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Humanismus

Humanismus

Humanismus ist eine Philosophie und eine Weltanschauung, die sich an den Interessen, den Werten und der Würde insbesondere des individuellen Menschen orientiert. Toleranz zwischen Menschen, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit gelten darin als wichtige Prinzipien menschlichen Zusammenlebens. Erste Anzeichen eines Humanismus in der christlich-abendländischen Geschichte entwickeln sich bereits im 11. Jahrhundert. Die Frage von Anselm von Canterbury (1033-1109), weshalb Gott Mensch geworden ist (cur deus homo), lässt den Menschen in seiner Beziehung zu Gott in einem anderen Licht erscheinen und die Bemühung entstehen, bereits vor dem angestrebten jenseitigen Heil in der irdischen Welt Ähnlichkeit mit Gott zu erlangen. Auf dieser ersten Hinwendung zu einem tugendhaften Diesseits und Mensch-Sein gründet sich der christliche Humanismus, der - wegen seiner Anknüpfung an antike Schriften u.a. des Aristoteles und des Sokrates auch als christlicher Sokratismus (Erkenne Dich selbst, Christ) bezeichnet - von einem neuen Sündenbegriff, von der Moral der Intention ausgeht und zur Innenschau führt. Der moderne Humanismus beginnt in der Aufklärung und sieht sich als einen Weg, unter anderem Fragen der Ethik unabhängig von Religionen zu betrachten. Insbesondere werden übernatürliche Erklärungen abgelehnt; man spricht vom 'säkularen Humanismus', siehe auch: secular Humanism (engl.). In etablierten Religionen finden sich auch humanistische Richtungen. Hier werden Glaubensvorstellungen und Traditionen übernommen und durch Elemente des Humanismus ergänzt. Weiter gibt es Bewegungen, die im Menschen ein Bedürfnis nach Zeremonien und Ritualen festzustellen glauben, und eine Organisation aufbauen, die letztere vermitteln, siehe auch: Freidenker, Freimaurerei.

Humanismus als Epochenbegriff

Freimaurerei Im Speziellen wird als Humanismus das fortschrittliche, sich vom Mittelalter abwendende geistige Klima des 14. bis 16. Jahrhunderts bezeichnet. Im Allgemeinen unterscheidet man heute zwischen der Renaissance als dem umfassenden kulturellen und sozialen Wandel zwischen Mittelalter und Neuzeit, und dem Humanismus als der Bildungsbewegung, die ihm zugrundeliegt. Den Humanismus als Bildungsbewegung in seiner Vielschichtigkeit hatte vor Jacob Burckhardt noch Georg Voigt erkannt. Der Begriff des Humanismus erscheint erst sehr spät. Abgeleitet wird er von dem lateinischen humanitas, welches schon bei Cicero vorkommt. In der deutschen Aufklärung sprechen Johann Gottfried Herder und Friedrich Schiller von Humanität. Sie meinen damit Menschlichkeit an sich. Im Unterschied hierzu gibt es bereits im 15. Jahrhundert ein Selbstverständnis gebildeter Kreise, die sich als humanistae begreifen und so bezeichnen, also als Humanisten. Der eigentliche Begriff Humanismus erscheint erst 1808 in der Schrift von Friedrich Immanuel Niethammer Der Streit des Philanthropinismus und Humanismus in der Theorie unserer Zeit. Diese Strömung, die man auch den deutschen Neuhumanismus zu nennen pflegt, dient bei Niethammer zur Charakterisierung einer älteren Pädagogik, der einer aus der Aufklärung erwachsenen an den praktischen und den gesellschaftlichen Bedürfnissen und auf unmittelbare Brauchbarkeit orientierten Pädagogik gegenübergestellt wird.

Frühhumanisten


- Dante Alighieri (
- 1265 in Florenz - † 1321 in Ravenna)
- Francesco Petrarca, (
- 1304 in Arezzo - † 1374 in Arquà)
- Giovanni Boccaccio, (
- 1313 in Florenz oder Certaldo - † 1375 in Certaldo bei Florenz)
- Coluccio Salutati, (
- 1331 in Stignano bei Buggiano - † 1406 in Florenz)
- Johannes von Tepl (auch Johannes von Saaz oder Johannes von Schüttwa), (
- 1342 oder 1350 in Westböhmen - † 1414 in Prag)
- Nikolaus von Kues, (
- 1401 in Kues an der Mosel - † 1464 in Todi/Umbrien)
- Enea Silvio de' Piccolomini (Papst Pius II.), (
- 1405 in Corsignano bei Siena - † 1464 in Ancona)

Berühmte Humanisten


- Rudolf Agricola, (
- 1443 oder 1444 in Baflo bei Groningen - † 1485 in Heidelberg)
- Martin Prenninger, (
- um 1450 in Erding - † 1501 in Tübingen)
- Johannes Reuchlin, (
- 1455 in Pforzheim - † 1522 in Stuttgart)
- Sebastian Brant, (
- 1457 oder 1458 in Straßburg, † 1521 ebenda)
- Conrad Celtis, (
- 1459 in Wipfeld bei Schweinfurt - † 1508 in Wien)
- Ulrich Zasius, (
- 1461 in Konstanz - † 1535 in Freiburg im Breisgau)
- Konrad Peutinger, (
- 1465 in Augsburg - † 1547 in Augsburg)
- Erasmus von Rotterdam, (
- 1469 in Rotterdam - † 1536 in Basel)
- Willibald Pirckheimer, (
- 1470 in Eichstätt - † 1530 in Nürnberg)
- Albrecht Dürer, (
- 1471 in Nürnberg - † 1528 ebenda)
- Thomas Morus, (
- 1478 in London - † 1535 ebenda)
- Ulrich von Hutten, (
- 1488 auf Burg Steckelberg/Deutschland - † 1523 auf der Ufenau/Schweiz)
- Philipp Melanchthon, (
- 1497 in Bretten - † 1560 in Wittenberg)
- Albert Einstein, (
- 1879 in Ulm - † 1955 in Princeton, USA)
- Albert Schweitzer, (
- 1875 in Kaysersberg/Oberelsass - † 1965 in Lambaréné/Gabun)
- Erich Fromm, (
- 1900 in Frankfurt am Main - † 1980 in Locarno)

Interpretation und Bezugsnahme

Es gibt keine einheitliche Interpretation des Begriffs. Vielmehr widersprechen sich die einzelnen Interpretationen des Humanismus mehr oder weniger. So unterscheidet man zum Beispiel zwischen liberaldemokratischem, marxistisch-leninistischem, evangelisch-biblizistischem Humanismus und vielen anderen Auslegungen. Auch gibt es einen Humanismusbegriff schon seit der Antike, so zum Beispiel bei Cicero. Man spricht für die Renaissance-Zeit von einem Renaissance-Humanismus sowie einem Humanismusbegriff in der Aufklärung so zum Beispiel Goethe, Schiller, Herder, mit dem man Humanität meint, und dem im Historismus. Der Humanismusbegriff von Wilhelm von Humboldt unterscheidet sich grundlegend von dem der Aufklärung in der Stellung, welche die Geschichte in seinem Wissenschaftskonzept einnimmt. War es in der Aufklärung die Philosophie, die als die grundlegende Wissenschaft angesehen wurde, ist es bedingt auch durch politische Faktoren und im Zuge der preußischen Reformen von 1810 mit der Gründung der Berliner Universität die Geschichte. Auf diesem Boden kommt 1859 Georg Voigt zur Entwicklung eines Epochenbegriffs des Humanismus. Der Renaissance-Humanismus hat auch eine Unterart, den sogenannten Bibelhumanismus. Auf den Humanismus als Wurzel der sozialistischen Idee berief sich in Deutschland auch die sozialistische SED, insbesondere auch in dem gemeinsam mit der SPD veröffentlichten Papier Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit. Absicht hinter diesen Bemühungen war neben der internen politischen Agitation für die sozialistische Idee über allgemein akzeptierte Werte und die Suggestion einer historischen Zwangsläufigkeit in der Entwicklung des deutschen Sozialismus auch die Erreichung einer höheren Akzeptanz bei der westdeutschen Linken. Nach Ansicht des rechts-konservativen Politologen Konrad Löw ist ihr dies auch nachhaltig gelungen.

Siehe auch


- Humanistische Bewegung
- Transhumanismus
- Humanisten

Literatur


- Augustijn, Cornelis: Humanismus (Reihe: Die Kirche in ihrer Geschichte 2, Lieferung Heft 2), Göttingen 2003.
- Bracher, Karl Dietrich: Verfall und Fortschritt im Denken der frühen römischen Kaiserzeit: Studien zum Zeitgefühl und Geschichtsbewußtsein des Jahrhunderts nach Augustus, Wien-Köln-Graz 1987.
- Buck, August: Humanismus: seine europäische Entwicklung in Dokumenten und Darstellungen, Freiburg-München 1987.
- Buck, August: Der italienische Humanismus, in: Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte, hrsg. von Notker Hammerstein, Bd. 1: 15. bis 17. Jahrhundert. Von der Renaissance bis zum Ende der Glaubenskämpfe, München 1996, S. 1-56.
- Kristeller, Paul Oskar: Humanismus und Renaissance, hrsg. von Eckhard Keßler, München 1980.
- Kuhr, Rudolf: Wachstum an Menschlichkeit - Humanismus als Grundlage, (ISBN-3-933037-06-9)
- Ladwig, Perdita: Das Renaissancebild deutscher Historiker 1898-1933, Frankfurt/Main; New York 2004.
- Spitz, Lewis W.: Humanismus/Humanismusforschung, in: Theologische Realenzyklopädie Bd. 15, Berlin -New York 1986, S. 639-661.
- Todte, Mario: Georg Voigt (1827-1891): Pionier der historischen Humanismusforschung, Leipzig 2004. ISBN 3-937209-22-0

Antiquarisch


- Garin, Eugenio: Der italienische Humanismus [Nach dem Manuskript ins Deutsche übertragen von Giuseppe Zamboni], Bern 1947.
- Ferguson, Wallace K.: Renaissance Studies, Ontario 1963.
- Kristeller, Paul Oskar: Der italienische Humanismus und seine Bedeutung,Basel-Stuttgart 1969.
- Kristeller, Paul Oskar: The Classics and Renaissance Thought: [Lectures], Cambridge/Mass. 1955.
- Baron, Hans: The Crisis of the Early Renaissance. Civic Humanism and Republican Liberty in Age of Classicism and Tyranny, revised one-volume edition, Princeton 1966.
- Ferguson, Wallace K., The Renaissance in the Historical Thought, Five Centuries of Interpretation, Boston 1948.
- Ullman, B.L.: The Humanism of Coluccio Salutati, Padua 1953.
- Ullman, B.L.: Studies in the Italian Renaissance, Rom 1955.
- Newald, Richard: Humanitas, Humanismus, Humanität, Essen 1947.
- Rüegg, Walter: Cicero und der Humanismus: Formale Untersuchungen über Petrarca und Erasmus, Zürich 1946.
- Schneider, Josef. P.: Untersuchungen über das Verhältnis von humanitas zu Recht und Gerechtigkeit bei Cicero, Diss. Freiburg i.B. 1963.
- Burckhardt, Jacob: Die Cultur der Renaissance in Italien, Leipzig 1860. (Zahlreiche durch andere überarbeitete Auflagen auch in Übersetzungen).
- Martin, Alfred von: Salutati und das humanistische Lebensideal, Leipzig 1916.
- Niethammer, Friedrich Immanuel: Der Streit des Philanthropinismus und des Humanismus in der Theorie des Erziehungs-Unterrichts unsrer Zeit, Jena 1808.
- Voigt, Georg: Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus, 2 Bde. 3. Aufl., Berlin 1893 (Erstauflage in einem Band, Berlin 1859).

Weblinks


- [http://www.humanistische-aktion.de Die Humanistische Aktion - für verantwortliche Menschlichkeit]
- [http://www.gottwein.de/Eth/Human00.php Der Humanismus - Überblick über seine vielfältigen historischen, philosophischen und politischen Richtungen]
- [http://www.humanismus-heute.de/ Stiftung Humanismus heute e.V. zur Förderung der Pflege und Weitergabe des kulturellen Erbes der Antike]
- [http://www.humanistische-union.de/ Humanistische Union e.V.]
- [http://www.humanismus.de/ Humanistischer Verband Deutschlands HVD]
- [http://www.humanist-net.org/ das humanistische n.e.t.z. - offene Wählerliste]
- [http://www.kellmann-stiftung.de/ Kellmann-Stiftung Humanismus und Aufklärung]
- [http://www.plattform.org/ Humanistische Plattform (Österreich)] Kategorie:Weltanschauung ! ja:人文主義者

Philosophie

. Ausschnitt aus „Die Schule von Athen“ von Raffael (um 1510).]] Die Philosophie (griech. φιλοσοφία, philosophia wörtlich „Liebe zur Weisheit“) hat im Gegensatz zu den einzelnen Wissenschaften keinen klar bestimmbaren, begrenzten Gegenstandsbereich. Allgemein könnte man sie als den Versuch der kritisch-rationalen Selbstüberprüfung des Denkens bezeichnen, als eine methodische Reflexion. Der Versuch, Philosophie zu definieren, ist bereits Gegenstand der Philosophie selbst. Der Beginn des philosophischen Denkens im 6. vorchristlichen Jahrhundert markiert den eigentlichen Beginn der europäischen Geistesgeschichte. Erst im Laufe der Jahrhunderte differenzierten sich die Methoden und Diszplinen der Welterschließung, indem sich die einzelnen Wissenschaften nach und nach aus der Philosophie ausgliederten. Die bis heute gültigen Kerngebiete der Philosophie sind die Logik als die Wissenschaft vom folgerichtigen Denken, die Ethik als die Wissenschaft vom rechten Handeln und die Metaphysik als die Wissenschaft von den ersten Gründen des Seins und der Wirklichkeit; weitere Grunddisziplinen sind die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, die sich mit den Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns im allgemeinen bzw. speziell in den unterschiedlichen Einzelwissenschaften beschäftigen.

Begriffsgeschichte

Der Begriff Philosophie, zusammengesetzt aus griech. φίλος „Freund“ und σοφία „Weisheit“, bedeutet, wörtlich aus dem Griechischen übersetzt „Liebe zur Weisheit“ bzw. einfach „zum Wissen“ – denn sophía besitzt zunächst einmal jemand, der ein Fachmann für etwas ist. Die Wortprägung Philosophie tritt wahrscheinlich das erste Mal bei Platon auf. Zwar wurde in der späteren Antike die Einführung des Begriffes „Philosophie“ Pythagoras von Samos zugeschrieben (vgl. Diogenes Laertios De vita et moribus philosophorum, I, 12; Cicero: Tusculanae disputationes, V, 8-9). Diese Zuschreibung geht zurück auf eine Notiz aus einem verlorenen Werk des Herakleides Pontikos, eines Schülers des Aristoteles. Vermutlich ist diese Notiz aber nicht korrekt: Sie folgt dem Muster der weitverbreiteten Pythagoras-Legenden jener Zeit. Ursprünglich bezog sich der Begriff „Philosophie“ auf eine Denktradition, die vom antiken Griechenland ausging. Er wird heute aber auch für asiatische Denktraditionen (östliche Philosophie) und eher religiöse Weltanschauungen verwendet. Daneben taucht der Begriff in jüngerer Zeit im Wirtschafts-Jargon und in der Technik als Synonym für Strategie oder Gesamtkonzept auf (Unternehmensphilosophie, Designphilosophie).

Was ist Philosophie?

Die Frage, was Philosophie eigentlich ist, ist bereits eine philosophische Frage. Philosophie ist nicht in eine allgemeingültige feste Definition zu bringen. Es ließe sich auch keine finden, der alle Philosophen zustimmen könnten, weil jeder, der philosophiert, eine eigene Sicht der Dinge entwickelt. Daher gibt es beinahe so viele Antworten auf diese Frage, wie es Philosophen gibt. Die Verwendung des Begriffs „Philosophie“ in der Geschichte füllt im Historischen Wörterbuch der Philosophie so viele Spalten, dass dieser Artikel als eigenständiges Buch publiziert wurde. Carl Friedrich von Weizsäcker hat es einmal so formuliert: „Philosophie ist die Wissenschaft, über die man nicht reden kann, ohne sie selbst zu betreiben.“

Selbstverständnis

Carl Friedrich von Weizsäcker (12. Jh.), Detail]] Die ersten Philosophen, die sich selbst so bezeichneten – Platon und Sokrates – verstanden Philosophie als Alternative zur mythischen Religion und ihrer Ordnung. Indem sich der Mensch durch Philosophieren die Welt selbst erklärt, emanzipiert er sich von der Welt des Aberglaubens, der Priesterherrschaft und der Götter. Sokrates wurde deshalb als „Verderber der Jugend“ hingerichtet. Bis in die Gegenwart hinein setzt sich die Philosophie stets kritisch mit der Religion auseinander, grenzt sich von ihr ab und betrachtet sich dieser in der Regel als überlegen. Das Selbstverständnis der Philosophie hat sich im Laufe ihrer Geschichte immer wieder gewandelt. Vor allem in bestimmten Phasen der Neuzeit wurde sie als allen Einzelwissenschaften übergeordnete Universalwissenschaft begriffen, die – um die Wirklichkeit als Ganzes zu erfassen – zu den letzten Ursachen und Prinzipien vordringt und dabei ewiggültige, allgemeine Wahrheiten entdeckt und zugänglich macht (Philosophia perennis). Im Mittelalter wurde der Kern der Philosophie durch die so genannten artes liberales bestimmt, zu denen Grammatik, Dialektik, Rethorik sowie Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik gehörten. Dabei dominierte zeitweise das Bild der Philosophie als einer „Dienerin der Theologie“ (ancilla theologiae), d.h. als Hilfswissenschaft. Noch bis ins 18. Jahrhundert war die Philosophie eine der klassischen Fakultäten neben Theologie, Medizin und Recht. Erst nach einer grundlegenden Ausbildung in Philosophie, die mit dem Magister abschloss, konnten sich die Studenten naturwissenschaftlichen Fragen und Forschungen zuwenden. Im 19. Jahrhundert begann dann immer mehr die Verselbständigung zunächst der Naturwissenschaften und dann auch der philologischen und der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer. Die moderne Fachwissenschaft Philosophie zieht ihre Rechtfertigung aus dem Anspruch, philosophische Methoden könnten auch für andere Wissens- und Praxisgebiete hilfreich sein. Darüber hinaus betrachten die Philosophen die Erörterung ethischer Themen und Grundsatzfragen als ihr ureigenes Gebiet.

Charakteristika

gesellschaftswissenschaftlichen (1750)]] Der Beginn aller Philosophie ist das Sich-Wundern, das Staunen. Platon schrieb: „Das Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaft liebt, ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen“, und auch Aristoteles stellte fest: „Staunen veranlasste zuerst – wie noch heute – die Menschen zum Philosophieren.“ Menschen, denen alles selbstverständlich erscheint, finden nicht zur Philosophie. Durch ihr Staunen ist die Philosophie die Mutter aller Wissenschaften. Dies gilt sowohl historisch, da aus ihr alle anderen Wissenschaften entstanden sind, als auch systematisch, da sie als Meta-Wissenschaft über die Aufgaben und Möglichkeiten der Wissenschaften reflektiert. Ein ähnlicher Grundzug der Philosophie ist das Fragen, besonders auch das Infragestellen des scheinbar Zweifelsfreien und Selbstverständlichen. Das Fragen ist damit eine weitere Quelle der Philosophie. Aus sich selbst heraus kann die Philosophie dem Fragen keine Grenzen setzen: Sie stellt radikal alles in Frage – sogar sich selbst. Dadurch beginnt die Philosophie gleichsam immer wieder bei Null, da jede einzelne Aussage immer wieder hinterfragt werden darf. Es ist erlaubt, alles zu bezweifeln, außer dem Zweifeln selbst. Der philosophische Diskurs ist daher eine niemals endende, kontroverse Diskussion. Die Philosophie umfasst verschiedene geistige Bemühungen. Dabei handelt es sich um Nachdenken, Analysieren und Überprüfen mit Hilfe der Mittel des vernünftig-rationalen, kritischen Denkens. Philosophie stellt die Fragen, die die Wissenschaften (bisher) nicht beantwortet haben oder grundsätzlich nicht beantworten können. Diese Fragen richten sich auf den Menschen selbst und die ihn umgebende Welt. Philosophie wird also nicht um ihrer selbst willen betrieben, sondern um des Menschen willen. Dabei findet sie nie allgemein anerkannte Antworten, sondern stellt einen endlosen, dynamischen Prozess dar. Philosophisch gebildete Menschen unterscheiden sich darum von den übrigen nicht darin, dass sie mehr (nützliches) Wissen zur Verfügung hätten. Sie besitzen allerdings in der Regel einen besseren Überblick über die Argumente, die in einer philosophischen Debatte über einen bestimmten Diskussionsgegenstand bereits vorgebracht wurden. So kann es etwa hilfreich sein, bei einem aktuell diskutierten Problem (z.B. Euthanasie) danach zu fragen, welche Antwortmöglichkeiten die Philosophie bisher dazu angeboten hat und welche Auseinandersetzungen es um diese Vorschläge bereits gab.

Formen des Philosophierens

Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Arten des Philosophierens unterscheiden: die Philosophie als Streben nach Wissen, die Philosophie als Lebensweise und die akademische Philosophie.

Philosophie als Weltweisheit

Euthanasie Philosophie als Weltweisheit ist diejenige Philosophie, die sich mit den philosophischen Sachverhalten beschäftigt, die jedermann interessieren. Im Alltag können das verschiedene, für den Einzelnen bedeutsame Gegenstände sein, z.B. "Was ist (für mich) das gute Leben?". Meist handelt es sich um allgemein diskutierte oder gesellschaftlich relevante Fragen. Die Probleme stammen dabei in der Regel nicht aus dem philosophischen, sondern aus dem öffentlichen Diskurs. Von anderen Herangehensweisen – wie etwa dem Beantworten dieser Fragen mit gesellschaftlichen oder religiösen Traditionen – unterscheidet sich die Philosophie insofern, als dass sie sich bei der Klärung dabei im weitesten Sinne rationaler, d.h. (allein) auf vernunftgemäßes Denken gestützter Methoden bedient.

Philosophie als Lebensform

In der Antike wurde die Philosophie häufig nicht nur theoretisch betrieben, sondern als eigene, praktische Lebensweise kultiviert. Weisheit und die Verwirklichung des „rechten Lebens“ waren die praktische Ausrichtung etwa der Stoa oder des Epikureismus. Bei der Philosophie als Lebensform geht es darum, sich selber als Mensch auszubilden und ein durch philosophische Erkenntnisse geprägtes Leben zu führen. Bestimmt wird dieses Ideal in der Philosophie traditionell durch das große Vorbild Sokrates, der nicht etwa Bücher schrieb, sondern seine Zeit vornehmlich mit philosophischen Gesprächen zugebracht haben soll.

Philosophie als Wissenschaft

zudecken In der philosophischen Ausbildung an der Universität ist die Philosophie als Wissenschaft heute die einzige der drei Formen, die noch gelehrt wird. Natürlich bietet der akademische Betrieb mit seiner Verwissenschaftlichung auch nicht den Rahmen, um eine umfassende „Erziehung des Menschen zum Menschen“ zu leisten. Das akademische Philosophieren unterscheidet sich vom alltäglichen Philosophieren nicht prinzipiell durch die Fragen, sondern eher durch den Rahmen – in der Regel die Universität – und durch bestimmte Formen der Aus- und Abgrenzung philosophischer Tätigkeit. Es gelten verschiedene Übereinkünfte über die Formen des Argumentierens und der wissenschaftlichen Publikation sowie die zugelassene Fachterminologie. Die Tätigkeiten des akademisch Philosophierenden umfassen dabei die Prüfung der Voraussetzungen einer Position, das Rekonstruieren und Widerlegen von Argumenten, die genaue Analyse und Unterscheidung von Begriffen, die eigene Positionierung und die Argumentation für oder gegen Thesen. Grundsätzlich lassen sich zwei Ansätze bzw. Bereiche des akademischen Philosophierens unterscheiden: die historische und die systematische Vorgehensweise.
- Historisch arbeitet die Philosophie dann, wenn sie versucht, die Positionen und Thesen von Denkern wie Platon, Thomas von Aquin oder Kant zu rekonstruieren, zu verstehen und zu interpretieren. Auch die Herausarbeitung bestimmter philosophischer Strömungen oder Auseinandersetzungen in der Geschichte gehört hierzu.
- Systematisch geht die Philosophie vor, wenn sie versucht, zu einem bestimmten Problemfeld Standpunkte zu vertreten, Fragen innerhalb der verschiedenen philosophischen Disziplinen zu beantworten, die Voraussetzungen oder Implikationen einer bestimmten Frage oder These zu verstehen oder überhaupt erst die verwendeten Begriffe in bestimmten Fragen, Thesen oder Positionen zu klären. Lautet die Frage innerhalb der theoretischen Philosophie „Hat der Mensch einen freien Willen?“, so muss für eine Antwort zunächst die Begriffe des „Willens“, der „Freiheit“ und des „Menschseins“ einer genaueren Analyse unterzogen werden. Die historischen und die systematischen Herangehensweisen bzw. Bereiche sind dabei prinzipiell durch das jeweilige Ziel der philosophischen Untersuchungen voneinander abgrenzbar. Viele Philosophen und Philosophinnen forschen allerdings auf beiden Gebieten, was sich insofern auch ergänzt, als die Schriften herausragender philosophischer Autoren auch für das systematische Philosophieren hilfreiche Überlegungen enthalten. Außerdem können in vielen Fällen die heutigen Fragen nur dann wirklich präzise gestellt und beantwortet werden, wenn der historische Hintergrund für ihr Aufkommen und die relevante Begrifflichkeit verstanden sind.

Gegenstände der Philosophie

Systematische Gegenstände

Begrifflichkeit Man kann die Philosophie in einen theoretischen Bereich und in einen praktischen Bereich unterteilen. Die theoretische Philosophie untersucht die Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Erkenntnisvermögens und die allgemeinen Strukturen des menschlichen Bewusstseins. Außerdem wird versucht, grundsätzliche Aussagen über das Sein zu treffen. Disziplinen sind u.a. Ontologie, Metaphysik, Logik, Erkenntnistheorie und Wissenschaftstheorie. Die praktische Philosophie beschäftigt sich hingegen mit Bereichen, die direkte Auswirkungen auf das praktische Leben haben können. Disziplinen sind u.a. Ethik, Rechtsphilosophie, politische Philosophie und Sozialphilosophie. Auch wenn sich der Bereich, den die Philosophie insgesamt umfasst, in gewissem Sinne nicht eingrenzen lässt (da sie „alles“ behandelt), gib es doch bestimmte Domänen, in denen sie hauptsächlich tätig ist. Der Philosoph Immanuel Kant hat diese einmal in den folgenden Fragen zusammengefasst: # Was kann ich wissen? # Was soll ich tun? # Was darf ich hoffen? # Was ist der Mensch? Diese Fragen könnte man auch in etwa so formulieren: # Wie können wir zu Erkenntnis gelangen und wie sind diese Erkenntnisse einzuschätzen? (Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Logik) # Wie sollen wir handeln? (Ethik) # Was ist die Welt? Warum gibt es überhaupt irgendetwas statt einfach nur nichts? (Metaphysik, Ontologie). Gibt es Gott? Steuert die Geschichte auf ein Ziel zu und wenn ja auf welches? (Religionsphilosophie, Geschichtsphilosophie) # Was sind wir für Wesen? In welchem Verhältnis stehen wir zu der Welt, die wir vorfinden? (Philosophische Anthropologie, Kulturphilosophie, Ästhetik) Im Folgenden wird vorgestellt, welche Themenbereiche diese Fragen – und damit auch die Philosophie – berühren. ;Was ist der Mensch? Die philosophischen Anthropologie stellt zunächst die Frage nach dem Unterschied zwischen Mensch und Tier. Was ist Bewusstsein und Selbstbewusstsein, was ist das „Ich“ und wie wird es geschaffen, wie sind Selbsterkenntnis und Selbstidentität möglich? Gibt es einen Geist der vom Körper bzw. Leib verschieden ist? Besitzen wir eine (unsterbliche) Seele bzw. Geist? Wann beginnt und endet das menschliche Leben? Haben wir einen freien Willen oder ist alles bereits vorherbestimmt? Welchen Einfluss haben wir auf die Geschichte und welchen Einfluss hat sie auf uns? Hat alles Sein nur einen Sinn durch den Menschen? Oder ist das menschliche Sein als Ganzes sinnlos? Welche Bedeutung hat die Kunst für den Menschen? Gibt es allgemeine Prinzipien für die Ästhetik? Ästhetik ;Was können wir wissen? Die Erkenntnistheorie fragt nach den Möglichkeiten, Erkenntnisse zu erlangen. So befasst sie sich mit der Frage, wie sich die Wahrheit oder Falschheit von Theorien überprüfen lassen. Die Wahrnehmung der Wirklichkeit stellt sie ebenso auf den Prüfstand wie den Einfluss von Sprache und Denken auf den Erkenntnisprozess. Außerdem versucht sie, die Grenzen der Erkenntnis abzustecken und zu definieren, was als „wissenschaftlich“ bezeichnet werden kann. ;Was soll ich tun? Die Ethik beschäftigt sich mit dem menschlichen Handeln. Ist der Mensch in seinen Handlungen frei? Gibt es absolute, verbindliche Werte oder ist alles relativ? Gibt es einen Unterschied zwischen subjektiv und objektiv richtigem Handeln? Was ist gut, was ist böse? Kann man richtiges Verhalten mit Hilfe der Vernunft begründen? Gibt es allgemein gültige Tugenden? Was sind Tatsachen, was sind Werturteile? Soll dasjenige zur Regel werden, was die Mehrheit macht? Worauf stützt sich das Recht? Gibt es einen Unterschied zwischen natürlichen Rechten und den Gesetzen, zwischen Recht und Gerechtigkeit? Wie gehen wir mit Schuld, Sühne und Strafe um? Wie soll man sich im Staat verhalten? Was darf man gegen einen Unrechtsstaat unternehmen? Was soll in einer Gemeinschaft an Idealen verwirklicht werden, z.B. mehr Freiheit oder mehr Sicherheit? Was ist der Sinn des Lebens? Wie sollen wir unsere Kinder erziehen? ;Was ist die Welt? Hiermit sind grundsätzliche Fragen der Kosmologie angesprochen, die z.B. die Physik nicht beantworten kann; etwa: warum überhaupt irgendetwas existiert, welchen Sinn und welches Ziel die Welt hat (Teleologie), ob es einen Unterschied zwischen Geist und Materie gibt und ob dem Diesseits ein Jenseits gegenübersteht. Auch geht es um die Unterschiede zwischen der vom Menschen vorgefundenen Natur und der durch den Menschen geschaffenen Kultur. ;Was darf ich hoffen? Die Religionsphilosophie untersucht religiöse Fragestellungen, um Hinweise auf die Existenz göttlichen, überirdischen Seins oder, anders ausgedrückt, das Bestehen einer „Weltvernunft“ (Logos) zu ergründen. Dazu gehört auch, religiöse Auffassungen zu hinterfragen (Religionskritik) und aufklärerisch zu wirken.

Historische Gegenstände

Siehe auch: Geschichte der Philosophie Natürlich setzt sich die Philosophie auch mit ihrer eigenen Geschichte auseinander. Wer die philosophischen Einsichten und Begrifflichkeiten der Vergangenheit kennt, kann alte Fehler vermeiden und vielleicht einen neuen Gedanken zu den alten Lehren hinzufügen. Der Philosoph Alfred North Whitehead charakterisierte die Geschichte der europäischen Philosophie seit Aristoteles einmal als bloße „Fußnoten zu Platon“. Fußnote Im 6. Jahrhundert v. Chr. wird in Ionien mit den naturphilosophischen Fragen der Vorsokratiker nach dem Urgrund oder Anfang der Welt (arché) die Philosophie der Antike eingeleitet. Mit Sokrates beginnt die Blütezeit der attischen Philosophie. Seine Lebensweise und Kunst der Gesprächsführung – die er „Hebammenkunst“ (Mäeutik) nannte – wirken bis heute fort; das ironische Eingeständnis seines Nichtwissens (gr. oída eídos oudèn „Ich weiß, dass ich nichts weiß“) ist sprichwörtlich geblieben. Da Sokrates nichts Schriftliches hinterließ, schuf sein Schüler Platon eine Reihe von Dialogen, in denen er diesen als literarische Figur auftreten lässt. Platon verfasste ein umfangreiches, für die westliche Philosophie bis heute zentrales Werk, erdachte die Ideenlehre, gründete außerhalb Athens die Akademie, die erst 529 nach über 900 Jahren aufgelöst wurde und war der Lehrer von Aristoteles. Dieser wiederum stützte sich auch auf empirische Forschung. Er führte den Begriff der Substanz und die Metaphysik als „Erste Philosophie“ ein - eine den übrigen Wissenschaften übergeordnete Disziplin - und begründete eine Lehre vom Zusammenhang zwischen „Form“ und „Stoff“ (Hylemorphismus). In der Zeit des Hellenismus folgten die weniger theoretisch, sondern auf das „rechte Leben“, d.h. die Lebenspraxis ausgerichteten Schulen: die Stoa, für die die Tugend (virtus) das höchste Gut darstellte, und der Epikureismus, der eine Glückslehre beinhaltete und eine aufgeklärte Zuwendung zum Diesseits vertrat. In der Spätantike wird die Platonische Lehre im Neuplatonismus wieder aufgegriffen und umgeformt. Die wichtige Rolle, die die „Abstufungen“ des Seins hier spielen, weisen bereits ebenso auf das Mittelalter voraus wie die christlichen Lehren des Kirchenvaters Augustinus, die die kommenden Jahrhunderte entscheidend mitprägen sollten. Die Philosophie des Mittelalters beginnt etwa um 500, nachdem zuvor schon die Patristik die Grundlagen der christlichen Lehre und Kirche gelegt hatte. In der Frühscholastik begründet Abaelard, der die Vernunft in Glaubensfragen höher schätzte als die Autorität, die scholastische Methode der Gegenüberstellung und Auflösung gegensätzlicher Argumente. Der auch naturwissenschaftlich forschende Albertus Magnus und der große Kirchenlehrer Thomas von Aquin führten in der Hochscholastik mit einer Renaissance und Überformung der aristotelischen Lehre die mittelalterliche Philosophie zu einem Höhepunkt. Die philosophische Mystik erlebt mit Meister Eckhart ihren Höhepunkt. Mit Wilhelm von Ockham und Nikolaus von Kues als Vorbereitern zukünftiger Vorstellungen und der modernen Wissenschaft beginnt sich in der Spätscholastik bereits langsam die Neuzeit anzukündigen. Neuzeit In der Philosophie der Renaissance und des Humanismus bildeten sich ab 1450 die Eigenheiten der Neuzeit aus. Die Naturwissenschaften und die Mathematik lösen sich von der Philosophe und gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Philosophie der Neuzeit setzt mit dem Streit zwischen dem Rationalismus (René Descartes, Leibniz), der die überragende Bedeutung der Vernunft für den Erkenntnisprozess hervorhebt, und dem Empirismus (John Locke, Thomas Hobbes), der letztlich alle Erkenntnis aus Sinneserfahrungen ableiten will, ein. Dieser Konflikt gipfelt in der Zeit der Aufklärung in der Kritischen Philosophie von Immanuel Kant. Dessen Denken, das insbesondere eine grundsätzliche Untersuchung der Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Erkenntnisvermögens zum Inhalt hatte, stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der neuzeitlichen Philosophie dar. Die Philosophie des 19. Jahrhunderts ist einerseits durch die vermeintliche Weiterentwicklung und Interpretation der Philosophie Kants in den großen metaphysischen Systementwürfen des Deutschen Idealismus mit Fichte, Schelling, Hegel geprägt, andererseits durch das Erstarken des Positivismus im Zuge der Erfolge der Naturwissenschaften. Darüber hinaus finden sich zunehmend eigenständige Denker, wie etwa der Vorläufer der existenzialistischen Philosophie Søren Kierkegaard, der Vermittler buddhistischer Philosophie Arthur Schopenhauer und der „Prophet“ des Nihilismus Friedrich Nietzsche. Von großer historischer Tragweite ist die Philosophie von Karl Marx. Weitere wichtige Phänomene sind der Neukantianismus, der Pragmatismus und die Lebensphilosophie. Mit der Phänomenologie Edmund Husserls, die sich den Dingen über eine Wesensschau zuwenden möchte, begann spätestens die Philosophie des 20. Jahrhunderts, die sich durch eine große Vielfalt der Denkansätze auszeichnete. Besonders bedeutend sind die Existenzphilosophie von Martin Heidegger, der der Philosophie mit dem Rückgang auf das Seinsproblem wieder eine neue Basis zu geben versuchte, der Existenzialismus nach Jean Paul Sartre, der die Frage nach dem Sinn des Daseins stellte und der Logische Empirismus, der die Philosophie auf eine Wissenschaftstheorie verengen wollte. Für die modernen Naturwissenschaften prägend war der von Karl Popper entwickelte Kritische Rationalismus. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gewannen einige die Sprach- und Literaturwissenschaft dominierende Konzepte wie der Strukturalismus, Dekonstruktivismus und Poststrukturalismus an Bedeutung. In der Philosophie der Gegenwart beherrscht die von Ludwig Wittgenstein begründete Analytische Philosophie bzw. Sprachphilosophie, die als Ausgangspunkt die Entlarvung philosophischer Probleme als Scheinprobleme zum Ziel hatte, als Methode das akademische Denken. Gegengewichte hierzu bilden u.a. die umstrittene Philosophie der Postmoderne und die Neuscholastik in der Nachfolge des Thomas von Aquin.

Sinn und Nutzen der Philosophie

Zunächst ist hier festzuhalten, dass die Philosphie auf keinen Zweck abziehlt außer die Erkenntnis des Seins, die Weisheit. Alle hier aufgeführten Nutzen sind lediglich Beiwerk. Die eigentliche Philosophie ergibt sich aus dem Philopsophieren, also dem Nachdenken über und Streben nach Weisheit jedes Einzelnen, das aus Neugierde und nicht aus primitiven Aufwand-Nutzen-Denken geschieht. Zunächst einmal besteht der Nutzen des Philosophierens in der Schulung des Denkens und des Argumentierens, denn sowohl in methodischer Hinsicht als auch im sprachlichen Ausdruck werden strenge Anforderungen an die Philosophierenden gestellt. Desweiteren lernt man durch die Beschäftigung mit der Philosophie die gegenwärtigen und vergangenen philosophischen Probleme und Debatten kennen. In der akademischen Ausbildung wird zudem Wert darauf gelegt, dass die Philosophierenden den Regeln der wissenschaftlich betriebenen Philosophie entsprechend an den unterschiedlichen philosophischen Diskursen teilnehmen können. Der Sinn der systematischen Philosophie besteht vor allem in der Beschäftigung mit zwei Gegenständen:
- Sie thematisiert einerseits die expliziten Begriffe, Fragen, Thesen und Positionen der einzelnen Wissenschaften. So fragt die Philosophie etwa, was den Begriff „Würde“ ausmacht, den die Rechtswissenschaften oder die Soziologie voraussetzen.
- Zum anderen arbeitet sie die impliziten Begriffe, Fragen, Thesen und Positionen heraus, die den anderen Wissenschaften zugrunde liegen. So fragt etwa die Erkenntnistheorie „Was können wir wissen?“ und untersucht dabei auch den Begriff und die Grundlagen und Bedingungen von Wissen überhaupt. So verstanden ist Philosophie also eine Grundlagenwissenschaft. Alle anderen Wissenschaften haben sich mit der Zeit aus der Konkretisierung philosophischer Problematiken heraus entwickelt. Keine Wissenschaft ist ohne eine ihr zu Grunde liegende philosophische Perspektive, sei es die Theorie, dass alle Erscheinungen allgemein gültigen Gesetzen unterliegen in allen Naturwissenschaften oder die Theorie der Bedeutsamkeit historischer Ereignisse für die Gegenwart in den Geschichtswissenschaften, auch nur denkbar. Man kann die Philosophie auch als „Prinzipienwissenschaft“ bezeichnen, d.h. sie behandelt nicht nur die konkreten Gegenstände, sondern auch, wie alles zustande kommt. Am offensichtlichsten kommt dies in der Wissenschaftstheorie zum Tragen, die die Grundlagen aller wissenschaftlichen Erkenntnis behandelt und somit auf alle anderen wissenschaftlichen Disziplinen Einfluss nimmt. Der Sinn der historischen Philosophie lässt sich etwa so fassen:
- Wenn es von Interesse ist, alte Dinge und Quellen zu sammeln, zu untersuchen und ins Museum zu stellen, um die Fragen beantworten zu können: „Wie haben die Menschen gelebt, die vor langer Zeit in diesen Häusern gewohnt, aus diesen Tellern gegessen, diese Dokumente verfasst haben?“, dann muss es noch vielmehr von Interesse sein, ihre philosophischen Schriften zu lesen, um zu verstehen, wie sie gedacht haben.
- Zweitens ist es Aufgabe der historischen Philosophie, die kulturellen Grundlagen unserer heutigen Zeit zu verstehen.
- Drittens ist die Kenntnis historischer philosophische Fragen, Thesen, Argumente und Positionen sinnvoll und nützlich für das systematische Philosophieren. Ein sozial besonders relevantes Kerngebiet der Philosophie, welches nicht von anderen Wissenschaften übernommen werden kann, ist die Ethik. Die zeitgenössische Philosophie legt dabei einen Schwerpunkt auf die Metaethik, d.h. sie schreibt in einem Bereich „jenseits von Gut und Böse“ nicht Werte vor, sondern ist das Instrument zu einem kritischen Verständnis der Art und Weise, wie sich Werte überhaupt erst bilden. In der Praxis gewinnt die medizinische Ethik immer mehr an Bedeutung. Als Lehrfach an Schulen ist die Philosophie Grundlage des Ethik- oder Werteunterrichts.

Siehe auch


- Portal:Philosophie, Geschichte der Philosophie, Philosophieren, Liste wichtiger philosophischer Werke, Philosophiebibliographie, Didaktik der Philosophie, Philosophie und Universität, Stimmen über die Philosophie, Wikipedia:Die Wikipedianer/nach Wissensgebieten/Philosophie

Literatur

Einführungen


- Thomas Nagel: Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie. Nachdr. Reclam, Stuttgart 2002, ISBN 3-15-008637-X (Kurze, dichte Einführung anhand philosophischer Alltagsprobleme: Sinn des Lebens, Gerechtigkeit usw.)
- Reinhard Brandt: Philosophie. Eine Einführung. Reclam, Stuttgart 2001, ISBN 3-15-018137-2 (Philosophisches Selberdenken auf Grundlage historischer Texte)
- Arno Anzenbacher: Einführung in die Philosophie. 10. Aufl. Herder, Freiburg i.Br. u.a. 2004, ISBN 3-451-27851-0 (Solide Einführung, die historische und systematische Aspekte verbindet)
- Rafael Ferber: Philosophische Grundbegriffe. 2 Bde. Beck, München 2003, ISBN 3-406-45654-5 (Einführung in die zentralen Begriffe der Philosophie wie z.B. Wahrheit, Sein)
- Jay F. Rosenberg: Philosophieren. Ein Handbuch für Anfänger. Klostermann, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-465-01718-8 (Eine "professionelle" Anleitung zum Philosophieren)
- Weischedel, Wilhelm: Die philosophische Hintertreppe. 34 große Philosophen im Alltag und Denken. 24. Aufl. Nymphenburger (u.a.), München 2003, ISBN 3-485-00863-X (Leicht lesbare Hinführung zur Philosophie in Anekdoten)

Hilfsmittel/Nachschlagewerke


- Anton Hügli, Poul Lübcke (Hrsg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. 5. Aufl. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-499-55453-4 (preiswert, zum schnellen Nachschlagen)
- Georgi Schischkoff: Philosophisches Wörterbuch. 22. Aufl. Kröner, Stuttgart 1991, ISBN 3-520-01322-3 (handlich, zuverlässig, aber etwas in die Jahre gekommen)
- Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Grundwerk in acht Bänden. 2. Aufl. Metzler, Stuttgart 2005, ISBN 3-476-02108-4 (umfangreich, wissenschaftsorientiert, stark im Bereich Logik und Mathematik)
- Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften. 4 Bde. Meiner, Hamburg 1990, ISBN 3-7873-0983-7 (umfangreich, nur umfassende Artikel, eher „idealistisch“ ausgerichtet)
- Edward Craig (Hrsg.): The Routledge Encyclopedia of Philosophy. 10 Bde. Routeledge, London 1998. (Das vielleicht beste Nachschlagewerk; auch als einbändige, allerdings sehr knappe Kurzfassung erschienen; außerdem auf CD-ROM erhältlich)
- Joachim Ritter, Karlfried Gründer (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. 12 Bde. Schwabe, Basel u.a. 1971-2004. (Das umfassendste Werk seiner Art; 2005 abgeschlossen)
- Franco Volpi, Julian Nida-Rümelin: Lexikon der philosophischen Werke. Kröner, Stuttgart 1988, ISBN 3-520-48601-6 (handlich und informativ)
- Franco Volpi: Großes Werklexikon der Philosophie. Kröner, Stuttgart 2004, ISBN 3-520-83901-6 (umfangreich und fundiert)
- Norbert Retlich: Literatur für das Philosophiestudium. Metzler, Stuttgart u.a. 1998. ISBN 3-476-10308-0
- Annemarie Pieper, Urs Thurnherr: Was sollen Philosophen lesen? Schmidt, Berlin 1994, ISBN 3-503-03079-4 Siehe auch die Literaturangaben im Artikel Geschichte der Philosophie

Weblinks


- Hilfsmittel
  - [http://plato.stanford.edu/ Hauptseite] der Stanford Encyclopedia of Philosophy
  - [http://www.phillex.de Phillex – Lexikon der Philosophie]
  - [http://www.philolex.de/philolex.htm Philolex – Ein Online-Lexikon zur Philosophie]
  - [http://www.textlog.de/6088.html Karl Vorländer – Geschichte der Philosophie (1902)]
  - [http://www.pyrrhon.de Pyrrhon.de – Philosophische Lexika und Suchmaschinen]
  - [http://www.uni-erfurt.de/philosophie/allgemein-literaturhinw.pdf Kommentierte Literaturliste der Universität Erfurt (PDF)]
- Allgemeine Informationen
  - [http://www.philosophie.de Philosophieportal der Gesellschaft für Philosophie und Wissenschaft e.V]
  - [http://www.philo.de/Philosophie-Seiten/ Die Philosophie-Seiten, Informationen von Dieter Köhlers]
  - [http://www.information-philosophie.de/ eZine Information Philosophie im Internet mit Nachrichten und Informationen]
  - [http://www.shef.ac.uk/~ptpdlp/newsletter/index.html Philosophy Pathways – Philosophiemagazin (engl.)]
- Sonstiges
  - [http://www.philos.de Studienführer Philosophie – sortiertes Verweisverzeichnis philosophischer Institute (mit Karte)]
  - [http://www.philopage.de philoSOPHIA e.V. – Philosophische Seminare für junge Menschen]
  - [http://buecherei.philo.at/ Philosophische Bücherei – Kommentierte Internet-Ressourcen zur Philosophie]
  - [http://audiothek.philo.at Sammlung von Mitschnitten von Vorträgen u.ä. in der Philosophischen Audiothek (MP3)] Kategorie:Geisteswissenschaft ! ja:哲学 ko:철학 ms:Falsafah simple:Philosophy th:ปรัชญา

Weltanschauung

Eine Weltanschauung ist ein umfassendes Konzept oder Bild des Universums und der Beziehung zwischen Mensch und Universum. Sie umfasst die Menge bestimmter Meinungen, als organischer Gesamtheit, über die Welt als Grund, Boden und Bühne der menschlichen Existenz, des menschlichen Handelns. Das umfasst Anschauungen über: Wissenschaft, Philosophie, Politik, Wirtschaft, Ökologie, Umwelt, Kultur, Bräuche, Religion, Ethik, Werte, Moral, Kindererziehung bis hin zur Ernährung. Das Wort findet sich zuerst in dem Buch Kritik der Urteilskraft (§ 26; 1790) von Immanuel Kant. Eine Weltanschauung gibt einen Begriff davon, wie die Welt funktioniert und strukturiert ist (was ist die Wirklichkeit), gibt eine Erklärung dafür, warum die Welt so funktioniert und strukturiert ist (warum ist die Wirklichkeit so), und eine Extrapolation dieser Funktion und Struktur in die Zukunft (wie wird sich die Welt entwickeln). Weiter beinhaltet eine Weltanschauung ethische Werte, die sich aus dieser Sicht der Wirklichkeit ableiten lassen und eine Epistemologie. Weltanschauungskritik wird von anderen Weltanschauungen geübt, wissenschaftlich erscheint sie als Ideologiekritik Weltanschauungen beinhalten die Antwort auf Fragen wie
- Was ist die Wirklichkeit?
- Was ist die Natur der Welt?
- Was ist ein Mensch? Welches Menschenbild haben wir?
- Was geschieht nach dem Tod?
- Warum ist es möglich, überhaupt etwas zu wissen?
- Woher wissen wir, was richtig, was wahr und was falsch ist?
- Was ist der Sinn der menschlichen Geschichte?
- Gibt es einen Gott?
- Hat der Mensch einen freien Willen? Irgendeine Art von Weltanschauung, die solche Fragen beantwortet, dürfte jeder Mensch haben - eine persönliche Weltanschauung kann allerdings mehr oder weniger durchdacht, logisch aufgebaut und konsequent sein. Bezieht sich der Begriff Weltanschauung auf ein bestimmtes Gebiet, z.B. Kindererziehung, so spielen vielfältige andere Überzeugungen aus anderen Bereichen ein, z.B. Ethologie, Biologie, Religion, Erziehungswissenschaften, sowie Kultur und Tradition. Eine Weltanschauung intendiert einen mehr oder weniger konsistenten (in sich stimmigen) und integralen Sinn- und Bedeutungsraum der menschlichen Existenz und schafft so den Rahmen für Bildung, Kultur und Wissen, bzw. bezüglich des Einzelnen, ein Umfeld für seine Bildungsanstrengungen, sein kulturelles Leben, seine Kulturbeflissenheit und sein Lernen. Zu allen Zeiten haben vor allem Religionen und politische Systeme Weltanschauungen vertreten und gelehrt; oft waren sie selbst sogar Weltanschauungen. Beispielsweise Judentum, Christentum, Islam, Sozialismus, Marxismus, Scientology, Humanismus, Nationalismus könnten Weltanschauungen genannt werden, sie generieren und liefern aber eindeutig unterscheidbare Weltanschauungen. Natürlich gibt es dabei aber auch Überschneidungen, so existieren z.B. christliche Sozialisten oder jüdische Humanisten. Manche Weltanschauungen sollen bestimmte Formen von Macht legitimieren bzw. delegitimieren, indem sie Herkunft und Basis der Macht erklären - beispielsweise sah der Monarchismus die Macht des Königs als von Gott verliehen an, in der Demokratie (Volksherrschaft) geht die Macht von der gesamten Bevölkerung als Souverän aus. Weltanschauungen können Diskussionen anregen oder auch zerstören beziehungsweise verhindern, z.B. wenn man sich nicht gemeinsam auf Axiome oder ethische Grundsätze einigen kann. Interkulturelle Dialoge und interreligiöse Dialoge bezeugen die Interessen der Menschen, gemeinsame Werte zu fördern und gemeinsame Probleme zu lösen, anstatt Unterschiede zu betonen. Beispiel: [http://www.jcrelations.net/ Jüdisch-Christlicher Dialog] Historisch ändern sich Weltanschauungen langsam und binden große, oft nicht hinterfragte Unterstützung (siehe: Sozialer Wandel, Fundamentalismus). Der Postmodernismus proklamierte (unter anderem) die Idee des sich stets wandelnden Weltverständnisses, sich stets wandelnder Weltanschauung. Beispiele für Weltanschauungen:
- Atheismus
- Agnostizismus
- Deismus
- Existenzialismus
- Materialismus
- Naturalismus (Brights)
- Nationalsozialismus
- New Age
- Nihilismus
- Pantheismus
- Postmodernismus
- Theismus
- Skeptizismus Interessant ist, dass das Wort Weltanschauung ins Englische entlehnt wurde, da es ein englisches Äquivalent dieses Begriffes nicht gibt. Allerdings ist world view auch eine akzeptable Übersetzung und wird auch häufiger verwendet als weltanschauung. Victor Klemperer sieht in seinem Buch LTI den Begriff Weltanschauung kritisch. Der Begriff sei in der Zeit des Nationalsozialismus' geprägt worden. Der Begriff "Weltanschauung" war jedenfalls Adolf Hitlers Umschreibung in seinem Buch "Mein Kampf" für eine, auf rassistische und sozialdarwinistische Hypothesen gestützte Werteordnung.

Naturwissenschaft

Es wird manchmal behauptet, auch die Naturwissenschaft bzw. Wissenschaft im Allgemeinen müsse als Weltanschauung betrachtet werden, weil bereits ihre Methodik von unbeweisbaren Axiomen ausgehe. Dies ist jedoch ein falscher Schluss. Eine Weltanschauung trifft Aussagen darüber, ob unbeweisbare Axiome wahr sind, wohingegen Wissenschaft von ihnen nur ausgeht, unabhängig davon, ob sie tatsächlich wahr sind oder nicht (darüber wird keine Wertung getroffen). Wenn im Zusammenhang mit Naturwissenschaft von einer Weltanschauung gesprochen wird, so ist meist der Naturalismus gemeint, der im Gegensatz zur Naturwissenschaft die Aussage macht, die Axiome der Naturwissenschaft seien tatsächlich wahr. Beiden Begriffe werden häufig von Anhängern unwissenschaftlicher Theorien sowie im Widerspruch zur Naturwissenschaft stehender Weltanschauungen gleichgesetzt. Dadurch soll der Eindruck erweckt werden, letztendlich stünde Naturwissenschaft mit allen Weltanschauungen auf einer Ebene, obwohl es sich nicht um vergleichbare Begriffe handelt. Möglich ist im Gegensatz dazu der Vergleich von anderen Weltanschauungen mit dem Naturalismus. Beim Versuch, neue Anhänger zu finden, wird von Vertretern dem Naturalismus widersprechender Weltanschauungen oft betont, alle Weltanschauungen seien gleichwertig. Dabei wird zwar manchmal erwähnt, dass man die Wahrheit der Axiome der Naturwissenschaft anzweifeln muss, um eine dem Naturalismus widersprechende Weltanschauung in Erwägung zu ziehen, jedoch werden äußerst selten diese Axiome konkret aufgelistet (z.B. die Widerspruchsfreiheit der Logik), und so gut wie nie wird erwähnt, warum sie äußerst plausibel sind (z.B. dass es bis heute trotz täglicher Verwendung der Logik niemandem gelungen ist, diese Widerspruchsfreiheit zu falsifizieren).

Siehe auch

Weltbild, Metaphysik, Ontologie, Ideologie

Weblinks

#[http://www.religion-online.info Info-Portal Religion] #[http://lexikon.idgr.de/a/a_d/adler-manfred/adler-manfred.php Manfred Adler Antijudaismus] #[http://www.jcrelations.net/de/?id=1955 Glaube an Gott und „Idee Mensch“ nach Auschwitz] #[http://www.judentum.net/deutschland/gruenberg.htm Antisemitismus als massenpsychologisches Phänomen] #[http://www.dittmar-online.net/religion/naturalismus.html Naturalismus versus Supernaturalismus] Kategorie:Philosophie (Sonstiges) Kategorie:Wortexport ! ja:世界観

Würde

Würde (von althochdeutsch wirdî; mittelhochdeutsch wirde) ist sprachgeschichtlich verwandt mit dem Wort „Wert“ und bezeichnete anfänglich den Rang, die Ehre, den Verdienst oder das Ansehen einer Person. Seit der Aufklärung wurde im Unterschied zur vorherigen konkreten Bedeutung mit „Würde“ verstärkt ein abstrakter sittlicher, moralischer Wert bezeichnet, der letztlich eine Qualität des Handelns oder, noch abstrakter, eine den Menschen allgemein immanente Eigenheit bezeichnet.

Umgangssprache

Umgangssprachlich ist „Würde“
- das gemessene, besonnene und glaubhaft das Absehen von eigenen Nöten signalisierende Verhalten eines Menschen, das anderen Ehrfurcht einzuflößen geeignet ist.
- Man ist einer Ehre oder eines guten Leumunds würdig, wenn man ihnen gerecht werden kann, sie verdient hat.
- Von Würde spricht man im Zusammenhang mit Ritualen (vgl. „eine würdige Feier“).
- Von Würde spricht man im Zusammenhang mit hohen Ämtern (vgl. die „Würde des Amtes“, etwa des Bundespräsidenten, die „nicht beschädigt werden darf“).
Was hier als würdig oder nichtswürdig (würdelos, schändlich) empfunden wird, ist weder allgemein definierbar noch konstant, sondern unterliegt wie alle Wertvorstellungen ständigem sozialen Wandel. Vgl. dazu immerhin Friedrich Schillers Gedicht „Würde der Frauen“.
Der Unterschied zu Ehre oder Ruhm ist zu beachten.

Politisch-philosophische Darlegungen

Giovanni Pico della Mirandola

Derjenige, der den Begriff der Würde des Menschen (lat. dignitas hominis) als erster formuliert, ist der Renaissance-Philosoph Giovanni Pico della Mirandola. Die Würde des Menschen gründet nach Pico della Mirandola darauf, dass, zugespitzt formuliert, die Natur des Menschen darin liegt, dass er keine (festgelegte) Natur hat, dass, mit anderen Worten, er die Freiheit hat, sein Wesen selber zu schaffen. Den Schöpfer lässt Pico zum Adam sagen: „Keinen bestimmten Platz habe ich dir zugewiesen, auch keine bestimmte äußere Erscheinung und auch nicht irgendeine besondere Gabe habe ich dir verliehen, Adam, damit du den Platz, das Aussehen und alle die Gaben, die du dir selber wünschst, nach deinem eigenen Willen und Entschluss erhalten und besitzen kannst. Die fest umrissene Natur der übrigen Geschöpfe entfaltet sich nur innerhalb der von mir vorgeschriebenen Gesetze. Du wirst von allen Einschränkungen frei nach deinem eigenen freien Willen, dem ich dich überlassen habe, dir selbst deine Natur bestimmen.“ Diese Selbstbestimmung des Menschen macht, nach Pico seine Würde aus.

Immanuel Kant

Es blieb dem Philosophen Immanuel Kant vorbehalten, in seinen Schriften zur Ethik dem Begriff der Menschenwürde die gültige Fassung zu verleihen, in der er Eingang in unser Grundgesetz gefunden hat. Zusammengefasst lautet sein Grundgedanke so: Der Mensch besitzt Würde, und zwar jedes einzelne Individuum, aufgrund seiner Autonomie. Autonom ist der Mensch aufgrund seiner prinzipiellen Fähigkeit, das eherne Sittengesetz zu erkennen und zu befolgen, d.h. unabhängig von seinem Bildungs- oder sonstigen Stand zu wissen, was richtig oder falsch, moralisch gesprochen: gut oder böse ist und danach zu handeln. Diese Würde ist dem Menschen prinzipiell innewohnend, ganz unabhängig von seinen sonstigen, z.B. charakterlichen oder intellektuellen Eigenschaften und Fähigkeiten, erst recht von äußeren Merkmalen, wie sozialer Stellung o.ä.. Der tiefere Grund für diese universelle Würde liegt darin, dass in jedem einzelnen Menschen das menschliche Gattungswesen repräsentiert ist, bei Kant in der Sprache des 18. Jahrhunderts: Der Mensch ehrt die Würde der Menschheit in seiner eigenen Person, hat Anspruch darauf, dass die Menschheit in seiner Person die Achtung der anderen Menschen erfährt und ist seinerseits dazu verpflichtet, die Menschheit im „Nächsten“ zu achten, eine prinzipiell gebotene Achtung des anderen Menschen, unabhängig von der Hochachtung, die bestimmte Menschen wegen Ihrer Handlungen, ihrer Stellung usw. genießen. menschlichen Wesen, kurz, seiner Würde, und müssen deshalb überwunden werden.

Bertolt Brecht

Bertolt Brecht schlägt in seinem Text „Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit“ vor, das Wort „Ehre“ durch das Wort „Menschenwürde“ zu ersetzen und weist damit auf den fundamentalen Unterschied zwischen beiden Prinzipien hin: Die Ehre ist etwas Äußeres, die Würde etwas Inneres.

Im Recht

Rechtlich gibt es mehrere Begriffe der Würde:
- Verfassungsrechtlich ist die Würde jedes Menschen („Menschenwürde“) nach [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/gg/art_1.html Artikel 1 Absatz 1]) Grundgesetzes unantastbar, sie wird als unveränderliches (vorkonstitutionelles, axiomatisches) Grundrecht angesehen und beginnt bereits mit seiner Zeugung (umstritten). Sie ist unmittelbar geltendes Recht, nicht nur eine Absichtserklärung. Nach herrschender (aber jüngst bestrittener) Rechtsmeinung verbietet somit die „Menschenwürde“ z.B. die Folter, sei die Auskunft noch so dringlich und der Gefolterte noch solch ein Schurke.
- Altertümlich ist öffentlichrechtlich „eine Würde“ eine hohe Titulatur (vgl. „jemanden in Amt und Würden einsetzen“ - historisches Beispiel: ein mittelalterlicher Kaiser wie Otto der Große hatte dies als Würde inne, aber er amtete kraft dessen, dass er zugleich der deutsche König war).
- Der strafrechtlich bewehrte Schutz der Totenruhe in Deutschland geht implizit davon aus, dass der Mensch auch als Toter eine Würde hat (so 2005 in der Strafrechtsprechung anlässlich eines Falles von Kannibalismus).

In der Religion

Religiös fundiert sind zahlreiche Zuerkennungen von Würde, z.B. die Auffassungen von der Würde eines Gotteshauses oder der Würde der Kreatur.
Christlich ließe sich argumentieren, dass die Menschen dadurch besonders gewürdigt worden seien, dass Gott als Jesus Mensch geworden sei, so dass der Mensch einer besonderen (eben göttlichen) Würde teilhaftig geworden sei. Die Beweislage ist hier schwierig, da diese Erkenntnis einzig durch Offenbarung gewonnen werden könnte, was z.B. in der Wissenschaft als unprüfbar (also als nicht „wahrheitsfähig“) gilt. Kategorie:Ethisches Gut Kategorie:Rechtsphilosophie

Weblinks


- [http://www.theologie-systematisch.de/anthropologie/3gottebenbildlichkeit.htm Aktuelle Literatur zur Menschenwürde] (theologisch orientiert)

Gewaltfreiheit

Gewaltlosigkeit oder Gewaltfreiheit ist ein Prinzip, das Gewalt ablehnt und zu überwinden sucht und dabei gleichzeitig Alternativen zu den kritisierten Zuständen entwickelt. Terminologisch wird gelegentlich zwischen gewaltlos (situativer Gewaltverzicht) und gewaltfrei (prinzipieller Gewaltverzicht) unterschieden. Gewaltfreiheit geht davon aus, dass Gewalt oder deren Androhung Probleme nicht lösen, Ungerechtigkeit und Unterdrückung nicht beseitigen kann. Daher wurden vielfältige Aktionsmethoden entwickelt, um gewaltfreie Konfliktlösungen zu erreichen. :Mahatma Gandhi schrieb: "Die Grundbedeutung von Gewaltfreiheit ist Festhalten an der Wahrheit, Kraft der Wahrheit (Satyagraha). ... Bei der Anwendung von Gewaltfreiheit entdeckte ich schon sehr früh, dass die Wahrheitssuche es nicht erlaubt, dem Gegner Gewalt anzutun. Er muss vielmehr durch Geduld und Mitgefühl von seinem Irrtum abgebracht werden." Oft wird in diesem Zusammenhang auch der Begriff ahimsa gebraucht, der aus den Upanishaden stammt und von Gandhi aufgegriffen wurde. Ahimsa umfasst mehr als nur gewaltlosen Widerstand oder gewaltfreie Aktion. Ahimsa bezeichnet eine Lebens- und Geisteshaltung, die grundsätzlich eine Schädigung und Verletzung von Lebewesen aller Art vermeidet. Dazu gehören nach Gandhi auch negative Gedanken, Lüge, Hass und übermäßige Eile. Durch Leidensfähigkeit, Geduld und andauerndes Bemühen lernt der Mensch mit sich selbst und anderen in Frieden zu leben. Ein häufiges Missverständnis von Gewaltlosigkeit ist die Gleichsetzung mit Wehrlosigkeit, Passivität und Tatenlosigkeit. Konflikte sollen aber nicht vermieden, sondern durch gewaltfreien Widerstand bewusst, konstruktiv und phantasievoll geregelt werden. Daher gehören zu Gewaltfreiheit Mut, Entschlossenheit und Zivilcourage. Wesentliches Element der Erziehung zur Gewaltfreiheit ist ferner das Erlernen von Methoden der friedlichen Konfliktbearbeitung: "Gewaltfreiheit kann und muss gelernt werden". Am 10. November 1998 hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts und des 3. Jahrtausends, die Jahre 2001-2010 zur Internationalen Dekade für eine Kultur der Gewaltlosigkeit und des Friedens für die Kinder dieser Welt deklariert. ---- Zur Geschichte des gewaltfreien Handelns vgl. Joan Baez, James E. Davis, Theodor Ebert, Mahatma Gandhi, Hildegard Goss-Mayr, Martin Luther King, Aung San Suu Kyi, Albert John Luthuli, Bertha von Suttner, Henry David Thoreau, Leo Tolstoj, Lanza del Vasto. ----

Verwandte Themen


- Dekade zur Überwindung von Gewalt
- Friedensbewegung
- Friedensethik
- Gewaltfreie Aktion
- Gewaltfreier Widerstand
- Gewaltfreie Kommunikation
- Internationale Dekade für eine Kultur der Gewaltlosigkeit und des Friedens
- Mennoniten
- Pazifismus
- Zivile Konfliktbearbeitung
- Ziviler Ungehorsam
- Gütekraft
- Satyagraha
- Feindesliebe

Literatur


- Günther Gugel: Wir werden nicht weichen. Erfahrungen mit Gewaltfreiheit. Eine praxisorientierte Einführung. Institut für Friedenspädagogik Tübingen, 3. Auflage 2003. ISBN 3-922833-97-7 (mit ausführlicher Bibliographie)

Weblinks


- [http://www.friedenspaedagogik.de/themen/gewaltfr/grundlag/grund_01.htm Grundlagen Gewaltfreiheit]
- [http://www.theologie-systematisch.de/anthropologie/7erloesung.htm Aktuelle Literatur zur Gewaltlosigkeit]
- [http://www.bessereweltlinks.de/gewaltfrei.htm Informationen zu Gewaltfreiheit / Gütekraft]
- [http://www.frieden-gewaltfrei.de/index.htm Private Seite zur Gewaltlosigkeit]
- [http://www.nvpdecade.org/deutsch/index.html UNO-Internationale Dekade für eine Kultur der Gewaltlosigkeit und des Friedens] Kategorie:Ethisches Prinzip Kategorie:Frieden Kategorie:Gewaltfreiheit ja:非暴力

Gewissensfreiheit

Die Gewissensfreiheit ist ein Menschenrecht. Sie schützt die Bildung und das Innehaben eines Gewissens und das Ausrichten des Verhaltens am Gewissen. Als Bereich des Gewissens werden die Integrität und die Identität der Persönlichkeit anerkannt. Als konstituierendes Element der Menschenwürde und des allgemeinen Persönlichkeitsrechts ist die Gewissensfreiheit ein hohes Rechtsgut, sodass Eingriffe in den Schutzbereich dieser Freiheit einer besonderen Rechtfertigung bedürfen.

Deutschland

Geschichte und Schutzbereiche

Die Gewissensfreiheit war als humanistisches Ideal bereits in § 144 S. 1 Paulskirchenverfassung und in Art. 135 WRV enthalten. Wegen seiner engen Verknüpfung mit der weltanschaulichen Überzeugung als wertebildendes Charakteristikum wird die Gewissensfreiheit häufig in der Nähe von Glaubens- oder Religionsfreiheit (in sämtlichen freiheitlichen deutschen Verfassungen seit 1848) verortet. Das Grundgesetz sieht die Gewissensfreiheit in Art. 4 Abs. 1 GG. Im übrigen finden sich Teile der Gewissensfreiheit auch in Art. 1 GG (Menschenwürde), Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 GG (allgemeines Persönlichkeitsrecht) sowie in Art. 5 Abs. 1 GG (Meinungsfreiheit) und schließlich in Art. 2 (allgemeine Handlungsfreiheit), indem das Gewissen sowohl im inneren Bereich (sog. forum internum) gebildet und nach außen (sog. forum externum) kenntlich gemacht wird. Da die Gewissensfreiheit im deutschen Recht nur den verfassungsimmanenten Schranken unterworfen ist, sind Eingriffe stets im Rahmen der praktischen Konkordanz mit anderen Grundrechten und im Rahmen von Verfassungsprinzipien zu überprüfen. Eine besondere Gewissensfreiheit genießt der Abgeordnete des deutschen Bundestages, der seine Entscheidungen im Rahmen des freien Mandats nur anhand seines Gewissens ohne Bindung an Weisungen und Aufträge fällt (Art. 38).

Eingriffe

Das forum internum der Gewissensfreiheit, die innere Überzeugungsbildung von Werten und Überzeugungen, ist eingriffsresistent, da es direkt an die Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG) anknüpft und somit unzulässig wird. Kasuistisch werden Gehirnwäsche, Hypnose, Drogen und ähnliche Eingriffe in das physiologisch-psychische Wirken verboten. Problematisch ist jedoch der Bereich der Wertevermittlung. So kann die Bildung von Werten durch staatliche Institutionen (Schule) nicht verboten sein, sondern ist sogar notwendig, wenn auch im Rahmen der Bindung an die freiheitlich demokratische Grundordnung. Bedeutend sind jedoch vor allem die Eingriffe in das forum externum. Dies sind Fälle, in denen der Betroffene sein Verhalten mit Hinweis auf das Gewissen begründet. Die Gewissensfreiheit strahlt nicht nur im öffentlich-rechtlichen Bereich aus, sie bleibt auch im Bereich des Privatrechts bedeutsam und erlangt Entfaltung über die Generalklauseln des Privatrechts. Das betrifft insbesondere den Bereich des Individualarbeitsrecht, wenn Arbeitnehmer mit Tätigkeiten konfrontiert werden, die ihrer Überzeugung massiv widersprechen (Tierversuche, Rüstungsproduktion). Hier entfaltet die Gewissensfreiheit ihre Drittwirkung. Ein Unterfall der Gewissensfreiheit ist das Recht auf Kriegsdienstverweigerung bei Konflikten mit dem eigenen Gewissen. In das Recht auf Kriegsdienstverweigerung darf nur im Hinblick auf das Anerkennungsverfahren mittels Parlamentsgesetzes eingegriffen werden. Für die Gewissensfreiheit im Übrigen besteht - nochmals deutlich - kein Vorbehalt.

Geltendmachung

Die Betroffenheit von Eingriffen in die Gewissensfreiheit sind geltend zu machen. Es reicht nicht aus, lediglich einen Eingriff zu behaupten. Gerade weil die Gewissensfreiheit (mit Ausnahme der verfassungsimmanenten Schranken) schrankenlos gewährt wird, bedarf es der besonderen Begründung der Betroffenheit, da es dem Staat schlechterdings unmöglich wäre, das Gegenteil zu beweisen, ohne selbst die Gewissensfreiheit im Bereich des forum internum zu verletzen. Der Betroffene muss daher aufzeigen, dass anderes Handeln (z.B. andere gleichwertige Methoden zur Forschung statt Tierversuche) möglich wäre.

Fallgruppe: Ziviler Ungehorsam

Dass ziviler Ungehorsam mit der Überzeugung über andere als die von staatlicher Seite vertretenen Werte zusammenhängt, ist unbestritten. Die Fallgruppe überlappt sich jedoch häufig noch mit anderen Grundrechten wie Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit und allgemeiner Handlungsfreiheit. Problematisch ist aber, dass durch zivilen Ungehorsam aber häufig nicht nur der Staat getroffen wird, sondern auch andere Bürger. Kritisiert wird aber, dass die Berufung auf die Gewissensfreiheit zur Rechtfertigung politischer Agitation nicht ausreichend ist, um den erhöhten Schutz des Art. 4 GG zu genießen. Andererseits sind pazifistische Sitzblockaden, die sich an den Vorbildern Mahatma Gandhis und auch Thoreaus orientieren, wohl regelmäßig unter den Schutz des Art. 4 GG zu stellen. Kategorie:Grundrechte

Anselm von Canterbury

Anselm von Canterbury (
- um 1033 in Aosta, † 21. April 1109 in Canterbury) war ein Philosoph des Mittelalters und wird vielfach als Begründer der Scholastik gesehen. In der katholischen Kirche wird er als Heiliger und Kirchenlehrer verehrt.

Leben

Anselm wurde 1033 in Aosta, das in den italienischen Alpen an der Grenze zu Frankreich gelegen ist, geboren. Mit 15 Jahren suchte er den Eintritt in ein nahegelegenes Kloster, was ihm aber verweigert wurde, vermutlich, um Anselms Vater nicht zu verärgern, denn dieser hatte eine politische Karriere für ihn vorgesehen. Mit 23 Jahren verließ er dann sein Heim und zog insgesamt drei Jahre durch Frankreich, bis er vom Ruhm Lanfrancs, dessen Nachfolger in Canterbury er später werden sollte, angezogen zur Benediktiner-Abtei von Le Bec kam. Nach einigem Zögern trat er schließlich ein Jahr später im Jahre 1060 in sie ein. Schon drei Jahre später wurde er zum Prior gewählt, weitere 15 Jahre später zum Abt. In diese Zeit fallen auch seine ersten philosophischen und theologischen Werke, insbesondere seine beiden berühmten Schriften Monologion und Proslogion. Als der damalige Erzbischof von Canterbury Lafranc 1089 verstarb, wurde Anselm von vielen als sein Nachfolger favorisiert, doch erst 1093 von William II. ins Amt gesetzt. In den nachfolgenden vier Jahren trugen die beiden den Investiturstreit über das Verhältnis weltlicher und geistlicher Macht in England aus. Im Jahre 1097 dann bekam er die Erlaubnis, Rom aufzusuchen, um dort um Hilfe zu bitten, die er jedoch nur in beschränktem Maße erhielt. Die Rückkehr nach England wurde ihm dann von William verweigert. Erst als William 1100 starb, konnte Anselm unter dessen Nachfolger Henry I. nach England zurückkehren, musste jedoch 1103 schon wieder ins Exil zurückgehen, in dem er vier Jahre bleiben musste, bis er 1107 wiederum nach England zurückkehren konnte, wo er dann bis zu seinem Tode 1109 blieb. Anselm wurde 1494 heilig gesprochen und 1720 von Clemens XI. zum Doktor der Kirche ernannt.

Werk

Am bekanntesten ist Anselm für seinen ontologischen Gottesbeweis, den er in seinem Proslogion, eigentlich einer Meditation über das Wesen Gottes, formuliert. Dieser gehört zu den am meisten diskutierten Argumenten in der Philosophiegeschichte. Philosophen wie Thomas von Aquin, Hegel, Descartes und Kant setzten sich kritisch damit auseinander. In der Schrift Cur Deus Homo? vertrat er die Lehre, die Erlösung durch Christus sei als Befriedigung des gerechten Zornes Gottes durch den Tod Christi zu verstehen. Von einigen wird diese Lehre später als eine der Grundlagen der Reformation angesehen, wird aber in der orthodoxen Kirche abgelehnt. Bekannt ist auch sein Streit mit Johannes Roscelin, den er als extremen Nominalisten einstufte. Von seinen weiteren Schriften sind vor allem das [http://12koerbe.de/pan/monolog.htm Monologion], in dem er ähnlich wie im Proslogion Gottes Existenz beweist und versucht, seine Eigenschaften herzuleiten, und De Veritate, das sich nicht nur mit der Wahrheit, sondern auch mit der Gerechtigkeit beschäftigt. Sein Gedenktag ist in der katholischen (kein gebotener Gedenktag), evangelischen und anglikanischen Kirche der 21. April.

Weblinks


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- [http://12koerbe.de/pan/monolog.htm Monologion, lat./dt. Netzedition]
- [http://www.videolexikon.com/view_210-20-003-1003-001.htm Videovortrag und Skript zu Anselm von Canterbury]
- [http://www.eckhart.de/index.htm?personen.htm#Anselm Anselm von Canterbury] Meister Eckhart und seine Zeit
- [http://www.ub.uni-freiburg.de/referate/04/verweyen/anselm0.htm Volltext: Hansjürgen Verweyen: Nach Gott fragen. Anselms Gottesbegriff als Anleitung (1978)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lspost11/Anselmus/ans_intr.html bibliotheca Augustana: Verschiedene Texte in Latein] Kategorie:Mann Kategorie:Heiliger Anselm Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (11. Jh.) Kategorie:Scholastik Kategorie:Philosoph des Mittelalters Kategorie:Kirchenlehrer Kategorie:Katholischer Theologe (11. Jh.) Kategorie:Mystiker Kategorie:Gestorben 1109 ja:アンセルムス ko:안셀무스

Aristoteles

Aristoteles (griechisch Αριστοτέλης Aristotelēs,
- 384 v. Chr. in Stageira / Makedonien, † 322 v. Chr. in Chalkis / Euböa) war ein griechischer Philosoph, Naturforscher und einer der einflussreichsten Denker der abendländischen Geistesgeschichte, der zahlreiche Disziplinen entweder selbst begründete oder entscheidend beeinflusste. Nach seiner Herkunft wurde Aristoteles auch Der Stagirit genannt.

Leben

384 v. Chr. wird Aristoteles in Stageira als Sohn des Leibarztes Nikomachos am Hof von König Amyntas von Makedonien geboren. Früh versterben seine Eltern, sodass er bei Pflegeeltern aufwächst. 367 v. Chr., mit 17 Jahren, tritt Aristoteles in Platons Akademie in Athen ein. 347 v. Chr. stirbt Platon, die Leitung der Akademie übernimmt aber nicht der offenbar weitaus begabtere und talentiertere Aristoteles, sondern Speusippos, ein Neffe Platons. Aristoteles geht wohl auch wegen der anti-makedonischen Stimmung in Athen an den Hof des Hermias, des Herrschers von Atarneus in Kleinasien, wo er dessen Adoptivtochter Phytias heiratet. Von 342 v. Chr. bis 336 v. Chr. unterrichtet Aristoteles Alexander den Großen in Philosophie, Kunst und Mathematik. 335 v. Chr. kehrt Aristoteles nach Athen zurück und gründet dort seine eigene Schule, das Lykeion (später auch Peripatos genannt), die bis etwa 40 v. Chr. besteht und aus der die philosophische Richtung der Peripatetiker hervorgeht. 323 v. Chr. verlässt Aristoteles Athen, da - nach Alexanders Tod - dort die antimakedonische Partei die Oberhand gewinnt, und geht nach Chalkis, dem Geburtsort seiner Mutter, wo er im folgenden Jahr stirbt.

Lehre und Schriften

Was ist von Aristoteles überliefert?

Bei den überlieferten Schriften des Aristoteles - dem Corpus Aristotelicum - handelt es sich nicht um die von ihm selbst veröffentlichten so genannten exoterischen Schriften, die vielmehr bis auf (z.T. umfangreiche) Zitate bei späteren Schriftstellern verloren sind. Vollständig erhalten sind hingegen die seit dem 19. Jhd. so genannten esoterischen Schriften oder Pragmatien, die als Notizen, Vorlesungsskripte oder Materialsammlungen zunächst nur zum internen Gebrauch bestimmt waren und erst im ersten Jahrhundert v.Chr. durch die Ausgabe des Andronikos von Rhodos (s.u.) einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurden. Diese Schriften sind daher in Stil und Aufbau oft schwer zugänglich. Von den von Aristoteles' zu Lebzeiten veröffentlichten Werken (den exoterischen Schriften), die z.T. als Dialoge im Stil Platons verfasst waren, ist sehr wenig überliefert. Ein Bild dieser Schriften liefert am ehesten noch der Protreptikos, eine auf Öffentlichkeitswirkung angelegte Werbeschrift für die Philosophie.

Aristoteles' Einteilung von Wissensgebieten

Aristoteles befasste sich mit zahlreichen Wissensgebieten, die allerdings in den meisten Fällen nicht deckungsgleich mit den heutigen Gebieten gleichen Namens sind. Beispielsweise ist Ethik für Aristoteles nicht in erster Linie eine Theorie der Moral und in vielen Punkten auch nicht getrennt von der Politik, die er beide auch unter dem Begriff der politischen Wissenschaften häufig gemeinsam nennt. Am wichtigsten ist die Unterscheidung in drei große Arten von Bereichen des Wissen: den theoretischen, praktischen und poietischen (hervorbringenden).
- (1) Die theoretische Wissenschaft betrachtet das, was unabhängig vom Menschen ist und keinen äußeren Zweck außer der Erkenntnis selbst besitzt. In sie fällt vor allem die Physik und die Metaphysik.
- (2) Die praktische Wissenschaft thematisiert das, was im Bereich der menschlichen Handlungen liegt, was aber nichts außer der Handlung selbst hervorbringt. Hierein fällt vor allem Aristoteles' Ethik und die Politik.
- (3) Die poietische Wissenschaft untersucht das, was im Bereich der menschlichen Tätigkeiten liegt und hierbei ein Objekt hervorbringt. Die Schrift Poetik des Corpus Aristotelicum thematisiert dabei (fast) ausschließlich die Dichtung.
- Ein weiterer wichtiger Teil der überlieferten aristotelischen Schriften sind gewissermaßen Metawissenschaften, die neben dieser Dreiereinteilung der Wissenschaften liegen und vor allem die Logik betreffen.

Zentrale methodologische Elemente der Philosophie Aristoteles'

Im Gegensatz zu Platon - der Philosophie als eine alle Bereiche menschlichen Wissens umfassende Einheitswissenschaft auffasst - geht Aristoteles von einem Konzept von Einzelwissenschaften als eigenständigen Disziplinen aus. Hierbei stützt er sich auch auf empirische Forschung (im weitesten Sinne) und setzt sich in der Ausarbeitung seiner Theorien mit dem gesunden Menschenverstand sowie mit den Lehren seiner Vorgänger und der Meinung der Allgemeinheit (Doxographie) auseinander. Die "Erste Philosophie", d.h. die Metaphysik ist als Grundlagenwissenschaft vom Seienden als Seienden den anderen Wissenschaften jedoch vorgeordnet.

Die Substanzlehre als zentrales Element der Philosophie Aristoteles'

Grundlegend für Aristoteles' Philosophie insgesamt ist die Frage: Worin besteht die Grundlage allen Seins? Hierbei ist der Begriff der ousía (griechisch ουσία) zentral, der in der späteren Tradition mit Substanz übersetzt wurde. Was ist nun die ousía einer Sache? Ousia ist, was diese Sache ihrem Sein nach ist, unabhängig von kurzfristig zukommenden und zufälligen Eigenschaften. Die ousía ist dabei dasjenige, was selbst unabhängig von diesen Eigenschaften ist und wovon diese abhängig sind. Grammatisch oder kategorial ausgedrückt, heißt dies, dass die Substanz dasjenige ist, dem die Eigenschaften zugeschrieben werden oder wovon überhaupt etwas ausgesagt wird; das, was von den Substanzen ausgesagt wird, sind deren Prädikate. Aristoteles' Antwort auf die Frage, was denn nun das bleibende Wesentliche sei, ist schließlich, dass die ousía eine bestimmende Form - das eidos - ist, die Ursache allen Seins ist. So ist z.B. das eidos von Sokrates das, was seine Menschengestalt, sein Menschsein bestimmt; der Grundidee nach kann dieser Hylemorphismus - die Lehre, dass ein Gegenstand aus zu bestimmender Materie (hylê) und bestimmender Form (morphê ist ein anderer Ausdruck für eidos) besteht und die Form das organisierende Prinzip der Materie ist - als allgemeiner Vorläufer der Theorie des genetischen Codes verstanden werden. Die Theorie der ousía arbeitet Aristoteles in der sog. ersten Philosophie aus, in einigen unter dem Titel Metaphysik überlieferten Abhandlungen. Sie spielt allerdings auch in vielen anderen Bereichen seines Denkens eine ausgezeichnete Rolle, u.a. in De Anima, der Untersuchung dessen, was spezifisch und determinierend für alles Lebendige ist.

Nachwirkung der Philosophie des Aristoteles

Rezeption in der Antike

Im Peripatos wurde nach dem Tod des Aristoteles zunehmend spezielle Forschung im Bereich der Einzelwissenschaften betrieben. Wie sehr Aristoteles' Schriften hier rezipiert wurden, ist unklar. Klar ist, dass eine Ausgabe dieser Schriften erst Jahrhunderte nach seinem Tod von Andronikos von Rhodos angefertigt wurde. In der Spätantike war Aristoteles nicht ohne Einfluss (siehe Themistios oder den großen Aristoteleskommentar des Simplikios), dennoch ist wenigstens bis ins 5. Jh. eine Präferenz des Neuplatonismus festzustellen, die auch in Byzanz weiter wirkte. [http://12koerbe.de/pan/met12-2.htm Aristoteles' Lehre von der noesis noeseos (dem sich selbst durchdenkenden Denken) und vom unbewegten Bewegenden] wurde dabei in das Prinzip des platonischen [http://12koerbe.de/pan/platon6.htm agathon (d.h. des Guten bzw. Vollkommenen)] so integriert, dass die aristotelische Formursache (to eidos) und die [http://12koerbe.de/pan/met12-2.htm "Seinsheiten" (ousiai, Wesen, Substanzen)] mit den [http://12koerbe.de/pan/platon6.htm vom agathon wie von einer Sonne ausstrahlenden Ideen (s. Sonnengleichnis)] gleichgesetzt werden konnten. Erst im 11. Jh. kam es zu einer Renaissance der aristotelischen Philosophie (Kommentierung mehrerer Schriften des Organon durch Johannes Italos).

Rezeption im Mittelalter

Im islamischen Raum waren die Werke Aristoteles' in Übersetzung größten Teils bekannt (ab 10. Jh.), wobei mehrere bedeutende Kommentare entstanden (siehe Averroes, Avicenna). Im lateinischen Mittelalter war zunächst bis in 12. Jh. von den Schriften des Aristoteles nur eine Auswahl der logischen Schriften verbreitet. Zudem war Aristoteles in einigen Punkten für die christliche Lehre ein unbequemer Denker, so dass seine Schriften in einigen Universitäten verboten waren. Mit Albertus Magnus und Thomas von Aquin setzte dann eine Aristotelesrenaissance ein. Seit der Mitte des 13. Jhs. war aristotelische Philosophie Pflichtprogramm an den Universitäten. Infolgedessen galt in Form des Thomismus Aristoteles bis über das 15. Jh. hinaus (Ende des Mittelalters) als unumstrittene Autorität. In dieser Tradition wurde Aristoteles oft nur Der Philosoph genannt.

Rezeption in der Neuzeit

Im 19. Jh. gab es in der Nachfolge der deutschen Klassik eine starke Rezeption