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Ideologie

Ideologie

Der Begriff Ideologie (griechisch ιδεολογία - die Ideenlehre) wird heute im deutschen Sprachraum zumeist abwertend als kritisches Synonym für eine Weltanschauung oder ein fixiertes Weltbild gebraucht. Das Wort muss aber nicht negativ gemeint sein. Es kann auch beschreibend für eine Weltanschauung, ein Ideal oder ein politisches System von Wertvorstellungen dienen. Dies ergibt sich aus der Sicht des Einzelnen. Merkmal einer Ideologie ist jedenfalls, dass der Ideologe eine bestimmte These für axiomatisch hält; eine Abänderung derselben ist für den Ideologen nicht mehr diskutierbar.

Begriffsgeschichte

Der Begriff "Ideologie" entstand im Zuge der Aufklärung, deren Ziel es war, sich von Aberglauben, Irrtümern und Vorurteilen zu befreien, die den mittelalterlichen Machthabern zur Legitimation ihrer Herrschaft dienten. Der Begriff wurde dann 1796 von dem französischen Philosophen Destutt de Tracy geprägt. Die Schule der Ideologen verstand sich als Gegenströmung zum Rationalismus von René Descartes. Die Ideologen versuchten den Ursprung von Ideen als biologischen Prozess zu erklären, der ihrer Ansicht nach nicht ohne sinnliche Erfahrungen auskäme. Die französischen "Ideologen" standen in der Tradition der Aufklärung und waren demokratisch orientiert. Unter Napoleon, der den Begriff gezielt abwertend benutzte - was bis heute nachwirkt - verloren die Ideologen an Einfluss in der französischen Geisteswelt. Mitte des 19. Jahrhunderts griffen Marx und Engels den von der Propaganda Napoleons stigmatisierten Begriff wieder auf und suchten, die bürgerliche Wirtschaftswissenschaft und Philosophie als Ideologie zu bewerten und den Marxismus als wissenschaftliche Analysemethode dagegen zu setzen. Dem Marxismus zufolge manifestiert sich die Ideologie in Gestalt von Philosophie, Religion und Recht. Ideologie wird hier nicht als bewusste Verführung, sondern als ein "notwendig falsches Bewusstsein" konzipiert, das sowohl den Beherrschten wie den Herrschenden zueigen sei. Bestandteile der kapitalistischen Ideologie seien der Lohn-, Geld-, und Warenfetisch sowie die Verdinglichung. Zusammen bedingten sie eine Verschleierung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die als scheinbare Naturgesetze dargestellt werden (siehe auch Biologismus). Das Denken über die eigentlichen Probleme der Gesellschaft werde behindert und so das bestehende Wirtschafts- und Herrschaftssystem gestützt. Gesellschaftliche Emanzipation beinhaltet demnach stets eine Form der Ideologiekritik. Lenin verwendete den Begriff der Ideologie, um mit ihm die gesamte Weltanschauung und Doktrin einer gesellschaftlichen Klasse zu bezeichnen, und schloss dabei den marxistischen Standpunkt nicht aus, fasste ihn ebenso als Ideologie auf. Unter der stalinistischen Herrschaft wurde unter der sozialistischen Ideologie zunehmend ein dogmatisches Lehrgebäude verstanden, dessen einzelne Glaubensartikel nur noch auswendig zu lernen seien. Gleichzeitig wurde der Marxismus allerdings auch von Kritikern wie Leo Trotzki oder Victor Serge dazu benutzt, um eben diese Herrschaft zu kritisieren. Im Anschluss haben Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Vilfredo Pareto (dieser als "Derivation"), Ferdinand Tönnies, Karl Mannheim, Ernst Topitsch, Karl Popper, Hans Albert, Bertrand Russell, Louis Althusser und Jürgen Habermas in Wissenschaft und Technik als Ideologie den Themenkomplex behandelt. Theodor W. Adorno differenziert im 20. Jahrhundert zwischen der Gesamtideologie eines Individuums und seiner Ideologie in verschiedenen Bereichen des sozialen Lebens wie Politik, Wirtschaft oder Religion. Demnach sind die Ideologien verschiedener Epochen Ergebnis historischer Prozesse. Die Anhängerinnen und Anhänger geschlossener Ideologien sind dem zufolge eine kleine Minderheit, da zumeist unterschiedliche ideologische Systeme absorbiert und zu einem Denkmuster verwoben werden. Der deutsche Philosoph Christian Duncker stellte in seiner Arbeit "Kritisch Reflexion des Ideologiebegriff" (2005) die aufklärerische Tradition des Ideologiebegriffes in den Vordergrund sowie die mit ihm eng verbundene erkenntnistheoretische Frage: Was kann ich wissen? In seiner Arbeit definiert er letztlich den Begriff Ideologie hinsichtlicht der endlich-geschichtlichen Seinweise des Menschen (Philosophische Hermeneutik) folgendermaßen: Ideologie ist ein System von Vorstellungen, das explizit oder implizit Anspruch auf absolute Wahrheit erhebt bzw. von einem objektivistisch-deformierten Bewusstsein ausgeht. Der Vorteil dieser Ideologiedefinition für den wissenschaftlichen Diskurs ist, dass sie untergegebenen Bedingungen einen Gegensatz formulieren kann, der nicht notwendigerweise und überall Gegensatz ist und dass sie die Tradition des Ideologiebegriffes, den Zusammenhang und das Spannungsverhältnis zwischen Bewusstsein und Gesellschaft aufzuklären, berücksichtig. Ferner ist auch zu beachten, dass der Begriff Ideologie durch die Definition nicht zu einen bedeutungeleeren Begriff oder Synonym wird, dass Duncker an neutralen Ideologiedefinition kritisiert. In diesem Sinn betont er, dass der Ideologiebegriff im wissenschaftlichen Diskurs nur sinnvoll als ein erkenntnis-soziologisch kritischer Begriff hinsichtlich der endlich-geschichtlichen Bestimmtheit des menschlichen Dasein eingesetzt werden kann bzw. argumentiert er für einen negatives Ideologieverständnis (Philosophisch-hermeutische Ideologietheorie und -kritik).

Typische Beispiele für ideologische Denkweisen


- Im Absolutismus wurde das Gottesgnadentum gern zur Rechtfertigung des Monarchen verwendet.
- Die Aufklärung verlangte die politische Durchsetzung der Wissenschaft, Menschenrechten und der bürgerlichen Gesellschaftsordnung
- Für die Klassisch Liberalen sind bestimmte individuelle Freiheiten und der freie Markt ein Tabu.
- Der Marxismus verlangte in seiner orthodoxen bzw. marxistisch-leninistischen Variante die Errichtung der Diktatur des Proletariats als vermeintliche Übergangsstufe auf dem Weg zur Vollendung des Kommunismus
- Der Antisemitismus sowie die Rassentheorien des Nationalsozialismus entwickelten genozide Ideen zur Rechtfertigung des Holocaust
- Der Keynesianismus dient zur Rechtfertigung staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft
- Im Neoliberalismus wird größerer Wert auf die Minimierung staatlicher Regulierungen des Wirtschaftsgeschehens gelegt.
- Die islamischen Fundamentalisten verwenden ihre Religion zur Durchsetzung von Gottesstaaten
- Im Libertarianismus wird die Initiierung von Gewalt abgelehnt.
- Demokraten sind mit der Absolutsetzung der Volksherrschaft, Gewaltenteilung und des Rechtstaates natürlich auch Ideologen.

Ideologie und Wissenschaft

Die Abgrenzung von der Ideologie wurde zu einem konstitutiven Bestandteil der im Zuge der Aufklärung entstandenen neuen Wissenschaften, die sich im Gegensatz zur Ideologie und zum Glauben als wertfrei, neutral und objektiv setzten. Von manchen Wissenschaftstheoretikern (u.a. Bruno Latour) wird diese Entgegensetzung von Ideologie und Wissenschaft als moderner Machtmechanismus und Verschleierungstechnik der Aufklärung gesehen.

Ideologiekritik

Als früher Kritiker an Ideologien gilt Francis Bacon (1561 - 1626), der in seiner Idolenlehre die Reinigung des Denkens von Idolen (Trugbildern) als Voraussetzung von Wissenschaft sieht. Quellen dieser Trugbilder können Tradition, Sprache, Herkunft und Sozialisation sein. Die französischen Materialisten, u.a. Paul Heinrich Dietrich von Holbach und Claude Adrien Helvétius, kritisierten insbesondere die Religion und bezeichneten deren - im Interesse der Machterhaltung verbreiteten - Behauptungen als Priestertrug. Kritikerinnen und Kritiker von Ideologien verbinden mit ihnen Einseitigkeit, Intoleranz, Manipulation und Herrschaft über andere Menschen. Diese Sichtweise geht davon aus, dass eine Ideologie grundsätzlich Bezug auf das Zusammenleben von Menschen nimmt und daher schon im Ansatz die mögliche Tendenz in sich trägt, anderen eine bestimmte Sichtweise aufzudrängen. Diese Kritikerinnen und Kritiker werfen Anhängerinnen und Anhänger von Ideologien vor, die Freiräume der Mitmenschen dem eigenen Idealbild unter zu ordnen und durch Dogmatisierung die Individualität der Gemeinschaftsmitglieder zu verletzen. Dabei wird oft auch ein abgeschlossenes Weltbild kritisiert, das jede Kritik am Weltbild ausschließlich mit schlechten Absichten oder mangelnder Information des Kritikers erklärt, die kritisierten Eigenschaften des Weltbildes werden dabei nicht hinterfragt. Der Vorwurf einer durch Ideologie bestimmten Argumentation ist häufig im politischen Diskurs anzutreffen. Damit soll ausgedrückt werden, dass ein Standpunkt deswegen als nicht stichhaltig angesehen wird, weil er auf einer Ideologie basiere. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist die Skepsis gegenüber umfassenden und mit Heilsversprechungen durchsetzten Theoriengebäuden gewachsen, insbesondere wenn sie mit Handlungsaufforderungen verbunden sind (eine Ausnahme: Religion). Unausgesprochene Ideologeme (einzelne Elemente einer Ideologie) beherrschen deshalb oft die Debatte, ohne dass dies in den Diskursen immer zu Bewusstsein käme. Ein weitergehender Kritikpunkt ist, dass Ideologien (bzw. deren Anhängerinnen und Anhänger) Grundideen als gegeben voraussetzen, mit denen die Hauptidee begründet wird. Da die Wahrnehmung der Welt Grundideen voraussetzt, ist jegliche Aussage über die Realität ideologisch geprägt. Ideologiekritik ist demnach das Hinterfragen dieser Grundideen und der Grundkategorien in denen wir denken.

Siehe auch

Ismus, Weltanschauung, Menschenbild, Ideologiekritik

Literatur


- Gerhard Hauck: Einführung in die Ideologiekritik : Bürgerliches Bewusstsein in Klassik, Moderne und Postmoderne, Argument Verlag, ISBN 3886192091
- Ulrich Enderwitz: Was ist Ideologie? Zur Ökonomie bürgerlichen Denkens. ISBN 3-89771-442-6, Münster 2005.
- Hans Kelsen: Aufsätze zur Ideologiekritik (mit einer Einl. hrsg. von Ernst Topitsch), Neuwied 1964.
- Kurt Lenk (Hg.): Ideologie - Ideologiekritik und Wissenschaftssoziologie ISBN 3593334283
- Karl Marx, Friedrich Engels: in Marx-Engels-Jahrbuch 2003. Die Deutsche Ideologie ISBN 3050038373
- Karl Popper: Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde ISBN 3161459512 (Band1) ISBN 3825217256 (Band 2)
- Ernst Topitsch: Vom Ursprung und Ende der Metaphysik, Wien 1958, 2. Aufl. München 1972 (DTV).
- Ernst Topitsch: Gottwerdung und Revolution, München 1973.
- Ernst Topitsch: Erkenntnis und Illusion, Hamburg 1979, 2. erw. Aufl. Tübingen 1988.
- Ernst Topitsch: Heil und Zeit. Ein Kapitel zur Weltanschauungsanalyse, Tübingen 1990.
- [http://www.sicetnon.org/modules.php?op=modload&name=PagEd&file=index&topic_id=52&page_id=381 Reinhard Heil: Subjekt und Ideologie - Althusser - Lacan - Zizek]

Weblinks


- [http://www.gkpn.de/ Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg]
- [http://www.gkpn.de/AUKALLE.HTM#so8 Aufklärung und Kritik, Sonderheft 8/2004, Schwerpunkt: Ernst Topitsch ]
- http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/hermeneutik/ideologiekritik.htm
- http://www.hausamgern.ch/alle/ideologie_2.html Kategorie:Ideologie Kategorie:Politik Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Soziologie ja:イデオロギー

Griechische Sprache

Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen. Siehe: Griko in Italien Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden. Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis 1453) grc.

Geschichte

1453 Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist. Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert. Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden. Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt. Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus). Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt. Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.

Grammatik

Altgriechisch

Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie. Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen. Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.

Nominale Wörter

Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Genera

- (allgemeine) Regeln:
  - Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
  - Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
  - Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache. Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
  - echter Akkusativ (direktes Objekt)
  - adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
  - echter Genitiv (Bereich)
  - Separativ (Herkunft)
- Dativ
  - echter Dativ (indirektes Objekt)
  - Soziativ (Gemeinschaft)
  - Instrumental (Mittel)
  - Lokativ (Ort, Zeit)

Verben

Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm. Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt. Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen) Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung. Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens) Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt. Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten). Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.) Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung. Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden. Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck. Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint. In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt. Der Imperativ drückt einen Befehl aus. Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt). Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung. Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus. Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn: Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.) Beispiele: Aktiv: er löst (etwas) transitives Medium: er löst (etwas) für sich intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Personen
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural). Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.

Neugriechisch (Dimotiki)

Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation. Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache: Vokale geschlossen halbgeschlossen offen Alle Vokale werden kurz ausgesprochen. laut IPA Konsonanten p t k b d g v δ z γ f θ s χ m n l r

Siehe auch


- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen

Literatur


- Geschichte:
  - Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
  - Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
  - Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
  - Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
  - Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
  - Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
  - Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
  - Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
  - Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
  - Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992

Weblinks


- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Einzelsprache als:Griechische Sprache ja:ギリシア語 ko:그리스어 ms:Bahasa Greek simple:Greek language th:ภาษากรีก

Synonym

Synonymie (aus dem Griechischen συνώνυμος synónymos für gleichnamig) ist eine Beziehung zwischen lexikalischen Zeichen. Ein Synonym ist ein lexikalisches Zeichen, das die gleiche Bedeutung hat wie ein anderes lexikalisches Zeichen. Das Synonym für das Synonym ist das Ersatzwort. Eine etwas davon abweichende Bedeutung von Synonym findet man bei Aristoteles (vgl. Kategorienschrift 1): Zwei Dinge sind synonym, wenn sie
- dieselbe Bezeichnung und
- dieselbe Definition aufweisen.

Formen der Synonymie

Man unterscheidet strikte oder partielle Synonymie (Bedeutungsähnlichkeit).

Strikte Synonymie

Strikte Synonymie setzt nicht nur voraus, dass zwei lexikalische Zeichen die gleiche denotative Bedeutung haben, sondern auch, dass sie in allen Kontexten austauschbar sind und in allen Kontexten die gleiche Wirkung haben. Beispiele für strikte Synonymenpaare im Deutschen sind nach allgemeiner Anschauung: Orange – Apfelsine; Streichholz – Zündholz. Allerdings ist hier bereits einzuwenden, dass diese Art von Synonymie beim Paar Orange - Apfelsine nur für die Nordhälfte des deutschen Sprachgebiets gilt. In der Deutschschweiz etwa und in Österreich ist Apfelsine klar als Teutonismus markiert. Das Vorkommen dieses Ausdrucks in einem Text würde diesen klar als in Norddeutschland handelnd situieren, in Texten, die in der Schweiz oder Österreich spielen, würde das Wort befremdlich klingen. Auch dieses Beispiel kann demnach nur als Bedeutungsähnlichkeit gewertet werden. Auch in Bayern würde der Gebrauch des Wortes Apfelsine einen "Zugereisten" oder Urlauber kennzeichnen.

Partielle Synonymie

Ein Beispiel für ein nicht-striktes Synonymenpaar ist durcheinander – wirr, wie an den folgenden Beispielen deutlich wird: :1. Er wirkt heute etwas durcheinander = Er wirkt heute etwas wirr. :2. Seine Rede heute war etwas wirr ≠ Seine Rede heute war etwas durcheinander. Partielle Synonyme werden auch Homoionyme genannt. Folgende Aspekte der konnotativen Bedeutung bewirken, dass zwei lexikalische Zeichen bei gleicher denotativer Bedeutung nicht den strengen Anforderungen strikter Synonymie genügen:
- Regionale Differenzierung: Metzger – Fleischer; Brötchen – Schrippe
- Natives Wort vs. Fremdwort: Fahrstuhl/Aufzug – Lift
- Fachwort vs. Laienwort: Rechner – Computer
- Lateinischer Ursprung vs. germanischer Ursprung: vertikal – senkrecht In den meisten alltäglichen Verwendungssituationen genügt das weniger strikte Kriterium der Ersetzbarkeit salva veritate in typischen Kontexten, um ein Paar lexikalischer Zeichen als Synonyme zu identifizieren: :3. (a) Er sitzt schon wieder am Computer <

> (b) Er sitzt schon wieder am Rechner. Aus dem in Satz 3a beschriebenen Sachverhalt folgt notwendigerweise der in Satz 3b beschriebene Sachverhalt und umgekehrt.

Synonymie zwischen sprachlichen Zeichen verschiedenen Typs

Synonymie besteht nicht nur zwischen lexikalischen Zeichen des gleichen Typs:
- Ein einwortiges lexikalisches Zeichen kann mit einem mehrwortigen lexikalischen Zeichen synonym sein (störendazwischenfunkenin die Quere kommen)
- Ein Wortbildungsmittel kann mit einem einwortigen oder mehrwortigen lexikalischen Zeichen synonym sein (Online-im Netz)
- Eigennamen, vor allem Produktnamen, können sich zu generischen Termen und damit zu Synonymen für die Produktbezeichung entwickeln, zum Beispiel Tempo für Papiertaschentuch. Derartige Synonyme nennt man auch Begriffsmonopol. Es gibt synonymische und nichtsynonymische Kontexte. In synonymischen Kontexten können Wörter einer Synonymgruppe trotz inhaltlicher und stilistischer Nuancen gegeneinander ausgetauscht werden, zum Beispiel "lachen" gegen "wiehern" oder "fotografieren" gegen "aufnehmen/knipsen". In synonymischen Kontexten werden die inhaltlichen Unterschiede nicht aktualisiert, sodass die Grundlage für eine Austauschbarkeit gegeben ist. Nur die Gemeinsamkeiten des Inhalts werden angesprochen. Aus den Spezialsemen (= besonderen Bedeutungsmerkmalen) ergibt sich eine Ähnlichkeit, die sowohl Gleichheit wie Unterschiedlichkeit einschließt. Zu bemerken ist, dass die konnotative (= die Nebenbedeutung, Begleitbedeutung betreffende) Differenz die Synonymitätsstiftung nicht beeinflussen kann, sofern sie die denotative Ähnlichkeit nicht überdeckt. In nichtsynonymischen Kontexten sind die gleichen Wörter jedoch nicht austauschbar, weil ihre speziellen Inhalte aktualisiert, hervorgehoben werden. Man könnte sogar von "Augenblicksantonymen" sprechen, weil in diesem Kontext die unterscheidenden Merkmale Dominanzseme (Sem = Bedeutungsmerkmal)werden, sodass die eigentlichen Synonyme nicht austauschbar sind, sondern in Opposition stehen, zum Beispiel: Dann knipse ich mal. Sonst fotografiere ich ja/Das ist kein Kamm, das ist eine rostige Läuseharke/Ich habe keinen Laden, ich habe einen Salon.

Synonymwörterbücher

Synonymwörterbücher gehören zu den Wörterbüchern mit eingeschränktem Informationsprogramm. Zum jeweiligen Stichwort werden die sinn- und sachverwandten Wörter angegeben. Da absolute Synonymie selten ist, geben die meisten Wörterbücher dieses Typs eher bedeutungsähnliche Wörter an. Benutzer dieser Wörterbücher müssen deshalb über einen hohen Grad von Sprachkompetenz verfügen, um für einen bestimmten Kontext das passende Synonym auswählen zu können. Man unterscheidet zwei Arten von Synonymwörterbüchern:
- distinktive Synonymiken spezifizieren die Lesarten von polysemen Lexemen und ordnen die bedeutungsähnlichen Wörter der jeweiligen Lesart zu (Bsp.: durcheinander (Person) - verwirrt; durcheinander (Sachen) - chaotisch, vermischt, wie Kraut und Rüben); eine distinktive Synonymik des Deutschen ist Schülerduden. Die richtige Wortwahl.
- kumulative Synonymiken ordnen die einem Lexem ähnlichen lexikalischen Zeichen ohne Unterscheidung der Lesarten diesem Lexem zu; eine kumulative Synonymik ist Duden Band 8. Die sinn- und sachverwandten Wörter. Synonymenwörterbücher werden häufig verwendet, um in einem Text zu häufige Wiederholungen eines Wortes zu vermeiden. Sie können auch für die systematische Wortschatzarbeit im Zweitsprachunterricht herangezogen werden. Das Gegenteil der Synonymie ist die Antonymie.

Literatur


- D. Alan Cruse: Lexical Semantics. Cambridge:CUP 1987
- Bulitta, Erich und Hildegard: Das große Lexikon der Synonyme. Taschenbuch. Frankfurt. Fischer Verlag, 2005
- Bulitta, Erich und Hildegard: Wörterbuch der Synonyme und Antonyme. Taschenbuch. Frankfurt. Fischer Verlag, 2003
- Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart. Alfred Kröner Verlag, 2002
- Kurz, Michael: Das neue Wörterbuch der Synonyme. Taschenbuch. München. Econ-Ullstein-List-Verlag, 2001
- John Lyons: Linguistic Semantics. An Introduction. Cambridge:CUP 1995
- Der Große Duden. Band 8: Vergleichendes Synonymwörterbuch.Bearbeitet von Paul Grebe, Wolfgang Müller und weiteren Mitarbeitern der Dudenredaktion, 1964
- Schülerduden. Die richtige Wortwahl. Hg. von Wolfgang Müller. Mannheim:Dudenverlag, 1977
- Duden. Die sinn- und sachverwandten Wörter. Synonymwörterbuch der deutschen Sprache. Hg. von Wolfgang Müller. Mannheim:Dudenverlag 1997grgqe

Weblinks


- [http://wortschatz.uni-leipzig.de/ wortschatz.uni-leipzig.de/ - Datenbank mit Synonymen der Universität Leipzig]
- [http://www.woerterbuch.info/ www.woerterbuch.info - Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 500.000 Übersetzungen und über 125.000 Synonymen]
- [http://dict.leo.org/?lang=de&lp=ende/ http://dict.leo.org - Deutsch-Englisch Wörterbuch]
- [http://www.xipolis.net/ www.xipolis.net - Brockhaus Duden Neue Medien GmbH - Online Bibliothek des Wissens]
- [http://www.duden.de/ www.duden.de - Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG]
- [http://www.ditext.com/quine/quine.html Willard Van Orman Quine, "Two Dogmas of Empiricism" (1951)] Kategorie:Semantik Kategorie:Rhetorischer Begriff ja:類義語 simple:Synonym

Weltanschauung

Eine Weltanschauung ist ein umfassendes Konzept oder Bild des Universums und der Beziehung zwischen Mensch und Universum. Sie umfasst die Menge bestimmter Meinungen, als organischer Gesamtheit, über die Welt als Grund, Boden und Bühne der menschlichen Existenz, des menschlichen Handelns. Das umfasst Anschauungen über: Wissenschaft, Philosophie, Politik, Wirtschaft, Ökologie, Umwelt, Kultur, Bräuche, Religion, Ethik, Werte, Moral, Kindererziehung bis hin zur Ernährung. Das Wort findet sich zuerst in dem Buch Kritik der Urteilskraft (§ 26; 1790) von Immanuel Kant. Eine Weltanschauung gibt einen Begriff davon, wie die Welt funktioniert und strukturiert ist (was ist die Wirklichkeit), gibt eine Erklärung dafür, warum die Welt so funktioniert und strukturiert ist (warum ist die Wirklichkeit so), und eine Extrapolation dieser Funktion und Struktur in die Zukunft (wie wird sich die Welt entwickeln). Weiter beinhaltet eine Weltanschauung ethische Werte, die sich aus dieser Sicht der Wirklichkeit ableiten lassen und eine Epistemologie. Weltanschauungskritik wird von anderen Weltanschauungen geübt, wissenschaftlich erscheint sie als Ideologiekritik Weltanschauungen beinhalten die Antwort auf Fragen wie
- Was ist die Wirklichkeit?
- Was ist die Natur der Welt?
- Was ist ein Mensch? Welches Menschenbild haben wir?
- Was geschieht nach dem Tod?
- Warum ist es möglich, überhaupt etwas zu wissen?
- Woher wissen wir, was richtig, was wahr und was falsch ist?
- Was ist der Sinn der menschlichen Geschichte?
- Gibt es einen Gott?
- Hat der Mensch einen freien Willen? Irgendeine Art von Weltanschauung, die solche Fragen beantwortet, dürfte jeder Mensch haben - eine persönliche Weltanschauung kann allerdings mehr oder weniger durchdacht, logisch aufgebaut und konsequent sein. Bezieht sich der Begriff Weltanschauung auf ein bestimmtes Gebiet, z.B. Kindererziehung, so spielen vielfältige andere Überzeugungen aus anderen Bereichen ein, z.B. Ethologie, Biologie, Religion, Erziehungswissenschaften, sowie Kultur und Tradition. Eine Weltanschauung intendiert einen mehr oder weniger konsistenten (in sich stimmigen) und integralen Sinn- und Bedeutungsraum der menschlichen Existenz und schafft so den Rahmen für Bildung, Kultur und Wissen, bzw. bezüglich des Einzelnen, ein Umfeld für seine Bildungsanstrengungen, sein kulturelles Leben, seine Kulturbeflissenheit und sein Lernen. Zu allen Zeiten haben vor allem Religionen und politische Systeme Weltanschauungen vertreten und gelehrt; oft waren sie selbst sogar Weltanschauungen. Beispielsweise Judentum, Christentum, Islam, Sozialismus, Marxismus, Scientology, Humanismus, Nationalismus könnten Weltanschauungen genannt werden, sie generieren und liefern aber eindeutig unterscheidbare Weltanschauungen. Natürlich gibt es dabei aber auch Überschneidungen, so existieren z.B. christliche Sozialisten oder jüdische Humanisten. Manche Weltanschauungen sollen bestimmte Formen von Macht legitimieren bzw. delegitimieren, indem sie Herkunft und Basis der Macht erklären - beispielsweise sah der Monarchismus die Macht des Königs als von Gott verliehen an, in der Demokratie (Volksherrschaft) geht die Macht von der gesamten Bevölkerung als Souverän aus. Weltanschauungen können Diskussionen anregen oder auch zerstören beziehungsweise verhindern, z.B. wenn man sich nicht gemeinsam auf Axiome oder ethische Grundsätze einigen kann. Interkulturelle Dialoge und interreligiöse Dialoge bezeugen die Interessen der Menschen, gemeinsame Werte zu fördern und gemeinsame Probleme zu lösen, anstatt Unterschiede zu betonen. Beispiel: [http://www.jcrelations.net/ Jüdisch-Christlicher Dialog] Historisch ändern sich Weltanschauungen langsam und binden große, oft nicht hinterfragte Unterstützung (siehe: Sozialer Wandel, Fundamentalismus). Der Postmodernismus proklamierte (unter anderem) die Idee des sich stets wandelnden Weltverständnisses, sich stets wandelnder Weltanschauung. Beispiele für Weltanschauungen:
- Atheismus
- Agnostizismus
- Deismus
- Existenzialismus
- Materialismus
- Naturalismus (Brights)
- Nationalsozialismus
- New Age
- Nihilismus
- Pantheismus
- Postmodernismus
- Theismus
- Skeptizismus Interessant ist, dass das Wort Weltanschauung ins Englische entlehnt wurde, da es ein englisches Äquivalent dieses Begriffes nicht gibt. Allerdings ist world view auch eine akzeptable Übersetzung und wird auch häufiger verwendet als weltanschauung. Victor Klemperer sieht in seinem Buch LTI den Begriff Weltanschauung kritisch. Der Begriff sei in der Zeit des Nationalsozialismus' geprägt worden. Der Begriff "Weltanschauung" war jedenfalls Adolf Hitlers Umschreibung in seinem Buch "Mein Kampf" für eine, auf rassistische und sozialdarwinistische Hypothesen gestützte Werteordnung.

Naturwissenschaft

Es wird manchmal behauptet, auch die Naturwissenschaft bzw. Wissenschaft im Allgemeinen müsse als Weltanschauung betrachtet werden, weil bereits ihre Methodik von unbeweisbaren Axiomen ausgehe. Dies ist jedoch ein falscher Schluss. Eine Weltanschauung trifft Aussagen darüber, ob unbeweisbare Axiome wahr sind, wohingegen Wissenschaft von ihnen nur ausgeht, unabhängig davon, ob sie tatsächlich wahr sind oder nicht (darüber wird keine Wertung getroffen). Wenn im Zusammenhang mit Naturwissenschaft von einer Weltanschauung gesprochen wird, so ist meist der Naturalismus gemeint, der im Gegensatz zur Naturwissenschaft die Aussage macht, die Axiome der Naturwissenschaft seien tatsächlich wahr. Beiden Begriffe werden häufig von Anhängern unwissenschaftlicher Theorien sowie im Widerspruch zur Naturwissenschaft stehender Weltanschauungen gleichgesetzt. Dadurch soll der Eindruck erweckt werden, letztendlich stünde Naturwissenschaft mit allen Weltanschauungen auf einer Ebene, obwohl es sich nicht um vergleichbare Begriffe handelt. Möglich ist im Gegensatz dazu der Vergleich von anderen Weltanschauungen mit dem Naturalismus. Beim Versuch, neue Anhänger zu finden, wird von Vertretern dem Naturalismus widersprechender Weltanschauungen oft betont, alle Weltanschauungen seien gleichwertig. Dabei wird zwar manchmal erwähnt, dass man die Wahrheit der Axiome der Naturwissenschaft anzweifeln muss, um eine dem Naturalismus widersprechende Weltanschauung in Erwägung zu ziehen, jedoch werden äußerst selten diese Axiome konkret aufgelistet (z.B. die Widerspruchsfreiheit der Logik), und so gut wie nie wird erwähnt, warum sie äußerst plausibel sind (z.B. dass es bis heute trotz täglicher Verwendung der Logik niemandem gelungen ist, diese Widerspruchsfreiheit zu falsifizieren).

Siehe auch

Weltbild, Metaphysik, Ontologie, Ideologie

Weblinks

#[http://www.religion-online.info Info-Portal Religion] #[http://lexikon.idgr.de/a/a_d/adler-manfred/adler-manfred.php Manfred Adler Antijudaismus] #[http://www.jcrelations.net/de/?id=1955 Glaube an Gott und „Idee Mensch“ nach Auschwitz] #[http://www.judentum.net/deutschland/gruenberg.htm Antisemitismus als massenpsychologisches Phänomen] #[http://www.dittmar-online.net/religion/naturalismus.html Naturalismus versus Supernaturalismus] Kategorie:Philosophie (Sonstiges) Kategorie:Wortexport ! ja:世界観

Weltbild

Unter dem Weltbild versteht man die Grundüberzeugungen eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen.

Allgemeiner Überblick und Einführung in den Begriff

Das Weltbild ist die Summe aller Begriffe, Vorstellungen und Einschätzungen, allen Wissens und Glaubens, aller Erfahrungen und Erkenntnisse auf deren Grundlage jeder Mensch (und Gruppen von Menschen) die Welt um sich herum begreift, und demgemäß er seine Handlungen plant. Weltbilder sind nichts statisches, sondern verändern sich im Laufe des Lebens eines Menschen und der Geschichte der Menschheit. Im Begriff Weltbild vermischen sich die Tatsachen und Wahrheiten, die man über die Umwelt und die einen umgebende Gesellschaft anerkennt und die eigenen Ziele, die man im Leben erreichen will. Mit dem eigenen Weltbild verknüpfen sich auch die Werte, die man als besonders wichtig einschätzt.

Philosophische Betrachtung des Begriffs "Weltbild"

Das Weltbild bezeichnet - zum Unterschied von einer Weltanschauung, die synthetisierend und systematisierend eine in sich geschlossene, einheitliche aktive Auffassung von der Welt darstellt und die Ergebnisse der einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen unter einem einheitlichen Gesichtspunkt subordiniert - in der Regel (im allgemeinen Sprachgebrauch werden oft beide Begriffe undifferenziert verwendet) die Synthese der Ergebnisse einer einzigen Einzelwissenschaft. So wird z.B. vom Weltbild der Physik, der Astronomie, der Biologie u.a., wobei die einzelnen Weltbilder jeweils im Verhältnis der Koordination stehen, so dass dabei Widersprüche auftreten können. Zum Unterschied von der Weltanschauung ist das Weltbild oft nicht bewusst philosophisch reflektiert. Insofern ist das Beharren bei einem bloßen einzelwissenschaftlichem Weltbild ein Moment des Positivismus. Im Bereich des Begriffs "Weltbild" dominiert zwar das Gegenständliche, es wird aber auch von einem historischen, psychologischen Weltbild u.a. gesprochen. Das Gegenständliche wurde zunächst auf lange Zeit durchaus als "Bild", d.h. anschaulich, aufgefasst. Die Erkenntnisse der modernen Physik haben hierin einen gewissen Bedeutungswandel herbeigeführt, indem sich vor allem die Elemente des Gegenständlichen, die Elementarteilchen, als komplizierte, unanschauliche Strukturen erwiesen und auch die Struktur des Raumes weitgehend ihren anschaulichen Charakter verlor. Das grundlegende und umfassende Weltbild, das der Physik (einschließlich der Astronomie), wird heute vor allem durch die Kenntnisse der theoretischen Physik (Relativitätstheorie, Quantentheorie, Theorie der Elementarteilchen) bestimmt. Nach einem Ausspruch von Max Planck gewinnen die ursprünglich unanschaulichen Verhältnisse des modernen physikalischen Weltbildes nach längerer Beschäftigung mit ihnen eine Art von Anschaulichkeit. Dieses, durch die entwicklungsgeschichtlich gegebene Struktur des menschlichen Erkenntnisapparates bedingte Streben nach Anschaulichkeit ist letztlich die Ursache dafür, dass der Mensch sich ein "Bild von der Welt" aneignen will. Dabei findet entsprechend dem fortschreitenden Prozess der menschlichen Erkenntnis eine Entwicklung des Anschauungsvermögens statt, die sich in einer angenäherten Transformation rationaler, abstrakter Erkenntnisse in Anschauliches oder Quasi-Anschauliches äußert. Das Weltbild beschränkt sich demnach nicht in mechanistischer Weise auf Grob-Sinnliches. Auch hierin zeigt sich die Dialektik von Sinnlichem und Rationalem im Erkenntnisprozess. siehe auch Anschaulichkeit, Kopernikanische Wende

Weltbilder

(hier gibt es viele Überschneidungen)
- kosmisches Weltbild
- naturwissenschaftliches Weltbild
- wirtschaftlich-kapitalistisches Weltbild
- konservatives traditionalistisches Weltbild
- religiöse Weltbilder
- philosophisch begründete Weltbilder
- esoterische und/oder mystische Weltbilder
- Heliozentrisches Weltbild
- Geozentrisches Weltbild
- Kopernikanisches Weltbild
- Buddhistisches Weltbild

Siehe auch


- HohlweltMenschenbildNaturwissenschaftPhilosophieReligion
- FundamentalismusIdeologieSinn des Lebens
- liberalkonservativSozialismus
- ChristentumIslamEsoterikKapitalismus
- In den Wikibooks gibt es ein Buch zum naturwissenschaftlichen Weltbild:

Weblinks


- [http://www.thorwalds-internetseiten.de/weltbildindex.htm Sammlung von Weltbildtexten und Links zu Weltbildseiten einzelner Menschen]
- [http://de.wikibooks.org/wiki/Natur| Grundlagen des naturwissenschaftlichen Weltbildes]
- [http://de.wikibooks.org/wiki/Einführung_in_das_Christentum|Christliches Weltbild] Kategorie:Weltanschauung Kategorie:Philosophie (Sonstiges) ja:世界観

Aufklärung

Als Aufklärung werden bezeichnet:
- die sexuelle Aufklärung, auch Sexualaufklärung
- die militärische Aufklärung (vgl. Aufklärer), militärische Geheimdienste
- die ärztliche Aufklärung: Information eines Patienten über eine Erkrankung und geplante Therapiemaßnahmen
- das Zeitalter der Aufklärung, einen durch fortschreitende Erkenntnis geprägten gesellschaftlichen Emanzipationsprozess; im engeren Sinne der Aufklärungsprozess des 17. und 18. Jahrhunderts
- die Klärung eines Sachverhalts, insbesondere eines Verbrechens
- die Belehrung, Information über gesellschaftliche oder politische Fragen
- im weiteren Sinn die Fortschritte des menschlichen Geistes in der gesamten Geschichte der Menschheit, die evolutionäre Überwindung von Wahn und Gewalt, gleich Menschwerdung im umfassendsten Wortsinn
- der Himmel klärt sich auf (wird klar; frei von Wolken)

Aberglauben

Der Begriff Aberglaube wird meist abwertend für einen Glaubenssatz oder ein Glaubensgebilde gebraucht, das – dem eigenen gegenübergestellt – als irrational, unvernünftig, nutzlos (manchmal auch unmenschlich), und deswegen als unterlegen betrachtet wird. Häufig wird er im Zusammenhang mit mangelnder Bildung, dem Mittelalter (Aufklärung), oder auch nicht-monotheistischen Religionen und Kulten gebraucht. Für einen Atheisten oder Marxisten kann jedoch auch etwa der christliche Glaube Aberglauben darstellen. Aberglaube ist demnach die Summe alles Nicht-Rationalen. In der Psychologie ist Aberglaube eng verwandt mit Begriffen wie Magisches Denken, Selbsterfüllende Prophezeiung, Mythos der eigenen Unverletzbarkeit (siehe Arbeitssicherheit), Glaube an das "todsichere System" beim Glücksspiel (siehe Wahrscheinlichkeit). Er entsteht z.B. bei nichtdeterministischen Experimenten (z.B. die abergläubische Ratte, Belohnungssysteme, die der Lernkurve folgen, siehe Paul Watzlawick). Aberglaube und magische Praktiken sind auch entwicklungspsychologisch relevant, da Kinder in einer so genannten Phase des Egozentrismus sich einem magisch-abergläubischen Weltbild zuwenden können. Außerdem können (Wander-)Sagen zum Aberglauben beitragen, wenn sie uns glaubwürdige Ereignisse schildern und wir damit deren Eintrittswahrscheinlichkeit überschätzen.

Verwendung

Meist besitzt ein als abergläubisch bezeichnetes Weltbild eine weniger in sich geschlossene logische Struktur, als sie beispielsweise von den Scholastikern für die katholische Kirche aufgebaut wurde. Es gibt starke regionale Unterschiede – die aber durch moderne Medien und die neueren Möglichkeiten der Kommunikation immer mehr verwischen – und die einzelnen Spielarten grenzen sich gegeneinander weniger stark ab, als dies bei den Weltreligionen der Fall ist. Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass zwischen konkurrierenden Formen des Aberglaubens unbedingt eine größere Toleranz bestehen muss. Der Grund für das fehlende Grundgerüst ist häufig in der Christianisierung des ursprünglichen Volksglaubens zu sehen, wodurch der Unterbau verloren ging und nur Rituale wie das Silvesterschießen oder einzelne Zeremonien z.B. bei Totenfeiern erhalten blieben oder sich als katholisch gebilligter Heiligenglauben versteckten.

Geschichte

Der Begriff Aberglaube taucht in der christlichen Religion am Ende des Mittelalters auf, er sollte Abweichungen von der geltenden Kirchenlehre anprangern und ins Abseits stellen. Die Bekehrung der Heiden war in Europa zwar abgeschlossen, doch die lokalen Volksglauben lebten in gewissen Grenzen weiter. Zauber, Amulette, Böser Blick, heilige Bäume und heilige Haine, nichts sollte die Christen von dem wahren Glauben und der Heilsbotschaft ablenken, kein anderes Heil sollte der einzig gültigen Religion konkurrieren dürfen. Die Gnade, den Ablass der Sünden und die Erlösung sollte es nur innerhalb der einzig gültigen Kirche geben. Andererseits wollte man mit der Bezeichnung Aberglaube auch all den neuen, vorreformatorischen und sektiererischen Einflüssen entgegenwirken. Alle Kirchenkritiker und Abweichler, die Ketzer, sollten damit in die gleiche Position wie die Hexen und Zauberer gebracht werden. Und auch auf sie wartete die Inquisition. Die meisten Kulturen außerhalb Europas, besonders diejenigen, die nicht mit monotheistischen Religionen leben, kennen auch den Begriff "Aberglaube" nicht. Da wird meistens die Vorstellung der Andersgläubigen als gleichwertig betrachtet, auch wenn man sich ihr selbst nicht anschließen möchte. Die Infragestellung konventionsabhängiger Glaubensinhalte durch 'Outcasts' wird hingegen oft als Bestätigung der Rechtmäßigkeit ihrer Ausgrenzung betrachtet. Aberglaube liefert aufgrund der narrativen Einbettung seiner Inhalte noch heute viele Hinweise auf das sozio-kulturelle Vorwissen alter Kulturen und ist Objekt zahlreicher volkskundlicher Forschungsarbeiten. Aus volkskundlicher Sicht kann man sagen, dass der Glaube dann zum Aberglauben wird, wenn er mit der sozio-kulturellen Entwicklung nicht mehr Schritt halten kann.

Beispiele

Heutzutage finden sich noch Reste in europäischen Kulturkreisen, wie etwa die Zahlenmystik, der Glaube, dass schwarze Katzen beim Vorübergehen aus einer bestimmten Richtung Pech bringen, oder dass es unvorteilhaft für das Lebensglück ist, unter einer Leiter hindurch zu gehen. Gleichzeitig vermittelt ein 4-blättriges Kleeblatt Glück (evtl. allein nur es gefunden zu haben), genauso wie sich der Ruß eines Schornsteinfegers zum persönlichen Glück wendet. Daneben finden sich noch eine Unzahl Bauernregeln, die besonders auf die bäuerliche Wetterprognose sowie auf Tätigkeiten rund um Haus und Hof (germanischer Stabreim) beziehen. Daran angelehnt kann man den so genannten Mondkalender sehen, wie er auch heute noch zur optimalen Bestimmung von Pflanz-, Gieß- und Erntetätigkeiten, aber auch zur persönlichen Hygiene wieder vermehrte Verbreitung in den Massen erfährt. Häufig entsteht auch ein persönlicher Aberglaube wie zum Beispiel die "Glückssocke", die ihrem Träger zu bestimmten Anlässen beisteht, wenn er sie nur trägt. Diese Art Aberglaube entsteht durch die falsche Zuordnung von Ursache und Wirkung und ist eine der häufigsten Arten des nicht-religiösen Aberglaubens. Seltener entspringt Aberglaube einem überlieferten Handlungswissen, für das sich bislang keine Erklärung fand. Aber auch eine Vielzahl der Angebote auf dem Esoterik-Markt stellen nichts anderes als Aberglauben dar.

Bewahrheiteter Aberglaube

Für bäuerlichen Aberglauben hielt man z.B. die Auffassung, dass dort, wo Berberitzen wachsen, die Getreide-Krankheit Schwarzrost auftritt, bis man wissenschaftlich nachweisen konnte, dass die Berberitze Zwischenwirt des Pilzes ist, der die Krankheit auslöst. Siehe auch: Gewitterkerze, Glückskatze, Holunder, Schluckbildchen, Glückshaube, Hubertusschlüssel

Literatur


- Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 10 Bände. De Gruyter, Berlin und Leipzig 1929-1942 (unveränderter Nachdruck 2000: ISBN 3-11-016860-X)

Weblinks


- [http://www.eurasien.net/antworten/?aktion=antwort&text=idole Aberglaube im Buddhismus]
- http://www.zum.de/Faecher/kR/BW/wagner/abergl1.htm
- http://members.aon.at/konrad.unger/chronik/aberglaube.htm Kategorie:Religion Kategorie:Volksglaube ja:迷信 ko:미신 th:ความเชื่อโชคลาง

1796

Ereignisse


- 14. Mai: der britische Landarzt Edward Jenner führt die weltweit erste Impfung durch: gegen Pocken. Am 1. Juli versucht er, den geimpften Jungen mit dem Pockenvirus zu infizieren und stellt so die Wirksamkeit des Serums fest
- 1. Juni: Beitritt Tennessees zu den USA
- 17. November: Napoleonische Kriege: In der Schlacht von Arcole (Italien) siegen die Franzosen unter Napoléon Bonaparte über die Österreicher
- 16. Dezember: Beim Untergang des französischen Linienschiff Séduisant (74 Kanonen) vor Brest sterben 680 Besatzungsmitglieder und Soldaten. Das Schiff gehört zu einer Flotte, die französische Truppen nach Irland bringen und dort eine Revolte gegen die britische Herrschaft entfachen soll
- Beginn der britischen Herrschaft über Sri Lanka

Kultur


- 26. Oktober: Uraufführung der Oper Christophe et Jérôme ou La Femme hospitalière von Henri Montan Berton an der Opéra-Comique in Paris

Geboren


- 22. Januar: Karl Ernst Claus, Chemiker, der das Ruthenium entdeckte († 1864)
- 1. Februar: Abraham Emanuel Fröhlich, Schweizer Theologe und Schriftsteller († 1865)
- 5. Februar: Johannes von Geissel, Erzbischof des Erzbistums Köln († 1864)
- 17. Februar: Giovanni Pacini, Italienischer Opernkomponist († 1867)
- 17. Februar: Philipp Franz von Siebold, deutscher, Arzt und Ethnologe († 1866)
- 22. Februar: Adolphe Quetelet, belgischer Mathematiker, Statistiker und Astronom († 1874)
- 28. Februar: Eduard Pistorius, deutscher Genremaler und Radierer († 1862)
- 9. März: Peter van Bohlen, deutscher Orientalist († 1840)
- 18. März: Jakob Steiner, Schweizer Mathematiker († 1863)
- 27. März: Julius Friedrich Heinrich Abegg, deutscher Kriminalist († 1869)
- 10. April: James Bowie, nordamerikanischer Pionier und Trapper († 1836)
- 22. April: Adolphe Crémieux, Rechtsanwalt, Politiker und Journalist († 1880)
- 24. April: Carl Leberecht Immermann, deutscher Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker († 1840)
- 28. April - Johann Nepomuk Zwerger, deutscher Bildhauer († 1868)
- 4. Mai: William Hickling Prescott, amerikanischer Historiker († 1859)
- 5. Mai: Robert Foulis, Erfinder († 1866)
- 9. Mai: August Friedrich Pauly, Philologe († 1845)
- 9. Mai: Joseph Meyer, deutscher Verleger († 1856)
- 24. Mai: Friedrich Kammerer, Erfinder des Streichholzes († 1857)
- 26. Mai: Armand Joseph Bruat, französischer Admiral († 1855)
- 1. Juni: Nicolas Léonard Sadi Carnot, französischer Physiker († 1832)
- 28. Juni: Paul Camille von Denis, Ingenieur und Eisenbahnpionier († 1872)
- 28. Juni: Peter Rigler, Wiederbegründer des Deutschen Ordens († 1873)
- 2. Juli: Michael Thonet, deutscher Industrieller, Pionier des Möbeldesigns († 1871)
- 3. Juli: Heinrich Moritz Chalybäus, deutscher Philosoph (Hegelianismus, Theismus) († 1862)
- 18. Juli: Immanuel Hermann Fichte, deutscher Theologe und Philosoph († 1879)
- 23. Juli: Franz Berwald, schwedischer Komponist und Violinist († 1868)
- 26. Juli: Jean-Baptiste Camille Corot, französischer Landschaftsmaler († 1875)
- 20. August: Armand-Jacques-Achille Leroy de Saint-Arnaud, französischer General und Staatsmann († 1854)
- 2. Oktober: David Roberts, britischer Maler († 1864)
- 4. Oktober: August Wilhelm Bach, deutscher Komponist und Organist († 1869)
- 16. Oktober: Karl Spindler, deutscher Romanschriftsteller († 1855)
- 23. Oktober: Stefano Franscini, Schweizer Statistiker und Politiker († 1857)
- 24. Oktober: August von Platen, deutscher Dichter († 1835)
- 3. November: Friedrich Lennig, Dialektdichter († 1838)
- 24. November: Stephan Ludwig Roth, siebenbürgisch-sächsischer Schriftsteller und Politiker († 1849)
- 30. November: Carl Loewe, deutscher Komponist († 1869)
- 1. Dezember: Friedrich Wilhelm Buttel, Baumeister, Oberbaurat und Hofbaumeister († 1869)
- 17. Dezember: Thomas Chandler Haliburton, kanadischer Schriftsteller († 1865)
- 23. Dezember: George Catlin, US-amerikanischer Maler, Autor und Indianerkenner († 1872)
- 24. Dezember: Fernán Caballero, spanische Schriftstellerin († 1877)
- 25. Dezember: Karl Friedrich von Steinmetz, preußischer Generalfeldmarschall (†1877)
- 29. Dezember: Johann Christian Poggendorff, deutscher Physiker († 1877)
- 30. Dezember: Nikolaus Wesselényi, ungarischer Politiker und Großgrundbesitzer († 1850)

Gestorben


- 1. Januar: Alexandre-Théophile Vandermonde, französischer Chemiker (
- 1735)
- 24. Februar: Karl Aloys von Königsegg-Aulendorf, Weihbischof in Köln (
- 1726)
- 28. Februar: Friedrich Wilhelm Rust, deutscher Komponist (
- 1739
- 8. März: William Chambers, englischer Architekt (
- um 1726)
- 16. April: Johann Friedrich Doles d. J., deutscher Komponist (
- 1746)
- 23. April: Theodor Gottlieb von Hippel, Staatsmann, Schriftsteller und Sozialkritiker (
- 1741)
- 6. Mai: Adolph Freiherr Knigge, deutscher Schriftsteller (
- 1752)
- 12. Mai: Johann Peter Uz, deutscher Dichter (
- 1720)
- 21. Juni: Richard Gridley, Britisch-amerikanischer Militäringenieur (
- 1710)
- 21. Juli: Robert Burns, britischer Dichter (
- 1759)
- 21. Juli: Philipp Carteret, englischer Seefahrer und Entdecker (
- 1733)
- 6. August: David Allen, britischer Maler und Zeichner (
- 1744)
- 1. Oktober: Johann Philipp Jakob von Horn-Goldschmidt, Generalvikar in Köln (
- 1724)
- 16. Oktober: Vittorio Amadeo III., König von Piemont-Sardinien und Herzog von Savoyen (
- 1726)
- 6. November: Katharina II. (Russland), genannt Katharina die Große (
- 1729)
- 21. November: Angelo Soliman, afrikanischer Kammerdiener (
- um 1721)
- 17. November: Katharina II., Zarin von Russland. (
- 1729)
- 15. Dezember: Anthony Wayne, US-amerikanischer General (
- 1745)
- 20. Dezember: Johann Georg Krünitz, deutscher Lexikograph und Enzyklopädist (
- 1728) ko:1796년 simple:1796 th:พ.ศ. 2339

Philosoph

Ein Philosoph (griechisch φιλόσοφος, philósophos - Liebhaber der Weisheit) ist ein Mensch, der nach Platons Symposion die Wahrheit, das Schöne und das Gute liebt, und damit begehrt. Philosophen setzen sich philosophierend, d.h. auf fundamentale Weise, mit Fragen, die sich dem Menschen stellen, auseinander. Dies können beispielsweise Fragen über die menschliche Existenz, oder aber auch (in der gegenwärtigen akademischen Diskussion verbreitetere) Fragen abstrakterer Natur, wie beispielsweise der Frage nach dem, was es gibt (vgl. Ontologie), sein. Die vier großen Fragen der Philosophie und damit der Philosophen lauten nach Immanuel Kant: # Was kann ich wissen? (Die Grenzen des Wissens) # Was soll ich tun? (Das Maß der Freiheit) # Was darf ich hoffen? (Der Sinn des Lebens) # Was ist der Mensch? (Das Wesen der Menschen) Die Frage, wer denn nun ein Philosoph sei, lässt sich unter verschiedenen Gesichtspunkten beantworten: # Unumstritten ist die Bezeichnung "Philosoph" für die "Großen" der Philosophie (wie beispielsweise Platon, Aristoteles und Kant). # Naheliegend scheint die Bezeichnung 'Philosoph' zunächst für diejenigen, die sich (beruflich) mit der akademischen Disziplin der Philosophie beschäftigen. Sehr oft möchten sich diese aber selbst nicht als solche sehen. (Prominentes Beispiel hierfür ist Michel Foucault, der sich selbst "nur" als Kritiker sah.) Ob das nun an eigener Bescheidenheit und Hochachtung für die "Großen" liegt oder eben daran, dass man von einem Philosoph vielleicht viel Weisheit erwartet, kann hier nur vermutet werden. # Als Philosophen werden auch diejenigen bezeichnet, die sich für die oben genannten Fragen interessieren oder sich ganz allgemein durch Scharfsinn und Tiefe in ihren Gedanken auszeichnen - und eben allem auf den Grund gehen wollen. (Eine hierfür beispielhafte Bezeichnung wäre: XY ist der Philosoph unter den Köchen.)

Literatur


- Metzler Philosophen Lexikon. ISBN 3476014282
- Philosophinnen-Lexikon. ISBN 3379015849
- Philosophinnen - Von der Antike bis zur Aufklärung. ISBN 3518393774
- Philosophinnen - Von der Romantik bis zur Moderne. ISBN 3518393782

Weblinks


- http://www.philosophenlexikon.de - Philosophen-Lexikon mit zahlreichen Kurzbiografien
- http://www.anderegg-web.ch/phil/philinhalt.htm
- http://www.philosophinnen.de/
- http://www.philosophenlexikon.de/women.htm Siehe auch: Portal:Philosophie, Liste der Philosophen ! ja:思想家 th:นักปรัชญา

Rationalismus

Der Rationalismus (von lateinisch ratio - Vernunft) ist eine philosophische Strömung, die dem Empirismus, welcher als Mittel der Erkenntnis die sinnliche Wahrnehmung propagiert, entgegen wirkt. Diese Gegenüberstellung stammt aus dem 19. Jahrhundert und sollte nicht so verstanden werden, als ob Rationalisten die Erfahrung und Empiristen die Vernunft als Erkenntnismittel generell ablehnen würden. In den Texten aller rationalistischen Philosophen sind auch empiristische Elemente zu finden, und umgekehrt. Die Unterscheidung lässt sich sinnvollerweise so formulieren: Ein Rationalist legt seiner philosophischen Welterklärung vor allem die vernünftige Schlussfolgerung zu Grunde, während ein Empirist in seiner philosophischen Welterklärung nur solche Hypothesen akzeptiert, die sich auf sinnliche Wahrnehmung zurückführen lassen. Der Rationalismus wurzelte in einem sich vor allem in Frankreich im 17. Jahrhundert ausbreitenden Unmut über die Scholastik mit ihren teilweise unfruchtbaren Spitzfindigkeiten, die nur dem Skeptizismus den Weg bereiten würden. Als Begründer des Rationalismus gilt vor allem René Descartes, der dabei wichtige Anregungen von seinem älteren Freund Marin Mersenne erhielt. Descartes veranschaulichte seine Auffassung von Wissenschaft und Philosophie anhand der Geometrie. Demnach lassen sich die universellen Grundsätze einzig mit Hilfe des Verstandes erschließen. Alle übrigen Fragen der Philosophie und Naturwissenschaften werden durch Deduktion beantwortet. Er behauptete, dass jene Grundsätze nicht mit Hilfe der Sinneswahrnehmung erschließbar seien. Andere Denker, zum Beispiel der niederländische Philosoph Baruch Spinoza und der deutsche Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz, entwickelten den cartesianischen Rationalismus weiter. Er stand im Gegensatz zu den Konzepten der britischen Empiristen John Locke und David Hume, die der Meinung waren, dass die Sinne grundlegende Erkenntnis lieferten. Zudem standen sie den Skeptikern entgegen, die das Erlangen sicherer Erkenntnis für unmöglich hielten. Der erkenntnistheoretische Rationalismus fand auch in anderen Bereichen der Philosophie Verwendung. Er war der Auffassung, dass sich die elementaren Grundsätze menschlicher Moral aus der reinen Vernunft ergäben. Siehe hierzu auch: Naturrecht. Der Deismus, der rationalistische Ansätze hat, beeinflusste die Religionsphilosophie und ging von der Existenz fundamentaler religiöser Prinzipien aus, welche eine Offenbarung sinnlos machen. Siehe auch: Theologischer Rationalismus, Kritischer Rationalismus, Portal:Philosophie, Mu´tazila Kategorie: Erkenntnistheorie ja:合理主義哲学

Aufklärung

Als Aufklärung werden bezeichnet:
- die sexuelle Aufklärung, auch Sexualaufklärung
- die militärische Aufklärung (vgl. Aufklärer), militärische Geheimdienste
- die ärztliche Aufklärung: Information eines Patienten über eine Erkrankung und geplante Therapiemaßnahmen
- das Zeitalter der Aufklärung, einen durch fortschreitende Erkenntnis geprägten gesellschaftlichen Emanzipationsprozess; im engeren Sinne der Aufklärungsprozess des 17. und 18. Jahrhunderts
- die Klärung eines Sachverhalts, insbesondere eines Verbrechens
- die Belehrung, Information über gesellschaftliche oder politische Fragen
- im weiteren Sinn die Fortschritte des menschlichen Geistes in der gesamten Geschichte der Menschheit, die evolutionäre Überwindung von Wahn und Gewalt, gleich Menschwerdung im umfassendsten Wortsinn
- der Himmel klärt sich auf (wird klar; frei von Wolken)

19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert begann am 1. Januar 1801 und endete am 31. Dezember 1900. Es gehört zur Epoche der Neuzeit, die um die Jahrhundertwende zum 16. Jahrhundert begonnen hatte.

Neue Organisationsformen: Der Nationalstaat

Fragt man nach den Organisationsformen, danach in welchen Einheiten sich die Menschen wahrnahmen, dann dürfte dies die große Veränderung sein, die mit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eintrat: Der Nationalstaat wurde als neue politische Institution aufgebaut. Er forderte neue Themen, neue Bildungssysteme, neue wirtschaftliche Strukturen, eine neue Vorstellung seitens derer, die in ihm lebten: die Bereitschaft, sich als Bürger zu sehen und sich dementsprechend zu organisieren. Herrschaft geht im 18. Jahrhundert noch von den Herrschaftshäusern und politischen Parteiungen aus, sowie von mächtigen Adeligen, die hinter den Parteiungen stehen. Kriege werden im 18. Jahrhundert dementsprechend wahrgenommen: Regenten wollen sie, und lassen "ihr" Geld in sie fließen. Militärische Niederlagen werden im 18. Jahrhundert nicht als nationale Demütigungen empfunden, sondern als Teil einer von Regenten gestalteten Machtpolitik. Hier entwickelt sich im 19. Jahrhundert eine ganz neue Wahrnehmung. Sie ist vor allem eine Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege, die von einem ganz neuen Heer getragen werden - einem aus Staatsbürgern zusammengesetzten. Insbesondere Deutschland hat dem französischen Nationalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts wenig entgegenzustellen. Das Heilige Römische Reich ist in Einzelstaaten zersplittert, die von Napoleon gegeneinander ausgespielt werden. Der Reichsverband wird aufgelöst. Deutschlands Intellektuelle fordern in der Reaktion auf die Bedrohung einen Nationalstaat, der erst noch gegründet werden muss, der jedoch auf diesem Weg mit einem ganz neuen Bewusstsein von Staatsbürgerlichkeit ausgestattet wird. Ende des 19. Jahrhunderts sind militärische Niederlagen dann mit enormen nationalen Gesichtsverlusten verbunden. Ein deutsches Heer zieht 1870 durch Frankreich und erzwingt in Versailles, dem traditionelle Ort der von Frankreich ausgehenden Herrschaft ein Eingeständnis der Niederlage, das als nationale Schmach empfunden werden muss (und 1918 eine internationale Gegenantwort, eine verheerende Demütigung Deutschlands nach sich zieht). Nationale Euphorien, wie sie in der Befreiung Griechenlands von den Türken in den 1820ern und im Einigungsprozess Italiens Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommen, bleiben ohne Parallele im 18. Jahrhundert - weder die englische Glorious Revolution von 1688 noch die Französische Revolution waren von vergleichbaren nationalen Sentimenten der Vereinigung begleitet. Europas Intellektuelle wie der Romantiker Lord Byron, der bei einem militärischen Kommando in Griechenland stirbt, entwickeln eine romantische Identifikation mit den neuen nationalen Bewegungen, die vom Volk getragen werden müssen, um zu funktionieren. Authentischer als Politik des 18. Jahrhunderts, echter, den Wurzeln näher, erscheint der neue Nationalismus. Das 19. Jahrhundert legte hier Grundsteine für Entwicklungen die im 20. neue Ausprägungen und globale Dimensionen gewinnen sollten. Der Faschismus und der Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts werden sich als national-völkischen Bewegungen manifestieren. Hochtechnisierte und hochgerüsteten Staaten werden sich hier in romantischen Rückbesinnungen auf Völkische Ursprünge definieren und Konflikte globaler Dimensionen austragen, die die Welt neu ordnen werden.

Die Nation als von ihrer Wirtschaft lebende Einheit

Entscheidende Bedeutung für die Ausbildung des Nationalstaates gewinnt im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung, die ein Ringen um wirtschaftliche Macht zwischen Europas Nationen auslöst. Im 18. Jahrhundert suchen die Regenten Europas nach Möglichkeiten, ihre Staatshaushalte zu sanieren - Staatshaushalte, die im wesentlichen ihre persönlichen familiären Haushalte sind. Geld leihen sie sich von privaten Finanziers, Steuereinnahmen erhöhen sie, soweit dies geht, im besonderen Fall ziehen sie Geld aus der kursierenden Münze. Es geht aus der Sicht der Haushalte des 17. und 18. Jahrhunderts darum, den Abfluss von Edelmetall ins Ausland verhindern. Infrastrukturmaßnahmen, wie die Ansiedlung von Manufakturen, bleiben im 18. Jahrhundert von den Regenten gesteuerte Maßnahmen. Der Kameralismus entwickelt sich als eigene Wissenschaft der wirtschaftlichen Sanierung eines Territoriums durch den Landesherrn. Mit dem 19. Jahrhundert verändert sich die Sicht auf wirtschaftliche Entwicklungen. Großbritannien wurde als Kolonialmacht und als Land der hier früh einsetzenden Industrialisierung bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Wirtschaftsimperium. Amsterdam verlor seine Stellung als zentraler Handelsplatz. London, die Hauptstadt des Commonwealth übernahm diese Position. Die nationale Einigung Deutschlands geschieht am Ende im 19. Jahrhundert maßgeblich in einem Aufholprozess, der auf dem Gebiet des Nationalismus mit Frankreich konkurriert, wirtschaftlich und militärisch jedoch mit dem industrialisierten und hochgerüsteten Großbritannien. Ohne die Industrialisierung, wie sie England leistete, kann das aufstrebende Preußen, die Kernmacht des neuen deutschen Reichs, Großbritannien keine Flotte entgegenstellen, und ohne eine Flotte wird die neue Nation keine Chance haben, noch Kolonien zu akquirieren. Europas Nationen müssen die Rahmenbedingungen für die Industrialisierung stellen, wollen sie einander gegenüber bestehen. Der wirtschaftliche Konzentrationsprozess wird von neuen Debatten begleitet: Mit der Auseinandersetzung um den Liberalismus geht es im 19. Jahrhundert um die Kernfrage, ob dem Nationalstaat mehr mit einer staatlich gelenkten Wirtschaft gedient ist, oder damit, dass er seinen Bürgern und ihrer Initiative größte Freiheit lässt. Der Kommunismus gewinnt in der Auseinandersetzung zwischen deutschen Debatten und der Realität des englischen Wirtschaftssystems Mitte des 19. Jahrhunderts seine Programmatik. Er prognostiziert, dass mit der neuen wirtschaftliche Integration die Klasse der Arbeiter eigene Kontur gewinnt - eine Klasse, die am Ende das Ende der Nationalstaaten herbeiführen wird, eine Weltherrschaft der Arbeiterklasse, gestützt auf die Produktion, die letztlich von der Arbeiterklasse ausgehen muss. Der Sozialismus strebt Kompromisse mit dem Nationalstaat an, soziale Sicherungssysteme, die Massenarmut verhindern und den Staat stabilisieren.

Europas Nationen im Wettbewerb um Kolonien

Der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts geht im wesentlichen bis in das 16. und 17. Jahrhundert zurück, er weist jedoch gänzlich neue Züge auf. Spanien und Portugal nutzten ihr Kolonien vordringlich, um Gold aus ihnen zu beziehen - das Edelmetall war von kurzem Profit, der Goldfluss führte zu einem Preisverfall, weniger jedoch zum Aufbau sich selbst erhaltender wirtschaftlicher Strukturen. Einen zweiten Entwicklungsschub leistete der niederländische Kolonialismus des 17. Jahrhunderts, der Amsterdam zum Weltfinanzort machte. Ihn prägte der Zusammenschluss Amsterdamer Kaufleute in Handelsgesellschaften, die die größere Erschließung von Wirtschaftsräumen zwischenfinanzierten. Importiert wurden aus den Kolonien Handelswaren. Der Reichtum der Niederlande resultierte aus dem Zwischenhandel und der Veredelung von Rohstoffen in Manufakturen des Landes. Was dem niederländischen Kolonialismus fehlte, war die staatliche Deckung, die er in Großbritannien entwickelte. Die Unterwerfung des