:: wikimiki.org ::
| IRA |
IRADie Irish Republican Army (IRA, deutsch: Irisch-Republikanische Armee, irisch: Óglaigh Na hÉireann, ira heisst auf lateinisch "Zorn".) ist eine paramilitärische Gruppe, die die Loslösung Nordirlands von Großbritannien und seine Vereinigung mit der Republik Irland zum Ziel hat. Sie ist traditionell eng mit der Partei Sinn Féin verbunden. Am 28. Juli 2005 schwor die IRA der Gewalt ab und versprach, ihre Ziele von da an auf demokratischem und politischem Wege erreichen zu wollen.
IRA war ursprünglich in den USA die Bezeichnung für die Fenians beim Einmarsch in Kanada USA 1866.
Entwicklung
Die Irisch-Republikanische Armee (Irisch: Óglaigh Na hÉireann) wird schriftlich erstmals in der Oster-Proklamation erwähnt, mit der die Aufständischen von 1916 die Irische Republik ausriefen. Aus dem Zusammenschluss eines Teils der Irish Volunteers mit der Gewerkschaftsmiliz Irish Citizens Army nach dem Osteraufstand entstanden, bildete sie den militärischen Teil der irischen Unabhängigkeitsbewegung.
Nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung durch das irische Parlament 1919 führte die IRA bis 1922 Krieg gegen die englische Besatzung (Anglo-Irischer Krieg). 1922 kommt es zum Anglo-Irischen Vertrag, mit dem die Teilung Irlands festgeschrieben wird. Die IRA und die damalige Regierungspartei Sinn Féin spalten sich jeweils an der Frage, ob man dem Vertrag zustimmen soll oder nicht. Die Vertragsgegner verblieben in der (später als Provisional bezeichneten) IRA, die in der Folge in beiden Teilen Irlands verboten wurde. Ministerpräsident Irlands, Arthur Griffith, setzt auf Druck der Briten am 28. Juni 1922 erstmals Waffengewalt gegen die IRA ein. In einem erbitterten Bürgerkrieg bekämpften sich beide Seiten, bis die IRA im Mai 1923 kapitulierte.
Die weitere Geschichte der IRA war vom Streit zweier Strömungen geprägt: auf der einen Seite eine linke Strömung, die die IRA auf einen antikapitalistischen Kurs festlegen wollte, auf der anderen Seite eine oft als traditionalistisch oder militaristisch bezeichnete Strömung, die sich im Wesentlichen als unpolitisch begriff. In den 30er Jahren verzeichnete die linke Fraktion einige Erfolge bei dem Versuch, die Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland zu durchbrechen. Mit dem Republican Congress unternahm sie 1934 einen vielbeachteten Versuch, die IRA in eine antifaschistische Volksfront einzubinden. Die Weigerung der IRA-Führung, diesen Kurs mitzutragen, führte zu einer erneuten Spaltung. Frank Ryan führte einen Teil der Congress-Fraktion nach Spanien, wo sie in den Internationalen Brigaden gegen Franco kämpften.
Im Zweiten Weltkrieg versuchte die IRA, getreu dem Motto "Englands Schwierigkeit ist Irlands Chance" sogar mit Nazi-Deutschland zusammenzuarbeiten, um England zu schaden. Die Regierungen beider irischer Staaten antworteten mit Internierungen, zahlreiche Republikaner verbrachten die Kriegsjahre in Gefangenschaft. Von 1945 bis 1967 führte die IRA ein Schattendasein am Rande der Auflösung und wurde immer bedeutungsloser.
Das brutale Vorgehen der nordirischen Polizei gegen die Bürgerrechtsbewegung und die Überfälle loyalistischer Paramilitärs riefen 1967 die IRA wieder auf den Plan. Zu dieser Zeit und bis Ende der 80er Jahre lebten nordirische Katholiken quasi in einem rechtsfreien Raum und waren de Facto schutzlos der Willkür der offiziellen von Grossbritannien unterstützten nordirisch-protestantischen Polizeitruppen und paramilitärischen Gruppierungen ausgeliefert. Offene Gewalt bis hin zu Morden, Folter, offene Verfolgung, Diffamierungen und Ausschluss von qualifizierter Ausbildung und öffentlichen Ämtern waren jahrelange Normalität für die nordirischen Katholiken. Die IRA hatte unter diesen Bedingungen den Rückhalt grosser Teile der katholischen Bevölkerung und hatte quasi den Status einer "Schutzmacht".
In den 60ern kam es zu Differenzen zwischen den eher pragmatisch-militärisch orientierten Provisionals und den eher marxistisch-theoretisch ausgerichteten Officials. Dies führte 1969 zur erneuten Spaltung in Provisional Irish Republican Army PIRA und die "offizielle" Fraktion OIRA, die sich stark an der Bürgerrechtsbewegung orientierte. Der "offizielle" Flügel der IRA löste sich nie formal auf, spielt aber de facto seit etwa 1980 keine Rolle mehr.
In den 80er Jahren wechselte die Führung der Provisional IRA; anstelle der Veteranen aus dem Süden übernahmen jüngere Aktivisten aus Nordirland die Schlüsselpositionen. An die Spitze der Sinn Féin trat Gerry Adams, der die Partei deutlich nach links führte. 1993 initiierte er gemeinsam mit dem Sozialdemokraten John Hume den Friedensprozess, im August 1994 erklärte die IRA einen einseitigen Waffenstillstand, der die Voraussetzung für das Karfreitags-Abkommen schuf. Dieses wurde von den protestantischen Bewegungen niemals anerkannt, so dass auch einige Aktivisten der IRA ihre Teilnahme am Waffenstillstand aufkündigten. Trotz des Waffenstillstandes blieb die IRA weiter aktiv. Sie rekrutierte Mitglieder und sorgte für eine Verteidigung der irischen Bevölkerung im Norden Irlands, was gelegentlichen Einsatz von Schusswaffen beinhaltete.
Zwei kleine Splittergruppen (Continuity IRA und Real IRA) hielten bis zuletzt am Kriegszustand fest, hatten aber keinen nennenswerten Rückhalt in der Bevölkerung. Bei einem Autobombenanschlag der "Real IRA" im August 1998 im nordirischen Omagh kamen insgesamt 28 Menschen ums Leben, womit die Gruppierung endgültig an Basis verlor.
Am 28. Juli 2005 erklärt die IRA das Ende des bewaffneten Kampfes. "Alle IRA-Einheiten sind angewiesen worden, ihre Waffen niederzulegen", heißt es in einer Erklärung der IRA vom Tage und weiter: "Wir glauben, dass es jetzt einen alternativen Weg gibt, (...) die britische Herrschaft in unserem Land zu beenden".
Am 26. September 2005 wurde die vollständige Entwaffnung der IRA vom Leiter der internationalen Entwaffungskommission, dem kanadischen General John de Chastelain, bekannt gegeben. Der Kommission gehörte auch der protestantische Pfarrer Harold Good an.
Vom radikalen Protestantenführer Pfarrer Ian Paisley wird die mangelnde Transparenz der Entwaffnung kritisiert, da es vereinbarungsgemäß weder Fotos noch Angaben über den Umfang des abgegebenen Waffenarsenals gibt.
Am 29. Oktober 2005 sprach Sinn-Féin-Vorsitzende Gerry Adams erstmalig davon, dass der Krieg der IRA "offensichtlich zu Ende" sei. Diese entspricht einer Formulierung, die von britischen Unionisten seit Jahren gefordert wurde, wenn von der IRA und ihrem Kampf die Rede war.
Hungerstreiks
Eng verbunden mit der Politik der IRA ist auch der Widerstand gegen Besatzung und Repression in der Gefangenenschaft mittels Hungerstreik. Diese Aktionen führten zu vielen Todesfällen:
- Thomas Ashe starb nach Zwangsernährung 1917 im Dubliner Montjoy Gefängnis.
- Der Oberbürgermeister von Cork, Terence MacSwiney, starb 1920 im Gefängnis von Brixton (London)
- Von 1940 bis 1946 wurden Hungerstreiks als Druckmittel gegen die Politik der Regierung de Valeras eingesetzt. Drei Gefangene, die den Status politischer Gefangener erkämpfen wollten, starben dabei.
- Nachdem das Internierungslager Lager Long Kesh aufgelöst und in den Hochsicherheitstrakt Maze umgebaut wurde, wehrten sich die IRA-Volunteers Jahre lang dagegen, als Kriminelle behandelt zu werden, indem sie die Sträflingskleidung verweigerten und sich lediglich mit dem Bettlaken und Decken bekleideten. Am 27. Oktober 1980 kam es zu einem erfolgreichen Hungerstreik, der von Tausenden in so genannten H-Block-Komitees unterstützt wurde. Den Gefangenen wurde zugestanden, Zivilkleidung zu tragen. Nachdem sich der Gefängnisdirektor von Maze jedoch nicht an die Zusage hielt, erreichte der Widerstand gegen die Kriminalisierung der IRA-Gefangenen am 1. März 1981 eine weitere Zuspitzung, als IRA-Volunteer und Gefangenensprecher Bobby Sands einen Hungerstreik begann, der international für Aufsehen sorgte. Premierministerin Margaret Thatcher ging jedoch auf keine der Forderungen der Gefangenen ein. In fünf Monaten Nahrungsverweigerung starben dabei Bobby Sands, Francis Hughes, Raymond McCreesh, Patsy O’Hara, Joe McDonnell, Martin Hurson, Kevin Lynch, Kieran Doherty, Tom McElvee und Mickey Devine. In den Unruhen, die diese Kampagne begleitete, starben über 60 Menschen.
Noch heute ist das Symbol des Hungerstreiks, das "H" (Kurzform für H-Block), überall als Logo in den katholischen Gebieten von Belfast zu sehen, beispielsweise an Häuserwänden, Bäumen etc.
Anschläge
Von 1970 bis 1999 (unvollständige Auswahl)
- August 1970: Die IRA tötet zwei Polizisten der Royal Ulster Constabulary (RUC).
- Februar 1971: 1 britischer Soldat getötet.
- Juli 1972: Neun Unbeteiligte kommen bei neunzehn Anschlägen in ganz Belfast ums Leben, während 130 Menschen verletzt werden.(Bloody Friday).
- September 1973: Die PIRA intensiviert ihre Angriffe auf Britische einrichtungen inklusive der Londoner Börse, der Bank of England und dem House of Commons. Außerdem wurden Angriffe auf ein Flughafenterminal, die Londoner U-Bahn und mehrerer Einkaufszentren durchgeführt.
- Februar 1974: In Manchester, England wird durch die PIRA eine Bombe gezündet, wodurch ein vorbeifahrender Britischer Militärbus explodiert. zwölf Soldaten kommen ums Leben.
- November 1974: In Birmingham wurden 21 Pub-Besucher von einem IRA-Sprengsatz getötet.
- November 1975: Der Herausgeber des Guinnes Book of Records in London, Ross Mc Whirter wird durch Mitglieder der PIRA ermordet.
Mc Whirter hatte eine Belohnung von 100.000$ für die Ergreifung eines Terroristen ausgesetzt, der für eine Bombenserie in London verantwortlich sein sollte.
Die vier Verantwortlichen werden 1977 für diesen und mehrere andere Morde zu Lebenslänglichen Gefängnisstrafen verurteilt.
- 15-monatiger Waffenstillstand 1975/76.
- July 1976: Die PIRA tötet Christopher Ewart-Briggs, den britischen Botschafter der Republik Irland mit einer Landmine.
- Februar 1977: Der britische Niederlassungsleiter der amerikanischen Firma DuPont wird durch ein Kommando der PIRA in Londonderry erschossen.
- August 1979: Ein Kommando der PIRA zündet zeitgleich zwei Bomben in Warrenpoint, Nordirland, wobei achtzehn britische Soldaten und ein Zivilist ums Leben kommen.
- 27.August 1979: Die IRA tötet Louis Mountbatten den 1. Earl of Burma und Cousin von Königin Elisabeth II. mit einem ferngezündeten Sprengsatz, den sie auf seinem Boot versteckt hatten. Neben dem von vielen respektierten Helden des zweiten Weltkrieges stirbt auch sein Neffe während drei Mitglieder der Mannschaft verletzt werden.
- Februar 1980: Ein britischer Armeeoberst wird von PIRA-Kräften in Bielefeld, Westdeutschland getötet.
- Oktober 1981: die PIRA läßt eine ferngezündete Nagelbombe vor einer britischen Militärkaserne in Zentrallondon detonieren. Zwei Soldaten sterben, vierzig werden verletzt.
- November 1981: Der Protestantische Reverend Robert Bradford, Mitglied des Britischen Parlaments und Symphatisant der ULF aus Belfast wird von Unbekannten ermordet. Die PIRA übernimmt später die Verantwortung.
- 12. Oktober 1984: Bombenanschlag auf das Grand Hotel in Brighton, in dem sich zu dieser Zeit die Premierministerin Margaret Thatcher mit ihrem Kabinett aufhielt. Die Bombe tötet ein Kabinettsmitglied und drei Sicherheitskräfte. 32 weitere Anwesende werden Verletzt.
- März 1987: Siebenundzwanzig Deutsche und vier Britische Personen weden bei einem Bombenanschlag auf das britische Offizierskasino im JHQ-Rheindahlen, in Westdeutschland verwundet. Der Stützpunkt Rheindahlen ist das HQ für die gesamte NATO Luftwaffe in Westdeutschland.
- 24. April 1993: Bishopsgate Bombe in London, 1 Toter und 50 Verletzte.
- 1996: Am 15. Juni 1996 um 11.20 Uhr explodierten 1.500 kg Sprengstoff im Zentrum Manchesters. Die IRA hatte diese Bombe in einem Lieferwagen in der Corporation Street nahe der Einkaufsstraße Market Street platziert. Dies war die größte IRA-Bombe, die bisher in England detonierte. Trotz dieser Größe und der zentralen Lage des Anschlags wurde niemand getötet, es gab jedoch 206 Verletzte. Gut eine Stunde vor der Zündung erfolgte um 9.53 Uhr eine Warnung, die Schlimmeres verhinderte. Der Anschlag zerstörte 50.000 m² Einkaufsfläche und 25.000 m² Bürofläche. Seit dem Anschlag wurde die gesamte Umgebung komplett wiederbelebt, was das Stadtbild allgemein verbesserte. Ein Briefkasten außerhalb Marks & Spencer in der Corporation Street überstand den Anschlag beinahe unversehrt und wurde mit einer kleinen Gedenktafel versehen.
Bewaffnung & Finanzierung
Mit Waffen und Geldmitteln wurde die IRA hauptsächlich von einer Organisation aus den USA namens NORAID (Irish Northern Aid) unterstützt. Außerdem erhielt sie Hilfe von der PLO und Hilfe in Form von Waffen und Training aus Libyen.
In den von ihr kontrollierten Gebieten Nordirlands (insbesondere Teilen von Belfast, Derry und dem ländlichen South-Armagh) erhob die IRA "Steuern". Von ihren Gegnern wird diese Praxis als Schutzgelderpressung bezeichnet. Sie ist aber auch legal im Baugewerbe und der Gastronomie tätig.
Auch wird vermutet, dass die IRA zur Finanzierung Banküberfälle durchführte, so z.B. am 20. Dezember 2004 in der nordirischen Hauptstadt Belfast. Bei dem als Northern Bank robbery (engl.) bekanntgewordenen Überfall wurden umgerechnet rund 38 Millionen Euro erbeutet. Die IRA selbst bestreitet jegliche Verwicklung.
Literatur
- Kevin Bean, Mark Hayes (Hg.): Republican Voices. Stimmen aus der irisch-republikanischen Bewegung. Vorwort Bernadette McAlliskey, ISBN 3-89771-011-0 (deutsch - Interviews mit ehemaligen Mitgliedern)
- J. Bowyer Bell: The Secret Army. A History of the IRA 1915-1970, Sphere Books (englisch)
- Tim Pat Coogan: The IRA, ISBN 0-00-636943-X, Fontana (englisch)
- Sean Cronin: Irish Nationalism. A History of its Roots and Ideology, ISBN 0-86104-393-6 (englisch)
- T. Ryle Dwyer: Michael Collins, ISBN 3-928300-62-8 (deutsch)
- Kevin Kelley: The Longest War. Northern Ireland and the IRA, ISBN 0-86232-024-0, Brandon (englisch)
- Danny Morrison: Aus dem Labyrinth. Schriften auf dem Weg zum Frieden in Nordirland. ISBN 3-89771-000-5
- Peter Neumann: IRA: Langer Weg zum Frieden, Rotbuch Verlag, 1999 ISBN 3-434-53043-6
- Pit Wuhrer: Die Trommeln von Drumcree. Nordirland am Rande des Friedens, Rotpunktverlag, 2000 ISBN 3-85869-209-3
- Mitglieder verschiedener ASU der PIRA
Siehe auch
- Bloody Sunday
- INLA (Irish National Liberation Army)
- Nordirlandkonflikt
- Geschichte Nordirlands
Kategorie:Nordirland
Kategorie:Untergrundorganisation
Kategorie:Politische Gruppierung
ja:IRA
ParamilitärAls Paramilitär (Kunstwort; v. griech.: para „neben“ + lat.: miles „Kämpfer“, „Soldat“) werden inoffizielle nicht staatliche militärisch organisierte Gruppierungen bezeichnet, die sich polizeiliche oder militärische Kompetenzen anmaßen, um außergesetzlich eigene oder insgeheim staatliche innen- oder außenpolitische Ziele mit Gewalt durchzusetzen.
Auch irreguläre Verbände, die im Auftrag fremder Staaten in anderen Staaten eingreifen, werden als Paramilitär bezeichnet.
Häufig wird die Bezeichnung Paramilitär im Gegensatz zur Bezeichnung paramilitärisch tatsächlich nur auf solche Verbände angewandt, die mit Wissen, Duldung oder im geheimen Auftrag des Staates oder einzelner seiner Institutionen und Repräsentanten gegen dessen vermeintliche Feinde agieren.
In diesem Sinne werden Verbände und Gruppen, die den Staat selbst organisiert mit Waffengewalt bekämpfen, meist nicht als Paramilitär bezeichnet, auch wenn sie ohne weiteres paramilitärisch im Sinne von "ähnlich wie Militär strukturiert" zu nennen sind.
Als Rechtfertigung ihres Handelns dient den Paramilitärs oft die angebliche Schwäche des Staates oder seines Rechtssystems gegenüber der so genannten 'Subversion' oder äußeren Gefahren, sie berufen sich somit auf eine angebliche Notwehrsituation von Gesellschaft und Staat.
Beispiele staatsnaher paramilitärischer Verbände oder Gruppen in Geschichte und Gegenwart:
- um 270 v. Chr. Mamertiner, Sizilien Die 'Söhne des Mars' waren eine italische Söldnertruppe, die vom Syrakuser Tyrannen Agathokles angeworben wurde, nach seinem Tod die Stadt Messana eroberte und von dort aus das Land plünderte; die Römer, von den Mamertinern gegen die Karthager zu Hilfe gerufen, besetzten Messana und machten den Mamertinern ein Ende.
- 1919 bis 1923 Freikorps, Baltikum Deutsche Söldner- und Freiwilligentruppen, die mit Duldung des Staates noch nach Beendigung des 1. Weltkriegs zunächst im Baltikum gegen die UdSSR und die Bolschewiki kämpften. Die Freikorps spielten auch eine wichtige Rolle während des Kapp-Putsches und bei den sich anschließenden Kämpfen im Ruhrgebiet.
- ca. 1920-1945 Schutzstaffel (SS), Deutschland Diese Organisation wurde zunächst als Leibwächter für die Parteiführung der NSDAP gegründet. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahre 1933 wurde die SS zu einer Art Privat-Armee der NSDAP umgebaut. Die SS war als Terror-Organisation im Inland tätig. Nach Ausbruch des Krieges wurde zusätzlich die Waffen-SS geschaffen, die an der Seite der Wehrmacht im Feld kämpfte und dort häufig als "Feuerwehr" eingesetzt wurde. Den SS-Totenkopf Verbänden oblag dagegen die Organisation des Holocausts.
- 1933 Sturmabteilung (SA), Deutschland Die halbmilitärische Privatarmee der Nationalsozialisten wurde 1933 staatlicherseits als Hilfspolizei gegen politische Gegner eingesetzt.
- 1970 Weisse Hand, Guatemala Eine inoffizielle, geheime Gesellschaft, in der hohe Offiziere von Polizei und Militär sich als 'Todesschwadron' zu einem Mordkomplott gegen tausende von politischen Gegnern verschworen hatten.
- 1975 UNITA, Angola Von Südafrika finanzierte Banden, die vorwiegen die Zivilbevölkerung im sozialistischen Angola terrorisierten.
- 1980 Contras, Nicaragua Von den USA aus Drogengeldern finanzierte Geheimarmee, die vom Norden aus in Nicaragua einfielen, um die nicaraguanische Revolution zu revidieren und die Sandinisten zu schwächen.
- 2004 Autodefensas Unidas de Colombia (AUC) Kolumbien Eine rechtsgerichtete Privatarmee der Großgrundbesitzer, die teils mit Duldung oder vielleicht sogar Unterstützung des Staates und der Armee linke Guerillabewegungen bekämpft.
Auch Schützenvereine haben manchmal eine lange Tradition die sich bis auf paramilitärische Verbände zurückführen lässt, wie die Gebirgsschützen oder Schützen.
Vom obigen Gebrauch abweichend wird der Begriff 'Paramilitär' manchmal auch einfach auf offizielle militärähnlich ausgerüstete 'halbmilitärische' Polizeiformationen angewendet, deren Aufgaben weder rein militärischer noch ausschließlich polizeilicher Natur sind.
Zusammen mit staatsnahen Verbänden können solche Polizeieinheiten im Falle eines bewaffneten Konflikts Teil der bewaffneten Macht und somit Kombattanten sein.
Siehe auch
- Privatarmee
- Bürgerkriegsarmee
- Miliz
- Terrorismus
- Gendarmerie
- Nationalgarde
Kategorie:Allgemeine Truppenkunde
Nordirland
Nordirland ist ein Landesteil des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland. Es besteht aus dem größten Teil der historischen irischen Provinz Ulster im Norden Irlands.
Im Verhältnis zur Republik Irland ist Nordirland dichter bevölkert und hat mehr Industrie.
Geografie
Nordirland bildet die Fortsetzung des Landschaftsbildes in Nordengland und Südschottland nach Westen hin. Die Küstenlinie ist reich gegliedert. Das Klima ist - wie überall auf den Britischen Inseln - ozeanisch und wird vom Golfstrom beeinflusst.
Nordirland hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 130 km. Von Osten nach Westen sind es 180 km. Die Länge der nordirischen Küste ist etwa 500 km. Die Insel Rathlin im Nordosten gehört zu Nordirland.
Es gibt drei Höhenzüge: im Nordwesten die Sperrin Mountains, im Nordosten das Antrim Plateau, im Südosten die Mourne Mountains (852 m).
Wichtige Städte:
- Armagh
- Ballycastle, Ballyclare, Banbridge, Bangor, Belfast, Bushmills
- Carnmoney, Carrickfergus, Coleraine, Comber, Cookstown, Craigavon
- Derry, Donaghadee, Downpatrick,Dromore, County Down, Dundonald, Dungannon, Dungiven
- Enniskillen
- Glengormley
- Hillsborough
- Larne, Limavady, Lisburn, Lurgan
- Magherafelt
- Newcastle, Newry, Newtownards, Newtownstewart
- Omagh
- Portrush, Portstewart, Portaferry
- Strabane
- Warrenpoint
Wirtschaft
Nordirland war - wie die Republik Irland - von Auswanderung geprägt.
Größere Investitionen wurden aufgrund der ethnischen Spaltung und der politischen Unsicherheit kaum getätigt; das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bewegte sich 1991 auf 81 % des Durchschnitts im Vereinigten Königreich; die Arbeitslosigkeit war hoch.
Seit 1997 wird mehr investiert und die Wirtschaft wächst stärker. Seit 1999 erlebt das Land einen Anstieg beim Tourismus.
Verwaltung
1972 wurde das Nordirlandministerium (engl. Northern Ireland Office, Abk. NIO) in London geschaffen, das von einem Minister (engl. Secretary of State) geleitet wird. Heute (2005) ist dies Peter Hain. Das Ministerium ist verantwortlich für die Bereiche Justiz und Gefängniswesen (engl. criminal justice und prisons), Polizei (siehe unten), die Fürsorge für Opfer von politisch motivierten Verbrechen (engl. victims) sowie - seit dem 14. Oktober 2002, an dem die Regionalregierung direkt der Zentralregierung unterstellt wurde - die Rechtsaufsicht über die Behörden in Nordirland.
Wie auch in Wales und Schottland setzt die Regierug von Tony Blair ihre Politik der Dezentralisierung (engl. devolution) auch in Nordirland um und hat eine Regionalverwaltung geschaffen.
In Nordirland gibt es das Büro der Exekutive (engl. Office of the Minister and the Deputy Minister) sowie zehn Regional-Ministerien (engl. departments), nämlich für Landwirtschaft (engl. agriculture), für Kultur (engl. culture, arts and leisure), das Kultusministerium (engl. education), das Ministerium für Umweltschutz (engl. environment), für Finanzen (engl. finances and personnel), für Gesundheit (engl. health), für Wirtschaft (engl. enterprise, trade and investing), für Fortbildung (engl. employment and learning), für Regionalentwicklung (engl. regional development) sowie für Soziales (engl. social development). Der Vorteil dieser Konstruktion liegt darin, dass die Ministerien der Republik Irland ein Gegenüber nicht in London, sondern in Belfast haben und das allmähliche Zusammenwachsen Irlands so gefördert wird.
Bis 1972 war Nordirland in sechs Bezirke (engl. counties) gegliedert (durchschnittliche Einwohnerzahl: 260.000). Diese waren Antrim, Armagh, Down, Fermanagh, Londonderry und Tyrone. Seitdem gibt es 26 Landkreise (engl. districts) mit durchschnittlich 60.000 Einwohnern.
Geschichte
Landkreis
Siehe Hauptartikel: Geschichte Nordirlands, Nordirlandkonflikt
Die Teilung Irlands in die Republik Irland und Nordirland fand 1926 statt.
In der Folge wurde der katholische Bevölkerungsteil bei Jobs und Wohnungen benachteiligt. Die Gesellschaft teilte sich in meist katholische Republikaner oder Nationalisten (Ziel: Vereinigung mit der Republik Irland) und meist protestantische Unionisten oder Loyalisten (Ziel: Verbleiben unter britischer Regierung).
Politik
Die politischen Parteien spiegeln bis heute die ethnische Spaltung der Provinz wider; Democratic Unionist Party (DUP) und UUP (gemäßigt) treten für die protestantisch-pro-britisch-unionistische Seite an, Sinn Féin (SF) und SDLP (gemäßigt) für die katholisch-pro-irisch-nationalistische Seite. Die Alliance Party ist eine überkonfessionelle Partei.
Die Wahlen vom 26. November 2003 ergaben folgende Ergebnisse (in Prozent): DUP 26,1, UUP 23,0, Sinn Fein (SF) 24,0, SDLP 17,8.
Kirche
Anglikanische Kirche: Anders als in England besteht seit 1871 keine Staatskirche. Etwa 260.000 Menschen (13 % der Bevölkerung) rechnen sich zur anglikanischen Gemeinschaft, deren Erzbischof (Robert Eames) in Armagh residiert und auch für die etwa 70.000 Mitglieder in der Republik Irland zuständig ist.
Katholiken: Etwa 40 % der Nordiren bezeichnen sich als römisch-katholisch. Der Sitz des Primas von Irland (Sean Brady) befindet sich ebenfalls in Armagh. Auch der katholische Primas ist eine gesamtirische Institution.
Die größte protestantische Gemeinschaft bilden die Presbyterianer (u.a. Ian Paisley) mit etwa 20 %.
Daneben gibt es 3 % Methodisten.
Polizei
Die frühere Royal Ulster Constabulary (RUC) heißt seit 1999 Police Service of Northern Ireland (PSNI). Während sie bis 1998 fast ausschließlich aus unionistisch-protestantischen Beamten bestand, wurde sie 1999 um die Hälfte auf etwa 7000 Beamte verkleinert und soll bei Neueinstellungen zur Hälfte irisch-katholische Bewerber einstellen, um den sozialen Frieden gewährleisten zu können.
Tourismus
Police Service of Northern Ireland
Nordirland ist ein sicheres Reiseland; die Grenzkontrollen zwischen Nordirland und der Republik Irland sind zum Großteil entfallen.
Sehenswertes Naturdenkmal ist der Giant's Causeway (dt. Damm des Riesen), rund 40.000 Basaltsäulen am Meer, geschützt durch den National Trust, etwa 20 km westlich von Ballycastle an der Nordküste von Antrim. Weitere sehenswerte Gegenden und Landschaften sind:
- Die Berge von Mourne (engl. the Mountains of Mourne)
- Lough Neagh, größter See der Britischen Inseln
- Lough Erne
- Strangford Lough
- Carlingford Lough
- Die Antrim-Täler (engl. the Glens of Antrim)
- Das Seenland von Fermanagh (engl. the Fermanagh Lakeland)
- Die Sperrin-Berge (engl. the Sperrin Mountains)
- Die Nationalparks (engl. the National parks of Northern Ireland)
Wie auch in der Republik Irland gehört Golf, Angeln, Wandern und Bootstourismus zu den möglichen Urlaubsaktivitäten; es gibt Bootstouren, die die Republik Irland und Nordirland verbinden.
Kulturelle Ereignisse konzentrieren sich in Belfast und Derry.
Der Tourismus trägt mit 1,5 Mio. Besuchern (2002) zu 2 % zum nordirischen BSP bei; die große Mehrheit der Besucher kommt aus der Republik Irland sowie aus den anderen Landesteilen des Vereinigten Königreiches. Etwa 100.000 Besucher kommen je aus den USA und der EU.
Verkehr
Flüge: Nordirland hat drei internationale Flughäfen, zwei bei Belfast, einen bei Derry. Direktflüge von Deutschland bietet im Sommer 2005 nur EasyJet ab Berlin-Schönefeld an.
Auto: Der Motorway M1 verbindet Belfast mit Dungannon, der Motorway M2 führt von Belfast nach Antrim, der Motorway M3 von Belfast nach Ballymacarrett.
Eisenbahn: Nordirland hat ein relativ dünnes Bahnnetz von 340 km. Translink nutzt ausschließlich Züge mit Dieselantrieb und verbindet Belfast mit:
- Londonderry (via Ballymena und Coleraine) nach Norden,
- Larne nach Nordosten,
- Dublin (via Portadown) nach Süden
- Bangor nach Osten
Literatur
Es gibt bislang (November 2004) keinen deutschsprachigen Reiseführer nur für Nordirland; Nordirland bildet daher jeweils ein Kapitel in Reiseführern über Irland oder das Vereinigte Königreich.
- Friedhelm Rathjen, Singenden Fahrradreifen in Ulster. Eine irische Grenzerfahrung, Scheeßel (Edition ReJoyce) 2004, ISBN 3000135510
- Dietrich Schulze-Marmeling (Hg.), Nordirland. Geschichte, Landschaft, Kultur, Touren, Göttingen (Vg. Die Werkstatt) 1996, ISBN 3895331775
Weblinks
- [http://www.britischebotschaft.de/de/embassy/political/northern-ireland.htm Informationen der Britischen Botschaft in Berlin (dt.)]
- [http://www.irland-ferien.de Irisches Fremdenverkehrsamt mit Infos auch zu Nordirland (dt.)]
- [http://www.discovernorthernireland.com/ Fremdenverkehrsamt (engl.)]
- [http://www.onlineni.net Nordirland Online (engl.)]
- [http://www.northernireland.gov.uk/ Verwaltung (engl.) mit Links zu den Regional-Ministerien]
- [http://www.nio.gov.uk Das Nordirlandministerium in London (engl.)]
- [http://www.ofmdfmni.gov.uk Das Büro des Ersten Ministers in Belfast (engl.)]
- [http://www.ntni.org.uk/ National Trust mit Infos zum kulturellen Erbe (engl.)]
- [http://www.translink.co.uk Eisenbahngesellschaft Translink (engl.)]
- [http://www.ireland.anglican.org Anglikanische Kirche in Irland]
- [http://www.catholiccommunications.ie Die Irische Katholische Bischofskonferenz (Republik Irland und Nordirland)]
ja:北アイルランド
ko:북아일랜드
simple:Northern Ireland
Großbritannien und Nordirland
Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland (engl. United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland - meist verkürzt zu United Kingdom oder UK) ist eine konstitutionelle Monarchie im Nordwesten Europas. Der größte Inselstaat Europas besteht aus den Landesteilen England, Wales und Schottland auf der Insel Großbritannien und Nordirland auf der Insel Irland.
__TOC__
Im deutschen Sprachraum wird der Name oft auf Vereinigtes Königreich, entsprechend den amtlichen Kurzformen verkürzt. Die Bezeichnung Großbritannien wird ugs. oft als Synonym verwendet, bezeichnet aber nur Teile der britischen Inseln, nämlich nur die Insel, auf der England, Wales und Schottland liegen, und nicht noch das benachbarte Nordirland. Die Bezeichnung England schränkt das Vereinigte Königreich noch mehr ein. Zwar ist England der größte und nach wie vor beherrschende Landesteil, aber eben nur ein Teil des Landes und der Insel. So würde sich ein Schotte oder Nordire selbst nicht als Engländer bezeichnen.
Woher das „Groß“ in „Großbritannien“ stammt, wird im Französischen klar: „Großbritannien“ ist die „Grande-Bretagne“, im Unterschied zu der auch im Deutschen so genannten „Bretagne“. Die Bezeichnung Britannia hingegen stammt aus der Spätantike, nämlich aus dem Wortschatz der Urengländer, dem keltischen Brith, was buntfarbig oder gefleckt bedeutet. Offenbar war es dort einst Sitte, sich zu bemalen.
Geographie
Bretagne
Der größte Teil Englands besteht aus flachen Ebenen. Eine imaginäre Linie zwischen den Flüssen Tees (bei Middlesbrough) und Exe (bei Exeter) unterteilt England in einen sehr flachen und in einen eher hügeligen Teil. Die wichtigsten Hügelzüge (Gebirgsketten) von Nord nach Süd sind die Cumbrian Mountains, die Pennines, der Peak District, die Cotswolds und die Chilterns. Die wichtigsten Flüsse sind Themse, Severn, Trent, Great Ouse und Humber. Die größten Städte sind London, Birmingham, Manchester, Sheffield, Liverpool, Leeds, Bristol und Newcastle-upon-Tyne.
Wales ist abgesehen von einer flachen Ebene im Süden äußerst hügelig. Der höchste Berg, der Snowdon, ist 1.085 Meter hoch. Nördlich des Festlandes liegt die Insel Anglesey. Die größte Stadt ist Cardiff an der Südküste.
Die Geographie Schottlands ist sehr unterschiedlich, mit den flachen Lowlands im Süden und Osten sowie den teils gebirgigen Highlands im Norden und Westen. Der Ben Nevis (1.344 Meter) ist der höchste Berg Großbritanniens. Es gibt zahlreiche lange und tiefe Meeresarme, Firths und Lochs. An der Nord- und Westküste gibt es eine stattliche Anzahl von Inseln, darunter die Hebriden, die Orkney- und die Shetlandinseln. Die größten Städte sind Edinburgh, Glasgow und Aberdeen.
Nordirland umfasst den nordöstlichen Teil der Insel Irland. Das Gelände ist hügelig. Ziemlich exakt in der Mitte des Territoriums liegt der Lough Neagh, der größte Binnensee der Britischen Inseln. Die wichtigsten Städte sind Belfast und Derry.
Siehe auch: Liste der Seen in Großbritannien, Liste der Berge in Großbritannien
Klima und Vegetation
Das Klima von Großbritannien und Nordirland variiert, ist jedoch gemäßigt. Es ist aufgrund des Golfstroms markant wärmer als in anderen Gebieten auf den gleichen Breitengraden (wie z. B. Polen). Allgemein ist das Klima im Süden wärmer und trockener als im Norden.
Der Wind bläst hauptsächlich von Südwesten, vom Atlantischen Ozean her. Während mehr als der Hälfte des Jahres ist der Himmel bewölkt. Das Land ist relativ selten von Naturkatastrophen betroffen, vor allem im Winter können jedoch starke Sturmwinde und Überschwemmungen auftreten.
Die Regenmenge beträgt im Norden durchschnittlich 1.000 mm pro Jahr, im Süden 700 mm. Die Grafschaft Essex ist die trockenste Gegend des Landes. Die jährliche Regenmenge beträgt hier nur 600 mm, obwohl an über 100 Tagen im Jahr Regen fällt. In manchen Jahren kann die Regenmenge nur 450 mm betragen, weniger als z. B. in Jerusalem oder Beirut.
Der früher weit verbreitete Laub- und Mischwald ist wegen Raubbau und Landwirtschaft auf 8 % zurückgedrängt worden. Jetzt versucht man die Wälder wieder aufzuforsten. Die Gebirge sind mit Mooren und Heiden bedeckt.
Bevölkerung
Das Vereinigte Königreich hatte bei der letzten Volkszählung im Jahre 2004 60.294.000 Einwohner.
Sie gliedert sich in Engländer (83,6 %), Schotten (8,6 %), Iren (2,9 %), Waliser (4,9 %) und Andere 7,9 %.
Sprachen
Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland hat keine offizielle Amtssprache. Englisch ist jedoch de facto offizielle Sprache und wird von 95 % der Bevölkerung als einzige Sprache gesprochen. Als „Hochsprache“ gilt die so genannte Aussprachevariante der Received Pronunciation. Dieses Englisch wird auch in den meisten Schulen Deutschlands unterrichtet. Allerdings haben zwei Teilstaaten offizielle Sprachen: In Wales sind sowohl Englisch als auch Walisisch offizielle Sprachen. In Nordirland sind dies Englisch, Irisch und Ulster Scots. Zusätzlich wird in den Äußeren Hebriden die Schottisch-Gälische Sprache anerkannt. Daneben gibt es in Großbritannien diverse lokale Dialekte des Englischen, die aber keinen offiziellen Status haben und meist rein mündlicher Natur sind. Noch bis in die jüngste Vergangenheit hinein empfand man Dialekte und dialektal gefärbte Aussprache im klassenbewussten Königreich als sozialen Makel.
Die Minderheitensprachen sind durch die Europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen anerkannt und geschützt. Walisisch genießt in Wales Gleichberechtigung mit Englisch; in Schottland ist dies Scots, in Cornwall die Kornische Sprache, in Nordirland das Ulster Scots. Die Gehörlosen verwenden die British Sign Language.
Laut der Volkszählung von 2001 wird Walisisch von rund 20 % der Bevölkerung in Wales gesprochen (ca. 600.000 Menschen), schottisches Gälisch von rund 60.000 Menschen, Irisch von rund 20.000 Menschen (7 % der Bevölkerung Nordirlands) und Kornisch von 3.500 Menschen (etwa 0,6 % der Bevölkerung von Cornwall).
Schreibweise des Landesnamens in den offiziell anerkannten Sprachen:
- United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland (Englisch)
- Teyrnas Unedig Prydain Fawr a Gogledd Iwerddon (Walisisch)
- An Rìoghachd Aonaichte na Breatainn Mhòr agus Eirinn a Tuath (schottisches Gälisch)
- Ríocht Aontaithe na Breataine Móire agus Thuaisceart Éireann (Irisch)
- An Rywvaneth Unys a Vreten Veur hag Iwerdhon Glédh (Kornisch)
- Unitit Kinrick o Great Breetain an Northren Ireland (Scots)
Minderheiten
Es gibt mehrere ethnische Minderheiten im Vereinigten Königreich, die ca. 7,9 % der Bevölkerung ausmachen. Zu über 50 % sind ihre Angehörigen im Vereinigten Königreich selbst geboren worden. Der relativ große Anteil dieser Minderheiten erklärt sich aus der Einwanderung einer großen Anzahl von Bewohnern ehemaliger britischer Kolonien in der Karibik und des indischen Subkontinents, vor allem in den 1950ern und den 1960ern. Es gibt folgende Hauptminderheiten:
Karibischer oder afrikanischer Abstammung („Black Caribbean“ bzw. „Black African“ - über 1,1 Millionen)
Der Großteil der eingewanderten Westinder kam in den 1950ern, in der Hoffnung auf Arbeit und um der schlechten Lebensqualität in ihren Heimatländern zu entfliehen. Die meisten kamen aus Jamaika, Trinidad und Tobago und Dominica. Bei der letzten Volkszählung 2001 wurden 1.148.738 Menschen gezählt (davon 565.876 aus dem karibischen Raum und 485.277 aus Afrika), was etwa 2,1 % der Gesamtbevölkerung entspricht.
Inder (über 1 Million - 2001)
Die Inder stellen die größte Einwanderergruppe aus einem einzigen Land. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt 1,8 %. Bei der letzten Volkszählung (2001) wurden 1.053.411 Menschen gezählt. Obwohl sie als eine einzige Minderheitengruppe zusammengefasst werden, gibt es weitere Unterschiede innerhalb derselben. 45 % der britischen Inder sind Hindus, die Sikhs folgen mit 29 % und an dritter Stelle die indischen Moslems mit 13 %. Diverse Gründe haben die Inder dazu veranlasst, nach Großbritannien auszuwandern; neben wirtschaftlichen Gründen wie Armut, Arbeitssuche oder dem Wunsch nach einem höheren Lebensstandard spielt auch politische Verfolgung eine Rolle.
Pakistaner (747.285 - 2001)
Pakistaner sind die zweitgrößte südasiatische Minderheit in Großbritannien. Sie kamen mit Seefahrern nach Großbritannien und suchten dort für kurze Zeit Arbeit, um Geld für ihre Familien zu verdienen, und fuhren dann wieder zurück nach Pakistan. Viele von ihnen aber blieben in Großbritannien. Der größte Teil der Pakistaner sind Anhänger des Islam.
Bengalen (283.063 - 2001)
Die Bengalen gehören ebenso wie die Inder und Pakistaner zu den sogenannten „Asian or Asian British People“. Die Gründe für ihre Einwanderung waren der Bürgerkrieg und die Abspaltung Bangladeschs von Pakistan 1971 ebenso wie die der Suche nach Arbeit und die Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard. Die meisten Bengalen sind ebenfalls Muslime.
Chinesen (247.403 - 2001)
Ein Großteil der chinesischen Einwanderer in Großbritannien wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg ein, vor allem aufgrund des Preisverfalls von Reis in Hongkong. Im Jahre 2001 lebten 247.403 Chinesen in Großbritannien, was 0,4 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Heutzutage gehören die Chinesen zu den bestverdienenden und bestausgebildeten Einwohnern Großbritanniens.
Sinti & Roma (ca. 120.000)
Unter dem englischen Begriff „Gypsy“ oder „Traveller“ versteht man eine Vielzahl ethnischer Minderheiten. Die Minderheit, die den traditionellen „Zigeunern“ in ihrer Lebensweise am nächsten kommt, sind die Roma, deren Ursprung in Nordindien liegt. Heutzutage werden aber auch Einwanderer aus Osteuropa, etwa aus Polen, Rumänien, Tschechien und der Slowakei dazugezählt. Die Hauptprobleme der Roma und auch der relativ wenigen britischen Sinti sind Diskriminierung, Armut und eine hohe Kindersterblichkeitsrate.
Nach Schätzungen der UNO leben in Großbritannien mehrere hunderttausend Menschen polnischer Herkunft.
Religion
Die Mehrzahl der Einwohner des Vereinigten Königreichs (ca. 74 %) versteht sich als Christen. Bei der letzten Volkszählung 2001 beantworteten 92 % der Einwohner die freiwillige Frage nach der Religion.
Wie in anderen Ländern auch ist die Kirchenmitgliedschaft nicht mit der Religionszugehörigkeit gleichzusetzen. Genaue Statistiken der Kirchenmitgliedschaft sind schwer zu erstellen, da man in Großbritannien gewöhnlich nur dann offiziell Mitglied einer Kirche wird, wenn man sich über den gelegentlichen Gottesdienstbesuch hinaus am Gemeindeleben beteiligen will. 1995 waren nur 14 % der Bevölkerung solche Mitglieder von Kirchen. Laut Umfragen aus dem Jahr 1995 fühlen sich noch ca. 27 Millionen (45 %) der anglikanischen Kirche zugehörig, 11 Millionen (19 %) anderen protestantischen Kirchen im weitesten Sinne und knapp 6 Millionen (10 %) der katholischen Kirche. Katholiken wurden früher oft als kuriose Minderheit empfunden (vgl. z. B. Evelyn Waughs Wiedersehen in Brideshead), sind heute aber etwas relativ normales geworden.
Zu den großen Kirchen (grob nach Größe und Einfluss geordnet) zählen in
- England die
- Church of England (Anglikanisch)
- Römisch-Katholische Kirche
- Methodistische Kirche
- United Reformed Church (Reformiert)
- Schottland die
- Church of Scotland (Reformiert/Presbyterianisch)
- Römisch-Katholische Kirche
- United Reformed Church (Reformiert) (in Schottland entstanden aus der Congregational Union bzw. Church und anderen reformierten Gemeinden)
- Methodistische Kirche
- Wales die
- Church in Wales (Anglikanisch)
- United Reformed Church (Reformiert)
- Römisch-Katholische Kirche
- Methodistische Kirche
- Nordirland die
- Church of Ireland (Anglikanisch)
- Römisch-Katholische Kirche
- Verschiedene Presbyterianische Kirchen
Über 9 Millionen Einwohner gehören keiner Religion an (Agnostiker, Atheisten und Heiden).
Daneben sind auch Islam, Hinduismus, Sikhismus und andere Religionen verbreitet:
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte der Britischen Inseln, Geschichte des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland
Geschichte des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland
In der Antike waren weite Teile der Insel Großbritannien, abgesehen vom Gebiet des heutigen Schottlands, für rund 350 Jahre von den Römern besetzt. Als diese sich zurückzogen, bildeten sich mehrere kleine Königreiche, die von den eingewanderten Angeln und Sachsen (Angelsachsen) und später auch von den Wikingern beherrscht wurden. Die keltische Urbevölkerung wurde in die westlichen Randgebiete verdrängt. Im 10. Jahrhundert entstanden die voneinander unabhängigen Königreiche Schottland und England. 1066 eroberten die Normannen, französisierte Wikinger aus der Normandie, die Insel und prägten sie für die folgenden Jahrhunderte.
Wales, das seit 1284 unter der Kontrolle Englands war, wurde mit der Act of Union 1536 Teil des Englischen Königreichs. Mit der Act of Union 1707 wurden die Königreiche Schottland und England zum Königreich Großbritannien vereinigt; beide Staaten hatten seit 1603 durch Personalunion denselben Monarchen. Die Act of Union 1800 vereinigte das Königreich Großbritannien mit dem Königreich Irland, das von 1169 bis 1603 mehr und mehr unter englische Kontrolle geraten war. Durch diese Verschmelzung entstand das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland. 1922 bildeten 26 irische Grafschaften den Irischen Freistaat (ab 1937 Éire, ab 1949 Republik Irland). Die restlichen 6 Grafschaften in der Provinz Ulster verblieben beim Vereinigten Königreich. Der heutige Staatsname Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland wird seit 1927 verwendet.
Das Vereinigte Königreich, die dominierende Industrie- und Seefahrtsnation im 19. Jahrhundert, spielte eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der parlamentarischen Monarchie, bei Literatur und Wissenschaft. Unter dem außenpolitischen Prinzip der Balance of Power trat Großbritannien über viele Jahrhunderte für ein Mächtegleichgewicht auf dem europäischen Kontinent ein und schloss dafür wechselnde Bündnisse. Auf seinem Höhepunkt umfasste das Britische Imperium zwei Fünftel der Landfläche der Erde, die in vielen Kriegen erobert worden waren. Durch die beiden Weltkriege verlor das Land seine Weltmachtstellung, obwohl es beide Male auf der Siegerseite stand. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Imperium bis auf einige kleine Reste aufgelöst. Großbritannien war gezwungen, sich mehr Europa (Kontinentaleuropa) zuzuwenden, hält sich aber bis heute bei der Integration zurück. Das Land ist zwar Mitglied der Europäischen Union, hat aber den Euro wegen innenpolitischer Widerstände nicht eingeführt. Im Zuge einer Verfassungsreform erhielten Schottland, Wales und Nordirland im Jahre 1999 eigene Parlamente.
Siehe auch: Geschichte des Vereinigten Königreiches, Geschichte Englands, Geschichte Irlands, Geschichte Nordirlands, Geschichte Schottlands, Geschichte von Wales, Britisches Imperium, Commonwealth of Nations, Britische Unterhauswahlen 2005
Politik
Hauptartikel: Politisches System Großbritanniens und Nordirlands, Britische Monarchie
Das Vereinigte Königreich ist eine konstitutionelle Monarchie (Staatsoberhaupt ist Königin Elisabeth II.), Premierminister ist Tony Blair. Hort der Souveränität ist das Parlament, das aus Oberhaus (House of Lords: Adel, heute größtenteils nichterblicher Verdienstadel, und einige anglikanische Bischöfe) und Unterhaus (House of Commons: nach Mehrheitswahlrecht gewählte Abgeordnete) besteht. Der Landesteil England ist in Europa das Land mit der ältesten ununterbrochenen parlamentarischen Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht (Magna Charta). Eine geschriebene Verfassung gibt es nicht, es gibt allerdings Gesetze mit Verfassungsrang. Schottland und Wales haben seit den 1990er Jahren eigene Landesparlamente und -regierungen. In Schottland und Wales gilt schon die Europäische Menschenrechtserklärung, in England steht sie vor der Einführung.
Das Vereinigte Königreich ist eines der Gründungsmitglieder der NATO und des Commonwealth of the Nations. Es ist außerdem ständiges Mitglied des UNO-Sicherheitsrates sowie Teil der Europäischen Union.
Militär
Das Vereinigte Königreich hat die höchsten Rüstungsausgaben in Europa und ist dessen wichtigste Militärnation. Traditionell konzentriert sich das britische Militär mehr auf die Kriegsmarine, Royal Navy, und die Luftwaffe, Royal Air Force, als auf das Heer, die British Army. Das Vereinigte Königreich besitzt seit 1952 Atomwaffen, deren Bestand in den vergangenen Jahren zwar deutlich reduziert wurde, jedoch ständig modernisiert wird.
Das Vereinigte Königreich unterhält zudem etliche Militärbasen im Ausland. Hierzu gehören mehrere Basen in Deutschland mit insgesamt 27.000 Soldaten sowie zwei britische Hoheitsgebiete auf Zypern mit etwa 7.000 Soldaten. Außer den USA hat kein Staat mehr Soldaten im Ausland stationiert als Großbritannien. Aktuell sind 67.000 britische Soldaten im Ausland stationiert, darunter 8.900 im Irak.
Verwaltungsgliederung
Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Großbritanniens und Nordirlands
Das Vereinigte Königreich besteht aus den vier Landesteilen: England (Königreich), Wales (Fürstentum), Schottland (Königreich) und Nordirland (Provinz). Wales, Schottland und Nordirland besitzen seit den 1990er Jahren eigene Landesteilparlamente und -regierungen mit einem sog. Ersten Minister als Chef (vergleichbar einem Ministerpräsidenten in Deutschland oder einem Landeshauptmann in Österreich). England besitzt, mit Ausnahme Londons (noch) keine Landesverwaltung. Eine „Northern Assembly“ (Nordenglische Versammlung) ist gegenwärtig in der Diskussion. Die Aufgaben einer Staatsspitze Englands werden von Parlament und Regierung des Vereinigten Königreiches mit wahrgenommen. Dabei ist es inzwischen üblich geworden, dass sich im Parlament die Abgeordneten der anderen Landesteile enthalten, wenn eine Entscheidung nur England betrifft (siehe auch West-Lothian Question).
Die unteren Verwaltungsebenen sind seit dem späten 19. Jahrhundert mehrmals neu strukturiert worden, weitere Veränderungen sind in der Zukunft zu erwarten. Traditionell bestand England seit dem Mittelalter aus 39, Schottland aus 34, Wales aus 13 und Nordirland aus 6 Grafschaften (engl. counties).
Heute (2004) gibt es in England 35 Grafschaften, 40 so genannte „Unitary Authories“, 6 Metropolitan Counties sowie Greater London mit seinem Bürgermeister Ken Livingstone (siehe hierzu auch Verwaltungsgliederung Englands). Wales besteht aus 22, Schottland aus 32 Unitary Authorities. In Nordirland gibt es 26 Bezirke (District). Die Namen der alten Grafschaften werden aber im Alltagsgebrauch aller Landesteile oft weiterhin verwendet.
Abhängige Gebiete (offiziell Überseegebiete/Overseas territories of the United Kingdom):
- Anguilla
- Bermuda
- Britische Jungferninseln
- Britisches Antarktis-Territorium
- Britisches Territorium im Indischen Ozean
- Kaimaninseln
- Falklandinseln
- Gibraltar
- Montserrat
- Pitcairninseln
- St. Helena
- Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln
- Turks- und Caicosinseln
Gebiete, die nur der britischen Krone unterstehen und nicht dem Vereinigten Königreich (Crown dependencies):
- Kanalinseln
- Man
Beide haben eigene Legislativen und Rechtssysteme, werden jedoch im Bereich Verteidigung und internationale Beziehungen von der britischen Regierung vertreten.
Der britische Monarch ist Staatsoberhaupt nicht nur des Vereinigten Königreichs, sondern auch einer ganzen Reihe weiterer, unabhängiger Commonwealth-Staaten.
Siehe auch: Liste der Städte in Großbritannien und Nordirland, Kronkolonie
Infrastruktur
Der Verkehr orientiert sich in Nord-Süd-Richtung.
Im Straßenverkehr wird links gefahren, im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern. Kreisverkehre sind bei britischen Verkehrsplanern besonders beliebt, da es keine Rechts-vor-Links- oder Links-vor-Rechts-Regel gibt; an Kreuzungen ohne Kreisverkehr ist stets eine der Straßen als Vorfahrtsstraße markiert.
Von Bedeutung sind die Autobahnen (Motorways), die das Land (insbesondere England) sehr gut erschließen. Zudem begann man in den 1990er Jahren mit dem Bau mehrspuriger Überlandstraßen, um sowohl die Autobahnen wie auch die an kleineren Straßen gelegenen Orte zu entlasten. Die Inseln Großbritannien und Irland sind durch Fähren verbunden.
Das Vereinigte Königreich ist die wichtigste Drehscheibe des Weltluftverkehrs. Das gesamte Fluggastaufkommen ist mit rund 200 Mio. Passagieren pro Jahr (davon 125 Mio. auf den Londoner Flughäfen) das größte Europas. Insgesamt verfügt es über acht internationale und viele regionale Flughäfen. Heathrow im Westen Londons war mit 64 Millionen Passagieren 2003 der Flughafen mit dem größten internationalen Passagieraufkommen der Welt und zugleich auch der mit den meisten Flugbewegungen. Weitere wichtige Flughäfen sind Gatwick und Stansted bei London sowie Birmingham und Manchester.
Das dichte, 1994 privatisierte, älteste Eisenbahnnetz der Welt ist in den 1960er- und 1970er-Jahren aus Rentabilitätsgründen stark geschrumpft. Durch den Eurotunnel besteht Anschluss an das Eisenbahnnetz des europäischen Kontinents. Um diese Verbindung zu verbessern, wurde 2003 der erste Teil des Channel Tunnel Rail Link in Betrieb genommen. Diese erste Hochgeschwindigkeitsstrecke Großbritanniens soll die Reisezeit deutlich verkürzen.
Ende der 1990er-Jahre und zu Beginn des aktuellen Jahrzehnts kam es wiederholt zu schweren Eisenbahnunfällen, die von Fachleuten auch auf eine mangelhafte Organisation bei der Privatisierung des Schienennetzes zurückgeführt wurden. Dies war mit ein Grund dafür, dass die Schieneninfrastruktur 2002 wieder verstaatlicht wurde. Auch kommt es immer wieder zu erheblichen Verspätungen im Personenverkehr. Die offiziellen Erklärungen für die Verspätungen und Ausfälle sorgen auf der Insel immer wieder für Heiterkeit: Mal sind es „Blätter auf den Schienen“ (im Herbst), mal ist es „die falsche Sorte Schnee“ (im Winter), im Rest des Jahres sind es „Weichenprobleme“ oder „fehlende Lokführer“. Der Schienengüterverkehr in Nordirland wurde im Jahre 2004 eingestellt, während in Großbritannien in den letzten Jahren Zuwächse erzielt werden konnten.
Durch die Insellage des Vereinigten Königreiches, die räumliche Trennung Nordirlands vom restlichen Staatsgebiet und die vielen vorgelagerten Inseln besitzt die Seeschifffahrt traditionell eine große Bedeutung. Die wichtigsten Häfen sind Southampton, London und Belfast. Schon seit der Antike sind regelmäßige Schiffsverbindungen zwischen den Inseln und dem (Insel-)Festland bekannt. Es war einfacher, per Schiff von einem Ort zum anderen zu kommen als über das unwegsame bergige Land.
Siehe auch
- Kfz-Kennzeichen (UK)
- Straßensystem in Großbritannien
- Liste der Autobahnen in Großbritannien
- Liste von Eisenbahngesellschaften in Großbritannien und Nordirland
Wirtschaft
Das Vereinigte Königreich zählt zu den am stärksten deregulierten und privatisierten Volkswirtschaften der Welt.
Die Wirtschaft des Vereinigten Königreiches ist dienstleistungsorientiert. Wichtigste Exportgüter sind Maschinen, Computer und vor allem die Bodenschätze der Nordsee, nämlich Erdöl und Erdgas.
In den vergangenen Jahren erlebten vor allem die Rüstungsindustrie und der Schiffbau einen großen Aufschwung. Auch in der Luftfahrtindustrie ist Großbritannien wieder verstärkt vertreten, u. a. im Airbus-Konsortium und durch zahlreiche Kooperationen mit Boeing und Lockheed-Martin.
Großbritannien stellt zudem mehrere der größten Konzerne der Welt, darunter British Aerospace, BP, Shell und HSBC.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im 1. Quartal 2004 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,4 %. Mit 23.080 Euro liegt das BIP pro Kopf im oberen europäischen Referenzrahmen. Die Arbeitslosenquote beträgt 3,7 % (2004).
Kultur
Höchste Bauwerke
- Belmont-Sendemast, 385 Meter - höchstes Bauwerk Großbritanniens und der EU
- VLF-Sendemast Skelton, 365 Meter
- (Wolkenkratzer London Bridge Tower (London), 310 Meter - höchstes Hochhaus Europas (in Planung))
- Wolkenkratzer 1 Canada Square (London), 235 Meter
- Wolkenkratzer 8 Canada Square (London), 210 Meter
- Wolkenkratzer 25 Canada Square (London), 210 Meter
Weitere Themen
- Portal:Großbritannien
- Anglozentrismus
Weblinks
Geschichte Großbritanniens
- http://www.schottlandgeschichte.de/ – Umfangreiche Zeittafel und Informationen zu Schottland (deutsch)
- http://www.britannia.com/ – UK Travel & British History (englisch)
- http://www.historic-uk.com/ – history and heritage accommodation guide (englisch)
- http://www.woodlands-junior.kent.sch.uk/geography/unionjack.html – Union Jack: die britische Flagge (englisch)
- http://www.royal.gov.uk – Monarchy Today: Vergangenheit und Gegenwart des englischen Köngigshauses (englisch)
- http://www.britishbattles.com/ – British Battles (englisch)
Landschaft und Natur
- http://www.beautifulbritain.co.uk/ – Beautiful Britain (englisch)
Politik
- http://www.politik.uni-koeln.de/jaeger/links/britauspol – Linksammlung zur Britischen Außenpolitik
- http://www.fco.gov.uk – Britisches Außenministerium
- http://www.parliament.uk – Britisches Parlament
- http://www.number-10.gov.uk – No. 10 Downing Street (Britische Regierung)
Institutionen
- http://www.statistics.gov.uk/products/p5703.asp – Britain 2004: Das offizielle Jahrbuch über Großbritannien
- http://www.agf.org.uk – Anglo-German Foundation (Deutsch-Britische Stiftung)
- http://www.gbf.com – Deutsch-Britisches Forum
- http://www.britischebotschaft.de/ – Britische Botschaft in Berlin
Reisen
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=189 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- http://www.nationalexpress.com – National Express: bekanntester britischer Reisebus-Service (englisch)
- http://www.schottlandportal.de/ – Schottland: Portal und Informationsseite zu Urlaub, Reisen, Land und Leute
- http://www.vereinigtes-königreich.de/ – Vereinigtes Königreich
Vermischtes
- http://www.spiegel.de/jahrbuch/0,1518,GBR,00.html – Spiegel online / Jahrbuch / Großbritannien
- http://www.career-contact.de/laenderinfos/grossbritannien/uebersicht.php – Jobs und Praktikum in Großbritannien - Das Infoportal
Kategorie:Monarchie
Kategorie:Staat
Kategorie:Land in der EU
als:Grossbritannien und Nordirland
ja:イギリス
ko:영국
ms:United Kingdom
simple:United Kingdom
th:สหราชอาณาจักร
zh-min-nan:Liân-ha̍p Ông-kok
Sinn FéinSinn Féin (schin'fe:jn; irisch: 'wir selbst') ist eine nationalistische irische Partei. In Nordirland ist sie seit 2005 die unter den katholischen Bewohnern stärkste Partei, in der Republik Irland ist sie seit 1997 im Parlament vertreten und verfügt dort vor allem in den Grenzregionen zu Nordirland über eine historische Verankerung. Sie wurde 1905 von Arthur Griffith gegründet.
Ziele
Das Hauptziel von Sinn Féin besteht darin, die unter britischer Herrschaft befindlichen Grafschaften Nordirlands in das Staatsgebiet der Republik Irland einzugliedern. Dabei strebt die Partei laut Programm eine "vereinigte, demokratische und sozialistische Republik Irland" an, wobei die Bezugnahme auf sozialistische Ansätze und Ziele in den Aussagen führender Parteivertreter in den letzten 10 Jahren sehr selten geworden sind. Als mittelfristiges Ziel nennt Sinn Féin die Umsetzung des Karfreitagsabkommens. Ihre Gegner werfen ihr freilich vor, dass sie eben dieses Abkommen torpediert, indem sie dazu beiträgt, dass sich die Entwaffnung der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) verzögert.
Verbindung zur IRA
Obwohl Sinn Féin eine organisatorische Verbindung mit der IRA offiziell leugnet, gilt es mittlerweile als gesichert, dass beide Organisatoren eng miteinander verbunden sind. Sinn Féin wird deshalb oft als politischer Arm der IRA bezeichnet. Im Selbstverständnis militanter irischer Nationalisten ist die Partei hingegen eher der politische Arm einer "republikanischen Bewegung" (deren militärischer Arm dann die IRA wäre).
Geschichte
Nach dem Osteraufstand von 1916 entwickelte sich Sinn Féin zur führenden Organisation der Bewegung für eine "nationale Selbstbestimmung" der Iren und ihre politische Unabhängigkeit von Großbritannien. Wie auch die IRA machte sie in den folgenden Jahren eine Reihe von Spaltungen durch, aus denen die heutigen Volksparteien der irischen Republik, Fianna Fáil und Fine Gael, hervorgingen. Auch wenn Sinn Féin nach dem zweiten Weltkrieg bereits totgesagt wurde, führten die Auseinandersetzungen in Nordirland seit 1967 (siehe auch Geschichte Nordirlands) dazu, dass die republikanischen Organisationen stärker wurden und ihre politische Ausrichtung neu bestimmten.
Vertretung in Parlamenten
Die Partei stellt derzeit vier Abgeordnete im irischen Parlament. Bei den Unterhauswahlen am 5. Mai 2005 wurden fünf Abgeordnete für das House of Commons gewählt, neben den vier bisherigen Mandatsträgern konnte Conor Murphy der gemäßigten Social Democratic and Labour Party den Sitz im Wahlkreis Newry and Armagh abnehmen. Die Unterhaus-Abgeordneten der Sinn Féin weigern sich allerdings, ihre Sitze anzunehmen, denn dazu müssten sie einen Treueeid auf die englische Königin schwören. Bei den Wahlen zum Europaparlament gewann Sinn Féin je einen Sitz für Dublin und Nordirland. Die beiden Abgeordneten sind Mitglieder der Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken.
Im nordirischen Parlament (der "Northern Ireland Assembly") stellt Sinn Féin seit der letzten Wahl 24 Abgeordnete (vorher: 18). Von 1998 bis 2003, als die Exekutive arbeitete, stellte die Partei zwei Minister. Derzeit weigert sich die stärkste britisch-protestantische Partei, die Democratic Unionist Party, auch nur mit Sinn Feín zu verhandeln (geschweige denn mit ihr die Macht zu teilen), so lange sie noch Verbindungen zur IRA unterhält und diese noch nicht vollständig ihre Waffen abgegeben hat.
Bekannte Politiker
- Eamon de Valera
- Michael Collins
- Gerry Adams, derzeitiger Vorsitzender
- Danny Morrison - Schriftsteller und Journalist
- Pat Doherty
Literatur
- T. Ryle Dwyer: Michael Collins, ISBN 3-928300-62-8 (deutsch)
- Michael Collins: The Path to Freedom, ISBN 1-85635-148-3, Mercier Press (englisch)
- Danny Morrison: Aus dem Labyrinth. Schriften auf dem Weg zum Frieden in Nordirland. ISBN 3-89771-000-5
- Dietrich Schulze-Marmeling (Hg.): Nordirland - Geschichte Landschaft Kultur & Touren Die Werkstatt, 1996, ISBN 3-89533-177-5
- Pit Wuhrer: Die Trommeln von Drumcree. Nordirland am Rande des Friedens, Rotpunktverlag, 2000 ISBN 3-85869-209-3
Siehe auch
- Democratic Unionist Party, Nordirlandkonflikt
Weblink
- [http://sinnfein.ie Offizielle Sinn Féin Homepage] (englisch)
Kategorie:Nordirische Partei
Kategorie:Irische Partei
Fenians:Irische Republikanische Bruderschaft
Irish Citizens ArmyDie Irish Citizen Army (ICA - Irische Bürgerarmee) war eine kleine Gruppe Freiwilliger in Dublin zum Schutz der Rechte der Arbeiter. Die ICA wurde 1913 während des Generalstreiks (auch Dublin Lockout genannt) der Irish Transport and General Workers Union (Irische Transport- und allgemeine Gewerkschaft) gegründet. Durch den Streik versuchten die Arbeiter die Gewerkschaft, die von James Larkin ins Leben gerufen wurde, zu etablieren. Der Streik begann, als der Arbeitgeber William Martin Murphy 1913 einige Gewerkschaftsmitglieder von der Arbeit aussperrte. Am Ende waren 400 Angestellte und 25.000 Arbeiter in dem Streik involviert, der zu einem 6-monatigen ökonomischen Stillstand in fast ganz Dublin führte. Am Ende kehrten die Arbeiter, von Hunger gezeichnet, geschlagen an ihren Arbeitsplatz zurück.
Diese Niederlage und die barsche Behandlung der Streiker durch die Dublin Metropolitan Police, führte James Connolly und Andere zu der Ansicht, dass es notwendig sei, die Arbeiter zur Verteidigung zu organisieren. Die Gründer der Armee waren Jack White (ein ehemaliger Captain der British Army), James Larkin (ein Führer der Arbeiter) und der Sozialist James Connolly, der an die physische Gewalt glaubte. Weitere aktive Mitglieder waren Sean O'Casey, Countess Markievicz und Michael Mallin.
Die Irish Citizen Army wurde letztendlich zu James Connolly's Privatarmee von gut trainierten Sozialisten. Captain Jack White war verantwortlich für das Training der Armee. Diese Gruppe war eine der ersten, der sowohl Männer als auch Frauen beitreten konnten - jeder wurde in der Handhabung mit Waffen ausgebildet. Die ICA hatte ihre Standorte rund um die Liberty Hall.
Der ICA gehörten niemals mehr als 250 Anhängern an. Am Montag, dem 24. April 1916, marschierten während des Osteraufstands lediglich 220 Leute an der Seite der viel größeren Gruppe der Irish Volunteers. Sie halfen das Hauptpostamt in Dublin an der O'Connell Street (damals noch Sackville Street) zu übernehmen. Connolly wurde einige Wochen später von der Britischen Armee hingerichtet. Die übriggebliebenen Mitglieder der ICA verschmolzen 1919 mit den Irisch Volunteers um die IRA zu gründen.
Die Uniformen der Irish Citizen Army war dunkelgrün mit einem schräg sitzenden Hut. Da viele Mitglieder sich keine Uniform leisten konnten, trugen diese ein blaues Armband - im Gegensatz zum roten Band der Offiziere.
Auf dem grünen Banner der ICA waren ein Pflug und Sterne abgebildet. Diese Flagge wurde 1916 beim Osteraufstand gehisst. In den 1930er Jahren änderte sich die Flagge zu weißen Sternen auf blauem Grund.
Siehe auch
Geschichte Dublins
Dieser Text basiert auf einer Übersetzung des Artikels Irish Citizen Army aus der englischen Wikipedia, Version vom 2. Juli 2005.
Kategorie: Irische Geschichte
Anglo-Irischer Krieg
Der Anglo-Irische Krieg (auch als Irischer Unabhängigkeitskrieg bekannt) dauerte von Januar 1919 bis Juli 1921. Er wurde von der Irisch Republikanischen Armee (IRA) in einer Art Guerilla-Kampf gegen die britische Regierung in Irland geführt.
Die IRA, die in diesem Konflikt gekämpft hat, wird oft als "Alte IRA" (Old IRA) bezeichnet, um sie von den späteren Gruppen (mit anderen Gesinnungen) abzuheben, die den gleichen Namen verwendeten.
Ursprung
Irland (Mitte vorne), W. T. Cosgrave (zweiter von rechts, vorne).]]
W. T. Cosgrave
Für einige irische Republikaner begann der Anglo-Irische Krieg bereits mit der Proklamation der irischen Republik während des Osteraufstands im Jahr 1916. Sie behaupten, dass der Konflikt von 1919 - 1921 (und natürlich der darauf folgende irische Bürgerkrieg lediglich der Verteidigung dieser Republik gegen die Versuche diese zu zerstören geführt wurde. Allgemein wird der Ursprung des Kriegs in der einseitig durchgeführten Aufstellung eines unabhängigen irischen Parlaments (allgemein:Dáil Éireann; in diesem Fall: First Dáil) gesehen, das aus der Mehrzahl der 1918 bei den landesweiten irischen Wahlen (als Teil der Wahlen des United Kingdoms) gewählten Parlamentariern geformt wurde. Dieses Parlament und seine Ministerien erklärten unter dem damaligen Kabinett (Aireacht) die irische Unabhängigkeit. Die IRA, als "Armee der irischen Republik" hatte durch das Dáil ein Mandat Krieg zu führen gegen Dublin Castle, damals Sitz der britischen Administration und des Lord-Lieutenant von Irland.
Am 21. Januar tötete eine Gruppe Freiwilliger der IRA unter Dan Breen 2 Mitglieder der Royal Irish Constabulary (neben der Dublin Metropolitan Police die zweite Polizeikraft in Irland), als diese sich weigerten, den von ihnen in Soloheadbeg (Grafschaft Tipperary) bewachten Sprengstoff zu übergeben.
Dies stellt allgemein angenommen den Beginn des Unabhängigkeitskrieges dar, obwohl die Männer bei dem Überfall eigenständig und nicht auf offiziellen Befehl der IRA handelten. Süd-Tipperary wurde daraufhin 3 Tage später unter Kriegsrecht gestellt. Am Tag der Schießerei versammelte sich das First Fáil im Mansion House in Dublin, wo es die Oster-Proklamation ratifizierte. Die Easter Proclamation ist das Schriftstück zur Erklärung der irischen Unabhängigkeit, das Patrick Pearse 1916 beim Beginn des Ostaufstandes verlas. Das Dáil forderte den Abzug der britischen Militär-Garnisonen und rief die "freien Nationen der Welt" dazu auf die Unabhängigkeit Irlands anzuerkennen.
Die Gewalt breitet sich aus
Freiwillige begannen Grundstücke der britischen Regierung zu überfallen um an Waffen und Gelder zu kommen sowie prominente Mitglieder der britischen Administration zu ermorden. Das erste Opfer war der Richter John Milling, der in Westport (Grafschaft Mayo) erschossen wurde, weil er Volunteers wegen rechtswidriger Versammlung zu Gefängnisstrafen verurteilt hatte. Sie wandten dabei erfolgreich die Taktik der schnellen Überfälle ohne Uniformen an. Obwohl einige republikanische Führer, allen voran Eamon de Valera, konventionelle Kriegsführung in Hinblick auf die Anerkennung der neuen Republik durch die Nationengemeinschaft bevorzugten, konnten diese sich nicht gegen den in der Praxis erfahreneren Michael Collins und die breite Führerschaft der IRA durchsetzten, die konventionelle Taktiken für die militärische Niederlage beim Osteraufstand verantwortlich machten. Die ausgeübte Gewalt führte zunächst nicht zu einer großen Unterstützung in der irischen Bevölkerung. Dies änderte sich, als die britischen Truppen ebenfalls sehr brutal und rücksichtslos vorgingen. Dazu gehörten die Zerstörung von Eigentum, willkürliche Verhaftungen und unprovozierte Erschießungen. Die Gewalttätigkeiten begannen langsam doch 1920 war sie die Regel.
Arthur Griffith meinte, dass die britischen Truppen in den ersten 18 Monaten des Konflikts über 38.000 Angriffe auf Privathäuser durchführten, 4.982 Verdächtige verhafteten, 1.604 bewaffnete Anschläge begingen, 102 Orte brandschatzten und 77 unbewaffnete Republikaner oder Zivilisten töteten. Griffith war verantwortlich für die Einführung der Gerichte der "Dáil courts", einem gerichtlichen System parallel zu den britischen Gerichten. Die Dáil Courts sollten diese ablösen, sobald die moralische Unterstützung und die territoriale Kontrolle der IRA wuchs.
Das Hauptziel der IRA während des Konflikts war die überwiegend katholische Polizeigruppe der Royal Irish Constabulary (RIC), die als die Augen und Ohren der britischen Regierung in Irland galt. Deren (9.700) Mitglieder und (1.500) Kasernen (vor allem die abgelegeneren) waren anfällig und eine willkommene Quelle der benötigten Waffen. Die Politik der Ausgrenzung der RIC wurde vom Dáil unterstützt und erwies sich als erfolgreich. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr demoralisiert wurde die RIC und desto mehr Menschen wandten sich von ihr ab. Die Austrittszahlen der RIC stiegen dramatisch an; Rekrutierungen nahmen stark ab. Oftmals mussten sie sogar mit vorgehaltener Waffe Essen kaufen, da ihnen Geschäfte teilweise nichts mehr verkaufen wollten. Einige RIC-Leute kooperierten auch insgeheim mit der IRA, sei es aus Furcht oder Sympathie, und verschafften diesen wertvolle Informationen. 165 Mitglieder der Royal Irish Constabulary wurden während des Kriegs getötet, 251 verwundet.
Michael Collins und die IRA
Michael Collins war die treibende Kraft hinter der Unabhängigkeitsbewegung. Eigentlich Finanzminister der Regierung, war er aktiv an der Bereitstellung von Geldern und Waffen an IRA-Einheiten sowie an der Auswahl der Offiziere beteiligt. Seine Intelligenz, die organisatorischen Fähigkeiten und der Drang nach vorne beflügelten viele, die mit ihm in Kontakt kamen. Er schaffte ein effektives Netzwerk von Spionen innerhalb von Sympathisanten in der "G division" der Dublin Metropolitan Police und anderen wichtigen Zweigen der britischen Regierung. Die "G division" wurde von der IRA verabscheut, denn sie wurde des öfteren eingesetzt um Spione zu enttarnen, die den britischen Soldaten - oder später den Black and Tans - unbekannt waren. Collins gründete die Spezialeinheit "Squad", die nur dafür eingesetzt wurden, "G-men" zu enttarnen und umzubringen. Vielen dieser "G-men" wurde von der IRA die Chance gegeben auszutreten oder Irland zu verlassen und einige nutzten dies auch.
Obwohl die IRA durch den Übertritt der Irish Volunteers auf dem Papier mehr als 100.000 Mitglieder hatte, schätzt Michael Collins die Zahl der aktiven Mitglieder auf lediglich 15.000. Es gab auch unterstützende Organisationen für die IRA - die Frauengruppe Cumann na mBan sowie die Kinderbewegung Fianna Eireann, die Waffen und Informationen überbrachten sowie sich um Essen und Unterkünfte kümmerten.
Die IRA wurde durch die breitgefächerte Hilfe von einem Großteil der irischen Bevölkerung unterstützt, die sich weigerten Informationen an die Royal Irish Constabulary oder das britische Militär zu geben und die oft "sichere Unterkünfte" und Proviant für vorbeiziehende IRA-Einheiten bereitstellten. Ein Großteil der Popularität der IRA war dem unbarmherzigen Vorgehen der britischen Truppen zuzuschreiben. Die (inoffizielle) Politik der Regierung bzgl. der Vergeltungsmaßnahmen begann im September 1919 in Fermoy (Grafschaft Cork), wo 200 britische Soldaten die Hauptgeschäfte des Ortes ausplünderten und niederbrannten, nachdem einer von ihnen, nach der Weigerung seine Waffen an die örtliche IRA abzugeben, getötet wurde. Aktionen wie diese wiederholten sich in Limerick und Balbriggan und erhöhten die örtliche Unterstützung der IRA sowie die internationale Unterstützung für die irische Unabhängigkeit.
Im April brachen, nach diversen Überfällen der IRA, die Steuereinnahmen vollständig zusammen. Die Menschen wurden dazu ermutigt Collins' "National Load" (nationales Darlehen) zu unterstützen, und Gelder für die "neue" Regierung und deren Armee zu sammeln.
Die britische Reaktion - "Black and Tans" und "Auxilliaries"
Balbriggan
Die Black and Tans wurden geschaffen und die niedergeschlagene Royal Irish Constabulary (RIC) zu unterstützen. 7.000 Mann stark bestanden sie vornehmlich aus ehemaligen britischen Soldaten, die bereits im 1. Weltkrieg gekämpft hatten. Die meisten von ihnen kamen aus englischen und schottischen Städten. Offiziell waren die Black and Tans teil der RIC - in Wirklichkeit waren sie aber eine paramilitärische Organisation, mit dem Ruf von Mördern, Terroristen, Trunkenbolden und Disziplinlosigkeit, die mehr der britischen Regierung in Irland als anderen Gruppen schadeten. Nach den Black and Tans kam noch die Gruppe der Auxiliaries (wörtlich übersetzt: Hilfstruppe), die aus bis zu 1.900 ehemaligen britischen Armee-Offizieren bestand. Im Bezug auf Gewalttätigkeit, Ruf und Schrecken konnte diese Gruppe problemlos mit den Black and Tans mithalten. Die Auxiliaries waren allerdings noch effektiver und mehr bemüht es mit der IRA aufzunehmen.
Außerhalb Dublins war Cork die Stadt der heftigsten Kämpfe. Viele "Taktiken", die bald in ganz Irland angewandt wurden, stammten aus Cork, z.B. die Zerstörung von Häusern oder die Ermordung von prominenten Republikanern aus Rache für IRA-Angriffe. Im März 1920 wurde der Bürgermeister von Cork und Sinn Féin Mitglied Thomas Mac Curtain zuhause vor den Augen seiner Frau von Männern mit schwarz angemalten Gesichtern, erschossen. Diese Männer wurde später beobachtet, wie sie in die örtlichen Polizei-Kasernen zurückkehrten. Sein Nachfolger, Terence MacSwiney, starb bei einem Hungerstreik im Brixton-Gefängnis in London.
Im November 1920 exekutierte Collins' "Squad" 19 britische Agenten (bekannt als die "Kairo Gang"), die darauf angesetzt waren, Collins und andere wichtige Führer zu töten. Im Gegenzug fuhren die Auxiliaries mit gepanzerten Fahrzeugen in den Croke Park, Dublins wichtigstes Stadion, und feuerten wahllos in die Menge. 14 unbewaffnete Menschen wurden getötet, 65 verwundet. Später am Tag wurden 3 republikanische Gefangene erschossen, als sie angeblich fliehen wollten. Dieser Tag ging als Blutsonntag in die Geschichte ein. Heute erinnert im Croke Park die Statue von Hogan, ein Spieler der Grafschaft Tipperary, der an diesem Tag getötet wurde, an diesen Vorfall.
In Cork wurden von der IRA erstmals die "flying columns" eingesetzt: mobile Einheiten, bestehend aus ca. 100 Mann, die bei verheerenden Hinterhalten zuschlugen und sich dann in die umgebende Landschaft zurückzogen, die sie weitaus besser kannten als die britischen Soldaten. Einige Regimenter der britischen Armee hatten den Ruf unbewaffnete Gefangene zu töten. Das Essex Regiment war eines davon. Im November 1920, nur eine Woche nach dem Blutsonntag in Dublin, lockte die West-Cork-Einheit der IRA unter Tom Barry eine Auxiliaries-Patroullie bei Kilmicheal in einen Hinterhalt und tötete alle 18 Soldaten. Es wird vermutet, dass einige Soldaten nach ihrer Kapitulation erschossen wurden. Dieser Überfall führte dazu, dass die ganze Provinz Munster unter das Kriegsrecht gestellt wurde.
Die folgenden 8 Monate bis zum Waffenstillstand im Juli 1921 sahen eine Spirale der Gewalt: 1.000 Tote (300 Polizisten/Soldaten und 700 Zivilisten oder freiwillige Helfer der IRA) zwischen Januar und Juli 1921. Zusätzlich wurden in dieser Zeit 4.500 IRA-Mitglieder (oder verdächtige Sympatisanten) verhaftet. Im Mai 1921 eroberten IRA-Einheit das Custom House (Sitz der Regierung) in Dublin und brannten es nieder. Dies war ein symbolischer Versuch zu zeigen, dass die britische Herrschaft in Irland nicht haltbar sei. Aus militärischer Sicht war es ein Fiasko: 5 IRA-Mitglieder wurden getötet und 8 verhaftet. Dies zeigte erneut, dass die IRA nicht genug ausgebildet und ausgestattet war um es auf konventionellem Wege mit britischen Einheiten aufzunehmen. Bis zum Juli 1921 herrschte bei den meisten IRA-Einheiten ein drastischer Mangel an Waffen und Munition. Trotz aller Effektivität beim Guerilla-Kampf war die IRA, wie sich der militante IRA Offizier Ernie O'Malley später erinnerte, "nie in der Lage die Briten aus etwas größeren zu vertreiben, als eine mittelgroße Polizeistation". Kurz vor dem Waffenstillstand waren viele republikanische Führer, inklusive Michael Collins, davon überzeugt, dass bei einem andauerndem Krieg, die bestehende IRA zerschlagen werden könnte. Daher wurden Pläne geschmiedet, den Krieg nach England zu bringen. Es wurde beschlossen Schlüsselstellen der Ökonomie, z.B. die Liverpooler Docks zu bombardieren. Die Einheiten, die mit diesen Mission betreut werden sollten, könnten der Gefangenschaft leichter entkommen, denn England stand nicht unter dem Kriegsrecht und es war unwahrscheinlich, dass die Öffentlichkeit dies akzeptiert hätte. Der Waffenstillstand verhinderte aber das Ausführen dieser Pläne.
Der Propaganda-Krieg
Liverpool
Liverpool
Eine weitere Facette des Kriegs war der Einsatz von Propaganda-Mitteln auf beiden Seiten. Die Briten versuchten die IRA als Protestanten-feindlich hinzustellen, um neben den irischen Protestanten auch in Großbritannien Unterstützung für die harsche Vorgehensweise zu gewinnen. In ihren Veröffentlichungen wurde immer dann die Konfession von Spionen oder Kollaborateuren, die von der IRA getötet wurden, angegeben, wenn das Opfer Protestant war. Bei katholischen Opfern (was die Mehrheit war), wurde die Konfession nicht notiert, damit der Eindruck entstünde, die IRA töte nur Protestanten. Auch ermutigten sie Zeitungsherausgeber ebenso zu verfahren. Im Sommer 1921 erschien in einem Londoner Magazin eine Artikelserie mit dem Titel "Irland und der neue Terror - das Leben unter dem Kriegsrecht" (Ireland under the New Terror, Living Under Martial Law). Unter der Behauptung eines unabhängigen Berichts über die Situation in Irland, portraitiert der Artikel die IRA in einem sehr zweifelhaften Licht. In Wirklichkeit war der Autor, Ernest Dowdall, ein Mitglied der "Auxiliaries" und die Artikelserie wurde vom "Dublin Castle Propaganda Department" (Propaganda-Abteilung des Dublin Castle; gegründet im August 1920) gezielt eingebaut, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, die sich langsam gegen das Verhalten "ihrer" Streitkräfte in Irland richtete.
Die Gegenseite (vor allem Desmond FitzGerald und Erskine Childers) veröffentlichte zu Propaganda-Zwecken das Irish Bulletin, die "offizielle" Zeitung der irischen Republik, mit detaillierten Beschreibungen von Gräueltaten der britischen Regierung, die die irischen und britischen Zeitungen nicht abdrucken wollten oder konnten. Die (wöchentliche) Zeitung wurde im Geheimen gedruckt und in ganz Irland, an internationale Presseagenturen sowie an Anhänger unter den amerikanischen, europäischen und britischen Politikern verteilt.
Der Waffenstillstand - ein schwieriger Frieden
Irish Bulletin
Der Krieg endete am 11. Juli 1921 mit einem Waffenstillstand, nach der Konflikt in eine Art "Patt-Situation" geraten war. Aus Sicht der britischen Regierung schien es, als könnten die Guerilla-Angriffe der IRA noch ewig mit immer mehr Opfern und Kosten fortgesetzt werden.
Wichtiger allerdings war die Tatsache, dass die britische Regierung ernsthafte Kritik zur Vorgehensweise der königlichen Truppen in Irland hinnehmen musste. Auf der anderen Seite sahen die führenden Köpfe der IRA den Zusammenfall der Gruppe, aufgrund Waffen- und Geldmangel und immer neuem Soldatennachschub aus Großbritannien nahen. Der endgültige Durchbruch zum Waffenstillstand ist 3 Personen zu verdanken: König Georg V. von England, General Jan Smuts aus Südafrika und dem britischen Premierminister David Lloyd George. Der König, dessen Unzufriedenheit über das Vorgehen der Black and Tans in seiner Regierung bekannt war, war nicht erfreut, das neugeschaffene nordirische Parlament im Lichte der Teilung Irlands zu eröffnen. Smuts, ein enger Freund des Königs, schlug ihm vor, die Gelegenheit für einen Appell für den Frieden in Irland zu nutzen. Der König bat Smuts seine Ideen zu Papier zu bringen und leitete daraufhin eine Kopie davon an Lloyd George weiter. Lloyd George lud dann Smuts zu einer britischen Kabinettsversammlung ein, wo Smuts zu den "interessanten" Vorschlägen, die Lloyd George erhalten hatte, Anmerkungen anbringen sollte. Keiner der beiden informierte die Minister davon, dass Smuts der ursprüngliche Autor des Vorschlags war. Durch den Zuspruch von Smuts, dem König und dem Premierminister stimmten die Minister, wenn auch widerstrebend, der geplanten Ansprache des Königs zur Aussöhnung mit Irland zu.
Die Ansprache letztendlich hatte eine riesige Wirkung. Den Moment ausnutzend schlug Lloyd George vor, Gespräche mit Éamon de Valera im Juli 1921 anzustreben. Die Iren, unsicher über das Ausmaß der Rede, da sie doch offensichtlich nicht der Meinung der ganzen Regierung entsprach, sahen darin aber immerhin den guten Willen des Königs, von Smuts und Lloyd George. Widerstrebend stimmten sie den Gesprächen zu. De Valera und Lloyd George stimmte im Endeffekt einem Waffenstillstand zu, der die Kampfhandlungen beenden und den Grundstein für detaillierte Verhandlungen legen sollte. Diese Verhandlungen wurden für einige Monate aufgeschoben, denn die britische Regierung bestand darauf, dass die IRA zuerst ihre Waffen abgeben müsse. Doch diese Forderung wurde letztenendes fallen gelassen. Es wurde vereinbart, dass die britischen Truppen vorerst in ihren Kasernen verblieben.
nordirische Parlament
Die Friedensgespräche mündeten letztendlich in den Anglo-irischen Vertrag, der dreifach ratifiziert wurde: Durch das Dáil Éireann im Dezember 1921 (durch die es die Legitimität im irischen Regierungssystem erlangte), durch das " | | |