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| Hydrogeografie |
HydrogeografieHydrogeographie bzw. Hydrogeografie bezeichnet die Lehre von der Verteilung des Wassers auf und unter der Erde.
Sie ist ein Teil der physischen Geographie. Hydrogeographie basiert auf der Hydrologie und untersucht die Gesamtheit aller fließenden und stehenden ober- und unterirdischen Gewässer des Festlandes. Schwerpunkt der Lehre sind Wechselbeziehungen zwischen den Landschaftsfaktoren und dem Wasserhaushalt eines Raumes. Eine Untergruppe der Hydrogeographie ist die Glaziologie, die sich mit Fragen zu Gletschern beschäftigt. Aber auch Meere sind Forschungsgegenstand dieses Wissenszweiges, die sich aber mit der Ozeanographie überschneidet.
Siehe auch
- Portal:Geographie
- Geowissenschaften
- Hydrografie
Kategorie:Physische Geographie
Kategorie:Wissenschaft
Physische GeografieDie physische Geografie umfasst die biotischen und abiotischen Zusammenhänge der Erde. Im Zentrum steht das Wirkungsgefüge aus Sonnenenergie, Energie, menschlichen Beeinflussungen sowie der Tektonik und deren Auswirkungen auf Relief, Klima, Boden, Wasserkreislauf, Vegetation und Tierwelt.
Die physische Geografie ist somit ein Fachbereich der Geographie, der die auf der Erde beobachtbaren Phänomene aus naturwissenschaftlichen Fragestellungen heraus betrachtet.
Zur physischen Geografie gehören unter anderem die Geomorphologie, Klimatologie, Hydrologie, Bodenkunde und die Biogeografie.
Die physische Geografie hat Berührungspunkte mit dem zweiten großen Fachgebiet der Geografie, der Anthropogeografie/Humangeografie, der u. a. wiederum Kulturgeografie, Verkehrsgeografie, Sozialgeografie, Bevölkerungsgeografie und Wirtschaftsgeografie zugeordnet sind.
Siehe auch
- Abdämmungssee
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ko:자연지리학
HydrologieDie Hydrologie (v. griech. hydros „Wasser“ und logos „Lehre“) ist die Wissenschaft vom Wasser, seiner räumlichen und zeitlichen Verteilung in der Erdatmosphäre und auf wie unter der Erdoberfläche, sowie den damit zusammenhängenden biologischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften und Wirkungen des Wassers. Sie widmet sich den Zusammenhängen und Wechselwirkungen der unterschiedlichen Erscheinungsformen des Wassers, seinem Kreislauf, seiner Verteilung auf der Landoberfläche und deren Veränderungen durch anthropogene Beeinflussung.
Untergliederung und Einordnung in den Wissenschaftskanon
Die klassische Gliederung unterscheidet zwischen Ozeanologie (Hydrologie der Meere), Gewässerkunde (Hydrologie des Festlands), Limnologie (Gewässerkunde), darin enthalten die Potamologie (Fließgewässerkunde), sowie Hydrometrie (hydrologisches Messwesen).
Verwandte Fachgebiete sind die Hydrogeologie, die sich vorrangig mit dem unterirdischen Wasser und den geochemischen Wechselwirkungen mit Gesteinen befasst, die Wasserchemie, die Atmosphärenphysik, die Meteorologie, die Glaziologie als Wissenschaft, die sich der Entstehung, den Formen, der Wirkung und der Verbreitung des Eises auf der festen Erde annimmt, die Sedimentologie mit dem Spezialgebiet der Alluviologie (Geschiebekunde), die Pedologie und die Geologie als einer der Grunddisziplinen der Geowissenschaften, die Geographie sowie die Hydromorphologie.
An die Stelle der klassischen Gliederung der Hydrologie tritt zunehmend eine von den Methoden und Zielsetzungen ausgehende Gliederung: physikalische theoretische Hydrologie, angewandte Hydrologie, Ingenieurhydrologie und regionale Hydrologie. Dabei umfasst die Hydrologie sowohl natur- als auch ingenieurswissenschaftliche Komponenten.
Aufgaben der Hydrologie
Die Hauptarbeitsgebiete der Hydrologie sind das Beobachten und Messen hydrologischer Prozesse, die systematische Analyse der hydrologischen Erscheinungen als Grundlage für die Entwicklung und Erweiterung von Theorien und Verfahren sowie die Anwendung dieser Theorien und Verfahren zur Lösung vielfältiger praktischer Aufgaben. Zu den praktischen Aufgaben der Hydrologie gehören das Management oberirdischer Gewässer (Flüsse, Seen, Talsperren) im Zusammenhang mit Wasserversorgung, Wasserkraftgewinnung, öffentliche Nutzung der Gewässer (z. B. für Freizeitaktivitäten) und der Hochwasserschutz.
Hydrologisches Artikelfeld
Wortfeld
- Wassermengen
- Wasserkreislauf
- Wasserbilanz
- Eigenschaften des Wassers
- Chemische Eigenschaften
- Physikalische Eigenschaften
- Wasserhaushalt
- Niederschlag
- Verdunstung
- Abfluss
- Speicherung
- Hydromorphologie
- oberirdische Gewässer
- Bäche
- Flüsse
- Seen
- Die unterirdischen Gewässer
- ungesättigte Bodenzone
- Grundwasser
- Durchfluss
- Hochwasser
- Niedrigwasser
- Pegel
- Wasserversorgung
- Trinkwasser
- Nutzwasser
- Brunnenbau
- Wasserverteilungssystem
- Wasserreinhaltung
- Abwasser
- Kanalisation
- Kläranlage
Literatur
- Baumgartner & Liebscher: Allgemeine Hydrologie - Quantitative Hydrologie. (Lehrbuch der Hydrologie, Bd. 1) 2. Auflage 1996.
- Dyck: Angewandte Hydrologie. 1976.
- Dyck & Peschke: Grundlagen der Hydrologie. 3. Auflage, 1995.
- Hellmann: Qualitative Hydrologie. (Lehrbuch der Hydrologie, Bd. 2) 1999.
- Maniak: Hydrologie und Wasserwissenschaft. 2. Auflage, 1992.
Siehe auch
- Hydraulik
- Wasserwirtschaft
Weblinks
- [http://www.hydroskript.de/ Ausführliches Hydrologie-Onlineskript der TU Braunschweig mit Download-Möglichkeit]
- [http://www.bafg.de/ Bundesanstalt für Gewässerkunde Koblenz]
- [http://www.hydrology.uni-freiburg.de// Institut für Hydrologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.]
- [http://www.hydrology.ruhr-uni-bochum.de/index.html?D/WebLinks/links.htm Hydrologie-Links]
- [http://barentssee.lfi.rwth-aachen.de/hydrology/ Lernraum für Otto-Normalverbraucher zum Thema Hydrologie am Lehr-und Forschungsgebiet Ingenieurhydrologie der RWTH Aachen]
- [http://studiengang-wasser.de/ Studiengang "Water Science" an der Universität Duisburg-Essen]
- [http://www.lfi.rwth-aachen.de/index.php?url=http://www.lfi.rwth-aachen.de/elearning/lectures/ Web Lectures Hydrologie & Wasserwirtschaft am Lehr-und Forschungsgebiet Ingenieurhydrologie der RWTH Aachen]
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Kategorie:Wasser
ja:水文学
GlaziologieGlaziologie ist die Wissenschaft von Formen, Auftreten und Eigenschaften von Eis und Schnee samt ihren Ausformungen als Gletscher, Permafrost und Schelfeis samt den temporalen Abfolgen von Eis- und Warmzeiten (Interglazial). Glaziologie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die Meteorologie, Hydrologie, Geologie, Biologie und Ökologie berührt. Die Anwesenheit von Eis auf dem Mars und auf verschiedenen Monden der Planeten unseres Sonnensystems gibt dieser Wissenschaft auch eine extraterrestriale Komponente.
Einzelgebiete dieser Wissenschaft umfassen die Gletscherhistorie und die Rekonstruktion historischer Gletscherausbildungen, Auswirkungen der Gletscher auf das Klima, der Beitrag von Gletschern zur Erosion und der Lebensformen im Eis. Eine der wichtigsten Disziplinen der Glaziologie ist die Polarforschung.
Die "Wiege der Glaziologie" stand auf dem Unteraargletscher im Berner Oberland. Dort führte der Geologe Franz Josef Hugi seine ersten Studien durch. 1840 entstand dort unter Louis Agassiz eine erste "Forschungsstation" unter einem Felsblock, sog. Hotel des Neuchatelois.
In Deutschland ist das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven ein führender Vertreter der Glaziologie, ansonsten wird das Fachgebiet in Institutionen in den USA, Dänemark, Norwegen, Neuseeland, Schweiz, Österreich und Kanada behandelt.
Weblinks
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D24472.html Artikel Glaziologie] im Historischen Lexikon der Schweiz
- http://www.glaciers-online.net
- http://www.awi-bremerhaven.de
- http://www.glaziologie.de
- http://www.vaw.ethz.ch
- http://www.wgms.ch
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Kategorie:Geowissenschaft
Kategorie:Geologie
OzeanographieDie Ozeanografie (auch Ozeanographie), Meereskunde, ist eine Wissenschaft, die sich mit den physikalischen, chemischen, geologischen und biologischen Vorgängen in den Weltmeeren beschäftigt.
Im deutschen Sprachraum wird teilweise zwischen der Ozeanografie, die chemische, biologische und physikalische Vorgänge der Meere und Ozeane erforscht, und der Meeresbiologie unterschieden, die sich den biologischen Zusammenhängen widmet. Auch die geophysikalischen Erscheinungen auf und unter dem Meeresgrund werden der Ozeanografie zugeordnet.
Bereiche
Die klassischen Gebiete der Ozeanografie werden oft in die folgenden Hauptbereiche gegliedert:
- biologische Ozeanografie untersucht wie die Umweltbedingungen (Strömungen, Salzgehalt, etc.) sich auf Verteilung, Vorkommen, Wachstum, Fortpflanzung und Sterberate von maritimen Organismen auswirkt und anderesherum, wie die Lebenszyklen dieser Organismen, sich auf geologische, physikalische und chemische Prozesse im Meer auswirken. Die biologische Ozeanografie ist zu unterscheiden von der Meeresbiologie (siehe Abschnitt weiter unten)
- chemische Ozeanografie beschäftigt sich mit der Herkunft und Zusammensetzung des Wassers im Meer und auch mit chemischen Zyklen von z. B. Kohlenstoff oder Stickstoff im Meer.
- Meeresgeologie erforscht Prozesse, die den Meeresgrund formen, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ferner werden auch marine Rohstoffvorkommen, zum Beispiel in Form von mineralischen Erzen und Gashydraten untersucht.
- maritime Meteorologie widmet sich der Erforschung der Wechselwirkung des Ozeans mit der Atmosphäre, zum Beispiel, Wärme-, Impuls-, und Wasserdampftransport; der Untersuchung des Einflusses der Ozeane auf das Klimasystem oder auch Auswirkungen von Wetterphänomenen wie Wirbelstürmen, Monsunen, etc. auf die Meere
- maritime Geochemie konzentriert sich auf die Wechselwirkungen zwischen chemischen und geologischen Vorgängen im Meer
- Meeresbiologie untersucht Pflanzen und Tiere, die im Meer leben, deren Fortpflanzung, Physiologie und Anatomie. Sie wird oft unterteilt in Meeresbotanik, Meereszoologie, Planktonologie, Fischereibiologie, Marine Mikrobiologie und Marine Ökologie
- Meerestechnik: Entwicklung moderner, innovativerer Technologie zur Gewinnung von Beobachtungsdaten. Beispiele: Autonome Tiefendrifter, Glider, Lander (Tiefseeobservatorien), autonome Unterwasserfahrzeuge (AUV=Autonomous Unterwater Vehicle), ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge (ROV=Remotely Operated Vehicles)
- physikalische Ozeanografie behandelt physikalische Vorgänge der Meere. Sie erforscht Parameter wie Temperatur, Lichtdurchlässigkeit, Bewegungsvorgänge im Meer, wie Wellen, Flut und Strömungen und dem Wärmetransport im Ozean durch Strömungen. Sie behandelt außerdem Akustik im Ozean und die Satellitenfernerkundung des Ozeans.
Weitere kleinere Felder sind unter anderem Meeresrechtwesen, Fischereiwesen, Meeresarchäologie. Verwandte Disziplinen sind Meereisforschung, Polarforschung und Klimaforschung.
Ozeanografie versteht sich als eine interdisziplinäre Wissenschaft. Die einzelnen Bereiche arbeiten oft eng zusammen. Aus diesem Grund wird manchmal die international verbreitete Bezeichnung Ozeanologie als Bezeichnung für diese Wissenschaft bevorzugt.
Berufsausbildung Ozeanograf
Ozeanografen arbeiten zumeist in der Forschung oder auch meerestechnischen Firmen. Die Ausbildung unterscheidet sich je nach Fachrichtung. Zumeist jedoch gilt für die oben genannten Fachbereiche, dass das eigentliche Studium zum Ozeanografen in Deutschland nur in Kiel und Hamburg möglich ist, als Nebenfach jedoch auch in Bremen, Rostock und Oldenburg.
Für den physikalischen Ozeanografen unterscheidet sich das Studium bis zum Vordiplom nicht von dem eines reinen Physikstudiums. Erst anschließend werden Schwerpunkte in ozeanografischen Bereichen belegt.
Für den chemischen Ozeanografen gilt, dass normalerweise ein Vordiplom oder auch Diplom in Chemie erworben wird und erst im Rahmen einer Promotion findet die Spezialisierung zum chemischen Ozeanografen statt. Auch sind Quereinstieg über die Geologie oder Biologie möglich mit einer anschließenden Promotion in Meereschemie. Ferner ist der Einstieg über ein Staatsexamen an der Fachhochschule, als chemisch-technischer Assistent denkbar, denn anschließend ist ein Studium in der Chemie möglich.
In ähnlicher Weise erfolgt der Einstieg in die anderen Fachbereiche.
Siehe auch
- Liste internationaler ozeanografischer Forschungsinstitute
- Joint Oceanographic Institutions
- Tsunami
Weblinks
- http://www.deutsche-meeresforschung.de/ - Konsortium Deutsche Meeresforschung: Portal der Meeresforschung in Deutschland
- http://www.ifm-geomar.de/ - Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel
- http://www.ifm.uni-hamburg.de/ - Institut für Meereskunde, Universität Hamburg
- http://www.awi-bremerhaven.de/ - Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven
- http://www.ocean.uni-bremen.de/EInfo/webseiten/eLibrary.html - Downloadseite der Uni Bremen, PDFs wesentlicher internationaler Arbeiten
- http://www.meeresmuseum.de - Meereskundemuseum in Stralsund
- http://www.heise.de/tr/aktuell/meldung/54758 - Erdbeben-Forschung: Am Puls der Tiefsee
Kategorie:Ozeanologie
Kategorie:Naturwissenschaft
ja:海洋学
ko:해양학
Portal:Geographie
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GeowissenschaftenDie Geowissenschaften (von Geo=Erde, Erdwissenschaften) umfassen die Wissenschaften, die sich mit der Erde beschäftigen und gehört damit zu den Naturwissenschaften. Den Geowissenschaften werden u.a. die Fächer Geologie, Geographie, Geoinformatik, Paläontologie, Mineralogie, Petrographie, Kristallographie, Geophysik, Geodäsie, Glaziologie, Kartographie, Photogrammetrie, Meteorologie und Bodenkunde zugeordnet.
Die Geowissenschaften verwenden die Kenntnisse und Methoden der Basiswissenschaften Physik, Mathematik, Astronomie, Chemie und Biologie.
Da die Geowissenschaften sehr interdisziplinär und fächerübergreifend sind, gibt es viele spezielle Disziplinen, die eine hohe Umweltrelevanz besitzen, z.B. Angewandte Geologie i.w.S., Ingenieurgeologie, Hydrogeologie, Hydrologie, Geochemie (u.a. mikrobielle Geochemie), Geoökologie, Meteorologie, Klimatologie, Geothermie.
Die Geowissenschaften haben eine tragende Rolle für die Energieversorgung wie Rohstoffversorgung unserer Welt. Die Suche (Exploration) nach Trinkwasser, Kohlenwasserstoffen (Erdöl, Erdgas, Kohle), Metallen und Nichtmetallen (Steine und Erden), wie Kies, Bausand, Ziegelton, Zementkalk, etc., aber auch Kernenergierohstoffen (Uran) und Erdwärme werden durch Geowissenschaftler projektiert und realisiert. Die Gewinnung dieser Rohstoffe fällt aber eher in den Bereich der Ingenieurwissenschaften, besonders des Bergbaus.
Die angewandten Geowissenschaften finden Verwendung bei vielen Bauvorhaben (Gründung von Bauwerken, Erdbau, Grundbau und Tunnelbau).
Die Raumplanung, der Umweltschutz bis hin zur Abfallwirtschaft (Deponien) benötigen geowissenschaftliche Kenntnisse.
Die Abgrenzung bzw. die Definition des Begriffs „Geowissenschaften” ist nicht eindeutig definiert. Das Fach Geographie ist hier ein gutes Beispiel. Die oben angeführten „harten” Themen sind auch Bestandteil der „physischen Geografie”. Nichtsdestsotrotz gibt es den Zweig der „Anthropogeografie” mit zahlreichen Bezügen zu zwar raumbezogenen, nicht aber per se „erd”-bezogenen Themen.
Zu nennen sind z.B. Wirtschaftsgeografie, Kulturgeografie und viele mehr.
Die einzelnen Wissenszweige
; Astrogeodäsie : Die Astrogeodäsie ist ein Teilgebiet der Geodäsie, welches Kenntnisse, Mittel und Methoden der Astronomie für Vermessungsaufgaben einsetzt (siehe auch Geodäsie).
; Bodenkunde : Die Bodenkunde (Pedologie) ist die Wissenschaft, die sich mit der Entstehung, der Entwicklung, den Bestandteilen und einer Klassifizierung von Böden befasst. Böden entstehen durch physikalische und chemische Verwitterung aus festem Gestein.
; Fernerkundung : Interdiziplinäres Instrument zur Datenbeschaffung durch Luftbildaufnahmen und Fernerkundungssatelliten für fast alle der hier aufgeführten Bereiche.
; Photogrammetrie : bedeutet die Rekonstruktion der dreidimensionalen Form von Gegenständen (hier insbesondere die Erd- oder Geländeoberfläche) aus Abbildungen (z. B. der perspektivischen Abbildung einer Fotografie).
; Geochemie : Die Geochemie befasst sich mit dem stofflichen Aufbau und der Verteilung von Elementen und Isotopen in der Erde, auf anderen Planeten und im Weltraum (Kosmochemie). Außerdem erforscht sie die Gesetzmäßigkeiten von Stofftransport und Materiekreisläufen in Mineralen und Gesteinen und der gesamten Erde.
; Geodäsie : Die Geodäsie oder Vermessungskunde befasst sich mit der Bestimmung der Figur der Erde, ihrer Abbildung in Karten und Plänen sowie der Vermessung und Beschreibung des Geländes und der Gegenstände und Sachverhalte an der Erdoberfläche. Teilbereiche der Geodäsie sind die Erdmessung, die Landesvermessung, die Kartographie, die Photogrammetrie, die Grundstücksvermessung und die Ingenieurvermessung.
; Geographie : Die Geografie untersucht alle Vorgänge und Erscheinungen auf dem Planeten Erde (siehe auch: (Physische Geografie).
; Geoinformatik : Die Geoinformatik setzt sich mit dem Wesen und der Funktion der Geoinformation, mit ihrer Bereitstellung in Form von Geodaten und mit den darauf aufbauenden Anwendungen auseinander. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse münden in die Technologie der GEO-Informationssysteme (GIS). Allen Anwendungen der Geoinformatik gemeinsam ist der Raumbezug.
; Geologie : Die Geologie untersucht den Aufbau des Planeten Erde, vor allem die Gesteine in der Erdkruste. Das wichtigste Prinzip der Geologie ist der Aktualismus. Anfang der 1960er erlebte die Wissenschaft einen sprunghaften Fortschritt durch die allgemeine Akzeptanz der Theorie der Plattentektonik. Schwesterwissenschaften der Geologie sind die Paläontologie und die historische Geologie. Siehe auch: Geschichte der Geologie
; Geophysik : Die Geophysik ist ein Zweig der Physik und verwendet physikalische Prinzipien zur Erforschung der Erde. Teilgebiete der Geophysik sind Seismik, Seismologie, Gravimetrie, Geoelektrik, Geothermik, Isotopengeophysik,Geomagnetik und Bohrlochgeophysik. Die Geophysik untersucht auch die Eigenschaften des erdnahen Raums.
; Geomorphologie : Die Geomorphologie untersucht die heute auf der Erdoberfläche vorkommenden Landschaftsformen. Das schließt deren Klassifikation, Beschreibung, Eigenheiten, Ursprünge, Entwicklung und den Zusammenhang zu den unterlagernden geologischen Strukturen ein.
; Geotechnik : ist ein Oberbegriff für die Disziplinen im Bauingenieurwesen, welche sich mit der Gründung von Bauwerken im Untergrund befassen.
; Geothermie : Die Geothermie versucht die innere Wärme des Erdkörpers für die Energiegewinnung nutzbar zu machen.
; Hydrologie : Die Hydrologie ist die Wissenschaft vom Wasser, von seinen Eigenschaften und seinen Erscheinungsformen auf und unter der Landoberfläche.
; Ingenieurgeologie : Die Ingenieurgeologie ist der angewandte Zweig der Geologie, der geologische Verhältnisse im Sinne des Bauingenieurwesens untersucht. Sie befasst sich z.B. mit der Standfestigkeit des Untergrunds von Bauwerken, auch mit der Erdbebensicherheit. Bei der Beseitigung und Vermeidung von Umweltschäden (Mülldeponien, Endlager) spielt sie ebenfalls eine Rolle.
; Kartographie : Die Kartographie ist die Wissenschaft, Kunst und Technik der Erstellung geografischer Karten zur planen Darstellung der Erdoberfläche mit all ihren topographischen, siedlungsgeografischen, territorialen, infrastrukturellen, sozialen, wirtschaftlichen, politischen, historischen, biologischen, geologischen, tektonischen und sonstigen Aspekten. Sie stützt sich auf Messungen der Geodäsie.
; Kristallographie : Die Kristallographie ist eine Materialwissenschaft und beschäftigt sich mit den physikalischen Eigenschaften von Kristallen.
; Limnologie : Die Limnologie ist die Wissenschaft von den Binnengewässern als Ökosystemen, deren Struktur, Stoff- und Energiehaushalt sie erforscht.
; Meteorologie : Die Meteorologie (Wetterkunde) ist die Wissenschaft von den atmosphärischen Erscheinungen.
; Mineralogie : Die Mineralogie beschäftigt sich mit der Zusammensetzung und Klassifikation der Minerale, ihrem Vorkommen und ihrer technischen und wirtschaftlichen Verwendung.
; Ozeanographie : Die Ozeanographie untersucht Stoff- und Energiekreisläufe in den Weltmeeren. In der Planktologie findet sich ein Bindeglied zu den Biowissenschaften.
; Paläoklimatologie : Die Paläoklimatologie versucht anhand verschiedener Daten aus Klimaarchiven die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse in der Vergangenheit zu klären und daraus wiederum Rückschlüsse auf die klimatische Zukunft der Erde zu ziehen.
; Paläontologie : Die Paläontologie ist die Wissenschaft, die sich mit den vorzeitlichen Pflanzen (Paläobotanik) und Tieren (Paläozoologie) beschäftigt. Quellenmaterial für den Paläontologen sind die Fossilien. Neben komplett überlieferten Skeletten oder Schalen von Tieren zählen Fraß- und Weidespuren, Grabgänge, einzelne Teile von Lebewesen (vor allem bei Pflanzen sind meist nur einzelne Teile (Blätter, Stämme, Wurzeln) überliefert), versteinerter Kot (Koprolithen) und chemisch alterierte Überreste zu den Fossilien.
; Petrologie und Petrographie : Petrologie und Petrographie sind Disziplinen, die feste Gesteine zum Untersuchungsgegenstand haben. Die Petrographie nimmt dabei eine mehr beschreibende Rolle ein. Aufgrund der Unterschiede bei der Entstehung von Gesteinen kann die Petrologie in drei Untergebiete eingeteilt werden: Petrologie magmatischer, metamorpher und sedimentärer Gesteine.
; Petrophysik : Die Petrophysik befasst sich mit der Bestimmung von phykalischen Eigenschaften von Gesteinsproben. Sie hat besondere Bedeutung erlangt bei der Bewertung von Speichergesteinen für Erdöl und Erdgas.
; Physische Geografie : Die Physische Geografie beschreibt die Gestalt der Erdoberfläche.
; Stratigraphie : Die Stratigraphie ist ein Zweig der Geologie. Sie versucht Gesteine hinsichtlich ihres Entstehungsalters chronologisch in der geologischen Zeitskala einzuordnen. Je nachdem auf welche Merkmale eines Gesteins sich die Stratigraphie stützt unterscheidet man: Fossil- oder Biostratigraphie, Lithostratigraphie, Magnetostratigraphie und Sequenzstratigraphie.
; Tektonik : Die Tektonik ist einerseits die Lehre vom gegenwärtigen Bau der Erdkruste z.B. „die Tektonik der Alpen”, andererseits von den Bewegungen und Kräften, die für den gegenwärtigen Zustand verantwortlich sind.
; Vulkanologie : Der Gegenstand der Vulkanologie sind die vulkanischen Phänomene der Erde.
; Wirtschaftsgeologie : Die Wirtschaftsgeologie oder Lagerstättengeologie benutzt bei der Suche nach ökonomisch wertvollen Rohstoffen (Exploration), neben klassischen geologischen Techniken, wie Kartierung und Probennahme im Gelände, auch Methoden der Geochemie, Geophysik und Fernerkundung. Zur Klärung der Genese von Lagerstätten sind besonders die Vorstellungen über den Fluss von unterirdischen, mineralisierenden Lösungen (Fluide) wichtig. Die Bergbaugeologie nutzt bei der Aufsuchung und Ausbeutung von Erzlagerstätten v.a. Erkenntnisse der Tektonik und Strukturgeologie. Bei der Suche nach fossilen Brennstoffen, sowie nach nichtmetallischen Rohstoffen, benötigt man auch Kenntnisse der Paläontologie (besonders Mikrofossilien) und Sedimentologie.
Siehe auch: Liste geowissenschaftlicher Themen
Bekannte Geowissenschaftler
- Georgius Agricola
- Walter Christaller
- Johann Wolfgang von Goethe
- Stephen Jay Gould
- Arthur Holmes
- Carl Friedrich Gauß
- Alexander von Humboldt
- James Hutton
- Charles Lyell
- Georg von Neumayer
- William Smith
- Nicolaus Steno alias Nils Stensen
- Alfred Wegener
- Abraham Gottlob Werner
Weitere Literatur
- Hans Murawski und Wilhelm Meyer (1998): Geologisches Wörterbuch, Ferdinand Enke Verlag im dtv, ISBN 3-423-03038-0 (dtv), ISBN 3-432-84100-0 (Enke).
- Adolf Watznauer (1978): Wörterbuch Geowissenschaften (englisch-deutsch), Verlag Harri Deutsch, Thun und Frankfurt am Main, ISBN 3871441392.
Wikiprojekte
- Wikipedia:Wikiprojekt Geowissenschaften => Portal Geowissenschaften
- Wikipedia:Wikiprojekt Geoinformatik
- Wikipedia:WikiProjekt Geographie
- Wikipedia:Wikiprojekt Minerale
- [http://www.mineralienatlas.de/phpwiki/index.php Mineralienatlas:Wikiprojekt Mineralien - Fossilien]
Weblinks
- [http://www.geoberuf.de/ Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e.V.]
- [http://www.bgr.de/ Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR Hannover)]
- [http://univ.cc/geolinks/ Datenbank geowissenschaftlicher Institute Weltweit]
- [https://www.gga-hannover.de/app/fis_gp/startseite/start.htm Fachinformationssystem Geophysik (FIS GP Hannover)]
- [http://www.geosciences-forum.com/ Forum rund um die Geowissenschaften]
- [http://www.bundeswehr.de/forces/030317_geoinf.php#1 Geoinformationsdienst der Bundeswehr (GeoInfoDBw)]
- [http://dict.mygeo.info/ Geowissenschaftliches Online Wörterbuch Deutsch Englisch]
- [http://www.geozentrum-hannover.de/ Geozentrum Hannover]
- [http://www.g-o.de/ Das deutschsprachige Portal zu den Geowissenschaften]
- http://www.wikiwetter.de/
- [http://www.gga-hannover.de/ Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (GGA Hannover)]
- [http://www.sci.muni.cz/~sulovsky/euracad.html Liste europäischer geowissenschaftlicher Universitätsinstitute]
- [http://www.nlfb.de/ Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung (NLfB Hannover)]
- [http://www.planeterde.de/ Planet Erde] ein Portal des Bundesministerium für Bildung und Forschung zum Thema Geowissenschaften
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Kategorie:Naturwissenschaft
ja:地球科学
ko:지구과학
ms:Sains bumi
simple:Earth science
th:วิทยาศาสตร์โลก
HydrografieMit Hydrografie (geografische Gewässerkunde) bezeichnet man die Lehre von Erscheinungsformen, Eigenschaften, Vorkommen, Verbreitung und Haushalt des Wassers über, auf und unter der Erdoberfläche. Die Hydrografie ist ein Teil der Geografie sowie der Geophysik.
Ihre Zweige sind die Gewässerkunde (Limnologie) mit ihrem Teilgebiet Flusskunde (Potamologie), die Quellen- und Grundwasserkunde (Hydrogeologie), die Ozeanografie (Meereskunde) und die Lehre von der Geschiebebewegung und Geröllverfrachterung in Flüssen und an Küsten. Das Wasser der offenen Meere behandelt die Meereskunde (Ozeanografie), die der Gletscher die Gletscherkunde (Glaziologie).
Diese Beschreibung deckt sich weitgehend mit derjenigen der Hydrologie
Die UNESCO-Definition:
Die Hydrographie ist "die Wissenschaft und Praxis der Messung und Darstellung der Parameter, die notwendig sind, um die Beschaffenheit und Gestalt des Bodens der Gewässer, ihre Beziehung zum festen Land und den Zustand und die Dynamik der Gewässer zu beschreiben." (Umfassendste Definition nach United Nations Economic and Social Council, 1978)
Weblinks
- [http://www.dhyg.de/_hydrographie.htm Deutsche Hydrographische Gesellschaft e. V.]
- [http://www.bsh.de Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie]
- [http://www.bafg.de Bundesanstalt für Gewässerkunde]
- [http://www.dhyg.de/_links.htm Hydrographie - Verbindungen weltweit]
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Kategorie:Hydrologie
Kategorie:Geographischer Begriff
Kategorie:Topografie
Kategorie:Physische GeographieHier sollen allgemeine Begriffe aus dem Bereich der Physischen Geographie eingeordnet werden. Artikel zu einzelnen geographischen Objekten gehören hingegen in die richtige Unterkategorie unter :Kategorie:Geographisches Objekt.
Kategorie:Geographischer Begriff
ja:Category:地形
ko:분류:지형
BehinderungVon einer Behinderung spricht man bei individuellen Beeinträchtigungen eines Menschen, die umfänglich, vergleichsweise schwer und langfristig sind.
Die infrastrukturellen Umweltbedingungen, insbesondere aber gesellschaftliche Einstellungen und Verhalten gegenüber von Menschen mit Behinderung, nehmen in modernen Ansätzen zur Definition des Begriffs einen größeren Raum ein.
Überblick
Kategorien und Ursachen
Grundsätzlich lassen sich Behinderungen grob kategorisieren in:
- körperliche Behinderung
- Sinnesbehinderung (Blindheit, Gehörlosigkeit, Schwerhörigkeit, Taubblindheit)
- Sprachbehinderung
- psychische (seelische) Behinderung
- Lernbehinderung
- geistige Behinderung
- Eine modernere Bezeichnung ist Entwicklungsbeeinträchtigung. Diese umfasst alle Kategorien und soll laut Unterstützer abwertende Konnotationen, wie sie z.B. "geistige Behinderung" mitbringen, umgehen.
Hinsichtlich der Ursachen lässt sich unterscheiden zwischen:
- erworbenen Behinderungen
:- durch perinatale (während der Geburt) entstandene Schäden
:- durch Krankheiten
:- durch Unfälle
:- durch Gewalteinwirkung
:- durch Alterungsprozesse
- angeborenen Behinderungen
:- durch Vererbung bzw. chromosomal bedingt
:- durch pränatale (vor der Geburt entstandene) Schädigungen.
Behinderungen können auch als Kombination aus mehreren Ursachen und Folgen auftreten (Mehrfachbehinderung, Schwerste Behinderung), oder weitere Behinderungen zur Folge haben, z.B. Kommunikationsbehinderung als Folge einer Hörbehinderung.
Häufigkeit
Nach einem am 16.12.2004 erschienenen "Bericht der Bundesregierung zur Lage behinderter Menschen und die Entwicklung ihrer Teilhabe" gelten über acht Prozent der deutschen Bevölkerung als schwerbehindert (S. 18).
Diese Angabe beruht auf Angaben des statistischen Bundesamtes (Stand 31.12.2003), dass 6,639 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung in Deutschland leben. Ein hoher Anteil von ihnen (52 Prozent) sind ältere Menschen über 65 Jahre. Jeweils 22 Prozent umfassen die Altersgruppen von 55 bis unter 65 Jahre und von 25 bis unter 55 Jahre. Die restlichen 4 Prozent sind unter 25 Jahre alt. 68 Prozent der Behinderungen werden von dieser Statistik als "körperliche Behinderung und 17 Prozent als "geistig-seelische" Behinderung eingeordnet. 84 Prozent der Behinderungen seien durch Krankheit, 2 Prozent durch Unfall erworben.
Einer solche Statistik erfasst allerdings nicht alle Betroffenen, sondern nur Personen, die den rechtlichen Status eines Schwerbehinderten (Behinderungsgrad über 50%) und den damit verbundenen Schwerbehindertenausweis erfolgreich beantragt haben. Weil es keine „Meldepflicht“ für Behinderungen gibt, lässt sich die tatsächliche Zahl der Menschen mit Behinderung nur schätzen, wobei häufig die Zahl von 10 Prozent der Gesamtbevölkerung genannt wird. Nationale und internationale Schätzungen divergieren erheblich, da eine einheitliche und verbindliche Definition von „Behinderung“ nicht existiert.
In der Schweiz sind Schwerbehindertenausweise unbekannt. Dort sind beim Bundesamt für Sozialversicherung die IV-Renten statistisch erfasst. 2003 bekamen 271'039 Personen einfache Invalidenrenten und 185'476 noch Zusatzrenten. Die durchschnittliche Rente betrug 1396 CHF. Individuelle Maßnahmen (Hilfsmittel, Sonderschulen, Berufliche Ausbildung usw.) bezogen 400'537 Personen. Bei den Männern ist einer von fünf kurz vor der Pensionierung IV-Rentner. [http://www.bsv.admin.ch/statistik/details/d/iv_04_d.pdf]
Definitionen
Sozialrechtliche Definition
Im bundesdeutschen Recht wird die Behinderung im Sozialgesetzbuch IX (dort: § 2 Abs. 1), so festgelegt:
Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.
Erweiterte Sicht
Eine Behinderung bringt in der Regel auch Schwierigkeiten dahingehend mit sich, als Betroffener an der Gesellschaft teilhaben zu können („Behindert ist man nicht, behindert wird man! Aktion Mensch). So erweitert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2001 den Behinderungsbegriff in der International Classification of Functioning, Disability and Health" ICF) wie folgt:
- Schädigung: Beeinträchtigung einer Körperfunktion oder -struktur im Sinn einer wesentlichen Abweichung oder eines Verlustes,
- Beeinträchtigung der Aktivität: Aus der Schädigung resultierende Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, eine Aufgabe oder Tätigkeit durchzuführen,
- Beeinträchtigung der Partizipation: Ein nach Art und Ausmaß bestehendes Problem einer Person bezüglich ihrer Teilhabe in einem Lebensbereich bzw. einer Lebenssituation,
- Umfeldfaktoren: beziehen sich auf die physikalische, soziale und einstellungsbezogene Umwelt, in der die Menschen ihr Leben gestalten.
Beispielhaft für eine erweiterte Begriffsdefinition unter Einbeziehung der Umgebung ist die Formulierung Alfred Sanders: Behinderung liegt vor, wenn ein Mensch mit einer Schädigung oder Leistungsminderung ungenügend in sein vielschichtiges Mensch-Umfeld-System integriert ist (H. Eberwein, S. Knauer: Handbuch der Integrationspädagogik, Beltz 2002). Er führt Behinderung also nicht nur auf eine Schädigung oder Leistungsminderung eines einzelnen Menschen zurück sondern auf die Unfähigkeit des Umfelds des betreffenden Menschen diesen zu integrieren.
Begriffsdiskussion
Es gibt darüber hinaus eine Vielzahl von Definitionen des Behinderungsbegriffs, nicht zuletzt im ständigen Bemühen, eine (behindernde) Diskriminierung und Stigmatisierung schon bei der eingesetzten Sprache auszuschließen – schließlich werden Behinderte in spanischsprachigen Ländern auch heute noch häufig als „minusválidos“ (Minderwertige) bezeichnet. Mit dem Ziel einer „Political Correctness“ wurde gar versucht, den Begriff ganz zu verbannen bzw. durch Euphemismen wie „besondere Befähigung“ oder „besondere Bedürfnisse“ zu ersetzen. Aus den englischsprachigen Ländern kommt die begriffliche Umschreibung „people with special needs“ („Menschen mit besonderen Bedürfnissen“).
Regelmäßig werden im akademischen Diskurs oder von Lobby-Organisationen einschlägige Begriffe hinsichtlich ihrer Passgenauigkeit oder aufgrund ihres Diskriminierungspotenzials in Frage gestellt, um sie durch fortschrittlichere Bezeichnungen zu ersetzen. (Noch) nicht durchgesetzt hat sich beispielsweise die kognitive Behinderung an Stelle der geistigen Behinderung. Der ursprünglich mathematische Begriff Inklusion schickt sich an, die bisherige Integration behinderter Menschen abzulösen, weil er nach Meinung seiner Befürworter der Gesellschaft eine höhere Verantwortung für die Einbeziehung betroffener Menschen mit all ihren Eigenarten zuweist, statt eine Anpassung zu verlangen.
Von den zumeist selbst betroffenen Vertretern der Krüppelbewegung wurde der Begriff Behinderung dagegen bewusst durch den alten, eigentlich verpönten Ausdruck „Krüppel“ ersetzt, um damit provozierend auszudrücken, was nichtbehinderte Menschen nach ihrem Empfinden ohnehin über sie dachten.
Letztlich ist Pragmatismus bei der Definition spätestens dann notwendig, wenn Kriterien für die Leistung von Hilfe durch die Gesellschaft festgelegt werden müssen (z.B. Schwerbehindertenausweis, Eingliederungshilfe, Rehabilitation, ...). Diese Situation wird in der sonderpädagogischen Fachdiskussion als Etikettierungs-Ressourcen-Dilemma bezeichnet.
Der im süddeutschen und österreichischen Sprachgebrauch übliche Ausdruck „bresthaft“ für behindert wird heute als diskriminierend abgelehnt.
Hilfe und Selbstbestimmung
Traditionelle karitative Einrichtungen
Seit dem späten 18. Jahrhundert betrachteten es vor allem kirchliche und andere karitative Einrichtungen als ihre Aufgabe, Kinder und Erwachsene mit einer Behinderung zu fördern und zu pflegen. Seit dem 19. Jahrhunderts wurde die Pflege und schulische Förderung staatliche Aufgabe.
Anfangs fand die Unterstützung von Menschen mit Behinderung überwiegend in dafür spezialisierten Einrichtungen wie Sonderschulen, Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), Internaten oder Heimen statt.
Inzwischen ist die Landschaft der Einrichtungen und der Konzepte der Behindertenhilfe breit aufgefächert, was auch Ergebnis der lebendigen politischen und wissenschaftlichen Diskussion der letzten Jahrzehnte ist.
Gesetzliche Vorgaben
Durch die neuere Gesetzgebung ist die Gesellschaft aufgefordert, Strukturen zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung zu schaffen. In Deutschland findet dies Ausdruck in Artikel 3 Abs. 3 Satz 2 des Grundgesetzes: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“.
Dieses Prinzip muss vom Staat in der Gesetzgebung, der Verwaltung und bei der Rechtsprechung berücksichtigt werden. So finden sich zahlreiche Regelungen zum Nachteilsausgleich und zum Schutz der Rechtsposition von Menschen mit Behinderung u.a. im Sozialrecht, im Steuerrecht, im Arbeitsrecht oder auch in Bauvorschriften, hier insbesondere zum Thema Barrierefreiheit. Die Leistungen der Rehabilitation sind in den Sozialgesetzbüchern verankert.
Konzepte, Maßnahmen und Einrichtungen der Behindertenhilfe setzen schon bei Kleinkindern (Frühförderung) an und gehen weiter über verschiedene Maßnahmen für Kinder und Jugendliche, insbesondere in den Fachgebieten der Sonderpädagogik und der Heilpädagogik. Auch für Erwachsene existieren Leistungsansprüche und Hilfsangebote im Bereich der Eingliederungshilfe im Alltag, im Beruf sowie im Bereich der medizinischen Rehabilitation.
Behindertenspezische Regelungen sind notwendig in allen Lebensbereichen.
Neue Ansätze zu Rehabilitation und Integration
Seit den 1970er Jahren entstanden neue Denkansätze zur Rehabilitation und Integration von Menschen mit Behinderungen. Politisch engagierte Mitglieder der Selbsthilfevereine fühlten sich von Vertretern und Mitarbeitern historisch gewachsener Strukturen der Rehabilitation weniger gefördert und forderten mehr persönliche Freiheiten in Pflegeheimen und Sonderarbeitsplätzen.
Im Zusammenhang mit reformpädagogischen Überlegungen bestehen heute auch integrative Ansätze, so z.B. integrative Kindergärten, integrative Schulen oder Integrationsfirmen. Dies sind reguläre Organisationen, in denen durch konzeptionellen, personellen und strukturellen Aufwand auch die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung berücksichtigt werden, wodurch gemeinsames Lernen und Arbeiten ermöglicht werden soll.
Als Rehabilitation werden alle Maßnahmen verstanden, die auf eine Integration von Menschen in die Gesellschaft abzielen. Leistungen werden im Bereich der schulischen und beruflichen Ausbildung, der Medizin und der Förderung zur Teilnahme am sozialen Leben erbracht. In den Folgejahren entstanden neue soziale Initiativen und Modelle zur eigenständigen Organisation von Pflege und Betreuung (unter anderem persönliche Assistenz, persönliche Budget, die Arbeitsassistenz im Beruf, oder die betriebliche Mitbestimmung in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung, die heute durch den Werkstattrat ausgeübt wird.
Seit einigen Jahren zeichnet sich ein Paradigmawechsel ab. Behinderung wird zunehmend als krisenhaftes Ereignis nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für seine Angehörigen und Freunde begriffen (Schuchhardt, 1982). Rehabilitation wird daher auch als Anbahnung eines Lernprozesses gedeutet, an dessen Ende nicht nur die Verarbeitung des Eintritts einer Behinderung durch die Betroffenen erfolgreich gemeistert werden können, sondern auch die Umgebung des Behinderten „behindertengerecht“ für die spezifischen Bedürfnisse und das natürliche „anders Sein“ angepasst würden. Wichtige Leitgedanken sind hier:
- Soziale Teilhabe statt Pflege
- Überlegte Planung statt Barrierenerrichtung
- Achtung und Respekt statt Diskriminierung
- Integrierte Teilhabe statt vorgeburtliche Selektion und gesellschaftlich-institutionelle Ausgrenzung
Behindertenbeauftragte, Behindertenorganisationen und Selbsthilfegruppen
Die Interessen von Menschen mit Behinderungen sollen im Bund sowie in den Bundesländern, Städten und Gemeinden von Beauftragten für ihre spezifischen Belange vertreten werden.
Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Behindertenorganisationen, Verbänden und Selbsthilfegruppen, die entweder als Lobby Einfluss auf die Sozialpolitik versuchen zu nehmen oder dem Erfahrungsaustausch von Menschen mit Behinderungen dienen sollen.
Gesetze
- Grundgesetz der BRD, Artikel 3
- Das Behindertengleichstellungsgesetz macht unter anderem Vorgaben für barrierefreies Bauen.
- Landesgleichstellungsgesetz
- Schwerbehindertenrecht (Deutschland) (SGB IX Teil 2)
- Die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) gibt Vorgaben für behindertengerechte IT-Systeme, beispielsweise barrierefreies Internet.
- Das SGB XII: hier regeln im 6 Kapitel die §§ 53 bis 60 die Eingliederungshilfe für Menschen die im Sinne von § 2 Abs.1 Satz 1 des SGB IX als behindert gelten.
Forschungsprojekte
- Projekt „SELBST - Selbstbewusstsein für Mädchen und Frauen mit Behinderung." [http://www.neukirchener.de/traegerverbund/ffi/institut.php] Das Projekt dient der Bestandsaufnahme und Qualitätsanalysen zu Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsübungen für behinderte Frauen und Mädchen innerhalb des Behindertensports.
Behinderte Menschen in Kunst und Film
- Verrückt nach Paris (2002) ist eine von Behinderten in den Hauptrollen gespieltes Road Movie über das Thema Wahrnehmung und Selbstdarstellung von Behinderung, Freundschaft, Liebe.
- Unser Walter (1974). Mehrteiler über ein Kind mit Down Syndrom.
- Talking with Angels (Gespräche mit Engeln). Spielfilm, Großbritannien, 2003 Regie: Yousaf Ali Khan
Schauspieler
- Peter Radtke, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien, Schauspieler, der mit der Glasknochenkrankheit lebt. Radtke spielte unter George Tabori bei den Münchener Kammerspiele, im Wiener Burgtheater spielte oder in der Verfilmung des Romans von Günther Grass Die Rättin.
Literarische Figuren
- Lincoln Rhyme – Querschnittsgelämter Kriminologe – Autor Jeffery Deaver. Für die Darstellung Lincoln Rhymes u.a. in dem Thriller Der Knochenjäger wurde Jeffery Deaver der "Dream-Award-Preis" verliehen. Der Knochenjäger (USA, Originaltitel: The Bone Collector) wurde 1999 mit Denzel Washington als Lincoln Rhyme unter der Regie von Phillip Noyce verfilmt.
Filmfestival
- Internationales Kurzfilmfestival "Wie wir leben" [http://www.abm-festival.de/]
TV-Sendereihen
- Normal - Ein wöchentliche Sendung im Deutschen Sportfernsehen aus und über die Behindertenszene
- Challenge - Ein Magazin im Privatsender Kabel 1
Verwandte Themen
- Paralympics bezeichnet die internationalen Wettkämpfe des Behindertensports.
- Deaflympics bezeichnet die jeweils ein Jahr nach jeder Olympiade stattfindenden "Weltspiele der Gehörlosen".
- Die Behindertenhilfe bezeichnet soziale Einrichtungen für Behinderte.
- Sonder- und Heilpädagogik umfasst Bildung und Erziehung Behinderter.
- Schulische Integration bezeichnet die Aufnahme behinderter Kinder in Schulen Nichtbehinderter.
- Integrationsamt fördert die Arbeitsplatzgestaltung und -erhaltung für behinderte Arbeitnehmer.
- Hilfsmittel (Rehabilitation) bezeichnet Geräte, die die Folgen einer Behinderung mildern. Sie werden in der EN ISO 9999 klassifiziert und in Deutschland teilweise auch von der Gesetzlichen Krankenversicherung oder der Pflegeversicherung zugunsten der Versicherten bezahlt.
- Kraftfahrzeughilfe-Verordnung
- Rehabilitationsträger
- Gemeinsame Service-Stellen für Rehabilitation
- Leistung zur Teilhabe
- Werkstatt für behinderte Menschen
Literatur
- Reinhard Markowetz, Günter Cloerkes (Hrsg.): Freizeit im Leben behinderter Menschen: theoretische Grundlagen und sozialintegrative Praxis. Edition S, Heidelberg 2000, ISBN 3-8253-8262-1
- Ch. Fürll-Riede, R. Hausmann, W. Schneider: Sexualität trotz(t) Handicap. Thieme-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-13118211-3
- Ingeborg Zurbrügg: Klarissa. Harald Fischer, Erlangen 1994, ISBN 3-89131-111-7
- Gisela Hermes: Behinderung und Elternschaft - kein Widerspruch. Ag Spak, Neu-Ulm 2004, ISBN 3-930830-46-9
- Peter Radtke: Behinderung und die Ideologie des "Normalen" in: Hellmut Puschmann (Hrsg.): Not sehen und handeln (Caritas), Freiburg/Br. 1996
- Karl Friedrich Schlegel, der Körperbehinderte in Mythologie und Kunst, Stuttgart 1983
Weblinks
- [http://www.behindertenarbeit.at www.behindertenarbeit.at]
- [http://www.behindertenbeauftragter.de www.behindertenbeauftragter.de] - Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen (Deutschland)
- [http://www.bmgs.bund.de/download/broschueren/a125.pdf Bericht der Bundesregierung zur Lage behinderter Menschen und die Entwicklung ihrer Teilhabe 2004] - Bundestagsdrucksache 15/4575
- [http://www.jkc.de/links.html www.jkc.de] - EHB-Suchmaschine Behinderung
- [http://www.dimdi.de/static/de/klassi/ICF/index.html www.dimdi.de] - Klassifikation, Dokumente in deutscher und englischer Sprache
- [http://www.proinfirmis.ch www.proinfirmis.ch] - Pro Infirmis - Dachverband Behindertenorganisationen (Schweiz)
- [http://www.studieren.de/aktuell/behinderung.asp www.studieren.de] - Studium für Behinderte - alles Wissenswerte
- [http://www.behindertenzeitschrift.de www.behindertenzeitschrift.de] - Zeitschrift HANDICAPPED-Kurier mit vielen Online-Beiträgen
- [http://www.intakt.info www.intakt.info] - bayrisches Behindertenportal Intakt: Informationen für Eltern von Kindern mit Behinderung
- [http://www.itg-oberfranken.de/gensler/www.-Mittelalter/behi/behinderte_im_mittelalter.htm www.itg-oberfranken.de] - Leben von Behinderten im Mittelalter
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