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Hylozoismus

Hylozoismus

Der Hylozoismus (griech.; eigentlich: Stoffbelebung, Stoffbeseelung) bezeichnet eine Klasse von Weltanschauungen, die annehmen, dass der Materie ein Lebensprinzip innewohnt. Die Materie als solche ist in der einen oder anderen Form belebt (beseelt). Die eigentlichen Vertreter des Hylozoismus waren die ersten griechischen Naturphilosophen (Thales, Anaximander, Anaximenes), die als letzte Grundlage alles Geschehens einen belebten Urstoff annahmen. Ihre Lehren werden im engeren Sinne mit dem Namen "Hylozoismus" bezeichnet. Hylozoistische Gedankengänge finden sich mehr oder weniger deutlich bei Giordano Bruno, John Toland, Spinoza, Jean Baptist Robinet, Denis Diderot, Heinrich Czolbe, Karl Vogt. In den Auseinandersetzungen zwischen Materialismus und Idealismus um das Wesen des Bewusstseins waren die hylozoistischen Gedankengänge von weltanschaulich progressiver Bedeutung, weil sie in letzter Instanz zur Verdrängung der idealistischen und metaphysischen Verselbständigung des Bewusstseins (im Sinne einer psychischen Instanz) als einer substantiellen Wesenheit beitrugen. In einigen Fällen führten sie zu atheistischen Konsequenzen, insofern sie der Behauptung der Existenz Gottes als letzter, außerweltlicher Ursache alles Geschehens entgegenstanden (bei Spinoza, Toland). Hylozoistische Gedankengänge in einzelnen philosophischen Lehren waren so der Tendenz nach Momente materialistischen, religionskritischen und atheistischen Denkens, d.h. Erscheinungsformen gegen die idealistische und religiöse Hypostasierung des Bewusstseins. Von der Zeit der Entwicklung an, als die philosophischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und Kenntnisse das Bewusstsein und das Psychische als Eigenschaften einer besonderen Bewegungsform des Materiellen, der geistigen Substanz, annahmen, wurde die Anschauungen des Hylozoismus von der Allbelebung und Allbeseelung der Natur zu einer Art des Anthropomorphismus. Somit änderte sich die Bewertung der hylozoistischen Gedankengänge und nahm teilweise den Charakter von Zugeständnissen an den Idealismus an. Kategorie:Weltanschauung Kategorie:Ontologie

Griechische Sprache

Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen. Siehe: Griko in Italien Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden. Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis 1453) grc.

Geschichte

1453 Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist. Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert. Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden. Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt. Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus). Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt. Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.

Grammatik

Altgriechisch

Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie. Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen. Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.

Nominale Wörter

Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Genera

- (allgemeine) Regeln:
  - Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
  - Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
  - Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache. Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
  - echter Akkusativ (direktes Objekt)
  - adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
  - echter Genitiv (Bereich)
  - Separativ (Herkunft)
- Dativ
  - echter Dativ (indirektes Objekt)
  - Soziativ (Gemeinschaft)
  - Instrumental (Mittel)
  - Lokativ (Ort, Zeit)

Verben

Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm. Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt. Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen) Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung. Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens) Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt. Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten). Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.) Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung. Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden. Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck. Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint. In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt. Der Imperativ drückt einen Befehl aus. Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt). Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung. Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus. Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn: Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.) Beispiele: Aktiv: er löst (etwas) transitives Medium: er löst (etwas) für sich intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Personen
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural). Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.

Neugriechisch (Dimotiki)

Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation. Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache: Vokale geschlossen halbgeschlossen offen Alle Vokale werden kurz ausgesprochen. laut IPA Konsonanten p t k b d g v δ z γ f θ s χ m n l r

Siehe auch


- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen

Literatur


- Geschichte:
  - Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
  - Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
  - Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
  - Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
  - Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
  - Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
  - Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
  - Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
  - Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
  - Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992

Weblinks


- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Einzelsprache als:Griechische Sprache ja:ギリシア語 ko:그리스어 ms:Bahasa Greek simple:Greek language th:ภาษากรีก

Anaximander

Anaximander (griech. Anaximandros) (
- um 611 v. Chr. in Milet; † 546 v. Chr. in Milet) war ein vorsokratischer griechischer Philosoph.

Allgemein

Philosoph, 1510/11, Stanzen des Vatikans, Rom]] Apollodor von Athen zufolge lebte Anaximander um 610-547 v. Chr. in Milet. Es ist wahrscheinlich, dass er Thales gekannt und mit ihm in enger Gedankengemeinschaft gelebt hat, jedenfalls gilt er als Nachfolger und Schüler des Thales. Für ihn steht dasselbe Grundproblem im Vordergrund wie für Thales, nämlich die Frage nach dem Wesen des Ursprungs allen Seins, der "Arché". Anaximander gilt als der erste Systematiker und als erster Philosoph, der seine Philosophie niederschrieb. Zudem schrieb er als erster Grieche in Prosaform. Es ist jedoch nur ein Fragment seiner eigenen Worte überliefert. Er war auch ein bedeutender Astronom und Astrophysiker und entwarf als erster eine rein physikalische Kosmogonie. Er gründete seine Überlegungen zur Entstehung des Weltganzen ausschließlich auf die Beobachtung und das rein rationale Denken. Als erster beschrieb er unsere Welt als einen Kosmos, der ein planvoll geordnetes Ganzes ist. Ebenfalls als erster zeichnete Anaximander eine geographische Karte mit der damals bekannten Verteilung von Land und Meer, wie er auch als erster eine Sphäre, einen Himmelsglobus konstruierte. Die Karte ist heute verschollen, wurde aber später durch Hekataios aufgewertet, von dessen Werk wiederum eine halbwegs konkretes, wenn auch real ungenaues Bild der Weltsicht überliefert ist.

Kosmologie und Kosmogonie

Anaximander sagte, bei der Entstehung des heutigen, geordneten Universums hätte sich aus dem Ewigen ein Wärme- und Kältezeugendes abgesondert, und daraus sei eine Feuerkugel um die die Erde umgebende Luft gewachsen, wie um einen Baum die Rinde. Die Gestirne entstehen laut Anaximander durch die geplatzte Feuerkugel, indem das abgespaltene Feuer von Luft eingeschlossen werde. An ihnen befänden sich gewisse röhrenartige Durchgänge als Ausblasestellen; sie seien dort als Gestirne sichtbar. In gleicher Weise entstünden auch die Finsternisse, nämlich durch Verriegelung der Ausblasestellen. Das Meer sei ein Überrest des ursprünglich Feuchten. "Ursprünglich war die ganze Oberfläche der Erde feucht gewesen. Wie sie aber dann von der Sonne ausgetrocknet wurde, verdunstete allmählich der eine Teil. Es entstanden dadurch die Winde und die Wenden von Sonne und Mond, aus dem übrigen Teil hingegen das Meer. Daher würde es durch Austrocknung immer weniger Wasser haben, und schließlich würde es allmählich ganz trocken werden" (Aristoteles über Anaximander). Aus einem Teil dieses Feuchten, das durch die Sonne verdampfe, entstünden die Winde, indem die feinsten Ausdünstungen der Luft sich ausscheiden und, wenn sie sich sammelten, in Bewegung gerieten. Auch die Sonnen- und Mondwenden geschähen, weil diese eben, jener Dämpfe und Ausdünstungen wegen, ihre Wenden vollführten, indem sie sich solchen Orten zuwendeten, wo ihnen die Zufuhr dieser Ausdünstung gewährleistet sei. Die Erde sei das, was vom ursprünglich Feuchten an den hohlen Stellen der Erde übrig geblieben sei. Anaximander meinte, die Erde sei schwebend, von nichts überwältigt und in Beharrung ruhend infolge ihres gleichen Abstandes von allen Himmelskreisen. Ihre Gestalt sei rund, gewölbt, einem Zylinder ähnelnd gleich einem steinernen Säulensegment. Wir stünden auf der einen ihrer Grundflächen; die andere sei dieser entgegengesetzt. Regengüsse bildeten sich aus der Ausdünstung, welche infolge der Sonnenstrahlung aus der Erde hervorgerufen werde. Blitze entstünden, indem der Wind sich in die Wolken hineinstürze und sie auseinander schlage. Seiner Auffassung nach sind die Lebewesen aus dem Feuchten durch die Wärme der Sonne entstanden, indem sie von der Sonne ihrer Feuchtigkeit beraubt wurden. Die Menschen seien ursprünglich aus Fischen bzw. fischartigen Lebewesen entstanden; im Innern dieser Lebewesen seien sie ernährt worden, und erst, nachdem sie die Fähigkeit erworben hätten, sich selbst zu helfen, seien sie aus ihnen herausgeschlüpft und an Land gegangen.

Ursprung bzw. Arché

Ursprung [oder: Anfang] und Element sei das Unbeschränkte, das Unbegrenzte; er bestimmte es nicht als Luft oder Wasser oder etwas Ähnliches. Es sei eine gewisse Natur, und diese sei immerwährend und bereite alle Dinge zu und lenke sie. Und die Teile verwandelten sich, das All jedoch sei unverwandelbar. Das Apeiron sei das Allumfassende und schließe alles in sich ein. Er bezeichnet es als das Prinzip der seienden Dinge, und aus diesem seien die Welten und die darin befindliche Ordnung entstanden. Denn aus diesem entstehe alles und zu diesem vergehe alles. Weshalb auch unbeschränkt viele Welten produziert werden und wieder vergehen zu jenem, aus dem sie entstehen. Er spricht von Zeit, weil das Entstehen und das Dasein und das Vergehen genau abgegrenzt worden sind. Er hat also das Unbeschränkte sowohl als Ursprung wie auch als Element der seienden Dinge angewiesen. Er fügt dem hinzu, dass die Bewegung ewig sei und dass eben deshalb bei dieser Bewegung die Welten entstünden. Entstehen und Vergehen würden nur dann nicht nachlassen, wenn dasjenige, von dem das Entstehende abgetrennt wird, unbeschränkt sei. Der einzig erhaltene Satz des Anaximanders lautet (nach Diels, Kranz): Anfang und Ursprung der seienden Dinge ist das Apeiron (das grenzenlos-Unbestimmbare). Woraus aber das Werden ist den seienden Dingen, in das hinein geschieht auch ihr Vergehen nach der Schuldigkeit; denn sie zahlen einander gerechte Strafe und Buße für ihre Ungerechtigkeit nach der Zeit Anordnung. Der gesamte Satz scheint sich auf die Notwendigkeit des Entstehens (des Werdens) und des Vergehens (des Verfalls) zu beziehen. Er muss sich auf die ununterbrochene Veränderung von einander entgegengestellten Formen oder Kräften beziehen, der Grundgedanke muss also hier der Gedanke vom beständigen Austausch zwischen entgegengesetzten Substanzen sein. In der ganzen Naturwelt sind Bewegung und Veränderung eine Tatsache. Diese hat er als Notwendigkeit aufgefasst, der alles Seiende unterliegt. Was im Kosmos existiert, ist dem Wechsel und der Veränderung unterworfen; das eine nimmt den Platz des anderen ein, dem Leben folgt der Tod und umgekehrt.

Seelenkonzeption

Anaximander hielt die Seele für luftartig. Der Vorstellung von der Seele als Aer liegt offenbar die Verbindung des Lebens mit Aer bzw. dem Ein- und Ausatmen zugrunde. Ob er zwischen dem Lebensprinzip bzw. der Atemseele des Menschen und anderer Lebewesen und in der Natur zerstreuten Anima unterschieden hat, ist unklar. Wie sich Anaximanders Auffassung von Apeiron und Kosmos zu seiner Vorstellung von der Seele verhält, ob es zwischen ihnen überhaupt eine Beziehung gibt ist ungewiss. Da Anaximander die Seele für luftartig hielt, lässt sich vermuten, dass er der Seele Unsterblichkeit zugesprochen hat. Ob er an eine Beseelung des Kosmos, ferner an eine Allbeseelung, ähnlich wie sie sich Thales vermutlich vorgestellt hatte, und darüber hinaus an die Unsterblichkeit individueller Seelen gedacht hat, bleibt dahingestellt. Unsterblich ist ihm zufolge das Apeiron, wobei er auch für die Elementarkräfte nur Wechsel und keinen eigentlichen Tod angenommen zu haben scheint. In seiner dynamischen Weltanschauung, derzufolge alle Seienden und ihre Ordnung in ständigem Wandel begriffen sind, scheint das Vergehen einen Moment des Wandels darzustellen, worauf unmittelbar das Entstehen folgt. Anaximander gründet die Kontinuität alles Seienden auf die Notwendigkeit von Entstehen und Vergehen und macht die Zeit zu der Kraft, die die Ausgewogenheit zwischen Entstehen und Vergehen garantiert. Im Wandel des Seienden sind Leben und Tod äquivalent.

Literatur


- Christof Rapp, Die Vorsokratiker, München (Beck) 1997 ISBN 3-406-38938-4

Siehe auch


- Portal:Philosophie
- Liste der Philosophen

Weblinks


- [http://www.pinselpark.org/philosophie/a/anaxi/texte/auszug.html Verschiedene Textauszüge]
- http://www.tillmann-group.de/mythen/anaximander.htm
- http://www.gottwein.de/Grie/VSAnaximand01.htm
- http://www.anderegg-web.ch/phil/anaximandros.htm Kategorie:Mann Kategorie:Vorsokratiker Anaximander ja:アナクシマンドロス

Giordano Bruno

Giordano Bruno (geboren als Fillipo Bruno,
- 1548 in Nola, Italien; † 17. Februar 1600 in Rom) war ein italienischer Philosoph und Dichter. Bruno postulierte die Unendlichkeit des Weltraums. Er stellte sich damit der herrschenden Meinung einer in Sphären untergliederten geozentrischen Welt entgegen. Was jedoch für die damalige Zeit noch schwerer wog, war, dass seine Thesen von einer unendlichen Welt die Personalität Gottes in Frage stellten und er sich sehr negativ über Jesus Christus äußerte. Als Ketzer verurteilt, wurde er auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.

Lebenslauf

Giordano Bruno wurde unter dem Namen Filippo in Nola bei Neapel geboren. Von seinem Heimatort ist seine spätere Selbstbezeichnung "Nolano" (der Nolaner) abgeleitet. Sein Vater war Giovanni Bruno, ein Soldat, seine Mutter Fraulissa (Flaulisa?) Savolino. Bruno studiert zunächst in Neapel und tritt 1565 in den Dominikanerorden ein. Dort legt er den Taufnamen Filippo ab und nimmt den Ordensnamen Jordanus/Giordano an. Bald darauf gerät er in Konflikt mit der Ordensleitung, weil er sich der Marienverehrung verweigert und alle Heiligenbilder aus seiner Klosterzelle entfernt. Doch das wird als jugendliche Verirrung aufgefasst und bleibt zunächst einmal folgenlos. 1572 empfängt er die Priesterweihe. 1576 gerät er zum ersten Mal unter Ketzereiverdacht und muss Neapel verlassen. Er flieht nach Rom, um sich dem Papst zu Füßen zu werfen. Als dort jedoch ruchbar wird, dass Bruno seine Flucht aus dem Kloster mit der Beförderung der Schriften des Kirchenvaters Hieronymus in die Latrine gekrönt hatte, muss er auch von dort fliehen. Brunos Leben wird fortan zu einer Wanderschaft durch halb Europa. Die wieder entdeckten Ideen der antiken Naturphilosophien übten große Anziehung auf ihn aus. Zu dieser Zeit wurde das geozentrische Weltbild durch Kopernikus angegriffen. Hierdurch ermutigt, entwickelte Bruno im Laufe der folgenden Jahre seine eigene Philosophie. Über Chambery geht er zunächst nach Genf. Er tritt der calvinistischen Kirche bei, aber Calvin kann mit den kopernikanischen Thesen, denen Bruno anhängt, gar nichts anfangen. Bruno wird verhaftet und von den Calvinisten exkommuniziert. Er widerruft und kommt frei. Er gelangt 1579 nach Toulouse, hat dort kurz einen Lehrstuhl inne. Zu dieser Zeit beginnt sein phänomenales Gedächtnis Furore zu machen. Bruno arbeitet mit einem speziellen Merksystem. Aber die Erklärung, dass er magische Fähigkeiten habe, scheint manchen Zeitgenossen dann doch einleuchtender. Die Hugenottenkriege treiben ihn dann zwei Jahre später nach Paris weiter. Dort bleibt er bis 1583, wird von Heinrich III. gefördert. Mit Empfehlungsschreiben von diesem geht er 1583 nach England, versucht zunächst in Oxford zu lehren, verursacht mit seinen Angriffen auf Aristoteles jedoch einen Skandal und erhält keinen Lehrstuhl. Bis Mitte 1585 lebt er dann im Haus seines Freundes und Förderers, des französischen Botschafters in London. Dort veröffentlicht er seine "italienischen Dialoge", darunter Cena de le Ceneri (Das Aschermittwochsmahl) (1584), in dem er schonungslose Polemik gegen den Oxforder Gelehrtenstand übt und das Londoner Geistesleben heftig karikiert, sowie De l'Infinito, Universo e Mondi (Über die Unendlichkeit, das Universum und die Welten). In letzterem erklärt er die Sterne damit, dass sie wie unsere Sonne seien, dass das Universum unendlich sei, es eine unendliche Anzahl von Welten gebe und diese mit einer unendlichen Anzahl intelligenter Lebewesen bevölkert seien. 1585 geht er wieder nach Paris, die Stimmung dort ist aber nicht so aufgeschlossen wie noch zwei Jahre zuvor. Nach Tumulten, die durch seine 120 Thesen gegen die aristotelische Naturlehre und ihre Vertreter entfacht wurden, und nach einer Schmähschrift gegen den katholischen Mathematiker Fabrizio Mordente muss er Paris verlassen. Er reist nach Deutschland weiter und versucht einen Lehrstuhl in Marburg zu erhalten. Das gelingt ihm nicht, aber in Wittenberg erhält er eine Lehrerlaubnis. Von 1586 bis 1588 lehrt er dort Aristoteles. Als die Meinungsverhältnisse in Wittenberg wechseln, geht er für ein halbes Jahr nach Prag. Es gelingt ihm zwar, die Gunst von Kaiser Rudolf II. zu erhalten, aber keinen Lehrauftrag. Mit einer finanziellen Unterstützung von 300 Talern von Rudolf II., reist er nach Helmstedt weiter. Dort erhält er eine Professur. Auch hier hält es ihn nicht lange, nach den Calvinisten in Genf wird er jetzt von den Lutheranern exkommuniziert. Wo auch immer Bruno wirkt, versucht er Fuß zu fassen und einen festen Lehrstuhl zu erhalten - erfolglos. Brunos Talent, sich in der Welt der komplizierten Machtverhältnisse der Renaissance zu behaupten, könnte zwiespältiger nicht interpretiert werden: Auf der einen Seite gelang es ihm immer wieder, mächtige Gönner auf seine Seite zu ziehen. Auf dem theologisch-philosophischen Kampfplatz aber scheint er ein besonderes Talent dafür gehabt zu haben, sich mit rücksichtsloser Polemik, beißendem Spott und insbesondere mit der Leugnung der Gottessohnschaft Christi und mit seiner kompromisslosen Gegnerschaft zu Aristoteles Feinde zu schaffen. 1590 landet er in Frankfurt am Main, legt sich mit den Stadtoberen an, die ihn prompt 1591 ausweisen. Es folgt ein Kurzaufenthalt in Zürich. Während seiner Frankfurter Zeit beginnt vielleicht so etwas wie Heimweh nach Bruno zu greifen. Aber in Italien war die Inquisition mächtig, die katholische Kirche kämpfte mit allen Mitteln gegen die Reformation. Doch schließlich waren es der Tod des konservativen Papstes Sixtus V. und die Vakanz eines Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Padua, die den Ausschlag gaben, dass Bruno nach Italien zurück tendiert. Während eines Aufenthalts zur Buchmesse in Frankfurt erreicht ihn eine Einladung nach Venedig. Zwar lehrt er zunächst in Padua, aber dieser Lehrstuhl wird bald an Galileo Galilei vergeben. Bruno nimmt jetzt die Einladung nach Venedig an. Sein Gastgeber, Zuane Mocenigo, möchte in die Gedächtniskunst eingeweiht werden, doch es ist nicht unwahrscheinlich, dass er sich von Bruno Einblick in weit "magischere" Künste erhoffte. Wohl aus Enttäuschung, dass diese Erwartungen nicht erfüllt wurden, kommt es zum Streit. Während Bruno noch überlegt, Venedig zu verlassen, wird er von Mocenigo denunziert und am 22. Mai 1592 von der Inquisition verhaftet. Im venezianischen Kerker widerruft er nach sieben Verhören. Aber die Macht der Inquisition trifft auf nicht viel Widerstand in Venedig, das sich für Bruno mehr oder minder als nicht zuständig erachtet haben dürfte. Anfang 1593 wird Giordano Bruno nach Rom gebracht und in der Engelsburg gefangen gesetzt. In den folgenden sieben Jahren wird der Prozess gegen ihn vorbereitet. Er versucht vergeblich, eine Audienz bei Papst Clemens VIII. zu erreichen, ist bereit, teilweise zu widerrufen. Das genügt der Inquisition nicht. Als sie den vollständigen Widerruf fordert, reagiert Bruno hinhaltend und schließlich weigerlich: u.a. an der Leugnung der Gottessohnschaft Christi und des Jüngsten Gerichts und der Behauptung vieler 'Welten' hält er fest. Clemens VIII. Am 8. Februar 1600 wird das Urteil verlesen. Giordano Bruno wird aus der Kirche und dem Orden der Dominikaner ausgestoßen und wegen Ketzerei und Magie zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Bruno reagiert auf das Urteil mit seinem berühmt gewordenen Satz: "Mit mehr Angst verkündet Ihr das Urteil, als ich es entgegen nehme". Von achtjähriger Kerkerhaft körperlich gebrochen, wird der 52-jährige Giordano Bruno am 17. Februar 1600 auf dem Campo dei Fiori auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Seine Bücher werden auf den Index der verbotenen Schriften gesetzt, wo sie bis zur Abschaffung des Index 1965 im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils auch blieben. Das Todesurteil gegen Bruno wurde von Papst Johannes Paul II. am 12. März 2000 im Rahmen eines Gottesdienstes zum 'Tag der Vergebung' öffentlich bereut. Giordano Bruno wurde die Zunge herausgeschnitten, weil er seine Behauptung nicht zurückgezogen hat. Dann wurde er auf dem Platz der Blumen (Campo dei Fiori) in Rom bei lebendigem Leibe verbrannt. Heute steht auf diesem Platz ein Denkmal von ihm.

Philosophie

Für Bruno stammte alles aus der Natur von der göttlichen Einheit von Materie und Dunkelheit ab. Zum einen trennte er Gott von der Welt und zum anderen tendierte er zu einem dazu entgegengesetzten Pantheismus. Bruno verband die These, dass Gott in allem innewohne, mit dem Glauben, dass die Realität der Vorstellung entspringt. Damit nahm er Gottfried Wilhelm Leibniz und Baruch de Spinoza vorweg. Er stellte sich gegen das geozentrische Weltbild, nahm stattdessen an, dass die Welt und die Menschen ein einmaliger "Unfall" einer einzelnen lebenden "Welt-Substanz" seien und bekannte sich zur kopernikanischen Theorie. Darüber hinaus glaubte Bruno nicht nur, dass das Weltall unendlich ist, sondern dass es auch unendlich viele Lebewesen auf anderen Planeten im Universum gibt. Diese Schlussfolgerungen zog er aus dem logischen Gedanken, dass einer allmächtigen und unendlichen Gottheit auch nur ein unendliches Universum entprechen kann. Denn alles andere wäre einer unendlichen Gottheit nicht würdig. In seiner Gesamtheit kann Brunos Denken in die Philosophia perennis eingeordnet werden, der er einen revolutionären und kämpferischen Aspekt hinzufügte.
- Siehe auch: Philosophie bei Giordano Bruno

Wechselwirkung mit anderen Philosophen

Seine Lehren wurden von Lukrez/Epikur, Thomas von Aquin, Johannes Scotus Eriugena, Marsilio Ficino, Nikolaus von Kues und der Hermetischen Literatur sowie -im negativen Sinne - von Aristoteles beeinflusst. Bruno beeinflusste u.a. Gassendi, Baruch de Spinoza, Lucilio Vanini, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling und Goethe.

Werke


- De Monade Numero et Figura Consequens... Frankfurt, 1591
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De Triplici minimo et Mensura ad trium Speculatiuarum... Frankfurt, 1591
- De l'infinito, universo e mondi. 1584, (deutsch: Über das Unendlichen, das Universum und die Welten. Reclam, Ditzingen 1994, ISBN 3-150-05114-2)
- De la causa, principio e uno. 1584 (deutsch: Über die Ursache, das Prinzip und das Eine. Anhang: Akten des Prozesses der Inquisition gegen Giordano Bruno, Reclam, Ditzingen 1986, ISBN 3-150-05113-4)
- De magia. erstmals 1891 in Florenz erschienen

Literatur

BIOGRAFIE
- Gerhard Wehr: Giordano Bruno. dtv, München 1999, ISBN 3-423-31025-1)
- Jochen Kirchhoff: Giordano Bruno. Rowohlt, Hamburg 1980, ISBN 3-499-50285-2)
- Andrea König: Giordano Bruno. An der Schwelle der Moderne. Tectum, Marburg 2003, (ISBN 3-828-88558-6)
- Nicolas Benzin: Giordano Bruno und die okkulta Philosophie der Renaissance. Ancient Mail Verlag, Groß-Gerau 2005, (ISBN 3-935-91021-5) ROMANBIOGRAFIE
- Eugen Drewermann: Bruno Giordano oder Der Spiegel des Unendlichen. (Romanbiografie), München 1992 (dtv TB: ISBN 3-423-30747-1)

Trivia


- Am Ort seiner Hinrichtung, dem Campo dei Fiori, errichtete 1889 die laizistisch regierte Stadtgemeinde Rom für Giordano Bruno ein Denkmal.
- Nach Giordano Bruno ist ein etwa 20 km durchmessender Mondkrater benannt, 103° östl. Länge, 36° nördl. Breite.

Weblinks


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- [http://es.rice.edu/ES/humsoc/Galileo/People/bruno.html Informationen zum Werk] - Die Rice University bietet im Rahmen ihres [http://es.rice.edu/ES/humsoc/Galileo/ Galileo-Projektes] Informationen zum Werk Giordano Brunos, inklusive Porträt und Bibliografie (in englischer Sprache).
- http://www.philosophenlexikon.de/bruno.htm
- http://www1.uni-bremen.de/~semiotik/
- http://www.payer.de/religionskritik/schoppe01.htm Kaspar Schoppe berichtet in einem Brief über die Hinrichtung
- http://www.ursulahomann.de/GiordanoBruno/ Artikel von Ursula Homann
- [http://www.forum-grenzfragen.de/grenzfragen/open/webtodate/aktuelles/veranstaltungen/504550940b136b501.html R. Kather: Von der Dezentrierung der Erde und der Unendlichkeit des Universums bei Nikolaus von Kues und Giordano Bruno] Bruno, Giordano Bruno, Giordano Bruno, Giordano Bruno, Giordano Bruno, Giordano Bruno, Giordano Bruno, Giordano ja:ジョルダノ・ブルーノ

John Toland

John Toland (
- 30. November 1670 in Redcastle (bei Derry)/Irland, † 11. März 1722 in Putney bei London) war ein englischer Freidenker. Als Sohn von katholischen Eltern trat Toland 1687 zu den Presbyterianern über, studierte in Glasgow, Edinburgh und Leiden Theorie und Philosophie. Er veröffentlichte 1696 in London eine Schrift: Christianity not mysterious, in welcher er im Anschluss an John Locke darzustellen versuchte, dass das Christentum vernunftmäßig sei, und welche bald von Henkers Hand verbrannt wurde. Darauf wandte er sich politischen Studien zu, veröffentlichte 1699 die Gesamtausgabe der Werke John Miltons mit Biographie des Dichters, die ihm erneut Angriffe zuzog, gegen die er sich in der Schrift Amyntor verteidigte. 1701 bereiste er Deutschland, fand hier an der Kurfürstin Sophie von Hannover und der philosophischen Königin Sophie Charlotte von Preußen Gönnerinnen und richtete dann an letztere seine Letters to Serena (1704), in denen er den Glauben an einen außerweltlichen Gott und eine individuelle Unsterblichkeit aufgibt. Er bereiste 1709 abermals Deutschland und Holland. Von seinen Schriften sind noch zu erwähnen: Adeisidaemon (1709); Nazarenus, or jewish, gentile and mohametan christianity (1718); Pantheisticon (1720).

Literatur

Berthold: John Toland und der Monismus der Gegenwart (Heidelberg 1876).

Weblinks


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- [http://www.bautz.de/bbkl/t/toland_j.shtml John Toland] im BBKL Toland, John Toland, John Toland, John

Denis Diderot

Denis Diderot (
- 5. Oktober 1713 in Langres (Champagne); † 31. Juli 1784 in Paris) war ein französischer Schriftsteller. Zu Lebzeiten weniger bekannt, gilt Diderot heute als einer der originellsten Köpfe der europäischen Aufklärung.

Jugendjahre und die Pariser Anfänge

Diderot wuchs auf in der Bischofstadt Langres (Champagne) als ältester Sohn eines wohlhabenden, jansenistisch-frommen Messerschmiedemeisters. Da er später die Kanonikus-Pfründe eines Onkels übernehmen sollte, wurde er schon als Dreizehnjähriger tonsuriert. Zur Schule ging er zuerst bei den Jesuiten in Langres, dann im jansenistischen Collège d'Harcourt in Paris. Nach Abschluss der propädeutischen Studien mit dem Magister Artium brach er seine Ausbildung 1732 ohne das geplante anschließende Theologiestudium ab. Sein jüngerer Bruder musste dieses später an seiner Stelle absolvieren. In den folgenden Jahren führte Diderot in Paris ein mehr oder weniger ungebundenes Leben und befreundete sich mit anderen jungen Intellektuellen (d'Alembert, Rousseau, Condillac, Melchior Grimm). Er begann zu schreiben und übersetzte englische Schriften ins Französische. Einige Zeit später lernte er eine einfache Wäscheverkäuferin kennen und wollte sie 1743 heiraten. Wie es den Sitten entsprach, bat er seinen Vater um Erlaubnis, worauf dieser ihn in ein Kloster einsperren ließ. Diderots Antipathie gegen die Kirche und die Institution Kloster liegt wohl auch in dieser Erfahrung begründet - eine Antipathie, die sich später noch steigerte, als seine jüngste Schwester freiwillig ins Kloster ging und dort geisteskrank wurde. Diderot selbst konnte nach einigen Wochen aus seinem klösterlichen Gefängnis fliehen. Er kehrte nach Paris zurück und heiratete heimlich. Seine Frau brachte kurz darauf eine Tochter zur Welt, die allerdings sehr früh starb. 1746 und 1750 hatten sie zwei Söhne, die ebenfalls früh starben. 1753 kam eine Tochter auf die Welt, die als einzige die Eltern überleben sollte. Diderot, den seine wenig gebildete Frau offenbar bald langweilte, hatte zwischendurch ein längeres Verhältnis mit der emanzipierten und gebildeten Madame de Puisieux, einer "aventurière" (=Abenteurerin), d. h. ohne Familie und ohne wohldefinierten sozialen Status lebenden Frau.

Die Encyclopédie

Da er schon eine Geschichte der alten Griechen, ein medizinisches Lexikon und einen philosophischen Traktat von Shaftesbury aus dem Englischen übersetzt hatte, erhielt Diderot 1746 von einem Pariser Buchhändler-Verleger den Auftrag, die kürzlich abgeschlossene Cyclopedia or Universal Dictionary of the Arts and Sciences zu übersetzen. Er nahm an, beschloss aber, das Werk beträchtlich zu erweitern, um daraus eine Summa des gesamten Wissens seiner Zeit zu machen. Hierzu gewann er als Mitarbeiter zuerst seinen Freund d'Alembert, einen Mathematiker und Naturwissenschaftler, sowie nach und nach andere Autoren (die teils sonst wenig bekannte Spezialisten, teils aber auch berühmte Leute waren wie z.B. Montesquieu und Voltaire). 1749 allerdings musste er einige Monate pausieren, als er wegen seiner mehr nebenher verfassten und veröffentlichten religionskritischen Lettre sur les aveugles in der Festung Vincennes inhaftiert wurde, nachdem schon zwei Jahre vorher sein Gemeindepfarrer ihn als gottlosen „sehr gefährlichen Menschen“ denunziert hatte. Diderot war deshalb in Zukunft vorsichtiger und ließ, um den Fortgang der Encyclopédie nicht zu gefährden, viele andere Schriften unpubliziert. 1750 verfasste er einen in ganz Europa verschickten Prospekt, in dem er Interessenten zur Subskription der Encyclopédie aufrief. 1751 erschienen die beiden ersten Bände der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des arts et métiers, par une société de gens de lettres ("Enzyklopädie oder (alphabetisch) geordnetes Lexikon der Künste und Gewerbe, von einer Autorengemeinschaft"). Der buchhändlerische Erfolg des Werkes war enorm, doch die Jesuiten und die Sorbonne diagnostizierten eine unchristliche Tendenz und erwirkten beim königlichen Kronrat ein Verbot. Da aber Madame de Pompadour (die Geliebte von Ludwig XV.), einige Minister, viele einflussreiche Freimaurer und der Chefzensor Malesherbes auf der Seite der Encyclopédisten standen, konnten trotz des Verbots 1753-1756 vier weitere Bände erscheinen. Danach jedoch wuchs der Druck der Gegner, einer unheiligen Allianz von neidischen Literaten und orthodoxen Frommen. 1758 wurde das Verbot erneuert, 1759 setzte Papst Clemens XIII. das Werk auf den Index. Inzwischen hatte aber die Regierung die Deviseneinnahmen schätzen gelernt, die trotz des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) durch den Verkauf der Encyclopédie aus ganz Europa hereinkamen, und man ermutigte Diderot unter der Hand zum Weitermachen. Er brachte die letzten zehn Bände samt fünf Bänden Abbildungen heraus (1765), zog sich dann aber – nach 20 Jahren Arbeit – zurück und überließ seinen Nachfolgern die Herausgabe der letzten Abbildungsbände, die, wie schon die ersten, viel zum Ruhm des Unternehmens beitrugen.

Sonstiges Schaffen

Neben der Encyclopédie hatte Diderot immer auch andere Werke in Arbeit. Schon 1746 hatte er im Anschluss an die Shaftesbury-Übersetzung seine Pensées philosophiques (Philosophische Überlegungen) publiziert, worin er erstmals materialistische und atheistische Vorstellungen vertrat. 1748 schrieb und druckte er einen libertinen Roman, Les bijoux indiscrets (Die indiskreten Kleinode), der ein Skandalerfolg wurde und in Literaturgeschichten für Schüler und Studenten oft unerwähnt bleibt. 1749 saß er einige Monate in Haft wegen der philosophischen Schrift Lettre sur les aveugles (Brief über die Blinden), worin er ausgehend von der These, dass ein blind Geborener keine Möglichkeit habe, die Existenz Gottes zu erdenken, diese Existenz überhaupt bezweifelt. 1751 trug er bei zu einer Grundlegung der philosophischen Ästhetik mit der Lettre sur les sourds et muets (Brief über die Taubstummen). In den Jahren hiernach beschäftigte er sich mit Kunstgeschichte sowie den Techniken der Malerei und wurde einer der ersten professionellen Kunstkritiker mit den Artikeln, die er für die Zeitschrift Correspondance littéraire seines Freundes Melchior Grimm über Pariser Kunstausstellungen (Salons) verfasste. Als Naturwissenschaftler betätigte er sich in den Pensées sur l'interprétation de la nature (Überlegungen zur Deutung der Natur, 1754), einem Plädoyer für das Prinzip des Experiments und gegen die oft nur pseudo-rationalen Naturerklärungen der Cartésiens, d.h. der rationalistischen Denker im Gefolge von René Descartes (1596–1650). Daneben schrieb Diderot die Stücke Le Fils naturel (Der uneheliche Sohn, 1757) und Le Père de famille (Der Familienvater, 1758) sowie theatertheoretische Abhandlungen (De la poésie dramatique (Über die dramatische Dichtung, 1758), womit er in Theorie und Praxis die neue Gattung des „drame bourgeois“ (bürgerliches Trauerspiel) begründete. Zugleich arbeitete er immer wieder auch an Romanen und Erzählungen, die rückblickend erstaunlich modern wirken, meist aber erst postum erschienen. So verfasste er 1760/61 den kirchenkritischen und zugleich empfindsamen meisterlichen kleinen Roman La Religieuse (Die Nonne), der den Leidensweg einer unfreiwilligen Nonne beschreibt und heute wohl sein meistgelesenes (und verfilmtes) Werk ist (gedruckt erst 1796). Von 1760 bis 1764 schrieb er den experimentellen Roman Le Neuveu de Rameau (Rameaus Neffe; erstmals gedruckt in Goethes deutscher Übersetzung 1805, in einer französischen Rückübersetzung 1821, im endlich wiederentdeckten Originaltext erst 1891). 1773 stellte er den schwer klassifizierbaren Roman Jacques le Fataliste (Jacques der Fatalist) fertig (gedruckt erst 1796). Das in diesem Werk dargestellte Verhältnis zwischen dem aktiven, nichtsdestotrotz im festem Glauben an die Determiniertheit aller Ereignisse befangenem Knecht Jaques und seinem lethargischen und passiven Herrn, der ironischerweise den Standpunkt der Freiheit menschlicher Willensentscheidungen vertritt, inspirierte G.W.F. Hegel zu der in "Phänomenologie des Geistes" entfalteten Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft. Hauptanliegen Diderots waren aber seine philosophischen Schriften, worin er neben den erwähnten kirchen- und religionskritischen Positionen eine sehr optimistische „natürliche Moral“ vertritt, in der Überzeugung, dass der Mensch von Natur aus gut sei und dass in einer Gesellschaft aufgeklärter und emanzipierter Individuen persönliches Glück und allgemeines Wohlergehen zusammenfallen müssten.

Diderot privat

Neben der unermüdlichen Arbeit führte Diderot ein reges gesellschaftliches Leben in Kreisen der „philosophes“, d.h. der kritisch eingestellten Pariser Intellektuellen (Condillac, Turgot, Helvétius, d'Holbach usw.), aber auch in einigen adeligen Salons. Seit 1755 stand er in einem regen „empfindsamen“ Briefwechsel mit der hochgebildeten Sophie Volland. Ähnlich wie Voltaire, war auch Diderot auf der Suche nach dem aufgeklärten Monarchen. Er fand ihn in der aus Deutschland stammenden russischen Zarin Katharina, die ihm 1765 pro forma seine Bibliothek abkaufte, ihn generös als Bibliothekar besoldete sowie mit Geld für Neuanschaffungen ausstattete und ihn 1773 einige Monate am Hof von Sankt Petersburg verwöhnte, wohin nach seinem Tod 1784 denn auch die Bibliothek verfrachtet wurde. Diderot fand zwar rege Unterstützung im Kreise der Freimaurer, dass er selbst Freimaurer war, ist jedoch nicht nachgewiesen. Er wurde in der Kirche Saint-Roch in Paris bestattet.

Werke


- Philosophische Gedanken (1746)
- Spaziergang des Skeptikers (1747)
- Die indiskreten Kleinode (1748)
- Brief über die Blinden zum Gebrauch der Sehenden (1749)
- Brief über die Taubstummen (1751)
- Gedanken über die Interpretation der Natur (1753)
- Brief an Landois (1756)
- Der natürliche Sohn (1757)
- Gespräche mit Dorval (1757)
- Der Hausvater (1758)
- Abhandlung über die dramatische Dichtkunst (1758)
- Die Nonne (1760)
- Rameaus Neffe (1761-1776)
- D'Alemberts Traum (1769)
- Jacques der Fatalist und sein Herr (1771)
- Dies ist keine Erzählung (1772)
- Madame de La Carlière (1772)
- Nachtrag zu Bougainvilles Reise (1772)
- Moralische Erzählungen (1772)

Literatur


- Hans Magnus Enzensberger: Diderot und das dunkle Ei. Ein Interview (1990) und Fünf Unterhaltungen über Jacques le fataliste (2004) - in ders.: Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten, ISBN 3518416286
- Philipp Blom: Das vernünftige Ungeheuer - Diderot, d'Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-8218-4553-8
- Anette Selg & Rainer Wieland (Hrsg.): Die Welt der Encyclopédie, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-8218-4711-5

Weblinks


- [http://www.pinkernell.de/romanistikstudium Artikel in "Namen, Titel und Daten der franz. Literatur"] (Hauptquelle)
- Bd. 25 (2005)
- http://www.frankreich-experte.de/fr/6/6214201.html
- http://www.pompadour.historicum.net/themen/biographien/pu_diderot.html
- [http://www.biblioweb.org/-DIDEROT-Denis-.html Biblioweb : Biografie, Bibliografie, Analyse] (auf französisch) Diderot, Denis Diderot, Denis Diderot, Denis Diderot, Denis Diderot, Denis Diderot, Denis Diderot, Denis Diderot, Denis Diderot, Denis Diderot, Denis ja:ドゥニ・ディドロ ko:드니 디드로

Spinoza

Baruch de Spinoza (latinisiert Benedictus de Spinoza;
- 24. November 1632 in Amsterdam; † 21. Februar 1677 in Den Haag) war ein berühmter niederländischer Philosoph mit sephardischen Vorfahren. Er war ein großer Rationalist innerhalb der frühmodernen Philosophie und wird auch als Begründer der modernen Bibelkritik bezeichnet. Außerdem war er einer der ersten neuzeitlichen Vertreter des Pantheismus und des nicht-normativen Denkens. Im Gegensatz zu Descartes vertrat er keine dualistische, sondern eine monistische Weltanschauung, indem er in allem ein einziges Ganzes sieht, das er Substanz nennt (s. Neutraler Monismus).

Leben

Spinoza hatte nach einer Schulausbildung als Kaufmann in der Firma seines Vaters gearbeitet. Er wurde im Alter von 24 Jahren unter anderem wegen seiner als häretisch aufgefassten, von den Gedanken Uriel Acostas inspirierten Anschauungen aus der jüdischen Gemeinde ausgestoßen. Er vertrat die Ansicht, dass Christentum und Judentum vorübergehende Phänomene seien. Er verließ seine Vaterstadt Amsterdam und ließ sich nach wechselnden Aufenthalten in Den Haag nieder. Seinen Lebensunterhalt bewältigte er u. a. durch das Schleifen optischer Gläser, Unterstützung von Freunden und vermutlich auch durch Unterricht. Nachdem seine Schriften bekannt wurden bot man ihm eine Professur an der Universität in Heidelberg an, die er aber aufgrund der Forderung, die etablierte Religion nicht in Frage zu stellen, ablehnte. Das Glasschleifen schadete seiner Gesundheit (Einatmen des feinen Glasstaubes) und trug sicher zu seinem frühen Tod bei. Eine ihm 1673 vom Kurfürsten Karl I. Ludwig von der Pfalz angebotene Professur in Heidelberg schlug er erneut aus. Er starb unverheiratet am 21. Februar 1677 in Scheveningen an der Lungenschwindsucht.

Werk


- Tractatus de intellectus emendatione (Abhandlung über die Verbesserung des Verstandes, 1661 entstanden, unvollendet, postum erschienen - ISBN 3787316434)
- Renati Descartes principiorum philosophiae mori geometrico domonstrata Descartes' Prinzipien der Philosophie auf geometrische Weise begründet, 1663 entstanden; dies ist das einzige Werk, das zu Spinozas Lebzeiten unter seinem Namen erschienen ist. - ISBN 3787307362)
- Tractatus theologico-politicus (Theologisch-politischer Traktat, gedruckt 1670 in Amsterdam und anonym veröffentlicht - ISBN 3787311912)
- Ethica, ordine geometrico demonstrata (Ethik, nach geometrischer Methode dargestellt, 1677 postum erschienen - ISBN 3888511933)
- Tractatus politicus (Abhandlung vom Staate, 1675 begonnen, 1677 postum erschienen) Der Tractatus theologico-politicus wurde 1674 zusammen mit Thomas Hobbes Leviathan von der holländischen Regierung verboten. Ein signifikantes Beispiel für Spinozas Argumentationsstruktur bildet sein Ausspruch "Ignorantia non est argumentum".

Ausgaben


- Opera (Hrsg. Carl Gebhardt) Im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, 4 Bände, Heidelberg, 1924; unveränd. Nachdr. Heidelberg 1973 (die maßgebende kritische Ausgabe)

Literatur


- Gilles Deleuze: Spinoza - Praktische Philosophie. Merve Verlag, Berlin 1988, ISBN 3-88396-059-4
- Konrad Hecker: Gesellschaftliche Wirklichkeit und Vernunft in der Philosophie Spinozas. Kommissionverlag Buchhandlung Pustet, Regensburg 1975
- Pierre François Moreau: Spinoza - Versuch über die Anstößigkeit seines Denkens. Fischer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-12245-7
- Stephen Nadler: Spinoza - a life. University Press, Cambridge 2001, ISBN 0-521-00293-1
- Antonio Negri: Die wilde Anomalie. Spinozas Entwurf einer freien Gesellschaft. Wagenbach, Berlin 1982, ISBN 3-8031-3507-9.
- Helmut Seidel: Spinoza zur Einführung. Junius Verlag, Hamburg 1994, ISBN 3-88506-905-9
- Theun de Vries: Baruch de Spinoza mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-50171-6
- Yirmiyahu Yovel: Spinoza - Das Abenteuer der Immanenz. Steidl, Goettingen 1994, ISBN 3-88243-296-9 -- Vorgeschichte und Nachwirkung

Siehe auch


- Affektenlehre
- Spinozismus

Weblinks


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- [http://www.spinoza-gesellschaft.de/ Spinoza-Gesellschaft e.V.]
- [http://bdsweb.tripod.com/de/ Spinoza und Spinozismus] - BDSweb: Spinoza und Spinozismus
- [http://www.philo.de/Philosophie-Seiten/personen/spinoza.shtml Baruch de Spinoza] - Philosophie-Seiten
- http://spinozalesen.twoday.net/ - Ein Weblog: Spinozalesen
- [http://www.taz.de/pt/2004/09/18/a0213.nf/text taz-Bericht der Tagung der deutschen Spinoza-Gesellschaft 2004]
- Wikisource:Auteur:Baruch Spinoza Spinoza, Baruch Spinoza, Baruch Spinoza, Baruch Spinoza, Baruch Spinoza, Baruch Spinoza Spinoza Spinoza ja:バールーフ・デ・スピノザ ko:스피노자 th:บารุค สปิโนซา

Hypostasieren

Hypostase

Anthropomorphismus

Der Begriff Anthropomorphismus (griech. ανθρωπος/anthrōpos = Mensch; μορφη/morphē = Form, Gestalt) bezeichnet das Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf unbelebte Gegenstände, Tiere, Götter, Naturgewalten und ähnliches. Die rhetorische Figur der Anthropomorphisierung heißt Personifikation oder Prosopopoiia.

Anthropomorphe Götter

Eine starke Ausprägung des Anthropomorphismus findet sich in der griechischen und römischen Mythologie, in der Götter ausgesprochen menschliche Züge tragen. Auch im Alten Testament werden Gott menschliche Eigenschaften und Gefühle zugeschrieben. Von vielen Atheisten und Agnostikern werden die Gottesvorstellungen der heutigen Weltreligionen wie die des Hinduismus, des Judentums, des Christentums und des Islams als ebenso anthropomorph wie die antiken griechischen Götter kritisiert. Der Anthropomorphismus ist hier ein Kritikpunkt, weil er nahelegt, dass die entsprechende Gottesbilder nach menschlichen Vorstellungen geschaffen wurden. Siehe dazu auch Religionskritik.

Anthropomorphe Tierfiguren

Der Anthropomorphismus ist auch ein häufiges Stilmittel in der Literatur. Besonders beliebt ist er in Kinderbüchern, wo meist Tiere anthropomorph dargestellt werden. Daneben werden in der Literatur auch Naturphänomene mit anthropomorphen Figuren personifiziert, zum Beispiel der Tod durch den Sensenmann oder die Pest. Tiere, die wie Menschen agieren, haben eine lange Tradition in Kunst und Literatur. Sie werden oft benutzt, um stereotype Charaktere darzustellen, damit der Betrachter oder Leser ihren Charakter einfach erfassen und reflektieren kann. Beispiele sind Aesops Fabeln, Alan Dean Fosters Spellsinger und George Orwells Animal Farm. Viele der beliebtesten Figuren im Kinderfernsehen sind anthropomorphe Tiere: Micky Maus, Kermit der Frosch, Bugs Bunny und Donald Duck, um nur einige zu nennen. Ebenfalls anthropomorphe Tiere sind die Hauptfiguren aus Brian Jacques' Redwall-Reihe. Außer Cartoons bedient sich auch eine kleine Anzahl Sitcoms des Anthropomorphismus (zum Beispiel Die Dinos.) In den letzten Jahren ist um den tierischen Anthropomorphismus eine Subkultur, oft Furry genannt, gewachsen. Ihre Mitglieder (engl. furries) assoziieren sich mit anthropomorphisierten Tieren, "furries", "anthros" oder "morphs" genannt.

Anthropomorphe Maschinen

Viele Menschen schreiben noch heute unbelebten Objekten (z.B. Fahrzeugen oder Maschinen) menschliche Eigenschaften zu, wobei dies vor allem aus traditionellen Gründen (z.B. Schiffstaufe), unbewusst oder scherzhaft geschieht. Bekannte Beispiele sind, dem eigenen Auto einen Namen zu geben, oder mit einer Maschine zu reden, damit sie läuft. Fortschritte in der Entwicklung künstlicher Intelligenzen könnten die Bedeutung dieses Verhaltens vergrößern, da hochentwickelte KI-Systeme zukünftig in der Lage sein können, die menschliche Sprache zu verstehen, menschliches Verhalten zu reproduzieren und zu lernen.

Siehe auch


- Anthropozentrismus
- Furry, Kemono
- Beispiele: :Kategorie:Anthropomorphe Comicfigur ! Kategorie:Kultur Kategorie:Psychologie Kategorie:Religion ja:擬人観

Kategorie:Ontologie

Kategorie:Metaphysik

John Rennie, (1761-1821)

John Rennie (7 June 1761 in East Linton, East Lothian, Scotland - 4 October 1821) was a Scottish civil engineer who designed many bridges, canals, and docks. A farmer's son, and a tinkerer and model builder even as a child, he first worked as a millwright with noted mechanical engineer Andrew Meikle (inventor of the threshing machine). Rennie then attended Edinburgh University (1780-1783) and began work as an engineer, employed by Boulton and Watt for five years at mill building, and working under James Watt from 1783. He was a pioneer in substituting cast iron for wood in structures, at Boulton and Watts' Albion Mills in London, 1789, but which was burnt down by arson in 1791. In 1791, he moved to London and set up his own engineering business, having by then begun to expand into civil engineering. His early projects included the Lancaster Canal (started 1792), the Chelmer and Blackwater Navigation (1793), the Crinan Canal (1794) and the Kennet and Avon Canal (also started 1794) along with a drainage scheme for draining the Norfolk Fens (1802-1810). However, over the next few years he became a famous bridge-builder, combining stone with new cast-iron techniques to create previously unheard-of low, wide elliptical arches, at Leeds Bridge, and in London at Waterloo Bridge (1811-1817), with its nine equal arches and perfectly flat roadway (thought to be influenced by Thomas Harrison's design of Skerton Bridge over the River Lune in Lancaster), and Southwark Bridge (1815-1819). Rennie was also responsible for designing and building docks at Hull, Liverpool, Greenock and Leith and improving the harbours and dockyards at Portsmouth, Chatham and Devonport. Rennie's last project was London Bridge, still under construction when he died in 1821 but completed by his son, also John Rennie. He was buried in St Paul's Cathedral.

List of projects


- Kelso Bridge
- Leeds Bridge
- Musselburgh
- Newton Stewart
- Boston
- New Galloway
- Southwark Bridge (old)
- Waterloo Bridge (old)
- London Bridge (old)
- Vauxhall Bridge (two designs of old bridge, neither used)
- London Docks
- Blackwall Dock
- Hull Dock
- Liverpool Docks
- Dublin Docks
- Greenock Docks
- Leith Dock
- Plymouth Breakwater
- Donaghadee Harbour

External links


- [http://www.bbc.co.uk/history/historic_figures/rennie_john.shtml BBC brief biography of John Rennie]
- [http://www.electricscotland.com/history/other/rennie_john.htm "Significant Scots: John Rennie"] Rennie, John Rennie, John Rennie, John Rennie, John Rennie, John Rennie, John Rennie, John

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