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Hugenottenkriege

Hugenottenkriege

Die Hugenottenkriege 1562 bis 1598 waren eine Folge von Bürgerkriegen in Frankreich. Sie sind durch das Massaker an den französischen Protestanten, den sogenannten Hugenotten, in der Bartholomäusnacht und die politische Beendigung durch den populären König Heinrich IV. den Franzosen heute noch bewusst. Ziel einer katholischen Adelspartei war es, die Hugenotten mindestens von den staatlichen und kirchlichen Pfründen auszuschließen und zugleich das Königtum zu kontrollieren. Ähnlich wie der spätere Dreißigjährige Krieg waren die Hugenottenkriege keine reinen Religionskriege. Ludwig XIV. kündigte ab 1669 die eingeschränkte religiöse Toleranz schrittweise auf.

Folgen

Frankreich kann seine wirkliche Macht erst unter Ludwig XIV. ab 1661 ausspielen, der seine starke persönliche Herrschaft auch wegen der traumatischen Hugenottenkriege etablieren kann. Im europäischen Machtkonzert kann das habsburgische Spanien seinen Abstieg bis etwa 1659 hinausschieben. Die kolonialen Rivalen England, Spanien und Portugal gründen bis 1661 amerikanische Kolonialreiche, die zukunftsträchtiger als das französische Kolonialreich sind. Die hugenottische Diaspora stärkt die kulturelle Hegemonie Frankreichs bis in das 19. Jahrhundert.

Dynastische Hintergründe

Frankreich unter den Valois-Herrschern Franz I. (1515-1547) und seinem Sohn Heinrich II. (1547-1559) ist der stärkste europäische Staat der Renaissance. Gleichrangig ist nur ihr dauerhafte Rivale Kaiser Karl V.; doch der beherrscht ein zusammengeerbtes Konglomerat von Staaten, die sich rings um Frankreich gruppieren (Spanien, Niederlande, Luxemburg, Belgien mit Teilen von Nord- und Ostfrankreich, Süditalien und Mailand). Die französische Stabilität beruht stark auf der religiösen Einheit und den nationalen Kriegen gegen Karl V. und seinen Sohn Philipp II., die allerdings den französischen Adel militarisieren. Die vorzeitigen Tode von Heinrich II. und seines ältestens Sohns ein Jahr später schaffen eine gefährliche dynastische Situation, in der die aus Italien stammende Königswitwe Katharina von Medici die Adelsparteien gegeneinander ausspielt, um ihren minderjährigen Söhnen den Thron zu sichern.

Religiöse Hintergründe

Heinrich II. setzt die Repression seines Vaters gegenüber den Hugenotten verstärkt fort. In Frankreich faßt der Protentantismus erst relativ spät in der Variante des Calvinismus Fuß: Das französisch-sprachige Genf steht seit 1536 unter dem dauerhaften Schutz der Schweiz, der sogenannten Eidgenossen. Dort führt der aus Frankreich vertriebene Johannes Calvin die Reformation ein, setzt aber mit der Prädestinationslehre andere religiöse Akzente als das Luthertum in Deutschland und Zwingli in der deutsch-sprachigen Schweiz. Vor allem organisiert Calvin eine systematische Mission, die auf den Adel in Frankreich und den wallonischen Teilen der Vereinigte Niederlande abzielt. Etwa um diese Zeit ist das Deutsche Reich schon in eine Vielzahl von sogenannten Territorien zerfallen, deren Herrscher nach dem Prinzip "Cuius regio, eius religio" ab 1555 auch die Religion in ihren Territorien bestimmen. Heinrich II. möchte eine religiöse Zersplitterung wie in Deutschland verhindern. Eine Übereinkunft nach dem obigen Prinzip des Augsburger Religionsfrieden hätte die unter Franz I. durchgesetzte Zentralisierung Frankreichs zerstört: Die Diskriminierung des Protestantismus ist in der Struktur des damaligen französischen Staates angelegt. Bereits im ersten Jahr seiner Herrschaft richtet Heinrich II die chambre ardente in Paris, einer Kammer, die die hugenottischen Parlamentsabgeordneten verfolgt. 1551 wird dieses Prinzip im Edikt von Châteaubriant dann auch auf die Provinzparlamente ausgedehnt. Das Edikt von Compiègne folgt 1557: "die Ordnung in irgendeiner Weise störende" Protestanten werden der weltlichen Gerichtsbarkeit unterstellt; die Verurteilung wegen Häresie überlässt Heinrich noch der Kirche. Dies gipfelt dann 1559 im Edikt von Écouen: Von nun an dürfen die Gerichte für Häresie nur noch die Todesstrafe verhängen. Diese Repression ist auch außenpolitisch motiviert: Der Thronfolger Franz II. ist mit der schottischen König Maria Stuart verheiratet, die aus katholischer Sicht rechtmässige Ansprüche auf den englischen Königsthron erheben kann. Franz II. hält deshalb die Repression bei. Erst nach seinem Tod versucht seine Mutter als Regentin für den minderjährigen Karl IX. aus dynastischen Gründen eine vorsichtige Toleranzpolitik.

Abfolge der Kriege

Diese Toleranzpolitik wird 1562 von dem entmachteten Onkel von Maria Stuart, Herzog Franz II. von Guise, im Blutbad von Vassy an friedfertigen Hugenotten torpediert. In drei Kriegen sichern sich danach die Hugenotten bis 1570 eine begrenzte Toleranz, abgesichert durch einige wenige Sicherheitsplätze; letztendlich gelingt dies, weil die katholische Seite ihre Kräfte nicht voll mobilisiert: Erster Hugenottenkrieg (1562-1563), Zweiter Hugenottenkrieg (1567-1568) und Dritter Hugenottenkrieg (1568-1570). Danach gelingt es dem hugenottischen Führer Admiral Coligny, den jungen französischen König zu einer antispanischen, pro-protestantischen Politik zu bewegen. Diese wird durch den Mord an Admiral Coligny und etwa 30 000 weiteren Hugenotten in der sogenannten Bartholomäusnacht im August 1572 in Paris beendet. Karl IX. persönlich übernimmt die Verantwortung für das Massaker. Im folgenden Vierten Hugenottenkrieg (1572-1573) werden die Hugenotten bis 1574 in nur wenige Sicherheitsplätze im südlichen Frankreich abgedrängt. Auch unter Heinrich III. gehen die Bürgerkriege nach 1574 weiter. Heinrich III. schwankt: Zeitweise versucht er, die Führung der katholischen Partei persönlich zu übernehmen; zeitweise nähert er sich den Hugenotten, weil er seinen jüngeren Bruder als Führer der Protestanten in den aufständischen Niederlanden etablieren will: Fünfter Hugenottenkrieg (1574-1576), Sechster Hugenottenkrieg (1576-1577), Siebter Hugenottenkrieg (1579-1580). 1585 entmachtet, lässt er 1588 nach weiteren Demütigungen den Herzog Heinrich von Guise, den Führer der katholischen Liga, und dessen Bruder ermorden. Den Aufstand von Paris sucht er im Bündnis mit dem Hugenottenführer Heinrich von Navarra niederzuwerfen, wird dabei aber 1589 selbst ermordet. Mit seinem Tod erlischt die Dynastie der Valois. Heinrich von Navarra aus der Nebenlinie Bourbon wird als Heinrich IV. König, kann sich den Thron aber erst nach der Konversion zum Katholizismus in dem langen Achten Hugenottenkrieg (1585-1598) sichern, den er zuletzt in einen nationalen Krieg gegen Spanien umwandeln kann. Danach beendet 1598 das Edikt von Nantes die Hugenottenkriege. Die Hugenotten erhalten beschränkte religiöse Toleranz, gesichert durch Sicherheitsplätze im südlichen Frankreich, deren hugenottische Besatzung vom König besoldet wird.

Hugenotten als dauerhaftes innenpolitisches Problem

Der 1598 gefundene Kompromiss macht die Hugenotten zu einem Fremdkörper im Staat und zu Bürgern zweiter Klasse, da sie dejure von allen katholischen Kirchenpfründen ausgeschlossen sind und defacto auch von den staatlichen Pfründen. Ab 1598 sinken die Hugenotten langsam von etwa 10% der Bevölkerung zu einer relativ kleinen Minderheit ab. Die separate militärische Macht der Hugenotten kann der französische Staat im Grunde nicht hinnehmen. Kardinal Richelieu zerschlägt 1628 mit der Eroberung von La Rochelle (1628) diese militärische Organisation, gewährt aber weiterhin beschränkte religiöse Toleranz. Unter Ludwig XIV. beginnen ab 1669 erneut Repressionen gegen die Hugenotten, die in den berüchtigten Dragonaden 1681 und im Edikt von Fontainebleau 1685 ihren Höhepunkt finden. In diesem Edikt wird der Protestantismus in Frankreich verboten. Mehr als 250 000 Hugenotten wandern trotz Verbot unmittelbar aus, und noch 1703 bis 1706 kommt es zum sogenannten Camisardenaufstand der Hugenotten in den Cevennen. Die Hugenotten scheinen die katholische Stömung des Jansenismus beeinflußt zu haben. Erst unter Ludwig XVI. werden ab 1787 die Protestanten de jure in Frankreich toleriert.

Wirkung der Hugenottischen Auswanderung

Die ausgewanderten Hugenotten bereichern die Wirtschaft der Zielländer Schweiz, Niederlande, England, Nordamerika, Südafrika und Deutschland und integrieren sich schrittweise in die jeweiligen reformierten Kirchen. So wurden mit dem Edikt von Potsdam vom 29. Oktober 1685 die Hugenotten im lutherischen Preußen aufgenommen. Die Hugenotten repräsentieren in den Zielländern als Calvinisten oder Reformierte eine tolerierte abweichende Variante des Protestantismus: Dadurch setzt sich Religionsfreiheit allmählich in Europa durch. Auch wegen der Hugenotten-Politik ist Frankreich in den letzten Jahrzehnten von Ludwig XIV. isoliert. Die ausgewanderten Hugenotten stabilisieren bis in die napoleonische Zeit die Dominanz der französischen Kultur und Sprache in Europa.

Weblinks


- http://www.conde.de/hugenottenkriege.htm ! ja:ユグノー戦争 ko:위그노 전쟁

1562

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Ausbruch der katholisch-protestantischen Hugenottenkriege in Frankreich
- Gründung des Innsbrucker Jesuitengymnasiums als Vorgänger der Universität Innsbruck
- Friedrich IV. von Wied wird Erzbischof von Köln

Geboren


- 12. Januar: Carlo Emanuele I., Sohn von Emanuele Filiberto von Savoyen
- 22. September: Vincenzo I. Gonzaga, Herzog von Mantua und Montferrat († 1612)
- 25. November: Lope Félix de Vega Carpio, span. Lyriker († 1635)

Gestorben


- 20. Januar: Balthasar von Promnitz, Bischof von Breslau (
- 1488)
- 7. März: Michael Lindener, deutscher Schwankdichter (
- um 1520)
- 1. August: Virgilius Solis, war Zeichner und Kupferstecher (
- 1514)
- 19. Oktober: Eggerik Beninga, friesischer Geschichtsschreiber, einer der ersten Staatsmänner Ostfrieslands (
- 1490)
- 2. November: Gebhard von Mansfeld, Erzbischof von Köln (
- um 1500?)
- 7. Dezember: Adrian Willaert, flämischer Komponist und der Begründer der Venezianischen Schule (
- 1490) ko:1562년

1598

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Am 2. Mai wird von Frankreich und Spanien der Friede von Vervins geschlossen
- Philipp II. von Spanien (1556–1598) und Portugal (1581–1598) stirbt 71jährig, sein Sohn Philipp III. folgt ihm nach
- Der Admiral van Warwick nimmt im Indischen Ozean eine Insel für die Niederlande in Besitz und benennt sie Mauritius
- Der franzöische König Heinrich IV. unterzeichnet am 13. April das Edikt von Nantes

Geboren


- 26. März: Johann Truchseß von Waldburg-Zeil, Abt auf der Reichenau und Domherr in Köln († 1644)
- 11. April: Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar, deutscher Herzog († 1662)
- 17. April: Giovanni Riccioli, italienischer Astronom († 1671)
- 23. April: Maarten H. Tromp, niederländischer Admiral
- 23. September: Eleonora Gonzaga, jüngste Tochter von Vincenzo I. Gonzaga, Herzog von Mantua († 1655)
- 31. Oktober: Franz Albert von Sachsen-Lauenburg, bedeutender Feldherr im Dreißigjährigen Krieg († 1642)
- 7. Dezember: Gian Lorenzo Bernini, italienischer Bildhauer und Baumeister († 1680)
- Vincent Voiture, französischer Dichter und Schriftsteller († 1648)

Gestorben


- 6. Januar: Fjodor I., war Zar von Russland von 1584 bis 1598 (
- 1557)
- 8. Januar: Johann Georg, war von 1571 bis zu seinem Tode Kurfürst von Brandenburg (
- 1525)
- 27. Februar: Friedrich Dedekind, deutscher Schriftsteller und Theologe (
- 1525)
- 8. April: Ludwig Helmbold, lutherischer Kirchenliederdichter (
- 1532)
- 31. Juli: Petrus Albinus, Professor in Wittenberg und Begründer der sächsischen Geschichtsschreibung
- 13. September: Philipp II., König von Spanien, Sohn von Karl V. (
- 1527)
- 18. September: Toyotomi Hideyoshi, japanischer Feldherr und Politiker (
- 1537)
- 15. Dezember: Philips van Marnix, niederländischer Schriftsteller und Politiker (
- 1540) ko:1598년 simple:1598

Hugenotten

Hugenotten ist die seit etwa 1560 gebräuchliche Bezeichnung für die französischen Protestanten. Heute vermeiden die Franzosen dieses abwertende Wort, das vermutlich auf das französische Wort aignos -Eidgenosse- anspielt. Ihr Glaube ist von der Lehre Johannes Calvins geprägt, dem sogenannten Calvinismus, der auch die reformierten Kirchen in Deutschland, den Niederlanden, Südafrika, Schottland und der französischen Schweiz prägte. Die Hugenotten wurden in den Hugenottenkriegen 1562-1598 in den Süden Frankreichs abgedrängt und erhielten im von Heinrich IV., der zuvor von der protestantischen Konfession zum Katholizismus übergetreten war, erlassenen Edikt von Nantes beschränkte Religionsfreiheit und militärische Sicherheitsplätze. 1598 stellten die Hugenotten ca. 10% der französischen Bevölkerung, um bis 1685 auf ca. 5% abzusinken. Besonders die Verfolgungen unter Ludwig XIV. ab 1669 mit der Aufhebung des Edikt von Nantes (1685) lösten eine erneute Fluchtwelle von 250.000 Hugenotten in die umliegenden protestantischen Länder aus. Diese hugenottische Diaspora prägte besonders die weniger entwickelten Gastländer stark und stärkte die kulturelle Hegemonie Frankreichs bis in die napoleonische Zeit. Die französische Verfassung von 1791 garantierte endgültig Religionsfreiheit.

Geschichte der Hugenotten vor den Hugenottenkriegen

Die protestantischen Kirchen in Frankreich entstanden nicht direkt aus der mittelalterlichen Glaubensgemeinschaft der Waldenser, die wegen ihrer friedlichen Grundüberzeugungen im Mittelalter nur mässig verfolgt wurde und so in abgelegenen Rückzugsgebieten wie den Cevennen und dem westlichen Piemont überlebte; das westliche Piemont gehörte 1543-1588 zu Frankreich und fiel durch Gebietstausch 1601 endgültig an Savoyen-Piemont. Die Waldenser schlossen sich ab 1532 teilweise dem Calvinismus an und gingen in Frankreich in den Hugenotten auf. 1521 verurteilte die Sorbonne die Schriften Martin Luthers als ketzerisch. Die Anhänger Luthers wurden gnadenlos verfolgt. Trotzdem breitete sich der reformatorische Gedanke in Frankreich aus. Margarete von Angoulême, durch Heirat Königin von Navarra und deshalb auch als Margarete von Navarra bekannt, hatte als Schwester des französischen Königs Franz I. großen Einfluss: Sie sympathisierte mit der Kirchenreform und sammelte erst in Meaux östlich von Paris, später in Nérac in der Gascogne, protestantisch beeinflußte Humanisten an ihrem Hof. Zu diesem Zeitpunkt verstanden sich diese Humanisten wie auch Erasmus von Rotterdam als Reformkräfte innerhalb der katholischen Kirche. Diese Situation änderte sich ab etwa 1540 mit der katholischen Reformation und dem radikalen protestantischen Calvinismus. Johannes Calvin stammte aus Nordfrankreich, musste jedoch 1533 aus Frankreich fliehen, weil er als radikaler Protestant verfolgt wurde. Er fand Aufnahme in Genf, einer Stadt, die mit ihrer Kirchenordnung, ihrer protestantischen Universität und ihrer planmässigen Mission v.a. im französischen Sprachbereich zum Gegenpol des katholischen Roms wurde. Unter den französischen Königen Heinrich II. und Franz II. 1547-1560 setzte eine scharfe anti-hugenottische Politik ein, die auch außenpolitisch motiviert war: Die schottische Königin Maria Stuart war mit Franz II. verheiratet und konnte aus katholischer Sicht Ansprüche auf den englischen Thron erheben. Trotzdem bildeten sich ab 1555 in ganz Frankreich protestantische Gemeinden nach dem Vorbild der calvinistischen Gemeinde in Genf. Etwa vier Jahre später schlossen sich diese Gemeinden auf einer geheimen Nationalsynode in Paris zur "reformierten Kirche Frankreichs" zusammen. Dort verabschiedeten sie auch ihr Glaubensbekenntnis, die "Confessio gallicana", sowie ihre Kirchenordnung, die "discipline ecclesiastique".

Hugenottenkriege 1562-1598

Katharina von Medici, Mutter und Regentin für den König Karl IX., bemühte sich erfolglos um einen Ausgleich zwischen katholischer und reformierter Kirche. Ab 1562 beginnen die Hugenottenkriege. Auslöser dafür war das Blutbad von Vassy, ein Gemetzel an friedlich zum Gottesdienst versammelten Hugenotten, das der Herzog von Guise entgegen den Intentionen von Katharina von Medici durchführte. Während der nächsten 30 Jahre fanden acht Hugenottenkriege statt. Das schlimmste Ereignis war die sogenannte Bartholomäusnacht vom August 1572: Die Hochzeit des jungen Hugenotten Heinrich von Navarra, dem späteren Heinrich IV., mit der katholischen Margarete von Valois entartet zu einem Massaker an den Hugenotten, die in das südliche Frankreich abgedrängt wurden. Durch Todesfälle im Haus Valois wurde der spätere Heinrich IV. Thronfolger. Im langen Achten Hugenottenkrieg 1584-1598 konnte er durch Konvertierung zum Katholizismus (1593) die katholischen Adeligen schrittweise auf seine Seite ziehen und die spanischen Interventionstruppen aus Frankreich vertreiben. Zur Befriedung erließ er 1598 das Edikt von Nantes. Es bestätigte damit das katholische Bekenntnis als Staatsreligion, gewährt aber Anhängern der reformierten Gemeinden Gewissens- und örtlich begrenzte Kultfreiheit. Hugenotten bekamen auch Zutritt zu öffentlichen Ämtern. Zur Wahrung des Rechts wurden konfessionell gemischte Gerichtshöfe gegründet. Außerdem bekamen sie "Sicherheitsplätze", deren wichtigster die Hafenstadt La Rochelle war.

Hugenotten nach 1598

1610 wurde Heinrich von Navarra vom religiösen Fanatiker François Ravaillac ermordet. Daraufhin begann Ludwig XIII. seine Regierungszeit, die maßgeblich durch Kardinal Richelieu bestimmt wurde. Rebellionen gegen den König beendete Kardinal Richelieu 1627 mit der Belagerung von La Rochelle, bei der 15.000 Einwohner verhungerten. Nach der Kapitulation von La Rochelle verloren die Hugenotten 1629 sämtliche Sicherheitsplätze. Richelieu setzte sich stark für die Zentralisation Frankreichs ein. Trotzdem blieb das Edikt von Nantes in Kraft und war Grundlage ihrer bürgerlichen und religiösen Rechte bis zu seiner Aufhebung im Edikt von Fontainebleau. Ab 1643 war Ludwig XIV. König von Frankreich. Ab 1669 wurden die Hugenotten verfolgt und zwangsweise rekatholisiert. Dazu dienten die berüchtigten Dragonaden. Der König hatte das Recht, Soldaten (in diesem Fall Dragoner) bei Bürgern einzuquartieren. Dieses Recht wurde dazu missbraucht, bekannte Hugenotten zu terrorisieren. 1685 erließ Ludwig XIV. das Edikt von Fontainebleau, das das Duldungsedikt seines Großvaters Heinrich IV. aufhob. Er wollte damit die Glaubenseinheit in Frankreich wiederherstellen. Im wesentlichen waren folgende Maßnahmen vorgesehen:
- Alle protestantischen Kirchen sollen sofort zerstört werden, der Wiederaufbau ist verboten.
- Private Versammlungen und Gottesdienste werden verboten.
- Die Hugenotten sollen rekatholisiert werden und ihre Kinder katholisch erzogen werden.
- Alle Geistlichen, die nicht zum katholischen Glauben wechseln wollen, sollen das Land innerhalb von 14 Tagen verlassen.
- Kinder, die älter als 7 Jahre sind, müssen zurückbleiben und werden im Schutz der staatlichen Fürsorge katholisch erzogen.
- Die Auswanderung der protestantischen Gemeindemitglieder wird verboten. In Brandenburg-Preußen erließ Kurfürst Friedrich Wilhelm am 29. Oktober 1685 das Edikt von Potsdam, in dem er die französischen Reformierten in sein im Dreißigjährigen Krieg verwüstetes und entvölkertes Land einlädt. Die hugenottischen Kolonisten wurden zudem mit Privilegien und Beihilfen ausgestattet. Allen Diskriminierungen zum Trotz, gelang es etwa 250.000 Hugenotten in protestantische Nachbarländer zu fliehen (Réfugiés). Nach 1700 ebbte der Flüchtlingsstrom ab, doch die Verfolgung der Hugenotten, z.B. im Cevennenkrieg, endete erst mit dem Ende der Regierung von Ludwig XIV.

Siehe auch


- hugenottische Diaspora
- Kamisarden
- Hugenottenkreuz
- Waldenser

Weblinks


- [http://www.hugenotten.de Deutsche Hugenotten-Gesellschaft]
- [http://www.hugenottenmuseum.de Deutsches Hugenottenmuseum, Bad Karlshafen] ! Kategorie:Christentumsgeschichte (Reformationen) Kategorie:Reformierte Kultur ja:ユグノー

Heinrich IV. (Frankreich)

Heinrich IV. (frz. Henri IV le Grand (der Große)) (
- 13. Dezember 1553 in Pau, Navarra, heute zu Frankreich gehörig; † 14. Mai 1610 in Paris) war von 1589 bis 1610 König von Frankreich und Navarra. Er war der erste König aus dem Haus Bourbon. In seiner gascognischen Heimat nannte man ihn "Lo nostre rei Enric" - unser König Heinrich. gascognischen

Leben

1553–1567: Kindheit und Jugend

Heinrich wurde am 13. Dezember 1553 in Schloss Pau in den südwestfranzösischen Pyrenäen - an der Grenze zur französischen Region Béarn - als zweiter Sohn des katholischen Herzogs von Vendôme, Anton von Bourbon, und der protestantischen Königin von Navarra, Johanna von Albret, geboren. Einige Quellen berichten, Heinrich sei der dritte Sohn, dessen zwei ältere Brüder ebenfalls Heinrich hießen aber noch vor seiner Geburt starben. Seine Mutter war die Lieblingsnichte des damaligen Königs von Frankreich - Franz I. - und Navarra - Heinrich II. von Albret. Unter Heinrichs Großmutter Margarete wurde das Königreich Navarra zum Sammelpunkt der Protestanten und religiösen Reformer, denen in Paris Kerker, Verbannung und Scheiterhaufen drohten. Ihre Tochter Jeanne machte die Schlösser Pau und Nérac zum Zentrum des französischen Protestantismus. Heinrich wurde am 6. März 1554 im großen Saal des Schlosses katholisch getauft. Ein Jahr später starb Heinrichs Großvater Heinrich von Albret und Heinrich, dessen Erziehung aus familiären Gründen dem Großvater oblag, wurde kurz darauf der Obhut seiner Tante Suzanne de Bourbon-Busset anvertraut und wurde bis 1560 sehr bäuerlich und volksnah im Schloss des Dorfes Coarraze erzogen. Im Februar 1557 wurde Heinrich am Louvre, dem Pariser Königshof, dem französischen König Heinrich II., sowie seiner Cousine und späteren Frau Margarete von Valois vorgestellt. Der König kam 1559 bei einer Feier eines Friedensvertrags ums Leben, Nachfolger wurde sein Sohn Franz II.. Der junge Heinrich, nun auch Prinz von Navarra, wurde protestantisch vom Erzieher La Goucherie erzogen. Karl IX. folgte am 5. Dezember 1960 seinem toten Bruder Franz II. auf den Thron, und da er erst zehn Jahre alt war, übernahm seine Mutter Katharina von Medici die Regierungsgeschäfte. Die beiden Onkel Franz von Guise und Karl von Guise dominierten schon zu Regierungszeiten Franz' II. die Politik. Katharina versuchte nun, deren Macht einzuschränken, indem sie die Anwärter des Hauses Bourbon - das Geschlecht von Heinrich von Navarra - an der Regentschaft beteiligte, unter anderem dadurch, dass Heinrichs Vater Anton 1561 Generalleutnant des Königreiches wurde. Seine Frau Johanna folgte mit Heinrich Anton an den Pariser Hof. 1562 ging sie zurück nach Navarra, Heinrich musste bei Katharina bleiben und wurde von Johanna von Losse zum katholischen Glauben zurückgeführt. Aus Rache für den Machtverlust organisierten Franz und Karl von Guise das Blutbad von Vassy am 1. März, womit der erste Hugenottenkrieg ausbrach. Anton kämpfte an der Seite der Katholiken und starb noch im selben Jahr an den Folgen einer Wunde, die er sich während der Belagerung Rouens am 17. November zuzog. Da Heinrich nun der Herzog von Vendôme wurde, holte seine Mutter, die alleinige Königin von Navarra, ihn gegen den Willen der entmachteten Katharina zurück nach Navarra. Sein ehemaliger Erzieher, La Goucherie, lehrte ihn fortan die calvinistischen Lehren. Nach dem Ende des ersten Hugenottenkrieges 1563 führte Katharina ihren Sohn und späteren König Karl IX. auf einer großen Rundreise durch das ganze Reich. Der Herzog von Vendôme und Prinz von Navarra war immer dabei. Auf Schloss Empéri trat am 17. Oktober 1564 der Astrologe Nostradamus in Heinrichs Gemach und verkündete ihm, dass er eines Tages Frankreich und Navarra unter einer Krone vereinen werde. Im Mai 1566 endete die Reise, zu der im Januar Johanna von Albret stieß. Ein Jahr später verließ sie mit ihrem Sohn den königlichen Hof. Er wurde Generalleutnant von Navarra und unternahm seine ersten Kriegszüge gegen die baskischen Edelleute.

1567–1573: Bartholomäusnacht und vierter Hugenottenkrieg

1567 entbrannte der zweite Hugenottenkrieg mit einem Überfall des Fürsten Heinrich I. von Bourbon-Condé und Katharina wollte den gerade mal 14-jährigen Heinrich als protestanisches Unterpfand wieder in ihren Hofstaat zurück sehen. Er wurde das Ziel von Entführungsversuchen. Der Krieg endete 1568. Da aber beide Parteien ihre Truppen mobilisiert ließen, mündete er fast nahtlos in den dritten Hugenottenkrieg. Im Septemer 1568 machte Heinrich Bekanntschaft mit seinem Onkel Ludwig von Bourbon-Condé in La Rochelle, der ein Führer der protestantischen Armee war. Der 14-Jährige Heinrich begleitete seinen Onkel während der Feldzüge, die zuerst die zwei Fürsten des Hauses Condé, später ab 1570 Gaspard II. von Coligny anführten. Im August 1570 kam mit dem Frieden von Saint-Germain ein Friedensvertrag zwischen den Katholiken und den Hugenotten zu Stande. Am 9. Juni 1572 verstarb Johanna von Albret, wodurch aus Heinrich, Prinz von Navarra, Heinrich III. von Navarra wurde. Im selben Jahr heiratete er Margarete von Valois, Schwester des französischen Königs Karl IX. am 18. August 1572 in Paris, um den Frieden von Saint-Germain zu besiegeln. In Massen begleiteten die Hugenotten "ihren" König zur Hochzeit. Der Trauung folgten drei Tage voller Feste und Volksbelustigungen, bis auf den protestantischen Admiral und Heerführer Gaspard II. von Coligny ein missglücktes Attentat verübt wurde. Von Coligny gewann vor der Hochzeit Einfluss auf Karl und bedrohte damit die Regentschaftsansprüche von Karls Mutter Katharina. Er drängte auf eine Unterstützung der aufständischen Reformierten in Flandern gegen die Herrschaft des spanischen Königs Philipp II. durch ein vereintes Heer aus Katholiken und Hugenotten. Er sah dies als einzige Alternative zu einem Bürgerkrieg in Frankreich, lief damit jedoch den langjährigen Friedensbemühungen Katharinas zuwider. Sie wollte die Schuld für das Attentat der Familie der Guise anlasten, um durch eine so intensivierte bereits bestehende Privatfehde - ein Freund von Colignys hatte 1563 den Herzog von Lothringen Franz von Guise ermordet - beide einflussreiche Parteien zu neutralisieren. Katharina beeinflusste ihren Sohn Karl und intrigierte zwei Tage lang, bis er alle nach Paris gereisten Hugenotten ermorden ließ. Dieses Gemetzel fand am 24. August, dem Namenstag des Apostels Sankt Bartholomäus, statt weshalb es als Bartholomäusnacht in die Geschichte einging. In Paris starben etwa 3000 Hugenotten (einschließlich des Admirals von Coligny und weitere Hugenottenführer), im übrigen Frankreich um die 30.000 weitere. Der ebenfalls protestantische neuvermählte Heinrich wurde daraufhin gefangen genommen und vor Karl geführt. Er bekam die Wahl zwischen Gefangenschaft in der Bastille, Tod durch den Galgen oder Übertritt zum Katholizismus. Heinrich entschied sich für die Taufe und schrieb, vermutlich unter Katharinas Diktat, an Papst Gregor XIII. eine Bitte um Aufnahme in die katholische Kirche. Für die folgenden 39 Monate war Heinrich Staatsgefanger im Louvre, während der dritte Hugenottenkrieg das Land heimsuchte. Die führerlosen Hugenotten wurden zunehmend auf die südfranzösischen Städte La Rochelle, Nîmes und Montauban zurückgedrängt. Heinrich wurde außerdem zum König Polens gewählt, worauf er aber verzichtete. Montauban]

1574–1594: Übernahme der französischen Krone

1574 starb Karl IX. am 31. Mai. Sein Nachfolger auf dem französischen Königsstuhl wurde sein Bruder Heinrich III., der aber weder verheiratet noch Vater war. Zwei Jahre später gelang Heinrich von Navarra und Valois die Flucht aus den Appartements des Louvre, worauf er den katholischen Glauben wieder ablegte. 1578 sahen sich Heinrich und Margarete nach 32 Monaten Trennung im Guyenne wieder, wo er seit 1576 Gouverneur war. 1582 kehrte Margarete zurück in den Louvre. Ein Jahr später kam es zu einem großen Familienzwist, nachdem Margaretes Bruder Heinrich III. wegen ihres Betragens vom Hof verwiesen wurde. Auslöser dessen war wahrscheinlich der Umstand, dass ihr Ehemann sich Cortisande d'Andouins als Mätresse hielt. Ab März 1584 hielt sich Margarete unter dem Vorwand, Anschlägen Cortisandes zu entgehen, in Agen auf. Sie begann Feindseligkeiten gegen ihren Mann aufzubauen und wurde daraufhin gezwungen, sich in der Festung von Usson einzusperren. Nachdem nun Katharinas letzter Sohn gestorben war, konnte sich der kinderlose Heinrich III. sicher sein, dass seine Linie Valois mit ihm aussterben würde. Als er 1589 von einem Dominikanermönch erstochen wurde, war der rechtmäßige Nachfolger sein Schwager Heinrich von Navarra. Heinrich III. bestätigte dieses auf seinem Totenbett, forderte jedoch Heinrichs (von Navarra) Rückkehr zum katholischen Glauben. Nach langwierigen Kämpfen mit den französischen Katholiken und den habsburgischen Spaniern konvertierte Heinrich von Navarra am 25. Juli 1593 erneut zum Katholizismus, indem er in der Basilika Saint-Denis die Kommunion empfing. Seine Konversion kommentierte er mit dem Ausspruch »Paris vaut bien une messe.« ("Paris ist eine Messe wert." - Nach Robert Merle hat er allerdings diesen Satz nie selbst gesagt. Wie viele andere Sprüche hat das französische Volk dem beliebten König diese Aussage zugeordnet). Damit stand seinem Thronanspruch nichts mehr im Wege, und er wurde am 27. Februar 1594 in der Kathedrale Notre-Dame de Chartres gesalbt und zum König gekrönt.

1594–1610: König von Frankreich

Noch im selben Jahr bestand Heinrich (fortan der IV.) seine erste Handlung als König mit der Abwehr einer spanischen Invasionsarmee und söhnte sich danach zuerst mit dem Oberhaupt der Liga, dann mit dem spanischen König Philipp II. aus. Das Land wurde nach langer Zeit wieder geeint, nachdem der Herzog von Savoyen, Karl-Emanuel I., aus der Provence vertrieben und die Bretagne unterworfen worden war. Am 13. April 1598 erließ Heinrich IV. das Edikt von Nantes, das bis zum Edikt von Fontainebleau 96 Jahre Religionsfrieden sichern sollte. Den protestantischen Franzosen wurden zwar keine Rechte, aber Privilegien, Gleichberechtigung gegenüber Katholiken, Zugang zu öffentlichen Ämtern und 100 sichere Orte in ganz Frankreich zugesprochen. Mit Hilfe des seit 1597 an der Spitze des Finanzhaushaltes gestellten Herzogs von Sully, Maximilien de Béthune, erlebte Frankeich einen spektakulären wirtschaftlichen und finanziellen Aufschwung. Die Infrastruktur und die Landwirtschaft wurden modernisiert, der Staatshaushalt nach der Tilgung einer 200-Millionen-Livres-Staatsschuld ausgeglichen und die Verwaltung reorganisiert, indem überflüssige königliche Ämter aufgehoben wurden. Maximilien de Béthune ließ Kanäle und Häfen anlegen und hob die Zölle für Getreide auf. Zusammen mit der Viehzucht erklärte er den Ackerbau für die "Brüste, von denen Frankreich sich nähren solle." Ackerbau] 1599 verlobte sich Heinrich IV. mit Maria von Medici, der damals reichsten Erbin des Europäischen Kontinents. Nachdem im Dezember die Ehe mit Margarete von Valois durch Papst Klemens VIII. (sie blieb allerdings Königin) annuliert wurde, konnte die Heirat zwischen Maria und Heinrich stattfinden. Im April wurden sie "in procuration" verheiratet, das heißt, in Abwesenheit von Maria, da sie sich noch auf dem Weg nach Marseille befand, wo sie Anfang Dezember eintraf. Der Dauphin Ludwig wurde am 27. September 1601 in Fontainebleau geboren. In einem Gespräch mit Karl-Emanuel von Savoyen äußerte Heinrich den Wunsch, "dass in meinem Land jeder Bauer sonntags sein Huhn im Topf hat!" Da zu jener Zeit 80 % der Bevölkerung auf dem Land lebte, bedeutete diese Aussage, dem Volk allgemein ein besseres Leben zu wünschen. 1610 bereitete er 57-jährig einen Einfall in die spanischen Niederlande vor, um den reformierten Fürsten im Heiligen Römischen Reich zu Hilfe zu eilen. Seine Frau Maria de Medici wurde am Abend des 13. Mai - drei Tage vor seiner geplanten Abreise - in Saint-Denis gekrönt und gesalbt, damit sie während Heinrichs Abwesenheit die Regierungsgschäfte mit entsprechender Autorität führen könne. Einen Tag später begab Heinrich sich mit sechs weiteren Edelmännern ohne Garde auf den Weg zu Maximilien de Béthune. In der Rue de la Ferronnerie, einer engen, schlecht befahrbaren Straße stellte sich der königlichen Karosse (Kutsche mit zwei offenen Schlägen) ein Hindernis in den Weg. Zwei Wagen wollten aneinander vorbei, konnten dies aber nicht auf Grund der mangelnden Breite der Straße. Die Edelleute stiegen bis auf den Herzog von Montbazon aus, sodass Heinrich völlig ungeschützt war. Das nur zwei in der Karosche waren erklärt auch, warum niemand den Königsmörder François Ravaillac hat kommen sehen, der auf den Wagen sprang und mit einem Messer dreimal in die Brust des Königs stieß. Der erste Messerstich glitt an Heinrichs Rippen ab, der zweite durchtrennte den Haupstrang der Schlagader kurz über dem Herzen und durchstieß den linken Lungeflügel, der dritte glitt Stich ebenfalls ab und traf den Herzog von Montbazon. Ravaillac wurde mitsamt dem König zum Louvre gefahren, auf dem Weg dahin verstarb Heinrich. Jérôme Luillier, königlicher Generalanwalt der Rechnungskammer und Staatsrat berichtet über die Ankunft im Louvre, dass "der König tot auf seinem Bett [das Bett der Königin] ausgestreckt, in voller Kleidung mit aufgeknöpften Wams und blutigem Hemd. Dessenungeachtet stand der Kardinal de Sourdis an seinem Kopfende, an seiner Seite ... der Schloßkaplan und der Leibarzt der Königin ...; sie sprachen die Mahngebete... Doch der arme Fürst war schon verschieden." Der Dauphin Ludwig wurde im Alter von neun Jahren als Ludwig XIII. sein Nachfolger, während Frankreich und vor allem Heinrichs gascognische Heimat Trauer trug.

Nachkommen

Die kinderlose Ehe mit Margarete von Valois wurde 1599 durch den Papst Clemens VIII. annulliert. Am 5. Oktober 1600 vermählte er sich in zweiter Ehe mit Maria von Medici. Zusammen hatten sie die Kinder
- Ludwig XIII, (
-  27. September 1601),
- Isabelle/Elisabeth, (
-  22. November 1603)
- Christine Marie, (
-  10. Februar 1606)
- Nicolas Henri, (
-  16. April 1607)
- Gaston, (
-  25. April 1608)
- Henriette Marie, (
-  26. November 1609) Zudem hatte er noch die unehelichen Kinder: Mit Gabrielle d'Estrées:
- César de Vendôme, (
-  3. Juni 1594), legitimiert 1595
- Catherine Henriette, (
-  14. November 1596), legitimiert 1596
- Alexandre de Vendôme, (
-  14. April 1598), legitimiert 1599 Mit Catherine Henriette de Balzac d'Entragues:
- Gaston Henri de Verneuil (
-  3. November 1601), legitimiert 1603
- Gabrielle Angélique, (
-  21. Januar 1603), legitimiert 1622 Mit Jacqueline de Bueil:
- Antoine (
-  9. Mai 1607), legitimiert 1608 Mit Charlotte des Essarts,
- Jeanne Baptiste (
-  1608), legitimiert 1608
- Marie Henriette (
-  1609) Sowie:
- Marie (
-  1571)
- Jeanne (
-  1572)
- Heinrich (
-  1599)

Vorfahren

┌──< Franz (1470-1495), │ Graf von Vendôme │ ┌──< Karl IV. │ Herzog von Bourbon und Vendôme │ │ │ └──< Marie de Luxembourg (1462-1546) │ Gräfin von Saint-Pol │ ┌──< Anton von Bourbon (15181562), Antoine de Bourbon │ Herzog von Bourbon und Vendôme, König von Navarra │ │ │ │ ┌──< René I. (14541492), │ │ │ Graf von Alençon │ │ │ │ └──< Françoise d'Alençon (14901550) │ ... │ │ │ └──< Margarete von Lothringen (14631521) │ ... │ Heinrich IV. (15531610), Henri Quatre König von Navarra (Heinrich III.) und Frankreich │ │ ┌──< Johann III. (14691516), Jean d'Albret │ │ König von Navarra │ │ │ ┌──< Heinrich II. (15031555), Henri II d'Albret │ │ König von Navarra │ │ │ │ │ └──< Katharina I. (14681517), Catherine de Foix │ │ Königin von Navarra │ │ └──< Johanna von Albret (15291572), Johanna III. Königin von Navarra │ │ ┌──< Karl von Orléans (14591496), Charles d'Orléans │ │ Graf von Angoulême Herzog von Orléans │ │ └──< Margarete von Angoulême (14931549), Marguerite de Angoulême Gräfin von Angoulême │ └──< Luise von Savoyen (14761531), Louise de Savoie Herzogin von Angoulême

Literatur


- Madele Saint-Rene Taillandier : Heinrich IV. – Der Hugenotte auf Frankreichs Thron. Diederichs, 1996, ISBN 3-424-01240-8
- Maurice Adrieux (Übersetzung von Ulla Leipe): Heinrich IV. - Frankreichs guter König. (Original: Henri IV) Societäts-Verlag, Paris 1955, ISBN 3 7973 0330 0
- Roland Mousnier: Ein Königsmord in Frankreich - Die Ermordung Heinrichs IV. Propyläen-Verlag, 1970, ISBN

Belletristik


- Heinrich Mann: Die Jugend des Königs Henri Quatre
- ders.: Die Vollendung des Königs Henri Quatre
- Robert Merle: Die gute Stadt Paris
- ders.: Noch immer schwelt die Glut
- ders.: Paris ist eine Messe wert
- ders.: Der wilde Tanz der Seidenröcke Kategorie:Mann Kategorie:Franzose Kategorie:König (Frankreich) Kategorie: König (Navarra) Kategorie:Haus Bourbon Kategorie:Reformierter Kategorie:Ancien Régime Kategorie:Hugenottenkriege (Person) Kategorie:Geboren 1553 Kategorie:Gestorben 1610 ja:アンリ4世 (フランス王) simple:Henry IV of France

Dreißigjähriger Krieg

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war zugleich ein Religionskrieg und ein klassischer Staatenkonflikt um Hegemonie oder Gleichgewicht zwischen den Mächten Europas. In ihm entluden sich sowohl die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union innerhalb Deutschlands als auch der habsburgisch-französische Gegensatz auf europäischer Ebene. So trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus. Die Feldzüge und Schlachten fanden überwiegend auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation statt. Die Kriegshandlungen selbst, aber auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten ganze Landstriche des Reiches. In Süddeutschland etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Alle wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse wurden völlig umgestürzt. Deutschland brauchte mehr als ein Jahrhundert, um sich von den Kriegsfolgen zu erholen. Seuche

Vorgeschichte und Ursachen

Konfessionelle Gegensätze

Nach der ersten Phase der Reformation, die Deutschland konfessionell gespalten hatte, versuchten die katholischen und protestantischen Landesherren zunächst, eine für beide Seiten akzeptable Verfassungsordnung und ein Mächtegleichgewicht zwischen den Konfessionen im Reich zu finden. Im Augsburger Religionsfrieden vom 25. September 1555 einigten sie sich schließlich auf den Grundsatz cuius regio, eius religio (Wer die Herrschaft hat, bestimmt die Glaubensrichtung seiner Untertanen). Seither waren das katholische und das lutherische Glaubensbekenntnis als gleichberechtigt anerkannt, nicht jedoch das reformierte. Mit der weiteren Ausbreitung der Reformation gegen Ende des 16. Jahrhunderts und dem gleichzeitigen Wiedererstarken des Katholizismus in der Gegenreformation schwand jedoch zunehmend die Bereitschaft zum Kompromiss. Eine neue Generation von Fürsten – sowohl auf katholischer als auch auf evangelischer Seite – strebte danach, mit Gewalt die eigene Position auf Kosten der Gegenseite auszubauen oder verlorengegangenes Terrain zurückzugewinnen. Dazu kam das Bestreben der Calvinisten nach reichsrechtlicher Gleichstellung ihrer Konfession. Verschärft wurde die Lage in Deutschland zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch eine Wirtschaftskrise sowie durch dynastische Konflikte, die weit über den konfessionellen Gegensatz hinausgingen.

Dynastische Gegensätze

Seit Beginn des 16. Jahrhunderts versuchte Frankreich sich aus der Umklammerung durch die Habsburgischen Territorien – Spanien, die Niederlande und die Freigrafschaft Burgund – zu lösen. Der habsburgisch-französische Konflikt um die Vorherrschaft überlagerte bis zum 18. Jahrhundert alle anderen Auseinandersetzungen in Europa, so auch den Dreißigjährigen Krieg. Beide Seiten suchten sich dabei ihre Verbündeten auch jenseits konfessioneller Grenzen. So unterstützte das katholische Frankreich die protestantischen Niederlande, die seit 1568 einen Unabhängigkeitskrieg – den so genannten Achtzigjährigen Krieg - gegen die spanische Linie der Habsburger führten, deren Oberhaupt die römisch-deutsche Kaiserkrone trug. Nach fast 40 Jahren Krieg schlossen Spanien und die Niederlande 1609 einen Waffenstillstand, der aber auf 12 Jahre befristet war.

Verschärfung der Konfliktlage

Während der erneute Ausbruch des Kampfes um die Niederlande absehbar war, verschärften sich die konfessionellen Gegensätze im Reich: Im Jahr 1608 untersagte der protestantische Rat der Stadt Donauwörth den Katholiken die Ausübung ihres Glaubens. Daraufhin wurde über die Stadt die Reichsacht verhängt. Herzog Maximilian I. von Bayern führte Donauwörth gewaltsam zum katholischen Glauben zurück. Als Reaktion darauf schlossen sich die meisten protestantischen Reichsstände zur Protestantischen Union zusammen, um den Bestrebungen zur Rekatholisierung evangelischer Gebiete entgegenzutreten. Führer der Union war der calvinistische Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz. Im Gegenzug schlossen sich 1609 die katholischen Reichsstände unter der Führung Maximilians I. von Bayern – einem Wittelsbacher wie Friedrich V. – zur Katholischen Liga zusammen. Katholischen Liga Konfessionelle und dynastische Spannungen hatten mittlerweile in ganz Europa ein enormes Konfliktpotenzial angehäuft. Diese Spannungen hätten sich beinahe bereits 1610 im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit entladen und zum Ausbruch eines großen, gesamteuropäischen Krieges geführt. Verhindert wurde dies nur durch die Ermordung des französischen Königs Heinrich IV., der die treibende Kraft hinter dem anti-habsburgischen Bündnis gewesen war.

Der Ausbruch des Krieges

Der Auslöser, der zum Ausbruch des großen Krieges führte, war schließlich der Aufstand der mehrheitlich protestantischen böhmischen Stände im Jahr 1618. Im Streit um die Nutzung einer Kirche in dem böhmischen Dorf Braunau hatte der streng katholische, gegenreformatorisch gesinnte österreichische Erzherzog und König von Böhmen Ferdinand II., der 1619 zum Kaiser gewählt werden sollte, den Majestätsbrief widerrufen, der den Protestanten in Böhmen Religionsfreiheit zugesichert hatte. Die Aufständischen schritten im Mai 1618 zu einer in Böhmen traditionellen Form des Protests und warfen die kaiserlichen Räte Martinitz und Slavata sowie einen Sekretär aus einem Fenster der Prager Burg. Zufällig überlebten die kaiserlichen Räte den Fenstersturz, weil sie wahrscheinlich auf einen Misthaufen gefallen waren. Die Errettung wurde nachher von katholischer Seite als göttliche Fügung angesehen. Dieser 2. Prager Fenstersturz gilt bis heute als Auslöser des Krieges. Die böhmischen Stände beriefen sich nun auf ihr angestammtes Recht, ihren König selbst zu wählen und erklärten 1619 Ferdinand für abgesetzt. Statt seiner wählten sie den Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, das Oberhaupt der Protestantischen Union im Reich. Beeinflusst von seinem Minister, Christian I. von Anhalt-Bernburg, akzeptierte Friedrich die Wahl, erhielt von den protestantischen Reichsständen nach der Unterzeichnung des Ulmer Vertrags jedoch nicht die erhoffte militärische Unterstützung. Dennoch zog Friedrich in Prag ein. Er hoffte auch auf Unterstützung aus dem international recht agilen Kalvinismus, wie etwa in den Freien Niederlanden und auf seine engen verwandtschaftlichen Beziehungen zur englischen Krone. Er sollte dort aber nicht länger als ein Jahr regieren und als "Winterkönig" in die Geschichte eingehen. Der Aufstand der böhmischen Stände bedeutete eine grundsätzliche Infragestellung der kaiserlichen Vorherrschaft, die Ferdinand II. nicht akzeptieren konnte, ohne das gesamte Machtgefüge des Reiches zu gefährden. Da ihm aber selbst die Mittel für einen Krieg mit Friedrich V. und den böhmischen Ständen fehlten, schloss er mit Maximilian I. von Bayern den Vertrag von München. Danach sollte der Herzog den böhmischen Aufstand mit einer Armee der Katholischen Liga niederschlagen. Im Gegenzug sollte der bayerische Wittelsbacher die Kurwürde seines pfälzischen Vetters Friedrich erhalten und die Oberpfalz für Bayern annektieren dürfen. annektieren Mit der Entsendung der Liga-Truppen unter der Führung des bayerischen Feldherrn Johann Tserclaes Tilly nach Böhmen trat der Konflikt endgültig in die kriegerische Phase ein. Alle Beteiligten waren entscheidende Schritte zu weit gegangen: Ferdinand II., der seine katholische Überzeugung über Frieden und Kompromiss in seinem Herrschaftsbereich stellte; Friedrich V., der eine Krone akzeptierte, die traditionell den Habsburgern zustand, wohl wissend, dass Ferdinand II. schon aus Gründen der Reputation nicht kampflos auf sie verzichten konnte; und schließlich Maximilian I., der die Unterstützung des Kaisers von Forderungen abhängig machte, die das Mächtegleichgewicht im Reich so stark zugunsten des Katholizismus verschieben mussten, dass die protestantischen Fürsten dies nicht würden hinnehmen können.

Der Verlauf

Obwohl zunächst religiös begründet, wurde im Verlauf des Krieges schon bald offenbar, dass er aus rein machtpolitischen Gesichtspunkten geführt wurde. Im Gebiet des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation bekriegten sich zwei Machtblöcke, die beide von katholischen Mächten geführt wurden: die spanischen und österreichischen Habsburger einerseits und Frankreich andererseits. Insgesamt lassen sich in den 30 Jahren von 1618 bis 1648 vier aufeinanderfolgende Konflikte unterscheiden.

Böhmisch-pfälzischer Krieg (1618–1623)

Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation Anfänglich erschien es so, als würden die böhmischen Stände mit ihrem Aufstand erfolgreich sein. Das böhmische Heer unter Heinrich Matthias von Thurn drang in die österreichischen Stammlande der Habsburger ein und stand am 6. Juni 1619 vor Wien. Besonders der mit den Böhmen verbündete Fürst von Siebenbürgen, Bethlen Gábor, machte Kaiser Ferdinand II. schwer zu schaffen. Erst als der Kaiser im Münchner Vertrag (8. Oktober 1619), die Unterstützung von Maximilian I. von Bayern versprochen bekam, der protestantische Kurfürst von Sachsen, Johann Georg I. an die Seite des Kaisers trat und die in der Union zusammengeschlossenen protestantischen Reichsstände Friedrich V. von der Pfalz nicht adäquat zu Hilfe kamen (Ulmer Vertrag), wendete sich das Kriegsblatt. In der Schlacht am Weißen Berg wurde das Heer der böhmischen Stände unter Christian I., Fürst von Anhalt-Bernburg von den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Tilly und Karl Bonaventura Graf von Buquoy schwer geschlagen. Nach der Schlacht floh Friedrich aus Böhmen, über ihn wurde die Reichsacht verhängt. Ein Großteil der aufständischen böhmischen Adeligen wurde am 21. Juni 1621 hingerichtet. Schon vorher hatte sich die Protestantische Union aufgelöst. 1621 Die noch verbliebenen protestantischen Heerführer Christian von Halberstadt und Ernst von Mansfeld setzten den Krieg außerhalb Böhmens fort. In den pfälzischen Erblanden des "Winterkönigs" konnten sie zunächst bei Wiesloch und Wimpfen größere Erfolge feiern, mussten jedoch bei Höchst gegen die Kaiserlichen und bei Fleurus gegen die Spanier schwere Niederlagen erleiden. Die Pfalz konnte nicht gehalten werden und Friedrich V. verlor am 23. Februar 1623 die Kurwürde, die auf Maximilian von Bayern übertragen wurde. Christian von Halberstadt erlitt bei Stadtlohn erneut eine verheerende Niederlage und seine dezimierten Truppen waren fortan für die Kaiserlichen kein ernstzunehmender Gegner mehr.

Dänisch-niedersächsischer Krieg (1623–1629)

Nachdem die protestantischen Heere im Reich eine Niederlage nach der anderen erlitten hatten, griff nun Christian IV. von Dänemark zu den Waffen. Der dänische König plante mit seinem Verbündeten Ernst von Mansfeld einen Feldzug, der sich zunächst gegen Thüringen und dann gegen Süddeutschland richten sollte. Christian konnte diesen Plan jedoch nicht umsetzen, da er am 27. August 1626 bei Lutter am Barenberge eine vernichtende Niederlage gegen Tilly einstecken musste. Nach der Schlacht verloren die Dänen die Unterstützung sämtlicher protestantischer Fürsten in Norddeutschland. Bereits am 25. April 1626 hatte Christians Verbündeter Ernst von Mansfeld an der Dessauer Elbbrücke eine entscheidende Niederlage gegen den kaiserlichen Feldherren Wallenstein erlitten. Mansfelds militärische Karriere war nach der Schlacht beendet. Die protestantische Sache im Reich schien verloren und Ferdinand II. erließ das Restitutionsedikt (1629), das den Höhepunkt der kaiserlichen Macht im Reich markierte.

Schwedischer Krieg (1630–1635)

1629 Nachdem mit Dänemark eine Ostseemacht aus dem Dreißigjährigen Krieg ausgeschieden war, sah Gustav Adolf von Schweden die Chance gekommen seine hegemonialen Ansprüche in Nordosteuropa durchzusetzen. Er landete mit seiner Armee am 4. Juli 1630 auf Usedom und zwang Pommern, Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen zu einem Bündnisvertrag. Am 17. September 1631 trafen die Schweden bei Breitenfeld auf die kaiserlichen Truppen unter Tilly, der noch kurz zuvor die Stadt Magdeburg dem Erdboden gleich gemacht hatte. Tilly wurde vernichtend geschlagen und konnte auch im folgenden Jahr den Vormarsch der Schweden in Süddeutschland nicht aufhalten. In der Schlacht bei Rain am Lech wurde er verwundet und zog sich nach Ingolstadt zurück, wo er am 30. April an den Folgen der Verwundung starb. Die Schweden versuchten die Stadt einzunehmen, was ihnen jedoch nicht gelang. Diesen Zeitvorsprung nutzte Kurfürst Maximilian um von Ingolstadt nach Regensburg zu ziehen und es zu besetzen. Die Schweden drangen daraufhin bis München vor und bedrohten Österreich. Österreich In dieser für den Kaiser gefährlichen Situation ernannte er den 1630 auf dem Reichstag von Regensburg entlassenen Wallenstein erneut zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen (April 1632). Wallenstein gelang es tatsächlich Gustav Adolf Paroli zu bieten. Der charismatische schwedische König verlor in der Schlacht bei Lützen am 16. November 1632 das Leben. Die Herrschaft für die noch unmündige Christine von Schweden, Tochter Gustav Adolfs, übernahm Axel Oxenstierna. Dieser schloss mit den Protestanten des fränkischen, schwäbischen und rheinischen Reichskreises den Heilbronner Bund (1633–1634) und führte den Kampf weiter. Sein fähigster Gegner Albrecht von Wallenstein wurde am 26. Februar 1634 in Eger ermordet. Im selben Jahr konnten die kaiserlichen Armeen in der Schlacht bei Nördlingen den ersten wirklich großen Sieg über die Schweden unter dem bedeutenden Feldherrn Bernhard von Sachsen-Weimar erringen. Bernhard von Sachsen-Weimar Die protestantischen Reichstände, zuallererst Kursachsen brachen im Jahre 1635 aus dem Bündnis mit Schweden aus und schlossen mit Kaiser Ferdinand II. den Prager Frieden, der die Aussetzung des Restitutionsedikt von 1629 beinhaltete. Man beschloss auch, nun gemeinsam gegen die Feinde des Reiches vorzugehen. Der Dreißigjährige Krieg hörte damit auf ein Krieg der Konfessionen zu sein, da sich ab 1635 die protestantischen und katholischen Stände des Reiches sowie das protestantische Schweden und das katholische Frankreich gegenüberstanden.

Schwedisch-Französischer Krieg (1635–1648)

Obwohl Frankreich fast zur Gänze von habsburgischen Territorien umgeben war und ein Hauptinteresse an der Schwächung der spanischen und kaiserlichen Macht hatte, wurde es bis 1635 nicht selbst militärisch aktiv. Erst als der Kaiser militärische Siege gegen Schweden errang und dadurch die Gefahr bestand, dass er seine Macht auf ganz Deutschland ausdehnen könnte, trat Frankreich offen in den Krieg ein. Schon vorher hatte die französische Krone Schweden und die protestantischen Fürsten, im Vertrag von Bärwalde 1631, finanziell unterstützt. Vertrag von Bärwalde Zudem suchte Kardinal Richelieu, der als Erster Minister König Ludwigs XIII. die Politik des Landes maßgeblich bestimmte, durch diplomatische Aktivitäten einzelne Fürsten im Westen des Reichs an sich zu binden. Dies gelang beispielsweise in dem Schutzvertrag mit dem Kurfürsten von Trier Philipp Christoph von Sötern, der den Franzosen kampflos die Festungen Philippsburg und Ehrenbreitstein einbrachte. In den folgenden Jahren drangen Französische Armeen unter den Generälen Turenne und Condé bis nach Bayern und Böhmen vor. Mit dem Eingreifen Frankreichs stand fest, dass der habsburgische Kaiser seinen absoluten Machtanspruch gegenüber den Reichsständen nicht würde durchsetzen können.

Der Westfälische Friede und die Kriegsfolgen

Es dauerte knapp 30 Jahre, bis alle Beteiligten eingesehen hatten, dass "mit Krieg keine Seelen zu gewinnen sind" und keine Partei einen dauerhaften Sieg würde erringen können. Als die Truppen ausgeblutet waren, Erfolge ausblieben und die Sinnlosigkeit weiterer Kämpfe offenbar wurde, war man 1648 endlich bereit, Frieden zu schließen (letzte Schlacht in Nederling). Zur Aushandlung des Friedensvertrages wählte man die Städte Münster, traditionell eine Hochburg der Katholiken, und Osnabrück, das dem protestantischen Lager zugehörte. Der kaiserliche Gesandte, Graf (später Fürst) Johann Ludwig von Nassau Hadamar führte die Friedensverhandlungen zum erfolgreichen Abschluss. Im Westfälischen Frieden wurden neben der katholischen und der lutherischen nun auch die reformierte Konfession im Reich als gleichberechtigt anerkannt. Vier konfessionell gemischten Städten wurde Parität verordnet. Die neue Großmacht Schweden erwarb 1648 Vorpommern und das Herzogtum Bremen mit Verden. Spanien verlor nicht nur die Niederlande endgültig, sondern auch seine Stellung als Großmacht. Österreich verlor kaiserlichen Einfluss an die Fürsten, und auch die angestrebte religiöse Einheit wurde nicht erreicht. Frankreich hingegen wurde zum mächtigsten Land Europas. Die Folgen für das Heilige Römische Reich waren gewaltig. Die Niederlande fielen vom Reich ab und wurden international – sogar von Spanien – anerkannt. Die Landesfürsten erlangten fast völlige Souveranität. Der Titel des Kaisers war nun kaum noch mehr als ein Ehrentitel, auch wenn die Habsburger ihn noch bis 1806 führten. Wenig beachtet aber nicht minder bedeutsam war, dass Deutschland mit der Unabhängigkeit der Niederlande und dem Verlust wichtiger Küstenregionen und Ostseehäfen an Schweden fast völlig von der Hohen See abgeschnitten war. Es war weitgehend vom Erwerb von Kolonien ausgeschlossen und damit vom Seehandel, der andere Nationen wie England, Schweden, Spanien und die Niederlande nach dem Dreißigjährigen Krieg einflussreich und wohlhabend machen sollte. Mit dem überseeischen Handel ging in diesen Ländern ein Aufschwung des liberalen Bürgertums einher, dessen Ausbleiben für Deutschland kaum ermessliche geschichtliche und gesellschaftliche Folgen ergeben hat. Der Krieg endete ohne wirklichen Sieger. Sein Ende bedeutete jedoch auch die Abkehr von Glaubenskriegen in Europa. Deutschland war verwüstet, verarmt und über ganze Landstriche entvölkert: Weit mehr als bei allen früheren (und vielen späteren) Kriegen war praktisch die gesamte deutsche Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen worden. Heutigen Erkenntnissen zufolge waren die Verluste an Menschenleben geringer als in früheren Schätzungen angenommen wurde, die bei 25 bis 33 Prozent lagen, aber dennoch erheblich. Von etwa 20 Millionen Bewohnern des Reiches fanden schätzungsweise drei bis vier Millionen den Tod, ein Bevölkerungsanteil von 15 bis 20 Prozent. Während sich Frankreich und England bereits zu Nationalstaaten entwickelt hatten, bildete Deutschland einen lockeren Verbund von Fürstentümern, der sich aber in den nächsten 150 Jahren als wesentlicher Friedensfaktor in Europa erweisen sollte. Bis zur Französischen Revolution war das Reich noch stark genug, um Angriffe von Außen abzuwehren, aber zu schwach, um selbst angreifen zu können. Andererseits wirkte sich das Fehlen einer starken Zentralmacht und einer Hauptstadt von der Größe Londons oder Paris' negativ auf die Herausbildung eines selbstbewussten Bürgertums aus.

Der Krieg in der kollektiven Erinnerung

Der Dreißigjährige Krieg entvölkerte ganze Landstriche und hat natürlich vielfältige Spuren in Kunst und Alltagsleben hinterlassen – von einfachen Kinderreimen wie Bet’, Kindchen, bet’, morgen kommt der Schwed’ bis zu großen Werken der Dichtkunst. In seinem Schelmenroman Der abenteuerliche Simplicissimus, erschienen 1669, schilderte Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (16251676) die Wirren und Gräuel des Krieges und schuf damit den ersten bedeutenden Roman der deutschen Literatur. Einen Augenzeugenbericht hat uns der Söldner Peter Hagendorf in seiner Chronik hinterlassen. Das Erlebnis von nicht enden wollendem Krieg, Hunger, Krankheiten und allgemeiner Zerstörung ließ eine Lyrik von bis dahin nicht gekannter Eindringlichkeit entstehen, in der sich die Gewissheit von Tod und Vergänglichkeit mit barocker Lebensgier verband. So schrieb Andreas Gryphius das Sonett „Tränen des Vaterlandes Anno 1636“, das bis heute zu den meist zitierten Antikriegsgedichten zählt. Es beginnt mit den Versen: :Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kartaun,
Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.
Im 18. Jahrhundert beschäftigte sich Friedrich Schiller als Historiker und Dramatiker mit dem Krieg. 1792 veröffentlichte er eine in weiten Teilen noch heute gültige „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“. Sieben Jahre später vollendete er sein dreiteiliges Drama „Wallenstein“. Mit wachsendem zeitlichen Abstand sahen Schriftsteller in dem großen Konflikt des 17. Jahrhunderts zunehmend eine Metapher für die Schrecken des Krieges überhaupt. Das bekannteste Beispiel dafür aus dem 20. Jahrhundert ist Bertolt Brechts Stück "Mutter Courage und ihre Kinder", das im Dreißigjährigen Krieg angesiedelt ist, aber deutlich macht, dass die Verrohung und Zerstörung des Menschen durch die Gewalt überall und zu jeder Zeit möglich ist.

Literatur


- Alfred Döblin: Wallenstein, bei DTV, Juni 2003, Erstausgabe 1920, expressionistischer Roman
- Ricarda Huch: Der Dreißigjährige Krieg (Erstausgabe hieß: Der große Krieg in Deutschland), Erstausgabe 1912–1914 in 3 Bänden, historischer Roman
- Klaus Bußmann und Heinz Schilling (Hg.): 1648 – Krieg und Frieden in Europa, Katalogband und zwei Textbände, Münster 1998 [Dokumentation der Europaratsausstellung zum 350-jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens in Münster und Osnabrück. Standardwerk zu den europäischen Verflechtungen im Krieg]
- Bernhard Kroener und Ralf Proeve (Hg.): Krieg und Frieden. Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Paderborn 1996
- Burkhardt, Johannes: Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt a. M. 1992 [ein Standardwerk zur modernen Interpretation des Krieges und seiner Ursachen]
- Fritz Dickmann: Der Westfälische Friede, Münster 1965 [Standardwerk zu den Friedensschlüssen von Münster und Osnabrück]
- Heinz Duchhardt (Hg.): Der Westfälische Friede. Diplomatie, politische Zäsur, kulturelles Umfeld, Rezeptionsgeschichte, München 1998
- Findeisen, Jörg-Peter: Der Dreißigjährige Krieg. Eine Epoche in Lebensbildern, Graz/Wien/Köln 1998
- Ernst Höfer: Das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Strategie und Kriegsbild, Köln/Weimar/Wien 1997
- Cordula Kapser: Die bayerische Kriegsorganisation in der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges 1635–1648/49 (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 25), Münster 1997
- Benigna von Krusenstjern, Hans Medick (Hg.): Zwischen Alltag und Katastrophe. Der Dreißigjährige Krieg aus der Nähe, Göttingen 1999
- Mieck, Ilja: Wallenstein 1634. Mord oder Hinrichtung? in Demandt, Alexander (Hrsg.) Das Attentat in der Geschichte, Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M., 1999
- Golo Mann: Wallenstein, Frankfurt am Main 1971 [Erzählende Biographie des kaiserlichen Feldherrn]
- Markus Meumann, Dirk Niefanger (Hg.): Ein Schauplatz herber Angst. Wahrnehmung und Darstellung von Gewalt im 17. Jahrhundert, Göttingen 1997
- Friedrich Schiller: Die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, München 1988 [erstmals erschienen 1792]
- Friedrich Schiller: Wallenstein, bei Reclam, Ditzingen, 2003, Erstausgabe 1800
- Gunnar Teske: Bürger, Bauern, Söldner und Gesandte. Der Dreißigjährige Krieg und der Westfälische Frieden in Westfalen, Münster, 1997, ardey verlag, 2te Auflage 1998, ISBN 3-87023-085-1
- Cicely Veronica Wedgwood: Der Dreißigjährige Krieg, Berlin 2002 [Erstausgabe: London 1938; noch immer eine der besten erzählenden Darstellungen des Krieges]
- Julia Zunckel: Rüstungsgeschäfte im Dreißigjährigen Krieg. Unternehmer­kräfte, Militärgüter und Marktstrategien im Handel zwischen Genua, Amsterdam und Hamburg (Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 49), Berlin 1997
- Peter Engerisser: "Von Kronach nach Nördlingen – Der Dreißigjährige Krieg in Franken, Schwaben und der Oberpfalz 1631–1635", Verlag Heinz Späthling 2004, ISBN 3-926621-32-X, knapp 700 Seiten starkes Kompendium mit mehr als 120 Kurzbiographien,
- Literaturempfehlung für Jugendliche: Tilman Röhrig: "In 300 Jahren vielleicht", Arena-Verlag, Würzburg, ISBN 3-401-01850-7, sehr spannend geschrieben, manchmal etwas grausam-realistisch, also nicht unbedingt etwas für schwache Nerven.
- Hans-Christian Huf: Mit Gottes Segen in die Hölle- Der dreißigjährige Krieg, Ullstein-Verlag Berlin 2001
- Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder 1939 - Der Zerfall einer Familie im 30jährigen Krieg

Weblinks


- [http://www.fruehe-neuzeit.net/modules.php?op=modload&name=Web_Links&file=index&req=viewlink&cid=5 Virtuelle Bibliothek] Geschichte Frühe Neuzeit – Konfessionelles Zeitalter und Dreißigjähriger Krieg (1500–1648)
- [http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/ Einführung in die Frühe Neuzeit, Uni Münster]
- [http://www.uni-potsdam.de/u/geschichte/mdk/index.htm Museum des Dreißigjährigen Krieges]
- [http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/m30jk.htm München im Dreißigjährigen Krieg]
- [http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/30jkpersonen.htm Dramatis Personae – Akteure des Dreißigjährigen Krieges]
- [http://www.muenster.de/friede/d/04_akteure/04_set.htm Die Akteure des Dreißigjährigen Krieges]
- [http://www.westfaelischer-frieden.de Projekt zum Thema "Dreißigjähriger Krieg" und "Westfälischer Friede"]
- [http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/ku.php?tab=que&ID=741 Münsterscher Friedensvertrag in Volltext, dt. (Instrumentum Pacis Monasteriensis, IPM)]
- [http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/ku.php?tab=que&ID=740 Osnabrücker Friedensvertrag in Volltext, dt. (Instrumentum Pacis Osnabrugensis, IPO)][http://dmoz.org/World/Deutsch/Gesellschaft/Geschichte/Nach_Zeitabschnitten/Neuzeit/17._Jahrhundert/Kriege/Drei%c3%9figj%c3%a4hriger_Krieg/ Open Directory: Dreißigjähriger Krieg]
- [http://www.cac1632.de.vu/ Der dreißigjährige Krieg – lebendige Geschichte in Kronach]
- [http://www.engerisser.de/ Bewaffnung und Ausrüstung der Armeen im Dreißigjährigen Krieg]
- [http://www.historisches-chemnitz.de/ereignisse/30jaehrigerkrieg/30jaehrigerkrieg.html Chemnitz im Dreißigjährigen Krieg]
- [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-karten/karten.cgi?action=detail&templ=01_01_karten_detail&id=28 Karte: Lebensweg eines Söldners im Dreißigjährigen Krieg : Historische Karten (Haus der Bayerischen Geschichte)]

Siehe auch


- Zeittafel zum Dreißigjährigen Krieg
- Liste von Kriegen
- Liste von Schlachten ! Dreißigjähriger Krieg ja:三十年戦争

Ludwig XIV. (Frankreich)

Ludwig XIV. (französisch Louis XIV., Louis le Grand;
- 5. September 1638 in Saint-Germain-en-Laye; † 1. September 1715 in Versailles) war seit 1643 König von Frankreich und Navarra, genannt der „Sonnenkönig“ (französisch Roi Soleil). Mit 72 Jahren Regentschaft war er der am längsten regierende Herrscher der Neuzeit. Ludwig XIV. gilt als klassischer Vertreter des Absolutismus. Er festigte die Macht der Krone durch einen Ausbau der Verwaltung, durch Bekämpfung der inneren Opposition und durch Förderung der französischen Wirtschaft. Die Hofkultur wurde ganz auf die Person des Herrschers zugeschnitten. Zum Symbol für dessen herausragende Stellung wurde sein prunkvolles Auftreten. Der König förderte Künste und Wissenschaften, es folgte eine Blütezeit der französischen Kultur. Die Außenpolitik Ludwigs XIV. war aggressiv, so dass Frankreich unter seiner Regierung die Vormachtstellung über Europa gewann.

Leben

Absolutismus Die Geburt Ludwigs XIV. in Saint-Germain-en-Laye erschien vielen als glückliches Ereignis, denn 23 Jahre lang war die Ehe seiner Eltern Ludwig XIII. und Anna von Österreich ohne Nachkommen geblieben. Durch seine Geburt wurde die befürchtete Thronfolge von Jean-Baptiste Gaston, Herzog von Orléans ausgeschlossen. Aus Dankbarkeit erhielt der Neugeborene den Beinamen Dieudonné (der Gottgegebene). Sein Bruder, Herzog Philipp I. von Orléans, wurde 1640 geboren. Schon als Vierjähriger wurde Ludwig am 14. Mai 1643 als König inthronisiert. Er lebte aber bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr 1651 unter der Regentschaft seiner Mutter Anna von Österreich. Die tatsächliche Macht wurde in dieser Zeit vom „regierenden Minister“ Kardinal Mazarin ausgeübt. Mazarin bereitete Ludwig zielgerichtet auf seine Rolle als absolutistischer Herrscher vor; Schritt für Schritt wurde der junge König an der Macht beteiligt und teilte sich schließlich die Verantwortung mit Mazarin. Durch die außenpolitischen Erfolge der Minister-Kardinäle Richelieu und Mazarin politisch gestärkt, entfaltete Ludwig das absolutistische Königtum barocker Prägung in Frankreich mit einem Hofleben, das ganz auf die Person des Herrschers zugeschnitten war. Nach dem Westfälischen Frieden zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 und dem Pyrenäenfrieden mit Spanien 1659 war Frankreich die politische und militärische Vormacht in Europa. Unterstützt von Ministern wie Colbert, Louvois, Hugues de Lionne und dem Marquis de Pomponne konzentrierte er den staatlichen Machtapparat und erweiterte die militärischen, institutionellen und materiellen Machtgrundlagen der französischen Monarchie. Negativ auf seine Herrschaft wirkten sich die Auseinandersetzungen mit dem Papst, die Hugenotten-Verfolgung und der Spanische Erbfolgekrieg aus. Letzterer führte durch die Härte der Kämpfe 1713 fast zu einem Staatsbankrott, der nur durch eine Finanzreform und massive Einsparungen abgewendet wurde. 1660 heiratete Ludwig die Infantin Maria Theresia von Spanien. Nach deren Tod 1683 heiratete er in morganatischer Ehe Françoise d'Aubigné, Madame de Maintenon. Ludwig überlebte seinen Sohn und seinen ältesten Enkel und starb am 1. September 1715. Sein Urenkel folgte ihm als Ludwig XV. auf den Thron. Ludwig XIV. wurde in der von ihm geschaffenen „Krypta der Bourbonen“ in der Basilika Saint-Denis beigesetzt. Im Jahre 1793 wurde sein sehr gut erhaltener Körper mit den anderen Königen „profaniert“ und kurzzeitig in eine Grube geworfen. Das einbalsamierte Herz wurde nach seinem Tode in die Jesuitenkirche in der Rue St. Antoine in Paris gebracht, um neben dem Herzen seines Vaters zu ruhen. In der Restaurationszeit kamen alle Herzen der Angehörigen des Königshauses, auch das Ludwigs XIV., nach St. Denis, wo man es bis heute in der Krypta besichtigen kann.

Herrschaft

Die frühen Jahre

Paris Nachdem Ludwig XIV. als vierjähriger Junge 1643 den Thron geerbt hatte, übernahm seine Mutter Anna von Österreich die Regentschaft. Diese bestätigte umgehend Kardinal Mazarin als Premierminister. Zu diesem Zeitpunkt sah sich Frankreich in einen Krieg gegen das Haus Habsburg verwickelt. Frankreichs Armeen kämpften im anhaltenden Dreißigjährigen Krieg sowohl gegen den deutschen Kaiser, als auch gegen den spanischen König. Zwar waren die französischen Armeen militärisch erfolgreich, aber dennoch belastete der Konflikt die Staatsfinanzen erheblich. Innenpolitisch sah sich Anna einer heftigen Opposition gegenüber, denn die städtischen Gerichtshöfe und Prinzen misstrauten ihrer Regierung. Dem stellte sich Kardinal Mazarin entgegen. Anna entpuppte sich jedoch als völlig anders als erwartet, die verschmähte spanische Habsburgerin am französischen Hof wurde selbst zu einer überzeugten Französin. Sie duldete weder Favoriten, noch die Schmälerung der königlichen Autorität im Staate. Sie wies ihre Generäle an, die Kämpfe mit unverminderter Härte voranzutreiben. Mazarin leitete die Staatsgeschäfte und führte die absolutistische Politik Kardinal Richelieus fort, indem er die Zentralisierung der Staatsgewalt in der Person des Königs mit aller Macht betrieb. Mit der Unterzeichnung der Friedensverträge zu Münster und Osnabrück 1648 war Frankreich der Sieger des Dreißigjährigen Krieges. Große Truppenteile konnten gegen Spanien eingesetzt werden. Nun brach in Frankreich die Fronde (16481653) aus, ein offener Bürgerkrieg gegen die Politik des Absolutismus. Als Vorwand diente die Minderjährigkeit Ludwigs. Man gab vor, gegen die negativen Einflüsse des Leitenden Ministers Mazarin zu kämpfen. Dieser wurde als Italiener allgemein wenig geschätzt, insbesondere die königlichen Prinzen nahmen ihm übel, dass er sie konsequent von jeder Macht ausschloss. Die Parlamente (Oberste Gerichtshöfe) wurden vom Englischen Bürgerkrieg beeinflusst und sahen eine Chance, ihre Privilegien auszubauen. Die Fronde scheiterte 1652, die Unruhen sollten jedoch noch bis 1654 anhalten. Ludwig XIV. wurde 1651 für großjährig erklärt, womit die Regentschaft seiner Mutter offiziell endete. Der König – noch zu jung zur Regierung – übertrug erwartungsgemäß die Macht an Mazarin. 1654 erfolgte die Krönung und Salbung des Königs in Reims, womit die Ordnung im Königreich, für jeden ersichtlich, wiederhergestellt war. Die Krönung des Königs war für die Menschen das Symbol für Kontinuität und den Schutz Gottes. Während des Bürgerkriegs kam der Kampf mit Spanien zum Erliegen, die Frondeure bekamen überdies Unterstützung von den Spaniern. Nachdem wieder innerer Friede herrschte, konnte Frankreich seine Kräfte gegen Spanien bündeln und erzielte Erfolge durch Angriffe auf die Spanischen Niederlande und die Invasion Spaniens, welche zur erneuten Besetzung Kataloniens führte. 1657 gelang es Mazarin, das republikanische England unter Oliver Cromwell in einem Geheimvertrag zum Bundesgenossen gegen die Spanier zu gewinnen. Spanien sah sich gezwungen, den Frieden zu suchen. König Philipp IV. bot Ludwig die Hand seiner ältesten Tochter, der Infantin Maria Teresia, an. 1659 trafen beide Monarchen auf der Fasaneninsel zwischen Frankreich und Spanien zusammen und unterzeichneten den Pyrenäenfrieden. Frankreich erwarb das Roussillon in den Pyrenäen und bekam von den Spanischen Niederlanden das Artois und einige Nebenländer. Die Infantin verzichtete auf ihr Erbrecht der spanischen Krone gegen eine Mitgift von 500.000 Goldtalern, eine für die Spanier unerschwingliche Summe, die nicht ausgezahlt werden konnte. Dadurch blieb Maria Teresia älteste, erbberechtigte Tochter des spanischen Königs. Die Heirat zwischen Ludwig XIV. und Maria Theresia fand am 9. Juni 1660 in Saint-Jean-de-Luz statt. Bereits am 1. November 1661 wurde Dauphin Louis geboren.

Die Alleinherrschaft

Dauphin Louis Seit seiner Kindheit führte Kardinal Mazarin die Geschäfte für den König, der Leitende Minister galt als ein außerordentliches Talent in der Politik und daher unterrichtete dieser selbst den König in der Kunst der Staatsführung. Ludwig XIV. bekam so eine solide und sehr umfassende Ausbildung in Staatsangelegenheiten, Recht, Geschichte und Militärstrategie, aber auch in diversen Sprachen und Wissenschaften. Als Mazarin am 9. März 1661 starb, war der 22-jährige König gut auf sein Amt vorbereitet und verkündete dem Staatsrat, dass es nie wieder einen Premierminister geben werde und er fortan allein regieren werde und sein eigener Leitender Minister sei. Diese Regierungsgrundsätze hielt er 1670 in seinen „Memoiren“ für seinen Nachfolger fest. Der Hof und die Minister waren zunächst irritiert, doch meinte man, es würde sich nur um eine vorübergehende Phase beim König handeln. Dieser hingegen begann die Regierung umzubilden und entließ einen Großteil des Staatsrats, selbst seine Mutter schloss er aus, so dass nur noch die wichtigsten drei Minister an den Ratssitzungen teilnahmen. Einer von diesen war Nicolas Fouquet, der Finanzminister. Ludwig ließ ihn wegen Korruption und Hochverrats verhaften und durch den ihm treu ergebenen Jean-Baptiste Colbert ersetzen. Fouquet hatte Staatsgelder veruntreut und Befestigungen ohne Genehmigung des Königs bauen lassen. Letzteres interpretierte Ludwig als Vorbereitung einer Rebellion. Mit der neuen Regierung wurde ein Reformprogramm beschlossen, dessen Ziele die Förderung von Wirtschaft und Wissenschaft, der massive Ausbau von Flotte und Armee und die völlige Reformierung der Bürokratie war. Ludwig schreibt selbst an seine Mutter: „Ich bin nicht der Gimpel, für den mich die Höflinge gehalten haben...“, denn es war dem König sehr ernst mit der Politik. Diese Form der Alleinregierung bezeichnet man auch als das absolutistische Kabinettsystem. Der junge Ludwig XIV. suchte Europa zu beeindrucken. Diese Gelegenheit bot sich ihm bereits 1661 beim Londoner Kutschenstreit, in dessen Folge Spanien den Vorrang des Königs von Frankreich in ganz Europa anerkennen musste. Den europäischen Höfen wurde klar, dass Ludwig nicht die Absicht hatte, ein schwacher König zu sein. 1662 kam es zur Defensivallianz zwischen Frankreich und Holland und Ludwig XIV. kaufte vom englischen König Karl II. die Stadt Dünkirchen. Doch der König wollte alle Welt nicht nur politisch überraschen, sondern auch seine Macht und Reichtum zur Schau stellen. Dies ging am besten durch prächtige, für den Barock typische Hoffeste. Daher fand 1664 das Fest „Die Freuden der verzauberten Insel“ (Plaisirs de l’Île enchantée) statt. Europas Fürsten waren verblüfft und erstaunt über den Luxus dieser Vergnügungen und begannen zunehmend den Lebensstil des französischen Monarchen nachzuahmen. Die Legende des „Sonnenkönigs“ nahm hier ihren Anfang. Im Jahr 1665 starb sein Onkel und Schwiegervater Philipp IV. von Spanien. Ludwig machte zum ersten Mal das Erbrecht seiner Gemahlin geltend. Er forderte einen Erbteil für Frankreich nach dem brabantischen Devolutionsrecht, wonach Töchter aus erster Ehe ein vorrangiges Erbrecht haben. In Spanien saß mit Karl II. ein degeneriertes Kind auf dem Thron und dessen Mutter Maria Anna von Österreich führte für diesen die Regentschaft. Die Regentin wies die französischen Forderungen zurück und Ludwig bereitete einen Waffengang vor. 1667 brach der Devolutionskrieg (16671668) aus. Die Armeereformen des Königs waren bereits weit vorrangeschritten, so dass Ludwig Interesse daran hatte, seine neuen Armeen auch zu testen. Er hatte hier mit dem stehenden Heer ein für die Neuzeit völliges Novum eingeführt: Berufssoldaten, welche ständig bereit standen, streng ausgebildet und diszipliniert wurden sowie regelmäßig bezahlt und versorgt waren. So marschierte eine Armee von 70.000 Mann in die Spanischen Niederlande ein und annektierte danach die Franche-Comté. Spanien sah sich vor vollendete Tatsachen gestellt und hatte keine Mittel zu Gegenwehr. Der Sieg schien uneingeschränkt zu sein, doch fühlte sich nun Frankreichs Alliierter Holland von der Präsenz französischer Truppen bedroht. Die holländischen Generalstaaten verbündeten sich 1668 mit England und Schweden zur Tripelallianz gegen Ludwig XIV., um so die Friedensverhandlungen zu beschleunigen. Dieser sah sich nun gezwungen, bei den Verhandlungen in Aachen Abstriche von seinen Forderungen zu machen. Durch den Frieden von Aachen behielt Frankreich große Teile im Westen der Spanischen Niederlande, musste jedoch die Franche-Comté wieder herausgeben. Ludwig XIV. konnte nicht verzeihen, dass ihm sein eigener Alliierter in den Rücken gefallen war, wobei er bisher immer größter Förderer Hollands gewesen war und sogar zu dessen Gunsten 1666 militärisch interveniert hatte. Er warf den Generalstaaten offen Undankbarkeit und sogar Verrat vor. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, noch im selben Jahr das „Grand Divertissement Royal“ in Versailles zu feiern, als Zeichen seines Triumphes.

Der Kampf gegen Holland

1666 militärisch interveniert Ludwig XIV. hatte nun zwei politische Ziele: erstens Holland zu bestrafen und zweitens die Grenzen zu begradigen, was nichts anderes hieß, als weitere Teile Spaniens zu erobern. Zuerst wurde die Tripelallianz von ihm zerstört, indem er 1670 mit seinem Cousin Karl II. von England durch den Vertrag von Dover ein Offensivbündnis einging und dann Schweden hohe Subsidien für eine Allianz zahlte. Danach annektierte Frankreich das Herzogtum Lothringen, schloss zahlreiche Bündnis- und Neutralitätsabkommen mit benachbarten Fürsten. Holland war außenpolitisch und militärisch vollständig isoliert. 1672 erklärten Frankreich und England den Krieg gegen Holland, der Holländische Krieg (16721678) begann. Ludwig ließ 120.000 Mann die Grenzen zu den Vereinigten Provinzen der Niederlande überschreiten. Sein Ziel war es nicht Holland zu annektieren, sondern er wollte nur ein Exempel statuieren und Handelsvorteile erzwingen. Ziel