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HutewaldHutewälder (auch Hudewälder oder Waldweide genannt) sind Wälder, in denen traditionell große Pflanzenfresser (Megaherbivoren), meist Schweine, Hausrinder oder Pferde weiden. Der Begriff leitet sich von "Vieh hüten" ab. Bei dieser Art der Haltung wurde und wird das Vieh (fast ausschließlich Schweine aber auch Rinder) in den Wald getrieben, wo es sich hauptsächlich von Baumfrüchten z. B. Eicheln, Bucheckern, seltener von Pilzen oder Wildkräutern ernährte.
Hutewälder sind licht bis räumdig, da durch die Beweidung die Naturverjüngung unterbunden wird. Auch die krautige Vegetation wird häufig vernichtet. Die Artenzusammensetzung ändert sich. Schließlich ändern sich die Bedingungen soweit, dass der Wald stirbt. Die wenigen Bäume - oft mächtige, jahrhundertealte, zerklüftete und bereits sterile Eichen - bilden große ausladende Kronen aus. Da im 19. Jahrhundert fast überall in Mitteleuropa die Waldweide auf Grund der Waldvernichtung, die mit dieser Nutzungsform verbunden war, mit gesetzlichen Verboten eingestellt wurde, gibt es heute auch nur noch wenige der vor allem im Mittelalter und Neuzeit entstandenen Hutewälder.
Wenn die Waldweide weiter intensiv betrieben wird dass keine Bäume mehr nachwachsen können, entstehen Heiden oder Wiesen als weitere anthropo-zoogenene Pflanzengesellschaften mit bedornten Pflanzen wie z.B. Schlehe, Pflanzen mit ätherischen Ölen, wie Wachholder (Wachholderheiden), Minze etc. Bei stärkerer Beweidung entstehen Weiden, siehe auch: Überweidung. Der Erhalt einer Hutung setzt also immer wieder eine längere Phasen (also 20 bis 100 Jahre) von wiederbewaldungen und gefolgt von Wiederaufnahme der Beweidung voraus, denn sowohl beim Ausbleiben als auch beim Einstellen der Nutzung verschwindet der Hutewald.
Oft findet man jedoch in heutigen Wäldern einzelne alte Eichen mit ausladender Krone, die nur durch einen Freistand, der auf einer Waldweide gegeben ist, entstanden sein können. So findet man beispielsweise im sogenannten "Urwald" im polnischen Białowieża-Nationalpark solche Bäume, deren Entstehung auf die alte Bewirtschaftsform der Waldweiden zurückgehen könnte.
Die Hutung ist eine sehr alte Form der Landnutzung, die bereits in der Antike betrieben wurde. Im Mittelalter wurde sie in der Nähe der Siedlungen ausgeweitet. Den Hutewäldern folgten häufig Rodungen, um sie als Acker oder Grünland zu nutzen. Im Hochmittelalter bedeckten im dicht besiedelten Mitteldeutschland zwischen den Siedlungen und Feldfluren Hutewälder große Flächen.
Nach den Wüstungen der Pestperioden und nach dem 30-jährigem Krieg wurde in der Neuzeit verstärkt das Vieh in die Wälder getrieben, so dass eine wahre "Hutewaldperiode" begann, die auch in Pollenanalysen nachweisbar ist. Das Ende der Hutewälder begann bereits im 17. Jahrhundert durch das Verbot ungeregelter Waldnutzungen. Holz wurde knapp, Hutewälder wurden weiter gerodet oder wegen der Holznot aufgeforstet. Die Landwirtschaft entwickelte sich weiter, steigende Preise (und die Entdeckung nicht nachwachsender Rohstoffe) machten intensiveren Ackerbau lohnender - später wurden ehemalige Hutewälder gerodet.
Noch heute gibt es wirtschaftlich bedeutsame Hutewälder bspw. in Zentralspanien (dort dehesas genannt).
Bekannte Hutewälder in Deutschland
- [http://www.hutewald-basdorf.de/ Basdorfer Hutewald e.V.] in Nordhessen
- Reinhardswald ("Urwald" nahe der Sababurg)
Weblinks
- [http://www.hutewald.de www.hutewald.de]
- [http://www.weber-rudolf.de/auerochsen.htm Heckrinder im Naturschutzgebiet "Grubenfelder Leonie"]
- [http://www.abu-naturschutz.de/_dnload/einfluss.pdf Der Einfluss von Megaherbivoren auf die Naturlandschaft Mitteleuropas]
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Zur Begriffsklärung siehe auch: Hude
Kategorie:Biotop
Kategorie:Forstwirtschaft
Wald
Ein Wald ist ein Ökosystem, das dauerhaft mit Gehölzen wie Bäumen bewachsen ist.
Die Food and Agriculture Organization spricht von Wald, wenn die Bäume mindestens drei Meter in winterkalten Gebieten oder mindestens sieben Meter in gemäßigtem Klima hoch sind. Wälder wären natürlicherseits in vielen nicht beweideten Teilen der Erde die vorherrschende Vegetationsform, werden hier jedoch insbesondere vom Menschen in ihrer Ausbreitung beschränkt. Bewirtschaftete Wälder werden auch Forste genannt.
Als juristischer Begriff ist Wald auch gesetzlich definiert:
- in Deutschland im Bundeswaldgesetz, Weblink: [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/bwaldg/__2.html BWaldG § 2 Wald]
- in Österreich im Forstgesetz, Weblink: [http://www.ris.bka.gv.at/taweb-cgi/taweb?x=d&o=l&v=bnd&q=++++++++und+%2820040523%3E%3DIDAT+und+20040523%3C%3DADAT%29+und+%28forstgesetz%29&e=BND.205009.11&Markierte+Dokumente+anzeigen.x=54&Markierte+Dokumente+anzeigen.y=8 Forstgesetz § 1a]
- in der Schweiz im Waldgesetz, Weblink: [http://www.admin.ch/ch/d/sr/921_0/a2.html WaG Art. 2]
Verbreitung der Wälder
Schweiz
Weltweit treten Wälder als Vegetationsformation in Gebieten mit einer (je nach Temperatur) bestimmten minimalen Niederschlagsmenge auf. Fällt weniger Niederschlag, geht der Wald in eine Savanne oder Steppe über. Das Gleiche gilt für Höhenlagen, die je nach den örtlichen Gegebenheiten ab einer bestimmten Höhe eine natürliche Waldgrenze aufweisen, oberhalb derer kein Wald mehr wachsen kann.
Waldökosysteme
Wälder sind komplexe Ökosysteme. Mit optimaler Ressourcenausnutzung sind sie das produktivste Landökosystem. Nach den Ozeanen sind sie die wichtigste Einflussgröße des globalen Klimas. Sie stellen gegenüber andern Nutzungsformen global die einzig wirksame Kohlendioxidsenke dar und sind die wichtigsten Sauerstoffproduzenten. Sie wirken ausgleichend auf den globalen Stoffhaushalt. Ihr Artenreichtum ist ein unschätzbarer Genpool, deren Bedeutung zunehmend auch in der Industrie erkannt wird.
Räumliche Einteilung
Innerhalb der neun Zonobiome der Erde bilden sich mit Überlagerung der Orobiome (Höhenstufen (Ökologie)) verschiedene Waldformen aus. In den Grenzbereichen des Lebens, bei starker Trockenheit oder Kälte, gehen die Wälder in Savannen, Tundren oder Wüsten über. Die ausgedehntesten Waldgebiete der Erde sind die tropischen Regenwälder um den Äquator und die borealen Wälder der kalten bis gemäßigten Gebiete der Nordhalbkugel (Finnland, Sibirien, Kanada).
Diese Ökosysteme sind naturbelassen weder ein zeitlich starres noch ein räumlich homogenes Gebilde. Entgegen der weitverbreiteten Meinung sind auch die zusammenhängenden rezenten „Urwälder“, wie die Regenwälder aber auch die heimischen Buchenwälder ein Mosaik aus zonaler, azonaler und extrazonaler Vegetation, deren einzelne Flächen („Patches“) zu dem auch einer zeitlichen Entwicklung unterworfen sind.
Zeithorizonte
Die unterschiedlichen Einflüsse, zeitliche Faktoren als Grundlagen der Waldentwicklung, sowie resultierende Schlusswaldgesellschaft werden im Mosaik-Zyklus-Konzept und der Megaherbivorentheorie diskutiert.
Ökologisch lässt sich eine Einteilung nach Sukzessionsstadien vornehmen: das Mosaik-Zyklus-Konzept beschreibt die Formen der potenziell natürlichen Waldentwicklung. Zu einer vollständigen Artenausstattung (Flora und Fauna) von Klimaxwaldgesellschaften bedarf es Jahrhunderte ununterbrochener Bestockung. Auch die durch menschliche Nutzung eingestellten Bestandesformen lassen sich in natürlich vorkommende Sukzessionsstadien einordnen.
Die Megaherbivorentheorie misst den großen Pflanzenfressern eine größere Bedeutung in der Waldentwicklung zu. Wie groß deren Einfluss auf die Vegetation wäre ohne Bejagung durch Menschen, aber mit Bejagung durch in Mitteleuropa ausgestorbene oder ausgerottete Carnivoren, ist umstritten.
Wälder der Tropen
Zwischen den Wendekreisen der Sonne, in tropischen Klimaten, bildet sich bei entsprechender Feuchteversorgung durch Regen eine Vielfalt von verschiedenartigen Regen- und Nebelwäldern aus.
Ein ganzjähriges Wachstum haben tropische Regenwälder, die die artenreichsten Landökosysteme der Erde sind. Schätzungsweise 70% aller landgebundenen Arten dieser Erde leben in der tropischen Regenwaldzone. Für diese Produktivität spielt der Boden eine entscheidende Rolle. Die meisten tropischen Regenwälder stehen auf Lateritboden und der ist sehr unfruchtbar, weil er kaum Nährstoffe enthält und speichert. In Einflussbereichen des sauren und sauerstoffarmen Schwarzwassers (zum Beispiel am Rio Negro) gedeihen Schwarzwasserwälder. Es gibt Tiefland-Regenwälder und Regenwälder in mittleren Höhenlagen.
Mit zunehmender Höhe gehen in diesem Klimat die Regenwälder in Nebel- oder Wolkenwälder über. In einem Wolkenwald wachsen zahlreiche Epiphyten. Dieser üppige Bewuchs wird nur noch von echten Bergnebelwäldern übertroffen, die in den feucht heißen Tropen ab 2000 m über dem Meer anzutreffen sind. Hier findet man vor allem Hautfarne.
Oberhalb der echten Bergnebelwälder gehen tropische Wälder ab 3100 m (in Afrika am Kilimandscharo) oder ab 4000 m in den Anden in einen niederwaldartigen Bewuchs über. Mit zunehmender Höhe beginnt der hochandine Bereich über der Baumgrenze, die Páramos.
In der Gezeitenzone der Ozeane wachsen natürlicherseits in den Tropen ausgedehnte Mangrovenwälder, die jedoch weitgehend verschwunden sind. In Südaustralien, am Roten Meer und in Südjapan wird er aus nur einer Baumart, in Amerika von nur 2 - 4 und in Südasien von 19 bis 26 Baumarten gebildet. Ob wohl die Flora auf Grund der schwierigen Lebensbedingungen (Salinität, Tidenhub und Brandung) sehr artenarm sind, nutzt eine Vielzahl von Tieren die Mangrovenwälder.
Wälder der Subtropen
Als Übergänge zu den Regenwäldern bilden sich die Saisonregenwälder, die in mehr oder weniger regelmäßigeren Abständen, nicht durch Regen bewässert werden. Sie wachsen in Gebieten, die noch meistens niederschlagsreich sind, aber schon eine kürzere Trockenzeit aufweisen.
In den Subtropen bilden sich unter dem Einfluss von Jahreszeiten in der Nähe der Wendekreise die Monsunwälder und Passatwälder, die von den mit den Namensgebenden Winden herangetragenen Regengüssen bewässert werden. Diese Regenzeitwälder haben keine typische Form, sind sehr variabel und prägen sich je nach Dauer der Trockenheit aus. Sie werfen unter normalen Umständen nicht durch Trockenheit deutlich Laub ab.
Trockenkahle Wälder gedeihen in Gebieten mit länger anhaltenden jährlichen Trockenzeiten und werfen in solchen vollständig ihr Laub ab. Sie grenzen an Passat- und Monsunwälder einerseits und an Dornwälder andererseits. Sie werden häufig bewirtschaftet und sind durch die Nachfrage an Teak und Mahagoni schon nicht mehr in ihrem natürlichem Zustand. Die Afrikanische Variante der trockenkahlen Wälder heißt Miombo.
Bei länger anhaltenden Trockenzeiten können in Venezuela, Brasilien, Indien und Nepal und Afrika nur noch Dornwälder gedeihen. Sie bestehen aus Schirmakazien, Mimosen- und Caesalpinaceen-Arten. Die Trichterförmigen Kronen der Bäume stehen schütter und fangen den geringen Sommerregen auf. Einige Dornwälder sind auch durch die menschliche Nutzung aus trockenkahlen Wäldern entstanden
Bei weiter abnehmenden Niederschlagsmengen entstehen Sukkulentenwälder und schließlich die Savanne. Neben der Beweidung, der Brandrodung und dem Holzfällen des Menschen üben Termiten einen Einfluss auf die Wälder der Subtropen aus.
Oasen
Wälder der warmtemperierten Zone
Wälder der nemoralen Zone
Siehe auch: Waldgesellschaften Mitteleuropas
- Auwald
- winterkahler Laubwald und Mischwald der gemäßigten Zone
- immergrüner borealer Nadelwald
- Bergwald
- Bruchwald
- Gemäßigter Regenwald
Wälder der winterkalten und polaren Zone
Nutzung des Waldes
Gemäßigter Regenwald
Siehe auch: Geschichte des Waldes in Mitteleuropa
Wälder stellen vielfältige Funktionen für Ökologie, Ökonomie und Erholung bereit und werden oft als grüne Lunge bezeichnet. Historisch betrachtet haben die Wälder weltweit, insbesondere aber im dichtbesiedeltem Mitteleuropa, einen starken Wandel bezüglich ihrer Nutzung und Ausprägung erlebt. Durch die vielfältigen Funktionen des Waldes kommt es bei Bewirtschaftung und sonstigen Nutzungen zu Konflikten zwischen verschiedenen Interessengruppen.
Forst- und Landwirtschaft
Hutewälder sind eine historische, landwirtschaftliche Form der Waldnutzung, bei der das Vieh zur Weide in den Wald getrieben wurde. Je nach Nutzungsintensität lichtet sich der Wald auf oder stirbt. Gehölze, die nicht gerne gefressen werden, wie Wacholder, breiten sich aus. So konnten an vielen Stellen aufgelichtete, parkartige Landschaften und Wacholderheiden im Mittelalter und in der Neuzeit entstehen.
Wacholderheiden]
Diese Ersatzgesellschaften gingen durch Wiederaufforstung oder Intensivierung der landwirtschaftliche Nutzung im Bestand zurück.
Wälder blieben teils als Wildgehege als Wildbannforst nur den herrschaftlichen Jagden vorbehalten.
Diese lassen sich wiederum in verschieden Formen der Bewirtschaftung einteilen, obwohl, aufgrund der Forstwirtschaft des 19. Jahrhunderts, die meisten Menschen nur noch Hochwälder vor Augen haben:
- Hochwald aus Kernwuchs
- Altersklassenwald
- Plenterwald
- Niederwald aus Stockausschlag
- wie der Hauwald, eine frühere Waldnutzungsform. Laubbäume wurden in 15 bis 30 jährigen Zyklen bis auf den "Stock", also 30 bis 50 cm über dem Boden abgeschlagen. Das Holz wurde meistens als Brennholz oder zur Holzkohlegewinnung genutzt. Diese Laubbäume: Linden und Haselnuß treiben aus dem Stock wieder aus und können dann nach 15 oder mehr Jahren wieder abgeholzt werden. Durch den sogenannten Stockaustrieb entstehen dann Gehölze die von Boden aus mit vielen Trieben wachsen, also buschförmig wachsen. Zu sehen ist zur Zeit noch ein Hauwald zum Beispiel im Lindholz im Havelländischen Luch.
- vergleiche auch Hauberg.
- Mittelwald als Übergangsformen zwischen Hoch- und Niederwaldwirtschaft
- Hutewald oder Hudewald, Weidewälder, ist eine alte Nutzungsform, sowie Waldäcker bzw. Waldfelder, als kombinierte land- und forstwirtschaftliche Nutzung
- Forstplantagen als eine der Landwirtschaft ähnliche Bewirtschaftung schnellwüchsiger Baumarten (einige Kiefernarten, Eukalyptus, Pappel), reine Produktion von Holzmasse ohne Durchforstung; fast ausschließlich in den Tropen und Subtropen zu finden.
- Weiter gibt es eine Vielfalt ausgestorbener spezieller Nutzungen, wie z.B. Lohwald, die z.T. nur kleinflächig auftraten oder regional begrenzt waren.
Nicht nach den Pflanzengesellschaften oder dem vorherrschenden Klima, sondern danach, ob der Wald wirtschaftlich genutzt wird oder nicht, kann man Wälder einteilen in nicht genutzen Urwald, der in Mitteleuropa nicht mehr vorhanden ist, und die bewirtschafteten Forsten.
Pflanzenfresser und deren Bejagung
Über die Dichte von Megaherbivoren in prähistorischen Zeiten gibt es fast keine Daten, lediglich Vermutungen. Nach Meinung vieler Forstwissenschaftler und einiger Jäger sind forstwirtschaftlich wie ökologisch vorteilhafte, dauerwaldartige Strukturen ohne scharfe Bejagung der heutigen Megaherbivoren Rot- und Rehwild und eine entsprechend geringe Wilddichte nicht zu etablieren. Manche Förster und Jäger argumentieren, zu hohe Wilddichten würde dem Wald nicht nur als Wirtschaftsgut schaden, sondern auch die natürliche Verjüngung des Waldes durch den selektiven Verbiss des Wildes, und damit eine naturnahe Entwicklung, behindern.
Je höher die Schalenwilddichte (von Wildschweinen abgesehen) ist, desto "ärmer" sei die Waldflora - was reine Trophäenjäger nicht interessiert.
Nicht selten wird die Megaherbivorentheorie als Argument bemüht, größere Wilddichten sollten deshalb zugelassen werden, weil sie eine halboffene und artenreiche Lanschaft schaffen würden. Außer Reh- und Rotwild gibt es aber heute keine Megaherbivorenherden und auch ihre Prädatoren, die Carnivoren wie Wölfe, fehlen. In der heutigen Kulturlandschaft wird der Dauerwald als wirtschaftliches und ökologisches Ziel definiert; so dass großräumig umherstreifende Pflanzenfresser wirtschaftlichen Schaden anrichten und daher bejagt werden. Die Beweidung mit freilebenden Megaherbivoren ist daher als Landschaftspflegemaßnahme auf Großschutzgebiete begrenzt, in denen eine artenreiche und halboffene Landschaft erhalten bleiben soll und wirtschaftliche Ziele geringer bewertet werden.
Wald als Kohlenstoffsenke
Im Rahmen der internationalen Klimaschutzabkommen (Kyoto-Protokoll) werden auch Wälder als Klimafaktoren gesehen. Grundsätzlich werden Wälder als Kohlenstoffsenken angesehen und können in die nationale CO2-Bilanz Eingang finden.
- Eine besondere Form von nationalen Minderungsmöglichkeiten, aber auch von JI- und CDM-Projekten, stellen Senkenprojekte dar. Unter Senken wird prinzipiell die Kohlenstoffbindung und Speicherung in Vegetation und Böden verstanden. Unterschieden wird dabei zwischen Wäldern (Art. 3.3 KP), und landwirtschaftlich genutzten Flächen (Art. 3.4 KP). Mögliche Projekttypen sind Aufforstung und Wiederaufforstung, Bewirtschaftungsmaßnahmen auf bestehenden Forst-, Acker- und Grünlandflächen sowie Begrünung von Ödland. Die Freisetzung von Kohlenstoff durch Entwaldung muss allerdings ebenfalls eingerechnet werden.Um Risiken und Möglichkeiten der Senkenanrechnung zu untersuchen, wurde ein Bericht beim Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in Auftrag gegeben. Der im Jahr 2000 fertiggestellte Bericht Land use, Land-use change, and Forestry (LULUCF) konstatiert große Unsicherheiten in vielen Bereichen. So bestehen vor allem naturwissenschaftliche Unklarheiten bezüglich der gebundenen CO2-Menge. Die Absorptionsraten während des Pflanzenwachstums sowie die Bindungszeiträume sind nur schwer zu bestimmen. Zusammen mit der Problematik der Bestimmung der Bewuchsdichte auf großen Flächen ergeben sich starke Unsicherheiten bei der Hochrechnung der Gesamtmenge. Bei der Speicherung in Böden sind diese Probleme noch gravierender, da die zugrunde liegenden biochemischen Prozesse komplizierter sind und zusätzlich mit stärkeren Freisetzungen von CO2 und Methan gerechnet werden muss. Über die naturwissenschaftlichen Unsicherheiten hinaus wird vor allem die Kontrolle der Vorschriften als problematisch angesehen. Genaue Regelungen bezüglich der Quantifizierung der Treibhausgasspeicherung und des Monitorings stehen noch nicht fest, sondern sollen vom Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) entwickelt und vorgeschlagen werden. Trotz der hohen Unsicherheiten und des Widerstandes von einigen Vertragsstaaten wurde auf der Klimakonferenz in Bonn (COP 6b) beschlossen, Senkenprojekte bei der Erfüllung der Verpflichtungen einzubeziehen. Auf der nächsten Konferenz in Marrakesch (COP 7) wurden dann die ersten wichtigen Definitionen und Regelungen für die Anrechenbarkeit von Senken nach Artikel 3.3 und 3.4 vereinbart. Insbesondere die genaue Definition und Abgrenzung des Begriffes “Wald“ wurde festgelegt. Hierbei wurden Bandbreiten für Mindestflächen (0,05 - 1 ha), die Mindestbewuchsdichte (10 - 30 %) und die Mindesthöhe (2 - 5 m) des Pflanzenbewuchses festgelegt, aus denen die verpflichteten Parteien Rahmenwerte für eine nationale Definition des Begriffes “Wald“. wählen müssen. Vor Beginn der ersten Verpflichtungsperiode (d. h. vor 2008) müssen die verpflichteten Staaten festlegen, welche der Bewirtschaftungsmaßnahmen, d. h. Forst-, Ackerland- und Gründlandbewirtschaftung sowie Begrünung von Ödland, für sie unter Artikel 3.4 KP anrechenbar sein sollen. Für Aufforstung und Wiederaufforstung ist keine Festlegung notwendig. Senkenprojekte im Inland generieren Emissionsreduktionsgutschriften, so genannte Removal Units (RMU), die nicht in die nächste Verpflichtungsperiode übertragen werden können. Zudem unterliegen sie in der ersten Verpflichtungsperiode gewissen Einschränkungen bezüglich ihrer Anrechenbarkeit. So können Bewirtschaftungsmaßnahmen nur bis zu einer für jede Partei individuell festgelegten, Obergrenze angerechnet werden. Für Deutschland beträgt diese Obergrenze 1,24 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr. Auch für Senkenprojekte im Ausland existieren Restriktionen.
- Wichtig in diesem Zusammenhang ist nun, dass jetzt die Verhandlungen für die POST-2012 Periode beginnen. Und natürlich ist LULUCF in diesen Verhandlungen ein wichtiges Thema. Die Forstwirtschaften Mitteleuropas sollten deshalb jetzt schon beginnen, darüber nachzudenken, wie man ihre Leistungen in den nächsten Verpflichtungsperioden berücksichtigen soll (siehe [http://www.forstwirtschaft.com/community/modules.php?op=modload&name=phpBB_14&file=index Diskussionsforum]).
Erholung
Bestandsentwicklung und Zustand Mitteleuropäischer Wälder und Forsten
Deutschland
Kulturlandschaft]
Die Waldfläche in Deutschland beträgt nach der zweiten Bundeswaldinventur 11.075.798 Hektar, entsprechend 31 % der Staatsfläche. Davon sind rund 44 % Privatwald, 32 % Staatswald (29 % Landeswald und 3 % Bundeswald), 19 % Körperschaftswald und 5 % Treuhandwald. Dieser vergleichsweise hohe Waldanteil ist den Aufforstungsbemühungen hauptsächlich des 19. Jahrhunderts zu verdanken.
Die Waldfläche wächst weiter, in den letzten 15 Jahren um durchschnittlich 3.500 ha/a. Im Vergleich zur Waldfläche sind 25 % Deutschlands der Siedlungsfläche zuzurechnen, davon sind 50 % vollständig versiegelt (täglich um 129 ha oder 47.000 ha/a zunehmend). Dadurch werden jährlich rund 3.500 ha Wald zerstört. Die Zunahme der Waldfläche ergibt sich durch Aufforstungen (hauptsächlich von landwirtschaftlichen Flächen) und die sukzessive Bewaldung degenerierter Moorstandorte.
Deutschland ist damit dennoch wieder eines der waldreichsten Länder in der EU. Dies gelang unter anderem durch die Entwicklung der Forstwirtschaft.
Allerdings weicht die Baumartenzusammensetzung erheblich von der potentiell natürlichen Baumartenzusammensetzung ab. Von Natur wären 67 % der Landfläche Deutschlands von Buchenmischwäldern, 21 % von Eichenmischwäldern, 9 % von Auwäldern oder feuchten Niederungswäldern, 2 % von Bruchwäldern und 1 % von reinen Nadelwäldern bedeckt (Meister u. Offenberger, Zeit des Waldes, S. 36, s. u. Literatur). Die jetzige Baumartenverteilung liegt bei 14,8 % Buchen, 9,6 % Eichen, 15,7 % anderer Laubbäume, 41,2 % Fichten, 0,1 % Tannen, 23,3 % Kiefern und 4,5 % anderer Nadelbäume (2. Bundeswaldinventur, s. u.). Der grosse Anteil von Fichte und Kiefer liegt in den forstwirtschaftlichen Praktiken der letzten 150 Jahre begründet: Diese Baumarten sind schnellwüchsig und anspruchslos und damit zur Aufforstung von degenierten Standorten wie Heiden, trockengelegter Moore und übernutzter Niederwälder insbesondere im 19. Jahrhundert verwendet worden. Andererseits leiden besonders Fichtenbestände unter Wind- und Schneewurf sowie Insektenschäden (z. B. durch Borkenkäfer) und führen zu einer Versauerung der Böden.
Da Fichten und Kiefern unempfindlich gegen Wildverbiss sind und vielerorts die relativ hohen Schalenwilddichten das Aufkommen von stärker verbissgefährdeten Laubbäumen und Tannen verhindern, fällt es der Forstwirtschaft schwer den hohen Fichten- und Kiefernanteil der deutschen Wälder zu senken.
Bezüglich des Holzvorrates je Fläche liegt Deutschland mit 319,9 m³/ha im europäischen Vergleich an dritter Stelle. Mit 3,38 Mrd. m³ weist Deutschland den größten absoluten Holzvorrat in Europa auf (Schweden 2,93 Mrd. m³; Frankreich 2,98 Mrd. m³; Finnland 1,94 Mrd. m³).
[http://www.verbraucherministerium.de/data/0001302357001162848E6521C0A8D816.0.pdf Die zweite Bundeswaldinventur - Das Wichtigste in Kürze]
Österreich
In Österreich beträgt die Waldfläche etwa 47 %. Zwei Drittel sind auch nach den letzten Waldinventuren intakt. Probleme bilden nur die Schutzwälder. Es wächst auch um 30 % mehr Holz nach als verbraucht wird oder durch Windbruch oder Wildverbiss geschädigt wird. Nicht nur durch Aufforstungen, sondern auch durch Stilllegungen von landwirtschaftlichen Flächen erobert der Wald wieder Gebiete zurück. Da teure Holzbringung im Wettbewerb zu billigeren Importen stehen, wird oft das Holz im Wald nicht geschlagen.
Größter Waldeigentümer sind die österreichischen Bundesforste. Der waldreichste Bezirk in Österreich ist der Bezirk Lilienfeld in Niederösterreich, der an die 80 % Waldfläche aufweist. Der Hauptteil ist Nadelwald, wobei die Fichte über 50 % aller Baumarten ausmacht. An zweiter Stelle steht die Buche mit 10 %, alle anderen Baumarten sind weit seltener. Das Bundesland Steiermark besitzt die größte Waldfläche Österreichs.
Bezüglich des Holzvorrates je Fläche liegt Österreich mit 325,0 m³/ha im europäischen Vergleich an zweiter Stelle.
(siehe: [http://bfw.ac.at/050/1952.html Bundesamt und Forschungszentrum für Wald])
Schweiz
Bezüglich des Holzvorrates je Fläche belegt die Schweiz mit 336,6 m³/ha den europäischen Spitzenplatz.
Waldsterben
Siehe Waldsterben.
Raubbau
Siehe Raubbau und Rodung.
Schutz und Entwicklung der Wälder
Siehe Waldschutz, Baumschutz und Nachhaltigkeit (Forstwirtschaft), Forstzertifikat
Siehe auch
- Bekannte Wälder in Deutschland
- Waldsterben
- Waldbrand
- Baum
- Forstwirtschaft
- Forstwissenschaft
- Bergwaldprojekt
- Waldkindergarten
- Sturmholz
- Totholz
- Nationalparke
- Veluwe
- Kelpwald
- Lohwald
- Markwald
- Blockschuttwald
Literatur
- Richard B. Hilf: Der Wald. Wald und Weidwerk in Geschichte und Gegenwart - Erster Teil [Reprint]. Aula, Wiebelsheim 2003, ISBN 3-494-01331-4
- Raoul Heinrich Francé: Vom deutschen Walde. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin 1927
- Heinrich Hofmeister: Lebensraum Wald. Ein Weg zum Kennenlernen von Pflanzengesellschaften und ihrer Ökologie. Paul Parey, Hamburg und Berlin 1990, ISBN 3-490-17118-7
- Antoine Lorgnier et al.: Wälder der Welt. Bucher, München und Berlin o.J., ISBN 3-765580791-5
- Kurt G. Blüchel (Hrsg.): Der Garten Eden darf nicht sterben. Tropischer Regenwald. Pro Terra, München o.J., [ISBN 3-92499-001-8]
- Georg Meister und Monika Offenberger: Die Zeit des Waldes - Bilderreise durch Geschichte und Zukunft unserer Wälder. 397 Seiten. Zweitausendundeins, Frankfurt 2004, ISBN 3-86150-630-0 - 445 Waldfotos über ein halbes Jahrhundert von gleichen Aufnahmepunkten.
- Albrecht Lehmann: Von Menschen und Bäumen. Die Deutschen und ihr Wald. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-498-03891-5
- Erich Hornsmann: Allen hilft der Wald. Seine Wohlfahrtswirkungen. BLV, München, Bonn und Wien 1958
Weblinks
- [http://www.wald.de www.wald.de] - Schöne Zusammenstellung der Funktionen des Waldes
- [http://www.waldwissen.net www.waldwissen.net] - Waldwissen - Informationsangebot für die Forstwirtschaft
- [http://www.forstwirtschaft.com www.forstwirtschaft.com] - Das Infoportal über Umwelt, Wald, Holz, Jagd, Wasser, ...
- [http://www.waldundklima.net www.waldundklima.net] - Das Internetportal zu Wald und Klima (Wald und Holz als Kohlenstoffspeicher und -senke, Gefahren für den Wald durch den Klimawandel, Projekte und Klimaschutzpolitik)
- [http://www.zukunftswald.de www.zukunftswald.de] - Informationen über ein Großforschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu den ökologischen, ökonomischen und sozialen Grundlagen der Waldbewirtschaftung
- [http://www.wald-online.de/wdt_baumv.htm www.wald-online.de] - Baumartenverteilung in Deutschland
- [http://www.forst-hamburg.de/bundeswaldgesetz/titel.htm www.forst-hamburg.de] - Bundeswaldgesetz (BWaldG)
- [http://www.verbraucherministerium.de/wald_forst/Unser-Wald/inhalt.htm www.verbraucherministerium.de] - BMVEL - "Unser Wald"
- [http://www.waldportal.org www.waldportal.org] - Aktuelle Informationen und Links zu Wäldern der Erde
- [http://www.grida.no/geo/geo3/english/fig91.htm www.grida.no] - Globale Waldkarte
- [http://www.wald-in-not.de/seiten/band13.html www.wald-in-not.de] - "Seltene Bäume in unseren Wäldern - Erkennen, Erhalten, Nutzen"
- [http://www.seba.ethz.ch/homed.htm www.seba.ethz.ch] - Projekt Förderung seltener Baumarten
- [http://www.anw-deutschland.de www.anw-deutschland.de] - Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft - Deutschland
- [http://www.abu-naturschutz.de/_dnload/einfluss.pdf www.abu-naturschutz.de] - Der Einfluss von Megaherbivoren auf die Naturlandschaft Mitteleuropas (pdf-Datei)]
- [http://www.userlearn.ch/tropen/01ac84928e0ef3901/ Bilder und Videos Baumfällen, Unterrichtsvorschläge]
!
Kategorie:Klimazonen und Vegetation
ja:森林
simple:Forest
Megaherbivoren
Megaherbivoren ist ein Begriff aus der Ökologie, der große Pflanzenfresser bezeichnet, die einen weitreichenden Einfluss auf die Entwicklung der Landschaft haben. Der Begriff wurde durch die Megaherbivorentheorie verbreitet. Aufgrund von Einflüssen wie beispielsweise Verbiss, Beweidung, Schälen und sogar Fällen von Bäumen (durch Biber) sowie Tritt schränken Megaherbivoren das Aufkommen von Gehölzen ein und tragen zur Gestaltung einer mosaikartigen Landschaft bei.
Megaherbivoren in Europa sind vor allem Pferd, Rind beziehungsweise Auerochse, Wisent, Moschusochse, Ren, Elch, Hirsche (Rothirsch sowie die eingeführten Arten Damhirsch und Sikahirsch) aber auch Mufflon, Gämse, Steinbock und das Reh. Der Biber ist zwar kein großer Pflanzenfresser, hat aber trotzdem erheblichen Einfluss auf die Gestaltung seines Lebensraums. Durch Aussterben fehlen heute Mammut, Wollnashorn und Riesenhirsch. Das Flusspferd kam in früheren Warmzeiten auch in Europa vor. In ihrer Zahl begrenzt wurden die Megaherbivoren durch große Fleischfresser, so genannte Megacarnivoren, so dass eine übermäßige Waldvernichtung nicht vorkommen konnte.
Siehe auch: Ausgestorbene Tierarten Europas
Weblinks
- [http://www.abu-naturschutz.de/_dnload/einfluss.pdf Der Einfluss von Megaherbivoren auf die Naturlandschaft Mitteleuropas]
- [http://www.nua.nrw.de/oeffentl/publikat/pdfs/sb06/scharf.pdf Naturentwicklungsgebiete mit Heckrindern in der Lippeaue]
- [http://www.weber-rudolf.de/auerochsen.htm Rinder im Naturschutzgebiet "Grubenfelder Leonie"]
- [http://www.home.zonnet.nl/hanskampf/metaforen_wildernis.html Metaphors for the Wilderness (Über die Wert der Megaherbivoren auf die Artenvielfalt]
Kategorie:Ökologie
Hausschwein
Das Hausschwein ist die domestizierte Form des Wildschweins und bildet mit ihm eine einzige Art. Es gehört damit zur Familie der Echten Schweine aus der Ordnung der Paarhufer. In einigen Teilen der Welt, etwa im Südwesten der USA, gibt es Schweinepopulationen, die aus einer Vermischung von Hausschwein und Wildschwein hervorgegangen sind und deshalb auch nicht eindeutig als Hausschwein oder Wildschwein zu klassifizieren sind.
Benennung
Das weibliche Schwein heißt Sau und das männliche wird Eber genannt. Jungtiere bis 5 kg nennt man Ferkel. Spanferkel sind Ferkel, die noch am Span, der Zitze saugen (spänen). Zwischen 5 und 25 kg sind es Läufer. Kastrierte, männliche Tiere werden Borg bzw. Börge genannt.
Endstufeneber bezeichnen zur Zucht verwendete männliche Schweine.
Rassen
Heute gibt es eine Vielzahl von Schweinerassen. Sie entstanden alle erst in den letzten zwei Jahrhunderten. Bis dahin sorgte die Praxis der Eichelmast dafür, dass sich Hausschweine immer wieder mit Wildschweinen kreuzten.
Einige der bekanntere Rassen sind:
- Angler Sattelschwein
- Bentheimer Landschwein
- Cornwallschwein
- Dänische Landrasse
- Deutsches Edelschwein
- Deutsche Landrasse
- Deutsches Sattelschwein
- Duroc
- Hängebauchschwein
- Hampshireschwein
- Husumer Protestschwein
- Iberisches Schwein (Cerdo Ibérico)
- Mangalica-Schwein
- Pietrain
- Schwäbisch-Hällisches Landschwein
- Waldweideschwein
- Wollschwein
Verschiedenes
Bei neugeborenen Ferkeln kann man bei ursprünglichen Rassen noch die Zeichnung erkennen, die bei Frischlingen so typisch ist. Mit etwa 10 Monaten bzw. etwa 100 kg Lebendgewicht sind die Tiere schlachtreif. Schweine können nicht schwitzen. Außerdem ist es für sie körperlich unmöglich in den Himmel hinauf zu sehen. Viele Schweinerassen sind stressanfällig und können auch ähnliche Herz- und Kreislaufkrankheiten entwickeln wie der Mensch, weshalb sie auch zu diesem Zweck als Labor- und Versuchstiere gehalten werden. Physiologisch sind sich Schwein und Mensch sehr ähnlich. Das betrifft nicht nur die ähnlichen Krankheitsausprägungen, sondern z. B. auch die Struktur und Beschaffenheit des Fleisches. In der Gerichtsmedizin z. B. werden Stich- und Schußverletzungen an frischgeschlachteten Schweinen nachgestellt. In neuester Zeit wurden sehr kleine Schweinerassen (sogenannte Minischweine) auch als Haustiere ohne kommerzielle Nutzung beliebt.
Schweine sind Allesfresser, sie fressen sowohl tierische, als auch pflanzliche Nahrung.
Literatur
- Watson, Lyall: "The whole hog" - Exploring the extraordinary potential of pigs, Profile Books, London 2004. ISBN 1-8619777-1-9
- Im Frühjahr 2006 erscheint im Kosmos-Verlag das erste umfassende, deutschsprachige Buch über Minischweine/Autorin Elke Striowsky
Weblinks
- http://www.schweineart.de
- [http://www.schweinefreunde.de Der Verein Schweinefreunde e.V.]
- [http://www.bio-faqs.de/ts_downl/bi-ab-schwein-domestik.pdf Schülerarbeitsblatt Unterschied Schädelform von Wildschwein zu Hausschwein]
Kategorie:Paarhufer
Kategorie:Haustier
ja:ブタ
ko:돼지
th:สุกร
Hausrind
Als Hausrind oder schlicht Rind bezeichnet man das zunächst wegen seines Fleisches, später auch seiner Milch, seiner Zugleistung domestizierte Wildrind (Bos taurus).
Die meisten heutigen Hausrinder (taurine oder echte Hausrinder), einschließlich des Zebu stammen vom Ur oder Auerochsen (Bos taurus primigenius) ab, der in weiten Teilen Europas, Asiens und Nordafrikas lebte und seine größte Population im Alluvium hatte, danach gingen seine Bestände allmählich zurück. Am Ende waren vor allem die Jagd und menschliche Eingriffe in die Natur Gründe für die Ausrottung des Urs. Die letzten Urrinder Europas starben 1627 in Polen aus. Die Domestikation zum Hausrind erfolgte bereits im 9. Jahrtausend v. Chr. Als Beleg gilt, dass ab 8.300 v. Chr. Rinder zusammen mit Ackerbauern auf das bis dahin Rinderlose Zypern gelangten.
Seitdem hat der Mensch eine große Zahl unterschiedlicher Rinderrassen gezüchtet, in die teilweise auch wilde Rinderarten (etwa der amerikanische Bison beim Beefalo) eingekreuzt wurden. Vor allem in Asien sind weitere Tiere domestiziert worden, die von anderen Arten herstammen, so das Balirind (Bos javanicus f. domestica) aus dem Banteng (Bos javanicus), das Gayal (Stirnrind) (Bos gaurus f. frontalis) aus dem Gaur (Bos gaurus), das Hausyak (Bos mutus f. grunniens) aus dem Wildyak (Bos mutus) und der im Gegensatz zu den eigentlichen Rindern der Gattung Bos zur Gattung Bubalus zählende Hausbüffel (Bubalus bubalis f. bubalis) aus dem Wasserbüffel (Bubalus bubalis f. arnee).
Bezeichnungen
- Jungtiere werden Kalb genannt.
- Das geschlechtsreife weibliche Hausrind heißt Kuh, dient es zur Milch- bzw. Fleischgewinnung wird es auch Milchkuh bzw. Mutterkuh genannt.
- Ein geschlechtsreifes weibliches Rind vor dem ersten Kalben heißt Färse, Kalbin (Österreich, Süddeutschland), Queen, Queene oder Starke.
- Das geschlechtsreife männliche Hausrind heißt Bulle oder Stier, Fallen oder Fasel, in der Schweiz auch Muni.
- Ein kastriertes männliches Rind heißt Ochse.
Nutzung
Ochse
Ochse in Biberach/Riß]]
Hausrinder sind in mehrerer Hinsicht nützlich, wobei einige Rassen im Hinblick auf eine oder mehrere bestimmte Nutzungsarten besonders gezüchtet wurden. Man unterscheidet dabei die Zweinutzungsrassen von den Milch- bzw. Fleischbetonten Rassen. Neben Milch, Fleisch und Leder liefern Rinder Gülle und Mist, die in der Landwirtschaft als natürliche Düngemittel eine wichtige Rolle spielen, außerdem erfüllen besonders Ochsen in vielen Teilen der Welt noch heute als Zugtiere für Karren oder zum Pflügen eine wichtige Funktion. Des Weiteren sind Tiere wie das Heckrind ein wichtiger Faktor in der Landschaftspflege und im Naturschutz (Almwirtschaft).
Bei den Rindern selbst lassen sich die Nutzungsrichtungen Milchproduktion und Fleischproduktion unterscheiden. Es gibt Rassen, die überwiegend auf eine der beiden Nutzungsrichtungen hin gezüchtet wurden, aber auch solche, bei denen beide Nutzungsrichtungen züchterisch bearbeitet werden (=Doppelnutzung, DN). Die Unterschiede zwischen beiden Richtungen sind genetisch bedingt:
Rassen mit hoher Milchleistung zeigen typischerweise hohe Spiegel endogen synthetisierter Wachstumshormone (Somatotropin, BST). Typische Milchvieh-Rassen sind beispielsweise Holstein-Friesian (= Rot- und Schwarzbunte, HF), Braunvieh (= Brown Swiss, BS) oder Fleckvieh (= Simmentaler, FV) als Doppelnutzungsrind.
Fleischrinder haben eine günstigere Struktur des Fleisches (Faserigkeit, Marmorierung). Früher wurden männliche Tiere zur Verbesserung des Fleisches kastriert und somit zu Ochsen gemacht. Heutzutage ist dies in Deutschland nicht mehr üblich. Es werden sowohl männliche als auch weibliche Tiere geschlachtet. Verbreitete Fleischrassen sind beispielsweise Hereford, Charolais und Limousin, daneben andere, mehr regional verbreitete Rassen wie Angus und Galloway. Bei der Nutzungsrichtung Fleischproduktion wird zwischen Rassen unterschieden, die ein schnelles Wachtum aufweisen, aber nicht zwangsläufig großrahmig sind (zum Beispiel Limousin) und solchen Rassen, die auf ein hohes Endgewicht kommen (beispielsweise Charolais).
Galloway
Kühe sind wie Pferde auch Pflanzenfresser, nutzen aber als Wiederkäuer wie auch Schafe und Kamele die Nahrung weit besser aus. Die Nahrung durchläuft 4 Mägen (Pansen, Netzmagen, Blättermagen, Labmagen). Trotzdem hat auch Kuhkot, landläufig als Kuhfladen bezeichnet, noch einen nennenswerten Brennwert. Getrocknete Kuhfladen werden deshalb in der 3. Welt als Brennstoff benutzt.
Die Kuh produziert beim Wiederkauen 98 - 190 Liter Speichelflüssigkeit am Tag.
Rassen
Labmagen
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Es gibt eine große Zahl von Rinderrassen, die für verschiedene Ansprüche gezüchtet werden. Allerdings gehen gerade in der heutigen Zeit der Massentierhaltung und Technisierung der Landwirtschaft viele Rassen veloren. Aus diesem Grund wird jedes Jahr ein Haustier des Jahres gewählt, um auf diese Situation aufmerksam zu machen. Zur Katalogisierung der Rinderrassen und Kennzeichnung im Rinderpass gibt es einen verbindlichen Rasseschlüssel.
Einige Rassen des Hausrindes
- Aberdeen Angus
- Angler Rind (Haustier des Jahres 2002)
- Aubrac
- Ayrshire
- Bazadaise
- Beefalo
- Belted Galloway
- Blaarkop
- Blonde d'Aquitaine
- Brahman
- Brangus
- Braunvieh
- Boskarin (seltene, autochtone Rasse aus Istrien)
- Charolais
- Chianina
- Deutsche Angus
- Deutsches Braunvieh alter Zuchtrichtung
- Deutsche Schwarzbunte alter Zuchtrichtung
- Deutsches Shorthorn
- Dexter
- Doppelnutzung Rotbunt
- Ennstaler Bergschecken
- Eringer
- Fjäll-Rind
- Fleckvieh
- Fleisch Fleckvieh
- Galloway
- Gelbvieh
- Germanischer Angus
- Glanrind
- Grauvieh
- Hangrind
- Heckrind (Rückzüchtungsversuch des Auerochsen)
- Hereford
- Hinterwälder (Haustier des Jahres 1992)
- Holstein-Rotbunte
- Holstein-Schwarzbunte
- Jochberger Hummeln (aus der Pinzgauer, vom Aussterben bedroht)
- Jersey
- Kobe-Rind (das teuerste Rindfleisch der Welt)
- Lakenfelder
- Limousin
- Limpurger
- Limpurger Fleischnutzung
- Lincoln Red
- Longhorn
- Luing
- Maine Anjou
- Marchigiana
- Maremmana
- Montbeliard
- Murnau-Werdenfelser (Haustier des Jahres 1986)
- Murnau-Werdenfelser Fleischnutzung
- Normanne
- Piemonteser
- Pinzgauer
- Pinzgauer Fleischnutzung
- Pustertaler Schecken
- Romagnola
- Rotvieh (Haustier des Jahres 1997)
- Rotvieh Zuchtrichtung Alter Angler
- Rotvieh Zuchtrichtung Höhenvieh
- Salers
- Sanga
- Sayaguesa
- Schottisches Hochlandrind
- Schwarzbunte (Holstein Friesian)
- Shorthorn
- South Devon
- Tiroler Grauvieh
- Telemark
- Tuxer
- Uckermärker
- Ungarisches Steppenrind
- Vogesen-Rind
- Vorderwälder
- Vorderwälder Fleischnutzung
- Watussirind
- Weißblaue Belgier
- Welsh-Black
- White Galloway
- White Park
- Witrug
- Zwerg-Zebus
- BSE
- Ketose
- Maul- und Klauenseuche
- Milzbrand
- Milchfieber
- Neurobrucellose
- Rinderbandwurm
- Rinderpest
- Seuchenhaftes Verwerfen
- Tuberkulose
- Weidefieber Weidetetanie
- BHV1 (IBR/IPV)
- BVD-MD (Bovine Virusdiarrhöe-Mucosal Disease)
- Paratuberkulose
Siehe auch
- Nutztier, Rinder, Kuh
Weblinks
- [http://vieh-ev.de/Rassen/rinder.html] Informationen über Aussterbende Rinderrassen
- [http://www.ansi.okstate.edu/breeds/cattle/ Sehr umfangreiche Liste von Rinderrassen] - von der Oklahoma State University (englisch)
- [http://dad.fao.org/en/Home.htm Seite der FAQ aller bekannter Nutztiere] (englisch)
- [http://www.kuehe-online.de Kuehe-online.de]
Kategorie:Haustier
Kategorie:Rind
als:Hausrind
ja:ウシ
Eichel (Frucht)
Die Eichen (Quercus) sind eine aus der der Buchengewächse (Fagaceae). Der deutsche Name kommt vom lateinischen esca = Speise, was darauf hinweist, dass die Früchte des Baumes früher große Bedeutung für die Schweinehaltung hatten.
Die Gattung umfasst etwa 600 Arten, davon 450 in der Quercus und 150 in der Cyclobalanopsis.
Beschreibung
Eichen sind sommergrüne oder immergrüne Bäume oder seltener Sträucher.
Sie sind insbesondere an ihrer Frucht, der Eichel, zu erkennen und in den einzelnen Arten zu unterscheiden. Bei der Eichel handelt es sich um eine Nussfrucht. Die Früchte sind von einem Fruchtbecher eingeschlossen, den man Cupula nennt. Die Blätter sind wechselständig, zumeist am Rand gebuchtet, seltener ganzrandig oder gezähnt. Die Nebenblätter fallen früh ab.
Eichen sind einhäusig getrennt geschlechtig (monözisch). Die Blüten sind sehr einfach gebaut, wie das bei windbestäubten Taxa häufig der Fall ist. Die männlichen Blüten sind in hängenden Blütenständen (Kätzchen) zusammengefasst.
Verbreitung
Eichen-Arten haben ihre Areale in der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel; ihre Vorkommen reichen südlich bis in die Hochgebirge der Tropen. Ein Schwerpunkt der Artenvielfalt ist Nordamerika. In Deutschland sind die Eichen mit einem Anteil von 9 Prozent des Bestandes im Flach- und Hügelland nach den Buchen die verbreitetste Laubbaum-Gattung. Noch höhere Anteile an den Beständen in einigen Wäldern nahe der Küste etwa im Lübecker Stadtwald sind noch immer auf die Bedeutung der Eiche für den Schiffsbau im Mittelalter zurückzuführen. In Deutschland kommt die Eiche vor allem in Mischwäldern vor. Größere Eichenwälder sind selten.
Krankheiten, Schädlinge
Gallen, aus den Gallen hat man früher Tinte Eisengallustinte gewonnen.
Eichenwickler
Eichenmehltau
siehe auch: [http://www.forst.tu-muenchen.de/EXT/LST/BOTAN/LEHRE/PATHO/QUERCUS/quercus.htm Eichenkrankheiten]
Systematik; Arten (Auswahl)
Die Gattung wird in die en Quercus (die wiederum in Sektionen, u.a. Weißeichen, Zerreichen und Roteichen gegliedert ist) und Cyclobalanopsis unterteilt:
Informationen zu einzelnen Arten
Die in Mitteleuropa heimischen Stiel- und Trauben-Eichen sind typische Vertreter der Weißeichen, wobei diese beiden Arten in weiten Bereichen gemeinsam vorkommen und zur Bastardisierung neigen, daher häufig nicht eindeutig zu differenzieren sind.
Sie haben Blätter mit abgerundetem Rand.
Das verkernende Holz der Weißeichen ist sehr dauerhaft und wurde viel im Schiffbau verwendet. Die heimischen Arten bieten etwa 350 Insektenarten einen Lebensraum.
Die ursprünglich im östlichen Nordamerika heimische Roteiche wird erst seit ca. 100 Jahren in Mitteleuropa angebaut.
Man die Rot-Eiche in Mitteleuropa in Parks und Botanischen Gärten, seltener werden sie in Forsten angebaut.
Roteichen zeichnen sich durch spitze Blätter aus, sowie durch Eicheln, die innerhalb von zwei Jahren reifen.
Das Holz der Roteichen ist aufgrund von Porengängen nicht wasserdicht, und daher weniger wertvoll als das der Weißeichen.
Es wird aufgrund der lebhaften Maserung vielfach für Möbel verwendet.
Untergattung Quercus
- Sektion Quercus; synonym: Lepidobalanus; Weißeichen; Vorkommen: Europa, Asien, Nordafrika, Nordamerika
- Amerikanische Weißeiche (Quercus alba L.)
- Zweifarbige Eiche (Quercus bicolor Willd.)
- Blau-Eiche (Quercus douglasii Hook. & Arn.)
- Gall-Eiche (Quercus infectoria Olivier)
- Gambel-Eiche (Quercus gambelii Nutt.)
- Leierförmige Eiche (Quercus lyrata Walt.)
- Bur-Eiche (Quercus macrocarpa Michx.)
- Persische Eiche (Quercus macranthara)
- Korb-Eiche (Quercus michauxii Nutt.)
- Gelbe Eiche (Quercus muehlenbergii Engelm.)
- Traubeneiche (Quercus petraea (Mattuschka) Liebl.)
- Flaumeiche (Quercus pubescens Willd.)
- Stieleiche oder Deutsche Eiche (Quercus robur L.)
- Virginia-Eiche oder Lebens-Eiche (Quercus virginiana)
- Sektion Mesobalanus; wird oft zu Sektion Quercus gezählt; Vorkommen: Europa, Asien, Nordafrika
- Ungarische Eiche (Quercus frainetto Tenore)
- Armenische Eiche (Quercus pontica)
- Sektion Cerris; Zerreichen; Vorkommen: Europa, Nordafrika, Asien
- Chinesische Korkeiche (Quercus variabilis Bl.)
- Gesägte Eiche (Quercus acutissima Caruth.); synonym Seidenraupen-Eiche
- Kastanienblättrige Eiche (Quercus castaneifolia C.A.Meyer)
- Kermes-Eiche (Quercus coccifera L.)
- Korkeiche (Quercus suber L.)
- Libanon-Eiche (Quercus libani Oliv.)
- Mazedonische Eiche (Quercus trojana Webb)
- Zerreiche (Quercus cerris L.)
- Steineiche (Quercus ilex L.)
- Sektion Protobalanus; Vorkommen: Südwestliche USA, nordwestliches Mexiko
- Sektion Lobatae; synonym: Erythrobalanus; Roteichen; Vorkommen: Nord-, Mittel- und Südamerika
- Färber-Eiche (Quercus velutina Lam.)
- Gabel-Eiche (Quercus laevis Walt.)
- Myrtenblättrige Eiche (Quercus myrtifolia Bl.)
- Pagodenblättrige Eiche (Quercus falcata Michx.)
- Roteiche (Quercus rubra L.)
- Scharlach-Eiche (Quercus coccinea Muench.)
- Schindel-Eiche (Quercus imbricaria Michx.)
- Schwarz-Eiche (Quercus marilandica Muench.)
- Shumards-Eiche (Quercus shumardii Buckl.)
- Sumpfeiche (Quercus palustris Muench.)
- Zwerg-Eiche oder Nordamerikanische Straucheiche (Quercus ilicifolia Wangenh.)
Untergattung Cyclobalanopsis
- Sektion Cyclobalanopsis; Vorkommen: Asien
- Immergrüne Japanische Eiche (Quercus acuta)
- Blaue Japanische Eiche (Quercus glauca Thunb.)
- Kerr-Eiche (Quercus kerrii)
- Bambusblättrige Eiche (Quercus myrsinifolia Bl.)
Kulturelles
Religion
In den alten Religionen, Mythen und Sagen war die Eiche ein heiliger Baum. Häufig wurde sie mit blitztragenden Göttern oder Götterfürsten in Verbindung gebracht.
- Israel: So warnt in der Bibel der Prophet Jesaja im 8. Jh. v. Chr. die Israeliten: „Ihr liebt eure heiligen Eichen und umgebt sie liebevoll mit Hecken. Von den Götzen, die ihr dort verehrt, erwartet ihr neue Lebenskraft. Es wird eine bittere Enttäuschung für euch werden!“, Jes 1,29
- antikes Griechenland: dem Zeus geweiht bei den Griechen (Eichenorakel von Dodona)
- Rom: dem Jupiter geweiht bei den Römern,
- Kelten: Dem Himmelsherrscher und Wettergott Taranis gewidmet. Durch den römischen Geschichtsschreiber Plinius d. Ä. ist überliefert worden, dass die Kelten ohne Eichenlaub gar keine kultischen Handlungen vollzogen. Die sakrale Bedeutung der Eichen für die Kelten ist auch daran zu erkennen, dass das keltische Wort Druide, für Priester, von duir, was Eiche bedeutet, abgeleitet ist. Auch die Wörter Türe und Tor haben ihren Ursprung im keltischen duir. Wer widerrechtlich einen Eichhain fällte, der war dem Tode geweiht.
- Germanen: dem Gewittergott Donar (= Thor) geweiht bei den Germanen.
- Christentum: Der heilige Bonifatius (Apostel der Deutschen) fällte die Donareiche bei Geismar im Jahr 725 (oder 723 oder 731), um den zu bekehrenden Heiden zu beweisen, dass ihr Gott ein ohnmächtiges Wesen sei, das nicht einmal seinen Baum schützen könne.
Recht
- Wegen der religiösen Bedeutung wurde unter den Eichen (wie auch unter Linden) Gericht gehalten (Gerichtsbäume, z.B. Femeiche).
Symbolik
- Symbolik: Ewigkeit (ein Eichenleben überdauert 30 Generationen)
- Eichenbaum:
- Deutschland: seit dem 18. Jahrhundert typischer deutscher Wappenbaum; insbesondere von Klopstock befördert deutscher Nationalbaum
- England
- USA
- „Eichenlaub“:
- Ornament in der Gotik
- Bundesrepublik Deutschland:
::Schulterstücke der Stabsoffiziere und Generale der deutschen Bundeswehr und vieler anderer Armeen.
::Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
- "Eicheln"
::Blattfarbe im Deutschen Blatt (Kartenspiel)
- "Eichenkranz":
::Bürgerkrone im alten Rom
::Parteiabzeichen der NSDAP; der Adler als Hoheitszeichen hielt einen Eichenkranz in den Fängen; aber auch Finnischer Orden des Freiheitskreuzes
Lieder
- Auch im deutschen Liedgut kommt der Eiche eine herausragende Bedeutung bei, wie z.B. beim Niedersachsenlied: „(...) Fest wie uns´re Eichen halten allezeit wir stand, wenn Stürme brausen über´s deutsche Vaterland.“
sonstiges
- Im Volksmund wird oft gesagt, dass Eichen mehr als andere Bäume vom Blitz getroffen werden ("Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen."), das ist jedoch falsch. (In dem Artikel über Blitze findet man unter "Verhalten bei Gewittern" eine Begründung, warum Eichen häufiger von Blitzen getroffen werden als z.B. Buchen)
Nutzung
historisch
Das Holz diente insbesondere dem Schiffsbau.
Die Früchte (Eicheln) wurden zur Eichelmast genutzt. Man trieb die Schweine in den Wald (Waldweide).
Aus der Rinde wurden Gerbstoffe für die Lohgerberei gewonnen (Eichenschälwald).
Aus den Galläpfeln, die von der gemeinen Eichengallwespe hervorgerufen werden, hat man früher dokumentenechte Eisengallustinte gewonnen.
modern
Das Holz ist wertvolles Hartholz und wird für Böden und Funiere verwendet.
Die Borke von Quercus suber (Korkeiche)wird für Korken verwendet. Von allen Eichenarten eignen sich nur ungefähr 180 zur Herstellung von Weinfässern, siehe auch Barrique.
Eichenholz gilt als gutes Brennholz, da es einen hohen Heizwert hat und sehr lange brennt. Zudem ist es gut von Hand spaltbar und läßt sich extrem lange lagern. Es verursacht im Kamin/Ofen nur wenig Funkenflug und -spritzer. Sein Flammenbild ist jedoch nicht so schön wie bei Buchen- und Birkenholz oder bei Obsthölzern; außerdem ist der Heizwert der Rotbuche höher. 7 Kubikmeter Buchenholz liefert den selben Heizwert wie 8 Kubikmeter Eichenholz. Trotz dieses höheren Brennwertes wurde in Mitteleuropa immer die Eiche als Waldbaum gefördert.
Medizin und Pharmakologie
siehe dazu den Artikel: Liste giftiger Pflanzen
Die Eiche wird auf Grund des Gerbstoffgehaltes ihrer Rinde aber auch als Heilpflanze eingesetzt. Gesammelt wird die frische Eichenrinde im Frühjahr. Getrocknet und gemahlen kann daraus ein Sud gekocht werden, der sowohl äußerlich als auch als Tee (nie mehr als zwei Tassen täglich) angewandt wird.
Anwendungsgebiet innerlich: schwere chronische Entzündungen des Magen-Darm-Traktes.
Anwendung äußerlich: Einreiben von nässenden Ekzemen oder heißen Entzündungen.
Indirekte Gefahr: Der in Mitteleuropa immer stärker auffindbare Eichen-Prozessionsspinner siedelt sich ausschließlich auf Eichen an und birgt für den Menschen Gefahren: Die Larven des Eichenprozessionsspinners tragen Gifthaare, die auf der Haut und an den Schleimhäuten toxische und/oder allergische Reaktionen hervorrufen. Die Beschwerden reichen von heftig juckenden Hautausschlägen (Raupendermatitis) bis zu Asthmaanfällen. Da die mikroskopisch kleinen Gifthaare bis zu hundert Meter weit mit dem Wind vertragen werden können, stellen sie eine wichtige, bis jetzt allerdings wenig beachtete Ursache einer luftübertragenen Krankheit dar.
bekannte Eichen
Die älteste Eiche in Europa soll in Bierbaum nahe Blumenau (Südsteiermark) stehen. Sie ist im Jahr 990 erstmals urkundlich erwähnt. Nach anderen Angaben soll eine Stieleiche in Bulgarien im Ort Granit, Bezirk Stara Zagora mit 1640 Jahren der älteste Baum Europas sein.
- [http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/steiermark/bierbaum_eiche.html Eiche in Bierbaum]
- Bräutigamseiche in Dodau bei Eutin
- Donareiche
- Femeiche in Erle (Kreis Borken)
- [http://www.ivenacker-eichen.de/ Ivenacker Eichen]
- Kaisereichen
- St. Wolfgangseiche - Stammumfang: 8,4 m, Alter: 1.250 Jahre, bei Schloß Haus nahe Regensburg
- Hammundeseiche - Stammumfang: 8,77 m - Alter: 400 bis 600 Jahre bei Friedewald (Landkreis Hersfeld-Rotenburg)
- Russeneiche - Stammumfang 5 m - Alter: 200 Jahre bei Rehbach im Odenwald
Siehe auch:
Markante und alte Baumexemplare in Deutschland;
[http://www.alte-baeume-erleben.de www.alte-baueme-erleben.de]
Bilder
Bild:EncinoBajaCalifornia18July2004h08am.jpg|Eiche in Baja California
Bild:Rieseneiche 1.JPG|Tausendjährige Rieseneiche von Borlinghausen
Bild:Jung-Eiche.jpg|Junge Eiche
Holz von Eichen:
Bild:Traubeneiche.JPG|Holz der Traubeneiche
Bild:Mooreiche Holz.JPG|Holz der Mooreiche
Eichen als Symbol:
Bild:Kirchardt.jpg|Eichen und Eicheln werden auch oft in Wappen verwendet. Hier das Gemeindewappen von Kirchardt.
Bild:5ec_ger.png|Eichenzweig - Rückseite der deutschen 1, 2 und 5 Cent-Münzen
Kategorie:Buchengewächse
Kategorie:Baum
ja:オーク
ko:참나무
Buchecker
Bucheckern sind die Nüsse der Rotbuche.
Die dreikantigen, braunglänzenden Bucheckern sitzen zu zweit in einem vierlappigen Fruchtbecher. Reichen Fruchtbehang gibt es bei der Buche alle 5 - 8 Jahre. Bucheckern enthalten im Durchschnitt 15 - 20 % Öl.
Eine Buche produziert Bucheckern, wenn sie ein Lebensalter zwischen 40 und 80 Jahren erreicht hat. Nach einem trockenen heißen Jahr fällt die Bucheckerernte besonders reichlich aus, wobei die Erträge leicht alternierend sind, d.h. einem reichen Bucheckerjahr folgt in jedem Fall eine geringe Bucheckernernte, auch wenn die klimatischen Voraussetzungen gut sind.
Die Bucheckern werden von Vögeln und Nagetieren hoch geschätzt und spielten in der Vergangenheit auch in der menschlichen Ernährung eine Rolle. Trotz der leichten Giftigkeit wurde im 19. Jahrhundert (und in der Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg) aus den Nüssen in Ölmühlen Öl gepresst, welches sowohl beim Kochen als auch als Lampenöl Verwendung fand.
Der übermäßige Genuss roher Bucheckern kann durch den Wirkstoff Fagin zu Vergiftungserscheinungen führen.
Siehe auch
- Pflanzenöl
Weblinks
Kategorie:Buchengewächse
Kategorie:Öl und Fett
Wildkräuter
Unkraut ist eine als störend empfundene Pflanze. Zur Klassifikation dienen daher weitgehend subjektive Kriterien wie:
- Unkraut ist als „Wildkraut“ keine gezüchtete und gezielt angebaute Nutzpflanze. Wobei Nutzpflanzen auch zum Unkraut werden können.
- Unkraut ist Erstsiedler auf kahlem Boden.
- Unkraut weist eine massenhafte Verbreitung auf (durch Samenflug, extrem lange Wurzelgeflechte, Verdrängung von Konkurrenten)
- Eine Pflanze wird dann zum Unkraut, wenn sie mit der Nutzpflanze in Konkurrenz um Wachstumsfaktoren wie Nährstoffe, Licht, Wasser tritt, so dass die Nutzpflanze nicht den erwünschten Ertrag erreicht.
- Auch ästhetische Gründe können dazu führen, dass eine Pflanze als Unkraut betrachtet wird, zum Beispiel in Ziergärten, Parks und Rasenflächen.
Unkraut schafft der Landwirtschaft naturgemäß Probleme. Die Unkrautpopulationen auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche werden durch Faktoren wie Fruchtfolge, Art der Bodenbearbeitung, mechanische Pflegemaßnahmen (zum Beispiel Hackmaschinen) und vielen mehr beeinflusst. Allgemein verbreitet ist heute der Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln (Herbiziden), durch die viele Ackerunkräuter in ihrem Bestand bedroht sind.
Die Ökologische Landwirtschaft hat eine differenziertere Sichtweise auf die „Unkräuter“, die nicht ausschließlich als Schädlinge, sondern als wesentlicher Bestandteil des Ökosystems gesehen werden. Daher wird dort der negativ belegte Begriff „Unkraut“ abgelehnt und die neutralere Bezeichnung Beikraut bevorzugt.
Neben dem „klassischen Unkraut“ bereiten „moderne Unkräuter“ als invadierende Pflanzen (Neophyten) durch rasante Verbreitung der Landwirtschaft mitunter ernste Probleme. Zum einen sind sie – eher unbeabsichtigt – durch die moderne Mobilität eingeschleppt worden (wie beispielsweise der Riesen-Bärenklau), zum anderen planmäßig etwa zu begrenzten Begrünungszwecken importiert, konnten sie in ihrer Verbreitung nicht mehr eingedämmt werden (zum Beispiel Zierquitte oder Essigbaum).
Unkräuter
- Acker-Hellerkraut
- Ackerhohlzahn
- Ackerkratzdistel
- Ackerminze
- Acker-Schachtelhalm
- Ackersenf
- Ackerstiefmütterchen
- Ackerwinde
- Ampfer
- Beifuß
- Brennnessel
- Distel
- Echte Melde
- Ehrenpreis
- Franzosenkraut
- Gauchheil
- Gänsedistel
- Gänseblümchen
- Giersch
- Gundermann
- Hederich
- Hirtentäschelkraut
- Huflattich
- Hundspetersilie
- Kamille
- Klatschmohn
- Klettenlabkraut
- Knöterich
- Kornblume
- Kornrade
- Kreuzkraut
- Löwenzahn
- Melde
- Quecke
- Rainfarn
- Rainkohl
- Reiherschnabel
- Gemeine Schafgarbe
- Saatwucherblume
- Schwarzer Nachtschatten
- Storchschnabel
- Sumpfziest
- Taubnessel
- Vogelknöterich
- Vogelmiere
- Wegerich
- Weißer Gänsefuß
- Wiesen-Bocksbart
- Wiesenklee
- Wicke
Siehe auch
Wildgemüse, :Kategorie:Wildkraut
Literatur
- Horst Klaaßen/Joachim Freitag: Ackerunkräuter und Ackerungräser. Landwirtschaftsverlag 2004. ISBN 3784332803
- Brigitte Klemme/Dirk Holtermann: Un-Kräuter zum Genießen. Rau Düsseldorf 2002. ISBN 3925691251
- Jean-Marie Dumaine: Meine Wildpflanzenküche/100 Rezepte für Feinschmecker. AT Verlag 2005. ISBN 3855028230
- Steffen Guido Fleischhauer: Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen. AT Verlag 2005. ISBN 3855028893
- Eva-Maria und Wolfgang Dreyer: Wildkräuter, Beeren und Pilze erkennen sammeln und genießen. Kosmos Verlag Stuttgart. ISBN 3440101487
- Horst Altmann: Giftpflanzen und Gifttiere. Blv Verlagsgesellschaft 2003. ISBN 3405162556
Weblinks
- [http://www.bisz.suedzucker.de/bisz/biszportal.nsf/name/Unkraeuter-DE Unkraut erkennen]
- [http://www.garten-literatur.de/Kalender/unkraut.htm Gedanken zum "Unkraut"]
- [http://www.essbare-wildpflanzen.de/ Essbare Wildpflanzen.]
- [http://www.ruhr-uni-bochum.de/boga/Ackerwildkraeuter.html Ackerunkräuter Nordrhein-Westfalens]
Kategorie:Gartenbau
Kategorie:Feldwirtschaft
ja:雑草
NaturverjüngungAls Naturverjüngung wird in der Forstwirtschaft ein durch angeflogene Saat, Saat umstehender Bäume oder vegetative Vermehrung, z.B. Stockausschlag, entstehender Nachwuchs-Waldbestand oder Teilbestand bezeichnet. Im Gegensatz dazu ist die forstliche Kultur ein künstlich durch Saat oder Pflanzung angelegter Nachwuchs-Bestand.
Als Vorteile der Naturverjüngung werden vor allem Kosteneinsparung (kein Pflanzenkauf, keine Pflanzarbeit) und oft optimale Anpassung an den vorhandenen Standort genannt: Wenn die einer Naturverjüngung vorangegangene Generation am gleichen Standort bereits erfolgreich wuchs, kann dies auch von den Nachkommen erwartet werden.
Hauptproblem für das Gedeihen einer Naturverjüngung sind in Deutschland die oft überhöhten Reh- und Rotwild-Bestände, deretwegen Schutzmaßnahmen wie z.B. die teure Anlage eines Wildschutzzaunes nötig werden.
Kategorie: Forstwirtschaft
SterilDer Begriff Steril bedeutet:
- keimfrei, d.h. frei von Mikroorganismen und Viren, siehe Sterilisation
- unfruchtbar, d.h. unfähig Nachkommen zu erzeugen, siehe Unfruchtbarkeit
19. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert begann am 1. Januar 1801 und endete am 31. Dezember 1900. Es gehört zur Epoche der Neuzeit, die um die Jahrhundertwende zum 16. Jahrhundert begonnen hatte.
Neue Organisationsformen: Der Nationalstaat
Fragt man nach den Organisationsformen, danach in welchen Einheiten sich die Menschen wahrnahmen, dann dürfte dies die große Veränderung sein, die mit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eintrat: Der Nationalstaat wurde als neue politische Institution aufgebaut. Er forderte neue Themen, neue Bildungssysteme, neue wirtschaftliche Strukturen, eine neue Vorstellung seitens derer, die in ihm lebten: die Bereitschaft, sich als Bürger zu sehen und sich dementsprechend zu organisieren.
Herrschaft geht im 18. Jahrhundert noch von den Herrschaftshäusern und politischen Parteiungen aus, sowie von mächtigen Adeligen, die hinter den Parteiungen stehen. Kriege werden im 18. Jahrhundert dementsprechend wahrgenommen: Regenten wollen sie, und lassen "ihr" Geld in sie fließen. Militärische Niederlagen werden im 18. Jahrhundert nicht als nationale Demütigungen empfunden, sondern als Teil einer von Regenten gestalteten Machtpolitik. Hier entwickelt sich im 19. Jahrhundert eine ganz neue Wahrnehmung. Sie ist vor allem eine Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege, die von einem ganz neuen Heer getragen werden - einem aus Staatsbürgern zusammengesetzten. Insbesondere Deutschland hat dem französischen Nationalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts wenig entgegenzustellen. Das Heilige Römische Reich ist in Einzelstaaten zersplittert, die von Napoleon gegeneinander ausgespielt werden. Der Reichsverband wird aufgelöst. Deutschlands Intellektuelle fordern in der Reaktion auf die Bedrohung einen Nationalstaat, der erst noch gegründet werden muss, der jedoch auf diesem Weg mit einem ganz neuen Bewusstsein von Staatsbürgerlichkeit ausgestattet wird. Ende des 19. Jahrhunderts sind militärische Niederlagen dann mit enormen nationalen Gesichtsverlusten verbunden. Ein deutsches Heer zieht 1870 durch Frankreich und erzwingt in Versailles, dem traditionelle Ort der von Frankreich ausgehenden Herrschaft ein Eingeständnis der Niederlage, das als nationale Schmach empfunden werden muss (und 1918 eine internationale Gegenantwort, eine verheerende Demütigung Deutschlands nach sich zieht).
Nationale Euphorien, wie sie in der Befreiung Griechenlands von den Türken in den 1820ern und im Einigungsprozess Italiens Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommen, bleiben ohne Parallele im 18. Jahrhundert - weder die englische Glorious Revolution von 1688 noch die Französische Revolution waren von vergleichbaren nationalen Sentimenten der Vereinigung begleitet. Europas Intellektuelle wie der Romantiker Lord Byron, der bei einem militärischen Kommando in Griechenland stirbt, entwickeln eine romantische Identifikation mit den neuen nationalen Bewegungen, die vom Volk getragen werden müssen, um zu funktionieren. Authentischer als Politik des 18. Jahrhunderts, echter, den Wurzeln näher, erscheint der neue Nationalismus.
Das 19. Jahrhundert legte hier Grundsteine für Entwicklungen die im 20. neue Ausprägungen und globale Dimensionen gewinnen sollten. Der Faschismus und der Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts werden sich als national-völkischen Bewegungen manifestieren. Hochtechnisierte und hochgerüsteten Staaten werden sich hier in romantischen Rückbesinnungen auf Völkische Ursprünge definieren und Konflikte globaler Dimensionen austragen, die die Welt neu ordnen werden.
Die Nation als von ihrer Wirtschaft lebende Einheit
Entscheidende Bedeutung für die Ausbildung des Nationalstaates gewinnt im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung, die ein Ringen um wirtschaftliche Macht zwischen Europas Nationen auslöst. Im 18. Jahrhundert suchen die Regenten Europas nach Möglichkeiten, ihre Staatshaushalte zu sanieren - Staatshaushalte, die im wesentlichen ihre persönlichen familiären Haushalte sind. Geld leihen sie sich von privaten Finanziers, Steuereinnahmen erhöhen sie, soweit dies geht, im besonderen Fall ziehen sie Geld aus der kursierenden Münze. Es geht aus der Sicht der Haushalte des 17. und 18. Jahrhunderts darum, den Abfluss von Edelmetall ins Ausland verhindern. Infrastrukturmaßnahmen, wie die Ansiedlung von Manufakturen, bleiben im 18. Jahrhundert von den Regenten gesteuerte Maßnahmen. Der Kameralismus entwickelt sich als eigene Wissenschaft der wirtschaftlichen Sanierung eines Territoriums durch den Landesherrn.
Mit dem 19. Jahrhundert verändert sich die Sicht auf wirtschaftliche Entwicklungen. Großbritannien wurde als Kolonialmacht und als Land der hier früh einsetzenden Industrialisierung bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Wirtschaftsimperium. Amsterdam verlor seine Stellung als zentraler Handelsplatz. London, die Hauptstadt des Commonwealth übernahm diese Position. Die nationale Einigung Deutschlands geschieht am Ende im 19. Jahrhundert maßgeblich in einem Aufholprozess, der auf dem Gebiet des Nationalismus mit Frankreich konkurriert, wirtschaftlich und militärisch jedoch mit dem industrialisierten und hochgerüsteten Großbritannien. Ohne die Industrialisierung, wie sie England leistete, kann das aufstrebende Preußen, die Kernmacht des neuen deutschen Reichs, Großbritannien keine Flotte entgegenstellen, und ohne eine Flotte wird die neue Nation keine Chance haben, noch Kolonien zu akquirieren.
Europas Nationen müssen die Rahmenbedingungen für die Industrialisierung stellen, wollen sie einander gegenüber bestehen.
Der wirtschaftliche Konzentrationsprozess wird von neuen Debatten begleitet: Mit der Auseinandersetzung um den Liberalismus geht es im 19. Jahrhundert um die Kernfrage, ob dem Nationalstaat mehr mit einer staatlich gelenkten Wirtschaft gedient ist, oder damit, dass er seinen Bürgern und ihrer Initiative größte Freiheit lässt. Der Kommunismus gewinnt in der Auseinandersetzung zwischen deutschen Debatten und der Realität des englischen Wirtschaftssystems Mitte des 19. Jahrhunderts seine Programmatik. Er prognostiziert, dass mit der neuen wirtschaftliche Integration die Klasse der Arbeiter eigene Kontur gewinnt - eine Klasse, die am Ende das Ende der Nationalstaaten herbeiführen wird, eine Weltherrschaft der Arbeiterklasse, gestützt auf die Produktion, die letztlich von der Arbeiterklasse ausgehen muss.
Der Sozialismus strebt Kompromisse mit dem Nationalstaat an, soziale Sicherungssysteme, die Massenarmut verhindern und den Staat stabilisieren.
Europas Nationen im Wettbewerb um Kolonien
Der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts geht im wesentlichen bis in das 16. und 17. Jahrhundert zurück, er weist jedoch gänzlich neue Züge auf. Spanien und Portugal nutzten ihr Kolonien vordringlich, um Gold aus ihnen zu beziehen - das Edelmetall war von kurzem Profit, der Goldfluss führte zu einem Preisverfall, weniger jedoch zum Aufbau sich selbst erhaltender wirtschaftlicher Strukturen. Einen zweiten Entwicklungsschub leistete der niederländische Kolonialismus des 17. Jahrhunderts, der Amsterdam zum Weltfinanzort machte. Ihn prägte der Zusammenschluss Amsterdamer Kaufleute in Handelsgesellschaften, die die größere Erschließung von Wirtschaftsräumen zwischenfinanzierten. Importiert wurden aus den Kolonien Handelswaren. Der Reichtum der Niederlande resultierte aus dem Zwischenhandel und der Veredelung von Rohstoffen in Manufakturen des Landes.
Was dem niederländischen Kolonialismus fehlte, war die staatliche Deckung, die er in Großbritannien entwickelte. Die Unterwerfung des Mogul-Reichs Mitte des 18. Jahrhunderts mit britischer Militärmacht bedeutet hier am Ende eine Weichenstellung in den Kolonialismus des 19. Jahrhunderts. Private Kapitalgesellschaften bilden das Rückgrat des britischen Kolonialismus. Der Staat deckt sie durch den Aufbau der Nationalbank. In den Kolonien baut der erstarkende Staat Substrukturen seiner selbst auf: Eigene Bildungszentren, eine eigene ständige Armee als Ordnungsmacht, eigene staatliche Strukturen, aus denen im 20. Jahrhundert führende Nationen der Dritten Welt hervorgehen.
Der Wettstreit der Nationen um Kolonien wird im 19. Jahrhundert zum zentralen Thema europäischer nationaler Selbstwahrnehmung. Große Projekte wie der Bau des Sueskanals werden zu Kristallisationspunkten des neuen Bewusstseins. Die eigene, europäische Überlegenheit gegenüber dem kolonialen Raum schafft einen Rassismus, der im 18. Jahrhundert nicht bestand, und ein eigenes Feld der Kulturtheorie, in dem es um die Frage geht, unter welcher Bedingung sich Kulturnationen entwickeln.
Rohstoffe, Energiereserven und Industrie
Innerhalb der einzelnen Länder wird die Industrialisierung und die Erschließung der Kohlevorkommen zum Gegenpol des Kolonialismus. Zu verarbeitende Güter werden importiert, Energiereserven müssen im Land für ihre Verarbeitung erschlossen werden. Die Kohlevorkommen Nord und West Englands, Lothringens und des Rheinlands werden der Reihe nach wirtschaftlich nutzbar gemacht. Großbritannien muss sich Ende des 19. Jahrhunderts der wirtschaftlichen Konkurrenz des erstarkten europäischen Kontinents stellen, bevor die USA im 20. Jahrhundert mit einer eigenen Wirtschaftspolitik und Dank ihrer schieren Marktgröße Europas Nationen überholen.
Die Erfindung der Dampfmaschine geht in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Im Zusammenspiel mit der Erschließung neuer Energievorkommen und dem Rohstoffimport aus den Kolonien erlaubt sie den Aufbau des industrialisierten Europas. Europas Landkarte verändert sich im Prozess. Reich waren im 17. und 18. Jahrhundert vor allem die Herrschaftszentren. Mit der Erschließung von Rohstoffvorkommen werden Regionen, die bislang uninteressant waren, als Wirtschaftsstandorte attraktiv. Das Rheinland und der Raum um Lüttich machen hier Karrieren.
Neue Verkehrsmittel und Medien
Mit der Industrialisierung wird die Eisenbahn und die Dampfschifffahrt aufgebaut - beides Erfindungen, die nötig sind, um die flächendeckende Erschließung von Wirtschaftsräumen überhaupt zu durchzuführen. Auf dem Kontinent erlaubte die Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts den Transport von Waren, die verarbeitet werden sollen an die Orte, an denen Rohstoffvorkommen die Energiereserven stellen. Zwischen den Kohleabbaugebieten, den industrialisierten Zentren, und den bestehenden Handelsmetropolen entwickeln sich Verkehrsnetze.
Mit der Ausdehnung der wirtschaftlich nutzbaren Fläche wächst die Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Zu den neuen Verkehrsmitteln kommt ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Aufbau der modernen Telekommunikation. Das erste Transatlantikkabel wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt. Nachrichten können wenig später mit Lichtgeschwindigkeit weltweit transportiert werden - für den Wettstreit zwischen den USA und Europa, der mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt, ist das fast die entscheidende Voraussetzung.
Mit den neuen Medien nimmt die staatliche Struktur selbst neue Formen an. Herrschaft bedurfte im Mittelalter immer wieder der persönlichen Präsenz des Regenten, der im Bedarfsfall von Pfalz zu Pfalz reiste, um Herrschaftsansprüche zu vor Ort geltend zu machen. Die frühe Neuzeit erlaubte die zentrale Machtausübung, den Absolutismus als neue Herrschaftsform. Eine zentrale Steuer- und Geldpolitik und eine bis an die Landesgrenzen reichende militärische Präsenz sicherten die neue Herrschaftsform wie die neuen Medien des Informationsmarkts: der Druck machte im 17. Jahrhundert Zeitungen allerorten verfügbar. Noch breiteten sich Nachrichten jedoch mit der Geschwindigkeit des Postverkehrs aus, und dieser Informationsfluss ließ bis in das 19. Jahrhundert kaum beschleunigen.
Die Kommunikation über die Telegrafie erlaubt Mitte des 19. Jahrhunderts die Produktion von Zeitungen und Journalen, in denen weltweit am selben Tag dieselben Nachrichten verfügbar werden. Die Machtausübung zwischen Regierungszentralen und lokalen Behörden gewinnt Intensität. Das Gefühl jederzeit und an jedem Ort des Landes von den Entscheidungen der Regierung betroffen zu sein, von Entscheidungen die ihre Informationen vorort erheben, schafft ein neues Bewusstsein bei den Bürgern von der übergeordneten staatlichen, das gesamte Gebiet erfassenden Einheit.
Bürgertum und Interessenverbände
Die Beziehungen zwischen dem Einzelnen und dem Staat werden im Verlauf des 19. Jahrhunderts in den Nationalstaaten grundlegend neu organisiert. Das 18. Jahrhundert trug noch immer den Traditionen der Ständegesellschaft Rechnung. Privilegien wurden einzelnen Ständen garantiert. In den Städten wurden Berufsgruppen mit Privilegien ausgestattet. Wirtschaftlichem Wachstum waren im 18. Jahrhundert ganz handfeste Grenzen gesetzt: Die meisten Städte Europas waren im 18. Jahrhundert ummauert. Manufakturen mussten vor den Stadtmauern ohne den Schutz errichtet werden, den die Stadt gewährte. In der Stadt wiederum wurden die einzelnen Handelsbefugnisse vom Rat der Stadt verwaltet und nicht vermehrt. Wer im 18. Jahrhundert in einer Stadt ein neues Geschäft aufmachen wollte, musste in eine Familie mit der Gewerbebefugnis seiner Wahl einheiraten oder eine verwaiste Gewerbebefugnis erwerben.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schleifen die größeren Städte Europas ihre Befestigungsanlagen. Wo die Mauern standen, entstehen Ringstraßen. Wirtschaftliche Ansiedlungen und Villenviertel greifen an den neuen Sternstraßen aus, die die Städte des 19. Jahrhunderts anlegen. Die Voraussetzung dieser Entwicklung war der militärtechnischer Fortschritt: Als sich Städte nicht mehr verteidigen ließen, wurden ihre großen Befestigungsanlagen unnütz, neue Armeen mussten die Landessicherung vornehmen. Mit dem 19. Jahrhundert entwickeln sich die Großstädte Europas zu Wirtschaftszentren.
Zutrittsbedingungen zu den Berufen werden liberalisiert. Neuansiedlungen von Unternehmen werden gefördert. Ein neues Verständnis staatsbürgerlicher Initiative und privaten Unternehmertums ist die Folge. Das Bürgertum, das zur treibenden initiativen Kraft wird, benötigt und schafft neue Organisationsformen. Berufsverbände und ein komplexes Geflecht an Gesellschaften und Interessengruppen, die das wirtschaftliche Leben bestimmen und den kulturellen Austausch prägen.
Nation und Bildung
Eines der wichtigsten Probleme, das die Französische Revolution Europas Nationen hinterließ war das der stabilen sozialen Ordnung. Eigene Ideologien nehmen sich im 19. Jahrhundert der zentralen Frage der sozialen Mobilität und ihrer konfliktfreien Gewährleistung an - der Positivismus, der anfänglich der französische Revolution nahe steht und dann mit dem Liberalismus einhergeht, begründet die Soziologie als Wissenschaft des geregelten und für die Menschheit fruchtbaren Zusammenlebens. Der Sozialismus und der Kommunismus knüpfen weiterreichende politische Forderungen an die Entwicklung der Staaten.
Eine ganz andere Lösung des Problems sozialer Mobilität richtet sich mit den Bildungssystemen ein. Die Nationen Europas garantieren ihren Bürgern - unabhängig von Schicht und Konfession - gleiche Aufstiegschancen. Statt der Revolution einer Klasse, kann das Individuum versuchen, in privater Initiative sich empor zu arbeiten.
Die Chancen dazu muss das Bildungssystem liefern, das allen offen steht. Die Schulpflicht wird eingeführt. Zu sozialer Unruhe führt das neue System dabei gerade nicht: Jeder einzelne kann theoretisch aufsteigen, wenn er den entsprechenden Bildungsweg nimmt. Praktisch haben die finanzstarken Schichten des Bürgertums und des Adels nicht wettzumachende Vorteile, ihren Kindern in den nationalstaatlich organisierten Bildungssytemen die optimalen Startbedingungen zu geben. Arbeiterkinder werden frühzeitig aus der Schulbildung genommen, um für den Familienunterhalt zu sorgen.
Mindestens so wichtig für die soziale Stabilisierung werden die nationalen Diskussionsthemen, die in den Schulunterricht eingeführt werden. Sie sorgen für ein tiefergehendes Klassenbewusstsein. Über Kunst, Literatur und Musik spricht man in den oberen Schichten - gebildet. In den unteren Schichten bietet eine populäre Kultur eigene Diskursgegenstände an mit dem Ergebnis, dass eine Vermischung der Schichten für alle Beteiligten unattraktiv wird. Man teilt die Themen nicht, die in den verschiedenen Schichten interessant sind, sobald man Schichten wechselt.
Kulturnationen und Säkularisation
Die Schulbildung und alle nationalen Debatten blieben im 18. Jahrhundert mit religiösen Themen ausgestattet. Die Religionen stellten entscheidend die Öffentlichkeit her, innerhalb derer Diskussionen stattfinden konnten. Europas Landkarte war nicht nur territorial zersplittert, sie war zudem nach den drei Konfessionen geteilt, ohne das dabei ein einheitliches Muster zustande kam. Die Konflikte zwischen den Nationen deckten sich nicht mit der konfessionellen Landkarte. Konflikte einzelner Nationen mit Interessengruppen, die konfessionell gebunden waren, führten in der Regel darum immer sofort auch Konflikte zwischen den Nationen herbei, die sich für die benachteiligten religiösen Gruppen verantwortlicher fühlten.
Anfang des 19. Jahrhunderts erfasst eine Säkularisations-Welle Kontinentaleuropa. Die Kirche wird dem Staat untergeordnet. Einzelne Territorien wie Bayern und Württemberg überwinden ihre Zersplitterung in kleine isolierten regionale Gebiete durch spektakuläre Aneignungen kirchlichen Besitzes. Eine Verlagerung gesellschaftlicher Debatten muss die Säkularisation absichern. Die Nation muss die Diskussionen dominieren, will sie die Macht der Kirchen zurückdrängen. Sie tut dies indem sie gerade den Schutz der bürgerlichen Freiheiten anbietet.
Der Nationalstaat des 19. Jahrhunderts führt die Gleichberechtigung der Religionen ein, bevor er den Bürgern gänzliche Freiheit des Bekenntnisses einräumt. Von entscheidender Bedeutung wird diese Entwicklung für Europas Juden, die bislang in allen Territorien eine diskriminierte Minderheit waren. Wohl finden sie auch jetzt kaum Zugang zu Positionen in Militär und Politik, doch können sie in Wirtschaft und Bildung zunehmend frei investieren und eine eigene Bedeutung in der Gesellschaft damit entwickeln.
Gegenüber den von der Religion dominierten Debatten kommen neue Debatten- und Bildungsgegenstände auf: Nationaltheater werden in den Städten aufgebaut, um der Nationalliteratur einen Raum zu geben. Auf dem Buchmarkt werden die Veränderungen mit einer Umstrukturierung des Angebots greifbar: Die Buchhandlungen des 18. Jahrhunderts boten überwiegend Theologica - kontroverse Theologica, große Lehrwerke, "praktische" Theologie vom Gebetbuch bis zum religiösen Verhaltensratgeber. Im 19. Jahrhundert verliert die Theologie ihre Marktbedeutung, die Belletristik und in dieser die Nationalliteratur nehmen ihren Platz ein. Zusatzdiskussionen kommen auf: Die Kunstdebatte, die jetzt bildende Kunst zum neuen Gegenstand hat, die ernste Musik, die einen eigenen Konzertbetrieb aufbaut.
Mit beiden Debattenfeldern wird die nationale Literaturdiskussion um zwei internationale Plattformen erweitert. Alle drei großen Debatten werden im Austausch über die "Kultur" zusammengefasst. Die Frage, was eine Kulturnation auszeichnet, beschäftigte Europas Intellektuelle im Blick auf die "unterentwickelten" Länder Afrikas wie im Wettstreit der europäischen Kulturnationen um nationale Identität. Er findet auf dem Gebiet der Kultur seinen Hauptaustragungsort.
Identifizierten sich Großbritannien und Frankreich mit längerer Tradition als Nachfahren Roms, so wählt Deutschland im 19. Jahrhundert einen folgenschweren nationalen Sonderweg. Das Mittelalter wird zur eigenen großen Phase der Nation gemacht. Über das Mittelalter gründet sich die neue Nation auf "germanische" Wurzeln. Als Option war dies bereits in Debatten der Humanisten angelegt. Nun jedoch wird ein spezifischer Nationalcharakter und eine neue Ethik hinzuentwickelt. Deutschland bricht im 19. Jahrhundert mit Idealen des christlichen Humanismus. Das Germanische wird als Gegenkultur aufgebaut, in der das Volk am Ende die Ethik rechtfertigen soll - es wird zur vitalen biologischen Einheit, die die Nation als Organisationsform hervorbringt, und die von der Nation aggressiv gegen Einfluss der Nachbarnationen geschützt werden muss. Von der Romantik geht hier eine Entwicklung in die Philosophie Friedrich Nietzsches, die einen über der Moral stehenden Übermenschen denkbar macht, in den Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts, wo der Übermensch und das Volk rassistische Qualitäten gewinnen gegenüber den "Untermenschen" im Land und "in den slawischen Völkern" des Ostens, deren Unterwerfung und Ausrottung Programm des wirtschaftlich und militärisch modernen Nationalstaates werden - eines Nationalstaats, der die verqueren Traditionsangebote des 19. Jahrhunderts zusammenbringt und der schließlich zum Schutz der "arischen Rasse" schreitet.
Die Literatur, die Kunst und die Musik werden zu Bereichen eines pluralistischen Austauschs
Die Literatur, jetzt definiert als der Bereich der nationalsprachlichen Überlieferung (siehe hierzu eingehender den Artikel Literatur), die Kunst, jetzt definiert als Feld der Dinge, die ob ihrer Ästhetik gewürdigt sein wollen und die Musik w | | |