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Husum

Husum

Husum (friesisch Hüsem) – bekannt als graue Stadt am Meer (Theodor Storm) – ist die Kreisstadt des Kreises Nordfrieslands in Schleswig-Holstein.

Geographie

Geographische Lage

Husum liegt an der Nordsee am Rande der Geest, 72 km westlich von Kiel, 119 km nordwestlich von Hamburg und 43 km südwestlich von Flensburg.

Stadtgliederung

Einige Stadtteile Husums:
- Zentrum
- Osterhusum
- Altstadt
- Marmeladenviertel (Neubaugebiet)
- Norderschlag (Neubaugebiet)
- Dreimühlen
- Rödemis (ein ehemaliges Dorf im Süden der Stadt)
- Fischersiedlung
- Neustadt
- Gewerbegebiet
- Dockkoog

Geschichte

Die erste Erwähnung in den Chroniken datiert aus dem Jahr 1252. Damals gab es eine Schlacht zwischen friesischen (Friesen) Stämmen und dem dänischen König Abel, es ging natürlich ums liebe Geld. Starrköpfige Friesen wollten keine höheren Steuern zahlen. Abel zog daraufhin zu Felde und erlag der selbst am Mildedamm bei "Husembro" (Husumbrücke). Ein gutes Jahrhundert später ereignete sich ein schreckliches Unglück, das Husum aber später viele Vorteile brachte. 1362 überspülte die "Große Mandränke
- ", eine der gewaltigsten Sturmfluten der Geschichte, weite Teile der Küste. Das Land wurde zerrissen, Inseln versanken, Landstriche wurden dauerhaft unter Wasser gesetzt und Husum wurde über Nacht zur Hafenstadt gemacht. Die Husumer nutzen die traurige Gunst der Stunde und richteten einen Marktplatz ein. Nun konnten auch Waren direkt aus weit entfernten Orten auf dem Schiffswege angeliefert werden und es entwickelte sich schon bald ein blühender Markt. 1448 war man dann so selbstbewusst, sich von vorgesetzter Stunde, dem Kirchspiel Mildstedt zu lösen. (Mit der Einweihung der ersten Kirche 1507 war die Loslösung dann komplett). In jenen Jahren wuchs Husum auf gut 3000 Einwohner und entwickelte sich zum wichtigsten Hafen- und Marktplatz Nordfrieslands. 1472 kam dann der Rückschlag. Die Husumer wollten endlich Stadtrechte erlangen und beteiligten sich an dem Aufstand gegen den dänischen König Christian I.. Aber, oh weh, die Erhebung schlug fehl und das Imperium grausam zurück. Mit den Stadtrechten wurde es dann erstmal nichts, die Anführer wurden exekutiert und eine große Strafsteuer verhängt. Manche Familien sollen noch 400 Jahre daran geknabbert haben. 1603 Erhielt Husum dann doch die Stadtrechte. Der ab 1544 im Norden regierende Herzog Adolf sorgte für einige Neuerungen. So gab er 1577 den Anstoß, ein Schloss zu bauen, an dem noch viele Jahre gewerkelt wurde. In den letzten Jahren wurde es umfassend saniert und dient heute kulturellen Zwecken. 1634 zerschlug dann eine "Zweite Große Mandränke
- " die Küste. Husum wurde selbst nicht sehr stark betroffen, aber viele Bauern aus der Umgebung, die regelmäßig zum Markt gekommen waren, verloren Hab und Gut, viele auch ihr Leben. Der wirtschaftliche Höhenflug war damit erst einmal beendet. Erst als Husum 1867 mitsamt den Herzogtümern Schleswig und Holstein in den Preußischen Staat (Preußen], die) überging, kam wieder Schwung in die Entwicklung. Dies zeigte sich insbesondere an einer Eisenbahnverbindung, durch deren wirtschaftliche Einflussnahme u. a. einer der größten Viehmärkte Nordeuropas entstand. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft führte dazu, dass 1970 der Viehmarkt zum letzten Mal stattfand.
- Mandränke: Plattdeutsch; wörtl. "Manntränke"; Salopp übersetzt: das "Männer-Ersäufen"

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen


- Das [http://www.storm-gesellschaft.de/ Theodor-Storm-Haus] (Wasserreihe 31) ist ein Museum über Theodor Storm.
- Im Nordfriesischen Museum [http://www.nissenhaus.de/ Ludwig-Nissen-Haus] (Herzog-Adolf-Str. 25) werden kunst- und kulturgeschichtliche Themen vorgestellt.
- Das
Schloss vor Husum kann in der König-Friedrich-V.-Allee besichtigt werden. Im Frühjahr ist die Krokusblüte im Schlosspark eine weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Attraktion.
- Ein [http://www.schiffahrtsmuseum-nf.de/ Schifffahrtsmuseum] (Am Zingel 15) gibt es ebenfalls.
- Das
Ostenfelder Bauernhaus (Nordhusumer Str.13) ist das älteste deutsche Freilichtmuseum.
- Im
Poppenspäler Museum (Erichsenweg 23) wird das Puppentheater thematisiert.

Sehenswürdigkeiten


- Krokusblüte: Im Frühjahr lassen Millionen von Krokusse den Schlosspark vollkommen violett erblühen
- Die Kirche St. Marien am Marktplatz, vollendet 1833 nach einem Entwurf des Architekten Christian Frederik C. F. Hansen
- Marktplatz mit dem von Adolf Brütt gestalteten Tine-Brunnen (Wahrzeichen Husums)
- Der Binnenhafen (Schiffbrücke) reicht fast bis an den Marktplatz heran.
- Die Gasse Wassereihe in der Nähe des Hafens mit seinen kleinen Fischerhäusern und dem Theodor-Storm-Haus

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehrsanbindung

Husum liegt an drei Bundesstraßen. Dies sind die B200 nach Flensburg, die B201 nach Schleswig und zur A 7 (Flensburg - Hamburg) sowie die B5 von der dänischen Grenze nach Heide und von dort über die A23 nach Hamburg. Husum ist Eisenbahnknotenpunkt. Der Bahnhof verbindet die IC-Strecke Westerland-Hamburg mit den Strecken nach Sankt Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt und der Bahnstrecke nach Kiel. Husum hat einen tideabhängigen Landeshafen, der für den Umschlag von landwirtschaftlichen Gütern von hoher Bedeutung ist. Es ist geplant, den Hafen zu einem Stützpunkt für den Bau und die Wartung von Offshore-Windparks auszubauen. Diese Pläne sind umstritten. Über den zivil genutzten Teil des ehemaligen NATO-Flugplatzes ist Husum auch aus der Luft zu erreichen (s. u.).

Wirtschaft

Husum ist als Kreisstadt das wirtschaftliche Zentrum Nordfriesland. Husum ist Mittelzentrum für die Westküste Schleswig-Holsteins mit entsprechenden Bildungs- und Verwaltungseinrichtungen. Im historischem Stadtzentrum mit Marktplatz und Marienkirche sowie im Gewerbegebiet ist der Handel- und Dienstleistungssektor vorherrschend. Auf dem Marktplatz findet jeden Donnerstag einer der größten Wochenmärkte Schleswig-Holsteins statt. Zwei Hersteller von Windkraftanlagen haben große Produktionsstandorte in Husum aufgebaut (Hafen und Gewerbegebiet). Weiterhin sind im Gewerbegebiet einige Stahl- und Maschinenbaubetriebe angesiedelt. Der Hafen hat eine überregionale Bedeutung als Umschlagsplatz für landwirtschaftliche Güter. Zwei Betriebe des Landhandels haben entsprechende Umschlags- und Lageranlagen am tideabhängigen Hafen. Der Hafen ist darüber hinaus auch Standort einer kleinen Krabbenkutterflotte. Das Amt für ländliche Räume (ALR) nutzt den Hafen als Stützpunkt für den Küstenschutz.

Tourismus

Der Tourismus ist ein weiterer wichtiger Wirtschafsfaktor. Husum wird auch "Das Tor zu Halligwelt" genannt. Am Dockkoog grenzt Husum an den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Husum bietet Unterkünfte in allen Kategorien, hat einen Campingplatz und eine Jugendherberge. Am Dockkoog gibt es einen Badestrand (kein Sand, sondern grüner Deich), außerdem im Stadtgebiet ein Hallenbad. Im August feiert Husum mit den Hafentagen das größte Stadtfest an der Schleswig-Holsteinischen Westküste.

Bundeswehrstandort Husum

Seit alters her ist die Stadt Husum auch Standort verschiedenster militärischer Einrichtungen und Einheiten. Auch heutzutage befinden sich im Husumer Stadtgebiet drei Kasernen: die Fliegerhorstkaserne an der Flensburger Chaussee (Sitz des Standortältesten), die Julius-Leber-Kaserne an der Matthias-Claudius-Straße und die Kaserne der Standortverwaltung an der Industriestraße. Zusätzlich befindet sich der ehemalige militärische Flugplatz auf dem Gelände der Gemeinden Schwesing und Immenstedt in der Nähe der "grauen Stadt am Meer". Heute wird diese Liegenschaft zum einen von der Flugabwehrraketengruppe 26 als Friedensausbildungsstellung (FAST), zum anderen werden ein Teil der Start- und Landebahn sowie einige Gebäude von der Husumer Flughafen GmbH zivil genutzt. Als weitere, von der Bundeswehr genutzte Liegenschaften sind noch der Standortübungsplatz Schauendahl sowie die Standortschießanlage in Olderup zu nennen. Derzeit (2005) beherbergt der Standort Husum ca. 1600 Soldaten und bietet auch entsprechend vielen zivilen Mitarbeitern Arbeitsplätze und sichert diese auch für einen nennenswerten Anteil der ortsansässigen Firmen. Auch ist sowohl in der Julius-Leber-Kaserne als auch in der FAST Schwesing die zur Flugabwehrraketengruppe 26 gehörende Ausbildungswerkstatt der Luftwaffe mit 128 Auszubildenden beheimatet. Hier erlernen junge Damen und Herren aus dem Einzugsgebiet Husums, aber auch aus ganz Schleswig-Holstein und dem gesamten Norddeutschen Raum die Berufe des Fluggerätemechanikers und den des Elektronikers für Gerät und Systeme. (Interessenten können ihre Bewerbungen an die Standortverwaltung Husum, Industriestraße 15, 25813 Husum senden.) Soldaten des Flugabwehrraketengeschwaders 1 "Schleswig-Holstein" geben (ehrenamtlich) mit dem TINCHEN (www.tinchen-husum.de) die älteste monatlich erscheinende Truppenzeitschrift (derzeit im Jahre 2005 mit dem 32. Jahrgang) ihrer Art heraus.

Öffentliche Einrichtungen

Husum ist Sitz eines der drei schleswig-holsteinischen Ämter für ländliche Räume und Sitz der Kreisverwaltung des Kreises Nordfriesland. Ein Amtsgericht ist ebenfalls vorhanden, ebenso eine auswärtige Kammer des Arbeitsgerichts Flensburg. Zudem betreibt der Bundesnachrichtendienst (BND) unter dem Tarnnamen Bundesstelle für Fernmeldestatistik eine Abhöreinrichtung für den Nachrichtenverkehr.

Bibliotheken


- Zentralbücherei Westküste Husum, Herzog-Adolf-Str. 5 www.buecherei-husum.de
- Dänische Bibliothek, Neustadt 81 (Außenstelle der Dänischen Zentralbibliothek für Südschleswig)

Bildung


- Gymnasien:
  - Hermann-Tast-Schule] (vormals "Husumer Gelehrtenschule), humanistisches Gymnasium seit 1527, eine der ältesten Schulen des Landes.
Siehe [http://www.hermann-tast-schule.de]
  - Theodor-Storm-Schule
- Realschulen:
  - Realschule Husum-Nord
  - Ferdinand-Tönnies-Schule,
siehe [http://www.fts-husum.de]
- Hauptschule:
  - Rektor-Simonsen-Schule
- Grundschulen:
  - Iven-Agßen-Schule
  - Bürgerschule
  - Klaus-Groth-Schule
- Sonderschulen:
  - Pestalozzi-Schule (für Lernbehinderte)
  - Rungholt-Schule (für geistig Behinderte)
- Berufliche Schulen:
  - Berufliche Schulen des Kreises Nordfriesland (mit Fachgymnasium),
siehe [http://www.bs-husum.de]
- Wirtschaftsakademie
- Sonstige:
  - Husum Danske Skole, Dänische Schule
  - TSBW (Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk),
siehe [http://www.tsbw.de]

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt


- Hermann Tast (
- 1490 in Husum; † 11. Mai 1551 in Husum), Reformator
- Franziska Gräfin zu Reventlow (
- 18. Mai 1871; † 25. Juli 1918 in Muralto (Tessin/Schweiz)), deutsche Malerin und Schriftstellerin
- Theodor Storm (
- 14. September 1817; † 4. Juli 1888 in Hademarschen/Holstein), der in vielen seiner Werke seine Heimatstadt beschrieb. Wer das Schloss besucht, passiert sein Denkmal.
- Uwe Röhl (1925-2005), Organist und Kirchenmusiker
- Hans Hartz (
- 22. Oktober 1943 - † 30. November 2002), deutscher Musiker und Liedermacher
- Wiebke Puls (
- 1973 in Husum) Schauspielerin, Sängerin

Mit Husum verbunden


- Der Barockkomponist Nicolaus Bruhns (1665-1697) ist als Husumer Organist bekannt geworden.
- Adolf Brütt (1855-1939), Bildhauer. Er verbrachte die ersten Jahre seines Lebens hier und schuf von Berlin aus für seine Heimatstadt das Theodor Storm-Denkmal (1898) und den zum Wahrzeichen Husums gewordenen Asmussen-Woldsen-Brunnen (1902). Seinen Nachlass bewahrt das Ludwig-Nissen-Haus in Husum, das ein anderer Sohn der Stadt stiftete.
- Ferdinand Tönnies (1855-1936), der Begründer der deutschen Soziologie, legte an der Hermann-Tast-Schule sein Abitur ab. Damals wohnte die Familie im "Kavaliershäuschen" des Schlosses; nahe findet sich auch sein Denkmal.

Weblinks


- [http://www.husum.org/ www.husum.org] offizielle Website der Stadt Husum
- [http://www.husumhus.de/ www.husumhus.de] Webseite des dän. Kulturvereins SSF in Husum
- [http://www.husum-online.de/ www.husum-online.de] Aktuelles Magazin für Husum Kategorie:Ort in Schleswig-Holstein Kategorie:Ort in Südschleswig Kategorie:Nordfriesland

Friesische Sprache

Friesisch (westfriesisch Frysk, nordfriesisch Friisk oder frasch, saterfriesisch Fräisk) gehört zum anglo-friesischen Zweig der westgermanischen Sprachen. Friesisch ist entlang der deutsch-niederländischen Nordseeküste verbreitet und wird heute noch von etwa 400.000 Menschen gesprochen. Die meisten Sprecher hat das Friesische heute in den Niederlanden. Die ersten schriftlichen Zeugnisse stammen aus dem 13. Jahrhundert bis 15. Jahrhundert. Diese Phase des Friesischen wird als Altfriesisch bezeichnet – zeitlich steht also Altfriesisch zusammen mit Mittelniederdeutsch und Mittelhochdeutsch. Das moderne Friesisch entstand im Laufe des 15. Jahrhunderts und zerfällt nunmehr in drei Dialektgruppen, die sich stark von einander absetzen. Praktisch handelt es sich hier um unterschiedliche Sprachen:
- Nordfriesisch :Nordfriesisch wird noch in großen Teilen Nordfrieslands in Schleswig-Holstein gesprochen. Dies betrifft die Inseln Amrum, Föhr, Sylt, Helgoland, die Halligen wie einige Harden des nordfriesischen Festlands. Von etwa 164.000 Nordfriesen sprechen noch 10.000 Friesisch. Es gibt 9 Insel- und Küstendialekte. Einige von diesen Dialekten sind vom Aussterben bedroht. im dänischen Teil Nordfrieslands ist die Sprache kaum noch vorhanden. Mit Annahme des Friisk Gesäts 2004 hat die Sprache in Nordfriesland und Helgoland den Status einer Amtssprache.
- Ostfriesisch :
- Saterfriesisch ::Saterfriesisch wird in der Gemeinde Saterland im Landkreis Cloppenburg von etwa 1.000 bis 2.500 Sprechern gesprochen. :
- In Ostfriesland selbst ist die Friesische Sprache gänzlich ausgestorben. Zuletzt wurde Ostfriesisch noch auf Wangerooge gesprochen (Wangerooger Friesisch), bis es in den 50er Jahren auch dort v. a. durch die Niedersächsische und in geringerem Maße auch die Hochdeutsche Sprache verdrängt wurde.
- Westfriesisch (auch Westerlauwerssches Friesisch) :Das Westfriesische wird in der niederländischen Provinz Friesland (Fryslân) bei Leeuwarden von ca. 440.000 Menschen gesprochen, von denen etwa 350.000 es als Muttersprache sprechen. :Die oft als Stadtfriesisch bezeichneten Mundarten der friesischen Städte gehören nicht zum Friesischen, sondern wurden im 15. Jahrhundert von friesischen Kaufleuten aus der Provinz Holland übernommen. Durch schweren Einfluss der friesischen Grammatik und Syntaxis kann man die Dialekten aber auch nicht eindeutig als Holländisch bezeichnen: sie formen innerhalb der niederländischen Sprache eine Sondergruppe und werden bisweilen sogar als Sondersprache bezeichnet. niederländischen Sprache

Siehe auch


- Friesland
- Friesen
- Farsk

Weblinks


- [http://fy.wikipedia.org/ Friesische Wikipedia]
- [http://www.nordfriiskinstituut.de/ Nordfriesisches Institut]
- [http://www.ferring-stiftung.org/ Fering-Stiftung]
- [http://www.omropfryslan.nl/ Westfriesisches Radio]
- [http://www.nfradio.de/ Nordfriesisches Radio] Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Friesland ja:フリジア語


Theodor Storm

Hans Theodor Woldsen Storm (
- 14. September 1817 in Husum; † 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen) war ein deutscher Schriftsteller, bedeutend in Prosa und Lyrik. Lyrik

Leben

Aus einer bäuerlichen Familie stammend, hatte Storms Vater in Heidelberg und Kiel Jura studiert und sich in der ehedem nicht unbedeutenden Hafenstadt Husum als Anwalt dort niedergelassen. Hier schloss er Bekanntschaft mit seiner Frau, Luise, eine Senatorstochter. Theodor Storm selbst wuchs in einer wohlhabenden Familie auf. Mit seinen Eltern hatte er kein enges Verhältnis, dafür verstand er sich umso besser mit seiner Großmutter. Sein Leben verlief ganz nach dem Idealbild eines Jungen aus besserem Hause: Er ging in die Gelehrtenschule, später ins Katharineum in Lübeck und 1837 begann er sein Jura-Studium in Kiel. Während seiner Studiumszeit begann seine Freundschaft mit Ferdinand Röse, sowie Theodor und Tycho Mommsen und seine Liebe zu Bertha von Buchan. Durch Röse erfuhr Storm, dass es lebende deutsche Dichter gäbe. Zu dieser Zeit lernte er Goethes Faust, Heines Buch der Lieder und Eichendorffs Lyrik kennen. Mit Mommsen sprach Storm andauernd über Literatur, und gegen Ende seiner Studienzeit schrieb er mit ihnen Liederbuch dreier Freunde. Dass Storm sich während dieser Zeit der eigenen dichterischen Begabung bewusst wurde, hat noch eine andere Wurzel: Als ein sinnlich starkes Erlebnis beeinflusste ihn seine große Liebe zu der 15-jährigen Bertha von Buchan. Aus dieser Erfahrung heraus entstanden seine ersten Liebesgedichte. 1843 kehrte er nach Husum zurück, eröffnete dort eine Anwaltspraxis und verlobte sich sehr schnell mit seiner 18-jährigen Kusine Constanze Esmarsch und heiratete sie 1846. Kurz nach seiner Hochzeit lernte Storm Dorothea Jensen kennen, mit der er eine Affäre hatte. Er erklärte später, Dorothea sei die erschütterndste Leidenschaft seines Lebens gewesen. 1846 1852 wurde Storms Advokatur durch den dänischen Schleswigminister Friedrich Ferdinand Tillisch geschlossen, und so ging er nach Berlin, wo er eine Stelle im preußischen Justizdienst annahm. Zu dieser Zeit erschien auch seine 1849 geschriebene Novelle Immensee. Sie war es, die ihn als Autor bekannt machte. Er selbst sah sich in erster Linie als Lyriker und dabei blieb er auch in späteren Zeiten. Die Jahre in Berlin waren für Storm sehr schwierig: Abscheu über den preußischen Menschenverbrauch im Staatsmechanismus, berufliche sowie finanzielle Schwierigkeiten machten ihm zu schaffen. Hier konnten auch die Kontakte mit seinem künstlerischen Freundeskreis (Theodor Fontane, von Metzel, Franz Kugler, Eduard Mörike u.a) nicht verhindern, dass sich Storm mehr und mehr isolierte. 1856 wurde er jedoch zum Kreisrichter in Heiligenstadt ernannt. Die nächsten acht Jahre in dieser Provinz waren für ihn die glücklichsten seines Lebens. Es waren für ihn auch die Jahre der inneren Entwicklung und literarischer Konsolidierung. 1863/64 kehrte Storm mit seiner Frau und seinen drei Kindern wieder in seine Heimatstadt zurück. Im darauf folgenden Jahr traf ihn jedoch der Tod seiner Frau Constanze tief. Um dies zu verarbeiten, schrieb er den strophischen Zyklus Tiefe Schatten. Nicht lange nach dem Tod von Constanze erfüllte Storm ihren letzten Wunsch und heiratete die nun 38-jährige Dorothea Jensen. In den nun folgenden Jahren gab es in seinem Leben keine markanten äußeren Ereignisse mehr. Nach 1867 wurde er zum Amtsgerichtsrat ernannt. Gegen 1870 kam der 15-jährige Gymnasiast (und spätere Begründer der Soziologie) Ferdinand Tönnies als Korrekturleser in Storms Haus, dessen Lebensauffassung Storm durchaus beeinflusste, und mit dem er sich späterhin befreundete. 1874 starb Storms Vater, vier Jahre später seine Mutter. 1880 ließ sich Storm in den Ruhestand setzen und zog nach Hanerau-Hademarschen (OT Hademarschen). Während Theodor Storm noch an seinem letzten großen Werk, der Rahmenerzählung Der Schimmelreiter, schrieb, war er bereits von seiner tödlichen Krankheit gezeichnet. Im April des Jahres 1888 erschien das Buch. Am 4. Juli 1888 starb er in Hanerau-Hademarschen an Magenkarzinom. Zehn Jahre später, am 14. September 1898, wurde seine von Adolf Brütt geschaffene Denkmalbüste in Husum enthüllt.

Der Lyriker Theodor Storm in seiner politischen Welt

Einleitung

Der Name Theodor Storm ist im Alltagsbewusstsein der Menschen verbunden mit seiner letzten großen Novelle „Der Schimmelreiter“. Dass er auch ein umfangreiches lyrisches Werk hinterlassen hat, wird sehr oft vergessen. Dass er darüber hinaus auch in einen gesellschaftlich-politischen Kontext eingebunden war, ist vielen Menschen scheinbar unbekannt. Auch, wenn Storm sich selbst als ein „unpolitisches Thier“1 bezeichnete, nahm er doch regen Anteil an den politischen Fragen seiner Zeit. Im Folgenden soll ein Überblick gegeben werden über Theodor Storms lyrisches Schaffen vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung in seiner Heimat Schleswig-Holstein. Dazu wird zuerst ein kurzer Abriss der Geschichte dieser Herzogtümer vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis etwa 1853 gegeben. Daraufhin wird das Leben Storms bis etwa zu diesem Zeitpunkt skizziert. Der darauffolgende Abschnitt vollzieht dann die Verquickung von historisch-politischem Geschehen mit dem Schaffen der Person Theodor Storm, die sich nun nicht mehr getrennt betrachten lassen. Hier lassen sich dann noch seine Heiligenstädter Zeit (1856-64) und sein späteres Werk in Husum (1864-80) als größere Abschnitte markieren. In seinen letzten Jahren in Hademarschen (1880-88) zog Storm sich aus politischen Streitfragen größtenteils zurück. Exemplarisch soll das lyrisch-politische Schaffen Theodor Storms anhand dreier Gedichte ausgeführt werden. Das Erste, „Gräber in Schleswig“, entstand in den letzten Jahren seiner Zeit im „Exil“ in Heiligenstadt. Nach seinen frühen politischen Gedichten um 1850 war dies sein Erstes mit deutlich agitatorischer Absicht, weshalb es hier besondere Beachtung findet. Das zweite Gedicht „1864“ spricht noch mit positiv-bejahender Sprache, während das Dritte, „Welt-Lauf“, das resignierte Ende seines politischen Schaffens markiert. Diesen Bogen vom jungen Patrioten zum alten enttäuschten Theodor Storm nachzuvollziehen soll im folgenden Aufsatz versucht werden.

Die politische Entwicklung in Schleswig-Holstein bis 1853

Seit Beginn des 19.Jahrhunderts gab es starke dänische Bestrebungen, die selbständigen Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg, zumindest aber Schleswig, welches ein altes dänisches Lehen war, in das Königreich Dänemark einzugliedern. Dagegen formierte sich eine patriotische Bewegung in Schleswig-Holstein unter der Losung „Up ewig ungedelt“. Sie forderte den Erhalt der Selbständigkeit und wollte eine Verfassung für die Herzogtümer. Ein Erfolg ihrer Bemühungen war die Einführung beratender Provinzialstände im Jahre 1830. Der dänische König Christian VIII. war es dann, der die Fortsetzung der kompromissbereiten Politik seines Vorgängers ablehnte. Am 8. Juni 1846 ließ er einen „Offenen Brief“ veröffentlichen. In diesem formulierte er das Ziel eines dänischen Gesamtstaat einschließlich Schleswigs, Holsteins und Lauenburgs. Im März 1848 nahmen die in Schleswig wohnenden Eiderdänen ein Programm an, welches die Integration dieses Herzogtums in Dänemark forderte. Auf der anderen Seite konstituierte sich am 24. März 1848 eine provisorische Regierung für Schlesig-Holstein in Rendsburg. Wenig später begannen militärische Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der Herzogtümer und den Dänen. Zunächst erhielten die Schleswig-Holsteiner preußische Unterstützung. Die Unabhängigkeitsbewegung war zu diesem Zeitpunkt bereits eingebunden in die Kämpfe liberaler und demokratischer Kräfte um einen einheitlichen Nationalstaat, so dass auch Freischärler aus anderen Landesteilen auf Seiten der Deutschsprachigen kämpften. Ende August 1848 einigten sich Dänemark und Preußen unter dem Druck von England und Russland auf einen siebenmonatigen Waffenstillstand. Damit wurde die Rendsburger Provisorische Regierung zur Abdankung gezwungen. Als daraufhin neue Kämpfe aufbrandeten, verhielt sich Preußen bereits passiv. Als Kommantator seiner Zeit schrieb Friedrich Engels am 10. September 1848 in der Neuen Rheinischen Zeitung über die Ereignisse zwischen Nord- und Ostsee: „Von allen deutschen Versammlungen ist die Kieler Landesversammlung die einzige, die nicht nur auf allgemeinem Stimmrecht, sondern auch auf direkter Wahl beruht. Der von der Regierung vorgelegte Verfassungsentwurf ist der demokratischste, der je in deutscher Sprache abgefaßt worden. Schleswig-Holstein, bisher politisch von Deutschland ins Schlepptau genommen, ist durch den Revolutionskrieg plötzlich zu fortschrittlicheren Institutionen gekommen als das ganze übrige Deutschland. Der Krieg, den wir in Schleswig-Holstein führen, ist also ein wirklicher Revolutionskrieg.“2 Am 10. Juli 1849 kam ein neuer Waffenstillstand zustande. Schleswig-Holstein wurde nun unter preußisch-englisch-dänische „Landesverwaltung“ gestellt. Österreich, England und Russland stellten sich dabei auf die Seite der Dänen „im Interesse des europäischen Gleichgewichts und der Erhaltung des dänischen Gesamtstaates in seinem alten Gefüge“. Um die Gefahr eines Krieges mit Österreich zu bannen, verzichtet Preußen 1850 auf die Unterstützung der schleswig-holsteinischen Erhebung. Die Schleswig-Holsteiner fühlten sich von Preußen verraten. Im Juli 1850 werfen sie sich in die letzte „Schlacht bei Idstedt“, die mit einer (vorhersehbaren) Niederlage endet. Nach zähen Verhandlungen einigen sich die beteiligten Staaten auf das „Londoner Protokoll“, welches am 8. Mai 1852 paraphiert wird. Diesem Protokoll folgend wird Schleswig-Holstein zu einem Teil Dänemarks. Als (wenig tröstlichen) Kompromiss erreichen Preußen und Österreich wenigstens die Gleichstellung aller Landesteile auf Grundlage einer Gesamtstaatsverfassung.

Theodor Storms Werden bis 1856

Der im Jahre 1817 geborene Hans Theodor Woldsen Storm verbrachte seine Kindheit und Schulzeit bis zum Jahre 1837 in Husum. In Kiel und Berlin studierte er von 1837 bis 1842 Jura. Von 1843 bis 1853 war er in seiner Heimatstadt Husum als Anwalt tätig. Storms Studienfreund Theodor Mommsen war Redakteur der der provisorischen Regierung in Rendsburg nahestehenden Schleswig-Holsteinischen Zeitung (SHZ). Auf dessen Bitte hin schrieb Storm von April bis Dezember 1848 Lokalberichte für diese Zeitung. Storms erster lyrische Versuch zum Thema Politik war im Frühjahr 1848 das Gedicht „An der Westküste der Friesen“, das unter seinem späteren Titel „Ostern“ bekannt wurde. Allerdings wurde es nicht in der SHZ veröffentlicht, was Mommsen in seinem Brief an Storm vom 3. Mai 1848 begründet: „[...] Ihr Gedicht habe ich zurückgelegt; es ist recht gut, aber es taugt nicht für ein polit[isches] Blatt. Sollen da Verse drin stehen, so müssen es Verse aus der Sache heraus und nicht über die Sache vom Parterre her sein. [...]“ Storms schleswig-holsteinischer Landespatriotismus verbindet sich allmählich mit dem Bekenntnis zum deutschen Einheitsstaat. Im Frühjahr 1848 übernimmt Storm die Liedertafel, einen politisch-patriotischen Gesangverein, in Husum und wird Sekretär des Anfang April gegründeten „Patriotischen Hilfsvereins“, der Geld für Kriegsgefangene und Verwundete, aber auch für deutsche Kriegsschiffe sammelte und für Wahlen zur verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung warb. Zudem unterzeichnete er mehrere Petitionen, insbesondere zusammen mit 257 weiteren Husumern die vom 14. Mai 1849, in welcher es unmissverständlich heißt: „daß sie für Recht halten und wünschen: der König von Dänemark Friedrich VII., welcher bereits zum zweiten Male die Herzogthümer Schleswig-Holstein mit ungerechten Kriegen überzieht, habe sich dadurch der Herzogskrone verlustig gemacht, und die Personalunion mit dem uns befeindeten Dänenvolke möge für die Zukunft aufgehoben werden.“4 Am 5. Oktober 1849 übersendet Storm eine Protestadresse an den dänischen Landeskommissar gegen die „Aufhebung bestehender Gesetze, namentlich des Staatsgrundgesetzes als einen neuen Akt reiner Willkür“. Anfang Oktober 1850 erlebt Storm die Belagerung von Friedrichstadt unter Preußen-General Willisen fast hautnah mit. In dieser Zeit schreibt er eine Reihe engagierter Gedichte, so z.B. „Im Herbste 1850“, welches nach dem Einmarsch der Dänen in Husum vom 24. bis 26. September 1850 entsteht. Nach der Katastrophe von Friedrichstadt verfaßt er vom 23. bis 25. Oktober 1850 „Gräber an der Küste“. Am 20. Dezember entsteht „Ein Epilog“, welches er für den Schluß der Novelle „Ein grünes Blatt“ verwendet, sowie kurz darauf „1. Januar 1851“. Während dieses Herbstes 1850 hält Theodor Storm seine Advokatur geschlossen, um Problemen mit den dänischen Behörden auszuweichen, nimmt seine Tätigkeit aber 1851 wieder auf. Ende 1852 wird dann seine Anwalts-Zulassung nicht bestätigt, was heutzutage als „Berufsverbot“ bezeichnet würde. Grund war unter anderem ein Bericht des Husumer Magistrats an die Kopenhagener Zentralverwaltung vom 6. Juli 1852, demzufolge er: „seine schleswig-holsteinische Gesinnung durch Unterschrift illoyaler Adressen und Renitenz wider die von der vormaligen Landesverwaltung für das Herzogthum Schleswig in Person des jetzigen Amtmannes“5 gezeigt habe. Nach Absagen aus Hannover, Gotha und Buxtehude geht Storm 1853 nach Preußen und tritt eine Stelle als Assessor am Kreisgericht Potsdam als Volontär an. In Potsdam lebt er bis 1856 unter sehr bescheidenen Verhältnissen. In einem Brief an Mommsen vom 4. März 1854 resümiert er seine letzten Jahre in Husum mit den Worten: „Nachdem unsere unglückliche Sache zu Ende war, hielt ich es für meine nächste Pflicht, meine Mitbürger als Advocat nach Kräften gegen die dänisch[en] Militär- und Civilbehörden zu vertreten, und ich habe das denn auch mit voller Rücksichtslosigkeit etwa 1 ½ Jahre lang gethan; dabei aber mehr über die Feigheit der eigenen, als über die Brutalität der feindl[ichen] Partei in einem beständigen Grimm gelebt, und schließlich, wie ich es denn auch nicht anders erwartete, meine Bestallung dadurch verloren. Daß ich durchaus keinen Schritt gethan, um sie wieder zu erlangen, brauche ich Ihnen nicht zu sagen; obgleich ich, wie Sie wissen, eigentlich ein unpolitisches Thier bin.“

Die Heiligenstädter Zeit bis 1864

Im Jahre 1856 nahm Theodor Storm eine Stelle in Heiligenstadt an, wo er bis 1864 lebte. Am 10. Mai 1862 resümierte Storm in einem Brief an seinen Vater Johann Casimir Storm seine ethisch-politische Einstellung mit den Worten, man habe „unter schwierigen Verhältnissen das auch“ zu tun, was man „für Recht erkannt hat. Das hat mit Demokratie oder Monarchie (deren Gegensatz ist hier das verrottetste Junkertum) nichts zu tun.“ Ansonsten passierte in dieser Zeit politisch nicht viel. 1863 spitzte sich dann aber die Lage in Schleswig-Holstein erneut zu. Am 18. November des Jahres bestätigte der dänische König Christian IX. unter dem Druck der bedrohlichen nationalen Stimmung in Kopenhagen eine Verfassung, die praktisch die Inkorporation Schleswig-Holsteins beschloss. Dieses als „Novemberverfassung“ bekanntgewordene Schriftstück stand damit in deutlichem Gegensatz zum Londoner Protokoll vom 8. Mai 1852. Parallel dazu proklamierte Prinz Friedrich von Augustenburg seinen Regierungsantritt in einem selbständig verstandenen Schleswig-Holstein, wobei er vom Deutschen Bundestag unterstützt wurde, nicht jedoch von Preußen und Österreich. Der Prinz traf Ende Dezember 1863 in Holstein ein. Die Präsenz von Bundestruppen half ihm bei diesem Schritt. Preußens Kanzler Bismarck hielt weiterhin am Londoner Protokoll fest, und sich auf diese Weise aus dem Konflikt heraus. Das führte zu starken Antipathien nicht nur bei Theodor Storm... So verfasste er am 2. Dezember 1863 sein Gedicht „Gräber in Schleswig“, welches in der Zeitung „Gartenlaube“ veröffentlicht wurde. Diese Zeitung hatte damals eine Auflage von 130.000 Exemplaren. In diesem Massenmedium meldete Storm sich erstmals mit deutlich agitatorischer Absicht zu Wort. Wie er dieses Gedicht gestaltete, um sein Ansinnen zu verdeutlichen, wird im Abschnitt IV.1. untersucht werden. Am 1. Februar 1864 erklärten Preußen und Österreich dem Dänischen Königreich den Krieg. Anlass war ein recht überraschendes Ultimatum Bismarcks. Er forderte Dänemark auf, die Novemberverfassung zurückzunehmen, da sie im Widerspruch zum Londoner Protokoll stand. Der dänische König verweigerte sich diesem Ansinnen. Im Ergebnis des daraufhin folgenden Krieges mussten sich die Dänen aus Schleswig-Holstein zurückziehen. Nach der preußisch-österreichischen Besetzung der norddeutschen Herzogtümer wurde auch der dänisch gesinnte Landvogt von Husum abgesetzt. Am 8. März 1864 bestätigte die oberste Zivilbehörde Storms demokratische Wahl zum Landvogt. Am 18. März trat er sein Amt an. Damit war Storms Zeit im Exil beendet.

„Gräber in Schleswig“: Storm als Agitator

Nachdem Theodor Storm bereits in Gedichten wie „Im Herbste 1850“ oder „Gräber an der Küste“ seine politische Haltung als schleswig-holsteinischer Patriot zum Ausdruck gebracht hatte, verfolgte er mit „Gräber in Schleswig“ erstmalig offen agitatorische Absichten. In wohl keinem anderen seiner Gedichte rief er so unverhohlen zum Kampf gegen die dänischen Besatzer auf, wie in diesem. So ist es folgerichtig, dass er es in der Zeitung „Gartenlaube“ veröffentlichen ließ, die mit einer Auflage von 130.000 Exemplaren als ein Massenmedium ihrer Zeit und Region bezeichnet werden kann. Das Gedicht „Gräber in Schleswig“ gliedert sich in drei inhaltliche Abschnitte6, die die Strophen eins bis vier, fünf bis acht sowie Strophe neun umfassen und optisch durch Gedankenstriche voneinander abgesetzt sind. In den Strophen eins bis vier wird eine Wunschvorstellung beschrieben, in welcher dreizehn Jahre nach der von den schleswig-holsteinischen Truppen verlorenen Schlacht bei Idstedt, auf die in Zeile zwei direkt verwiesen wird mit den Worten: „...die der Tod bei Idstedt einst entboten...“, es nun „von Deutschland“ her wehe (Zeile 13) und des „Dänenkönigs Totenglocke“ gelle (Zeile 11), dass also deutsche Truppen die dänischen Besatzer aus Schleswig-Holstein vertreiben. In den Strophen fünf bis acht wird aber bereits durch den ersten Ausruf „Törichter Traum!“ in Zeile 17 festgestellt, dass es sich in Teil eins um eine Wunschvorstellung handelt. Vielmehr wird konstatiert, dass sich die deutsche Seite mit Verweis auf das Londoner Protokoll aus dem Konflikt heraus hält: „Das Londoner Papier, [...] sie wagen’s nicht zu heben“ (Zeile 21f.). Deshalb müsse sich Schleswig-Holstein ein zweites Mal erheben, um die Dänische Besatzungsmacht doch noch abzuschütteln. Dieses Ansinnen verdeutlicht Storm insbesondere durch die Verwendung markanter Ausrufe wie: „Wacht auf, ihr Reiter!“ (Zeile 25), „Für das Vaterland noch einen Strauß!“ (Zeile 27f.) und „Tambour, hervor aus deinem schwarzen Schrein!“ (Zeile 29). Beim dritten und letzten Teil des Gedichtes fällt auf, dass er nicht wie die vorhergehenden vier sondern nur eine Strophe umfasst. Hier wird inhaltlich einerseits festgestellt, dass die in der Schlacht bei Idstedt Gefallenen nicht mehr in die Schlacht ziehen werden: „[...] ihr ruht auf ewig aus“ (Zeile 33). Andererseits kann man sich schwerlich dem Eindruck entziehen, daß mit der Aussage „Ihr wurdet eine duldsame Gemeinde“ (Zeile 34) Storms schleswig-holsteinische Mitbürger gemeint sein dürften. Derart die Ehre seiner Landsleute ankratzend, folgt zum Ende des Gedichtes ein letzter deutlicher Ausruf: „Die deutschen Gräber sind ein Spott der Feinde!“ (Zeile 36), ein letzter Appell, endlich aufzustehen für ein freies deutsches Schleswig-Holstein. Mithilfe der klaren Dreiteilung und der direkten historischen Verweise wird „Gräber in Schleswig“ für den Leser relativ leicht verständlich. Dazu trägt auch bei, dass Storm, der ein Lyriker von großem Formenreichtum war7, hier mit einem schlichten Kreuzreim arbeitete, da Einfachheit auch in der Form notwendig ist, wenn eine agitatorische Wirkung erzielt werden soll. Desweiteren baut Storm sein Gedicht um den Begriff „Vaterland“ herum auf, der durch das Enjambement in Zeile 27f. in den Vordergrund gerückt wird. Mithilfe dieses klaren und doch schillernden Ausdrucks kann Storm Freund - deutsch - und Feind - dänisch - auf einfache Weise verabsolutieren. Das ist für sein Anliegen auch nötig, denn Differenzierungen nähmen hier Emotionen aus seinen Worten, was der agitatorischen Kraft der „Gräber in Schleswig“ abträglich wäre. Dass Storm mit seinem Gedicht durchaus Resonanz erzeugte, scheint sich durch einen Brief des preußischen Kanzlers Bismarck an Graf Robert von der Goltz vom 24. Dezember 1863 belegen zu lassen. Laut Harro Müller sind Bismarcks folgende Worte als auf Storm gemünzt zu betrachten: „Die Frage ist, ob wir eine Großmacht sind oder ein deutscher Bundesstaat, und ob wir, der erstern Eigenschaft entsprechend, monarchisch oder, wie es in der zweiten Eigenschaft allerdings zulässig ist, durch Professoren, Kreisrichter und kleinstädtische Schwätzer zu regiren sind.“8

Theodor Storms Wirken in Husum ab 1864

„1864“: Storm als Patriot

Am 29. Mai 1864 verfasste Storm sein Gedicht „1864“. Zu diesem Zeitpunkt bekleidete er erst seit gut zwei Monaten das Amt des demokratisch gewählten Langvogtes von Husum. Da die Dänen nicht mehr Besatzer in Schleswig-Holstein waren, lebten Storms Träume von einem selbständigen Schleswig-Holstein wieder verstärkt auf. In Bismarck und dem preußischen Militär sieht er ausführende Organe eines durch den Nationalverein repräsentierten „volontée générale“. Den Beginn des Krieges hätten die Schleswig-Holsteiner „dem Drang der Nationalpartei“ zu verdanken, „denn dort waren die Treiber; die Herren regierenden Junker, die schließlich das Commandowort gaben, waren nur die Getriebenen“9. Trotz der zumeist sehr rationalen Sicht auf die Verhältnisse in seiner Heimat kann Storm sich hier einer verklärenden Euphorie nicht enthalten, der dann aber fünf Monate später die erneute Ernüchterung folgen sollte.

Schleswig-Holstein - Das Ende einer Hoffnung

Nach der Niederlage Dänemarks im Krieg von 1864 wurde am 30. Oktober des Jahres der „Wiener Frieden“ geschlossen. Von nun an war Schleswig-Holstein zu Österreich und Preußen gehörig. Diese übten gemeinsam die Verwaltung aus. Sehr bald musste man allerdings konstatieren, dass sie mehr gegeneinander als miteinander agierten. So einigten die neuen Herren sich am 14. August 1865 in der „Konvention von Gastein“ darauf, Schleswig der preußischen, Holstein der österreichischen Verwaltung zu unterstellen. Nach vielem diplomatischen Hin und Her gab es 1866 Krieg zwischen Preußen und Österreich. Im „Prager Friedensvertrag“ vom 23. August 1866 musste das Alpenland seine Niederlage eingestehen. Die von Storm befürchtete preußische Annexion Schleswig-Holsteins wurde endgültig. Der Traum von einem freien Staat zwischen Nord- und Ostsee war damit ausgeträumt. Im Zuge einer preußischen Verwaltungsreform wurde das Amtes des Landvogts aufgehoben. Storm hatte nun die Wahl, Amtsmann oder Amtsrichter zu werden. In ersterer Funktion wäre er zwar finanziell besser gestellt gewesen, hatte sich aber politisch exponieren müssen. Um das zu vermeiden, entscheidet Storm sich dafür, Amtsrichter zu werden, obwohl er im Folgenden mit zwei Dritteln seines bisherigen Einkommens auskommen musste. Seine Resignation drückte er in seinem letzten politischen Gedicht „Welt-Lauf“ aus. Seinen Lebensabend verbrachte Theodor Storm von 1880 bis 1888 auf seinem Alterssitz in Hademarschen, wo er sich - zurückgezogen von den Fragen der großen Politik - ganz seinen Novellen widmete.

„Welt-Lauf“: Storms Resignation

Am 22. April 1867 10 schrieb Storm sein Gedicht „Welt-Lauf“. Es ist das Letzte, in dem sich Storm noch einmal politisch äußert. Harro Müller fasst seinen Inhalt mit den Worten zusammen: „In der Sorge um die Reproduktionsbedingungen seiner Familie als Ort privater Autonomie muß der Bürger beim Verkauf seiner Arbeitskraft in der Weise Kompromisse eingehen, daß er Handlungen zu vollbringen hat, die seiner Gesinnungsethik widersprechen und ihn zuletzt zum halben Schuft werden lassen.“11 In diesem kurzen, sechszeiligen Gedicht wird zu Beginn durch die Alliterationen „Gewalt genüber“ (Zeile 1) und der „Liebsten Leben“ (Zeile 2) das Gegensatzpaar Gewalt vs. Leben präsentiert. Wie auch in seinem Gedicht „Gräber in Schleswig“ (siehe Abschnitt IV.1.) stellt Storm auch hier dem Leser eine Böse-Gut-Konstellation vor. Doch hat der Part des Guten, in diesem Falle die Familie, nicht mehr die Kraft, sich gegen das Böse, also die politisch-ökonomische Gewalt, durchzusetzen. Vielmehr kann das Gute nur noch erreicht werden, indem man sich selbst dem ‘Bösen’ anpaßt, also „ein halber Schuft“ (Zeile 6) wird. Von der idealistisch-hoffenden Sicht des Jahres 1863 ist nun bei Storm nichts mehr zu spüren. Was ihm blieb, war Resignation. Wohl auch diesem Grunde war es nur konsequent, dass Theodor Woldsen Storm sich von da an ganz seinem weitestgehend unpolitischen Dasein als Novellist widmete.

Zusammenfassende Betrachtung

In den vorangehenden fünf Kapiteln wurde versucht, die Entwicklung Theodor Storms vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen seiner Zeit zu skizzieren. Insbesondere die sogenannte schlesig-holsteinische Frage wurde als zentraler Bezugspunkt seines politischen Wirkens dargestellt. Es wurde aufgezeigt, wie Storm sich im Laufe des politischen Geschehens vom kämpferisch-optimistischen Patrioten zum resigniert-zurückgezogenen Pessimisten (vielleicht auch einfach zum Realisten) entwickelte. Auch wenn er sich, wie bereits in der Einleitung erwähnt, als „unpolitisches Thier“ bezeichnete, so kann doch konstatiert werden, dass Theodor Storm intensiv am politischen Geschehen in seiner Heimat Anteil nahm, und sich nicht scheute, um seiner Ideale willen Restriktionen in Kauf zu nehmen. Das zeigt sich auch in seiner Lyrik, mit der er sich aktiv in das Geschehen seiner Zeit einmischte. Nachdem er nach ersten Versuchen wie „An der Westküste der Friesen“ zu lyrischen Ausdrucksmöglichkeiten für politische Zusammenhänge gefunden hatte, ging er sogar so weit, die direkteste lyrische Form der Auseinandersetzung in seinem Gedicht „Gräber in Schleswig“ zu verwenden, die der offenen Agitation für ein politisches Ziel, bei Storm also das eines unabhängigen deutschen Schleswig-Holsteins. Diese äußerst respektable Aufrichtig- und Geradlinigkeit des Menschen Theodor Storm birgt aber auch eine gewisse Tragik in sich. Diese kommt in seiner scheinbar unausweichlichen Ernüchterung zum Ausdruck, die ihn im Laufe der Jahre resignieren lässt. Diese findet ihren Höhepunkt in seinem Gedicht „Welt-Lauf“, das auch den Schlußpunkt seines politisch-lyrischen Schaffens markiert. Der Einsicht der Ohnmacht des Menschen, der scheinbar nicht verändernd in politisches Geschehen eingreifen kann, folgt für Theodor Storm die offenbar logische Konsequenz, sich fast völlig aus der aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Geschehen zurückzuziehen. Auch wenn der Endpunkt der Entwicklung Storms zu seiner Resignation aus meiner Sicht sehr bedauerlich ist, so kann ihre Betrachtung doch auch in der heutigen Forschung interessante neue Fragestellungen bieten. So könnte es in der Zukunft spannend sein zu hinterfragen, inwieweit ähnliche politische Sozialisationen wie die Theodor Storms in dessen Zeit auszumachen sind. Wenn sich dort eine signifikante Häufung solcher menschlicher Entwicklungen abzeichnete, könnte ein Vergleich der damaligen sozialen Gruppen mit denen der scheinbar ähnlichen Entwicklungen beispielsweise der sogenannten Generation der 68er des zwanzigsten Jahrhunderts sicherlich zu aufschlussreichen Erkenntnissen führen. Für die Literaturwissenschaft wäre bei einem solchen Forschungsprojekt ein interessanter Bereich zu erschließen, der insbesondere in vergleichenden Arbeiten zur politischen Literatur der 68er mit denen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umfangreiche Beiträge leisten könnte. Aus der Betrachtung Theodor Storms heraus zu solchen Aufgaben zu gelangen, wäre mit Sicherheit eine große und angehenswerte Aufgabe.

Werke (Auswahl)

1867]
- Immensee (1849)
- Im Sonnenschein (1854)
- Gedichte (1857)
- Auf dem Staatshof (1859)
- Veronica (1861)
- Auf der Universität (1862)
- Die Regentrude (1866)
- Viola tricolor (1874)
- Pole Poppenspäler (1875)
- Aquis submersus (1877)
- Carsten Curator (1878)
- Hans und Heinz Kirch (1882) [http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ4/novelle/kirch1.htm Text im Original (Uni Düsseldorf)]
- Zur Chronik von Gruishuus (1884)
- Bötjer Basch (1887)
- Der Schimmelreiter (1888)

Literatur

Reihen


- Husumer [http://www.ESV.info/set/TE380/katalog.html Beiträge] zur Storm-Forschung (HuB), Erich Schmidt Verlag Berlin
- Storm - [http://www.ESV.info/set/TX086/katalog.html Briefwechsel] (StBw), Erich Schmidt Verlag Berlin

Darstellungen


- Paul Barz: Theodor Storm, Wanderer gegen Zeit und Welt: Biographie, Berlin 2004, ISBN 3-7466-1618-2
- David A. Jackson: Theodor Storm: Dichter und demokratischer Humanist; eine Biographie, Berlin 2001, ISBN 3-503-06102-9
- Regina Fasold: Theodor Storm, Stuttgart [u.a.] 1997, ISBN 3-476-10304-8
- Roger Paulin: Theodor Storm, Orig.-Ausg., München 1992, ISBN 3-406-35048-8
- Georg Bollenbeck: Theodor Storm: eine Biographie, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-458-14621-0
- Hartmut Vinçon: Theodor Storm: mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt, 16. Auflage, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3-499-50186-4

Weblinks


-
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- [http://www.storm-gesellschaft.de Homepage der Theodor Storm Gesellschaft]
- [http://www.digbib.org/Theodor_Storm_1817/ Originaltexte von Theodor Storm auf DigBib.Org]
- [http://www.ub.fu-berlin.de/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/multi_pqrs/storm.html Kommentierte Linksammlung]
- [http://wikisource.org/wiki/Von_Zwanzig_bis_Drei%C3%9Fig_%28Fontane%29#Viertes_Kapitel_2 Fontanes Bericht über persönliche Begegnungen mit Storm]
- [http://www.theodorstorm.co.uk/ Th.Storm auf Englisch]
- [http://www.uni-mainz.de/~pommeren/Gedichte/Storm/ Gedichtesammlung]
- [http://www.digbib.org/Theodor_Storm_1817/Der_Schimmelreiter Der Schimmelreiter]
- [http://www.digbib.org/Theodor_Storm_1817/Gedichte Gedichte]
- [http://www.digbib.org/Theodor_Storm_1817/Pole_Poppenspaeler Pole Poppenspäler] Storm, Theodor Storm, Theodor Storm, Theodor Storm, Theodor Storm, Theodor Storm, Theodor Storm, Theodor Storm, Theodor

Kreis Nordfriesland

Der Kreis Nordfriesland (dänisch: Nordfrisland, friesisch: Nordfraschlönj) ist der nördlichste Landkreis Deutschlands. Gemessen an seiner Fläche ist er nach dem Kreis Rendsburg-Eckernförde und dem Kreis Schleswig-Flensburg der drittgrößte Kreis Schleswig-Holsteins. Zugleich ist Nordfriesland Heimat der Minderheiten der Nordfriesen und Dänen.

Geografie

Der Kreis Nordfriesland liegt im Nordwesten des Landes und wird im Norden von Dänemark, im Osten vom Kreis Schleswig-Flensburg (der Fluss Treene bildet teilweise die natürliche Grenze) und im Süden vom Kreis Dithmarschen (die Eider bildet hier die natürliche Grenze) begrenzt. Im Westen hat der Kreis eine Küste entlang der Nordsee. Zum Kreisgebiet Nordfriesland gehört auch das Wattenmeer (Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer) mit den zehn Halligen und den nordfriesischen Inseln Amrum, Föhr, Pellworm und Sylt sowie den Halbinseln Nordstrand und Eiderstedt. Die Nordspitze der Insel Sylt, der Ellenbogen, ist gleichzeitig der nördlichste Punkt Deutschlands. Die höchsten Erhebungen im Kreis sind in der Gemeinde Ostenfeld (Husum) mit 54 m ü. NN und die Uwe-Düne in Kampen auf Sylt mit 52,5 Metern über Normalnull.

Geschichte

Die politische Geschichte Nordfrieslands, als Teil des Herzogtums Schleswig, war bis zum Jahr 1864 eng mit der des Königreiches Dänemark verbunden. Im Jahr 1864 wurde Schleswig-Holsteins ein Teil Preußens. Die Verwaltung an der Westküste nördlich der Eider gliederte sich in die Kreise Eiderstedt, Husum und Tondern. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es im Jahr 1920 eine Volksabstimmung über die Gebietzugehörigkeit der nördlichen Teile Schleswigs, als deren Ergebnis der Kreis Tondern geteilt wurde und der nördliche Hauptteil - trotz überwiegender deutscher Mehrheit in den Städten Tondern und Hoyer - zu Dänemark kam. Südtondern verblieb bei Schleswig-Holstein. Im Rahmen der Kreisreform in Schleswig-Holstein wurden 1970 die 3 Landkreise Eiderstedt, Husum und Südtondern zum neuen "Kreis Nordfriesland" mit Sitz in Husum vereinigt. Der dänische Teil Nordfrieslands wird heute als Dänisch-Friesland bezeichnet.

Wappen

[http://www.geschichte.schleswig-holstein.de/vonabisz/bilder/nordfriesland_wappen.jpg Wappen Kreis Nordfriesland]

Wirtschaft

Das wirtschaftliche Leben wird durch die Landwirtschaft, die Fischerei, das mittelständische Handwerk sowie in hohem Maße durch den Tourismus bestimmt. Bedeutung hat auch die Produktion von Windkraftanlagen erlangt. Mehrere Hersteller haben sich in der Kreisstadt Husum und im Umland angesiedelt.

Kultur

Trotz insgesamt neun verschiedener friesischer Dialekte bildete Nordfriesland eine kulturelle Einheit. Gemeinsam haben die Nordfriesen ihren ständigen Kampf gegen die Nordsee, deren Sturmfluten die Menschen bedrohte. Die besondere kulturelle Vielfalt Nordfrieslands spiegelt sich auch in den Sprachen wieder. Neben dem erwähnten zu den Friesischen Sprachen gehörenden Nordfriesisch wird natürlich Hochdeutsch, Niedersächsisch (ugs. "Niederdeutsch" oder "Plattdeutsch"), Sønderjysk (ein dänischer Dialekt) und Dänisch gesprochen. Die Friesen kamen in zwei Einwanderungswellen: im 7. Jahrhundert und 8. Jahrhundert überwiegend auf die Inseln Amrum, Föhr, Sylt und Helgoland sowie im 11. Jahrhundert auf das Festland.

Städte und Gemeinden

(Einwohner am 30. Juni 2005)
Ämter mit amtsangehörigen Gemeinden/Städten

Weblinks


- [http://www.nordfriesland.de/ Offizielle Website des Kreises Nordfriesland]
- [http://www.wfg-nf.de/ Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland]
- [http://www.nordfriesland-online.de/ News aus Nordfriesland]
- [http://www.nordfriiskinstituut.de/ Nordfriisk Instituut]
Nordfriesland Nordfriesland Kategorie:Friesland Kategorie:Nordfriesland

Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein ist das nördlichste Land der Bundesrepublik Deutschland. Die Landeshauptstadt ist Kiel. Mit einer Fläche von 15.761,4 km² ist Schleswig-Holstein das kleinste Flächenland nach dem Saarland. Schleswig-Holstein grenzt im Norden mit der Bundesgrenze an Dänemark, im Süden an die Bundesländer Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Geografie

Schleswig-Holstein stellt in Norddeutschland geographisch den südlichen Teil der Halbinsel Jütland dar und ist eingeschlossen zwischen der Nordsee im Westen, der Ostsee und Mecklenburg-Vorpommern im Osten, Hamburg und Niedersachsen im Süden und Dänemark im Norden. Die Küstenlinie des Landes hat einen Anteil von 3,2 % an der gesamten europäischen Küstenlinie. Die Landschaft Schleswig-Holsteins gliedert sich von West nach Ost in die Marsch, die Geest und das Östliche Hügelland. Größter Fluss ist die Eider, höchste Erhebung der Bungsberg (168 m). Die Ostküste gliedert durch Förden und Buchten das Land in die Landschaften Angeln, Schwansen, Dänischer Wohld und die Halbinsel Wagrien. Historisch-politisch besteht Schleswig-Holstein seit über 1.000 Jahren aus den beiden Landesteilen Schleswig und Holstein; die Grenze zwischen den beiden Gebieten wird durch die Flüsse Eider und Levensau markiert, sie bildeten bis 1806 bzw. 1864 auch die Nordgrenze des Heiligen Römischen Reiches bzw. des Deutschen Bundes. Hinzu kommen das Herzogtum Lauenburg (seit dem Kieler Frieden 1815) und die Hansestadt Lübeck, die Schleswig-Holstein im Tausch für die holsteinischen Städte Altona und Wandsbek, die 1937 Hamburg im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes zugeschlagen wurden, zugeteilt wurde. Das Land beherbergt mit dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer den größten Nationalpark Mitteleuropas. Insgesamt wurden in den letzten 80 Jahren durch Landesverordnungen insgesamt 189 Naturschutzgebiete und 275 Landschaftsschutzgebiete festgelegt. Ohne den Nationalpark nehmen die Gebiete 2.000 km² ein, wovon etwa 1.600 km² Meer- oder Wattgebiete sind. Oft betreuen Naturschutzverbände die Gebiete aufgrund eines Vertrages mit dem Land. Zusätzlich bestehen fünf Naturparke, von denen jedoch keiner Meeres- oder Küstengebiete einschließt. Siehe auch: Liste der Gewässer in Schleswig-Holstein, Liste der Erhebungen in Schleswig-Holstein

Bevölkerung

In Schleswig-Holstein leben 2,82 Millionen Einwohner, die Bevölkerungsdichte von 179 Einwohnern/km² ist die sechstdünnste in Deutschland. In Schleswig-Holstein lebt sowohl eine dänische (im Landesteil Südschleswig) als auch eine friesische (vor allem an der nördlichen Nordseeküste) Minderheit. Der Altersaufbau und die Geschlechterverteilung entspricht weitgehend der in der gesamten Bundesrepublik. 45,7 % der Frauen sind verheiratet, 12,9 % verwitwet und 6,4 % geschieden. Bei den Männern sind es 47,7 %, 2,6 % und 5,4 %. Die Bevölkerungsdichte ist ungleichmäßig verteilt. Neben den kreisfreien Städten ist das Hamburger Umland, insbesondere die Kreise Pinneberg und Stormarn dicht besiedelt, der Landesteil Südschleswig und der Kreis Dithmarschen dagegen sehr dünn. Sowohl aufgrund der abgeschiedenen geographischen Lage als auch aufgrund der eher schwachen Wirtschaftsentwicklung hat Schleswig-Holstein den niedrigsten Anteil von Ausländern eines der westdeutschen Länder. (1994: 5,1 %). Von den 140.000 hier lebenen Ausländern kommen gut drei Viertel aus Europa, davon 22 % der gesamten Ausländer aus den alten Ländern der Europäischen Union. Die größte Gruppe aller Ausländer stellen (1999) mit 42.000 Türken und die zweitgrößte mit 14.000 Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Einer Umfrage zufolge sind die Bewohner Schleswig-Holsteins mit ihrem Bundesland zufriedener als alle anderen Bundesbürger.

Geschichte

Mittelalter und früher

Von der Bronzezeit bis zur Völkerwanderung entwickelten sich im heutigen Schleswig-Holstein mit den Nord- und Westgermanen zwei Sprach- und Völkergruppen. Zwischen 768 und 811 kam es immer wieder zu Konfrontationen zwischen dem christlichen Kaiser Karl dem Großen und den heidnischen Nordgermanen. 811 wurde in einem Friedensvertrag die Eider als staatsrechtliche Grenze zwischen dem Karolinger- und dem Dänenreich festgeschrieben, die zwar mit der Zeit an tatsächlicher Bedeutung als Trennungslinie verlor, aber bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 bzw. bis 1864 rechtlich fortbestand. Ab 1111 wuchs beiderseits der Eider die Eigenständigkeit, aus denen die Herzogtümer Schleswig und Holstein (damals noch als Grafschaft) hervorgingen. Zugleich wurden zwischen den beiden Gebieten immer engere politische und wirtschaftliche Verbindungen geknüpft. Im frühen 13. Jahrhundert versuchte der dänische König, auch Holstein in sein Reich zu integrieren, er scheiterte aber nach anfänglichen Erfolgen in der Schlacht von Bornhöved am Widerstand norddeutscher Fürsten. 1386 zeigten sich die beiden Gebiete erstmalig vereint im Wappen. Im Einzelnen war dann die Territorialgeschichte Holsteins durch zahlreiche Erbteilungen und Heimfälle sehr verwickelt. 1460 wählten der Adel und das Bürgertum nach dem Aussterben der Schauenburger den dänischen König Christian I., der aus dem deutschen Haus Oldenburg kam, zum Landesherrn, wodurch Schleswig-Holstein entstand. Diese Personalunion mit Dänemark hielt bis 1864: Der dänische König regierte Schleswig und Holstein also nicht in seiner Eigenschaft als König, sondern als Herzog der beiden Gebiete.

19. Jahrhundert bis heute

Der im 19. Jahrhundert sowohl in Dänemark wie auch in Deutschland aufkommende Nationalismus führte zu einem Gegensatz hinsichtlich der Zugehörigkeit der sogenannten Elbherzogtümer, der in zwei Kriegen mündete. Umstritten war dabei nicht das rein deutsch besiedelte Holstein, das ja seit dem frühen Mittelalter zu Deutschland gehörte und lediglich vom dänischen König regiert wurde, sondern das Herzogtum Schleswig: Sowohl in Deutschland wie in Dänemark wurde das Land von den national gesinnten Liberalen ganz beansprucht, obwohl es in einen dänischen Norden und einen deutschen Süden geteilt war. 1848 übernahmen dann in Kopenhagen die Eiderdänen das Ruder, die versuchten, Schleswig verfassungsmäßig in das dänische Reich zu integrieren. Im Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1848–1851 versuchten hingegen die mehrheitlich deutsch gesinnten Schleswig-Holsteiner zunächst noch vergeblich, die dänische Oberhoheit zu beenden; auch Schleswig sollte Mitglied des Deutschen Bundes werden und vereint mit Holstein ein souveräner Staat unter Regierung des Herzogs von Augustenburg werden. Zunächst wurden die deutschen Schleswig-Holsteiner dabei von der Paulskirchenversammlung unterstützt, doch bald zogen sich die preußischen Armeen und die Bundestruppen zurück und überließen die Kieler Regierung ihrem Schicksal. Der dänische Sieg bei Idstedt beendete vorerst die Hoffnungen auf Loslösung, der status quo ante wurde wiederhergestellt – auch auf internationalen Druck. Die Trennung von der dänischen Krone gelang dann im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, in dessen Folge Schleswig-Holstein zunächst unter eine gemeinsame Verwaltung durch Preußen und Österreich kam – im Gegensatz zu den ursprünglichen Zielen der Schleswig-Holsteiner wurden die Herzogtümer also nicht unabhängig. Nur kleine Teile im Norden Schleswigs blieben dänisch, wie z. B. die Insel Lyö und die Stadt Ripen; dafür gab die dänische Krone ihre Ansprüche auf einige Gebiete und Inseln (vor allem in Friesland) auf, die nicht zu Schleswig gehört hatten. Nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 wurde Schleswig-Holstein 1867 als Ganzes eine preußische Provinz und damit 1871 Teil des Deutschen Reiches. Die Schleswig-Holsteinische Frage war ein zentraler Aspekt der Politik Bismarcks, die schließlich zur Reichseinigung 1871 führte. Abgeschlossen wurde die völkerrechtliche Auseinandersetzung mit Dänemark jedoch erst 1920, als unter dem Druck und der Aufsicht der Siegermächte des Ersten Weltkriegs die im Vertrag von Wien 1864 zugesagte Volksabstimmung in den nördlichen Teilen Schleswigs stattfand. Deutschland musste als Verlierer des Krieges einen ungünstigen Zuschnitt der Stimmbezirke akzeptieren, was unter anderem zum Verlust der überwiegend deutschsprachigen Städte Apenrade, Hadersleben und Tondern führte (siehe auch Nordschleswig). Der mittlere der drei Stimmbezirke (mit Flensburg) war besonders hart umstritten und entschied sich dann für die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich. 1955 kam es dann zu einer endgültigen Einigung zwischen Dänemark und Deutschland, die insbesondere den Status und die Sonderrechte der jeweiligen Minderheit regelte. Trotz kleinerer Streitigkeiten leben Deutsche und Dänen nun seit Jahrzehnten friedlich miteinander. Während der späten Zwanziger Jahre war Schleswig-Holstein, insbesondere das an der Westküste gelegenen Dithmarschen eine der Hochburgen des Nationalsozialismus. Die Blutnacht von Wöhrden wurde von der nationalsozialistischen Bewegung deutschlandweit zu Propagandazwecken ausgeschlachtet. Bereits 1930 konnte die NSDAP in dieser Gegend gut 70 % der Wählerstimmen für sich verbuchen. 1938 brannten auch in Schleswig und Holstein – etwa in Kiel – die Synagogen; es gab auch einige kleinere Konzentrationslager. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Schleswig-Holstein Hauptansiedlungsgebiet für Vertriebene und Hamburger Ausgebombte. Die Bevölkerungszahl, die 1939 noch 1,6 Millionen Einwohner betragen hatte, stieg bis 1949 auf 2,7 Millionen Einwohner. Nach dem Krieg entstand am 23. August 1946 durch alliierten Beschluss zunächst das „selbständige Land Schleswig-Holstein“. Bundesland wurde Schleswig-Holstein mit der 1949 vom ersten gewählten Landtag verabschiedeten Landessatzung, die am 12. Januar 1950 in Kraft trat. Erst die nach der Verfassungsreform am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedete Verfassung trug auch den Namen Landesverfassung. Siehe auch: Geschichte der deutschen Bundesländer Den größten Skandal der Nachkriegsgeschichte stellte die Barschel-Affäre 1987/88 dar. Dieser Skandal erfuhr dann 1993 noch eine Fortsetzung mit der Schubladen-Affäre. Zuletzt rückte Schleswig-Holstein in den Mittelpunkt des Interesses, als im März 2005 die Wiederwahl von Heide Simonis zur Ministerpräsidentin spektakulär im Landtag scheiterte, was zu einer Großen Koalition in Kiel führte und vielfach auch als bundespolitisches Signal gesehen wurde.

Literatur


- Ulrich Lange (Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins. Neumünster (Wachholtz) 2003, ISBN 3-529-02440-6
- Jürgen H. Ibs/Eckart Dege/Henning Unverhau (Hrsg.): Historischer Atlas Schleswig-Holstein. Bd. I–III. Neumünster (Wachholtz)

Hoheitszeichen

Flagge

Die Landesflagge besteht aus drei horizontalen Streifen. Der obere Streifen ist blau, der mittlere weiß und der untere rot. Die Farben sind aus dem Landeswappen genommen und sollen 1840 zum ersten Mal aufgetaucht sein, als es Abspaltungsversuche der Herzogtümer Schleswig und Holstein von der dänischen Herrschaft gab. Im Jahre 1949 wurde die Flagge offiziell von den Alliierten anerkannt. Die Dienstflagge enthält im Gegensatz zur Landesflagge das Landeswappen. Bei offizieller Beflaggung wird die Dienstflagge gehisst. Die Dienstflagge darf nur von den entsprechenden Behörden benutzt werden, die Landesflagge dagegen kann von jedermann frei benutzt werden. Schiffe führen eine Erkennungflagge in den Farben der Landesflagge.

Wappen

Das Wappen Schleswig-Holsteins zeigt nach Landesgesetz auf goldenem Grund zwei blaue, nach innen gewandte, rot bewehrte, übereinander schreitende Löwen und ein silbernes Nesselblatt, wobei die Löwen den Landesteil Schleswig, das Nesselblatt Holstein symbolisiert. Im Gegensatz zu den „normalen“ Schleswiger Löwen, die auf den Kreis-/Stadtwappen nach links sehen, sehen die Löwen im Landeswappen nach rechts. Angeblich beruht dies auf einem Erlass Otto von Bismarcks aus den 1880er Jahren, da es „unhöflich“ von den Löwen wäre, dem Nesselblatt den Hintern zuzuwenden. Das Wappen darf nur von offiziellen Stellen verwendet werden. Jedoch hat die Landesregierung vor kurzer Zeit ein vereinfachtes Wappen herausgegeben, das frei verwendbar ist.

Hymne

Das Schleswig-Holstein-Lied heißt offiziell „Wanke nicht mein Vaterland“, der umgangssprachliche Name ist jedoch „Schleswig-Holstein meerumschlungen“. Den Text hat Matthäus Friedrich Chemnitz verfasst, die Melodie ist von Carl Gottlieb Bellmann Siehe auch: Schleswig-Holstein meerumschlungen

Sprachen

Es gibt vier offizielle Landessprachen: die Niedersächsische Sprache (Plattdeutsch), die Friesische Sprache, die Dänische Sprache sowie natürlich Deutsch. Die Niedersächsische Sprache gilt als Regionalsprache, Dänisch und Friesisch als Minderheitensprachen. Daneben existiert noch Plattdänisch ("Synnejysk") als nichtoffizielle Sprache, die jedoch sowohl südlich wie auch nördlich der Grenze am Verschwinden ist. Zur Anwendung kommen Dänisch und Friesisch allerdings hauptsächlich nur im Schleswiger Landesteil. Im Kreis Nordfriesland finden sich auch zweisprachige Ortsschilder, so wird dem Besucher von Niebüll die Stadt auch als Naibel angekündigt. Der Südosten des Landes war bis ins 12. Jahrhundert von slawischen Völkern besiedelt, was sich heute noch an einigen slawischstammigen Ortsnamen erkennen lässt (z. B. Lübeck, Eutin, Preetz, Ratzeburg) Siehe auch: Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein

Religion

Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein ist ein protestantisch geprägtes Land. 2000 gehörten 63,8 % der Bevölkerung der evangelisch-lutherischen Kirche an, 6,1 % waren 2003 römisch-katholisch. 25.000 Schleswig-Holsteiner bekennen sich zum Islam. Die evangelischen Freikirchen zählen etwa 15.000 Mitglieder, die dänische Kirche in Südschleswig umfasst etwa 6.000 Mitglieder und ungefähr 1.800 Bewohner des Landes sind Juden. Die evangelische Kirche gehört zur Nordelbischen Kirche und wird von den drei Bischofssitzen Hamburg, Holstein-Lübeck und Schleswig aus betreut. Schleswig-Holstein gehört zum Erzbistum Hamburg der Römisch-Katholischen Kirche.

Verwaltungsgliederung

Erzbistum Hamburg Schleswig-Holstein erfuhr 1970/71 eine Gebietsreform. Die Zahl der Landkreise wurde von 17 (siehe preußische Provinz Schleswig-Holstein) auf 11 gesenkt, die Zahl der Gemeinden sank mittelfristig von 1.371 (1959) auf 1.131 (1994) und die bisher 199 Ämter wurden in jetzt 119 Ämter zusammengefasst. Gleichzeitig wurde die Fläche der vier kreisfreien Städte erheblich erweitert. Schleswig-Holstein bestand am 31. Dezember 2002 aus insgesamt 11 Landkreisen und 1.130 Gemeinden. Von diesen Gemeinden haben 1.019 weniger als 2.000 Einwohner und werden deshalb von einem ehrenamtlichen Bürgermeister verwaltet. 62 Gemeinden besitzen das Stadtrecht. Stadtrecht kann eine Gemeinde erhalten, die mindestens 10.000 Einwohner besitzt, Städte die dieses aus alter Zeit haben, verlieren es aber nicht. In diesen Städten leben 1,5 Millionen der etwa 2,7 Millionen Einwohner des Landes. Der Kreis Pinneberg ist mit 290.000 Einwohner der bevölkerungsreichste des Landes, der Kreis Rendsburg-Eckernförde mit 2.400 km² der größte und damit fast so groß wie das Saarland. Einige Kreise in der Metropolregion Hamburg diskutieren den Zusammenschluss zu einem großen Hamburger Umlandkreis. Auch auf Landesebene gibt es im politischen Raum Überlegungen, die Zahl der Landkreise auf sechs bis vier und die Zahl der kreisfreien Städte auf zwei oder keine zu reduzieren.

Kreise

Metropolregion Hamburg

Kreisfreie Städte

(in Klammern die Kfz-Kennzeichen) Es gibt Überlegungen seitens der Stadt Neumünster, sich zwecks Kosteneinsparungen dem Kreis Segeberg anzuschließen.
Siehe auch [http://www.abendblatt.de/daten/2004/09/22/343707.html Artikel im Hamburger Abendblatt]

Städte und Gemeinden

Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Größte Städte und Gemeinden Schleswig-Holstein zeichnet sich durch eine große Zahl von Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern aus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern änderte daran auch die durchgeführte Gebietsreform nichts. 1.026 kleinere Gemeinden sind in 119 Ämtern zusammengefasst, um die Verwaltungsaufgaben effektiver zu gestalten (Stand: 31. Dezember 2002). So ist Arnis mit seinen 365 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands. Wiedenborstel ist die kleinste eigenständige Gemeinde Deutschlands. Sie besteht aus einem Haus und hatte in den letzten Jahren zwischen zwei und sieben Einwohnern. Siehe auch: Liste der Orte in Schleswig-Holstein.

Regionen


- Angeln
- Dänischer Wohld
- Dithmarschen
- Eiderstedt
- Holsteinische Schweiz
- Lauenburg
- Nordfriesland
- Probstei
- Schwansen
- Stormarn
- Wagrien

Staatsaufbau

Verfassung

Schleswig-Holstein ist laut Artikel 1 seiner Verfassung vom 12. Januar 1950 ein Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. Das Land besitzt die modernste Verfassung der alten Bundesländer. In Folge der Barschel-Affäre 1987 wurden vom Untersuchungsausschuss strukturelle Änderungen angeregt. Eine eingesetzte Enquete-Kommission erstellte Vorschläge zu einer Verfassungs- und Parlamentsreform und legte 1989 ihren Schlussbericht vor. Daraufhin wurde die Verfassung geändert und auch von Landessatzung in Landesverfassung umbenannt. Sie wurde am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedet. Die Verfassung enthält seitdem auch Staatszielbestimmungen, z. B. den Minderheitenschutz der friesischen Volksgruppe und der dänischen Minderheit im Land (Art. 5), die Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau (Art. 6), den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (Art. 7) oder Schutz und Förderung der Kultur (Art. 9). Im Vergleich zu anderen deutschen Landesverfassungen hat die Verfassunge weitreichende Elemente der direkten Demokratie. Wie in allen anderen deutschen Ländern geht die Staatsgewalt vom Volke aus, das heißt, das Volk bekundet seinen Willen in Wahlen und Abstimmungen im Lande, in den Gemeinden und den Gemeindeverbänden. Die Verfassung verliert vorbehaltlich anderweitiger bundesgesetzlicher Regelung ihre Geltung an dem Tag, an dem eine Neugliederung des Bundesgebietes in Kraft tritt.

Landtag

Neugliederung Der Landtag ist das vom Volk gewählte oberste Organ der politischen Willensbildung und führt somit die legislative Gewalt aus. Der Landtag wählt die Ministerpräsidentin oder den Ministerpräsidenten. Außerdem kontrolliert er mit der Rechtsprechung die ausführende Gewalt. Der Landtag besteht in der Regel (ohne Überhangmandate) aus 75 Abgeordneten (siehe Tabelle). Sie werden nach einem Verfahren gewählt, das die Persönlichkeitswahl mit den Grundsätzen der Verhältniswahl verbindet. Ab der 16. Wahlperiode wird der Landtag aus 69 Abgeordneten bestehen.

Landesregierung

Die Landesregierung ist im Bereich der vollziehenden Gewalt oberstes Leitungs-, Entscheidungs- und Vollzugsorgan. Sie besteht aus der Ministerpräsidentin oder dem Ministerpräsidenten und den Landesministerinnen und Landesministern. Die Ministerpräsidentin oder der Ministerpräsident wird vom Landtag ohne Aussprache gewählt. Sie oder er beruft und entlässt die Landesministerinnen und Landesminister und bestellt aus diesem Kreis für sich eine Vertreterin oder einen Vertreter. Zur Ministerpräsidentin oder zum Ministerpräsidenten ist gewählt, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Landtages auf sich vereinigt (Absolute Mehrheit). Erhält im ersten Wahlgang niemand diese Mehrheit, so findet ein neuer Wahlgang statt. Kommt die Wahl auch im zweiten Wahlgang nicht zustande, so ist gewählt, wer in einem weiteren Wahlgang die meisten Stimmen erhält.

Rechtsprechung

Die rechtsprechende Gewalt ist den Richterinnen und Richtern anvertraut; sie wird im Namen des Volkes ausgeübt. Die Richterinnen und Richter sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen. Die Gerichtsstruktut in Schleswig-Holstein war und ist vergleichsweise gering ausgebaut. Ein eigenes Oberverwaltungsgericht wurde erst 1991 mit dem Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht in Schleswig eingerichtet. Bis dahin war das OVG Lüneburg in Niedersachsen gem. § 3 Abs. 2 VwGO auch für das Land Schleswig-Holstein zuständig. Schleswig-Holstein verfügt noch immer als einziges Bundesland über keine eigene Verfassungsgerichtsbarkeit. Auch im Rahmen der Verfassungsreform von 1990 wurde vorläufig weiterhin auf ein eigenes Landesverfassungsgericht verzichtet. Stattdessen weist Art. 44 der Landesverfassung dem Bundesverfassungsgericht die Stellung als Verfassungsgericht für das Land Schleswig-Holstein zu, wobei jedoch keine Landesverfassungsbeschwerde ermöglicht wird. Im November 2004 wurde, wie auch schon Ende der 90er Jahre, im Schleswig-Holsteinischen Landtag über die Einrichtung eines Landesverfassungsgerichts diskutiert. Gründe für diese Überlegung sind z. B., dass selbst Entscheidungen über die Zulässigkeiten von Volksinitiativen erst Jahre nach deren Abstimmungen im Landtag fallen, oft dann schon in der nächsten Legislaturperiode. Auch seien Richterinnen und Richter aus Schleswig-Holstein in den Bundesgerichten unterrepräsentiert. Das Bündnis 90/Die Grünen sprach sich für eine Schaffung eines solchen Gerichts unter Einsatz von nebenamtlichen Richtern und organisatorischer Anbindung an ein bestehendes Gericht aus. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD vom 16. April 2005 sieht nun vor, ein Landesverfassungsgericht zu schaffen, bei dem auch die richterlichen Mitglieder ihre Tätigkeit ehrenamtlich ausüben (Punkt 7.b.). Dies wird wohl auf eine Anbindung an das OVG in Schleswig hinauslaufen.

Direkte Demokratie

Initiative aus dem Volk

Alle Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, den Landtag im Rahmen seiner Entscheidungszuständigkeit mit bestimmten Gegenständen der politischen Willensbildung zu befassen. Einer Initiative kann auch ein mit Gründen versehener Gesetzentwurf zugrunde liegen; er darf den Grundsätzen des demokratischen und sozialen Rechtsstaates nicht widersprechen. Die Initiativen müssen von mindestens 20.000 Stimmberechtigten unterzeichnet sein. Ihre Vertreterinnen und Vertreter haben das Recht auf Anhörung. Initiativen über den Haushalt des Landes, über Dienst- und Versorgungsbezüge sowie über öffentliche Abgaben sind jedoch unzulässig.

Volksbegehren

Stimmt der Landtag dem Gesetzentwurf oder der Vorlage innerhalb einer Frist von vier Monaten nicht zu, so sind die Vertreterinnen und Vertreter der Volksinitiative berechtigt, die Durchführung eines Volksbegehrens zu beantragen. Der Landtag entscheidet nun, ob das beantragte Volksbegehren zulässig ist. Ein Volksbegehren ist dann zustande gekommen, wenn mindestens 5 % der Stimmberechtigten innerhalb eines halben Jahres dem Volksbegehren zugestimmt haben.

Volksentscheid

Ist ein Volksbegehren zustande gekommen, so muss innerhalb von neun Monaten über den Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ein Volksentscheid herbeigeführt werden. Der Landtag kann einen eigenen Gesetzentwurf oder eine andere Vorlage zur gleichzeitigen Abstimmung stellen. Ein Volksentscheid findet nicht statt, wenn der Landtag das Gesetz schon verabschiedet hat, so dass ein Volksentscheid überflüssig geworden ist und wenn das Bundesverfassungsgericht auf Antrag des Landtages oder der Landesregierung das Volksbegehren als verfassungswidrig eingestuft hat. Der Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ist durch Volksentscheid angenommen, wenn die Mehrheit derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens ein Viertel der Stimmberechtigten, zugestimmt hat. Eine Verfassungsänderung durch Volksentscheid bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens die Hälfte der Stimmberechtigten. In der Abstimmung zählen nur die gültigen Ja- und Nein-Stimmen.

Gesetzgebung

Die Gesetzentwürfe werden von der Landesregierung oder von einzelnen oder mehreren Abgeordneten des Landtages oder durch Initiativen aus dem Volk eingebracht. Die Gesetze werden durch den Landtag oder durch Volksentscheid beschlossen. Gesetze die die Verfassung ändern bedürfen der Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des Landtages sowie der Zustimmung des Volkes. Außerdem müssen sie den Wortlaut des ändernden Verfassungstextes ausdrücklich ändern und ergänzen.

Politik

In der Bundesrepublik besitzt Schleswig-Holstein als ebenso ländlich wie protestantisch geprägtes Land keine ausgeprägten Stammwähler einer der großen Parteien. In der Nachkriegszeit konnte der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten fast 25 % der Wähler hinter sich bringen. Mit dem Abgleiten in die bundespolitische Bedeutungslosigkeit verlor er aber auch hier seine Wähler. In den sechziger Jahren (NPD) und in den neunziger Jahren (DVU) konnten rechtsextreme Parteien Wahlerfolge bei Landtagswahlen verbuchen, diese aber nicht wiederholen. Eine Besonderheit in der Parteienlandschaft Schleswig-Hosteins ist der Südschleswigsche Wählerverband, der die Interessen der dänischen und friesischen Minderheit vertritt. Er ist bei Landtagswahlen von der 5%-Hürde nach Wahlgesetz für den Landtag von Schleswig-Holstein [http://www.landesregierung-sh.de/landesrecht/111-1.htm#3 § 3 Abs. 1 Satz 2] ausgenommen.

Landesregierung

Die Regierung wird seit 27. April 2005 von einer großen Koalition aus CDU und SPD getragen:
- Peter Harry Carstensen (CDU), Ministerpräsident; zu seinem Kabinett gehören:
- Ute Erdsiek-Rave (SPD), Ministerin für Bildung und Frauen und zugleich Stellvertreterin des Ministerpräsidenten,
- Rainer Wiegard (CDU), Minister für Finanzen,
- Dr. Ralf Stegner (SPD), Innenminister,
- Uwe Döring (SPD), Minister für Justiz, Arbeit und Europa,
- Dr. Christian von Boetticher (CDU), Minister für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume,
- Dr. Gitta Trauernicht (SPD), Ministerin für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren, und
- Dietrich Austermann (CDU), Minister für Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Verkehr.

Ehemalige Ministerpräsidenten

Die Ministerpräsidenten ab 1945:
- 19451947: Theodor Steltzer (1945/46 als Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein)
- 19471949: Hermann Lüdemann, SPD
- 19491950: Bruno Diekmann, SPD Die Ministerpräsidenten seit der Verfassung von 1950
- 19501951: Walter Bartram, CDU
- 19511954: Friedrich-Wilhelm Lübke, CDU
- 19541963: Kai-Uwe von Hassel, CDU
- 19631971: Helmut Lemke, CDU
- 19711982: Gerhard Stoltenberg, CDU, siehe Liste der Ehrenbürger Schleswig-Holsteins
- 19821987: Uwe Barschel, CDU
- 19871988: Henning Schwarz, (2. Oktober31. Mai; kommissarisch)
- 19881993: Björn Engholm, SPD
- 19932005: Heide Simonis, SPD (siehe auch: Wahl des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein 2005)

Wirtschaft und Verkehr

Wahl des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein 2005

Wirtschaft

Schleswig-Holstein ist traditionell ein strukturschwaches Land mit nur zwei Großstädten, Kiel und Lübeck. Verhältnismäßig viele Einwohner arbeiten weiterhin in der Landwirtschaft. Produzierende Industrie entwickelte sich hier relativ spät und wurde schon früh wieder vom einsetzenden Strukturwandel betroffen. Auch die Wiedervereinigung von 1990, durch die Schleswig-Holstein vom Nehmer- zum Geberland im Länderfinanzausgleich wurde, hatte ökonomisch ungünstige Folgen. Auch der Abbau von Bundeswehr und Marine traf die Wirtschaft des Bundeslandes besonders hart. Wirtschaftlich lassen sich drei Großräume unterscheiden: das prosperierende Hamburger Umland in der Metropolregion Hamburg, auch Speckgürtel genannt (mit Maschinenbau und Dienstleistungen), die Westküste (Landwirtschaft, Tourismus in Schleswig-Holstein, Windenergie) und die großen Städte an der Ostküste. In den letzten Jahren gewinnt der Seehandel mit dem Ostseeraum wieder an Bedeutung. Eine besondere Rolle spielen dabei die Jütlandlinie und die Vogelfluglinie wie auch der Lübecker Hafen als Wege nach Skandinavien, Finnland, Russland und das Baltikum. In Schleswig-Holstein sind zwei Drittel der gesamten deutschen Fischereiflotte stationiert. Rund ein Viertel der deutschen Reedereien sind im Land angesiedelt; etwa 20 % des deutschen Umsatzes im Schiffbau werden hier erwirtschaftet. Vor allem die Werft HDW in Kiel ist auch international erfolgreich. Schleswig-Holstein hat an drei Standorten Atomkraftwerke, in Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel. Der Tourismus in Schleswig-Holstein spielt eine weit größere Bedeutung als in den meisten anderen Bundesländern. In der Tourismusindustrie erwirtschafteten im Jahr 2002 etwa 80.000 Beschäftigte einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro. Der Beitrag des Tourismus zum Volkseinkommen betrug damit 4,6 % im Gegensatz zum Bundesschnitt von 2,8 %.

Verkehr

Wichtige Autobahnen, die durch das Land gehen, gehen alle von Hamburg aus. Es sind die Bundesautobahn 1 nach Lübeck und weiter über die Vogelfluglinie mit der Öresundregion Kopenhagen/Malmö verbindend, die Bundesautobahn 7 über Neumünster und Rendsburg nach Flensburg mit einem Abzweig nach Kiel und die Bundesautobahn 23 nach Heide mit Anschluss nach Husum und die Nordfriesischen Inseln. Die im Bau befindliche Bundesautobahn 20 führt bisher von Lübeck an die Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste und soll irgendwann bei Glückstadt die Elbe queren. Die Bundesautobahn 24 verbindet die Metropolregion Hamburg mit der Metropolregion Berlin/Brandenburg. Eisenbahnverbindungen gibt es ebenfalls von Hamburg aus nach Kiel, Lübeck, Flensburg und die Marschbahn nach Westerland auf Sylt. Bis Kiel und Neumünster verkehren auch ICEs. Von Bedeutung war lange Zeit auch die Eisenbahnfähre von Fehmarn nach Lolland im Verlauf der Vogelfluglinie. Das gut entwickelte Überland-Omnibus-Netz Schleswig-Holsteins wird im wesentlichen von der Autokraft GmbH betrieben. Das Land hat insgesamt 46 öffentliche Häfen und Anlegestellen, von denen vier überregionale Transitfunktionen erfüllen: Kiel, Lübeck/Travemünde und Puttgarden an der Ostsee, Brunsbüttel an der Nordsee. Kiel und Lübeck sind ebenso für den Güterverkehr nach Skandinavien sowie zunehmend nach Osteuropa wichtig. Kiel ist zudem ein wichtiger Fährhafen. Puttgarden ist der deutsche Hafen der Vogelfluglinie nach Dänemark. Brunsbüttel ist ein wichtiger Hafen für Massengüter und entwickelt sich derzeit außerdem zu einer bedeutenden Basis für die Offshore-Windenergieindustrie. Der Nord-Ostsee-Kanal ist mit etwa 40.000 Schiffsbewegungen jährlich die am meisten genutzte künstliche Wasserstraße der Welt. Flugverkehr: Flughäfen gibt es u. a. in Kiel und Lübeck. Der letztere ist auch für den Tourismus im Land von Bedeutung. Es gibt Flugplätze u. a. in Flensburg, Sonderlandeplätze auf den Inseln Helgoland,Sylt und Fehmarn.

Bildung

Schleswig-Holstein verfügt über drei Universitäten, wobei nur die 1665 gegründete Christian-Albrechts-Universität in Kiel eine Volluniversität ist. Ferner gibt es im Land eine Kunsthochschule, eine Musikhochschule, vier Fachhochschulen und eine Verwaltungsfachhochschule. Insgesamt studierten im Wintersemester 2003/2004 in Schleswig-Holstein 45.542 Personen, davon 26.510 an Universitäten und 16.973 an Fachhochschulen. Im Schuljahr 2001/2002 besuchten 36,6 % der Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine Grundschule, 20,8 % ein Gymnasium, 18,6 % eine Realschule, 13,3 % eine Hauptschule, 4,8 % eine Gesamtschule und 3,7 % eine Sonderschule. Weiterhin gibt es Freie Waldorfschulen (1,3 % der Schüler), Schulkindergärten (0,4 %), Abendrealschulen (0,2 %) und Abendgymnasien (0,1 %).

Kultur

Die Kultur Schleswig-Holsteins ist durch den niederdeutschen, dänischen und friesischen Einfluss vielfältig. Sie ist geprägt von landschaftlichen Faktoren, wie den beiden Meeren und der bäuerlichen Kultur. Besonders im Norden des Landes ist der skandinavische Einfluss in der Architektur und Wohnkultur erkennbar. Siehe auch: Liste historischer Orte in Schleswig-Holstein

Sport

Durch die Küsten ist der Wassersport ebenso populär, wie das Angeln. Schleswig-Holstein beheimatet zwei Handballvereine, die regelmäßig an der Spitze der Bundesliga spielen: THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt. Bekannt sind auch die Fußballvereine VfB Lübeck und der KSV Holstein Kiel, der 1912 Deutscher Fußballmeister war. Kiel ist historisch eine traditionsreiche Stätte des Boxsports und eine der Weltmetropolen des Segelns, anerkannt durch die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1936 und 1972. Mit der Kieler Woche und der Travemünder Woche ist das Land Ausrichter von zwei der größten und traditionsreichen Segelwettbewerbe der Welt. Insgesamt sind im Land in 230 Vereinen etwa 32.000 Segler organisiert. Sylt und Fehmarn sind das Mekka vieler Surfer, außerdem lädt das Land zum Wandern und Radfahren ein. Aus der Ruder-Stadt Ratzeburg kam und kommt der Deutschlandachter.

Regelmäßige Veranstaltungen


- Schleswig-Holstein Musik Festival
- Kieler Woche
- Travemünder Woche
- E.ON Hanse-Cup
- Nordische Filmtage Lübeck
- Karl-May-Festspiele
- NORLA (Landwirtschaftsmesse) Siehe auch: Tourismus in Schleswig-Holstein

Ehrenbürger

Vier Personen wurden Ehrenbürger von Schleswig-Holstein:
- Helmut Schmidt, 1998, früherer deutscher Bundeskanzler, MdB,
- Uwe Ronneburger, 2000, früherer stv. Bundesvorsitzender und schleswig-holsteinischer Landesorsitzender der FDP, MdB,
- Gerhard Stoltenberg, 2002, früherer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und früherer Bundesminister der Verteidigung und der Finanzen, MdB, und
- Siegfried Lenz, 2004, bekannter deutscher Autor, der einen Teil des Jahres in Tetenhusen bei Rendsburg lebt. Viele seiner Geschichten spielen in Schleswig-Holstein. Siehe auch: Liste der Persönlichkeiten (Schleswig-Holstein)

Weblinks


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- [http://www.schleswig-holstein.de/ Sch