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Humboldt

Humboldt

Berühmte Personen mit dem Namen Humboldt sind:
- Alexander von Humboldt (
- 1769, †1859), Naturforscher und Entdecker
- Wilhelm von Humboldt (
- 1767, †1835), Sprachwissenschaftler und Bildungsreformer, Bruder von Alexander von Humboldt
- Marie Elisabeth von Humboldt (
- 1741, †1796), geb. Colomb, verw. von Holwede, Mutter der Brüder von Humboldt
- Caroline von Humboldt (
- 1766, †1829), geb. von Dacheröden, seit 1791 Frau von Wilhelm von Humboldt

Benannt nach Alexander von Humboldt (Auswahl)


- das Nucleo Pioneiro de Humboldt Forschungszentrum im Amazonas Gebiet
- die Humboldt Mountain Range in der Antarktis
- der Volkspark Humboldthain in Berlin (Wedding)
- das Humboldt-Gebirge in China
- der Humboldt Peak in Colorado
- der Humboldt-Schacht in Dölau (bei Halle (Saale))
- der Humboldt-Gletscher in Grönland
- die Stadt Humboldt in Illinois
- der Teluk Humboldt in Indonesien
- die Humboldt County in Iowa
- die Stadt Humboldt in Iowa
- die Humboldt Bay an der Nordwestküste Kaliforniens
- die Humboldt County in Kalifornien
- der Humboldt State Redwood Park in Kalifornien
- die Humboldt State University in Kalifornien
- die Stadt Humboldt in Kansas
- der Parque Nacional Alejandro de Humboldt auf Kuba
- die Stadt Humboldt in Minnesota
- der Humboldt Municipal Airport (HBO) in Nebraska
- die Stadt Humboldt in Nebraska
- die Humboldt Bay in Neuguinea
- der Mont Humboldt in Neukaledonien
- der Mount Humboldt in Neuseeland
- die Humboldt Mountains in Neuseeland
- das Humboldt National-Forest-Reservat in Nevada
- die Humboldt County in Nevada
- die Stadt Humboldt in Nevada
- der Lake Humboldt in Nevada
- der Humboldt River in Nevada
- die Humboldt Range in Nevada
- die Humboldt Salt Marsh in Nevada
- der Humboldt Sink in Nevada
- der Humboldtstrom des Pazifiks an der Westküste Südamerikas
- die Stadt Humboldt in Saskatchewan
- die Stadt Humboldt in South Dakota
- der Mirador Humboldt auf Teneriffa
- die Stadt Humboldt in Tennessee
- der Pico de Humboldt in Venezuela
- die Alexander-von-Humboldt-Klinik in Bad Steben (Bayern)
- das Alexander von Humboldt-Gymnasium in Berlin (Treptow)
- das Alexander von Humboldt-Gymnasium in Chemnitz
- das Alexander von Humboldt-Gymnasium in Eberswalde
- das Alexander von Humboldt-Gymnasium in Hamburg/Harburg
- das Alexander von Humboldt-Gymnasium in Konstanz
- das Alexander von Humboldt-Gymnasium in Neuss
- das Alexander von Humboldt-Gymnasium in Schweinfurt
- die Alexander von Humboldt-Realschule in Bayreuth
- die Alexander von Humboldt-Realschule in Remscheid
- die Alexander von Humboldt-Schule in Montreal
- die deutsche Schule Colégio Humboldt in São Paulo
- Asociación de Educación y Cultura Alejandro von Humboldt in Guatemala
- der Humboldt-Pinguin (Spheniscus humboldti)
- die Skarabäen-Art Canthon humboldti
- der patagonische Skunk (Conepatus humboldtii) - Humboldt's Hog-nosed Skunk
- die Fledermausart Histiotus humboldti - Humboldt's Big-eared Brown Bat
- die Wollaffenart Lagothrix lagotricha - Humboldt's Woolly Monkey
- die Totenkopfaffenart Saimiri sciureus cassiquiarensis - Humboldt's squirrel monkey
- die Kurzschwanzaffenart Cacajao melanocephalus - Humboldt's Black-headed Uacari
- die Lilienart Lilium humboldtii - Humboldt's Lily
- das Wasserschlauchgewächs Utricularia humboldtii
- die Kakteenart Mammillaria humboldtii
- die Pilzart Tricholomopsis humboldtii
- die Eichenart Quercus humboldtii
- die Hefenart Pichia humboldtii
- die Orchideenart Schomburgkia humboldtii
- die Aronstabart Anthurium humboldtianum Kunth.
- die Weidenart Salix humboldtiana Willd.
- die Alexander von Humboldt-Stiftung
- das Humboldt-Stipendium
- das Segelschulschiff Alexander von Humboldt
- das Kreuzfahrtschiff MS Alexander von Humboldt
- die Catena Humboldt auf dem Mond
- das Mare Humboldtianum auf dem Mond

Benannt nach Wilhelm von Humboldt (Auswahl)


- das Humboldt-Gymnasium in Bad Pyrmont
- das Wilhelm von Humboldt-Gymnasium in Ludwigshafen
- das Wilhelm von Humboldt-Gymnasium in Rostock

Benannt nach den Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt (Auswahl)


- die Humboldt-Universität zu Berlin
- das Humboldt-Gymnasium in Berlin
- das Humboldt-Gymnasium in Cottbus
- das Humboldt-Gymnasium in Essen
- das Humboldt-Gymnasium in Gifhorn
- das Humboldt-Gymnasium in Karlsruhe
- das Humboldt-Gymnasium in Potsdam
- das Humboldt-Gymnasium in Radeberg
- das Humboldt-Gymnasium in Ulm
- die Humboldt-Schule in Bad Homburg

Benannt nach Marie Elisabeth von Humboldt (Auswahl)


- Marie Elisabeth von Humboldt-Grundschule in Lichtenberg

Sonstige


- die Maschinenbauanstalt Humboldt AG, (Köln-)Kalk
- die Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD), Köln
- die Zeche Humboldt Kategorie:Familienname ja:フンボルト

Alexander von Humboldt

Friedrich Heinrich Alexander Freiherr von Humboldt (
- 14. September 1769 in Berlin; † 6. Mai 1859 in Berlin) war ein deutscher Naturforscher von Weltgeltung und Mitbegründer der Geographie als empirischer Wissenschaft. Geographie Seine Forschungsreisen führten ihn über Europa hinaus nach Mittel- und Südamerika sowie nach Zentralasien. Wissenschaftliche Feldforschung betrieb er persönlich u.a. in den Bereichen Physik, Chemie, Geologie, Mineralogie, Vulkanologie (Überwindung des "Neptunismus"), Botanik (er begründete die Pflanzengeographie), Zoologie, Klimatologie (Isothermen), Ozeanographie und Astronomie, aber auch zu Fragen der Wirtschaftsgeographie, der Ethnologie und der Demographie. Zudem korrespondierte er bei der Erstellung seines grandiosen publizistischen Werkes mit ungezählten internationalen Spezialisten der verschiedenen Fachrichtungen und schuf so ein wissenschaftliches Netzwerk eigener Prägung. In Deutschland erlangte er vor allem mit den „Ansichten der Natur“ und dem "Kosmos" außerordentliche Popularität. Sein bereits bei Lebzeiten legendäres Ansehen spiegelt sich in Bezeichnungen wie „der zweite Kolumbus“, „wissenschaftlicher Wiederentdecker Amerikas“, „Wissenschaftsfürst“ und „der neue Aristoteles“ (Gedenkmünze der Pariser Akademie der Wissenschaften).

Anfänge (1769-1790)

Alexander von Humboldts aus Pommern stammender Vater Alexander Georg war preußischer Offizier und wurde wegen seiner Verdienste im Siebenjährigen Krieg zum Kammerherrn der Kronprinzessin ernannt. Als solcher heiratete er 1766 die Witwe Marie Elizabeth von Holwede, geb. Colomb, Tochter einer wohlhabenden Hugenottenfamilie. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, Wilhelm (
- 1767 in Potsdam) und Alexander, der am 14. September 1769 in Berlin geboren wurde. Die Stellung des Vaters begründete ein spezifisches Verhältnis der Humboldt-Brüder zum preußischen Königshaus, zumal der Kronprinz, der nachmalige Friedrich Wilhelm II., einer der Taufpaten Alexanders war. Die Ehe des Thronfolgers aber wurde 1769 geschieden, so dass der nun seiner bisherigen Aufgaben ledige Kammerherr von Humboldt sich ins Privatleben auf Gut und Schloss Tegel zurückziehen konnte. Sein Hauptaugenmerk galt nun der bestmöglichen Erziehung und Ausbildung der Söhne, für die er sich als Mitglied einer Freimaurerloge um Hauslehrer bemühte, die aufklärerischem Denken nahe standen. So hat in zwei Phasen bis 1775 der von Rousseau pädagogisch inspirierte Joachim Heinrich Campe wesentlichen erzieherischen Einfluss auf die Brüder ausgeübt, ab 1777 dann Gottlob Johann Christian Kunth, der alsbald zum engsten Vertrauten des Hausherrn und nach dessen plötzlichem Tod 1779 auch seiner Witwe wurde. Alexander galt seinen Erziehern lange Zeit als eher wenig befähigter, lernunwilliger Kopf. Dennoch mutete man ihm zu, denselben in zeittypischer Weise großteils abstrakt aufbereiteten Lernstoff zu verarbeiten, den sein zwei Jahre älterer Bruder Wilhelm vergleichsweise mühelos erfasste. Früh schon zeigte Alexander jedoch besonderes Interesse an Naturgegenständen im erreichbaren Umfeld und galt seinen Leuten – da er Insekten, Steine und Pflanzen sammelte – bald als „der kleine Apotheker“ (Scurla). Diesen Interessen ging er aber zusätzlich zu dem Unterricht der Hauslehrer nach, so dass er im Vergleich zu Wilhelm ein noch ausgeweitetes Stoffpensum absolvierte und damit einen in eigener Weise profilierten Horizont ausbildete. Dazu gehörte auch ein Zeichen- und Maltalent, das unter Anleitung Chodowieckis im Kupferstechen und Radieren geschult wurde und sich bereits 1786 in der ersten Kunstausstellung der Berliner Akademie mit mehreren Proben der Öffentlichkeit vorstellte. Die staunenswerte Qualität des späteren Reisewerks auch in den Illustrationen mag in dieser frühen Kenner- und Könnerschaft Alexander von Humboldts ihren Ursprung gehabt haben. Auf die optimale Ausbildung der Söhne für bedeutende Posten im Staatsdienst war der ganze Erziehungsplan der nun zweifach verwitweten Frau von Humboldt ausgerichtet, die bei verhältnismäßig bescheidener eigener Lebensführung zu diesem Zweck bedeutende Mittel aufwandte. Soe haben die Brüder nicht allein eine gründliche Unterweisung in alten und neuen Sprachen – mit oft quälenden Vokabel- und Grammatikpensen – erhalten, sondern wurden unter Kunths umsichtiger Führung von einer ganzen Reihe Spezialisten oft bereits auf universitätsähnlichem Niveau unterrichtet. Dazu gehörten u.a. Geheimrat von Dohm, der Nationalökonomie mit einem geographischem Schwerpunkt lehrte, Kammergerichtsrat Klein für Naturrecht und Professor Engel für Philosophie. Auch zu den experimentell gestützten philosophisch-physikalischen Vorträgen des von Kant beeinflussten Arztes Marcus Herz schickte Kunth seine Schützlinge. Infolgedessen gelangten diese auch in den Salon von Henriette Herz und traten so mit der von Moses Mendelssohn geprägten jüdischen Berliner Aufklärung in engen Kontakt. Mit Blick auf die vorgesehenen Karrieren im Staatsdienst hatte die Mutter 1787 Wilhelm für ein Jura-Studium, Alexander für das weniger renommierte Studium der Kameralia (Staatswirtschaftslehre) an der Universität in Frankfurt/Oder untergebracht. Beide waren hier offenbar unterfordert und verließen die Viadrina nach einem Semester wieder. Alexander ging anschließend in Berlin hauptsächlich seinen botanischen Interessen nach und folgte 1789 seinem Bruder Wilhelm an die Universität Göttingen, damals das Zentrum aufklärerischer Wissenschaft in Deutschland. Neben dem Physiker Georg Christoph Lichtenberg war hier für Alexander vor allem der Anatom und Zoologe Johann Friedrich Blumenbach wegweisend, der die Forschungsreise als bedeutende Erkenntnisquelle für Anthropologie und Biologie schätzte und einen interdisziplinären Kreis ambitionierter Nachwuchswissenschaftler um sich scharte. Humboldt aber drängte es nun vor allem, die Bekanntschaft Georg Forsters zu machen, der als Naturforscher mit Weltumsegelungserfahrung anscheinend den von ihm selber angestrebten Typus verkörperte. Geologische Forschungsfragen stellten den Kontakt zwischen beiden her, der dann (Humboldt hatte im Februar 1790 das Manuskript seiner ersten größeren Publikation: „Mineralogische Beobachtungen über einige Basalte am Rhein“ abgeschlossen) in das Projekt einer gemeinsamen Forschungsreise von Ende März bis Juli 1790 mündete. Sie führte von Mainz über den Niederrhein nach England und über das in revolutionärer Gärung angetroffene Paris zurück. Während Forster in der Folge sein Schicksal mit dem Fortgang des Revolutionsprozesses verknüpfen sollte, setzte der ebenfalls beeindruckte und fortan für die Ideale der Französischen Revolution und die allgemeinen Menschenrechte eintretende Humboldt seine kameralistische Ausbildung in Handelswissenschaften sowie in Volks- und Weltwirtschaft an der Hamburger Büsch-Akademie fort, die ihm auch zu Geographie und Reiseliteratur vielerlei Vertiefungsmöglichkeiten bot.

Blitzkarriere im Staatsdienst – und doch ein zu enges Korsett (1791-1798)

Im Mai 1791 schlug Humboldt mit einem Anstellungsgesuch beim preußischen Oberberghauptmann von Heinitz den Weg in den Staaatsdienst ein, dem zunächst ein Studium an der Bergakademie in Freiberg vorangehen sollte. Seinem Betätigungsdrang entgegen kam der praktische Bergmannsdienst, zu dem täglich um 6 Uhr das Einfahren mit den anderen Bergleuten in die Gruben gehörte; nachmittags nahm er an bis zu sechs Studienkollegs teil. Nebenbei befasste er sich mit der Pflanzenwelt untertage (daraus entstand später seine viel beachtete Publikation „Florae Fribergensis Specimen“) sowie mit aktuellen chemischen Problemen der Verbrennung. Das für den Regelstudenten in drei Jahren zu absolvierende Pensum nahm er in acht Monaten auf. Am 6. März 1792 erhielt er ein Assessor-Patent, wurde wenig später mit der Untersuchung des gerade zu Preußen gekommenen fränkischen Bergbaus betraut und aufgrund seines beispielhaft erhellenden Berichts bereits nach einem halben Dienstjahr zum Oberbergmeister befördert und mit der Sanierung des Bergbaus in Fichtelgebirge und Frankenwald beauftragt. Binnen kurzem gelang es ihm, die jährlichen Erträge um ein Vielfaches zu steigern – nicht zum Schaden der Bergarbeiter, im Gegenteil: Auf der Basis seiner chemischen Analysen der Grubenwetter entwickelte er einen Vorläufer der Gasmaske für die Bergleute. Aus eigenen Mitteln gründete er ohne Rücksprache mit den vorgesetzten Behörden eine Bergschule in Steben, die erste Arbeiter-Berufsschule in Deutschland, offen für die Altersstufen von 12 bis 30 Jahren. Gelehrt wurden nach der Schicht und bis 23 Uhr u.a. Mineralienkunde, bergmännisches Rechnen und Bergrecht, Maschinen- und Kompasskunde. Die Lehrbücher dafür schrieb Humboldt selber. Bei der Erprobung einer von ihm entwickelten verbesserten Grubenlampe im Selbstversuch fiel er wegen giftiger Grubengase in Ohnmacht, die Lampe aber hielt durch und half ihn zu retten. Auch seine parallel zur Diensttätigkeit fortgeführten wissenschaftlichen Experimente führte er bei Bedarf als Selbstversuche durch. So machte er auf der – letztlich vergeblichen – Suche nach einer besonderen „Lebenskraft“ (in diesen Zusammenhang gehört auch seine philosophische Allegorie „Die Lebenskraft, oder der rhodische Genius“, 1795 für Friedrich Schillers Zeitschrift „Die Horen“ verfasst) zahlreiche galvanische Experimente für seine Studie „Versuche über die gereizte Muskel- und Nervenfaser“, bei denen er künstlich erzeugte Wunden auf seinem Rücken mit Metallen wie Zink und Silber in Berührung brachte. Sein Wissensdrang war ebenso universell wie unermüdlich; für Forschung, Aufzeichnungen und Korrespondenz machte er die Nacht zum Tage und schlief selten länger als vier Stunden. Während seiner Tätigkeit im Staatsdienst kam er in Kontakt mit gleichfalls in der Bergverwaltung hochrangig beschäftigten und bei den späteren preußischen Reformen führenden Persönlichkeiten, dem Freiherrn vom Stein und Hardenberg , die seine Fähigkeiten ebenso erkannten und für ihre Zwecke dienstbar zu machen suchten wie sein Ressortminister von Heinitz, der ihn 1794 zum Bergrat und 1795 zum Oberbergrat befördert hat, auf die höchstmögliche Position unterhalb des Ministeriums. Doch weder dies noch ungewöhnliche Gehalts- und Freistellungsangebote vermochten Humboldt im Amt zu halten. „Jeder Mann hat die Pflicht, in seinem Leben den Platz zu suchen, von dem aus er seiner Generation am besten dienen kann“, heißt es in einem Schreiben Humboldts an den französischen Astronomen Delambre. Sobald Alexander von Humboldt durch den Tod der Mutter 1796 zum vermögenden Erben geworden war, schied er aus dem Staatsdienst aus, um sich als Naturforscher und Wissenschaftler ganz und gar unabhängig zu machen. Als Ziel schwebte ihm eine „physique du monde“ vor, eine Darstellung des gesamten physisch-geographischen Wissens der Zeit, zu dem er auf Forschungsreisen selber entscheidend beitragen wollte. Bereits am Jahresende 1796 entwickelte er brieflich seine trotz mancher Widrigkeiten, mehrfacher Anläufe und Umwege konsequent verfolgten Pläne: „Meine Reise ist unerschütterlich gewiß. Ich präparire mich noch einige Jahre und sammle Instrumente, ein bis anderthalb Jahr bleibe ich in Italien, um mich mit Vulkanen genau bekannt zu machen, dann geht es über Paris nach England, wo ich leicht auch wieder ein Jahr bleiben könnte (...), und dann mit englischen Schiffen nach Westindien.“ Das umfasste im damaligen Verständnis den ganzen Raum von Mexiko bis zum Amazonas. Schon durch Campe war Alexander die Faszination der Welt in Übersee vermittelt worden. Johann Gottfried von Herder hatte auf die kontrastierend miteinander verbundenen Naturräume der Anden und des Amazonasbeckens hingewiesen und zu deren Erforschung aufgerufen, indem u.a. die Höhe der (damals als höchste der Welt geltenden) Berge ermittelt, die Bodenbeschaffenheit bestimmt sowie die örtlichen Abweichungen der Magnetnadel und die je lokalen Temperaturen gemessen werden sollten – alles Bestandteile des dann von Humboldt noch ausgeweiteten Forschungsprogramms. In den Jahren der Vorbereitung nutzte er jede Möglichkeit zu systematischer Ausweitung und Vertiefung seiner Kenntnisse nicht nur durch das Studium der einschlägigen Reiseberichte und neuesten Forschungsergebnisse, sondern auch durch persönlichen Kontakt mit den führenden Zoologen, Botanikern und Astronomen der Zeit sowie durch ständige praktische Erprobung von Messinstrumenten in den verschiedenen Landschaften und Naturräumen, so z.B. in den Alpen. Zudem entwickelte er ein spezifisches Aufzeichnungsverfahren zur Erfassung seiner jeweiligen Forschungsergebnisse, die „Pasigraphie“, eine Schriftzeichensprache, die die geographischen Erscheinungen durch Buchstaben, Richtungspfeile, Symbole und Abkürzungen für Formationen und Gesteine festhielt. Im Mai 1798 begab sich Alexander von Humboldt in die seinerzeitige Weltwissenschaftsmetropole Paris, wo er in Vorträgen und Debatten sein bereits beachtliches Renommee als Wissenschaftler festigte und seine Ausstattung mit Messinstrumenten vervollständigte. Hier fand er schließlich auch in dem Botaniker Aimé Bonpland jenen fachkundigen Reisegefährten, dessen Mitarbeit ihm die Durchführung seiner komplexen Forschungsvorhaben erst ermöglichen sollte.

Amerikanische Forschungsreise (1799-1804)

Mehrfach während der Vorbereitungszeit hatte Humboldt seine Pläne wegen politischer und kriegerischer Verwicklungen im Zeichen des aufstrebenden Generals Napoléon Bonaparte ändern und Reiseaktivitäten abbrechen müssen, zuletzt im Dezember 1798 den Versuch, von Südfrankreich aus auf ein Schiff zu gelangen, das Bonpland und ihm den Anschluss an die ägyptische Expedition Napoleons hätte ermöglichen sollen. Stattdessen machten sich nun beide mit sämtlichen für die Forschungsreise vorgesehenen Instrumenten auf den Weg nach Madrid - meist zu Fuß neben dem Wagen einhergehend -, um für das amerikanische Forschungsunternehmen womöglich die Unterstützung der spanischen Krone zu erlangen. Die Vielzahl der unterwegs erhobenen Messdaten brachte erstmals geographischen Aufschluss über die Gestalt der innerspanischen Hochebene. Sein Ruf als Wissenschaftler und Bergminenexperte (diese Privatexpedition konnte sich für Spanien u.U. lohnen; tatsächlich führten später seine Beschreibungen der mexikanischen Silberminen in dem „Versuch über den politischen Zustand des Königreichs Neu-Spanien“ zu massiven ausländischen Investitionen), sein diplomatisches Geschick und sein von der exzellenten Beherrschung des Spanischen unterstütztes Auftreten bei Hofe verschafften Alexander von Humboldt schon bald Empfehlungen und einen so privilegierten Forscher-Reisepass, wie ihn nach seiner eigenen Einschätzung kein Ausländer je erhalten hatte. Er sicherte ihm volle Handlungsfreiheit und das Entgegenkommen aller Gouverneure und Beamten im ganzen spanischen Kolonialgebiet. Abreisedatum mit der spanischen Fregatte ‚Pizzarro‘ von La Coruña war der 5. Juni 1799. Humboldt schreibt in einem Brief vom selben Tag: „Ich werde Pflanzen und Fossilien sammeln, mit vortrefflichen Instrumenten astronomische Beobachtungen machen können (...) Das alles ist aber nicht Hauptzweck meiner Reise. Auf das Zusammenwirken der Kräfte, den Eifluß der unbelebten Schöpfung auf die belebte Thier- und Pflanzenwelt, auf diese Harmonie sollen stets meine Augen gerichtet sein!“ Mit an Bord nahm Humboldt rund 50 der modernsten Instrumente, darunter Sextanten, Quadranten, Teleskope, diverse Fernrohre, eine Längenuhr, Inklinometer, ein Deklinatorium, ein Cyanometer, Eudiometer, Aräometer, ein Hyetometer, Elektrometer, Hygrometer, Barometer und Thermometer. Bereits den Zwischenaufenthalt auf der Kanareninsel Teneriffa nutzten Humboldt und Bondpland zu Aktivitäten, die sie dann in der Neuen Welt vielfach wiederholen sollten: Sie bestiegen den Pico del Teide, registrierten die Vegetationszonen, übernachteten in einer Höhle unterhalb des Gipfels und untersuchten tags darauf den Krater des Vulkans. Nach der anschließenden 22-tägigen Überfahrt landeten sie am 16. Juli 1799 in Cumaná (Venezuela). Dort beobachtete Humboldt in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1799 einen Meteorschauer der Leoniden – seine Beschreibung legte später den Grundstein für die Erkenntnis, dass solche Himmelsereignisse periodisch auftreten. Von Cumaná aus reisten Humboldt und Bonpland nach gründlicher Erforschung der Umgebung und einer Reihe von Exkursionen weiter nach Caracas. Humboldts amerikanische Forschungsreise lässt im Ganzen drei Phasen dynamisch vorwärts gerichteter Geländeexploration unterscheiden, die jeweils eingebettet waren in eher stationäre Phasen der Materialsichtung, -auswertung und –sicherung. Die erste große Expedition führte im Februar 1800 von Caracas zum Fluss Apure und auf diesem in das Strombett des Orinoko, das stromaufwärts so weit als möglich in südlicher Richtung befahren, dann aber verlassen wurde, um über den Rio Atabapo weiter südlich zum Rio Negro, dem Amazonaszufluss, vorzustoßen. Man befuhr die Flüsse auf einer Piroge, einem mit Axt und Feuer ausgehöhlten Baumstamm von ca. 13m Länge und knapp 1m Breite. Sie wurde von einem Steuermann und vier indianischen Ruderern betrieben. Im Bereich des Hecks war ein niedriges Blätterdach installiert, an dessen tragfähigen Teilen Käfige mit eigefangenen Vögeln und Affen hingen. Die mitgeführten größeren Messinstrumente schränkten die Bewegungsfreiheit zusätzlich ein. Auf dem Rio Negro konnte dann die Einmündung des nordöstlich vom Orinoco direkt zufließenden Rio Cassiquiare erreicht und mit dessen Befahrung in ganzer Länge flussaufwärts der Nachweis geführt werden, dass entgegen der verbreiteten Lehrmeinung, wonach zwischen den großen Stromgebieten der Erde nirgendwo natürliche Verbindungen existierten, eine solche zwischen Orinoco und Amazonas eben doch vorhanden war und ist, der Cassiquiare nämlich. Am 20. Mai 1800 erreichte die Piroge wie erwartet die Stelle, an der sich der Orinoco in zwei Arme gabelt. Damit war das wichtigste Forschungsziel dieser Expedition verwirklicht und die Reisenden konnten sich für den Rückweg nun flussabwärts auf dem Orinoco fortbewegen. Sie folgten seinem Lauf bis Angostura (Cidad Bolivar) und schlugen sich dann in der quälenden Hitze der Llanos nordwärts zur Küstenstadt Nueva Barcelona durch, die sie am 23. Juli 1800 erreichten. Orinoko] Allein, dass sie dieses 2.775 Kilometer lange Unternehmen heil überstanden haben (Bonpland war allerdings noch zuletzt in Angostura dem Fiebertod nahegekommen), war erstaunlich genug. Dazu bei trugen außer der glücklichen Wendung mancher Gefahrensituation ihre Entschlossenheit und strapazierfähige Physis. Der in jungen Jahren oft kränkelnde Alexander vermeldete nach Hause: „Die Tropenwelt ist mein Element, und ich bin nie so ununterbrochen gesund gewesen als in den letzten zwei Jahren. (...) Am Atabapo, wo die Wilden stets am Faulfieber leiden, widerstand meine Gesundheit unbegreiflich gut.“ Den Gesamterfolg der amerikanischen Reise ermöglichte zudem ein unerschütterliches Durchhaltevermögen – ständig war Humboldt mit Ortsbestimmungen und Messungen aller Art beschäftigt, Bonpland mit dem Botanisieren, beide zusammen mit Skizzen und Aufzeichnungen – auch unter widrigsten Bedingungen: „Vier Monate hindurch schliefen wir in Wäldern, umgeben von Krokodilen, Boas und Tigern (...), nichts genießend als Reis, Ameisen, Manioc, Pisang, Orenocowasser und bisweilen Affen. (...) In Guayana, wo man wegen der Mosquiten, die die Luft verfinstern, Kopf und Hände stets verdeckt haben muß, ist es fast unmöglich am Tageslicht zu schreiben; man kann die Feder nicht ruhig halten, so wütend schmerzt das Gift der Insekten. Alle unsere Arbeit mußte daher beim Feuer, in einer indianischen Hütte, vorgenommen werden, wo kein Sonnenstrahl eindringt, und in welcher man auf dem Bauche kriechen muß. Hier aber erstickt man wieder von Rauch, wenn man auch weniger von den Mosquiten leidet.“ Die zweite große Südamerika-Expedition begann nach einem Zwischenaufenthalt in Havanna - wo Humboldt das Material für sein geographisches Werk über Kuba („Essai politique sur l’île de Cuba“) erarbeitete – am 30. März 1801 in Cartagena an der kolumbianischen Karibik-Küste. Humboldt hatte erfahren, dass er sich der französischen Weltumsegelungsexpedition unter Kapitän Baudin an der peruanischen Küste würde anschließen können. Auf dem Wege dahin drängte sich die Umsetzung des lang erwogenen Anden-Forschungsprojekts geradezu auf. Von Barancas Nuevas ab befuhren Humboldt und Bonpland den Rio Magdalena flussaufwärts: „Unsere Magdalena-Reise bildete eine schreckliche Tragödie; von den zwanzig dunklen Ruderknechten ließen wir acht auf dem Wege zurück, ebensoviel langten gleich und mit stinkenden Geschwüren in Honda an.“ Nach viertägigem steilen Aufstieg erreichten sie die Anden-Hochebene und konnten in Bogota in regen wissenschaftlichen Austausch mit dem sie aufwendig empfangenden Botaniker Mutis treten. Für den spanische Vizekönig erstellte Humboldt u.a. ein Gutachten über die Silbergruben und die Goldproduktion Kolumbiens. Die Fortsetzung des Weges über die Anden gestaltete sich äußerst beschwerlich: „Dicke Wälder liegen zwischen Morästen; die Maultiere sinken bis auf den halben Leib ein; und man muß durch so tiefe und enge Schlüchte, daß man in Stollen eines Bergwerks zu kommen glaubt. Auch sind die Wege mit den Knochen der Maultiere bepflastert, die hier vor Kälte oder Mattigkeit umfielen.“ Um von Bogota nach Quito zu gelangen, benötigten die Reisenden vom 19. September 1801 – mit einem Zwischenaufenthalt in Popayán – bis zum 6. 1. 1802. In Quito kamen sie im Hause des Herzogs Aguirre y Montúfar unter; dessen Sohn Carlos sollte fortan an der amerikanischen Expedition Humboldts teilnehmen, um danach in Spanien die Offiziersausbildung zu vollenden. Sowohl er als auch Simón Bolívar, den Humboldt nach seiner Rückkehr 1804 in Paris und 1805 in Rom traf und dem sich Carlos y Montúfar später als Befreiungskämpfer anschloss, dürften Humboldts kritische Haltung zu Kolonialregimen aller Art eingehend kennen gelernt haben, die er offiziellen Stellen gegenüber nach Lage der Dinge nicht äußern konnte. Kolonialregimen Zum Forschungsschwerpunkt wurden nun wiederum Vulkane. Der Nachweis der vulkanischen Herkunft von Gestein, das bislang für eine Unterwasserablagerung gehalten worden war, widerlegte die Hypothese des sogenannten Neptunismus. Den Pichincha bestieg Humboldt nach einem ersten abgebrochenen Versuch gleich zweimal, zuletzt begleitet von einem heftigen Erdbeben, dessen Stöße er sorgfältig protokollierte. Nicht ganz bis zum Gipfel gelangten Humboldt, Bonpland und Montúfar am 23. Juni 1802 bei der Besteigung des Chimborazo (6.310 m) wegen einer unpassierbaren Felsspalte 400-800m unterhalb des Kraters. Gleichwohl blieb dies auf 30 Jahre ein Höhenweltrekord für Bergsteiger, eine in Anbetracht der Unzulänglichkeiten von Schuhwerk, Bekleidung und Ausrüstung nach wie vor kaum glaubliche Leistung. Dabei litten sie unter den Symptomen der Höhenkrankheit: Schwindel und Brechreiz, Blutungen aus Lippen und Zahnfleisch. Bald darauf erforschte die Expedition nach rasantem Abstieg den Oberlauf des Marañon im Quellgebiet des Amazonas und nach neuerlichem Aufstieg in die Anden die Überreste der Inkastätten in der Umgebung von Caxamarca. Wie die Messungen ergaben, entdeckten und überquerten sie dabei den magnetischen Äquator. Als sie nach ihrer vierten Andenüberquerung am 23. 10. 1802 in Lima ankamen, war auch dieses zweite große Forschungsunternehmen erfolgreich beendet. Zwischen 10° nördlicher und 10° südlicher Breite waren die Klima- und Vegetationsstufen des tropischen Hochgebirges in mannigfaltiger Weise durchmessen und erfasst worden. Indem Humboldt in Limas Hafen Callao am 9. November 1802 den Durchgang des Merkur observierte, gelang es ihm, den Längengrad, auf dem Lima sich befindet, genauer als bis dahin zu bestimmen, in der Folge ein Richtwert für den ganzen südwestlichen Teil des neuen Kontinents. Auch studierte er die Düngeeigenschaften von Guano, was die Einfuhr von Guano nach Europa einleitete. Guano.]] Bereits vor dem Aufbruch von Quito war die Information eingetroffen, dass der geplante Anschluss an die französische Weltumsegelungsexpedition des Kapitäns Baudin wegen dessen Routenänderung nicht mehr möglich war. Erneut musste also umdisponiert werden. Nach einem Zwischenaufenthalt in Guyaquil, bei dem Humboldt durch Temperaturmessungen die nach ihm benannte Meeresströmung nachwies, begann am 23. März 1803 in Acapulco der letzte große Abschnitt von Humboldts amerikanischer Forschungsreise, während der er mit Bonpland und Montúfar ein Jahr in Mexiko verbrachte. Dabei wurde der Reiseweg von Acapulco über Mexico City – mit gut neunmonatigem Erkundungsaufenthalt – bis Veracruz an der Atlantikküste barometrisch vermessen und so ein Höhenquerschnittsprofil Mexikos für diesen wichtigen Bereich angelegt. In Mexico City sammelte Humboldt Material für sein landeskundliches Werk über das Königreich Neu-Spanien (mit Beschreibungen der politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen sowie weitreichenden Bevölkerungsstatistiken), das dann ebenso zu einem Grundstein der modernen wissenschaftlichen Geographie werden sollte wie das über Kuba, für das die Vorstudien im März/April 1804 in Havanna zu Ende geführt wurden. Abgeschlossen wurde die große Amerika-Expedition mit einem Besuch in den USA, wo Humboldt auch aufgrund seiner intensiven Reisekorrespondenz bereits höchste Anerkennung als Forscher und Wissenschaftler genoss und u.a. drei Wochen als Gast des Präsidenten Thomas Jefferson in Washington und Philadelphia verbrachte.

Naturforscher zwischen Bilanz und neuem Aufbruch (1805-1828)

Am 3. August 1804 betraten Humboldt und Bonpland in Bordeaux wieder europäischen Boden. Dass ein Privatmann eine solche Forschungsreise gänzlich aus eigenen Mitteln bestritten hatte, war beispiellos. Humboldts Vermögen war dadurch naturgemäß stark angegriffen, und es sollte in den drei folgenden Jahrzehnten, in denen er sein Reisewerk in 30 Bänden verfasste und in Druck gab – das größte je erschienene private Reisewerk überhaupt – gänzlich aufgebraucht werden. In Paris, wo er den Anschluss an die wissenschaftliche Entwicklung der vergangenen fünf Jahre suchte und fand, wurde ihm von seinen Forscherkollegen ein grandioser Empfang bereitet und jede Unterstützung bei der Klärung fachwissenschaftlicher Probleme zugesagt. Humboldt nutzte für die Erstellung seines Reiseberichts ein ganzes Wissensnetzwerk; denn sein Darstellungsansatz sah, wie sich nachlesen lässt, mehr vor als nur die Schilderung eigener Erlebnisse, Eindrücke und Messergebnisse. Wo er z.B. auf Getreideanbau, Kakao- und Kaffeeernte in der Ereignischronologie der Orinoco-Expedition einging, war dies meist verbunden mit einer Einordnung der angetroffenen Verhältnisse in die geographischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der ganzen bekannten Welt, in Kenntniszusammenhänge also, die er überhaupt nur mit Hilfe anderer herstellen konnte. Dafür und auch für die bestmögliche verlegerische Qualität des Reisewerks war Paris der geeignetste Ort (und deshalb auch ist es vollständig nur in französischer Sprache erschienen). Obwohl Humboldt also im Grunde wenig Neigung verspürte, „die Türme Berlins wiederzusehen“, folgte er letztlich doch den Mahnungen des Bruders, den er im Sommer 1805 in Rom besuchte, und dem werbenden Druck des preußischen Königshauses: Bereits während seiner Amerika-Reise war er zum außerordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt worden, unmittelbar nach seiner Rückkehr mit einer zu nichts verpflichtenden Pension von 2500 Talern bedacht und bald darauf zum königlichen Kammerherrn ernannt worden, ebenfalls ohne konkrete Verwendung. Von November 1805 an setzte er seine wissenschaftliche Arbeit in Berlin fort, mitverfolgend den militärischen Zusammenbruch Preußens bei Jena und Auerstedt 1806, die nachfolgende Besetzung Berlins durch die Franzosen und die Plünderung von Schloss Tegel, das im Zuge der Erbteilung dem Bruder Wilhelm zugefallen war. Gute Kontakte zur französischen Seite nutzte Alexander sowohl zur Schadensbegrenzung für eigene familiäre Besitzungen als auch zur Abmilderung mancher Härten der Besatzungspolitik im öffentlichen Raum. Gleichwohl drohten die französischen Forderungen nach Kriegsentschädigung Preußen in den Ruin zu treiben. Der als Reformer an die Regierungsspitze berufene Freiherr vom Stein veranlasste daher im November 1807 eine diplomatische Gesandtschaft nach Paris unter Führung des Prinzen Wilhelm, Bruder Friedrich Wilhelms III. Zum Berater des Prinzen bei dieser Mission wurde Alexander von Humboldt berufen, der so Gelegenheit erhielt, die Arbeit an seinem Reisewerk am bestgeeigneten Ort wieder aufzunehmen. Und er erhielt für eben diesen Zweck nach dem endgültigen Scheitern der diplomatischen Bemühungen des Prinzen sogar die Erlaubnis, in Paris zu bleiben, die er mit Konsequenz und Geschick über fast 20 Jahre verteidigte. So schlug er z.B. eine durch Hardenberg veranlasste Berufung zum preußischen Kultusminister 1809 aus, erhielt sich aber die Gunst des Königs, indem er diesem als glänzender Gesellschafter und kundiger Führer bei Auslandsaufenthalten gelegentlich zu dienen wusste, so 1814 im Zuge eines Paris-Besuchs des Monarchen nach dem Sieg der Koalition über Napoleon I. oder 1822 anlässlich eines Kongresses in Verona, verbunden mit Besichtungen Venedigs und Roms. Parallel zu den Arbeiten am amerikanischen Reisewerk ventilierte Humboldt beständig Möglichkeiten, seinen naturkundlichen Forschungen in der westlichen Hemisphäre durch eine asiatische Expedition ein östliches Pendant folgen zu lassen, um dann im Vergleichen und Differenzieren ein ganzheitliches Bild aus der Vielgestaltigkeit der Erde und ihrer Bewohner zu gewinnen. Hauptsächlich interessierten ihn Indien, der Himalaya und Tibet. Als er 1811 bereits das zweite Angebot zur Beteiligung an einer russischen Expedition bekam, antwortete er: „Es kostet mir viel, die Hoffnung aufzugeben, die Ufer des Ganges mit ihren Bananenbäumen und Palmen zu sehen; ich bin jetzt 42 Jahre alt und wünsche eine Expedition zu unternehmen, welche 7-8 Jahre dauert; aber um die Aequinoctialgegenden Asiens zu opfern, ist es nötig, daß der Plan, den man mir vorzeichnen wird, ausgedehnt und breit sei. Der Kaukasus zieht mich weniger an als der Baikalsee und die Vulkane der Halbinsel Kamtschatka. Kann man nach Kabul, Samerkand und Kaschmir eindringen?“ Napoleons Russland-Feldzug machte die Weiterverfolgung solcher Pläne hinfällig. Eine neue vielversprechende Möglichkeit auf der Linie von Alexanders Primärinteressen eröffnete sich 1817/18, als sein Bruder Wilhelm preußischer Gesandter in London war. Bei mehreren England-Aufenthalten erreichte Alexander die Unterstützung des Prinzregenten (des späteren Georg IV.) und der Direktoren der Ostindischen Kompanie für seine Pläne, dazu eine Finanzierungszusage Friedrich Wilhelms III. in gewünschter Größenordnung. Mehr als zweijährige intensive Vorbereitungen schlossen sich an diese Zusagen an, ehe auch dieses Projekt scheiterte, vermutlich an Widerständen innerhalb der britischen Ostindienkompanie, die Humboldts kritischen Blick auf die Verhältnisse fürchten mochte. Unterdessen war das amerikanische Reisewerk weit über die ursprüngliche Konzeption hinaus angewachsen, vielleicht sogar wegen des Nichtzustandekommens der Asien-Expedition. Neben einer bedeutenden Anzahl Gelehrter der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen, die Humboldt inhaltlich zuarbeiteten, waren an die 50 Spezialisten mit bildlichen Darstellungen (davon allein 1452 Kupferstiche) beschäftigt, darunter Maler, Zeichner, Kartographen und Schriftkünstler. Was seinen Qualitätsansprüchen nicht genügte, ließ Humboldt auf eigene Kosten neu fertigen, darunter bereits vollendete Kupferplatten, fertige Textdrucke bis hin zu einem ganzen Band. 1827 schließlich, da sich die Vorarbeiten für die Gesamtpublikation dem Ende neigten, entfiel aus Berliner Sicht der Grund für den Daueraufenthalt Humboldts in Paris: Der König beorderte seinen Kammerherrn nach Berlin zurück. Daheim wurde er sogleich zum Motor und Kristallisationskern einer aufstrebenden Wissenschaftsszene. Seine an der Universität begonnenen Vorlesungen im Rahmen eines sehr weit gefassten geographischen Horizonts waren so stark besucht und nachgefragt, dass er sie alsbald in der tausend Zuhörer fassenden Singakademie als freie Vorträge fortsetzte. Unter seinen Hörern war hier vom König bis zum Handwerker ein breites gesellschaftliches Spektrum vertreten, Damenbeteiligung inclusive. Wie in seinen 20 Jahre zuvor erschienenen „Ansichten der Natur“ gelang es ihm, sein deutsches Publikum in allgemein verständlicher, bildreicher Sprache zu faszinieren und das Interesse für erdkundliche und naturwissenschaftliche Fragen anzufachen. Ähnliche Ausstrahlung auf anderer Ebene entwickelte Humboldt als Organisator und Präsident des hochkarätig zusammengesetzten Naturforscherkongresses 1828 in Berlin, der u.a. mit seinem Tagungsmodus in Fachabteilungen für künftige derartige Veranstaltungen Maßstäbe setzte.

Russlandexpedition 1829 – ein spätes Gegenstück

Nicht lange nach seiner Rückkunft aus Paris, für das er auch künftig pro Jahr einen viermonatigen Aufenthalt bewilligt bekam, und zur Zeit seiner glänzenden Erfolge als Kommunikator der Naturforschung in Berlin ergriff Humboldt die Chance, doch noch zu seiner östlichen Forschungsreise zu kommen. Ausgangspunkt war eine Bitte des russischen Finanzministers Cancrin, Humboldt möge zur geplanten Einführung einer Platin-Währung in Russland Stellung nehmen, die dann trotz Humboldts Warnung tatsächlich bis zu ihrem Scheitern 1845 verwirklicht wurde. Cancrin war aber auch an dem Geognosten und Bergbauexperten Humboldt interesiert und stellte ihm eine Forschungsreise zum Ural und darüber hinaus in Aussicht, um Aufschlüsse über ausbeutbare Minenvorkommen zu erhalten. Obwohl er hier Interessen der russischen Regierung zu berücksichtigen haben würde und sich der Charakter dieser Expedition schon dadurch wesentlich von der amerikanischen unterscheiden musste, bei der Humboldt gänzlich frei hatte disponieren können, zögerte er nicht lange. Die Beziehungen zwischen den gekrönten Häuptern Preußens und Russlands waren gerade besser denn je und auf eigene Mittel für eine solche Unternehmung konnte Alexander von Humboldt nicht mehr rechnen. In diese Expedition sollte sein 60. Geburtstag fallen; er war also etwa doppelt so alt wie zu Beginn der Amerika-Reise. Zu Begleitern, die für ihre Fachdisziplin auch jeweils die wissenschaftliche Auswertung der Expedition vornehmen sollten, wählte er den Mediziner, Zoologen und Botaniker Christian Gottfried Ehrenberg und den Chemiker und Mineralogen Gustav Rose. So konnte Humboldt sich vorwiegend geomagnetischen und astronomischen Beobachtungen widmen und die physische Geographie im Überblick studieren. Am Anfang der Forschungsreise stand ein dreiwöchiger Aufenthalt bei Hofe in St. Petersburg, wo Humboldt die Zarin u.a. mit Vorhersagen über zu erwartende – und noch während der Reise tatsächlich eingetretene – Diamantfunde im Ural fesselte. Die Fortbewegung im Gelände vom 20. Mai 1829 an fand in drei gefederten Wagen statt, die von 16 Pferden gezogen wurden. Mit von der Partie waren hier – in deutlichem Kontrast zu den drei amerikanischen Erkundungsreisen - ein Koch und Humboldts Diener Seifert. Die abgesprochene Expeditionsroute sollte über Moskau, Kasan und Perm zunächst Jekaterinburg (Swerdlowsk) im Ural erreichen; auf einer nördlichen Schleife sollten hier nähere Untersuchungen stattfinden, die zu einer reichhaltigen geologischen Materialsammlung führten. Tobolsk an der Einmündung des Tobol in den Irtysch hätte nach den Vorfestlegungen der östliche Umkehrpunkt der Expedition werden sollen. Humboldt wollte aber weiter zum Altai-Gebirge und zur chinesischen Grenze. Er ließ Cancrin wissen, dass die Expedition der Zeitplanung weit voraus sei, und stellte ihn mit einer beträchtlichen Ausweitung der Reiseroute hier – und dann später noch einmal beim Vorstoß die Wolga entlang zum Kaspischen Meer - vor vollendete Tatsachen. Einen Humboldt wegen seines Forschungsdrangs zu rügen, die Blöße mochte sich aber wohl auch das autoritäre zaristische Regime (Humboldts inoffizieller Kommentar zu der lästigen Überwachungspraxis: „Kein Schritt, ohne dass man ganz wie ein Kranker unter der Achsel geführt wird“) nicht geben. Tatsächlicher Umkehrpunkt der Reise wurde daher nach Inspektion der Silbergruben im Altai und Kontaktaufnahme mit chinesischen Grenzposten der Ort Baty. Der Rückweg führte von Semipalatinsk über Omsk und Miask nach Orenburg am südlichen Ausgang des Ural-Gebirges und – nach dem zweiten programmwidrigen Abstecher – von Astrachan über Woronesch und Moskau zurück nach St. Petersburg, das am 13. November 1829 erreicht wurde. Während eines knappen halben Jahres hatten die Forschungsreisenden mehr als 15.000 Kilometer zurückgelegt, gezogen von über 12..000 Pferden. Zar Nikolaus I. und sein Finanzminister hatten Humboldt in diskreter Kenntnis seiner unterdessen prekären Finanzsituation für die Expedition mit 20.000 Rubeln großzügig ausgestattet, ohne dass der darüber hätte Rechenschaft legen sollen. Gleichwohl hat Humboldt das gute Drittel dieser Mittel, das nicht verbraucht worden war, zurückgegeben und die dann auch befolgte Anregung damit verknüpft, das Geld für weitere Forschungsunternehmen zu verwenden. In die gleiche Richtung zielte der die Expeditionserfahrungen zusammenfassende Vortrag Humboldts am 28. November 1829 vor der russischen Wirtschaftselite in Gegenwart des Königs und anderer Honoratioren, in dem er u.a. appellierte: „Ein Land, das sich über mehr als 135 Längengrade erstreckt, von der fruchtbaren Zone der Olivenbäume bis zu den Landstrichen, wo der Boden nur noch mit flechtenartigen Pflanzen bedeckt ist, kann mehr als jedes andere das Studium der Atmosphäre, die Erkenntnisse über die durchschnittliche Jahrestemperatur und, was noch wichtiger für den Zyklus der Vegetation ist, das Studium der Verteilung der Jahreswärme auf die verschiedenen Jahreszeiten vorantreiben. (...) Wenn die variierenden Isothermen oder Linien gleicher Wärme auf Grund präziser Beobachtungen aufgezeichnet werden und dies mindestens fünf Jahre lang im europäischen Rußland und in Sibirien fortgeführt wird, wenn sie verlängert werden bis zu den westlichen Küsten Amerikas (...), dann wird die Wissenschaft von der Verteilung der Wärme auf der Erdoberfläche und in den Schichten, die unserer Forschung zugänglich sind, auf soliden Grundlagen basieren.“ Tatsächlich ließ die russische Regierung in der Folge ein Netz von Messstationen anlegen, die u.a. Luftdruck, Temperatur, Windrichtung und Niederschlagsmengen erfassten. Die so ermittelten Daten dienten Humboldt dann wiederum als empirische Grundlage für die einschlägigen Betrachtungen in seinem 1843 erschienenen Werk über Zentralasien.

Gratwanderer zwischen Hofdienst und Wissenschaftsbetrieb (1830-1859)

Die Rückkehr von der russischen Expedition nach Berlin dürfte Alexander von Humboldt erneut nicht leicht gefallen sein. Das Lebenswerk als reisender Feldforscher lag nun hinter ihm; vor ihm die Perspektive, neben seiner wissenschaftlichen Arbeit die höfische Gesellschaft, die Tafel des Königs mit seinen Kenntnissen und Anekdoten geistvoll unterhalten zu sollen. Als aufklärerischer Liberaler stieß er in solcher Gesellschaft auf mancherlei politisch und religiös bedingte Anfeindung und Engstirnigkeit, die ihm ungeachtet seiner stets gewahrten Contenance und rhetorischen Brillanz schwer erträglich waren. Jahrzehntelang hatte der königliche Kammerherr diese Lage in Paris meiden können. 1822 hatte er dem Bruder sogar von Plänen geschrieben, seine späten Jahre in einem dann republikanisch gewordenen Mexiko als Leiter eines transamerikanischen Forschungsinstituts zu gestalten. Nun war dies alles hinfällig; Alexander von Humboldt musste sich mit Berlin abfinden, was ihm noch schwerer fiel, als 1835 der ihm doch wohl am nächsten stehende Bruder Wilhelm starb. Bei Hofe beruhte Alexanders Stellung allein darauf, dass er die Gunst sowohl Friedrich Wilhelms III. als auch Friedrich Wilhelms IV. besaß. Seine politischen Ansichten wurden zwar auch von ihnen belächelt (immerhin erreichte Humboldt noch, dass auf preußischem Boden jeglicher Sklavenstatus erlosch), seine Leistungen und sein Renommee als Vorzeigewissenschaftler aber hoch geschätzt. Humboldt machte aus seiner Lage weiterhin das Beste – unterdessen bereits für die nachfolgenden Generationen -, indem er nicht nur seine wissenschaftliche und publizistische Arbeit fortsetzte, sondern aufgrund seines enorm verzweigten Beziehungsgeflechts weit über Preußen und Deutschland hinaus zum wichtigsten Koordinator wissenschaftlichen Mäzenatentums und der Förderung von Nachwuchsforschern wurde. Für diese Funktion war die Nähe des Königs von ausschlaggebender Bedeutung. 1827 ernannte Friedrich Wilhelm III. Alexander von Humboldt zum Präsidenten einer Kommission zur Prüfung der Unterstützungsgesuche von Gelehrten und Künstlern. Als Friedrich Wilhelm IV. 1842 den Orden „Pour le mérite“ für Kunst und Wissenschaft stiftete, machte er Humboldt zu dessen Kanzler und folgte bei der Berufung der 30 deutschen und fünfundzwanzig ausländischen Mitglieder zumeist seinen Vorschlägen. Und so zeigte sich Humboldts fördernder Einfluss im Großen wie im Kleinen; es konnte den Anschein haben, als bekleide er das Amt eines „europäischen Kultusministers“ (Hanno Beck). Nicht nur 1807/08, sondern insgesamt acht Mal bis 1848 wurde Alexander von Humboldt von seinen Königen auch zu diplomatischen Missionen herangezogen und wäre, wenn er denn gewollt und sich dadurch nicht von seinen selbstgesetzten Zielen abgelenkt gesehen hätte, schon 1815 preußischer Botschafter in Paris geworden. Sein bekannt weltmännisches und verbindliches Auftreten, seine Sprachmächtigkeit und fesselnde Erzählkunst ließen ihn rasch zum Mittelpunkt jeder Gesellschaft werden, in die er sich begab. Sein Wissenshorizont und die Fähigkeit, ihn zu kommunizieren, müssen in höchstem Maße faszinierend gewesen sein, wenn Goethe seinem Herzog schrieb: „Man könnte in 8 Tagen nicht aus Büchern herauslesen, was er einem in einer Stunde vorträgt.“ Dass er das Instrument seiner Schlagfertigkeit, seines phänomenalen Gedächtnisses und einer unverwüstlichen Frische (Werner Rübe) nicht nur in blendenden Komplimenten spielen ließ, sondern teilweise über dieselben Personen anderwärts deftig-ironisch oder sarkastisch-abschätzig urteilte, wird nur befremdlich finden, wer seine politisch und menschlich prekäre Situation bei Hofe außer Acht lässt. Nicht etwa, dass er Selbstmitleid kultiviert hätte; aber Anflüge von Bitterkeit über das Los seiner späten Jahre hat er dann und wann eben doch erkennen lassen. Sibirien Im Januar 1848 – also kurz vor Ausbruch der Pariser Februarrevolution – kehrte Humboldt von seiner letzten diplomatischen Mission aus Paris nach Berlin zurück. Hier wurde er Zeuge der Berliner Märzrevolution und in sie involviert. Am 21. März, nach den Barrikadenkämpfen und dem Ritt Friedrich Wilhelms VI. mit einer schwarz-rot-goldenen Armbinde durch die Stadt, war es nach dem König und einigen Ministern, deren Ansprachen blass blieben, Alexander von Humboldt, den das Volk auf dem Balkon des Schlosses zu sehen wünschte. Humboldt erschien, hielt aber keine Rede, sondern verbeugte sich nur stumm. Am Folgetag reihte sich der bald Achtzigjährige ein in den Zug, der die 183 Märzgefallenen vom Gendarmenmarkt am Schloss vorbei zu ihrer Begräbnisstätte geleitete. Ein reichliches Jahrzehnt später erlebte Berlin einen anderen Tag wirklicher Volkstrauer. Am 10. Mai 1859 fand im Berliner Dom ein Gottesdienst für den vier Tage zuvor verstorbenen Alexander von Humboldt statt. Die Menge, die dem Leichenzug von Humboldts letzter Wohnstätte in der Oranienburger Straße zum Dom folgte, war nach zeitgenössischen Berichten nur mit der zu vergleichen, die die Märzgefallenen begleitet hatte. Nach der Feier im Dom fand die Überführung des Sarges in den Park von Schloss Tegel statt, wo Alexander von Humboldt am Folgetag im Familiengrab beigesetzt wurde. Der Philologe August Böckh dürfte in seiner Akademie-Gedenkrede das Bewusstsein breiter gesellschaftlicher Schichten artikuliert haben: „Es ist ein glänzendes Gestirn im Reich des Geistes für diese Welt erloschen.“

Der „Kosmos“: Lebenssumme – Epochendenkmal – Wegweiser

Die enorme Popularität, die Alexander von Humboldt über den Tod hinaus auszeichnete, lag nicht zuletzt in dem Werk begründet, dem er sich seit 1834 und in den ihm dann bleibenden zweieinhalb Jahrzehnten gewidmet hat: einer Gesamtschau der wissenschaftlichen Welterforschung, die 1845-1862 unter dem Titel „Kosmos“ in fünf Bänden erschienen ist. Damit gelang es ihm, die Vision zu verwirklichen, die ihm von Beginn seiner Naturforscher-Tätigkeit an vorgeschwebt und als Richtschnur seines Handelns alle wichtigen Entscheidungssituationen bestimmt hatte. An Varnhagen von Ense, der ihn bei der sprachlichen Gestaltung beraten sollte, schrieb er 1834: „Ich habe den tollen Einfall, die ganze materielle Welt, alles, was wir heute von den Erscheinungen der Himmelsräume und des Erdenlebens, von den Nebelsternen bis zur Geographie der Mose auf den Granitfelsen wissen, alles in einem Werke darzustellen, und in einem Werke, das zugleich in lebendiger Sprache anregt und das Gemüt ergötzt.“ Er hatte allerdings für dieses Projekt einen so komplexen und ausgiebigen Anlauf genommen, dass z.B. der ältere Bruder Wilhelm zwar bereits früh viel von seinen Fähigkeiten hielt, über lange Zeit aber nicht viel auf seinen Forschungsansatz gab: „Man kommt der Natur darum nicht näher, wenn man aus der zivilisierten Welt herausgeht." Er ließ sich aber durch Alexander eines Besseren belehren und war schließlich seinerseits äußerst beeindruckt von dessen Vorträgen in der Singkademie, denen Wilhelm mit seiner Familie beiwohnte. Der Titel „Kosmos“ für Alexanders Bilanzierungsvorhaben entsprang dem gemeinsamen Nachdenken beider. In der komplementären Breite ihres Wirkens ohnehin, hier aber auch in innerer Übereinstimmung hatten sie „das Jahrhundert brüderlich im Arme“ (Rübe). Märzgefallene). Im Hintergrund der Chimborazo.]] Längst vor dem Bruder hatte Alexander bei Begegnungen in Jena und Weimar Goethe für seine Forschungsmethode gewonnen. Der schrieb ihm 1795: „Da Ihre Beobachtungen vom Element, die meinigen aber von der Gestalt ausgehen, so können wir nicht genug eilen, uns in der Mitte zu begegnen.“ Diesen Impuls hat der 20 Jahre Jüngere aufgenommen und im „Kosmos“ schließlich glänzend zur Geltung gebracht: „Die Natur ist für die denkende Betrachtung Einheit in der Vielheit, Verbindung des Mannigfaltigen in Form und Mischung, Inbegriff der Naturdinge und Naturkräfte, als ein lebendiges Ganze. Das wichtigste Resultat des sinnigen physischen Forschens ist daher dieses: in der Mannigfaltigkeit die Einheit zu erkennen, von dem Individuellen alles zu umfassen, was die Entdeckungen der letzteren Zeitalter uns darbieten, die Einzelheiten prüfend zu sondern und doch nicht ihrer Masse zu unterliegen, der erhabenen Bestimmung des Menschen eingedenk, den Geist der Natur zu ergreifen, welcher unter der Decke der Erscheinungen verhüllt liegt. Auf diesem Wege reicht unser Bestreben über die enge Sinnenwelt hinaus, und es kann uns gelingen, die Natur begreifend, den rohen Stoff empirischer Anschauung gleichsam durch Ideen zu beherrschen.“ Die wissenschaftliche Naturforschung wird hier zusammengeführt mit dem Denken Goethes und des Bruders Wilhelm. Zugleich wird der Vorstellungshorizont der deutschen Klassik auf ein empirisches Fundament verwiesen: „Aus unvollständigen Beobachtungen und noch unvollständigeren Inductionen entstehen irrige Ansichten von dem Wesen der Naturkräfte, Ansichten, die, durch bedeutsame Sprachformen gleichsam verkörpert und erstarrt, sich, wie ein Gemeingut der Phantasie, durch alle Klassen der Nation verbreiten. Neben der wissenschaftlichen Physik bildet sich dann eine andere, ein System ungeprüfter, zum Theil gänzlich mißverstandener Erfahrungskenntnisse. Wenige Einzelheiten umfassend ist diese Art der Empirik um so anmaßender, als sie keine der Thatsachen kennt, von denen sie erschüttert wird. Sie ist in sich abgeschlossen, unveränderlich in ihren Axiomen, anmaßend wie alles Beschränkte; während die wissenschaftliche Naturkunde, untersuchend und darum zweifelnd, das fest Ergründete von dem bloß Wahrscheinlichen trennt, und sich täglich durch Erweiterung und Berichtigung ihrer Ansichten vervollkommnet.“ Damit sind die methodischen Grundpfeiler des Humboldtschen Forscherlebens wie seines Spätwerkes „Kosmos“ erfasst, das mit einer damaligen Gesamtauflage von 87.000 Exemplaren auch als Bestseller Epoche machte. Der 5. Band, an dem Humboldt bis in die letzten Lebenswochen gearbeitet hat, blieb ebenso unvollendet wie die Beschreibung der amerikanischen Reise („Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents“) , die er nur hinsichtlich des ersten Abschnitts ausgeführt hat. Mitunter hat man das nicht nur bedauert, sondern ihm angekreidet, übergeordnete Gesichtspunkte Humboldts dabei aber außer Acht gelassen: Das „Kosmos“-Projekt war früh und blieb immer das angestrebte Ziel und die ausstehende Summe aller seiner Forschungsaktivitäten und wissenschaftlichen Kontakte. Manches musste er dafür liegen lassen oder abbrechen, vieles anderen übertragen. Dass er mit dem „Kosmos“ jenseits der beiden ersten Bände, die bereits den Umriss des Ganzen enthielten, nicht fertig wurde, hat die innere Logik für sich, dass der Autor sich der prinzipiellen Unabschließbarkeit wissenschaftlichen Erkenntniszuwachses nur zu bewusst war. Nicht nur darin, sondern vor allem in Humboldts transdisziplinärem Wissenschaftsverständnis (Ottmar Ette) mit den entsprechenden praktischen Konsequenzen, liegt das bedeutende aktuelle Orientierungspotential, das von Alexander von Humboldt im Zeitalter eines beschleunigten Wandels der Ökonomie, der Ökosysteme und Gesellschaften sowie einer durchgreifenden Globalisierung ausgeht. Sein die Natur- und Geisteswissenschaften sowohl in ihren jeweiligen Forschungsmethoden respektierender als auch gezielt untereinander vernetzender Ansatz dürfte wohl am ehesten geeignet sein, wissenschaftlichem Arbeiten jene Problemlösungskompetenz und jenes öffentliche Gehör zu erschließen, ohne die es oft fruchtlos bleibt. Humboldts „Kosmos“ erwuchs nicht zuletzt aus dem ständigen direkten und persönlichen Austausch über die Grenzen der Disziplinen hinweg und ermöglichte ihm die Einbeziehung spezialisierter Wissensbestände gerade auch solcher Fachrichtungen, deren Erkenntnisse ihm wichtig waren, obwohl er sie selbst nicht vertieft betreiben konnte. Manche Einsichten, zu denen Alexander von Humboldt in seinem Spätwerk gelangt ist, sind von geradezu dramatischer Aktualität: „Wissen und Erkennen sind die Freude und die Berechtigung der Menschheit; sie sind Theile des Nationalreichthums, oft ein Ersatz für die Güter, welche die Natur in allzu kärglichem Maaße ausgetheilt hat. Diejenigen Völker, welche an der allgemeinen industriellen Thätigkeit, in Anwendung der Mechanik und technischen Chemie, in sorgfältiger Auswahl und Bearbeitung natürlicher Stoffe zurückstehen, bei denen die Achtung einer solchen Thätigkeit nicht alle Classen durchdringt, werden unausbleiblich von ihrem Wohlstande herabsinken. Sie werden es um so mehr, wenn benachbarte Staaten, in denen Wissenschaft und industrielle Künste in regem Wechselverkehr mit einander stehen, wie in erneuerter Jugendkraft vorwärts schreiten.“

Zitate

Einige nicht repräsentative Zitate über Alexander von Humboldt von berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit.
- Wilhelm von Humboldt: „Alexander ist gemacht, Ideen zu verbinden, Ketten von Dingen zu erblicken, die Menschenalter hindurch, ohne ihn, unentdeckt geblieben wären. Ungeheure Tiefe des Denkens, unerreichbarer Scharfblick, und die seltenste Schnelligkeit der Kombination.“
- Charles Darwin: „Er war der größte reisende Wissenschaftler, der jemals gelebt hat.“ - „Ich habe ihn immer bewundert; jetzt bete ich ihn an.“
- Johann Wolfgang Goethe: „Humboldt überschüttet uns mit geistigen Schätzen.“
- Friedrich Schiller: „Alexander imponiert sehr vielen und gewinnt im Vergleich mit seinem Bruder meistens, weil er ein Maul hat und sich geltend machen kann.“
- Simón Bolívar: „Alexander von Humboldt hat Amerika mehr Wohltaten erwiesen als alle seine Eroberer, er ist der wahre Entdecker Amerikas.“
- Napoleon Bonaparte: „Sie beschäftigen sich mit Botanik? Auch meine Frau betreibt sie!“
- Claude Louis Berthollet: „Dieser Mann vereint in sich eine ganze Akademie.“
- Thomas Jefferson: „Ich sehe in ihm den bedeutendsten Wissenschaftler, den ich je getroffen habe.“
- Emil Du Bois-Reymond: „Jeder strebsame Gelehrte ist Humboldts Sohn. Wir alle sind seine Familie.“

Werke


- Kosmos - Entwurf einer physischen Weltbeschreibung. 1845-1862
  - Im Internet: [http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/~stueber/library/authors/author_00072_de.html Kurt Stübers Online Bibliothek], [http://posner.library.cmu.edu:8080/DIVA_Posner/jsp/search-results.jsp?s=&sa=humboldt&st=&ss=&sd=&submit=Submit+Search Posner Memorial Collection], [http://visualiseur.bnf.fr/Visualiseur?Destination=Gallica&O=NUMM-97208 Französische Nationalbibliothek]
  - Reprint: Alexander von Humboldt: KOSMOS - Entwurf einer physischen Weltbeschreibung. Mit Berghaus-Atlas. Ediert von Ottmar Ette u. Oliver Lubrich. 960 S. Mit 94 Farbtafeln. In: DIE ANDERE BIBLIOTHEK Hrsg.v.H.M.Enzensberger, ISBN 3-8218-4549-X, Frankfurt a.M. September 2004 (Eichborn Verlag)
- Vues des Cordillères et Monuments des Peuples Indigènes de l’Amérique. 1810-1813
  - Im Internet: [http://visualiseur.bnf.fr/Visualiseur?Destination=Gallica&O=NUMM-61301 Französische Nationalbibliothek]
  - Deutsche Übersetzung: Alexander von Humboldt: Ansichten der Kordilleren und Monumente der eingeborenen Völker Amerikas. Deutsche Erstausgabe. A.d.Franz.v. Claudia Kalscheuer. 450 S. m. 69 z.Tl.ausklappbaren Tafeln. In: DIE ANDERE BIBLIOTHEK Hrsg.v.H.M.Enzensberger. ISBN 3-8218-4538-4, Frankfurt a.M. September 2004 (Eichborn Verlag)
- Ansichten der Natur. 1808
  - Im Internet: [http://gutenberg.spiegel.de/autoren/humbolda.htm Projekt Gutenberg-DE] (Projekt Gutenberg-DE)
  - Reprint: Alexander von Humboldt: Ansichten der Natur. (Neuausgabe des 17. Bandes der ANDEREN BIBLIOTHEK) 512 S., m. 6 Farbtafeln, ISBN 3-8218-4741-7, Frankfurt a.M. September 2004 (Eichborn Verlag)

Wirkung

Humboldt als Namensstifter

Viele Orte tragen den Namen Humboldt, auch wenn es keinen unmittelbaren Zusammenhang gibt.
- Europa
  - Humboldt Universität zu Berlin
  - Über 50 Schulen und Gymnasien, z.B. Alexander-von-Humboldt-Gymnasium-Schweinfurt, das 2004 den Humboldt-Preis gewann
  - Humboldthain in Berlin
  - [http://www.avh.rwth-aachen.de Das Alexander-von-Humboldt-Haus] in Aachen
- Nordamerika
  - mindestens zehn Orte namens Humboldt in den USA
  - ein Fluss in Nevada (Humboldt River)
  - ein See, der Humboldtsee
  - ferner das Humboldtgebirge (Nordamerika) in Nevada
- Mittelamerika
  - auf Kuba ein Nationalpark,
  - in Mexiko-Stadt (Distrito Federal) die Deutsche Schule (Humboldt-Gymasium)
- Südamerika
  - an der Westküste Südamerikas eine kalte Meeresströmung (Humboldtstrom),
- Asien
  - das Humboldtgebirge (Asien) in Zentralasien
- Ozeanien
  - in Neuseeland ein Gebirge,
- Polarregion
  - in Grönland ein Gletscher
- Mond
  - das Mare Humboldtianum,
- Tiere
  - der Humboldt-Pinguin,
  - der patagonische Skunk (Conepatus humboldtii)
- Pflanzen
  - die Humboldt-Lilie (Lilium humboldtii),
  - die Südamerikanische Eiche (Quercus humboldtii),
  - eine Orchideenart (Phragmipedium humboldtii)
- Schiffe
  - die

Wilhelm von Humboldt

Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand Freiherr von Humboldt, kurz: Wilhelm von Humboldt, (
- 22. Juni 1767 in Potsdam; † 8. April 1835 in Tegel) war ein deutscher Gelehrter, Staatsmann und Miturheber der Universität Berlin (heute Humboldt-Universität zu Berlin). Er zählt zu den großen, fortwirkend einflussreichen Persönlichkeiten in der deutschen Kulturgeschichte. Betrachtet man ihn in der Gemeinschaft mit seinem Bruder Alexander, so wird man kaum ein zweites Geschwisterpaar finden, das die eigene geschichtliche Epoche mit solchem Forscherdrang und mit solch universeller Gelehrsamkeit durchdrungen und bereichert hat wie diese beiden. Während Alexander dabei – aber keineswegs nur – der naturwissenschaftlichen Forschung neue Horizonte erschlossen hat, lagen die Schwerpunkte für Wilhelm in der Beschäftigung mit kulturwissenschaftlichen Zusammenhängen wie der Bildungsproblematik, der Staatstheorie, der analytischen Betrachtung von Sprache, Literatur und Kunst sowie in aktiver politischer Mitgestaltung als Reformmotor im Schul- und Hochschulwesen und als preußischer Diplomat.

Werdegang

In der väterlichen Linie waren die Humboldt-Brüder Sprösslinge pommerscher Vorfahren aus dem Bürgertum. Ihr Großvater wurde Offizier im preußischen Militär und wegen seiner Verdienste 1738 auf eigenes Ersuchen in den Adelsstand erhoben. Dessen Sohn Alexander Georg wurde nach seinem Ausscheiden aus dem Heeresdienst auf Geheiß Friedrichs des Großen Kammerherr bei der Gemahlin des Thronfolgers bis zum Scheitern dieser Ehe 1769. Bereits 1766 hatte Alexander Georg die vermögende Witwe hugenottischer Herkunft Elisabeth von Holwede, geb. Colomb, geheiratet und war durch sie in den Besitz von Schloss Tegel gelangt. An der Ausbildung der Söhne Wilhelm und Alexander auf dem Tegeler Gut - winters in der Berliner Stadtwohnung - wurde nicht gespart. Als Hauslehrer engagierten die Eltern u.a. so renommierte Persönlichkeiten wie Joachim Heinrich Campe, ab 1777 für mehr als 10 Jahre Gottlieb Johann Christian Kunth, der den Erziehungsplan koordinierte und den Unterricht der verschiedenen Fachlehrer beaufsichtigte. In Vorbereitung auf die Universitätsstudien wurden den Brüdern Privatvorlesungen u.a. in Nationalökonomie und Statistik, Naturrecht und Philosophie gehalten. Kunth, der sich auch hinsichtlich der Gutsverwaltung eine Vertrauensstellung bei den Humboldts erworben hatte, wurde nach dem Tod seines Brotherrn 1779 zum unentbehrlichen Berater der erneut verwitweten Frau von Humboldt und dann auch zum Vermögensverwalter seiner Schützlinge. Wilhelm von Humboldt wiederum förderte später Kunths Aufstieg zum Mitarbeiter des Freiherrn vom Stein in der preußischen Reformära und erfüllte ihm nach seinem Tode 1829 den Wunsch, im Familiengrab der Humboldts in Tegel beigesetzt zu werden. Schon als 13-jähriger sprach Wilhelm fließend Griechisch, Latein und Französisch und war mit wichtigen Autoren der jeweiligen Literatur vertraut. Sein enormer Studienfleiß weckte nicht selten Besorgnis bei ihm Nahestehenden. Im Zuge der von Kunth arrangierten Studien gelangten die Brüder auch in das Haus des vielseitig interessierten Arztes Markus Herz, der dort philosophische und physikalische Vorlesungen hielt, und in den Salon seiner Frau Henriette Herz, zu der Wilhelm zeitweise eine schwärmerische Zuneigung fasste. Als Mitglied in ihrem „Bund der Freunde“, einem von vielen damals existierenden Tugendbünden, zu dem sowohl eine Satzung als auch eine Geheimschrift gehörte, kam Wilhelm späterhin in Kontakt mit Caroline von Dacheröden, die dem Bund als auswärtiges Mitglied gleichfalls angehörte. Das Ziel der anspruchsvollen Ausbildung ihrer Söhne lag für die Mutter darin, sie für einflussreiche Staatsämter zu qualifizieren. Wilhelm war für ein Studium der Rechtswissenschaften vorgesehen, Alexander für Staatswirtschaftslehre, die als Kameralia firmierte. Noch unter Kunths Obhut begannen die Brüder ihr jeweiliges Studium an der Universität Frankfurt / Oder, die Wilhelm aber nach einem Semester verließ, um sich im Frühjahr 1788 in Göttingen zu immatrikulieren.

Im Bunde mit den Weimarer Klassikern

In Göttingen löste sich Humboldt aus den vorgegebenen Bahnen und folgte fortan eigenen Impulsen, Interessen und Einsichten. Im Studium widmete er sich statt Jura nun mehr der Philosophie, der Geschichte und den alten Sprachen und hatte dabei mit Kapazitäten wie Lichtenberg und Heyne zu tun. 1788 war auch das Jahr, in dem er seine Frau Caroline von Dacheröden kennenlernte. Der überlieferte Briefwechsel beider hat es ermöglicht, dass diese Ehe zu einem – durch den hohen Ton der wechselseitigen Einlassungen z.T. idealistisch aufgeladenen – Muster des Geschlechterverhältnisses für das deutsche Bürgertum im 19. und noch im 20. Jahrhundert hat werden können. Von seinem Göttiger Studienort aus unternahm Humboldt noch gegen Ende des Jahres 1788 eine Reise in die Rhein/Main-Gegend, bei der er u.a. Bekanntschaft mit dem Weltumsegler Georg Forster und mit Goethes Jugendfreund Friedrich Heinrich Jacobi schloss. Im Sommer 1789 brach er zu einer weiteren Reise auf, die ihn gemeinsam mit seinem vormaligen Lehrer Campe in das revolutionäre Paris führen sollte. Neben dem eigentlichen Revolutionsgeschehen interessierte ihn bei dieser Gelegenheit aber auch die Lage der Pariser Waisenkinder, die er in einem Findelhaus aufsuchte. Über die Weihnachtstage 1789 hielt sich Humboldt mit seiner Verlobten in Weimar auf und hatte dort erste Begegnungen mit Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Anfang 1790 trat er nach Beendigung des viersemestrigen Studiums in den Staatsdienst und erhielt eine Anstellung im Justizdepartement, wo er für die Richterlaufbahn ausgebildet wurde, zugleich aber die Zusatzqualifikation für den diplomatischen Dienst erwarb. Schon im Mai 1791 suchte er mit Hinweis auf Familienumstände um seine Entlassung nach, sei es, dass ihm die Ausübung des Richteramts im vorgegebenen Rahmen auf Dauer zuwider war, sei es, dass seine anderweitig entwickelten Neigungen den Ausschlag gaben oder dass er die Anstellung ohnehin nur betrieben hatte, um vor seiner Mutter und vor seinem Schwiegervater in spe, dem Kammerpräsidenten von Dacheröden, bestehen zu können. Nach der Hochzeit in Erfurt am 29. Juni 1791 lebten die Jungvermählten während der darauffolgenden zweieinhalb Jahre auf den Dacheröden'schen Gütern in Thüringen, wo Humboldt nun mit Caroline seine Studien der altgriechischen Sprache, Kultur, Kunst und Philosophie fortsetzte und in regem Gedankenaustausch mit dem Hallenser Altphilologen Friedrich August Wolf vertiefte. Die Beschäftigung mit der Antike diente ihm zu dem Zweck „der philosophischen Kenntnis des Menschen überhaupt“. Den griechischen Geist begriff er „als Ideal desselben, was wir selbst sein und hervorbringen möchten.“ Mit seiner für die geistesgeschichtliche Epoche des Neuhumanismus charakteristischen Hochschätzung des antiken Griechentums und mit seiner weitreichenden diesbezüglichen Kenntnis kam Humboldt bereits als „‘Juniorpartner‘ der deutschen Klassik“ (Berglar), als er 1794 mit der jungen Familie an Schillers damalige Wirkungsstätte nach Jena umzog. Die Rolle, die er fortan zunächst Schiller, dann auch Goethe gegenüber spielen sollte, war die des scharfen Analytikers, konstruktiven Kritikers und versierten Ratgebers, der u.a. auf Schillers Balladen und sein Wallenstein-Drama ebenso kunstverständig einging wie auf Goethes „Herrmann und Dorothea“. Johann Wolfgang von Goethe und Goethe]] Auf Humboldts idealisierendes Bekenntnis zum antiken Griechenland und seinen nachfolgenden Einfluss auf das deutsche Bildungswesen Bezug nehmend, urteilt Berglar: „Obwohl Humboldt sich an Tiefe nicht mit Goethe, an Dynamik nicht mit Schiller und an Schöpferkraftmit beiden nicht von Ferne messen konnte, hat doch gerade er vielleicht den stärksten, sicher aber den längsten Einfluß auf die deutsche Entwicklung genommen.“ Bis 1797 währte das enge Miteinander Humboldts mit Schiller in Jena. Es wurde 1795/96 unterbrochen und endete im Zusammenhang mit dem Tode Elisabeths von Humboldt, deren Vermögen auf die Söhne überging und diese materiell unabhängig machte. Während Wilhelm Schloss Tegel übernahm, kam Alexander nun zu dem Kapital, mit dem er seine amerikanische Forschungsreise finanzieren konnte.

Preußens Gesandter in Rom

Nicht nach Tegel auf das elterliche Erbgut zog es Wilhelm und seine Familie allerdings nach dem Tode der Mutter, sondern zunächst – nachdem das eigentliche Wunschziel durch Napoleons Italien-Feldzug aus Sicherheitsgründen entfallen war – für 4 Jahre in das noch immer vom Revolutionswandel umgetriebene Paris, wo Humboldt neuerlich eine Reihe teils intensiver und anregender Bekanntschaften machte, wie z.B. die des Abbé Siéyès, Germaine de Staëls und des Revolutionsmalers David. Von Paris aus unternahm er dann 1799 und 1801 noch zwei längere Reisen nach Spanien, die sich vor allem hinsichtlich der sprachwissenschaftlichen Studien des Baskischen als ertragreich erweisen sollten. Im Sommer 1801 kehrte Humboldt mit Frau und Kindern nach Tegel zurück, allerdings nur für gut ein Jahr. Denn bereits im folgenden Frühjahr eröffnete sich für ihn die Chance, nun doch nach Italien zu gelangen, auf bequeme und einträgliche Weise sogar: als preußischer Resident am päpstlichen Stuhl. Nun zahlte sich aus, dass er während seiner Anstellung im Justizbereich zugleich eine Qualifikation für den diplomatischen Dienst und den Titel des Legationsrats erworben hatte. Als Mann von Welt aus dem Adelsstand empfahl er sich für diesen Posten, der möglichen Konkurrenten für nicht sehr attraktiv gelten musste, nachdem der Kirchenstaat unter französischer Vorherrschaft zusammengeschrumpft und der Inhaber des Heiligen Stuhls von Napoleons Gnaden abhängig war. Mit der Aufgabe der konsularischen Vertretung preußischer Untertanen in Rom war Humboldt nicht ernstlich gefordert, so dass er genug Zeit und Gelegenheit hatte, sein repräsentatives Haus, den Palazzo Tomati nahe der Spanischen Treppe, gemeinsam mit Caroline zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt Roms zu machen. Hier verkehrten neben Kurienangehörigen als Gäste u.a. Lucien Bonaparte, noch als Kronprinz der spätere Ludwig I. von Bayern, die Bildhauer Thorvaldsen und Rauch sowie der junge Karl Friedrich Schinkel, Friedrich Tieck und August Wilhelm Schlegel in Begleitung der Frau von Staël. Die eigentliche Faszination, die Rom auf Wilhelm von Humboldt ausübte und die sein sechsjähriges Verweilen als preußischer Gesandter dort begründete, erschließt sein Brief vom 23.8.1804 an Goethe: „Rom ist der Ort, in dem sich für unsere Ansicht das ganze Altertum zusammenzieht... Es ist allerdings also das meiste an diesem Eindruck subjektiv, aber es ist nicht bloß der empfindelnde Gedanke, zu stehen, wo jener oder dieser große Mann stand. Es ist ein gewaltsames Hinreißen in eine von uns nun einmal, sei es durch notwendige Täuschung, als edler und erhabener angesehene Vergangenheit, eine Gewalt, der selbst, wer wollte, nicht widerstehen kann, weil die Öde, in der die jetzigen Bewohner das Land lassen, und die unglaubliche Masse der Trümmer selbst das Auge dahin führen... Aber es ist auch nur eine Täuschung, wenn wir selbst Bewohner Athens oder Roms zu sein wünschten. Nur aus der Ferne, nur von allem Gemeinen getrennt, nur als vergangen muß das Altertum uns erscheinen.“ Im Sommer 1805 besuchte der von seiner Amerika-Expedition zurückgekehrte und schon damals als „zweiter Kolumbus“ gefeierte Alexander von Humboldt für mehr als drei Monate den Bruder und die Schwägerin in Rom, bevor er sich in Paris an die umfassende wissenschaftliche Auswertung des gesammelten Forschungsmaterials machte. Dies darf doch wohl als Zeichen genommen werden einer intensiven Kommunikation und herzlichen Verbundenheit der mitunter in starken Kontrast zueinander gesetzten Brüder. Treffender erfasst sein dürfte ihr Verhältnis und komplementäres Wirken mit dem Bild von den „preußischen Dioskuren“.

Der Bildungsreformer

Die Liquidierung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, den Zusammenbruch Preußens nach der Niederlage von Jena und Auerstedt sowie die französische Besetzung Berlins 1806 hat Humboldt auf seinem Posten in Rom durchaus betroffen, aber doch in schonender Distanz mitverfolgt. An Staatsminister Hardenberg , der auch die Geschäfte des Außenministers besorgte, schrieb er im Herbst 1806: „Ich war niemals ehrgeizig oder interessiert und zufrieden mit dem Posten in dem Lande, das ich bewohne und das ich liebe und habe weder gesucht noch gewünscht, in eine andere Lage zu kommen, aber jetzt ist es mir peinlich, hier müßig zu sein und nichts für das bedrängte Vaterland tun zu können.“ Anderweitige Verwendung hatte man aber einstweilen in Berlin offenbar nicht für ihn, und so blieb er noch bis zum Oktober 1808 in Rom. Erst ein Urlaubsgesuch zur Regelung von Vermögensangelegenheiten und zur Schadensaufnahme im geplünderten Schloss Tegel schien ihm die Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen. Dort angekommen erfuhr er jedoch, dass er im Zuge der von Stein auf den Weg gebrachten preußischen Reformen die Leitung der „Sektion des Kultus und des öffentlichen Unterrichts“ übernehmen sollte. Es hatte seinen guten Grund, dass der Freiherr vom Stein unbeirrbar daran festhielt, Humboldt sei der zu dieser Zeit an dieser Stelle nötige Mann. Denn der preußische Militärstaat, wie er von Friedrich Wilhelm I. geschaffen und von Friedrich II. auf Expansionskurs gesetzt worden war, hatte vorerst abgewirtschaftet und befand sich Napoleon gegenüber in einer demütigenden Abhängigkeit. Um aus dieser Lage heraus wieder zu Kräften zu kommen, bedurfte es im Sinne Steins und seiner Mitstreiter umfassender Reformen mit dem Ziel, dem mit der Französischen Revolution erwachten Freiheitsstreben der Bürger Raum zu geben, ihre Eigenverantwortung zu fördern und auf diese Weise dem Staat und der Nation neue Ressourcen zu erschließen. Humboldts staatstheoretische Vorstellungen lagen seit langem schon auf dieser Linie. In seiner 1792 verfassten Abhandlung „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ hatte er z.B. geschrieben: „Der wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welche die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt – ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste und unerläßliche Bedingung. (...) Gerade die aus der Vereinigung mehrerer entstehende Mannigfaltigkeit ist das höchste Gut, welches die Gesellschaft gibt, und diese Mannigfaltigkeit geht gewiß immer in dem Grade der Einmischung des Staates verloren. Es sind nicht mehr eigentlich die Mitglieder einer Nation, die mit sich in Gemeinschaft leben, sondern einzelne Untertanen, welche mit dem Staat, d.h. dem Geiste, welcher in seiner Regierung herrscht, in Verhältnis kommen, und zwar in ein Verhältnis, in welchem schon die überlegene Macht des Staats das freie Spiel der Kräfte hemmt. Gleichförmige Ursachen haben gleichförmige Wirkungen. Je mehr also der Staat mitwirkt, desto ähnlicher ist nicht bloß alles Wirkende, sondern auch alles Gewirkte.(...) Wer aber für andre so räsoniert, den hat man, und nicht mit Unrecht, in Verdacht, daß er die Menschen mißkennt und aus Menschen Maschinen machen will.“ Für Humboldts Nominierung in dieser Umbruchsituation sprach zudem seine nachdrücklich bekundete Hochschätzung von Bildung für ein menschenwürdiges Dasein: „Was verlangt man von einer Nation, einem Zeitalter, von dem ganzen Menschengeschlecht, wenn man ihm seine Achtung und seine Bewunderung schenken soll? Man verlangt, dass Bildung, Weisheit und Tugend so mächtig und allgemein verbreitet, als möglich, unter ihm herrschen, dass es seinen inneren Wert so hoch steigern, dass der Begriff der Menschheit, wenn man ihn von ihm, als dem einzigen Beispiel, abziehen müsste, einen großen und würdigen Gehalt gewönne.“ Bildung Als Humboldt nun mit der Berufung in das Amt des für das Bildungswesen Zuständigen konfrontiert war, zögerte er gleichwohl, es anzunehmen, hauptsächlich wohl, weil er nicht als Minister und damit nur dem König verantwortlich, sondern als Sektionschef unter Innenminister von Dohna tätig werden sollte. In erster Linie mag er dabei gefürchtet haben, dass ihm bei der Bedeutung der Aufgabe nicht genügend freie Hand bliebe zur Neuordnung des Unterrichtswesens. Nachdem er sich schließlich in die Umstände gefügt hatte, setzte Humboldt in seiner Amtsführung in Königsberg eine erstaunliche Dynamik frei und reformierte, unterstützt von seinen Mitarbeitern Nicolovius, Süvern und Uhden, sowohl temporeich wie umsichtig Lehrpläne, Lehrerausbildung und Prüfungswesen an Elementar- und Volksschulen, Gymnasien und im universitären Bereich. Als Krönung seines Reformwerks dürfte auch er selber die Gründung der Berliner Universität betrachtet haben, von der Berglar sagt: „Niemals wieder hatte ein deutscher Unterrichtsminister eine stolzere Berufungsliste vorzuweisen.“ Zu den glänzendsten Lehrstuhlbesetzungen gehörten in den Anfängen Schleiermacher, Savigny, Fichte und Niebuhr. Humboldts Universitätsidee sah für den Hochschulbetrieb und das Verhältnis zwischen Dozenten und ihren Studenten die Einheit von Forschung und Lehre vor. Beide sollten auch von staatlichen Forderungen und Auflagen einengender Art freigehalten werden. Humboldt ging davon aus, dass die Universitäten in verantwortlicher Selbststeuerung auch die staatlichen Zwecke erfüllen, nur sozusagen von einer höheren Warte aus und mit Mitteln, die der Staat aus eigenem Vermögen nicht hervorbringen kann. Man hat mit Blick auf wirtschaftliche Zwänge und gesellschaftliche Realitäten kritisiert, dass Humboldts Bildungsideal zu eng gebunden war an seine aristokratisch privilegierte Existenz und von daher der Verallgemeinerbarkeit entbehrte. Dabei würde er selber wohl kaum bestritten, sondern ausdrücklich betont haben, dass das seinem Leben die Richtung weisende Luxusmodell individueller Bildung unter anderen Voraussetzungen entsprechend abgewandelt werden musste. Belege dafür – wie auch Anregungen für die Schaffung einer Bürgergesellschaft, in der lebenslanges Lernen möglich werden könnte – enthält sein Bericht an den König vom Dezember 1809: „Es gibt schlechterdings gewisse Kenntnisse, die allgemein sein müssen, und noch mehr eine gewisse Bildung der Gesinnungen und des Charakters, die keinem fehlen darf. Jeder ist offenbar nur dann ein guter Handwerker, Kaufmann, Soldat und Geschäftsmann, wenn er an sich und ohne Hinsicht auf seinen besonderen Beruf ein guter, anständiger, seinem Stande nach aufgeklärter Mensch und Bürger ist. Gibt ihm der Schulunterricht, was hierzu erforderlich ist, so erwirbt er die besondere Fähigkeit seines Berufs nachher sehr leicht und behält immer die Freiheit, wie im Leben so oft geschieht, von einem zum andern überzugehen.“ Den Vorsatz, seine Stellung im Staatsrat aufwerten zu lassen, um unabhängig und gleichberechtigt unter Kabinettskollegen wirken zu können, hatte Humboldt zu keiner Zeit seiner Reformtätigkeit aufgegeben und sich Hoffnungen gemacht, den König von den diesbezüglichen Vorstellungen des Freiherrn vom Stein überzeugen zu können. Als er schließlich erkennen musste, dass er in der Sache nichts ausgerichtet hatte, reichte er – vielleicht in dem Bewusstsein, ein letztes Druckmittel auszuspielen – nach gut einjähriger Tätigkeit im Amt sein Rücktrittsgesuch ein. Es dauerte zweieinhalb Monate, in denen er sowohl für die Leitung des Innen- wie des Außenministeriums im Gespräch war, bis seine Entlassung bewilligt wurde. Da er die Übernahme der Sektionsleitung für Kultus bereits mit der Bitte verknüpft hatte, späterhin in den diplomatischen Dienst zurückkehren zu können, mochte die mit der Entlassung zugleich verbundene Ernennung zum „außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Wien“ sich eignen, seine Enttäuschung abzumildern. Humboldt ist für sein jeweiliges Ausscheiden aus den Staatsämtern, die er inne gehabt hatte, angegriffen worden. Eigenliebe, Genussucht, Bequemlichkeit und Selbstüberschätzung gehören zu den angenommenen Motiven seiner Rückzüge. Dagegen stehen der enorme Einsatz und der unermüdliche Arbeitseifer, den er, wenn es darauf ankam, auch im Staatsdienst an den Tag legte. Jedoch in einem blieb er sich über die Jahrzehnte hinweg treu: Bedingungslos galt seine Bereitschaft zum Dienst am Gemeinwesen nicht. Wenn die politischen Umstände ihn zu fesseln und seinem Selbstbild zu entfremden drohten, wenn er seinen Gestaltungsanspruch unangemessen beschnitten oder gänzlich gefährdet erkannte, wenn er keine Perspektive mehr sah, seine Überzeugungen geltend machen zu können, dann endete für ihn jegliche Verpflichtung; da war mit sich im Reinen. Wollte man von dem großen Theoretiker und Lebenspraktiker der individuellen Bildung anderes erwarten?

Diplomat für Freiheit und Frieden

Caroline von Humboldt war in Rom geblieben, während ihr Mann als Bildungsreformer amtiert hatte. Im Herbst 1810 aber traf sie mit den Kindern in Wien ein, um nun wieder mit ihrem Gatten zusammenzuleben und in dem Haus am Minoritenplatz ein repräsentatives Gesellschaftsleben zu pflegen. Über seinen in habsburgische Dienste getretenen Jugendfreund Friedrich Gentz gelang es Humboldt, Klarheit über die Leitvorstellungen des damaligen österreichischen Außenministers Metternich zu gewinnen. So konnte er Hardenberg die österreichische Haltung in dem Konflikt Napoleons mit Russland und sodann im beginnenden Befreiungskrieg gegen Napoleon zuverlässig vorhersagen und im Sinne der Förderung des österreichischen Beitritts zur Koalition moderierend wirken - für seinen Biographen Scurla der Höhepunkt von Humboldts diplomatischer Laufbahn. Auf dem Wiener Kongress und bei den Verhandlungen über den Deutschen Bund fungierte Humboldt als Hardenbergs rechte Hand und trug mit zahlreichen Memoranden zur inhaltlichen Ausgestaltung der Bundesakte bei. Das in dieser wichtigen Phase der Neuordnung Europas bestehende Einvernehmen mit Hardenberg hielt jedoch nicht dauerhaft vor, wobei Verlauf und Ausgang des Kongresses die Weichen dafür bereits gestellt haben dürften. Denn in dem zunehmend von Metternichs restaurativen Strebungen geprägten Klima gerieten Humboldts liberale Grundsätze und Impulse mehr und mehr ins Abseits, während Hardenberg sich in die Entwicklung schickte. Nach Abschluss der Verhandlungen war aufgrund des deutlich gewordenen Gegensatzes zwischen Metternich und Humboldt dessen Rolle in Wien ausgespielt. Er wurde zunächst für das ganze Jahr 1816 zu Anschlussverhandlungen über offene Territorialfragen im Deutschen Bund nach Frankfurt geschickt, danach auf den Botschafterposten in London versetzt, was einer Kaltstellung gleichkam. Humboldt war von Hardenberg selbst wiederholt ein Ministeramt in Aussicht gestellt worden und hatte diesem – quasi als Voraussetzung für die Bereitschaft zur Übernahme eines Ministeriums – eine Reform des Staatsrats empfohlen, die auf kollegiale Entscheidungsstrukturen hinauslief. Hardenberg wähnte sich in seiner Autorität und Leitungsfunktion durch Humboldt angegriffen und forderte daraufhin die zügige Abreise des 1817 während mehrerer Monate als Mitglied des Staatsrats im Berliner politischen Geschäft mitmischenden Humboldt nach London. Nur gut ein halbes Jahr fügte sich Humboldt dieser Abschiebung, dann bat er – vorgeblich aus familiären Gründen – um seine Abberufung. Hardenberg, der ihn von Berlin fernhalten wollte, kassierte das Gesuch, und erst ein zweites, direkt an den König gerichtetes brachte einen halben Erfolg: Humboldt sollte erneut die preußischen Interessen beim Deutschen Bund in Frankfurt a.M. wahren. Im Januar 1819 schließlich wurde er doch noch in ein Ministeramt berufen, und zwar in das für ständische Angelegenheiten. Unter anderen Voraussetzungen hätte sich hier die Chance bieten können, liberale Grundlagen für eine konstitutionelle Monarchie zu schaffen und so das Verfassungsversprechen Friedrich Wilhelms III. im Geiste Humboldts zu verwirklichen. Die Aussicht auf diese Möglichkeit dürfte ihn bewogen haben, seine nochmals vorgebrachte Forderung nach einer Reform des Staatsrats auf sich beruhen zu lassen und das angebotene Ministerium zu übernehmen - trotz Hardenbergs anhaltender Reserviertheit und ungeachtet dessen eigener Verfassungspläne. Die interessierte Öffentlichkeit, deren Erwartungen wohl bereits für die Offerte an Humboldt den Ausschlag gegeben hatten, reagierte entsprechend erfreut auf seine Zusage. Hardenberg jedoch, der die Weichen in der Verfassungsfrage bereits vor Humboldts Eintreffen in Berlin gestellt haben wollte, hielt diesen bis in den Sommer hinein mit seinen Frankfurter Aufgaben befasst, ehe er ihn nach Berlin einbestellte. In dem für seine Verfassungsvorstellungen denkbar ungünstigsten Moment musste Humboldt nun die Amtstätigkeit aufnehmen. Parallel zu seiner Amtseinführung wurden zwischen den preußischen und österreichischen Regierungsspitzen die Karlsbader Beschlüsse verhandelt und verabschiedet, die die Unterdrückung und Verfolgung der liberalen Bestrebungen an den Universitäten und im öffentlichen Leben vorsahen. Zwar kam es auch danach noch zur Vorstellung der Verfassungsentwürfe Hardenbergs und Humboldts in der vom König unter anderen Vorzeichen berufenen Verfassungskommission, doch waren die Würfel gegen eine konstitutionelle Entwicklung in Preußen mit der Karlsbader Übereinkunft bereits gefallen, und Humboldts Kampf, für den er zeitweise sogar noch eine Reihe seiner Kollegen gewinnen konnte, fand auf längst verlorenem Posten statt. Sein energisches Eintreten gegen polizeiliche Willkürmaßnahmen im Zuge von „Demagogen“-Verfolgungen führten zu seiner Entlassung am 31. 12. 1819, die er in der für ihn bezeichnenden Gelassenheit hinnahm.

Bau- und Schlossherr in Tegel

In seinem 51. Lebensjahr war Humboldt nun in die Lage versetzt, Ort und Inhalt des eigenen Daseins neu zu bestimmen. Er entschied sich für das elterliche Erbe in Tegel als künftigen Lebensmittelpunkt, allerdings in einer Gestalt, die seinen Neigungen und ästhetischen Vorstellungen in ganz anderer Weise entsprechen sollte, als dies für das „Schloss Langweil“ aus Kindertagen gelten konnte. Antike Kunst und Kultur hatten seinen Bildungsweg geleitet, waren ihm wichtigster Maßstab geworden: Nun sollten sie auch das häusliche Ambiente prägen. Dazu war ein weitreichender Um- und Ausbau des bestehenden Komplexes nötig, mit dem Humboldt den seit römischen Tagen geschätzten und geförderten Karl Friedrich Schinkel betraute. Den vorhandenen Baubestand erweiterte Schinkel in einem architektonischen Bravourstück um eine viertürmige klassizistische Fassade und schuf einen Innenraum, der dann in stilvoller Weise mit den von Wilhelm und Caroline im Laufe der Jahrzehnte getätigten Erwerbungen an Marmorplastiken und Gipsabgüssen ausgestattet werden konnte. So entstand hier nicht nur eine einzigartige Wohnanlage, sondern zugleich ein erstes preußisches Antikenmuseum. Das kongeniale Zusammenwirken Humboldts und Schinkels, das bei dieser Gelegenheit deutlich wurde – die Einweihung des Umbaus fand im Oktober 1824 in Anwesenheit des preußischen Kronprinzenpaares und anderer illustrer Gäste statt – sollte wenige Jahre später bei der Entstehung des Alten Museums am Lustgarten – Baumeister: Schinkel, Objektausstattung: Wilhelm von Humboldt - erneut zum Tragen kommen. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des 1825 gegründeten Vereins der Kunstfreunde, der die Förderung von Kunst und Künstlern betrieb, war Humboldt mit seiner umfassenden Kenntnis der alten Welt auch bei der Einrichtung des Alten Museums zweifellos höchst nützlich. Und so erfreute er sich im Zuge der Museumseröffnung 1830 auch von Seiten des Königs neuerlich großer Wertschätzung sowie ehrender Auszeichnungen und war gebeten, fortan wieder an den Sitzungen des Staatsrats teilzunehmen. Dass dabei an ernsthaftes politisches Engagement nicht mehr gedacht war, lag auf der Hand, und Humboldt hat seinen Ehrensitz dann auch nur noch zurückhaltend wahrgenommen. 1829 setzte nach dem Tod Carolines, die ihn in allen Lebenslagen ermutigt und gestärkt hatte, ein beschleunigter Alterungsprozess ein, begleitet von den Symptomen der Parkinson-Krankheit. Doch allabendlich diktierte der verwitwete Humboldt, der auch ansonsten in seinem Tegeler Domizil an einem klar gegliederten Tagesablauf festhielt, quasi aus dem Stegreif ein Sonnett. Das vom 26.12.1834 enthält die Zeilen: Ich lieb‘ euch, meiner Wohnung stille Mauerrn,/ und habe euch mit Liebe aufgebauet;/ wenn man des Wohners Sinn im Hause schauet,/ wird lang nach mir in euch noch meiner dauern. Seine Nachkommen haben - über alle geschichtlichen Wechsellagen des 19. Und 20. Jahrhunderts hinweg - mit einer Konsequenz, die aller Ehren wert ist, an der Einlösung dieser Vision mitgewirkt und die von Humboldt angelegte Doppelnutzung von Schloss Tegel als Familienwohnsitz einerseits und interessierten Besuchern in Teilen zugängliches Museum andererseits bis in die Gegenwart fortgeführt. Es steht zu hoffen, dass nach den laufenden Restaurierungsarbeiten diese noble Tradition in Schloss und Park fortlebt. Dann behielte auch Fontanes Dictum in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ für jedermann sichtbar seine Gültigkeit: „Das berühmte Brüderpaar, das diesem Flecken märkischen Sandes auf Jahrhunderte hin eine Bedeutung leihen und es zur Pilgerstätte für Tausende machen sollte, ruht dort gemeinschaftlich zu Füßen einer granitenen Säule, von deren Höhe die Gestalt der ‚Hoffnung‘ auf die Gräber beider herniederblickt.“

Begründer der vergleichenden Sprachforschung und –wissenschaft

Den geistigen Hauptinhalt, der Humboldt während der ihm bleibenden eineinhalb Jahrzehnte in seinem Tegeler Reich beschäftigte, bildeten seine Sprachstudien. Das Material dafür hatte er auf seinen Reisen teils selbst gesammelt, teils in seiner unglaublich ausgedehnten Briefkorrespondenz erschlossen, teils auch aus dem Fundus von Alexanders Forschungsreisen bezogen. Seit 1827 war der Bruder wieder in Berlin und häufig zu Besuch in Tegel. Brieflich urteilte er nach dem Tode Wilhelms, den er mehr als zwei Jahrzehnte überleben sollte: „Er hat neben sich entstehen sehen und mächtig gefördert eine neue allgemeine Sprachwissenschaft, ein Zurückführen des Mannigfaltigen im Sprachbau auf Typen, die in geistigen Anlagen der Menschheit gegründet sind: Den ganzen Erdkreis in dieser Mannigfaltigkeit umfassend, jede Sprache in ihrer Struktur ergründend, als wäre sie der einzige Gegenstand seiner Forschungen gewesen, (...) war der Verewigte nicht nur unter seinen Zeitgenossen derjenige, welcher die meisten Sprachen grammatikalisch studiert hatte; er war auch der, welcher den Zusammenhang aller Sprachformen und ihren Einfluss auf die geistige Bildung der Menschheit am tiefsten und sinnigsten ergründete.“ Neben den o.a. schon in jungen Jahren erlernten Fremdsprachen erstreckte sich die Sprachbeherrschung Wilhelm von Humboldts auf Englisch, Italienisch, Spanisch, Baskisch, Ungarisch, Tschechisch, Litauisch; seine wissenschaftlichen Untersuchungen galten den Eingeborenensprachen Amerikas, dem Koptischen, dem Altägyptischen, dem Chinesischen, dem Japanischen und dem indischen Sanskrit. Quell dieses umfassenden sprachlichen Forschungsdrangs war Humboldts Menschenbild, in dem Sprache die Schlüsselrolle schlechthin inne hatte: “Denn da das menschliche Gemüt die Wiege, Heimat und Wohnung der Sprache ist, so gehen unvermerkt, und ihm selbst verborgen, alle ihre Eigenschaften auf dasselbe über.“ In einer Abhandlung über den Nationalcharakter der Sprachen heißt es u.a.: “Insofern aber die Sprache, indem sie bezeichnet, eigentlich schafft, dem unbestimmten Denken ein Gepräge verleiht, dringt der Geist, durch das Wirken mehrerer unterstützt, auch auf neuen Wegen in das Wesen der Dinge selbst ein. (...) Einige Nationen begnügen sich gleichsam mehr an dem Gemälde, das ihre Sprache ihnen von der Welt entwirft, und suchen nur in sie mehr Licht, Zusammenhang und Ebenmaß zu bringen. Andre graben sich gleichsam mühseliger in den Gedanken ein, glauben nie genug in den Ausdruck legen zu können, ihn anpassend zu machen, und vernachlässigen darüber das in sich Vollendete der Form. Die Sprachen beider tragen dann das Gepräge davon an sich.“ Zwischenmenschliches Verstehen in entwickelter Form setzt eine gemeinsame Sprache voraus; und das ist nach Humboldt Triebfeder und Medium auch des wissenschaftlichen Fortschritts: „Denn das Verstehen ist kein Zusammentreffen der Vorstellungsweisen in einem unteilbaren Punkt, sondern ein Zusammentreffen von Gedankensphären, von welchen der allgemeine Teil sich deckt, der individuelle überragt. Dadurch wird das geistige Fortschreiten des Menschengeschlechts möglich, indem jede gewonnene Erweiterung des Denkens in den Besitz anderer übergehen kann, ohne in ihnen der Freiheit Fesseln anzulegen, welche zur Aneignung und zu neuer Erweiterung notwendig ist.“ Ein in diesem Sinne besonders fruchtbares Zusammentreffen von Gedankensphären hat das Tegeler Brüderpaar miteinander erlebt – und die Nachwelt davon profitieren lassen. Es lag nahe, dass Wilhelm in Ausübung seiner politischen Ämter derjenige von beiden Brüdern war, der mehr preußischen Patriotismus entwickelt und diesen bei dem lange Zeit im damaligen Forschungsmekka Paris weilenden Alexander gelegentlich vermisst hat. Doch im Grunde ging beiden jegliche vaterländische Borniertheit ab, und bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit einte sie ihr kosmopolitischer Ansatz. So wird man Scurla folgen können, der in den nachstehenden Sätzen Wilhelm von Humboldts, auf die Alexander im „Kosmos“ ausdrücklich verwiesen hat, ein gemeinsames Vermächtnis der Humboldt-Brüder sah: „Wenn wir eine Idee bezeichnen wollen, die durch die ganze Geschichte hindurch in immer mehr erweiterter Geltung sichtbar ist; wenn irgendeine die vielfach bestrittene, aber noch vielfacher missverstandene Vervollkommnung des ganzen Geschlechtes beweist: so ist es die Idee der Menschheit, das Bestreben, die Grenzen, welche Vorurteile und einseitige Ansichten aller Art feindselig zwischen die Menschen gestellt, aufzuheben; und die gesamte Menschheit ohne Rücksicht auf Religion, Nation und Farbe als einen großen, nahe verbrüderten Stamm, als ein zur Erreichung eines Zweckes, der freien Entwicklung innerer Kraft, bestehendes Ganzes zu behandeln. Es ist dies das letzte, äußere Ziel der Geselligkeit und zugleich die durch seine Natur selbst in ihn gelegte Richtung des Menschen auf unbestimmte Erweiterung seines Daseins.“

Schriften


- Sokrates und Platon über die Gottheit (1787-1790)
- Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen (1791)
- Über den Geschlechtsunterschied (1794)
- Über männliche und weibliche Form (1795)
- Plan einer vergleichenden Anthropologie (1797)
- Das achtzehnte Jahrhundert (1797)
- Ästhetische Versuche I. - Über Goethe's Hermann und Dorothea (1799)
- Latium und Hellas (1806)
- Geschichte des Verfalls und Untergangs der griechischen Freistaaten (1807-1808)
- Pindars "Olympische Oden" (Übersetzung aus dem Griechischen) (1816)
- Aischylos' "Agamemnon" (Übersetzung aus dem Griechischen) (1816)
- Über das vergleichende Sprachstudium in Beziehung auf die verschiedenen Epochen der Sprachentwicklung (1820)
- Über die Aufgabe des Geschichtsschreibers (1821)
- Über die Entstehung der grammatischen Formen und ihren Einfluss auf die Ideenentwicklung (1822)
- Über die Buchstabenschrift und ihren Zusammenhang mit dem Sprachbau (1824)
- Bhagavad-Gitá (1826)
- Über den Dualis (1827)
- Über die Sprache der Südseeinseln (1828)
- Über Schiller und den Gang seiner Geistesentwicklung (1830)
- Rezension von Goethes Zweitem römischem Aufenthalt (1830)
- Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und seinen Einfluss auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts (1836) Werkausgaben:
- Gesammelte Schriften. Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, hrsg. von Albert Leitzmann, Berlin 1903-1936, Nachdruck 1968
- Werke in fünf Bänden. Studienausgabe, Darmstadt 2002 Einzelausgaben:
- "Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts", Paderborn 1998 (mit ausführlicher Einleitung)
- "Über die Sprache. Reden vor der Akademie", Tübingen 1994
- "Bildung und Sprache", 5. durchges. Auflage Paderborn 1997
- "Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen", Stuttgart 1986

Literatur zur Einführung


- Peter Berglar: Wilhelm von Humboldt. Reinbek: Rowohlt 1970.
- Tilman Borsche: Wilhelm von Humboldt. - München: Beck, 1990. - (Große Denker; 519) - ISBN 3-406-33218-8
- Siegfried August Kaehler: Wilhelm von Humboldt und der Staat. München-Berlin 1927
- Eberhard Kessel: Wilhelm von Humboldt. Idee und Wirklichkeit. Stuttgart 1967.
- Paul Ortwin Rave: Wilhelm von Humboldt und das Schloß zu Tegel. Berlin 19562
- Herbert Scurla: Wilhelm von Humboldt : Werden und Wirken. - Düsseldorf: Claassen, 1976. - ISBN 3-546-48255-7
- Jürgen Trabant: Apeliotes oder Der Sinn der Sprache : Wilhelm von Humboldts Sprach-Bild. - München: Fink, 1986. - (Supplemente; 8) - ISBN 3-7705-2381-4

Weblinks


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- Humboldt, Wilhelm von Humboldt, Wilhelm von Humboldt, Wilhelm von Kategorie:Preußischer Staatsrat Humboldt, Wilhelm von Humboldt, Wilhelm von Humboldt, Wilhelm von Humboldt, Wilhelm von Humboldt, Wilhelm von ja:ヴィルヘルム・フォン・フンボルト ko:빌헬름 폰 훔볼트

Caroline von Humboldt

Caroline von Humboldt (
- 23. Februar 1766 in Minden, † 26. März 1829 in Berlin) Tochter des preußischen Kammerpräsidenten Karl Friedrich von Dacheröden. Sie heiratete 1791 Wilhelm von Humboldt.

Weblinks


- Humboldt, Caroline von

Humboldthain

im Volkspark Humboldthain]] Der Volkspark Humboldthain liegt in Berlins Ortsteil Wedding. Er wird im Osten von der Brunnenstraße, im Süden von der Gustav-Meyer-Allee, im Westen von der Hussitenstraße und im Norden von der Hochstraße und der dazu parallel führenden S-Bahn begrenzt. Der Bau des Volksparks begann am 14. September 1869, dem 100. Geburtstag von Alexander von Humboldt, und wurde 1876 fertig gestellt. 1941/1942 wurden in dem Park zwei, gegen Kriegsende schwer umkämpfte, verbunkerte Flaktürme errichtet. Der südliche Turm, der sogenannte Leitturm, wurde nach dem Krieg fast komplett mit Trümmerschutt überdeckt und dient im Winter als Rodelbahn, der nördliche Gefechstturm wurde teilweise gespengt und dann angeschüttet, er dient heute als Aussichtsplattform. Hier steht auch eine Aluminiumskulptur aus dem Jahre 1967 des Künstlers Arnold Schatz (aus Senne) als "Denkmal für die Deutsche Wiedervereinigung". Die ehemals auf dem Gelände liegende Himmelfahrtskirche an der Brunnenstraße wurde nach Kriegsende gesprengt. An ihrer Stelle befindet sich heute ein sehenswerter Rosengarten. Durch den "Berliner Unterwelten e.V." werden Teile des Bunkers für Besucher frei geräumt und zugänglich gemacht. In den Wintermonaten halten sich Fledermäuse in den Räumlichkeiten auf, in den übrigen Monaten werden Besucherführungen angeboten.

Daten zum Humboldthain


- Größe: 29 ha
- Freizeitangebote: Spazierwege, Liegewiesen, vielfältige Spielmöglichkeiten vor allem für Kinder, Naturerlebnis
- Sonderanlagen: Rosengarten, Freibad, Rodelhang, Wassergarten, Aussichtsplattform, pädagogisch betreuter Spielplatz
- Besonderheit: Hunde und Fahrräder dürfen nicht in den Rosengarten mitgebracht werden
- Rechtsstatus: Gewidmete öffentliche Grün- und Erholungsanlage
- Entstehungszeit: 1869–1876; Wiederaufbau 19481951
- Landschaftsarchitekt: Gustav Meyer, Günther Rieck (Neugestaltung 1948–1951)
- Verkehrsverbindungen: S-Bahn ([http://www.s-bahn-berlin.de/fahrplanundnetz/sbahnhof_anzeige.php?ID=82 Station]), U-Bahn, verschiedene Buslinien

Weblinks


- [http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/gruenanlagen/de/gruenanlagen_plaetze/volkspark_humboldthain/index.shtml Volkspark Humboldthain in Internet]
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/12/0,1872,2303532,00.html www.zdf.de: Bericht Abstieg in dunkle "Unterwelten"]
- Berliner Unterwelten e.V.: [http://www.berliner-unterwelten.de/012/b/dat_geschichte/content.htm Geschichte der Berliner Flaktürme] und [http://www.berliner-unterwelten.de/012/b/dat_expeditionen/humboldthain/content.htm Expedition in den Flakturm Humboldthain] Kategorie:Parkanlage in Berlin

Humboldtstrom

Der Humboldtstrom ist eine kalte Meeresströmung an der Westküste Südamerikas, benannt nach dem deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt. Er fließt von der Antarktis parallel zu den Anden nach Norden. Die niedrigen Temperaturen der antarktischen Ursprungsgewässer führen dazu, dass die durchschnittliche Wassertemperatur an der Westküste Südamerikas um 7-8°C niedriger liegt als die Temperatur im freien Ozean auf gleicher geografischer Breite. Durch das kalte Meerwasser kühlt auch die Luft ab. Den Küstenbereich des Humboldtstroms bilden deshalb niederschlagsarme Wüstengebiete, wie zum Beispiel die Atacama Wüste in Chile. Mit dem Auftreten von El Niño schwächt sich der kalte Humboldtstrom ab und kommt zum Erliegen.

Siehe auch


- Globales Förderband Kategorie:Meeresströmung ja:ペルー海流

Humboldt-Pinguin

Die Humboldt-Pinguine (Sphenisus humboldti) sind eine Art in der Gattung der Brillenpinguine (Spheniscus). Sie gehören wie ihr Name bereits aussagt zur Familie der Pinguine (Spheniscidae) und wurden nach Alexander von Humboldt benannt, der die Tiere als erstes westlichen Beobachtern beschrieb. In Peru und Chile sind die Humboldt-Pinguine beheimatet. Sie werden ca. 60 cm groß und sind vom Aussterben bedroht.

Weitere Bilder

Bild:Hum.jpg|Humboldt-Pinguin, schwimmend Bild:Humboldtpinguin.jpg|Humboldt-Pinguin (Spheniscus humboldti)

Weblinks


- [http://www.tierlexikon.ch/12696_humboldtpinguin.html Humboldt Pinguin auf Tierlexikon.ch] Kategorie:Pinguine ja:フンボルトペンギン

Fledermäuse

Die Fledermäuse (Microchiroptera) sind eine Säugetiergruppe, die zusammen mit den Flughunden (Megachiroptera) die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera) bilden. Zu dieser Ordnung gehören die einzigen Säugetiere und neben den Vögeln die einzigen Wirbeltiere, die aktiv fliegen können. Weltweit gibt es rund 900 Fledermausarten.

Verbreitung

Fledermäuse sind nahezu weltweit verbreitet, sie kommen auf allen Kontinenten der Erde mit Ausnahme der Antarktis vor. Auch in anderen arktischen Regionen sowie auf entlegenen Inseln fehlen sie. Auf manchen Inseln (zum Beispiel Neuseeland) waren sie dagegen bis zur Ankunft des Menschen die einzigen Säugetiere. In Europa sind etwa 40 Arten verbreitet, davon knapp 30 auch in Mitteleuropa. Eine Liste findet sich im Abschnitt Systematik.

Merkmale

Systematik

Körperbau

Auffälligstes Merkmal der Fledermäuse ist, wie bei den Flughunden, die Flugmembran, die sie zum aktiven Fliegen befähigt. Die Flugmembran besteht aus zwei Hautschichten und erstreckt sich von den Handgelenken bis zu den Fußgelenken. Weitere Membranen erstrecken sich von den Handgelenken zu den Schultern und zwischen den Beinen. Letztere wird Uropatagium (Schwanzflughaut) genannt, sie bindet den Schwanz – sofern vorhanden – mit ein und dient oft zum Einkeschern der Beute. Der Daumen ist kurz (bei den Stummeldaumen (Furipteridae) fehlt er) und trägt eine Kralle, die vier übrigen Finger sind stark verlängert und spannen die Flughaut. Im Gegensatz zu den meisten Flughundarten fehlt bei den Fledermäusen die Kralle am zweiten Finger. Ein Dorn am Fußgelenk, Calcar genannt, dient zum Aufspannen der Schwanzflughaut. Die Hinterbeine der Fledermäuse sind im Gegensatz zu den meisten anderen Säugetieren nach hinten gerichtet, sie enden in fünf bekrallten Zehen. Fledermäuse besitzen ein dichtes, oft seidiges Fell, das meistens grau bis braun oder schwärzlich gefärbt ist. Es gibt aber auch weiße und gemusterte Arten. Fledermäuse sind im Durchschnitt etwas kleiner als Flughunde. Als größte Fledermausart gilt die Australische Gespenstfledermaus (Macroderma gigas), die eine Kopfrumpflänge von 14 Zentimetern, eine Spannweite von 60 Zentimetern und ein Gewicht von 200 Gramm erreichen kann. Die kleinste Fledermaus und wohl auch das kleinste Säugetier überhaupt ist die Schweinsnasenfledermaus (C