss in Indien konnte nach Robert Clives Sieg in der Schlacht bei Plassey endgültig gefestigt werden. 1752 erfolgte in Großbritannien eine Kalenderreform. Der bis zu diesem Jahr gültige Julianische Kalender wurde durch den Gregorianischen Kalender ersetzt. Es mussten elf Tage gestrichen werden; auf den 2. September folgte der 14. September. Darüber hinaus wurde der 1. Januar zum offiziellen Jahresbeginn erklärt, zuvor war es der 25. März gewesen. Das erste Datum galt allgemein schon lange als erster Tag des Jahres, doch das zweite Datum war für formolle Zwecke verwendet worden. Um die Buchhaltungen in Einklang zu bringen und um zu verhindern, dass jährliche Zahlungen vorzeitig geleistet werden mussten, wurde das Fiskaljahr nicht gekürzt. Aus diesem Grund beginnt seither das britische Fiskal- und Steuerjahr am 6. April. Premierminister Henry Pelham starb im März 1754; auf ihn folgten sein Bruder Thomas Pelham-Holles. Dieser wurde im November 1756 durch William Cavendish abgelöst. Cavendish konnte sich jedoch nur bis Juni 1757 an der Spitze der Regierung halten und musste sein Amt wieder an Cavendish abtreten. 1756 brach der Siebenjährige Krieg aus. Die österreichische Erzherzogin Maria Theresia verbündete sich mit ihren früheren Feinden Russland und Frankreich gegen Großbritannien; dieser Allianz schlossen sich auch Sachsen und Schweden an. Georg II. fürchtete die Eroberung Hannovers und verbündete sich deshalb mit Preußen. Der Krieg fand nicht nur in Europa statt, sondern auch in Indien und in Nordamerika (dort unter dem Namen Franzosen- und Indianerkrieg bekannt). Georg II. starb am 25. Oktober 1760 an einer Dissektion der Aorta und wurde in der Westminster Abbey beigesetzt. Da sein ältester Sohn Friedrich Ludwig bereits neun Jahre zuvor verstorben war, trat sein Enkel Georg Wilhelm Friedrich als Georg III. die Nachfolge an.

Vermächtnis

Georg III. Der Siebenjährige Krieg dauerte nach Georgs Tod noch an und endete 1763 mit bedeutenden territorialen Gewinnen für die Briten in Nordamerika und Asien. Doch der Krieg hatte die Staatskasse geleert. Die Versuche der britischen Regierung, die Kolonisten in Nordamerika zu besteuern, waren die Ursache der Amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung. Hingegen konnte die britische Herrschaft in Indien mit der Hilfe der Ostindien-Kompanie endgültig gesichert werden. Georgs Desinteresse für die britische Innenpolitik führte zu einem Machtverlust des Königshauses und zu einer Stärkung des Parlaments und des Premierministers. Das patriotische Lied God Save the King entstand während der Herrschaft Georgs II. Es wird angenommen, dass es erstmals während des Aufstands von 1745 gespielt wurde. „God Save the King“ (bzw. „God Save the Queen“) ist heute die Nationalhymne Großbritanniens und eine der beiden Nationalhymnen Neuseelands (gleichberechtigt mit God Defend New Zealand). Es ist auch die Königshymne von Australien und Kanada.

Nachkommen


- Friedrich Ludwig (
- 20. Januar 1707; † 20. März 1751) - Prince of Wales
- Anne (
- 2. November 1709; † 20. Januar 1759) - verheiratet mit Wilhelm von Nassau-Dietz
- Amelia Sophie (
- 10. Juni 1711; † 31. Oktober 1768)
- Carolina Elizabeth (
- 10. Juni 1713; † 28. Dezember 1759)
- Georg Wilhelm (
- 3. November 1717; † 6. Februar 1718)
- Wilhelm August (
- 15. April 1721; † 31. Oktober 1765), Herzog von Cumberland
- Maria (
- 22. Februar 1722; † 14. Januar 1772) - verheiratet mit Friedrich II. von Hessen-Kassel
- Louisa (
- 27. Dezember 1724; † 8. November 1751) - verheiratet mit Friedrich V. von Dänemark Zudem war er Vater des unehelichen Sohnes Johann Ludwig Graf von Wallmoden-Gimborn, (
- 22. Juli 1736; † 10. Oktober 1811). Kategorie:Mann Georg II. 3 Kategorie:Welfen Kategorie:Geboren 1683 Kategorie:Gestorben 1760 ja:ジョージ2世 (イギリス王)

Spanisch-Amerikanischer Krieg

Der Spanisch-Amerikanische Krieg war eine militärische Auseinandersetzung zwischen der USA und dem Königreich Spanien vom 25. April - 12. August 1898. Er endete mit der Besetzung Kubas, Puerto Ricos und der Philippinen durch die USA und für Spanien mit dem Verlust seines Kolonialreiches. Der Spanisch-Amerikanische Krieg stellt einen bedeutenden Abschnitt in der Geschichte der USA dar. Er gilt als das Ausgangsereignis der expansionistischen Interessenpolitik der Vereinigten Staaten. Nachdem die USA 1890 die Arrondierung ihres kontinentalen Staatsgebietes und dessen Kolonisierung abgeschlossen hatten (Wounded Knee), griff die auf Erschließung neuer Märkte ausgerichtete Politik des US-amerikanischen Establishment auf den verbliebenen Übersee-Besitz der klassischen Kolonialmacht Spanien über, die nur noch auf tönernen Füßen stand.

Vorgeschichte des Krieges

Das spanische Kolonialreich

Spanien war nach der Entdeckung Amerikas zur ersten wirklichen Weltmacht geworden. Doch schon im 18. Jahrhundert schwand die Macht des Imperiums. Nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts die gesamte Iberische Halbinsel von den Franzosen unterworfen worden war, erreichten in fast ganz Lateinamerika die aufkommenden Unabhängigkeitsbewegungen ihr Ziel. Übrig blieben nur noch Besitzungen in der Karibik (v.a. Kuba), dem Pazifik (v.a. Philippinen) und an der west - und nordafrikanischen Küste. Doch auch in diesen letzten Kolonien traten Unabhängigkeitsbestrebungen hervor, bedingt durch eine hohe und ungerechte Steuerlast und fehlende Mitwirkungsmöglichkeiten der Bevölkerung an Politik und Verwaltung. Dazu kamen politische und wirtschaftliche Interessen der USA, die die einheimische Bevölkerung ermunterten, gegen die Kolonialmacht zu rebellieren.

Der kubanische Unabhängigkeitskrieg 1868-1898

Auf Kuba veröffentlichte der Großgrundbesitzer Carlos Manuel de Céspedes 1868 den Grito de Yara, die erste Unabhängigkeitserklärung. Daraufhin begann ein zehn Jahre dauernder Krieg, der wesentlich zur Entstehung eines kubanischen Nationalgefühls beitrug, aber verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes hatte. Im