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| Hydraulikspeicher |
HydraulikspeicherEin Hydraulikspeicher ist ein Bauteil der Fluidtechnik, welcher zur Speicherung hydraulischer Energie dient.
Funktion:
Eine Hydraulikflüssigkeit wird unter Druck in einen mit Gas (in der Regel Stickstoff) gefüllten Druckbehälter gepresst. Die Hydraulikflüssigkeit komprimiert das Gas und steht zu einem späteren Zeitpunkt als "gespeicherte Energie" zur Verfügung.
Ein Sonderfall ist der Einsatz als Schwingungsdämpfer in Hydrauliksystemen.
Das Gas und die Hydraulikflüssigkeit wird durch eine Trennschichte (Membrane, Gummiblase, Kolben) getrennt, um eine Aufnahme des Gases durch die Flüssigkeit und auch ein Entweichen derselben bei drucklosem Hydrauliksystem zu vermeiden.
Einzelne Speicher können zu Speicherbatterien zusammengeschaltet werden. Es kann so eine sehr große Energiemenge gespeichert werden (Speichervolumen auf der Hydraulikmedienseite von einigen tausend Litern, sowie einigen tausenden Litern Stickstoff auf der Gasseite unter 200 - 300 bar stehend, werden gebaut). Derartige Anlagen finden in Kraftwerken, Stahlwerken aber auch in Theatern Verwendung. Der Vorteil derartiger Anlagen ist, dass diese hohe gespeicherte Energie auch dann zur Verfügung steht, wenn keine Antriebsenergie verfügbar ist. (Notbetrieb). So würden z.B. bei 1000 dm³ gespeicherter Hydraulikflüssigkeit unter einem Druck von 250 bar etwa 2500 kW über 10 s zur Verfügung stehen.
Man unterscheidet mehrere Bauformen von Hydraulikspeichern:
- Blasenspeicher und Membranspeicher
- Kolbenspeicher
- Federbelastete Hydraulikspeicher (Sonderform von Kolbenspeichern, an Stelle eines Gases wird eine Feder vorgespannt)
Kategorie:Fluidelement
Kategorie:Fluidtechnik
FluidtechnikFluidtechnik ist ein Oberbegriff für alle Verfahren, in denen Energie durch Gase oder Flüssigkeiten übertragen wird.
Technisch angewandt wird die Fluidtechnik in der Hydraulik (Übertragung der Energie durch Hydraulikflüssigkeiten) und in der Pneumatik (Übertragung durch Druckluft).
Siehe auch: Fluid
Kategorie:Gastechnik
Kategorie:Strömungslehre
HydraulikflüssigkeitHydraulikflüssigkeit ist ein Fluid, welches zur Übertragung von Energie (Volumenstrom, Druck) in Hydrauliksystemen in der Fluidtechnik benötigt wird.
Je nach Verwendungszweck und geforderter Eigenschaft (besondere Hoch- oder Tieftemperaturfestigkeit, schwere Entflammbarket, besondere Schmierfähigkeit) sind diese unterschiedlich aufgebaut:
Auf Mineralölbasis
Die am häufigsten eingesetzte Hydraulikflüssigkeit ist auf Mineralölbasis mit entsprechenden Additiven aufgebaut. Sie wird auch als Hydrauliköl bezeichnet. Die Anforderungen an diese Hydrauliköle sind in der DIN 51524 mit den Bezeichnungen HL, HLP, HVLP festgelegt.
HL: mit Wirkstoffen zum Erhöhen des Korrosionsschutzes und der Alterungsbeständigkeit (DIN 51 524, Teil 1)
HLP: mit Wirkstoffen zum Erhöhen des Korrosionsschutzes, der Alterungsbeständigkeit sowie zur Verminderung des Freßverschleißes im Mischreibungsgebiet (DIN 51 524, Teil 2)
HVLP: mit Wirkstoffen zum Erhöhen des Korrosionsschutzes, der Alterungsbeständigkeit, zur Verminderung des Fressverschleißes im Mischreibungsgebiet sowie zur Verbesserung des Viskositäts-Temperatur-Verhaltens (DIN 51 524, Teil 3)
HLPD: mit Wirkstoffen zum Erhöhen des Korrosionsschutzes, der Alterungsbeständigkeit und detergierenden Zusätzen (nicht genormt)
HFA: Öl in Wasser Emulsionen
Wassergehalt > 80% und Konzentrat auf Mineralölbasis oder auf Basis von löslichen Polyglykolen.
Bei Konzentrat auf Mineralölbasis besteht Gefahr der Entmischung und sind Mikrobenanfällig.
schwer entflammbar, einsetzbar für Temperaturen zwischen +5°C bis +55°C
HFB: Wasser in Öl Emulsionen
Wassergehalt > 40% und Mineralöl. Wird selten verwendet.
schwer entflammbar, einsetzbar für Temperaturen zwischen +5°C bis +60°C
HFC: Wasserglykole
Wassergehalt > 45% und Polymer-Lösung,
schwer entflammbar, einsetzbar für Temperaturen zwischen -20°C bis +60°C.
Haben negativen Einfluß auf Lebensdauer von Wälzlagern
HFD: Synthetische Flüssigkeiten
HFD-R: Phosphorsäure Ester
HFD-S: chlorierte Kohlenwasserstoffe
HFD-T: Mischung aus HFD-R und HFD-S
Haben höhere Dichte als Mineralöl oder Wasser, können Probleme beim Ansaugverhalten von Pumpen verursachen und greifen viele Dichtungswerkstoffe an.
schwer entflammbar, einsetzbar für Temperaturen zwischen -20°C bis +150°C.
Biologisch abbaubar
hergestellt auf Basis pflanzlicher Öle (z.B. Rapsbasis). Einsatz in Biologisch kritischer Umgebung (Baumaschinen in Wasserschutzgebieten, Pistengeräte im Gebirge etc.)
Kategorie:Fluidtechnik
DruckDas Wort Druck bezeichnet
- eine physikalisch-technische Größe, siehe Druck (Physik),
- eine Reproduktionstechnik, siehe Druck (Reproduktionstechnik),
- ein Produkt der Reproduktionstechnik, siehe Druck (Druckerzeugnis).
- eine psychische (Stress) oder psychische Belastung in bzw. vor Leistungssituationen (siehe u. a. defensiver Pessimismus)
Gas
Gas bezeichnet einen der Aggregatzustände oder einen Stoff, der sich üblicherweise in diesem Aggregatzustand befindet.
Begriffsabgrenzung
Eine Substanz wird als „Gas“ im engeren Sinne bezeichnet, wenn sie bei einer Temperatur von 20 °C (Raumtemperatur) und einem Druck von 1 atm (sog. Standardbedingungen) im gasförmigen Aggregatzustand vorliegt. Allgemeiner bezeichnet man auch den gasförmigen Zustand einer Substanz selbst als Gas, unabhängig von der Temperatur. Zusammen mit den Flüssigkeiten zählt man Gase im Sinne eines gasförmigen Zustandes zu den Fluiden.
Eigenschaften
Fluid
Der idealisierte gasförmige Aggregatzustand, man spricht von einem idealen Gas, zeichnet sich durch die vollkommen freie Beweglichkeit der einzelnen Atome und/oder Moleküle entsprechend der kinetische Gastheorie aus. Dies hat zur Folge, dass ein Gas kompressibel ist, also sein Volumen dem herrschenden Druck anpasst und gilt bis auf wenige Einschränkungen auch für reale Gase.
Gase besitzen dabei auch Eigenschaften von Flüssigkeiten: sie haben die Fähigkeit zu fließen und widerstehen Deformation nicht, obgleich sie über eine Viskosität verfügen. Anders als Flüssigkeiten besitzen Gase jedoch kein festgelegtes Volumen und füllen daher immer den gesamten zur Verfügung stehenden Raum vollständig und gleichmäßig aus.
Dies liegt darin begründet, dass das Gesamtsystem den Zustand höchster Entropie anstrebt (zweiter Hauptsatz der Thermodynamik) und ein solcher Zustand einer statistischen Gleichverteilung der Gasteilchen in diesem Raum entspricht.
Den Übergang vom gasförmigen in den flüssigen Aggregatzustand bezeichnet man als Kondensation, den Übergang vom gasförmigen in den festen Aggregatzustand als Resublimation.
Lagerung
Um eine möglichst große Menge an Gas in einen Behälter zu bringen, also eine hohe Dichte zu erhalten, wird das Gas stark komprimiert. Damit der Behälter dabei dem Gasdruck standhält, werden meist zylinderförmige oder kugelförmige Körper wie bei Gasflaschen, Gaskesseln oder ehemals Gasometern eingesetzt. Der Gasdruck selbst ist ein hydrostatischer Druck.
Verwandte Themen
- Dampf ist ein Stoff in gasförmigem Zustand, der üblicherweise fest oder flüssig ist.
- Liste der Dichte gasförmiger Stoffe
- Angabe der Stoffreinheit bei technischen Gasen
- Spezielle Arten von Gasen und Gasgemischen, siehe :Kategorie:Gas.
- Physikalische Eigenschaften von Gasen, siehe Gasgesetze.
Weblinks
Kategorie:Chemie
Kategorie:Thermodynamik
ja:気体
ko:기체
ms:Gas
simple:Gas
Druckbehälteren]]
Als Druckbehälter werden all diejenigen Behälter bezeichnet, deren Druck im Inneren - in der Regel - vom Umgebungsdruck / Luftdruck abweicht. Im Gegensatz zu Druckgasbehältern und Transportbehältern nach Verkehrsrecht, in denen Fluide befördert werden, ist der Betrieb von Druckbehälter einem bestimmten Aufstellungsort zugewiesen.
Historisch wird noch unterschieden zwischen Dampfkesseln und Druckbehältern. Dampfkessel sind dadurch definiert, dass sie zur Erzeugung von Wasserdampf (Dampfdruck > 0,5 bar) oder Heißwasser (T > 110°C) mittels einer Feuerung, elektrischen Beheizung oder Abhitze eingesetzt werden.
Rohrleitungen zum Befördern von Fluiden sind keine Druckbehälter. Druckbehälter sind dadurch definiert, dass ihnen eine bestimmte Funktion zugewiesen ist (Lagern, Filtern, Wärmeübertragung).
Druckgeräterichtlinie
Seit 2002 unterliegen Druckbehälter mit Betriebsdrücken über 0,5 bar (Überdruck) der EG-Richtlinie 97/23/EG (Druckgeräterichtlinie). Sie werden dort als Druckgerät bezeichnet und müssen mit einer Konformitätserklärung (CE-Zeichen) in Verkehr gebracht werden. In Abhängigkeit von dem Gefahrenpotential einer Druckgerätes (Kriterien: maximaler Betriebsdruck, Volumen, gasförmiges oder flüssiges Fluid) werden Druckgeräte in 4 Kategorien eingeteilt. Der Hersteller kann aus unterschiedlichen Konformitätsbewertungsverfahren (Qualitätsmanagementsysteme, Einzelprüfung) wählen, um den Anforderungen der Druckgeräterichtlinie zu genügen. Der Druckbehälter erhält ein Herstellschild, auf dem die individuelle Herstellnummer sowie die Betriebsdaten und das CE-Zeichen aufgeführt sind. Der Hersteller muss eine Gefahrenanalyse erstellen und eine Betriebsanleitung mit den Angabe von Einsatzbedingugnen und Restgefahren an den Verwender weiterleiten.
Anforderungen an die Aufstellung und Prüfung von Druckbehältern sind in der nationalen Betriebssicherheitsverordnung spezifiziert.
Druckbehälterarten
Betriebssicherheitsverordnung]
Druckbehälter können in Bezug auf die Funktion wie folgt eingeteilt werden:
- Lagerbehälter für Gase (Flüssiggaslagerbehälter, verflüssigte tiefkalt gelagerte Gase),
- Druckluftbehälter,
- Silos mit Druckluftbeaufschlagung zur pneumatischen Förderung von körnigen Gütern (Silobehälter auf LKW),
- Druckspeicherbehälter (Hydraulikspeicher, Membranausdehnungsbehälter),
- Erhitzer in einer Thermalölanlage,
- Abscheider, Sammler, Filter (Waserabscheider),
- Wärmetauscher (Kondensatoren, Verflüssiger),
- Verfahrenstechnische Behälter und Appparate (Rührwerksbehälter, Kolonnen),
- beheizte oder gekühlte Druckbehälter als Bestandteil einer Anlage (z.B. dampfbeheizte Zylinder in der Papierherstellung, Plattenfroster)
Die Konstruktion und Dimensionierung von Druckbehältern wird in verschiedenen Regelwerken beschrieben. Die Druckgeräterichtinie lässt die Wahl des anzuwendenden Regelwerkes frei. In Deutschland wird meisten das AD-Regelwerk (AD-2000) angewandt; andere Regelwerke aus EG-Staaten dürfen ebenfalls verwendet werden (ASME, CODAP).
Betriebssicherheitsverordnung
Nach der Betriebssicherheitsverordnung (früher Druckbehälterverordnung) müssen Druckbehälter einer Prüfung vor Inbetriebnahme und wiederkehrenden Prüfungen (äußere, innere Prüfung, Druckprüfung) unterzogen werden. Diese Prüfung können bei kleineren Behältern (abhängig vom zulässigen Betriebsdruck und dem Behältervolumen) von einer befähigten Person; bei Behältern mit höherem Gefahrenpotenzial von einer zugelassenen Überwachungsstelle durchgeführt werden.
Ausrüstungsteile mit Sicherheitsfunktion
Druckbehälter müssen mit Ausrüstungsteilen mit Sicherheitsfunktion ausgerüstet werden, um den Behälter vor unzulässigen Betriebsbedingungen (Überschreitung des Auslegungsdrucks oder -temperatur) zu schützen. Ausrüstungsteile mit Sicherheitsfunktion sind:
- Sicherheitsventil (Druckentlastung in die Umgebung oder in ein Auffangsystem),
- Berstscheibe (Druckentlastung meist bei großen abzuführenden Massenströmen oder Einsatz bei geringen Ansprechdrücken),
- Druckbegrenzer (Abschalten des Druckerzeugers, z.B. Verdichter, Beheizung),
- Temperaturbegrenzer (Abschalten der Heizquelle),
- Flüssigkeitsmangelsicherung (bei befeuerten Druckbehälter als Schutz vor Überhitzung),
- Überfüllsicherung (Sicherstellung eines Gaspolsters über einem Flüssigkeitsstand zur Vermeidung eines Überdrucks durch thermische Flüssigkeitsausdehnung),
- Vakuumbrecher (Schutz vor äußerem Überdruck),
- Sonderanwendungen in der Verfahrenstechnik (Reaktionsblocker bei heftigen exothermen Reaktionen in einem Druckbehälter, Laufüberwachung eines Rührwerks um gleichmäßigen Reaktionsverlauf in einem Reaktor sicherzustellen).
- Wasserberieselungseinrichtungen (äußere Wärmezufuhr zur Kühlung z.B. im Brandfall).
Wenn der Behälter mit der sicherheitstechnischen Ausrüstung von einem Hersteller als funktionelle Einheit in Verkehr gebracht wird, wird dies als Baugruppe bezeichnet. Er muss für diese Baugruppe eine Konformitätserklärung erstellen und die Einsatzgrenzen in der Betriebsanleitung beschreiben.
Betreiberverantwortung
Der Betreiber einer Druckbehälteranlage muss den sicheren Betrieb gewährleisten. Er muss eine Gefährdungsbeurteilung erstellen und Maßnahmen zur Vermeidung vor Gefährdungen vorsehen. Dies können sein:
- äußere Schutz des Behälters (Anfahrschutz),
- Zutrittsverbote,
- Warnschilder,
- Gebotsschilder (Tragen persönlicher Schutzausrüstung),
- Schulung und Unterweisung der Mitarbeiter,
- Verwendung nur zugelassener Ersatzteile (Dichtungen, Schrauben),
- regelmäßige Dichtheitsprüfungen bei Verwendung gefährlicher Fluide,
- regelmäßige Entwässerung von Druckluftbehältern,
- regelmäßige Kontrolle des Behälters aus Schäden,
- Funktionsprüfung der sicherheitstechnischen Ausrüstung,
- Schutz vor dem Berühren heißer Oberflächen,
- Notfallübungen ggf. mit externen Stellen (Feuerwehr),
- Regelmäßige Wartung.
Die als notwendig ermittelten Maßnahmen werden in einer Betriebsanweisung aufgenommen.
Gefährdungen
Die Gefährdung durch Druckbehälter geht von der gespeicherten Energie in dem unter Druck stehenden Fluid aus. Die Energie ist die aufgebrachte Volumenänderungsarbeit, die von der Fluideigenschaft, dem Volumen des Behälters und dem Druck abhängt. Da die Kompressibilität (Formelzeichen: κ oder χ) von Flüssigkeiten gering ist, ist die gespeicherte Energie in Behältern mit Flüssigkeiten ohne Gaspolster gering. Das Gefahrenpotential ist gering, und die Anforderungen an diese Druckbehälter nach der Druckgeräterichtlinie und Betriebssicherheitsverordnung sind geringer. Bei sehr hohen Drücken (p > 100 bar) muss aber die Gefährdung bei Undichtigkeiten durch Flüssigkeitsstrahlen mit sehr hoher Geschwindigkeit berücksichtigt werden.
Dagegen ist in Druckbehälter, die mit Gasen oder druckverflüssigten Gasen (Flüssigkeiten, die über den atmosphärischen Siedepunkt erhitzt sind), eine erhebliche Energie gespeichert. Bei druckverflüssigten Gasen, z.B. Heißwasser mit T > 100°C, Kältemitteln, Flüssiggasen ist bei dem Bersten eines Druckbehälters noch die Nachverdampfung der überhitzten Flüssigkeit zu berücksichtigen. Ist ein Druckbehälter erheblich in seiner Festigkeit geschädigt und führt dies im Betrieb zu einem wanddurchgreifenden Riss, dann treten an diesen Rissstellen erhebliche Spannungsspitzen auf, die zu einem weiteren Aufreißen des Behälters führen. Dieses Aufreißen kann dazu führen, dass der Behälter durch den austretenden Gasimpuls raketenartig mehrere zig- bis hundert Meter fortgeschleudert wird. Ferner treten erheblich Gefährdungen durch weggeschleuderte Trümmerteile auf. Beim Bersten größerer Behälter kommt es bei einer Aufstellung in Räumen zu Druckspitzen, die zu einer erhebliche Gebäudebeschädigung führen können.
Weiter Gefährdungen, die ggf. zu berücksichtigen sind:
- Wegschleudern von ungesicherten Schnellschlüssen, die unter Druck geöffnet werden können,
- Freisetzung giftiger Fluide,
- Austreten heißer Fluide,
- Austreten druckverflüssigter Gase (Kälteverbrennungen),
- Bersten durch äußeren Überdruck, falls dieser Betriebsfall in der Auslegung nicht berücksichtigt wurde (Implosion),
- Bildung einer explosionsionsfähigen Atmosphäre,
- Dampfschläge bei der Entspannung von überhitzten Flüssigkeiten (spontanes Verdampfen) mit der Gefahr des Aufreißens von drucktragenden Verbindungen,
- Schneller Druckanstieg bei exothermer Reaktionen,
- Tieftemperaturversprödung bei unzulässig tiefen Temperaturen,
- Quetschungen durch bewegte Teile
Schäden an Druckbehältern
Schäden an Druckbehälter können durch mangelhafte Herstellung und / oder in Verbindung mit schädigenden Betriebsbedingungen auftreten. Soweit die Schädigung der Wandung lokal auftritt, kann dies z.B. bei einer Durchrostung zu einer Leckage führen. Solange die Wandungen neben einem lokal begrenzten Schadensbereich noch ausreichende Festigkeit aufweisen, führt eine Leckage nicht zu schlagartigen Risswachstum. Ist der geschädigte Bereich aber ausgedehnt, dann kann bei Unterschreitung der kritischen Schwelle der Riss schlagartig weiter wachsen, mit der Folge, dass der Behälter großflächig aufreißt. Dieses wird als Bersten bezeichnet. Wenn der Behälter mit kompressibelen Fluiden beaufschlagt ist, dann wird in Sekundenbruchteilen eine erhbliche Energie frei, die den Behälter beschleunigt und ggf. bilden abgrissene Bruchteile der Wandung gefährliche Geschosse.
Außenkorrosion
Die Korrosionen der äußeren Wandung kann durch eine aggressive Atmosphäre ausgelöst werden; z. B. Seewasser, halogenhaltige Reinigungsmittel oder durch säurebildende Gase. Behälter, deren Wandungen kälter sind als die Umgebungstemperatur, sind durch Außekorrosion gefährdet. Insbesondere bei schwarzen Behältern muss auf einen ausreichenden Korrosionsschutz und mänglefreie Ausführung des Dampfbremse geachtet werden.
Mit Bersten wird das plötzliche, schlagartige Versagen eines Druckbehälters bezeichnet. Gründe hierfür können sein:
- absichtliches Beaufschlagen des Behälters mit dem sogenannten Berstdruck im Rahmen einer sicheren (Behälter wird mit Wasser gefüllt) Zerstörungsprüfung
- Durchrostung des unter Betriebsdruck stehenden Druckbehälters. Die Dimensionierung der Wandstärke eines Druckbehälters enthält einen Wandstärkezuschlag, den sogenannten Korrosionszuschlag
- äußere mechanische Gewalteinwirkung, der der Druckbehälter nicht standhält. Beispiel: Treibgastank eines PKW bei Verkehrsunfall.
- thermischer Einfluss. Durch Erhitzung (Feuer, Brandschaden) oder auch nur durch Sonneneinstrahlung erwärmt sich das im Inneren des Behälters befindliche Medium. Die Wärmeausdehnung führt zu einem Druckanstieg über den Berstdruck.
- Vorausgegangenes Versagen verschiedener Sicherheitseinrichtungen. Nichtansprechen des Sicherheitsventils, Überdruckventils
- menschliches Versagen
Kategorie:Behälter
Kategorie:Gastechnik
Energie
Energie ist eine physikalische Zustandsgröße. Üblicherweise wird für die Energie das Formelzeichen E verwendet. Die Energie E eines Systems lässt sich selbst nicht messen, sie wird berechnet oder über die durch sie verrichtete Arbeit bestimmt.
Der Begriff wurde von dem schottischen Physiker William John Macquorn Rankine im Jahr 1852 im heutigen Sinn in die Physik eingeführt und leitet sich aus dem Griechischen ab: εν = in, innen und εργον = Werk, Wirken. Energie bedeutet ganz allgemein also eine den in der Physik betrachteten Objekten innewohnende Wirksamkeit. Zuvorderst wird sie als etwas verstanden, das in Arbeit umgewandelt werden kann. Energie ist danach die Fähigkeit eines Körpers, Arbeit zu verrichten. Vor 1852 wurde für Energie der Begriff Kraft, in Deutschland auch "lebendige Kraft", benutzt. Der neuerdings an Stelle von Wärmeenergie benutzte Begriff innere Energie ist ebenso pleonastisch gebildet wie etwa nasser Regen oder weißer Schimmel; philologisch korrekt müsste hier von innerer Energie gesprochen werden.
Energieformen
Bei den physikalischen Vorgängen treten viele verschiedene Energieformen auf, die hier zu 4 Gruppen zusammengefasst sind. Da diese Einteilung willkürlich ist, gibt es Sammelbegriffe für Energieformen, die spezielle Energieformen aus unterschiedlichen Gruppen kombinieren.
Energie ist, unabhängig von der Energieform, eine charakterisierende Größe für den Zustand eines Systems, eine so genannte Zustandsgröße.
Mechanische Energie
Die Energie eines mechanischen Systems kann immer als Summe von kinetischer und potenzieller Energie dargestellt werden. Die beiden Begriffe werden über die klassische Mechanik und die Quantenmechanik hinaus in fast allen Bereichen der Physik verwendet.
- Kinetische Energie wird auch als Bewegungsenergie bezeichnet. Sie wird durch die Bewegung eines Systems gegenüber eines anderen Systems und durch seine Masse bestimmt und setzt sich aus Translationsenergie und Rotationsenergie zusammen.
- Potentielle Energie wird auch als Lageenergie bezeichnet. In der Mechanik ist sie die Energie eines Systems, die es durch seine Lage in einem Kraftfeld besitzt, zum Beispiel im Gravitationsfeld der Erde.
- Schwingungsenergie: Beim Pendel wechselt die potentielle Energie bei maximaler Auslenkung mit der gleich großen kinetischen Energie während des Durchgangs durch die Ruhelage ab. Über die Mechanik hinaus sind Schwingungen allgemein durch einen periodischen Wechsel zwischen zwei Energieformen charakterisiert.
- Elastische Energie ist die potentielle Energie der aus ihrer Ruhelage verschobenen Atome oder Moleküle in einem elastisch deformierten Körper, beispielsweise einer mechanischen Feder. Allgemein bezeichnet man die Energie, die bei der elastischen oder plastischen Verformung in dem Körper gespeichert (oder freigesetzt) wird, als Deformationsenergie.
- Schallenergie: Beim Schall schwingen die Atome in Folge der Elastizität eines Festkörpers oder der Kompression einer Flüssigkeit oder eines Gases im Takt der Frequenz zwischen der potenziellen Energie der Auslenkung aus ihrer Ruhelage und der kinetischen Energie beim Durchgang durch diese Ruhelage. Der Begriff akustische Energie bezieht sich auf alle akustische (teils nicht von Menschen wahrnehmbare) Schwingungen.
- Wellenenergie ist ein Sammelbegriff, der nicht nur auf die akustischen Wellen zutrifft, sondern auf alle räumlich ausgebreiteten Schwingungsphänomene wie z. B. Wasserwellen und elektromagnetische Wellen.
Weder Schwingungs-, noch Schall- noch Wellen-Energie sind eigene Energien als Zustandsgrössen, denn Schwingung, Schall und Welle beschreiben in der Zeit ablaufende Vorgänge, also keine Zustände. In den Erläuterungen werden auch richtig die Energien (potentielle und kinetische) genannt, die als mechanische Energien alleine bei diesen Vorgängen wesentlich sind.
Elastische Energie ist die potentielle Energie in der Ruhelage. Wird ein Körper aus der Ruhelage verschoben, so ergibt sich eine potentielle Energieänderung, die durch die Verschiebung bewirkt wird und die in die Energiebilanz gehört.
Solche unscharfen Erläuterungen zu Energien erschweren ihre sorgfältigen Definitionen.
Thermische und innere Energie
Thermische Energie ist die Energie, die in der ungeordneten Bewegung der Atome oder Moleküle eines Stoffes gespeichert ist. Thermische Energie wird umgangssprachlich oft auch fälschlicherweise als Wärmeenergie, Wärmeinhalt oder Wärmemenge bezeichnet. Die Erscheinungsformen der thermischen Energie werden durch die Thermodynamik beschrieben. Ein anschauliches Beispiel für die komplexen Abhängigkeiten der dabei zu beobachtenden physikalischen Phänomene ist das Schmelzen von Eis und das Entstehen von Wasserdampf aus Wasser durch Zufuhr von thermischer Energie.
Die Summe aus thermischer Energie, Schwingungsenergie im Körper und Bindungsenergie bezeichnet man als Innere Energie (philologisch korrekt eigentlich innere Ergie; vgl. Einleitung des Artikels Energie).
Elektrische und magnetische Energie
- Elektrische Energie ist als potenzielle Energie im elektrostatischen Feld von elektrischen Ladungen gespeichert.
- Magnetische Energie ist im magnetischen Feld enthalten.
- Elektromagnetische Schwingungsenergie: Durch Induktion wechselt elektrische Energie im Takt der Frequenz mit magnetischer Energie. Dies findet in elektrischen Schwingkreisen statt, aber auch im Raum, in dem sich das elektromagnetische Feld ausbreitet. Dann spricht man von elektromagnetischer Strahlungsenergie oder Photonenenergie und speziell für den sichtbaren Frequenzbereich von Lichtenergie.
Bindungsenergie
- Chemische Energie: Energie, welche in der chemischen Bindung von Atomen oder Molekülen enthalten ist. Sie wird bei exothermen Reaktionen frei und muss für endotherme Reaktionen hinzugefügt werden.
- Kernenergie: Energie der Bindung der Protonen und Neutronen im Atomkern. Sie wird bei einer Kernreaktion in die Bindungsenergie der Reaktionsprodukte, also neuer Atomkerne umgesetzt, und in verschiedene Arten von Strahlung.
Materie
Masse und Energie sind äquivalent (Albert Einstein).
:
Dies wird z. B. bei der Kernspaltung und der Kernfusion ausgenutzt. Außer bei Experimenten in der Elementarteilchenphysik und manchen Kapiteln der Astrophysik ist jedoch die mit Energieänderungen des Systems einhergehende Massendifferenz weit unterhalb der Messgenauigkeit. In einigen Bereichen der Physik rechnet man in natürlichen Einheiten (), sowohl für Energie als auch für Masse benutzt man die Einheit Elektronenvolt.
Umwandlung der Energieformen und Energienutzung
Energie kann in physikalischen Vorgängen weder erzeugt noch vernichtet, sondern nur in verschiedene Energiearten umgewandelt werden. In einem geschlossenen System gilt der Energieerhaltungssatz, der einer der am genauesten experimentell gesicherten Sätze der Physik ist. Auch die Theorie unterstützt diese Überzeugung: In abgeschlossenen Systemen ist Energie eine Erhaltungsgröße.
In offenen Systemen hat die Energie Neigung, den zur Verfügung stehenden Raum gleichmäßig auszufüllen. Die dabei auftretenden und zu beobachtenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten führen zur Entropie, einer thermodynamischen Zustandsgröße mit dem gleichen Stellenwert wie die Energie.
Durch eine am System verrichtete Arbeit wird die Energie des Systems erhöht. Verrichtet das System selbst Arbeit, so wird seine Energie geringer. Die Arbeit verursacht hier also eine Zustandsänderung in Form einer Temperatur-, Form-, Lage- oder Beschleunigungsänderung.
Der Begriff Energienutzung bezieht sich auf die Umwandlung von einer Energieform in eine andere Energieform (→ Arbeit). Eine Energieerzeugung ist aufgrund des Energieerhaltungssatzes nicht möglich. Das gleiche gilt für Energieverbrauch, Energieverschwendung, Energiesparen und Energieverlust. In der Umgangssprache werden diese Worte oft mit moralischer Wertung für die Energieumwandlung verwendet. Weiterhin ist es nicht möglich, die Energieformen beliebig ineinander umzuwandeln. Insbesondere ist es unmöglich, dass ein System seine Wärmeenergie komplett als Arbeit abgibt.
Beispiele für die Energieumwandlung sind die Erzeugung von Licht und Wärme aus elektrischer Energie über einen elektrischen Widerstand und die Umwandlung der elektrischen Energie mit Hilfe des Elektromagnetismus über magnetische Felder in einem Elektromotor in kinetische Energie.
Chemische Energie eines Brennstoffs wird bei der Verbrennung in Wärmeenergie verwandelt oder in Verbrennungsmotoren (als Kraftstoff) in kinetische Energie umgewandelt. Abhängig vom Wirkungsgrad der Motoren wird ein relativ großer Anteil der verbrauchten Energie direkt in Abwärme umgewandelt.
Kinetische Energie wird bei der Bewegung entgegen dem Schwerefeld der Erde, also bergauf, in potentielle Energie oder über Reibung in Wärmeenergie oder akustische Energie umgewandelt.
In Elektrizitätswerken wird elektrischer Strom erzeugt. Entweder wird dabei vorhandene potentielle Energie (Speicherkraftwerk) oder kinetische Energie (Laufkraftwerk, Windenergieanlage) über Generatoren in elektrische Energie umgewandelt oder es wird der Umweg über eine Wärmekraftmaschine gewählt, um aus Wärme Energie zu gewinnen. Beispiele dafür sind Wärmekraftwerke, die mit Kohle, Öl, Gas, Biomasse, Kernkraft oder auch Müll betrieben werden.
Strahlungsenergie, auch in Form von akustischer Energie, wird beim Auftreffen auf eine absorbierende Fläche meistens in Wärmeenergie verwandelt.
Energieversorgung und -verbrauch
Mit Energieversorgung und -verbrauch( - ) wird die Nutzung von verschiedenen Energien in für Menschen gut verwendbaren Formen bezeichnet. Die von Menschen am häufigsten benutzten Energieformen sind Wärmeenergie und Elektrizität. Die menschlichen Bedürfnisse richten sich vor allem auf die Bereiche Heizung, Nahrungszubereitung und den Betrieb von Einrichtungen und Maschinen zur Lebenserleichterung. Hierbei ist das Thema Fortbewegung und der Verbrauch z. B. fossiler Energieträger in Fahrzeugen nicht unerheblich.
Die verschiedenen Energieträger können über Leitungen die Verbraucher erreichen, wie typischerweise elektrischer Energie, Erdgas, Fernwärme und Nahwärme, oder sie sind weitgehend lagerfähig und beliebig transportfähig, wie z. B. Steinkohle und Braunkohlen, Heizöle, Kraftstoffe (Benzine, Dieselkraftstoffe), Industriegase,
Kernbrennstoffe (Uran), Biomassen (Holz u. a.).
Der Energieverbrauch ist weltweit sehr unterschiedlich und in den Industrieländern um ein vielfaches höher als z. B. in der dritten Welt.
In industriell hoch entwickelten Ländern haben sich seit dem 19. Jahrhundert Unternehmen mit der Erzeugung und Bereitstellung von Energie für den allgemeinen Verbrauch beschäftigt. Hierbei steht die zentrale Erzeugung von elektrischer Energie sowie die Übertragung an die einzelnen Verbraucher im Vordergrund. Weiterhin ist die Beschaffung, der Transport und die Verwandlung von Brennmaterial zu Heizzwecken ein wichtiger Wirtschaftszweig.
Ca. 40 Prozent des weltweiten Energiebedarfes wird durch elektrische Energie gedeckt. Spitzenreiter im Verbrauch dieses Anteils sind mit ca. 20 Prozent elektrische Antriebe. Danach ist die Beleuchtung mit 19 Prozent, die Klimatechnik mit 16 Prozent und die Informationstechnik mit 14 Prozent am weltweiten elektrischen Energiebedarf beteiligt.
( - ) Energie kann nicht im eigentlichen Sinne verbraucht werden, sie kann nur von einer Form in eine andere umgewandelt werden. (Energieerhaltungssatz)
Energieträger
Hauptartikel: Energieträger
Erschöpfliche Energieträger
- Kohle (Steinkohle, Braunkohle)
- Torf
- Erdöl
- Ölsande/Ölschiefer
- Erdgas
- Gashydrat (noch ungenutzt auf dem Meeresboden)
(alles chemische Energie)
- Uran (Kernspaltung)
- Plutonium (Kernspaltung)
- Wasserstoff (Deuterium und Tritium in Kernfusionsreaktoren)
(alles Kernenergie)
Erneuerbare Energieträger
(siehe auch Erneuerbare Energie)
- Bioenergie/Biomasse (chemische Energie)
- Geothermie (thermische Energie)
- Solarenergie (Strahlungsenergie)
- Wasserkraft (potentielle und kinetische Energie)
- Windenergie (kinetische Energie)
Formeln
- Potenzielle Energie im Gravitationsfeld: ist gleich Gewichtskraft mal Höhe.
Diese Formel ist im Schwerefeld eines Himmelskörpers mit Radius nur eine Näherung, genauer ist: .
- Potenzielle Energie einer gespannten Feder: , wobei D die Federkonstante und s die Auslenkung der Feder aus der Ruhelage ist.
- Energie eines elektrischen Feldes: , wobei Q die Ladung und C die Kapazität ist.
- Äquivalenz von Masse und Energie: , wobei die Ruhemasse des Körpers und c die Lichtgeschwindigkeit ist.
- Nach dem Welle-Teilchen-Dualismus ist Strahlungsenergie , wobei h das Planck’sche Wirkungsquantum und die Frequenz ist.
- Klassische kinetische Energie:
- Relativistische kinetische Energie:
- Energie eines Erdbebens: , wobei M die Magnitude auf der Richterskala ist und E die Einheit „Tonnen TNT“ besitzt.
- Arbeit (Energieänderung) , wobei P die Leistung und t die Zeit ist.
Bemerkungen:
1. Die hier aufgeführten "Formeln" sind die Definitionen der verschiedenen Energien als Zustandsgrößen. Formeln, z. B. die für den freien Fall, sind die mathematische Darstellung für den Vorgang.
2. Für alle Energiedefinitionen wird ein großes E für Energie verwendet, obwohl in einigen Fällen nicht Energien E, sondern bezogene Energien e definiert werden. Die "Federenergie" ist die auf eine Feder bezogene Energie e =E/Feder. Die "Strahlungsenergie" ist die auf auf ein Photon bezogene Energie e = E/Photon. Jede Energieform Ej besteht aus einer Quantitätgröße Mj und der bezogenen Energie ej : Ej = Mj ej. Nur die so definierten Energieformen Ej treten primär in Energiebilanzen auf.
3. Arbeit ist keine energetische Zustandsgröße, wie die anderen hier definierten Energieformen. Arbeit ist eine Vorgangsgröße, die eine Energieänderung in einem System bewirken kann. Eine andere übliche Definition ist Arbeit ist
Die SI-Einheit der Energie ist das Joule.
1 J = 1 Nm = 1 Ws = 107 erg = 0,2388 cal = 0,102 kpm = 0,2778·10-6 kWh
Die folgende Aufstellung soll helfen, ein Gefühl für die Größenordnungen von Energie zu erhalten. Der Hauptartikel findet sich unter Größenordnung (Energie).
; 1 J = 1 Ws = 1 Nm : potentielle Energie, die beim Anheben einer Schokoladentafel (ca. 100 g) um 1 Meter in dieser gespeichert wird.
; 1,0·100 J = 10-3 kJ : ungefährer täglicher körperlicher Energieumsatz eines Menschen.
; 3,6·106 J = 3600 kJ = 3600 kWs = 1 kWh : Abrechungseinheit für Strom, Gas usw.
; 2,9·107 J = 8,141 kWh = 1 kg SKE : eine Steinkohleeinheit entspricht der Energiemenge, die beim Verbrennen von 1 kg Steinkohle umgewandelt wird. Dies ist ein gängiges Maß bei der Angabe von Primärenergie-Mengen. (1998 betrug der weltweite Primärenergie-Umsatz 14,1 Gt SKE = 390·1018 J)
; 1 eV = 1,602 176 462(63) · 10-19 J : Die Einheit Elektronvolt wird unter anderem in der Festkörper-, Kern- und Elementarteilchenphysik verwendet. Ein Photon von violettem Licht hat eine Energie von ca 3 eV, eines von rotem ca. 1,75 eV.
Siehe auch
- Größenordnung (Energie) - eine wertmäßige Zusammenstellung von alltäglichen und unalltäglichen Energien, die uns umgeben, ideal um Größenvergleiche aufzustellen.
- Energieerhaltung
- Energieeinsparung
- Energiemix
- Nutzpflanzen#Energie und Kraftstoffe liefernde Pflanzen
Weblinks
- [http://www.br-online.de/cgi-bin/ravi?v=alpha/centauri/v/&g2=1&f=021110.rm Was ist Energie?] Real Video (Aus der Fernsehsendung Alpha Centauri)
- [http://www.physik.uni-muenchen.de/leifiphysik/web_ph09/materialseiten/06_energie.htm Versuche und Aufgaben zur Energie]
- [http://www.energie-evolution.de/ Beschreibung von regenerativen Energiequellen]
- [http://www.rettet-unsere-welt.de/index.php?page=wissen&p2=geraete_leistungen Energiebedarf einiger typischer Haushaltsgeräte]
- [http://www.energie-zeitung.de/ Energie sparen, Heizung,Geothermie und Wärmepumpe]
- [http://www.hellfirez.de/web/referate/inhalte/Physik_Energie.htm Erzeugung von elektrischer Energie allgemein und anhand verschiedener Beispiele]
- [http://www.erdwaerme-zeitung.de/ Infos über Erdwärmeheizung und Geothermie]
- http://www.greenribbonpledge.com (engl.)
Kategorie:Physik
Kategorie:Erneuerbare Energie
ja:エネルギー
ko:에너지
ms:Tenaga
simple:Energy
th:พลังงาน
Liter
Der (bisweilen auch: das) Liter ist eine gesetzliche Einheit für das Volumen und wird durch das Einheitenzeichen "l" oder "L" symbolisiert. Das "L" als Einheitenzeichen für den Liter wurde eingeführt, um Verwechslungen mit der Ziffer 1 zu vermeiden und ist eher im englischen und französischen Sprachraum gebräuchlich.- Der Regelung der Geschlechter (Artikel der Einheitennamen) hat sich auch das DIN angenommen und in DIN 1301, Teil 1, festgelegt, dass der Name der Einheit Liter sächlich ist; aktuelle Ausgabe DIN 1301-1 vom Oktober 2002, dort Abschnitt 8.1
Die SI-Einheit des Volumens ist das Kubikmeter (m³), aber Liter darf ebenso mit dem SI verwendet werden. Ein Liter entspricht einem Kubikdezimeter (dm³) bzw. einem Tausendstel Kubikmeter (1 l = 0,001 m³). Ein Würfel mit einer Kantenlänge von 10 cm = 1 dm hat demnach ein Volumen von einem Liter.
Ein Kilogramm Wasser nimmt bei 3,98 °C und 1013,25 hPa das Volumen von einem Liter ein. Für das cgs-System wurde 1901 auf der 3. CGPM der Liter anhand dieser Eigenschaft definiert, allerdings irrtümlich bei 4 °C, was zu einer Erhöhung um ca. 0,028 % führte. 1964 wurde auf der 12. CGPM als Ergänzung zum SI die ursprüngliche Definition von 1793 wieder in Kraft gesetzt.
Dezimale Teile und Vielfache des Liter sind mit ihren teilweise veralteten Bezeichnungen unter anderem:
- Mikroliter (µl = mm³ = »λ«),
- Milliliter (ml = cm³ = »ccm« = »CC«),
- Zentiliter (cl),
- Deziliter (dl),
- Dekaliter (dal) und
- Hektoliter (hl).
Kiloliter (kl = m³) oder Megaliter (Ml = dam³) sind ungebräuchlich, stattdessen wird in diesen Größenordnungen mit Kubikmetern gerechnet.
- 1 Hektoliter = 100 Liter
- 1 Deziliter = 100 ml
- 1 Zentiliter = 10 ml
Weblinks
- [http://jumk.de/calc/raum.shtml Umrechnung der Volumen-Einheiten]
- [http://www.engnetglobal.com/tips/convert.asp?catid=2 Volumen-Umrechnung]
Kategorie:Maßeinheit
ja:リットル
ko:리터
simple:Litre
th:ลิตร
BarDas Adjektiv bar (v. althochdt.: bar = nackt, unbekleidet, entblößt, frei) beschreibt
- die Eigenschaft des Geldes im direkten Zahlungsverkehr mit Münzen und Scheinen, siehe Bargeld; Bar als Abkürzung für Bargeld: Verkaufen gegen Bar, der Betrag in Bar.
Das Substantiv Bar beschreibt
- in der Gastronomie ein bestimmtes Lokal (siehe Bar (Lokal)) oder die Bar als Theke in eben diesem Lokal (aus dem Englischen Bar = Balken, Stange, Schranke, Schanktisch) - daher auch Barriere, Barre, Barcode (in Englisch aber auch Bar = Anwaltskammer!)
- eine physikalische Maßeinheit des Drucks, siehe Bar (Einheit) (vom griechisch baros = Schwere)
- ein regelmäßig gebautes mehrstrophiges Lied des Meistergesanges, siehe Bar (Meistergesang)
- eine Hafenstadt in Montenegro, siehe Bar (Montenegro)
- ein Ort in der Ukraine, Oblast Winnyzja, siehe Bar (Ukraine)
- ein historisches Herzogtum in Lothringen, siehe Herzogtum Bar
- die Stadt Bar-le-Duc in Lothringen
- eine Metasyntaktische Variable, siehe Fubar
- ein amerikanisches Maschinengewehr, siehe Browning Automatic Rifle
- ein türkischer Tanz, size Bar (Tanz)
ja:バール
StahlwerkEin Stahlwerk ist eine Fabrik in der Metallindustrie, die zumeist mit Hochöfen aus Roheisen Stahl produziert.
Stahl
Verfahren
Dabei werden unterschiedliche Verfahren angewandt.
Das bekannteste Verfahren ist das LD- oder Sauerstoffaufblas-Verfahren. In den LD-Konverter wird bis zu 27% Eisen-Schrott und Roheisen eingefüllt. Das Ganze wird zum Schmelzen gebracht, und über eine Lanze wird Sauerstoff in die Schmelze geblasen. Dabei verbrennen die für den Stahl schädlichen Begleitelemente wie Schwefel, Phosphor, Kohlenstoff etc.
Daneben gibt es Elektroöfen. Darin wird Schrott über 3 Elektroden erhitzt, bis der Stahl flüssig ist. Ein Schmelzprozess dauert ca 30 Minuten. Die typische Chargengröße beträgt 100-150 t. Der Rohstahl wird in eine Stahlgiesspfanne abgegossen.
In der Sekundärmetallurgie wird die Schmelze für das Gießen fertig behandelt. (Pfannenofen, Vakuumanlage).
Der Stahl wird dann in die sogenannte Kokille abgegossen. Diese Kokille kann auch aus Elementen bestehen, die einen kleinräumigen Kanal (= Kokille ) für das Strangguss-Verfahren bilden. Dies ermöglicht dann, von der Hitze des Gieß-Prozesses möglichst viel für das nachfolgende Umformen oder Walzen zu verwenden (Integriertes Stahlwerk).
Weiteres
Bei der Stahlerzeugung entsteht Schlacke als Abfallprodukt.
Die Mitarbeiter eines Stahlwerks werden Stahlwerker oder Stahlkocher genannt.
Beispiel eines Stahlwerkes: das ehemalige Krupp-Hüttenwerk Rheinhausen.
Kategorie:Metallurgie
TheaterTheater (v. frz. théâtre < lat. theatrum < griech.: théatron Schaustätte; v. theasthai anschauen) ist die Bezeichnung für eine szenische Darstellung eines inneren und äußeren Geschehens als künstlerische Kommunikation zwischen Akteuren (Darstellern) und dem Publikum. Mit dem Wort "Theater" kann das Gebäude gemeint sein, in dem Theater gespielt wird, oder der Prozess des Theater-Machens oder auch allgemein eine Gruppe von Menschen, welche in einer wie auch immer gearteten Organisationsform Theater machen. "Theater" ist also ein im Grunde sehr amorpher Begriff; die Theater-"Landschaft" ist so vielfältig und differenziert, dass man, selbst wenn man den Focus nur auf Europa (und vielleicht noch Nordamerika) richtet, kaum allgemein gültige Aussagen treffen kann.
Publikum
Sparten des Theaters
Es gibt verschiedene Sparten des Theaters:
# Sprechtheater (Tragödie, Komödie, Schauspiel)
# Musiktheater (Oper, Operette, Musical)
# Tanztheater (Ballett, Tanzperformance)
# Performance (vereint oft verschiedene Theatersparten)
# Improvisationstheater (auch: Improtheater oder Theatersport)
In den jeweiligen Sparten sind jeweilig unterschiedlich ausgebildete und qualifizierte Künstler tätig.
- Im Sprechtheater: Schauspieler, Regisseure, Schauspielmusiker
- Im Musiktheater: Sänger (Solisten und Choristen), Orchestermusiker, Korrepetitoren, Dirigenten, Regisseure.
- Im Tanztheater: Tänzer, Choreografen, Korrepetitoren
- Im Theatersport: Impro-Spieler, Impro-Musiker, Impro-Techniker
Theater, in denen mehrere Sparten zu Hause sind, nennt man folgerichtig Mehrsparten-Theater. Sie müssen auch die unterschiedlichen Künstler ans Haus gebunden haben. Immer mehr Stadttheater, die Mehrspartenhäuser sind, sollen aus Kostengründen Sparten einsparen. Dabei wird fast immer zuerst ans Ballett gedacht, wobei gerade das Ballett (wenn es auch modernes Tanztheater macht) eher als andere Sparten junges Publikum anspricht.
Das Wesen (tliche) des Theaters
Zum Theater gehört ein Publikum. Theater ohne Publikum ist kein Theater. Theater kann religiös, gesellschaftskritisch oder politisch orientiert sein - oder frei von solchen Ambitionen. Vor allem ist es eine Sparte der Kunst und deshalb frei, wie das Grundgesetz ausdrücklich bestimmt. Das Theater erzählt Geschichten - über Menschen, über das Leben. Die Zuschauer(innen) können - je nachdem, was dargestellt wird - wiedererkennen oder Neues entdecken; die Kunstform Theater spricht intellektuell an, wirkt durch Bilder aber auch ins Unterbewußte; insofern ist Theater ein ganzheitliches Erlebnis für ein Publikum, wie es gemischter an anderen Orten praktisch nicht mehr zusammen kommt. Ein Bühnengeschehen kann Lebensentwürfe bestätigen oder konterkarieren, kann neue Perspektiven eröffnen, den Blick für Alternativen schärfen. Während die Schauspieler sich auf der Bühne verstellen, vorgeben, jemand ganz anderes zu sein ("lügen"), sollen ihre Figuren dem Zuschauer "echt", "wirklich" erscheinen. Die Mittel, die angewandt werden müssen, um ein Publikum zu erreichen, müssen zeitgemäß sein und sind auch von regionalen Gegebenheiten abhängig. Historisch hat das Theater immer auch religiös-kultische Wurzeln. Doch schon in der Antike (im alten Athen) grenzten sich die Künstler von den Priestern (und den mit diesen verbandelten Politikern) ab, griffen mit Theatermitteln die aus ihrer Sicht überholten Götter-, Welt- und Menschenbilder an, stellten eher Fragen als dass sie Antworten geben wollten. Diese Kontroverse hat zu allen Zeiten und in unterschiedlicher Ausprägung überall auf der Welt stattgefunden. Und sie findet statt, heute, auch in Deutschland. Obwohl das Theater "nur" ein Spiel ist. Doch dieses Spiel ist auch immer wieder (Mächtigen) ein Dorn im Auge.
Geschichte des Theaters
Urtheater
Höhlenbilder der Steinzeitmenschen verraten schon frühe Formen des theatralen Spiels. Man vermutet, dass sich eiszeitliche Jäger z. B. Felle von Tieren überzogen, um so lebenswichtige Vorgänge wie die Jagd im Voraus oder im Nachhinein darzustellen und theatral zu verarbeiten. So entstanden zeremonielle Tänze, die nicht nur die Jagd, sondern auch die Ernte und Fruchtbarkeit zelebrierten, Lebenslust und Gemeinschaftsereignisse darstellten. Der Unterhaltungswert von theatralem Spiel wusste man seit jeher zu schätzen, ebenso das Bedürfnis, seine Welt und die gesellschaftlichen Ereignisse zu umspielen und zu bespielen. Diese Ereignisse machen das Theater zu Urkunst der Menschheit, die alle anderen Künste in sich birgt .
In der ägyptischen Kunst zeigen verschiedene Darstellungen von Tänzern, Musiker und Akrobaten von der theatralen Entfaltung der weltlichen Vergnügungen am Hof der Pharaonen.
Im vierten vorchristlichen Jahrtausend prägten die durch die gesellschaftliche Neuordnung und Staatsverwaltung, sowie die durch herrschende Priesterkönige entstandenen Mythologien die Deutung der Schöpfung und des Seins. Diese geistige Entfaltung sorgte für monumentale Prachtbauten die als Kulisse des Theaterspiels dienten, die sich später zum großen Festspieltheater entwickelten und der Präsentation der Staatsreligion dienten.
Das ägyptische Abydos wurde während des mittleren Reichs (2000–1500 v.Chr.) zum Schauplatz alljährlicher Mysterienspiele um Leiden, Tod und Auferstehung des Gottes Osiris. Dank eingemeißelter Zeichnungen auf Stein konnte die Erkenntnis über einige Stationen dieser theatralen Prozesse erlangt werden.
Das antike Theater
Theater für die Polis
Das Theater der Antike gilt als Wiege des abendländlichen Schauspiels und markiert mit der Etablierung des Zuschauerraums einen entscheidenden Wendepunkt und Entwicklung in der Theatergeschichte.
Mit der neuen vorchristlichen Gesellschaftsform, der Demokratie, wurde das rituelle Festspiel zur politischen Festversammlung, das kultischen Ursprüngen treu ist. Das heißt, dass sich die Spielzeiten weitgehend an Götter- und Festtage binden. Das nun entstandene Schauspiel zielte nicht mehr darauf ab, eine Verbindung von Schauspieler und Götterwelt zu verkörpern, sondern eine Brücke zum passiven Publikum zu schlagen, um ihnen eine Identität zu vermitteln, die sie auf das staatliche Gemeinwesen verpflichtet.
Im 6. Jahrhundert vereinigte Peisistratos, Errichter einer Tyrannis in Athen, die so genannten und beliebten Dionysos-Kultspiele zu einem Staatsfest, den Großen Dionysien. Dionysos, Gott der Fruchtbarkeit und des Weins, wurde mit Einführung des Tragödien-Wettbewerbs (Agon) auch zum Schutzpatron des Theaters. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der Spielort von der Agora, Versammlungsplatz der Polis, zu dem eigens errichteten Dionysos-Theater verlegt, welches an den Südhang der Akropolis erbaut wurde.
Aus dem frühen 5. Jahrhundert werden die ersten Dichternamen und Tragödientitel überliefert, die zu dem Zeitpunkt zwar noch mythologische Motive verwendeten, aber hauptsächlich tagespolitische Fragen verarbeitete und dem Publikum näher bringen sollten. Die Schicksalsgebundenheit der Menschen, eine zentrale Botschaft der Mythen, wurde systematisch in Frage gestellt. Die Betonung auf den freien Willen und die Gestaltungsfreiheit sowie die Idee des rechtsstaatlichen Gemeinwesens und die Konsolidierung der Polis wurde immer stärker, besonders durch Schilderungen in Werken des Aischylos.
Durch im 4. Jahrhundert sinkende Zuschauerzahlen führte der Stadtstaat (Polis) „Schaugeld“ ein, das die Besucher für ihren Dienstausfall entschädigen sollte. Die Bedeutung, vor allem auch politische Bedeutung, des Theaters wuchs immer mehr. Spektakuläre Szenographien und schauspielerische Virtuosität rangen der philosophischen und ernsthaften Tragödie immer mehr den Platz ab und wurden von großen Tragödienschreibern sowie Aristoteles als geltungslos beurteilt.
Die Komödie (ursprünglich: ein ausgelassener tänzerischer Maskenumzug) eignete sich erfolgreich den volkstümlichen Brauch aus dem Dionysoskult an und stieg schließlich zur begehrtesten Gattung der hellenistischen Zeit auf. Im Gegensatz zu dem Satyrspiel, das stets den Abschluss einer Tragödie bildete, war die Komödie spottfreudiger, und sowohl Heroen der Mythen als auch Politiker wurden dem Gespött ausgesetzt. Doch auch Kritik an der herrschenden Politik wurde vor allem durch Aristophanes, der auch mit führenden athenischen Denkern eng befreundet war, sehr unverschlüsselt ausgelassen. Mit Ende der Demokratie jedoch wandte sich die Komödie ab von der Politik und besonn sich auf Alltagstypen.
Die römische Antike
Die römische Kultur war das Ergebnis eines gigantischen Eroberungsfeldzuges. Im 3. Jahrhundert verlegten die Römer das Zentrum der hellenistischen Kultur in ihre Stadt. Sie übernahmen die Hierarchie der olympischen Götter, ließen sich von griechischer Architektur, Kunst und Philosophie inspirieren. Griechische Sklaven wurden zu kulturellen Lehrern. Nach dem Sieg im ersten Punischen Krieg ließ der römische Senat Theateraufführungen in die Ludi romani, die Stadtfeste einführen. Livius Andronicus verfassste die erste lateinische Tragödie. Das Theater wurde fortan, wie auch zuvor in Griechenland, als staatliche Einrichtung betrachtet. Jedoch weniger als Forum für den politischen Diskurs, wie im attischen Theater, mehr als herrschaftliche Machtrepräsentation und Ablenkung von politischen Konflikten. So setzte sich auch die Komödie durch, die oft sehr diskriminierend mit ihren Protagonisten umging. Mit der Wende zur Kaiserzeit im 1. Jahrhundert v. Chr. lösten volkstümliche Spielformen, hauptsächlich Pantomime, die literarische Komödie ab. Auch das Thema Ehebruch wurde häufig verwendet und der importierte griechische Dichter Mimus verzichtete als erster auf Masken und besetzte Frauenrollen mit Frauen, was für die weitere Entwicklung des Theaters viele Konflikte mit der Kirche bringen sollte.
Wichtige Autoren der Antike
- Aischylos
- Sophokles
- Euripides
- Aristophanes
- Epikur
- Aristoteles
- Sophokles
- Seneca
Zitate
Aristoteles: Alle Abstraktion leitet sich nicht aus der Vernunft, sondern aus der Summe ersinnlicher Erfahrungen ab. Kunst ist Nachahmung.
Epikur: Die Lust ist Anfang und Ende eines seligen Spiels.
Platon: Die wahrnehmbare Welt ist nur das verzerrte Schattenbild einer Welt idealer Ideen – darum leitet nicht die Wahrnehmnung zu sicheren Wissen, sondern nur die Vernunft.
Theater im Mittelalter
Die kirchliche Macht und Instrumentalisierung
Schon in der späten Antike nahm die Kirche großen Einfluss auf die Theaterwelt. So wurde im 4. Jahrhundert n. Chr. die Absage an das Theater ins Taufbekenntnis aufgenommen und im 5. Jahrhundert wurde der Theaterbesuch mit Exkommunikation bestraft. In den Anfängen des Mittelalters mit Entstehung des Feudalismus wurde das kulturelle Leben fast ausschließlich von der christlichen Kirche dominiert. Das Bürgertum, welches in der Antike noch Träger der Kultur war, die hauptsächlich der Götterehrung und der Tagespolitik galt, verlor nicht nur politische, sondern auch jegliche kulturelle Bedeutung. Die meist brachiale Christianisierung dauerte fast das ganze Mittelalter an und die Kirche übernahm die komplette Kontrolle des sozialen und öffentlichen Lebens – was insbesondere auch das Theater prägen sollte. Was sich der kirchlichen Kontrolle nicht unterzog, war heftigen Anfeindungen ausgesetzt und wurde im späten Mittelalter durch die Inquisition blutig verfolgt. Die Unterdrückung des theatralen Spiels, welches als unmoralisch und schamlos betrachtet wurde, führte zur Entehrung der Theaterspielenden. Sie fanden nur als Narren und Gaukler am Rande der Gesellschaft und zur Belustigung auf Jahrmärkten und am Hofe der Adligen ihren Platz und galten nun mehr als Repräsentanten des Grotesken und Animalischen. Die Bedeutung der zahlreichen Namen für mittelalterliche Unterhalter wie Histriones, Joculatoren, Ministrels und Mimen bezeichnetet kaum unterscheidbare Berufsbilder. Oft mussten die Darsteller mehrere Künste beherrschen, um Ihr Publikum mit Neuigkeiten, Spottversen und Heldensagen zu erfreuen. Die Kirche instrumentalisierte die Künste für die Verbreitung der christlichen Heilslehre. Sie versuchte, das Heilige in allen Sinnen zu erfassen und ästhetisch nachzubilden und nutze die bildende und darstellende Kunst zu Erziehungszwecken.
Mysterien- und Passionsspiele
Im 10. Jahrhundert forderte das Konzil zu Konstantinopel die Vermenschlichung des Göttlichen. Das sollte ein Wendepunkt der Theaterkultur werden. Man hob das Bilderverbot auf und bespielte geistliche Rituale. Textliche Erweiterungen der liturgischen Gesänge und der spielerische Prozess der feierlichen Zeremonie zum Tode und Auferstehung Christi trugen zur Entstehung dramatischer Rollen im Kirchentheater bei und später zu komplexeren Spielen biblischen Inhaltes, die nicht nur das Oster- und Weihnachtsfest theatral umsetzten, sondern auch Mirakelspiele beinhalteten, die das Leben und die Taten von Heiligen und Propheten oder den Kampf zwischen Himmel und Hölle beschwörten. Mit der Loslösung der Liturgie wandelte sich auch die streng symbolistische Spielweise. Jesus trat nun als Mensch auf, die geistlichen Spiele verlagerten sich im 13. Jahrhundert vom Kirchenraum auf den Kirchenvorplatz, auch die Bevölkerung wurde mit in das Spiel eingebunden, und Latein wurde gegen die Volkssprache eingetauscht.
Durch diese Entwicklung entstanden dann auch Mysterien- und Passionsspiele, da man nicht mehr an den Ort der Kirche gebunden war und keine Einzelmotive, sondern Heilsgeschichten von der Entstehung der Welt bis hin zum Jüngsten Gericht erzählen wollte. Zunächst waren nur Kleriker im Schauspiel beteiligt, später zog man dann männliche Bürger heran, um den zahlreichen Rollen der tagelang dauernden Festspiele gerecht zu werden, um dann noch später das Schauspiel komplett in die Hände der Bürger zu geben.
Die Passionsspiele fanden große Verbreitung und wurden zu nicht mehr nur kirchlichem Ereignis städtischer Festkultur. Im 14. Jahrhundert wurden dann auch inhaltliche Schwerpunkte verändert. Nicht mehr die Verehrung Jesu, sondern die Erniedrigung und das Leiden rückten in den Mittelpunkt.
Die Passion wurde zum Spiegel des neuen Lebensgefühls, dass durch Hungersnot, Pest und der Krise der kirchlichen und politischen Autorität geprägt war, und orientierte sich immer mehr an der empirischen Wirklichkeit.
Fastnachtspiele
So entwickelten sich im Spätmittelalter weltliche Spielformen, die besonders in Frankreich geprägt wurden. Mit der französischen Farce und Sotie, die sich durch ihre kritisch-spöttische Sicht des Alltages und der Verspottung kirchlicher und staatlicher Autoritäten auszeichnet und nur zur Fastnacht gespielt wurde, emanzipierte sich auch das deutsche Fastnachtsspiel und lockte nicht nur an Karneval das Publikum in Wirtshäuser oder auf Marktplätze mit ihren meist ungehemmten Sexual- und Fäkalkomik, die meist auf Kosten von Juden, Bauern und Frauen gingen. Die Tradition der englischen Morality Plays, die den Kampf zwischen Laster und Tugend gestalten, lebt bis heute im meistgespielten Stück der europäischen Bühnen, dem Jedermann fort, der seit 1920 die Eröffnung der Salzburger Festspiele prägt.
Bekannte Autoren von Fastnachtspielen
- Hans Sachs: Er schrieb 4000 Meisterlieder und 87 Fastnachtsspiele
Renaissance – Zeitalter der Entdeckungen
Mit dem Ende des Mittelalters gewann das Theater neue Funktionen in der höfischen und kirchlichen Repräsentanz. Während die Bürger das mittelalterliche Mysterienspiel fest übernommen hatten, erstrahlte an europäischen Höfen eine neue Elitekultur. Feiertage wurden mit Opernaufführungen zelebriert. Höfische Theaterbauten, Theater innerhalb fürstlicher Residenzen, in Gartenanlagen integrierte Heckentheater, Kirchenbauten, die die Aufführung von religiösen Opern und Oratorien zuließen zeugen vom Gebrauchswandel.
Die Neuzeit war geprägt durch einschneidende geographische, naturwissenschaftliche und geistige Entdeckungen, durch das Scheitern der mittelalterlichen Kirche und durch die Besinnung der Philosophie und Kunst auf den Menschen und die Entfaltung der freien Persönlichkeit. Im Theater der Humanisten erkennt man erste Ansätze zur Tradition des „klassischen Dramas“, in dem eine spannende Handlung durch Dialoge vorangetrieben wird. So folgte auch, dass die Orte der Handlung nicht mehr simultan nebeneinander standen, sondern chronologisch durch Szenenumbau belebt wurden.
Man lehrte das „antike Drama“ auch schon im Mittelalter in den Schulen, jedoch war die Vorstellungskraft für die antike Aufführungspraxis nicht vorhanden. Erst den Humanisten der Neuzeit gelang es antike Spielformen zu rekonstruieren. Aristokraten griffen die neue „klassische Kulturwelle“ mit Begeisterung auf, waren jedoch weniger an einer genauen Rekonstruktion klassischer Dramen interessiert, wie das die humanistischen Gelehrten waren, sondern mehr an prunkvoller Ausstattung und später dann an der Auflockerung des Spieles durch Zugabe von burlesken Tänzen.
Während die Tragödie während der Renaissance kaum Aufmerksamkeit bekam, wurde die Komödie verehrt. Am Hofe von Ferrara entstand das erste glanzvolle Zentrum für die Wiederbelebung antiker Komödien und wenig später die Schöpfung der „Commedia erudita“, einer volkssprachlichen gelehrten Komödie.
Lodovico Arisot, Leiter des Hoftheaters von Ferrara, feierte am Hofe seine größten Erfolge mit Bühnenwerken wie „La Cassaria“ und „I suppositi“. Doch die berühmtesten Renaissancekomödien schrieb Niccoló Machiavelli, der die antiken Vorbilder beiseite warf und ein scharfes Portrait der Sitten und Laster seiner Zeit in die Werke einbaute.
Mit der Tragödie setzen sich Gelehrte hauptsächlich theoretisch auseinander und leiteten aus dem Werk „Poetik“ von Aristoteles Dichtungsnormen ab. Zu den wichtigsten Gesetzen gehörten die drei Einheiten von Ort, Handlung und Zeit.
Doch schon früh verlor die Komödie an Bedeutung und die „Comedia dell´arte“, die Stehgreifkomödie, sowie das Schäferspiel rangen ihr den Platz ab. Das Schäferspiel vereinigte Komik und Tragik, distanzierte sich von politischen und sozialen Krisen der Gegenwart und formte eine utopische Glanzwelt. Großen Einfluss nahm das Schäferspiel auf die Entwicklung der Oper.
Im 16. Jahrhundert entdeckten Humanisten den didaktischen Wert des Theaters. Zur moralischen Belehrung und als Propagandainstrument der Reformation (auch Martin Luther empfahl das Schultheater) nahm man das lateinische Theater in den Lehrplan auf.
Wichtige Vertreter der Renaissance
Komödie
- Lodovico Ariost
- Niccoló Machiavelli
- Bernardo Dovizi da Bibbienas
Schäferspiel
- Torquato Tasso
- Claudio Monteverdi
Das barocke Zeitalter
Zu keiner Zeit wurde das Theater mehr geliebt als während des europäischen Barocks.
Das Spiel auf der Bühne galt im 17. Jahrhundert als vollkommenes Abbild und Sinnbild einer glanzvollen Welt. Der Niedergang des Feudalismus und der Sieg des Absolutismus stürzten alte Werte und schärften das Bewusstsein für Schein und Sein. Der Vergleich zwischen Welt und Bühne, auf der jeder Mensch die ihm zugedachte Rolle spielt, beherrscht die Werke von William Shakespeare und Pedro Calderón.
Der Mensch als wahres Abbild der Gesellschaft und Seinesgleichen, Gott als Regisseur und Zuschauer – diesem Bild wurde in der gesamten Barockkultur nachgeeifert und entfaltete sich in glanzvoller Theatralik. Am absolutistischen Hofe wurde sogar das Alltagsleben theatralisch arrangiert und mit jeder Inszenierung wollte man die vorherige übertreffen. Das Verlangen nach Dramatik und theatralen Festlichkeiten wurde immer stärker, welches den Berufsstand des Dramatikers in eine Blütezeit versetzte.
In den Großstädten kam ein urbaner kommerzieller Theaterbetrieb hinzu. Immer größer werdender Andrang und Erweiterung des Spiels forderten bald die Abwandlung vom höfischen Theater zum Volkstheater – die ersten Guckkastenbühnen entstanden, später wurden dann Zuschauerräume eingerichtet, mit Rängen und Logen, die eine Hierarchie der Gesellschaft abbilden sollten. Hamburg erhielt im 17. Jahrhundert das Theater am Gänsemarkt, Leipzig ein zu Messezeiten bespieltes Haus.
Die zur Aufführung gelangenden Stücke kosteten Tragik und Komik aus und lebten von gekonnten Gewaltinszenierungen, Tanz und Musikeinlagen. Zuschauer aller Schichten besuchten die Aufführungen. Weniger fixierbar entwickelte sich der kontinentale kommerzielle Theaterbetrieb für das bürgerliche Publikum, dem feste Aufführungsorte und lokal ansässige Truppen fehlten. Städtische Festsäle konnten hier wie Marktplätze Funktionen im Theaterbetrieb übernehmen.
Textgrundlage der Truppen wurden in aller Regel nur in Manuskripten fixiert. Die Unternehmen reisten mit Repertoires von bis zu 80 Stücken durch Europa und wählten oft vor Ort das, was hier länger nicht gespielt worden war, für die Inszenierung aus. Kaum mehr als die in den 1720ern in Wien fixierte Handvoll Haupt und Staatsaktionen haben aus diesem Theaterbetrieb im Druck überlebt. Gymnasien integrierten Theateraufführungen in den Schulbetrieb – der Aufführungsort der meisten der heute als Barockdramen gehandelten Stücke.
Das Barocktheater war ein Auffangbecken verschiedenster theatraler Gattungen der vorherigen Epochen und Sammelbecken verschiedenster kultureller Kunstrichtungen, die von reisenden Theatergruppen immer wieder aufgenommen wurden und in ihre Inszenierungen eingebaut wurden.
Die schon in der Renaissance auftauchende „Comedia dell'arte“ galt als die Theaterform schlechthin, mit ihr emanzipierte sich das Schauspiel von der Literatur. Improvisationskunst und ein Feuerwerk mimischer, musikalischer und choreographischer Einfälle waren ihr Merkmal und begeisterten nicht nur das Bürgertum mit ihrer kommerziellen Ausrichtung.
Höher angesiedelt war demgegenüber das höfische Theater, das bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts europaweit Opern und Komödien privilegierte. Keineswegs darf dies missverstanden werden: Die Opern waren seit 1600 das hohe Theater – die Stücke erschienen in der Regel gedruckt, um während der Aufführungen gelesen zu werden, um nach der Aufführung an das Stück zu erinnern, um als Poesie gelesen und geschätzt zu werden. Die berühmtesten Opern-Poeten gaben ihre Werke daneben in Sammelausgaben heraus – die Texte ohne die Musik, die den kurzfristigeren Moden unterlag und vor Ort für den Anlaß komponiert wurde. Die Oper, die von Italien aus Europa eroberte, erlebte einen Siegeszug an den aristokratischen Höfen.
Das elisabethanische Theater
1576 baute James Burbage das erste Londoner Theater und übernahm dabei die runde Form von damaligen Tierarenen. Mit diesem Bau gab James Burbage den Anstoß für einen wahren Theaterboom, alle Gesellschaftsschichten wurden von einer Theaterbesessenheit gepackt. Diese Hochkonjunktur ist vor allem auch der Monarchin Elisabeth I. zu verdanken, die mit ihrem Kunst- und Geschäftsinn nach dem Bürgerkrieg im 16. Jahrhundert ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum formte.
Der Theaterbetrieb der Shakespearezeit gewann Einfluss in England und später auf das Repertoire der kontinentalen Theatertruppen. Die Englischen Schauspieltruppen umfassten ca. 15 Mitglieder, die auf genossenschaftlicher Basis arbeiteten. Die Darsteller lebten von ihrem Teil des Erlöses der Vorstellungen. Es spielten ausschließlich Männer in einer Gruppe (auch Frauenrollen). Man spielte am Tag, um das Beleuchtungsproblem zu umgehen. Auch der Vorhang war unbekannt. Requisiten wurden während des Spiels auf die Bühne getragen. Kostüme wurden angedeutet. Bedeutende Truppen waren die
- King's Men und
- Admiral's Men,
die wie kleine Wirtschaftsunternehmen funktionierten. Die Schauspieler brachten als Gesellschafter Betriebskapital ein und wurden am gemeinsamen Gewinn beteiligt. Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1642 wurden in England ca. 5000 Stücke aufgeführt, von denen heute 620 im Druck erhalten sind.
Bekannte Dramatiker sind hier:
- John Lyly (1554)
- Thomas Kyd (1558)
- Robert Green (1558)
- Christopher Marlowe (1564) und
- William Shakespeare (1564)
- Ben Jonson (1573)
Zwischen 1567 und 1629 entstandene Theater in London:
- Red Lion (1567)
- Boa's Head (1602)
- Theatre (1576)
- Curtain (1577)
- Bull Inn
- Cross Keys Inn
- Bell Inn
- Blackfriars
- Bel Savage Inn
- Pau's
- Salisbury Court (1629)
- Fortune (1600)
- Red Bull (1604)
- Cockpit (1616)
- Swan Theatre (1595)
- Rose (1587)
- Globe (1599)
Die bezeichneten Häuser waren ähnlich gebaut: Eine Grube bildete die Stehplätze für die ärmere Bevölkerung. Um diese herum lief eine mehrgeschossige, überdachte Galerie mit Sitzplätzen für die Reichen, die sich mittlerweile gerne vom höfischen Theater abwandten und die öffentlichen Gebäude aufsuchten. In der Mitte der Grube befand sich ein erhöhtes Spielpodest, das auch von den Galerien gut einsehbar war. Auf der großen Bühne befand sich noch mal eine kleine Bühne und die Garderobe für die Darsteller. Auf der Garderobe befand sich ein Balkon, der von einem Strohdach überdeckt wurde. Auf diesem Strohdach befand sich der Turm für den Trompeter, der den Vorstellungsbeginn ankündigte. Im Turm befand sich die Flugmaschine für besondere Auftritte der Schauspieler. Auf dem Dach des Turmes wehte die Fahne mit dem Emblem des entsprechenden Theaters. Beim Swan Theater ein Schwan, beim Rose eine Rose usw.
Die iberische Theaterkultur
Das Theater des spanischen Barocks wurzelte tief im Katholizismus. Das traditionelle allegorische Fronleichnamsspiel erfreute sich bis ins 18. Jahrhundert großer Beliebtheit, und Spaniens Theater stand stets im Dienst und unter Schutz der katholischen Kirche. Anfang des 16. Jahrhundert kehrten die ersten italienischen Schauspielreisetruppen in Spanien ein, spielten ihre Stücke in den Innenhöfen der religiöser Bruderschaften und später in den eigens erbauten „Teatro de Corral“, erstellt nach dem Vorbild der Innenhof-Bühnen und den englischen Bühnen wenig unähnlich. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts bespielten schon heimische Schauspieltruppen die im ganzen Land errichteten Bühnen und formten somit die auf begeisterten Anklang stoßende iberische Theaterkultur. Als im 17. Jahrhundert die Weltmacht Spaniens zu zerfallen schien, hielten die Bürger ihren Glauben an Macht und prunkvollem Leben durch das Theater aufrecht. In dieser Zeit wurden mehr als 300.000 Bühnenwerke verfasst und eine große Anzahl verschiedener Gattungen bildeten sich unter dem Überbegriff Comedia:
- Autos sacramentales (einaktige allegorische Fronleichnamsspiele)
- Comedias en capa y espada (Mantel- und Degenstücke)
- Comedias del teatro (aufwendig inszenierte historische Schauspiele)
- Comedias de santos (Heiligenlegenden und Märtyrertragödien)
- Comedias de figurón (Vorläufer der Charakterkomödie)
- Entremeses (einaktige farcenhafte Zwischenspiele für Feste)
- Burlescas (Possen und Persiflagen)
- Fiestas (höfische Festspiele mit Tanz und Musik)
Das Mantel- und Degenstück stellte sich als erfolgreichste und europaweit berühmteste Gattung heraus. Gegenstand der Handlung war das Leben der Hofgesellschaft und der Mantel, als Symbol der Vermummung ist die wichtigste Requisite der unverzichtbaren Liebesintrige. Lope de Vega, einer der bekanntesten Dramatiker dieser Zeit war der aristotelischen Poetik zwar vertraut, jedoch mehr um die Gunst des Publikums erpicht und versuchte sowohl tragische als komisch Elemente zu vereinen. Die spanische Barockdramatik war eher ein Gleichnistheater, weniger auf realistische Charaktere oder neuzeitlich Problematik ausgerichtet, sondern auf die Nachbildung des himmlischen und weltlichen Ordnungssystems.
Bekannte Dramatiker sind hier:
- Miguel de Cervantes Saavedra 1547–1616 (Don Quijote)
- Lope de Vega 1562–1635
- Tirso de Molina 1584–1648
- Pedro Calderón de la Barca 1600–1681
Das französische Barocktheater
Den beiden gegensätzlichen Linien des europäischen Barocktheaters, das monumentale höfische Theater und das klassizistische Drama, galt in Frankreich gleichermaßen Aufmerksamkeit. Am Hofe Ludwig XIV. erlebte das Theater eine oberflächliche prunkvolle Entfaltung mit unter anderem dem Ballet du cour, eine theatrale Sonderform, bei dem nicht nur Männer und Frauen des Hofes auftraten, sondern auch der König selbst. Literarisch jedoch markierte die französische „Tragédie classique“ den Höhepunkt dieser Epoche, und nur unter dem wachsamen Auge des Kardinal Richelieu und seiner gegründeten „Académie Francaise“ konnte sich diese Gattung nach den klassizistischen Normen entfalten. Unter deren Zensur stand auch der Dichter Pierre Corneille mit seinem Werk Cid, der selbst von Richelieu unter der Académie in einem Dramatikergremium arbeitete. Von der Académie kritisiert und von dem Publikum bejubelt und als Nationalheld stilisiert, entschied sich Corneille jedoch folglich nur noch stilreine Dramen zu verfassen und schuf dabei den Prototypen eines tragischen Helden frei von individuellen Zügen, der die Ideale des französischen Barock, Schicklichkeit und Ehrbarkeit, preisen sollte. Jean Racine hingegen verlieh seinen Protagonisten einen individuellen Charakter und empfand die klassizistischen Dramenstrukturen als außerordentlich hilfreich um psychologische Intensität zu verdeutlichen. Nach dem sein Hauptwerk Phädra 1677 durch das gefälligere Werk eines Rivalen wenig Zustimmung bekam, verließ er das Theater. Sein größter Rivale war der Dichter Molière, zuvor sein Mentor und der Meister der Charakterkomödie, dem er nach seinem Theaterdebüt schnell die Zuschauer stahl. Doch Molière stand in der Gunst des Königs und verfasste unzählige Farcen, Sitten- und Typenkomödien und bediente sich dabei im Repertoire der „Comedia dell'arte“. Er entwickelte das Genre des „Comédie-ballet“, in dem Tanzszenen nicht nur schmückendes Beiwerk waren, sondern Teil der Handlung. Und sein literarischer Höhepunkt bildeten die Charakterkomödien, in denen er einen einzigen Charakterzug des Protagonisten personifiziert und überspitzt und ihn damit der Lächerlichkeit preisgibt. Er hielt die Bühne für einen theatralischen Pranger, in dem Verstöße gegen Vernunft und Sitte durch die Komödie aufgedeckt und verspottet werden sollten. Von seinen Mitstreitern gehasst ist Molière heute einer der bekanntesten und meist gespielten Dramatiker aus dem französischen Barock.
Bekannte Dramatiker sind hier:
- Pierre Corneille 1606-1684
- Jean Racine 1639-1699
- Molière 1622-1673
Theater (Bau)
Stadt-Theater, Landesbühnen und Staatstheater sind meist, auch architektonisch gesehen, besondere Bauten. Neubauten werden auch heute noch als architektonische Highlights geplant und gebaut. Besonders herausgefordert werden die Architekten durch den Zwang, ästhetische Vorstellungen (Träume, Utopien) und praktischen Erfordernisse miteinander vereinen zu müssen, bis hin zu dem Umstand, dass ein Theater vor allem auch von der Akustik im Inneren her hohen Ansprüchen genügen und zudem gegen Außenlärm praktisch schalldicht sein soll/muss.
Wie alt oder neu Theaterbauten auch sind, sie müssen als Versammlungsstätten strengen Sicherheitsvorschriften genügen. Es gibt mannigfache Auflagen für alle Bereiche, für die Bühne, den Zuschauerraum (bis hin zur "Bestuhlung"), für das Foyer (die - häufig bewirtete - Begegnungsstätte des Publikums), auch für die Zuschauergarderobe und selbst für sowas Profanes, aber keineswegs Unwichtiges wie die Toiletten sowie für alle Verwaltungs- und Werkstätteneinheiten bis hin zu Sozialräumen, Kantine und Arztraum, in dem (womöglich notwendig werdende) Erste Hilfe geleistet werden kann.
Was bei Klein- oder Zimmertheatern (bis maximal 99 Zuschauerplätze) noch durchgeht, ist in größeren Häusern nicht möglich. Bei jeder größeren Bühne müssen verantwortliche Bühnenmeister angestellt sein; zu jeder Vorstellung müssen je nach Größe des Hauses eine bestimmte Anzahl Feuerwehrleute präsent sein, die vor der Vorstellung die Bühne inspizieren und sich während der Vorstellung unmittelbar an der Bühne aufhalten. In den großen Theatern ist (in Deutschland seit 1889) ein "Eiserner Vorhang" Pflicht, der im Falle einer Gefahr (Brand) von oben herabgelassen wird und als Schutz-"Wand" Bühne und Zuschauerraum trennt. Alle Stoffe (Vorhänge) müssen schwer entflammbar sein, alle technischen Geräte müssen den "TÜV"-Standards entsprechen und dürfen nur von ausgebildetem Personal (z. B. von Veranstaltungstechnikern) bedient werden - um nur einige der zahlreichen bau-, brand- und sicherheitstechnischen Auflagen zu erwähnen.
Zum modernen Theater-Betrieb gehören aufwändige Licht- und Tonanlagen (beides heute in der Regel Computer-gesteuert), wofür auch nur geschultes Fachpersonal einzusetzen ist.
Die großen Häuser haben ausreichend große Seitenbühnen, auf denen die Kulissen und Requisiten für die verschiedenen Szenen des laufenden Stückes "versteckt" werden können. Die Hinterbühne wird heutzutage in modernen Inszenierungen als willkommene Möglichkeit gesehen, große Tiefe der Spielfläche zu erreichen. Die Oberbühne, der Schnürboden ("Bühnen-Himmel"), ist (schon wegen des Eisernen Vorhangs) mindestens ebenso hoch wie die sichtbare Bühne selbst. Da oben hängt, was beim Umbau der Bühne von einer Szene zur anderen an Vorhängen, Bühnenbildern u. a. mit Hilfe von "Zügen" herabgelassen werden kann. In Bühnennähe findet man die Künstler-Garderoben sowie Handmagazine für den Tagesbedarf an Requisiten und Dekorationen.
Neben den ausgedehnten Magazinen, in denen Kulissen und Requisiten aller abgespielten Produktionen und der Repertoire-Stücke gelagert werden, gibt es auch einen großen Fundus, wo der häufig riesige Bestand (zum Teil schon sehr alter) Kostüme aufbewahrt wird, auf den immer wieder zurückgegriffen werden kann. Im Theaterbau sind auch viele Werkstätten (Malersaal, Schreinerei, Schlosserei, Schneiderei, Maskenbildnerei, Elektrowerkstatt) untergebracht sowie die Büros der Verwaltung.
In Opernhäusern und Mehrsparten-Häusern sitzt zwischen der ersten Sitzreihe und der Bühnenrampe das Orchester im Orchestergraben, der bei Musicals, Opern und Operetten abgesenkt ist, aber bei Schauspiel-Inszenierungen hoch gefahren wird, wodurch die Bühne nach vorne erweitert wird. Große Häuser haben Drehbühnen. Das erleichtert den Szenenwechsel und ermöglicht ebenso inszenatorische Besonderheiten wie die Möglichkeit, den Bühnenboden in Segmenten hydraulisch absenken oder über das Normal-Niveau hoch fahren zu können. Der Zuschauerraum im Theater ist normalerweise völlig abzudunkeln, was insbesondere zu Begin einer Vorstellung praktiziert wird, um das Publikum in dieser Phase sozusagen in eine andere Welt zu führen, von dem "Vorher" wegzubringen. Der dunkle Zuschauerraum ermöglicht auch Blackouts (bei denen durch "Ausschalten" der Bühnen-Scheinwerfer der gesamte Raum auf einen Schlag dunkel wird). Weil der Zuschauerraum während des Spiels dunkel, die Bühne aber aus Richtung der Zuschauer mit Scheinwerfern ausgeleuchtet ist, sind die Akteure auf der Bühne "geblendet". Sie sehen das Publikum nicht. Sie spielen gegen die "vierte Wand", die durch die Helligkeit der en face-Beleuchtung errichtet wird.
Außer der Bühne im Großen Haus haben die großen Theater Probebühnen, Foyerbühnen und Ähnliches. Seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als Kleinbühnen mit damals neuen Stücken und vielen Experimenten Furore machten, haben die großen Häuser in der Regel auch Studio-Bühnen, Werkstattbühnen und Podien, welche diesen avantgardistischen Konkurrenten äußerlich nachempfunden sind (bis hin zur "offenen" Technik), und in denen ein "junger" Spielplan gepflegt wird.
Viele Neubauten wenden sich ab von der traditionellen Guckkastenbühne hin zur Raumbühne, Arenabühne und Rundumbühne, um eine andere Zuschauer-Darsteller-Zuordnung zu erreichen (die so neu allerdings auch nicht ist, denkt man an die Shakespeare-Bühne, das "Globe"). Damit das Geschehen eine direkte Verbindung zum Publikum hat, gehen Bühne und Zuschauerraum architektonisch ineinander über. Es gibt einen (immer mal wieder aufflammenden) Disput unter Theatermachern darüber, ob es nicht dem Wesen des Theaters widerspricht, die Zuschauer rund um eine Bühne zu setzen. Kritiker dieser aus ihrer Sicht nur scheinbar modernen Praxis meinen, dabei entstünde kein (Bühnen-)"Raum", das Geheimnis des "Dahinter", der imaginären anderen, nicht sichtbaren Räume ginge verloren. Außerdem fehle der Zuschauer-Focus auf das Geschehen, die Phantasie über das "Dahinter" werde beschnitten. Man werde zum Beobachter der jeweiligen anderen Besucher, was die Beobachteten an der völligen Konzentration hindere, sie negativ beeinflusse und die Rezeption des Bühnengeschehens mit allen Sinnen unmöglich mache. Beobachtet man das aktuelle Theater-Geschehen, stellt man fest: Auch ansonsten frei und unkonventionell arbeitende Theatermacher greifen, was die Zuordnung Bühne / Zuschauerraum angeht, eher wieder zur "alten" Praxis.
Aufbau eines heutigen Theaters
In einem Theater arbeiten Menschen zusammen, die sehr unterschiedliche Berufe haben. Vor allem in den Theatern in öffentlicher Trägerschaft, aber auch in den meisten mit diesen vergleichbaren größeren Privattheatern wird arbeitsteilig "produziert". Dort dürfen Schauspieler beispielsweise keine technischen Arbeiten verrichten. Von der guten Kooperation der künstlerisch und nichtkünstlerisch Beschäftigten hängt der Erfolg der Theater-Produktionen ab. Es gibt allerdings mehr Theater, in denen solch geteiltes Arbeiten nicht möglich und/oder nicht gewollt ist.
Organisatorischer Bereich
Theater in öffentlicher Trägerschaft werden in der Regel künstlerisch geleitet vom Intendanten (von der Intendantin). Intendanten von Stadttheatern zum Beispiel werden (für eine bestimmte Zeit) vom Rat der Kommune gewählt. Meist ist ein (beamteter) Verwaltungsdirektor zur Seite gestellt. Die Intendanten-Verträge legen den Aufgabenbereich fest. Dazu gehören Einzelheiten, zum Beispiel ob und wie oft der Intendant (die Intendantin) selbst im eigenen Hause inszeniert, ob und wieviele auswärtige Regie-Arbeiten er/sie übernehmen darf. Es werden auch Rahmenbedingungen festgeschrieben, so die Zahl der (Neu-)Inszenierungen (in den Sparten und Genres) pro Spielzeit und vieles mehr.
In enger Zusammenarbeit mit dem Dramaturgen wird für ein, besser zwei Jahre im voraus der komplette Spielplan ergestellt. Er ist Grundlage für alle Dispositionen bis hin zum Lösen bisheriger Verträge und zu (Neu-)Verpflichtungen im Bereich künstlerisches Personal.
Das Künstlerische Betriebsbüro (KBB) ist Anlaufstelle und Sammelpunkt für alle Teilbereiche. Das KBB ist eine organisatorische Einheit, die alle Aufgaben, Personen und Vorgänge koordiniert.
Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist für die Verbindungen nach "draußen", zu den Medien und anderen Ansprechpartnern, verantwortlich; sie gibt Pressemitteilungen heraus, sie steuert die Werbung (Plakate, Flyer, Postkarten und Monatsleporello etc.), und es gibt in vielen Häusern Spezialisten für die Zusammenarbeit mit Besucherringen, Schulen, mit dem jungen Publikum und anderen Zielgruppen. Die Arbeit der Marketingabteilungen der Musicalhäuser und anderer Privattheater wird als zentral für den Erfolg des Hauses angesehen. Die Leiter von Theatern in öffentlicher Trägerschaft setzen eher auf die vermeintliche Attraktivität ihres künstlerischen Angebotes, stehen dem "Verkauf" ihrer Produkte reserviert gegenüber und verlassen sich auf immer weniger greifende herkömmliche Mittel und Wege beim Bemühen, ihr - oder ein neues - Publikum zu erreichen.
Siehe dazu auch [http://www.theaterportal.de/portal/downloads/Theatermarketing_April_04_Prof_Klein.pdf Das Theater und seine Besucher] von Armin Klein.
Die Verwaltung, zu der au | | |