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Gundremmingen
Gundremmingen ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Günzburg, Bayern, mit rund 1.500 Einwohnern. Sie ist Teil der Verwaltungsgemeinschaft Offingen. Das Dorf Gundremmingen liegt 458 m über dem Meeresspiegel im Donauried nahe der Einmündung der Mindel (rechter Nebenfluss) in die Donau.
Historisches
Der Ort ist durch eine germanische Sippe gegründet worden, deren Anführer wohl "Guntram" war. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich im Codex Eberhardi aus dem 12. Jahrhundert. Um etwa 800 n. Chr. hat danach "Hiltwin" dem Kloster Fulda Liegenschaften zu "Guntramingen" mit sechs Unfreien übereignet.
Auf dem Gebiet der Gemeinde sind Reste eines römischen Kastells nachgewiesen. Es wurde südlich der Donau zur Grenzsicherung errichtet, nachdem es den Alemannen 213, 233 und 259/260 n. Chr. gelungen war, die jenseitige römische Nordgrenze (siehe auch Limes) zu überrennen.
Das Dorf war über Jahrhunderte hinweg bäuerlich geprägt. Im Bauernkrieg 1525 schlossen sich mehrere Bewohner dem Leipheimer Haufen an.
Gundremmingen gehörte zum Hochstift Augsburg und fiel mit dem Reichsdeputationshauptschluss ab 1803 an Bayern.
Am 1. April 1822 gründete Ignaz Lindl, vormaliger Pfarrer der Gemeinde Gundremmingen, die Kolonie Sarata in Bessarabien. Von den 70 Gründungsfamilien waren ein guter Teil aus Gundremmingen ausgewandert.
Kernkraftwerk
Durch den Bau des Kernkraftwerks Gundremmingen, des damals gemessen an der Leistung „größten europäischen“ Kernkraftwerks, änderte sich die Struktur des Ortes. Nach vierjähriger Bauzeit wurde am 12. November 1966 Strom in das Verbundnetz gespeist.
Block A war bis zum Störfall 1977 in Betrieb, bei dem der Reaktor großflächig radioaktiv verseucht wurde. Es war in Deutschland der erste und bisher einzige Großunfall eines Atomkraftwerks mit Totalschaden. Dieser Block A wird seit 1983 demontiert. Die Demontage soll in 2005 abgeschlossen werden. Bisher ist allerdings noch kein einziges Kilogramm des erst im Reaktor durch die Spaltung der Urankerne erzeugten hochradioaktiven Brennstabmülls entsorgt. Dieser Müll muß wegen seiner tödlichen Strahlung etwa 1 Million Jahre aus der Biosphäre isoliert werden.
Im Jahr 1976 wurde, auch als Folge der zuvor erlebten Ölkrise, mit dem Bau der beiden 1.344 Megawatt-Blöcken B und C begonnen. Sie liefern seit 1984 Strom ins Netz. Gemessen am Stromverbrauch in Bayern reicht die gegenwärtige Leistung aus, um etwa 30 Prozent dieses Bedarfs zu decken. Die beiden Reaktoren sind zusammen das größte Kraftwerk Deutschlands. Sie gehören zu 75 Prozent der in Essen ansässigen RWE und zu 25 Prozent E.ON.
Sehr umstritten sind nach wie vor auch Bau und insbesondere Betrieb eines Zwischenlagers für abgebrannte Brennelemente. Das Abstellen von 192 Castoren soll nach dem Antrag von RWE und E.ON in dem Lager erlaubt werden. Jeder einzelne Castor würde soviel mittel- und langdauernde Radioaktivität enthalten, wie vergleichsweise in Tschernobyl insgesamt freigesetzt wurde. Im August 2004 begann der Bau dieses größten Atommüll-Zwischenlagers in Deutschland. Mehrere Klagen gegen die atomrechtliche Genehmigung sind beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) in München eingereicht. Mit einem Urteil wird erst in 2006 gerechnet.
Weblinks
- [http://www.gundremmingen.de Gemeinde Gundremmingen]
- [http://www.kkwgun.de AKW Gundremmingen]
-
- [http://home.arcor.de/andorama/LindlGerman.htm Die Lindlianer]
Kategorie:Ort in Bayern
Kategorie:Günzburg
Landkreis Günzburg
Der Landkreis Günzburg ist ein Landkreis im Regierungsbezirk Schwaben in Bayern. Nachbarkreise sind im Norden der Landkreis Dillingen a.d.Donau, im Osten der Landkreis Augsburg, im Süden der Landkreis Unterallgäu, im Westen der Landkreis Neu-Ulm und im Nordwesten die baden-württembergischen Landkreise Alb-Donau-Kreis und Heidenheim.
Geografie
Die Donau trennt den kleinen Riedbereich im Norden mit den Ortsschaften Riedhausen und Riedheim von der südlich gelegenen Iller-Lech-Schotterplatte, auf der die übrigen Ortschaften und Gemeinden des Kreisgebietes liegen.
Geschichte
Der Landkreis entstand 1972 durch Zusammenschluss des Altkreises Günzburg, des Altkreises Krumbach und der kreisfreien Stadt Günzburg.
Politik
Hubert Hafner (CSU) ist seit 1996 Landrat. Er wurde Nachfolger von Georg Simnachner (CSU), der von 1967 bis 1996 Landrat und von 1974 bis 2003 Bezirkstagspräsident in Schwaben war.
Städte und Gemeinden
(Fläche in km² am 31. Dezember 2001, Einwohnerzahlen vom 30. Juni 2005)
¹ Mitglied einer Verwaltungsgemeinschaft
Weblinks
- [http://www.landkreis-guenzburg.de/ Offizielle Website des Landkreises Günzburg]
Guenzburg
!
Verwaltungsgemeinschaft Offingen
Die Verwaltungsgemeinschaft Offingen liegt im schwäbischen Landkreis Günzburg und wird von folgenden Gemeinden gebildet:
- Gundremmingen, 1.500 Einwohner, 10,84 km²
- Offingen, Markt, 4.107 Einwohner, 14,93 km²
- Rettenbach, 1.609 Einwohner, 12,75 km²
Sitz der Verwaltungsgemeinschaft ist Offingen.
Offingen, Verwaltungsgemeinschaft
Offingen
DonauriedDas Donauried ist eine Flusslandschaft im westlichen Bayern zwischen Neu-Ulm und Donauwörth. Auwald prägt das Bild von Ulm bis Lauingen. Ferner sind der Stausee bei Faimingen, die Moose bei Leipheim und Gundelfingen sowie die Gundelfinger Parklandschaft in diesem Feuchtgebiet der Donau mit internationaler Bedeutung gemäß der Ramsar-Konvention beachtlich.
Vögel, Amphibien, Libellen, Heuschrecken und Tagfalter finden in den Niedermooren Lebensräume. Einige im Donauried heimische Pflanzenarten stehen als "gefährdet" auf der Roten Liste. Mehrere Naturschutzgebiete sollen den Artenreichtum bewahren.
Die ehemals moorige Ebene ist zwar relativ gering besiedelt, wird jedoch um so intensiver vom Menschen genutzt. Dies begann mit der Flussbegradigung zwischen 1806 und 1867 ("Donaukorrektur"). Ziel war dabei das Gewinnen von Grünland für die Landwirtschaft. Mit Hochwasserdeichen wurde später für Überschwemmungen vorgesorgt. Zwischen 1961 und 1984 entstanden Staustufen zu Wasserkraftwerken.
Das Donauried verfügt über wertvolle Kiesvorkommen höchster Qualität. Durch den Kiesabbau sind etwa 700 Baggerseen in der Region anzutreffen, welche im Sommer Badegäste auch aus weiter angrenzenden Gebieten anlocken.
Durch die schnelle Ableitung des Grund- und Oberflächenwassers in die Donau und deren Eintiefung im Flussbett droht der Grundwasserpegel weiter zu sinken. Dies kommt einerseits ökonomischer Flächennutzung entgegen. Dem steht andererseits jedoch die Bedrohung der Naturlandschaft und der Artenvielfalt im Donauried gegenüber.
Die Landeswasserversorgung Baden-Württemberg bezieht Teile ihres Trinkwassers aus dem Grundwasser des Donaurieds.
Weblinks
- [http://www.bayern.de/lfu/natur/landschaftsentwicklung/donauried/start.htm Gesamtökologisches Gutachten Donauried]
- [http://www.lw-online.de/ Landeswasserversorgung Baden-Württemberg]
Kategorie:Region in Bayern
MindelDie Mindel ist ein rechter Nebenfluss der Donau. Der 75 km lange Fluss entspringt bei Ronsberg, westlich von Kaufbeuren und fließt bei Gundremmingen in die Donau.
Sie hat ein Einzugsgebiet von 953 km², einen Mittelwasserabfluss von 10 m³/s und einen mittleren Hochwasserabfluss von 65 m³/s. 1991 wurden 111 m³/s gemessen. Allein im Bereich des Landkreises Günzburg wird mit 30 Wasserkraftwerken Energie erzeugt.
Im April 2003 wurde der Mindeltal-Radweg eingeweiht.
Eine der Eiszeiten, nämlich die Mindelkaltzeit, ist nach diesem Fluss benannt.
Orte an der Mindel
- Mindelheim
- Thannhausen
- Jettingen-Scheppach
- Burgau
- Offingen
Kategorie:Fluss in Deutschland
Kategorie:Fluss in Bayern
Kategorie:Nebenfluss der Donau
DonauDie Donau (lateinischen Danubius) ist mit 2.845 Kilometern ab dem Zusammenfluss von Brigach, Breg und der Donauquelle in Donaueschingen beziehungsweise 2.888 Kilometern ab der Breg-Quelle am Rande des Schwarzwaldes der längste Fluss der EU und nach der Wolga der zweitlängste Strom in Europa. Nach Deutschland und Österreich durchfließt der Fluss noch acht weitere europäische Staaten und mündet im ausgedehnten Donaudelta in das Schwarze Meer.
Schwarze Meer
Schwarze Meer
Schwarze Meer
Etymologie
Der rumänische Name der Donau lautet Dunărea, auf Bulgarisch, Serbisch und Kroatisch heißt sie Dunav, auf Ungarisch Duna, auf Slowakisch Dunaj und auf Englisch und Französisch Danube. Alle diese Namen stammen vom lateinischen Danubius ab, dem Namen eines römischen Flussgottes. Die Endung au entstammt dem germanischen ouwe (Aue, Fluss), der deutsche Name gilt seit 1763. In früheren Urkunden wird die Donau „Tonach“ genannt, später auch „Donaw“.
Daneben gab es vor allem für die untere Donau die Bezeichnung lateinisch Hister, Ister von griechisch ?στρος (Ístros), dieser Name wird bei Hesiod als Sohn des Okeanos und der Thetys bezeichnet (Theogonie 339), wird jedoch auch auf die keltischen Worte ys (schnell, reißend) und ura (Wasser, Fluss) zurückgeführt. Nach einer anderen Interpretation steht allerdings ys gleichzeitig für hoch und tief und bezeichnet damit die Vertikale. Im Bereich des früheren keltischen Siedlungsgebietes leiten sich, neben den alten Namen der Donau, eine Reihe von weiteren Namen für andere Flüsse von diesem Wort ab:
- Iser (Tschechien)
- Isère (Frankreich)
- Isel (Österreich)
- IJssel (Niederlande)
- Isarco (Italien)
- Isar (Deutschland)
Hans Bahlow, der Autor des Werks Deutschlands geographische Namenswelt, geht davon aus, dass sich der Name von es, as oder os (Sumpfwasser) ableiten lässt. Dieses ergebe sich auch daraus, dass die Isère in Frankreich ein eher sumpfiger Fluss sei, wie es auch die Isar früher unterhalb von München gewesen sei. Eine weitere Interpretation bezieht sich auf eine hypothetische indogermanische Wurzel es oder is und leitet daraus eine generische Bezeichnung für „(fließendes) Wasser“ ab.
Geschichte
indogermanische
Im siebten Jahrhundert vor Christus segelten die Griechen, die vom Schwarzen Meer her über die Stadt Tomis, das heutige Constanţa, kamen, flussaufwärts. Ihre Erkundungsreise endete am Eisernen Tor, einer felsigen Kataraktenstrecke voller Untiefen, deren gefährlicher Verlauf den griechischen Schiffen die Weiterreise über die Linie Südkarpaten und Serbisches Erzgebirge, an der heutigen Grenze von Rumänien zu Serbien, unmöglich machte.
Unter den Römern bildete die Donau fast von der Quelle bis zur Mündung die Grenze zu den heidnischen Völkern im Norden und war zugleich Route für den Truppentransport sowie für die Versorgung der stromabwärts gelegenen Siedlungen. Von 37 an bis zur Regierungszeit Kaiser Valentinians I. (364-375) war der Donaulimes mit gelegentlichen Unterbrechungen, etwa dem Fall des Donaulimes 259, die nordöstliche Grenze des Reiches. Die Überschreitung der Donau nach Dakien hinein gelang dem Imperium Romanum erst in zwei Schlachten 102 und 106 nach dem Bau einer Brücke 101 bei der Garnisonsstadt Drobeta am Eisernen Tor. Dieser Sieg über die Daker unter Decebalus ließ die Provinz Dacia entstehen, die jedoch 271 wieder verloren ging.
Im neunten Jahrhundert war die Donau Wanderweg für das asiatische Hirtenvolk der Magyaren, die donauaufwärts über die Zwischenstation des Chasarenreichs bis in das heutige Ungarn vordrangen und dort gemeinsam mit der slawischen Vorbevölkerung in den kommenden 150 bis 200 Jahren unter Stephan I. die heutige ungarische Nation begründeten.
Auch die bereits zwischen 1096 und 1099 beim ersten Kreuzzug vom Heer Gottfried von Bouillons genutzte Route Charlemagne zog sich von Regensburg bis Belgrad die Donau entlang. Rund 340 Jahre später verkehrte sich die Richtung, denn für das türkische Heer war die Donau auf ihrem Feldzug durch Südosteuropa die zentrale Route für den Transport von Truppen und Nachschub. Der Fluss ermöglichte es ihnen, rasch vorzurücken, bereits 1440 führten sie 2000 Kilometer hinter der Mündung die ersten Schlachten um Belgrad. Dessen Eroberung gelang allerdings erst 1521, schon wenige Jahre später, 1526, zerschlug das osmanische Heer jedoch in der ersten Schlacht bei Mohács (1526) das ungarische Königreich. Da König Ludwig II. dabei zu Tode kam, fiel Ungarn an das habsburgische Österreich, dieser Moment gilt als der Keim der Donaumonarchie.
1529 erreichten die Türken mit Wien das Zentrum Mitteleuropas, wurden dort aber geschlagen. So war die Expansion der Osmanen entlang der Donau gestoppt und ab der Schlacht bei Mohács (1687) verloren sie allmählich wieder Land und Macht. Das allmähliche Zurückdrängen der Türken ging im wesentlichen auf die Initiative Österreich-Ungarns zurück, das daran erstarkte, zumal es gleichzeitig aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verdrängt wurde. Neben den Österreichern sollte das Osmanische Reich jedoch weiterhin bis zum endgültigen Verlust seiner Balkangebiete durch die russisch-türkischen Kriege (1768–1774) und die Balkankriege 1912/13 der bedeutendste politische Faktor Südosteuropas bleiben. Die Donau war dabei nicht nur militärische und kommerzielle Hauptschlagader, sondern auch politische, kulturelle und religiöse Grenze zwischen Morgen- und Abendland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946 eine neue Regelung in Angriff genommen, die das Pariser Abkommen von 1921 ablösen sollte. Zur Belgrader Konferenz, die 1948 abgehalten wurde, waren alle Anrainerstaaten außer den Kriegsstaaten Deutschland und Österreich zugelassen. Mit Unterzeichnung des fertigen Übereinkommens wurde zugleich ein Anhang signiert, der Österreich anschließend in die Donaukommission aufnahm. Die Bundesrepublik Deutschland konnte dem Übereinkommen und der Donaukommission als Resultat sowjetischer Vorbehalte gegen eine deutsche Mitbestimmung erst im März 1998 beitreten, fast 50 Jahre nach der Belgrader Konferenz.
Kulturgeschichte
Der zweitgrößte europäische Fluss hat in den Kulturen seiner Anrainerländer und darüber hinaus viele Spuren hinterlassen. Neben zahlreichen Sagen und Legenden haben sich auch Schriftsteller mit ihm auseinandergesetzt, von Ovid, der in der Tristia 3,10 den starken Eindruck besang, den die zugefrorene Donau auf ihn machte, bis zu Claudio Magris und Péter Esterházy, die sich am Ende des 20. Jahrhunderts mit dem Thema beschäftigten. Ihren berühmtesten kulturellen Widerhall fand die Donau jedoch in der Musik, im (ursprünglich mit einem anderen Text komponierten und uraufgeführten) Donauwalzer aus der Feder von Johann Strauß.
Wirtschaftsraum Donau
Wassernutzung
Trinkwasser
Die Donau ist entlang ihres Laufes für rund 10 Millionen Menschen eine bedeutende Trinkwasserquelle. In Baden-Württemberg beliefert der Zweckverband Wasserversorgung den gesamten Raum zwischen Stuttgart, Bad Mergentheim, Aalen und dem Alb-Donau-Kreis mit Trinkwasser, von dem gut 30 Prozent (2004: 30 Millionen Kubikmeter) aufbereitetes Donauwasser sind. Auch Städte wie Ulm oder Passau verwenden großteils noch Donauwasser als Trinkwasser.
Österreich dagegen bezieht zu 99 Prozent sein Trinkwasser aus Grund- und Quellwasser, nur sehr selten, zum Beispiel während Hitzeperioden in Wien, wird Wasser aus der Donau entnommen, um daraus Trinkwasser zu gewinnen. Dasselbe gilt in Ungarn, das zu 91 Prozent Grundwasser verwendet. Auch die anderen Staaten entlang des Mittellaufs verzichten aufgrund der starken Verschmutzung auf die Verwendung von Donauwasser als Trinkwasser. Nur Orte an der Donau in Rumänien, wo der Strom wieder sauberer ist, versorgen sich noch weitgehend mit dem Wasser aus der Donau (Turnu-Severin, Donaudelta).
Wasserkraft
Fünf Anrainerstaaten der Donau beziehen nennenswerte Anteile ihrer Energie aus Wasserkraftwerken an der Donau, nämlich Deutschland, Österreich, die Slowakei, Serbien und Rumänien. Anderen Staaten fehlt zum Bau entweder die partielle territoriale Kontrolle über die Donau für autonome Bauten (Kroatien, Bulgarien und Moldawien verfügen jeweils nur über ein Ufer des Flusses), Wasserkraftwerksbauten sind politisch nicht durchsetzbar wie in Ungarn oder der Lauf der Donau gibt eine solche Verwendung schlicht nicht her, so in der Ukraine.
In Deutschland wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts erste Wasserkraftwerke gebaut, insbesondere in der Region der Oberen Donau, aber auch zum Beispiel bei Ulm. Allerdings erlangte die Donau als Energielieferant niemals die Bedeutung wie weiter flussabwärts, da sie vergleichsweise schwach und energiearm ist.
In Österreich hingegen ist die Situation bereits gänzlich anders, wenn auch der erste Bau eines Donaukraftwerkes erst relativ spät begann, nämlich 1953 bei Ybbs-Persenbeug. Heute hat Österreich in Europa nach Island und Norwegen den höchsten Anteil an Wasserkraft überhaupt, auch im Donauraum ist Österreich führend, insgesamt werden rund 25 Prozent des öffentlichen Energiebedarfs durch die Donaukraftwerke gedeckt. Diese Entwicklung gilt allerdings nicht als durchweg positiv: Die reine Wasserkraft-Monokultur, die sich in Österreich insbesondere an der Donau konzentriert, die von der deutschen Grenze an, mit Ausnahme der Wachau, bis nach Wien mit Laufkraftwerken besetzt ist, verändert den Lauf und die Fließgeschwindigkeit des Gewässers und beeinträchtigt die reguläre Überflutung der ökologisch wertvollen Auwälder. Daneben bilden die Staustufen Barrieren für Fische und andere Lebewesen, die sich nicht mehr frei im Fluss bewegen können.
In der Slowakei ist die Wasserkraft mit gut 16 Prozent Anteil am Energiemix die zweitwichtigste Energiequelle nach der Braunkohle. Der größte Anteil davon, nämlich 11 Prozent der Gesamtproduktion der elektrischen Energie entstammt dem ursprünglich in Kooperation mit Ungarn geplanten Wasserkraftwerk Gabčíkovo-Nagymaros, aus dessen Bau sich Ungarn allerdings später zurückzog und das daraufhin von der Slowakei allein vollendet wurde.
Das bis heute größte Wasserkraftwerk Europas am Eisernen Tor wurde 1972 nach achtjähriger Bauzeit gemeinsam von Jugoslawien (heute Serbien) und Rumänien in Betrieb genommen. Bis heute stellt dadurch die Wasserkraft mit 37,1 Prozent (Serbien) bzw. 27,6 Prozent (Rumänien) eine der bedeutendsten Energiequellen der beiden Länder dar.
Schifffahrt
Energiemix
Energiemix
Die Donau ist erst ab Kelheim, fast 500 Kilometer hinter der Quelle, über eine Gesamtstrecke von 2415 Kilometern bis zur Mündung für die Binnenschifffahrt befahrbar. Mit dem Main-Donau-Kanal, welcher bei Kelheim in die Donau mündet, ist auch eine durchgehende Wasserstraße von der Nordsee über den Rhein, so wie Main bis ins Schwarze Meer gegeben.
Aus der Sicht der Donauschifffahrt wird die Donau in drei Bereiche eingeteilt:
- Obere Donau von Kelheim bis Komárom/Komárno
- Mitteldonau von Komarom/Komarno bis Turnu Severin
- Untere Donau von Turnu Severin bis zur Mündung
Die Donau ist eine der ältesten und bedeutendsten europäischen Handelsrouten. Bereits in frühgeschichtlicher Zeit diente sie als Transportweg für Handelswaren wie zum Beispiel Pelze, die meist noch mit einfachen Flößen den Fluss entlang transportiert wurden. Im Mittelalter wurden Boote, die nach dem langen und damals noch sehr gefährlichen Weg ihren Zielhafen erreicht hatten, häufig demontiert und als Feuerholz verkauft, um den beschwerlichen und langsamen Rückweg zu vermeiden (siehe auch Ulmer Schachteln).
Über die Jahrtausende konnten Boote stromaufwärts nur durch Treideln vorankommen. Dabei wurden die Boote von Menschen oder Zugtieren, später auch Lokomotiven stromaufwärts gezogen. Dies endete im Jahr 1812, als in Wien das erste Donaudampfschiff in Betrieb genommen wurde. Kurze Zeit später, im Jahre 1829, wurde die erste Donaudampfschifffahrtsgesellschaft ins Leben gerufen. Dadurch wurden die Schiffe schneller, zum Beispiel fuhr das erste Dampfschiff „Franz I“ im Jahre 1930 die Talfahrt von Wien nach Budapest in 14 Stunden 15 Minuten. Für die Bergfahrt von Budapest nach Wien benötigte er 48 Stunden 20 Minuten. Im September 1937 fuhr das erste Schiff, die „Maria Anna“ von Wien nach Linz. Eines der letzten Exemplare dieses Schiffstyps ist in Regensburg als Museumsschiff zu besichtigen (http://www.dsmr.de/). Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts war auch die Blüte der Kettenschiffe, die sich an einer zuvor fest in der Fahrrinne des Flusses verlegten Kette mit Dampfmaschinenkraft den Fluss „hinaufzogen“. Solche Ketten wurden zuerst für die Strecke Wien–Pressburg verlegt, 1891 aber auch bei Ybbs und Regensburg.
Ursprünglich war die Donau ein offener Handelsfluss, nutzbar für jedermann. Im Pariser Frieden 1836 wurde dieses Recht auch erstmals kodifiziert. 120 Jahre später, am 18. August 1948, wurde auf der Belgrader Konferenz in der „Konvention über die Regelung der Schifffahrt auf der Donau“ dieses Recht erneut festgeschrieben, das Befahren der Donau ist Schiffen aller Flaggen erlaubt, nur Kriegsschiffen fremder Flagge ist das Befahren der Donau untersagt.
Holzschwemme
Im 18. bzw. 19. Jahrhundert diente die Donau als Transportweg für Holz aus dem Böhmerwald. Holzscheiter wurden vom Böhmerwald aus über den Schwarzenbergschen Schwemmkanal, dann in der Große Mühl und anschließend in der Donau bis nach Wien geschwemmt, wo sie als Brennholz verkauft wurden.
Fischerei
Die Bedeutung der Fischerei, von der an manchen Orten im Mittelalter die ganze Bevölkerung lebte, ist im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts stark zurückgegangen. In Deutschland ist nur noch ein einziger Donaufischer zwischen Straubing und Vilshofen aktiv. In Österreich hingegen wird in bescheidenem Maß noch um Linz und Wien gefischt, von größerer Bedeutung ist jedoch die Fischerei noch immer im Donaudelta.
Vilshofen
Weinbau
In zwei (streng genommen drei) Staaten ist die Donau auch ein Weinanbaugebiet. Das qualitativ hochwertigste ist dabei die Wachau in Österreich, eines der besten mitteleuropäischen Weinbaugebiete überhaupt, dort werden hauptsächlich Grüner Veltliner, Riesling und Chardonnay angebaut.
In Ungarn wird Wein fast überall entlang der Donau zwischen Visegrád und der Südgrenze des Landes kultiviert, die Hauptstadt des ungarischen Weins war Vác. In der sozialistischen Ära verloren die früher berühmten ungarischen Weine stark an Qualität, seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts jedoch erlebt der ungarische Weinbau eine Renaissance.
Das angesprochene dritte Weinbaugebiet liegt in Deutschland bei Bach an der Donau zwischen Regensburg und Straubing und ist eine wirtschaftlich unbedeutende Kuriosität, zugleich aber ein letztes Relikt der bis auf die Römer zurückgehenden, ursprünglich lebendigen Kultur des Baierweins an der deutschen Donau.
Tourismus
Neben vielen berühmten und sehenswerten Einzelzielen entlang der Donau sind zahlreiche Donaulandschaften und Nationalparks von touristischer Bedeutung, so zum Beispiel der Naturpark Obere Donau in Deutschland, die Wachau sowie der Nationalpark Donau-Auen in Österreich, das Eiserne Tor zwischen Serbien und Rumänien und das transnationale Donaudelta.
Insbesondere auf der nicht schiffbaren und daher verkehrsfreien oberen Donau gibt es die Möglichkeit zu Kanu-, Paddel- und Bootstouren, in Deutschland und Österreich ist die Donau darüber hinaus mit langen Radwegen gesäumt, die hervorragend für Radwanderungen geeignet sind.
Auch der Flusskreuzfahrttourismus ist bedeutend, neben der vielbefahrenen Strecke von Wien nach Budapest fahren einzelne Schiffe auch von Passau bis in das Donaudelta und zurück. Zur Hochsaison befahren über 70 Kreuzfahrtschiffe den Fluss.
Die Donau in geowissenschaftlicher Sicht
Passau
Passau
Geographie
Die Donau durchquert bzw. streift folgende 10 Länder (in der Reihenfolge von Quelle zur Mündung): Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und die Ukraine.
(Quelle: Donaukommission, Budapest, Januar 2000-März 2004)
Hydrografie
Die Donau ist der einzige große europäische Fluss, der von Westen nach Osten fließt, erreicht nach 2.888 Kilometern in Rumänien und der Ukraine das Donaudelta und mündet dort ins Schwarze Meer. Im Gegensatz zu anderen Flüssen werden die Kilometer von der Mündung bis zur Quelle hochgezählt, offizieller Nullpunkt ist der Leuchtturm von Sulina am Schwarzen Meer. Die Donau hat einen Einzugsbereich von ca. 817.000 km2.
Die Nebenflüsse, die im Verhältnis am stärksten zur Wassermenge der Donau beitragen sind:
- Die Iller, die an der Mündung durchschnittlich 30 Prozent mehr Wasser aufweist als die Donau selbst an dieser Stelle
- Der Lech, der an der Mündung durchschnittlich 60 Prozent des Wassers der Donau führt
- Die Isar mit 45 Prozent der Wassermenge der Donau
- Der Inn, der 10 Prozent mehr Wasser als die Donau einbringt
- Die Drau mit 40 Prozent der Wassermenge
- Die Save, die 35 Prozent zur Wassermenge beiträgt und zugleich der wasserreichste Nebenfluss ist
Geologie
Save
Obgleich die Oberläufe der Donau heutzutage verhältnismäßig kleiner sind, ist die Donau geologisch viel älter als der Rhein, mit dem ihr Einzugsgebiet im heutigen Süddeutschland konkurriert. Dies führt zu einigen Besonderheiten.
Der Rhein ist der einzige Fluss der Alpen, der nördlich in Richtung zur Nordsee fließt. Dabei nimmt er die nördlich abfließenden Wasser der Europäischen Wasserscheide auf. Diese teilt wie eine unsichtbare Linie Teile von Süddeutschland.
Noch vor der letzten Eiszeit begann der Rhein erst an der südwestlichen Spitze des Schwarzwaldes. Das Wasser der Alpen, das heute in den Rhein fließt, wurde damals in der „Urdonau“ nach Osten getragen, die bis zur Rißeiszeit weiter nördlich im Tal der heutigen Altmühl und des Wellheimer Trockentals entlang der Linie Wellheim–Dollnstein–Eichstätt–Beilngries–Riedenburg floss. Die (heute wasserlosen) Schluchten in der jetzigen Landschaft der Schwäbischen Alb sind Teile des Bettes dieses früheren Flusses, der erheblich größer war als die heutige Donau. Nachdem die Oberrheinische Senke gleichsam abgefressen worden war, änderte der größte Teil des Alpenwassers seine Richtung und speist heute den Rhein.
Oberrheinische Senke
Es fließen bis heute Teile des Donauwassers durch den porösen Kalkstein der Schwäbischen Alb in den tiefer liegenden Rhein. Da diese große Menge unterirdischen Wassers sich zugleich mehr und mehr in den umgebenden Kalkstein frisst, wird angenommen, dass die obere Donau eines Tages völlig zugunsten des Rheins verschwinden wird.
Bei Immendingen kommt es im Flusslauf zur Donauversickerung. Hier versickert ein großer Teil des Donauwassers im Boden und gelangt über unterirdische Höhlen im Karststein zum über 14 Kilometer entfernten Aachtopf, von wo aus das Wasser in den Bodensee und später in den Rhein gelangt. Bei sehr wenig Wasser kann es zeitweise auch zur kompletten Versickerung kommen; die Donau wird dann nur noch von den Flüsschen Krähenbach und Elta gespeist. Da dieses Trockenfallen des Flusses in den letzten Jahrzehnten rapide zugenommen hat, wird ein Teil des Donauwassers durch einen Stollen an der Versickerungsstelle vorbeigeleitet. Der Stollen und das zugehörige Wehr befinden sich hinter dem Ortsausgang von Immendingen, der Stollen selbst führt nach Möhringen. Eine weitere Donauversickerung, die weiteres Wasser unterirdisch zum Aachtopf führt, befindet sich bei Fridingen an der Donau.
Bis kurz hinter Wien hat der Strom eher Gebirgsflusscharakter, erst danach wandelt er sich allmählich zu einem Tieflandfluss. Faktoren wie etwa Schneeschmelzen und starke Niederschläge im Alpenraum begünstigen dabei das rapide Anschwellen des Flusses und die Entstehung von Hochwassern. Durch die zunehmende Regulierung des Flusses und die teilweise Zerstörung von Auen wurde dieser Effekt noch gesteigert und das Ausmaß der Hochwasser nahm im 20. Jahrhundert zu. Die Höchststände der letzten hundert Jahre waren die Hochwasser von 1954, 1988 und 2002.
Lebensraum Donau
Über ihre vielen hundert Kilometer hinweg passiert die Donau viele Landschaften und Klimazonen und verändert so mehrmals ihren Charakter, entsprechend vielfältig ist ihre Flora und Fauna. Trotz zahlreicher, teils schwerer menschlicher Eingriffe, ist die Donau in vielen Abschnitten noch immer außerordentlich artenreich, dazu hat insbesondere beigetragen, dass einige besonders sensible Lebensräume unter Schutz gestellt wurden.
2002
Fauna der Donau
Insgesamt sind über 300 Vogelarten an der Donau beheimatet. Die Donau ist eine der bedeutendsten europäischen Vogelzugstraßen und die an ihr gelegenen noch naturnahen Gebiete bilden oftmals wichtige Areale für Überwinterung, Brut und Rast, darunter auch für seltene Arten wie Uhu, Eisvogel, Seeadler, Schwarzstorch, Schwarzmilan und Steppenfalke. Herausragend sind dabei die Schutzgebiete Donauauen und Kopački rit, vor allem aber das Donaudelta.
So sind die Donauauen der Schnittpunkt des Gebietes Neusiedlersee, Donauraum und March und beherbergen vor allem im Winter sowohl große Mengen an Tieren wie Gänse, Seeschwalben, Gänsesäger, Schellenten, Limikolen, Stockenten, aber auch viele eher seltene Arten wie Schelladler, Fischadler oder Singschwäne.
Auch Kopački rit, ein noch unberührtes Sumpfgebiet an der Draumündung in die Donau im Nordosten Kroatiens ist ein wichtiges Überwinterungsgebiet; über 260 Vogelarten nisten hier, darunter auch so seltene wie der Seeadler. Zahllose weitere Arten nutzen es als Rast- und Überwinterungsgebiet.
Am wichtigsten für die Vogelwelt an der Donau ist das Donaudelta, ein zentraler Punkt der europäischen Vogelzugstraße und zugleich Übergangszone von europäischer und asiatischer Fauna. Weit über 300 Vogelarten rasten, überwintern oder brüten hier, darunter zum Beispiel Pelikane, Reiher, Löffler, Greifvögel oder auch die seltene Rothalsgans.
Typische Donaufische sind Barbe, Nase, Blaunase, Aitel, Hasel, Brachse, Karpfen, Güster, Hecht, Zander, Barsch, Aal, Schied, Huchen, Sterlet und Welse, sowie Bitterling, Gründling, Schleimpeitzger, Schrätzer, Zingel und Streber, wobei die Störartigen anders als früher durch den Bau der Staustufe am Eisernen Tor nicht mehr bis Wien gelangen können. Einige Arten sind gar in der Donau bzw. ihren Nebenflüssen endemisch, so zum Beispiel das Donaubachneunauge. Begünstigt durch verstärkten Landschaftsschutz und Renaturierungen von Donaueinzugsgebieten konnten seltenere Fischarten vor allem in Deutschland und Österreich wieder etabliert werden. So wurde der eigentlich seit 1975 ausgestorben geglaubte Hundsfisch (Umbra krameri), ein Hechtverwandter, 1992 wiederentdeckt und konnte im Rahmen von Nachzuchtprogrammen wieder angesiedelt werden. Im Donaudelta finden sich über 150 Fischarten, etwa Stör, Hausen, Karpfen, Wels, Zander, Hecht und Barsche.
Aber auch Säugetierarten wie Steinmarder, Edelmarder, Wiesel, Dachs oder gar Wildkatze, Biber und Otter sind hier heimisch, im Delta finden sich unter anderem Europäischer Nerz, Fischotter, Steppeniltis und Ziesel. Ebenso bietet die Donau zahlreichen Amphibien und Reptilien Raum, darunter Äskulapnatter, Westliche Smaragdeidechse, Mauereidechse, Ringelnatter, Glattnatter und Zauneidechse, Griechische Land- und Europäische Sumpfschildkröte sowie Endemiten wie dem Donau-Kammmolch. Eine besonders hohe Artendichte weist auch hier wiederum das Delta auf, siehe dazu auch [http://www.herpag-hdn.amphibien.at/doku/skriptum%20donaudelta_herpag.pdf].
Flora der Donau
Wichtige Baumarten der Weichholz-Auen sind die Silberpappel (Populus alba), am Oberlauf auch die Grau-Erle (Alnus incana) sowie die Silberweide (Salix alba). Für die Hartholz-Aue ist die Schmalblättrige Esche (Fraxinus angustifolia) erwähnenswert, die von Wien abwärts vorkommt, des Weiteren sind noch Feld- und Flatter-Ulme und Stieleiche belegt. In der Donau selbst finden sich seltene Wasserpflanzen wie die Wasserfalle oder Wasserschläuche.
Bedeutende Nationalparks und Reservate
Naturpark Obere Donau
Wasserschläuche
Zwischen Immendingen und Ertingen durchquert der Fluss den Naturpark Obere Donau. Die landschaftlich attraktiven Felsen im Donaudurchbruch Schwäbische Alb gehören zu den wenigen, natürlich unbewaldeten Pflanzenstandorten in Deutschland. Da dieser Untergrund sehr trocken ist und die Temperaturen stark schwanken, konnten sich viele sehr lichthungrige Pflanzen, teils als eiszeitliche Relikte, hier erhalten. So kommt es im Nationalpark zur ungewöhnlichen Kombination von mediterraner, alpiner und tundrischer Flora. Mit fast 750 Pflanzenarten, darunter einigen bedrohten oder vom Aussterben bedrohten, ist die Region, die von menschlichen Einflüssen weitgehend verschont blieb, eine der artenreichsten Baden-Württembergs.
Naturschutzgebiet Donauleiten
Das Naturschutzgebiet Donauleiten ist donauabwärts zwischen Passau und Jochenstein auf der linken, nördlichen Donauseite gelegen. Es handelt sich um eine sehr steile Abbruchkante, an der sich der Bayerische Wald gegenüber der Molassesenke des Alpenvorlandes um über hundert Meter gehoben hat. Durch die Exponierung gegen Süden wärmen sich Granit und Gneis dieser Donauhänge auf und sorgen für ein fast mediterranes Klima. Daher haben auf dieser Klimainsel viele Arten die Klimaverschlechterung der letzten nacheiszeitlichen Wärmeperiode überlebt. So gelten die Donauleiten in Deutschland als bedeutendstes Vorkommen der bis zu zwei Meter langen schwärzlich-grünen Äskulapnatter. Die Vielfalt an Insekten ist bemerkenswert: Schwalbenschwanz, Segelfalter und großer Schillerfalter können häufig beobachtet werden. Sogar Weißer und Schwarzer Apollofalter kommen noch vereinzelt vor. Aufgrund der Mischung von mageren, eher sauren Trockenstandorten an den Steilhängen und feuchteren Laub- und Eichenwäldern auf humosen Felsterrassen existiert eine abwechslungsreiche Flora, zu nennen sind etwa Alpenveilchen, Graslilien, Roter Fingerhut und Gelber Fingerhut, Seidelbast und Orchideen wie das Männliche Knabenkraut und das Waldvögelein. Allerdings ist die intensive land- und forstwirtschaftliche Nutzung für einen starken Rückgang dieser Arten verantwortlich.
Waldvögelein
Nationalpark Donau-Auen
Eines der größten Auengebiete in Mitteleuropa sind die Donauauen nahe Wien bei Hainburg, dort erstreckt sich von der Lobau (noch auf Wiener Stadtgebiet) bis zur Einmündung der March der Nationalpark Donau-Auen, in dem rund 70 Fisch-, 30 Säugetier- und 100 Vogelarten leben.
Der Nationalpark Donau-Auen wurde nicht durch die Regierung Österreichs initiiert, sondern 1983/1984 durch Bürgerproteste vor dem beabsichtigten Bau eines Donaukraftwerks gerettet, der die Auen zerstört hätte. Dabei kam es zur spektakulären Besetzung der Hainburger Au durch mehrere tausend Menschen und einem von über 350.000 Menschen unterzeichneten Volksbegehren. Diese Bürgerbewegung gilt als die Geburtsstunde der österreichischen Grünen Partei. 1996 wurden die Auen zum Nationalpark erklärt.
Nationalpark Donau-Eipel in Ungarn
Der Nationalpark Donau-Eipel, ungarisch Duna-Ipoly Nemzeti Park, umfaßt das Börzsöny-Gebirge, das Pilis-Gebirge, das Visegrád-Gebirge, das linke Ufer der Eipel, die Szentendre-Insel und das linke Ufer der Donau in diesem Bereich mit dem Zentrum des Donauknies. Zweitausend verschiedene Pflanzenarten und einige tausend Tiergattungen leben im Nationalpark, darunter auch der endemische Piliser Lein.
Naturpark Kopački rit
Der Naturpark Kopački rit liegt am Zusammenfluss der Drau in die Donau in Kroatien.
Die unberührten Sumpf, Moor- und Auengebiete sind Heimatstätte zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, darunter 260 Vogelarten. In den zahlreichen Seitenarmen leben 40 Fischarten. Der Naturpark Kopački rit ist nominiert für die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes.
Spezial-Naturreservat Deliblatska peščara
Das Spezial-Naturreservat Deliblatska Peščara befindet sich im Bezirk Južna Bačka in der Autonomen Provinz Vojvodina in Serbien. Es erstreckt sich zwischen der Donau, den Südkarpaten und dem Fluss Tamiš über 354 km und über eine Fläche von 30.000 Hektar. Das Reservat stellt ein wüstenartiges Phänomen dar, eine Sanddünenlandschaft mitten im Balkan, mit einer einzigartigen Orografie, Flora und Fauna in Europa. Daher wird es in Serbien auch umgangssprachlich Evropska Sahara (Europäische Sahara) genannt. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Sanddüne mit Akazien und anderen Bäumen bepflanzt. Heute ist mehr als die Hälfte der Sandlandschaft bepflanzt und manche Teile sind reiche Saisonjagdorte. Die imposante Größe der Sandberge mit über 200 m über NN, ihre Schönheit, das ständige Wechseln der Blütenfarben der verschiedensten Pflanzenarten machen diese Düne sehr attraktiv für Besucher.
19. Jahrhundert
Nationalpark Đerdap
Der Nationalpark Đerdap erstreckt sich entlang der Donau, von der Stadt Golubac bis zur Kleingemeinde Tekija, über eine Länge von 100 km und über eine Fläche von 63.680 Hektar. Das Einzigartige an diesem Park sind die riesigen Schluchten und Pässe durch die die Donau fließt, die nach dem Grand Canyon die größten weltweit sind. Đerdapska klisura wird der größte Pass bezeichnet, der gleichzeitig auch der größte Europas ist. Die terziäre Flora, Vegetation und Fauna machen ihn zu einem einzigartigen Naturreservat. Die über 1100 Pflanzenarten, die hier zu finden sind, als auch Bären, Luchse, Wölfe, Streifenschakale, Schwarzstorche, einige Eulenarten und andere seltene Tiere bestätigen dies ebenfalls.
Trotz dieses Naturreichtums war der Mensch in diesem Gebiet stets präsent, was die zahlreichen Funde bezeugen. Lepenski Vir, Tabula Traiana und Traians Brücke sind nur einige der bedeutenden archäologischen Funde in diesem Nationalpark. Tragischerweise sind noch viele Funde auf dem Grund des riesigen Stausees des Eisernen Tores. Viele geborgene Funde finden sich im Museum Lepenski Vir.
Weitere serbische Nationalparks entlang der Donau: Spezial-Naturreservat Gornje Podunavlje, Nationalpark Fruška Gora
Nationalpark Fruška Gora
Biosphärenreservat Donaudelta
Das Donaudelta, über 2000 Kilometer flussabwärts in Rumänien, ist das Mündungsgebiet der Donau am Schwarzen Meer und – nach dem Wolgadelta – das zweitgrößte Flussdelta Europas. Es besteht aus vier Hauptarmen (Chilia, Tulcea, Sulina und Sfântu Gheorghe) sowie unzähligen Seitenarmen, Röhrichten, schwimmenden Inseln, Altarmen und Seen, aber auch Auwäldern sowie extremen Trockenbiotopen auf Dünen. Das 5.000 km2 große, weltweit einmalige Ökosystem ist Europas größtes Feuchtgebiet, es gilt als der vermutlich größte Schilfrohrbestand der Erde und ist der Lebensraum von über 4.000 Tier- und über 1.000 Pflanzenarten.
Wolgadelta
1991 erklärte die UNESCO das Delta zu einem Teil des Weltnaturerbes, seitdem ist es Biosphärenreservat. Am 5. Juni 2000 verpflichteten sich die Regierungen Rumäniens, Bulgariens, Moldawiens und der Ukraine zum Schutz und zu der Renaturierung der Feuchtgebiete entlang der etwa 1.000 Kilometer langen unteren Donau. Dieser Grüne Korridor wurde damit zum größten grenzüberschreitenden Schutzgebiet Europas.
Nach der Jahrtausendwende entwickelte sich das Gebiet zunehmend zum Touristenziel. Allein zwischen Mai und Juli 2004 kamen fast 54.000 Gäste, was eine Steigerung von fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
Schwerere ökologische Eingriffe
Wie viele andere Flüsse hat die Donau seit dem Beginn der Industrialisierung zahlreiche schwere Eingriffe durch Menschenhand erfahren. Nur 20 Prozent der Überschwemmungsgebiete, die im 19. Jahrhundert existierten, sind heute noch vorhanden und nur noch die Hälfte des Flusslaufs kann heute noch als zumindest „naturnah“ bezeichnet werden.
Neben der zunehmenden Verschmutzung durch Industrie, Landwirtschaft, Tourismus und der Zuleitung von Abwässern sowie der Regulierung durch Wehre, Dämme, Staustufen und Kanäle, letzteres vor allem in Deutschland und Österreich, sind es vor allem Großprojekte, die dem Lebensraum Donau stark zusetzen. Da gleich 10 Staaten, darunter einige der ärmsten Länder Europas, zum Beispiel Moldawien, Rumänien, die Ukraine und Bulgarien ihre vor allem wirtschaftlichen Interessen am Fluss wahrnehmen und von seiner Lage profitieren wollen, ist ein grenzüberschreitender Schutz schwierig.
Das Kraftwerk „Eisernes Tor“
Ukraine
Im Jahr 1964 begannen das damalige Jugoslawien und Rumänien zwischen den Südkarpaten und dem Serbischen Erzgebirge an der Grenze von Rumänien zu Serbien mit dem gemeinsamen Bau eines Wasserkraftwerks, das 1972 eröffnet wurde. Die Talsperre mit zwei Schleusen ließ einen 150 Kilometer langen Stausee entstehen, der Wasserspiegel wurde um 35 Meter gehoben. Neben der Energiegewinnung wurde auch die Wasserstraße Donau ausgebaut und die Schiffdurchfahrt durch die Sprengung der Katarakte im Fluss erleichtert.
Für den Stausee, dessen Ausläufer bis Belgrad reichen, mussten unter anderem die Stadt Orsova und fünf Dörfer weichen und die seit 1669 von Türken bewohnte Insel Ada Kaleh wurde überflutet. Die meisten Türken verließen Rumänien und gingen in die Türkei. Insgesamt mussten 17.000 Menschen umgesiedelt werden, ihre angestammten und teils kulturell bedeutenden Wohnorte wurden vom Wasser begraben. Auch für die Umwelt hat die Errichtung des Damms Folgen gehabt, so können seither Störe nicht mehr zum Ablaichen die Donau hinaufschwimmen.
Um den kulturellen und ökologischen Schaden zu begrenzen, sind Objekte der Flora und Fauna, ebenso wie geomorphologische, archäologische und kulturhistorische Artefakte in zwei Nationalparks und Museen bewahrt worden, in Serbien im Djerdap Nationalpark, der seit 1974 besteht und 63.608 Hektar umfasst, und in Rumänien im Portile de Fier Nationalpark, der 2001 eingerichtet wurde und eine Fläche von 115.655 Hektar besitzt.
Gabčíkovo-Nagymaros
Im Budapester Vertrag vom 16. September 1977 vereinbarten die damalige Tschechoslowakei und Ungarn in Budapest den Bau eines riesigen Staustufenverbunds zwischen Gabčíkovo nahe Bratislava und Nagymaros in Ungarn zur Energiegewinnung, erste Planungen für das Projekt reichten zurück bis in das Jahr 1946.
Von dem Bau wurden von ungarischen und dann zum Teil auch österreichischen Experten zerstörerische Auswirkungen auf die nahen österreichischen Donauauen, die Landschafts- und Siedlungsräume entlang der slowakisch-ungarischen Grenze sowie die Budapester Wasserversorgung befürchtet. Nachdem bereits seit 1983 die Arbeiten daran verlangsamt wurden, gründete sich 1984 in Budapest Duna Kör, der „Donau-Kreis“. Diese Umweltbewegung, die vielfach als Keim der „samtenen Revolution“ in Ungarn angesehen wird, fand starken Rückhalt in der Bevölkerung, 140.000 Menschen unterzeichneten ihre Petition gegen den Staudamm und 1988 kam es zu einer Demonstration mit rund 40.000 Teilnehmern vor dem ungarischen Parlament. Im Rahmen der politischen Erschütterungen des Ostblocks 1989 zog sich Ungarn dann unter dem Druck der Bevölkerung von dem Projekt zurück.
Die Tschechoslowakei bzw. ab 1993 die Slowakei betrieb jedoch den Weiterbau des Kraftwerks an einer anderen Stelle und verklagte Ungarn 1993 und erneut 1997 beim Internationalen Gerichtshof auch auf die Erfüllung des Budapester Vertrages von 1977.
Ungarn warf nun der Slowakei zusätzlich vor, teilweise Wasser aus dem Grenzfluss in den neu gebildeten künstlichen Gabčíkovo-Kanal entzogen zu haben. Der Gerichtshof hat im Prinzip entschieden, dass der Vertrag von 1977 gilt und die beiden Länder vereinbaren sollen, wie sie ihn erfüllen. Die entsprechende Einigung ist bis heute nicht zustande gekommen. Durch diese Situation sind die Beziehungen zwischen Ungarn und der Slowakei bis in die Gegenwart belastet.
Hafen Giurgiulesti
Internationalen Gerichtshof
1995 gründete die moldawische Regierung Terminal S.A., ein Joint-Venture mit griechischer Beteiligung zur Errichtung eines Hafens mit angeschlossener Ölraffinerie an ihrem Uferstück bei Giurgiulesti. 1996 gewährte die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung einen Kredit über 19 Millionen Dollar und erhielt damit einen Anteil von 20 Prozent. 41 Prozent hält die moldawische Tirex-Petrol und 39 Prozent die griechische Technovax. Der Grundstein für den Bau wurde im November 1998 gelegt, seither kommt das Projekt allerdings nur sehr mäßig voran. Gegenwärtig versucht die moldawische Regierung ihren Anteil zu verkaufen, seit 2003 werden vor allem Interessenten aus Russland und Aserbaidschan genannt.
Da das Donaudelta sehr nahe ist, würden Einträge belastenden Materials insbesondere im Falle von Havarien schnell und unverdünnt dorthinein gelangen und das Schutzgebiet stark gefährden. Entsprechend führten diese Pläne zu Protesten durch Umweltschutzverbände, von der moldawischen Regierung werden sie aber konsequent weiterverfolgt.
Bystre-Kanal
Am 27. August 2004 wurde in der kleinen ukrainischen Stadt Wylkowe der Bystre-Kanal wiedereröffnet. Da er mitten durch das Naturreservoir des Donaudeltas führt und durch eine Senkung des Wasserspiegels eine irreparable Schädigung der einzigartigen Flora und Fauna nach sich ziehen könnte, protestierten zuvor unter anderem Umweltverbände, die rumänische Regierung und das EU-Umweltkommissariat gegen den Kanal. Die ukrainische Regierung entgegnete, dass hinter den Vorwürfen vor allem wirtschaftliche Interessen Rumäniens steckten, da dieses bisher eine Art Monopol auf den Schifffahrtsverkehr zum Schwarzen Meer hätte, verbat sich die „Einmischung in innere Angelegenheiten“ und begann ungeachtet aller Aufforderungen mit den Arbeiten.
Verlauf der Donau
EU
EU
Die Quelle
Der Ursprung der Donau liegt nicht in der eher symbolisch zu verstehenden Donauquelle in Donaueschingen, sondern 1,4 km weiter östlich im Zusammenfluss der beiden Quellflüsse Brigach und Breg in Donaueschingen, gemäß dem Merksatz „Brigach und Breg bringen die Donau zu Weg“.
Deutschland
Merksatz
Merksatz
In Deutschland fließt die Donau von ihrer Quelle bis zur deutsch-österreichischen Grenze über 687 Kilometer und ist damit der drittlängste Fluss Deutschlands. An ihren Ufern liegen als größte Städte Tuttlingen, Sigmaringen, Ulm, Neu-Ulm, Ingolstadt, Regensburg, Straubing, Deggendorf und Passau.
Rechtsseitig der Donau fließen in Ulm selbst die Iller, der Lech bei Donauwörth und die Isar bei Deggendorf zu; linkseitig hinter Kelheim die Altmühl, bei Regensburg Naab und Regen und die Wörnitz bei Donauwörth. Merksatz: „Iller, Isar, Lech und Inn fließen rechts zur Donau hin, Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen kommen ihr von links entgegen.“ Auch zahlreiche kleinere Flüsse münden in die Donau, so zum Beispiel die Riß, die Rot, die Große Lauter, die Blau, die Günz, die Nau, die Mindel, die Zusam, die Schmutter, die Paar und die Vils. Vervollständigt wird die Donau auf deutschem Boden in der „Drei-Flüsse-Stadt“ Passau, wo Inn, Ilz und Donau zusammenfließen.
Bedeutende Bauwerke entlang der deutschen Donau sind insbesondere die Erzabtei Beuron, das Fürstenschloss in Hohenzollern-Sigmaringen,das gotische Münster zu Ulm mit dem höchsten Kirchturm der We
Codex Eberhardi
Der Codex Eberhardi ist ein so genanntes Kartular, ein zusammenfassendes Verzeichnis der zahlreichen Güter des Reichsklosters Fulda. Etwa zwischen 1150 und 1160 fertigte der Mönch (oder Konverse) Eberhard, der wahrscheinlich aus einer thüringischen Ministerialenfamilie entstammte, Abschriften der im Kloster gesammelten Besitzurkunden aus früherer Zeit an. Beim Codex Eberhardi handelt es sich um "eine der größten Fälschungsaktionen, die im Mittelalter jemals in einer einzigen Werkstatt erfolgten." (Vogtherr, S. 47). Man urteilt aber auch so "Der Codex Eberhardi ist bei weitem die umfassendste Überlieferungsform der älteren Fuldaer Urkunden"(Stengel, XXX) und "Diese Sammlung ist denn auch von jeher in der Abtei Fulda selbst das bequeme Nachschlagewerk gewesen und jahrhundertelang geblieben, in dem man alle seine Rechtstitel geborgen glaubte wie in Abrahams Schoße..."(Stengel, XXXI). Man muß auch gerechterweise hinzufügen, daß große Teile der Sammlung frei von Interpolationen und Fälschungen sind.
Eberhard stützte sich unter anderem auf die etwa 350 Jahre früher begonnene Urkundensammlung des Fuldaer Abtes Rabanus Maurus. Von ursprünglich 8 Bänden existiert heute nur mehr einer. Einen Überblick über die Sammlung des Rabanus Maurus gewährt lediglich die erhalten gebliebene Zusammenfassung des Mönches Eberhard.
Das Reichsstift Fulda befand sich 1150, als Markward I. das Abbatiat übernahm, in einem wirtschaftlich desolaten Zustand. Als Kopist setzte es sich Eberhard zum Ziel, möglichst viel verlorenes Klostergut zurückzugewinnen. Dabei machte er auch vor Verfälschungen und Fälschungen nicht Halt. Mit derart manipulierten Rechtstiteln sollte fuldischer Besitz auf Güter bewiesen werden, die dem ab 744 gebildeten Kloster aber teilweise nie vermacht worden waren.
Den Auftrag, ein Kopialbuch archivierter Urkunden und Regesten (Urkundenauszüge) zu schaffen, erhielt er von Abt Markward I. (1150-65), der auch Marquard oder Marcwart genannt wird. Dessen Intention, die in der Mitte des 12. Jahrhundert wirtschaftlich desolate Lage der Benediktiner-Abtei über die Aufzeichnung der Besitztümer und deren Einforderung von Lehensträgern oder Ministerialen zu bessern, hatte zum Teil Erfolg.
Eine Fülle von Detailangaben in der Handschrift gestattet Historikern Einschätzungen über die Anfänge von Siedlungen und Orten bis in die Zeit der Frankenkönige. Der Codex Eberhardi wird im Hessischen Staatsarchiv in Marburg aufbewahrt.
Zusammenfassend sei angemerkt, dass der Mönch oder Konverse Eberhard seine Fälschungen unter anderen Gesichtspunkten sah als heutige Juristen: "Was dieser Mönch tat, diente nicht seinem eigenen Vorteil, sondern er fälschte zum Wohle des Konvents, dem er angehörte." (Vogtherr, S. 49).
Literatur
- Pistorius Niddanus: Rerum Germanicarum veteres jam primum publicati scriptores...,(Erstdruck aller vorhandenen Urkunden und Diplome), Frankfurt, 1583/ 1607.
- Johann Friedrich Schannat: Corpus traditionum Fuldensium..., Leipzig, 1724.
- Edmund Ernst Stengel: Urkundenbuch des Klosters Fulda, Marburg, 1953/1958.
- Heinrich Meyer zu Ermgassen (Herausgeber): Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Band 1 (1995) und Band 2 (1996), Marburg. ISBN 3770810449.
- Thomas Vogtherr in: Fulda im Alten Reich, hrsg. von Berthold Jäger, Veröffentlichung des Fuldaer Geschichtsvereins 59, Fulda 1996, ISBN 3790002755
Kategorie:Mittelalter
Kategorie:Hessische Geschichte
Kategorie:Fulda
Kategorie:Historisches Dokument
KastellKastell (lateinisch castellum = Kastell, Verkleinerungsform zu castrum = Schanzlager) bezeichnet eine Burg oder allgemein eine Festung oder Befestigungsanlage, befestigtes Lager.
Das römische Kastell hatte seit etwa der claudischen Zeit stets die gleiche Form. Es war rechteckig, hatte vier Tore und meistens vier Ecktürme. Die Tore hatten die Bezeichnungen:
römische
- Porta Praetoria (Ausfalltor)
- Porta Decumana (Rückwärtiges Tor)
- Porta Principalis Dextra (Rechtes Haupttor)
- Porta Principalis Sinistra (Linkes Haupttor)
Die beiden letztgenannten Tore befanden sich an der langen Seite des Rechteckes.
Die beiden Hauptore waren durch die Via Principalis (Hauptstraße) verbunden, die beiden anderen Tore durch die Via Praetoria. In der Nähe des Schnittpunktes der beiden Straßen befand sich die Principia (Fahnenheiligtum), der Aufbewahrungsstätte der Truppenzeichen, der Truppenkasse und der Statuen der jeweils regierenden römischen Kaiser. Außerdem wohnte dort der Kommandant der Truppe. Entlang der Lagerumwallung führte die Via Sagularis (Ringstraße).
In ähnlicher Art und Weise wurden die Marschlager der römischen Legionen ausgeführt, wenn die Truppe am Ende eines Tages für eine Nacht ein Lager aufschlug. Die Bauten wurden dann aus Erde und mitgeführten Palisaden hergestellt.
Die Größe eines römischen Kastells waren allerdings unterschiedlich. So gab es Kastelle für zwei Legionen, die 12.000 Legionären Platz boten oder auch Kastelle für eine Centurie mit 80 Mann.
- Ein Alenkastell war für 500 oder 1000 Reiter ausgelegt
- Ein Kohortenkastell war für ca. 600 Mann ausgelegt.
- Ein Numeruskastell war für eine Hilfstruppe von ca. 150 Mann vorgesehen.
- Ein Auxiliarkastell (Auxiliarlager) nahm Hilfstruppen aus Provinzen oder Nachbarstaaten auf.
Kastell heißt auch der Aufbau an Heck oder Bug eines (Kriegs-)Schiffes.
Siehe auch
Kastellburg, Kogge, Legionslager, Obergermanisch-Raetischer Limes, Saalburg, Fachbegriffe Festungsbau
Literatur
- Anne Johnson: Römische Kastelle des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. in Britannien und in den germanischen Provinzen des Römerreiches. Zabern, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0868-X
Weblinks
- http://www.saalburgmuseum.de
- [http://www.feldbergkastell.de Ein virtueller Rundgang durch das Feldberg-Kastell]
Kategorie:Befestigungsanlage
Limes (Grenzwall)]
Limes (lateinisch ursprünglich Grenzweg) bezeichnet einen von den Römern angelegten Grenzwall oder eine ähnliche Überwachungsanlage an den Reichsgrenzen. Neben der Funktion als militärisches „Frühwarnsystem“ dienten die limites als Zollgrenzen und ihre Grenzübergänge als „Marktplätze“ für den Außenhandel.
Darüber hinaus werden auch der aus dem 9. Jahrhundert stammende Sachsenwall (Limes Saxoniae) und der ebenfalls aus dieser Zeit stammende Limes Sorabicus als Limes bezeichnet.
Obergermanisch-Raetischer Limes
Limes Sorabicus
In Deutschland wird mit Limes vor allem der obergermanisch-raetische Limes bezeichnet, der in seinem Endausbau (159 bis 260) etwa 548 Kilometer lang war und sich von Rheinbrohl (nördliches Rheinland-Pfalz) zunächst nach Osten, dann aber in einem scharfen Knick nach Süden bis zum Städtchen Lorch erstreckt. Etwas östlich von Lorch macht der Limes einen Knick von fast 90 Grad und verläuft weiter bis Regensburg. Zwischen Lorch und Regensburg bestand der Limes bereits ab ca. 122, er wurde hier also gleichzeitig mit dem Hadrianswall in Nordengland errichtet. Der genaue Verlauf des Limes im Abschnitt der Grenze der Provinzen Obergermanien und Rätien zwischen ca. 120 und 160 ist nicht ganz gesichert, zwischen den Ortschaften Osterburken und Welzheim verlief der Wall schnurgerade aber nach Süden. Eine landvermesserische wie architektonische Meisterleistung. Was die Römer veranlasste, ungeachtet der Topografie des Geländes diese Grenze so auszubauen, ist absolut unklar. Man vermutet dahinter den römischen Senator Gaius Popilius Carus Pedro, der offenbar lineare Konstruktionen bevorzugte und auch zur fraglichen Zeit lebte.
Der Limes lag auf dem Gebiet des heutigen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern und grenzte die nördlich der Donau liegenden Teile der römischen Provinz Raetia nach Norden und die rechtsrheinischen Teile der Germania Superior nach Osten ab. In Obergermanien bestand der Grenzwall zunächst nur aus einem Postenweg, ab ca. 162/165 dann aus Palisaden, Gräben und Wällen; in einem kurzen Abschnitt bestand er, wie der rätische Limes, aus einer Mauer. In Raetien wurden der Wall später durch eine Mauer verstärkt. Entlang seines Verlaufes reihten sich etwa 900 Wachtürme sowie 120 größere und kleinere Truppenlager (Kastelle). Die Wachtürme waren so angelegt, dass sie bei klarem Wetter Sichtverbindung untereinander hatten. Der Limes hatte überwiegend die Funktion einer Fernmeldeeinrichtung, über die mit Hilfe von Licht- oder Hornsignalen Nachrichten über Barbareneinfälle an die befestigten Lager gesendet werden konnten. Der Limes ging mit dem großen Alemanneneinfall des Jahres 259/260 n. Chr. unter.
Der bauliche Verfall dauerte Jahrhunderte. So berichtet ein bayerischer Chronist im Jahre 1780 (!), die dortige Mauer sei auf weite Strecken deutlich zu sehen, doch „holten sich die Anwohner fuderweise Steine von da“. Dies ist eine Parallele zur Situation in Köln, wo noch im frühen 19. Jahrhundert etliche Türme der römischen Stadtmauer standen und dann nach und nach abgebrochen wurden. Auch das Nordtor der römischen Stadtmauer von Köln wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts abgebrochen, weil es „zu eng“ für den gewachsenen Verkehr geworden war.
Offenbar waren alte Römerstädte noch bis ins Mittelalter hinein von römischen Monumentalbauten geprägt, wie dies in Trier teilweise noch bis heute der Fall ist. Auch massive Steinbauten wie Aquaedukte u.ä. waren wohl noch jahrhundertelang gut sichtbar, wurden aber in ihrer Funktion nicht mehr verstanden. So deutete die Bevölkerung den großteils an der Oberfläche verlaufenden, von Südosten kommenden römischen Aquaedukt der Stadt Köln als „geheimen Verbindungsgang“ zwischen den Städten Köln und Trier. Der rätische Limes hingegen, dessen Funktion sich ebenfalls niemand erklären konnte, hieß im Volksmund die „Teufelsmauer“.
Am 15. Juli 2005 ist der Obergermanisch-Rätische Limes in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen worden. Eine Besonderheit der Aufnahme des deutschen Teilstücks ist die enge Verknüpfung mit dem britischen Abschnitt, die in engster Zusammenarbeit mit britischen Fachleuten vorbereitet wurde.
Wetterau-Limes
Der Wetterau-Limes ist ein Teilstück des obergermanischen Limes im heutigen Hessen. Er bestand vermutlich von ca. 84 n. Chr. bis 259/260 n. Chr.
Neckar-Odenwald-Limes
Der Neckar-Odenwald-Limes ist eine römische Grenzbefestigung im heutigen Hessen und Baden-Württemberg, bestehend vermutlich vom Jahre 98 bis zum Jahre 159, als er unter Kaiser Antoninus Pius vom Obergermanischen Limes abgelöst wurde.
- Schallmayer, Egon: Der Odenwaldlimes. Vom Main bis an den Neckar. Stuttgart: Theiss 1984.
Alblimes
Eine mit einer römischen Militärstraße verbundene Kastellkette auf der Schwäbischen Alb. Ihre Anfänge gehen auf das Jahr 73 zurück, als die Kinzigtalstraße gebaut wurde. Wenig später Erweiterung nach Nordosten ungefähr entlang der Wasserscheide, die die Grenze zwischen den römischen Provinzen Obergermanien und Rätien markierte. Bei Donnstetten war der Alblimes über den Lautertal-Limes mit dem Neckar-Odenwald-Limes verbunden. Der Alblimes ist bislang wenig erforscht, keines seiner Kastelle wurde bisher ausgegraben. Es ist im einzelnen unklar, wie lange er in welchen Abschnitten die Außengrenze des römischen Reiches bildete.
Lautertal-Limes
Der Lautertal-Limes ist eine schnurgerade römische Grenzbefestigung des frühen 2. Jahrhunderts n. Chr. zwischen der heutigen Stadt Köngen am Neckar (lateinisch: Grinario) und dem römischen Kastell bei Donnstetten auf der Schwäbischen Alb (vermutlicher lateinischer Name: Clarenna). Er bestand vermutlich von ca. 98 bis um 125.
Donau-Iller-Rheinlimes
Der Donau-Iller-Rheinlimes wurde gegen die von Norden her vordringenden Alamannen unter dem weströmischen Kaiser Valentinian I. um 370 am Hochrhein zwischen Bodensee und dem Rheinknie bei Basel errichtet. Schon seit dem Jahr 260 markierten diese drei Flüsse die Grenze zwischen dem römischen Reich und dem freien Germanien.
Die Bezeichnung Donau-Iller-Rheinlimes ist insofern unhistorisch, als zu römischer Zeit Flussgrenzen nie als „Limes“ bezeichnet wurden. Sie hat sich aber in der wissenschaftlichen Literatur etabliert. Schon in den Jahren 15 v. Chr. bis ca. 73 n. Chr. verlief die Grenze zwischen Römern und Germanen ungefähr entlang der Linie des späteren Donau-Iller-Rheinlimes.
Norischer Limes
Der Norische Limes zog sich entlang der Donau durch das heutige Ober- und Niederösterreich und schließt an den Pannonischen Limes in Ungarn an. Eigentlich ist es kein Festlandwall, sondern ein Flusswall (lat. ripa). Am Limes selbst wurden nur kleinere Wehranlagen errichtet, da die Donau einfacher zu verteidigen war. Größere Befestigungen wurden erst weiter im Landesinneren errichtet, wie Cetium (St. Pölten) oder Ovilava (Wels).
Erhalten sind noch einzelne Wehrtürme in Bacharnsdorf in Niederösterreich, in Mautern (Favianis) und in Traismauer (Augustiana). Auch in Tulln und Zeiselmauer gibt es noch erhaltene Reste.
- Literatur: Herwig Friesinger u. Fritz Krinzinger: Der römische Limes in Österreich, ISBN 3-70012-618-2
- Weblink: [http://science.orf.at/science/urban/110880 Beitrag im ORF]
Hadrianswall
Der Hadrianswall war 120 Kilometer (damals 80 römische Meilen) lang und trennte Schottland von der damaligen römischen Provinz Britannia. Er erstreckte sich zwischen dem Solwaybusen und der Tynemündung. Für zwei kurze Perioden verlief die römische Grenze weiter nördlich am Antoninuswall. Er bestand aus einem Doppelwall mit 80 Toren, 17 Kastellen und 320 Türmen und wurde vom Jahr 122 bis etwa 410 verwendet.
Antoninuswall
Der Antoninuswall markiert die größte Expansion des römischen Reiches in Großbritannien. Er bestand von 142 n. Chr. bis etwa 163 und erneut – nach dem zwischenzeitlichen Rückzug Roms auf den Hadrianswall – von 208 bis 213.
Trajanwall
Kaiser Trajan (98–117) werden die Trajanwälle (Oberer und Unterer) als Grenzbefestigungen nördlich der Donaumündung zugeschrieben, die das Eindringen der Steppennomaden in das Reich verhindern sollten. Sie verliefen ist west-östlicher Richtung über 120 km vom Pruth bis zur Küste des Schwarzen Meeres bzw. zum Dnjestr. Ihre Überreste liegen auf dem Gebiet des früheren Bessarabiens, den heutigen Staaten Moldawien und Ukraine. Laut archäologischen Untersuchungen im 20. Jahrhundert datieren die Wallanlagen eher in die Zeit 200–1400.
Limes Arabicus
Der Limes Arabicus oder Limes Orientalis, der im heutigen Jordanien und Syrien lag, grenzte mehrere Jahrhunderte lang die reichen römischen Provinzen Arabia und Syria gegen Nomaden und später die Parther ab.
Siehe auch:
- Portal:Rom und Themenliste Rom
Literatur
- Thiel, Andreas: Wege am Limes. 55 Ausflüge in die Römerzeit., Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2005 – 1. Auflage ISBN 3-80621-946-X
Weblinks
- [http://www.limes-in-deutschland.de/ Der römische Limes in Deutschland] (Ein gemeinsames Projekt der Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz)
- [http://www.deutsche-limeskommission.de/ Deutsche Limeskommission]
- [http://www.archaeologie-online.de/links/154/162/161/518/ Weblinks zum Thema Limes] bei Archaeologie-online.de : Guide : Epochen & Kulturen : Antike : Römer : Limes
- [http://www.die-roemer-online.de/limes/limes.html die-roemer-online.de Umfangreiche Arbeit über den römischen Limes in Deutschland (deutsch)]
- [http://www.kirke.hu-berlin.de/vl/vlagdt.html#roem Virtual Library Geschichte – Einzelprojekte: Die Römer in Deutschland] (Weitere Ressourcen im Internet)
- [http://www.novaesium.de/artikel/limes.htm Limes Germaniae Inferioris] (Artikel von Heinrich v. Petrikovits aus der Princeton Encyclopedia of Classical Sites von 1976 bei [http://www.novaesium.de Novaesium, alias Neuss])
- [http://www.limesprojekt.de/ Limesprojekt – Der Limes vom Rhein zur Donau] (Das Portal zum Limes)
- [http://www.xn--lahnhhenweg-vfb.de/limesweg.html Der Limes-Wanderweg im Taunus]
- [http://www.antikefan.de/bilder/limes/limes.html Der Obergermanisch-Raetische Limes (Antikefan.de)]
Kategorie:Befestigungsanlage (Römisches Reich)
Kategorie:Grenze
Kategorie:Weltkulturerbe
Deutscher BauernkriegAls Deutscher Bauernkrieg (auch Erhebung des gemeinen Mannes) wird die Ausweitung lokaler Bauernaufstände ab 1524 in weiten Teilen Süddeutschlands und der Schweiz bezeichnet, wobei die Bauern mit ihren Zwölf Artikeln erstmals fest umrissene Forderungen formulierten. In Schwaben, Franken, dem Elsass und in Thüringen wurden die Aufstände 1525, in Sachsen und Tirol 1526 niedergeschlagen.
1526
Ursachen und Umfeld
Die Ursachen für das Aufbegehren der Bauern waren vielfältig. Anfang des 16. Jahrhunderts war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation in Süddeutschland und dort vor allem in Schwaben in einer unüberschaubaren Vielzahl kleiner Feudalherrschaften zersplittert. Viele Probleme der Bauern waren lokal und durch den jeweiligen Landesherren bedingt; die kleinen Wirtschaftseinheiten führten zu Abgrenzung und Kirchturmdenken und bremsten den wirtschaftlichen Aufschwung.
Die meisten Ursachen der Aufstände waren aber in der allgemeinen Situation der Bauern begründet, die sich von Herrschaft zu Herrschaft nicht wesentlich unterschied.
Situation der Bauern
Die Hauptlast zur Aufrechterhaltung der Feudalgesellschaft trugen die Bauern: Fürsten, Adel, Beamte, Patrizier und der Klerus lebten von deren Arbeitskraft, und da die Zahl der Nutznießer immer weiter anstieg, stiegen auch die Abgaben, die die Bauern zu leisten hatten. Neben dem Großzehnt und dem Kleinzehnt auf die meisten ihrer erwirtschafteten Einkünfte und Erträge zahlten sie Steuern, Zölle und Zinsen und waren häufig ihren Grundherren zu Fron- und Spanndiensten verpflichtet.
In Oberschwaben, Württemberg, Franken, Sachsen (Obersachsen) und Thüringen wurde die Realerbteilung angewandt, die bei gleich bleibender Gesamtproduktionsfläche zu immer kleineren Höfen führte. Viele dieser Kleinstbauernhöfe waren angesichts der hohen Belastungen nicht mehr wirtschaftlich zu führen.
Wirtschaftliche Probleme, häufige Missernten und der Druck der Grundherren führten immer mehr Bauern in die Hörigkeit und weiter in die Leibeigenschaft, woraus wiederum zusätzliche Pachten und Dienstverpflichtungen resultieren.
Auch das „Alte Recht“, ein mündlich überliefertes Recht, wurde von den Grundherren zunehmend frei interpretiert oder gänzlich ignoriert. Seit Jahrhunderten bestehende Allmenden wurden enteignet und gemeinschaftliche Weide-, Holzschlag-, Fischerei- oder Jagdrechte beschnitten oder abgeschafft.
Situation im Reich
Der Hochadel war an einer Änderung der Lebensumstände der Bauern natürlich nicht interessiert, weil dadurch zwangsläufig eigene Privilegien und Vorteile eingeschränkt worden wären. Der niedere Adel ging dem Niedergang entgegen und hatte mit einem dramatischen Bedeutungsverlust zu kämpfen, was zu eigenen Aufständen führte (Pfälzischer Ritteraufstand). Der Versuch vieler niederer Adliger, sich durch Raubrittertum über Wasser zu halten, ging größtenteils wiederum zu Lasten der Bauern.
Der Klerus war genauso gegen jede Veränderung: Der Katholizismus in der bestehenden Form stellt die Kernsäule des Feudalismus dar; die kirchlichen Einrichtungen waren in der Regel selbst feudal organisiert – kaum ein Kloster existierte ohne zugehörige Dörfer. Die Kirche bezog ihre Einnahmen vorwiegend aus Spenden, schwunghaftem Ablasshandel sowie dem Zehnt. Letzterer war auch für den Adel eine wichtige Finanzquelle.
Die einzigen Reformbestrebungen, die auf die Abschaffung der alten Feudalstrukturen zielten, gingen vom erstarkenden Bürgertum der Städte aus, blieben aber schwach ausgeprägt, da auch dieses von Adel und Klerus abhängig war.
Reformation
In der Kirche herrschten erhebliche Missstände – viele abwertend Pfaffen genannte Geistliche führten ein allzu ausschweifendes Leben und profitierten von Stiftungen und Erbschaften der reichen Bevölkerung sowie Abgaben und Spenden der Armen. In Rom gelangte man durch Vetternwirtschaft und Bestechung zu Amt und Würden; die Päpste taten sich als Kriegs- und Bauherren sowie als Förderer der schönen Künste hervor.
Diese Zustände wurden schon früh von Hans Böhm in Unterfranken, Girolamo Savonarola in Florenz und später auch von Luther kritisiert. Als der Dominikanermönch Johannes Tetzel 1517 im Auftrag von Albrecht, dem verschuldeten Erzbischof von Mainz, und Papst Leo X.. durch Deutschland zog, dort erfolgreich den Ablass predigte und seine Ablasszettel verkaufte, verfasste der erzürnte Luther seine 95 Thesen, die er der Legende nach an die Kirchentür von Wittenberg schlug.
Zwingli in Zürich sowie Calvin in Genf vertraten öffentlich die Ansicht, dass jeder Mensch auch ohne die Vermittlung der Kirche seinen Weg zu Gott und seinem Seelenheil finden könne. Damit untergruben sie den Absolutheitsanspruch der katholischen Kirche und bestätigten den Bauern, wie weit sich der Klerus von seinen eigenen Lehren entfernt hatte und deshalb in großen Teilen überflüssig sei.
Die Argumentation Luthers in seiner Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen (erschienen 1520), dass Ein Christenmensch [...] ein Herr über alle Dinge und niemandem untertan sei, sowie seine Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche 1522 waren weitere entscheidende Auslöser für das Aufbegehren der dörflichen Bevölkerung: Nun war es auch den einfachen Leuten möglich, die mit dem „Willen Gottes“ gerechtfertigten Ansprüche von Adel und Klerus zu hinterfragen. Für die eigene erbärmliche Lage fanden sie keine biblische Begründung und somit stellten viele Bauern fest, dass die Einschränkung des Alten Rechts durch die Grundherren dem tatsächlichen Göttlichen Recht widerspreche – Gott lasse tatsächlich die Tiere und Pflanzen ohne das Zutun der Menschen und für alle Menschen ausreichend wachsen. Manche glaubten nun, dieselben Rechte wie Adlige und der Klerus beanspruchen zu können.
Träger des Aufstandes
Viele der einfachen Bauern trauten sich aufgrund ihrer vielfachen Abhängigkeitsverhältnisse nicht, gegen ihre Herren aufzubegehren. Vor allem die dörfliche Oberschicht wollte aber Veränderungen. Schultheiße, Bauernrichter, Dorfhandwerker und Ackerbürger aus den Kleinstädten trugen den Aufstand und drängten vielerorts die armen Bauern zum Anschluss an die Bauernhaufen.
Die Bauern selbst wollten vor allem ihre altüberlieferten Rechte wieder herstellen und ein menschenwürdiges und im Übrigen gottesfürchtiges Leben führen. Ihre Forderungen nach Milderung der Lasten und Aufhebung der Leibeigenschaft aber rüttelten an den Grundfesten der bestehenden Gesellschaftsordnung.
Vorangegangene Erhebungen
Die sich ständig verschlechternde Situation der Bauern war schon lange vor dem eigentlichen Bauernkrieg von 1524/25 die Ursache für viele regionale Konflikte. Die Unzufriedenheit der Bauern vergrößerte sich über viele Jahrzehnte und äußerte sich in einer Vielzahl von regionalen Erhebungen. Auslöser für diese waren neben den allgemeinen Umständen meist zusätzliche lokale Probleme.
Neben zahlreichen kleineren Bauernprotesten kam es immer wieder auch zu größeren Bauernaufständen:
Liste größerer Bauernerhebungen:
- seit 1291 Aufbegehren der Alten Eidgenossenschaft gegen die Habsburger
- 1419-1420 und 1433-1434: Hussitenkriege in Böhmen
- 1476 Empörung um Hans Böhm (Pauker von Niklashausen) in Franken
- 1478 Bauernaufstand in Kärnten
- 1492 Bauernerhebung im Allgäu
- 1493 Bundschuh-Verschwörung im Elsass
- 1502 Bundschuh-Verschwörung in Speyer
- 1513 Bundschuh-Verschwörung im Breisgau
- 1517 Bundschuh-Verschwörung im Schwarzwald
- 1514 Aufstand des Armen Konrad in Württemberg
- 1522-1523 Pfälzischer Ritteraufstand in der Kurpfalz
Auch die Bürger begehrten auf und solidarisierten sich mit den Bauern: 1509 in Erfurt, 1511 in Regensburg, Braunschweig, Speyer, Köln, Schweinfurt, Worms, Aachen, Osnabrück und weiteren Städten.
Fast alle dieser Aufstände wurden gewaltsam niedergeworfen; lediglich das schon lange andauernde Aufbegehren der Schweizer Bergbauern war am Ende von Erfolg gekrönt. Die Situation der Bauern wurde ansonsten durch keinen der Aufstände verbessert; meist kam es zu zusätzlichen Repressalien.
Eskalation 1524
1524 kam es bei Forchheim in der Nähe von Nürnberg neuerlich zu Unruhen, kurz darauf auch in Mühlhausen bei Erfurt. Im Oktober 1524 erhoben sich die Bauern im Wutachtal bei Stühlingen. Wenig später zogen 3.500 Bauern in Richtung Furtwangen. In Oberschwaben rund um den Bodensee gärte es schon länger und innerhalb kurzer Zeit bildeten sich im Februar und März 1525 drei bewaffnete so genannte Bauernhaufen: der Baltringer Haufen, der Seehaufen, und der Allgäuer Haufen. Der größte der drei war der Baltringer Haufen: mehr als 12.000 Bauern, Bürger und Geistliche sammelten sich innerhalb weniger Tage im Baltringer Ried in der Nähe von Biberach. Auch der Allgäuer Haufen in der Nähe von Lindau bestand aus annähernd 12.000 Männern, darunter auch viele einfache Geistliche und Landsknechte. Die 7.000 Allgäuer Bauern, die vor allem gegen den Fürstabt von Kempten aufbegehrten, lagerten bei Leubas.
Zwölf Artikel und Verhandlungen
Die drei oberschwäbischen Bauernhaufen wollten vor allem eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse erreichen und keinen Krieg beginnen. Deshalb setzen sie auf Verhandlungen mit dem Schwäbischen Bund. 50 Vertreter der drei Bauernhaufen trafen sich dazu in der freien Reichsstadt Memmingen, deren Bürgerschaft mit den Bauern sympathisierte. Hier versuchten die Führer aller drei Haufen, die Forderungen der Bauern zu artikulieren und mit der Bibel argumentativ zu unterlegen. Nach mehreren Verhandlungen wurden am 20. März 1525 die Zwölf Artikel und die Bundesordnung verabschiedet. Diese waren sowohl Beschwerdeschrift als auch Reformprogramm und politisches Manifest. Nach dem Vorbild der Schweizer Eidgenossenschaft gründeten die Bauern die Oberschwäbische Eidgenossenschaft, deren Grundlagen in der Bundesordnung niedergelegt wurden. So sollten die einzelnen Bauernhaufen, im Gegensatz zu vorhergehenden Erhebungen, zukünftig auch für einander einstehen. Innerhalb kürzester Zeit wurden von beiden Schriften hohe Auflagen gedruckt und verteilt, die für eine außergewöhnlich schnelle Verbreitung der Aufstände in ganz Süddeutschland und Tirol sorgten. Die Gründung der Oberschwäbischen Eidgenossenschaft wurde nach der Verabschiedung der beiden Papiere dem Schwäbischen Bund in Augsburg in der Hoffnung angezeigt, als gleichwertiger Partner an Verhandlungen teilnehmen zu können. Angesichts verschiedener Plünderungen und der Weinsberger Bluttat (siehe weiter unten) hatten die im Schwäbischen Bund zusammengeschlossenen Adligen allerdings kein Interesse an Verhandlungen. Unterstützt durch die Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger wurde Georg Truchsess von Waldburg-Zeil (genannt Bauernjörg) mit einer Armee von 9.000 Landsknechten und 1.500 gepanzerten Reitern beauftragt, die meist mit Sensen und Dreschflegeln bewaffneten Bauern niederzuwerfen.
Die Verhandlung der 12 Artikel in Memmingen war Dreh- und Angelpunkt des Bauernkrieges:
Hier wurden die Forderungen erstmals einheitlich formuliert sowie schriftlich fixiert. Die Bauern traten erstmals einheitlich gegenüber der Obrigkeit auf – die bisherigen Erhebungen scheiterten vor allem an der Zersplitterung der Aufstände und der mangelnden gegenseitigen Unterstützung. Mit den „12 Artikeln“ änderte sich dies. Es ist allerdings auch zu bemerken: Hätten die Bauern nicht auf Verhandlungen mit dem Schwäbischen Bund gesetzt, sondern weitere Landstriche besetzt, hätten sie allein aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit schwerlich niedergeworfen werden können, und ihr Anliegen wäre ernster genommen worden.
Verlauf des Aufstands
Memmingen
Ende März 1525 sammelte sich das Heer von Waldburg-Zeil in Ulm. Ein Stück donauabwärts bei Leipheim hatten sich um den Prediger Jakob Wehe 5.000 Bauern versammelt, die im weiteren Umkreis Klöster und Adelssitze plünderten. Das Heer des Schwäbischen Bundes marschierte deshalb nach Leipheim und rieb schon auf dem Weg dorthin einzelne plündernde Bauerngruppen auf. Am 4. April kam es zur ersten großen Schlacht bei Leipheim, in der der Leipheimer Haufen besiegt wurde. Die Stadt Leipheim musste ein Strafgeld zahlen; Wehe und die anderen Führer des Haufens wurden hingerichtet.
Ebenfalls Anfang April sammelten sich auch die Bauern aus dem Neckartal und dem Odenwald unter Jäcklein Rohrbach. Zu Ostern 1525 (16. April) lagerten der Neckartaler Haufen bei Weinsberg, wo der hitzköpfige Rohrbach den von den Bauern gehassten Grafen Ludwig von Helfenstein, den Schwiegersohn von Kaiser Maximilian I., und seine Ritter Spießruten laufen liess. Der schmerzvolle Tod der Adligen durch das Stechen und Prügeln der Bauern ging als die Weinsberger Bluttat in die Geschichte des Bauernkriegs ein. Sie prägte entscheidend das Bild vom mordenden und plündernden Bauern und war einer der Hauptgründe, weshalb sich viele Adlige gegen die Sache der Bauern stellten. Zur Strafe wurde die Stadt Weinsberg niedergebrannt und Jäcklein Rohrbach bei lebendigem Leib verbrannt. Nach der Bluttat von Weinsberg vereinigten sich die Neckartaler und Odenwälder mit dem von dem fränkischen Adligen Florian Geyer geführten Taubertaler Haufen (Schwarzer Haufen) zum starken Heller Lichter Haufen. Die annähernd 12.000 Männer wandten sich unter der Führung des Hauptmanns Götz von Berlichingen gegen die Bischöfe von Mainz und Würzburg und den Kurfürsten von der Pfalz.
Am 12. April stellte die Streitmacht des Schwäbischen Bundes den Baltringer Haufen, der schnell besiegt werden konnte. Die Bauern wurden entwaffnet, und jeder musste ein hohes Strafgeld zahlen.
Am 13. April musste sich der Truchsess mit seinem Heer vor dem militärisch recht gut ausgebildeten Seehaufen wieder zurückziehen und traf einen Tag später, am 14. April bei Wurzach auf die eigenen Bauern des Allgäuer Haufens. Er verhandelte mit ihnen und konnte sie überzeugen, ihre Waffen niederzulegen. Im Vertrag von Weingarten am 20. April machte er dem Seehaufen und dem Allgäuer Haufen Zugeständnisse und garantierte ihnen freien Abzug und ein unabhängiges Schiedsgericht zur Austragung ihrer Konflikte.
Am 16. April sammelten sich die Württemberger Bauern. Die 8.000 Mann starke Truppe rückte in die Stadt Stuttgart ein und zog im Mai weiter nach Böblingen.
Auch bei Hall und Gmünd bildeten sich kleinere Haufen, die 3.000 Anhänger plünderten die Klöster Lorch und Murrhardt, und legen die Burg Hohenstaufen in Schutt und Asche. Auch im Kraichgau und Ortenau wurden Klöster geplündert und Burgen niedergebrannt.
Nach dem Erfolg von Weingarten zog das Heer Waldburg-Zeils ins Neckartal. Die Bauern wurden bei Balingen, | | |