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IgboDie Ibo oder Igbo sind eine afrikanische Ethnie von über 20 Mio. in Nigeria, die vor allem im von Savanne unterbrochenen Regenwald östlich des Niger-Unterlaufs lebt.
Sprache
Die Sprache der Ibo gehört zur Familie der Kwa-Sprachen. Die richtige Schreibweise ist jedoch Igbo mit einem "gb" anstatt einem "b" (siehe hierzu: [http://www.moemeke.de/webseite/igbo.html Igbo Deutsch]). Die Sprache wie die Ethnie wird von Sprechern [] ausgesprochen. Siehe auch: pannigerianisches Alphabet, Literatur
Traditionelle Gesellschaft
Die meisten Ibo-Gruppen lebten wie ihre Nachbarn in egalitären Gesellschaftsstrukturen: in autonomen Siedlungen ohne zentrale Autoritäten, jede Großfamilie für sich als unabhängige Einheit unter der Führung einer oder eines Familienältesten. Die Angelegenheiten der Dorfgemeinschaft wurden von einem Ältestenrat beschlossen, dem sowohl Männer als auch Frauen angehören.
Religion
Der "Herr der Erde" hatte das höchste religiöse Ansehen. Er sicherte als Priester der Erdgöttin Ala die Fruchtbarkeit des Landes. Der Erdgöttin steht als ihr Gemahl der Himmelsgott Chi zur Seite. Daneben existieren noch zahlreiche göttliche Nebenmächte und Geister. Besondere Bedeutung hat auch bei den Ibo der Ahnenkult. Bei Bestattungen und Festen treten Maskentänzer auf, die in besonderen Geheimgesellschaften zusammengeschlossen sind.
Kunst
Die Kunst der Ibo (z.B. große Lehmfiguren an Heiligtümern und Altären sowie figürliche und abstrakte Masken) steht meist in religiösem Kontext. 1938 und 1964 wurden im Norden des Ibo-Gebiets (in Igbo-Ukwu) zahlreiche Bronzegerätschaften und die Grabkammer einer hochgestellten Persönlichkeit entdeckt. Die reich verzierten, hervorragend gearbeiteten Bronzen sind im Wachsausschmelzverfahren gegossen. Wenn die Datierung ins 9./10. Jahrhundert richtig ist, handelt es sich um das älteste Zeugnis einer Bearbeitung von Kupfer und seinen Legierungen in Westafrika. Ob die Funde von den Vorfahren der Ibo stammen, ist allerdings unbekannt.
Traditionelle Wirtschaftsweise
Als Nahrungsgrundlage diente der Anbau von Knollenfrüchten, der vielfach durch ausgedehnten Fischfang ergänzt wurde.
Geschichte
Der Ursprung der Ibo ist unklar. Es gibt jedoch mehrere Hinweise, dass dieser in Israel bzw. Ägypten liegen könnte. In den Überlieferungen der Ibo wird von einem Mann namens Eri gesprochen. Es gibt zwei Quellen für den Namen Eri: Im ersten Buch Mose Kap. 46 (Jakobs Reise nach Ägypten) Absatz 16 steht: "Die Söhne Gads: Ziphjon, Haggi, Schuni, Ezbon, Eri..." Des weiteren wurde 1986 in Ägqpten ein Grab eines wenig bekannten Pharaonischen Priesters namens Eri gefunden. Er lebte in der 5. Dynastie von König Teti ca. 2400 v. Chr (Eboh 2004). Ein weiterer Hinweis findet sich z.B. in dem Ibo-Namen "Okpara". "Okpara" bedeutet "ältester Sohn oder erster Sohn". Der Name hat die gleiche Bedeutung und Schreibweise in der Altägyptischen Sprache. Die Ibo hatten eine Geheimsprache namens "nsibidi". Sie bestand aus Zeichen die den Hieroglyphen der Ägypter sehr ähnlich sind.
Die Ibo und ihre Nachbarn hatten bis ins 19. Jahrhundert sehr unter den Sklavenhändlern zu leiden. Um 1900 setzte sich im ganzen Gebiet die britische Kolonialverwaltung durch. Heute sind die Ibo neben den Yoruba und Hausa eine der staatstragenden Gruppen in Nigeria, nachdem ihr Versuch zur Gründung eines eigenen Staates nach jahrelangen blutigen Kämpfen gegen die nigerianische Zentralregierung scheiterte. (Biafra-Krieg 1967-70).
Literatur
Eboh, Simeon Onyewueke. An African Concept of Law and Order. A Case Study of Igbo traditional Society. iko-Verlag. Verlag für Interkulturelle Kommunikation. Frankfurt 2004
ISBN 3-88939-695-X
Igbo-Englisch Wörterbuch und Lernbuch mit 8 Hörkassetten. Bezugsquelle: Dept. of Linguistics, University of California, Los Angeles, USA
Kategorie:Afrikanische Ethnie
Kategorie:Ethnie in Nigeria
Afrika
Afrika ist mit einer Fläche von 30,3 Mio. km² (22 % der gesamten Landfläche der Erde) nach Asien und Amerika der drittgrößte Kontinent und damit ungefähr dreimal so groß wie Europa. Die etwa 906 Mio. Einwohner (Stand Mitte 2005) machen 14 % der gegenwärtigen Weltbevölkerung aus, wobei dieser Anteil durch die hohen Geburtenraten in den nächsten Jahrzehnten vermutlich noch steigen wird. Afrika ist im Norden vom Mittelmeer, im Westen vom Atlantik, im Osten vom Indischen Ozean und dem Roten Meer umgeben. Die Sahara teilt den Kontinent in das hauptsächlich von Arabern bewohnte Nordafrika und das subsaharische Afrika (Schwarzafrika). Geprägt wird der Erdteil von der kulturellen Vielfalt seiner unzähligen Völker, dem Erbe des Kolonialismus, den Folgen der extremen Armut weiter Teile der afrikanischen Bevölkerung sowie dem aktuellen Bemühen, Afrikas Marginalisierung in vielen Bereichen zu überwinden und nachhaltige Lösungen für seine zahlreichen Probleme zu finden.
Etymologie
Im Altertum bezeichnete Africa nur das Gebiet des heutigen Tunesien, der Kontinent wurde Libyen genannt. Der Name wurde vom römischen Senator und Feldherrn Scipio Africanus (Eroberer Karthagos) erstmals verwendet und könnte von einem einheimischen Stamm abgeleitet sein oder auf dem phönizischen afar („Staub“), dem griechischen aphrike („unkalt“), dem lateinischen aprica („sonnig“) oder dem lateinischen Wort Afer (Plural: Afri) beruhen, was soviel wie „Afrikaner, Punier“ bedeutet.
Geographie
Lage
Afrika wird im Westen vom Atlantik, im Osten vom Indischen Ozean und dem Roten Meer und im Norden vom Mittelmeer begrenzt. Die Küstenlänge beträgt 30.490 km, was gemessen an der großen Fläche relativ wenig ist. Die einzige Landverbindung zu anderen Festlandmassen, bzw. zu Asien, bildet der Sinai, der zwischen Afrika und der Arabischen Halbinsel liegt. Europa liegt Afrika an der Straße von Gibraltar und der Straße von Sizilien am nächsten.
Der afrikanische Erdteil ist nur wenig gegliedert; er hat weniger Inseln und Halbinseln als alle anderen Kontinente. Die weitgehend unbesiedelte Sahara trennt das zum Mittelmeerraum gehörende Nordafrika vom südlich gelegenen Schwarzafrika (subsaharisches Afrika).
Der kleinste Staat auf dem Festland, Gambia, ist etwa so groß wie Zypern und der größte, Sudan, ungefähr acht mal so groß wie Deutschland. Die größte Insel ist Madagaskar, die vor der Südostküste Afrikas im Indischen Ozean (Indik) liegt. Die Kanarischen Inseln im Nordwesten und die Städte Ceuta und Melilla zählen zu Spanien und damit zur Europäischen Union.
Gebirge und Berge
Dies sind die 5 höchsten Gebirge bzw. Bergmassive mit ihrem jeweils höchsten Berg in Afrika:
Außerdem zählt der Atlas mit dem Toubkal (4.165 m ü. NN) in Marokko, der Mount Meru (4.562,13 m), ein Inselberg in Tansania, und der Kamerunberg (4.095 m), ein Inselberg in Kamerun, zu den höchsten Gebirgen, Bergmassiven bzw. Bergen des Kontinents.
Gewässer
Flüsse
Der längste Strom Afrikas, der zugleich den längsten der Erde darstellt, ist der Nil (6.671 km). Danach folgen der Kongo (4.374 km), welcher der wasserreichste des Kontinents ist, der Niger (4.184 km) und der Sambesi (2.736 km).
Seen
Die größten Seen Afrikas sind der Viktoriasee (68.870 km²), der nach dem Kaspischen Meer und dem Oberen See der drittgrößte See der Erde ist, der Tanganjikasee (32.893 km²) und der Malawisee (29.600 km²). Die beiden letzteren sind auch mit 1.470 m (und damit zweittiefster der Erde) und 706 m die tiefsten Seen in Afrika.
Stauseen
Die größten Stauseen bzw. Wasserspeicher Afrikas sind das Viktoria-Reservoir, welcher der flächen- (68.870 km²) und volumenmäßig (204,8 Milliarden m³) größte Stausee der Erde ist, der Volta-Stausee (8.482 km²; 153 Mrd. m³) und der Kariba-Stausee (5.580 km²; 180,6 Mrd. m³).
Geologie
Im Norden Afrikas zieht sich das Atlas- oder Maghreb-Gebirge durch die Staaten Marokko, Algerien und Tunesien, das zusammen mit den Alpen im Zuge der Annäherung der afrikanischen an die eurasische Platte entstanden ist.
Durch den Osten Afrikas zieht sich der Große Afrikanische Grabenbruch, welcher die Fortsetzung des Grabenbruchs unter dem Roten Meer ist und auf eine Abspaltung des Horns von Afrika und Arabiens vom Rest Afrikas hindeutet. Der dabei entstehende Vulkanismus hat unter anderem das Kilimandscharo-Massiv, das höchste Bergmassiv Afrikas, das Ruwenzori-Gebirge und das Mount-Kenya-Massiv geschaffen. Im weiteren Verlauf des Grabenbruchs liegen Rudolfsee, Kiwusee, Tanganjikasee und Malawisee sowie der Unterlauf des Sambesi.
Klima und Natur
Durch seine Lage beiderseits des Äquators und seine kompakte Form besitzt Afrika die größte zusammenhängende Landmasse der Tropen. 75 % der Fläche Afrikas liegen innerhalb der Wendekreise, die die mathematische Tropengrenze bilden. Der größte Teil Zentral- und Westafrikas ist von tropischem Regenwald bedeckt; das Kongobecken ist nach Amazonien das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde. Um die Wendekreise sind große Wüsten entstanden; die Sahara im Norden wird nur durch die Flussoase des Nils unterbrochen, im Süden befinden sich die Namib als Nebelwüste und die Kalahari als Trockensavanne. Im Bereich zweier jährlicher Niederschlagsmaxima breiten sich die Trockenwälder und Feuerökosysteme aus, beispielsweise Mopane, Miombo oder Chipya-Vegetation. Südostafrika ist durch den Einfluss des Monsun und die großen Täler von Sambesi und Limpopo fruchtbarer.
Bevölkerung
Völker
Im Norden Afrikas lebten schon Jahrtausende vor der Ankunft der Araber um das 7. Jahrhundert herum berberische Völker. Diese leben seitdem vor allem in den gebirgigen Regionen des Maghreb, wo sie vor den arabischen Invasoren Zuflucht fanden, um sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte aber deutlich mit jenen zu durchmischen und eine eigene maghrebinische Kultur zu schaffen, die einige Unterschiede zur übrigen arabischen Welt aufweist, beispielsweise in der Sprache. Auch die Völker Nordostafrikas, wie z.B. die Amharen sind semitische Völker. Südlich der Sahara, die von den nomadisierenden Tuareg bewohnt ist, leben einige Tausend verschiedene schwarzafrikanische Völker. Von den westafrikanischen sind die Mande- und Voltaic-Völker zu nennen. Hausa und Yoruba leben im östlichen Westafrika, Wolof und Fulbe im westlichen Teil. In Zentral- und Ostafrika sind die Bantu beheimatet, eine aus zahlreichen Völkern bestehende Gruppe. Die Khoisan-Völker zählen zu den am längsten in Afrika ansässigen Ethnien. Größte Gruppe von im Zuge der Kolonialisierung eingewanderten Menschen sind die Buren in Südafrika. Moderne Migrationsbewegungen haben Libanesen nach West- sowie Inder und Chinesen nach Ostafrika gebracht.
Siehe auch: Liste der afrikanischen Völker
Religion
In Nordafrika, Ostafrika und Westafrika ist der Islam weit verbreitet. Mehr als 41 % aller Afrikaner (darunter in Nordafrika Araber) gehören dem Islam an.
Daneben gibt es vor allem in West- und Südostafrika eine große Anzahl derer, die Animismus praktizieren. Man schätzt das weitere 10 % der Afrikaner dem Animismus anhängen.
Die restlichen rund 48 % gehören christlichen Konfessionen an (u.a Kopten)
Die Mehrheit der afrikanischen Christen lebt im Süden Afrikas. Eine Sonderrolle spielt die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche, da in Äthiopien das Königreich Axum als erstes Land der Welt im dritten Jahrhundert das Christentum zur Staatsreligion machte. Außerdem sind unter den nicht-afrikanischen Minderheiten auch Bahai, Judentum, Hinduismus und Buddhismus verbreitet.
Sprachen
Hauptartikel: Afrikanische Sprachen
Insgesamt gibt es über 2000 eigenständige afrikanische Sprachen von denen rund 50 als größere Sprachen gelten, die jeweils von über einer Million Menschen gesprochen werden. Einige der wichtigsten afrikanischen Sprachen sind Swahili, Hausa und Fulbe. Die ehemaligen Kolonialsprachen Englisch, Französisch, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch, Niederländisch(Afrikaans) werden vielerorts noch heute gesprochen.
Zu den afroasiatischen Sprachen gehören Arabisch, Hausa und Amharisch, zu den nigerkordofanischen Sprachen zählen Bambara, Swahili, Wolof, Yoruba und Zulu. Die Khoisan-Sprachen werden von den gleichnamigen Völkern im Südlichen Afrika gesprochen; charakteristisch für sie sind Klicklaute. Auf Madagaskar werden Austronesische Sprachen wie Malagasy, Howa (Dialekt des Merina) und andere Merina-Dialekte.
Städte
Die größte Stadt Afrikas ist Kairo in Ägypten mit 15.100.000 Einwohnern.
Siehe auch: Liste der größten Städte Afrikas
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Afrikas
Die ältesten bisher bekannten menschlichen Lebensspuren fanden sich in Ostafrika. Es gilt als fast sicher, dass sich sowohl die primitiveren Menschenarten als auch der Homo sapiens von dort über die Welt ausgebreitet haben.
Im Niltal in Nordafrika befand sich mit Ägypten eine der ersten Hochkulturen. Von dort breitete sich der Ackerbau schon früh nach Sudan und andere Gebiete Afrikas aus. Mangels schriftlicher Aufzeichnungen ist darüber aber noch wenig bekannt.
Nordafrika war durch das Mittelmeer mit Europa und Vorderasien eher verbunden als getrennt. Karthago, eine Gründung der Phönizier im heutigen Tunesien, war um die Mitte des 1. Jahrtausend v. Chr. die herrschende Großmacht im westlichen Mittelmeer, bis sie in den Punischen Kriegen von Rom abgelöst wurde. Dieses herrschte ab 30 v. Chr. (Eroberung Ägyptens) über ganz Nordafrika.
Schon die alten Ägypter (Königin Hatschepsut) unternahmen Fahrten nach Punt, wahrscheinlich im heutigen Somalia. Auch das Reich der Königin von Saba, welches wohl in Südarabien sein Zentrum hatte, soll sich über Teile des Horns von Afrika bis in den Norden Äthiopiens erstreckt haben. Die Herrscher Äthiopiens führten ihre Abstammung auf die Königin von Saba zurück. Herodot berichtet, dass um 600 v. Chr. karthagische Seeleute im Auftrag des Pharao Necho in drei Jahren Afrika vom Roten Meer bis zur Nilmündung umfahren hätten. Da er davon berichtet, sie hätten behauptet, die Sonne „zu ihrer Rechten“, also im Norden, gesehen zu haben, gilt dieser Bericht als glaubwürdig. Sicher ist die Fahrt des karthagischen Admirals Hanno um 500 v. Chr., der von Südspanien aus mindestens bis Sierra Leone kam.
Während der Völkerwanderung eroberten die Wandalen das römische Nordafrika von Marokko bis Libyen. Schon vor der Hedschra wanderten arabische Stämme nach Nordafrika ein. Mit dem Siegeszug des Islam wurde Ägypten 641, Marokko 670 erobert. In den folgenden Jahrhunderten wurde Nordafrika praktisch vollständig islamisiert, der Sahel, West- und Ostafrika zumindest teilweise.
Sahel]
Sahel]
1250 richtete sich der Sechste Kreuzzug gegen Ägypten (die anderen Kreuzzüge richteten sich gegen Palästina). Zwischen dem 9. und 16. Jahrhundert entwickelten sich im Gebiet des heutigen Mali mehrere mächtige, unabhängige Königreiche. Im 15. Jahrhundert wurde die Westküste Afrikas von Portugal aus erforscht. Portugal und Spanien errichteten im 15. und 16. Jahrhundert erste Stützpunkte an der Nordküste.
Nach der Entdeckung Amerikas war Afrika für die Europäer hauptsächlich als Quelle für Sklaven interessant. Ein erheblicher Anteil der Bevölkerung von Brasilien, Haiti und anderen Inseln der Karibik, aber auch der USA sind afrikanischer Abstammung. Zum Zweck des Sklavenhandels wurden Forts an den Küsten errichtet, den Transport aus dem Binnenland übernahmen meist einheimische Königreiche. In Ostafrika waren bis ins 17. Jahrhundert arabische Händler vorherrschend. Das Innere des Kontinents war den Europäern weitestgehend unbekannt. Erste Forschungsreisen unternahmen Ende des 18. Jahrhunderts von der Association for Promotion the Discovery of the Interieur of Africa (Africa Association, London) ausgesandte Männer verschiedener Nationalitäten.
Nach der industriellen Revolution und dem Verbot des Sklavenhandels 1807 wurde Afrika eher uninteressant. Erst mit dem Aufkommen des Imperialismus wuchs das Interesse der europäischen Großmächte am dunklen Kontinent und der Wettlauf um Afrika führte innerhalb von weniger als 20 Jahren zur Besetzung fast des gesamten Kontinents. Auf der Kongokonferenz in Berlin wurde 1884/85 der größte Teil Innerafrikas zwischen den europäischen Mächten aufgeteilt, bis 1912 verloren die meisten afrikanischen Völker ihre Freiheit. Unabhängig blieben nur Liberia, eine Siedlungskolonie freigelassener nordamerikanischer Sklaven, sowie das alte Reich Abessinien (heute Äthiopien), welches allerdings kurz vorm 2.Weltkrieg 1936 durch Hilfe aus dem nationalsozialistischem Deutschland (Giftgas und Artillerie) von Italien für ca. fünf Jahre annektiert wurde. Im Ersten Weltkrieg waren die deutschen Kolonien Kriegsschauplatz, viele Afrikaner kämpften auch in Europa. Im Zweiten Weltkrieg fanden Kämpfe vor allem in Nordafrika und am Horn von Afrika statt.
Zweiten Weltkrieg
Im Zuge der Dekolonisation Afrikas wurden mehrere Staaten in den 1950er Jahren unabhängig. 1960 gilt als das Jahr der afrikanischen Unabhängigkeit, da der Großteil der französischen Kolonien in diesem Jahr in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Als letzte europäische Besitzung auf dem Festland wurde Dschibuti 1977 unabhängig. In Südafrika ist die schwarze Bevölkerungsmehrheit erst seit 1994 an der Regierung. Einige Inseln gehören bis heute verschiedenen europäischen Staaten.
Durch die künstlichen Grenzen der Kolonialzeit haben die meisten afrikanischen Staaten kein Nationalgefühl entwickeln können. Dies und die einseitige Ausrichtung der Wirtschaften auf Exportartikel führten u.a. dazu, dass die politische Lage in den meisten Staaten instabil ist und autoritäre Regime vorherrschen. Dadurch fällt ein großer Teil der natürlichen Reichtümer des Kontinents der Korruption zum Opfer beziehungsweise wird von internationalen Konzernen abgeschöpft. Verbunden mit unterentwickelter Infrastruktur, klimatischen Problemen, hohem Bevölkerungszuwachs und in neuerer Zeit sehr hohen Aids-Raten führt dies dazu, dass fast ganz Afrika der Dritten Welt angehört.
Politik
Mit der Gründung der Afrikanischen Union (AU) soll ein neues Kapitel in der afrikanischen Politik eingeschlagen werden; Eigenverantwortung, gegenseitige Kontrolle, gute Regierungsführung sollen die afrikanische Renaissance ermöglichen.
Gliederung
- Nordafrika
- Westafrika
- Ostafrika
- Zentralafrika
- Südliches Afrika
Wirtschaft
Hauptartikel: Wirtschaft Afrikas
Weite Teile der Wirtschaft im mittleren und südlichen Afrika sind auf den Export ausgerichtet (z. B. Bananenplantagen, Tropenhölzer, Gold- und Diamantenminen, Kakaoplantagen). Daneben gibt es in den Städten größere Industrie- und kleinere Handwerksbetriebe, die unter anderem für den Eigenbedarf produzieren. Auf dem Lande herrscht oft Selbstversorgungswirtschaft, beispielsweise Anbau von Maniok und Batate, Fischerei, Tierzucht. Außerdem ist in manchen Gegenden der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle (z. B. Safari).
In den Staaten Nordafrikas bringt vor allem die Förderung von Erdöl und Erdgas Einnahmen. Daneben gibt es am Nil und in einigen fruchtbaren Gebieten Landwirtschaft. Die Nil-Staudämme werden zur Stromerzeugung genutzt.
Exportartikel
- Kakao: etwa 70% Weltmarktanteil
- Diamanten: etwa 50% Weltmarktanteil
- Gold: etwa 25% Weltmarktanteil
- Erdöl: etwa 10% Weltmarktanteil
Kultur
Kino
Hauptartikel Afrikanisches Kino
Filme wurden in Afrika seit der Erfindung des Kinos, darunter ethnographische Filme und kolonialistische Propagandafilme, gedreht. Eine eigene Filmindustrie entwickelte sich insbesondere in Ägypten. In den Ländern südlich der Sahara konnte sich eine eigenständige Produktion erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickeln. Als „Vater“ des afrikanischen Kinos gilt Ousmane Sembène. Das afrikanische Autorenkino hat es schwer, die afrikanischen Zuschauerinnen und Zuschauer zu erreichen, da die kommerziellen Kinos nach dem Blocksystem Filme einkaufen und überwiegend Hollywoodfilme und indische Produktionen zeigen. Wo das afrikanische Publikum jedoch Gelegenheit hat, afrikanische Filme zu sehen, wie beim panafrikanischen Filmfestival FESPACO in Ouagadougou (Burkina Faso) zeigt es lebhaftes Interesse. Zur Finanzierung und Produktion sind afrikanische Filmemacherinnen und Filmemacher vielfach immer noch auf europäische Institutionen angewiesen. Eine kommerziell rentable Videoproduktion hat sich in Nigeria entwickelt.
Weitere bekannte Regisseurinnen und Regisseure u.a.: Souleymane Cissé, Safi Faye, Anne-Laure Folly, Med Hondo, Djibril Diop Mambéty.
Zeitschrift: Écrans d'Afrique
Literatur
Hauptartikel: Afrikanische Literatur
Zu den wichtigsten afrikanischen Autoren gehören der Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka und der mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnete Chinua Achebe, der „Vater“ der afrikanischen Literatur.
Weitere bedeutende Autoren sind u.a.:
Chinua Achebe (Nigeria), Mobolaji Adenubi (Nigeria), Ama Ata Aidoo (Ghana), Amadou Hampâté Bâ, Francis Bebey (Kamerun),
Mongo Beti (Kamerun), Steve Chimombo (Malawi), Mia Couto (Mosambik), Amma Darko (Ghana), E.B. Dongala (Volksrepublik Kongo), Naruddin Farah (Somalia), Nadine Gordimer (Südafrika), Bessie Head (Südafrika/Botswana), Lília Momplé (Mosambik), Grace Ogot (Kenia), Ben Okri (Nigeria), Ousmane Sembène (Senegal), Ngugi wa Thiong'o (Kenia), Yvonne Vera (Zimbabwe), Naguib Mahfouz (Ägypten, Literaturnobelpreis 1988), Tayeb Salih (Sudan), John M. Coetzee (Südafrika, Literaturnobelpreis 2003), Waris Dirie (Somalia), Damon Galgut (Südafrika)
Siehe auch: Arabische Literatur
Kunst
Hauptartikel: Afrikanische Kunst
Afrikanische Kunst
Afrikanische Kunst
Musik
Hauptartikel: Afrikanische Musik, Afrikanischer Tanz
Für die meisten afrikanischen Musikkulturen ist Gesang die wichtigste Musik. Viele afrikanische Kulturen haben Tonsprachen, das heißt Sprachen, in denen die Tonhöhe zur Unterscheidung von Bedeutung benutzt wird; dies hat zum Teil erheblich Konsequenzen zum Beispiel dadurch, dass mit auf Instrumenten gespielten Tonfolgen bedeutungsvoller und für die Zuhörer verständlicher Text gespielt werden kann. Aber auch, dass Tonfolgen in Vokalmusik dem Sprachton unterworfen sein können. Über afrikanische Musik kann man nicht sprechen ohne den Tanz einzuschließen. Viele afrikanische Sprachen haben ein Wort für die beiden in „westlicher“ Kultur zumeist unterschiedenen Konzepte. Historische Forschungen haben gezeigt, dass afrikanische Musikkulturen niemals statisch sondern im Gegenteil überaus dynamisch waren und sind.
Verschiedene Tonsysteme, Musiken in Verknüpfung mit Kult, Repräsentation, dörflichen Festen, städtischer Unterhaltung, seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine kommerzielle Musik-Industrie (Schellack-Platten) existieren jeweils unter lokal verschiedenen Bedingungen und sorgen so für eine große Diversität afrikanischer Musik.
Eine grobe Einteilung in Stilgebiete unterscheidet den Khoisanid geprägten Süden vom Bantusprachigen Zentralafrika, und den mehr oder weniger islamisch beeinflussten Regionen Ost- wie Westafrikas.
Philosophie
Hauptartikel: Afrikanische Philosophie
Philosophische Inhalte werden zum Großteil noch immer über nicht-schriftliche Medien, wie beispielsweise mündlicher Überlieferung, vermittelt, da die meisten afrikanischen Völker keine Schriftform entwickelten. Dementsprechend schwierig gestaltet sich der Umgang mit dem philosophischen Erbe Afrikas. Amadou Hampâté Bâ drückte es einmal so aus; es verbrenne immer eine ganze Bibliothek, wenn ein Alter stirbt. Dichter wie Ngugi wa Thiong'o schreiben zudem aus Protest gegen den ihrer Meinung nach eurozentristischen Blick hiesiger Wissenschaften und aufgrund ihres Zielpublikums in ihrer eigenen Sprache, für die oft noch keine Schriftform existierte. Schriftformen wurden erst in den letzten Jahrzehnten, auch unter europäischer Mithilfe entwickelt. Philosophen und Theoretiker sind einem europäischen Publikum meist aus dem Zusammenhang kultureller Befreiungsversuche bekannt.
Siehe auch: Postkolonialismus, Literaturliste zur afrikanischen Philosophie
Medien
Zeitschriften in Afrika
Zeitschriften im deutschsprachigen Raum
- [http://www.Africa-Live.de/ AFRICA live]
- Africa positive
- [http://www.theafricancourier.de/ The African Courier]
Organisationen
Politische Organisationen
- Afrikanische Union (AU, früher OAU)
Wirtschaftliche Organisationen
- Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion
- Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion
- Economic Community of West African States
Andere
- CAF Afrikanischer Fußballverband
Literatur
Einführungen und Handbücher
- Jacob E. Mabe (Hrsg.): Das Afrika-Lexikon. Ein Kontinent in 1000 Stichwörtern. Metzler, Stuttgart 2004, ISBN 3476020460 (Dieses Lexikon enthält einige nützliche Artikel; heikle Themen wie die Unterstützung zahlreicher afrikanischer Diktaturen durch Frankreich und die USA werden jedoch ausgespart)
- Julius Wagner, Willy Eggers (Hrsg.): Harms' Handbuch der Erdkunde. Band 5: Afrika. 9. neubearbeitete Auflage. List, München 1973
- Christoph Plate, Theo Sommer (Hrsg.): Der bunte Kontinent. Ein neuer Blick auf Afrika. DVA, Stuttgart München 2001
- Bartholomäus Grill: Ach, Afrika. Berichte aus dem Inneren eines Kontinents. Siedler Verlag, Berlin 2003
Gesamtdarstellungen
- Jacques Maquet, Herbert Ganslmayr: Afrika. Die schwarzen Zivilisationen. Kindler, München 1985
- John Iliffe: Geschichte Afrikas. C.H. Beck, München 1997
- Joseph Ki-Zerbo: Die Geschichte Schwarz-Afrikas. Fischer, Frankfurt am Main 1993
Spezielle Aspekte
- Susan Arndt (Hrsg.): AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland. Unrast Verlag, ISBN 3-89771-407-8
- Susan Arndt, Antje Hornscheidt (Hrsg.): Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Unrast Verlag 2004, ISBN 3-89771-424-8
- Gerhard Hauck: Gesellschaft und Staat in Afrika. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2001
- Ryszard Kapuściński: Afrikanisches Fieber. Erfahrungen aus vierzig Jahren. (Heban, Polen 1998; dt. Ausgabe Berlin: Eichborn 1999, als Taschenbuch: ISBN 3492232981)
- Ngugi wa Thiong'o: Moving the Centre. Essays über die Befreiung afrikanischer Kulturen. Münster 1995, ISBN 3-928300-27-X
Siehe auch
Neokolonialismus, Bevölkerungszahlen Afrikas, Afrikanische Völker, Afrikanische Kultur, Afrikanische Union (AU), Afrikanische Küche, Liste der größten Städte Afrikas, Liste der afrikanischen Universitäten
Weblinks
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/aussenpolitik/regionalkonzepte/afrika/index_html Afrikapolitik des deutschen Auswärtiges Amtes]
- [http://www.bpb.de/themen/2MDWSY,0,Afrika.html Schwerpunkt Afrika bei der Bundeszentrale für politische Bildung]
- [http://www.afrika-start.de Afrika-Start.de - aktuelle deutschsprachige Informationen über Afrika]
- [http://www.afrika-heute.de/ AFRIKA-HEUTE.DE - Tagesaktuelle Nachrichten, Analyse, Hintergrundinformationen rund um Afrika]
- [http://www.africa-live.de/ AFRICA live - deutsches Afrikamagazin mit tagesaktuellen Nachrichten]
- [http://www.pbs.org/wnet/africa/ Afrikafeature des Senders PBS (englisch)]
- [http://allafrica.com/ allafrica.com - Nachrichtensite zu Afrika (englisch)]
- [http://afrika.heim.at/Afrika.htm Website über Afrika]
- [http://www.weltkarte.com/afrika/indexindex.htm Landkarten von Afrika]
- [http://www.pygmies.info/ Afrikanische Pygmäen] Kultur und fotos der ersten Einwohner von Afrika
- [http://www.afrikafoto.de/ Afrika Fotos - 36 Fotos aus acht afrikanischen Staaten]
- [http://www.ify.ch/africa/ Links zu afrikanischen Staaten, internationalen Organisationen und Websites mit Afrikabezug]
- [http://dmoz.org/World/Deutsch/Regional/Afrika/ ODP-Linkverzeichnis zu Afrika]
Kategorie:Kontinent
ja:アフリカ
ko:아프리카
ms:Afrika
simple:Africa
th:ทวีปแอฟริกา
zh-min-nan:Hui-chiu
Nigeria
Die Bundesrepublik Nigeria (Federal Republic of Nigeria) ist eine ehemalige britische Kolonie in Westafrika und grenzt an Benin, Niger, Tschad und Kamerun. Es ist mit Abstand das bevölkerungsreichste Land Afrikas und versucht sich nach Jahren der Militärdiktatur an seiner Demokratisierung und wirtschaftlichen Entwicklung. Nigeria konnte bisher seine reichen Erdölvorkommen nicht zur erfolgreichen Armutsbekämpfung nutzen. Korruption, Gewalt und ethnische Konflikte zwischen dem muslimischen Norden und dem christlich-animistischen Süden sind die Haupthemmnisse, um Nigerias Bevölkerung ein besseres Leben zu ermöglichen.
Geographie
- Ausdehnung: W-O 1200 km, N-S 1100 km
- 12 % Wald und Buschland, 34 % Ackerland, 23 % Wiesen und Weiden
- Geographische Lage: zwischen 4° und 14° nördlicher Breite sowie 2° 40' und 14° 40' östlicher Länge
- Geologische Merkmale: höchster Berg --> Chappal Waddi 2.419 m; längster Fluss --> Niger (Teil) 4205 km.
- Landesgrenzen: 4047 km (Benin 773 km, Kamerun 1690 km, Tschad 87 km, Niger 1497 km)
- Küste: 853 km
- Größte Städte (Stand 1. Januar 2005): Lagos 8.789.133 Einwohner, Kano 3.626.204 Einwohner, Ibadan 3.565.810 Einwohner, Kaduna 1.582.211 Einwohner, Port Harcourt 1.148.753 Einwohner, Benin-Stadt 1.125.511 Einwohner und Maiduguri 1.112.511 Einwohner; siehe auch die Liste der Städte in Nigeria
Bevölkerung
Die Angaben zur Einwohnerzahl sind grobe Schätzungen und differieren bei verschiedenen Quellen (siehe Auswärtiges Amt). Dies betrifft auch die Einwohnerzahl von Lagos. Die Slums von Lagos wachsen stark und es gibt dort keinerlei staatliche Kontrolle. Bei allen Zahlenangabe sind daher starke Bedenken angebracht und die Zahlen sind eher nach oben zu korrigieren.
50% der Gesamtbevölkerung sind Muslime; rund 40% der Bevölkerung sind Christen, davon 2% Kopten; knapp 10% sind Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen.
Die Hauptethnien sind Haoussa (20% der Gesamtbevölkerung) und Igbo (Ibo; 30% der Bevölkerung) ; dahinter folgen Yoruba (11,0 %), Fulbe (8,2 %), Kanuri (5,2 %), Ibibio (4,2 %), Nupe (3,2 %), Edo (2,4 %), Ijaws (1,8 %), Bura (1,7 %), Tiv (1,6 %) und andere (8,1 %).
Die Lebenserwartung beträgt 51,3 Jahre bei den Männern und 51,7 Jahre bei den Frauen.
Die Geburtenrate je 1000 Menschen ist 45,4. Die Todesrate je 1000 Menschen liegt bei 15,4.
Gesprochen werden vor allem Yoruba, Hausa und Igbo und eine dreistellige Zahl anderer Sprachen (insgesamt 434 Sprachen). Amtssprache ist Englisch.
Wegen des aus religiösen Gründen verhängten Impfverbots in Teilen Nigerias waren 2004 fast zwei Drittel der weltweit über 1.250 Polio-Fälle (Kinderlähmung) in Nigeria anzutreffen. Auch auf die Bevölkerung der Nachbarländer wirkt sich dies negativ aus.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Nigerias
Ab 1861 Kolonisierung durch Großbritannien
In vorkolonialer Zeit befanden sich auf dem heutigen Territorium Nigerias zahlreiche verschiedene afrikanische Staaten sowie Ethnien, die ohne zentrale Autorität lebten.
01.10.1960 Unabhängigkeit; in der Folge starke zentrifugale Kräfte in den großen Regionen des Landes - dem vorwiegend islamischen Norden (Hausa-Fulani), dem Westen (Yoruba) und dem Osten (Igbo), wo Christen dominieren
1963 Übergang zur Republik. Erster Präsident wird Nnamdi Azikiwe
Januar 1966 Militärputsch durch eine Gruppe junger Offiziere - vor allem Igbos, Putsch scheitert, aber Premierminister wird umgebracht, neuer militärischer Staatschef: General Ironsi, Einheitsstaat wird angestrebt
Juli 1966 Zweiter Militärputsch von Offizieren aus dem Norden, Staatschef: General Yakubu Gowon, Aufteilung der vier großen Regionen des Landes in 12 Bundesstaaten
30.05.1967 Östliche Region ruft die "Unabhängige Republik Biafra" aus, die von der Militärregierung Gowon in einem 30 Monate währenden, hohe Verluste fordernden Krieg niedergeworfen wird (Kapitulation Biafras: 12.01.1970).
29.07.1975 Dritter Militärputsch, Staatschef: Brigadier Murtala Muhammed, Verwaltung wird gesäubert, das Staatsgebiet in 19 Bundesländer gegliedert, die Befugnisse der Zentralregierung gestärkt.
13.02.1976 Radikale Offiziere versuchen, das Regime Murtala Muhammed zu stürzen, Ermordung des Staatschefs, Revolte wird niedergeschlagen,
General Obasanjo übernimmt die Nachfolge, Vorbereitungen für die Rückkehr zur Zivilregierung werden fortgesetzt, neue Verfassung wird erarbeitet
01.10.1979 Übergabe der Regierungsgewalt an den aus Wahlen hervorgegangenen Präsidenten Shagari ("2. Republik")
31.12.1983 Militärputsch und Ende der 2. Republik,
Militärregime unter Generalmajor Buhari
27.08.1985 Spaltung in der militärischen Führung führt zu weiterem Militärputsch,
Babangida verkündet ein Demokratisierungsprogramm
1989 Neue Verfassung, Wiederzulassung politischer Parteien
1991 Parlamentswahlen
12.06.1993 Von Babangida initiierte Präsidentschaftswahlen verlaufen erfolgreich, doch annulliert er sie nach dem mutmaßlichen Sieg von Abiola (Ende der "3. Republik")
August 1993 Zivile Übergangsregierung unter Leitung von Chief Shonekan
November 1993 Chief Shonekan wird von General Sani Abacha zum Rücktritt gezwungen, Diktatur und außenpolitische Isolation
November 1995 Hinrichtung des Schriftstellers und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa; daraufhin Verschärfung der Sanktionen von EU und USA, Botschafter der EU und USA und auch von Polen, Ungarn, Russland usw. werden zeitweise zur Berichterstattung zurückberufen. Suspendierung der Commonwealth-Mitgliedschaft
08.06.1998 Tod von Sani Abacha, der gemäßigte General Abdulsalami Abubakar übernimmt die Macht: Entlassung aller politischen Gefangenen, Aufruf zur Bildung von politischen Parteien
27.02.1999 Früherer Staatschef Olusegun Obasanjo gewinnt Präsidentschaftswahlen
29.05.1999 Amtseinführung Präsident Obasanjos, Beginn der "4. Republik" (formale Demokratie )
April/Mai 2003 Präsidentschafts- und Parlamentswahlen, in denen Präsident Obasanjo für eine zweite Amtszeit von vier Jahren bestätigt wird
23.10.2005 Tod von Stella Obasanjo, Ehefrau von Staatschef Olusegun Obasanjo, und Absturz eines Flugzeuges der Airline "Bellview" mit 117 Toten
Politik
- Gesundheit/Soziales: Kranke, Arme und Alte sind auf Familienhilfe angewiesen, nur Regierungsbedienstete kommen in den Genuss öffentlicher Fürsorge. Niedrige Einkommen, die schnell wachsende Bevölkerung und die leere Staatskasse führten zum Scheitern aller Pläne, ein Gesundheits- und Rentensystem zu schaffen. Epidemien fordern unter der unterernährten und schlecht versorgten Landbevölkerung oft Tausende von Opfern.
- Bildung: Schulpflicht von 6 bis 15 Jahren. Einschulungsquote im Primärbereich: 93 %. Universitäten oder vergleichbare Einrichtungen befinden sich in schlechtem Zustand. Analphabetenrate: Männer 32,7 %, Frauen 52,7 %.
- Armee: Berufsarmee mit 77.100 Mann (Heer 80,4 %; Marine 7,3 %; Luftwaffe 12,3 %). Anteil des Militärbudgets am Staatshaushalt: 0,8 % (2004).
Verwaltungsgliederung
- Gliederung: 36 Bundesstaaten (Abia, Adamawa, Akwa Ibom, Anambra, Bauchi, Bayelsa, Benue, Borno, Cross River, Delta, Ebonyi, Edo, Ekiti, Enugu, Gombe, Imo, Jigawa, Kaduna, Kano, Katsina, Kebbi, Kogi, Kwara, Lagos, Nassarawa, Niger, Ogun, Ondo, Osun, Oyo, Plateau, Rivers, Sokoto, Taraba, Yobe, Zamfara), 1 Hauptstadtdistrikt und 774 Local Government Areas.
- Siehe auch: Verwaltungsgliederung von Nigeria
Infrastruktur
Das Schienennetz beläuft sich auf 3.505 km. Im Straßennetz sind von 193.198 km 37.000 km befestigt. Es gibt fünf internationale Flughäfen im Land, wichtigster ist der in der Hafenstadt Lagos. Die staatliche Fluglinie Nigeria Airways ist bankrott, jedoch gibt es zahlreiche private Fluglinien für den Inlandsverkehr. Wasserwege belaufen sich auf 8.575 km. Überseehäfen finden sich in Lagos, Calabar, Warri und Port Harcourt. Ölhäfen sind Bonny und Buruti. Hauptstadt ist Abuja.
Auf 1.000 Einwohner kommen 66 Fernseher, 3,8 Telefone, 6,1 Rechner und 0,01 Internet-Zugänge. 25 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von rund 1,7 Mio. Stück existieren in Nigeria. Seit Mitte der 1990er Jahre ist ein Aufschwung im Mobilfunkbereich mit einer stetig wachsenden Zahl an Mobiltelefonen zu verzeichnen. Drei Netzbetreiber haben eine zunehmende Flächendeckung und Roaming-Verträge mit allen wichtigen europäischen Netzen
Wirtschaft
- Pro-Kopf-Einkommen im Jahr (BSP): 250 Euro
- Ausfuhrgüter: Erdöl (größter Exporteur Afrikas und 5.größtes Erdölvorkommen weltweit), Kakao, Gummi
- Einfuhrgüter: Konsumgüter, Maschinen, Transportmittel, chemische Produkte, Rohmaterialien, Nahrungsmittel und Lebendvieh
- Industrie: Erdölraffination, Bergbau, Nahrungsmittelverarbeitung, Gummi, Eisen und Stahl, Kraftfahrzeuge, Zigaretten, pharmazeutische Produkte, Zellstoff und Papier, Felle und Häute, Textilien, Schuhe, Zement, chemische Produkte, Düngemittel
- Rohstoffe: Agrar-/Forstsektor: Kakao (größtenteils im kleinbäuerlichen Anbau), Kaffee, Erdnüsse, Palmkerne, Holz Mineralsektor: Erdöl, Erdgas, kleinere Mengen anderer Mineralien
- Tourismus: Der Tourismus ist weitgehend zum Erliegen gekommen. 739.000 Besucher sorgten 1998 für Einnahmen von 118 Mio. Euro.
- Das Land leidet unter hoher Korruption. Im Jahresbericht 2004 von Transparency International wird Nigeria an drittletzter Stelle geführt ([http://www.transparency.de/Tabellarisches_Ranking.542.0.html Link]). Präsident Obasanjo, der selbst ca. 15 Jahre der Organisation vorstand, hat 2003 gemeinsam mit Professor Peter Eigen, dem Gründer von TI in Berlin, eine Kampagne vorgestellt, die zum Ziel hat, die hohe Korruptionsrate zu verringern ([http://www.transparency.org/pressreleases_archive/2003/2003.10.31.visit_obasanjo.html Link]).
Kultur
- Nationalfeiertag: 1. Oktober (Tag der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1960)
- Sehenswürdigkeiten: Reiches künstlerisches Erbe, insbesondere Skulpturen und Holzschnitzereien aus Benin und Ife
- Die Terrakotten der eisenzeitlichen Nok-Kultur sind weltweit bekannt, jedoch bei weitem nicht die ältesten Hinterlassenschaften nigerianischer Vorgeschichte.
- Kulturelle Einflüsse: Die nigerianische Kultur ist nicht nur von Traditionen der zahlreichen Ethnien durchsetzt, sondern auch durch islamische Einflüsse im Norden und europäische Einflüsse im Süden geprägt. - Nigeria ist die weltweit größte Gemeinde von Eckankar, der Religion von Licht und Ton Gottes.
- Alphabet: Pannigerianisches Alphabet
- Literatur: Der nigerianische Schriftsteller Wole Soyinka erhielt 1986 den Nobelpreis für Literatur. Mit Chinua Achebe erhielt im Jahr 2002 ein weiterer wichtiger nigerianischer Autor den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Eine in Afrika sehr erfolgreiche Autorin ist Buchi Emecheta, die sich in ihrem Werk kritisch mit der Situation der Frauen im zeitgenössischen Afrika auseinandersetzt.
- Musik: Der vielleicht berühmteste Musiker Nigerias ist der Erfinder des Afrobeat Fela Anikulapo Kuti, der mit seiner Band "Africa 70" im "Shrine" in Lagos legendäre Konzerte gab.
- Sport: Sportlich international bekannt wurde das Land vor allem durch die Nigerianische Fußballnationalmannschaft
Umwelt
Schwerste Schäden im Nigerdelta durch die seit 37 Jahren andauernde Ölförderung. Pipelines verlaufen durch Dörfer und über Äcker; Wasser und Luft sowie Nahrungsmittel sind verseucht. Geschützte Gebiete: 3,22 % der Landesfläche.
Weblinks
- [http://www.nigeria.gov.ng/ Website der Regierung (englisch)]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=125 Länderinformation des deutschen Auswärtigen Amtes]
- [http://www.afrika-heute.de/ShowC.php?country_nr=157 Länderinformation bei afrika-heute.de]
- [http://www.onlinenigeria.com Online Nigeria Portal (englisch)]
- [http://www.nigeriannation.com Nigeria Web Portal (englisch)]
- [http://www.nigeriacongress.org/FGN/admin.htm Überblick über die Verwaltung in Nigeria (englisch)]
- [http://www.tlfq.ulaval.ca/axl/afrique/images/nigeria-map-prov.gif Karte der Bundesstaaten Nigerias]
- [http://www.diakadi.com/afriquedelouest/Pays/nigeria/embleme_nigeria.gif Wappen Nigerias]
- [http://areion.de/nigeriau.html Informationen über Nigeria bei Areion]
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Kategorie:Staat
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zh-min-nan:Nigeria
RegenwaldMit dem häufig gebrauchten Wort Regenwald definiert man die Zone, die einen naturbelassenen Wald mit einem feucht-heißen Klima von mehr als 2000 mm Niederschlag im Jahresmittel beherbergt. Man unterscheidet zwischen dem immergrünen Regenwald und dem gemäßigten Regenwald. Man nennt einen immergrünen Regenwald auch tropischen Regenwald, da es dort – im Gegensatz zu einem gemäßigtem Regenwald – mehr als neuneinhalb feuchte Monate im Jahr gibt. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass immergrüne Regenwälder eine deutlich größere Artenvielfalt besitzen, sie sind die Gebiete mit den meisten Arten auf der Erde.
Geografische Verbreitung
Artenvielfalt
Immergrüne Regenwälder finden sich auf allen Kontinenten entlang des Äquators im Tageszeitenklima (ohne Jahreszeiten). Die größte zusammenhängende Fläche (mehr als die Hälfte der Gesamtfläche aller Regenwälder) beherbergt das Amazonasbecken.
Gemäßigter Regenwald kommt vor allem an der Westküste Nordamerikas, in Chile sowie auf Tasmanien und Neuseeland vor.
Böden und Nährstoffkreislauf
Beiden Regenwaldtypen ist gemeinsam, dass der Boden relativ nährstoffarm ist und sich nur bedingt zum Ackerbau eignet. Nach etwa
10 Jahren sind die Böden soweit ausgelaugt, dass sie nicht mehr nutzbar sind.
Immergrüne tropische Regenwälder konnten aufgrund der ganzjährigen Vegetationszeit ohne Jahreszeiten einen (fast) perfekten Kreislauf entwickeln. Sämtliche ehemals im Boden vorhandenen Nährstoffe sind in die lebende Biomasse überführt worden, die Wälder stehen auf dem blanken Quarz uralter Böden (im Gegensatz zu durch Eiszeiten bedingten, jungen und nährstoffreichen Böden oder den borealen Nadelwäldern mit zunehmender Festlegung der Nährstoffe in toter Biomasse, die erst wieder durch Brände im nennenswerten Umfang mobilisiert werden).
Die herunterfallenden Blätter und Zweige sowie Tierkadaver werden durch das Klima sehr schnell wieder dem Nährstoffkreislauf zugeführt. Die Wurzeln der oft riesigen Urwaldbäume und anderer Pflanzen sind in Bodennähe angesiedelt, um die dort anfallenden Nährstoffe wieder aufzunehmen.
Die Rodung von tropischen Regenwäldern führt zur irreversiblen Zerstörung. Durch Ausschwemmung geht der überwiegende Teil der Nährstoffe verloren. Auch werden fast mit jedem gefällten Baum unwiderruflich Pflanzen- und Tierarten ausgerottet (siehe Artenvielfalt).
Dass der Kreislauf nur beinahe perfekt ist, zeigt sich an der natürlichen Degeneration von Regenwäldern im westlichen Südamerika (Kolumbien). Dort kommt es zum kreisförmigen Absterben des primären Regenwaldes mit der Ausbildung von Waldgesellschaften, die mit den Sekundärwäldern nach Rodung vergleichbar sind.
Artenvielfalt
Unter anderem durch die weitläufige Verteilung der einzelnen Baumarten entstand im immergrünen Regenwald ein auf der Erde einzigartiges Phänomen, das der größten Artenvielfalt. Nach Schätzungen befinden sich in immergrünen Regenwäldern 40-60 % aller auf der Erde lebenden Arten.
Gefährdung
Bereits heute sind über 50 % aller Regenwälder verschwunden. Beispielsweise ist der Regenwald Brasiliens durch Brandrodung bedroht, was zu einem Großteil der von diesem Land erzeugten Treibhausgase führt. Allein von August 2003 bis August 2004 wurden in Brasilien 26.130 km² Regenwald vernichtet. Das entspricht fast der Fläche Brandenburgs.
Aufgrund fortgesetzten Raubbaus an den noch bestehenden tropischen Regenwäldern zum Zwecke der schnellen Gewinnung von billigem durch Brandrodung aschegedüngten Ackerland oder Tropenhölzern ist der Fortbestand einer ungewissen Anzahl von biologischen Arten akut gefährdet, es besteht die Gefahr des Artensterbens.
Jede Art des Holzfällens bringt den Bau von Straßen durch den Wald mit sich, durch den bisher unerschlossene Gebiete zugänglich werden. Das führt zu weiteren Eingriffen etwa wie Wanderfeldbau. Wanderfeldbau zählt durch Brandrodungen, mit denen Ackerland erschlossen wird, neben dem Holzeinschlag zu den stärksten Zerstörern des Regenwaldes. Da der Boden eines immergrünen Regenwaldes sehr nährstoffarm ist, reicht eine Ackerfläche nur für wenige Erntezyklen, danach muss eine neue Fläche erschlossen werden
Selektiver Einschlag
Mit selektivem Einschlag wird das gezielte Fällen einzelner Bäume bezeichnet. Diese Form des Holzfällens soll eine Verarmung der Böden an Nährstoffen im immergrünen Regenwald entgegenwirken. Idealerweise wird die den Nutzbaum umgebende Fauna nicht dauerhaft in Mitleidenschaft gezogen. Oft wird jedoch für den Abtransport der in der Regel sehr großen Bäume eine Schneise geschlagen, die dann an einer Straße endet.
Wanderfeldbau
Verwendung der Holzarten
Mahagoni und Teakhölzer werden häufig im Außenbereich verwendet, da sie sehr witterungsbeständig sind. Für Musikinstrumente wird häufig Mahagoni, Palisander und Ebenholz verbaut (siehe auch Klangholz). Die Hölzer sind außerdem beliebt, weil sie aufgrund des Tageszeitenklimas keine Jahresringe haben.
Weitere Einsatzbereiche sind Küchenbrettchen, Einwegessstäbchen, Gartenmöbel, und vor allem Papier.
Siehe auch
Regenwald
Weblinks
- [http://www.faszination-regenwald.de www.faszination-regenwald.de] - Faszination Regenwald e.V.
- [http://www.umsu.de/regaus/ www.umsu.de] - Der Tropische Regenwald - Eine Online-Ausstellung
- [http://www.umweltkids.de/schwerpunkte/regenwald/ www.umweltkids.de] - "Kids für die Umwelt": Einführung in die Regenwaldproblematik und weiterführende Informationen
- [http://www.regenwald.org www.regenwald.org] - Webseite von "Rettet den Regenwald e.V."
- [http://www.poema-deutschland.de www.poema-deutschland.de] - POEMA - Armut und Umwelt in Amazonien
- [http://www.tropica-verde.de www.tropica-verde.de] - Regenwaldschutz in Costa Rica
- [http://www.regenwald-peru.de www.regenwald-peru.de] - Ökologischer Landbau als Regenwaldschutz
- [http://info.greenpeace.ch/de/arten/amazonas/index info.greenpeace.ch] - Links zu Firmen, die Holz mit dem FSC-Siegel verkaufen
- [http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,380798,00.html Regenwald wird schneller abgeholzt als vermutet]
- [http://www.oew.org/de/aktuellesartikel.php?id=439 Manipulation der öffentlichen Meinung in den USA (über den Regenwald)] Quelle:OEW
Kategorie:Wald
Kategorie:Klimazonen und Vegetation
ja:%E7%86%B1%E5%B8%AF%E9%9B%A8%E6%9E%97
Niger (Fluss)Der Niger ist nach dem Nil und dem Kongo mit 4.184 km Länge der drittlängste Fluss bzw. Strom in Afrika.
Afrika
Flusslauf
Der Niger entspringt in den Bergen des Staates Guinea, fließt in einem Bogen nach Nordosten und bildet in Mali die Massina. Anschließend wendet er sich nach Timbuktu, wo er die Sahara streift und in Richtung Südosten weiterfließt. Er durchquert danach den Staat Niger, dessen Hauptstadt Niamey an seinen Ufern erbaut ist. Im weiteren Verlauf bildet er teilweise die Grenze zu Benin und fließt weiter nach Nigeria. Nach Verlassen des Kainji Stausees mündet der Niger schließlich im Nigerdelta in Form eines großen Deltas in den Golf von Guinea, der Teil des Südatlantiks ist.
An der Mündung des Nigers fließen im Jahresdurchschnitt etwa 30.000 m³ Wasser pro Sekunde in den Atlantik. Während seine Länge neben obigem Wert in den verschiedensten Nachschlagewerken auch auf "nur" 4.160 km beziffert wird, beträgt sein Einzugsgebiet 2.300.000 km². Der Hauptzufluss des Niger ist der Benue.
Der untypische Flusslauf des Niger hat europäischen Forschern über zwei Jahrtausende hinweg Rätsel aufgegeben. In der Antike gingen römische Geographen davon aus, dass der Fluss nahe Timbuktu Teil des Nils sei, wogegen im 17. Jahrhundert europäische Entdecker überzeugt waren, dass der Fluss nach Westen fließen und in den Senegal münden würde. Erst 1830 entdeckte eine Expedition unter Richard Lander den wahren Verlauf des Niger.
Die Boomerang-Form des Flusses erklären heutige Geographen meist mit einer Theorie, derzufolge der Niger aus zwei alten, miteinander verbundenen Flüssen besteht. Der obere Niger von der Quelle in den Loma Mountains bis zum Nigerknie mündete ursprünglich in einen heute ausgetrockneten See, wohingegen der untere Niger in Hügeln nahe des Sees entsprang und nach Süden bis zum Golf von Guinea floss. Als die Sahara 4000 - 1000 v. Chr. austrocknete, änderten beide Flüsse ihren Verlauf und trafen sich. Diese Theorie ist heute allgemein vorherrschend, stößt jedoch auch auf vereinzelten Widerspruch.
Schiffbarkeit
Loma Mountains]
Im oberen Teil ist der Niger mit kleineren Booten schiffbar, wobei aber nicht nur Flusspferde eine gewisse Gefahr darstellen. Erst ab Koulikoro, etwa 60 km flussabwärts von Bamako kann der Strom mit größeren Booten und Schiffen befahren werden.
Etymologie
Der Name des Flusses stammt vermutlich vom lateinischen oder portugiesischen Wort für "schwarz" ("niger"). Einer anderen Theorie zufolge soll die Wurzel des Namens jedoch in der Tuareg-Sprache liegen, in der "gher n gheren" "Fluss der Flüsse" bedeutet. Die westafrikanischen Staaten Niger und Nigeria sind nach dem Fluss benannt. Ihre Einwohner haben eine große Zahl verschiedener Namen für den Fluss, darunter "Joliba" in der Manding-Sprache und "Isa Ber" ("großer Fluss") in Songhai.
Nebenflüsse
- Bani
- Sokoto
- Benue
Orte
- Bamako
- Segou
- Mopti
- Timbuktu
- Niamey
- Onitsha
- Port Harcourt - östlich des Nigerdeltas
Siehe auch
- Die längsten Flüsse der Erde
Kategorie:Fluss in Afrika
Kategorie:Fluss in Niger
Kategorie:Fluss in Guinea
Kategorie:Fluss in Mali
Kategorie:Fluss in Niger
Kategorie:Fluss in Benin
Kategorie:Fluss in Nigeria
ja:ニジェール川
Pannigerianisches AlphabetDas pannigerianische Alphabet ist eine um zahlreiche Sonderzeichen erweiterte Variante des lateinischen Alphabets bzw. des Afrika-Alphabets, die in Nigeria verwendet wird. Es stellt einen gemeinsamen Zeichenvorrat dar, aus dem sich die Orthographien der zahlreichen nigerianischen Einzelsprachen (u. a. Haussa, Yoruba, Igbo) bedienen, die wegen ihrer z. T. sehr komplexen Lautsysteme mit dem einfachen lateinischen Alphabet (A–Z) nur mühsehlig zu verschriften wären.
Der Preis für die adäquate Verschriftung des Lautbestands sind die zahlreichen Sonderzeichen, von denen einige (wie Ƙ/ƙ – »K mit Haken«) außerhalb Nigerias kaum verwendet werden. In Nigeria benutzt man entsprechende Schreibmaschinen; für Computer stellen die ungewöhnlichen Zeichen aber immer noch ein großes Problem dar (vgl. auch den Artikel »Unicode«).
Das pannigerianische Alphabet wurde 1985 vom Typografen Hermann Zapf entworfen und nimmt Anleihen am Internationalen Phonetischen Alphabet. Es fällt auf, dass die Haken an B, D und K bei den Majuskeln stets links, bei den Minuskeln aber stets rechts abgehen.
Bemerkenswert ist, dass es sich nicht um das Alphabet einer bestimmten Sprache, sondern eines bestimmten Gebiets handelt: Innerhalb Nigerias dient es zur Verschriftung zahlreicher Sprachen, auf der anderen Seite verwendet man etwa für Haussa in Nigeria das pannigerianische Alphabet und im Nachbarstaat Niger eine völlig andere Orthographie.
Kategorie:Alphabet
Kategorie:Nigeria
GroßfamilieEine Großfamilie besteht aus einer größeren Gruppe von verwandten Personen über mehrere Generationen hinweg.
Dies können die Eltern mit ihren Kindern und Kindeskindern sein, sowie Onkel, Tanten oder andere Verwandte. Früher wurde vielfach auch das Gesinde dazu gerechnet. Die Familien-Mitglieder leben meist gemeinsam in einem Haus oder einer Siedlung, und sie bilden eine wirtschaftliche Einheit, die z.B. in gemeinsamer Landwirtschaft oder einem Handwerk besteht.
In den Industrieländern spielen Großfamilien durchaus noch eine Rolle, jedoch eher in der Oberschicht. Diese ist einer soziologischen Analyse nicht leicht zugänglich, so dass die Großfamilien als sie 'verschwunden' erscheinen. Hingegen sind sie in der dritten Welt stärker verbreitet. Das hat vor allem mit der vorwiegend agrarischen Wirtschaftsstruktur und einem weitgehend fehlenden Sozialsystem zu tun, so dass Kinder die "Pensionsvorsorge" der Eltern sind (vgl. dazu Familie (Soziologie)).
In Gesellschaften, welche die Polygamie zulassen, können die Familienverbände nochmals deutlich größer ausfallen.
Der Mythos von der Großfamilie
In Mitteleuropa wird vielfach die Zahl und Größe der früheren Großfamilien überschätzt. Dazu tragen folgende Aspekte bei:
- Bis zur Jahrhundertwende war die Mütter- und Kindersterblichkeit sehr hoch. Beispielsweise starben 1832-1835 in Bayern von 1.000 Lebendgeborenen 302 Kinder noch im ersten Lebensjahr, und in den Jahren 1901-1905 immerhin noch 240 Kinder.
- Dadurch waren diese Familien maximal 2x größer als heute. Die durchschnittliche Haushaltsgröße im Bayern der Jahre 1818 bis 1871 betrug 4,6 Personen, stieg 1900 kurzfristig auf 4,7 Personen an und sank bis 1925 auf 4,3 Personen.
- Zu diesem Faktum trug auch bei, dass auf dem Land das männliche Heiratsalter bei über 28 Jahren lag und jenes der Frauen bei 27 Jahren (nach zwischenzeitlichem Sinken liegt es nun wieder ähnlich wie vor 100 Jahren). Durch die niedrige Lebenserwartung und der früheren Menopause standen daher nur etwa 15 Jahre für die Zeugung von Kindern zur Verfügung standen.
- Insgesamt machten daher die Familien mit mehreren Generationen weniger aus, als gemeinhin angenommen wird.
Ein weiterer Aspekt ist der bevölkerungsanteil, dem eine Heirat kaummöglich war. So lebten und arbeiteten in vielen der früheren Haushalte familienfremde Personen, was die Struktur der "Großfamilien" schwer überschaubar macht. 1910 wohnte Gesinde in 20% der Haushalte Bayerns, wozu noch 11% Untermieter beziehungsweise Bettgeher kamen. Im Deutschen Reich lebten 1882 1,282 Millionen Dienstboten im Haus des Arbeitgebers; 1925 waren es 1,016 Millionen und 1939 immerhin noch 995.000 Personen. Soziologisch herrschten auch in unserer Vergangenheit Kleinfamilien und unvollständige Familien vor. Der angebliche Übergang von der Groß- zur Kleinfamilie ist daher unzutreffend, bzw. betrifft er nur die Zahl der Kinder und kaum jene der Generationen. (nach http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Elternschaft/s_257.html)
siehe auch: Familie (Recht), Sippe, Klan, Verschwägerung, Verwandtschaft, Hotel Mama.
Familienformen
- Kernfamilie
- Kleinfamilie
- Einelternfamilie
- Großfamilie
- Patchworkfamilie
- Regenbogenfamilie
Kategorie:Lebensgemeinschaft
AhnenkultAhnenkult, auch Ahnenverehrung genannt, ist eine regelmäßige rituelle Handlung, mit der Lebende einem oder mehrerer toter Vorfahren gedenken. Die Ahnen stehen entweder in direkter familiärer Linie oder sind zumindest Oberhaupt einer Gruppe. Fast immer wird der Ahnenkult in Verbindung mit einem Opfer praktiziert, z.B. Trank-, Speise-, Brand- oder Kleidungsopfer (in sehr frühen Zeiten auch Menschenopfer). Je weiter die menschliche Geschichte zurückreicht, desto unmittelbarere Praktiken des Ahnenkults lassen sich feststellen.
Die Verwandschaftsgruppe umfasst sowohl die im Jenseits als auch die im Diesseits lebenden Mitglieder. Mit Hilfe von Ahnenzeremonien soll das Gefühl verstärkt werden, dass der Ahn mit und bei seinen Nachkommen lebt. Fast jede Ethnie kennt eine oder mehrere Möglichkeit, den Ahn symbolisch sichtbar zu machen (z.B. Ahnenfigur, Ahnenmasken etc.) oder auch die Wiedergeburt in alternierenden Generationen (Großvater im Enkel). Der Ahnenkult ist zwar ein weltweites Phänomen, er ist jedoch vor allem bei sesshaften, agrarischen Ethnien anzutreffen; bei Wildbeutern kommt er nicht vor. Jede Verwandtschafts- und Kultgemeinde verehrt nur die Ahnen, die ausschließlich ihr zugehören.
In Abgrenzung zum Totenkult werden beim Ahnenkult auch Vorfahren verehrt, die schon recht lange tot sind, sowie mythische Ahnen, die als Gründer einer Lineage oder eines Klans gelten. Das Opfer für die Ahnen wird als regelmäßige Verpflichtung gesehen, der man nachkommen muss. Die kultischen Zeremonien dem Ahn gegenüber sind meist eine Projektion des diesseitigen sozialen Verhaltens dem lebenden Ältesten gegenüber. Der Ahnenkult ist oftmals kombiniert mit Jenseitsvorstellungen, die das Jenseits als Fortsetzung oder Spiegelung des Diesseits begreifen.
Beispiele der Frühzeit
In den frühen Schichten der Ausgrabungsstätte Catal Hüyük (Zentraltürkei, ca. 5000 bis 2000 v. Chr.) bestatteten die damaligen Bewohner ihre Verstorbenen (oder auch nur Teile davon) direkt unter ihren eigenen Schlafplätzen.
In der akeramischen neolithischen Siedlung von Jericho wurden die Schädel Verstorbener mit Gips übermodelliert und deren Augen mit Muscheln imitiert. Die so wahrscheinlich dem lebenden Vorbild nachempfundenen Schädel wurden in bestimmten Ecken der Wohnräume aufgestellt, bzw. unter dem Haus vergraben.
Dieser nahestmögliche Kontakt mit der eigenen Herkunft löste sich im Laufe der kulturellen Entwicklung immer weiter und nahm abstraktere, wesentlich aufwändigere Formen an - bis hin zu endlosen königlichen Ahnenreihen, aufgezeichnet von ägyptischen Priestern und von ihnen mit komplizierten Riten und jährlichen Feiern versehen, die große Mengen an Opfertieren und -gaben verlangten.
So auch die Hellenen, deren Ahnenreihen von größter Wichtigkeit für den sozialen Status der Familie waren. Hier fanden ebenfalls regelmäßige Kultdienste für die Toten statt.
In den indianischen Kulturen von Alaska bis Mittelamerika war es gang und gäbe, die eigene Herkunft auch über bestimmte heilige Tiere zu definieren, man konnte durchaus beispielsweise vom "großen Adler" abstammen.
Ahnenkult heute in verschiedenen Kulturkreisen
Ahnenverehrung in China
In China ist die familiäre rituelle Ahnenverehrung Hauptbestandteil der Volksreligion und ein fest integrierter Teil des Alltags. Der Tod wird als eine Art Schlaf gesehen, aus dem der Mensch wieder erwachen kann. Deshalb gibt es das Ritual, die Seele des Toten herbeizurufen, dem Gegenstände des Alltags und Nahrung angeboten werden. Auf hölzernen Ahnentafeln in der Ahnenhalle oder auf dem Hausaltar stehen die Namen der Toten. Ihnen werden Opfer dargebracht und vor ihnen werden wichtige Familienangelegenheiten (z. B. Hochzeiten) entschieden. Die Hinterbliebenen können mit ihren Ahnen entweder durch Opfer oder durch Orakel in Verbindung treten. Diese Rituale dürfen nur von Männern durchgeführt werden. Deshalb ist es jeder chinesischen Familie wichtig, dass sie einen männlichen Nachkommen hat. Der Ahnenkult stellt eine der frühesten nachweisbaren religiösen Erscheinungen in China dar und geht bis in die Shang-Dynastie zurück.
Ahnenkult in Madagaskar
Die Madagasssen glauben, dass die Toten/Ahnen (Razana) nach dem Tode weiterleben. Aus diesen Grunde werden zum Beispiel die Häuser mehrstöckig gebaut. Im Erdgeschoss, nahe den Toten schlafen sie nicht gerne. Wenn eine Familie oder Person etwas Unglück (Fady) hat, findet ein Totenwendungsfest (Famadihana) statt, um seinen Geist zu besänftigen. Der Tote wird aus dem Grab geholt, es wird gefeiert, er wird gewendet und wieder vergraben. Mittelsmänner sind die sogenannten Ombiasy (Hexendoktoren), welche nach einer langen Ausbildung in mündlich überlieferten Traditionen Meister in Heilpflanzenkunde sind.
Fady ist auch eine Art Fluch oder moralisches Gesetz (Tabu), das durch den Ombiasy ausgesprochen wird. Der Ombiasy analysiert die Gegebenheiten innerhalb der Gemeinschaft und erklärt Angewohnheiten, Plätze, Personen, Tiere, Pflanzen zum Tabu. In der Regel gewinnt der Fady besonders dadurch an Kraft, dass er mit der Ahnenverehrung und den Toten (Razana) unmittelbar verknüpft wird. Das Totenwendungsfest hingegen hat eine Funktion von Beichte oder Sündenerlass. Der Ombiasy entscheidet, ob dieses notwendig ist, indem er einen spirituellen Kontakt mit den Razana (Toten) aufnimmt. Die Famadihana wurden von der Regierung teilweise verboten, da sich die Familien stark verschuldeten. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit den mexikanischen Totenkult in dem auf dem Grab gefeiert, getanzt und gegessen wird. Die vom Fady Betroffenen zahlen für Ritual, Musiker, Essen in dem Umfang wie es der Ombiasy notwendig hält.
Weitere Beispiele
In Mexiko wird landesweit jährlich der "Tag der Toten" begangen, mit Volksfesten und Skeletten und Schädeln aus Schokolade.
In manchen Kulturen Neuguineas wird der ursprüngliche, unmittelbare Ahnenkult heute immer noch praktiziert: Viele der Eingeborenen benutzen die Schädel ihrer Ahnen als Schlaf-Kopfstütze. Der rituelle Verzehr der Asche des Toten stellt seine ultimative Rettung vor dem Verschwinden (Vergessen) dar und sein vollständiges Aufgehen in der Gemeinschaft der Lebenden.
Aus der evangelisch-reformierten Lebensweise hat sich der Ahnenkult bis auf sporadische Besuche auf dem Friedhof für immer verabschiedet - wenn ein "Kontakt" mit dem Verstorbenen überhaupt gewünscht ist, findet er rein geistig, also von außen nicht bemerkbar, statt. Katholische Gläubige zünden ab und zu eine Kerze für ihre Toten an (Brandopfer).
Weblinks
- [http://atheism.about.com/library/world/KZ/bl_MadagascarReligion.htm Religion in Madagascar] (Englischer Bericht)
- [http://www.priori.ch/das_Buch/55.htm Text über den Fady (Madagascar)]
Kategorie:Naturreligion Kategorie:Chinesische Philosophie und Religion Kategorie:Mexiko Kategorie:Ethnologie
KontextAls Kontext (lateinisch con-textus »Zusammenhang«, Plural: „Kontexte“) wird ein Zusammenhang oder Umfeld beispielsweise eines Wortes oder einer Handlung bezeichnet. Im Falle eines Wortes bezieht sich der Kontext auf das sprachliche Umfeld des Textes.
Im Rahmen der Diplomatik (Lehre der mittelalterlichen und frühzeitlichen Urkunden) wird als Kontext der Teil einer Urkunde bezeichnet, der zwischen den einleitenden und abschließenden Floskeln (Protokoll und Eschatokoll) eine allgemeine Einleitung (Arenga die Vorgeschichte der Urkunde (Narratio) und den eigentlichen Rechtssachverhalt (Dispositio) enthält sowie die Beglaubigungsmittel ankündigt (Corroboratio).
Kontext ist ein Fremdwort aus dem Lateinischen (contexo = zusammenweben, zusammensetzen; contextus = verflochten, fortlaufend).
Die Vorsilbe Kon heißt auf deutsch „zusammen“, das Wort text heißt so etwas wie Textur, auf deutsch übersetzt „das Gewebe“.
Siehe auch: Kontextualisierung, Szene, Umfeld, Sprache, Kultur, Konstruktivismus, Kontextmenü
Weblinks
- http://www.thomasgransow.de/Grundbegriffe/Kommunikation.htm
Kategorie:Literarischer Begriff
Kategorie:Historische Hilfswissenschaften
1964
- 1. Januar: Ludwig von Moos wird neuer Bundespräsident der Schweiz
- 1. Januar: Guinea erhält von Spanien die volle innere Autonomie
- 1. Januar: Singhalesisch wird auf Ceylon alleinige Amtssprache
- 13. Januar: In Kairo (Ägypten) findet die Erste Arabische Gipfelkonferenz statt: Könige und Staatschefs von 13 arabischen Nationen treffen zusammen
- 23. März: In Genf wird die UNCTAD eröffnet, die Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen. In ihr stellen unter anderem die in der „Gruppe der 77“ organisierten Entwicklungsländer die Forderung nach einer gerechteren Mitwirkung am Welthandel
- 31. März: Militärputsch in Brasilien, der Beginn von 21 Jahren Militärdiktatur. General Humberto Castelo Branco wird Staatspräsident
- 26. Mai: Deutschland. Bundespräsident Heinrich Lübke, Frankreichs Staatschef Charles de Gaulle und Großherzogin Charlotte von Luxemburg weihen die Großschiffahrtsstraße Mosel ein
- 1. Juni: Gründung der PLO durch den Ersten Palästinensischen Nationalrat; Vorsitzender wird der UN-Diplomat Ahmed Shukeiry
- 6. Juni: Mit einstweiliger Verfügung werden alle Raketenversuche im Cuxhavener Wattengebiet untersagt
- 12. Juni: Nelson Mandela, Führer des African National Congress, wird zusammen mit sieben Mitangeklagten wegen Subversion und Sabotage zu lebenslänglicher Haft verurteilt
- 12. Juni: Der schwedische Oberst Stig Wennerström wird wegen Spionage für die Sowjetunion zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt
- 12. Juni: Die UdSSR (Nikita Chruschtschow) und die DDR (Walter Ulbricht) unterzeichnen einen Freundschaftsvertrag, den „Vertrag über Freundschaft, gegenseitig Beistand und Zusammenarbeit“
- 2. Juli: In Washington unterzeichnet US-Präsident Lyndon B. Johnson das Bürgerrechtsgesetz zur Aufhebung der Rassentrennung. Dieses: nach Beendigung der Sklaverei im Jahr 1863: wichtigste Dokument zur Gleichstellung der Schwarzen, wurde von John F. Kennedy auf den Weg gebracht und erst nach monatelangem Ringen im Senat ratifiziert
- 7. August: Der US-Kongress beschliesst einstimmig die Annahme der Tonkin-Resolution, damit erhält Präsident Johnson die Vollmacht zur amerikanischen Beteiligung am Vietnamkrieg
- 5. September: Großbritannien entlässt Malta in die Unabhängigkeit
- 9. September: Die DDR genehmigt Rentnern Verwandtenbesuche in der BRD und in West-Berlin
- 1. Oktober: Afghanistan. Die neue demokratische Verfassung tritt in Kraft
- 14. Oktober: Nikita Chrustschow wird vom Plenum des ZK aus seinen Ämtern entlassen. Als Regierungschef folgt ihm Alexej Kossygin, als Parteichef Leonid Breschnjew
- 15. Oktober: Die Labour Party gewinnt die Wahlen im britischen Unterhaus, Premierminister wird Harold Wilson (siehe unten)
- 16. Oktober: Die Volksrepublik China unternimmt den ersten unterirdischen Atombombenversuch
- 16. Oktober: In Großbritannien wird Harold Wilson neuer Regierungschef
- 26. Oktober: Jordanien schließt als zweites arabisches Land einen Friedensvertrag mit Israel ab
- 2. November: Nachdem der Ministerrat König Saud ibn Abd al-Aziz das Vertrauen entzogen hatte, wird dessen Bruder Faisal ibn Abd al-Aziz („König Faisal“) neuer König von Saudi-Arabien
- 2. November: Eine Passierscheinregelung ermöglicht Rentnern aus der DDR den Besuch von Verwandten in Westdeutschland
- 3. November: Eduardo Frei Montalva wird neuer Staatspräsident von Chile
- 20. November: Eisaku Sato wird neuer Regierungschef in Japan
- 1. Dezember: Die DDR setzt Zwangsumtausch für Besucher aus dem Westen fest
- 12. Dezember: Kenia wird Republik. Erster Staatspräsident wird Jomo Kenyatta. Er ist gleichzeitig Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte
- 28. Dezember: Giuseppe Saragat wird neuer Staatspräsident von Italien
Technik und Wirtschaft
- 7. April: IBM stellt das System /360 vor
- 1. Oktober: Der Shinkansen als 1. Hochgeschwindigkeitszug wird in Japan zwischen Ōsaka und Tokio in Betrieb genommen
- 21. November: In New York wird die Verrazano-Narrows-Brücke, die längste Hängebrücke der Welt, eröffnet
- John George Kemeny und Thomas Eugene Kurtz entwickeln die Programmiersprache BASIC
- Eröffnung der World's Fair in New York
Kultur
- 25. April: Die „Kleine Meerjungfrau“, ein Wahrzeichen von Kopenhagen, ist kopflos. Unbekannte haben der Figur des Bildhauers Edvard Eriksen den Kopf abgesägt
- 24. Juli: Uraufführung der Oper Don Rodrigo von Alberto Ginastera am Teatro Colón in Buenos Aires
- 17. September: Uraufführung der Oper Der Zerrissene von Gottfried von Einem an der Hamburgischen Staatsoper
- 30. November: Uraufführung der komischen Oper Das Ende einer Welt von Hans Werner Henze in Frankfurt am Main
- Sergio Leone dreht Für eine Handvoll Dollar
- Jean-Paul Sartre lehnt den Nobelpreis ab
- Erstmalige Vergabe der Goldenen Leinwand
Katastrophen
- 10. Februar: Der Zerstörer Voyager sinkt etwa 100 Seemeilen südlich von Sydney nach einer Kollision mit dem Flugzeugträger Melbourne (beide Australien). 82 Tote unter der 232 Mann starken Besatzung des Zerstörers
- 29. Februar: Eine Maschine der britischen Fluggesellschaft British Eagle stürzte am Glungezer in der Nähe von Innsbruck ab. Alle 83 Personen, die an Bord der Bristol Britannia waren kamen ums Leben. Das Flugzeug befand sich im Landeanflug nach Innsbruck
- 1. März: Lake Tahoe, Kalifornien, USA. Absturz einer Lockheed Constellation der Paradise Airlines
- 14. April: Im Montageraum, in dem der Orbiting Solar Observatory Satellit auf die Trägerrakete gesetzt wird, zündet durch einen technischen Defekt die dritte Raketenstufe. Es gibt 8 Verletzte und 3 Tote
- 7. Mai: Nähe Oakland, Kalifornien, USA. Eine Turboprop Fairchild F-27 der Pacific Air Lines stürzte ab, nachdem ein Selbstmörder erst die Piloten und dann sich selbst erschoss. Alle 44 Insassen auf dem Flugfeld nach einem abgebrochenen Start. 49 Menschen starben
- 7. Mai: Bei einer Vorführung von Postraketen von Gerhard Zucker auf dem Hasselkopf südlich von Braunlage kommt es zu einer Explosion, bei der drei Menschen getötet werden
- 11. Juni: Deutschland. Ein Amokläufer tötet 8 Kinder und zwei Lehrerinnen, danach sich selbst, in einer Grundschule in Volkhoven bei Köln
Sport
Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden siehe unter der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 1. Januar: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verliert gegen Algerien mit 0:2
- 29. Januar bis 9. Februar: IX. Olympische Winterspiele in Innsbruck, Österreich
- 2. Mai Erstbesteigung des Shisha Pangma, des dreizehnthöchsten Berges der Erde durch eine chinesische Großexpedition
- 10. bis 24. Oktober: XVIII. Olympische Sommerspiele in Tokio, Japan
- Der aus Augsburg zum AC Bologna gewechselte Fußballstar Helmut Haller wird in Italien als erster Ausländer zum „Fußballer des Jahres“ gewählt
- 1. Januar: Ron Sexsmith, kanadischer Songpoet
- 2. Januar: Christian Welp, deutscher Basketballspieler
- 3. Januar: Bruce LaBruce, kanadischer Autor, Filmemacher und Fotograf
- 3. Januar: Leonard, Schweizer Schlagersänger und Moderator
- 3. Januar: Cheryl Miller, US-amerikanische Basketballspielerin
- 4. Januar: Alexander Fadejew, russischer Eiskunstläufer
- 6. Januar: Henry Maske, deutscher Boxsportler
- 7. Januar: Nicolas Cage, US-amerikanischer Schauspieler
- 10. Januar: Frauke Ludowig, Dt. Fernsehmoderatorin
- 12. Januar: Jeff Bezos, Gründer und Präsident des US-amerikanischen Unternehmens Amazon
- 13. Januar: Gloria Siebert, deutsche Leichtathletin und Olympionikin
- 13. Januar: Penelope Ann Miller, US-amerikanische Schauspielerin
- 14. Januar: Uwe Wegmann, ehemaliger deutscher Fußballspieler
- 17. Januar: | | |