GuerillakriegDer Begriff Guerilla [], und davon abgeleitet Guerillakrieg, über das Französische aus dem Spanischen entlehnt, bedeutet Kleinkrieg mit nichtregulären Kombattanten. Wer ihn betreibt, wird auch Guerrillero genannt.
Wortbedeutung
Etymologisch stammt das Wort vom spanischen guerra für Krieg. Guerra ist seinerseits ein Lehnwort aus dem Germanischen werra (= wild, durcheinander). Die Wandalen brachten dieses Wort während der Völkerwanderung auf ihrem Weg über Spanien nach Nordafrika.
Guerrilla ist die Verkleinerungsform von guerra und bedeutet Kleiner Krieg. Der Ausdruck Kleiner Krieg war im deutschen Sprachgebrauch bis ins 19. Jahrhundert hinein üblich, bevor es zusammen mit dem zunächst neu geprägten deutschen Wort "Volkskrieg" (und für guerrilleros: "Freischärler") durch den "Guerilla"-Begriff verdrängt wurde. In dieser Form wurde es dann als Fremdwort wieder in die deutsche Sprache übernommen. Es handelt sich also um eine Rückentlehnung.
Zum ersten Mal wurde der Begriff "Guerrilla" im 19. Jahrhundert während des spanischen Widerstandes gegen Napoleon gebraucht. (Vergleichbar sind hier der Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer und die Freikorps in den deutschen Befreiungskriegen gegen die napoleonische Besatzung.) In Spanien hat das Wort guerrilla aufgrund seiner Verbindung mit dem Kampf gegen die französische Besatzungsmacht eine durchgehend positive Konnotation, wie damals (und länger noch) auch in Deutschland der Volkskrieg (vgl. dazu die frühen Denkschriften von Gneisenau).
Als Analytiker der Guerilla sind Carl von Clausewitz, T. E. Lawrence, Mao Tsetung, Carl Schmitt und Ernesto Che Guevara hervorgetreten.
Bedeutung und Geschichte
Das Wort Guerilla bezeichnet
- eine militärische Taktik: kleine, selbstständig operierende Kampfeinheiten, welche die taktischen Zielsetzungen der Armeeführung, meist im Hinterland des Gegners, unterstützen und dabei außerhalb ihrer Kampfeinsätze nicht als Soldaten erkennbar sind. Zur Guerillataktik gehören "nadelstichartige" militärische Operationen, die den Gegner nicht vernichten, sondern zermürben sollen.
- den Guerillakrieg als eine spezielle Form politisch motivierter, revolutionärer oder antikolonialer Kriege. Beim Guerillakrieg handelt es sich um eine "Waffe der Schwachen" gegen einen militärisch, vor allem militärtechnologisch überlegenen Gegner. Voraussetzung für einen Guerillakrieg ist die fehlende Hoffnung der Bevölkerung, ihre politischen und sozialen Forderungen mit politischen und rechtlichen Mitteln erreichen zu können, wie dies in einer Diktatur, einem von einer fremden Macht besetzten oder dominierten Land der Fall ist. Entscheidend für den Erfolg der Guerilla ist der gleichzeitige, dem militärischen Kampf gleichwertige politische Kampf. In einer offenen Feldschlacht müsste die Guerilla notwendig unterliegen, weil ihr sowohl die militärische Ausbildung wie Ausrüstung einer konventionellen Armee fehlt.
Ein entscheidendes Kennzeichen der Guerilla ist ihre hohe Mobilität und Flexibilität. Guerilla-Einheiten sind in ständiger Bewegung, um dem militärisch überlegenen Gegner auszuweichen. Ihr Erfolg ist davon abhängig, ob es ihr gelingt die Entscheidung darüber zu behalten, an welchem Ort und zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die militärische Konfrontation mit dem Gegner stattfindet.
Legitimität und Legalität der Guerilla
Die Strategie der Guerilla wird mit Blick auf die Genfer Konvention und die Haager Landkriegsordnung als unkonventionelle Kriegsführung bezeichnet. Hier handelt es sich allerdings um internationale Verträge, der zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte behandeln. Die Guerilla entspricht in ihrer Entstehungsphase eher dem Begriff der levée en masse, wie er in der Haager Landkriegsordnung definiert ist (daher auch "Volkskrieg"). Erst wenn die Guerilla den letzten Schritt zur Revolutionsarmee vollzogen hat, entsprechen ihre Kämpfer als Teil einer militärischen Befehlsstruktur den Kombattanten der Haager Landkriegsordnung.
Die meisten modernen Verfassungen enthalten ein Widerstandsrecht (Beispiel Grundgesetz: "Gegen jeden, der es unternimmt, diese (verfassungsmäßige) Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.") oder sogar eine Widerstandspflicht (Französische Verfassung).
Von großer Bedeutung für die Guerillabewegung ist die Frage der "Belligerenz", die Anerkennung als kriegführende Partei. Die politische Anerkennung durch Staaten von internationaler Bedeutung oder die Anerkennung als Verhandlungspartner durch den Gegner bildet die Grundlage für die Erreichung der politischen Ziele der Guerilla (siehe die Diskussion um die Anerkennung der palästinensischen PLO). Erst als kriegführende Partei können gefangene Guerilla-Kämpfer ihren Rechtsstatus als Kriegsgefangene geltend machen. Ohne den Status als völkerrechtlich legal bewaffnete Kriegsteilnehmer ("Kombattanten") werden Guerilla-Kämpfer wie Franctireurs (Heckenschützen) angesehen, also als Schwerkriminelle behandelt. Beispiele aus dem 2. Weltkrieg und gegenwärtig (2005) aus Guantanamo Bay zeigen jedoch, dass die Regeln der Haager Landkriegsordnung oft genug nicht einmal regulären Soldaten gegenüber eingehalten werden.
Die militärisch-politischen Gegner der Guerilla hingegen werden immer versuchen, die Anerkennung als kriegführende Partei zu verhindern und die Guerilla sprachlich wie politisch zu kriminalisieren: Verbrecherbanden, Terroristen, Agenten einer fremden Macht etc.
Demgegenüber ist die Guerilla stets bemüht, ihre Legitimität (die revolutionäre Richtigkeit ihres Tuns) und ihre Legalität (die Gesetzlichkeit ihrer Kriegshandlungen) unter Beweis zu stellen. Dazu gehört die Schaffung tatsächlicher oder scheinbarer politisch-demokratischer Strukturen (Asamblea de Guaímaro im kubanischen Unabhängigkeitskrieg oder das Parlament der palästinensischen PLO) sowie von politischen Auslandsvertretungen in unterstützenden Staaten oder in internationalen Organisationen wie der UNO. Die Einführung von klaren Befehlsstrukturen, einer hierarchisch-militärischen Ordnung mit den dazugehörigen Rängen soll besonders in der letzten Phase, in der Entwicklung zur Revolutionsarmee, die Gleichwertigkeit der Guerilla gegenüber der konventionellen gegnerischen Armee herausstellen. Erst wenn der Gegner sich gezwungen sieht, mit der Guerilla offiziell zu verhandeln, ist tatsächlich die Belligerenz hergestellt.
Die Entwicklungsphasen des Guerillakrieges
Erfolgreiche Guerilla-Kriege durchlaufen in der Regel folgende Phasen:
- Der Guerillakrieg beginnt als Aufstandsbewegung, also ohne oder mit nur schwacher eigener Bewaffnung. Die Waffenbeschaffung erfolgt durch Überfälle auf gegnerische Militäreinheiten oder -einrichtungen. Die Kämpfer sind keine Soldaten und verfügen häufig nicht einmal über eine militärische Ausbildung. Sie sind Teil der Zivilbevölkerung und werden aufgrund ihrer politischen Ziele durch diese unterstützt. Ohne diese Unterstützung ist die Guerilla zum Scheitern verurteilt. Das unterscheidet die Guerilla vom Terrorismus, der auch ohne Unterstützung der Bevölkerung auskommt.
- Guerilla-Einheiten können keine strategischen Erfolge erringen, also etwa strategisch wichtige Gebiete dauerhaft besetzen, sondern müssen sich stets wieder zurückziehen.
- Zur Erreichung strategischer Ziele müssen die Guerilla-Einheiten die Form einer zentral gelenkten Armee annehmen. Sie treten damit aus der taktischen, defensiven Phase in eine strategisch offensive Phase ein. Es entsteht eine Revolutionsarmee.
Anti-Guerilla-Kriegsführung
Der Guerillakrieg stellt eine konventionelle Armee vor Probleme, die es bei zwischenstaatlichen Kriegen nicht gibt:
- Der Gegner ist nicht eindeutig zu identifizieren. Jede Person, etwa in einem besetzten Land, kann ständig oder zeitweise zur Guerilla gehören, diese militärisch, logistisch oder politisch unterstützen. Das gilt für Männer wie Frauen, auch für Kinder, Jugendliche und alte Menschen.
- Es gibt keine Front, welche die Anhänger und Gegner des herrschenden Regimes voneinander trennt. So wird meist von Regionen gesprochen, die von der Regierung oder von der Guerilla "kontrolliert" werden. Ein Gebiet kann aber auch nachts von der Guerilla und am Tag von der Regierung kontrolliert werden. Der Begriff der Kontrolle ist dabei sehr unbestimmt. So kann es vorkommen, dass derselbe Geschäftsmann sowohl an die Regierung wie an die Guerilla Steuern zahlt.
Durch den Einsatz von Kontraguerilla-Einheiten versucht die reguläre Armee sich der flexiblen Kriegführung der Guerilla anzupassen (Vietnam). (Nicht zu verwechseln mit der konterrevolutionären Guerilla, die von einer fremden Macht eingesetzt wird, um mit Mitteln der Guerilla-Taktik eine bestehende revolutionäre Regierung anzugreifen - siehe Contra (Organisation)).
Die Regierungsarmee wird also immer versuchen, Zivilbevölkerung und Guerilla voneinander zu trennen. Das kann etwa durch Aufrufe an die Bevölkerung geschehen, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Gebiet zu verlassen. Alle nach diesem Zeitpunkt in diesem Gebiet befindlichen Personen werden dann als Guerilleros bezeichnet. Die Bevölkerung, die dieses Gebiet verlässt, muss untergebracht und versorgt werden, wozu sich das Militär meist weder personell, logistisch oder materiell in der Lage sieht. Die so entstandenen campos de reconcentración (Kubanischer Unabhängigkeitskrieg) oder concentration camps (Burenkrieg) sollten
die Kämpfer von der übrigen Bevölkerung trennen und damit der Regierungsarmee ein klar umgrenztes Feindesland für den Angriff definieren. Die in den Lagern herrschende Not (Hunger, Krankheiten) führt jedoch in der Regel zur politischen Stärkung der Guerilla. Eine freiwillige Aussiedlung von Menschen aus den von der Guerilla kontrollierten Gebieten wird dadurch unwahrscheinlich. Da die unvermeidlich unterschiedslose Bombardierung von Guerillagebieten durch die reguläre Armee nicht nur die Guerilla trifft, sondern jeden, der sich dort befindet, werden die dort lebenden Menschen gezwungen, sich in den Schutz der Guerilla zu begeben. Das herrschende Regime treibt so oft neutrale Teile der Bevölkerung auf die Seite der Guerilla.
Erfolgreichere Anti-Guerilla-Strategien versuchen, die Guerilla politisch zu isolieren. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen:
- für einzelne Bevölkerungsgruppen wird eine verbesserte wirtschaftliche Lage erreicht (z.B. Unterstützung der Rauschgiftproduktion und -vermarktung in Kolumbien oder Afghanistan).
- es wird eine der Guerilla ähnliche Kontraguerilla geschaffen, die im Namen der Guerilla Taten begeht, die der Guerilla angelastet werden und sie in den Augen der Bevölkerung diskreditiert (Vietnam, Kuba).
- da die Guerilla, besonders in ihrer Entstehungsphase, meist dezentralisiert kämpft, entstehen häufig kämpfende Einheiten, die nicht die politischen Ziele der Bevölkerung teilen, sondern persönliche Bereicherung oder Macht gewinnen wollen (Caudillismo - militärisches Führertum). Diese können von dem herrschenden Regime oder einer fremden Macht leicht für ihre Ziele eingesetzt werden. Zahlreiche Aufstände in Lateinamerika und Afrika nahmen diesen Weg und führten über eine Volksbewegung zu einer Bereicherungsdiktatur, die schließlich mit dem ursprünglichen militärischen Gegner zusammarbeitet und die Revolution durch einen Austausch von Herrschaftseliten ersetzt.
Grundsätzlich kann ein Anti-Guerillakrieg nicht militärisch gewonnen, sondern der Konflikt nur politisch, durch teilweises oder völliges Nachgeben gegenüber den Zielen der Volksbewegung, gelöst werden.
Beispiele von Guerillakriegen
- der 30-jährige Unabhängigkeitskampf der kubanischen Mambises gegen die spanische Kolonialherrschaft 1868-1898 war in seinen militärischen Phasen Guerillakrieg und endete mit der Besetzung Kubas durch die USA.
- der dreijährige kubanische Revolutionskrieg gegen den Diktator Fulgencio Batista 1956-1959 endete mit der Flucht des Diktators und führte zu einer kubanischen Revolutionsregierung.
- der achtjährige algerische Unabhängigkeitskrieg gegen die französische Kolonialherrschaft 1954-1962 endete mit der Gründung der Demokratischen Volkrepublik Algerien.
- der Krieg des vietnamesischen Volkes gegen japanische Besatzung, französische Kolonialmacht und später gegen US-amerikanische Besatzungstruppen 1941-1973 endete mit der Errichtung eines sozialistischen Staates.
- Der Guerillakampf der Gruppe um Che Guevara in Bolivien scheiterte 1967 an der fehlenden Unterstützung durch die Bevölkerung.
Guerilla und Partisanenkrieg
siehe Artikel Partisan
Das Wort Partisan stammt aus dem Italienischen, während Guerilla spanischen Ursprungs ist. Militärisch gesehen handelt es sich um Synonyme. Die in Europa gegen die faschistische Besatzung kämpfenden irregulären Einheiten werden als Partisanen bezeichnet, während die Befreiungskämpfer der antikolonialen Bewegungen nach dem 2. Weltkrieg in der Regel Guerilla benannt werden.
Literatur
- Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Potsdam 1832 (postum hgg. von Marie von Clausewitz, zahlreiche Auflagen)
- T. E. Lawrence: The Seven Pillars of Wisdom. 1926
- Ernesto „Che“ Guevara: Ausgewählte Werke in Einzelausgaben Band 1; Guerillakampf und Befreiungsbewegung. ISBN 3-89144-004-9
- Mao Tse-Tung: Ausgewählte Werke. Band I, S. 209–291 (Strategische Probleme des revolutionären Krieges in China) und II, S. 83–222 (Strategische Probleme des Partisanenkriegs gegen die japanische Aggression), 1968, Verlag für fremdsprachige Literatur
- Hans von Dach: Der totale Widerstand. Kleinkriegsanleitung für jedermann. 1958 [in der Bundesrepublik Deutschland beschlagnahmt]
Siehe auch
- Partisan, Stadtguerilla
- Liste militärischer Taktiken
- Kombattant
- Terrorismus
Kategorie:Kriegsart Kategorie:Kriegs- und Gefechtsführung Kategorie:Politischer Widerstand
Kategorie:irregulärer Verband
ja:ゲリラ
ms:Gerila
Französische Sprache
Die französische Sprache (Französisch) gehört zur
romanischen Gruppe der indogermanischen Sprachen. Sie wird gegenwärtig von ca. 77 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Zählt man Zweitsprachler hinzu, kommt man auf ca. 130 Millionen Sprecher
(Stand für beide Zahlen 1999).
Der Language Code ist fr bzw. fra oder
fre (nach ISO 639); für Altfranzösisch (842 bis
ca. 1400) ist der Code fro und für Mittelfranzösisch
(ca. 1400 bis 1600) ist der code frm.
Geschichte der französischen Sprache
Die französische Sprache entwickelte sich nach dem Zerfall des Römischen Reiches aus dem Vulgärlatein der gallo-römischen Bevölkerung in der Nordhälfte des heutigen Frankreichs. Allerdings färbte die keltische Bevölkerung die neu entstehende Volkssprache vorwiegend im Klangbild. Einen stärkeren Einfluss übten die Germanen, insbesondere die Franken, aus. Sie eroberten das Gebiet in der Spätantike und prägten den französischen Wortschatz entscheidend mit. Dabei bildeten sich verschiedene Dialekte heraus, die als Langues d'oïl zusammengefasst werden. Die ersten Dokumente, die der französischen Sprache zugeordnet werden, sind die Straßburger Eide, die 842 sowohl auf Altfranzösisch als auch auf Althochdeutsch verfasst wurden.
Unter den Kapetingern kristallisiert sich Paris allmählich als politisches Zentrum Frankreichs heraus, wodurch der dortige Dialekt, das Franzische, zur Hochsprache reift. Aufgrund der zunehmend zentralistischen Politik werden die anderen Dialekte stark zurückgedrängt.
Nachdem 1066 Wilhelm der Eroberer den englischen Thron besteigt, wird das normannische Französisch für zwei Jahrhunderte die Sprache des englischen Adels. In dieser Zeit wurde die englische Sprache sehr stark vom Französischen beeinflusst.
Mit den Albigenserkreuzzügen erreicht Frankreich seine heutige Ausdehnung. Dabei werden die Langues d'oc (siehe unten) zugedrängt und unterdrückt.
Durch den Edikt von Villers-Cotterêts wird 1539 die Französische Sprache als Landessprache Frankreichs festgelegt.
Im Jahre 1634 gründete Kardinal Richelieu die Académie Française, die sich mit der "Vereinheitlichung und Pflege der französischen Sprache" beschäftigt.
Ab dem 17. Jahrhundert wird Französisch die lingua franca des europäischen Adels, zunächst in Mitteleuropa, im 18. und 19. Jahrhundert auch in Osteuropa (Polen, Russland, Rumänien). In dieser Zeit entwickelte sich Frankreich zu einer Kolonialmacht und legte damit den Grundstein für die heutige Verbreitung der französischen Sprache außerhalb Europas und der französischen Kreolsprachen. Das 1830 unabhängig gewordene Belgien erobert ebenfalls Kolonien, wo die französische Sprache eingeführt wird.
Im 18. Jahrhundert übernimmt das Französische als Sprache des Adels die Domäne der internationalen Beziehungen und der Diplomatie (zuvor: Latein). Als Großbritannien im 19. Jahrhundert zur herrschenden Kolonialmacht, und die USA im 20. Jahrhundert zur Weltmacht wurden, ändert sich die Sprachsituation zu Gunsten der englischen Sprache.
Mit der Dezentralisierung in den 1980er Jahren wird den Regionalsprachen sowie den Dialekten in Frankreich mehr Freiraum eingeräumt, wodurch sie eine Renaissance erfahren. 1994 wird in Frankreich das Loi Toubon erlassen, ein Gesetz, das den Schutz der französischen Sprache sichern soll.
Aussprache
Siehe: Aussprache der französischen Sprache
Verbreitung
Amtssprache
Französisch ist allein oder zusammen mit anderen Sprachen Amtssprache in folgenden Staaten (in Klammern die Anzahl der Muttersprachler)
Außerdem ist Französisch eine der Amtssprachen der Europäischen, der Afrikanischen Union, der Organisation Amerikanischer Staaten sowie der Vereinten Nationen.
Sonstige Verwendung
Französisch ist darüber hinaus Verkehrssprache in folgenden Ländern und Regionen:
- Algerien
- Andorra
- Dominica
- Kanalinseln (unter britischer Krone)
- Libanon
- Louisiana (USA)
- Marokko
- Mauretanien
- Tunesien
Zudem bildet Französisch die Grundlage verschiedener Terminologien, z.B. in der gastronomischen Fachsprache und im Ballett.
Sprachvarianten der französischen Sprache
Französisch ist eine indoeuropäische Sprache und gehört zu den galloromanischen Sprachen, die in zwei Gruppen geteilt werden: langues d'oïl im nördlichen Frankreich und Belgien und langues d'oc im Süden Frankreichs. Hierbei ist der Status, was dabei Dialekt und was eigenständige Sprachen ist, umstritten. Meistens spricht man von zwei Sprachen und deren jeweiligen Patois, den französischen Dialekten. Das Französische wird den langues d'oïl zugeordnet und geht auf eine Mundart aus dem Raum Ile de France zurück.
Sie grenzen sich von den langues d'oc ab, die südlich des Flusses Loire verbreitet sind und eine eigene Sprache darstellen. Die Unterscheidung bezieht sich auf die Verwendung des Wortes Ja - Oc im Süden und Oïl im Norden. Zudem ist bei den Langues d'oc, die zusammenfassend auch als Okzitanisch bezeichnet werden, der romanische Charakter stärker ausgeprägt.
Daneben gibt es das Franko-Provenzalische, was mitunter keiner der beiden anderen gallo-romanischen Sprachen zugeordnet wird. Da es allerdings keine Hochsprache entwickelt hat, wird es von manchen als Dialekt der langues d'oc angesehen.
Gallo-romanische Sprachen:
- langues d'oïl (Französisch)
- Gallo, Wallonisch, Picardisch
- Franko-Provenzalisch
- langues d'oc (Okzitanisch)
- Provenzalisch, Languedokisch, Gaskognisch
Aufgrund der internationalen Verbreitung gibt es auch landestypische Eigenheiten der französischen Sprache:
- Belgisches Französisch
- Schweizer Französisch
- Französisch in den USA
- Cajun
- Französisch in Louisiana
- Französisch in Neuengland
- Französisch in Kanada
- Kanadisches oder Quebecer Französisch
- Akadisches Französisch
- Neufundländisches Französisch
- Michif
- Jèrriais
- Französisch geprägte Kreolsprachen
Alle wichtigen Dinge zur Konjugation finden sich unter französische Konjugation
Objekt
Objektpronomen
Welches Objektpronomen ersetzt welches Objekt?
Dieses "de" kann auch ein Teilungsartikel sein.
Welches Objektpronomen steht in welcher Reihenfolge im Satz?
wobei
- [se] für ein eventuelles Reflexivpronomen steht,
Wo stehen die Objektpronomen im Satz?
- Objektpronomen stehen immer vor dem konjugierten Verb.
- Ausnahme bei Infinitivkonstruktionen: Objektpronomen stehen dann vor dem handlungstragenden Infinitiv
Beispiele
Modus Indicatif :
Modus Subjonctif :
Dieses Modus existiert nicht im Deutschen. Er ist mit Konstruktionen mit "que" zu verwenden.
Modus Conditionnel :
Dieses Modus drückt die Bedingung aus.
Außerdem hat die französische Sprache das Modus Impératif, das in Présent und Passé geteilt ist. Diese Teilung gilt auch für die Moden Participe und Infinitif.
Konnektoren
cause (Ursache)
conjonctions:
parce que
puisque,
pour la simple et bonne raison que,
comme,
étant donné que,
du fait que,
attendu que,
considérant que,
vu que,
soit parce que,
sous prétexte que,
ce n'est pas parce que,
car,
en effet,
tellement,
tant,
d'autant plus que,
d'autant moins que,
d'autant mieux que,
surtout que,
à présent que,
maintenant que,
dès l'instant où,
dès lors que,
du moment que
prépositions:
à cause de,
grâce à,
avec,
étant donné,
du fait,
à la lumière de,
attendu que,
eu égard à,
vu,
à la suite de,
par suite de,
sous,
à,
pour,
par,
de,
à force de,
faute de,
par manque de,
à defaut de,
sous prétexte que,
sous couleur de,
sous couvert de
conséquence (Folge)
conjonctions:
si bien que,
de telle manière que,
de telle façon que,
de telle sorte que,
en sorte que,
tel +Nomen +que,
verbe +tellement,
verbe +tant,
si +Adj. +que,
au point que,
tant et si bien que,
tant et tant que,
à telle enseigne que,
pour que,
il s'en faut de ... que,
sans que,
donc,
partant,
par conséquant,
en conséquence,
c'est pourquoi,
voilà pourquoi,
de ce fait,
c'est pour cela que,
alors,
depuis lors,
dès lors,
de cette manière,
ainsi,
aussi,
du coup,
d'où,
de là
but (Ziel)
conjonctions:
pour,
afin de,
pour que,
afin que,
si...c'est pour que,
de manière à,
de façon à,
de manière que,
de façon que,
de sorte que,
de manière à ce que,
de façon à ce que,
de telle manière que,
de telle façon que,
de telle sorte que,
pour ne pas,
afin de ne pas,
de peur de,
de crainte de,
il faut que,
il suffit de
prépositions:
dans le but de,
en vue de,
à dessein de,
histoire de,
question de,
affaire de,
dans/avec l'intention de,
dans la perspective de,
dans le souci de,
avec l'idée de,
dans/avec l'espoir de,
avec l'arrière-pensée de,
dans le seul but de,
à seule fin de,
en vue de,
en perspective de,
dans un souci de
condition (Bedingung)
conjonctions:
à condition que,
à la seule condition que,
à une seule contition, c'est que...,
sous la condition que,
pourvu que,
pour peu que,
si tant est que,
pour autant que,
dans la mesure où
prépositions:
à,
à condition de,
faute de,
à defaut de,
à moins de,
quitte à,
au risque de,
avec,
en das de,
sans,
en l'absence de,
sauf,
sous réserve de
hypothèse (Annahme)
conjonctions:
à supposer que,
en supposant que,
supposé,
une supposition,
en admettant que,
au cas où,
dans le cas où,
pour le cas où,
dans l'hypothèse où,
des fois que,
suivant que,
selon que,
soit que,
...,autrement,
...,sans cela/quoi,
...,faute de quoi,
à moins que
opposition (Gegensatz)
adverbes:
au contraire,
à l'opposé,
inversement,
en revanche,
par contre,
à la place
prépositions:
contrairement à,
au contraire de,
contre,
à l'encontre de,
à/au rebours de,
à l'opposé de,
à l'inverse de,
au détriment de,
face à,
en face de,
à côté de,
auprès de,
au lieu de,
à la place de,
loin de
conjonctions:
et,
alors que,
tandis que,
alors même que,
pendant que,
tandis que,
cependant que,
là où,
autant...autant...,
au lieu que
concession (Einschränkung)
adverbes:
pourtant,
cependant,
nonobstant,
néanmoins,
toutefois,
seulement,
malheureusement,
quand même,
tout de même,
malgré tout
coordonnants:
mais,
or,
et
prépositions:
malgré,
sans,
en dépit de,
au mépris de,
nonobstant,
avec,
pour,
sans,
au risque de,
quitte à
conjonctions:
bien que,
quoique,
sans que,
encore que,
même si,
quand bien même,
tout/pour/si/aussi/quelque +Adj. +que +Subj.,
quoi que ce soit,
quoi qu'il arrive/advienne,
où que,
quel que soit
comparaison (Vergleich)
conjonctions:
comme,
comme pour,
comme quand,
comme lorsque,
aussi +Adj./Adv. +que...,
autant +de +Nominalgruppe +que...,
rien ne...tant que,
ainsi que,
au même titre que,
de même que,
tel que,
tel...,tel...,
autant...,autant...,
plus...que,
rien de plus +Adj...que de +Inf.,
davantage,
meilleur que,
mieux que,
pire que,
pis que,
plutôt que,
à mesure que,
au fur et à mesure que,
tant que,
plus...,plus...,
moins...,moins...,
d'autant plus/moins/mieux...que...
prépositions:
comme,
de,
en
Französische Wendungen im deutschen Sprachgebrauch
- à - je, zu (je), für (je); vor Preisangaben von Waren.
- à bas [a'ba] - "nieder mit".
- a condition - bedingungsweise (Lieferung).
- à deux mains - mit beiden Händen
- à discretion - nach Belieben.
- à fonds perdu - auf Verlustkonto, nichtrückzahlbar.
- à jour - "bis zu dem Tage", auf dem laufenden.
- à la ... - nach Art von ...
- à la bonne heure - ["zur guten Stunde"], sehr gut!, bravo!, ausgezeichnet!
- à la carte [-'kart] - nach der (Speise-)Karte, nach Wahl
- à la mode - nach der Mode, modisch
- à la suite[-'syit] - im Gefolge
- à propos - nebenher bemerkt
- à quatre - zu vieren
- à tout prix - um jeden Preis
- comme il faut - wie es sich gehört
- déjà-vu
- jour-fix
- peut-à-peut
- vis-à-vis
Sprachregulierung
Die Französische Sprache wird reguliert durch:
- Académie française
- Loi Toubon - Gesetz zum Schutz der französischen Sprache
Siehe auch
- Frankophonie
- Sprachen in Frankreich
- Französische Rechtschreibreform
- Französischunterricht
- Argot
- Verlan
- Gérondif
- Gallizismus
Weblinks
- [http://www.academie-francaise.fr/ L'académie française]
- [http://sf.gidoo.de/de/service/rectifications-orthographiques.html Informationen zu den orthografischen Korrekturen (rectifications orthographiques)]
- [http://www.russki-mat.net/frz/Argot.htm Wörterbuch der französischen Umgangssprache]
- [http://www.sprachurlaub.de/service/franzoesisch-lernen.htm Vollständige franzöische Grammatik - sehr anschaulich]
- [http://www.verben.info/ Französische Verben online üben]
-
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Romanische Sprache
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Schweizer Sprache
als:Französische Sprache
ja:フランス語
ko:프랑스어
simple:French language
th:ภาษาฝรั่งเศส
zh-min-nan:Hoat-gí
KombattantKombattant sind entsprechend dem Humanitären Völkerrecht Personen, die in einer kriegerischen Auseinandersetzung legal kämpfen dürfen.
Rechtliche Definition
Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte (Protokoll I)
Abschnitt II Kombattanten- und Kriegsgefangenenstatus
Art. 43 - Streitkräfte
1. Die Streitkräfte einer am Konflikt beteiligten Partei bestehen aus der Gesamtheit der
organisierten bewaffneten Verbände, Gruppen und Einheiten, die einer Führung unterstehen,
welche dieser Partei für das Verhalten ihrer Untergebenen verantwortlich ist; dies gilt
auch dann, wenn diese Partei durch eine Regierung oder ein Organ vertreten ist, die von
einer gegnerischen Partei nicht anerkannt werden. Diese Streitkräfte unterliegen einem
internen Disziplinarsystem, das unter anderem die Einhaltung der Regeln des in
bewaffneten Konflikten anwendbaren Völkerrechts gewährleistet.
2. Die Angehörigen der Streitkräfte einer am Konflikt beteiligten Partei (mit Ausnahme des
in Artikel 33 des III. Abkommens bezeichneten Sanitäts- und Seelsorgepersonals) sind
Kombattanten, das heisst, sie sind berechtigt, unmittelbar an Feindseligkeiten
teilzunehmen.
3. Nimmt eine am Konflikt beteiligte Partei paramilitärische oder bewaffnete
Vollzugsorgane in ihre Streitkräfte auf, so teilt sie dies den anderen am Konflikt
beteiligten Parteien mit.
Aussage
Art.43 definiert zunächst Streitkräfte als "Gesamtheit der organisierten bewaffneten Verbände, Gruppen und Einheiten, die einer Führung unterstehen, welche dieser Partei für das Verhalten ihrer Untergebenen verantwortlich ist".
Damit können auch sogenannte irreguläre Kräfte oder außerhalb der Armee stehende Truppen unter gewissen Umständen als Kombattanten anerkannt werden. In der Bundesrepublik gehörte beispielsweise neben der Bundeswehr bis in die 90er Jahre der Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) zu den offiziellen Kombattanten.
Im Zweiten Weltkrieg waren die Angehörigen des Volkssturmes Kombattanten, die durch ihre Armbinde als solche gekennzeichnet waren und sich damit von Partisanen unterschieden.
Auch UÇK und die Streitkräfte Tschetscheniens, die gegen Russland kämpfen, sind größtenteils Kombattanten.
Voraussetzung
Kombattanten müssen:
- Ihre Waffen offen tragen; verdecktes Tragen der Waffen wäre Heimtücke.
- Eine Führung haben und eine Kommandostruktur muss klar erkennbar sein, die die Aktionen der Kombattanten kontrolliert und für sie völkerrechtlich verantwortlich ist.
- Sich dem Recht und Gebräuchen des Krieges unterwerfen, also in Übereinstimmung mit dem Humanitären Völkerrecht handeln.
Eine Ausnahme, in der Zivilisten in Kampfhandlungen eingreifen dürfen, ist die Levée en masse.
Auswirkungen
Kombattanten dürfen in bewaffnete Konflikte eingreifen; ein bewaffneter Konflikt beginnt dabei mit den ersten Kampfhandlungen.
Kombattanten unterliegen allerdings Beschränkungen, was sie bekämpfen dürfen, als auch, wie sie bekämpft werden dürfen.
Wird ein Kombattant als solcher gefangengenommen, wird er Kriegsgefangener und genießt damit wieder einen definierten rechtlichen Status.
Nichtkombattanten
Für Nichtkombattanten gelten andere Regeln. Diese dürfen nicht gezielt bekämpft werden und nicht selbst in Kampfhandlungen eingreifen; das Recht auf Selbstverteidigung wird davon nicht berührt.
Greift ein Nichtkombattant aktiv in Kampfhandlungen ein, so darf er vom Gegner im Rahmen dessen gültigen Strafrechts bekämpft und abgeurteilt werden; er steht nicht unter dem Schutz des Humanitären Völkerrechts.
Beispiele für Nichtkombattanten sind:
- Zivilisten
- Sanitäter
- Seelsorger
- Polizisten
- Zollbeamte
Aber auch:
- Plünderer
- Freischärler (ohne erkennbares Kennzeichen und Führung)
- Söldner
- Partisanen
- so genannte ungesetzliche Kombattanten
Literatur
Carl Schmitt: Theorie des Partisanen, Duncker & Humblot, 1975
Siehe auch
Fremdenlegion, Private Military Company
Weblinks
- http://www.admin.ch/ch/d/sr/i5/0.518.521.de.pdf Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte (Protokoll I)
Kategorie:Völkerrecht
Kategorie:Wehrrecht (Völkerrecht)
Kategorie:person
LehnwortEin Lehnwort (Materialentlehnung) ist eine Form der Entlehnung, nämlich ein Wort, das einer anderen Sprache entlehnt ist. Im Unterschied zum Fremdwort, dem der fremdsprachige Ursprung noch anzumerken ist, ist das Lehnwort in Schreibung, Lautung und Betonung so weit an den Sprachgebrauch der Zielsprache angepasst, dass es nicht oder kaum mehr als fremd wahrgenommen wird.
Begriff
Lehnwörter, die vor der 2. Lautverschiebung in die deutsche Sprache aufgenommen wurden, haben diese, ebenso wie die Erbwörter, mitgemacht und sind deshalb Erbwörtern so ähnlich geworden, dass man sie strukturell nicht mehr unterscheiden kann. (Beispiel: Palatin > Pfalz). In der deutschen Sprache kommt dazu, dass ihre Schreibweise erst viel später festgelegt wurde und man sie deshalb auch nicht mehr an einer abweichenden Schreibweise unterscheiden kann. Eine Unterscheidung ist hauptsächlich durch Kenntnis ihrer Etymologie oder durch Sprachvergleich möglich. Prinzipiell unterliegen Lehnwörter den gleichen sprachlichen Änderungen wie Erbwörter (zum Beispiel Bedeutungswandel und Lautverschiebungen).
An der Art der Lautstruktur eines Lehnwortes kann man den Zeitraum der Entlehnung bestimmen. Einige Wörter wurden mehrfach entlehnt und unterscheiden sich heute in Bedeutung und Aussprache, beispielsweise Partei (seit dem Mittelalter) vs. Partie (seit dem 17. Jahrhundert) vs. Party (seit dem 20. Jahrhundert).
Manchmal behält ein Lehnwort die ursprüngliche Form, während es sich in der Ursprungssprache ändert oder dort sogar verschwindet.
Bei der Zuordnung eines Lehnwortes zur Ursprungsprache (siehe untenstehende Liste) kommt es nicht darauf an, aus welcher Sprache das Wort tatsächlich ursprünglich kommt, sondern nur, aus welcher Sprache heraus es in die Zielsprache übernommen wurde.
Neben den Lehnwörtern gibt es auch Lehnbedeutungen, Lehnbildungen, Scheinentlehnungen und Falsche Freunde.
- Beim Lehnwort wird das Fremdwort in Klang und Schriftbild an die eigene Sprache angeglichen, beispielsweise Fenster aus dem Lateinischen fenestra oder Grenze aus dem Polnischen (granica).
- Bei einer Lehnbedeutung wird die Bedeutung eines fremden Wortes übernommen und auf ein einheimisches Wort übertragen. Das gotische daupjan mit der Grundbedeutung untertauchen bekam unter dem Einfluss des griechischen baptizein die Bedeutung jemanden durch Untertauchen zum Christen machen (taufen), und das deutsche Wort schneiden erhielt vom englischen Ausdruck to cut a person die Zusatzbedeutung jemanden absichtlich nicht kennen; s. Begriffsübernahme.
- Bei der Lehnbildung gibt es drei Varianten:
- die Lehnübersetzung, wo ein meist zusammengesetztes Fremdwort Glied für Glied übersetzt wird: Beispiele sind Großvater von französisch grand-père oder Flutlicht vom englischen flood light.
- die Lehnübertragung, wo die fremden Bestandteile teilweise übersetzt werden, z.B. Wolkenkratzer von englisch skyscraper (wörtlich Himmelskratzer) oder Fernsprecher von Telephon (Fern-Klang).
- die Lehnschöpfung, wo unabhängig vom fremden Wort eine entsprechende deutsche Wortneubildung stattfindet um das Fremdwort zu ersetzen, z.B. Kraftwagen statt Automobil oder Wasserglätte statt Aquaplaning.
- Scheinentlehnungen sind Wörter, die so klingen, als kämen sie aus einer fremden Sprache, in dieser Sprache aber nicht existieren, z.B. Friseur (französisch coiffeur), Handy (englisch mobile phone), Smoking (englisch dinner jacket).
Ein Xenismus (v. griech.: xenos fremd) ist ein Wort oder eine Wortbildung, das eine neue Bedeutung aus einer fremden Sprache in die eigene Sprache hineinträgt, oder den Begriff der eigenen Sprache ersetzt oder verdrängt. Z.B. bedeutete "realisieren" in der deutschen Sprache immer "verwirklichen"; unter dem Einfluss des englischen "to realise" wird es aber immer mehr als Synonym für "bemerken" verwendet.
So wie die deutsche Sprache zu jeder Zeit durch fremde Begriffe verändert wurde, finden ebenso Germanismen in anderen Sprachen Aufnahme.
Lehnwörter nach Ursprungssprachen
Beispiele:
- Liste deutscher Wörter aus dem Arabischen
Aba - Admiral - Algebra - Algorithmus - Alkohol - Beduine - Chemie - Emir - Gibraltar - Harem - Kaffee - Kali/Kalium/alkalisch - Kalif - Laute - Matt - Mufti - Scheich - Tarif - Ziffer - Zucker
- Liste deutscher Wörter aus dem Chinesischen
Ketchup (ursprünglich Malayisch) - Kotau - Kuli - Taifun - Tee (südchinesischer Dialekt) - Tofu
siehe Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen.
- Liste deutscher Wörter aus dem Englischen und Amerikanischen
Hier sind Wörter aufgelistet, die durch die englische Sprache in die deutsche Sprache gelangt sind, jedoch ihren Ursprung von australischen Ureinwohnersprachen haben. Siehe auch: Australisches Englisch
Bumerang - Känguru - Koala
Bob - lynchen ursprünglich aus dem irischen, ebenso wie Boykott - Quiz - Tanker
aus Großbritannien
clever - Film - Keks - Streik
Iglu - Kajak - Kanu - Anorak
Sauna
- Liste deutscher Wörter aus dem Französischen
Bistro (evtl. aus dem Russischen)
Achtung: Viele der folgenden Ausdrücke sind nur indirekte Lehnwörter aus dem Griechischen, denn
- es handelt sich um Wörter, die zwar ursprünglich aus dem Griechischen stammen, dann aber in eine andere Sprache übergingen und nachgewiesenermaßen erst von dort aus ins Deutsche entlehnt wurden
- es handelt sich um in der Neuzeit in modernen Sprachen aus griechischem Wortmaterial zusammengesetzte Bildungen, die im Griechischen in dieser Form nie existiert haben -- auch wenn sie teilweise heute in die Neugriechische Sprache zurück-übernommen worden sind.
- Liste deutscher Wörter aus dem Griechischen
- Liste deutscher Wörter aus dem Hebräischen
Amen - betucht - Chuzpe - Ganove - Guten Rutsch - Hals- und Beinbruch - Kassiber - Kluft - Kohl - Massel - meschugge - Messias - mies - Mischpoche - Pleite - Schmiere - schofel - Stuss - Sabbat - Schickse - Schlamassel - Schmiere - Tacheles - Tinnef - Tohuwabohu - Zoff
Jiddisch ist eine häufige Quelle für Hebraismen im Deutschen.
Vgl. auch: Jenische Sprache, Jiddisch, Lottegorisch (Carlsberg), Manisch, Masematte (Münster), Mattenenglisch, Rotwelsch, Sintitikes
- Liste deutscher Wörter aus dem Indischen
Dschungel - Gulli - Guru - Nirvana - Punsch - Pyjama - Shampoo - Yoga
Absinth - Algorithmus - Baldachin - Balkon - Basar - Kapern - Karawane - Kaviar - Khaki - Kiosk - Magier - Orange - Paradies - Pistazie - Pyjama - Rochade - Schach - Schal - Tambour - Tasse - Trabant - Tulpe - Jasmin
Antenne - Bank - Bankrott - Bilanz - Fango - Fumarole - Getto - Gorgonzola - Graffiti - Kanone - Kapital - Kartoffel - Kasse - Korridor - Kredit - Konto - Lava - Makkaroni - Marzipan - Melone - Mole - Mortadella - Mozzarella - Muskat - Netto - Parmesan - Peperoni - Pistazie - Pizza - Porto - Prokura - Rest - Risiko - Salami - Salto - Solfatare - Spaghetti - Zitrone - Zucchini sowie eine Vielzahl von Wörtern aus der Musik: Alt - Bass - Dur - Forte - Intermezzo - Mezzosopran - Moll - Piano - Sopran - Tenor
- Liste deutscher Wörter aus dem Japanischen
Bonsai - Bonze - Harakiri - Judo - Kamikaze - Karaoke - Karate - Kimono - Manga - Mikado - Tamagotchi
Es gilt sinngemäß dieselbe Einschränkung wie oben bei den Gräzismen:
- Liste deutscher Wörter aus dem Lateinischen
Auster - Boss - Korfball - Matrose - Matjes - Abstecher - Stillleben - bugsieren
Aloha - Tätowierung - Tabu
Blinse (sächsisch) - Karst - Kren (österreichisch) - Kukuruz (Austriazismus) - Petschaft - Quark (Lebensmittel) - Ranzen - Vampir - Weichsel (Austriazismus) - Wodka
Jause
Penunze - Jauche - Kalesche - Gurke - Grenze - Peitsche - Säbel - Solidarność - Szlachta - Zloty
- Liste deutscher Wörter aus dem Russischen
Agitprop - Apparatschik - Bolschewismus– Datsche - Droschke - Intelligenzia - Kalaschnikow - Kosmonaut - Molotowcocktail - Perestroika - Podsol - Pogrom - Politbüro - Rubel - Sputnik - Werst - Zar
Brimsen (österreichisch)
Fjord - Geysir - Hummer - Knäckebrot - Ombudsmann - Rentier - Ski - Slalom - Troll
- Liste deutscher Wörter aus dem Spanischen
Buchtel (Austriazismus) - Kolatsche (Austriazismus) - Powidl (Austriazismus) - Roboter - Polka - Tuchent (Austriazismus)
Döner Kebab - Tulpe
Dolmetscher - Gulasch - Husar - Kutsche - Palatschinke - Paprika - Salamitaktik (unklar) - Tokajer - Tolpatsch
Kategorie:Historische Linguistik
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ja:外来語
Wandalen
Die Vandalen oder auch Wandalen, Vandili, Vanduli, Vandali waren ein ostgermanischer Stamm.
Geschichte der Vandalen
Die Frühzeit
Über ihre dem Gotischen nahverwandte Sprache ist wenig bekannt. Nach Plinius dem Älteren und Tacitus siedelten die Vandalen in den ersten Jahrhunderten nach Christus östlich der Oder aber südlich der Burgunder.
Eine Zugehörigkeit zum Kultverband der Lugier ist möglich. Im 2. Jahrhundert sind unterschiedliche Teilstämme der Vandalen nachweisbar: Die Silingen in Schlesien und die Asdingen oder auch Hasdingen in Ungarn und Rumänien, von wo sie unter Marcus Aurelius während der Markomannenkriege ins römische Reich eindrangen. Allerdings ist - wie bei fast allen germanischen gentes der Völkerwanderungszeit - unklar, welche Verbindungen zwischen den Völkern dieses Namens und jenen Verbänden, die dann in der Spätantike in den Quellen erscheinen, bestanden. Unter Konstantin ist jedenfalls eine Ansiedlung der Hasdingen in Pannonien bezeugt.
Vandalen und Völkerwanderung
Die Vandalen waren eine Völkergruppe, deren Herkunft und Abstammung nicht restlos geklärt ist. Im Gegensatz zur älteren Forschung wird heute versucht, die Prozesse, die zur Bildung ethnischer Identitäten führten, zu verstehen und nicht von wandernden, fertig ausgebildeten Völkern ausgegangen. Von Tacitus, Plinius und Ptolemaios werden die Vandilier im Weichselgebiet als Völkergruppe erwähnt, aber verschieden definiert. Wie bei den Gutonen-Goten greifen wir zwar eine Namenskontinuität, können aber keine Aussagen über die ethnischen Prozesse hinter diesen Namen machen.
Um 400 n. Chr. kann man nördlich der unteren und mittleren Donau große Wanderungen und Umwälzungen feststellen, wahrscheinlich ausgelöst durch das Eindringen der Hunnen. Die Alanen, ein skythisch-sarmatischer Stammesverband, die Sueben und eben die Vandalen zogen gemeinsam Richtung Gallien.
Die römische Politik versuchte seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. durch Föderatenverträge, die Anwerbung von Soldaten und den Handel mit Gewerbe- und Luxusgütern auf zumeist friedlichem Weg eine Hegemonie auch außerhalb der Reichsgrenze zu erreichen. Das Imperium Romanum war ein wirtschaftlich und politisch stabiler Raum mit einer enormen Sogwirkung auf "barbarische" Gesellschaften. Langsam entstanden spezialisierte Krieger, soziale Unterschiede und innere Konflikte, Stämme zerfielen und neue Einheiten, wie eben die historisch (also in Texten erwähnten) greifbaren Völker der Vandalen und Sueben, bildeten sich. Nicht Flucht vor Hunger und Kälte (häufige Idee spätantiker Literatur) war der Grund für die Aufgabe alter und den Aufbau neuer Identitäten, sondern der Aufbruch zu neuen Möglichkeiten in der mediterranen Städtelandschaft.
Eindringen ins römische Reich
In der Silvesternacht 406 überschritt ein vandalischer Verband, gemeinsam mit einer großen Gruppe von Alanen und Sueben den Rhein und fiel in die römische Provinz Gallien ein; Grund war vermutlich Flucht vor den weiter vordrängenden Hunnen. Fränkische foederati, die sich ihnen entgegenstellten, wurden schließlich geschlagen. Die Geschichte des 5. Jahrhunderts ist eine Folge von Machtkämpfen und jedesmal wurden barbarische Truppen gegeneinander aufgeboten. Die unabhängig operierenden Gruppen der Goten unter Alarich I. in Italien und der Vandalen, Alanen und Sueben stellten nun einen eigenen Machtfaktor dar. Bei ihrem Zug nach Süden wurden einige Landstriche teils gründlich verwüstet.
409 zog der alanisch-vandalisch-suebische Verband weiter nach Spanien und begründete dort verschiedene kurzlebige Staatswesen. Ein suebisches Königreich in Galicien hatte bis ins späte 6. Jahrhundert Bestand. Der Landschaftsname Andalusien (Vandalusien) verweist vermutlich ebenfalls auf die Vandalen. Nach einem römischen Feldzug, in dessen Verlauf auch westgotische Heere eingesetzt worden waren, brachen diese politischen Gebilde in Spanien zusammen; die silingischen Vandalen wurden in der Baetica fast restlos vernichtet, die hasdingischen Vandalen vereinigten sich mit den Alanen. Gemeinsam setzten diese Gruppen im Mai 429 nach Africa über. Allerdings werden wohl auch Vandalen auf der iberischen Halbinsel zurückgeblieben sein.
Das vandalische Königreich in Afrika und die Erringung der Seeherrschaft im westlichen Mittelmeer
Der junge König Geiserich führte die Vandalen (ca. 15.000 bis 20.000 Krieger und ihre Familien - Prokopios spricht von insgesamt 80.000 Menschen) nach Afrika. Nach Prokop hatte der römische General Bonifatius die Vandalen "eingeladen", um sich so im Streit gegen das Kaiserhaus zu behaupten; dies ist jedoch eher unwahrscheinlich, zumal Bonifatius die Vandalen nach ihrer Landung bekämpfte. Wahrscheinlich waren die Vandalen nur auf die Reichtümer der römischen Provinz Africa aus, des Herzstücks des westlichen Restreiches, welches Italien mit Getreide versorgte. Die Vandalen marschierten durch das heutige Marokko und Algerien und belagerten bzw. plünderten mehrere Städte. Bonifatius, der sich mit dem Kaiserhaus arrangiert hatte, bekämpfte sie nun, wurde aber aufgrund von Problemen in Italien abberufen, um gegen Aetius zu kämpfen. Dort fand er den Tod.
Nach erfolgreicher Eroberung größerer Gebiete durch Geiserich schloss die Reichsregierung 435 einen Vertrag mit den Eroberern, der diesen Gebiete in Mauretanien und Numidien zugestand. 439 wurde aber unter Bruch des Vertrags Karthago erobert, die größte Stadt des Westens nach Rom, wobei den Vandalen auch die dort stationierte römische Flotte in die Hände fiel. Die Vandalen und Alanen errichteten ein Königreich in den reichen afrikanischen Provinzen Byzacena und Proconsularis (etwa im Gebiet des heutigen Tunesien). Mit Hilfe der erbeuteten Flotte (die Vandalen unterhielten als einziger germanischer Nachfolgestaat eine nennenswerte Flotte) gelang ihnen die Eroberung von Sardinien, Korsika und den Balearen.
Balearen
455 plünderten die Vandalen und Alanen unter ihrem König Geiserich Rom. Der im 18. Jahrhundert aus dieser Begebenheit hergeleitete Begriff Vandalismus als Bezeichnung für "fanatisches Zerstören um seiner selbst willen" ist dabei historisch sowie sachlich nicht korrekt. Die Vandalen plünderten die Stadt Rom zwar gründlich und nicht ohne Brutalität (wobei die Bewohner aber auf Bitten des Papstes weitgehend geschont wurden), doch ohne blinde Zerstörungswut; vielmehr wurden systematisch Wertgegenstände geraubt. Das war auch kein reiner Beutezug, sondern auch ein Eingreifen in die höchste Ebene der Reichspolitik: Kaiser Valentinian III. hatte seine Tochter Eudokia als Braut für den vandalisch-alanischen Thronfolger Hunerich versprochen, und auch um diese vorteilhafte dynastische Verbindung nach der Ermordung Valentinians zu sichern, wurde die Hauptstadt angegriffen. Die Vandalen brachten wertvolle Beute nach Hause, ebenso wurden zahlreiche Menschen entführt, darunter die Witwe Valentinians, aber vor allem Handwerker, die im vandalischen Königreich benötigt wurden. Gleichzeitig wurden Sardinien, Korsika, die Balearen und schließlich auch Sizilien (wenn auch nur kurzfristig) in den vandalischen Herrschaftsraum einbezogen. Wichtiger war aber, dass die Vandalen nun endgültig die Getreideversogung des Westreiches kontrollierten.
Das vandalische Königreich wurde 468 Ziel einer großangelegten Militäroperation des Westreiches und des Oströmischen Reiches, die jedoch grandios scheiterte, vielleicht auch aufgrund der Taktik des Magister militum des Westens, Rikimer, dem nicht an einer Intervention des Ostreiches im Westen gelegen war. 474 wurde den Vandalen in einem Vertrag zwischen dem oströmischen Kaiser und Geiserich der Besitz der Inseln garantiert, doch waren die Vandalen wohl schon bald nicht mehr in der Lage, diese Regionen immer effektiv zu kontrollieren. Auch im Inneren kam es unter Geiserichs Nachfolgern zu Problemen, da die Vandalen Arianer waren, die Mehrheit der römischen Bevölkerung jedoch katholisch blieb; es kam zu mehreren Verfolgungen. Vor allem aber mussten sich die Vandalen der immer heftigeren Angriffe der Mauren erwehren. Ob der von den spätantiken Quellen erhobene Vorwurf der Dekadenz zutrifft, mag allerdings bezweifelt werden.
Das Ende kam, als Ostrom Thronstreitigkeiten innerhalb des Vandalenreiches zum Anlass für eine erneute Militärexpedition nahm. 533/34 eroberten oströmische Truppen unter Belisar, einem Feldherren des Kaisers Justinian I., das vandalische Königreich; der letzte König, Gelimer, wurde nach Konstantinopel gebracht, und Nordafrika wurde wieder in das Imperium integriert. In den Quellen gibt es von da an keine Vandalen mehr. Die Reste der germanischen Bevölkerung wurden wohl größtenteils nach Osten deportiert, während mehrere Vandalen in der kaiserlichen Armee dienten.
Geschichte der Vandalen im Überblick
- um 375: die vor den Hunnen fliehenden Goten drängten die Vandalen nach Westen
- 406 setzen die Vandalen mit den nicht-germanischen Alanen und den Sueben über den Rhein und plündern Gallien.
- 409 Einfall in Spanien; der Name W-Andalusien erinnert noch heute an die Herrschaft der Vandalen
- 429 dringen die hasdingischen Vandalen zusammen mit Silingen und Alanen unter König Geiserich von Südspanien aus nach Nordafrika vor und erobern die dortigen römischen Provinzen. Von 430 bis 439 ist Hippo Regius die vandalische Hauptstadt. Während der vandalischen Belagerung von Hippo Regius stirbt in der Stadt deren Bischof Augustinus von Hippo.
- 439 erobern die Vandalen die reiche Provinz Africa Proconsularis, das heutige nördliche Tunesien und machen Karthago zur Hauptstadt des Vandalenreiches.
- 455 Besetzung und Plünderung Roms. Die Balearen, Korsika, Sardinien und Sizilien kommen zum Vandalenreich.
- ebenfalls 455 Konfiszierung katholischer liturgischer Gegenstände, und Kirchenschließungen.
- 474 erkennt der oströmische Kaiser Zenon die Herrschaft der Vandalen in Nordafrika an.
- 477 Geiserich stirbt und sein Sohn Hunerich wird König.
- 483- 484 Große Katholikenverfolgungen unter Hunerich.
- 24. Februar 484: ein Dekret verlangt den Übertritt aller Katholiken zum Arianismus bis zum 1. Juni.
- 484 Gunthamund wird König.
- 496 König Gunthamund wird durch Thrasamund abgelöst
- 523 König Hilderich erlaubt den Katholizismus
- 530 Gelimer stürzt Hilderich und wird König. Erneute Repressalien gegenüber den Katholiken
- 534 endet die Herrschaft der Vandalen in Nordafrika mit der Eroberung des Gebiets durch den oströmischen Kaiser Justinian I.. König Gelimer wird gefangen und stirbt im Exil.
Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur
Den Asdingen standen anfangs zwei, später nur noch ein aus adligem Geschlecht stammende Könige vor. Sie waren mit den Sueben verschwägert.
Die Vandalen wurden um 350 zu arianischen Christen. Über Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur der Vandalen vor dem Beginn der großen Wanderung ist nur sehr wenig bekannt. Die im heutigen Polen liegende Przeworsk-Kultur wird meist mit den Vandalen in Verbindung gebracht. Diese Zuweisung ist jedoch sehr unsicher. In Gallien und Spanien lassen sich keine archäologischen Funde mit den Vandalen in Verbindung bringen.
In Nordafrika ersetzen die Vandalen die Elite des römischen Afrika und profitieren von dem Reichtum dieser Provinz. Die Vandalen scheinen in Afrika einen in jeder Hinsicht römischen Lebenstil gepflegt zu haben, was sich aus der Kunst und Architektur dieser Zeit, aber auch aus den Schriftquellen erschließen lässt.
Im Wesentlichen integrieren sich die vandalischen Herren in die ökonomischen Strukturen der spätantiken Mittelmeerwelt, und auch die Kultur des Altertums wurde im vandalischen Nordafrika gepflegt. Die vandalische Münzprägung ist Gegenstand von Diskussionen.
Die vandalischen Könige
- Godigisel (?-406, König)
- Gunderich (?-428, König 406-428)
- Geiserich (ca. 389-477, König 428-477)
- Hunerich (?-484, König 477-484)
- Eudocia --- Hilderich (?-533, König 523-530)
- Theoderich (?- ca. 480)
- Gento (gest. vor 477)
- Godagis (gest. vor 484)
- Gunthamund (?-496, König 484-496)
- Thrasamund (?-523, König 496-523)
- Hilderich (26. Mai 523 - 530; 533 hingerichtet)
- Gelaris
- - Gelimer (?-553, König 530-534)
- - Tzazo (?-533)
- - Ammata (?-533)
Literatur
Quellen
- Prokopios von Caesarea: Der Gotenkrieg - der Vandalenkrieg, Phaidon, Essen 1985, ISBN 3-88851-030-9. Zeitgenössische Beschreibung aus oströmischer Sicht.
Sekundärliteratur
- Frank M. Clover: The Late Roman West and the Vandals, Variorum, Aldershot 1993 (Collected studies series 401), ISBN 0-86078-354-5.
- Pierre Courcelle: Histoire littéraire des grandes invasions germaniques, Etudes Augustiniennes, 3. Auflage, Paris 1964 (Collection des études Augustiniennes : Série antiquité, 19).
- Christian Courtois: Les Vandales et l'Afrique. Arts et Métiers Graph., Paris 1955 Nach wie vor das unübertroffene monografische Standardwerk.
- Hans-Joachim Diesner: Das Vandalenreich. Aufstieg und Untergang, Kohlhammer, Stuttgart 1966.
- Hans-Joachim Diesner: Vandalen. In: Paulys Realencyclopädie der class. Altertumswissenschaft (RE Suppl. X, 1965), S. 957-992.
- International Congress of Byzantine Studies (Hrsg.): L’Afrique vandale et byzantine, Teil 1. Brepols, Turnhout 2002 (Antiquité Tardive 10), ISBN 2-503-51275-5.
- International Congress of Byzantine Studies (Hrsg.): L’Afrique vandale et byzantine, Teil 2, Brepols, Turnhout 2003 (Antiquité Tardive 11), ISBN 2-503-52262-9. Die beiden Bände der Antiquité Tardive mit archäologischen, historischen und numismatischen Beiträgen von Javier Arce, Aicha BenAbed, Fatih Bejaoui, Frank M. Clover, Noel Duval, Cécile Morrisson, Jörg Kleemann, Yves Moderan, Philipp von Rummel u.a.; aktueller Stand der Forschung zum afrikanischen Vandalenreich.
- Yves Modéran: Les Maures et l'Afrique romaine. 4e.-7e. siècle, École Française de Rome, Rom 2003 (Bibliothèque des Écoles françaises d'Athènes et de Rome, 314), ISBN 2-7283-0640-0.
- Walter Pohl: Die Völkerwanderung. Eroberung und Integration, Kohlhammer, Stuttgart 2002, S. 70-86, ISBN 3-17-015566-0.
- Ludwig Schmidt: Geschichte der Wandalen, C. H. Beck, 2. Auflage, München 1942.
- R. Steinacher: Vandalen - Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte. In: Hubert Cancik (Hrsg.): Der Neue Pauly, Metzler, Stuttgart 2003, Band 15/3, S. 942-946, ISBN 3-476-01489-4.
- R. Steinacher: Wenden, Slawen, Vandalen. Eine frühmittelalterliche pseudologische Gleichsetzung und ihr Nachleben bis ins 18. Jahrhundert. In: W. Pohl (Hrsg.): Auf der Suche nach den Ursprüngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 8), Wien 2004, S. 329-353.
Weblinks
- [http://www.oeaw.ac.at/gema/fm_details_vandalen.htm Projekt Historische Ethnografie der Vandalen am Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien mit aktuell gehaltener Literaturliste]
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Kategorie:Germanischer Stamm
als:Vandalen (Volk)
ja:ヴァンダル族
ko:반달족
Völkerwanderung
Der Begriff Völkerwanderung bezeichnet im Allgemeinen eine Wanderbewegung, bei der eine große Zahl Menschen aus einem Volk oder eine ganze Volksgruppe in ein anderes Gebiet umsiedelt. Grund dafür sind gewöhnlich verschlechterte Lebensbedingungen. Klimatische Veränderungen wie Dürren, Überschwemmungen können ebenso eine Völkerwanderung auslösen wie politische Ereignisse, Krankheiten oder Überbevölkerung. Es können mehrere Ursachen zusammenkommen und die Abwanderung einer großen Menschengruppe auslösen.
Im Speziellen versteht man unter der Völkerwanderung die Wanderbewegungen der germanischen Völker beginnend im 2. Jahrhundert bis ins 6. Jahrhundert. Als Völkerwanderungszeit im engeren Sinne wird der Zeitraum von 375 (Einbruch der Hunnen nach Europa) bis 568 (Einfall der Langobarden in Norditalien) bezeichnet. Ihr Abschluss bedeutet im Westen zugleich das Ende der Spätantike bzw. der römischen Kaiserzeit, es beginnt das europäische Frühmittelalter. Da die begriffliche Abgrenzung über den Negativbegriff der Auflösung römischer Gesellschaftsstrukturen vorwiegend kulturell definiert ist, kann die Begriffsverwendung und ihr zeitlicher Beginn je nach Region stark differieren.
In geographischer Hinsicht vereinfachend möge man sich eine Linie von der Rheinmündung quer durch Europa bis zur Mündung der Donau denken. Längs dieser Linie sitzen (von West nach Ost) die Sachsen, Franken, Burgunder, Langobarden, Vandalen, Westgoten und Ostgoten. Diese Linie möge man sich weiter wie ein überdimensionales Scheunentor denken, dessen Dreh- und Angelpunkt die Rheinmündung sei. Mit dem Einbruch der Hunnen (375) springt dieses Tor nach Süden (sozusagen nach unten) auf und treibt die siedelnden Germanenstämme vor sich her. Die am weitesten östlich siedelnden Stämme (Vandalen, West- und Ostgoten) machen die längsten Schwenk- bzw. Wanderungsbewegungen mit, die Franken ganz im Westen verlagern ihr Siedlungsgebiet dagegen nur vom Niederhein nach Nordgallien.
Die germanische Völkerwanderung
Allgemeines
Die wahrscheinlichen Gründe für die germanische Völkerwanderung sind vielfältig und auch ortsabhängig. Unter anderem sind dies Landnot in Nordosteuropa wegen zunehmender Bevölkerung und ungünstige klimatische Bedingungen. Letzte Klarheit über die Motive lässt sich meist nicht gewinnen. Anfängliche Wanderbewegungen einzelner Stämme (insbesondere der Hunnen) und entsprechender Druck, diesen auszuweichen, führten zu einer Neuverteilung der Stämme in ganz Europa. Dabei muss beachtet werden, dass die "Stämme", "Völker" oder gentes der Migrationszeit keine konstanten Einheiten oder Abstammungsgemeinschaften bildeten: Ein Stamm war am ehesten eine Rechtsgemeinschaft, die in Größe und Zusammensetzung stark fluktuieren konnte.
Der langsame Rückzug des weströmischen Reiches und der damit einhergehende Verlust von Macht- und Verwaltungsstrukturen, sowie zunehmende Inkorporation germanischer Völker als Verbündete gegen Tributzahlungen und als Söldner im römischen Heer, bildete eine weitere Voraussetzung. Eine entscheidende Rolle spielten dabei weniger die "Barbaren" im regulären römischen Heer als vielmehr die germanischen foederati, die sich vom Kaiser immer schlechter kontrollieren ließen und schließlich faktisch unabhängige Reiche auf Reichsboden errichteten. Man spricht inzwischen eher von einer Transformation der römischen Welt als von einer regelrechten Eroberung. Die vielleicht wichtigste Leistung der römischen Staatlichkeit war das Entstehen der so genannten Regna auf dem Boden des Imperiums (Goten in Italien und Spanien, Vandalen in Nordafrika, Franken in Gallien), die ganz wesentlich für das Werden Europas im Mittelalter wurden. Ohne das Vorbild des spätantiken Römerreiches wären diese Reiche undenkbar gewesen.
Wichtig in der neueren Forschung ist die Kategorie der Ethnogenese. Die Entstehung von Völkern, von ethnischen Identitäten wird nicht mehr als biologische Kategorie, sondern als historischer Prozess verstanden. Insgesamt kann man sagen, dass sich die Auflösung des weströmischen Reiches und die Errichtung der germanischen Nachfolgestaaten im 5. und 6. Jahrhundert nicht so leicht erklären lässt, wie es früher angenommen wurde. Ob die Germanen für den Untergang Westroms verantwortlich waren, wird seit langem diskutiert, gilt heute aber als eher unwahrscheinlich .
Die wesentlichen Völkerwanderungszüge bis zum Einfall der Hunnen
Die Goten sollen der historischen Überlieferung nach ursprünglich aus Skandinavien stammen, was in der modernen Forschung jedoch höchst umstritten ist; nach der Zeitenwende siedelten sie sich im Gebiet der Weichsel (heute Polen) an und wanderten im 2. Jahrhundert Richtung Schwarzes Meer und verursachten damit die erste größere Wanderbewegung: sie verdrängten die Vandalen und Markomannen nach Süden und die Burgunder nach Westen. Diese Bevölkerungsverschiebungen waren mit ein Auslöser für die Markomannenkriege. Etwa um 290 teilen sich die Goten in Terwingen/Visigoten (die jedoch nicht einfach identisch sind mit den späteren Westgoten, da auch andere Gruppen an der Ethnogenese beteiligt waren) und Greutungen/Ostrogoten (hier gilt für die Ostgoten dasselbe wie im eben genannten Fall). Die „Ostgoten“ siedelten sich im Schwarzmeerraum der heutigen Ukraine an. Die „Westgoten“ ließen sich vorerst auf der Balkanhalbinsel nieder, im Raum nördlich der Donau im heutigen Siebenbürgen.
Etwa zur gleichen Zeit wie die Goten wanderten die Langobarden von der Unterelbe nach Mähren (heute Tschechien) und Pannonien (heute östl. Österreich).
In dieser Zeit kam es nur zu kleineren Einfällen in römisches Herrschaftsgebiet, die entweder zurückgeschlagen wurden oder mit kleineren Grenzkorrekturen endeten. Viele Stämme wurden auch als Bundesgenossen gezielt an den Grenzen des römischen Reiches angesiedelt und bildeten Puffer zu feindlicher gesinnten Stämmen (siehe auch Föderaten).
Vom Einfall der Hunnen bis zur Eroberung Roms 410
Nach der Mitte des 4. Jahrhunderts drangen die Hunnen aus den zentralasiatischen Steppen nach Südrussland vor und verursachten damit wellenartige Fluchtbewegungen mehrerer germanischer und sarmatischer Stämme nach Süd- und Westeuropa. 375 besiegten die Hunnen die Ostrogoten und verdrängten die Terwingen aus ihrem Siedlungsland im heutigen Rumänien. Dieses Ereignis kennzeichnet traditionell den Beginn der Völkerwanderungszeit im engeren Sinne.
Die meisten der geschlagenen Ostrogoten (die später zu den Ostgoten wurden) gerieten so unter hunnische Herrschaft, während die Terwingen (aus denen später die Westgoten wurden) über die Donau ins Römische Reich flüchteten. Große Teile der Donaugoten flüchteten ins Römische Reich und wurden von Kaiser Valens in Thrakien angesiedelt; bald jedoch kam es aufgrund mangelhafter Versorgung zur Revolte der Neuangesiedelten. Sie schlugen 378 Valens in der Schlacht von Adrianopel, wurden aber 382 durch Kaiser Theodosius I. auf römischen Boden angesiedelt, obgleich weiterhin Spannungen bestehen bleiben. Unter Alarich I. zogen sie denn auch über den Balkan, Peloponnes und zu Beginn des 5. Jahrhunderts nach Italien. 410 eroberten die Westgoten Rom, was zu einer Endzeitstimmung unter den Römern führte. Die sich nun endgültig formierenden Westgoten wanderten weiter in den Südwesten Galliens, wo sie von den Römern 418 angesiedelt werden und das so genannte Tolosanische Reich bei Toulouse errichteten. 507 wurden sie von den Franken, die bereits 486 unter Chlodwig I. die Reste der römischen Herrschaft in Gallien beseitigt hatten und langsam, aber sicher die Kontrolle über ganz Gallien erlangten, besiegt und auf die iberische Halbinsel abgedrängt. 711 brach das Westgotenreich durch den Sieg der Araber zusammen (siehe Islamische Expansion).
Bis zum Einfall der Hunnen kam es zu keinen größeren Bevölkerungsverschiebungen. Das römische Reich zog sich im Laufe der Jahrzehnte immer weiter zurück und hatte zunehmend mit innenpolitischen Problemen zu kämpfen (siehe Geschichte der Spätantike), bis es im Jahr 395 n.Chr., nach dem Tod Kaiser Theodosius' I., in das west- und oströmische Reich geteilt wurde. Derartige Teilungen hatte es bereits vorher gegeben, wobei es sich im Grunde immer nur um verwaltungstechnische Teilungen gehandelt hatte und diese von den Zeitgenossen auch nicht als wirkliche Reichsteilung verstanden worden waren. Die Teilung von 395 sollte jedoch schließlich auch zu einer faktischen werden; beide Reichsteile gingen mehr und mehr eigene Wege.
Vandalensturm, Attila und das Ende der Völkerwanderung
Die Goten hatten die Vandalen ursprünglich in das Gebiet zwischen Weichsel und Oder abgedrängt. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts zogen sie nach Gallien (Rheinübergang zum Jahreswechsel 406/07) und erreichten um 409 die Iberische Halbinsel. Von den Westgoten bedrängt, führte sie ihr Weg in die reiche römische Provinz Africa. 439 eroberten sie unter König Geiserich Karthago und begründeten damit das Vandalenreich, welches sich zu einer Seemacht entwickelte - als einziges der germanischen Reiche. Von Nordafrika (Tunesien) aus zogen sie nach Italien und plünderten 455 Rom, später Korsika und Sardinien. Erst 534 zerschlug der oströmische Feldherr Belisar das Vandalenreich.
Das Hunnenreich erlitt mehrere Rückschläge: Der römische Heermeister Flavius Aetius, der zunächst mit den Hunnen zusammengearbeitet hatte, konnte 451 zusammen mit den Westgoten ein hunnisches Heer unter Attila in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern zurückschlagen. Das Hunnenreich zerfiel denn auch nach dem Tod Attilas. Die Ostgoten, die aus Teilen der Greutungen und anderer Völker entstanden und bis dahin unter hunnischer Herrschaft gestanden hatten, zogen auf den Balkan, wo sie als Foederati Ostroms angesiedelt wurden. Theoderich der Große führte seine Ostgoten 489 im Auftrag des oströmischen Kaisers Zenon nach Italien und tötete Odoaker, der nach der Absetzung des Romulus Augustulus im Jahre 476 dort als lokaler Machthaber amtiert hatte. Theoderich regierte zwar formal im Auftrag des Kaisers in Konstantinopel, in Wirklichkeit jedoch war er so gut wie sein eigener Herr, wagte es aber niemals sich den Kaisertitel Westroms anzueignen. Doch ab 535 eroberte Belisar im Auftrag Justinians das Ostgotenreich, welches nach langen Kämpfen (entscheidend war zuletzt der Sieg des oströmischen Feldherrn Narses in der Schlacht von Busta Gallorum 552) unterging.
Für die germanischen Völkerwanderungszüge ins Imperium Romanum galt, dass sie versuchten, gesichertes Siedlungsland von der römischen Regierung zu gewinnen, um so eine gesicherte Lebensgrundlage zu erlangen. Ihr Ziel war also keineswegs die Zerstörung der bestehenden kulturellen Ordnung, sondern eine Teilhabe daran. Dies wird deutlich bei der Kooperation der germanischen Neuankömmlinge mit der römischen Oberschicht (beispielsweise 418 in Aquitanien bei der Ansiedlung der Westgoten). Ohne diese Kooperation hätten sich die germanischen Gruppen, die den Romanen zahlenmäßig weit unterlegen waren, nicht durchsetzen können.
Schlacht von Busta Gallorum
486 beseitigten die Franken unter König Chlodwig, von ihrer Machtbasis am Niederrhein ausgehend, die Reste des römischen Herrschaftsraumes in Gallien, der sich nach dem Ende des weströmischen Reiches im Jahre 476 dort noch gehalten hatte. In den Jahren bis 534 besiegten sie die Alamannen, Westgoten (die nach Spanien verdrängt wurden) und Burgunder und hatten somit ein, allerdings nicht zentralisiertes, Großreich geschaffen, welches sich als das langlebigste der in der Völkerwanderungszeit entstandenen Reiche erweisen sollte.
Wohl schon ab dem 4. Jahrhundert drangen - wenn auch nur in kleinen Gruppen - die Friesen, Angeln und Sachsen aus Norddeutschland und dem heutigen Dänemark in Britannien ein und besetzten weite Teile des Landes, wo die römische Verwaltungsordnung bereits zu Beginn des 5. Jahrhunderts mit dem Abzug der letzten Garnisonstruppen zusammengebrochen war. Bald darauf erlosch die römische Kultur in Britannien und die Germanen nahmen weite Teile des Landes in Besitz, wobei es jedoch bald darauf zu Kämpfen zwischen den Neuankömmlingen kam. Die einheimischen Kelten wanderten in die Randgebiete Britanniens aus, Teile sogar nach Aremorica (daher auch der Name Bretagne).
568 fielen die Langobarden von Pannonien aus unter König Alboin in Norditalien ein und errichteten das - nur sehr locker aufgebaute - Langobardenreich, das bis zur Eroberung durch Karl den Großen bestand. Dieser Zug, dem vielleicht ein gescheiterter Versuch Ostroms voranging, die Langobarden in Norditalien als Foederaten anzusiedeln, markiert in der Forschung das Ende der Völkerwanderungszeit. Die kaiserlichen Truppen konnten allerdings etwa die Hälfte der Halbinsel (darunter Ravenna und Rom) halten. Etwa um diese Zeit lassen sich auch die Baiern erstmals nachweisen, und wenig später drangen die Slawen in viele einstmals germanische Gebiete sowie in den römischen Balkan vor, wo sie sich niederließen.
Erst die neu entstandenen Staatswesen der Franken, Langobarden und Angelsachsen hatten Bestand und stabilisierten die Verhältnisse wieder. Die Frage, inwiefern die Germanen Schuld am Untergang des Imperiums haben, ist in der Forschung allerdings bis heute sehr umstritten. Auf jeden Fall hatten sie an der Metamorphose der antiken Mittelmeerwelt ihren Anteil (siehe Spätantike).
Literatur
- Patrick J. Geary: Europäische Völker im frühen Mittelalter. Zur Legende vom Werden der Nationen, Frankfurt am Main 2002. (Anm.: Fischer-Taschenbuch; kritische Sicht auf die gängige Betrachtung der FMA Volksgruppen als homogene Gebilde, stattdessen Darstellung der Vorgänge als komplexe Interaktion heterogener Gruppen und Faktoren), ISBN 3-596-60111-8.
- Walter Goffart: Barbarians and Romans AD 418-584. The Techniques of Accomodation, Princeton 1980 (Anm.: Ein sehr einflussreiches Buch, das neue, wenn auch nicht unumstrittene, Erklärungsmuster für die Entstehung der Germanenreiche bietet.), ISBN 0-691-10231-7.
- Peter J. Heather: The Fall of the Roman Empire: A New History, London 2005.
- Stefan Krautschick: Zur Entstehung eines Datums. 375 – Beginn der Völkerwanderung, in: Klio 82 (2000), 217-222.
- Magdalena Maczyńska: Die Völkerwanderung. Geschichte einer ruhelosen Epoche im 4. und 5. Jahrhundert, Düsseldorf u.a. 1998, ISBN 3-491-96127-0.
- Jochen Martin: Spätantike und Völkerwanderung. München 2001, ISBN 3-486-49684-0. (Anm.: 4. Band in der OGG-Reihe mit Darstellung, Forschungstendenzen und Bibliographien zu Quellen und Literatur, Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Arbeit.)
- Walter Pohl: Die Völkerwanderung. 2. erw. Aufl., Stuttgart u.a. 2005, ISBN 3-17-018940-9. (Anm.: Wissenschaftlich fundierte Einführung aus der Kohlhammer Reihe.)
- Klaus Rosen: Die Völkerwanderung. München 2002, ISBN 3-406-47980-4. (Anm.: Knappe, aber gut lesbare Überblicksdarstellung aus der verlässlichen Beck-Wissen-Reihe mit annotierter Kurzbibliographie.)
- Leslie Webster/Michelle Brown (Hgg.): The Transformation of The Roman World. AD 400-900, London 1997, ISBN 0-7141-0585-6.
- Herwig Wolfram: Das Reich und die Germanen, Berlin 1990, ISBN 3-88680-168-3.
Weblinks
- [http://www.archaeologie-online.de/links/154/167/ Weblinks zur Völkerwanderungszeit] bei http://www.archaeologie-online.de.
- [http://www.novaesium.de/artikel/voelkerwanderung.htm Völkerwanderung: Die Germanen dringen ins römische Imperium] von Gerhard Wirth, in: Die Weltgeschichte, Bd. 2: Antike Welten (bis 600 n. Chr.), hrsg. v. d. Brockhaus-Redaktion (1997)
- [http://www.mittelalter-genealogie.de/_voelkerwanderung/ Umfangreiche Materialsammlung bei Mittelalter-Genealogie.de]
-
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/5/0,1872,2006981,00.html ZDF.de - Völkerwanderung - Sturm über Europa].
Siehe auch: Spätantike, Ethnogenese, Migration, Hinweise auf Völkerwanderungen durch Vorkommen des Helicobacter pylori beim Menschen, Immobilisten
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VerkleinerungsformDas Diminutiv, (auch Deminutiv, Diminutivum oder der Diminuitiv – von lat.: deminuere: „verringern, vermindern“) ist die Verkleinerungsform eines Substantivs und dient heute meistens dessen Verniedlichung, aber auch zur Bildung von Kosenamen oder zur Kontrastbildung („Das ist kein Haus, das ist ein Häuschen!“).
Kennzeichen und Herkunft
Das Diminutiv ist eine grammatikalische Verkleinerungsform. Sie wird in der Regel durch ein angehängtes Wortteil, ein Suffix gebildet. Die Häufigkeit des Gebrauchs von Diminutiven ist von Sprache zu Sprache und von Dialekt zu Dialekt unterschiedlich.
Im Deutschen wie auch in anderen Sprachfamilien ist das Diminutiv gekennzeichnet durch die Endsilben -chen und (seltener) -lein. Die Endsilbe -chen ist aus mitteldeutschen Dialekten entnommen, während sich -lein vom mittelhochdeutschen -lin herleiten lässt und in den oberdeutschen Diminutivsuffixen -la, -le, -li, -l, -erl eine Entsprechung findet.
Laut Nelson Cartagena und Hans-Martin Gauger sind solche Diminutiva als ein Kennzeichen der gesprochenen Sprache anzusehen und insbesondere bei niederen sozialen Schichten anzutreffen.
In der deutschen Sprache gibt es bei Vornamen auch eine Diminutivendung auf „i“ (Hansi, Berti, Karli) – siehe auch Abschnitt „Koseformen bei Vornamen“ weiter unten. Die Endung „-i“ wird auch zur Bildung von Spitznamen aus Familiennamen verwendet.
Regeln
Die Bildung des Diminutivs ist im Deutschen oft mit einer Änderung des Vokals der Stammsilbe zum entsprechenden Umlaut verbunden (zum Beispiel Sack und Säckchen) oder gar mit einer zusätzlichen Entfernung des letzten Vokals (zum Beispiel Schraube und Schräubchen).
Merkspruch: -chen und -lein machen ein Wort klein.
Der Artikel
Jedes Diminutiv ist sächlich und besitzt somit den bestimmten Artikel „das“. Dies ist beispielsweise auch der Grund, warum es „das Mädchen“ heißt und nicht „die“, obwohl Mädchen eigentlich weiblich sind. Doch der Artikel bezieht sich hier auf die grammatische Kategorie des Diminutiv und nicht auf das natürliche Geschlecht des bezeichneten Gegenstands bzw. der bezeichneten Person.
Beispiele
- Das Diminutiv von Baum ist Bäumchen
- Das Diminutiv von Hans ist Hänschen
- Das Diminutiv von Mann ist Männlein
- Das Diminutiv von Rippe ist Rippchen
Verwendung
Besonders häufig ist die Benutzung von Diminutiven im Ostfränkischen, in den alemannischen Dialekten (Schwäbisch, Badisch, den schweizerischen Dialekten) sowie im ostfriesischen Plattdeutsch. Etwas weniger ausgeprägt erfolgt sie in der niederländischen Sprache, im Mecklenburger Plattdeutsch und in der lateinischen Sprache.
Auffallend selten werden Diminutive im nordniedersächsischen, speziell im Hamburger Platt verwendet. Dort wird der Verkleinerungsumstand in der Regel durch ein vorangestelltes Adjektiv ausgedrückt (de lütte Deern). Dies korrespondiert mit dem weitestgehenden Fehlen von Diminutiven im angelsächsischen und vor allem skandinavischen Sprachraum.
Diminutive haben häufig eine verniedlichende Funktion, was auch sehr gut satirisch genutzt werden kann.
Beispiele
Hochdeutsch
- -chen, zum Beispiel Hündchen für kleiner Hund, verwandt mit dem niederdeutschen -ke und -(t)je
- -lein, zum Beispiel Äuglein für kleines Auge, verwandt mit dem lateinischen -ulus/ula und den oberdeutschen Formen -le, -la, -li, -l
niederdeutsche Dialekte
- auf Danzigerdeutsch spricht man die Umlaute als echte Vokale.
- Hundchen statt Hündchen und Handchen statt Händchen.
oberdeutsche Dialekte
- Badisch
- -el, zum Beispiel Kätzel für kleine Katze
- Schwäbisch
- -le, zum Beispiel Kätzle für kleine Katze
- Schweizerdeutsch
- -li, zum Beispiel Chätzli für kleine Katze
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