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| Ignorieren |
IgnorierenDie Ignoranz ist eine Verhaltensweise. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass eine Person etwas - möglicherweise absichtlich - nicht wissen will oder nicht beachtet. Das Wort ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und geht auf das lateinische Substantiv ignorantia = Unwissenheit, Dummheit bzw. das Verb ignorare = "nicht wissen", "nicht kennen" zurück.
Ignoranz wird heute im Deutschen oft als ein Vorwurf an eine Person verwendet, der Desinteresse und Unwissenheit bis hin zur Dummheit unterstellt wird. Als Gegensatz zur Toleranz gilt die Ignoranz auch als die Unfähigkeit oder den Unwillen, Nicht-Akzeptanz zu äußern.
Unter den französischen Existentialisten galt die Ignoranz als die Weigerung, sich durch das Sein betroffen zu fühlen, Wissen und Bildung wurde als Ausweg gesehen und Jean-Paul Sartre schrieb: "der Ignorant lebt seinen Tod, und indem er seine Freiheit verweigert, projiziert er sie auf die Welt, die sie ihm in Gestalt des Schicksals zurückwirft".
ignorieren
Das Verb ignorieren bezeichnet sowohl das bewußte wie das unbewußte nicht zur Kenntnis nehmen eines Sachverhaltes oder Vorgangs. Ignorieren hat keine negative Konnotation (Nebenbedeutung), möglicherweise hat eine Person, die etwas ignoriert dafür gute und nachvollziehbare Gründe.
Der Ignorant
Die Bezeichnung Ignorant für eine Person, die etwas nicht zur Kenntnis nimmt ist in der deutschen Sprachpraxis ein Vorwurf, hat also im Gegensatz zum Verb ignorieren eine negative Konnotation. Der Ignorant ist jemand, der sich nicht um Wissen und Erkenntnis bemüht und daher Unwissend verbleibt. Das Wort kann als Schimpfwort, als Beleidigung gelten.
Rationale Ignoranz
Bei rationaler Ignoranz verzichtet jemand bewusst darauf, sich mit einem Thema auseinanderzusetzten und verpflichtet jemand anderes sich damit zu befassen. Es ist der Verzicht auf die Einmischung in einzelne (politische) Geschäfte in einem Gremium, weil es für Einzelne gar nicht möglich ist, sich mit jedem Geschäft vertieft auseinanderzusetzen.
Weiterführendes
Im Preußischen Recht existierte der sogenannte Ignoranzeid (Jusjurandum lgnorantiae). Dies war speziell im Handels- und Wechselrecht die eidliche Versicherung, dass man von einer behaupteten Tatsache nichts wisse. (vgl. auch Eid).
siehe auch
- Wir haben von nichts gewußt
Kategorie:Emotion
Deutsche Sprache
Die deutsche Sprache (Hochdeutsch und Niederdeutsch) zählt zur indoeuropäischen Sprachfamilie (in Deutschland abweichend auch indogermanische Sprachfamilie genannt), spezifisch zu den westgermanischen Sprachen.
Geschichte
Hauptartikel: Deutsche Sprachgeschichte
Als hochdeutsche Sprache bezeichnet man zunächst alle germanischen Dialekte, die im frühen Mittelalter an der zweiten oder althochdeutschen Lautverschiebung beteiligt waren (alemannisch, bairisch, ost-, rhein-, mittelfränkisch, ostmitteldeutsch = ober- und mitteldeutsche Mundarten = hochdeutsche Mundarten). Die germanischen Dialekte, die diese zweite germanische Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht haben, bezeichnet man seit der frühen Neuzeit als niederdeutsche Sprachen (niedersächsisch und niederfränkisch).
Das Wort „teutsch“ (deutsch) bildete sich dabei innerhalb des Lateinischen aus dem germanischen Wort für „Volk“ (thioda, thiodisk) heraus und bezeichnete die Sprache der nicht lateinisch (und nicht romanisch) sprechenden Bevölkerung. Die ältere Bezeichnung „fränkisch“ für die eigene Sprache traf etwa seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr eindeutig zu, nachdem einerseits die westfränkische Oberschicht im späteren Frankreich den romanischen Dialekt der einheimischen Bevölkerung übernommen hatte und andererseits das Ostfrankenreich auch nicht-fränkische Stämme wie die Alemannen, die Bayern, die Thüringer und die (Nieder-)Sachsen umfasste.
Da während des ganzen Mittelalters im Unterschied zu den Nachbarländern in dem Land der Teutschen stark territorial zersplitterte politische Strukturen existierten, entwickelten sich die zum Teil extrem unterschiedlichen deutschen Dialekte (deutsche Mundarten) lange parallel nebeneinander her.
Einen ersten Ansatz zu einem überregionalen Ausgleich der Mundarten hat man teilweise in der mittelhochdeutschen Dichtersprache der höfischen Dichtung um 1200 sehen wollen. In der Tat ist teilweise das Bemühen der Dichter zu erkennen, nur regional verständliches Vokabular und dialektale lautliche Besonderheiten zu vermeiden, um ein überregionales Verständnis ihrer Werke zu ermöglichen; andererseits muss aber die Breitenwirkung der an den Fürstenhöfen tätigen Dichter zu einer Zeit, als nur eine verschwindend geringe Minderheit der Bevölkerung alphabetisiert war und Zugang zu dieser elitären Kunst hatte, als äußerst gering eingeschätzt werden. Der Beginn der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache kann daher erst in überregionalen Ausgleichsprozessen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit gesehen werden.
Während die Standardsprache in den meisten europäischen Ländern aus dem Dialekt der jeweiligen Hauptstadt hervorgegangen ist, stellt die heutige deutsche Hochsprache (Standardsprache) eine Art „Kompromiss“ zwischen den mittel- und oberdeutschen Dialekten südlich der Benrather Linie dar.
Benrather Linie
In Norddeutschland hat sich das Hochdeutsche, vor allem im Gefolge der Reformation als Amts- und Schulsprache gegen das Niederdeutsche (Plattdeutsche/Niedersächsische und Niederfränkische) durchgesetzt. Zur Blütezeit der Hanse fungierte das Niederdeutsche als Verkehrssprache im gesamten Nord- und Ostseeraum. Auch die Niederländische Sprache ist eine niederfränkische und daher niederdeutsche Sprache.
Martin Luther übersetzte 1521 das Neue Testament und 1534 das Alte Testament in die sich damals noch entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache. Die dort verwendete Sprache in einer ostmitteldeutschen Färbung prägte durch die religiöse Bedeutung Luthers ganze Generationen. Es muss aber angemerkt werden, dass Luthers Bedeutung im Hinblick auf die Entstehung der Neuhochdeutschen Schriftsprache lange Zeit überschätzt wurde. Bereits seit dem 14. Jahrhundert bildete sich allmählich eine immer stärker überregional geprägte Schriftsprache heraus, die man auch als Frühneuhochdeutsch bezeichnet. Die Herausbildung der hochdeutschen Schriftsprache war im 17. Jahrhundert zum Großteil abgeschlossen. Durch die Beseitigung der so genannten Letternhäufelung im 18. Jahrhundert wurde das seitdem in Grundzügen kaum veränderte deutsche Schriftbild abgerundet.
Die Geschichte der deutschen Sprache wird häufig in vier Abschnitte (Sprachstufen) unterteilt:
- 750 – 1050: Althochdeutsch
- 1050 – 1350: Mittelhochdeutsch
- 1350 – 1650: Frühneuhochdeutsch
- ab 1650: Neuhochdeutsch
Johann Christoph Adelung veröffentlichte 1781 das erste große Wörterbuch. Jacob und Wilhelm Grimm begannen 1852 mit der Herausgabe des umfassendsten Deutschen Wörterbuchs, das 1961 vollendet wurde, aber seither einer Überarbeitung unterzogen wird.
Die deutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend normiert. Ein Durchbruch zu einer deutschen „Einheitsschreibung“ gelang mit dem „Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibreform von 1901 in leicht veränderter Form zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklärt wurde. Erst 1996 kam es zu einer erneuten Rechtschreibreform. Siehe dazu auch Geschichte der deutschen Rechtschreibung.
In der Bundesrepublik Deutschland ist Hochdeutsch:
- nach § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz (BVwVfG) als Amtssprache,
- nach § 5 Beurkundungsgesetz als Sprache für notarielle Urkunden,
- nach § 184 Gerichtsverfassungsgesetz als Gerichtssprache festgelegt.
Besondere Regelungen gelten für die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein sowie für die Sorben in Brandenburg und Sachsen; mittlerweile aber auch für die niederdeutsche Sprache.
In Österreich ist laut Artikel 8. (1) Bundes-Verfassungsgesetz (BVG) die (hoch-)deutsche Sprache, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.
In Liechtenstein ist Deutsch die alleingültige Amtssprache. Es kennt keine Minderheitensprachen.
Hochdeutsch als Amtssprache (neben anderen Sprachen)
- Belgien (mit Französisch und Niederländisch)
- Luxemburg (mit Luxemburgisch und Französisch)
- Schweiz (63 % deutsch) (auf gesamtstaatlicher Ebene neben Französisch, Italienisch und Rätoromanisch; in 17 von 26 Kantonen alleinige Amtssprache, in 4 weiteren Amtssprache neben anderen Sprachen)
- Italien: nur regional in Südtirol (mit Italienisch und Ladinisch; in anderen Regionen: Aostatal: Französisch; Friaul: Slowenisch jeweils mit Italienisch)
- Dänemark: in Gebieten der deutschen Minderheit (Sønderjylland) (neben Dänisch)
- Namibia (seit Juni 1984 mit Afrikaans und Englisch, seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 nicht mehr Amtssprache)
- Russland: Anerkannte Verkehrssprache der deutschstämmigen Bevölkerung in den beiden westsibirischen Nationalkreisen Asowo (Gebiet Omsk) und Halbstadt (Altai-Region).
Deutsch ist zudem eine Amtssprache der Europäischen Union und eine Arbeitssprache der Vereinten Nationen.
Dass Deutsch beinahe Amtssprache der USA geworden wäre, ist ein Gerücht, das auf eine Fehlinterpretation zurückzuführen ist (Mühlenberg-Legende, siehe auch Deutsche Sprache in den USA).
Als Minderheitensprache
- Argentinien 300.000
- Australien 200.000 oder mehr ( 2 Millionen Deutschstämmige)
- Belgien 112.458
- Brasilien (1.900.000)
- Chile (100.000)
- Dänemark 20.000
- Estland 3.460
- Frankreich: von den 1.200.000 potenziell deutschsprachigen Elsässern und Lothringern spricht nur noch ein kleiner Teil den angestammten Dialekt
- Italien 330.000
- Kanada 500.000 oder mehr (2,8 Millionen Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Kasachstan 358.000
- Kroatien 11.000
- Lettland 3.780
- Litauen 2.060
- Moldawien 7.300
- Namibia 30.000
- Niederlande 47.775
- Paraguay 200.000
- Polen 170.000
- Rumänien (70.000.)
- Russland: europäischer Teil (75.000), Sibirien (767.300)
- Slowakei 12.000
- ((Südafrika)) 300.000-500.000 (100.000 Passdeutsche, 1 Million Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Togo
- Tschechien 50.000
- Ukraine 38.000
- Ungarn 145.000
- Vereinigte Staaten von Amerika 6.100.000 , insbes. Pennsylvaniadeitsch s. Kapitel Pennsylvania Dutch
Siehe auch: Deutschsprachige Minderheiten
Als Fremdsprache
Deutsch (Hochdeutsch) wird in vielen Ländern als Fremdsprache gelehrt; in Europa ist es nach Englisch am weitesten verbreitet. Besonders häufig wird Hochdeutsch als Fremdsprache in den Niederlanden, Skandinavien, Baltikum, Slowenien, Kroatien, Polen, Japan, Bosnien und Herzegowina, der romanischen Schweiz, Serbien, Ungarn, Montenegro, Mazedonien und Bulgarien gewählt. Teilweise gilt Deutsch in diesen Ländern als erste Schulfremdsprache und steht damit noch vor dem Englischen. Auch in Weißrussland wird Deutsch oft an Schulen unterrichtet.
In anderen Ländern, so zum Beispiel in Frankreich und den USA, verliert Deutsch zunehmend an Bedeutung gegenüber Spanisch.
In Ostasien (Japan) wurde im 19. und 20. Jahrhundert Deutsch als Medizinsprache verwendet (an Stelle von Latein).
Nach einer Erhebung der Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache, der u. a. das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut angehören, gab es 2000 die meisten Deutschlerner in:
- Russische Föderation: 4.657.500
- Polen: 2.202.708
- Frankreich: 1.603.813
- Tschechien: 799.071
- Ukraine: 629.742
- Ungarn: 629.472
- Kasachstan: 629.874
- Niederlande: 591.190
- USA: 551.274
Deutsch ist heute die nach Englisch am meisten verwendete Sprache im Internet (gefolgt von Französisch, Japanisch, Spanisch und Chinesisch). Mehr als acht Prozent aller Seiten im Internet sind auf Deutsch.
(Internetseiten auf Englisch:Cirka 50 %)
Im Zuge der Kolonialisierung entstand im heutigen East New Britain das so genannte Unserdeutsch, das weltweit einzige Kreoldeutsch. Diese Sprache ist jedoch mittlerweile fast ausgestorben, da die meisten Sprecher auswanderten.
Außerdem haben sich in Papua-Neuguinea bis zu 150 Wörter deutschen Ursprungs in der Sprache Tok Pisin erhalten.
Aussprache
Siehe Aussprache der deutschen Sprache.
Grammatik
siehe dazu deutsche Grammatik
Rechtschreibung
Siehe dazu deutsche Rechtschreibung.
Textsammlungen
Beim Projekt Gutenberg-DE gibt es Texte von über 1000 Autoren. Wikisource enthält mehr als 2000 deutschsprachige Werke.
Siehe auch: Deutsche Literatur, Sprichwörter,
Deutschsprachige Schriftsteller: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Die Einteilung der deutschen Dialekte beruht auf Untersuchungen des 19. Jahrhunderts. In gleicher Zeit begann die Herausbildung von Umgangssprachen als einer Art Mischform zwischen Standardsprache und Dialekt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängen die Umgangssprachen die alten Dialekte.
- Mitteldeutsch
- Westmitteldeutsch (siehe auch: Fränkische Sprache)
- Mittelfränkisch (Ripuarisch, Moselfränkisch, Luxemburgisch)
- Rheinfränkisch (Pfälzisch, Hessisch)
- Ostmitteldeutsche Sprache
- Thüringisch-Obersächsisch, (Kolonialdialekte)
- Berlin-Brandenburgisch (Mischform mit Ostniederdeutsch)
- Ostmitteldeutsche Dialekte
- Lausitzische Dialekte
- Ermländisch
- Fränkisch im Übergangsbereich zwischen dem Oberdeutschen und Mitteldeutschen (Wird häufig dem Oberdeutschen zugeordnet.)
- Ostfränkisch, umgangssprachlich "Fränkisch"
- Mainfränkisch
- Süd-Rheinfränkisch
- Oberdeutsch
- Alemannisch
- Schwäbisch
- Elsässisch
- Niederalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
- Hochalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
- Höchstalemannisch (schweizerdeutsche Dialekte)
- Bairisch
- Südbairisch
- Mittelbairisch
- Nordbairisch
Niederdeutsche Sprachen
- Niederdeutsch
- Niedersächsisch
- Niederfränkisch
Niederdeutsch bzw. die niederdeutschen Sprachen zeigen bedeutende phonologische, morphologische und lexikal-semantische Unterschiede gegenüber den übrigen deutschen Mundarten. Diese Sprachgruppe hat die zweite hochdeutsche Lautverschiebung nicht mitvollzogen.
Das Niedersächsische, das in Deutschland und in den Niederlanden gesprochen wird und gemeinhin in Norddeutschland als Niederdeutsch oder Plattdeutsch (Plattdüütsch) bezeichnet wird (in den Niederlanden als „nedersaksisch”) wird auch als Teil einer niederdeutschen Sprachgruppe aufgefasst.
Mittlerweile hat das Niedersächsische infolge der Sprachencharta des Europarats einen offiziellen Status als Regionalsprache erhalten, weil die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen Niedersächsisch für einen Schutz gemäß Teil III der Sprachencharta angemeldet haben. Vermutlich kann dennoch sein allmähliches Aussterben nicht aufgehalten werden.
Das Niederfränkische lebt weiter im Niederländischen. Auch die ursprünglichen Dialekte am Niederrhein (Kleve, Wesel, Duisburg, Mülheim an der Ruhr) sowie die alten Mundarten im Ostbergischen gehörten dem niederfränkischen Zweig an. Sie sind seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch im Aussterben.
Die Mundarten des Gebietes zwischen der Uerdinger Linie (Ik-/Ich-Linie) und der Benrather Linie (Maken-/Machen-Linie) (Düsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld, Neuss) weisen sowohl niederfränkische als auch mittelfränkische Züge auf und sind ein mundartliches Übergangsgebiet zwischen den hochdeutschen und den niederfränkischen Mundarten.
Einflüsse anderer Sprachen auf die deutsche Sprache
Durch ihre zentrale Lage in Europa wurde die deutsche Sprache über die Jahrhunderte durch andere Sprachen beeinflusst. Im Mittelalter und der Zeit davor war es vor allem die lateinische Sprache, aus der sich die deutsche Sprache bediente. So sind viele alltägliche Wörter, vor allem aus Architektur, Religion und Kriegswesen (z. B. Fenster, Keller, Karren, dominieren, Kloster), aus dem Lateinischen entlehnt. Auch die griechische Sprache hat das Deutsche in Religion, Wissenschaft und Philosophie stark beeinflusst (z. B. Philosophie, Physik, Demokratie, Krypta).
Später war es dann vor allem die französische Sprache, die großen Einfluss auf das Deutsche ausübte. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg an vielen Höfen französisch gesprochen wurde und selbst preußische Könige diese Sprache besser beherrschten als Deutsch und letzteres, frei nach Voltaire, nur zur Kommunikation mit Soldaten und Pferden gebraucht wurde, kamen vor allem Wörter aus dem vornehmen Bereich in die deutsche Sprache (z. B. Boulevard, Trottoir, Konfitüre).
Auch aus den slawischen Sprachen (z. B. Grenze, Pistole), dem Jiddischen und dem Rotwelsch (z. B. Zoff, meschugge, Mischpoke, Schockse) kamen einige Wörter ins Deutsche, jedoch war der Einfluss dieser Sprachen im Vergleich zu den vorgenannten wesentlich geringer.
In Handel, Botanik und Medizin lassen sich auch einige Einflüsse aus dem Arabischen ausmachen, die verstärkt im Mittelalter beispielsweise durch die Kreuzzüge nach Europa und somit auch nach Deutschland kamen. Aber auch in alltäglichen Begriffen wie Koffer, Benzin oder Limonade lassen sich arabische Einflüsse bzw. Ursprünge nachweisen.
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts nahm in Deutschland das Englische zunehmend Einfluss auf die deutsche Sprache (Anglizismen). Diese Entwicklung wird von einigen skeptisch betrachtet. Kritiker bringen vor, es handle sich oftmals (z. B. bei Handy) um Pseudo-Englisch, für das es genügend deutsche Synonyme gebe.
Auch technische Zwänge bei der Synchronisation englischsprachiger Filme üben mittlerweile einen Einfluss auf das Deutsche aus. Um Lippensynchronizität zu gewährleisten, werden Worte und Redewendungen kreiert, die zuvor im Deutschen nicht üblich waren, sich dann aber später in der Umgangssprache durchsetzen (z.B. "Oh mein Gott" statt "Um Gottes Willen" als Übersetzung für "Oh my God"). "Verdeckte" Anglizismen gibt es mittlerweile auch aus anderen Gründen: So ist der heute sehr gebräuchliche Ausdruck "nicht wirklich" die wortwörtliche Übersetzung von "not really" und bedeutet demzufolge soviel wie "eigentlich nicht" – allerdings hat sich der Ausdruck inzwischen verselbständigt.
Eine Sprachpolitik, wie sie unter anderem in Frankreich und Island betrieben wird, um eine Anreicherung der Sprache mit Anglizismen zu unterbinden, findet in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr statt. Gründe hierfür sind möglicherweise in der Sprachpolitik des Nationalsozialismus zu suchen. Andere verwerfen solche Bemühungen unter Verweis auf Joachim Heinrich Campe als Sprachpurismus.
Literatur zu Kontakten der deutschen Sprache
- Johannes Bechert/Wolfgang Wildgen: Einführung in die Sprachkontaktforschung. Darmstadt, Wiss. Buchgesellschaft, 1991
- Csaba Földes: Kontaktdeutsch. Zur Theorie eines Varietätentyps unter transkulturellen Bedingungen von Mehrsprachigkeit. Tübingen, Verlag Gunter Narr, 2005
- Claudia Maria Riehl: Sprachkontaktforschung. Tübingen, Narr, 2004
Wie das Deutsche in anderen Sprachen heißt
Aufgrund der sehr wechselhaften Geschichte Deutschlands gibt es in den Sprachen der Welt mehr unterschiedliche Formen für den Namen der deutschen Sprache als für die meisten anderen Sprachen der Welt.
Allgemein kann man die Namen der deutschen Sprache aber aufgrund ihrer Herkunft in sechs Gruppen zusammenfassen.
Anmerkung: In der Vergangenheit war im Rumänischen die dem Slawischen entlehnte Form nemţeşte üblich, aber heute wird im Rumänischen vorwiegend das Wort germană benutzt. Das ungarische német ist auch aus dem Slawischen entlehnt, ebenso der Name Österreichs im Arabischen, an-Nimsā (النمسا).
Siehe auch
- Jiddisch
- Rotwelsch
- »BRD-Sprache« und »DDR-Sprache«, Duden als Sprachwächter
- Schweizer Hochdeutsch, Schweizerdeutsch
- Sprachgebrauch in Österreich
- Belgranodeutsch
- Deutschsprachiger Raum
- Institut für Deutsche Sprache
- Gebärdensprache im deutschsprachigen Raum
- Moselromanisch
- Deutsche Sprache in Namibia
- :Kategorie:Deutsche Sprache
- Variantenwörterbuch des Deutschen
- Pennsylvania Dutch, Hutterisch, Texasdeutsch
- Riograndenser Hunsrückisch
- Deutsche Redewendungen
- Studentensprache
- Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen
- Liste der häufigsten Wörter der deutschen Sprache
Weblinks
- [http://www.ids-mannheim.de Institut für deutsche Sprache, Mannheim]
- [http://www.gfds.de/ Gesellschaft für deutsche Sprache, Wiesbaden]
- [http://wortschatz.uni-leipzig.de/index.html Wortschatz der deutschen Sprache]
- [http://www.dwb.uni-trier.de/ Grimm, Deutsches Wörterbuch]
- [news:de.etc.sprache.deutsch Newsgroup zur deutschen Sprache] ([http://groups.google.com/groups?q=de.etc.sprache.deutsch de.etc.sprache.deutsch bei Google], [http://faql.de FAQs zur Newsgroup])
- [http://www.canoo.net/index.html Rechtschreibung mit Online-Prüfung, Grammatik, Morphologie und anderes]
- [http://www.woerterbuch.info/ woerterbuch.info - Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 600.000 Übersetzungen und 125.000 Synonymen]
- [http://www.deutsche-sprachwelt.de Magazin Deutsche Sprachwelt]
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16. Jahrhundert
Das 16. Jahrhundert begann am 1. Januar 1501 und endete am 31. Dezember 1600.
Mit der Reformation Luther im Jahre 1517 endete das Spätmittelalter in Europa, und es begann damit die Epoche der frühen Neuzeit.
Ereignisse/Entwicklungen
- Weitergehende Reformation der Kirche
- König Heinrich VIII. (England) bricht mit der katholischen Kirche (1533)
- Religionskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten in Frankreich
- Die Zeit der großen europäischen Hexenverfolgung beginnt gegen Ende des Jahrhunderts
- Erste Erdumseglung von Ferdinand Magellans Expedition.
- Die Türken schlagen Ungarn (Schlacht bei Mohács, 1526) und belagern Wien (Erste Wiener Türkenbelagerung, 1529)
- Kopernikus veröffentlicht seine Theorie vom heliozentrischen Weltbild (1543)
- Der Gregorianische Kalender wird in vielen katholischen Ländern eingeführt (1582)
- Die britische Flotte unter Sir Francis Drake schlägt die spanische Armada vernichtend (1588)
Persönlichkeiten
- Martin Luther, religiöser Reformator
- Michelangelo Buonarotti, Maler und Bildhauer
- Thomas More, englischer Politiker und Schriftsteller
- Miguel de Cervantes, spanischer Schriftsteller
- Elizabeth I., englische Königin
- Philip II., spanischer König
- Nostradamus, Arzt, wurde berühmt für seine Prophezeiungen
- Nikolaus Kopernikus, Astronom
- Mary Queen of Scots, Königin Schottlands und Mutter James I of England and VI of Scotland
- William Shakespeare, englischer Dichter und Dramatiker
Erfindungen und Entdeckungen
- Erfindung des Spinnrads.
01-16
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Latein
Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum.
Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.
Entwicklung
romanischen Sprachen
Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein.
Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen.
Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa.
In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.
Antike
Antike Schreibweise
Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen.
Vergleiche folgendes Beispiel:
Alte Schreibweise:
AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO
SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT
POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO
AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT
IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI
NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM
MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS
NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT
NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE
NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI
NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV
MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES
Heutige Schreibweise:
Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,
sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.
poena metusque aberant nec verba minantia fixo
aere legebantur, nec supplex turba timebat
iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti.
nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem,
montibus in liquidas pinus descenderat undas,
nullaque mortales praeter sua litora norant.
nondum praecipites cingebant oppida fossae,
non tuba directi, non aeris cornua flexi,
non galeae, non ensis erant: sine militis usu
mollia securae peragebant otia gentes.
Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter)
Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.
Antike Aussprache
Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.
Literatur
Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.
Gegenwart
Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte.
Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften.
Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare - „gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden.
Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher.
Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.
Modernes Latein
Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr.
Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat.
Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry.
Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein.
In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu „Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen.
Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.
Latein in den Wissenschaften
In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.
Latein in der katholischen Kirche
Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken).
Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen.
Siehe auch: Lateinische Kirche
Referenzlisten
- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter
Siehe auch
- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus
Weblinks
- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de]
Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein
ja:ラテン語
ko:라틴어
simple:Latin language
th:ภาษาละติน
zh-min-nan:Latin-gí
SubstantivEin Substantiv (auch Hauptwort, Namenwort oder Dingwort; zum Teil auch Nomen) bezeichnet ein bestimmtes Objekt oder eine bestimmte Person, die in Raum und Zeit existiert oder existiert hat. Außerdem gehören in der deutschen Sprache (und einigen anderen) zu den grammatischen Substantiven abstrakte Objekte oder Eigenschaften, wie Wirklichkeit, Güte, Unwissenheit, Unmöglichkeit, das Gehen, das Rot und andere.
Zu unterscheiden sind:
- Eigenname, Name (lat. nomen proprium): Paula, die Alpen, Hamburg
- Gattungsname, (lat. nomen appellativum): Mensch, Tisch, Kunst, Liebe
- Stoff-/Substanzname: Milch, Gold
Substantive gehören wie Substantivierungen (die Blauen, das Streiten, das Ich) zu den Nomen. Das Nomen bildet den Kopf der Nominalphrase: „ein schönes Bild“, „die lieben Kleinen“, „der Mann, der zuviel wusste“. Der Kopf gibt Genus-, Numerus- und Kasusmerkmale an die veränderbaren Teile der Nominalphrase weiter, bestimmt also die Grammatik dieser Wortgruppe.
Substantive scheinen in allen Sprachen vorzukommen - der westliche Begriff von ihnen ist aber nicht immer problemlos übertragbar, das gilt z.B. für den irokesischen Sprachtyp.
In der deutschen Sprache können aus verschiedenen anderen Wortarten Substantive gebildet werden. Zum Beispiel können aus Verben (wie „zurückgehen“) Verbalsubstantive („der Rückgang“) gebildet werden.
Aus einigen Substantiven können auch Wörter anderer Wortarten gebildet werden.
Substantive beginnen im Deutschen mit einem Großbuchstaben.
Beispiele:
- der Bundespräsident (eine Person, eine Funktion)
- der Gott (ein mythologisches Wesen)
- das Haus (ein materielles Objekt)
- das Wasser (ein materielles Objekt, allgemeiner Oberbegriff)
- die Drei (eine Zahl, Menge)
- das Gehen, aus dem Verb gehen
- das Rot, aus dem Adjektiv rot
Deutsche Substantive gehören entweder dem Genus Maskulinum (männlich) mit dem bestimmten Artikel der, dem Femininum (weiblich) mit dem bestimmten Artikel die oder dem Neutrum (sächlich) mit dem bestimmten Artikel das an.
Im DaF-Unterricht („Deutsch als Fremdsprache“) macht die Grammatik von der Möglichkeit Gebrauch, für die Fremdsprachenlerner das Genus des Substantivs über die Substantivendung und den Artikel erkennbar zu machen. Besonders zuverlässig sind die Regeln für die femininen Substantive, unter denen sich zahlreiche mit den Endungen -e, -anz, -ion, -ik, -heit, -keit, -ung und -tät finden.
Substantive sind in flektierenden Sprachen deklinierbar („beugbar“), im Deutschen existieren vier Fälle (Kasus): Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Die deutsche Deklination ist noch einigermaßen komplex. Das Englische hat kaum noch Kasusdifferenzierungen, es nähert sich in dieser Hinsicht dem Chinesischen, das keinerlei Flexion aufweist.
Obwohl die meisten Substantive in den Numeri Singular und Plural vorkommen, werden bestimmte Substantive nur im Singular (Singularetantum) bzw. im Plural (Pluraletantum) gebraucht.
Zusammengesetzte Substantive (Komposita)
Durch Zusammensetzung mehrerer Wörter können neue Substantive gebildet werden.
Beispiele:
- das Rotwild
- der Autoverkehr
- die Sonnenfinsternis
- der Landesmusikdirektor
- die Fluss-Schifffahrt bzw. die Flussschifffahrt
- die Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmützenkokarde
Dabei steht das Grundwort in der deutschen Sprache und vielen anderen Sprachen rechts, links davon stehen entsprechende modifizierende bzw. erklärende Wörter, die selbst zusammengesetzt sein können. Prinzipiell können so beliebig lange Substantive gebildet werden, die meisten bestehen aber aus zwei, drei oder vier Wörtern.
In der deutschen Sprache werden zusammengesetzte Substantive zusammengeschrieben oder zur Verdeutlichung der Struktur durch einen Bindestrich verbunden.
In einigen Sprachen, zum Beispiel im Englischen, werden sie jedoch oft weder zusammengeschrieben, noch besonders gekennzeichnet. Die getrennte Schreibweise wird immer häufiger irrtümlich ins Deutsche übernommen. Dieses Phänomen bezeichnet man abwertend als Deppenleerzeichen.
Siehe auch
- Genus, Wort, Artikel, Syntax, Adjektiv, Verb
Kategorie:Grammatik
Kategorie:Wort
ja:名詞
ko:명사 (품사)
simple:Noun
VerbDas Verb (von latein.„verbum“: „Wort“ (siehe auch Indo-Europäischer Wortstamm wer-); auch Verbum, Zeitwort, Tätigkeitswort, oder – besonders im Elementarunterricht bei Kindern – Tuwort genannt) ist ein Wort, das normalerweise eine Handlung (zum Beispiel spielen, lachen, werfen), einen Zustand (glänzen) oder ein Geschehen (regnen, schneien, expandieren) ausdrückt.
Reihenfolge im Satz
Sprachen unterscheiden sich unter anderem in der Reihenfolge, in der die Bestandteile Subjekt, Prädikat und Objekt vorkommen.
Es gibt Sprachen, in denen die Wahl der Reihenfolge gar nicht oder nur teilweise eingeschränkt ist; im Deutschen sind im Aussagesatz sowohl die Bauweise Subjekt–Prädikat–Objekt: „Das Kind isst jetzt den Apfel“ als auch Objekt–Prädikat–Subjekt möglich: „Den Apfel esse ich jetzt nicht“. Selbst die Reihenfolge Prädikat–Subjekt–Objekt ist möglich: „Steht einer an der Straße und ruft: ‚Guck mal, ein Auto!‘“ Die Reihenfolge ist trotz der Freiheiten nicht willkürlich, sondern hat eine Bedeutung oder drückt eine Wichtung aus. Daneben hängt die Stellung auch von der Satzart (Aussagesatz, Fragesatz, Hauptsatz, Nebensatz) ab.
In der deutschen Sprache kann ein Verb andere Satzteile umklammern: einladen -> Ich lade die ganze Familie zum Geburtstag ein.
Es gibt auch Sprachen mit grammatisch fest vorgeschriebenen Reihenfolgen. So ist die Wortfolge eines Hauptsatzes im Englischen heute so vorgegeben: Subjekt–Verb–Objekt.
Transitive und intransitive Verben
Verben werden nach ihrem Gebrauch in transitive und intransitive unterschieden.
Transitive Verben beschreiben eine auf ein Objekt gerichtete Tätigkeit (z. B. „Sie liest die Zeitung.“) Sie haben ein Akkusativobjekt, das aber nicht immer sichtbar ist. Beispiele: „Herr Meier isst gerade.“ „Herr Meier isst den Salat.“
Intransitive Verben regieren kein Objekt. Beispiel: „Sie weint.“
Andere Satzergänzungen, z. B. Adverbiale, können hinzu kommen: „Ich wohne in der Stadt.“ „Die Tasse steht auf dem Tisch“. Hier sind „in der Stadt“ und „auf dem Tisch“ erforderliche Lokaladverbiale.
Es gibt auch einige Verben, die sowohl transitiv, als auch intransitiv sind. Z. B. sind dies: hängen, reißen, (ver-)brennen, riechen, schmecken, (zer-)brechen, stoppen, schmelzen, leuchten, scheinen, rauchen oder zünden.
Konjugation
Die Konjugation bezeichnet die Flexion (Rektion) von Verben in Person, Zahl, Zeit, Modus usw. Alles weitere siehe bei Konjugation.
Hilfsverben und Vollverben
Die größte Zahl der Verben sind Vollverben. Zur grammatischen Darstellung der zusammengesetzten Tempora (Zeiten), des Modus, des Passivs und in einigen Sprachen des Aspekts werden Hilfsverben verwendet (auch Kopula genannt). Hilfsverben gehören zu einer kleinen Klasse von Verben, die zusammen mit einem Vollverb eine grammatische Struktur bilden können. Die meisten Hilfsverben können auch selbständig gebraucht werden.
Beispiele für Vollverben
- Ich erschrecke.
- Du schreibst.
- Er gibt mir etwas.
- Ich belehre ihn.
Beispiele modaler Hilfsverben (Modalverben)
- Ich will schreiben.
- Ich möchte schreiben.
- Du darfst schreiben.
- Er kann schreiben.
- Sie muss schreiben.
- Es soll nicht essen.
Einige modale Hilfsverben können auch als Vollverb verwendet werden: Ich mag Kuchen. Er mag sein Brüderchen.
Ausdruck der Zeit mit Hilfsverben
- Ich hatte gekocht.
- Ich war mit dem Zug gefahren.
- Er ist damals durch Paris gefahren.
- Ich bin gelaufen.
- Ich werde ins Kino gehen. (Enthält zusätzlich Absichtserklärung.)
Iterativa
Iterativa (auch Frequentiva) sind Verben, die eine wiederholte Handlung ausdrücken.
Beispiele:
- clamitare (lat.) oft rufen (von clamare rufen)
- sticheln oft ein wenig stechen
Substantivierung
Auch in der deutschen Sprache können aus Verben durch die Substantivierung Substantive gebildet werden. Diese werden wie „normale“ Substantive verwendet (Deklination, Geschlecht). Substantivierte Infinitive haben immer sächliches Geschlecht und können nicht immer einen sinnvollen Plural bilden.
- gehen → das Gehen
- rennen → das Rennen (als Vorgang, Bedeutungserweiterung als Veranstaltung)
Substantivierung erfolgt gegebenenfalls auch durch Verwendung bestimmter Endungen.
- substantivieren → die Substantivierung
Auch aus von Verben abgeleiteten Partizipien können Substantive gebildet werden:
- gehen → gehend → der gehende Mann, die gehende Frau → der Gehende, die Gehende.
- verloben → der/die Verlobte.
Die Substantive behalten inhaltliche Eigenschaften des Verbes und erhalten syntaktische Eigenschaften der Substantive.
Bildung von Verben aus anderen Wörtern
In der deutschen Sprache und in einigen anderen können Verben aus Wörtern anderer Wortarten gebildet werden.
Beispiele:
- Aus Substantiv: der Geist -> herumgeistern, die Angst -> sich ängstigen
- aus Adjektiv: rot -> erröten, dumm->verdummen
Dabei tritt oft ein Bedeutungswandel auf, wie an den Beispielen zu sehen ist.
Verben können aus verschiedenen Wortarten zusammengesetzt sein: Er wollte darangehen, das Haus zu reparieren. Vergleiche aber als Wortgruppe: Ich will daran gehen und nicht hieran. Ich kann da gar nicht daran glauben.
Das Verb in der Morphologie, Semantik und Syntax
Das Verb ist semantisch, morphologisch und syntaktisch gekennzeichnet. Die semantische Kennzeichnung erfolgt durch das Merkmal der Prozessualität (Handlungen, bezeichnetes Geschehen, Nullprozess]]. Morphologisch ist das Verb durch einen Kanon von fünf spezifisch verbalen Kategorien und zwei nicht spezifischen Kategorien gekennzeichnet.
Spezifische verbale Kategorien
1. Aspekt
2. Genus verbi
3. Modus
4. Tempus
5. Person
Nichtspezifisch verbale Kategorien
6. Genus
7. Numerus
Syntaktisch ist das Verb durch die Position des Prädikats bezeichnet. Man unterscheidet infinite (ungebeugte), finite und partizipiale Formen des Verbs.
Slawische Sprachen (Slawinen) verfügen über Verben, die durch das Merkmal der Aspektualität gekennzeichnet sind. Die morphologische Kategorie des Aspekts ist ein System einander gegenüberstehender Formenreihen (Verbformen, Verbalformen), von denen eine den ganzheitlichen Prozess kennzeichnet (vollendeter Aspekt oder auch perfektiver Aspekt mit dem Merkmal der Totalität) und die andere das Merkmal des abgegrenzt ganzheitlichen Prozesses unausgedrückt lässt (unvollendeter oder auch imperfektiver Aspekt).
Die Aspektualität bezeichnet die Sichtweise des Sprechers auf ein Geschehen oder einen Sachverhalt.
Die Aspekte stehen in binärer Opposition zueinander. Das Merkmal des Prozesses der Totalität ist die abgegrenzte Ganzheitlichkeit. Die Form verhält sich dem gegenüber redundant (überflüssig).
Aktionsarten von Verben
Aktionsarten sind lexikalisch-grammatische Klassen von Verben, die eine bestimmte Modifikation der lexikalischen Bedeutung eines präfigierten Verbs (Verb mit Präfix) ausdrücken und dieses Verb in temporaler und quantitativer Hinsicht und in Bezug auf die Intensität durch spezielle Formenmittel modifizieren.
privative Opposition
Bei der privativen Opposition stehen sich ein merkmalhaftes, markiertes Glied (Glied 1) und ein nichtmarkiertes, merkmalloses Glied (Glied 2) gegenüber.
Aspekt: (Glied 1)+(Glied 2)+/- Totalität
Die Wahl des Aspekts ist objektiv bedingt durch die Situation und den Sachverhalt. Die Mehrheit der verben slawischer Sprachen tritt als Aspektpaar auf. Das Aspektpaar unterscheidet sich nur grammatisch, nicht lexikalisch. Die Bedeutung bleibt gleich. Das verb tritt lediglich in zwei Formen auf. Im Russischen zum Beispiel sind alle Verben durch das Merkmal der Aspektualität gekennzeichnet. Jedoch hat nicht jedes Wort einen Aspektpartner.
zweiaspektige Verben slawischer Sprachen haben ihren Ursprung meist
a) in einem Lehnwort oder
b) in Verben aus dem Altslawischen, die als Aspektsystem noch nicht ausgeprägt sind.
Aspektdefektivität
Von der Aspektdefektivität sind vollendete oder auch unvollendete Verben (Perfektiva oder Imperfektiva tantum) aber auch aterminative (nichtgrenzbezogene) Verben betroffen.
Bildung der Aspekte
Es gibt drei Möglichkeiten der Bildung von Aspekten.
1. durch Suffixe erfolgt Imperfektionierung
2. durch Präfixe erfolgt Perfektionierung
3. durch unterschiedliche Wurzeln erfolgt Suppletivierung
Siehe auch
- Ergativ
- Adjektiv, Substantiv
- Unregelmäßiges Verb bzw. Starkes Verb
- Regelmäßiges Verb bzw. Schwaches Verb
- verbal, nonverbal, verbalisieren, werben
Weblinks
-
- [http://www.verba.org www.verba.org] - Universaler Konjugator
- [http://www.verben.info www.verben.info] - Englische, spanische oder französische Verben uvm. online üben
- [http://www.soviseau.de/verben/verben.php www.soviseau.de/verben/verben.php] Scherzhafte Sammlung starker Verben
Kategorie:Grammatik
ja:動詞
simple:Verb
ExistentialismusMit Existenzialismus bezeichnet man im allgemeinen Sinne die französische philosophische Strömung der Existenzphilosophie. Im engeren Sinne wird hiermit die Formulierung der Existenzphilosophie Jean Paul Sartres verstanden, sowie Strömungen aus Literatur (Kafka, Rilke, Benn, Camus, Sartre), Theologie (Bultmann) und Pädagogik (Bollnow) die sich des Existenzmotivs bedienen.
Desweiteren ist der Begriff des "Existenzialismus" im Gebrauch als Bezeichnung für eine allgemeine Geisteshaltung, die den Menschen als Existenz im Sinne der Existenzphilosophie auffasst ("Der Mensch ist seine Existenz.").
Existenzphilosophie
Als Hauptbegründer des Existenzialismus in dem oben genannten Sinne gilt Jean Paul Sartre. Als Hauptvertreter des französischen Existenzialismus gelten neben Jean-Paul Sartre und Albert Camus, Simone de Beauvoir und Gabriel Marcel.
Philosophie
Eine der bekanntesten und vielleicht einflussreichsten existenzialistischen Äußerungen, die jedoch sinngemäß schon bei Schelling nachgewiesen werden kann, ist die Aussage Sartres, „Die Existenz geht der Essenz (dem Wesen) voraus“, aus der Schrift Ist der Existenzialismus ein Humanismus.
Thematisch angeknüpft wird hier an die Wesensbestimmung (Essenz) des Menschen in der Philosophie. Durch die Bestimmung des Menschen als biologisches Wesen, als göttliches Wesen, als Vernunftwesen etc., erhält der Mensch vor seiner Existenz zunächst schon eine Bedeutung, eben vernünftig, biologisch, gottähnlich. Der Existenzialismus kritisiert diese, der Existenz vorgängige Sinnbestimmung und setzt ihr die Existenz entgegen: der Mensch ist als Mensch nicht zu erfassen, wenn nicht je von seiner eigenen individuellen Existenz ausgegangen wird. Jede Wesenbestimmung enthält, so die Kritik des Existenzialismus, immer schon einen Theorieaspekt, der sich nicht aus einer unmittelbaren Erfahrung der Existenz speist, sondern der Existenz „nachrangig“ gebildet wird.
Hieraus erkärt sich auch die Fokussierung des Existenzialismus auf die Themen Angst, Tod, Freiheit, Verantwortung und Handeln als elementar menschliche Erfahrungen. Der Mensch versteht sich selber nur im Erleben seiner selbst. Demnach bezieht sich der Existenzialismus nicht mehr auf eine göttliche oder kosmologische oder quasigöttliche Ordnung, sondern entwickelt seine Theorie vom Einzelnen aus. Zwar wird dadurch eine religiöse Grundhaltung nicht abgelehnt, auch wenn dies häufig durch die Schriften Sartres intendiert wird, Glaube wird vielmehr selbst zum existenziellen Erleben.
In den Begriffen Geworfenheit, Selbstentwurf, Freiheit, Selbstbestimmung zeigt sich die Zentrierung des Existenzialismus auf das Problem der Befreiung des Menschen zu seinen eigenen Möglichkeiten hin. Die Notwendigkeit dieser Möglichkeit zu sein, zeigt sich in den Erfahrungen von Absurdität, Ekel, Angst, Sorge, Tod, Langeweile und zeigt eindrucksvoll auf, dass gerade dieses subjektive Empfinden das Leben des Menschen bestimmt, Objektivitätsansprüche vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen verblassen.
:„Der atheistische Existentialismus, für den ich stehe, ist zusammenhängender. Er erklärt, dass, wenn Gott nicht existiert, es mindestens ein Wesen gibt, bei dem die Existenz der Essenz vorausgeht, ein Wesen, das existiert, bevor es durch irgendeinen Begriff definiert werden kann, und dass dieses Wesen der Mensch oder, wie Heidegger sagt, die menschliche Wirklichkeit ist. Was bedeutet hier, dass die Existenz der Essenz vorausgeht? Es bedeutet, dass der Mensch zuerst existiert, sich begegnet, in der Welt auftaucht und sich danach definiert.” (Jean Paul Sartre, Ist der Existentialismus ein Humanismus)
Grundpositionen des Existentialismus
Hier wird nur die französische Form des Existentialismus dargestellt. Weitere Informationen zu den Autoren Heidegger, Merleau-Ponty, Gabriel Marcel, Kafka und Jaspers, sowie Bultmann, Gottfried Benn und Bollnow siehe entweder die Artikel zu den einzelnen Philosphen und Schriftstellern bzw. Theologen oder aber unter Existenzphilosophie.
Jean Paul Sartre
Sartres philosophisches Hauptwerk Das Sein und das Nichts gilt gleichzeitig auch als wichtigstes theoretisches Fundament des Existentialismus. Hier zeigt er auf, dass sich das menschliche Sein (Für-Sich), von dem anderen Sein, den Dingen, Tieren, Sachen etc. (An-Sich) durch seinen Bezug zum Nichts gekennzeichnet ist.
:Der Mensch ist ein Sein, „das nicht das ist, was es ist, und das das ist, was es nicht ist”.
Als einziges Wesen, das verneinen kann, einen Bezug zu dem Noch-Nicht oder Nicht-Mehr hat, das lügen kann, also das sagen, was nicht ist, hat der Mensch damit auch die Bürde der Freiheit und damit auch die Verantwortung. Das Hauptwerk zeigt in eindrucksvollen Analysen menschlicher Situationen, wie sich die Freiheit in allen Bezügen des Seins des Menschen aufdrängt, der Mensch vor dieser Verantwortung flieht und wie der konkrete Bezug zum Anderen mir erst diese Verantwortung und Freiheit aufzeigt. Das Vorurteil, dass es sich bei dem Existentialismus sartrescher Prägung um einen egoistischen Individualismus handelt, kann so nicht aufrecht erhalten werden. Im Gegenteil: in seinen Analysen zeigt der Philosoph auf, dass menschliches Leben niemals als vereinzeltes Leben verstanden werden kann. Die dafür notwendigen Analysen sind, mit Einschränkung, wahrscheinlich die stärksten philosophischen Argumente gegen jeglichen Solipsismus.
Methodisch geht Sartre phänomenologisch vor, indem er die oben genannten Existenziale wie Freiheit, Furcht, Angst, Liebe, Scham als Zeugen für die Freiheit des Menschen befragt. Durch diese Analysen gelangt er schließlich auch zu dem Anderen als mir gegenübertretende Freiheit und zeigt auf, das unsere Freiheit und Verantwortung eine ontologische Entprechnung hat. Somit kann Sartre zwar keine moralischen Forderungen stellen, Moral aber selbst ist für ihn nicht nicht, sondern löst sich von überindividuellen Bezügen ab und findet ihre Entsprechung in der Verantwortlichkeit jedes Einzelnen.
:„Aber wenn wirklich die Existenz der Essenz vorausgeht, so ist der Mensch verantwortlich für das, was er ist. Somit ist der erste Schritt des Existentialismus, jeden Menschen in Besitz dessen, was er ist, zu bringen und auf ihm die gänzliche Verantwortung für seine Existenz ruhen zu lassen. Und wenn wir sagen, dass der Mensch für sich selber verantwortlich ist, so wollen wir nicht sagen, dass der Mensch gerade eben nur für seine Individualität verantwortlich ist, sondern dass er verantwortlich ist für alle Menschen.”
Nun findet sich aber gerade hier häufig der Einwand, warum Menschen denn dann unmoralisch handeln, bzw. ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, wenn wir doch frei sind. Der Mensch hat nach Sartre einen Bezug zum Nichts eben dadurch, dass er in seiner eigenen Seinsstruktur selber Nichts ist, d.h. der oben zitierte Satz bringt zum Ausdruck, dass wir selbst immer wieder vor der Verantwortung fliehen können: Sartre nennt diese ontologische Struktur des Menschen „mauvaise foi“, die Unaufrichtigkeit oder Selbstlüge. Er beschreibt, wie wir in der Selbstlüge zugleich Lügner und Belogener in einer Person sind und zeigt auf, warum dieses offensichtlich logisch Widersinnige nachzuvollziehen ist: Da wir offensichtlich nicht eindeutig zu bestimmen sind, wie die Analyse der mauvaise foi nahe legt, tätigen wir immer wieder einen sog. Entwurf.
:„Der Mensch ist zuerst ein Entwurf, der sich subjektiv lebt, anstatt nur ein Schaum zu sein oder eine Fäulnis oder ein Blumenkohl; nichts existiert diesem Entwurf vorweg, nichts ist im Himmel, und der Mensch wird zuerst dasein, was er zu sein geplant hat, nicht was er sein wollen wird. Denn was wir gewöhnlich unter Wollen verstehen, ist eine bewusste Entscheidung,die für die meisten unter uns dem nachfolgt, wozu er sich selbst gemacht hat. Ich kann mich einer Partei anschließen wollen, ein Buch schreiben, mich verheiraten, alles das ist nur Kundmachung einer ursprünglicheren, spontaneren Wahl als was man Willen nennt”.
In seinen literarischen Werken wird dieses Thema, Entwurf und Änderung eines Grundentwurfes immer wieder zum Thema gemacht.
Albert Camus
Albert Camus ist der zweite wichtige große Vertreter des französischen Existentialismus. In seinem 1942 erschienen Buch Der Mythos von Sisyphos entwickelt Camus die Philosophie des Absurden.
Sich selber nicht als Existentialist begreifend, und mehr in der Tradition der französischen Moralisten sehend, fasst er aber in ähnlicher Weise wie Sartre die Welt als nicht von sich aus sinnhaft, weil durch den Mensch erst Sinn erhaltend. Damit gilt letztlich auch für Camus die von Sartre geäußerte Überzeugung, dass die Existenz der Essenz vorrausgehe. Damit kumuliert allerdings das philosophische Fragen für Camus in der für ihn einzig wichtigen, die nach dem Selbstmord. Der Selbstmord ist hier als Lösung, Loslösung von einer sinnlosen Welt gedacht: Warum Leben, wenn doch alles Sinnlos ist? Wenn wir weder in einen Gott vertrauen, noch in unsere Vernunft setzen können - was bleibt dann als Sicherheit? Nichts! Für den modernen Menschen gibt es diese Sicherheit nicht. Hier liegt auch seine Ablehnung des Existentialismus als System: ein System suggeriert eine Ordnung, die Camus so nicht sah. Damit treibt er die Überlegungen des Existentialismus auf seine Spitze. Seine Antwort liegt in der ständigen Revolte des Menschen. Indem der Mensch das absurde Verhältnis von Mensch und Welt anerkennt, akzeptiert er sich als ein Wesen, dass frei ist. Im Mythos von Sisyphos wird dies exemplarisch an dem besagten Mythos erläutert. Indem Sisyphos seine Strafe erträgt, annimmt sich aber nicht von der Bürde der ewigen Qual erschüttern lässt, zeigt er die Größe des modernen Menschen, der sein absurdes Schicksal annimmt.
Existenzialismus als Popkultur
In den 50er-Jahren entstand das Klischeebild des melancholischen, meist schwarz gekleideten jungen Existenzialisten, der zwischen Jazz-Cafe und Universität verkehrte. Geprägt von einer existenzialistischen Weltsicht ist auch der Film Noir.
Kritik am Existentialismus
Der Existentialismus hat, da er sich unter anderem als politisch engagiert verstand, viel Kritik aus allen gesellschaftlichen Bereichen erhalten. Insbesondere durch die katholische Kirche, aber auch Politiker verschiedener Parteien und natürlich auch durch Vertreter anderer philosophischer Richtungen.
Die philosophische Kritik richtet sich meist gegen einen verabsolutierenden Begriff der Existenz und einer zu geringen Differenzierung menschlicher Lebensformen, einer zu starken Polarisierung und schließlich einer Verfestigung der Dichotomie von Subjekt und Objekt. So waren es insbesondere andere Existenzphilosophen wie Heidegger oder Merleau-Ponty, die sich gegen die Ausprägung der Philosophie Sartres äusserten.
Interessanterweise nahm das Interesse für den Existentialismus im gleichen Maße, wie der für die Existenzphilosophie in der 2. Hälfte des 20.Jh. ab, da stärker gesellschaftliche, ethische und politische Fragestellungen in den Vordergrund rückten.
Werke
- Jean-Paul Sartre:
- La Nausée (Der Ekel)
- L' être et néant (Das Sein und das Nichts)
- Le Chemins de la liberté (Die Wege der Freiheit)
- Albert Camus:
- Le Mythe des Sisyphe (Der Mythos von Sisyphos)
- L' Étranger (Der Fremde)
- La Peste (Die Pest)
- Le Malentendu (Das Missverständnis)
Zitate
Jean-Paul Sartre:
- Existieren, das ist dasein, ganz einfach; die Existierenden erscheinen, lassen sich antreffen, aber man kann sie nicht ableiten
- Denn die dialektische Totalisierung muss die Handlungen, die Leidenschaften, die Arbeit und die Bedürfnisse ebenso wie die ökonomischen Kategorien umfassen, sie muss gleichzeitig den Handelnden wie das Ereignis in den historischen Komplex einordnen, ihn im Verhältnis zur Richtung des Werdens definieren und genauestens den Sinn der Gegenwart bestimmen.
- Wenn die Existenz dem Wesen vorausgeht, das heißt, wenn die Tatsache, dass wir existieren, uns nicht von der Notwendigkeit entlastet, uns unser Wesen erst durch unser Handeln zu schaffen, dann sind wir damit, solange wir leben, zur Freiheit verurteilt...
- Das "Paradoxe unserer historischen Situation" bestehe darin, dass "unsere Freiheit heute [...] lediglich der freie Entschluss, die Freiheit zu erkämpfen", sei.
- Der Marxismus wird zu einer unmenschlichen Anthropologie degenerieren, wenn er nicht den Menschen als seine Grundlage reintegriert
- ... es gibt keine Auswege zu wählen. Ein Ausweg, der wird erfunden
- Nicht die "Härte einer Situation und die von ihr auferlegten Leiden" sind Motive "dafür, dass man sich einen andern Zustand der Dinge denkt, bei dem es aller Welt besser ginge; im Gegenteil, von dem Tag an, da man sich einen anderen Zustand denken kann, fällt ein neues Licht auf unsere Mühsale und Leiden und entscheiden wir, dass sie unerträglich sind.
Beeinflusste Autoren
Siehe auch
- Essenz, Wesen (Philosophie), Existenz, Sinn des Lebens
Literatur
- Danto, Arthur C.: Sartre. Göttingen 1997, ISBN 3-88243-172-5
- Hans-Martin Schönherr-Mann: Sartre. Philosophie als Lebensform. Beck, München 2005, ISBN 3-406-51138-4
- Robert C. Solomon (Hrsg.): Existentialism. 2. Aufl. Oxford University Press, New York u.a. 2005, ISBN 0-19-517463-1 (Sammlung von Quellentexten)
- Haim Gordon (Hrsg.): Dictionary of existentialism. Fitzroy Dearborn, London u.a. 1999, ISBN 1-579-58167-6
- William L. McBride (Hrsg.): Sartre and existentialism. Philosophy, politics, ethics, the psyche, literature, and aesthetics. Bisher 8 Bde. Garland, New York, NY u.a. 1997ff.
- Helene Harth; Volker Roloff (Hrsg.): Literarische Diskurse des Existentialismus. Stauffenburg, Tübingen 1986, ISBN 3-923721-55-2
- Wilhelm Antonius Maria Luijpen: Existentielle Phänomenologie. Eine Einführung. Manz, München 1971, ISBN 3-7863-0135-2
- Leo Pollmann: Sartre und Camus. Literatur der Existenz. Kohlhammer, Stuttgart u.a. 1967.
- Nicola Abbagnano: Philosophie des menschlichen Konflikts. Eine Einführung in den Existentialismus. Rowohlt, Hamburg 1957.
Kategorie:Existenzphilosophie
ja:実存主義
th:อัตถิภาวนิยม
zh-min-nan:Chûn-chāi-chú-gī
Jean-Paul SartreJean-Paul Sartre [] ( - 21. Juni 1905 in Paris; † 15. April 1980 in Paris; vollständiger Name Jean-Paul Charles Aymard Sartre) war ein französischer Schriftsteller und Philosoph.
Der vor allem als Erzähler, Dramatiker, Essayist und Philosoph tätige Autor gilt als der wohl bedeutendste und repräsentativste französische Intellektuelle des 20. Jahrhunderts.
Leben
Kindheit und Schule
Sartre wurde in Paris als Sohn des Marineoffiziers Jean-Baptiste Sartre (1874–1906) geboren, seine Mutter Anne-Marie (1882–1969), geborene Schweitzer, war deutsch-elsässischer Abstammung und eine Cousine Albert Schweitzers. Der Vater starb 15 Monate nach Jean-Pauls Geburt an einer Tropenkrankheit. Seine junge Mutter zog daraufhin zurück zu ihren Eltern, wo Sartre unter dem erzieherischen Einfluss seines Großvaters Charles Schweitzer aufwuchs, eines Gymnasialprofessors (agrégé) für das Fach Deutsch, der ihn zu Hause unterrichtete. Sehr früh begann er zu lesen (auch auf Deutsch), erlitt aber schon als Junge eine Linsentrübung im rechten Auge, das nach und nach erblindete und nach außen wanderte, sodass er mit der Zeit immer stärker schielte. Erst im Alter von 10 Jahren kam er zur Schule auf das prestigeträchtige Gymnasium Lycée Henri-IV.
1917 verheiratete sich seine Mutter wieder und zog mit ihm zu ihrem neuen Mann nach La Rochelle – zwei Veränderungen, die der Zwölfjährige schwer verkraftete, zumal auch sein Großvater empört mit ihm brach, als er erfuhr, dass der Junge Geld aus der Haushaltskasse genommen hatte, um sich mit Süßigkeiten bei seinen neuen Klassenkameraden einzuschmeicheln.
1920 wurde Sartre nach Paris zurückgeschickt und besuchte – nunmehr als Internatschüler – wieder das Henri-IV. Hier befreundete er sich mit einem Klassenkameraden, dem späteren Schriftsteller-Kollegen Paul Nizan, der ihn in die zeitgenössische Literatur einführte. 1922 legte er das „bac“ (baccalauréat) ab und wechselte zusammen mit Nizan auf das Lycée Louis-le-Grand, dessen Vorbereitungsklassen (classes préparatoires) für die École Normale Supérieure, die Elitehochschule für die Lehramtsfächer, als besser gegenüber denen des Henri-IV galten.
Studium, Berufseinstieg und Krieg
1923 konnte Sartre eine Novelle und einige Romankapitel in kleinen Zeitschriften unterbringen, zugleich begann er, sich für Philosophie zu interessieren. 1924 belegte er den sechsten Rang in der Aufnahmeprüfung (concours) für die École Normale Supérieure. Sein Wohnheimzimmer dort teilte er mit dem ebenfalls aufgenommen Nizan.
Die vier Jahre auf der École Normale Supérieure waren eine glückliche Zeit für Sartre: Er las und arbeitete viel und regelmäßig jeden Tag von 9 bis 13 und von 15 bis 19 Uhr, was er sein ganzes Leben lang beibehielt. Er absolvierte Kurse und Prüfungen in Psychologie, Moralphilosophie, Soziologie, Logik, Metaphysik und Latein, interessierte sich für die neue Kunstform Kino und für den aus Amerika importierten Jazz. Auch nahm der nur 1,56 m große und deshalb von seinen Freunden auch "das Männchen" (le petit homme) genannte Sartre Boxunterricht.
Beim sonntäglichen Besuchen seiner Eltern, die inzwischen ebenfalls in Paris lebten, führte er hitzige Debatten mit seinem Stiefvater, der ihn als "communiste patenté" (offenkundiger Kommunist) apostrophierte. Zwar war Sartre anders als sein Freund Nizan kein Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs, doch war er Sympathisant und verweigerte z.B. zusammen mit Nizan die für Schüler der École Normale Supérieure quasi obligatorische Ausbildung zum Reserveoffizier. Altersgemäß versuchte er es auch mit der Liebe, und zwar bei einer entfernten jungen Verwandten aus Toulouse, die er auf einer Beerdigung kennengelernt hatte und die ihn bei ihren raren kurzen Treffen ziemlich frustrierte (ähnlich wie sein alter ego Roquentin im Roman La Nausée (Der Ekel) von Freundin Anny frustriert wird).
Philosophisch begann Sartre, der sich in der Familie seines Großvaters und dann seines Stiefvaters immer irgendwie "überzählig" gefühlt hatte, eine "Theorie der Kontingenz" zu entwickeln, gemäß der das menschliche Leben ein Zufallsprodukt ist und nicht unbedingt einen von höheren Mächten verbürgten Sinn hat.
1928 erhielt er bei der Aufnahmeprüfung (agrégation) für das Amt des Gymnasialprofessors nur den nicht ausreichenden 50. Platz, anscheinend weil er versucht hatte, originelle Ideen zu formulieren.
Nachdem Nizan sich verheiratet hatte, meinte auch Sartre, dies tun zu müssen und ließ seine Eltern um die Hand einer jungen Frau anhalten, die er kennengelernt hatte; er wurde jedoch abgewiesen. Wenig später begegnete er seiner künftigen Weggefährtin Simone de Beauvoir, die sich wie er auf "l'agreg" vorbereitete. Beide wurden angenommen, Sartre kommt diesmal auf den 1. und Beauvoir auf den 2. Platz.
Während sie als Gymnasialprofessorin mit Anfang 20 nach Marseille geschickt wurde, trat Sartre seinen Militärdienst bei den Meteorologen in Tours an, wo er als Ausbilder den ein Jahr älteren und später bedeutenden Soziologen und Philosophen Raymond Aron hatte. Da der Dienst ihn wenig beanspruchte, schrieb er viel: Gedichte, den Anfang eines Romans, Entwürfe zu Theaterstücken.
1931, mit 26, wurde er als Gymnasialprofessor für Philosophie nach Le Havre geschickt. Er und Beauvoir trafen sich auch weiterhin regelmäßig in Paris, das ihr Lebensmittelpunkt blieb. Beide machten eine erste größere Reise nach Spanien, was Sartre vom kleinen Erbe der Großmutter Schweitzer bezahlte.
In seiner Schule war er bei den Schülern bald als interessanter Lehrer beliebt, aber bei den Kollegen als arrogant verschrien. Er begann an einem Factum sur la contingence (Streitschrift über den Zufall) zu arbeiten, einer polemisch-satirischen Schrift gegen die allzu optimistische und positive Schulphilosophie, die er gemäß Lehrplan seinen Klassen verabreichen musste. 1932 reiste er mit Beauvoir in die Bretagne, nach Spanien und Spanisch Marokko. Zum Schuljahrswechsel wurde sie ins nähere Rouen versetzt. Gemeinsam interessierten sie sich für Sigmund Freud und dessen Psychoanalyse. Sartre entdeckte die Phänomenologie Edmund Husserls, aber auch die Romane Hemingways. 1933 unternahm man wieder gemeinsame Reisen, diesmal nach London und Italien.
Danach war Sartre für ein Jahr Stipendiat am Institut Français in Berlin. Hier las er Husserl und Heidegger, Faulkner und Kafka und begann aus dem factum einen Roman zu entwickeln, das spätere La Nausée. Die Politik interessierte ihn nur am Rande, die gerade erfolgte Machtergreifung Hitlers hielt er, wie viele linke Intellektuelle, für einen vorübergehenden Spuk. Nach Ablauf des Stipendiums reiste er mit Beauvoir durch Deutschland, Österreich und die 1919 neugeschaffene Tschechoslowakei.
Ab Herbst 1934 unterrichtete er wieder in Le Havre, wo er sich einsam und deplatziert fühlte und schließlich depressiv wurde, zumal auch die allgemeine Stimmung schlecht war in der Hafenstadt, die besonders stark unter der Weltwirtschaftskrise litt, die mit drei, vier Jahren Verspätung nun auch Frankreich getroffen hatte. Sartres Depression verstärkte sich durch Wahn- und Panikphasen, weil er sich 1935, nachdem er eine Doktorarbeit über die Vorstellungskraft zu schreiben begonnen hatte, von einem befreundeten Arzt die Droge Meskalin hatte spritzen lassen. Immerhin nahm er am 14. Juli 1935 mit Beauvoir an der antifaschistischen Großkundgebung in Paris teil, mit der die französischen Linksparteien und Gewerkschaften gemeinsam auf den wachsenden Druck der faschistischen Kräfte auch in Frankreich reagierten.
1936 beendete Sartre den Roman, an dem er seit Berlin gearbeitet hatte. Er war sehr enttäuscht, als der Gallimard-Verlag das Manuskript ablehnte. Trotzdem schrieb er nun weiter erzählende Texte. In seinen eigenen Augen war er offenbar zum belletristischen Autor geworden, und er wurde bestärkt von Beauvoir, die inzwischen ebenfalls an einem Roman schrieb.
Im Mai und Juni 1936 gingen sie beide zwar aus Prinzip nicht wählen, waren aber begeistert, als die linke "Volksfront" (Front populaire) die Wahlen gewann. Der Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs im Juli bewegte auch Sartre zutiefst; den Gedanken, sich als Freiwilliger den antifaschistischen Internationalen Brigaden anzuschließen, verwarf er aber, zumal er gerade eine Stelle in Laon, also näher an Paris, bekommen hatte. Nach einer Italienreise mit Beauvoir verarbeitet er das Thema Spanischer Bürgerkrieg in der Novelle Le Mur (Die Mauer), einem kleinen Meisterwerk, das Aufmerksamkeit erregte, als es im Juli 1937 in der Nouvelle Revue Française gedruckt wurde. Ebenfalls 1937 wurde schließlich auch sein Roman angenommen, wobei der Verleger Gallimard vorschlug, den Text zu kürzen und den ursprünglich geplanten Titel Melancholia in La Nausée (eigentlich: die Übelkeit) abzuändern.
Zum Schuljahr 1937/38 wurde Sartre endlich in den Pariser Vorort Neuilly versetzt, auch Beauvoir bekam eine Stelle in Paris. Sie wohnten nun in zwei Zimmern eines kleinen Hotels im XIV. Arrondissement; ans Heiraten dachten sie nicht: Beauvoir wollte emanzipiert leben, und dazu gehörte, dass sie weder Ehefrau noch Mutter sein mochte.
Im April 1938 kam mit erfreulichem Erfolg La Nausée heraus: ein Roman, dessen Ich-Erzähler Roquentin ähnliche Sinn- und Selbstfindungsprobleme hat, wie sie auch Sartre in den Jahren von Le Havre hatte, und der so wie dieser die Krise schließlich nicht durch Selbstmord löst, sondern mit dem Entschluss Romancier zu werden. Auch ein Sammelband mit Erzählungen aus den letzten drei Jahren, den Sartre 1939 unter dem Titel Le Mur herausgab, fand Beachtung. Zugleich beauftragte ihn André Gide, eine Artikelserie über moderne Autoren für die Nouvelle Revue Française zu schreiben: Sartre hatte seinen Durchbruch als Autor geschafft. Er machte sich nun an ein größeres Romanprojekt und begann dessen ersten Band L'Âge de raison (Das Alter der Vernunft).
Waren Sartre und Beauvoir bisher fast hochmütig "freischwebende Intellektuelle" gewesen (eine Wortschöpfung des Soziologen Karl Mannheim), so begannen sie nun, angesichts des zunehmenden Expansionsdrangs Hitlers, sich politisch zu engagieren. Als Frankreich am 3. September 1939 Deutschland den Krieg erklärte, wurde Sartre eingezogen. "La drôle de guerre", den Krieg, der zunächst keiner war, verbrachte er im Elsass, wo er fleißig an seinem Roman schrieb und sich Notizen für eine philosophische Abhandlung machte. Im April 1940 konnte er auf einem Urlaub in Paris den "prix du roman populiste" entgegennehmen. Während nach dem 10. Mai 1940 der deutsche Angriff, "le blitz allemand", Frankreich ins Chaos stürzte, schrieb Sartre fieberhaft an den letzten Seiten von L'Âge de raison. Ende Juni, kurz vor dem Waffenstillstand, geriet er mit seiner Einheit in Gefangenschaft. Hierbei nahm ihm ein deutscher Offizier das fertige Manuskript ab, verwahrte es aber und ließ es ihm später wieder zukommen.
Während in Frankreich der neue Staatschef Marschall Pétain ein rechtsautoritäres von der großen Mehrheit der Franzosen aber durchaus akzeptiertes Regime errichtet, verbrachte Sartre in einem Kriegsgefangenenlager bei Trier fast glückliche Monate. Er schloss Freundschaften, z.B. mit dem Jesuitenpater Paul Feller (1913-1979), und verfasste ein versteckt politisches Stück, Bariona ou le Fils du tonnerre (B. oder der Sohn des Donners), das er mit Kameraden zu Weihnachten aufführte. Anders als die anderen Gefangenen, die nach und nach als Zwangsarbeiter auf deutsche Fabriken und Bauernhöfe verteilt wurden, wurde Sartre wegen seines Augenleidens im März 1941 freigelassen. Beauvoir, die sich offenbar mit den neuen Verhältnissen arrangiert hatte, war frappiert von dem politischen und moralischen Rigorismus, den er aus dem Lager mitbrachte.
Beide aktivierten nun alte Bekanntschaften und gründeten eine Widerstandsgruppe Socialisme et liberté (Sozialismus und Freiheit), die sich mehr gegen das Vichy-Regime richtete als gegen die deutschen Besatzer (die man zu dieser Zeit in Frankreich kaum wahrnahm). Sartres Versuche, Kontakte zu kommunistischen Bekannten zu knüpfen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, schlugen fehl. Die Kommunisten, die schon dabei waren, im Untergrund eine antideutsche Widerstandsorganisation aufzubauen, und die nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 mit Attentaten auf deutsche Soldaten begannen, hielten ihn für einen anarcho-linken kleinbürgerlichen Intellektuellen, der ähnlich wie die Figur Hugo im Stück Les mains sales (Die schmutzigen | | |